… - Gotter, Heroen, Menschen?

Autor
Zhmud, L.
Publicado en
AKAN
Año
2001
Tema
HISTORY
Idioma
Deutsch
Categoría
C12 Religión
Número de archivo
961

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> rea ab IIPQTOI EYPETAI - Götter, Heroen, Menschen? Leonid Zhmud (St. Petersburg) Das, was ich heute vortragen möchte, stellt eine Erweiterung eines Themas aus meinem zukünftigen Buch dar, das der antiken Wissenschaftsgeschichte gewidmet ist. Es ist wohl bekannt, daß in Griechenland nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Geschichte der Wissenschaft entstanden ist, die in erster Linie durch die Werke von Aristotelesschülern repräsentiert ist: Eudemos, Theophrast, Aristoxenos und Menon. Leider ist es so, daf man zwar das wissenschaftshistorische Material dieser Werke benutzt, dies aber nur als Quelle für die weitere Rekonstruktion der griechischen Wissenschaft und nicht als Gegenstand spezieller Untersuchungen. Übrigens ist die ganze frühere Historiographie der Wissenschafl, d. hi. die wissenschafishistorischen Werke der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, noch nicht zum Thema zusammenfassender Studien gemacht geworden.’ Obwohl meine eigenen Interessen sich in erster Linie auf die antike Wissenschaftsgeschichte beziehen, mußte ich mangels umfassender Arbeiten über die späteren Perioden auch die Quellen des 16.-18. Jahrhunderts zumindest flüchtig anschauen. Was beim Lesen der wissenschaftshistorischen Literatur dieser Zeit auffällt, ist die bemerkenswerte Kontinuität von Themen, Ideen und Ansätzen, die bis in die Antike zurückreicht. Es ist sicher nicht übertrieben zu sagen, daß die antike Wissenschaft die vormodernen Historiker beinahe mehr interessiert hat als die zeitgenössische. In der Regel setzen sic an dem Punkt an, an dem Celsus, Pappos oder Proklos geendet haben, indem sie von ihren griechischen und römischen Lehrern sowohl das wissenschaftshistorische Material als auch die Hauptproblematik dieses Genres übernehmen. Noch wichtiger als diese konkreten Entlehnungen war die Gesamtperspcktive, in der die antike Wissenschaft weiterhin als ein Integralbestandteil der Wissenschaft als solcher galt. In diesem Sinne wird die antike Wissenschaft mindestens bis zum Ende des 18. —a2um.-. Jahrhunderts als modern und zeitgemäß betrachtet. Die Universalgeschichte einer bestimmten Wissenschaft, z.B. der Mathematik, wird zu dieser Zeit normalerweise in folgende Perioden unterteilt: Mathematik bei den Hebräern, angefangen von vorsintflutlichen Zeiten, Mathematik der Ägypter und Babylonier, die sie von den Hebräern entlehnt haben, Mathematik der Griechen, die sie bei den Agyptern und Babyloniern gelernt haben, usw. Diese Perspektive hat ihren Ursprung bei den frühchristlichen Apologeten, wie Clemens von Alexandria und Eusebios, welche die antike Philosophie und den Pentateuch zu vereinbaren versuchten, in- WN ANTIKE NATUR WNSSENSCHAT- END \ARE REZERPTION Ki Ro 9! 1 Nur die Medizingeschichte stellt eine der wenigen Ausnahmen dar. S. z.B.: E. Heischkel, Die Medizinhistoriographie im XVI. Jh., Janus 35, 1931, 67-105, 125-151; eadem, Die Medizingeschichtsschreibung von ihren Anfängen bis zum Beginn des 16. Jh.s. Berlin 1938; eadem, Die Geschichte der Medizingeschichtsschreibung, in: Einführung in die Medizinhistorik. Hrsg. von W. Artelt, Stuttgart 1949, 202-237; Ancient Histories of Medicine. Essays in Medical Doxography and Historiography in Classical Antiquity. Hrsg. von Ph. J, van der Eijk, Leiden 1999,

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dem sie den hebräischen Autoren wie Aristobulos, Philon und besonders Josephus Flavius folgten.? Nachdem sie über die fabelhaften Entdeckungen von Kain, Abraham und Moses berichtet hatten, gingen die Wissenschafishistoriker der Neuzeit zu Thales und zur griechischen Überlieferung über, wo sie sich auf verläßlichere Quellen zu stützen vermochten und nicht nur ihre Gelehrsamkeit, sondern auch ihre kritische Urteilskraft demonstrieren konnten. Aber.auch in Bezug auf die Antike blieb die Grenze zwischen der mythologisierten und der wirklichen Geschichte noch lange Zeit dort, wo sie die Spätantike gesetzt hatte. Der Begründer der modernen Medizingeschichte, Daniel Le Clerc, der solchen Autoritäten wie Celsus und Galen folgte, hat seine Geschichte nicht mit Hippokrates, sondern mit Asklepios angefangen.’ In dem soliden "Historischen Wörterbuch der antiken und modernen Medizin" kann man neben den Biographien hervorragender Ärzte auch Artikel über die legendären Begründer der Medizin finden, über Asklepios und den Kentauren Chiron,‘ G. Matthias fängt seinen Conspectus historiae medicorum chronologicus mit den folgenden Namen an: Adam, Seth, Cham, Zoroaster, Hermes, Osiris, Moses, Vulkanus, Apollon, usw." Nicht wenige durchaus gelchrte Werke dieser Zeit haben die Geschichte der griechischen Astronomie mit Allas, Uranos und ähnlichen Gestalten begonnen.! So läßt sich feststellen, daß in der wissenschafishistorischen Literatur bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts ein Charakteristikum fortbesteht, das auch die Mehrheit der antiken Geschichtswerke kennzeichnet, und zwar das Fehlen einer klaren Grenze zwischen legendärer und faßbarer Geschichte. Das bedeutet übrigens nicht, daß ein solcher Ansatz für alle historischen’ bzw. wissenschafishistorischen Werke der Antike charakteristisch ist. Gerade beim Begründer der Wissenschafisgeschichte Eudemos von Rhodos finden wir keine mythologischen oder legendären Namen. Seine Geschichte der Geometrie, der Astronomie und der Arithmetik fängt mit Thales, Anaximander und Pythagoras an, als Vorläufer hat er durchaus historische. Völker erwähnt, nämlich Ägypter und Babylonier. Dabei hat er sich gerade für die Anfänge der Wissenschaft und für die xp&tot evpetai interessiert, seine Historien sind eigentlich ihren Entdekkungen gewidmet.’ Im Unterschied aber zur sogenannten Heurematographie, einem Il kungen kurz beschreibt, o Genre, das in katalogartigem Stil ganz verschiedene EntdecPersone n und ihre Entdekschen histori die nur te eschich eudemische Wissenschaftsg kungen behandelt. Nichtsdestoweniger ist der Einfluß der Heurematographie auf die eudemische Wisstets wiederholenden senschafisgeschichte nicht zu übersehen, vor allem in einem sich Ausdruck, der den Cha- Ausdruck "dieser hat als erster das und das entdeckt", einem Geschichte der rakter einer Formel gewinnt. Von neun Fragmenten der eudemischen gupnua (eüpnoig, Geometrie" enthalten sieben solche Wörter wie TPETOG oder logie auch im “a Termino evpioxw) bzw. ihre Kombinationen.* Klare Spuren hat diese der Eudemos Lou rihmten "Katalog der Geometer" bei Proklos hinterlassen, deraufAstron omie a chte "Geschi der nten Fragme geht.’ Auch in fünf von sicben Geschichte dieser aus t Exzerp cin d währen , Wehrli) 8 144-14 (fr. g ebpern g wir rpöto wie folgt benannt ist: tig ti ebpev Ev po@nuatucoic.' als die rg Heurematographie als ein Genre, das eigentlich viel populärerden, und die Geentstan derts Jahrhun 4. des Anfang am ist war, hte schaftsgeschic Suche nach die Aber erts. Jahrhund n schichte der Wissenschaft am Ende desselbe frühere Zeit zurück mpétor evpetal, die beide Genres verbindet, reicht bis in eine viel Da ich diese frückt. ausgedrü r Literatu chen griechis der Genres vielen in sich hat und eschichte bechafisg Wissens der er Vorläuf en he Heurematographie als einen wichtig sind Se Wie 1} gestellt. Fragen en folgend die auch anderem trachte, habe ich unter n? 2) vertrete iche Menschl das das Legendäre und das Historische, das Göttliche und z.B., en, feststell ndenz lungste Entwick ne irgendei Läßt sich in der Heurematographie die dann daß und gen, überwie edperal rpötor unter Heroen und Götter daß zuerst die Zahl von Menschen zunimmt, oder fehlt eine solche Tendenz? i der antiken Heurematographie gedie i Ausgehend von den zahlreichen Studien, widmet sind," kann man zum Ergebnis kommen, daß die Zahl der Götter-Entdecker i ( fr. 136), copiata Ú (fr. 135), EUPNOIG pa UTC OadrodD npwtou Ù É v UO ebpruévo Gea Ù TOò Gewpria 8 todo rg rai ARS rv Mudayopeiwv (fr. 137), Oivonidou ebpnua (fr. 138), Innoxpä Cyrjoavtes... eopiicaciv (fr. 139), dp ‘Innoxpétouc éypapnouv mporov (fr. 140), 'Apxútou eipnoais (fr. 141). 2 S.: F. J. Worstbrock, Translatio artium. Über Herkunft und Entwicklung einer kulturhistorischen Theorie, Archiv für Kulturgeschichte 47, 1965, 1-22. Aristobulos behauptete, daß Platon und Aristoteles sich auf Mosaisches Recht stützten: R. Goulet, Aristoboulos, Dictionnaire des philosophes Grecs I, 1994, 379-380. OWàNw 7 D. Le Clerc, Histoire de la medicine. Genève 1696 (Amsterdam 21702, *1729). N. F. J. Eloy, Dictionnaire historique de la médicine ancienne et moderne, T. 1-4, Liège 1755. G. Matthias, Conspectus historiae medicorum chronologicus, Göttingen 1761. S. z.B.: P. Estéve, Histoire générale et particulière de l’astronomie, V. 1-3, Paris 1775; M. Norberg, De origine astronomiae apud Orientales, Lund 1790. L. Zhmud, Eudemus’ History of Mathematics, in: Rutgers University Series in the Classical Humanities, Bd. 11. Hrsg. von W. W. Fortenbaugh, I. Bodnar, New Brunswick 2001 (im Druck). 9 In Eucl., p. Pythagoras (p. 64.18 Friedlein), npútos und ebpev — über Thales (p. 65.7f.), avedpe — tiber 65.21), edpov und npòtog — über Hippokrates von Chios (p. 66.41.), mp@tos — über Eudoxos (p. ( Procl. A — über ú diei Entdeckung der Geometriei beibei den Agyptern + npàtov edpñolot 67.2f.), &veüpe — über Hermotimos (p. 67.20f.). ich mich auf das häufige 10 Ps.-Heron. Deff. IV, p. 167.9 Heiberg = Eud, fr. 145 Wehrli. Indem ng mit den anderen Verbindu in ständlich selbstver stütze, Eudemos bei Formel dieser en Vorkomm e nagae Fragment seine als ich versuche stiken, sprachlichen und sachlichen Charakteri cu Zeugnisse zu identifizieren, in denen sein Name fehlt. S. ZB. Proc!. In Eucl., p.En<a sa = (npötog und ebpnoic); Schol. in Eucl., p. 273.3-13, bis (Eüpnua): Procl. In Eucl., 3, p. pp (np&toc), p. 213.7. (mpatog und ebpev), Eutoc. In Archim. De sphaer. Jf. (mpatoc); Archim. 2, p. 430.5f. (np@tog); D.L. 8,83 (npòtog); Archim. 2, p. (EEnvpnkev npéroc). 11 J.C. Brusskern, De rerum inventarum scriptoribus graecis, Bonn 1864; P. Eichholtz, De scripto-

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(Athena, Hephaistos, Apollon) und der Kulturheroen (Palamedes, Daidalos, Orpheus) sich fast den zwei anderen Hauptgruppen nähert: den historischen Erfindern und den griechischen bzw. barbarischen Städten und Völkern. Meine Berechnungen, die sich auf einen Namenindex in Kremmers Dissertation stútzen,'? ergeben die folgenden Zahlen: Menschen - 56, Städte und Völker — 43, Heroen — 33, Götter — 56. Diese Zahlen sind natürlich sehr ungenau, weil Kremmers Index unvollständig ist und sich meistens auf späte Quellen bezieht, in denen viele historische Persönlichkeiten fehlen." Und trotzdem geben auch diese primitiven Berechnungen einen Eindruck davon, wen die Griechen für np&toı edpetat gehalten haben: Menschen, Städte und Völker sind in dieser Liste immerhin etwas stärker verireten als Götter und Heroen. Man muß aber gleich zugeben, daß ab dem späten Hellenismus die Zahl der Zeitgenossen in den Heuremata-Katalogen sinkt, so daß man in der Spätantike überwiegend über die Erfinder der Vergangenheit schrieb. Das bedeutet selbstverständlich nicht, daß es in dieser Periode gar keine Erfindungen gab (es reicht, nur die Wassermühle und das Glas zu erwähnen), aber die Autoren dieser und vieler anderer Entdekkungen jener Zeit sind eben unbekannt. Im Gegensatz dazu sind die archaischen und klassischen Perioden an Namen von Menschen-Erfindern sehr reich. Die Biographien der Sieben Weisen und ersten Philosophen verweisen sehr oft auf ihre ebprjuarta, die sich auf die Sphäre der Kultur im weitesten Sinne beziehen: von den astronomischen Entdeckungen bis zur Einführung der Maße und Gewichte und zur Erfindung des Ankers.'* Es ist bezcichnend, daß die Namen der berühmten Wissenschaftler und Philosophen auch mit solchen Erfindungen verknüpfi sind, die von der geistigen Sphäre sehr weit entfernt sind: Demokrit hat den Bogen erfunden (Sen. Ep. 90, 32), Protagoras eine besondere Art, Gewichte zu tragen (D.L. 9,53, cf. 4,2), Archytas ein Kinderspielzeug und eine mechanische Taube (47 A 10), Platon eine Wasseruhr (Athen. 4,174c), Eudoxos hat als erster bei einem Gastmahle die halbkreisförmige Anordnung der Plätze eingeführt (D.L. 8,88). Obwohl einige dieser Angaben von den Leuten stammen, die mit miBigem Geschwätz nichts zu tun haben, z.B. von Aristoteles, ist jetzt für uns nicht ihre historische Zuverlässigkeit wichtig, sondern eine bis zum äußersten getriebene Tendenz, in jedem, sogar dem ganz unbedeutenden Element menschlicher Kultur ribus Tlepi eópnuárov (Diss.), Halle 1867; M. Kremmer, De catalogis heurematum (Diss.), Leipzig 1890; E. Wending, De Peplo Aristotelico (Diss.), Strasburg 1891; A. Kleingünther, MPQTOZ EYPETHZ, Berlin 1933; E. Kienzle, Der Lobpreis von Städten und Ländern in der älteren griechischen Dichtung (Diss.). Kallmünz 1936; K. Thraede, Erfinder, RAC 5, 1962, 1191- 1278, idem, Das Lob des Erfinders. Bemerkungen zur Analyse der Heuremata-Kataloge, RhM 105, 1962, 158-186. 12 Kremmer (wie Anm. 11) 113f. 13 Außerdem habe ich fast alle Fälle ausgelassen, wo die genaue Identifikation nach den Gruppen problematisch scheint, und in die Göttergruppe habe ich solche Gestalten wie Kureten, Kentauren, Kyklopen usw. aufgenommen. 14 NIPQTOI EYPETAI - Götter, Heroen, Menschen Leonid Zhmud Thales (D.L. 1,23-27); Solon (1,58); Chilon (1,68); Periandros (1,98); Anacharsis (1,105); Pherekydes (1,116); Anaximander (2,1-2); Pythagoras (8,12, 14, 48); s.: F. Leo, Die griechischrömische Biographie nach ihrer literarischen Form. Leipzig 1901, 46ff. den Zahl von is von Suche und Erfindung zu schen. Dank der stets steigen ee grund Hinter den in heroen Kultur und die Götter rali evpetaumt sind er Zei haubar übersc sch histori in die ging, kungen Entdec die es besonders wenn ndung enerfi Mensch eine als selbst n gemacht worden sind, so daß am Ende die Religio t.” Demokri und Kritias s, betrachtet wird, z.B. bei Prodiko als Wechsel von em Die Entwicklung dieser Tendenz läßt sich aber nicht Götter nen, wo ~ Etappen vorstellen, so daß auf der ersten Etappe nurendiedurch dieerschei hen ersetzt. E Mensc Grupp zwei diese men die Heroen, und später sind ne ende die zunehm geht cher um eine solche Abfolge von Tendenzen, bei der È en Be von z.B. wie , dieser oder jener Figuren von vielen Faktoren abhängt Werkes oder ciner Gat oe mten bestim eines en Stimmungen, von den Besonderheit schlieBlich von dem N pel von den Zielen und Einstellungen des Verfassers, und phie im allgemeinen ur vie der Entdeckung selbst.'* Wenn also die Heurematogra he, so hängt das nicht nur heroisc und he göttlic als mehr menschliche eúpyuara enthält ker der Vergangenheit Entdec hen wirklic n meiste der Namen die daß damit zusammen, Anfänge der Kultur die g, Neigun chen unbekannt waren, sondern auch mit der natürliund Heroen zu verbind en. Das Een Göttern von g und Zivilisation mit der Wirkun er ge e kungen Entdec viele st möglich rs Erfinde hen göttlic des Lob hen, ins schr off auf die e Katalog ike spátant sich auch eine nicht unwichtige Rolle gespielt, da 3 enkomiastische Literatur stitzen.”” Fachliteratur, ie ca Angefangen vom letzten Drittel des 5. Jahrhunderts hat dieund dann u der Gebefaßte, Musik zuerst mit der Geschichte der Dichtung und allmählich miniz Tenden dicse , Medizin und chaft Wissens schichte der Philosophie, Anfangsctapden die malisiert. In der Musikgeschichte, besonders in den Abschnitten, antref!x Musaios und Orpheus von pen gewidmet sind, kann man noch die Namen die anur aber n komme hte geschic Medizin oder mie-, in der Philosophie-, Astrono que tische peripate die men historischer Persünlichkeiten vot. In diesem Sinne istr und historischer als vicle schafts- und Philosophiegeschichte viel rationalistische Werke des 17. und sogar des 18. Jahrhunderts. 15 Prodikos (84 B 5), Kritias (88 B 25); Demokrit (68 A 77-79, B 166, 297); Thracde, Erfinder (wie Anm. 11), 1218f. aufcinanderfolgend dem Kadmos, 16 Im Laufe des 6.-4. Jh. wurde z.B. die Erfindung der Schrift zugewiesen (FGrHist 1 F 20, Kadmos wieder und Thot Akteon, us, Promethe s, Danaos, Palamede 10 F 9, 476 F 3: PI. Phdr, 274c-d; Arist. fr. 501 Rose) 17 Thraede. Lob des Erfinders (wie Anm. 11), passim. ich Tlepi tOv dpyalwv romtàv Kal pouaixüv des Glaukos von Rhegion (Ende pre-platonica. und Poesiegeschichte enthält (G. Lanata,gePoetica Ñ = x ha die cnA.Musik. 1984, 2051f.). es Firenze 1963, 270-281; Barker, Greek Musical Writings, V. 1, Cambrid of Rhegion, GRBS , Glaukos s. auch: Kleingünther (wie Anm. 11), 21 ff; G. Huxley,4, Glaukos . Cf. die pe 1093-1094 1998, Pauli Neue Der Rhegion, von 1968, 47-54; S. Fornaro, Glaukos wavtav> von sg es patetische Musikgeschichte: Evvayoyh tOv Ev pouvoir} <diadop Pontikos (fr. 157-163 Wehrli), epi povouiis von Aristoxenos (fr. 71-89 Wehli) und Dikaiar.B, chos, fr. 75-76, 85 Wehrli.

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Gleichzeitig haben sich die Peripatetiker außer mit Wissenschafts- und Philosophiegeschichte auch mit der Heurematographie beschäftigt, auch Aristoteles hat über dieses Thema geschrieben.” Es stellt sich dabei heraus, daß die peripatetische Heurematographie sich nicht prinzipiell von den früheren Mustern dieses Genres unterscheidet: sie enthält dieselben Namen von npòrtor evpetai und dieselben Gedankengänge, weil die Hinwendung zur vorhistorischen Periode an sich selbst die kritische Prüfung von Fakten unmöglich macht. So schrieb z.B. Theophrast in Mepi ebpenätov, dal Prometheus der Philosophiebegriinder war (fr. 729 FHSG), während es in seinem doxographischen Werk natürlich gar keinen Prometheus gab - die Philosophie fing mit Thales an. Eine deutliche Bevorzugung menschlicher Erfinder vor den göttlichen ist nicht nur für die peripatetische Wissenschafts- und Philosophiegeschichte charakteristisch. Sie zeigt sich schon bei Herodot, für den die griechischen Götter und Heroen überhaupt nicht als np@tor evpetat gelten, zu denen er in der Regel barbarische Völker zählt, in erster Linie Ägypter. Nicht weniger kennzeichnend ist die hippokratische Schrift "Über die alte Medizin", die eine Theorie vom Ursprung der Medizin entwickelt.” Der Verfasser dieser Schrift hält die Medizin für eine Entdeckung, die von den Menschen gemacht wurde,” unter dem Einfluß von Not und Notwendigkeit (xpeía, ávdyxn). Noch interessanter ist, daß er behauptet, die Entdecker der Medizin (oi np&toı evpdvtec, 14) hätten sie selber dem Gott zugewiesen, der bis jetzt als ihr Begründer gilt.” Mir scheint, daß die letzte Idee logisch die Entwicklung der np&tog evpeticTradition vollendet, die wie folgt dargestellt werden könnte. Die ersten faßbaren Ent- : deckungen vermehren den Ruhm ihrer Schöpfer; danach tauchen die göttlichen Erfinder auf, denen man das zuweist, was Menschen entdeckt haben; später kommen in der Überlieferung mehr und mehr historische Figuren vor, bis man zu dem Schluß gekommen ist, daß die Entdeckungen der göttlichen np&tor súpetai ihnen in Wirklichkeit von den Menschen zugeschrieben wurden, Diese Rekonstruktion benötigt aber einige Vorbehalte. Erstens, môchte ich auf eine Tendenz hinweisen, die sich als eine "sekundäre Sakralisierung" bezeichnen läßt. In ihr hat sich Protest gegen die Zuweisung aller bedeutenden texvaı an die Menschen niedergeschlagen. Die Reaktion auf aufkommenden Rationalismus und Agnostizismus 19 Theophrast (fr. 728-734 FHSG), Heraklides Pontikos (fr, 152 Wehrli), Straton (fr. 144-147 Wehrli), Aristoteles (fr. 382, 479, 501, 600, 602 Rose = fr. 924 Gigon). 20 5. H. W. Miller, On Ancient Medicine and the Origin of Medicine, TAPA 80, 1949, 187-202; H. Herter, Die kulturhistorische Theorie der hippokratischen Schrift von der Alten Medizin, Maia 15, 1963, 464-483 (mit umfassender Bibliographie), Hippocrate. L'ancienne medicine. Hrsg. von J. Jouanna, Paris 1990. 21 22 ot Sè Entioavtés te Kal ebpövteg intpucry (5). CL: De arte 1,12. gnàmemna FIPOTOI EYPETAI - Götter, Heroen, Menschen hôrt man besonders deutlich im polemischen Ton der pscudo-cpicharmischen Gedichte, die ans Ende des 5. Jahrhunderts gehören (23 B 57 DK): 6 A6yog a vOportoug kußepväi xatà tponov Canter T dei, ¿ori &vOponren doyiopòc, Eon Kat Betog Aöyog' 0 Sé ye tAVOPOTOU répuxev Gnd ye tod Beiov Adyou, <xal> pépet <rôpouc Exdatwt> nepi Biou kai TÄG TPOWÜG, 6 dé ye taîg téyvarc onda guveneran Aeiog AdyOS, ExSSdoKov abtds abdtovs, 6 ti nolelv del GUHPÉPOV. où yúp ävüpworoc téxvav tiv’ edpev, à Sè ded tondv.”. Wie aus diesem Gedicht deutlich hervorgeht, gab es im 5. und 4. Jahrhundert nicht wenig Leute, die sich mit der Entfernung der Gütter aus dem Schaffen der Kultur nicht abfinden wollten. Zu ihnen gehörte auch Platon. Während die Mehrheit von Autoren die Erfindung der Schrift, Arithmetik und Astronomie dem berühmten Heros Palamedes zugeschrieben hat,” und Herodot die Ägypter für die Erfinder der Geometrie und Astronomie hielt (2,4, 108), gilt im platonischen "Phaidros" der ägyptische Gott Thot als npötog sUpetitg der Schrift, Wissenschaften, Gesetze und sogar der Sprache selbst. Indessen gibt es in der ägyptischen Literatur kaum Angaben über Thot als e1nen Erfinder dessen, was ihm die antiken Autoren so gerne zuweisen.” 23 "Die Vernunft lenkt die Menschen nach Gebühr und enthält sie immerdar. Der Mensch hat seine Berechnung, es gibt aber auch eine göttliche Vernunft. Doch die menschliche Vernunft ist aus der göttlichen geboren und sie bringt einem jeglichen die Mittel zum Leben und zur Nahrung. Aber die göttliche Vernunft zieht mit allen Künsten mit. Denn sie allein belehrt die Menschen, was man Fördersames zu tun hat. Denn kein Mensch hat irgendeine Kunst erfunden, vielmehr stets nur Gott” (übers. von H. Diels). 24 Kleingünther (wie Anm. 11), 78f. Stesichoros (fr. 34 Bergk); Aischylos (fr. 182 N2), Sophokles (fr. 399 N2), Euripides (fr. 578 N2), Gorgias (76 B | la, Z. 30), Alkidamas (Od. 22). 25 v0... tpdtov dpidudv te kai Aoytopov evpeiv... En Se nerreías te kai kußeiag, Kal SnKal ypéuuata (Phdr. 274 c-d); ypàppara... pwn, te yap Kal copias paplarcov (2740). Uber Palamedes macht sich Platon lustig (Resp. 522c-d). Über den göttlichen Ursprung der texvat s. auch: Menex. 238b, Phileb. 16c, Polit. 274e. 26 Antike Belege s.: A. Rusch, Thoth, RE 7 A, 1936, 351-362, bes. 356-362. S. auch: G. Roeder, Urkunden zur Religion des Alten Agyptens, lena 1915; idem, Thoth, Roscher’s Lexikon der Mythologie 5, 1924, 825-863, bes. 849ff.; Hans Bonnet, Reallexikon der Agyptischen Religionsgeschichte. Berlin; New York 1971, 805-812; C. J. Bleeker, Hathor and Thoth, Leiden 1973, 140f.; D. Kurth, Thoth, Lexikon der Ägyptologie, 6. 1986, 497-523, bes. 503ff. In der Literatur über Thot ist eine starke Tendenz deutlich, ihn zu einem griechischen Gott-Erfinder zu stilisieren: alles, was zu seinem Wissen und Können gehört, wird automatisch als seine Entdeckung betrachtet. So wird er z.B. aus dem "Zähler der Zeiten, Monate, Jahre" zum Erfinder des Kalenders und der Astronomie; "Das Epitheton ‘der alle Dinge berechnet‘ kennzeichnet Thot als Erfinder der Rechenkunst" (Kurth, op. cit., 506). Es gibt zwar in der ägyptischen Literatur Hinweise, daß Thot den Menschen die Sprache gab und die verschiedenen Sprachen schuf (J. J. Cerny, Thot as Creator of Languages, Journal of Egyptian Archeology, 34, 1948, 12-122; Blecker. Op. cil., | 40), Indes ist in der Skizze der Medizingeschichte, die wir bei Celsus finden, Asklepios als ihr Beverläßliche Angaben über seine Erfindungen wird man kaum finden; s. übrigens: "Das Schreiben gründer genannt (Proem. 2), der als solcher bis zum Ende des 18. Jahrhunderts fungierte. begann am Uranfang" (Kurth, Op. cit. Sp. 506).

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17 Das ist eigentlich nicht verwunderlich. Die Agypter wie auch andere altorientaliund gewachsen ist. Nach den uns zugänglichen Quellen zu urteilen, sind die Schöpfer sche Völker haben ihre Götter als Schützer, Gönner und Bringer von weisen und nützder kulturellen Neuerungen — Erfinder, Dichter, Musiker, Maler, Bildhauer — erst in lichen Dinge betrachtet, nicht aber als deren Erfinder. Die altorientalische Überliefeder ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts zum Gegenstand des gesellschaftlichen Interesses rung bringt uns viele Namen von Göttern und Heroen, die man mit den Grundlagen der geworden. Zivilisation verband. In einem sumerischen Mythos hat sich zum Beispiel die Göttin Inanna vom Gott der Weisheit Enki über einhundert göttliche Gesetze durch eine List verschafft, darunter verschiedene Künste, die Schrift, die Musik und die Sprache, die sie alle an die Menschen weitergibt.” Es folgt aber aus diesem Mythos nicht, daß Enki alle diese Dinge selber entdeckt hat. Eine Vorstellung vom Goit-Erfinder, die der traditionellen Religion ganz fremd scheint,” ist nur in der griechischen Tradition entstanden und festgelegt. Kennzeichnend in dieser Hinsicht ist ein Fragment von Alkman, der sich für seine Vorgänger begeistert, die "den Menschen hervorragende, milde und neue Töne gezeigt hatten".” Die Lexik dieses Fragmentes, besonders der Ausdruck d«vBpórorc... ESewav, ist sehr nah an der, welche auch in der mp@tot ebpetai-Tradition vorkommt,” wenn auch das Motiv des ersten Erfinders hier nur implizit auftritt. Obwohl die Dichter neue Töne entdeckt haben, geht es bei Alkman eher um eine relative als um eine absolute Neuerung: die Schlüsselbegriffe np@toı und ebpov fehlen noch in die- Jetzt kommen wir zu unserer zweiten Bemerkung hinsichtlich der Reihenfolge sem Fragment. Übrigens finden wir in einem anderen Fragment Fern táde Kai uédos "Götter — Heroen - Menschen". Es ist bekannt, daß bei Homer und Hesiod, und selbst- "AAkyav ebpe (fr. 39 Page), woraus folgt, daß Alkman selbst auf den Status cines Erverständlich vor ihnen, die Götter nicht die Entdecker, sondern nur die Bringer der finders Anspruch erhob. Der homerische Hymnos weist die Entdeckung der siebensai- Güter (Sotñpeg EGwv) und Gönner der texvaı waren, die sie den Menschen beigebracht haben. So ist z.B. in der "Odyssee" ein Meister erwähnt, "den Hephaistos und Athena mancherlei Kunst gelehrt haben". Dementsprechend finden wir bei Homer und Ilesiod keine Spuren der mp@tog ebperng-Tradition. Diese Tatsache ist nicht zu tigen Leier dem Hermes zu (2,24-61), indessen gab es bestimmt schon zu dieser Zeit bestreiten, obwohl Helmut Schneider gerade das versucht, indem er sich auf ein Fragment des pscudo-hesiodischen Werkes "Über die Idäischen Daktylen" stützt (fr. 282 M.-W.).” Ich glaube aber, daß es dafür keinen Grund gibt. Ein solches Werk gab es bei Hesiod bestimmt nicht," und fr. 282 wiederholt nur das, was in einem Fragment der "Phoronis" steht, eines argivischen Epos (Wende des 7. zum 6. Jahrhundert).” Auf die "Phoronis" als erstes Zeugnis über die np@to1 eLpetai kommen wir später zurück, jetzt möchte ich die Prozesse betrachten, die eigentlich die rpòtog ebperng-Idee hereine Tradition, die diese Neuerung mit Terpandros verband.” Daß die Götter sich nur allmählich in die aptos edpetai verwandeln, zeigt der homerische Hymnos auf Aphrodite.” Hier geht es darum, daß Athene als erste die irdischen Handwerker belehrte (rpwtn ¿didaEs), wie man Kampfwagen herstellt, und Mädchen lehrte sie die Handarbeit (5,12f). Obwohl der Begriff npwrn auf Athene bezogen ist, geht es hier, wie auch bei Homer, nicht um die Erfindung der &xvaı, sondern um ihre Lehre.” Das bedeutet aber keinesfalls, daß die Erfindung dabei vorausgesetzi ist: woraus die göttlichen téxvou stammen, hat sich die frühgriechische Dichtung einfach nicht gefragt. Die griechische Literatur ist bis zum 6. Jahrhundert nur durch poetische Gattungen vorgebracht haben. Das Interesse an den Entdeckern der Metallurgie, des Ackerbaus oder der Musik erwacht allmählich, indem es durch die wachsende Aufmerksamkeit für die kulturellen Neuerungen als solche und für die Priorität in ihren Schöpfungen angeregt ist. Obwohl die schnelle soziale und kulturelle Entwicklung Griechenlands im 9.-7. Jahrhundert viele Neuerungen in allen Lebensbereichen hervorgebracht hat, war ein gewisser Zeitrepräsentiert, deshalb wissen wir viel mehr über solche Personen, die in der Dichtung und Musik Neuerer waren. Und trotzdem zeigt die mündliche und cpigraphische Überlieferung, die sich bis ins 5. Jahrhundert erhalten hat, daß man Erfindungen auch in den anderen Gebieten überliefert hat. Der Ruhm des argivischen Königs Phaidon (erste Hälfte des 7. Jahrhunderts), den man für den Autor des verbesserten Systems von Maabschnitt notwendig, bevor ein breites Interesse an solchen Phänomenen entstanden 27 28 33 Bav]uaotà § vB pórors)... yapupata naAotardı... veóxu' Ebeiforv... (Aleman, fr. 4.1 Page). S.N. Kramer, Sumerian Mythology, Philadelphia 1944, 61f, 34 M. Davis, The Motif of the np@tog ebperñs in Aleman, ZPE 65, 1986, 25-27. Die ägyptischen Berufsgütier waren auch keine Erfinder der téxvar: W. Hieck, Berufsgötter, Le- 35 Der Hermes-Hymnos wird normalerweise ins 6. Jh. datiert (W. Schmid, O. Stählin, Geschichte xikon der Ägyptologie, 2, 1974, 641f. Vgl. aber die Tradition über den legendären ägyptischen der griechischen Literatur, Bd. 1,1, München 1974, 236f.; Homère. Hymnes. Hrsg. von J, Hum- Entdecker Imhotep, der später vergöttert wurde: D. Wildung, Imhotep, Lexikon der Ägyptologie, bert, Paris 1953, 115; R. Janko, Homer, Hesiod and the Hymns, Cambridge 1982, 140f.). Als Erfinder ist Terpandros zum ersten Mal bei Pindar erwähnt (fr. 125 Snell), diese Tradition aber geht 3, 1980, 145f. 29 dv "Hgpatotog Séduev kai Madras 'A0ñvn / téxviv mavtoinv (Od, 6,233f.). 30 H. Schneider, Das griechische Technikverstandnis, Darmstadt 1989, 46. 31 A. Rzach, Hesiod, RE 8, 1912, 1223: J. Schwartz, Pseudo-Hesiodea, Leiden 1960, 246f. 32 Schol. Apoli. Rhod. 1,1129f. = fr. 2 Bernabé. S.: Kleingünther (wie Anm. 11), 26ff. gewiB ins 7. Jh. zurück. 36 Der Hymnos auf Aphrodite ist meistens ins 7. Jh. datiert (Humbert [wie vorher. Anm.], 146; Janko [wie vorher. Anm.], 180). 37 Über die Götter, die den Menschen texvan beigebracht haben, s. auch: H. 14. 20,2f. (Hermes), Solon. fr. 13, 49 (Athena und Hermes), Pind. Ol. 8, 50f. (Athena).

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Ben und Gewichten hält, der sogenannten pétpa Peibovia," geht deutlich dem Ruhm des Palamedes als Erfinder von Massen und Gewichten voraus.” In die Mitte, wahrscheinlich sogar in die erste Hälfte des 7. Jahrhunderts gehört die Tätigkeit des bzw. Heroen angewandt.” Solche Reihenfolge entspricht auch der alten Regel der Re- Schiffsmeisters Ameinokles von Korinth (Thuc. 1,13.3). Die Überlieferung über die Erfindung der Goldmünzen durch die Lydier, der berühmten Kpoicaion otatñpec (Xenoph. 21 B 4 DK; Hdl. 1,91), geht auch in das 7. Jahrhundert zurück. Beginnend in den ersten Jahrzehnten des 7. Jahrhunderts halten es die Vasenmaler und Töpfer, danach auch die Bildhauer, für selbstverständlich, ihre Werke zu unterschreiben, *' so daß die Mehrheit der Namen von frühen npötoı evpetat auf die von ihnen stammenden Inschriften zurückgeht.‘ Zu ihnen gchört z.B. der legendäre Erfinder der Tonplastik Butades von Sikyon, dessen unterschriebene und im Tempel geweihte Werke sich in Korinth bis zum Hellenismus befanden.” Der berühmteste Meister des frühen 6. Jahrhunderts Glaukos von Chios, den Herodot als Erfinder des Eisenlötens (o1Sijpou k6AÀ NO) nennt, hat einen silbernen Krater mit einem eisernen Untersatz verfertigt und unterschrieben, der im Delphischen Tempel geweiht wurde (Hdt. 1,25; cf. Paus. 10,2-3). Wenn auch die Zeugnisse der Archaik sehr lückenhafl sind, zeigen sie ziemlich deutlich, daß die Suche nach np@roı ebperoi ein Streben nach Priorität widerspiegelt, das für die ganze griechische Kultur charakteristisch ist. Auf diese Weise ist die npòtog ebpernc-Tradition nicht nur mit der Wissenschaflsgeschichte verbunden, sie führt uns zu einem viel allgemeineren Problem, und zwar zur Frage nach der Priorität in der Schöpfung verschiedenster kultureller Neuerungen, die das Thema von Alexander Zaicevs Buch über das "griechische Wunder" darstellt.“ Wie sich aus dem vorgelegten Material schließen läßt, wurde das Denkmodell vom mp@toc ebperng ursprünglich nicht auf dem mythologischen, sondern auf dem historischen Material formuliert und zuerst auf die Menschen, und erst später auf die Götter 19 ligionsgeschichte: Man projiziert auf den Himmel nur das, was aus der "irdischen" Erfahrung bekannt ist. In diesem Zusammenhang wird es noch interessanter, woraus sich das erste erhaltene Zeugnis über die noto: evpetat bezieht. Wer sind die Entdecker des Eisens, die im 2. Fragment der "Phoronis" erwähnt sind? Eva yóntes Taîor Ppôyes Gvip|ec dpéotepor oixt’ Evaiov, KéApig Aauvapevebs te péyas Kal brépBtos “Akpwv, concdAapot Depanovreg ópeins Aöpnoteing, ol rpütot TÉXYNV roAuuntog 'Hpaiotoio EUpov Ev obpeinot vanarg idevta ciónpov Ec nip T fveykav Kai apinpento Epyov étevEav. Dieses Fragment wurde zwar sehr oft im Zusammenhang mit der mpatoc ebpetñcTradition behandelt. Man ging dabei davon aus, daß es hier um die Götter bzw. um mythische oder dämonische Wesen geht und daß sie dementsprechend auch die ersten apto! ebpetai waren. Ich glaube aber, daß eine solche Interpretation mindestens cinseitig ist. Zuerst sollte man den Kontext der ganzen Dichtung beachten: sie ist dem Phoroneus gewidmet, dem "Adam und Prometheus der argivischen Sage". Dem Adam, weil er hier als erster Mensch, und damit als Stammvater der gesamten Menschheit hervortritt;‘ dem Prometheus, weil der Dichter ihm aller Wahrscheinlichkeit nach die Entdeckung des Feuers zuschreibt.” Das Motiv des np@tog eúperiis hat sich auch in den anderen Fragmenten der "Phoronis" niedergeschlagen, die Kleingünther leider nicht berücksichtigte: fr. 7 erzählt, daß Phoroneus als erster die Menschen zusammengebracht hat, die früher einzeln lebten;* im fr. 4 ist eine gewisse Kallithoe erwähnt, die als erste die Säule der Hera geschmückt hat.” Das bedeutet, daß sic den ältesten Kult = argivischen Hera gestiftet hat, als cs noch keine bildliche Darstellungen der Göttin gab. Nun handelt es sich in den vier Fragmenten der Dichtung, die dem Urahnen der Menschheit und seinen Nachkommen gewidmet ist, um verschiedene, darunter auch 38 S.: Hdi. 6,127; Her. Pont. fr. 152 Wehrli; Arist. Pol. 1310b19f; Ephor. FGrHist 70 F 115, 176. W. Schwabacher, Pheidonischer Münzfuß, RE 19, 1938, 1946ff.; A. Andrewes, The Corinthian Actaeon and Pheidon of Argos, CQ 43, 1949, 74ff. epochale euprjuata, die nicht den Göttern, sondern den Menschen gehören. Aus dieser Perspektive sollte man auch das Schlüsselfragment beurteilen, in dem die Idäischen 39 Kleingünther (wie Anm. 11), 82, 40 S.S. A, Hornblower, A Commentary on Thucydides, Oxford 1991, 42f. 45 L. H, Jeffery, The Local Scripts of Archaic Greece, Oxford 21990, 62, 83, 230f; H. Philipp, 46 41 Tektonon Daidala, Berlin 1968, 77f.; E. Walter-Karydi, Die Entstehung des Beschrifteten Bildwerks, Gymnasium 104, 1999, 289-317. 42 Thraede, Erfinder (wie Anm. 11), 1181. Pausanias (6,30.6) erwähnt eine Familie von Bildhauern und Architekten aus Chios (Mitte des 6. Jh.s), S.: H. Svenson-Evers, Die griechischen Architekten archaischer und klassischer Zeit, Frankfurt 1996, 108ff. 43 C. Robert, Butades, RE 3, 1897, 1079: W. Fuchs, J. Floren, Die griechische Plastik, Bd. 1, München 1987, 197. 44 A. Zaicev, Das griechische Wunder. Die Entstehung der griechischen Zivilisation, Konstanz 1993, Vel. aber: Schneider (wie Anm. 30), 103. Tlatépa Gvnrüv avOpamov (fr. | Bernabé) Cf. Akusilaos: tpörog üvOpwnog (FGrHist 2 F 23a). F. Stoessl, Phoronis, RE 20.1, 1941, 646f. 47 où yap Tt opokoyodot (sc. où 'Apyeîor) Sodvar nip Mpopnléa avOpadmoic, GALA Es Dopwvea tod nupds peráyerv EGéAovot mv ebpeciv Stoessl (wie Anm. 46), 647, (fr. 8 Bernabé = Paus. 2,19,5). S: 48 Popwvebs be © Tváxov tods avOpanous TUVÍyaye mpdtov Eq Koivôv, onopddus téws Kai Ep EULTÖV ÉKGOTOTE oikodvtac, Kal 10 xwplov dq è np@tov HEpoiaSnoay Lory bvondadn Dopovwxôv (fr. 7 Bernabé = Paus. 2,15,5). S.: Stoessl (wie Anm. 46), 647f. 49 KaXX106n KAcıdoöxog OAuuntadog Baoıkeing, “Hpng ‘Apycing, À otéupaoi Kai fuokvoroi RPWTN KOOHNOEV TEpi xiova paxpòv avaoang (fr, 4 Bernabé). Stoess! (wie Anm. 46), 649f.

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TIPOTOI EYPETAI - Götter, Heroen, Menschen Daktylen erwähnt sind, die man aber hier mit den phrygischen Zauberern identifizicrt (yontes ISaior Opbyec &vSpec). Gerade sic haben, laut dem Verfasser, als erste die ausländischen Spezialisten, die übernatürliche Fähigkeiten besitzen. Warum verwandeln sich eigentlich die Daktylen aus griechischen Zwergen in phrygische Zauberer? Schmiedekunst erfunden (ot rp&toı téxvnv noAuuntog ‘Hpaictoro ebpov). Es ist Es ist schon augenfällig, daß der Autor sie nicht 5a«tvAo1 nennt, dieses Wort kommt im fr. 2 überhaupt nicht vor, und sie sehen gar nicht wie Zwerge aus — einer ist uéyac, der andere UnépBioc. Für diese Transformation gibt cs mehrere Gründe. offensichtlich, daß das traditionelle Material in diesem Fragment stark umgestaltet wird. Die Idäischen Daktylen sind uralte griechische Dämonen, etwa wie Schmiedekobolde.” Darauf sind auch ihre Namen zurückzuführen: Damnameneus — Hämmerer (von Sapvaw, Saale), Akmon — Amboß. Sowohl die Daktylen als auch ihre Namen kommen zum ersten Mal in der “Phoronis” vor. Wie aus unlängst erschienenen Arbeit über die Zwerge in Ägypten und Griechenland hervorgeht,’ ist die Tradition über verschiedene Arten von fabelhaften Zwergschmieden — Daktylen, Kabiren, Telchinen — sehr alt. Es scheint aber, daß der Dichter in den Daktylen eher die Sterblichen sah, was aus der Bezeichnung yóntes Dpbyeg àvôpes hervorgeht. oenmawt)e 21 Erstens haben die Griechen eine bestimmte Vorliebe, selbst ihre eigenen Entdckkungen ihren Nachbarn zuzuweisen.TM In diesem Fall geht cs dabei um das Eisen, das wirklich aus Kleinasien gekommen ist, wenn auch nicht aus Phrygien. Zweitens gchört das Ende des 7. Jahrhunderts zu einer orientalisierenden Epoche, wie sie Burkert bezeichnet,” als die Zahl der Entlehnungen aus dem Osten, darunter auch im Bereich der zexvou, wirklich sehr beeindruckend war. Drittens stammen die Idäischen Daktylen höchstwahrscheinlich nicht aus Kreta, sondern aus der Troas in Kleinasien,“ wo es Das Wort yónc, "Zauberer", das hier zum ersten Mal vorkommt,” bezieht sich auch ein Idagebirge gab. Gerade aus der Troas ist im 7. Jahrhundert der Kult der Kyüberwiegend auf Menschen, wenn auch Euripides in den "Bakchoi" (234) Dionysos yong als Stifter seines eigenen Kultes nennt.’ Das Wort &vöpeg kann sich nur auf die Sterblichen beziehen, also entweder auf Menschen oder auf Heroen. Warum bevorzuge wurde. Adrastea, der unsere Zauberer dienen, ist auch eine phrygische Göttin, die mit bele gekommen, der Großen Mutter, die bald mit der kretischen Rhea identifiziert Kybele verwandt ist, und ihr Kult existicrte ausgerechnet auf dem troianischen Ida. Im ich in diesem Fall Menschen, und wo liegt der Hauptunterschied zwischen Menschen fr. 3 gibt es auch ein Indiz für die gleiche kultische Umwandlung. Auf Kreta waren die und Heroen? Man muß zugeben, daß dieser Unterschied ziemlich gering ist, da im Kureten die Priester der Rhea, während in Phrygien die Korybanten als die Pricster der Prinzip jede bedeutende Persönlichkeit heroisiert werden kann. Ich glaube aber, daß Kybele galten. Und der Dichter macht vor unseren Augen sozusagen den ersten Schritt die Zeit, um welche es im gegebenen Kontext geht, als ein entscheidendes Merkmal zu ihrer Identifizierung: er nennt die Kureten die "phrygischen Aulcten", d.h. die Kodienen kann. rybanten.” Sind die phrygischen Zauberer irgendwelche vorhistorischen, epischen Gestalten, Es ist offensichtlich, daß dieselbe Transformation auch mit den Daktylen geschah: oder gehören sie zu einer "modernen" Epoche? Die Eisenarbeit begegnet am Ende der Erfindungenkette, die in der "Phoronis" dargestellt ist, was eher auf die nicht weit ent- Aus fabelhaflen griechischen Zwergen haben sie sich in die hochmütigen und kräftigen phrygischen Zauberer verwandelt, die Fortschrittsträger, die die Schmiedekunst erfunfernte Zeit deutet. Das entspricht auch der Periodisierung von Hesiod, demgemäß wir den haben — selbstverständlich nachdem Phoroneus das Feuer entdeckt hat, d.h. im in einer eisernen Periode leben. Dabei ist das ganze Fragment nicht nur durch neue Laufe menschlicher Geschichte. Wenn also meine Interpretation. richtig ist, dann Wörter markiert, sondern es verweisen diese Wörter auf die Phänomene, die gerade scheinen die ersten xpatot evpetai der griechischen Tradition näher zu den Menschen zum 7. Jahrhundert gehören, wie z.B. die Verbreitung der orientalischen Kulte in Griezu sein (wenn auch ursprünglich fabelhaften Menschen), als zu den Göttern oder Herochenland. en. Obwohl der Dichter weiß, daß die Eisenarbeit eine téyvn noAuuntiog "Hpaiotoıo ist, schreibt er sie nicht ihrem göttlichen Gönner zu, sondern, modern ausgedrückt, den 50 Das Material über die Daktylen hat Bengt Hemberg gesammelt: Die Idaiischen Daktylen, Eranos 50, 1952, 41-59. S. auch: Otto Kern, Daktyloi, RE 4, 1901, 2018-2020; L. Preller, C. Robert, Griechische Mythologie, Bd. I, Berlin 1887-1894, 657f. 51 52 54 Illyrier, Kappadokier, Karer, Libyer, Lydier, Memphiten, Mysier, Pelasger, Perser, Phrygier, Phoinikier (im einzelnen — Bewolmer von Tyros, Sidon und Karthago), Samniten, Sizilier, Syrer, V. Dasen, Dwarfs in Ancient Egypt'and Greece, Oxford 1993, 194ff. Das frühe Material ist bei Burkert gesammelt: Walter Burkert, TOHZ. Zum griechischen 'Scha- Thraker. manismus', RhM 105, 1960, 36-55 (yöng ist aber kein “Schamane”, wie es früher Burkert dachte; s.: L. Zhmud, Wissenschaft, Philosophie und Religion im alten Pythagoreismus, Berlin 1997, 55 W. Burkert, Die orientalisierende Epoche in der griechischen Religion und Literatur, Heidelberg 56 Hemberg (wie Anm. 50), 47T. 57 05€ tiv Dopwvida ypüyas abAntas kai DBpbyag cobs Koupiitag Akyeı (fr. 3 Bernabé = 1984. 107f.); s. auch: André Bernand, Sorciers grecs, Paris 1991. 53 Später bekam yöng einen deutlichen pejorativen Sinn, so daß, wenn Aischines und Demosthenes sich gegenseitig yong nennen, das einfach "Betrüger", "Lügner" bedeutet (Aischin. 3,137; Dem. 18,276; 19,109). Eine bestimmt unvollständige Liste der Völker, die in den Heuremata-Katalogen vorkommen, enthält u.a. Afrikaner, Araber, Assyrer, Babylonier, Chaldäer, Etrusker, Gallier, Hebräer, Isaurer, Strab. 10,3,19, p. 472).