Die Entwicklung der Astronomie bei den Griechen bis Anaxagoras und Empedokles 1

Autore
Sartorius, M.A.
Pubblicato in
Zeitschrift fur Philosophie und philosophische Kritik
Anno
1882
Argomento
HISTORY
Lingua
Deutsch
Categoria
C5 Astronomy
Numero d'archivio
4210

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Mostra testo completo36 pagine

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mare sal ma. 822 Sartorius, Maximilian Alexander, Die Entwicklung der Astronomie bei den Griechen bis Anaxagoras und Empedokles, in besonderen Anschluss an Theophrast (diss.), 8 \, 1382 Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik 82-3, 1885 p. 197-231 andeis28;also published separately, Heynemann’sche Buchdruckerei, Halle 1883, 39 p. (Emp.: 83, p. 23-6: an usuless and uncomplete enumeration of disiecta membra of Empedoclean astronomy, no interpretation). Lei V 188

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Die Entwicklung Der Aftronontie bei den Griechen bis Anaragoras und Enpedotles, in befonderent Anfchluß an Theopbraft. Bon Mt. Sartorins. Erfte Hälfte. | Mit Recht bemerkt Zeller: „Beim Beginn der griechifchen Bhilofophie ift eS zunächft die Außenwelt, welche bie Auf merffamfeit auf fid) zieht und die Frage nad) ihren Urfacden hervorruft” (Philof. db. Griechen 1 S, 123), Durd die Sinne: apparate tritt ja die materielle Welt mit folder Unmittelbarfeit und Macht an den Menfchen heran, daß er, baburd übers wältigt, alles materiel auffaßt, auch fogar fidy felbft, — daß der Geift bas, was ihm dod) eigentlid am nadften liegt, fein eigened Wefen und Dafeyn, nicht bemerft, fich deffelben. nicht bewußt wird. Die materielle Welt ift alfo die nächfte Anregerin und bag nächfte Problem ber ‘Bhilofophie: bie erfte zugleid Philofophie ift Phyfiologie. Vor allem befchäftigte fie fit mit der Außenwelt in ihrem großen Bau, alfo tosmologifd- aftronomifd. Daher müflen wir der Forderung von Teichmüller uneingefchränft beiftimmen, daß man niemals die philofophifchen Spekulationen der alten Denfer als Ausgangspunft der Be: trachtung nehmen und die findlichen Anfichten über Erde, Luft ac, nur anhangsweife als Kuriofitäten behandeln dürfe. Man müffe vielmehr gerade diefe phyftfdye Weltbetrachtung als die Grund: lage aller Spefulation anfehen; jene findlichen Borftellungen feyen der rechte Schlüffel, der dad Verftánbnig ber abftratteren Lebren allein zu öffnen geeignet fey (Neue Stud. 3. Gefch. der Begriffe I. S. 1). Zu | diefer hohen Bedeutung, weldye der Ermittlung ber fosmifden Anfchauungen ber álteften Pbilofophen für bie Ge: fchichte der Philofophie zufommt, bildet die geringe Bearbeitung unfered Sorfchungsgebietes einen auffallenden, doch unfchwer zu erflärenden Rontraft. Liegt doch der Stoff auf ber Grenze

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zweier Wiffenfchaften, in beide gleihmäßig übergreifend. Eo wird «er denn weber von Philologen nod) von Aftronomen mit Vorliebe behandelt, und bie Zahl feiner Bearbeiter ift mithin nicht allzu beträchtlich. Dazu kommt aber nod), daß ten Frúberen in der Benugung der Quellen jeder fefte Anhalt, daß ihnen alfo für entfcheidende Arbeiten ber entfpredyende Boden fehlte CErft in jüngfter Zeit ift in biefer Beziehung von berufenen Händen ein fefter Grund gelegt worden, auf welchem fid ein dauernder Bau aufführen lafjen dürfte, nämlich burd Diel8 in feiner Sammlung der Doxographi graeci, Berol. 1879. Bon wie überrafchender Trag: weite find bie in den Prolegomena bes Buches niedergelegten fritifchen Unterfudungen ber Quellen! Die ganze Forfdung auf unferm Gebiet erhält dadurch eine bedeutungsvolle Wendung. Um nur ein Beifpiel zu erwähnen, fo fchreibt Zeller einmal: „Plut. plac. phil. I. 1. Gods xai of da’ adrod Eva Tor xoouov Tann natürlich für fein gefchichtliched Zeugniß gelten“ (Bhilof, d. Or. 1.4 179, 2). Bisher war es eben traditionelle Anficht, daß es fait verlorne Mühe feyn dürfte, über die aftronomifchen Theorien der álteften griechifchen Denfer einfach aus unfern Quellen etwas ausmaden zu wollen. Cine. caliginosa nox lagere für und auf den Sáben eines Thales u.a. Die Golge war entweder ein völlig ffeptifches Verhalten (val. 3. B. Seller 1* 171 ff., 181 ff.) oder willfürliche, unmetbodifye Roms bination, baltlofes Spiel mit Oypothefen. Nun weift aber Diel8 nad, daß gerade fo verachtete Schriftfteller wie PjeudoPlutarh, Stobáus, Pfeudo: Galen rc. faft unfere widytigften Gewährdmänner find, indem ihre Hauptquelle fein geringerer ift, ald bes Ariftoteles großer Schüler Theophraft. SIene beiden Grtreme find alfo aufzugeben: auch in die entlegenen Zeiten ded Anfangs der griechifchen Philofophie leitet uns ein Führer, Sheophraft: diefem haben wir zu vertrauen, ihm aber uns aud unterzuorbnen. ES erfdeint demnach gerade jegt nach den Forfdungen von Dield befonderd zeitgemäß, von bem neugewonnenen Stand:

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einer neuen Unterfuchung zu unterwerfen. ixiren wir und ¿us nächft ben einzunehmenden Standpunkt recht farf! Zu diefem Zwede mögen die Hauptrefultate ber Unterfuchungen von Diels bier furz gufammengeftellt werden. — Sheophraft fegte die Richtung feines Lehrers auf die Bez tradjtung der biftorifhen Entwidlung fort, und zwar war er in biefer Hinficht befonbers thätig auf bem Gebiet der Phyfif. Er verfaßte Abhandlungen über die Anfichten der wichtigeren Philofophen, Monographien, die er dann in fein großes Sammelwerl quorxdr do&av 18, (?) Bd. einwob, von weldyen ed fdyon in der aleganbrinifhen Zeit eine banblidere Epitome in zwei Büchern gab (Doxogr. S.102f.), Die Schrift bes handelte : den Fortgang ber Phyfif von ben Alteften Zeiten bis auf Plato und ¿war in einer Weife, die das große erhaltene Stagment de sensibus und erfennen läßt. Zuerft wurden bie verfchiebenen Hauptanfichten in großen Zügen ffizgirt einander gegentibergeftellt, Männer worauf dann bie Unterfchiede ber einzelnen innerhalb jener großen Gruppen vorgeführt wurden. Die chronologifche Anordnung war alfo zu Gunften der inhalt: lichen Berwandtfchaft durchbrochen. *) Das Originalwert felbft ift uns leider nicht erhalten, dod) ift und darum nicht aud fein Inhalt gänzlich verloren gegangen. Es entipricht ganz der hohen Bedeutung bes Buches, daß aus biefem überreichen Strome zahlreiche Spätere Bäche befrudtenden Waffers ableiteten, burdy deren Vermittlung fhließlich auch wir nod) daraus zu fchöpfen vermögen. Zunächft gehen wohl bireft auf Theophraft die Commentatoren bes Ariftoteles zurüd, fonber8 Simplicius (baf, S.104). bes Die übrigen dagegen ftehen in feinem fo nahen Verhältniß zu jenem grundlegenden $orfcher. Zur. Bermittlung . bauptjächli unferer Kenntniß ver alten Phyfif bat eine verfhollens Sammlung beigetragen, *) Daf. 3.104, welche Mit Recht wird an das analoge Verfahren des Aris ftoteles erinnert, ©. 105 f.

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Dield vetusta placita nennt. Diefelbe fchloß fid) aufs engfte an ba3 Werf bes Theophraft an (S. 218), war jedoch nicht gänzlich frei von anderweitigen Zuthaten. Wahrfcheinlich zerfiel fte in folgente feds Daupttheile: I. de principiis, II. de mundo, II. de sublimibus, IV. de terrestribus, V. de anima, VI. de corpore (S, 181 ff.). Borfchen wir nad ihrer Entftehungszeit, fo waren die jüngften Philofophen, welche darin erwähnt wurden, Boftdonius und WAfElepiaded (S. 185), deren Blüthe in die erfte Hälfte bes 1. Jahrhunderts v. Chr. fällt. Anbrerfeit8 aber zeigt fid), daß Barro für feine loghistorici jene Samınlung bereits benugte (©. 186 ff.). Demnad) ftammt biefelbe aus dem Ende der erften Hälfte des. 1. Jahrhunderts v. Chr., alfo aus der Zeit, von welcher der in ihr lebende Varro richtig urtheilte: apum mella condimus, non ipsi facimus (©, 201), Der häufige Gebraudy ftoifcher Begriffe und Wendungen legt ferner bie Annahme nahe, daß der Sammler der vetusta placita fid zu diefer Lehre befannt babe und vieleicht aus der Schule bes Pofidonius hervorgegangen fey (©. 232). Aus biefem Korpus flog dad Werk eines Mannes, deffen Name bisher in der Litteraturgefchichte wohl faum genannt und von Diels erft fombinatorifd aus Angaben feines Rompilators Theoboret erfchloffen wurde, die Epitome bed Acting (S. 45 ff.). Dod fchrieb berfelbe nicht einfach das Bud) feines Vorgángers aus, fonbern er fob aud) Frembe8 ein, was er anberwärts aufgelefen hatte (S. 178 ff.). Der legte, welchen Aetiu8 er: wähnt, ift der in der augufteifchen Zeit lebende Xenardus; nad) feinem ungefügen Stil zu urtheilen, dürfte der Autor jebod um 100 n. Chr. anzufegen feyn (S. 99 ff.). Sept erft gelangen wir zu Schriften, bie uns erhalten und direft zugänglich find. Aus Aetius námiid) ftammt eine Reihe von Ercerpten bei Theodoret (Bifhof, + 457) im 4. Bd. feiner ¿dino nadnuctwv Fepanevtix, Excerpte, welche fic) durd Zuverläffigkeit und Volftandigkeit auszeichnen (S.45 ff.). Astius gehen ferner mehrere Bifhofd Nemefius (um 400) Abjchnitte aus in Emefa Auf der Schrift ded in *Bhónizien

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natura hominis zurüf (S. 49), während Meletius in feinem Werke verwandten Inhalts nur den Nemeftus fompilirt (S. 50). Unfere Hauptfenntniß der Schrift des Wétius nad) ihrer Anlage und ihrem gefammten Inhalt baftrt aber auf Bfeubo: Plutard, placita philosophorum, und Johannes Stobäus, eclogae physicae. Relativ die befte Kopie find jedenfalls bie placita philosophorum, welche ja freilich auch ibrerfeità ber Entitellung burd Berfeben und fremde Einfchiebfel nicht entbehren, im übrigen aber dod) den gefürzten Aötius barftellen (S.56f.). Verfaffer ift jeden» fallé nicht der Charoneer Plutard, fondern ein unbebeutenderer Schriftfteller um die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr., welder bie zu Unterfchiebungen günftige Zeit furz nach dem Tode bes Plutardy benugte, um Gewinn zu erzielen (S.64). — Sorg: fältiger im Einzelnen giebt Johannes Stobáus den Inhalt feiner Duelle wieder, indem Ueberfrift beibebielt; er meift auch die Kapitel nad) ihrer im Mebrigen aber änderte er bie Anorb: nung ftarf, wie ed dad fremde Princip von Eflogen mit fid brachte (S.60.ff.). Außerdem entnahm er größere Bartieen der Epitome wepi aœipéoswr ded Arius Didymus, welder aus Alexandria ftammte, fpâter aber in Rom lebte ale Vertrauter des Auguftus (S, 69 ff.). Andere Stellen dagegen ftimmen auf: fallend mit ber vita Homeri von Plutarch überein, wobei es jedoch an Abweichungen im Einzelnen nicht fehlt, fodas wohl anzunehmen feyn dürfte, daß beide, Stobáus und Plutard) (vit. Homeri), aug einem áltern enchiridion Homericum fchöpften, ‘welded legtere in allegorifcher Darftellung bomerifhe Cage mit den Theoremen' der Bbilofophen zufammenftelte (S. 86 ff.). Wie fid) die Genannten um Aétius gruppiren, fobag Diels verfuchen Fonnte, aus ihnen ihre gemeinfchaftlihde Quelle zu reftauriren, fo. wurden in der Folgezeit die pfeudo-plutardhifden placita wegen ihrer banblichen Kürze das Hülfsmittel, welchen man am liebften zurüdgriff. nad Aus ihnen ftammt cine Interpolation bei Philo de providentia I, 22 (S.1), aus ihnen find mehrere Stellen bei Athenagoras (177 n. Chr.) supplic.. pro Christianis herübergenommen (S, 4). Zahlreidher find bie

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Entlehnungen bei Eufebius (im 4. Jabrb.) praep. ev. XIV und XV (6.5). Aud) Cyril (im 5. Jabrb.) contra Julianum bringt manches aus Pfeudo-Plutard (S. 10), während des Bfeudo- Galen historia (um 500 n. Gbr. [S. 253 ff.]) philosopha, nachdem anfangs bie placita fdyon gelegentlid zu Rathe ges zogen worden find, von Rap. 25 an ihnen ausfchließlich folgt (S. 12, vgl. S.233 ff., befonbers S.252). find die pfeudosplutardhifchen Excerpte 6. Sabrb. n. Ehr.) de mensibus (6.17). Nicht umfangreich) bei Boh. Lybus (im Sodann zeigt fi Renntnif ber placita bei ‘Pfeudo-Juftinus cohort. ad gentiles aus ungewiffer Zeit, welcher in feiner Schriftftellerei am nädyften mit Athenagoras fich berührt und alfo wohl ins 2. Sabrb. gehören búrfte (S, 17). Nicht vollfommen ficher ift auch bie Zeit ded Achilles, welchen wir aber gemäß feiner ganzen Kom: pilationdmanter dem 2, Jahrh. n. Shr. ¿umeifen müffen; Commentar in Aratum fein geht in feinen Grunblinien auf dad Kompendium eines Stoifers, wahrfcheinlidy des Cudorus, zurüd, welded feinerfeité wieder aus einer Schrift von Diodorus aus Ulerandria, einem Schüler des Pofidonius, excerpirt feyn dürfte, Zu biefem Grunbmaterial gefellen fic) bei Achilles noch Lefes früchte aus (6.17 ff.). allerlei Werfen, auch folbe aus unfern placita Auch bei ben fpátern Bygantinern wird Bfeudo- Plutard nod) guweilen angezogen, ebenfo bei ben Arabern; dod) find deren Angaben. für uns völlig werthlod (CS. 27 ff.). Reben diefer eng zufammenhängenden Gruppe, deren Haupt: vertreter Pieubos Blutard) und Stobáus find, dependiren aud noch andere Schriftfteller von Theophraft. Hier hat Diels eben: falls über die Quellenfrage Licht zu verbreiten gefudt. Rabe verwandt find bie Notizen bei Cicero Lucull. und de nat. deorum mit ben aus ben herfulanenftfchen Funden ebirten Fragmenten von Lhilodemus mepi evoeßelag, welche. beide indeß auf eine gemeinfame Quelle, eine mit ftoifcher Färbung gefchriebene Samm: lung aud Theophraft, zurüdzuführen feyn dürften (S. 119 ff.). Aus Cicero (oder vielmehr aus einem Excerpt beffelben) lediglich úberfegt ift ferner das Hierhergehörige bei Clemens aus Alexan-

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bria, protrepticus (©. 129 ff.). — Des Hippolyt philosophumena find gufammengefloffen aus zwei Quellen, von denen bie eine fid) als bie diadoyn trav gedocdgwy des Sotio aus Alexandria berauöftellt, während die andere eine Epitome von Theophraft war. Die erfte führte alfo die Totalanfichten der einzelnen Phifofopben dronologifd) nad) ben einzelnen Schulen auf, bie zweite dagegen vereinigte entiprechend bem ‘Bfeudo-‘Blutard und Etobäus fapitelweife die Behauptungen, welche bie verfchiedenen Philofophen je über cin beftimmtes Problem aufgeftellt hatten. Selbfiverftandlid) .ber Weile, benugte alfo Hippolyt bie zweite Quelle in daß er bei jedem Bhilofophen die Sage ¿ufammens ftellte und unmittelbar Hinter einander aufzählte, bie in den einzelnen Kapiteln getrennt als ihm angehörig überliefert ftanden (S, 144 ff.). — Aus einer Epitome des Theophraft ftammt ber größte Theil bed Fragments ber pfeudosplutardhifden orpœuareis bei Œufebius, praep. ev. 1,7, deren Verfaffer wohl in bie: felbe Zeit wie der der placita gehören mag, alfo um die Mitte des 2. Jabrb. n. Chr. (S.156). — Bei Diogenes Laertiu8 zeigt fi genau berfelbe Dualismus wie bei Gippolyt. Aus ber einen Quelle entnabm er nämlich die Lebensbefdyreibungen ber Philofophen in BVerbindung mit einem gebrängten Ueberblid über bas jedesmalige Syftem, während bie andere, ein Roms pendium aus Theophraft, die reicheren Angaben über die phyfts kalifchen Anfchauungen lieferte (S. 169). Aus dem Borhergehenden erhellt zur Genüge, daß wir auf das Verlangen, bie álteften Zeiten griechifcher Entwidiung in Bezug auf tie Wiffenfhaft vom Kosmos mit hiftorifdhem Blid qu muftern, nicht zu verzichten brauchen und bei biefem Streben nicht allzufehr auf fubjeftiv zu bildende Hypothefen eS abzufehen haben. Denn mit einiger Gewißheit muß fic ermitteln laffen, was Theophraft über jeden Punft geurtheilt habe, wenn uns fo viele Berichterftatter zu wedhfelweifer Vergleichung und Ab. fhätung zu Gebote ftehen. Zugleidy aber erkennen wir aller dings aus ber Befchaffenheit ber Tradition auch bie erhebliche Schwierigkeit der Borfbung. Denn mögen immerhin bie vers

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fhiebenen Werke, welche 3.B. in den Sompilationen ded Sto: baus, Hippolyt fämmtlid) mehr und Diogenes Laertius ausgefhrieben oder Grunblage ruben, minder find, unmittelbar auf theophraftifder fo if es body felbftverftdndlid), daß jeber Beriht um fo mehr feine urfprüngliche Treue, alfo an Werth einbüßt, burd je mehr Hände er uns zufommt. Denn feine Kopie wird je völlig unverändert bie Züge des Originals ent: halten. So bemerkt 3. B. Diels innerhalb des Rahmens unferer Quellenfrage an dem Verfaffer der vetusta placita ftoifchen Ein: fluß (S, 224 ff.), Garbung (S. 99 ff.). an Aétius Hinneigung zu peripatetifcher Hierzu fommen fodann nod) als befonbers. entftellend falfche Zufammenziehungen, indem ber Kürze halber Namen aufs engfte zufammengeftellt find, während bie betreffenden Anfidten nur theilweife mit einander übereinftimmten (S. 63 und 67). Darum find gunddft bie oben nicht erwähnten Schriften eines Srenäus, Arnobius, Auguftinus u. a. (S, 169 ff.), in welchen fid) ebenfalls Anflánge an Theophraft finden, aber nur ganz vereinzelt, fodaß wir die Art ber Ueberlieferung nicht unter: fuchen fónnen, von geringer Bedeutung. Was aber die Haupt: autoren anlangt, fo ftellt fid) und hier allererft das fdnvierige Problem, bie fcheiben. Diels gebührt das große Verdienft, biefe Unterfuchung Beftandtheile nad in Angriff genommen zu baben.*) dem Quellenverbältnif zu Dod) ift die Sonberung nad) dem öfteren Geftändniß von Diels felbft vielfad) ¿weifel: haft oder gar unmöglih. Und ift fie da überall verbürgt, mo Dield mit Sicherheit vorgehen zu fonnen glaubte? An einer Stelle ift ihm. bereits wiberfprochen worden, nämlich bezüglich ber Zurüdführung des Brodmiums bes erften Buches der placita auf Aëtius (Dox. S.57f.). Elter fchließt nämlid aus der *) Bal. ¿ BD. über Actius S, 178— 186, über Plutard S. 57 — 66, über Stobäus S.69— 80, 86ff., über Galen ©. 244—253, über Diog. Laert. S. 163 ff., über Hippolyt ©. 144 — 153, wo &. 153 eine tabellarifche Ueberfidht bringt, wie bas und vorliegende Bud nad) den beiden Romponenten, aus welchen es refultirte, fich zerlegen dürfte.

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Anordnung bes Ramendverzeichniffes bei Photius cod. 167, daß ein ähnliches Kapitel bei Stobáus, deffen Anfang für uns verloren ift, nicht geftanden babe (Elter, de Joh. Stobaei codice Photiano, Bonnae 1880), freilich in ein Angriff, beffen Gründe Diele einer Erwiderung als nidft ftichhaltig zu erweifen fubt (Rhein. Muf., neue F., Bd. 36, 3 [1881] S. 343 — 350, vgl. befonder8 ©. 347), Mag aber immerhin bei ihm aud) nod) manches Andere nur auf fchwachen Füßen ftehen, fo erfcheint e8 ja doch überhaupt fraglich und nicht eben wahrfcheinlich, daf durch bloß Außere Merfmale und Hilfsmittel, wie Dield und Giter fie anwenden, bie Quellenfrage jemals fo flar und ficher gelöft werden follte, daß eS dann nur bed mechanischen Zus fammenfchreibens bebürfte, um die Entwidlung ber Aftronomie nach Theophraft darzuftellen.*) Wir dürfen daher getroft bie Refultate, welche Diels bietet, im Allgemeinen acceptiren und den Berfud zuführen. maden, auf biefer Grundlage einen Bau aufs Denn bie Lite, welche unferer Quellenfenntnif ans haftet, füllt fid zur Genüge durò bie ftete Rontrole, welde wir für jede Nachricht von Seiten bed ganzen Sufammenbanges der Entwidlung üben fonnen. erften Berfud), wahrfcheinlih ibránten, Daß wir und aber bei diefem ein Gebäude zu errichten, von Theopbraft bürfte berrübrenben möglichft auf die Nachrichten eins fich zur Crleichterung unferer Aufgabe bin: länglicdy rechtfertigen. Das Refultat, zu welchem wir gelangen fönnten, wäre ja trop feiner etwaigen Einfeitigfeit nicht gerade zu verachten: ein Meberbli über die Entwidlung der Aftronomie, wie ihn Theophraft befaf. Mit diefem Refultat müffen gwar eigentlih die Notizen übereinftimmen, guten Schriftftellern vorfinden; die wir fonft nod) bei dod) würde es für ben Anfang nur verwirren, wollten wir alles Material heranziehen. Anders ftebt e6 dann, wenn uns bireft ganze Werke oder Fragmente in *) Diels giebt 3. B. ©.73 ff. eine Defas von Inbicien an, nad denen bei Stobiu8 die Fragmente aus der Epitome des Arius Didymus zu ers fennen fenen, geftebt aber zugleich auch felbft, daß trogbem die Entfcheibung, 06 etwas aus Didymus entiebnt fey, mandmal offen bleibe.

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Originalfaffung erhalten find; ba fonnen wir uns getroft von ber Autorität des Theophraft emancipiren und felbft urtheilen. Y 1. Homer und Hefiod. Um uné über ben Hortfchritt der aftronomifden Æenntniffe bei ben Griechen moglidft allfeitig zu orientiren, beginnen wir mit der Auffaffung bed Weltgebdudes, weldye und in ben beiden älteften litterarifchen Denfmálern aus ber Anfangszeit ber Entwidlung jenes BVolfed vorliegt, in ben Gebichten ded Gomer und Heftod. In der Grunbanfbauung ftimmen bie beiden Dichter mit einander gänzlich überein. ebene Scheibe. Die Erde betrachten fie ald eine Daher fann Pofeibon auf den Solymer Bergen in Pifidien ben Odyffeus fenfeit8 von Griechenland an der Küfte von Scheria und Helios feine Rinder auf ber Infel Thrinafia beim Auf: und Untergange erbliden (Od. 5, 282. 12, 380). Rings am Horizont zieht fi) um biefe Scheibe der Dfeanos ala ein freigformig in fid) geichloffener Strom von verhältnißmäßig geringer Breite,*) aus welchem alle übrigen Gewäffer berfliegen, **) Ueber der flachen Erde wolbt fid der Himmel, welchen man fid) einfach ungefähr ald eine Halbfugel vorftellte, deren Radius dem Erbhalbmeffer gleich ift. ***) Bemerfendswerth *) Odvffeus fegelt von einer Seite zur andern von Sonnenaufgang bis Untergang, Od. 10, 541. 11,12. Ithafa nad Pylos, Od, 2, 388. 3, 1. **) Il, 21, 196. Jn gleicher Zeit fuhr Telemad von Der Ofeano8 liegt mit feinem Niveau in gleicher Höhe wie das Meer; dies ergiebt fi aus der Schilderung jener Fabrt des Odyffeus (Od. 10, Anf.). Demnad muß fein Waffer in unterirdifchen Adern zu den Quellen und Brunnen emporfleigen. ***) Hes, theog. 126. Hierzu ftimmt die Annahme, daß die im äußerften Often und Meften wohnenden Aetbiopen von der nahen Sonne gefbwärat feyen, Hes. opp. 527. Hom. Od. 1, 23. Die abfoluten Dimenfionen von Himmel und Erde werden nur inbdireft bezeichnet. Hephdftos, von Zeus aus dem Olymp herabgefchleudert, fiel den ganzen Tag über bis Gonnenunters gang, Il. 1, 593; nach Hes. theog. 722 dagegen würde ein eberner Ambof den Raum in 9 Tagen guriidlegen. Was die Erde betrifft, fo läßt Od. 3, 321 der alte Reftor den Menelaos in ein welteds Weer verfchlagen feyn, über welches nicht einmal Bigel binnen Jahresfrift zu fliegen vermöchten.

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ift das Verhältniß, in welchem biefes Gewölbe zu den Geftirnen ftebt: ber Himmel nämlicdy bleibt dauernd unbewegt in feiner Lage, wie fih aus dem Mythus von Atlas ergiebt (Od, 1, 53. Hes. theog. 517), bie Sterne dagegen ziehen an ihm bin; fteigen beim Aufgang aus bem Bade ded Ofeano8 fie empor, fhreiten über den Himmel weg und tauchen endlich wieder in die Fluthen am Horizont binab (11. 5, 6. 10, 252. 18, 488. Od. 5, 274. 12, 312, 14, 483 und viele Stellen bezüglich ber Sonne). Ueber die Art der Rüdtehr nad Often finden fich bei Homer und. Gefiob feinerlei Andeutungen; erft Spätere ließen ben Helios fchlafend auf goldenem Bett oder in einem goldenen Becher auf dem Waffer zurüdfahren (Athenaeus deipnosoph, 11, 38— 39, 6, 469 —A70). Als eine Art fommetrifchen Gegenraum8 fingiren jene Dichter unter der Erbe den Tartarod. Sie verlaffen damit die finnlihe Anfchauung, weshalb wir und auch über bag Schwanfende in ihren weiteren Angaben nicht wundern dürfen. *) In den fpeciellen aftronomifchen Kenntniffen beftebs givifchen den beiden Dichtern ein bedeutender Unterfchied. Homer nennt außer Sonne und Mond den Morgenftern (Il. 22, 226. Od. 13, 93), ben Abenpftern (Il. 22, 317), die Plejaden, Hyaden, den Orion (il. 18, 486. Od. 5, 272), Sirius (Il. 22, 29, wahrfcheinlich auch 5,5 [dorgo órrwpevós] und 11, 62 [otAcos dotno]), den großen Bären (IL 18, 487. Od.5, 273) und Bootes (Od. 5, 272). Hierbei befchränfen fic) aber feine Angaben meift eben auf die Namen. Weiterreidhende Kenntniffe *) 11. 8, 16. Hes. theog. 720. treten nur felten hervor. Nebenbei fey erwähnt, daß man fid nicht etwa die Erde wie ein Schiff vom Meere getragen badte. fpricht nämlich Hes. theog. 727 Dagegen autag Unepder (tov Taotdoov) yis 6llaı neyvacı xad (darüber) arevydıoıo Fadatoons, und am beftimmteften Il. 20, 62, wo das Echlachigetümmel, in welches fich die Olympler felbft eingemifäht haben, fo groß tft, daß Hades erfchredt von feinem Thron auffpringt und laut ruft un of Uneoder yaiay dveponteis Ilooedawr èrosty9wr.

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So weiß der Dichter fhon, daß Sirius im Herbft fichtbar ift, daß der große Bär, den Orion anblidend, nie untergeht. Aud liegt ed nahe, die Anzahl der Rinder und Schafe des Helios, von welchen beiden Gattungen je 7 Herden, je 50 Stud zählend, auf Thrinafia weiden follen, mit der Zahl der Tage im Sabre in Zufammenbang zu bringen.*) wenden ermabnt.**) Cinmal finden wir die Sonnen- Bor allem aber ift es wichtig, daß bereits Homer bie praftifche Nüglichkeit der aftronomifchen Erfcheinungen zu zeitlicher und räumlicher Orientirung fannte. . Bezüglich des Laufes der Sonne ift bied ja ohne Weiteres felbfiverftändlich. Dod) dienten aud) icon die Sterne bemfelben Zwede; nad ihnen beftimmten fid) die Zeiten der Nacht (Il. 10, 251. Od. 12, 312. 14, 483), und Obyffeus erhielt von Kalypfo die Weifung, bei der Seefahrt ben großen Bären ftets zur Linfen zu behalten, um in feine Heimat zu gelangen (Od. 5, 276). QHeftod erwähnt ungefähr diefelben Sterne: ben Morgenftern, die Plejaden, Hyaben, den Orion, Sirius und Arftur. Sn der genaueren Kenntniß der jährlichen ‘Phänomene zeigt fich dagegen ein auffallender Fortfdritt, da der Dichter in ben opera et dies bereité tie geeigneten Zeitpunfte der wichtigften Gefchäfte nach den Himmelderfcheinungen beftimmt. In Betreff ded Aders baues empfiehlt er feinem Bruder Berfes, beim Untergang ber Plejaden, Obaden und des Orion zu pflügen, beim Aufgange ber Plejadben mit der Ernte zu beginnen und ber Demeter heilige Frucht zu drefhen, fobald Orion fihtbar wird. Weife Bn berfelben handelt er fodann über Weinbau und Schifffahrt. ***) Aus dem legten Theile ded Gedichtes (VB. 765— 828) erfehen wir, daß der Verfaffer bie Dauer bes Mondumlaufes fchon annähernd fannte; er giebt für diefelbe 30 Tage an, und bereits *) Od. 12,129. Die phyfifalifhe Auslegung kannte [bon Ariftoteles, val. Sol. 3. d. St. und Euftath. S. 1717. **) Od. 15, 403. Die Stelle felbft ift dunkel; aber daß Homer bereits die Sonnenwenden gefannt babe, dürfte feineswegs unglaublich erfcheinen, wenn man die entfdrechenden Notizen bel Hefiod in Erwägung zieht. ***) Ueber diefe Daten vgl. Ideler: Handbud der mathematifchen und technifchen Chronologie 1, S. 242 ff.

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haben bie einzelnen Tage für beftimmte Gefchafte eine myftifche Bedeutung erhalten. — Ehe wir auf die fernere Entwidlung der Aftronomie eins gehen, wird es zwedmäßig feyn, bier eine fleine Raft zu machen und nad bem bdurchlaufenen Wege einen Blif zurüdzumwerfen, um und von ber Bedeutung ber bisher gefundenen Refultate Rehenfhaft zu geben und im Anfchluß daran über einen Puntt, welcher für die ganze weitere Unterfuhung von Wichtigkeit if, flar zu werden. ES ergab fi) alfo, daß fchon in bem früheften Zeitalter bed griechifchen Volkes, foweit nad ben erhaltenen Dentmalern unfer Olid voraubringen vermag, ein gwar unvolifommene8, im unmittelbaren, finnlichen Ginbrud verharrendes, aber doch in fi abgeichlofienes Bild des Weltganzen vorliegt. Kenntniß ber Auch in ber einzelnen Erfcheinungen hatte man e8 damals, im 10, und 9. Jahrhundert v. Ebr., jchon ziemlich weit gebracht, und ber Abftand, welcher zwifchen Homer und Hefiod ftattfinbet, zeigt unverfennbar, daß diefe Kenntniß ftetig fortfchritt. Dazu fommt, daß lebtere nicht etwa bas vorzügliche Cigenthum von einigen Wenigen gemefen zu feyn fcheint, fondern offenbar faft unter Allen verbreitet war und praftifch verwerthet wurde. gleichen wir damit unfere heutigen Juftánbe. Ver: Unfere Aftronomie ftebt ja hoch über dem Wiflen eines Homer und Hefiod; aber wie verhält es fidy mit der Mehrzahl, mit denen, welche mit jenen Fachfreifen feine Berührung haben? Gir diefe befchränfen fi bie Kenntniffe zumeift auf die allgemeinften Erfcheinungen an Sonne und Mond, mande kennen wohl aud den Morgen und Abendftern, aber nur wenige noch andere Sterne und Stern: bilder, — ein Kontraft, fo auffällig, daß er unfere Aufmerkfamfeit nothwendig feffeln muß. Zunädft Wie erflären wir. ihn? haben wir in Erwägung zu ziehen, daß jebes Bolt, weldes noch dem Naturzuftande näher fteht und zugleich, wie died ja aud) bei ben Griechen ber Fall war, burd die Lage und Beichaffenheit feines Landes darauf angemiefen ift, ft alles zur. Grifteng Erforderliche durd eigene Zhätigfeit zu ers Beitibr. f. Philof. u. phil. Kritik, sz. Band.

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arbeiten, von felbft ben aftronomifden Erfcheinungen eine bes fondere Aufmerffamfeit zuwenden wird. GS gilt, bem Boden burd) fünfilihe Beftellung bie nôthige Nahrung absugewinnen; dabei fommt es befonbers auf geregelten, redhtgeitigen Anbau an. Wie fonnte man aber die Zeit anders abmeffen al8 eben nad) den Erfcheinungen am Himmel? Gang anders verhält es fih biermit bei und. Das Jahr ift genau beftimmt, und in swedmapig gewählten Unterabtheilungen bat jeder Tag feine fizirte Stelle. Wad bas praftifche Leben braucht, ift im Bors ‘aus berechnet und feftgeftellt, ed mangelt baber bas awingenbe Bebürfnif, uns darüber an ben Sternen zu orientiren. — Die Beobachtung der Geftirne, wozu alfo primitive Rulturflufen über» haupt mehr gendthigt find als wir, wurde außerdem den Griechen nod) durd) äußere Berhaltniffe wefentlich erleichtert. Das warme Klima geftattete auch zur Nachtzeit den Aufenthalt im Freien, und ber fpridjwortlid) gewordene unbervôlfte Himmel von Hellas begünftigte jene Beobachtungen in einer Weife, welche gegen bie Hinderniffe der meift getrübten Atmofphäre in unfern Breiten außerordentlich abftidt. — ben Griechen überhaupt Katurbetrachtung; mehrfach entgegen. Vielleicht aber eignete enblid) auch eine größere Hinneigung zu finniger Züge hiervon treten uns in ihrer Litteratur So vergleicht Homer einmal bie zahllofen Wadhtfeuer ber vor Slio8 lagernden Trojaner mit dem prangens den Sternenhimmel, über welchen fit in feinem Gemüth ber Hirt freut (Il. 8, 555). So fchildert derfelbe Dichter die Art, wie Obyffeus nad langen Srrfabrten und Leiden endlid) von ber Infel der Kalypfo nach feiner lieben Heimath aurüdfteuert, mit den eben fo fchlichten, ald bezeichnenben Verfen (Od. 5, 269): ynsoovvog Y ovew nétao forla dios Odvocers. avtag È nydediw iPuveto teyvnéviwse huevos? ovdé of Unvos én Blegdootosy trunter IRndödas 1° éçoowrre xa) dwk dvovta Bowtny etc. So erzählt der Wächter, welder Jahre lang in Argos auf bem Dade des Palafted ber Atriden nad) der Geimfebr ded Agamemnon ausgefpàbt bat (Aesch. Ag. 4):

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Gotowy xaroıda vuxtéewy ouyvou; zal tovs péoortas yeipa xal Sépoe Pootoîs Aaungovs durdotas, dunpérrovtas aiFégs. Wir haben und daher von vornherein barauf gefaßt zu machen, bag ber Fortfchritt der Aftronomie bei den Griechen in Wirklich« feit anders erfolgte, alé wir, befangen in unfern jegigen Jus fländen, vielleicht erwarten möchten; und es wäre übereilt, eine Nachricht bloß deshalb von ber Hand weifen zu wollen, weil fie und überrafcht, während fie im Uebrigen nad) der ganzen Art ihrer Ueberlieferung fich offenbar auf Theophraft ftübt. Dies vorausgefhidt, wollen wir fest unfern Weg fortfegen. Rad) Hefiod lafien und zunächft für längere Zeit unfere Quellen im Stih, und erft von ba an, alè die Philofophie beftimmter hervorgutreten begann, haben wir wieder Nachrichten. Es genügt, fortan auf biefe wifienfchaftlichen Sorfcher näher eins zugehen. 2. Thales. Bon befonderer Wichtigkeit ift es, ben Stand ber Aftro: nomie am Beginn ber wiflenfchaftlichen Forfchung bei ben Griechen möglihft genau zu ermitteln, alfo bie aftronomifchen - Anfidten bes Thales ins Auge zu faflen. Denn biefer galt aud bem Theophraft ald derjenige, welcher jene Richtung der Biffenfhaft anbabnte (Simplic. in phys. f. 6, bei Diels, Doxogr. 475, 10). aus Obwohl feine metaphyfifhen Annahmen nicht durdys Hierher gehören, fo mögen fie body furz erwähnt werben, weil diefelbe allgemeine Grunbanfhauung zum Theil der ganzen Altern jonifchen Schule gemeinfam ift und ihr Wefen dharaftes rifirt. An den Anfang ftelt Thales einen Urftoff, nämlid das Wafer (Aet. I, 2 und 3), eine 547 madnr7, deren Úmiwanbs lungen allem fogenannten Entftehen und Vergeben zu Grunde liegen.*) Wir haben alfo nicht an bas, was unfere Natur: wiffenfchaft unter Waffer verftebt, zu benfen, fondern uns einen *) Aet. I, 24 (Ilvdayogas xal mavres 500 nadyntyy thy Üânr ünorl- Ferras), vgl. die jedenfalls nicht gang richtig überlieferte Stelle Aet. I, 17. Aud Hippol. I, 2.

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M, Sartortus: Stoff vorzuftellen, ber in alles fic) zu verwandeln vermag, außerdem begabt und bewegt von feelifchen, göttlichen Kräften, gleihfam von einer Vernunft als einer immanenten Gottheit, welche die Welt felbft geftaltete (Aet. 1,7. Cic. de nat. deor. I, 10). — Bezüglich ded Aftes der Weltbildung fehlen und fpecielle Angaben über die Theorien der einzelnen Philofophen. Wir > befigen über biefen Aet, I, 4, furg ebendeshalb búrfen Punft excerpirt wir nur bei ein allgemeines Sapitel Galen. hist. phil. c. 33. annehmen, daß bie fonft bei Aber fo ver fhiebenen Anfichten gerade hierin — wie died ja aud) an fit natürlidy erfcheint — wenig auseinander gingen, fobaf alfo jenes Kapitel im Allgemeinen und aud) zur Anwendung auf Thaled berechtigt. Vorauszufegen haben wir innerhalb des Ur: ftoffe8 Ungleichheiten bezüglich ber Ausdehnung und Schwere. Die größeren, fchwereren Theile vereinigten fid) fobann und drúdten die Heinen, leichten nad außen. ben ftarren Kern bas Luftmeer So gruppirte fic) um und ber Himmel mit feinen Geftirnen, während fid) das Wafler in ben Vertiefungen ber Erdoberfläche anfammelte, *) In fchönfter Uebereinftimmung hiermit finden wir anders warts ausdrüdliche Einzelangaben über Thales, Er dachte fid die Welt ald eine Einheit (Aet. II, 1), (námitd als eine Kugel), in deren Centrum fid) bie Erde befinbe,**) und zwar in uns bewegter Ruhe (Aet. II, 13). Die Geftalt ber lebteren wird alé fugelformig bezeichnet (Aet. III, 10), dody ift es wahrfcheinlid), daß a. a. D, unter y7 nicht die fefte Erde im engern Sinne, fondern die ganze Gentralmaffe zu veritehen fey. lid) gab Thales ber Denn befannt: feften Erde eine Unterlage von Waffer (Simplic. in phys. 6. [Doxogr. S. 475, 9]). Senefa fpridt nun. nat. quaest. VI, 6 von der Erde des Thales ald einem orbis terrarum und gebraucht für bad Schwimmen berfelben ben Vers gleich mit einem Schiffe; vgl. 1H, 13 ait enim (Thales) terra- *) Das Iegtere betreffend haben wir allerdings für Thales erhebliche Modifitationen anzunehmen, worüber alsbald das Nähere. **) Aet. III, 11. Daß nur eine Erbe exiftire, berichtet Act. II, 9.

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rum orbem aqua sustineri et vehi more navigii, wo der bebeuts fame 3ufag babeifteht: dicitur tremere. mobilitateque fluctuare “Durch tunc, quum bdenfelben werden wir auf bas ents fprechende Kapitel bei Aet. MI, 15 Bingemiefen, wo wir in der That biefe Anfchauung wiederfinden: Onis uéy xal Anuóxortog Bdate thy alılay TOY ououdy noogantovory. bafelbft heißt es bald nadber § 9: Chens of dé ace dp údaros (Enoxeiogaı thy yiv) xadaneo ta niatauwdy xai vanıdwdr dal ray iddtwv' dia toùro xveioFar, es werden alfo flache Gegenftinde zur Bergleichung herangezogen. Offenbar aber handelt es fich Bier befonder8 um Thales, fodaf bemnad uns zweifelhaft if, daß nad Theophraft diefer Philofoph noch nicht die Rugelgeftalt der feften Erbe lehrte, fondern ihr eine flache Horm gab. *) Daf Thales ben Himmel als eine Sphäre auffaßte, ergiebt fic) aus den Nachrichten, daß er biefe Kugel in fünf Zonen eingetheilt babe, von denen die arftifhe immer fichtbar, bie antarftifhe dagegen immer unfidjtbar fey, während die mittlere durch bie beiden Wenbefreife begrenzt werde; verlaufe der Aequator (¿oquepivós xvxdoc).**) in ihrer Mitte Außerdem ift bem Thales a.a.D. auch die Kenntni des Zodiakus zugefchrieben, *) Die obige Weife, fid mit den theophrafteifden Nachrichten bet Simplicius und Aet. II, 10 und 15 auseinanderzufegen, fcheint die einzig mögliche zu feyn. Sie findet fit auch bei Rôniber, Vorft. der Griechen üb. "bd. Ordn. und Beweg. d. Oimmelstürper bis auf bd. Beit des Arift., S. 21. Teihmüller erwähnt fie, Neue Stud. 3. Gel. d. Begr. I, 208 Anm., fügt aber ohne ftihhaltige Begründung hinzu, eine fo ,fübne Borftellung fchetne Thales ferngelegen zu haben”. — Man könnte etwa auch darauf verfallen, anzunehmen, daß die ganze untere Halbtugel des Firmaments von Thales mit Waffer gefüllt gedacht wurde, worauf fodann die Erde fhwimme. Dod erregt es Bedenken, diefer fhwimmenden Maffe Sugelgeftalt beizulegen. Geradegu aber widerfpricht biefer Annahme die Kritit, welche Uriftotele8 an Thales übt de coel. IT, 13 ©. 294a 28 .. ovd? yao ro Udwe mépuxe pére uetTéwgor, all ind vivos èotty. **) Aet, II, 12. Bemerft zu werden verdient, daß a. a. ©. die Bonen thetlwetfe mit den fle begrengenden Parallelfreifen zufammengewürfelt werden.

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welche er indeß faum befeffen haben dürfte, Sein Wiffen mag fi) in biefer Ginfidt einzig darauf erftredt haben, daf er dad Auf» und Abfteigen der Sonne zwifchen den beiden Wenbefreifen fonftatirte.*) Wie es fid) mit dem Monde verbalte, erkannte Thaled zuerft und traf dabei mit überrafchender Schärfe bas Richtige. Er hielt ihn nämlid für einen erbartigen Körper (Aet. IL, 25), dem er jebenfall8 Rugelgeftalt verlieh.**) Erleudtet wird er von ber Sonne (Aet. II, 28), daher ergeben fich feine wechfelnden Phafen aus feiner Stellung zu biefer feiner Lichtquelle und feine Verfinfterungen, wenn er in ben Erbfdatten eintritt (Aet. I, 29). In richtiger Sonfequenz erklärten fic) bem: nad auch die Connenfinfterniffe burdy das Vortreten bes erbigen, dunklen Monded.***) Nicht abzufehen ift, welded Motiv den Thales veranlaßt haben möge, aud) der Sonne und allen Sternen eine erdartige, wenn aud) glühende Befdaffenheit beis zulegen (Aet. Il, 13). Unficher ift, ob auf Theophraft zurüds geht, was uns fonft nod) Diogenes Laertius berichtet. Danad fol Thales bie Lange des Jahres auf 365 Tage beftimmt und den legten Tag ded Monatd (Diog. L. I, 27 und 24). querit tosaxac genannt haben Nun finden wir aber die Bezeichnung tovaxac in diefem Sinne fon bei Heflod opp. 766. könnte vielleiht der Ausdrud etwas z%v vorépav Aud rot unvòs bei Diogenes anbereë bedeuten ald ben lebten Monatstag. Jedenfalls hätte demnach Thales auf die Dauer bes Mont: umlaufes feine befonbere Aufmerffamfeit gerichtet. Dann finden fid) nod) die offenbar verderbten Morte Diog. L. I, 24: 20@ros To tov mhlou péyedos tov *) Diog. L. 1, 24. oeAmvalov énvtaxociootó» xal Die genauere Bahn, den Soblafus, ermittelte erft Pythagoras, worüber fpäter, in Abfchnitt 6. +) Ausbrüdiié wird darüber nichts erwähnt, dod val. dad allgemeine Kapitel 7. oynudrwv doréowy bel Aet. II, 14. rr) Act. II, 24. Auch dürfte jedenfalls die Korrektur gu acceptiren feyn, welche Diels Doxogr. ©. 53 bei den unverftändlichen Worten Aet. II, 29, 6 am Ende vorfhlägt: allor (Diels: 7260v) dè (scil. &xde/nesy) Tic cedivne dv tepoattovons,

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sixootéy Gneguratro. Man bat baraus 215 vermuthet,*) daß shales den Sonnendurchmefler als 1/29 der Sonnenbahn aus: gemeffen habe, und zur Sergleibung herangezogen Appulej. flor. IV, 8 idem divinam rationem de sole commentus est .. quotiens sol magnitudine sua circulum, quem permeat, metiatur und Archimed. yauutrns ©. 321 Torelli tov xvxdov .. toy Giov qavdusvov de TO éelxootov xal ¿mraxociocTó». Ob mit Recht, muß babingeftellt bleiben. Doch enthalten alle biefe Angaben ded Laertier8 nichts, was mit bem nad Theos phraft fic) Ergebenden fit nicht vereinbarte. — Dies ware alfo bas Weltgebäude bed Thales, wie ed uns Theopraft fhilbert. Wen überrafcht nicht der große, ungeheure Kontraft beffelben gegenüber bem früheren! Man ftaunt über den gewaltigen Sortfchritt, — wundert fid und zweifelt. Denn, fonnte man fagen, in Wirklichkeit führt und doch eigentlich nicht Theophraft, fondern es find jüngere Kompilatoren, bei denen es immerbin nod) fontroverd ift, ob und wieweit fie bem großen Peripatetifer nachgehen. Dem ift allerdings fo, aber trogdem ift bem Thales von allen ihm eben zugefchriebenen - Sägen wohl nidts in Abzug zu bringen. Hierfür {prit der Umftand, daß bie verfchiedenen Stellen fich nirgends offen und Banbgreiflih widerfprehen. Was aber bie Hauptface ift: all bie einzelnen großen Bortfchritte Einfiht, aus bafiren welcher fämmtlich auf einer fundamentalen fle von felbft und mit einem Schlage refultiren, nämlid auf ber Einficht, dab bas Firmament nicht eine Halbfugel, fondern eine ganze feyn múfie. Daf Thales diefe Entbedung gemadt haben fonnte, ift nicht zu beftreiten. Die Gefegmafigfeit in den Aufs und Untergängen ber Oeftirne war längft bemerkt worden, ebenfo die fefte Geftalt der bebeutens deren Sternbilder: Anhalt genug für den natürlihen Scharffinn eines Thales, um auf eine fonftante Lage der Geftirne über: *) Sdhaubad, Gefdhidte d. grieb. Uftron. 6.155. f. d. Wterthumswiff. 1851—52 ©. 442, plus anciens philos. in ben Môper, Heitfdr. Martin, hypothèses astron. des mémoires de l’acad, des inscript. et belleslettres, 1879, XXIX, 2 ©, 55 ff.

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haupt gegen einander und hieraus auf einen Trager berfelben, an welchem fte feftfäßen, zu fchließen! Fortgefegte aufmertíame Beobadtungen*) mußten dann darauf fommen laflen, daß biefer Träger feine Halbfugel fey, fonbern eine ganze Sphäre, und hiermit war ohne weitered ber Anftoß und die Möglichkeit zu allen ferneren Borfchungen gegeben. Allerdings haben wir uns von benfelben feine übertriebenen Vorftellungen zu machen und & D. bei der Abgrenzung ber Himmel8zonen die Ausführlichkeit und Genauigfeit, an bie wir fest gewöhnt find, felbftverftanbdlid ganz zur Seite zu laffen. Immerhin aber fonnte fo dem Thales der Ruhm gebühren, bie Aftronomie aus einer untergeorbneten Dienerin ded praftiihen Bebürfniffes zur Wiffenfchaft, Sorfhung aus freier, edler Wifbegier erhoben, féränften Anfchauung eines befreit und baburd ben zur von ber bes halbiphärifhen Himmelégewslbes erften fruchtbaren Impuls zu bem großen Siegeslaufe folgender Jahrhunderte gegeben zu haben. — Ob thm aber biefer Ruhm faftifh angehöre, ift freilich unficher. Denn was etwa bie Zeit von Heflod bis Thales Forderlides geleiftet haben fónnte, entzieht fidy unferer Rontrole. wäre e8 aud), Möglich daß unfer Philofoph feine fortgefchrittenen Ans fichten nur auf feinen Reifen aufnahm, vieleicht von Aegyptern oder Babyloniern.**) Daß fie aber fener fernen Zeit bes *) Rad Cic. de rep. I, 14 fol Thales guerft einen Himmeldglobus in Geftalt einer maffiven Kugel fonftrutrt haben. An fic) fpricht nichts ba gegen, doch müfjen wir die Notiz auf fih beruhen faffen. ** Eine fichere Entfdhetdbung diefer Ungewißhelt wäre nur möglich, wenn fich bei den genannten Völkern die Renninik des Tbtertreifes, welche ja die Annahme einer ganzen Himmelöfugel vorausfept, zweifellos in den Seiten vor Thales nachwelfen ließe. Bis jest IR über diefen Punkt nod gar nichts Suverlaffiges ausgemadt. Wenn Mädler in feiner Gefchichte der Himmelsfunde I, ©. 26 von den Babylontern fagt, es „ift der Thierkreis bet ihnen in Gebrauch, wenigften8 in ben fpätern Seiten ihrer Forfhung’, fo tft mit folden allgemeinen Wendungen nichts anzufangen. In früheren Sabren nahm man ohne Bedenken für die Kenntnif des Thierkreifes bet den Orientalen ein bobes Alter an. Mod Ideler fchreibt in feiner Abhandlung über den Urfprung des Thlerkreifes (UHH. d. berl. Akad. d. Wiff. 1838, bift. phil, RI. ©. 21): „Meine Meinung .. gebt dahin, daß die Ehaldäer, um

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ftimmt fdjon angehören, wird ber weitere Gang unferer Unters fudjung barthun. 3. Anarimanbder. Etwa ein Menfchenalter jünger alg Thales ift Anarimanber von Milet, deffen Geburt um 611 v. Chr. angefegt wird. Diefer läßt bie Welt entftehen aus einem unendlicden Urftoff von un: beftimmt: fliffiger Befchaffenheit, aus welchem fich infolge feiner ewigen Bewegung die Dinge ausfchieden. In bie Mitte bed AUG verfegt er bie Erbe; ba ruhe fie wegen ihres gleichen Abs ftandes nad) allen Seiten (Diog. L. II, 1, Hippol. I, 6). Welche Geftalt er ihr beigelegt babe, fann faum fraglich erfcheinen, obs wohl unfere Radjrichten hierüber nicht gänzlich in gegenfeitigem Einklang ftehen. Nach Diog. L. II,1 follte fte fphärifch feyn; bod) ftimmt died wenig zu einer andern Notiz deffelben Schrift» ftellers, 11,2, wo neben einem yÿs xai Jaldoons repluerpgov bem Anarimanber eine opaipa beigelegt, alfo banbgreiflid eine Erdtafel der Himmeldfugel gegenibergeftellt wird. Abs ftrabiren wir alfo von Diogenes, fo erfahren wir anderwarts, daß Anarimanber die Erbe ald einen cylindrifchen Körper mit zwei ebenen Grundflädhen einen leben.**) annahm, Raber befchrieben von denen wir auf ber werden die Dimenfionss thetlS einem aftronomifden, theil8 einem aftrologifchen Bebüriniffe zu genügen, die Œtlivtif frühzeitig in thre Dobelamorien thetlten, daß fie diefelben, um : fie gehörig unterfcheiden zu können, durch einzelne Sterne oder Sterngruppen bezeichneten, denen fie die Namen Widder, Stier, Zwillinge u. |. w. beilegten, und daß diefe Namen mit einer rohen Notiz der Sonnenbahn entweder über PHöntzien oder durch die hellentfdhen Kolonien in Rleinafien um das 7. Jabrs hundert v. Chr., vieleicht fchon tm Zeitalter des Hefiodus, zu den Griechen gelangten.” Bgl. aud daf. S.12 ff. Neuere Forfchungen dagegen entfernen fig von folden früheren Anfidten immer mehr; vgl. 3.8. E. Riel, bas Sonnen= und Striusjabr der Rameffiden, befonders ©. 16 ff. *) Bon einer Erdtafel des Anagimander berichtet Strabo geogr. 1, 1, S. 7. **) Hippol. ref. I, 6. rd dè oyjua avris Úyeóv, orpóyyulor, ylovs 2699 naganliosor. Ferov vnagyes. Tüv dè ininédwy e uds dnıßeßnxauer, $ di dvıt- Hier find zwar die wichtigen Morte y“ovs 269% verdorben, bod ftimmt dle Erwähnung von zwei änineda nur zu der Geftalt einer Matte, nicht aber zu ber einer Kugel, Dal. auch Act. IH, 9, wo offenbar

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verbältnifle dahin, daß bie Höhe ein Drittel bes Durdimeffers ber Grundfläche betragen fol (Plut. stromat. 2 [Doxogr. 579, 11]). Umgeben ift bie Erde von einer Luftfugel, auf deren Obers fläche urfprünglid rindenartig eine Seuerfidt Tagerte; Diele zerriß nachher und bildete Sonne, Mond und bie Sterne. *) Anfangs Tiefen diefelben fimmtli in regelmäßigen Parallels freifen um bie Erde, audy die Planeten. Aber burdy die Gite, welche fi jegt in ben lebteren ald ben größeren Geftirnen tons centrirt hatte, fteigerte fid) bie Spannung ber fie umgebenben Luft; fo brachen endlich gleichfam verfilzte Windwirbel aus ber Quftfugel hervor, jene Feuerforper mit fidi emporreißend. **) Am weiteften entfernte fid) auf bdiefe Weile bie Sonne, dann folgt der Mond, darauf, und am náchften, ber Firfternbimmel mit den Planeten, welche Anarimander zwar fdyon von jenem unterfcheidet, ohne ihnen jedoch weiter ein befonberes Sntereffe zuzuwenden.**) gleid); Die Sonne felbft fommt ber Erde an Größe ber Kreis ihres WirbelS aber ift 27 (oder 28) mal fo groß (Aet. II, 20 und 21, Diog. L. II, 1). Peripherie eingelagert, Sie ift in feiner fobaf fie etwa ber lidjtausftrahlenbden Oeffnung bes innen hohlen und mit Feuer erfüllten Felgens mit Teichmüller (Stud. 3. Gefh. d. Begr. S. 43) Unvofftändigkeit zu ftatuiren und nad Gippolut zu ergänzen ft. *) Plut, a. a. D. ©.579, 13. ES wäre nicht unmöglich, daß Anagt= manber auf diefe Theorie durch die Mildfirafe geführt wurde; vielleicht erblickte er in derfelben noch einen Reft jener geborftenen Feuerhille. **) Hippol. I, 6. Plat. strom. 2. (Doxogr. 6,579, 16). Aet. 11,13. und ble Citate aus Ariftoteles auf S.220. ateos Teoyos:dón, Bald Hier fey bemerkt, daß die nelyuara aud) xuxlos genannt, an drei erften Stellen außer den Planeten fälfhlich aud den Firfternen beigelegt werden, wie fi alsbald berausftellen wird. Webnliche Irrthümer bezüglich der anagimandrifchen Theorie laufen auch fonft unter. Wir erfehen daraus, daß diefelbe in ihrer Œigens thimlichfett (bon frühzeitig falfch oder überhaupt nicht verftanden worden ift. E) Hippol. I, 6, Aet, III, 15 ift etwas vollftändiger, febt aber ebenfalls der Erde am nddften za anları rv dorowr xal tods mlaviras. (ES fonnte biernad faft fcheinen ale babe Anaximander felbft die Lage der Plas neten zum Fizfternbimmel nod) nicht näher angegeben. — Daß Anarimenes den Wanbelfternen eine größere Bedeutung beilegte, werden wir unten als fein bauptfächliches Verblenft bervorzubeben haben.

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frames cines Wagenraded gleidt.*) Merkvürbig 219 ift, daß Anaximander biefen Windwirbel zu einer Theorie der fcheinbaren Bahn ber Sonne am Fizfternhimmel benubte. G8 dürfte diefe Stelle am angemeffenften feyn, darauf binzumeifen, daß, wie es fcheint, bie anarimanbrifye Kosmographie in ihrem Haupts moment, bie xuxlos oder Tooyoì betreffend, bidher wohl noch unverftanden geblieben if. Bólig abgethan dürfte gundchft die frühere Anficht Zeller’s feyn, bag bei ber Bildung der Cb. bh. aller!) Geftirne bas Feuer bes 3erfpringenden feurigen Umfreifed ber Welt in rabfórmige Hülfen aus aus zufammengefilzter Luft eingefchlofien worden fey, beren Naben es ausfirdme (Bbilof. db. Gr. 13, S. 195). Seller ließ fich durch Achilles verleiten; werfen wir bad Zeugniß bed lebteren über Bord, fo fallen zugleich auch die Zeller’fchen Sige. **) Gruppe verweift die Sonnenöffnung an bie ‘Beripherie und nimmt an, daß bie anarimandrifche Himmeldfugel mehrere Lagen babe wie Baumrinbe, welche einander nahe liegen; bie einzelnen Sphären felbft feyen als undurdhfidtig gedacht, die Zwilchens ráume aber mit Feuer gefüllt, welded durch einzelne Löcher binburleuchte (Die foëmifhen Syfteme der Griechen, S.41). 1851, Wie ware es aber möglich, Hinter der undurdfidtigen Bixfterniphäre die Oeffnungen der übrigen zu erbliden? Diefe Schwierigkeit fucht Noth bdaburd aus dem Wege zu *) Aet, IL, 20. Hippol, ref. 1, 6. Wejentlich abweichend Achilles, isagoge in Arati phaen. 19 zevig dè, wy dots xal "Avat/uardeos, qaoì néunew auto» -t0 pus oyjua Eyovra Tooyoÿ. weneg yde dy 14H teogd xofm doriv À ndnurn, Eyes dè an’ ari évarerauéras tag xynuldag neos ty tewder 115 ayidos negepégecay, oùtw danéunoyvta axtivwy thy davataciv xúxle utiles etc. thy xa) ayrov ano xollov To gs noseioÿas xa) Luder avtaç Schon Teihmüller war geneigt, dicfem Bericht allen Werth abzufprehen (Stud. 3. Def. d. Begr. S.18 und Neue Stud. I, ©. 214 Anm.). Wer fieht nicht, dag Achilles darauf ausgeht, den Vergleich möglichft der gewöhnlichen Form von Rädern anzupaffen. +) Mit Geller ftimmt im Princip total überein Martin a. a. O, S.71 ff., defien Ausführungen wir alfo ebenfalls verwerfen, obwohl ihnen mehrere an fic) febr beftechende Exrklärungswerfuche beigegeben find.

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räumen, daß er nur ben Firfternbimmel undurchfichtig annimmt, bie Planeten dagegen an burdfichtige, Fryftallene Kreife befeftigt feyn läßt (Gefdhichte unf. abendland. Philof. II, S.153). Durdys fibtige Kreife können wir aber unmöglich brauchen, weil fie eine Erklärung der Verfinfterungen nicht vermitteln. Aud ift Roth genöthigt, bie überlieferte Reihenfolge ber Abftände umaufebren und dem Fixfternhimmel die größte Entfernung zuzufchreiben. | Wenig unterfdheidet fic) Teichmüller von Gruppe; aud er erblidt in bem fic) brebenben Rabe die ganze Luftfphdre, weiche um bie Erde rotire, fodaß alfo bie Rabe bie Mitte ber Welt feyn müffe (Stud. S.10— 21, Neue Stud. I, 213, II, 276). Keiner von allen biefen Berfuchen leiftet das, was bie Gauptfahe für Anarimander gewefen feyn dürfte, als er bie xuxdo. einführte: die Erklärung der Tropen. Wir lefen nämlich in guter Quelle (Aristot. meteor. 2, 1 ©. 353b 5): of dé copuwrepo: trv avPownivny ooplar rotovaw avre (scil. sis Saidoons) yéveow: elvar yao To nQWtoyv vyoov Enarta toy rep! viv yijv Tonov, uno di Tod NAlov Engawouevoy Td pè» dıaruloay nvevuata xai teonag mhlou xai oelmync gaol noueïvy, tò de AapIèr Fadartav eva. Aus Alexander 3. d. St. (Doxogr. 6.494, 11) und Aet. III, 16 ergiebt fid) aber, daß biefe Anfidyt bem Anaximander eigen war. Im nádften Kapitel fehrt Ariftoteles nodmals zu berfelben aurüd (©. 355a 21): zo d'adro ovuBalve xaì voutois GUdoyoy xal Tois pácxova: To NOWtoy vyoag ovons xal 16 yüs, xal tov xéopov tov neoì TRY yijv ond tot NAlov Pepuarvopévov, aéga yerlodaı xai TOV 0Aov otparòr avsnFijvaı xal toùtov nyevuard te napéxeodas xaì Tag Toonaç avtov (scil. rod Nov; die erftere Stelle hat genauer toonads NAlov xai cedgync!) noteiv.*) *) Theophraft feheint uns Bier einmal im Stich zu laffen. Sind wir aber erft aus Ariftoteles belehrt, fo erkennen wir alsbald, daß die Schuld Iediglih die Kompilatoren trifft. Wir lefen bet Act. IL, 16 n. zus to» dottor popas xal xsyvnosews $ 5 Avakiuardgog‘ uno Tüv xüxlwr xal Tv oqasedy, ip dv Exaotos Béfnxe, ploecIor. Bet Theophraft waren

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Die Windwirbel dienten alfo dem Anarimander dazu, bie roozal zu begründen. Folglid) fónnen fie nur ben ‘Planeten zugefchrieben worden feyn. zu benfen feyen, ES fragt fi) fest, wie liegend fie um bie Erde refp. um bie Weltare herum, fodaß bie Weltare ihre Centra enthält, oder tangential, gleichfam {huppenformig, entfcheiden. Wir haben uns für bie leptere Annahme zu Denn nad ber erfteren ließen fic) die Bewegungen von Sonne und Mond — um bie es fich offenbar hauptfächlich handelt — zwar aud veranfchaulichen, fobald wir ben Rädern fhräge Richtung geben (dem Sonnenrade bie Lage der Ekliptif), aber wir ftehen alddann fogleich wieder vor der Schwierigfeit: woher ftammt biefe fchiefe Richtung ber Räder? Das Problem ift fomit nicht gelóft. Denken wir und dagegen bas Sonnen tab tangential, fo ift bie Hypothefe durchaus normal und bat nichts Auffálliges, daß daffelbe, eine doppelte Rotation ausführe, námiid) einerfeits um ben Weltmittelpunft, bie Erde, von Of nad) Weft, fobaf es und ftets bie breite Seite guwenbdet und fein Centrum auf bem Aequator fortrüdt, wobei es jebody binter ber Firfternfphäre táglid ein wenig zurüdbleibt (ungefähr um einen Grad, eine Differenz, welche fid) innerhalb eines Jahres zu einem ganzen Umlauf fummirt), — andrerfeitd gleichzeitig jährlih einmal um fein eignes Centrum, woburd bie an ber Peripherie befindliche Sonne bald nórblid, bald fúblid vom Nequator abgelenkt wird. Auch nad bem überlieferten Größen verhältnig empfiehlt fid) unfere Auffaffung beffer. Der Durdymeffer des Gonnenraded ift banad nämlich gleich dem Abftand ber beiden Wendefreife, alfo = 479. Der Durdymeffer der . 470 59 Sonne felbft würde baber og = A7 auSmachen, während o er in Wirklichkeit = mift. Laffen mir bagegen ben Felgens franz des @onnenrabes foncentrifd) die Erde umgeben, fo ift beffen Peripherie bei 28fachem Durchmefler 287 = 88 mal fo groß gewiß die xúxlo: für Die Planeten, eine Sphäre dagegen für die Fizfterne angegeben.

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anno | als der Gonnenburdymeffer, lebterer wäre alfo - = ca 4°, Sollte fid) aber Anazimander um bas Abtfade getäufcht haben? Bes züglic des Mondes betrüge der Srrthum gar bas Zwölffache.*) — Aud die Sonnenfinfterniffe leitete Anaximander von jenem Winbwirbel ab; fie treten ein, wenn fid) bie Oeffnung, aus welder die Sonne hervorleudtet, verftopft.**) — Gang analoge Sige fagte er vom Monde aus: an Größe fteht berfelbe etwa ber Sonne und ber Erbe gleich (vgl. Hippol. I, 6 mit Aet. II, 20), fein Rad aber Umbrebungen felbft.***) Helligkeit tft bie 19 mal fo groß und bewirft durch feine abweichenden Obwohl Bewegungen felbftleuchtend, ber Sonne nad.+) fteht er ber Feuerfugel body Er verfinftert fih, Ausftrahlungsöffnung bes Rabes fid) abfchließt, in feiner wenn bie und daffelbe Ginbernif führt vielleicht die weshfelnden Bhafen herbei. ++) — Rad dem foeben Entwidelten wird niemand leugnen, daß die Auffaffung des Weltals bei Anarimanber an Grofartigfeit und Rübnbeit die früheren weit binter fic) zurüdläßt. Scharffinnig *) Richt unmögli wäre es aud, daß unfere Verichterftatter nicht gang forreft find und Anagimander vielleicht den Halbmeffer (nicht den Diameter) des Sonnenrades 28 mal fo groß anfebte al8 den Gonnendurhmeffer. Dann 0 würde fich der lebtere auf die Hälfte berausftellen, alfo auf ca n während fio feine Größe bei foncentrifher Lage bes Sonnenrades um bie Erde immer nod auf 2° berechnen würbe. **) Aet, 11, 24. Hippol.1, 6. Anagimander offenbar undurdhfidtig Das Sonnenrad felbft dachte fit alfo etwa wie eine Wolle. Xx) Aet, IL 25. Das Mondrad heißt hier fhrägliegend (ze/uevov Aokor); vieleicht verfuchte alfo Anagimanber durd biefe fehräge Lage die Monbbahn, welche ja weit fomplicirter if als die Gfliptif, einigermaßen zu vers anfhaulichen. +) Aet. 11, 28. Ein offenbarer Srrtbum tft die Angabe deS Diog. L. II, 1. dab der Mond fein Licht der Sonne entleihe. +t) Act. IL 29. Ueber die Entftebung der Mondphafen fehlen uns ble Nachrichten, und es wäre febr leicht möglich, daß fie Anagimander nicht durch Berftopfung der Oeffnung, fondern durch wechfelnde Stellungen des Mades felbft extlárte. Daraus fonnte dann námiid) die von der obigen abweichende Angabe über Die Entftehung von Verfinfterungen Aet. LI, 25 dxlernew dè Rata Tas teoras Tod teoyou mifverftdndlig bervorgegangen feyn.

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und originell, obwohl fattifdy nicht glüdlich ift die Annahme fener xux2os zur Erklärung der abweichenden Bahnen. Bewunberungswürdig ift der hohe Gebankenflug bed gewaltigen Geiftes, welder juerft ed vermochte, Sonne und Mond in fo großen Dimenfionen fit vorzuftellen. (Bgl. die perfpektivifche Figur.) Wir faunen @ È Es bedeutet a das Sonnenradcentrum, S, die Stellung der Gonne f.gato. d. Ca Cs n n S, n Sw n " C, n Sa o ommerfolftitiun. »n Derbftiquinottium, . n Binterfolftitium. ferner über bas Wagniß, fé bie Maffe ber Erde im Mittels punfte frei rubend zu benfen. Welche weite Kiuft Liegt bier zwifchen Thales und feinem Schüler! Erfterer poftulirt ber Erde eine tragende Unterlage von Maffer, womit dod) nur fheinbar etwas erreicht war, ba fid ber Sfrupel Bezüglich ded Waflers fofort wieberholte. Anaximander bemerkte den fétvaden PVunft, verfhmäbte es aber, fleinlide Mittel zu erfinmen, »mit

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benen er M. Sartorius: fid über bie leidige Schwierigfeit wenigftend zum Schein hinweghelfen könnte. Kühn warf er lieber fede fchlechte Stüge weg und fdredte felbft vor Ságen nicht zurüd, deren Berwegenbeit nicht nur für ihre Zeit wahrhaft imponirt. Solden großen, neuen Ideen gegenüber werden wir ed dem Anarimander gern nacdhfehen, daß er in einem Punfte, nämlich bezüglich ded Mondes, einen Rüdfchritt gemacht bat, indem er denfelben für eine leuchtende Feuerfugel erklärte, während bereits Thales feine dunkle, erbartige Beichaffenheit behauptet batte. In ber That ift ja aud) biefer Rüdfall leicht verzeihlich, da fi allerdings jenes Zeitalter daran ftofen mußte, wie ein fchwerer Körper fo frei im Weltenraum freifen könne. *) 4, Anarimenes. Ueber Anarimenes von Milet, ben Repräfentanten ber aftronomifden Vorftelungen und Leiftungen der nddftfolgenden Generation der jonifhen Phyftologie, etwas fpärliher. auf, aus fließen unfere Quellen Wld Urmaterie ftellte er bie unbegrenzte Luft welder fich infolge ihrer ewigen Bewegung durch Verdichtung und Berbünnung bie Welt gebildet habe. Die Erde if ihm eine große Scheibe, nicht unähnlich einer Lifh: platte (Aet. III, 10. Hippol. 1,7), deren Laft von ber darunter befindlichen Luft gehalten wird. **) An ihren Außerften Umfang fchließt fid) der Himmel an.***) Die Geftirne find Körper +) Sicderlih Liegt fein Grund vor, etwa von Anazimander gurilds zufchließen und aus feinen Ságen zu folgern, daß auch bem Thales bie richtige Erfldrungsweife abzufprechen (ey. #*) Aet Il, 15 da To ndaros ¿noysiodas 18 dos, eine Rachridt, welche fälfchlich in biefes Kapitel 7. cesoudv ys gerathen ift. Plut. stromat. 3 (Doxogr. ©. 580, 2). er) Act. II, 11. Den richtigen Wortlaut bietet Hier der ja aud fonft genauere Stobdus: 4. xal Ilapuevidns Tr negepogay Tr &wrdtw vis yüs elvas tov ovearor. Bet Plutard) erfcheint flatt des Genitivs rc yze das Abjeftio 77/17», welches aber als völlig identify mit der andern LeSart zu faffen tft. Teichmüller überfegt ,erdartig’. Doc Heißt ja der Himmel Anderwärtd xgvoradlloe ds; wir könnten uns alfo diefe Ueberfegung höchftend mit Martin a. a. À. S.101 in dem Sinne gefallen laffen: ,,de nature terreuse, c’est-à-dire solide“.

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feuriger Natur; fte gleichen Nägeln, 225 welche einer froftallenen Grundlage eingeheftet find (Aet. II, 14. Hippol. I, 7), und bes wegen fid) ringe um bie Erbe (Aet. II, 16. Hippol. 1, 7. Diog. L. II, 3). Ueber den lebteren Punft flimmen unfere Quellen freilich nicht genau in den Worten überein. Plutard fdyreibt suolwg ind thy yîiv, neo) adtyy de orpépeada:, Stobäuß odx UNO tiv yi, alla neoì avthy oreépecIar tots dotéoac, und ganz ähnlich Diog. L. II, 3. In ausführlicherer Sdhilderung ergebt fi Hippol. I, 7 où xeveioFoae dé tnd yÿr Ta Goto Ayer, xadwe Erepor dnalmpaorr, adda neol yi, wenegel nepl thy Quetéour xepadny orglperan tò nidloy. xpunreodal Te Tòv Flo oùy Uno yv yevouevov, GAN uno Toy Tio Yis tynhotéowy yeowv oxenouevoy xal dia Tv nAelova Nuiv aùtoù yevoutvy» andoraciv. Infolge diefer verfhiebenen Ans gaben entzweiten fic) bie Anfichten ber Neueren. Gänzlicy vers fehlt und mit ber Nadjricht, daß die Fixfterne wie eingeichlagene Nägel am Himmel feftfigen, völlig unvereinbar ift Schaubady’8 Darftelung, daß die Bahnen der anarimenifchen Geftirne nicht parallele Rreife feyen, fonbern im Norden an einem Orte zus gr. Aftr. (Defdy. db. fen fammenträ S.136), was er burd) die nebenftebenb wiebergegebene Sigur veranfchaulicht. — Ebenfomenig Beachtung verbient ber Noth: bebelf von Dettinger, ber bas Geftgeheftetfeyn ber Sterne auf ihren auf über der Erde befchränft; nachher werde ihre Bewegung unterbrochen und ihre Umdrehung in wagrechter Richtung auf bem Horizonte und ungefeben wegen ber Erhöhungen bis zum Aufgange im Often fortgefegt (Die Borftelungen ber alten Gr. u. R, über bd. Erde als Himmels: forper, 1850, S.67f.). — Zwar nicht wahrfcheinlich, dod aud nicht fo wiberfinnig ift e6, wenn Heeren das ody und Tr yÿr ... otoépeoda tovs dotéoas allein auf bie ‘Planeten wiffen will (Ausgabe des Stob. I, 6.511). — Geitidhr. f. Philof. n. phil Rritit. se Band. bezogen Im Befent

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lichen bas Richtige fab Roth (Gefd. unf. abendl. Phil. If, 6.257), mit welchem Zeller, Teichmüller und Martin im Grunde über: einfommen, Die Wendung bei Stobáus und Hippolyt ovy vad any yîjv ift nämlid lediglich fo zu verftehen, daß die Geftirne „nicht eigentlich unter bie Erbe” binabgeben, fonbern feitlid) um biefelbe herumfreifen.*) — Die ‘Planeten entftanden aus Yu: búnftungen der Erde, welche fic) erhoben und entweder bird) fortfchreitende Verdünnung oder infolge ber fchnellen Bewegung in Seuer úbergingen.*) Sie find alfo felbftfeudytend (Aet. LE, *) Der hauptfächliche Anlaß zu Mißverfländniffen ging jedenfal3 von Hippolyt aus. Wenn nun diefer dle Bewegung der Geftirne mit der Drehung eines Huted um unfer Haupt vergleidt, fo tft dagegen nichts einzuwenden, und die fhräge Rotation des Himmels erhält dadurch eine recht draftifde Slluftration. Aber deshalb brauchen wir dod den Himmel felbft nicht einem Hute, einer Halbtugel gleichzufeßen. Ohne Zweifel gab ihm Anagimenes bie Geftalt einer ganzen Sphäre. M doch dle Zone, welche den Griehen um den Südpol unfihtbar bleibt, nur Mein; ihre Salbmefjer beträgt etwa 38°, Ueberhaupt wäre es ein unbegreiflider Rúdfall, wenn A. jene grundlegende Ihatfache, welche nun fon zwei Menfchenalter hindurch bei den Srteden geprüft und bewahrheitet worden war, hätte aufgeben wollen. Die Erde Hat natürlich die Mitte der Kugel inne. Ausdriidlige Jeugnifie Hierfür laffen fit zwar nicht beibringen; dod find die bei Thales angeführten Stellen fo allgemein gehalten (of ano Baisw), daß fie auch für Anarimenes gelten tónnen. — Für das nächtliche Dunkel giebt Hippolyt ¿wet Gründe an bie Hand. Erftens nämlih xovarecdas .. toy Mor ... Und TOY Tie ying tywylotéewy pegòv oxencueror, wobei Zeller an die Unfidt ber „alten Meteorologen” bet Ariftotele8 meteor. I, 1. S.354a 28 erinnert, toy 74507 un pégeodac uno yÿr alla need tv yay xal toy Tortov todtov (d.i. gen Norden), ¿pavilecOn: di xal nowiv vdxta did To VpnAiy elvas med. Goxtov ınv yiv. Teidmúller beftreitet bie Vegtebung Diefer Stelle auf Anazimenes. Jedenfalls könnten diefe nördlichen Erhebungen für unfern Pbhilofophen nur von accefforifher Bedeutung feyn. Dem andern Grunde (xal die nielova nuwv avrod yevouérny axcotacsy) Will Teichmüller Stud. 6.102 al3 einem mathematifden befondere Bedeutung vindiciren: die Entfernung der Sonne fey des Mittag8 um den Erdhalbmeffer Heiner als der Radius der Sonnenbahn, um Mitternadt aber ebenfoviel größer, fodaß die Differeng dem Erddurdmeffer gleidhfomme. — Ich vermag mir vom Standpunkt des Anarimenes hierüber feine gutreffende Unfdauung zu bilden. **) Hippol. ref. I, 7. Plut, strom. 3 (Doxogr. ©. 580, 3). diefe Entftebungswelfe von den Geftirnen im Allgemeinen aus. Beide fagen Dod feben wir nicht, weshalb ein Theil der Ausdinfhingen zu Firfternen, ein anderer

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20 und 25), führen aber zugleich bunfle, etbattige Beftanbtbeile mit fil, aud deren Borhandenfeyn Anarimenes offenbar bie Berfinfterungen von Sonne und Mond, fowie die Phafen bes lebteren erflärte.*) In ber Geftalt ftimmen bie ‘Planeten mit ber Erbe überein, fie find blattförmig und werden vermoge biefer ihrer flachen Figur von ber Luft getragen.**) anlaßt aud) ihre Abweichungen Die leptere vers von ber regelmäßigen Rreisbewegung parallel mit dem Aequator, indem fle ihnen, ftärfer fomprimirt (wahrfcheinlich burd bie freifenbe Bewegung biefer Keuerfcheiden felbft), Widerftand leiftet und fie dadurch aus ihrer Richtung herausftößt (Aet. II, 23). Offenbar alfo verfegten Anazimenes die Planeten in ben Raum zwifchen ber Erde und bem Simmel. Ihre Umdrehung war demnady nur mbglid, wenn zwifchen biefen beiden feften Körpern ein 3wifdenraum angenommen wurde. Demfelben búrfen wir indeß bei Anaris menes feine allzugroße Ausdehnung zufchreiben. Heißt dod ber Himmel nepıpoga 7 Mwrdtw tic yÿs (Aet. 11, 11; vgl. oben S.224**), und aud) bie Ausführungen bei Ariftoteles de coel. II, 13, G,294b 19 soy d” (Géga) oùx ¿xovra peraoTfva: tonoy ixavbv aI06ov tH xdtwdev Goeuetr und bald nachher dia yoo tiv orevoxwolav ovx ¿xwv thy ebenberfelben aber gu Wanbelfternen follte geworden feyn. Und warum follte Anagimenes die erfteren nicht bald aus der Luft fit Haben bilden Laffen? Fir die Planeten aber nahm er abfidhtlidh jenen Urfprung an, um fo bie Lidterfheinungen befonders von Sonne und Mond erflären zu können. *) Aet. II, 13. Hippol. 1, 7. Beide Stellen laffen es unentfchieden, oB fi die erdartigen Geftandtheile auf die Planeten befchränten, auch welfen fie nit auf den im Text angegebenen Swed bin. Ohne Abfidt fonnte aber Anagimened unmôglid yeddy owuara einmifchen. Welche andere Vers wertbung berfelben könnte es aber geben, als eben zur Erklärung ber ges nannten Phänomene, über deren Entftehung uns die fpeciellen Abfchnitte in unfern Quellen für Anazimene8 ganz im Stiche laffen. ##) Aet. II, 22. Hippol.I, 7. Auf diefe Geftalt der Planeten dürfte fid wohl aud) Aet. 11, 14 beziehen: 24. f2wr Steny xatanennyévos 1 xovotalkosıdei (tods aotépas). Evios de nérala elvas nuova wenso Gwyoagruata (Galen. ¿vso: rérala nupiva voutlovosw sivas etc.), wo ble legten Worte wohl in èr/0v5 dè (scil. dozégas) nérala elvas etc. ju verwandeln find. Bal. aud Diels 3. d. St.

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ndgodov 6 ayo pére dia to nidos — beuten darauf bin, baf wir ben Wbftand bes Erbrande8 vom Himmel nicht uns nöthig zu vergrößern haben. Halten wir biefes Bild, welded fid) und aus unfern Quellen ald aftronomifher Stanbpunft bes Anarimene8 ¿us fammengeftellt bat, neben die Sage feiner Vorgänger, fo fcheint es, als ware nicht allein nirgends ein Sortfritt gemacht, fonbern im Gegentheil nad) allen Seiten ein entfchiedener Ride aug zu verzeichnen.*) Die Erde ift an Größe faft wieder bem Himmel gleichgeftelt wie bei Heftod, ber Sonnendurchmefler ift alfo im Bergleid zu der Ausdehnung, welde ihm Anaximander gab, um mehr als bas Hunbertfade von neuem zujfammengefrumpit, und an bie Stelle der Regelmäßigfeit, mit welder bie Anarimandrifchen Räder durch ihre doppelte Drehung die aufs unt abfteigenben Bewegungen von Sonne und Mond herbeiführen, ift der ungewiffe Wiberftand zufammengebrüdter Luft getreten. Gleichwohl ware es übereilt, ohne Weiteres von einem Verfalle der Aftronomie bei AnagimeneS zu fprechen. Daf er ben Grund verwarf, welden Anarimander für feine Auffaffung, daß die Erde wie ein Tropfen mitten im Weltall fchmwebe, angeführt batte: den gleichen Abftand nad allen Seiten bin, — died brauchen wir ihm nicht fehlechthin als Schwäche anzurechnen, alg habe er den Fühnen Gedantenflug feines Bor: gingers nadjufliegen nicht Kraft genug befeffen. Ebenfogut fonnen wir es ibm aud ald ein Zeichen billigenswerther -Selb: ftändigfeit und eignen Nadbenfen8 auslegen. Teidmúler- merft (Stub. ©.37) an, jenem „geiftreihen Einfall (Unaztmartder’s) bie Spige abzubrechen war, wie es fiheint, nur Arifioteles im Stande”. Vielleicht ift dies richtig; aber in der lben Weife fönnte ja auch wohl Anarimenes Lob verdienen, daß er fid burd die geiftreiche Berwegenheit fener Hypothefe nicht blenben ließ, fonbern getroft wagte fie aufzugeben. *) So fhreibt Martin a. a. O. S.109 .. comme astronom .. Anaximéne était resté au-dessous d’Anaximandre et de Thalés.

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Sein eigener Berfud), die Ruhelage ber Erbe burd ben Gegendrud ber barunter abgefperrten Luft zu erflären, nöthigte ihn zugleich, der Erpfcheibe eine möglihft große Ausdehnung im Berhältniß zur Himmelstugel beigulegen. Dod fällt aud biefer Rüdfchritt (anders fónnen wir ja das Faftum von unferm Standpunfte aus nicht nennen) nicht allzu fehwer gegen Anaris menes in die Wagfdale. Denn zuverläffige Meffungen über die Entfernung und Größe der Himmelsförper waren bamals noch nicht vorhanden. Thales febte bie Größe der Erde gewiß herab, damit bas Licht der Sonne zum Monde gelangen fonne. Die von ihm gefundene, richtige Erklärung der Phafen und Finfterniffe hatte aber bereits Anarimander wieder aufgegeben. Die Dimenflondverhaltniffe, welche biefer feinerfeit8 zwifchen Sonne und Erde annahm (die Figur zu S, 223 bemüht fidy fie annähernd wiederzugeben), beruhen offenbar nicht auf überzeugen» ben Beobachtungen. Denn es if und zwar vielleicht oben ges lungen, das überlieferte Verbaltnif des Sonnenrade8 zur Sonne (= 28:1) aus ber Schiefe ber Efliptif abzuleiten und nad)» zurechnen; aber wie Anarimander dazu fam, die Sonne ber Erde gleichzufegen, darüber ermangeln wir jedes ficheren Aufs fhluffes. *) (ES gab alfo damals noch Feine pofitive Erfenntniß, gegen welche das Größenverhältniß der Erde zur Himmelstugel und Sonne, wie Anarimened es fich zurechtlegte, verftieß. *) Daß Anarimander feine Hypothefe nicht Tediglih aus der Luft gegriffen babe, das dürfen wir freilich vorausfegen. Vielleicht fritte er feine Sige auf die Thatfache, daf die Schatten parallel auffteigender Gegenftdnde, zunächft alfo von Bäumen, nicht divergiren; und fo könnte fich eine Stelle bet Plinius recht wohl auf ihn beziehen, hist. nat. II, $ 50: vastitas solis oculorum argumentis aperitur, ut non sit necesse amplitudinem ejus oculorum argumentis (?) atque conjectura animi scrutari: immensum esse, quia arborum in limitibus porrectarum in quotquot passuum milia umbras paribus jaciat intervallis tanquam toto spatio medios ... quae fieri nullo modo possent, nisi multo quam terra major esset, neque quod (?) montem Idam exoriens latitudine exsuperet, intervallo. dertra laevaque large amplectens, praesertim tanto discretus Aber aus dergleichen Beobadtungen an Erdobjeften wurde dod nur gang im Allgemeinen evident, daß der Abftand und der Durbmeffer der Sonne beträdtiid groß feyn muffe.

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Was enblid bie beiden Arten betrifft, wie Anaximander und Anarimenes bie Abweichungen der Planeten von ber regels mäßigen Kreisbewegung erklärten, fo fann id) mid) aud hierin nicht eben zu Ungunften ded lebteren enticheiten. vollfommen anzuerfennen, Sonnenrade8 bie Lage daß burd jene Es ift ja Hypothefe eines der Efliptif glüdlic vermittelt wird. Wir fehen ba, wie bie in der ‘Peripherie des Raded eingelagerte Geuerfugel bei feiner Rotation um ben eigenen Mittelpuntt regelmäßig emporgehoben und wieder gefenft wird, — während ber Widerftand der zufammengebrüdten Luft nur wenig geeignet ift, biefe Gefegmafigfeit zu begründen. Sn der That aber bes fchränft fich ja aud jene einfache Negelmäßigfeit auf die Sonne allein; ber Mond befchreibt fdyon verwideltere Kurven, zu deren Erklärung Anarimander fich genöthigt fab, bem Monbrabe eine fchiefe Lage zu geben. Nod weit manidfaltiger geftalten fit bie Bahnen der Venus, ded Mars u.f.w., bier hört fcheinbar alle Regelmäßigfeit auf. In biefer Manichfaltigfeit der übrigen Rlanetenbabnen tft alfo wohl ber Grund zu fuchen, weshalb Anarimened die Rábertheorie feines Lehrers aufgab und an ihrer Stelle zur Erklärung der Tropen den Luftwiderftand heran» 309, — umgefehrt aber möchte fid) aus feiner veränderten Gr: Härungôweife fchließen laflen, daß er bie merfwürbigen Bahnen ber Hauptplaneten bereits beffer erforfcht babe und befonbers auf die rüdläufigen Bewegungen wohl {don aufmerffam ge: worben fey. Auf biefen Punft haben wir bei ber Beurtheilung bes Anarimened zu fufen; biernad ift die Bedeutung, welche ber Mann für bie Gefchichte der Aftronomie bat, Far. Thales batte ¿unádft, wie died ja natürlid ift, bie augenfalligften Borgänge, ndmlicdy die CErfcheinungen an Sonne und Mond, zum Objet feiner Borfdungen gemadt. Anaximander vervollfommnete biefelben und bemerfte aud) fchon, daß außer jenen beiden Himmelsförpern noch andere ihren Ort ändern; dod fchenfte er ihnen wegen ihrer Sleinbeit weiter feine befonbere Nufmerffamfeit. Dies that Anarimenes; er urtheilte vollfommen

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richtig, daß bie größere oder Fleinere Ausdehnung feinen wefentlichen Unterfhieb ausmache, daß es vielmehr principiell nur von Wichtigkeit fey, ob ein Stern fid) fortbewege oder nit. Anaris menes erfannte alfo zuerft, daß alle Planeten ihrem Wefen nad identify und für bie Beobadtung fammtlid) von gleich großer Bedeutung feyen, Wie eingeengt und dürftig hätte aber bie Aftronomie bleiben múfien, wenn fie ihr Augenmerk auch ferners bin auf Sonne und Mond beichränft batte! Demnad gebührt dem Anarimenes ein hervorragender Plat in ber Entwidlung der Aftronomie neben feinen beiden Bors gängern. Und gerade je weiter er über bie Srüheren hinausging, je mehr er feinen Horizont ausdehnte, je beharrlicher und genauer er bie Fülle der Erfcheinungen als ein echter, ernfter, nüchterner Forfder empirifch beobachtete, befto fchiverer mußte eS ibm werben, bie bunte Manichfaltigfeit des gefammelten Materials zu verarbeiten, befto weniger hatte er Veranlaffung, ebenfo geiftreide alg mangelhafte, unreife Qypothefen aufs guftellen. *) Denfnotbwendigfeit und Selbft: gewifibeit in ihrem erfenntnifthenretifchen Verbaltnifi.**) Von Dr. ©. Neudeder, Docent an der Univerfität Würzburg. Mit erläuternden und berichtigenden Anmerkungen von $. Nlkiei, „Solange nicht dargethan ift, worin die Gewißheit und Evibenz befteht und worauf fie beruht, fann von ‚wiffenfchafts *) Auffallend analog tft das Urtheil von Laplace über den großen alegandrinifden Aftronomen Hippard (expos. du systéme du monde, edit. 3. ©. 341): Hipparque fit un grand nombre d’observations des planètes; mais trop ami de la vérité pour former sur leurs mouvemens des hypothèses incertaines, il laissa le soin à ses successeurs d'en établir les théories. **) Bugleid als Erwiderung auf die Einwendungen, welche der verehrte Herausgeber biefer Zeitfhrift in feiner Beiprehung meines ,Grundproblems der Crfenntnigifeorie” (Band 81, Heft I, Seite 152 ff.) erhoben hat.