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1088 Ulu. 15)
Wo risennere: Die Planchsche Hntedeekng und die plitasoplischen Grandfragen der Atomlehre
Die Plancksche Entdeckuny und die philosophischen Grundfragen
der Atomlehre *)
jet
Von W.HiiseNbBere ‚ Göttingen
Wenn im folgenden von den plilosophischen Auswirkungen der Planckschen Iinteleckung die Rede sein
soll, so muß zuvor die Frage aufgeworlen werden,
wie überhaupt eine spezielle naturwissenschäaftliche
Entdeckung etwas nut allgemeinen philosophischen
Problemen zu tun haben kann. Offenbar ist dies nur
dann möglich, wenn dureh die Entdeckung Fragen
sehr allgemeiner Art gestellt oder beantwortet werden;
Fragen, die nicht so sehr ein spezielles Gebiet der
Naturwissenschaft als vielmelir die wissenschaftliche
Methode schlechthin oder die Grundvoraussetzungen
aller Naturwissenschaft zum Ziel haben. Das berühmte Beispiel dafür, daß dies möglich ist, gibt in der
Physik die Newtonsche Mechanik, die zum Beginn
der Neuzeit neu die Frage gestellt hat, was überhaupt
IAS. SENBERG, Wia & S
Nach diesen Vorbemerkungen soll die Frage nach
der philosophischen Bedeutung der Planckschen Entdeckung gestellt werden. Welche Fragen allgemeiner
Art sind damals durch eine Erkenntnis über das doch
sehr spezielle Problem der Wärmestrahlung aufgeworfen worden? Was kann die Plancksche Formel!)
_ Sart
e=
os
hy
RE 4
für die Philosophie bedeuten? Man kann den grundsätzlichen Charakter des Neuen, das im Jahr 1900
durch PLANCK in die moderne Naturwissenschaft eingetreten ist, vielleicht am besten durch den Hinweis
Der außerordentliche
deutlich machen, daB hier jenes Problem erneut zur
Diskussion gestellt wurde, um das bereits vor zweieinhath Jahrtausenden PLATO und DEMOKRIT gerungen
haben, das den entscheidenden Punkt der Meinungs-
Einfluß der Newtonschen ,,Principia auf das Denken
verschiedenheit zwischen diesen beiden Philosophen
mit dem Wort „Verständnis oder „Erklärung der
Natur“ gemeint sein könne,
der folgenden Jahrhunderte berutite nicht auf den
speziellen Axiomen oder Ergebnissen dieser Newtonschen Mechanik
etwa auf der bekannten lormel:
Kraft = Masse ~ Beschleunigung
-, sondern auf der
Tatsache, daß zum erstenmal Naturerscheinungen in
ihren zeitlichen Ablauf mathematisch beschrieben
werden konnten, also auf dem Nachweis, daß cme
solche mathematische Naturbeschreibung grunelsätzlich möglich ist.
Wenn in dieser Weise spezielle Entderkungen in
der Naturwissenschaft Kinfluß gewinnen können auf
das Denken ganzer Jahrhunderte, so äußert sich dieser
löinfluß doch
nicht
darin,
daß die
Entdeckungen
etwa eine Entscheidung herbeiführten zwischen verschiedenen widerstreitenden philssophischen Systemen oder daß sie die sichere Grundlage schüfen für
ein neues derartiges System. So eng kann der Zusammenhang zwischen Naturwissenschalt und Philosophie nie werden. Auch die folgenden Überlegungen
dürfen nicht dahin nußverstanden werden, als sollte
von der Quantentheorie oder der Atomtheorie her
Stellung genommen werden für oder gegen emes der
früheren oder heutigen plilosophischen Systeme. Das
Interesse des Naturforschers an den philosophischen
Denkweisen ist von anderer Art. Ihn Interessieren
vor allem die Fragestellungen, erst in zweiter Linie die
Antworten. Die Fragestellungen scheinen ihm wertvoll, wenn sie in der Entwicklung des menschlichen
Denkens fruchtbar geworden sind. Die Antworten
können in den meisten Fallen nur zeitbedingt sein;
sie müssen durch die Erweiterung unserer Kenntnisse
von den Tatsachen im Lauf der Zeit an Bedeutung
verlieren. Insbesondere würde es dem Geist der Naturwissenschaft in jeder Weise zuwider laufen, wenn man
versuchen wollte, irgendwelche bestimmten Antworten zum Dogma zu erheben. Wir müssen also im
Gegenteil versuchen, ohne Vorurteil aus den neuen
Tatsachen und aus den alten und neuen Fragestellungen so viel wie möglich zu lernen.
bezeichnet hat,
Hier muß kurz ein Blick auf die Geschichte der
griechischen Atomphilosophie geworfen werden. Das
systematische Denken der griechischen Naturphilosophen von Tirares bis DEMOKkIıT hatte schließlich
zur Frage nach den kleinsten Teilen der Materie geführt. An die Stelle der in die Paradoxie mündenden
Polaritit von Sein und Nichtsein bei PARMENIDES
latte DEMOKRIT die Polarität zwischen dem Vollen
und dem Leeren, nämlich zwischen den Atomen und
dem leeren Raum, gesetzt.
Das Seiende war nach
DiMonkiE unendlich oft vorhanden, eben als kleinster,
unveränderlicher und unteilbarer Bestandteil der Matrie. Das verschiedenartige Geschehen in der Welt
erklärte sich durch die verschiedenartige Lagerung
und Bewegung der Atome im leeren Raum. Ebenso,
wie die Tragödie und die Komödie mit den gleichen
Buchstaben geschrieben werden können, so kann, nach
DEmorxıt, sehr verschiedenartiges Geschehen durch
die gleichen Atome verwirklicht werden. Nach dem
Wesen der Atome aber, warum sie gerade so und nicht
anders seien, wurde nicht mehr gefragt. Die Atome
waren das schlechthin Gegebene, sie waren unteilbar,
unveränderlich, das eigentlich Seiende, aus dem alles
zu erklären war, das aber selbst keiner Erklärung mehr
bedurfte.
Auch PLATO hat wesentliche Elemente der Atomlehre übernommen.
Den vier Elementen: Erde,
Wasser, Luft und Feuer, entsprechen bei ihm vier
Sorten kleinster Teilchen.
Diese Elementarteilchen
sind nach PLATO mathematische Grundgebilde von
hoher Symmetrie. Die kleinsten Teile des Elements
Erde werden als Würfel, die des Elements Wasser als
Ikosaeder, die des Elements Luft als Oktaeder und
schließlich die des Elements Feuer als Tetraeder vorgestellt. Aber diese Elementarteilchen sind bei PLATO
nicht unteilbar. Sie können in Dreiecke zerlegt und
1 Hierin bedeuten: ep die ränmliche Diehte der Hohlraumstrahlung von der Schwingungszalil », A und & die Plancksche und die
*) Vortrag, gehalten am 25, April 1958 in Berlin bei der Poier
von Max Prasers 100, Geburtstag.
Naturwiss, 1058
Boltzinannsche Konstante, 2 die absolute Teinperatur und c die
Lichtgeschwindigkeit.
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Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)aus Dreiecken wieder aufgebaut werden. Daher kann
2.3. aus zwei Klementarteilchen Luft und aus einem
Elementarteilchen Veuer ein Blementarteilchen Wasser aufgebaut werden. Die Dreiecke selbst sind nicht
Materie, sie sind nur noch mathematische Form.
Bei
Prato
das
ist
also
das
Elementarteilchen
schlechthin Gegebene,
nicht
Unveränderliche und
Unteilbare; es bedarf noch einer Erklärung, und die Frage
nach dem Warum der Elementarteilchen wird von
Prato auf Mathematik zurückgeführt. Die Klementarteilchen haben die ihnen von Pı.aro zugeschriebene
Form, weil sie die mathematisch schönste und cinfachste Form ist.
Die letzte Wurzel der Erscheinungen ist also nicht die Materie, sondern das mathematische Gesetz, die Symmetrie, die mathematische
Form.
Der Kampf um den Primat der Form, des
Bildes, der Idee auf der einen Seite über die Materie,
das materiell Seiende auf der anderen oder umgekehrt
der Materie über das Bild, also der Kampf zwischen
Idealismus und Materialismus hat in der Geschichte
der Philosophie immer wieder das menschliche Denken
in Bewegung gesetzt. Dem Naturwissenschaftler mag
der Unterschied zwischen den beiden Auffassungen
manchmal nicht allzu wichtig erscheinen. Aber schon
Praro selbst hat den Gegensatz als so tief empfunden,
daß er den Wunsch geäußert haben soll, die Bücher
des Demorktr sollten verbrannt werden.
Was aber hat die Plancksche Entdeckung mil
dieser alten Frage zu tun? Für die Chemie des 19. Jahrhunderts waren die Atome als die kleinsten Verle der
chemischen Elemente gegeben. Sie waren wicht mehr
selbst Gegenstand der Forschung. Der Zug von Diskontinuität oder Unstetigkeit, der sich in der atomaren
Struktur der Materie gezeigt hatte, mußte zunächst
ohne Erklärung hingenommen werden. Die Plancksche Entdeckung aber machte offenbar, daß dieses
selbe Element von Unsteugkeit noch an anderen
Stellen, nämlich in der Wärmestrahlung, auftritt, wo
es sicher nicht einfach als Folge der atomaren Struktur
der Materie aufgefaßt werden kann. In anderen Worten: Die Plancksche Entdeckung legte den Gedanken
nahe, dal dieser Zug von
Unstetigkent
im Naturgeschehen, der sich in der Existenz der Alone und in
der Wärmestrahlung unabhängig äußert, als Folge
eines viel allgemeineren Naturgesetzes verstanden
werden müßte. Damit tritt also von neuem der Gedanke PLATONS in die Naturwissenschaft ein, daß der
atomaren Struktur der Materie letzten Endes ein
mathematisches
Gesetz,
eine
mathematische
Symmetrie zugrunde liege. Die Existenz der Atome oder
der Elementarteilchen als Ausdruck einer mathematischen Struktur, das war die neue Möglichkeit, die
PLANCK mit seiner Entdeckung aufgezeigt hatte, und
hier berührt er Grundfragen der Philosophie.
Freilich war der Weg zu einem wirklichen Verständnis dieser Zusammenhänge noch sehr weit. Zunächst verging noch einmal ein Vierteljahrhundert,
bis auf Grund der Bohrschen Theorie des Alombaus
eine widerspruchsfreie mathematische Formulierung
der Planckschen Quantentheorie gegeben werden
konnte. Aber auch damit war man noch weit von
einem vollen Verständnis der Struktur der Materie
entfernt.
Immerhin war mit der Planckschen Entdeckung
ein ganz neuer Typus von Naturgesetz als möglich
erkannt worden, und damit kommen wir zu spezielle-
Die Naturwissenschaften
ren physikalischen Fragen. Die früher mathematisch
formulierten Naturgesetze, etwa in der Newtonschen
Mechanik
oder in
der Wiirmelelire,
enthielten
als
sogenannte „Konstanten nur die Eigenschaften der
Körper, auf die sie angewendet werden sollten. Es gab
in ihnen aber keine Konstanten vom Charakter eines
universellen Maßstabs, Die Gesetze der Newtonschen
Mechanik z.B. konnten im Prinzip auf die Bewegung
cines fallenden Steins, auf die Bahn des Mondes um
die Erde oder den Stoß eines atomaren Teilchens
angewandt werden. Überall schien grundsätzlich das
Gleiche zu geschehen. Die Plancksche Theorie enthielt
aber das sogenannte ,,Plancksche Wirkungsquantum”.
Damit war ein bestimmter Maßstab in der Natur gesetzt. Es war klargestellt, daß die Phänomene dort,
wo die vorkommenden Wirkungen sehr groß gegen
die Plancksche Konstante sind, grundsätzlich anders
ablaufen als dort, wo sie mit dem Planckschen Wirkungsquantum vergleichbar werden. Da die Ereignisse
unserer täglichen Erfahrungen stets mit Wirkungen zu
tun haben, die schr groß gegen die Plancksche Konstante sind, war die Möglichkeit angedeutet, daß die
Phänomene im atomaren Bereich Züge aufweisen,
die sich unserer unmittelbaren Anschauung überhaupt
entziehen.
Es konnte sich um Vorgänge handeln, die
zwar noch in ihren Auswirkungen experimentell beobachtet und rational mit den Mitteln der Mathematik
analysiert werden können, von denen wir uns aber
kein Bild mehr machen können. Der unanschauliche
Charakter der modernen Atomphysik beruht letzten
Endes auf der Existenz des Planckschen Wirkungsnantums, auf dem Vorhandensein eines MaBstabs
von atomarer Kleinheit in den Naturgesetzen.
Schon wenige Jahre nach der Planckschen Entdeckung sind zum zweiten Male Naturgesetze formuliert worden, die cine solche Maßstabskonstante enthalten. Diese zweite Konstante selbst, die Lichtgeschwindigkeit, war allerdings den Physikern schon
lange Zeit bekannt. Ihre grundsätzliche Rolle als
Maßstab in den Naturgesetzen ist aber erst durch
Einsteins Relativitätsthcorie verstanden worden.
Zwischen Raum und Zeit, den scheinbar ganz unabhängigen Anschauungsformen, in denen wir das Geschehen begreifen, bestehen Beziehungen, und in der
mathernatischen Formulierung dieser Beziehungen erscheint die Lichtgeschwindigkeit als die charakteristische Konstante. Unsere tägliche Erfahrung hat fast
immer mit Bewegungsvorgängen zu tun, die langsam
im Vergleich zur Lichtgeschwindigkeit ablaufen. Daher ist es nicht überraschend, wenn unsere Anschauung versagt bei Vorgängen, die sich mit Geschwindigkeiten in der Nähe der Lichtgeschwindigkeit abspielen.
Die Lichtgeschwindigkeit ist ein von der Natur gesetztes Maß, das nicht über bestimmte Dinge in der
Natur, sondern über die allgemeine Struktur von
Raum und Zeit Auskunft gibt. Unserer Anschauung
ist diese Struktur aber nicht mehr unmittelbar zugänglich.
Als die grundsätzliche Bedeutung der beiden universellen Naturkonstanten, des Planckschen Wirkungsquantums und der Lichtgeschwindigkeit, erkannt war,
lag es nahe, die Frage zu stellen, wieviele unabhängige
derartige Naturkonstanten es überhaupt geben kann.
Die Antwort lautet, daß es mindestens drei solche universelle Konstanten geben muß, daß aber wahrscheinlich alle anderen Naturkonstanten durch zum
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1953 (lg. 45)
We llesenneke: Die Plancksche Kutederkung und he plilosophischen Grundlragen der Atomlehre
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Teil noch unbekannte mathematische Beziehungen auf
diese drei zurückgeführt werden können. Daß gerade
drei solche unabhängige natürliche Maßeinheiten exi-
Beziehung zwischen Geometrie und Materie auf eine
gemeinsame Wurzel zurückführen können.
Bei diesem Versuch betrachtete EINSTEIN die in
stieren müssen, kann sich der Pliysiker oder Techniker
der allgemeinen Relativitätstheorie versuchte Deutung
am einfachsten durch die Überlegung klarmachen,
des Gravitationsfeldes durch eine ortsabhängige Geometrie als grundlegend, während er die von PLANCK
aufgedeekten quantentlieoretischen Gesetzmäßigkenten als sekundär empfand. Die ganz andersartige
mathematische Formulierung der Planckschen Quanlentheorie, über die nachher noch gesprochen werden
daß schon die üblichen physikalischen oder technischen
Maßsysteme stets drei solche Maßeinheiten enthalten,
etwa die Kinheit der Länge, der Zeit und der Masse:
Zentimeter, Sckunde und Gramm.
Wenn man an die
Stelle dieser drei, durch Konvention festgesetzten
MaBeinheiten natürliche Maßeinheiten setzen will, so
mu, konnte EINSTEIN nicht als endgültig anerkennen,
muB man also dem Planckschen Wirkungsquantuio
da sie scinen philosophischen Vorstellungen von der
Aufgabe der exakten Naturwissenschaften nicht entsprach. Er empfand es als unbefriedigend, wenn die
Naturgesetze sich nicht auf die objektiven Vorgänge,
somlern auf die Möglichkeit, auf die Wahrscheinlichkeit solcher Vorgänge beziehen sollten. Andererseits
erschien den Atomphysikern gerade die Plancksche
Quantentheoric als der eigentliche Schlüssel zum Verständnis der Zusammenhänge. Daher mußten sie
versuchen, zu einer einheitlichen Feldtheorie auf dem
Weg über die Quantentheorie der Elementarteilchen
vorzudringen. Der Gegensatz zwischen Kraft und
Stoff, der in der Naturphilosophie des 19. Jahrhunderts eine gewisse Rolle gespielt hatte, war ja in der
Quantentheorie längst aufgelöst in dem rnatlhiematisch analysierten Dualismus zwischen Welle und Korpuskel oder zwischen Kraftfeld und materiellen Elementarteilchen, so daß der Weg von hier aus zu einer
einheitlichen Peld- und Materietheorie grundsätzlich
olfen schien.
Revor wir diesem Weg, soweit er bisher gegangen
werden konnte, und damit der Entwicklung der
letzten zehn Jahre folgen, muß aber noch auf die erkenntnistheoretische Situation eingegangen werden,
die durch die Plancksche Entdeckung und ihre präzise mathematische Formulierung in den zwanziger
Jahren entstanden war. Schon vorhin war die Rede
von einem neum Typus Naturgesetz, bei dem in der
Natur gegebene MaBeinheiten auftreten. Vielleicht
sollte man richtiger sagen, daB es sich um mathematisch formulierbare Grundstrukturen der Natur hanılelt; denn schon der Begriff des Gesetzes ist beinahe
zu eng, um diese schr allgemeinen Zusammenhiinge zu
fassen, Es wurden zwei solche Zusammenhangsbereiche erwähnt: die Quantentheorie und die Relativitätstheorie. Diese beiden Theorien haben einschneidende Veränderungen in unserem Weltbild hervorgebracht, weil sie uns klargemacht haben, daB die anund der Lichtgeschwindigkeit noch eine weitere Konstante zufügen.
Die atomare Struktur der Materie
legt es nahe, als dritte Einheit eine Länge von atomarer
Größenanordnung zu wählen, etwa eine Länge von
der Ordnung des Durchmessers einfacher Atomkerue.
Eine präzise Formulierung dieser Längeneinheit aber
kann erst gegeben werden, wenn es gelingt, die Naturgesetze mathematisch auszudrücken. in denen die
Längeneinheit als wesentliche Größe vorkommt.
Wieder würde man erwarten, daß unsere anschaulichen Begrilfe für Phänomene anwendbar sind, die
sich in Räumen abspielen, die groß gegen jene atomare Längencinheit sind, dal dagegen im Bereich der
kleinsten Länge, wie man diese Konstante auch gr
naunt hat, die Erscheinungen wesentlich anders als
in unserer gewohnten Welt ablaufen.
Aber mit dieser Überlegung eilen wir der Entwicklung, so wie sie sich in den vergangenen Jahrzehnten wirklich vollzogen hat, weit voraus.
Zunächst hatte die Plancksche Entdeckung ja nur die
Möglichkeit sichtbar gemacht, die atomare Struktur
der Materie auf mathematisch formulierte Naturgesetze, d.h. auf mathematische Formen, zurückzuführen. Obwohl man sich damals kaum eine Vorstellung davon bilden konnte, um was für mathenmtische Formen es sich dabei schließlich handeln würde,
so war doch der Atomphysik damit cin Ziel gesetzt.
Der Blick der Naturforscher wurde gerichtet auf den
noch fernen Gipfel der Atomtheorie, von dem aus nicht
nur die Existenz der Elementarteilehen und aller aus
ihnen bestehenden atomaren Gebilde, sondern carnit
indirekt die physikalischen Zusammenhänge der Welt
überhaupt als Folge einfacher mathematischer Strukturen erkannt werden konnten. An dieser Stelle trafen
sich die Hoffnungen der Atomphysiker mit den Wünschen ALBERT EINSTEINs, der in den zwanziger Jahren
den Plan entwickelte, von der allgemeinen Relativitätstlieorie ausgehend zu einer einheitlichen Nekltheorie vorzustoßen. Das Nebeneinander verschiedener, scheinbar unabhängiger Kraftfeldarten war schon
seit dem Entstehen der Einsteinschen Gravitationstheorie als unbefriedigend empfunden wurden. Als
Kraftfelder waren den Physikern seit langer Zeit chen
das Gravitations- oder Schwerefeld und die elektromagnetischen Kräfte bekannt. Dazu kamen in unserem Jahrhundert die Materiewellen, die man auch als
Kraftfelder der chemischen Bindung bezeichnen kann,
schaulichen Vorstellungen, mit denen wir die Dinge
unserer täglichen Erfahrung ergreifen, nur in einem
beschränkten Erfahrungsbereich gelten, daß sie also
keineswegs etwa zu den unumstößlichen
Voraussetzungen der Naturwissenschaft gehören.
In der Quantentheorie handelt es sich speziell
um die Frage der objektiven Beschreibung der physikalischen Vorgänge. In der früheren Physik war die
Messung der Weg zur Feststellung objekliver, von der
Messung unabhängiger Sachverhalte. Diese objekschließlich die vielen verschiedenen Wellenfelder, die
tiven Sachverhalte konnten mathematisch beschrieden verschiedenen, in den letzten Jahrzehnten entdeckten Elementarteilchen im Sinne der Quantentheorie zugeordnet sind. EINSTEIN hatte die Hoffnung,
man werde alle diese Kraftfelder als Aussagen über
die von Ort zu Ort variierende geometrische Struktur
des Raumes und der Zeit auffassen und durch die
ben, ihr Kausalzusammenhang dadurch streng festgelegt werden. In der Quantentheorie ist zwar die’
Messung selbst auch noch ein objektiver Sachverhalt,
ebenso wie in der früheren Physik; aber der Schluß
von der Messung auf den objektiven Ablauf des zu
messenden atomaren Geschehens wird problematisch,
Página 4
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)da die Messung in das Geschehen eingreift und sich
nicht mehr vont Geschehen selbst vollständig trennen
läßt. Eine anschauliche Beschreibung der atomaren
Vorgänge, so wie man sie sich in der Physik vor
50 Jahren gewünscht hätte, wird
daher uamöglieh.
Wir können die Naturvorgiinge im atomaren Bereich
nicht mehr in der gleichen Weise ergreifen wie die
Vorgänge im großen.
Wenn wir die gewohnten Begriffe verwenden, so wird ihre Anwendbarkeit durch
die sogenannten „Unbestimmtheitsrelationen” eingeschränkt. Für den weiteren Verlauf des atomaren
Vorgangs können wir in der Regel nur die Wahrscheinlichkeit voraussagen. Nicht mehr die objektiven
Ereignisse, sondern die Wahrscheinliehkeiten für das
Eintreten gewisser Kreignisse können in mathemati
schen lormeln festgelegt werden. Nicht mehr das
faktische Geschehen selbst, sondern die Möglichkeit
zum Geschehen — die ,,Potentia’, wenn wir diesen
Begriff der Philosophie des ARISTOTELES verwenden
wollen — ist strengen Naturgesetzen unterworfen.
Über diese Seite der Quantentheorie ist oft gesprochen worden, und ich möchte dieses Thema hier
nicht allzu ausführlich behandeln. Auch möchte ich
von der Geschichte dieser Entwicklung, die ın erster
Linie mit den Namen Borm, Born, Jordan und Dirac
verknüpft ist, hier nicht sprechen; ebenso wicht von
der Entwicklung der Wellenmechanik durch ot Bit
GLIE und SCHRÖDINGER.
Wenn man den Schritt von der Klassischen Physik
zur Quantentheorie als endgültig betrachtet, Wenn
man also annimmt, daß die exakte Naturwissensehatt
auch in Zukunft den Bepriff der Wahrscheinlichkeit
oder Möglichkeit, der ,,Potentia’, in ihren Grunellagen enthalten wird, so rücken dadurch manche Probleme aus der Philosophie früherer Zeiten in ein neues
Licht, und umgekehrt kann das Verständnis der
Quantentheorie durch das Studium jener früheren
Fragestellungen vertieft werden. Auf die Beziehung
zu dem Begriff der ,‚Potentia in der Philosophie des
ARISTOTELES wurde schon hingewiesen. Aber auch
zur Philosophie der Neuzeit in ihren verschiedenen
Systemen ergeben sich eine Menge von Beziehungen,
die hier allerdings nur ganz kurz gestreift werden
können; auf eine ausführliche und sorgfältige Behandlung muß verzeichtet werden.
In der Philosophie des DESCARTES spielte der
Gegensatz zwischen der „res cogitans" und der res
Die Naturwissenschaften
Kant hatte den sogenannten „synthetischen Urteilen a priori und den apriorischen Auschauungsformen einen zentralen Platz in seiner Philosophie
eingeräumt. In der neuen Deutung der Quantentheorie werden zwar auch die Grundbegriife der klassischen Physik als apriorische Elemente anerkannt;
insofern enthält die Quantentheorie einen erheblichen
Teil Kantscher Philosophie. Aber es wird gleichzeitig
dem Apriori nur eine relative Bedeutung zugemessen,
da, im Gegensatz zur Kantschen Auffassung, auch
die apriorischen Begriffe nicht mehr als unveränderliche Grundlagen der exakten Naturwissenschaften
gelten.
Auf die positivistischen Elemente in der Relativitätsthevrie und der Quantentheorie ist oft hingewiesen
worden. Insbesondere haben die Gedankengänge
Macus zweifellos die Entwicklung der Physik seit der
Planckschen Entdeckung immer wieder befruchtet.
Aber auch dieser Einfluß darf nicht überschätzt werden. Insbesondere betrachtet die Quantentheorie in
ihrer heute allgemein angenommenen Deutung keineswegs die Sinneseindrücke als das primär Gegebene,
wie es der Positivismus tut. Wenn etwas als primär
gegeben bezeichnet werden soll, so ist das in der
Quantentheorie die Realität, die mit den Begriffen
der klassischen Physik beschrieben werden kann.
Da die Quantentheorie im Zusammenhang mit der
Atomlehre entstanden ist, so steht sie auch, trotz ihrer
erkenntiistheoretischen Struktur, in enger Beziehung
zu jenen Philosophicn, die die Materie in den Mittelpunktahres Systems rücken. Aber die Entwicklung der
letzten Jahre, über die nachher gesprochen werden
soll, vollzieht doch sehr deutlich — wenn man überhaupt Vergleiche mit der antiken Philosophie ziehen
will
die Wendung von DEMOKRIT zu PLATO. Gerade
die Plancksche Entdeckung enthält ja schon den Hinweis, slaß die atomare Struktur der Materie als Ausdruck mathematischer Gestalten in den Naturgesetzen
anfgefabt werden kann.
AuBerdein entlält die erkenntnistheoretische Analyse der Ouantentheorie besonders in der Form, die
Boni hr gegeben hat, manche Züge, die an die Metho-
Begriffspaar ausgedrückte Spaltung der Welt hat das
Denken der folgenden Jahrhunderte aufs stärkste beeinflußt. In der quantentheoretischen Physik sieht
den der Hegelschen Philosophie erinnern.
Schließlich sind verschiedene Untersuchungen angestellt worden über die Beziehung der Quantentheorie
zur Logik. Ich erinnere besonders an die Untersuchungen VON WEIZSACKERS. Offenbar kann man die quantentheoretische Interpretation der atomaren Vorgänge
mit einer Erweiterung der Logik in Verbindung bringen, die vielleicht in der zukünftigen exakten Naturwissenschaft eine sehr allgemeine Bedeutung erhalten
dieser Gegensatz etwas anders aus als früher. Kr erwird.
scheint als weniger schroff, da diese Physik uns gezwungen hat, in verschiedenen Zusammenhangsbereichen zu denken, die zueinander in jenem Verflüchtigen Blick geworfen auf die mannigfachen Beziehungen zwischen der Quantentheorie und einer
Reihe verschiedenartiger philosophischer Fragestelextensa“ eine entscheidende Rolle, und die in diesen
Damit haben wir einen allerdings nur sehr
hältnis stehen, das Bonr mit dem Begriff ,,Komplelungen, auf die im einzelnen hier leider nicht eingementarität” ausgedrückt hat.
gangen werden kann.
Schließlich muß noch ausführlicher ein mehr physikalisches Problem erwähnt werden, das schon zur
Entwicklung der Quantentheorie und Atomtheorie im
Die Zusammenhangsbereiche können sich einerseits ausschließen, andererseits aber doch auch ergänzen, so daß erst durch das
Spiel zwischen den verschiedenen Bereichen die volle
Einheit sichtbar wird. Wie das ohne die geringste
Unklarheit möglich ist, zeigt die quantentheoretische
Mathematik. Im Vergleich zur klassischen Physik
letzten Jahrzehnt überleitet. Die Relativitätstheorie
und die Quantentheorie haben gewisse Grundstrukturen der Natur sichtbar gemacht, die früher unberückt die Quantentheorie daher deutlich ab von jener
kannt waren.
etwas zu schroffen Zweiteilung der Welt in der Descartesschen Philosophie.
sich um die Struktur von Raum und Zeit, in der
Quantentheorie um die Konsequenzen des Umstandes,
In der Relativitätstheorie handelt es
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1958 (Jg. 45)
WW. HEIsSlEN BERG: Die Plincksche Entdeckung und die philosophischen Grundfragen der Atomlehre
daß jede Messung im atormaren Bereich einen Akt,
einen Eingrilf erfordert.
Die in der speziellen Relativitälstheorie aufgedeckte Struktur von Raum und Zeit kann etwa folgendermaßen kurz beschrieben werden: Wir können
unter dem Wort ,, Vergangenheit alle jene Ereignisse
zusammenfassen, von denen wir, wenigstens prinzischließlich drei wichtigste Sorten von Elementarteilchen, die Protonen, Neutronen und Elektronen, als die
letzten Bausteine aller Materie erkannt. Dann aber
zeigten spätere Experimente, daB es noch manche
andere Arten von Elementarteilchen gibt, die von den
vorhergenannten in erster Linie dadurch sich unterscheiden, daß sie nur kurze Zeit existieren können, da
piell, etwas erfahren können, unter dem Wort „Zusie sehr schnell radioaktiv zerfallen, d.h. sich in andere
kunft'' alle jene anderen Ereignisse, auf die wir,
wenigstens grundsätzlich, noch einwirken können. In
unserer anschaulichen Vorstellung sind diese beiden
Ereignisbereiche nur durch einen unendlich kurzen
Zeitmoment getrennt, den wir den „gegenwärtigen
Augenblick“ nennen. Aus der Einsteinschen Theorie
Teilchen umwandeln. Die Mesonen, die Hyperonen
wurden entdeckt, und wir kennen heute etwa 30 verschiedene Sorten von Elementarteilchen, von denen
die meisten nur eine sehr kurze Lebensdauer besitzen.
Mit diesen Erfahrungen waren zwei wichtige Fragen
wissen wir aber jetzt, daß dieser Gegenwartsbereich
gestellt. Erstens: Sind diese Elementarteilchen, insbesondere Protonen, Neutronen, Elektronen wirklich
endlich ist, daß er zeitlich um so länger dauert, je weiter
die letzten, unteilbaren Bausteine der Materie, oder
der Ort der Ereignisse von dem unseren entfernt ist.
Dies liegt daran, daß sich Wirkungen nie schneller als
mit Lichtgeschwindigkeit fortpflanzen können. Es
gibt also eine scharfe raum-zeitliche Grenze zwischen
müssen auch sie wieder als zusammengesetzt aus kleineren Teilen aufgefaßt werden? Wenn sie aber schon
den Ereignissen, von denen wir erfahren können, und
denen, von denen wir nicht mehr erfahren können, und
gerade diese experimentell gefundenen Elementareine andere Grenze zwischen den Ereignissen, auf die
die kleinsten Bausteine sind, warum lassen sie sich
nicht noch weiter teilen? Zweitens: Warum gibt es
teilchen, warum haben sie gerade die beobachteten
Eigenschaften? Durch welche Naturgesetze sind ihre
wir noch einwirken können, und denen, auf die wir
Massen und Ladungen, die Kräfte, mit denen sie aufnicht mehr einwirken können.
Die Existenz einer solchen scharfen Grenze paßt
aber schlecht zu der Struktur der physikalischen Vorgänge, die sich durch die Quantentheorie enthüllt
hat. Aus den Unbestinmntheitsrelationen wissen wir,
daß eine Ortsbestimmung einen um so schärferen
Eingriff erfordert, je genauer sie vorgenommen werden
soll. Eine unendlich scharfe Ortsbestimmung würde
sogar einen unendlich großen Kingriff voraussetzen
und kann daher gar nicht realisiert werden. So ist
es nicht weiter verwunderlich, daß jene von der
Relativitätstheorie behanptete scharfe Grenze zn Unzuträglichkeiten beim Versuch der quantenthesretischen Formulierung der plivsikalischen Vorgänge
führt. Auf die Einzelheiten kann hier auch wieder
nicht eingegangen werden; aber die theoretische physikalische Literatur der letzten 25 Jahre ist angefüllt
von Diskussionen jener Unzuträglichkeiten und scheineinander wirken, bestimmt?
Auf die erste Frage gibt die heutige Physik die
baren Widersprüchen, die durch die sogenannten
„Divergenzen“, z.B. die unendliche Selbstenergie des
Elektrons, eine befriedigende Beschreibung der Vorgänge bei den Elementarteilchen lange Zeit unmöglich
gemacht haben. Quantentheorie und Relativitätstheorie können also offenbar nicht ohne Schwierigkeiten zusammengefügt werden.
Nach den Ergebnissen der letzten Jahre haben wir
allen Grund zu der Annahme, daß es erst dann gelingen kann, die beiden Theorien zusammenzufügen,
bestimmte Antwort, daß die Elementarteilchen wirklich schon die letzten, kleinsten Einheiten der Materie
darstellen; und sie gibt dafür auch eine zunächst etwas
überraschende
stellen,
ob
Begründung.
sich
die
weiter teilen lassen?
Wie kann
man
fest-
Elementarteilchen
nicht
noch
Die einzige Methode, dies zu
untersuchen, ist doch wohl der Versuch, sie mit den
stärksten Kräften weiter zu zerspalten. Da es natürlich keine Messer oder andere Werkzeu ge gibt, mit
denen die Teilung versucht werden könnt e, bleibt als
einzige Möglichkeit, Elementarteilchen mit hoher
Geschwindigkeit aufeinanderprallen zu lassen. Man
kann in der Tat Zusammenstöße zwischen Elementarteilchen höchster Energie herbeiführen. Die großen
Beschleunigungsmaschinen, die heute in den verschiedensten Teilen der Welt gebaut werden, z.B. in
Genf als europäische Gemeinschaftsarbeit, in Amerika,
in Rußland, dienen eben diesem Zweck. Auch die in
der Natur vorkommende kosmische Strahlung bewirkt
solche Zusammenstöße. Dabei werden die Elementarteilchen auch tatsächlich zerlegt, oft in viele Teile
auseinandergeschlagen, aber, und das ist das Überraschende, die Teile sind nicht kleiner oder leichter
als die Elementargebilde, die zerschlagen wurden.
Denn die hohe kinetische Energie der zusammenstoßenden Teilchen kann nach der Relativitätstheorie in
wenn man auch die dritte Grundstruktur, die mit der
Masse verwandelt werden, sie wird tatsächlich dazu
Existenz einer universellen Liinge von der Größenordnung 10 B cm verknüpft ist, in den Kreis der Betrachtungen einbezieht.
Wirklichkeit findet also nicht eigentlich eine Spaltung
Zunächst soll hier kurz besprochen werden, um
neuer solcher Teilchen aus der Bewegungsenergie der
welche physikalischen Phänomene es sich dabei handelt. Die Chemie hatte ursprünglich den verschiedenen
chemischen Elementen je eine Atomsorte zugeordnet.
Die Rutherfordschen Experimente und die Bohrsche
Theorie hatten dann gezeigt, daß das sogenannte Atom
der Chemiker aus einem Kern und einer Hülle von
stoßenden Teilchen. So schafft die Einsteinsche Gleichung!): E = mc? die Möglichkeit dafür, daB die heute
bekannten Elementarteilchen wirklich schon die
kleinsten existierenden Gebilde sind.
Gleichzeitig erkennen wir dabei, daß die Elemen-
Elektronen besteht.
macht sind, nämlich, wenn Sie so wollen, aus Energie.
Die Kernphysik der dreißiger
Jahre hat uns gelehrt, die Atomkerne als Gebilde von
Protonen und Neutronen aufzufassen. So waren
benutzt, neue Elementarteilchen zu erzeugen.
In
der Elementarteilchen statt, sondern eine Erzeugung
tarteilchen alle sozusagen aus dem gleichen Stoff ge1) m ist die Masse des Körpers, E seine Energie und ¢ die Licht
geschwindigkeit.
Página 6
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Die Naturwissenschaften
ist, aus dem alle Dinge bestechen. Das Feuer ist gleichzeitig die treibende Kraft, die die Welt in Bewegung
Damit wären die Schwierigkeiten beseitigt, denn nach
Vorgängen in kleinsten Raumgebieten kann man eben
nicht fragen; damit ist gemeint: Vorgänge in kleinsten
RKaum-Zeitgebieten können nicht unmittelbar beerhält, und man kann vielleicht, um zu unserer heutiobachtet werden, und die Rückschlüsse von den Begen Auffassung zu kommen, Feuer und Energie identifizieren. Die Klementarteilchen der modernen Physik können genau wie die der platonischen Philosophie
ineinander umgewandelt werden. Sie bestehen nicht
selbst aus Materie, sondern sie sind die einzig moglichen Formen der Materie. Die Energie wird zur
obachtungen auf diese Vorgänge können nicht mehr
mit den Begriffen der üblichen Physik gezogen werden.
Hier kann man Anklänge an die Philosophie des
HERAKLTT finden, nach dem das Feuer der Grundstoff
Materie, indem sie sich in die Form eines Klementarteilchens begibt, indem ste sich in dieser Porm manifestiert. Hier klingt die Beziehung zwischen Form und
Stoff an, die in der Philosophie des ARISTOTELES eine
so zentrale Rolle spielt. Damit sind wir auch schon
bei der zweiten Frage angelangt: Warum gibt es gerade
diese bestimmten Elementarteilchen und keine anderen?
Diese Frage ist identisch mit der Frage nach dem
Naturgesetz, das die Figenschaften der Elementarteilchen bestimmt; und dieses Naturgesetz muß die
dritte natürliche MaBeinheit, die sogenannte ,,kleinste Länge‘, enthalten.
Die hier gestellten Probleme
sind zwar noch keineswegs gelöst, aber es kann doch
schon
cin
Vorschlag
für
eine solche
Theorie
der
Elementarteilchen zur Diskussion gestellt werden, der
durch die Forschung der kommenden Jahre nachyeprüft und entwickelt werden muß.
Zunächst muß hier über die Fortschritte in den
vergangenen Jahren berichtet werden. Schon vor
etwa 15 Jahren hat Dirac in England auf die Mögliehkeit hingewiesen, die inathematischen „Divergenzschwierigkeiten’“ der Ouantenfeldtheorie, über die ich
vorhin kurz gesprochen habe, dadurch zu lösen, dab
man eine neue imaginäre Kinheit, eine Quadratwurzel
aus
1, in die mathematische Darstellung aufnimint,
oder, um es in einer genaneren mathematischen Spra-
Daher entziehen sich diese Vorgänge jeder anschaulichen
Beschreibung.
Diese Möglichkeit ist dann in
einem mathematisch
Kinzelheiten studiert
vereinfachten Modell in den
worden -- ich erwälne hier
Untersuchungen von Mrerrer, KORTEL und ASCOLI
in Göttingen —, und es hat sich gezeigt, daß eine solche
Benutzung der Diracschen Vorschläge in dem einfachsten Full, der mathematisch vollständig analysiert
werden kann, tatsächlich widerspruchsfrei möglich ist.
Auch stellte sich bei diesen Untersuchungen heraus,
daß
schon
ein
solches
vereinfachtes
Modell
sehr
wesentliche Züge jener einheitlichen Feldtheorie aufweist, die das Ziel der Untersuchung bilden muß. Zum
3eispiel ergaben sich die elektromagnetischen Felder
als Folge des Matericfeldes, und das Matericfeld manifestierte sich in Klementarteilchen, die ähnliche Kigenschaften aufwiesen wie die wirklich beobachteten.
Kin sehr wesentlicher Beitrag zum Problem der
Materie war dann die durch die beiden chinesischen
Plivsiker Lan und YANG gemachte Entdeckung, daß
die elektromagnetischen Kelder in einer ganz unerwarteten Weise mit einem den Klementarteilchen innewolnenden Schranbensinn verknüpft sind. Zum Beispiel gibt es positiv geladene, sogenannte ,,7-Mesonen, die radieaktiv zerfallen. Die beim Zerfall entstehenden y-Mesonen und Elektronen und Neutrinos
zeigen eine bestimmte Polarisation, die in ihrem Sinn
etwa emer Reehtsschraube entspricht. Es gibt keine
positiv. gelandenen zr-Mesonen, bei deren Zerfall der
umgekehrte Schranbensinn ausgezeichnet wire. Wohl
aber gibt es negativ geladene 7-Mesonen der gleichen
che auszudrücken, daß man dem Hilbert-Raum der
Masse, und bei deren Zerfall bestimmt gerade der um-
Ouantenfeldtheorie eine indefinite Metrik gibt. Freilich bedeutet eine solche Kinführung eme Gefgehende
gekehrte Schranbensinn die Polarisation. Durch Spiegelung entsteht also aus einem Teilchen das zugehörige
sogenannte „Antiteilchen”, das gerade die entgegengesetzte Ladung trägt. Diese Entdeckung hatte besonders interessante Konsequenzen für das Verständnis der Eigenschaften eines Klementarteilchens, dessen
Existenz vor lingerer Zeit von Paurr aus einer Ana-
Struktwrveränderung der Theorie, und kurze Zeit
darauf hat Paurr in Zürich zeigen können, daß cme
solche Theorie zunächst physikalisch nicht interpretiert werden kann. Denn die Größen, die sonst in
der Quantentheorie die Wahrscheinlichkeit für das
Eintreten eines KEreignisses bedeuten, können in der
Diracschen lormulierung negativ werden, und eine
negative Wahrscheinlichkeit ist ein physikalisch sinnloser Begriff. Trotzdem haben wir dann in Göttingen
vor etwa 5 Jahren diesen Diracschen Gedanken
wieder aufgegriffen in der Hoffnung, daß der mathematische [ormalismus sich in folgender Weise entwickeln lassen würde: Die Grundgleichung für die
Materie muß ja, wie schon mehrfach betont wurde,
jene Maßeinheit enthalten, die als Länge von der
Größenordnung 107% cm eingeführt wurde. Sollte es
nicht möglich sein, die indefinite Metrik in einer solchen
Weise zu benutzen, daß die negativen Wahrscheinlichkeiten immer nur dann auftreten, wenn man nach
dem physikalischen Verhalten in Raumdimensionen
von der Größenordnung 1078 cm fragt? Daß aber
für Fragen, die sich auf sehr viel größere Räume und
Zeitgebiete beziehen, alle berechneten Wahrscheinlichkeiten wieder von selbst positiv werden, so daß die
Formeln eine physikalische Interpretation zulassen,
lyse des f-Zerfalls der Elemente vorhergesagt worden
war, des sogenannten Neutrinos. Beim Studium dieser
Konsequenzen ist Paurt im vorigen Jahr auf eine
besondere Transformationseigenschaft gestoßen, auf
eine bis dahin nicht beachtete mathematische Symmetrie der Neutrinowellengleichung. Da nun, wie
schon bei der Beschreibung der platonischen Körper
betont wurde, die mathematischen Symmetrien in der
Theorie der Elementarteilchen eine besonders wichtige
Rolle spielen, konnte man darauf vorbereitet sein, daß
der eben genannten Symmetrie vielleicht cine über
die spezielle Neutrinogleichung hinausgehende Bedeutung zukommt.
Das Erfahrungsmaterial über die Elementarteilchen, das in den vergangenen 2 Jahrzehnten gesammelt worden ist, gibt über die Symmetrieeigenschaften
in den Grundgleichungen der Materie dort, wenn auch
etwas indirekt, Auskunft, wo es uns die sogenannten
Auswahlregeln und Erhaltungssätze‘ liefert. Damit
ist folgendes gemeint: Wenn wir aus der Erfahrung
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1958 (Ju. 45)
wissen, welche Teilchen etwa sich in welche anderen
kennen, sollten sich aus dieser einen Struktur abradioaktiv umwandeln können, so kann man daraus
Rückschlüsse über die Symmetriccigenschaften der
Teilchen und der ihnen zugrunde liegenden Gesetze
ziehen. Bei dem Versuch, das vorhin genannte, in
Göttingen entwickelte mathematische Modell einer
leiten lassen.
An dieser Stelle hat natürlich die moderne Aulfassung einen Grad von Strenge, der den griechischen
Philosophen völlig ferngelegen hat, und man muB, um
nicht mißverstanden zu werden, auch die tiefgehenden
Unterschiede unserer heutigen Naturwissenschaft von
der antiken betonen. Zunächst besteht ein wesentlicher Unterschied in der Methode, nämlich darin, dab
Theorie der Materie so umzugestalten, daß es den beobachteten Auswahlregeln Rechnung trägt, waren wir
auf eine Gleichung gestoßen, von der Paurt zeigen
konnte, daß sie auch die von Paurr gefundenen
Symmetrieeigenschaften enthält.
1,
{
233
Kerner hatte der
türkische Physiker GÜRSEY darauf hingewiesen, dab
diese Paulische Symmetrie offenbar eine charakteristische Eigenschaft des Systems der Elemeutartcilchen
wiedergibt, die schon vor 25 Jahren gefunden worden
war und mit dem Begriff ‚Isotopenspin‘' oder ,,[sospin", der hier nicht weiter erklärt werden soll, eine
mathematische Formulierung gefunden hatte.
Damit konnte man eine Gleichung angeben, die
um es vorsichtig auszudrücken — zum mindesten ım
ersten Augenblick so aussieht, als könnte sie alle uns
bekannten Eigenschaften der Elementarteilchen darstellen, als könnte sie schon die richtige Gleichung
der Materie sein. Die Gleichung lautet:
Ve ay VEE Tver
a
a
+
pes) = 0-
In ihr bedeutet y (ein von den Raum- und Zeitkoordinaten abhängiger Feldoperator) die Materie; die y,
sind die einfachen, von Dirac eingeführten Matrizen
(mathematische Größen aus der Theorie der linearen
Transformationen), / ist die natürliche Lingeneinheit,
von der mehrfach die Rede war. Dab die Lichtgeschwindigkeit und die Planeksche Konstante in der
Gleichung nicht mehr sichtbar vorkommen, liegt einfach daran, daß man diese beiden Grundgräßen bereits als Maßeinheit benutzt, also gleich 1 gesetzt hat.
Auch die Größe 2 kaum natürlich in der gleichen
Weise als Maßeinheit verwendet und gleich 1 gesetzt
werden und tritt dann in der Gleichung nicht mehr auf.
Es ınuß an dieser Stelle betont werden, daß es sich
bei dieser Gleichung zunächst um einen Vorschlag
handelt, und daß erst die keineswegs einfache mathematische Analyse ihrer Konsequenzen im Vergleich mit
den experimentellen Erfahrungen nach einigen Jahren
ein sicheres Urteil darüber erlauben wird, wie weit
man mit dieser Gleichung kommt.
Für den Augenblick ist es vielleicht wichtiger, die
Denkmöglichkeiten zu studieren, die, ausgehend von
der Planckschen Entdeckung, durch die geschilderte
Entwicklung bis zu den Fortschritten der letzten Zeit
entstanden sind. Wie sieht die Physik aus, wenn sich
die Hoffnungen der Physiker an dieser Stelle erfüllen ?
Die erwähnte Gleichung enthält neben den drei natürlichen Maßeinheiten nur noch mathematische Symmetrieforderungen. Durch diese Forderungen scheint
alles weitere bestimmt zu sein. Man muß eigentlich
die Gleichung nur als eine besonders einfache Darstellung der Symmetrieforderungen, aber diese Forderungen als den eigentlichen Kern der Theorie betrachten. Ähnlich wie bei PLATO sieht es daher so
aus, als liege dieser scheinbar so komplizierten Welt
aus Elementarteilchen und Kraftfeldern eine einfache
und durchsichtige mathematische Struktur zugrunde.
Alle jenen Zusammenhänge, die wir sonst als Naturgesetze in den verschiedenen Bereichen der Physik
wir systematisch Experimente anstellen und Theorien
nur dann akzeptieren, wenn sie die Experimente
wirklich in allen Einzelheiten darstellen. Dann aber
äußert sich ein weiterer sehr wichtiger Unterschied
in der Rolle, die der Zeitbegriff in der Physik seit
GALILEE und NEWTON spielt.
Die Elementarteilchen in der Philosophie PLATONS
erhielten ihre Symmetrie aus der sogenannten ,,Raumgruppe“, der Gruppe der Drehungen im dreidimensionalen Raum. Es handelt sich also dort um eine statische, unmittelbar anschauliche Symmetrie. Die neuzeitliche Plıysik aber bezieht die Zeit von Anfang an
in ihre Naturbetrachtung ein. Seit? NEWTON ist die
Physik auf die Dynamik der Erscheinungen gerichtet.
Sie geht von der Auffassung aus, daß in dieser sich
ständig verändernden Welt nicht die geometrischen
Formen das Bleibende sein können, sondern die Gesetze. Die Gesetze sind allerdings im Grunde auch
nur abstraktere mathematische Formen, die sich aber
eben auf Raum und Zeit beziehen. Ein Verständnis
der Materie erscheint uns daher nur möglich, wenn man
aus den Experimenten auf mathematisch faßbare
Strukturen schließt, die Raum und Zeit m gleicher
Weise betreffen.
Die endgültige Theorie der Materie wird, ähnlich
wie bet Prato, durch eine Reihe von wichtigen
Symmetrieforderungen charakterisiert sein, die wir
heute schon angeben können. Diese Symmetrien
kann man nicht mehr einfach durch Figuren und
Bilder erläutern, wie es bei den platonischen Körpern
möglich war, wohl aber durch Gleichungen, und ich
möchte einige der wichtigsten Gleichungen hier erwähnen, obwohl solche Darstellungen natürlich nur
dem Mathematiker verständlich sein können.
Eine erste entscheidende Symmetrieeigenschaft
wird die sogenannte „inhomogene Lorentz-Gruppe“
sein, die, wie Sie wissen, die Grundlage der speziellen
Relativitätstheorie bildet.
Eine etwas vereinfachte
Darstellung lautet:
,
;
X — vi
Koeln, non!
V1 — (w/c)?
ñ
’
dn ct *
dp
==
.
Vt — (wfo)?
Eine zweite, ebenso wichtige Gruppe ist die der
Transformationen im Hilbert-Raum, die die Vertauschungsrelationen invariant lassen. Diese Gruppe
ist die Grundlage der Quantentheorie. Eine ebenfalls
etwas vereinfachte Darstellung lautet etwa:
> = Six Wij.
Ferner wird die sogenannte ,,Isospin-Gruppe‘ und
die mit der Erhaltung der Baryonenzahl verknüpfte
Gruppe eine Rolle spielen, die, wie wir nach den
Untersuchungen von Paurr und GÜRSEY vermuten,
durch die Paulischen Transformationen
yp =ayptby,C
tp" (\a*| +] b?| =1)
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Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)W IL Wistenan
yo
Max [roer abs Mensch
ah Rey
dargestellt werden. Schließbeh gibt es noch wichtige
Spiegelungssymmelrien, z.B. die Invarianz
der Theorie
bei Vorzeichenumkehr der Zeit und bei gleichzeitiger
Raumspiegelung
med
Ladungsumkehr,
Alle
diese
Symmetrien werden durch die vorhin erwähnte Gleichung dargestellt
oh schon in der richtigen Form,
wird die Zukunft lehren.
Eine Theorie, die aus einer einfachen Grundglerchung für die Materie die Massen une die Eigenschalten der Klementarteilehen richtig wiedergibt, mst auch
gleichzeitig eine einheitliche Peldtheore. Der aus den
Experimenten erkanıte Umstand, daß alle Elementarteileher sich ineinander umwandeln können, dentet
darauf hin, daß es kaum möglich sein dürfte, etwa
nur eine bestimmte Gruppe von Elementarteilchen
auszusondern und nur für diese Gruppe eine mathematische Darstellung zu finden. Durch diese Erfahrung und durch die grundlegende Bedeutung der
Symmetrieeigenschaften erhält jeder Versuch einer
Theorie der Kleinentarteilchen, wie z.B. der in der
obengenannten Gleichung enthaltene, men eigentümlichen Charakter von Geschlossenheit, Man findet
Strukturen, die so ineinander verknüpft und verschlungen sind, daß man eigentlich au keiner Stelle
mehr Änderungen vornehmen
kann, ohne alle Zusammenhänge in Frage zu stellen.
Man wird bier etwa an die kunstvollen
Bandornamente arabischer Moscheen erinnert, in denen so
viele Symmetrien gleichzeitig verwirkhieht sind, daß
man nicht ein einziges Blatt verändern könnte, ohne
den Zusummenhangsces Ganzenentscheidend zu stören.
Und ähnlich wie jene Bandornamente den Geist der
Religion ausdrücken, aus der sie entstanden sine, so
spiegelt sich in den Syminetrieeigenseltaften der Ouan-
Dre Natur:
wesensehaften
fentefltheane der Geist der naturwissenschaftlichen
Epoche, die durch PLANCRS Entdeckung eingeleitet
worden Ist.
Aber wir stehen an dieser Stelle mitten in emmer
Entwicklung, deren Ergebnisse man erst In engen
Jahren übersehen wird. Die Plancksche Entdeckung
hat in dem halben Jahrhundert, dessen einzelne Stadien ich Ihnen zu schildern versucht habe, bis zu einer
Stelle geführt, an der man das Ziel, nämlich das Verstindims der atomaren Struktur der Materie aus einfachen mat hematischen Symmetrieeigenschaften, schon
deutlich in den Umrissen zu erkennen glaubt. Selbst
wenn man an die Entwicklung der letzten Jahre,
van der ich gesprochen habe, mit all der Skepsis
herangelit, die zu den obersten Pflichten des Naturwissenschaftlers gehört, so darf man doch wohl aussprechen, daß man hier auf Strukturen von ganz ungewöhnlichen Einfachheit, Geschlossenheit und Schönheit gestoßen ist, auf Strukturen, die uns deshalb
besonders wichtig scheinen, weil sie nicht mehr ein
spezielles Gebiet der Physik, sondern die Welt im
ganzen betreffen.
Der 100. Geburtstag Max PLANCKs fällt in eine
Zeit, die, wenn man sie mit früheren Kpochen vergleicht, in vielen Bereichen, 2.33. denen der Politik,
der Kunst, der Wertmaßstähe, einen schr chaotischen
Eindruck macht. Ies ist daher, gerade wenn man an
eine so harmonische Persönlichkeit wie MAX PLANCK
denkt, beruhigend, daß wenigstens in dem einen
Bereich, dem Praxek seine Lebensarbeit gewidmet
hat, nichts Chantisches zu finden ist, daß vielmehr
hier Kinfachheit und durchsichtige Klarheit noch
ebenso bestimmend sind wie zur Zeit PLaTrons oder
Kerns oder NEWPONS,
Gällingen, Max-Planck-Institnt für Physik
Max Planck als Mensch
*)
Von Wırnerm I. Mest err, Berln-Zehlenderf
Die hohe Eire, daß ich heute über
Max Pranek als
Menschen sprechen darf, verdanke ich einzig der Tat
une) Kirehenhistoriker ABOLF VON HARNACK, dessen
sache, daß ich einer der wenigen noch lebenden Physiker
loge Oskar HeErrwig, der Mediziner Kart BonHOEPRER, und die Freundschaften der Eltern übertrugen steh auf die Kinder.
Das Leben im Hause PLANCK stand vor allem im
Zeichen der Musik, PLANCK war ja hochmusikalisch
und er ausgezeichneter Pianist, und das musikalische
Erbgut war auch auf seine beiden Töchter übergangen.
Der weltberühmte Geiger JoserH JOACHIM hat oft und
gern mit ihm musiziert. Ein tiefer Eindruck war es,
bin, die ihm und seinem Haus fast ein halbes Jahrlundert lang freundschaftlich nahestehen durften. Voretwa
50 Jahren betrat ich, mit einem Kinführungsschreiben
eines Bruders von Fran PLANCK versehen, zum erstenmal das Haus in der Wäangenheimstraße im Berliner
Villenvorort Grunewald. Von dem Tage an war ich
häufiger Gast im Hause PLANCK, in dem Frau Mari
PLANCK, die aus der bekannten
Familie Merck
stammte, mütlerlich waltete, und eine herzliche
Freundschaft verband mich bald mit den Zwillingstöchtern EMMA und Greriub, dem Solin Karr. ind den
Kindern von PLAncks Bruder ADALBERT. Erwin, das
Schwager, der Historiker HANS DELBRÜCK, der Biowenn PLANCK und EINSTEIN, der ja ein Meister aul
der Geige war, miteinander musizierten.
Nach
Prascks Tod schrieb sein Freund, der Theologe
vierte Kind, war beträchtlich jünger.
In diesem Hause herrschte ein fröhliches, geistig
angeregtes und allem Schönen im Natur und Kunst
aufgeschlossenes Leben.” In nächster Nähe wohnten
andere bedeutende Gelehrte, darunter der Theologe
BewrnoLeT: „Die Harmonie hat er sein Leben lang im
Innern mit sich getragen, und was cs an Wohllaut in
der Welt gab, das löste in der Tiefe seines Wesens
immer wieder ein klingendes Echo aus. Ich habe ihn
öfter in Konzerten beobachtet: ein wundervoller Zug
verklärender Beglückung ging über sein Gesicht, wo
*) Ansprache, gehalten bei der eier vou Max PLANCRS Hou. Geburtstag am 25, April 1958 in Bertin.
gehemmtem Genuß hingeben durfte. Und wieder sah
immer er, Tonschönheit dankbar lauschend, sich un-