Das Monochord, sein Weg von der Pythagoraischen Musikwissenschaft zur Prufung der oberen Horgrenze

Author
Feldmann, H.
Published in
Laryngo-Rhino-Otol.
Year
1995
Subject
MONOCHORD
Language
Deutsch
Category
C2 Music, C3 Mathematics
Archive number
1540

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Das Monochord, sein Weg von der pythagoráischen Musikwissenschaft zur Prüfung der oberen Hörgrenze gilder aus der Geschichte der Hals-Nasen-OhrenHeilkunde, dargestellt an Instrumenten aus der Sammlung im Deutschen Medizinhistorischen Museum in Ingolstadt sung: Als Monochord bezeichnet man eine auf «nem Rahmen ausgespannte Saite, deren Länge durch einen ‚erschiebbaren Steg variiert werden kann. Die Saite wird durch Zupfen, Anschlagen oder Streichen mit einem Bogen in Trans‚ersalschwingungen versetzt. Die Schwingungszahl ist dabei ibhingig von der Länge der Saite, ihrer Spannung und ihrer Dicke. Das Monochord diente im Altertum (Pythagoräer) und vittelalter dazu, die Gesetzmäßigkeit der musikalischen Inter‚alle zu studieren, im 19. Jahrhundert auch zu zahlreichen anderen physikalischen Untersuchungen. F. A. Schulze, Physiker in Marburg, verwendete 1908 erstmals ein Monochord zur Erzeuzung sehr hoher Töne, um die obere Hörgrenze zu bestimmen, ndem er die Saite durch Reiben in der Längsrichtung in Longitudinalschwingungen versetzte. Die Tonhöhe ist dann nur abhangig von der Länge der Saite und dem Elastizitätsmodul des me-— Materials, aber unabhängig von der Spannung und Dicke. H. |. 1. Struycken, Ohrenarzt in Breda, Holland, gab 1910 ein verbessertes Monochord an, mit dem auch die Knochenleitung gemessen werden konnte. K. L. Schaefer, Physiologe in Berlin, erweiterte den Tonumfang des Struyckenschen Monochords dadurch, daß er zusätzlich wieder die Anregung zu Transversal- H. Feldmann ehem. Direktor der Univ.-HNO-Klinik Münster \Suo + A kur FEEDS 4. burg, Germany, introduced the monochord for testing the upper tone limit in 1908. He produced longitudinal vibrations by rubbing the wire with a piece of felt moistend with benzol. The vibrations of this mode are dependent only on the length of the wire and the elasticity of the material; they are independent of its tension and thickness. H. J. L. Struycken, otologist in Breda, Holland, presented an improved type of monochord in 1910 which also allowed testing bone conduction. K. L. Schaefer, physiologist in Berlin, modified Struycken's instrument in such a way that bowing the wire or hitting it with a small hammer also produced transverse vibrations. This enlarged the range of tones in the lower region. In this combined version the monochord was an indispensable piece of hearing testing equipment before the era of electronic audiometers. The technical development and clinical application of the monochord is described in detail. Key words: Monochord - Upper tone limit - Hearing test - History of ENT schwingungen durch Streichen mit einem Bogen und Anschlagen mit einem Hämmerchen einführte. In dieser Version war Einleitung das Monochord unentbehrlicher Bestandteil des Hörprüfungsinstrumentariums bis zur Ära der elektronischen Audiometer. Die Bis zum technische Entwicklung der Monochorde und ihre klinische An- Arsenal an Hörprüfungsinstrumenten entwickelt worden, um sendung werden ausführlich geschildert. die obere und untere Hórgrenze zu bestimmen und das ganze Schlüsselwörter: Monochord - Obere Hörgrenze - Hörprüfun- Hôrfeld auszuloten. Die Messung der oberen Hörgrenze war insbesondere durch die Erfindung der Galton-Pfeife zur Routine geworden und hatte der Otologie wichtige Erkenntgen - Geschichte der HNO Ende des 19. jahrhunderts war ein beachtliches nisse gebracht, z.B. die Entdeckung der Altersschwerhórigkeit re Pythäuerean MusicolPra Poly. us do LEVE tint. Pictures from the juive. ont “ha hlented irate by Museum in Objects Ingol- The monochord consists of a frame with a string or pianowire stretched across it. The length of the wire can be varied die Absolutheit einer solchen oberen Hörgrenze. So diskutierte der Physiker F. A. Schulze in Marburg 1908 z.B. ausby a movable bridge. The string or wire is plucked, hit, or bowed, producing transverse vibrations. In this mode the numgehört werden würde, wenn nur seine Intensität genügend der of vibrations per second is dependent on the length, tente—-——_ eo. [1]. Allerdings war die Handhabung der Galton-Pfeife mit technischen Schwierigkeiten verbunden. Es gab viele Fehlerquellen, man konnte die Lautheit nicht wesentlich variieren, und die Messung der Knochenleitung war nicht móglich. Es herrscht: auch noch große Unsicherheit über das Wesen und führlich die Frage, ob prinzipiell jeder noch so hohe Ton sion, and thickness of the string. In ancient times, the Pythagorgroß wäre, oder ob es eine exakte obere Hörgrenze gäbe, entsprechend etwa der Grenze des sichtbaren Spektrums eans used such an instrument to study the natural laws under- [7,8]. ying musical intervals; in the 19!" century it also served for var‘aus other physical experiments. F. A. Schulze, physicist in Mar- Laryngo-Rhino-Otol. 74 (1995) 519-523 Georg Thieme Verlag Stuttgart - New York Um diesen Fragen weiter nachgehen zu können und um für die otologische Praxis ein leichter zu handhabendes Gerät für die Messing der oberen Hörgrenze zu schaffen, führte F. A. Schulze 1908 ein uraltes, für die Musikwissenschaft entwikkeltes Instrument in die Hörprüfungstechnik ein, das Mono-

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Laryngo-Rhino-Otol, 74 (1995) Le À BAL: [ENTE Abb.2 der | Wes, schrift aus dem 12. Jahrhundert, Guido von Arezzo «=SotenTeRAER Theobaldus an einem Monochard die Zahlenverhäknisse, die den musikalischen Intervallen 2ugrunde liegen (aus F. Otterbach), DATETx { sie einen bestimmten Ton, Wenn man die Lange der Saite halbiert, gibt sie einen um eine Oktave hóheren Ton, wenn man sie drittelt, bekommt man die Quinte usw. Eine ent sprechende Gesetzmäßigkeit findet sich, wenn die Spannung der Saite bei gleichbleibender Länge verdoppelt, halbien, gedrittelt wird, und ganz analog fallen solche Versuche mit verschieden langen Blasinstrumenten, z.B. Flöten, aus. Die Abb.1 zeigt auf einem mittelalterlichen Holzschnitt diese Gesetzmäßigkeiten an verschiedenen Klangkórpern. | Abb.3 Monochord oder Dichord aus dem 19. Jahrhundert. Der inwegliche Steg zur Unterteilung der Saite gleitet auf der Skala, ist hier aber abgenommen (aus K. L Schaefer 1914). Zur systematischen Erforschung und Demonstration der mu sikalischen Intervalle und ihrer zahlenmäßigen Grundlagen war schon im Altertum ein spezielles Instrument entwickelt worden: das Monochord. Es besteht aus einem langen, rechteckigen Resonanzkasten, auf dem eine Saite ausgespannt ist. Durch einen verschieblichen Steg kann die Saite an beliebige! Stelle unterteilt werden. Die Abb.2 zeigt auf einer Miniatur aus einer Handschrift des 12.Jahrhunderts, wie Guido von Arezzo (980- 1050), der große Musikwissenschaftler, dem wi! u. a. das moderne Notensystem mit Linien verdanken, seinem Nach der Überlieferung hat Pythagoras als erster entdeckt, Schüler Theobaldus an einem Monochord die musikalischen daß eine fundamentale Gesetzmäßigkeit besteht zwischen der Tonhöhe und den Maßen einer zum Klingen gebrachten Materie. Als er einmal an einer Schmiede vorüberging, wo mit mehreren Himmern an einem Amboß gearbeitet wurde, so heißt es in der Legende, sei ihm aufgefallen, daß die Schläge mit kleinen Himmern einen höheren Klang gaben als Schläge mit größeren Hämmern. Das soll ihn angeregt haben, entsprechende Versuche mit verschiedenen Klangkörpern anzustellen und die zugrunde liegende Gesetzmäßigkeit zu formulieren. Wenn man z.B. eine ausgespannte Saite anzupft, gibt Intervalle erläutert. Die zugrundeliegende Idee wurde sofort aufgegriffen und in eine den praktischen Bedürfnissen mehr gerecht werdende Form umgesetzt. Da dies schon sehr rasch geschah, hat das Schulzesche Monochord in seiner ursprünglichen Gestalt verwendet wurde, keine weite Verbreitung erlangt. Erzeugung hoher Töne durch longitudinale Schwingungen; das Schulzesche Monochord Das Struyckensche Monochard Der französische Physiker Félix Savart (1830) hatte, wie zahlreiche andere Forscher, Experimente angestellt, um die der von Schulze angegebenen Form ebensowenig eine Messung der Knochenleitung wie die Galton-Pfeife, Diesen Mangel überwand eine Konstruktion, die der Ohrenarzt H. J. L ubere Hörgrenze zu bestimmen [4]. Besonders erfolgreich war Das Monochord war einfach zu handhaben, gestattete aber in Struycken aus Breda in Holland 1910 bekanntgab [9]. Bei seinem Instrument ist die Saite aus Stahldraht über einem metallenen Lineal ausgespannt, das mit verschiedenen Skalen und einem Handgriff versehen ist. Das eine Ende, der sog. Kopf oder Schnabel, ist etwas aufwärts gebogen und abgerundet. An diesem Ende verläuft der Draht in einer kleinen Metallhülse, geschützt gegen „Berührung mit der Ohrmuschel 150 mm erzeugte der Glasstab einen Ton von 16500 Schwinoder dem Kopfputz der Damen“. Über dem Lineal gleitet gungen pro Sekunde, und dieser wurde von seinen Versuchsklemmend ein kleiner Stimmklotz. mit dem die wirksame Länge der Saite eingestellt werden kann. Zum Anreiben wird personen manchmal gehört, manchmal nicht gehört. Er mußte also im Bereich der oberen Hörgrenze liegen. F A. Schulze griff 1908 diesen Gedanken Savarts auf, Stäbe in longitudinale Schwingungen zu versetzen, und übertrug ihn auf dünne Drähte [7]. Er benutzte dazu ein einfaches Monochord mit Drähten aus Stahl, Messing, später auch Silber von weniger als 0,5 mm Durchmesser, Der Draht wurde zwischen wei Klemmen auf einem Grundbrett ausgespannt. Auf dem Grundbrett befand sich ein verschiebbarer Schlitten mit einer dritten Klemme. Damit konnte der Draht in verschiedener ein Filzscheibchen verwender, das in den Schraubstopfen eines Fläschchens eingesetzt ist und von dem darin enthaltenen Benzol durchtränkt wird. Zur Prüfung der Luftleitung wurde das Instrument „mit dem Schnabel frei vor den äußeren Gehórgang” gehalten; zur Prüfung der Knochenleitung wird der Schnabel auf das Planum mastoideum aufgesetzt. Auf der Abb.4 demonstriert Struycken selbst den Gebrauch des Instrumentes; er merkt hierzu aber kritisch an, „der kleine Knabe habe den Kopf ein wenig zu viel auf die andere Schulter geneigt”. länge zwischen der Mittelklemme und einer der Endklemmen abgegrenzt werden. Das Drahtstück wurde dann durch sanftes Anreiben in der Längsrichtung mit einem mit Kolo- Struycken hat, um die produzierten Tonhöhen genau messen zu können, eine ganze Reihe einfallsreicher Verfahren erphonium bestreuten Läppchen in Longitudinalschwingungen sonnen und virtuos eingesetzt [10,11]. Ein Prinzip war das versetzt. Die so entstehenden Schwingungen sind nur abhängig von der Länge des Drahtes, dem Elastizitätsmodul und dem Das Monochord hat, wie der Name sagt, nur eine Saite. Aus spezifischen Gewicht des Metalles; sie sind aber unabhängig dieser Urform mit einer Saite ging als musikalisches instru: von der Dicke des Drahtes, seiner Spannung und der Tempetatur. Bei geschickter Auswahl der Maße konnte damit ein ment das Trumscheit hervor. Als Monochord bezeichnete man solches Schulzesches Monochord in der Ausführung von dobei immer zu Transversalschwingungen angeregt wird. Ihre Schwingungszahl ist dann abhängig von der Länge, der Dicke und der Spannung der Saite. Die Abb.3 zeigt ein Monochord für physikalische Messungen, wie es im 19. Jahrhundert viel erzeugte, der gerade noch gehört wurde; bei einer Länge von „Harmonie der Sphären” vereint seien. Die Geräte wurden von Paul Görs, einem Mechaniker am physikalischen Institut der Universität Marburg, hergestellt und kosteten zwischen 22 und 25 Mark. Die Abb.5 zeigt ein 30 cm Länge. schaft mit der Entwicklung der verschiedenen Tonsysteme 12 & 16 je eine Quart. Eine große oder kleine Terz läßt sich mit den Das Monochord In der Musikwissenschaft war die tiefste Tonhöhe < (= 8192 Hz). Auf diesen Erkenntnissen beruht die ganze Musikwissen gewählten Ziffern nicht darstellen; sie galten im Altertum und Mittelchord, verband hiermit jedoch eine neue Mee: die Saite sollte nicht, wie herkömmlich, zu Transversalschwingungen, sondern zu Longitudinalschwingungen angeregt werden [7]. Diese Entwicklung soll im folgenden geschildert werden. 3. mit Silberdraht und einer ganzen Länge von 20cm. Hier er schließlich mit rotierenden Zahnrädern, an die ein Kartenblatt gehalten wurden, Vorher hatte er mit Stäben experimentert, die er durch Reiben in der Längsachse zu Longitudinalschwingungen anregte. Dabei hatte er gefunden, daß ein Glasstab von 3mm Durchmesser und einer Länge von 159 mm einen Ton von 15500 Schwingungen pro Sekunde und der Harmonielehre [2]. Sie waren bis weit in das Mittel. alter auch Anlaß zu zahlreichen mythischen Vorstellungen, ds man glaubte die Verhältnisse kleiner ganzer Zahlen, die in den bevorzugten musikalischen Intervallen zutage traten. seien überall im Universum verwirklicht, z.B. in den Umlauf: bahnen der Planeten, die in einer solchen Ordnung zu einer alter noch als Dissonanz. Die Ziffem 8 & 9 bilden den Tonschritt einer die tiefste Tonhöhe bei g° (= 6137 Hz). seinem Schüler | großen Sekunde. Bibliothèque Royale, F. Fétis Nr, 5278. 2. mit Silberdraht und einer ganzen Länge von 30 cm. Hier lag demonstriert [PYTACO! Abb.1 Holzschnitt aus „Theorica Musice* von Franchino Gaffori, Mailand 1496, Dargestellt sind Jubal, Pythagoras und Phylolaus, die nach mittelalterlicher Tradition die ersten Musiker waren. An Schmiedehimmem, Glocken, verschieden hoch gefüllten Gläsern, einem Polychord mit verschieden stark gespannten Saiten und Flöten werden die Beziehungen zwischen Tonhóhe und physikalischen Maßen der Klangkörper und damit der musikalischen Intervalle dargestellt. Die Klangkörper mit den Ziffern 4 & 8 & 16 bilden Oktaven, die mit den Ziffern 4 & 6, und 6 & 9 je eine Quinte, die mit den Zilfern 6 & 8 und 1. mit Stahldraht und einer ganzen Länge von 80cm. Die tiefste Tonhöhe lag hier bei c? (= 4096 Hz), schloß sich also gut an den Bereich an, der mit Stimmgabeln erreicht werden konnte. Miniatur aus einer Handoy, | | Laryngo-Rhino-Oto!, 74 (1995) 521 H. Feldmann später aber auch Instrumente mit mehr als einer Saite, von Instrument konstruiert werden, das den ganzen interessierendenen dann zahlreiche andere Musikinstrumente abgeleitet wurden, Die Saiten des Monochords wurden entweder angezupft, mit Hämmerchen angeschlagen oder mit einem Bogen angestrichen. Physikalisch entscheidend ist, daß die Saite den Frequenzbereich um die obere Hörgrenze abdeckte. sue hatte sich schlieRlich auf drei Ausführungen festgelegt: folgende: auf die Saite, die zu Longitudinalschwingungen angeregt werden sollte, wurde eine winzige Borste aufrecht stehend aufgeklebt, Unter mikroskopischer Betrachtung, z.B. 20fach, erschienen die Schwingungen dann als Unschärfe der Borste, In ähnlicher Weise wurden die Schwingungen einer geeichten Stimmgabel sichtbar gemacht und in das Gesichtsfeld desselben Mikroskops projiziert. Dann wurde, während Stimmgabel und Saite gleichzeitig tönten, vor einem Schlitz im Gesichtsfeld des Mikroskopes eine photographische Platte im freien Fall mit einer Geschwindigkeit von 10m pro Sekunde vorbeigeführt. Hierbei wurden die dem Auge nur als Unschärfe erscheinenden Schwingungen der Gabel und der

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au Berlin NW 6 H.j. L. Struycken demonstriert die Prüfung der Knochenleitung mit seinem Monochord (aus Struycken 1912). Saite parallel nebeneinander als ausgezogene Kurve, bzw. Schattenband mit gezacktem Rand abgebildet. Dann konnte man die von der Saite produzierten Zacken auszählen, wobei der von der Stimmgabel gezeichnete Kurvenzug mit bekannter Schwingungszahl als Bezugsgröße diente. In einer Ara, in der elektronische Hilfsmittel, wie etwa Oszillographen, noch nicht zur Verfügung standen, fanden dieses und andere von Struycken entwickelte Verfahren zur Messung von Schallschwingungen die uneingeschränkte Anerkennung bei den Physikern und Physiologen der Zeit. Sie wurden z.B. ausführlich in dem vielbändigen „Handbuch der Physiologischen Methodik” von 1914 dargestellt. Als Leistung eines in einer Kleinstadt praktizierenden Ohrenarztes verdienen sie auch heute noch größte Hochachtung. Die Verbesserung des Struyckenschen Monochords durch Schaefer Das Struyckensche Monochord wurde sofort als gut handbares Instrument akzeptiert, denn mit ihm konnte der Bereich von etwa 5000Hz aufwärts bis über die obere Hürgrenze hinaus für Luft- und Knochenleitung kontinuierlich gemessen werden. Da die Stimmgabeln der Bezold-Edelmannschen kontinuierlichen Tonreihe aber nur bis 870 Hz hinauf reichten, klaffte eine Lücke, in der die Knochenleitung nur mit einzelnen, nicht in der Tonhöhe veränderlichen Stimmgabeln geprüft werden konnte, K. L. Schaefer schlug deshalb vor, die Saite des Struyckenschen Monochords durch Anschlagen mit einem Hämmerchen oder Streichen mit einem Geigenbogen auch zu Transversalschwingungen anzuregen, die bei gleicher Saitenlänge sehr viel tiefer sind als die durch Reiben in der Längsrichtung erzeugten Longitudinalschwingungen [5]. Schaefer war Leiter des physiologischen Laboratoriums an der Ohrenklinik der Charité in Berlin, dem ersten Institut dieser Art in der Welt. Passow hatte es bei seiner Berufung von Heidelberg auf den Lehrstuhl der Ohrenheilkunde in Berlin eingerichtet, Beide gründeten 1908 die hochangesehene Zeitschrift „Passow-Schaefers Beiträge zur Anatomie, Physiologie. Laryngo-Rhino-Otol, 74 (1995) 523 Jas Monochard Laryngo-Rhino-Otol, 74 (1995) TmouR.nE Abb.5 Unten: Monochord nach Schulze, Länge 30cm, Silberdraht. Auf dem Bodenbrett sind Skalen mit den Frequenzen 5524 bis 33104Hz und den musikalischen Notierungen von bis e eingetragen, Oben: Monochord nach Struycken-Schaefer der Fa. Plau, Berlin im Kaliko-Etui. Hinten links der Geigenbogen, rechts daneben der Spanner mit der Elfenbeinskala: in der Mitte das eigentliche Monocho:d mit dem Handgriff; links der „Schnabel“ und die Um. kleidung der Saite mit einer kleinen Röhre. rechts die Spannschraube, Vorn links eine Stimmgabel für die Feineichung, davor ein Behälteı mit Benzo! und dem Filzlippchen, rechts das Himmerchen, eine Schachtel mit Kolaphonium und ein Elfenbeinsing. der bei Prüfung det Knochenleitung zur Verbzeiterung des Schnabels oufgesetzt werden. konnte (aus der Sammlung im Deutschen Medizinhistorischen Mu seum in Ingolstadt). pas Instrument sollte bei der Prüfung der Luftleitung mit dem Schnabel" an eine Tischkante angedrückt werden, um die fischplatte als Resonator zu benutzen, bei Prüfung der Knochenleitung wurde es auf den Warzenfortsatz gesetzt (Abb. 4). De Abb.5 zeigt dieses komplette Instrumentarium. Es stand etwa ab 1913 zur Verfügung, wurde ausschließlich von der Fa. H. Pfau in Berlin vertrieben und kostete damals im Kaliko-Etui 79,50 M. in dieser Version ist das Struycken-Schaefersche Monochord Literatur I Feldmann, H.: Die Galton-Pfeife und die Entdeckung der Altersschwerhörigkeit. Bilder aus der Geschichte der Hals-NasenOhren-Heilkunde, dargestellt an Instrumenten aus der Sammlung im Deutschen medizinhistorischen Muscum in Ingolstadt. Laryngo-Rhino-Otol, 74 (1995) 329-334 ? Helmholtz, H.: Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik. Vieweg u. Sohn, Braunschweig 1863 3 Outerbach, FE: Schöne Musikinstrumente, Schuler, München 1975 ms zum Beginn der elektronischen Ara der Audiometer ein 4 Savart, F.: Über die Empfindlichkeit des Gehörogans. Poggenund keiner gut ausgestatteten Praxis fehlen durfte. Ein 5 Schaefer, K. L: Über eine Erweiterung der Anwendbarkeit des sie) benutztes Instrument gewesen, das in keiner Ohrenklinik «hwerwiegender Mangel haftete ihm aber immer noch an: Die Lautstärke der produzierten Töne ließ sich nur in sehr geringem Umfang variieren und kaum messen oder eichen. während im tiefen und mittleren Bereich des Hörfeldes durch die Abklingzeit der Stimmgabeln in Verbindung mit der Bestimmung der Hördauer schon ein relatives logarithmisches Maß für die Lautstärke bzw. den Hörverlust zur Verfügung stand, konnte die obere Hórgrenze nur durch eine Dimension, die der Tonhöhe, definiert werden, nicht aber durch die zweite, ebenso wichtige Dimension, die der Intensität. - 304 dorfs Ann. Phys. Chem. 20 (1830) 299 Struyckenschen Monochords. Vortrag auf der Sitzung der Berliner Otologischen Gesellschaft am 13.1.1911, Passow-Schaefers 376-382 4 (1911)äge Beitr 6 Schaefer, K. L: Untersuchungsmethodik der akustischen Funktionen des Ohres. In Tigerstedt, R. (Hrsg.): Handbuch der physiologischen Methodik, 3.Bd., Abt. lb, Sinnesphysiologie IIIb. Hirzel, Leipzig 1914 (204 - 394) ? Schulze, F. A.: Monochord zur Bestimmung der oberen Hörgrenze und der Perzeptionsfahigkeit des Ohres für sehr hohe Töne. Z. Ohrenheilk. 56 (1908) 167 - 173 ® Schulze, F. A.: Die obere Hörgrenze und ihre exakte Bestimmung. Passow-Schaefers Beiträge 1 (1908) 134 - 151 9 Struycken, H. J. L: Die obere Hörgrenze für Luft- und Knochenleitung. Passow-Schaefers Beiträge 3 (1910) 406-412 1 Struycken, H. J. L: Beobachtungen über die physiologische obere Hörgrenze für Luft- und Knochenleitung. Passow-Schaefers Beitrage 5 (1912) 1-6 | " Struycken, H. J. L: Tabellen über die obere Hörgrenze bei Pathologie und Therapie des Ohres, der Nase und des Halses”, die bis 1933 Bestand hatte, pathologischen Verhältnissen. Passow-Schacfers Beitrage 6 (1913) 289 - 301 Für die Verwendung der Transversalschwingungen mußte allerdings die Spannung der Saite genau eingestellt werden, ähnlich wie bei der Stimmung eines Musikinstrumentes. Hierzu schuf Struycken, der nun mit Schaefer eng zusammen arbeitete, wieder eine sinnreiche Vorrichtung, Eine längliche Stahlplatte, der „Spanner“, wurde so mit zwei daran befindlichen Haken zwischen der Saite und der Schiene des Monochords aufgehängt, daß sie wie ein Hebel auf die Saite drückte. Dann wurde mit der Schraube am einen Ende des Bügels die Spannung der Saite variiert, wobei sich die Stahlplatte entsprechend hob oder senkte, Die richtige Spannung war erreicht, wenn eine bestimmte Marke auf einem Elfenbeinplättchen am Ende der Piatte mit der Saite in einer Húhe stand, Die Feinabstimmung konnte dann noch mit einer Stimmgabel vorgenommen werden. Bei der Prüfung im unteren Bereich (von 870Hz aufwärts) wurde die Saite mit einem Geigenbogen angestrichen, im höheren Bereich der Transversalschwingungen (etwa 2000 bis 5000Hz) wurde sie mit einem „leicht federnden, keilförmig angeschärften, belederten Holzhámmerchen” angeschlagen: für die hohen Töne oberhalb 5000 Hz wurde die Saite durch Reiben entlang der Längsachse in Longitudinalschwingungen versetzt. Die erzielten Tonhöhen waren an zwei Skalen abzulesen, einmal in Schwingungszahlen bis 25000 Hz, zum anderen in musikalischer Notierung bis g’. Prof. Dr. Harald Feldmann Univ.-HNO-Klinik Kardinal-von-Galen-Ring 10 48149 Münster