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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Das Monochord, sein Weg von der
pythagoráischen Musikwissenschaft
zur Prüfung der oberen Hörgrenze
gilder aus der Geschichte der Hals-Nasen-OhrenHeilkunde, dargestellt an Instrumenten aus
der Sammlung im Deutschen Medizinhistorischen
Museum in Ingolstadt
sung: Als Monochord bezeichnet man eine auf
«nem Rahmen ausgespannte Saite, deren Länge durch einen
‚erschiebbaren Steg variiert werden kann. Die Saite wird durch
Zupfen, Anschlagen oder Streichen mit einem Bogen in Trans‚ersalschwingungen versetzt. Die Schwingungszahl ist dabei
ibhingig von der Länge der Saite, ihrer Spannung und ihrer
Dicke. Das Monochord diente im Altertum (Pythagoräer) und
vittelalter dazu, die Gesetzmäßigkeit der musikalischen Inter‚alle zu studieren, im 19. Jahrhundert auch zu zahlreichen anderen physikalischen Untersuchungen. F. A. Schulze, Physiker in
Marburg, verwendete 1908 erstmals ein Monochord zur Erzeuzung sehr hoher Töne, um die obere Hörgrenze zu bestimmen,
ndem er die Saite durch Reiben in der Längsrichtung in Longitudinalschwingungen versetzte. Die Tonhöhe ist dann nur abhangig von der Länge der Saite und dem Elastizitätsmodul des
me-—
Materials, aber unabhängig von der Spannung und Dicke. H. |.
1. Struycken, Ohrenarzt in Breda, Holland, gab 1910 ein verbessertes Monochord an, mit dem auch die Knochenleitung gemessen werden konnte. K. L. Schaefer, Physiologe in Berlin, erweiterte den Tonumfang des Struyckenschen Monochords dadurch, daß er zusätzlich wieder die Anregung zu Transversal-
H. Feldmann
ehem. Direktor der Univ.-HNO-Klinik Münster
\Suo
+
A
kur
FEEDS 4.
burg, Germany, introduced the monochord for testing the
upper tone limit in 1908. He produced longitudinal vibrations
by rubbing the wire with a piece of felt moistend with benzol.
The vibrations of this mode are dependent only on the length
of the wire and the elasticity of the material; they are independent of its tension and thickness. H. J. L. Struycken, otologist in
Breda, Holland, presented an improved type of monochord in
1910 which also allowed testing bone conduction. K. L. Schaefer, physiologist in Berlin, modified Struycken's instrument in
such a way that bowing the wire or hitting it with a small hammer also produced transverse vibrations. This enlarged the
range of tones in the lower region. In this combined version the
monochord was an indispensable piece of hearing testing
equipment before the era of electronic audiometers. The technical development and clinical application of the monochord is
described in detail.
Key words: Monochord - Upper tone limit - Hearing test - History of ENT
schwingungen durch Streichen mit einem Bogen und Anschlagen mit einem Hämmerchen einführte. In dieser Version war
Einleitung
das Monochord unentbehrlicher Bestandteil des Hörprüfungsinstrumentariums bis zur Ära der elektronischen Audiometer. Die
Bis zum
technische Entwicklung der Monochorde und ihre klinische An-
Arsenal an Hörprüfungsinstrumenten entwickelt worden, um
sendung werden ausführlich geschildert.
die obere und untere Hórgrenze zu bestimmen und das ganze
Schlüsselwörter: Monochord - Obere Hörgrenze - Hörprüfun-
Hôrfeld auszuloten. Die Messung der oberen Hörgrenze war
insbesondere durch die Erfindung der Galton-Pfeife zur
Routine geworden und hatte der Otologie wichtige Erkenntgen - Geschichte der HNO
Ende des
19. jahrhunderts war ein beachtliches
nisse gebracht, z.B. die Entdeckung der Altersschwerhórigkeit
re Pythäuerean MusicolPra
Poly.
us
do
LEVE
tint. Pictures from the
juive.
ont
“ha hlented
irate
by
Museum
in
Objects
Ingol-
The monochord consists of a frame with a string or pianowire stretched across it. The length of the wire can be varied
die Absolutheit einer solchen oberen Hörgrenze. So diskutierte der Physiker F. A. Schulze in Marburg 1908 z.B. ausby a movable bridge. The string or wire is plucked, hit, or
bowed, producing transverse vibrations. In this mode the numgehört werden würde, wenn nur seine Intensität genügend
der of vibrations per second is dependent on the length, tente—-——_
eo.
[1]. Allerdings war die Handhabung der Galton-Pfeife mit
technischen Schwierigkeiten verbunden. Es gab viele Fehlerquellen, man konnte die Lautheit nicht wesentlich variieren,
und die Messung der Knochenleitung war nicht móglich. Es
herrscht: auch noch große Unsicherheit über das Wesen und
führlich die Frage, ob prinzipiell jeder noch so hohe Ton
sion, and thickness of the string. In ancient times, the Pythagorgroß wäre, oder ob es eine exakte obere Hörgrenze gäbe,
entsprechend etwa der Grenze des sichtbaren Spektrums
eans used such an instrument to study the natural laws under-
[7,8].
ying musical intervals; in the 19!" century it also served for var‘aus other physical experiments. F. A. Schulze, physicist in Mar-
Laryngo-Rhino-Otol. 74 (1995) 519-523
Georg Thieme Verlag Stuttgart - New York
Um diesen Fragen weiter nachgehen zu können und um für
die otologische Praxis ein leichter zu handhabendes Gerät für
die Messing der oberen Hörgrenze zu schaffen, führte F. A.
Schulze 1908 ein uraltes, für die Musikwissenschaft entwikkeltes Instrument in die Hörprüfungstechnik ein, das Mono-
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Le À BAL: [ENTE
Abb.2
der
|
Wes,
schrift aus dem
12. Jahrhundert,
Guido von Arezzo
«=SotenTeRAER
Theobaldus an
einem Monochard
die Zahlenverhäknisse, die den musikalischen Intervallen
2ugrunde liegen
(aus F. Otterbach),
DATETx
{
sie einen bestimmten Ton, Wenn man die Lange der Saite
halbiert, gibt sie einen um eine Oktave hóheren Ton, wenn
man sie drittelt, bekommt man die Quinte usw. Eine ent
sprechende Gesetzmäßigkeit findet sich, wenn die Spannung
der Saite bei gleichbleibender Länge verdoppelt, halbien,
gedrittelt wird, und ganz analog fallen solche Versuche mit
verschieden langen Blasinstrumenten, z.B. Flöten, aus. Die
Abb.1 zeigt auf einem mittelalterlichen Holzschnitt diese
Gesetzmäßigkeiten an verschiedenen Klangkórpern.
|
Abb.3 Monochord oder Dichord aus dem 19. Jahrhundert. Der
inwegliche Steg zur Unterteilung der Saite gleitet auf der Skala, ist
hier aber abgenommen (aus K. L Schaefer 1914).
Zur systematischen Erforschung und Demonstration der mu
sikalischen Intervalle und ihrer zahlenmäßigen Grundlagen
war schon im Altertum ein spezielles Instrument entwickelt
worden: das Monochord. Es besteht aus einem langen, rechteckigen Resonanzkasten, auf dem eine Saite ausgespannt ist.
Durch einen verschieblichen Steg kann die Saite an beliebige!
Stelle unterteilt werden. Die Abb.2 zeigt auf einer Miniatur
aus einer Handschrift des 12.Jahrhunderts, wie Guido von
Arezzo (980- 1050), der große Musikwissenschaftler, dem wi!
u. a. das moderne Notensystem mit Linien verdanken, seinem
Nach der Überlieferung hat Pythagoras als erster entdeckt,
Schüler Theobaldus an einem Monochord die musikalischen
daß eine fundamentale Gesetzmäßigkeit besteht zwischen
der Tonhöhe und den Maßen einer zum Klingen gebrachten
Materie. Als er einmal an einer Schmiede vorüberging, wo mit
mehreren Himmern an einem Amboß gearbeitet wurde, so
heißt es in der Legende, sei ihm aufgefallen, daß die Schläge
mit kleinen Himmern einen höheren Klang gaben als Schläge
mit größeren Hämmern. Das soll ihn angeregt haben, entsprechende Versuche mit verschiedenen Klangkörpern anzustellen und die zugrunde liegende Gesetzmäßigkeit zu formulieren. Wenn man z.B. eine ausgespannte Saite anzupft, gibt
Intervalle erläutert.
Die zugrundeliegende Idee wurde sofort aufgegriffen und in
eine den praktischen Bedürfnissen mehr gerecht werdende
Form umgesetzt. Da dies schon sehr rasch geschah, hat das
Schulzesche Monochord in seiner ursprünglichen Gestalt
verwendet wurde,
keine weite Verbreitung erlangt.
Erzeugung hoher Töne durch longitudinale
Schwingungen; das Schulzesche Monochord
Das Struyckensche Monochard
Der französische Physiker Félix Savart (1830) hatte, wie
zahlreiche andere Forscher, Experimente angestellt, um die
der von Schulze angegebenen Form ebensowenig eine Messung der Knochenleitung wie die Galton-Pfeife, Diesen Mangel überwand eine Konstruktion, die der Ohrenarzt H. J. L
ubere Hörgrenze zu bestimmen [4]. Besonders erfolgreich war
Das Monochord war einfach zu handhaben, gestattete aber in
Struycken aus Breda in Holland 1910 bekanntgab [9]. Bei
seinem Instrument ist die Saite aus Stahldraht über einem
metallenen Lineal ausgespannt, das mit verschiedenen Skalen
und einem Handgriff versehen ist. Das eine Ende, der sog.
Kopf oder Schnabel, ist etwas aufwärts gebogen und abgerundet. An diesem Ende verläuft der Draht in einer kleinen
Metallhülse, geschützt gegen „Berührung mit der Ohrmuschel
150 mm erzeugte der Glasstab einen Ton von 16500 Schwinoder dem Kopfputz der Damen“. Über dem Lineal gleitet
gungen pro Sekunde, und dieser wurde von seinen Versuchsklemmend ein kleiner Stimmklotz. mit dem die wirksame
Länge der Saite eingestellt werden kann. Zum Anreiben wird
personen manchmal gehört, manchmal nicht gehört. Er
mußte also im Bereich der oberen Hörgrenze liegen.
F A. Schulze griff 1908 diesen Gedanken Savarts auf, Stäbe in
longitudinale Schwingungen zu versetzen, und übertrug ihn
auf dünne Drähte [7]. Er benutzte dazu ein einfaches Monochord mit Drähten aus Stahl, Messing, später auch Silber von
weniger als 0,5 mm Durchmesser, Der Draht wurde zwischen
wei Klemmen auf einem Grundbrett ausgespannt. Auf dem
Grundbrett befand sich ein verschiebbarer Schlitten mit einer
dritten Klemme. Damit konnte der Draht in verschiedener
ein Filzscheibchen verwender, das in den Schraubstopfen
eines Fläschchens eingesetzt ist und von dem darin enthaltenen Benzol durchtränkt wird. Zur Prüfung der Luftleitung
wurde das Instrument „mit dem Schnabel frei vor den
äußeren Gehórgang” gehalten; zur Prüfung der Knochenleitung wird der Schnabel auf das Planum mastoideum aufgesetzt. Auf der Abb.4 demonstriert Struycken selbst den
Gebrauch des Instrumentes; er merkt hierzu aber kritisch an,
„der kleine Knabe habe den Kopf ein wenig zu viel auf die
andere Schulter geneigt”.
länge zwischen der Mittelklemme und einer der Endklemmen abgegrenzt werden. Das Drahtstück wurde dann durch
sanftes Anreiben in der Längsrichtung mit einem mit Kolo-
Struycken hat, um die produzierten Tonhöhen genau messen
zu können, eine ganze Reihe einfallsreicher Verfahren erphonium bestreuten Läppchen in Longitudinalschwingungen
sonnen und virtuos eingesetzt [10,11]. Ein Prinzip war das
versetzt.
Die so entstehenden Schwingungen sind nur abhängig von
der Länge des Drahtes, dem Elastizitätsmodul und dem
Das Monochord hat, wie der Name sagt, nur eine Saite. Aus
spezifischen Gewicht des Metalles; sie sind aber unabhängig
dieser Urform mit einer Saite ging als musikalisches instru:
von der Dicke des Drahtes, seiner Spannung und der Tempetatur. Bei geschickter Auswahl der Maße konnte damit ein
ment das Trumscheit hervor. Als Monochord bezeichnete man
solches Schulzesches Monochord in der Ausführung von
dobei immer zu Transversalschwingungen angeregt wird. Ihre
Schwingungszahl ist dann abhängig von der Länge, der Dicke
und der Spannung der Saite. Die Abb.3 zeigt ein Monochord
für physikalische Messungen, wie es im 19. Jahrhundert viel
erzeugte, der gerade noch gehört wurde; bei einer Länge von
„Harmonie der Sphären” vereint seien.
Die Geräte wurden von Paul Görs, einem Mechaniker am
physikalischen Institut der Universität Marburg, hergestellt
und kosteten zwischen 22 und 25 Mark. Die Abb.5 zeigt ein
30 cm Länge.
schaft mit der Entwicklung der verschiedenen Tonsysteme
12 & 16 je eine Quart. Eine große oder kleine Terz läßt sich mit den
Das Monochord In der Musikwissenschaft
war die tiefste Tonhöhe < (= 8192 Hz).
Auf diesen Erkenntnissen beruht die ganze Musikwissen
gewählten Ziffern nicht darstellen; sie galten im Altertum und Mittelchord, verband hiermit jedoch eine neue Mee: die Saite sollte
nicht, wie herkömmlich, zu Transversalschwingungen, sondern zu Longitudinalschwingungen angeregt werden [7].
Diese Entwicklung soll im folgenden geschildert werden.
3. mit Silberdraht und einer ganzen Länge von 20cm. Hier
er schließlich mit rotierenden Zahnrädern, an die ein Kartenblatt gehalten wurden, Vorher hatte er mit Stäben experimentert, die er durch Reiben in der Längsachse zu Longitudinalschwingungen anregte. Dabei hatte er gefunden, daß ein
Glasstab von 3mm Durchmesser und einer Länge von
159 mm einen Ton von 15500 Schwingungen pro Sekunde
und der Harmonielehre [2]. Sie waren bis weit in das Mittel.
alter auch Anlaß zu zahlreichen mythischen Vorstellungen, ds
man glaubte die Verhältnisse kleiner ganzer Zahlen, die in
den bevorzugten musikalischen Intervallen zutage traten.
seien überall im Universum verwirklicht, z.B. in den Umlauf:
bahnen der Planeten, die in einer solchen Ordnung zu einer
alter noch als Dissonanz. Die Ziffem 8 & 9 bilden den Tonschritt einer
die tiefste Tonhöhe bei g° (= 6137 Hz).
seinem Schüler
|
großen Sekunde. Bibliothèque Royale, F. Fétis Nr, 5278.
2. mit Silberdraht und einer ganzen Länge von 30 cm. Hier lag
demonstriert
[PYTACO!
Abb.1 Holzschnitt aus „Theorica Musice* von Franchino Gaffori,
Mailand 1496, Dargestellt sind Jubal, Pythagoras und Phylolaus, die
nach mittelalterlicher Tradition die ersten Musiker waren. An Schmiedehimmem, Glocken, verschieden hoch gefüllten Gläsern, einem
Polychord mit verschieden stark gespannten Saiten und Flöten werden
die Beziehungen zwischen Tonhóhe und physikalischen Maßen der
Klangkörper und damit der musikalischen Intervalle dargestellt. Die
Klangkörper mit den Ziffern 4 & 8 & 16 bilden Oktaven, die mit den
Ziffern 4 & 6, und 6 & 9 je eine Quinte, die mit den Zilfern 6 & 8 und
1. mit Stahldraht und einer ganzen Länge von 80cm. Die
tiefste Tonhöhe lag hier bei c? (= 4096 Hz), schloß sich also
gut an den Bereich an, der mit Stimmgabeln erreicht
werden konnte.
Miniatur
aus einer Handoy,
| |
Laryngo-Rhino-Oto!, 74 (1995) 521
H. Feldmann
später aber auch Instrumente mit mehr als einer Saite, von
Instrument konstruiert werden, das den ganzen interessierendenen dann zahlreiche andere Musikinstrumente abgeleitet
wurden, Die Saiten des Monochords wurden entweder angezupft, mit Hämmerchen angeschlagen oder mit einem Bogen
angestrichen. Physikalisch entscheidend ist, daß die Saite
den Frequenzbereich um die obere Hörgrenze abdeckte.
sue hatte sich schlieRlich auf drei Ausführungen festgelegt:
folgende: auf die Saite, die zu Longitudinalschwingungen
angeregt werden sollte, wurde eine winzige Borste aufrecht
stehend aufgeklebt, Unter mikroskopischer Betrachtung, z.B.
20fach, erschienen die Schwingungen dann als Unschärfe der
Borste, In ähnlicher Weise wurden die Schwingungen einer
geeichten Stimmgabel sichtbar gemacht und in das Gesichtsfeld desselben Mikroskops projiziert. Dann wurde, während
Stimmgabel und Saite gleichzeitig tönten, vor einem Schlitz
im Gesichtsfeld des Mikroskopes eine photographische Platte
im freien Fall mit einer Geschwindigkeit von 10m pro
Sekunde vorbeigeführt. Hierbei wurden die dem Auge nur als
Unschärfe erscheinenden Schwingungen der Gabel und der
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)au Berlin NW 6
H.j. L. Struycken demonstriert die Prüfung der Knochenleitung mit seinem Monochord (aus Struycken 1912).
Saite parallel nebeneinander als ausgezogene Kurve, bzw.
Schattenband mit gezacktem Rand abgebildet. Dann konnte
man die von der Saite produzierten Zacken auszählen, wobei
der von der Stimmgabel gezeichnete Kurvenzug mit bekannter Schwingungszahl als Bezugsgröße diente. In einer Ara, in
der elektronische Hilfsmittel, wie etwa Oszillographen, noch
nicht zur Verfügung standen, fanden dieses und andere von
Struycken entwickelte Verfahren zur Messung von Schallschwingungen die uneingeschränkte Anerkennung bei den
Physikern und Physiologen der Zeit. Sie wurden z.B. ausführlich in dem vielbändigen „Handbuch der Physiologischen
Methodik” von 1914 dargestellt. Als Leistung eines in einer
Kleinstadt praktizierenden Ohrenarztes verdienen sie auch
heute noch größte Hochachtung.
Die Verbesserung des Struyckenschen Monochords
durch Schaefer
Das Struyckensche Monochord wurde sofort als gut handbares Instrument akzeptiert, denn mit ihm konnte der Bereich
von etwa 5000Hz aufwärts bis über die obere Hürgrenze
hinaus für Luft- und Knochenleitung kontinuierlich gemessen
werden. Da die Stimmgabeln der Bezold-Edelmannschen
kontinuierlichen Tonreihe aber nur bis 870 Hz hinauf reichten,
klaffte eine Lücke, in der die Knochenleitung nur mit einzelnen, nicht in der Tonhöhe veränderlichen Stimmgabeln geprüft werden konnte, K. L. Schaefer schlug deshalb vor, die
Saite des Struyckenschen Monochords durch Anschlagen mit
einem Hämmerchen oder Streichen mit einem Geigenbogen
auch zu Transversalschwingungen anzuregen, die bei gleicher
Saitenlänge sehr viel tiefer sind als die durch Reiben in der
Längsrichtung erzeugten Longitudinalschwingungen [5].
Schaefer war Leiter des physiologischen Laboratoriums an der
Ohrenklinik der Charité in Berlin, dem ersten Institut dieser
Art in der Welt. Passow hatte es bei seiner Berufung von
Heidelberg auf den Lehrstuhl der Ohrenheilkunde in Berlin
eingerichtet, Beide gründeten 1908 die hochangesehene Zeitschrift „Passow-Schaefers Beiträge zur Anatomie, Physiologie.
Laryngo-Rhino-Otol, 74 (1995) 523
Jas Monochard
Laryngo-Rhino-Otol, 74 (1995)
TmouR.nE
Abb.5 Unten: Monochord nach Schulze, Länge 30cm, Silberdraht.
Auf dem Bodenbrett sind Skalen mit den Frequenzen 5524 bis
33104Hz und den musikalischen Notierungen von
bis e
eingetragen, Oben: Monochord nach Struycken-Schaefer der Fa. Plau,
Berlin im Kaliko-Etui. Hinten links der Geigenbogen, rechts daneben
der Spanner mit der Elfenbeinskala: in der Mitte das eigentliche
Monocho:d mit dem Handgriff; links der „Schnabel“ und die Um.
kleidung der Saite mit einer kleinen Röhre. rechts die Spannschraube,
Vorn links eine Stimmgabel für die Feineichung, davor ein Behälteı
mit Benzo! und dem Filzlippchen, rechts das Himmerchen, eine
Schachtel mit Kolaphonium und ein Elfenbeinsing. der bei Prüfung det
Knochenleitung zur Verbzeiterung des Schnabels oufgesetzt werden.
konnte (aus der Sammlung im Deutschen Medizinhistorischen Mu
seum in Ingolstadt).
pas Instrument sollte bei der Prüfung der Luftleitung mit dem
Schnabel" an eine Tischkante angedrückt werden, um die
fischplatte als Resonator zu benutzen, bei Prüfung der Knochenleitung wurde es auf den Warzenfortsatz gesetzt (Abb. 4).
De Abb.5 zeigt dieses komplette Instrumentarium. Es stand
etwa ab 1913 zur Verfügung, wurde ausschließlich von der Fa.
H. Pfau in Berlin vertrieben und kostete damals im Kaliko-Etui
79,50 M.
in dieser Version ist das Struycken-Schaefersche Monochord
Literatur
I Feldmann, H.: Die Galton-Pfeife und die Entdeckung der Altersschwerhörigkeit. Bilder aus der Geschichte der Hals-NasenOhren-Heilkunde, dargestellt an Instrumenten aus der Sammlung im Deutschen medizinhistorischen Muscum in Ingolstadt.
Laryngo-Rhino-Otol, 74 (1995) 329-334
? Helmholtz, H.: Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik. Vieweg u. Sohn,
Braunschweig 1863
3 Outerbach, FE: Schöne Musikinstrumente, Schuler, München
1975
ms zum Beginn der elektronischen Ara der Audiometer ein
4 Savart, F.: Über die Empfindlichkeit des Gehörogans. Poggenund keiner gut ausgestatteten Praxis fehlen durfte. Ein
5 Schaefer, K. L: Über eine Erweiterung der Anwendbarkeit des
sie) benutztes Instrument gewesen, das in keiner Ohrenklinik
«hwerwiegender Mangel haftete ihm aber immer noch an:
Die Lautstärke der produzierten Töne ließ sich nur in sehr
geringem Umfang variieren und kaum messen oder eichen.
während im tiefen und mittleren Bereich des Hörfeldes durch
die Abklingzeit der Stimmgabeln in Verbindung mit der
Bestimmung der Hördauer schon ein relatives logarithmisches Maß für die Lautstärke bzw. den Hörverlust zur Verfügung stand, konnte die obere Hórgrenze nur durch eine
Dimension, die der Tonhöhe, definiert werden, nicht aber
durch die zweite, ebenso wichtige Dimension, die der Intensität.
- 304
dorfs Ann. Phys. Chem. 20 (1830) 299
Struyckenschen Monochords. Vortrag auf der Sitzung der Berliner Otologischen Gesellschaft am 13.1.1911, Passow-Schaefers
376-382
4 (1911)äge
Beitr
6 Schaefer, K. L: Untersuchungsmethodik der akustischen Funktionen des Ohres. In Tigerstedt, R. (Hrsg.): Handbuch der physiologischen Methodik, 3.Bd., Abt. lb, Sinnesphysiologie IIIb.
Hirzel, Leipzig 1914 (204 - 394)
? Schulze, F. A.: Monochord zur Bestimmung der oberen Hörgrenze und der Perzeptionsfahigkeit des Ohres für sehr hohe Töne. Z.
Ohrenheilk. 56 (1908) 167 - 173
® Schulze, F. A.: Die obere Hörgrenze und ihre exakte Bestimmung.
Passow-Schaefers Beiträge 1 (1908) 134 - 151
9 Struycken, H. J. L: Die obere Hörgrenze für Luft- und Knochenleitung. Passow-Schaefers Beiträge 3 (1910) 406-412
1 Struycken, H. J. L: Beobachtungen über die physiologische obere
Hörgrenze für Luft- und Knochenleitung. Passow-Schaefers Beitrage 5 (1912) 1-6
|
" Struycken, H. J. L: Tabellen über die obere Hörgrenze bei
Pathologie und Therapie des Ohres, der Nase und des Halses”,
die bis 1933 Bestand hatte,
pathologischen Verhältnissen. Passow-Schacfers Beitrage 6
(1913) 289 - 301
Für die Verwendung der Transversalschwingungen mußte
allerdings die Spannung der Saite genau eingestellt werden,
ähnlich wie bei der Stimmung eines Musikinstrumentes.
Hierzu schuf Struycken, der nun mit Schaefer eng zusammen
arbeitete, wieder eine sinnreiche Vorrichtung, Eine längliche
Stahlplatte, der „Spanner“, wurde so mit zwei daran befindlichen Haken zwischen der Saite und der Schiene des Monochords aufgehängt, daß sie wie ein Hebel auf die Saite
drückte. Dann wurde mit der Schraube am einen Ende des
Bügels die Spannung der Saite variiert, wobei sich die Stahlplatte entsprechend hob oder senkte, Die richtige Spannung
war erreicht, wenn eine bestimmte Marke auf einem Elfenbeinplättchen am Ende der Piatte mit der Saite in einer Húhe
stand, Die Feinabstimmung konnte dann noch mit einer
Stimmgabel vorgenommen werden.
Bei der Prüfung im unteren Bereich (von 870Hz aufwärts)
wurde die Saite mit einem Geigenbogen angestrichen, im
höheren Bereich der Transversalschwingungen (etwa 2000
bis 5000Hz) wurde sie mit einem „leicht federnden, keilförmig angeschärften, belederten Holzhámmerchen” angeschlagen: für die hohen Töne oberhalb 5000 Hz wurde die
Saite durch Reiben entlang der Längsachse in Longitudinalschwingungen versetzt. Die erzielten Tonhöhen waren an
zwei Skalen abzulesen, einmal in Schwingungszahlen bis
25000 Hz, zum anderen in musikalischer Notierung bis g’.
Prof. Dr. Harald Feldmann
Univ.-HNO-Klinik
Kardinal-von-Galen-Ring 10
48149 Münster