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822
Sartorius, Maximilian Alexander,
Die Entwicklung der Astronomie bei den Griechen bis Anaxagoras und Empedokles,
in besonderen Anschluss an Theophrast (diss.),
8 \,
1382
Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik 82-3, 1885 p. 197-231 andeis28;also published separately, Heynemann’sche Buchdruckerei, Halle 1883, 39 p. (Emp.:
83, p. 23-6: an usuless and uncomplete enumeration of disiecta membra of
Empedoclean astronomy, no interpretation).
Lei V 188
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Die Entwicklung Der Aftronontie bei den
Griechen
bis Anaragoras und Enpedotles,
in befonderent Anfchluß an Theopbraft.
Bon
Mt. Sartorins.
Erfte Hälfte.
|
Mit Recht bemerkt Zeller: „Beim Beginn der griechifchen
Bhilofophie
ift
eS
zunächft die Außenwelt,
welche bie Auf
merffamfeit auf fid) zieht und die Frage nad) ihren Urfacden
hervorruft” (Philof. db. Griechen 1 S, 123),
Durd die Sinne:
apparate tritt ja die materielle Welt mit folder Unmittelbarfeit
und Macht an den Menfchen heran,
daß er, baburd übers
wältigt, alles materiel auffaßt, auch fogar fidy felbft, — daß
der Geift bas, was ihm dod) eigentlid am nadften liegt, fein
eigened Wefen und Dafeyn, nicht bemerft, fich deffelben. nicht
bewußt wird.
Die materielle Welt ift alfo die nächfte Anregerin
und
bag nächfte Problem ber ‘Bhilofophie: bie erfte
zugleid
Philofophie ift Phyfiologie.
Vor allem befchäftigte fie fit mit
der Außenwelt in ihrem großen Bau, alfo tosmologifd- aftronomifd.
Daher müflen wir der Forderung von Teichmüller
uneingefchränft beiftimmen, daß man niemals die philofophifchen
Spekulationen
der
alten Denfer als Ausgangspunft der Be:
trachtung nehmen und die findlichen Anfichten über Erde, Luft ac,
nur anhangsweife als Kuriofitäten behandeln dürfe.
Man müffe
vielmehr gerade diefe phyftfdye Weltbetrachtung als die Grund:
lage
aller Spefulation anfehen;
jene findlichen Borftellungen
feyen der rechte Schlüffel, der dad Verftánbnig ber abftratteren
Lebren allein zu öffnen geeignet fey (Neue Stud. 3. Gefch. der
Begriffe I. S. 1).
Zu
|
diefer hohen Bedeutung,
weldye der Ermittlung ber
fosmifden Anfchauungen ber álteften Pbilofophen für bie Ge:
fchichte der Philofophie zufommt, bildet die geringe Bearbeitung
unfered Sorfchungsgebietes einen auffallenden, doch unfchwer zu
erflärenden Rontraft.
Liegt
doch
der Stoff
auf ber Grenze
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)zweier Wiffenfchaften, in beide gleihmäßig übergreifend.
Eo
wird «er denn weber von Philologen nod) von Aftronomen mit
Vorliebe behandelt, und bie Zahl feiner Bearbeiter ift mithin
nicht allzu beträchtlich.
Dazu kommt aber nod), daß ten Frúberen in der Benugung
der Quellen jeder fefte Anhalt, daß ihnen alfo für entfcheidende
Arbeiten ber entfpredyende Boden fehlte
CErft in jüngfter Zeit
ift in biefer Beziehung von berufenen Händen ein fefter Grund
gelegt worden, auf welchem fid ein dauernder Bau aufführen
lafjen dürfte,
nämlich
burd Diel8 in feiner Sammlung der
Doxographi graeci, Berol. 1879.
Bon wie überrafchender Trag:
weite find bie in den Prolegomena bes Buches niedergelegten
fritifchen Unterfudungen ber Quellen!
Die ganze Forfdung
auf unferm Gebiet erhält dadurch eine bedeutungsvolle Wendung.
Um nur ein Beifpiel zu erwähnen, fo fchreibt Zeller einmal:
„Plut. plac. phil. I. 1.
Gods
xai
of da’ adrod Eva Tor
xoouov Tann natürlich für fein gefchichtliched Zeugniß gelten“
(Bhilof, d. Or. 1.4 179, 2).
Bisher war es eben traditionelle
Anficht, daß es fait verlorne Mühe feyn dürfte, über die aftronomifchen Theorien der álteften griechifchen Denfer einfach aus
unfern Quellen etwas ausmaden zu wollen.
Cine. caliginosa
nox lagere für und auf den Sáben eines Thales u.a.
Die
Golge war entweder ein völlig ffeptifches Verhalten (val. 3. B.
Seller 1* 171 ff., 181 ff.) oder willfürliche, unmetbodifye Roms
bination,
baltlofes Spiel
mit Oypothefen.
Nun weift aber
Diel8 nad, daß gerade fo verachtete Schriftfteller wie PjeudoPlutarh, Stobáus,
Pfeudo: Galen rc. faft unfere widytigften
Gewährdmänner find,
indem ihre Hauptquelle fein geringerer
ift, ald bes Ariftoteles großer Schüler Theophraft.
SIene beiden
Grtreme find alfo aufzugeben: auch in die entlegenen Zeiten ded
Anfangs
der
griechifchen Philofophie
leitet
uns
ein Führer,
Sheophraft: diefem haben wir zu vertrauen, ihm aber uns aud
unterzuorbnen.
ES erfdeint demnach gerade jegt nach den Forfdungen von
Dield
befonderd zeitgemäß,
von bem neugewonnenen Stand:
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)einer neuen Unterfuchung zu unterwerfen.
ixiren wir und ¿us
nächft ben einzunehmenden Standpunkt recht farf!
Zu diefem
Zwede mögen die Hauptrefultate ber Unterfuchungen von Diels
bier furz gufammengeftellt werden. —
Sheophraft fegte die Richtung feines Lehrers auf die Bez
tradjtung der biftorifhen Entwidlung fort, und zwar war er
in biefer Hinficht befonbers thätig auf bem Gebiet der Phyfif.
Er verfaßte Abhandlungen über die Anfichten der wichtigeren
Philofophen,
Monographien,
die
er
dann
in
fein
großes
Sammelwerl quorxdr do&av 18, (?) Bd. einwob, von weldyen
ed fdyon in der aleganbrinifhen Zeit eine banblidere Epitome
in zwei Büchern
gab (Doxogr. S.102f.),
Die Schrift bes
handelte
: den Fortgang ber Phyfif von ben Alteften Zeiten bis
auf Plato und ¿war in einer Weife, die das große erhaltene
Stagment de sensibus und erfennen läßt.
Zuerft wurden bie
verfchiebenen Hauptanfichten in großen Zügen ffizgirt einander
gegentibergeftellt,
Männer
worauf
dann
bie Unterfchiede
ber einzelnen
innerhalb jener großen Gruppen vorgeführt wurden.
Die chronologifche Anordnung war alfo zu Gunften der inhalt:
lichen Berwandtfchaft durchbrochen. *)
Das Originalwert felbft ift uns leider nicht erhalten, dod)
ift und darum nicht aud fein Inhalt gänzlich verloren gegangen.
Es entipricht ganz der hohen Bedeutung bes Buches, daß aus
biefem überreichen Strome zahlreiche Spätere Bäche befrudtenden
Waffers ableiteten, burdy deren Vermittlung fhließlich auch wir
nod) daraus zu fchöpfen vermögen.
Zunächft gehen wohl bireft
auf Theophraft die Commentatoren bes Ariftoteles zurüd,
fonber8 Simplicius (baf, S.104).
bes
Die übrigen dagegen ftehen
in feinem fo nahen Verhältniß zu jenem grundlegenden $orfcher.
Zur. Bermittlung
.
bauptjächli
unferer Kenntniß
ver alten Phyfif bat
eine verfhollens Sammlung beigetragen,
*) Daf. 3.104,
welche
Mit Recht wird an das analoge Verfahren des Aris
ftoteles erinnert, ©. 105 f.
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Dield vetusta placita nennt.
Diefelbe fchloß fid) aufs engfte
an ba3 Werf bes Theophraft an (S. 218), war jedoch nicht
gänzlich frei von anderweitigen Zuthaten.
Wahrfcheinlich zerfiel
fte in folgente feds Daupttheile: I. de principiis, II. de mundo,
II. de sublimibus,
IV. de terrestribus, V. de anima, VI. de
corpore (S, 181 ff.).
Borfchen wir nad ihrer Entftehungszeit,
fo waren die jüngften Philofophen, welche darin erwähnt wurden,
Boftdonius und WAfElepiaded (S. 185), deren Blüthe in die erfte
Hälfte bes 1. Jahrhunderts v. Chr. fällt.
Anbrerfeit8 aber zeigt
fid), daß Barro für feine loghistorici jene Samınlung bereits
benugte (©. 186 ff.).
Demnad) ftammt biefelbe aus dem Ende
der erften Hälfte des. 1. Jahrhunderts v. Chr.,
alfo aus der
Zeit, von welcher der in ihr lebende Varro richtig urtheilte:
apum
mella
condimus,
non
ipsi
facimus
(©, 201),
Der
häufige Gebraudy ftoifcher Begriffe und Wendungen legt ferner
bie Annahme nahe, daß der Sammler der vetusta placita fid
zu diefer Lehre befannt babe und vieleicht aus der Schule bes
Pofidonius hervorgegangen fey (©. 232).
Aus biefem Korpus flog dad Werk eines Mannes, deffen
Name bisher in der Litteraturgefchichte wohl faum genannt und
von Diels erft fombinatorifd aus Angaben feines Rompilators
Theoboret erfchloffen wurde, die Epitome bed Acting (S. 45 ff.).
Dod fchrieb berfelbe nicht einfach das Bud) feines Vorgángers
aus, fonbern er fob aud) Frembe8 ein, was er anberwärts
aufgelefen hatte (S. 178 ff.).
Der legte, welchen Aetiu8 er:
wähnt, ift der in der augufteifchen Zeit lebende Xenardus; nad)
feinem ungefügen Stil zu urtheilen, dürfte der Autor jebod um
100 n. Chr. anzufegen feyn (S. 99 ff.).
Sept erft gelangen wir zu Schriften, bie uns erhalten und
direft zugänglich find.
Aus Aetius námiid) ftammt eine Reihe
von Ercerpten bei Theodoret (Bifhof, + 457) im 4. Bd. feiner
¿dino nadnuctwv Fepanevtix, Excerpte, welche fic) durd
Zuverläffigkeit und Volftandigkeit auszeichnen (S.45 ff.).
Astius
gehen
ferner mehrere
Bifhofd
Nemefius
(um
400)
Abjchnitte
aus
in
Emefa
Auf
der Schrift ded
in *Bhónizien
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)natura hominis zurüf (S. 49), während Meletius in feinem
Werke verwandten Inhalts nur den Nemeftus fompilirt (S. 50).
Unfere Hauptfenntniß der Schrift des Wétius nad) ihrer Anlage
und ihrem gefammten Inhalt baftrt aber auf Bfeubo: Plutard,
placita philosophorum, und Johannes Stobäus, eclogae physicae.
Relativ die befte Kopie find jedenfalls bie placita philosophorum,
welche ja freilich auch ibrerfeità ber Entitellung burd Berfeben
und fremde Einfchiebfel nicht entbehren, im übrigen aber dod)
den gefürzten Aötius barftellen (S.56f.).
Verfaffer ift jeden»
fallé nicht der Charoneer Plutard, fondern ein unbebeutenderer
Schriftfteller um die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr., welder
bie zu Unterfchiebungen günftige Zeit furz nach dem Tode bes
Plutardy benugte, um Gewinn zu erzielen (S.64). —
Sorg:
fältiger im Einzelnen giebt Johannes Stobáus den Inhalt feiner
Duelle wieder,
indem
Ueberfrift beibebielt;
er
meift
auch die Kapitel nad) ihrer
im Mebrigen aber änderte er bie Anorb:
nung ftarf, wie ed dad fremde Princip von Eflogen mit fid
brachte (S.60.ff.).
Außerdem
entnahm
er
größere Bartieen
der Epitome wepi aœipéoswr ded Arius Didymus, welder aus
Alexandria ftammte, fpâter aber in Rom lebte ale Vertrauter
des Auguftus (S, 69 ff.).
Andere Stellen dagegen ftimmen auf:
fallend mit ber vita Homeri von Plutarch überein, wobei es
jedoch an Abweichungen im Einzelnen nicht fehlt, fodas wohl
anzunehmen feyn dürfte, daß beide, Stobáus und Plutard) (vit.
Homeri), aug
einem
áltern enchiridion Homericum fchöpften,
‘welded legtere in allegorifcher Darftellung bomerifhe Cage mit
den Theoremen' der Bbilofophen zufammenftelte (S. 86 ff.).
Wie fid) die Genannten um Aétius gruppiren, fobag Diels
verfuchen
Fonnte,
aus ihnen ihre gemeinfchaftlihde Quelle zu
reftauriren, fo. wurden in der Folgezeit die pfeudo-plutardhifden
placita
wegen
ihrer banblichen Kürze das Hülfsmittel,
welchen man am liebften zurüdgriff.
nad
Aus ihnen ftammt cine
Interpolation bei Philo de providentia I, 22 (S.1), aus ihnen
find
mehrere Stellen
bei Athenagoras (177 n. Chr.) supplic..
pro Christianis herübergenommen (S, 4).
Zahlreidher find bie
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Entlehnungen bei Eufebius (im 4. Jabrb.) praep. ev. XIV und XV
(6.5).
Aud) Cyril (im 5. Jabrb.) contra Julianum bringt
manches aus Pfeudo-Plutard (S. 10),
während des Bfeudo-
Galen
historia
(um
500 n. Gbr. [S. 253 ff.])
philosopha,
nachdem anfangs bie placita fdyon gelegentlid zu Rathe ges
zogen worden find, von Rap. 25 an ihnen ausfchließlich folgt
(S. 12, vgl. S.233 ff., befonbers S.252).
find
die
pfeudosplutardhifchen
Excerpte
6. Sabrb. n. Ehr.) de mensibus (6.17).
Nicht umfangreich)
bei Boh. Lybus
(im
Sodann zeigt fi
Renntnif ber placita bei ‘Pfeudo-Juftinus cohort. ad gentiles
aus ungewiffer Zeit, welcher in feiner Schriftftellerei am nädyften
mit Athenagoras fich berührt und alfo wohl ins 2. Sabrb.
gehören búrfte (S, 17).
Nicht vollfommen ficher ift auch bie
Zeit ded Achilles, welchen wir aber gemäß feiner ganzen Kom:
pilationdmanter dem 2, Jahrh. n. Shr. ¿umeifen müffen;
Commentar
in Aratum
fein
geht in feinen Grunblinien auf dad
Kompendium eines Stoifers, wahrfcheinlidy des Cudorus, zurüd,
welded feinerfeité wieder aus einer Schrift von Diodorus aus
Ulerandria, einem Schüler des Pofidonius, excerpirt feyn dürfte,
Zu biefem Grunbmaterial gefellen fic) bei Achilles noch Lefes
früchte
aus
(6.17 ff.).
allerlei Werfen,
auch
folbe aus unfern placita
Auch bei ben fpátern Bygantinern wird Bfeudo-
Plutard nod) guweilen angezogen, ebenfo bei ben Arabern; dod)
find deren Angaben.
für uns völlig werthlod (CS. 27 ff.).
Reben diefer eng zufammenhängenden Gruppe, deren Haupt:
vertreter Pieubos Blutard) und Stobáus find, dependiren aud
noch andere Schriftfteller von Theophraft.
Hier hat Diels eben:
falls über die Quellenfrage Licht zu verbreiten gefudt.
Rabe
verwandt find bie Notizen bei Cicero Lucull. und de nat. deorum
mit ben aus ben herfulanenftfchen Funden ebirten Fragmenten
von Lhilodemus mepi evoeßelag, welche. beide indeß auf eine
gemeinfame Quelle, eine mit ftoifcher Färbung gefchriebene Samm:
lung aud Theophraft, zurüdzuführen feyn dürften (S. 119 ff.).
Aus Cicero (oder vielmehr aus einem Excerpt beffelben) lediglich
úberfegt ift ferner das Hierhergehörige bei Clemens aus Alexan-
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)bria, protrepticus (©. 129 ff.). — Des Hippolyt philosophumena
find gufammengefloffen aus zwei Quellen, von denen bie eine
fid) als bie diadoyn trav gedocdgwy des Sotio aus Alexandria
berauöftellt, während die andere eine Epitome von Theophraft
war.
Die
erfte führte
alfo die Totalanfichten der einzelnen
Phifofopben dronologifd) nad) ben einzelnen Schulen auf, bie
zweite dagegen vereinigte entiprechend bem ‘Bfeudo-‘Blutard und
Etobäus fapitelweife die Behauptungen, welche bie verfchiedenen
Philofophen je über cin beftimmtes Problem aufgeftellt hatten.
Selbfiverftandlid)
.ber Weile,
benugte alfo Hippolyt bie zweite Quelle in
daß er bei jedem Bhilofophen die Sage ¿ufammens
ftellte und unmittelbar Hinter einander aufzählte,
bie in den
einzelnen Kapiteln getrennt als ihm angehörig überliefert ftanden
(S, 144 ff.). — Aus einer Epitome des Theophraft ftammt ber
größte Theil bed Fragments ber pfeudosplutardhifden orpœuareis bei Œufebius, praep. ev. 1,7, deren Verfaffer wohl in bie:
felbe Zeit wie der der placita gehören mag, alfo um die Mitte
des 2. Jabrb. n. Chr. (S.156). — Bei Diogenes Laertiu8 zeigt
fi
genau berfelbe Dualismus wie bei Gippolyt.
Aus ber
einen Quelle entnabm er nämlich die Lebensbefdyreibungen ber
Philofophen
in BVerbindung
mit
einem
gebrängten Ueberblid
über bas jedesmalige Syftem, während bie andere, ein Roms
pendium aus Theophraft, die reicheren Angaben über die phyfts
kalifchen Anfchauungen lieferte (S. 169).
Aus dem Borhergehenden erhellt zur Genüge, daß wir auf
das Verlangen, bie álteften Zeiten griechifcher Entwidiung in
Bezug auf tie Wiffenfhaft vom Kosmos mit hiftorifdhem Blid
qu muftern, nicht zu verzichten brauchen und bei biefem Streben
nicht allzufehr auf fubjeftiv zu bildende Hypothefen eS abzufehen
haben.
Denn mit einiger Gewißheit muß fic ermitteln laffen,
was Theophraft über jeden Punft geurtheilt habe, wenn uns
fo viele Berichterftatter zu wedhfelweifer Vergleichung und Ab.
fhätung zu Gebote ftehen.
Zugleidy aber erkennen wir aller
dings aus ber Befchaffenheit ber Tradition auch bie erhebliche
Schwierigkeit der Borfbung.
Denn mögen immerhin bie vers
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)fhiebenen Werke, welche 3.B. in den Sompilationen ded Sto:
baus,
Hippolyt
fämmtlid)
mehr
und Diogenes Laertius ausgefhrieben
oder
Grunblage ruben,
minder
find,
unmittelbar auf theophraftifder
fo if es body felbftverftdndlid),
daß jeber
Beriht um fo mehr feine urfprüngliche Treue, alfo an Werth
einbüßt, burd je mehr Hände er uns zufommt.
Denn feine
Kopie wird je völlig unverändert bie Züge des Originals ent:
halten.
So bemerkt 3. B. Diels innerhalb des Rahmens unferer
Quellenfrage an dem Verfaffer der vetusta placita ftoifchen Ein:
fluß
(S, 224 ff.),
Garbung (S. 99 ff.).
an
Aétius
Hinneigung
zu
peripatetifcher
Hierzu fommen fodann nod) als befonbers.
entftellend falfche Zufammenziehungen, indem ber Kürze halber
Namen aufs engfte zufammengeftellt find, während bie betreffenden Anfidten nur theilweife mit einander übereinftimmten (S. 63
und 67).
Darum find gunddft bie oben nicht erwähnten Schriften
eines Srenäus, Arnobius, Auguftinus u. a. (S, 169 ff.),
in
welchen fid) ebenfalls Anflánge an Theophraft finden, aber nur
ganz vereinzelt, fodaß wir die Art ber Ueberlieferung nicht unter:
fuchen fónnen, von geringer Bedeutung.
Was aber die Haupt:
autoren anlangt, fo ftellt fid) und hier allererft das fdnvierige
Problem,
bie
fcheiben.
Diels gebührt das große Verdienft, biefe Unterfuchung
Beftandtheile
nad
in Angriff genommen zu baben.*)
dem
Quellenverbältnif
zu
Dod) ift die Sonberung
nad) dem öfteren Geftändniß von Diels felbft vielfad) ¿weifel:
haft oder gar unmöglih.
Und ift fie da überall verbürgt, mo
Dield mit Sicherheit vorgehen zu fonnen glaubte?
An einer
Stelle ift ihm. bereits wiberfprochen worden, nämlich bezüglich
ber Zurüdführung des Brodmiums bes erften Buches der placita
auf Aëtius (Dox. S.57f.).
Elter
fchließt nämlid aus der
*) Bal. ¿ BD. über Actius S, 178— 186, über Plutard S. 57 — 66,
über Stobäus S.69— 80, 86ff., über Galen ©. 244—253, über Diog.
Laert. S. 163 ff., über Hippolyt ©. 144
— 153, wo &. 153 eine tabellarifche
Ueberfidht bringt, wie bas und vorliegende Bud nad) den beiden Romponenten, aus welchen es refultirte, fich zerlegen dürfte.
Page 10
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Anordnung
bes
Ramendverzeichniffes
bei Photius
cod. 167,
daß ein ähnliches Kapitel bei Stobáus, deffen Anfang für uns
verloren ift, nicht geftanden babe (Elter, de Joh. Stobaei codice
Photiano, Bonnae 1880),
freilich
in
ein Angriff,
beffen Gründe Diele
einer Erwiderung als nidft ftichhaltig zu erweifen
fubt (Rhein. Muf., neue F., Bd. 36, 3 [1881] S. 343
— 350,
vgl. befonder8 ©. 347),
Mag aber immerhin bei ihm aud) nod)
manches Andere nur auf fchwachen Füßen ftehen, fo erfcheint
e8 ja doch überhaupt fraglich und nicht eben wahrfcheinlich, daf
durch bloß Außere Merfmale und Hilfsmittel, wie Dield und
Giter fie anwenden, bie Quellenfrage jemals fo flar und ficher
gelöft werden follte,
daß eS dann nur bed mechanischen Zus
fammenfchreibens bebürfte, um die Entwidlung ber Aftronomie
nach Theophraft darzuftellen.*)
Wir dürfen daher getroft bie
Refultate, welche Diels bietet, im Allgemeinen acceptiren und
den Berfud
zuführen.
maden,
auf biefer Grundlage einen Bau aufs
Denn bie Lite, welche unferer Quellenfenntnif ans
haftet, füllt fid zur Genüge durò bie ftete Rontrole, welde
wir für jede Nachricht von Seiten bed ganzen Sufammenbanges
der Entwidlung üben fonnen.
erften Berfud),
wahrfcheinlih
ibránten,
Daß wir und aber bei diefem
ein Gebäude zu errichten,
von Theopbraft
bürfte
berrübrenben
möglichft auf die
Nachrichten
eins
fich zur Crleichterung unferer Aufgabe bin:
länglicdy rechtfertigen.
Das Refultat, zu welchem wir gelangen
fönnten, wäre ja trop feiner etwaigen Einfeitigfeit nicht gerade
zu verachten: ein Meberbli über die Entwidlung der Aftronomie,
wie ihn Theophraft befaf.
Mit diefem Refultat müffen gwar
eigentlih die Notizen übereinftimmen,
guten Schriftftellern vorfinden;
die wir fonft nod) bei
dod) würde es für ben Anfang
nur verwirren, wollten wir alles Material heranziehen.
Anders
ftebt e6 dann, wenn uns bireft ganze Werke oder Fragmente in
*) Diels giebt 3. B. ©.73 ff. eine Defas von Inbicien an, nad denen
bei Stobiu8 die Fragmente aus der Epitome des Arius Didymus zu ers
fennen fenen, geftebt aber zugleich auch felbft, daß trogbem die Entfcheibung,
06 etwas aus Didymus entiebnt fey, mandmal offen bleibe.
Page 11
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Originalfaffung erhalten find;
ba fonnen wir uns getroft von
ber Autorität des Theophraft emancipiren und felbft urtheilen.
Y
1.
Homer und Hefiod.
Um uné über ben Hortfchritt der aftronomifden Æenntniffe
bei
ben
Griechen
moglidft allfeitig
zu
orientiren,
beginnen
wir mit der Auffaffung bed Weltgebdudes, weldye und in ben
beiden
älteften
litterarifchen Denfmálern aus ber Anfangszeit
ber Entwidlung jenes BVolfed vorliegt, in ben Gebichten ded
Gomer und Heftod.
In der Grunbanfbauung ftimmen bie beiden Dichter mit
einander gänzlich überein.
ebene Scheibe.
Die Erde betrachten fie ald eine
Daher fann Pofeibon auf den Solymer Bergen
in Pifidien ben Odyffeus fenfeit8 von Griechenland an der Küfte
von Scheria und Helios feine Rinder auf ber Infel Thrinafia
beim Auf: und Untergange erbliden (Od. 5, 282. 12, 380).
Rings am Horizont zieht fi) um biefe Scheibe der Dfeanos
ala ein freigformig in fid) geichloffener Strom von verhältnißmäßig geringer Breite,*) aus welchem alle übrigen Gewäffer
berfliegen, **)
Ueber der flachen Erde wolbt fid der Himmel,
welchen man fid) einfach ungefähr ald eine Halbfugel vorftellte,
deren Radius dem Erbhalbmeffer gleich ift. ***)
Bemerfendswerth
*) Odvffeus fegelt von einer Seite zur andern von Sonnenaufgang
bis Untergang, Od. 10, 541. 11,12.
Ithafa nad Pylos, Od, 2, 388. 3, 1.
**) Il, 21, 196.
Jn gleicher Zeit fuhr Telemad von
Der Ofeano8 liegt mit feinem Niveau in gleicher Höhe
wie das Meer; dies ergiebt fi aus der Schilderung jener Fabrt des Odyffeus
(Od. 10, Anf.).
Demnad muß fein Waffer in unterirdifchen Adern zu den
Quellen und Brunnen emporfleigen.
***) Hes, theog. 126.
Hierzu ftimmt die Annahme, daß die im äußerften
Often und Meften wohnenden Aetbiopen von der nahen Sonne gefbwärat
feyen, Hes. opp. 527. Hom. Od. 1, 23.
Die abfoluten Dimenfionen von
Himmel und Erde werden nur inbdireft bezeichnet. Hephdftos, von Zeus aus
dem Olymp herabgefchleudert, fiel den ganzen Tag über bis Gonnenunters
gang, Il. 1, 593; nach Hes. theog. 722 dagegen würde ein eberner Ambof
den Raum in 9 Tagen guriidlegen. Was die Erde betrifft, fo läßt Od. 3, 321
der alte Reftor den Menelaos in ein welteds Weer verfchlagen feyn, über
welches nicht einmal Bigel binnen Jahresfrift zu fliegen vermöchten.
Page 12
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)ift das Verhältniß, in welchem biefes Gewölbe zu den Geftirnen
ftebt:
ber Himmel nämlicdy bleibt dauernd unbewegt in feiner
Lage, wie fih aus dem Mythus von Atlas ergiebt (Od, 1, 53.
Hes. theog. 517), bie Sterne dagegen ziehen an ihm bin;
fteigen
beim Aufgang aus
bem Bade
ded Ofeano8
fie
empor,
fhreiten über den Himmel weg und tauchen endlich wieder
in
die
Fluthen
am
Horizont
binab
(11. 5, 6. 10, 252. 18, 488.
Od. 5, 274. 12, 312, 14, 483 und viele Stellen bezüglich ber
Sonne).
Ueber die Art der Rüdtehr nad Often finden fich bei
Homer und. Gefiob feinerlei Andeutungen;
erft Spätere ließen
ben Helios fchlafend auf goldenem Bett oder in einem goldenen
Becher auf dem Waffer zurüdfahren (Athenaeus deipnosoph, 11,
38— 39, 6, 469 —A70).
Als eine Art fommetrifchen Gegenraum8 fingiren jene Dichter unter der Erbe den Tartarod.
Sie
verlaffen damit die finnlihe Anfchauung, weshalb wir und auch
über bag Schwanfende in ihren weiteren Angaben nicht wundern
dürfen.
*)
In den fpeciellen aftronomifchen Kenntniffen beftebs givifchen
den beiden Dichtern ein bedeutender Unterfchied.
Homer nennt
außer Sonne und Mond den Morgenftern (Il. 22, 226. Od. 13, 93),
ben Abenpftern (Il. 22, 317), die Plejaden, Hyaden, den Orion
(il. 18, 486. Od. 5, 272), Sirius (Il. 22, 29, wahrfcheinlich auch
5,5 [dorgo órrwpevós] und 11, 62 [otAcos dotno]), den großen
Bären (IL 18, 487. Od.5, 273)
und Bootes (Od. 5, 272).
Hierbei befchränfen fic) aber feine Angaben meift eben auf die
Namen.
Weiterreidhende Kenntniffe
*) 11. 8, 16. Hes. theog. 720.
treten nur felten hervor.
Nebenbei fey erwähnt, daß man fid
nicht etwa die Erde wie ein Schiff vom Meere getragen badte.
fpricht nämlich Hes. theog. 727
Dagegen
autag Unepder (tov Taotdoov)
yis 6llaı neyvacı xad (darüber) arevydıoıo Fadatoons,
und am beftimmteften Il. 20, 62, wo das Echlachigetümmel, in welches fich
die Olympler felbft eingemifäht haben, fo groß tft, daß Hades erfchredt von
feinem Thron auffpringt und laut ruft
un of Uneoder
yaiay dveponteis Ilooedawr èrosty9wr.
Page 13
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)So weiß der Dichter fhon, daß Sirius im Herbft fichtbar ift,
daß der große Bär, den Orion anblidend, nie untergeht.
Aud
liegt ed nahe, die Anzahl der Rinder und Schafe des Helios,
von welchen beiden Gattungen je 7 Herden, je 50 Stud zählend,
auf Thrinafia weiden follen, mit der Zahl der Tage im Sabre
in Zufammenbang zu bringen.*)
wenden ermabnt.**)
Cinmal finden wir die Sonnen-
Bor allem aber ift es wichtig, daß bereits
Homer bie praftifche Nüglichkeit der aftronomifchen Erfcheinungen
zu zeitlicher und räumlicher Orientirung fannte. . Bezüglich des
Laufes der Sonne ift bied ja ohne Weiteres felbfiverftändlich.
Dod)
dienten aud) icon die Sterne bemfelben Zwede;
nad
ihnen beftimmten fid) die Zeiten der Nacht (Il. 10, 251. Od. 12,
312. 14, 483), und Obyffeus erhielt von Kalypfo die Weifung,
bei der Seefahrt ben großen Bären ftets zur Linfen zu behalten,
um in feine Heimat zu gelangen (Od. 5, 276).
QHeftod erwähnt ungefähr diefelben Sterne:
ben Morgenftern, die Plejaden, Hyaben, den Orion, Sirius und Arftur.
Sn der genaueren Kenntniß der jährlichen ‘Phänomene zeigt fich
dagegen ein auffallender Fortfdritt, da der Dichter in ben opera
et dies bereité tie geeigneten Zeitpunfte der wichtigften Gefchäfte
nach den Himmelderfcheinungen beftimmt.
In Betreff ded Aders
baues empfiehlt er feinem Bruder Berfes, beim Untergang ber
Plejaden, Obaden und des Orion zu pflügen, beim Aufgange
ber Plejadben mit der Ernte zu beginnen und ber Demeter heilige
Frucht zu drefhen, fobald Orion fihtbar wird.
Weife
Bn berfelben
handelt er fodann über Weinbau und Schifffahrt. ***)
Aus dem legten Theile ded Gedichtes (VB. 765— 828) erfehen
wir,
daß
der Verfaffer bie Dauer bes Mondumlaufes fchon
annähernd fannte; er giebt für diefelbe 30 Tage an, und bereits
*) Od. 12,129.
Die phyfifalifhe Auslegung kannte [bon Ariftoteles,
val. Sol. 3. d. St. und Euftath. S. 1717.
**) Od. 15, 403.
Die Stelle felbft ift dunkel;
aber daß Homer bereits
die Sonnenwenden gefannt babe, dürfte feineswegs unglaublich erfcheinen,
wenn man die entfdrechenden Notizen bel Hefiod in Erwägung zieht.
***) Ueber diefe Daten vgl. Ideler: Handbud der mathematifchen und
technifchen Chronologie 1, S. 242 ff.
Page 14
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)haben bie einzelnen Tage für beftimmte Gefchafte eine myftifche
Bedeutung erhalten. —
Ehe wir auf die fernere Entwidlung der Aftronomie eins
gehen, wird es zwedmäßig feyn, bier eine fleine Raft zu machen
und nad bem bdurchlaufenen Wege einen Blif zurüdzumwerfen,
um und von ber Bedeutung ber bisher gefundenen Refultate
Rehenfhaft zu geben und im Anfchluß daran über einen Puntt,
welcher für die ganze weitere Unterfuhung von Wichtigkeit if,
flar zu werden.
ES ergab fi) alfo, daß fchon in bem früheften Zeitalter
bed griechifchen Volkes, foweit nad ben erhaltenen Dentmalern
unfer Olid voraubringen vermag, ein gwar unvolifommene8, im
unmittelbaren,
finnlichen Ginbrud verharrendes, aber doch in
fi abgeichlofienes Bild des Weltganzen vorliegt.
Kenntniß
ber
Auch in ber
einzelnen Erfcheinungen hatte man e8 damals,
im 10, und 9. Jahrhundert v. Ebr., jchon ziemlich weit gebracht,
und ber Abftand, welcher zwifchen Homer und Hefiod ftattfinbet,
zeigt unverfennbar, daß diefe Kenntniß ftetig fortfchritt.
Dazu
fommt, daß lebtere nicht etwa bas vorzügliche Cigenthum von
einigen Wenigen gemefen zu feyn fcheint, fondern offenbar faft
unter Allen verbreitet war und praftifch verwerthet wurde.
gleichen wir damit unfere heutigen Juftánbe.
Ver:
Unfere Aftronomie
ftebt ja hoch über dem Wiflen eines Homer und Hefiod; aber
wie verhält es fidy mit der Mehrzahl, mit denen, welche mit
jenen Fachfreifen feine Berührung haben?
Gir diefe befchränfen
fi bie Kenntniffe zumeift auf die allgemeinften Erfcheinungen
an Sonne und Mond, mande kennen wohl aud den Morgen
und Abendftern, aber nur wenige noch andere Sterne und Stern:
bilder, — ein Kontraft, fo auffällig, daß er unfere Aufmerkfamfeit nothwendig feffeln muß.
Zunädft
Wie erflären wir. ihn?
haben wir in Erwägung zu ziehen,
daß jebes
Bolt, weldes noch dem Naturzuftande näher fteht und zugleich,
wie died ja aud) bei ben Griechen ber Fall war, burd die Lage
und Beichaffenheit
feines Landes
darauf angemiefen ift,
ft
alles zur. Grifteng Erforderliche durd eigene Zhätigfeit zu ers
Beitibr. f. Philof. u. phil. Kritik, sz. Band.
Page 15
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)arbeiten, von felbft ben aftronomifden Erfcheinungen eine bes
fondere Aufmerffamfeit zuwenden wird.
GS gilt, bem Boden
burd) fünfilihe Beftellung bie nôthige Nahrung absugewinnen;
dabei fommt es befonbers auf geregelten, redhtgeitigen Anbau
an.
Wie fonnte man aber die Zeit anders abmeffen al8 eben
nad) den Erfcheinungen am Himmel?
Gang anders verhält es
fih biermit bei und. Das Jahr ift genau beftimmt, und in
swedmapig
gewählten Unterabtheilungen bat jeder Tag feine
fizirte Stelle.
Wad bas praftifche Leben braucht, ift im Bors
‘aus berechnet und feftgeftellt, ed mangelt baber bas awingenbe
Bebürfnif, uns darüber an ben Sternen zu orientiren. — Die
Beobachtung der Geftirne, wozu alfo primitive Rulturflufen über»
haupt mehr gendthigt find als wir, wurde außerdem den Griechen
nod) durd) äußere Berhaltniffe wefentlich erleichtert.
Das warme
Klima geftattete auch zur Nachtzeit den Aufenthalt im Freien,
und ber fpridjwortlid) gewordene unbervôlfte Himmel von Hellas
begünftigte jene Beobachtungen in einer Weife, welche gegen bie
Hinderniffe der meift getrübten Atmofphäre in unfern Breiten
außerordentlich abftidt. —
ben Griechen überhaupt
Katurbetrachtung;
mehrfach entgegen.
Vielleicht aber eignete enblid) auch
eine größere Hinneigung zu finniger
Züge hiervon
treten uns in ihrer Litteratur
So vergleicht Homer einmal bie zahllofen
Wadhtfeuer ber vor Slio8 lagernden Trojaner mit dem prangens
den Sternenhimmel, über welchen fit in feinem Gemüth ber
Hirt freut (Il. 8, 555).
So fchildert derfelbe Dichter die Art,
wie Obyffeus nad langen Srrfabrten und Leiden endlid) von
ber Infel der Kalypfo nach feiner lieben Heimath aurüdfteuert,
mit den eben fo fchlichten, ald bezeichnenben Verfen (Od. 5, 269):
ynsoovvog Y ovew nétao forla dios Odvocers.
avtag È nydediw iPuveto teyvnéviwse
huevos? ovdé of Unvos én Blegdootosy trunter
IRndödas 1° éçoowrre xa) dwk dvovta Bowtny etc.
So
erzählt der Wächter,
welder Jahre lang in Argos auf
bem Dade des Palafted ber Atriden nad) der Geimfebr ded
Agamemnon ausgefpàbt bat (Aesch. Ag. 4):
Page 16
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Gotowy xaroıda vuxtéewy ouyvou;
zal tovs péoortas yeipa xal Sépoe Pootoîs
Aaungovs durdotas, dunpérrovtas aiFégs.
Wir haben und daher von vornherein barauf gefaßt zu machen,
bag ber Fortfchritt der Aftronomie bei den Griechen in Wirklich«
feit anders erfolgte, alé wir, befangen in unfern jegigen Jus
fländen, vielleicht erwarten möchten;
und es wäre übereilt, eine
Nachricht bloß deshalb von ber Hand weifen zu wollen, weil
fie und überrafcht, während fie im Uebrigen nad) der ganzen
Art ihrer Ueberlieferung fich offenbar auf Theophraft ftübt.
Dies vorausgefhidt, wollen wir fest unfern Weg fortfegen.
Rad) Hefiod lafien und zunächft für längere Zeit unfere Quellen
im Stih, und erft von ba an, alè die Philofophie beftimmter
hervorgutreten
begann,
haben wir wieder Nachrichten.
Es
genügt, fortan auf biefe wifienfchaftlichen Sorfcher näher eins
zugehen.
2. Thales.
Bon befonderer Wichtigkeit ift es, ben Stand ber Aftro:
nomie
am
Beginn
ber
wiflenfchaftlichen
Forfchung
bei
ben
Griechen möglihft genau zu ermitteln, alfo bie aftronomifchen
- Anfidten bes Thales ins Auge zu faflen.
Denn biefer galt
aud bem Theophraft ald derjenige, welcher jene Richtung der
Biffenfhaft anbabnte (Simplic. in phys. f. 6, bei Diels, Doxogr.
475, 10).
aus
Obwohl feine metaphyfifhen Annahmen nicht durdys
Hierher gehören, fo mögen fie body furz erwähnt werben,
weil diefelbe allgemeine Grunbanfhauung zum Theil der ganzen
Altern jonifchen Schule gemeinfam ift und ihr Wefen dharaftes
rifirt.
An den Anfang ftelt Thales einen Urftoff, nämlid das
Wafer (Aet. I, 2 und 3),
eine 547 madnr7, deren Úmiwanbs
lungen allem fogenannten Entftehen und Vergeben zu Grunde
liegen.*)
Wir haben alfo nicht an bas, was unfere Natur:
wiffenfchaft unter Waffer verftebt, zu benfen, fondern uns einen
*) Aet. I, 24 (Ilvdayogas xal mavres 500 nadyntyy thy Üânr ünorl-
Ferras), vgl. die jedenfalls nicht gang richtig überlieferte Stelle Aet. I, 17.
Aud Hippol. I, 2.
Page 17
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)M, Sartortus:
Stoff vorzuftellen,
ber in alles fic) zu verwandeln vermag,
außerdem begabt und bewegt von feelifchen, göttlichen Kräften,
gleihfam von einer Vernunft als einer immanenten Gottheit,
welche die Welt felbft geftaltete (Aet. 1,7. Cic. de nat. deor. I, 10).
— Bezüglich ded Aftes der Weltbildung fehlen und fpecielle
Angaben über die Theorien der einzelnen Philofophen.
Wir
> befigen
über
biefen
Aet, I, 4,
furg
ebendeshalb
búrfen
Punft
excerpirt
wir
nur
bei
ein
allgemeines Sapitel
Galen. hist. phil. c. 33.
annehmen,
daß
bie
fonft
bei
Aber
fo
ver
fhiebenen Anfichten gerade hierin — wie died ja aud) an fit
natürlidy
erfcheint — wenig auseinander gingen,
fobaf alfo
jenes Kapitel im Allgemeinen und aud) zur Anwendung auf
Thaled berechtigt.
Vorauszufegen haben wir innerhalb des Ur:
ftoffe8 Ungleichheiten bezüglich ber Ausdehnung und Schwere.
Die größeren,
fchwereren Theile vereinigten fid) fobann und
drúdten die Heinen, leichten nad außen.
ben
ftarren Kern
bas Luftmeer
So gruppirte fic) um
und ber Himmel mit feinen
Geftirnen, während fid) das Wafler in ben Vertiefungen ber
Erdoberfläche anfammelte, *)
In fchönfter Uebereinftimmung hiermit finden wir anders
warts ausdrüdliche Einzelangaben über Thales,
Er dachte fid
die Welt ald eine Einheit (Aet. II, 1), (námitd als eine Kugel),
in deren Centrum fid) bie Erde befinbe,**) und zwar in uns
bewegter Ruhe (Aet. II, 13).
Die Geftalt ber lebteren wird
alé fugelformig bezeichnet (Aet. III, 10), dody ift es wahrfcheinlid), daß a. a. D, unter y7 nicht die fefte Erde im engern Sinne,
fondern die ganze Gentralmaffe zu veritehen fey.
lid)
gab Thales ber
Denn befannt:
feften Erde eine Unterlage von Waffer
(Simplic. in phys. 6. [Doxogr. S. 475, 9]).
Senefa fpridt nun.
nat. quaest. VI, 6 von der Erde des Thales ald einem orbis
terrarum und gebraucht für bad Schwimmen berfelben ben Vers
gleich mit einem Schiffe;
vgl. 1H, 13 ait enim (Thales) terra-
*) Das Iegtere betreffend haben wir allerdings für Thales erhebliche
Modifitationen anzunehmen, worüber alsbald das Nähere.
**) Aet. III, 11.
Daß nur eine Erbe exiftire, berichtet Act. II, 9.
Page 18
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)rum orbem aqua sustineri et vehi more navigii, wo der bebeuts
fame 3ufag
babeifteht:
dicitur tremere.
mobilitateque fluctuare
“Durch
tunc,
quum
bdenfelben werden wir auf bas
ents
fprechende Kapitel bei Aet. MI, 15 Bingemiefen, wo wir in der
That biefe Anfchauung wiederfinden:
Onis uéy xal Anuóxortog Bdate thy alılay TOY ououdy noogantovory.
bafelbft heißt es bald nadber § 9:
Chens
of dé ace dp údaros
(Enoxeiogaı thy yiv) xadaneo ta niatauwdy xai vanıdwdr
dal ray iddtwv' dia toùro xveioFar, es werden alfo flache
Gegenftinde
zur
Bergleichung
herangezogen.
Offenbar
aber
handelt es fich Bier befonder8 um Thales, fodaf bemnad uns
zweifelhaft if, daß nad Theophraft diefer Philofoph noch nicht
die Rugelgeftalt der feften Erbe lehrte, fondern ihr eine flache
Horm gab. *)
Daf Thales ben Himmel als eine Sphäre auffaßte, ergiebt
fic) aus den Nachrichten, daß er biefe Kugel in fünf Zonen
eingetheilt babe,
von denen die arftifhe immer fichtbar,
bie
antarftifhe dagegen immer unfidjtbar fey, während die mittlere
durch
bie beiden Wenbefreife begrenzt werde;
verlaufe der Aequator (¿oquepivós xvxdoc).**)
in ihrer Mitte
Außerdem ift bem
Thales a.a.D. auch die Kenntni des Zodiakus zugefchrieben,
*) Die obige Weife, fid mit den theophrafteifden Nachrichten bet
Simplicius und Aet. II,
10 und 15 auseinanderzufegen, fcheint die einzig
mögliche zu feyn. Sie findet fit auch bei Rôniber, Vorft. der Griechen üb.
"bd. Ordn. und Beweg. d. Oimmelstürper bis auf bd. Beit des Arift., S. 21.
Teihmüller erwähnt fie, Neue Stud. 3. Gel. d. Begr. I, 208 Anm., fügt
aber ohne ftihhaltige Begründung hinzu, eine fo ,fübne Borftellung fchetne
Thales ferngelegen zu haben”. — Man könnte etwa auch darauf verfallen,
anzunehmen, daß die ganze untere Halbtugel des Firmaments von Thales
mit Waffer gefüllt gedacht wurde, worauf fodann die Erde fhwimme. Dod
erregt es Bedenken, diefer fhwimmenden Maffe Sugelgeftalt beizulegen.
Geradegu aber widerfpricht biefer Annahme die Kritit, welche Uriftotele8 an
Thales übt de coel. IT, 13 ©. 294a 28 .. ovd? yao ro Udwe mépuxe pére
uetTéwgor, all ind vivos èotty.
**)
Aet, II, 12.
Bemerft
zu
werden
verdient,
daß
a. a. ©.
die
Bonen thetlwetfe mit den fle begrengenden Parallelfreifen zufammengewürfelt
werden.
Page 19
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)welche er indeß faum befeffen haben dürfte, Sein Wiffen mag
fi) in biefer Ginfidt einzig darauf erftredt haben, daf er dad
Auf» und Abfteigen der Sonne zwifchen den beiden Wenbefreifen
fonftatirte.*)
Wie es fid) mit dem Monde verbalte, erkannte
Thaled zuerft und traf dabei mit überrafchender Schärfe bas
Richtige.
Er hielt ihn nämlid für einen erbartigen Körper
(Aet. IL, 25), dem er jebenfall8 Rugelgeftalt verlieh.**) Erleudtet
wird er von ber Sonne (Aet. II, 28), daher ergeben fich feine
wechfelnden Phafen aus feiner Stellung zu biefer feiner Lichtquelle und feine Verfinfterungen, wenn er in ben Erbfdatten
eintritt (Aet. I, 29).
In richtiger Sonfequenz erklärten fic) bem:
nad auch die Connenfinfterniffe burdy das Vortreten bes erbigen,
dunklen Monded.***)
Nicht abzufehen ift, welded Motiv den
Thales veranlaßt haben möge, aud) der Sonne und allen
Sternen eine erdartige, wenn aud) glühende Befdaffenheit beis
zulegen (Aet. Il, 13).
Unficher ift, ob auf Theophraft zurüds
geht, was uns fonft nod) Diogenes Laertius berichtet.
Danad
fol Thales bie Lange des Jahres auf 365 Tage beftimmt und
den
legten Tag
ded Monatd
(Diog. L. I, 27 und 24).
querit tosaxac genannt haben
Nun finden wir aber die Bezeichnung
tovaxac in diefem Sinne fon bei Heflod opp. 766.
könnte
vielleiht
der Ausdrud
etwas
z%v
vorépav
Aud
rot unvòs bei Diogenes
anbereë bedeuten ald ben lebten Monatstag.
Jedenfalls hätte demnach Thales auf die Dauer bes Mont:
umlaufes feine befonbere Aufmerffamfeit gerichtet.
Dann finden
fid) nod) die offenbar verderbten Morte Diog. L. I, 24: 20@ros
To
tov
mhlou
péyedos tov
*)
Diog. L. 1, 24.
oeAmvalov
énvtaxociootó»
xal
Die genauere Bahn, den Soblafus, ermittelte erft
Pythagoras, worüber fpäter, in Abfchnitt 6.
+) Ausbrüdiié wird darüber nichts erwähnt, dod val. dad allgemeine
Kapitel 7. oynudrwv doréowy bel Aet. II, 14.
rr) Act. II, 24.
Auch dürfte jedenfalls die Korrektur gu acceptiren feyn,
welche Diels Doxogr. ©. 53 bei den unverftändlichen Worten Aet. II, 29, 6
am Ende vorfhlägt: allor (Diels: 7260v) dè (scil. &xde/nesy) Tic cedivne
dv tepoattovons,
Page 20
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)sixootéy
Gneguratro.
Man
bat
baraus
215
vermuthet,*)
daß
shales den Sonnendurchmefler als 1/29 der Sonnenbahn aus:
gemeffen
habe,
und
zur Sergleibung
herangezogen Appulej.
flor. IV, 8 idem divinam rationem de sole commentus est ..
quotiens sol magnitudine sua circulum, quem permeat, metiatur und Archimed. yauutrns ©. 321 Torelli tov xvxdov ..
toy Giov
qavdusvov de
TO
éelxootov xal ¿mraxociocTó».
Ob mit Recht, muß babingeftellt bleiben.
Doch enthalten alle
biefe Angaben ded Laertier8 nichts, was mit bem nad Theos
phraft fic) Ergebenden fit nicht vereinbarte. —
Dies ware alfo bas Weltgebäude bed Thales, wie ed uns
Theopraft fhilbert.
Wen überrafcht nicht der große, ungeheure
Kontraft beffelben gegenüber bem früheren!
Man ftaunt über
den gewaltigen Sortfchritt, — wundert fid und zweifelt.
Denn,
fonnte man fagen, in Wirklichkeit führt und doch eigentlich nicht
Theophraft, fondern es find jüngere Kompilatoren, bei denen es
immerbin nod) fontroverd ift, ob und wieweit fie bem großen
Peripatetifer nachgehen.
Dem ift allerdings fo, aber trogdem
ift bem Thales von allen ihm eben zugefchriebenen
- Sägen wohl
nidts in Abzug zu bringen.
Hierfür {prit der Umftand, daß
bie verfchiedenen Stellen fich nirgends offen und Banbgreiflih
widerfprehen.
Was aber bie Hauptface ift: all bie einzelnen
großen Bortfchritte
Einfiht,
aus
bafiren
welcher
fämmtlich auf einer fundamentalen
fle von felbft und mit einem Schlage
refultiren, nämlid auf ber Einficht, dab bas Firmament nicht
eine Halbfugel, fondern eine ganze feyn múfie.
Daf Thales
diefe Entbedung gemadt haben fonnte, ift nicht zu beftreiten.
Die Gefegmafigfeit in den Aufs und Untergängen ber Oeftirne
war längft bemerkt worden, ebenfo die fefte Geftalt der bebeutens
deren Sternbilder: Anhalt genug für den natürlihen Scharffinn
eines Thales, um auf eine fonftante Lage der Geftirne über:
*) Sdhaubad, Gefdhidte d. grieb. Uftron. 6.155.
f. d. Wterthumswiff. 1851—52 ©. 442,
plus
anciens
philos. in ben
Môper, Heitfdr.
Martin, hypothèses astron. des
mémoires de l’acad, des inscript. et belleslettres, 1879, XXIX, 2 ©, 55 ff.
Page 21
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)haupt gegen einander und hieraus auf einen Trager berfelben,
an welchem fte feftfäßen, zu fchließen!
Fortgefegte aufmertíame
Beobadtungen*) mußten dann darauf fommen laflen, daß biefer
Träger feine Halbfugel fey, fonbern eine ganze Sphäre, und
hiermit war ohne weitered ber Anftoß und die Möglichkeit zu
allen ferneren Borfchungen gegeben.
Allerdings haben wir uns
von benfelben feine übertriebenen Vorftellungen zu machen und
& D. bei der Abgrenzung ber Himmel8zonen die Ausführlichkeit
und Genauigfeit, an bie wir fest gewöhnt find, felbftverftanbdlid
ganz zur Seite zu laffen.
Immerhin aber fonnte fo dem Thales
der Ruhm gebühren, bie Aftronomie aus einer untergeorbneten
Dienerin
ded
praftiihen
Bebürfniffes
zur
Wiffenfchaft,
Sorfhung aus freier,
edler Wifbegier erhoben,
féränften Anfchauung
eines
befreit
und
baburd
ben
zur
von ber bes
halbiphärifhen Himmelégewslbes
erften
fruchtbaren Impuls
zu
bem
großen Siegeslaufe folgender Jahrhunderte gegeben zu haben. —
Ob thm aber biefer Ruhm faftifh angehöre, ift freilich unficher.
Denn was etwa bie Zeit von Heflod bis Thales Forderlides
geleiftet haben fónnte, entzieht fidy unferer Rontrole.
wäre e8 aud),
Möglich
daß unfer Philofoph feine fortgefchrittenen Ans
fichten nur auf feinen Reifen aufnahm, vieleicht von Aegyptern
oder
Babyloniern.**)
Daß
fie aber
fener
fernen Zeit bes
*) Rad Cic. de rep. I, 14 fol Thales guerft einen Himmeldglobus
in Geftalt einer maffiven Kugel fonftrutrt haben. An fic) fpricht nichts ba
gegen, doch müfjen wir die Notiz auf fih beruhen faffen.
** Eine fichere Entfdhetdbung diefer Ungewißhelt wäre nur möglich,
wenn fich bei den genannten Völkern die Renninik des Tbtertreifes, welche
ja die Annahme einer ganzen Himmelöfugel vorausfept, zweifellos in den
Seiten vor Thales nachwelfen ließe. Bis jest IR über diefen Punkt nod
gar nichts Suverlaffiges ausgemadt. Wenn Mädler in feiner Gefchichte der
Himmelsfunde I, ©. 26 von den Babylontern fagt, es „ift der Thierkreis
bet ihnen in Gebrauch, wenigften8 in ben fpätern Seiten ihrer Forfhung’,
fo tft mit folden allgemeinen Wendungen nichts anzufangen. In früheren
Sabren nahm man ohne Bedenken für die Kenntnif des Thierkreifes bet den
Orientalen ein bobes Alter an.
Mod Ideler fchreibt in feiner Abhandlung
über den Urfprung des Thlerkreifes (UHH. d. berl. Akad. d. Wiff. 1838, bift.
phil, RI. ©. 21): „Meine Meinung .. gebt dahin, daß die Ehaldäer, um
Page 22
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)ftimmt fdjon angehören, wird ber weitere Gang unferer Unters
fudjung barthun.
3. Anarimanbder.
Etwa ein Menfchenalter jünger alg Thales ift Anarimanber
von Milet, deffen Geburt um 611 v. Chr. angefegt wird.
Diefer
läßt bie Welt entftehen aus einem unendlicden Urftoff von un:
beftimmt: fliffiger Befchaffenheit, aus welchem fich infolge feiner
ewigen Bewegung die Dinge ausfchieden.
In bie Mitte bed
AUG verfegt er bie Erbe; ba ruhe fie wegen ihres gleichen Abs
ftandes nad) allen Seiten (Diog. L. II, 1, Hippol. I, 6).
Welche
Geftalt er ihr beigelegt babe, fann faum fraglich erfcheinen, obs
wohl unfere Radjrichten hierüber nicht gänzlich in gegenfeitigem
Einklang ftehen.
Nach Diog. L. II,1 follte fte fphärifch feyn;
bod) ftimmt died wenig zu einer andern Notiz deffelben Schrift»
ftellers, 11,2, wo neben einem yÿs xai Jaldoons repluerpgov
bem Anarimanber
eine
opaipa
beigelegt,
alfo
banbgreiflid
eine Erdtafel der Himmeldfugel gegenibergeftellt wird.
Abs
ftrabiren wir alfo von Diogenes, fo erfahren wir anderwarts,
daß Anarimanber die Erbe ald einen cylindrifchen Körper mit
zwei
ebenen Grundflädhen
einen leben.**)
annahm,
Raber befchrieben
von
denen wir auf ber
werden
die Dimenfionss
thetlS einem aftronomifden, theil8 einem aftrologifchen Bebüriniffe zu genügen,
die Œtlivtif frühzeitig in thre Dobelamorien thetlten, daß fie diefelben, um :
fie gehörig unterfcheiden zu können, durch einzelne Sterne oder Sterngruppen
bezeichneten, denen fie die Namen Widder, Stier, Zwillinge u. |. w. beilegten,
und daß diefe Namen mit einer rohen Notiz der Sonnenbahn entweder über
PHöntzien oder durch die hellentfdhen Kolonien in Rleinafien um das 7. Jabrs
hundert v. Chr., vieleicht fchon tm Zeitalter des Hefiodus, zu den Griechen
gelangten.” Bgl. aud daf. S.12 ff. Neuere Forfchungen dagegen entfernen
fig
von folden früheren Anfidten immer mehr;
vgl. 3.8. E. Riel, bas
Sonnen= und Striusjabr der Rameffiden, befonders ©. 16 ff.
*) Bon einer Erdtafel des Anagimander berichtet Strabo geogr. 1, 1, S. 7.
**) Hippol. ref. I, 6. rd dè oyjua avris Úyeóv, orpóyyulor, ylovs
2699 naganliosor.
Ferov vnagyes.
Tüv dè ininédwy e uds dnıßeßnxauer, $ di dvıt-
Hier find zwar die wichtigen Morte y“ovs 269% verdorben,
bod ftimmt dle Erwähnung von zwei änineda nur zu der Geftalt einer
Matte, nicht aber zu ber einer Kugel,
Dal. auch Act. IH, 9, wo offenbar
Page 23
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)verbältnifle dahin, daß bie Höhe ein Drittel bes Durdimeffers
ber Grundfläche betragen fol (Plut. stromat. 2 [Doxogr. 579, 11]).
Umgeben ift bie Erde von einer Luftfugel, auf deren Obers
fläche urfprünglid rindenartig eine Seuerfidt Tagerte;
Diele
zerriß nachher und bildete Sonne, Mond und bie Sterne.
*)
Anfangs
Tiefen
diefelben fimmtli in regelmäßigen Parallels
freifen um bie Erde, audy die Planeten.
Aber burdy die Gite,
welche fi jegt in ben lebteren ald ben größeren Geftirnen tons
centrirt hatte, fteigerte fid) bie Spannung ber fie umgebenben
Luft; fo brachen endlich gleichfam verfilzte Windwirbel aus ber
Quftfugel hervor, jene Feuerforper mit fidi emporreißend. **)
Am weiteften entfernte fid) auf bdiefe Weile bie Sonne, dann
folgt der Mond, darauf, und am náchften, ber Firfternbimmel
mit den Planeten, welche Anarimander zwar fdyon von jenem
unterfcheidet, ohne ihnen jedoch weiter ein befonberes Sntereffe
zuzuwenden.**)
gleid);
Die Sonne felbft fommt ber Erde an Größe
ber Kreis ihres WirbelS aber ift 27 (oder 28) mal fo
groß (Aet. II, 20 und 21, Diog. L. II, 1).
Peripherie eingelagert,
Sie
ift in
feiner
fobaf fie etwa ber lidjtausftrahlenbden
Oeffnung bes innen hohlen und mit Feuer erfüllten Felgens
mit Teichmüller (Stud. 3. Gefh. d. Begr. S. 43) Unvofftändigkeit zu ftatuiren
und nad Gippolut zu ergänzen ft.
*) Plut, a. a. D. ©.579, 13.
ES wäre nicht unmöglich, daß Anagt=
manber auf diefe Theorie durch die Mildfirafe geführt wurde; vielleicht
erblickte er in derfelben noch einen Reft jener geborftenen Feuerhille.
**) Hippol. I, 6. Plat. strom. 2. (Doxogr. 6,579, 16). Aet. 11,13. und ble
Citate aus Ariftoteles auf S.220.
ateos Teoyos:dón,
Bald Hier fey bemerkt, daß die nelyuara
aud) xuxlos genannt,
an drei erften Stellen außer den
Planeten fälfhlich aud den Firfternen beigelegt werden, wie fi alsbald
berausftellen wird. Webnliche Irrthümer bezüglich der anagimandrifchen Theorie
laufen auch fonft unter. Wir erfehen daraus, daß diefelbe in ihrer Œigens
thimlichfett (bon frühzeitig falfch oder überhaupt nicht verftanden worden ift.
E) Hippol. I, 6, Aet, III, 15 ift etwas vollftändiger, febt aber ebenfalls
der Erde am nddften za anları rv dorowr xal tods mlaviras.
(ES
fonnte biernad faft fcheinen ale babe Anaximander felbft die Lage der Plas
neten zum Fizfternbimmel nod) nicht näher angegeben. — Daß Anarimenes
den Wanbelfternen eine größere Bedeutung beilegte, werden wir unten als
fein bauptfächliches Verblenft bervorzubeben haben.
Page 24
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)frames
cines
Wagenraded gleidt.*)
Merkvürbig
219
ift,
daß
Anaximander biefen Windwirbel zu einer Theorie der fcheinbaren
Bahn ber Sonne am Fizfternhimmel benubte.
G8 dürfte diefe
Stelle am angemeffenften feyn, darauf binzumeifen, daß, wie
es fcheint, bie anarimanbrifye Kosmographie in ihrem Haupts
moment, bie xuxlos oder Tooyoì betreffend, bidher wohl noch
unverftanden geblieben if.
Bólig abgethan dürfte gundchft die frühere Anficht Zeller’s feyn, bag bei ber Bildung der Cb. bh. aller!) Geftirne bas Feuer
bes 3erfpringenden feurigen Umfreifed ber Welt in rabfórmige
Hülfen aus
aus
zufammengefilzter Luft eingefchlofien worden fey,
beren Naben
es
ausfirdme (Bbilof. db. Gr. 13, S. 195).
Seller ließ fich durch Achilles verleiten; werfen wir bad Zeugniß
bed lebteren über Bord, fo fallen zugleich auch die Zeller’fchen
Sige. **)
Gruppe verweift die Sonnenöffnung an bie ‘Beripherie und
nimmt an, daß bie anarimandrifche Himmeldfugel mehrere Lagen
babe wie Baumrinbe, welche einander nahe liegen; bie einzelnen
Sphären felbft feyen als undurdhfidtig gedacht, die Zwilchens
ráume
aber mit Feuer gefüllt,
welded durch einzelne Löcher
binburleuchte (Die foëmifhen Syfteme der Griechen,
S.41).
1851,
Wie ware es aber möglich, Hinter der undurdfidtigen
Bixfterniphäre die Oeffnungen der übrigen zu erbliden?
Diefe Schwierigkeit fucht Noth bdaburd aus dem Wege zu
*) Aet, IL, 20. Hippol, ref. 1, 6.
Wejentlich abweichend Achilles, isagoge
in Arati phaen. 19 zevig dè, wy dots xal "Avat/uardeos, qaoì néunew
auto» -t0
pus
oyjua
Eyovra
Tooyoÿ.
weneg
yde
dy 14H teogd xofm
doriv À ndnurn, Eyes dè an’ ari évarerauéras tag xynuldag neos ty
tewder 115 ayidos negepégecay,
oùtw
danéunoyvta
axtivwy
thy
davataciv
xúxle utiles etc.
thy
xa) ayrov ano xollov To gs
noseioÿas
xa)
Luder
avtaç
Schon Teihmüller war geneigt, dicfem Bericht allen
Werth abzufprehen (Stud. 3. Def. d. Begr. S.18 und Neue Stud. I, ©. 214
Anm.).
Wer fieht nicht, dag Achilles darauf ausgeht, den Vergleich möglichft
der gewöhnlichen Form von Rädern anzupaffen.
+) Mit Geller ftimmt im Princip total überein Martin a. a. O, S.71 ff.,
defien Ausführungen wir alfo ebenfalls verwerfen, obwohl ihnen mehrere an
fic) febr beftechende Exrklärungswerfuche beigegeben find.
Page 25
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)räumen, daß er nur ben Firfternbimmel undurchfichtig annimmt,
bie Planeten dagegen an burdfichtige, Fryftallene Kreife befeftigt
feyn läßt (Gefdhichte unf. abendland. Philof. II, S.153).
Durdys
fibtige Kreife können wir aber unmöglich brauchen, weil fie eine
Erklärung der Verfinfterungen nicht vermitteln.
Aud ift Roth
genöthigt, bie überlieferte Reihenfolge ber Abftände umaufebren
und dem Fixfternhimmel die größte Entfernung zuzufchreiben.
|
Wenig unterfdheidet fic) Teichmüller von Gruppe; aud er
erblidt in bem fic) brebenben Rabe die ganze Luftfphdre, weiche
um bie Erde rotire, fodaß alfo bie Rabe bie Mitte ber Welt
feyn müffe (Stud. S.10— 21, Neue Stud. I, 213, II, 276).
Keiner von allen biefen Berfuchen leiftet das,
was bie
Gauptfahe für Anarimander gewefen feyn dürfte, als er bie
xuxdo. einführte: die Erklärung der Tropen.
Wir lefen nämlich
in guter Quelle (Aristot. meteor. 2, 1 ©. 353b 5): of dé
copuwrepo: trv avPownivny ooplar rotovaw avre (scil. sis
Saidoons) yéveow: elvar yao To nQWtoyv vyoov Enarta toy
rep! viv yijv Tonov, uno di Tod NAlov Engawouevoy Td pè»
dıaruloay nvevuata xai teonag mhlou xai oelmync
gaol noueïvy, tò de AapIèr Fadartav eva.
Aus Alexander
3. d. St. (Doxogr. 6.494, 11) und Aet. III, 16 ergiebt fid) aber, daß
biefe Anfidyt bem Anaximander eigen war.
Im nádften Kapitel
fehrt Ariftoteles nodmals zu berfelben aurüd (©. 355a 21): zo
d'adro ovuBalve xaì voutois GUdoyoy xal Tois pácxova: To
NOWtoy vyoag ovons xal 16 yüs, xal tov xéopov tov neoì
TRY yijv ond tot NAlov Pepuarvopévov, aéga yerlodaı xai
TOV 0Aov otparòr avsnFijvaı xal toùtov nyevuard
te
napéxeodas
xaì
Tag
Toonaç
avtov
(scil. rod
Nov; die erftere Stelle hat genauer toonads NAlov xai cedgync!)
noteiv.*)
*) Theophraft feheint uns Bier einmal im Stich zu laffen. Sind wir
aber erft aus Ariftoteles belehrt, fo erkennen wir alsbald, daß die Schuld
Iediglih die Kompilatoren trifft.
Wir lefen bet Act. IL, 16 n. zus to»
dottor popas xal xsyvnosews $ 5 Avakiuardgog‘ uno Tüv xüxlwr xal
Tv oqasedy, ip dv Exaotos Béfnxe, ploecIor.
Bet Theophraft waren
Page 26
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Die Windwirbel dienten alfo dem Anarimander dazu, bie
roozal zu begründen.
Folglid) fónnen fie nur ben ‘Planeten
zugefchrieben worden feyn.
zu benfen feyen,
ES fragt fi) fest, wie liegend fie
um bie Erde refp. um bie Weltare herum,
fodaß bie Weltare ihre Centra enthält, oder tangential, gleichfam
{huppenformig,
entfcheiden.
Wir haben uns für bie leptere Annahme zu
Denn nad ber erfteren ließen fic) die Bewegungen
von Sonne und Mond — um bie es fich offenbar hauptfächlich
handelt — zwar aud veranfchaulichen, fobald wir ben Rädern
fhräge Richtung geben (dem Sonnenrade bie Lage der Ekliptif),
aber wir ftehen alddann fogleich wieder vor der Schwierigfeit:
woher ftammt biefe fchiefe Richtung ber Räder? Das Problem
ift fomit nicht gelóft.
Denken wir und dagegen bas Sonnen
tab tangential, fo ift bie Hypothefe durchaus normal und bat
nichts Auffálliges, daß daffelbe, eine doppelte Rotation ausführe,
námiid) einerfeits um ben Weltmittelpunft, bie Erde, von Of
nad) Weft, fobaf es und ftets bie breite Seite guwenbdet und
fein Centrum auf bem Aequator fortrüdt, wobei es jebody binter
ber Firfternfphäre táglid ein wenig zurüdbleibt (ungefähr um
einen Grad, eine Differenz, welche fid) innerhalb eines Jahres
zu einem ganzen Umlauf fummirt), — andrerfeitd gleichzeitig
jährlih einmal um fein eignes Centrum, woburd bie an ber
Peripherie befindliche Sonne bald nórblid, bald fúblid vom
Nequator abgelenkt wird.
Auch nad bem überlieferten Größen
verhältnig empfiehlt fid) unfere Auffaffung beffer.
Der Durdymeffer des Gonnenraded ift banad nämlich gleich dem Abftand
ber
beiden Wendefreife,
alfo = 479.
Der Durdymeffer der
.
470
59
Sonne felbft würde baber og = A7 auSmachen, während
o
er in Wirklichkeit = mift. Laffen mir bagegen ben Felgens
franz des @onnenrabes foncentrifd) die Erde umgeben,
fo ift
beffen Peripherie bei 28fachem Durchmefler 287 = 88 mal fo groß
gewiß die xúxlo: für Die Planeten, eine Sphäre dagegen für die Fizfterne
angegeben.
Page 27
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)anno
|
als der Gonnenburdymeffer, lebterer wäre alfo -
= ca 4°,
Sollte fid) aber Anazimander um bas Abtfade getäufcht haben? Bes
züglic des Mondes betrüge der Srrthum gar bas Zwölffache.*) —
Aud die Sonnenfinfterniffe leitete Anaximander von jenem
Winbwirbel ab;
fie treten ein, wenn fid) bie Oeffnung, aus
welder die Sonne hervorleudtet, verftopft.**) — Gang analoge
Sige fagte er vom Monde aus: an Größe fteht berfelbe etwa
ber Sonne und ber Erbe gleich (vgl. Hippol. I, 6 mit Aet. II, 20),
fein Rad aber
Umbrebungen
felbft.***)
Helligkeit
tft
bie
19 mal fo groß und bewirft durch feine
abweichenden
Obwohl
Bewegungen
felbftleuchtend,
ber Sonne nad.+)
fteht
er
ber
Feuerfugel
body
Er verfinftert fih,
Ausftrahlungsöffnung bes Rabes fid) abfchließt,
in
feiner
wenn bie
und daffelbe
Ginbernif führt vielleicht die weshfelnden Bhafen herbei. ++) —
Rad dem foeben Entwidelten wird niemand leugnen, daß die
Auffaffung des Weltals bei Anarimanber an Grofartigfeit und
Rübnbeit die früheren weit binter fic) zurüdläßt.
Scharffinnig
*) Richt unmögli wäre es aud, daß unfere Verichterftatter nicht gang
forreft find und Anagimander vielleicht den Halbmeffer (nicht den Diameter)
des Sonnenrades 28 mal fo groß anfebte al8 den Gonnendurhmeffer. Dann
0
würde fich der lebtere auf die Hälfte berausftellen, alfo auf ca n während
fio feine Größe bei foncentrifher Lage bes Sonnenrades um bie Erde immer
nod auf 2° berechnen würbe.
**) Aet, 11, 24.
Hippol.1, 6.
Anagimander offenbar undurdhfidtig
Das Sonnenrad felbft dachte fit alfo
etwa wie eine Wolle.
Xx) Aet, IL 25. Das Mondrad heißt hier fhrägliegend (ze/uevov Aokor);
vieleicht verfuchte alfo Anagimanber durd biefe fehräge Lage die Monbbahn, welche ja weit fomplicirter if als die Gfliptif, einigermaßen zu vers
anfhaulichen.
+) Aet. 11, 28.
Ein offenbarer Srrtbum tft die Angabe deS Diog. L. II, 1.
dab der Mond fein Licht der Sonne entleihe.
+t) Act. IL 29.
Ueber die Entftebung der Mondphafen fehlen uns ble
Nachrichten, und es wäre febr leicht möglich, daß fie Anagimander nicht durch
Berftopfung der Oeffnung, fondern durch wechfelnde Stellungen des Mades
felbft extlárte. Daraus fonnte dann námiid) die von der obigen abweichende
Angabe über Die Entftehung von Verfinfterungen Aet. LI, 25 dxlernew dè
Rata Tas teoras Tod teoyou mifverftdndlig bervorgegangen feyn.
Page 28
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)und originell, obwohl fattifdy nicht glüdlich ift die Annahme fener
xux2os zur Erklärung der abweichenden Bahnen.
Bewunberungswürdig ift der hohe Gebankenflug bed gewaltigen Geiftes, welder
juerft ed vermochte, Sonne und Mond in fo großen Dimenfionen
fit vorzuftellen.
(Bgl. die perfpektivifche Figur.)
Wir faunen
@
È
Es bedeutet
a das Sonnenradcentrum, S, die Stellung der Gonne f.gato.
d.
Ca
Cs
n
n
S,
n
Sw
n
"
C,
n
Sa
o
ommerfolftitiun.
»n Derbftiquinottium,
.
n Binterfolftitium.
ferner über bas Wagniß, fé bie Maffe ber Erde im Mittels
punfte frei rubend zu benfen.
Welche weite Kiuft Liegt bier
zwifchen Thales und feinem Schüler!
Erfterer poftulirt ber
Erde eine tragende Unterlage von Maffer,
womit dod) nur
fheinbar etwas erreicht war, ba fid ber Sfrupel Bezüglich ded
Waflers fofort wieberholte. Anaximander bemerkte den fétvaden
PVunft, verfhmäbte es aber, fleinlide Mittel zu erfinmen, »mit
Page 29
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)benen
er
M. Sartorius:
fid
über
bie
leidige Schwierigfeit wenigftend zum
Schein hinweghelfen könnte.
Kühn warf er lieber fede fchlechte
Stüge weg und fdredte felbft vor Ságen nicht zurüd, deren
Berwegenbeit nicht nur für ihre Zeit wahrhaft imponirt. Solden
großen, neuen Ideen gegenüber werden wir ed dem Anarimander
gern nacdhfehen, daß er in einem Punfte, nämlich bezüglich ded
Mondes, einen Rüdfchritt gemacht bat, indem er denfelben für
eine leuchtende Feuerfugel erklärte, während bereits Thales feine
dunkle, erbartige Beichaffenheit behauptet batte.
In ber That
ift ja aud) biefer Rüdfall leicht verzeihlich, da fi allerdings
jenes Zeitalter daran ftofen mußte, wie ein fchwerer Körper fo
frei im Weltenraum freifen könne. *)
4, Anarimenes.
Ueber Anarimenes
von
Milet,
ben Repräfentanten
ber
aftronomifden Vorftelungen und Leiftungen der nddftfolgenden
Generation der jonifhen Phyftologie,
etwas fpärliher.
auf,
aus
fließen unfere Quellen
Wld Urmaterie ftellte er bie unbegrenzte Luft
welder fich infolge ihrer ewigen Bewegung durch
Verdichtung und Berbünnung
bie Welt gebildet habe.
Die
Erde if ihm eine große Scheibe, nicht unähnlich einer Lifh:
platte (Aet. III, 10. Hippol. 1,7), deren Laft von ber darunter
befindlichen Luft gehalten wird. **)
An ihren Außerften Umfang
fchließt fid) der Himmel an.***)
Die Geftirne find Körper
+) Sicderlih Liegt fein Grund vor, etwa von Anazimander gurilds
zufchließen und aus feinen Ságen zu folgern, daß auch bem Thales bie
richtige Erfldrungsweife abzufprechen (ey.
#*) Aet Il, 15 da To ndaros ¿noysiodas 18 dos, eine Rachridt,
welche fälfchlich in biefes Kapitel 7. cesoudv ys gerathen ift.
Plut. stromat. 3
(Doxogr. ©. 580, 2).
er) Act. II, 11. Den richtigen Wortlaut bietet Hier der ja aud fonft
genauere Stobdus: 4. xal Ilapuevidns Tr negepogay Tr &wrdtw vis
yüs elvas tov ovearor. Bet Plutard) erfcheint flatt des Genitivs rc yze
das Abjeftio 77/17», welches aber als völlig identify mit der andern LeSart
zu faffen tft. Teichmüller überfegt ,erdartig’. Doc Heißt ja der Himmel
Anderwärtd xgvoradlloe ds; wir könnten uns alfo diefe Ueberfegung höchftend
mit Martin a. a. À. S.101 in dem Sinne gefallen laffen: ,,de nature
terreuse, c’est-à-dire solide“.
Page 30
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)feuriger Natur;
fte gleichen Nägeln,
225
welche einer froftallenen
Grundlage eingeheftet find (Aet. II, 14. Hippol. I, 7), und bes
wegen fid) ringe um bie Erbe (Aet. II, 16. Hippol. 1, 7. Diog.
L. II, 3).
Ueber
den lebteren Punft flimmen unfere Quellen
freilich nicht genau in den Worten überein.
Plutard fdyreibt
suolwg ind thy yîiv, neo) adtyy de orpépeada:, Stobäuß
odx UNO tiv yi, alla neoì avthy oreépecIar tots dotéoac,
und ganz ähnlich Diog. L. II, 3.
In ausführlicherer Sdhilderung ergebt fi Hippol. I, 7 où xeveioFoae dé tnd yÿr Ta Goto
Ayer, xadwe Erepor dnalmpaorr, adda neol yi, wenegel
nepl thy Quetéour xepadny orglperan tò nidloy. xpunreodal
Te Tòv Flo oùy Uno yv yevouevov, GAN uno Toy Tio Yis
tynhotéowy yeowv oxenouevoy xal dia Tv nAelova Nuiv
aùtoù yevoutvy» andoraciv.
Infolge diefer verfhiebenen Ans
gaben entzweiten fic) bie Anfichten ber Neueren.
Gänzlicy vers
fehlt und mit ber Nadjricht, daß die Fixfterne wie eingeichlagene
Nägel am Himmel feftfigen, völlig unvereinbar ift Schaubady’8
Darftelung, daß die Bahnen der anarimenifchen Geftirne nicht
parallele Rreife feyen, fonbern
im Norden an einem Orte zus
gr. Aftr.
(Defdy. db. fen
fammenträ
S.136), was er burd) die nebenftebenb
wiebergegebene Sigur
veranfchaulicht.
— Ebenfomenig
Beachtung verbient ber Noth:
bebelf von Dettinger, ber bas
Geftgeheftetfeyn ber Sterne auf ihren auf über der Erde befchränft;
nachher werde ihre Bewegung unterbrochen und ihre Umdrehung
in wagrechter Richtung auf bem Horizonte und ungefeben wegen
ber Erhöhungen bis zum Aufgange im Often fortgefegt (Die
Borftelungen ber alten Gr. u. R, über bd. Erde als Himmels:
forper, 1850, S.67f.). — Zwar nicht wahrfcheinlich, dod aud
nicht fo wiberfinnig ift e6, wenn Heeren das ody und Tr yÿr ...
otoépeoda
tovs dotéoas allein
auf
bie ‘Planeten
wiffen will (Ausgabe des Stob. I, 6.511). —
Geitidhr. f. Philof. n. phil Rritit. se Band.
bezogen
Im Befent
Page 31
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)lichen bas Richtige fab Roth (Gefd. unf. abendl. Phil. If, 6.257),
mit welchem Zeller, Teichmüller und Martin im Grunde über:
einfommen,
Die Wendung bei Stobáus und Hippolyt ovy vad
any yîjv ift nämlid lediglich fo zu verftehen, daß die Geftirne
„nicht eigentlich unter bie Erbe” binabgeben, fonbern feitlid) um
biefelbe herumfreifen.*) —
Die ‘Planeten entftanden aus Yu:
búnftungen der Erde, welche fic) erhoben und entweder bird)
fortfchreitende Verdünnung oder infolge ber fchnellen Bewegung
in Seuer úbergingen.*)
Sie find alfo felbftfeudytend (Aet. LE,
*) Der hauptfächliche Anlaß zu Mißverfländniffen ging jedenfal3 von
Hippolyt aus. Wenn nun diefer dle Bewegung der Geftirne mit der Drehung
eines Huted um unfer Haupt vergleidt, fo tft dagegen nichts einzuwenden,
und die fhräge Rotation des Himmels erhält dadurch eine recht draftifde
Slluftration. Aber deshalb brauchen wir dod den Himmel felbft nicht einem
Hute, einer Halbtugel gleichzufeßen. Ohne Zweifel gab ihm Anagimenes bie
Geftalt einer ganzen Sphäre. M doch dle Zone, welche den Griehen um
den Südpol unfihtbar bleibt, nur Mein; ihre Salbmefjer beträgt etwa 38°,
Ueberhaupt wäre es ein unbegreiflider Rúdfall, wenn A. jene grundlegende
Ihatfache, welche nun fon zwei Menfchenalter hindurch bei den Srteden
geprüft und bewahrheitet worden war, hätte aufgeben wollen. Die Erde Hat
natürlich die Mitte der Kugel inne. Ausdriidlige Jeugnifie Hierfür laffen
fit zwar nicht beibringen; dod find die bei Thales angeführten Stellen fo
allgemein gehalten (of ano Baisw), daß fie auch für Anarimenes gelten
tónnen. — Für das nächtliche Dunkel giebt Hippolyt ¿wet Gründe an bie
Hand.
Erftens nämlih xovarecdas .. toy Mor ... Und TOY Tie ying
tywylotéewy pegòv oxencueror, wobei Zeller an die Unfidt ber „alten
Meteorologen” bet Ariftotele8 meteor. I, 1. S.354a 28 erinnert, toy 74507
un pégeodac uno yÿr alla need tv yay xal toy Tortov todtov (d.i. gen
Norden), ¿pavilecOn: di xal nowiv vdxta did To VpnAiy elvas med.
Goxtov ınv yiv.
Teidmúller beftreitet bie Vegtebung Diefer Stelle auf
Anazimenes.
Jedenfalls könnten diefe nördlichen Erhebungen für unfern
Pbhilofophen nur von accefforifher Bedeutung feyn. Dem andern Grunde
(xal
die
nielova
nuwv
avrod
yevouérny
axcotacsy)
Will Teichmüller
Stud. 6.102 al3 einem mathematifden befondere Bedeutung vindiciren: die
Entfernung der Sonne fey des Mittag8 um den Erdhalbmeffer Heiner als
der Radius der Sonnenbahn, um Mitternadt aber ebenfoviel größer, fodaß
die Differeng dem Erddurdmeffer gleidhfomme. — Ich vermag mir vom
Standpunkt des Anarimenes hierüber feine gutreffende Unfdauung zu bilden.
**) Hippol. ref. I, 7.
Plut, strom. 3 (Doxogr. ©. 580, 3).
diefe Entftebungswelfe von den Geftirnen im Allgemeinen aus.
Beide fagen
Dod feben
wir nicht, weshalb ein Theil der Ausdinfhingen zu Firfternen, ein anderer
Page 32
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)20 und 25), führen aber zugleich bunfle, etbattige Beftanbtbeile
mit fil, aud deren Borhandenfeyn Anarimenes offenbar bie
Berfinfterungen von Sonne und Mond, fowie die Phafen bes
lebteren erflärte.*) In ber Geftalt ftimmen bie ‘Planeten mit
ber Erbe überein, fie find blattförmig und werden vermoge biefer
ihrer flachen Figur von ber Luft getragen.**)
anlaßt
aud)
ihre Abweichungen
Die leptere vers
von ber regelmäßigen Rreisbewegung parallel mit dem Aequator, indem fle ihnen, ftärfer
fomprimirt (wahrfcheinlich burd bie freifenbe Bewegung biefer
Keuerfcheiden felbft),
Widerftand
leiftet und fie dadurch aus
ihrer Richtung herausftößt (Aet. II, 23).
Offenbar alfo verfegten
Anazimenes die Planeten in ben Raum zwifchen ber Erde und
bem Simmel.
Ihre Umdrehung
war demnady nur mbglid,
wenn zwifchen biefen beiden feften Körpern ein 3wifdenraum
angenommen wurde.
Demfelben búrfen wir indeß bei Anaris
menes feine allzugroße Ausdehnung zufchreiben.
Heißt dod
ber Himmel nepıpoga 7 Mwrdtw tic yÿs (Aet. 11, 11; vgl.
oben S.224**), und aud) bie Ausführungen bei Ariftoteles
de coel. II, 13, G,294b 19 soy d” (Géga) oùx ¿xovra peraoTfva: tonoy ixavbv aI06ov tH xdtwdev Goeuetr und bald
nachher
dia
yoo
tiv
orevoxwolav ovx ¿xwv thy
ebenberfelben aber gu Wanbelfternen follte geworden feyn. Und warum follte
Anagimenes die erfteren nicht bald aus der Luft fit Haben bilden Laffen?
Fir die Planeten aber nahm er abfidhtlidh jenen Urfprung an, um fo bie
Lidterfheinungen befonders von Sonne und Mond erflären zu können.
*) Aet. II, 13. Hippol. 1, 7.
Beide Stellen laffen es unentfchieden, oB
fi die erdartigen Geftandtheile auf die Planeten befchränten, auch welfen fie
nit auf den im Text angegebenen Swed bin. Ohne Abfidt fonnte aber
Anagimened unmôglid yeddy owuara einmifchen.
Welche andere Vers
wertbung berfelben könnte es aber geben, als eben zur Erklärung ber ges
nannten Phänomene, über deren Entftehung uns die fpeciellen Abfchnitte in
unfern Quellen für Anazimene8 ganz im Stiche laffen.
##) Aet. II, 22.
Hippol.I, 7.
Auf diefe Geftalt der Planeten dürfte fid
wohl aud) Aet. 11, 14 beziehen: 24. f2wr Steny xatanennyévos 1 xovotalkosıdei (tods aotépas). Evios de nérala elvas nuova wenso Gwyoagruata
(Galen. ¿vso: rérala nupiva voutlovosw sivas
etc.), wo ble legten Worte
wohl in èr/0v5 dè (scil. dozégas) nérala elvas etc. ju verwandeln find.
Bal. aud Diels 3. d. St.
Page 33
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)ndgodov 6 ayo pére dia to nidos — beuten darauf bin,
baf wir ben Wbftand bes Erbrande8 vom Himmel nicht uns
nöthig zu vergrößern haben.
Halten wir biefes Bild,
welded fid) und aus unfern
Quellen ald aftronomifher Stanbpunft bes Anarimene8 ¿us
fammengeftellt bat, neben die Sage feiner Vorgänger, fo fcheint
es,
als ware nicht allein nirgends
ein Sortfritt gemacht,
fonbern im Gegentheil nad) allen Seiten ein entfchiedener Ride
aug zu verzeichnen.*)
Die Erde ift an Größe faft wieder bem
Himmel gleichgeftelt wie bei Heftod, ber Sonnendurchmefler ift
alfo im Bergleid zu der Ausdehnung, welde ihm Anaximander
gab, um mehr als bas Hunbertfade von neuem zujfammengefrumpit, und an bie Stelle der Regelmäßigfeit, mit welder
bie Anarimandrifchen Räder durch ihre doppelte Drehung die
aufs unt
abfteigenben Bewegungen von Sonne und Mond
herbeiführen,
ift der ungewiffe Wiberftand zufammengebrüdter
Luft getreten.
Gleichwohl ware es übereilt, ohne Weiteres von
einem Verfalle der Aftronomie bei AnagimeneS zu fprechen.
Daf er ben Grund verwarf, welden Anarimander für feine
Auffaffung, daß die Erde wie ein Tropfen mitten im Weltall
fchmwebe, angeführt batte: den gleichen Abftand nad allen Seiten
bin, — died brauchen wir ihm nicht fehlechthin als Schwäche
anzurechnen, alg habe er den Fühnen Gedantenflug feines Bor:
gingers
nadjufliegen nicht Kraft genug befeffen.
Ebenfogut
fonnen wir es ibm aud ald ein Zeichen billigenswerther -Selb:
ftändigfeit und eignen Nadbenfen8 auslegen.
Teidmúler- merft
(Stub. ©.37) an, jenem „geiftreihen Einfall (Unaztmartder’s)
bie Spige abzubrechen war, wie es fiheint, nur Arifioteles im
Stande”. Vielleicht ift dies richtig; aber in der lben Weife
fönnte ja auch wohl Anarimenes Lob verdienen, daß er fid
burd die geiftreiche Berwegenheit fener Hypothefe nicht blenben
ließ, fonbern getroft wagte fie aufzugeben.
*) So fhreibt Martin a. a. O. S.109 .. comme astronom .. Anaximéne
était resté au-dessous d’Anaximandre et de Thalés.
Page 34
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Sein eigener Berfud), die Ruhelage ber Erbe burd ben
Gegendrud ber barunter abgefperrten Luft zu erflären, nöthigte
ihn zugleich, der Erpfcheibe eine möglihft große Ausdehnung
im Berhältniß zur Himmelstugel beigulegen.
Dod fällt aud
biefer Rüdfchritt (anders fónnen wir ja das Faftum von unferm
Standpunfte aus nicht nennen) nicht allzu fehwer gegen Anaris
menes in die Wagfdale.
Denn zuverläffige Meffungen über
die Entfernung und Größe der Himmelsförper waren bamals
noch nicht vorhanden.
Thales febte bie Größe der Erde gewiß
herab, damit bas Licht der Sonne zum Monde gelangen fonne.
Die von ihm gefundene,
richtige Erklärung der Phafen und
Finfterniffe hatte aber bereits Anarimander wieder aufgegeben.
Die Dimenflondverhaltniffe,
welche
biefer feinerfeit8
zwifchen
Sonne und Erde annahm (die Figur zu S, 223 bemüht fidy fie
annähernd wiederzugeben), beruhen offenbar nicht auf überzeugen»
ben Beobachtungen.
Denn es if und zwar vielleicht oben ges
lungen, das überlieferte Verbaltnif des Sonnenrade8 zur Sonne
(= 28:1) aus ber Schiefe ber Efliptif abzuleiten und nad)»
zurechnen;
aber wie Anarimander dazu fam, die Sonne ber
Erde gleichzufegen, darüber ermangeln wir jedes ficheren Aufs
fhluffes. *)
(ES gab alfo damals noch Feine pofitive Erfenntniß,
gegen welche das Größenverhältniß der Erde zur Himmelstugel
und Sonne, wie Anarimened es fich zurechtlegte, verftieß.
*) Daß Anarimander feine Hypothefe nicht Tediglih aus der Luft
gegriffen babe, das dürfen wir freilich vorausfegen. Vielleicht fritte er feine
Sige auf die Thatfache, daf die Schatten parallel auffteigender Gegenftdnde,
zunächft alfo von Bäumen, nicht divergiren;
und fo könnte fich eine Stelle
bet Plinius recht wohl auf ihn beziehen, hist. nat. II, $ 50: vastitas solis
oculorum argumentis aperitur, ut non sit necesse amplitudinem ejus oculorum
argumentis (?) atque conjectura animi scrutari: immensum esse, quia arborum
in limitibus porrectarum in quotquot passuum
milia umbras paribus jaciat
intervallis tanquam toto spatio medios ... quae fieri nullo modo possent, nisi
multo quam terra major esset, neque quod (?) montem Idam exoriens latitudine exsuperet,
intervallo.
dertra laevaque large amplectens, praesertim tanto discretus
Aber aus dergleichen Beobadtungen an Erdobjeften wurde dod
nur gang im Allgemeinen evident, daß der Abftand und der Durbmeffer der
Sonne beträdtiid groß feyn muffe.
Page 35
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Was enblid bie beiden Arten betrifft, wie Anaximander
und Anarimenes bie Abweichungen der Planeten von ber regels
mäßigen Kreisbewegung erklärten, fo fann id) mid) aud hierin
nicht eben zu Ungunften ded lebteren enticheiten.
vollfommen
anzuerfennen,
Sonnenrade8 bie Lage
daß
burd
jene
Es ift ja
Hypothefe
eines
der Efliptif glüdlic vermittelt wird.
Wir fehen ba, wie bie in der ‘Peripherie des Raded eingelagerte
Geuerfugel
bei
feiner
Rotation
um
ben
eigenen Mittelpuntt
regelmäßig emporgehoben und wieder gefenft wird, — während
ber Widerftand der zufammengebrüdten Luft nur wenig geeignet
ift, biefe Gefegmafigfeit zu begründen.
Sn der That aber bes
fchränft fich ja aud jene einfache Negelmäßigfeit auf die Sonne
allein; ber Mond befchreibt fdyon verwideltere Kurven, zu deren
Erklärung Anarimander fich genöthigt fab, bem Monbrabe eine
fchiefe Lage zu geben.
Nod weit manidfaltiger geftalten fit
bie Bahnen der Venus, ded Mars u.f.w., bier hört fcheinbar
alle Regelmäßigfeit auf.
In biefer Manichfaltigfeit der übrigen
Rlanetenbabnen tft alfo wohl ber Grund zu fuchen, weshalb
Anarimened die Rábertheorie feines Lehrers aufgab und an
ihrer Stelle zur Erklärung der Tropen den Luftwiderftand heran»
309, — umgefehrt aber möchte fid) aus feiner veränderten Gr:
Härungôweife fchließen laflen, daß er bie merfwürbigen Bahnen
ber Hauptplaneten bereits
beffer erforfcht babe und befonbers
auf die rüdläufigen Bewegungen wohl {don aufmerffam ge:
worben fey.
Auf biefen Punft haben wir bei ber Beurtheilung bes
Anarimened zu fufen; biernad ift die Bedeutung, welche ber
Mann für bie Gefchichte der Aftronomie bat, Far.
Thales
batte ¿unádft, wie died ja natürlid ift, bie augenfalligften
Borgänge, ndmlicdy die CErfcheinungen an Sonne und Mond,
zum Objet feiner Borfdungen gemadt. Anaximander vervollfommnete biefelben und bemerfte aud) fchon, daß außer jenen
beiden Himmelsförpern noch andere ihren Ort ändern; dod
fchenfte er ihnen wegen ihrer Sleinbeit weiter feine befonbere
Nufmerffamfeit. Dies that Anarimenes; er urtheilte vollfommen
Page 36
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)richtig, daß bie größere oder Fleinere Ausdehnung feinen wefentlichen Unterfhieb ausmache, daß es vielmehr principiell nur von
Wichtigkeit fey, ob ein Stern fid) fortbewege oder nit.
Anaris
menes erfannte alfo zuerft, daß alle Planeten ihrem Wefen nad
identify und für bie Beobadtung fammtlid) von gleich großer
Bedeutung feyen,
Wie eingeengt und dürftig hätte aber bie
Aftronomie bleiben múfien, wenn fie ihr Augenmerk auch ferners
bin auf Sonne und Mond beichränft batte!
Demnad gebührt dem Anarimenes ein hervorragender Plat
in ber Entwidlung der Aftronomie neben feinen beiden Bors
gängern.
Und gerade je weiter er über bie Srüheren hinausging, je mehr er feinen Horizont ausdehnte, je beharrlicher und
genauer er bie Fülle der Erfcheinungen als ein echter, ernfter,
nüchterner Forfder empirifch beobachtete, befto fchiverer mußte
eS
ibm werben,
bie
bunte Manichfaltigfeit des gefammelten
Materials zu verarbeiten, befto weniger hatte er Veranlaffung,
ebenfo
geiftreide alg
mangelhafte,
unreife Qypothefen
aufs
guftellen. *)
Denfnotbwendigfeit und Selbft:
gewifibeit in ihrem erfenntnifthenretifchen
Verbaltnifi.**)
Von
Dr. ©. Neudeder,
Docent an der Univerfität Würzburg.
Mit erläuternden und berichtigenden Anmerkungen
von
$. Nlkiei,
„Solange nicht dargethan ift, worin die Gewißheit und
Evibenz befteht und worauf fie beruht, fann von ‚wiffenfchafts
*) Auffallend
analog tft das Urtheil von Laplace über den großen
alegandrinifden Aftronomen Hippard (expos. du systéme du monde, edit. 3.
©. 341): Hipparque fit un grand nombre d’observations des planètes; mais
trop ami de la vérité pour former sur leurs mouvemens des hypothèses incertaines, il laissa le soin à ses successeurs d'en établir les théories.
**) Bugleid als Erwiderung auf die Einwendungen, welche der verehrte
Herausgeber biefer Zeitfhrift in feiner Beiprehung meines ,Grundproblems
der Crfenntnigifeorie” (Band 81, Heft I, Seite 152 ff.) erhoben hat.