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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Wizzensechaftliehe Zeitschrift der Technischen Hochschule Dresden - 7 (1957/58) Heft 1 - Herausgeber: Der Rektor
(F) Fakultät für Forstwirtschaft / Publ. Nr. 42
Als Manuskript gedruckt! DIX 938.093.341.2
Eingang: HL. 11. 1947
Beta, Gamma und Epsilon
Cs
AS x
Die Kurznamen dreier Mathematiker des Allerfums
Von Prof. Dr. phil. Heinrich Prell
Sew
one en
Aces Eem az,
Democritus
zwei insofern eine Sonderstellung ein, als sie, wie die meianderseits Apollonius von Perge (etwa 262—190 v.Chr.),
dem man in entsprechendur V/eise den Namen Epsilon
(e) beigelegt hat. Es ist überraschend, daß die Bedeutung
dieser beiden oft erwähnten Namen oder semeia anscheinend noch nicht befriedigend aufgeklärt werden konnte —
sei es, daß man sich mit den bisherigen Versuchen stillschweigend abfand, ader sei es, daß man es für überflüssig
hielt, sich die Frage nach der Herkunft dieser doch eigentlich etwas seltsam anmutenden Namen überhaupt noch
einmal ernstlich vorzulegen.
Wenn nun im folgenden der Versuch gemacht werden soll,
das alte Problem erneut aufzurallen, dann geschieht dus
nicht nur deshalb, weil es wünschenswert erscheint, die
+ Bedeutung der beiden nach Sinn und Herkunft bislang
EEE
rätselhaft gebliebenen Namen aufzuklären, sondern weil
PEER
[2] Erwähnung findet.
Wenn demgegenüber Thalamas in seinen Eratosthe-
Unter den großen Mathematikern des Altertums nehmen
sten Werke über die Geschichte der Mathematik berichten,
mit Buchstaben als Beinamen oder besser Kurznamen
bezeichnet worden sind. Es sind dies einerseits Eratosthenes von Cyrene (etwa 275--194 v. Chr.), welcher nach
wiederholter Überlieferung Beta (8) genannt wurde, und
CEE
Werken von Schwartz [1] und von van der Waerden
“es darüber hinaus angebracht sein dürfte, einmal der
Frage nachzugenen, ob es nicht möglich ist, die been in
ihrer Form einander doch so ähnlichen Bezeichnungen
auch ihrem Inhalte nach miteinander in Beziehung zu
setzen.
Als ein besonderer Glücksumstand ist es dabei anzusehen,
daß die allgemeine Orientierung über die als Semeion
dienenden Buchstaben die Aufmerksamkeit noch auf
einen dritten Fall der Buchstabenbezeichnung für einen
Mathernatiker gelenkt hat. Es handelt sich dabei um die
Verwendung des Semeions Gamma (:) für Pythagoras,
deren die als Gewährsmänner herangezogenen Historiker
der Mathematik nicht gedenken. Eine dem Vorgehen bei
den ersten beiden Fällen entsprechende Behandlung dieses
dritten Falles aus dem gleichen Rahmen konute dann
zugleich als eine Art von Prüfstein für die Brauchbarkeit
des vorher abgeleiteten Erklärungsversuches dienen.
nes-Studien [3] ohne nähere Begründung den Beinamen
Beta als eine donnée négative bezeichnet (1921.19) und ihn
daher kurzerhand beiseite läßt, dann wird man diesem
bequemen Vorgehen schwerlich folgen dürfen, denn auch
die Herkunft einer, wie er meint, „legendären“ Uberlieferung (1921, 82, n. 1) ist von Interesse.
Der Grund für die unverkennbare Popularität des
Nameas Beta ist wohl darin zu erblieken, daß seine Erläuterung sich in dem großen byzantinischen Lexikon, der
Suda oder dem „Bollwerk der Bildung‘, findet, also an
einer Stelle, welche auch weiteren Kreisen verhältnismäßig
leicht zugänglich war und ist. Hier berichtet Suidas (um
1000 n. Chr.), der fiktive Schöpfer dieses Sammelwerkes,
über Eratosthenes in einern kurzen Lebensbilde unter
anderem etwa das Folgende: „Da er auf jeglichem Gebiete
der Bildung, obwohl er den Spitzenleistungen nahe kam,
doch nur eine Rolle zweiten Ranges spielte, wurde er
Beta genannt“ [4], weil Beta ja der zweite Buchstabe im
Alphabet ist.
Woher dieses schroffe Urteil stammt, muß einstweilen
noch dahingestellt bleiben. Als Gewährsmann für die Suda
wird zwar Hesychius Milesius (VL. Jh.n. Chr.) genannt
[5], aber dessen Onomatologus ist verschollen. Das unter
diesem Namen vorliegende Werk [6] ist nur als ein aus
dem XVT. Jahrhundert stammender biographischer Auszug aus der Suda anzusehen [7], welcher die Angaben über
Eratosthenes ($ 260) wörtlich wiedergibt. Eine solche
unsichere Überlieferung genügt selbstverständlich nicht
für eine vertrauenswürdige Zeitbestimmung.
Ungefähr ebenso, wie in der Suda, wird Eratosthencsin
der anonymen Sammlung von Lesefrüchten aus Strabos
Geographica behandelt [8]. Obwohl eine solche unfreundliche Meinungsäußerung bei Strabo selber an sich durchaus nicht überraschen würde, wenn man bedenkt, daß
er beispielsweise Pytheas [9] kurzerhand als groben
Schwindler (aner pseudistutos) abtut, weil er mit ihm nicht
einer Meinung ist, so muß doch hervorgehoben werden,
Schwartz, Eduard: Charakterköpfe aus der Antike. — 4. Aufl,
Leipzig 1956, S. 208/09.
Van der Waerden, Burthel Leendert: Erwachende Wissen-
I.
schaft usw. — Basel und Stuttgart 1956, S. 381.
Thalamas,A.: La géographie d'Ératosthène, — Versailles 1921.
An erster Stelle sei der Name Leta (3722) für Eratosthenes zur Erörterung gestellt, weil seiner am häufigsten im
Sehrifttume gedacht wird wart weil er gerade in neuester
Zeit (1956) in zwei sich an die Allgemeinheit wendenilen
Suidas: Lexicon, lit. £ 2898.
Suidas: Lexicon, lit. H 611.
Hesychius Milesius: Quomatologi quae supersunt, — Edid,
is] Joannes
Flach, Lipsiue 1852.
“4
—
re.
Eratosthenes
Puteh, Paul: Philol. Anz., Xfl. Göttingen 1882, 8. 519—526.
Chrestomathia» & Strabonis geogreaphicorum
[Si Anonymus:
libris (G. G. ML, LE 1861, S. 531), I. 20,
[9] Strabo: Geographiea, I, 4,3 = C. 63.
Page 2
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)daß sich in den Geographica trotz mancher kritischer Bemerkungen [10] nichts Derartiges über Lratosthenes
findet, sondern daß desselben mitunter sogar mit auscesprochener Achtung gedacht wird [11]. Es ist also veruvutticho erst der Verfasser der Chrestarnathie gewesen,
welcher sich die herabsetzenden Worte der Suda zu eigen
machte und sie in seinen Abri einfügte, oder welcher
sie — wenn er früher gelebt haben sollte [12] — vielleicht
sogar selber prägte. Man tut deshalb wohl gut, von der
Vermutung abzuschen, die zur Rede stehende Stelle sei
bei Strabo „wie es scheint, ausgefallen“, wie das
Knaack annimmt [13], weil durch diese Ausdrucksweise eine wesentliche Vordatierung der Kritik angedentet werden würde.
Zur Sache selbst ist zu bemerken, daß eigentlich kein
angeschen
worden
sei;
man
würde
dem
bekannten
Geschichtssebreiber der Mathematik bei dieser Auslegung
allerdings schwerlich folgen können.
Nach deutlicher tritt ein Nachwirken der abfälligen Beurteiking, wie sie Suidas (oder sein Vorliufer) bietet,
bei der Auslegung zutage, welche die cbenfalls in der
Suda überlizferte Bezeichnung des Eratosthenes als
„Fünfkampfsieger* (Pentathlos) gefunden hat. Der
Fünfkampf (pentuthlon) der Jiinglinge, der aus erzieherischen Gründen nachträglich (708 +, Chr.) eingeführt
wurde, war in Olympia ein durchaus vollwertiges und
allgemein geachtetes, ja ursprünglich sogar besonders
hoch geschätztes Kampfspiel, bei welchem die Bewährung
auf fünf verschiedenen Gebicten der Leibesübungen
(Sprung, Lauf, Diskuswurf, Speerschleudern und Ringrechter Anlaß vorliegt, Eratosthenes auf Grund von kampf) nebeneinander das Bild des allseitig aufs beste
irgendwelchen Meinungsverschiedenheiten mit anderen ‘ ausgebildeten und daher „schönsten Wettkämpfers im
Sinne von Aristoteles [19] zeigen sollte. Der darin zum
Gelehrten das ausgesprochen abfüllige epitheton ornans
Ausdruck kommenden unbefangenen Anerkennung der
„Der Zweitrangige“ beizulegen. Ebensowenig wäre es verständlich,
wie
Eratosthenes,
welcher
ungefähr
im
Jahre 244 v. Che. nach Alexandria gekommen war und
vermutlict seit dem Jahr: 225 v. Chr. die dortige Biliothek (ler Ptolemäer leitete [14], etwa im Volksmunde der
spottlastigen Alexandriner zu dem Nainen „Nummer
Zwei gekommen sein sollte. Nichtsdestotrotz lehrt die
Umschau im neuzeitlichen Scheifttum, daß die Deutung
des Semeions Beta als, Numiner Zwei“ wohl als die Lehrmeinung anzusehen ist.
Die damit zum Ausdruck gebrachte Minderbewertung der
Leistungen von Eratosthenes hat sich in der Folge
auch auf die anderen Bezeichnungen desselben ausgewirkt.
In der Suda wird nämlich an der gleichen Stelle [15] noch
berichtet, daf manche in Eratosthenes einen „zweiten
oder neuen Plato” erblickten und daß andere ihn mit dem
Namen eines „Fünfkampfsiegers“ ehrten. Beide Namen
stehen in den Augen ebtes anvorsingenommenen Lesers,
wenn man sie allein betrachtet, zweifellos den Ausdruck
Vielseitigkeit
als des Hauptzieles vermag es keinen
Abbruch zu tun, wenn in den einstmals Plato zugeschriebenen „Liebhabeen” [20] oder „Rivalen“ [21]
darauf hingewiesen wird, daß der „Meister“ auf verschiedenen Gebieten in seinen Einzelleistungen zurückzustehen pflege hinter dem jeweiligen „Champion’ auf
nur einem einzigen dieser Gebiete [22]. Die begreifliche
Überlegenheit eines solchen einseitig trainierten Champions auf seinem Sondergebiete gegenüber einem vielseitig
ausgebildeten Meister würde aber nie dazu geführt haben,
den Repräsentanten der Höchststufe in der Gesamtausbildung ganz allgemein als zweitrangig herabzusetzen.
Man wird also kaum der These von C. Robert [23] und
ihrer Begründung durch W. Christ [24] folgen, welche im
Namen Pentathlos geradezu eine abfällige Kritik der
Leistungen, cine Beurteilung derselben als minder anerkennenswert, erblicken zu dürfen glaubten.
Ähnliche Überlegungen über den „Pentathlos“, wie
Fseudo-Plato, stellt auch Pseudo-Longinus an,
wobei die bewuBte Überspitzung derselben fast noch eineiner ganz besonderen Hochachtung dar, und dieser Eindruck wird durch ihre Nebeneinanderstellung, bei welcher
sie sich gegenseitig heben, zweifellos noch wesentlich
drucksvoller hervortritt [25].
vertieft.
Pentathlos gegeben hätten, wurde von Werner [26a]
und von v. Wilamowitz-Moellendorf [26b] vertreten.
Obwohl
es sich im ersten Falle dieser lobenden Kennzeichnungen von Eratosthenes wahrscheinlich wohl
um einen Hinweis auf seine Auffassung der Mathematik
im Sinne Platons [16] handelt, wie er sie offenbar vor
allem in seinem verschollenen Platonikos entwickelt
hat [17], erwägt Cantor [18] anscheinend auch die Deutung, daB Eratosthenes als ein zweitrangiger Plato
.
Die Auffassung, daß die Anterastae des Pseudo-Plato
sogar den Anstoß zur Benennung des Eratosthenes als
Ohne die zeitliche Möglichkeit einer solehen Betrachtungsweise irgendwie in Zweifel ziehen zu wollen, wird man sie
dennoch nicht als sachlich entscheidend anerkennen.
Selbst in einer Zeit fortschreitenden Verfalles der olympischen Kultur dürfte die Überbewertung des Spezialistentums in der allmählich
verrohenden
und zum Beruf
»
{10} Strabo: Geogr., IL. 1.41 = C. 92 ete.
(tli Strabo: Geoge., XVII. 3,22 = C. 838.
[12] Die Chrestomathie soll im X. Jahrhundert zur Zeit von Constantinus VIT. Porphvrogenitus (913—950 n. Chr.) nach ThaLamas (La géogr. d'Ératosth. 1921, 82, n. 1) oder zur Zeit von
Basilius If. Bulgaroetonus (976—996 [—1025] n, Chr.) nach
Fabricius & Hartes (Bibl. Graze, 1795, T. IV. 572) verfaßt
worden sein,
113] Kneaek, Georg: Eratosthenes (+) — Pauls & Wissowa, R. E.,
VI. 1, 1007, 8.361,
Ut, Tiotfaması be, (vel. (S]). p. 47.
113) Kuidas: Lesicon, lit. FE 2808.
mene»
(th) Hirzel. Rudolf: Der Dialog tee, To Leipgie 1893, 8.407,
Pie! Beach. Sir Thomas: A Histars of Greek Mathematics, —
Vol. Tand Ph, Oxford 1924; TE, p. 104,
‘is! Cantor. Moritz: Vorlesungen über Geschichte der Mathematik,
Met, I, Leipzig
S, 320.
1880, S. 284; 1894, 5. 314; 1907, S, 329; 1922,
[19] Aristoteles: Rhetoriea, T. 5. 1361 b 10.
.
[20] Plato (Pseudo-): Amatores [Frastac]. Edid. Henricus Stephanus, Parisiis 1578, Tom. I, p.132—139.
(21] Plato (Pseuda-): Rivales [Anterastae]. Rec. C. Fr, Hermannus, Lipsiae 1922, Vol. II, p. 358— 366.
(22)
Plate (Pseudo-):l.c. (vgl. [20] u.(2t)), cap. IV, St. 135 E/136 A
u. cap. IX. St. 138 D/E.
(23] Robert, Carolus: De Apotlodori bibtiotheca, — Dissert. inaug.
philol. univ. Frid. Guil., Berolini 1873, p. 94.
124] Christ, Wilhelm: Platonische Studien. — Abh. philos./philol,
CI. d. Kel. Bayer. Akad, d. Wiss., Bd. XVII, München 1888,
8. 451—512 (8. 508/09).
(25) Dionvsins vel Longinus: De sublimitate libellus, cap.
XXXIV, 1.
[25a] Werner, Guilelmus: De Anterastis dialogo Pseudo-platonico.
— Dissert. inaug. philol, univ. Gissensis, Darmstadtiao 1912,
[26b] Wilamowitz-Moellendorf, Ulrich von: Platon. — Berlin
1919, If, S. 325.
Page 3
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)herabsinkeniten Athletik gegenüber der einst angestrebten
vor, die Herabsetzung eines Ruhmestitels der ihm eigentharmonischen Vielseitigkeit der Leibesschulung aller
Jugendlichen nicht zum Gemeingut der Gebildeten
geworden sein.
lich zukommenden hohen Bewertung vorzuziehen.
rlarehaus nicht vollkommen erfüllt ist. Selbst bei den
großen Festspielen ist cs vielmehr zu wiederholten Malen
vorgekommen, daß ein Sieger im Pentathlon auch in
in welchem er Cordus als Alpha und sich selbst als Beta
in einer Reihe von Klienten aufführt [36].
einern der anderen Wettkämpfe den Sieg errang [27].
Daß dem Pseudo-Piato dieser Sachverhalt völlig unbekannt geblieben sein sollte, ist äußerst unwahrschein-
In diesem Sinne dachte man zunächst an die Reihenfolge
in der Leitung der Bibliothek in Alexandria. Die Ansicht,
daß Eratosthenes Beta genannt wurde, weil er der
zweite der alexandrinischen Bibliothekare gewesen sei,
Ve WAM reren mt men ne
a
te EE
Darüber hinaus ist noch zu bedenken, daß sogar die
Voraussetzung für die peendoplatonischen Überlegungen
lich. Der Mißachtung des Pentathlos in seinem geradezu
parodistischen Dialog kommt also keinerlei entscheidende
Bedeutung zu.
Es besteht gar kein Zweifel darüber, daß Eratosthenes
ein wahrer Meister vieler Schönen Künste war (Dionysius Cyzicenus)[28], denn er betätigte sich erfolgreich
gleichermaßen auf den Gebieten der Mathematik, Goographie, Geschichte, Philologie und Poesie (Lucianus
Bree nan TS
UEA en
EN EI EES DR BT eV OEE
den ETD
PIET ver AR
[29], Suidas [30)). Diese Vielseitigkeit verhinderte aber
durchaus nicht, daß er zum mindesten in der Geographie
ee
neon RTC
So bliebe noch als letztes der Gedanke, daf das Beta auf
eine einfache Reihenfolge hinweisen sollte. Als Beleg für
die Gebräuchtiehkeit einer Verwendung der griechischen
Ruchstabennamen an Stelle von lateinischen Ordnungszahlen sei auf ein Epigramm des Martialis hingewiesen,
wird beispielsweise ausdrücklich von Moses Solanus[37]
vertreten. Aber man wird Cantor beistimmen, wenn er
diesen Deutungsweg ablehnt, weil dann der vorangehende
Leiter wohl irgendwann als Alpha und der nachfolgende
als Gamma bezeichnet worden wäre, worüber aber nichts
bekannt ist, und weil es überliefert sei, daß Eratosthenes erst an dritter Stelle das ehrenvalle Amt bekleidet
habe. Von Cantors Hinweis darauf, daß Eratosthenes
erst der dritte Leiter der Bibliothek gewesen sei, wird
eine unbestreithare Spitzenstellung erreichte, welche
allerdings besser abgesehen, weil die Ansichten über die
beizpiesweise von Plinius [31] aufs höchste bewundert
wurde. An dieser Wertschätzung hat sich in rund zwei
Jahrtausenden kaum etwas geändert, denn in der Neuzeit
Reihenfolge der Bibliotkekare, sowie „egebenenfulls bei
ihre Unterscheidung in Ober- und Unterbibliothekare,
wird Eratosthenes wegen seiner Bedeutung für die
erheblich auseinandergehen (vel. Ritschl [39], Seemann [40]. Busch [#l], Gardthausen [42] u. a).
mathematische Geographie geradezu als „Vater der Geographie‘ bezeichnet [32].
Dazu kommt dann noch eine weitere Reihenfolge, auf
welche im neueren französischen Schrifttum hingewiesen
Die Tatsache, daß es später noch andere hervorragende
Geographen gegeben hat, die von irgendwelchen späteren
Verfassern vielleicht höher geschätzt wurden, wie das im
wird [43] und [44], nämlich diejenige als Stipendiat des
IV, /V. Jahrhundert n. Chr.
Marcianus von Heraclea [33]
andeutet, kann seine Zeitgenossen, die ihn vielleicht schon
Beta nannten, doch unmöglich irgendwie beeinflußt
haben. Schließlich darf man auch nicht vergessen, daß in
dem zweiten Falle, in welchem ein Gelehrter wegen seiner
Vielseitigkeit als Pentathlos auf geistigem Gebiete
alexandrinischen
Musetons.
Die
Angabe,
derzufolge
Eratosthenes nach einer Überlieferung von Photius
im Museion mit der Ordnungszahl A’ bezeichnet worden sei,
hat sich aber nicht bestätigen lassen (vgl. Anm. [73]). Sie
hätte die Dinge recht unübersichtlich gestaltet, woil von
einem Alpha für Eratosthenes, womöglich als Semeion,
sonst nichts bekannt ist. Viclleicht hängt das Mißverständnis irgendwie mit der Nachricht von Suetonius
b:zÄi:hnet wurde, nämlich bei der Arwendung dieses
Ausdrucks auf Democritus von Abdera (etwa 460-390
v. Chr.), der Charakter des von den Leibesübungen her
Tranquillus [45] zusammen, daß Eratosthenes sith
übernommenen Ehrennamens als ganz besondere Auszeichnung sowohl von Diogenes Laertius [34] überliefert ist, als auch von Suidas [35] unmißverständlich
Rom gelebt hat, wie jener Chiliarch Galerius Crassus,
welcher als hoher Offizier am Kaiserhofe des Tiberius
wegen seiner Vorliebe für Rüben spöttisch als beta (Rübe)
bezeichnet worden sein soll und dessen lateinischer Spitzname in der griechischen Schreibung des Ptolemaeus
Hephaestionis Chennus [46] von derjenigen des
anerkannt wird. Es ist nicht einzusehen, weshalb Eratosthenes und Democritus mit verschiedenem Maß
gemessen werden sollten; es liegt aber auch kein Grund
[27j In diesem Zusammenhange sind zu nennen die berühmten
Falle des jungen LakoniersE utelidas(628v.Chr. = Olymp. 38,
Sieger im Fünfkampf und im Ringen). des Krotoniaten
Phayllus (vor seiner Teilnahme an der Schlacht von Salamis
[in welcher er das einzige aus Großgriechenland den Athenern
zu Hilfe gekommene Schiff führte], also vor 480 v. Chr., zu
Delphi Sieger im Fünfkarnpf und im Waffenlauf) und des
Korinthers Xenophon (#84 v. Chr. = Olymp. 79, Sieger im
Fünfkampf und im Stadienlanf), während von späteren
Doppelsiegern hier selbstverständlich abzuschen ist (Krause,
Johann Heinrich, Olympia, Wien, 1838, 287, 350 und 400).
[28] Anthologia Graeca epigrammatum ete, Anth. Palar.,
Lib. VII, ep. 78.
129) Lucianus Samosatensis: Longaevi [Macrobii]. § 27.
[30] Suidas: Lexicon, lit. £ 2898,
[313 Plinius: Naturalis historia, TE. 108. 112, 247 u. VI, 29. 34, 171.
(32 Thalamas: Lo, (val. [351 p. 185.
[33} Marcianus Heracleensis: Periplus maris exteri ete., I. 4.
[34) Diogenes Laertius: De clarorum philosophorum vitis ere
IN. 7. 37.
(351) Suidas: Lexicon, tit. ZI 471.
(36) Martialis: Epigrammaton libri, V. 26.
als erster den Namen eines philologus beigelegt habe.
Es ist ein wahres Glück, daß Eratosthenes nicht in
[37] Lucianus Samosatensis: Opera. — Edil. Joannes Fre.
derieus Reitzius, Tom. TIT, Amstelodami 1743, p. 228, n. 58.
[38] Fabricius, Joannes Albertus: Bibliotheca Graeca. -— Fd.
nova cur. Gottlieh Christoph Harles. Vol. IV, Hamburgi 1795
{p. 118).
(39] Ritschl, Friedrich: Die alexandrinischen Bibliotheken unter
den ersten Ptolemäern usw. — Breslau 1838.
[40} Seemann, Otto: De primis sex bibliothecae Alexandrinae
custodibus. — Progr. Kgl. Gymnas. Essen, Essen 1859.
fi] Busch, Guilelinus: De bibliothecariis Alexandrinis qui feruntur primis. — Dissert, inaug. philos. univ. Rostochiensia.
Suerini Megalopolitanorum 1884.
(42) Gardthausen, V.: Die alexandriuische Bibliothek usw. —
Zeitschr. deut. Ver. Buchwesen u. Schriftt., V. Jg, Leipzig
1922, S. 73104.
[431 Bouché-Leclereq, A.: L'histoire des Lagides. — Paris 1903
(Tome I. p. 218, n. 4).
{441 Thalamas: le. (vgl. [3]), p. 54.
{45} Suetonius: De grammaticis, $ 10,
[46] Ptolemaeus Hephaestionis s. Chennus: Nova historia,
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)zweiten Buehstabens im griechischen Alphabet nicht
unterscheidbar ist [47]. Diese Mißdeutung seines Beiwelebe die algebraischen Gerlankengänge in geometrischer
Form zum Ausdruck bringt.
namens auf Grund seines Küchenzettels ist also Eratosthenez erfreulicherweise von der Nachwelt erspart
Sollte es nun nicht denkbar sein, daß das zur persönlichen
weblichen.
einem bestimmten wohlbekennten Zahlenwerte zu deuten
ist, sondern als ein huchstabenähnliches geometrisches
Bild mit einem anderen, viel wesentlicheren Inhalte?
Statt dessen hat die Neuzeit eine andere unbrauchhare
Auslegung
des
rätselhaften
Buchstabennamens
beigestenert : die Deutung von 3772 als Schreiter oder Schrittmesser von Konrad Miller [48]. Leider ist aber cine
Verwendung des Wortes 67-2 in diesem Sinne ebensowenig überliefert wie eine Bestätigung für die beliebte
Annahme, daß Eratosthenes durch Schrittrnesser
(rwexszei) größere Entfernungen eigens für seine geographischen Zwecke habe abschreiten lassen; die diesbezügliche Notiz von Martianus Capella (um 400
n. Chr.) über die mensores regii Ptolemaet [49] hat wegen
des Zeitpunktes ihrer Aufzeichnung keinen Quellenwert.
Sehr überraschend ist es nun, daß sogar davon berichtet
wird, wer den Namen Beta für Eratosthenes geprägt
hat. Marcianus von Heraclea (um 400 n. Chr.) erwähnt
nämlich bei der Aufzählung seiner Gewährsmänner unter
anderen auch „Eratosthenes, welehen die Leiter des
Museicas Beta nannten“ [50]: diese Angabe stammt
offenbar (sofern es sich nieht um einen nachträglich eingefügten Zusatz handelt) aus einem älteren Werke von
Menippus Pergamenus, der ungefähr um die Zeitenwende Iehte.
Als sicher darf man es danach wohl ansehen, daß der
Gelehrtenkreis des Museions den Namen
Beta für
Eratosthenes verwandte — und wieder steht man vor
der Unbegreiflichkeit, daß diese anerkannten Vertreter
der Gelehrsamkeit einen aus ihrer Mitte kurzerhand
„Nummer Zwei” genannt (und womöglich gar gerufen)
haben sollen. Das kaun nicht sein!
Im folgenden möge nun auf ganz anderer Grundlage versucht werden, das rätselhafte Beta aufzuklären, und zwar
auf einer Grundlage, welche für die griechische Mathematil. von allgemeiner und ertscheidendler Bedeutuag ist.
Als wegweisend darf in dieser Hinsicht die kurze Kennzeichnung angeschen werden, welche van der Waerden [51] der griechischen Minstellung zur Mathematik
gibt, Aus dieser ist zu entnehmen, daß die Griechen wie
im Allgemeinen so auch auf dem Gebiete der Mathematik eine ausgesprochene Neigung zum Anschaulichen
hatten. Diese Vorliebe für das Bildhafte war unter anderem eine bedeutungsvolle Triebfeder für ihr erfolgreiches
Bestreben. an die Stelle der aus Vorderasien übernommenen Algebra eine „geometrische Algebra’ zu setzen,
Kennzeichnung verwandte 8 nicht als Buchstabe mit
Die bekannteste und im Schrifttum aller Zeiten immer
wieder erwähnte Leistung des Geographen Eratosthenes ist seine Berechnung des Erdumfanges mit Hilfe von
Sonnenstandsmessungen. Die Auregung zu diesem neuartigen Verfahren bot ihm das merkwürdige Verhalten
der von der Sonne geworfenen Schatten, wie es bei der
Fahrt von Berenice, dem Hafenplatze am Ende der
Wüstenstraße von Koptes am Nile hinüber zum Gestade
des Roten Meeres, südwärts nach Ptolemais Epitheras,
von wo die Jagdexpeditionen der Ptolemäer zum
Lebendfang von Elefanten und allerlei fremdartigen
Tieren ihren Ausgang nahmen, beobachtet werden
konnte.
Während Eratosthenes den Geschehnissen im Gebiet
des Roten Meeres, über welche Plin.ius eingehend be
richtet [52], die Intuition zur Anstellung einer Erdumfangsmessung auf dieser Grundlage verdankte (ende
conceperit), stützte sich seine endgültige Untersuchung
auf die Verhältnisse im Niltale. Dabei verglich er die Be“ebachtungen, welche in Alexandria und in Syene, also in
zwei jedermann wohlbekannten Städten, gemacht worden
waren, und stellte die Ergebnisse zeichnerisch zusammen.
So gelangte er zu einem einfachen geometrischen Schema,
welches bekanntermaßen den Erdumfang und auf diesem
den Umfang eines Schattenfängers in Alexandria zeigte,
ferner den Strahl, der durch den Erdmittelpunkt, durch
den Berührungspunkt der Skaphe mit der Erde und
dureh den Gnomon in der Skaphe geht, und schließlich
die parallelen Sonnenstrahlen, welche am Mittsommertage
mittags in Syene senkrecht auf die Erde treffen. in
Alexandria aber einen Gnomonschatten von 1}, der
Länge des Skaphe-Umfanges werfen. Daß dann die Länge
des Erdumfangshogens zwischen Syene und Alexandria
ebenfalls !/,, des Erdumfanges betrug und daß sich bei
einer geschätzten Entfernung von rund 5000 Stadien für
den Abstand Syene—Alexandria ein Erdumfang von rund
250 000 Stadien ergab, das festgestellt zu haben, gehört
wohl zu den Großtaten der mathematischen Geographie.
Wenn man nım in diesem konstruierten Bilde einen Teil
der Linien nachfährt und wenn man dabei, mit dem
(47) Hierzu muß allerdings bemerkt werden, daß die von Ptolemaeus Chennus wiedergegebene Anekdote wahrscheinlich
auf einem MiGverständuis oder emer bewußten Mißdeutung
Strahle durch die beiden Kreismittelpunkte beginnend,
erst den der Sonne zugewandten Halbkreis der Skaphe
und dann den entsprechenden Halbkreis des Frdumfanges hervorhebt, dann hat man eine Zeichnung vor
berukt und daß daher der „Spitzname“ im Grunde genommen
anders zu verstehen ist. Vermutlich war es die griechisch Bezeichnung Beta für die zweite Tausendschaft (chilias) einer
sich, welche einem ß ganz erheblich ähnelt oder vielleicht
noch mehr an das B der frühptolemäischen Zeit er-
Legion, welche von den römischen Soldaten ihrem eigenen
Sprachschatze entsprechend ausgelert wurde, Es handelt sich
also offenbar nur darum, daß Galerius Crassus in seiner
innert, dessen oberer Halbkreis tatsächlich viel kleiner ist
als der untere (Prof. Dr. Fr. Zucker, Jena, brieflich).
Legion der .,chiliarchos 2** oder der Führer (tribunus milituni
[ursprünglich trébunus m. milita) der zweiten Kohorte war,
Es erscheint begreiflich und berechtigt, dieses Bild eines
wie das auch aus dem ungekürzten Wortlaute der Überlieferung
Uri vevigueter Stellume der Satcesiehen ohne weiteres hervar-
B oder R als das Sinnbild desjenigen Mannes anzusehen,
geht,
USS) Miller, Konrad: Dir Erbmessuug ba Altertum und ihe Sehicksul. — Stuttgart 1910, N.
[40] Martianus Capella:
VI. Sous.
4
phriletoriae et merenrij ere,
welcher mit dem geometrischen Schema eine Überlegung
von gewaltiger Tragweite erläuterte. Unter diesen Umständen wäre die Bezeichnung Peta für Eratosthenes
zugleich ein Ausdruck der hohen Anerkennung, deren
130) Marcianus Heraeleensis: Epitome peripli maris interni cte.,
>
Van der Waeeden: be, (val. [ER 8. 1831, DI,
[32] Plinius: Nat. hist., VI. 29,34, 171.
Page 5
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)sich dieser vielseitige Gelehrtz am Museion gerade als
Vertreter der mathematischen Geographic erfreute,
Beta für Eratosthenes gemacht wurden, bereits ausgewertet werden.
Der Gedanke, daß in der Buchstabenb»zeichnung für
Was zunächst die Persönlichkeit des Apollonius an-
Bratosthenes eine wertende Bezifferung und damit
zugleich ein abfälliges Urteil zu erblieken sei, konnte nur
langt, so ist von ihm hervorzuheben, daß er gleichermaßen
als Mathematiker und als Astronom zu hohem Ruhm
selangte. Er stammte aus der Stadt Perge in Pamphylien
bei jemandem aufkommen, der nicht in der Tradition des
Muselous aufgewachsen oder nicht weoigstens mit the
vertraut wae. Wenn man den Überlieferungen Glanben
schenkt, daun ergibt sich das fri ende Bild: Die Mißund kam vermutlich gegen Ende des dritten vorchristlichen Jahrhunderts (etwa um 210 v. Chr.) nach Alexandvia. Von seinen mathematischen Werken sind die
Conica [53], ein grundlegendes Lehrbuch über Kegelschnitte, erhalten geblieben. Auf dem Gebiete der Astronomie hat er sich offenbar in erster Linie mit den Bewegungserscheinungen der Planeten beschäftigt, wobei
er aber den Begriff der Wandelsterne im Sinn der alten
Babylonier
faßte,
also
einerseits
Sonne
und Mond,
anderseits die fünf echten Planeten Merkur, Venus, Mars,
‚Jupiter und Saturn in seine Untersuchungen einbezog.
Unter diesen Umständen leuchtet es ohne weiteres ein,
daß beispielsweise Vettius Valens (etwa IL. oder
UI. Jh. n. Chr.) seine Angaben bezüglich des Mondes zu
Rate gezogen hat [54], welcher in einfacher Bahn die Erde
umkeeist, während aus einer Mitteilung von Claudius
Prolemaeus [55] hervorgeht, daß er sich auch mit den
komplizierten Balmen beschäftigt hat, auf welchen die
Planeten im engeren Sinne vor Gem Auge des irdischen
Beobachtevs vorüberziehen. Offenbar war Apollonius
für die Aufklärung der scheinbaren Bahn eines jeden
Planeten als Ergebnis des angenommenen ZusammenBild 1
Schema für die Ableitung der Erdumfangsläng
nach Eratosthenes, Die durch eine beigesetzte Strichellinie hervorgehobenen Hälften der Umfänze von Erd- und
Skaphekreis und die beiden zugehärisen Durchmesser
ergeben das Biki eines Beta
spieles zweier Ireisbewegungen maßgebend, nämlich
derjenigen des Planeten selber auf einem kleinen (als
epicyclus bezeichneten) Kreise und derjenigen des Mittel.
punktes (dieses „Zusatzkreises® auf cinem großen
(.. Haupt -)Kreise (deferens) um die Erde. Vielleicht
waren daher seine verschollenen Astronomica in mancher
lange nach der Blüte des Museiens von Alexandria fiel,
und der offenbar nichts mehr von den Gründen wußte,
welche einst zur Wahl des Kurznamens Beta geführt
hatten. Erst dieser oder der unbekannte Verfasser der
Chrestomathie aus Strabos Geographie (oder vielleicht.
noch ein anderer ungenannter Gewährsmann fin die Suda)
suchte daher eine Erklärung für die Wahl des Namens
Beta und glaubte sie in dem (pseudoplatonischen) Hinweis auf die Zweitrangigkeit gefunden zu haben. Als diese
Deutung dann erst einmal in die Suda aufgenommen
war, stand ihr der Weg zur allgemeinen Anerkennung
offen. Gerade die ungerechtfertigre und ungerechte
Neubegründung für die Wahl des3 als Kurzbezeichnung
für Eratosthenes ist es also offenbar zewesen, welche
die
alte
Buchstabenbeurteilung
als
„wohlfundiertes"
Wissensgut bis in die Gegenwart erhalten hat.
IE
Apallanius
EEn IEEE
ea adt ren
Die Krörterung möge sich nunmehr dem zweiten Mathematiker zuwenden, dem ein Buchstabe als Merkzeichen
zugewiesen wurde. Bei der Klärung ler Frage nach Herkunft und Bedeutung desNa tue hin Eps ‘lan (ETES fur
Apollonius können die Erfahrungen. welche mit dem
Sicher scheint es jedenfalls zu sein, daß Apollonius im
Rahmen der Epizykeltheorie [56] ableitete, wann bei
gteichery Drehsinn der beid:r Kreise die scheinhare Bewegung des Planeten aus Rechtläufigkeit in Rückläufigkeit überging oder umgekehrt.
Den Namen Epsilon für Apollonius hat anscheinend
nur Ptolemaeus Chennus (I. Hälfte des IT. Jh. nach
der Zeitenwende) überliefert, der Sohn des Hephaestio [57], welcher unter anderem allerlei Erzählungen zur
Allgemeinen Bildung (polymathia) in 7 Büchern zusaminengetragen hat [58]. Das Werk als solches ist verlorengegangen; erhalten geblieben aber ist ein Auszug daraus
in der Bibliotheca [59] oder dem Myriobiblon. [60] des
Patriarchen Photius (etwa 820 bis etwa 891 n, Chr.).
Tu diesem Anszuge wird über die Kennzeichnung von
[33] Apollonius Pergacus: Conicorum libri octo ete. — Fdid. Ed.
mundus Halleins, Oxoniae 1710,
{54} Vettius Valens: Anthologiarum libri IN, — Edid. Guilelinus
Kroll, Rerolini 1908 (IX. 11).
5] Ptoleimarus, Claudius: Syntaxis machematica, XIT, 1.
155]
5 Apollonius Pergacus: Astronomica, Fragm. 30.
58%)
57] Suidas: Lexicon, lit. M 3037.
Boat
cleensis. Sie tritt dagegen mörlicherweise schon in
Erscheinung bei Hesychius Milesius, dem mutmaßhehe:Gewährsmann der Seda, dessen Wirken in sine Zeit
m mm
ER BEEREN PEERS te Per Ie LNV eA
FL iT
deutung des Beta fehlt noch bei Menippus Pergamenus und demgemäß auch bei Marcianus Hera-
Hinsicht ein Vorbild für die letzten Bücher der Megale
{später Megiste) Syntaxis von Ptolemaeus (etwa
100-178 n. Chr.), welche sich mit diesen Dingen befassen.
UNI Chatzis, Anton: Der Philosoph und Grammatiker Ptolemaios
Chennos. — Stud. Gesch, Kult, Altert., Bd, VIT,2, Paderborn
(591 Photius: Bihliotheca, — Ex ree, Immanuelis Bekkeri, Berolini 1824 u. 1825
[BD] Photius: Myriobiblonete. — Edid, David Horschelius, Rothomagi 1653,
Page 6
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und daß dabei das Epsilon des Apollonius nach dem
Menschen durch (die Namen von) Buchstaben berichter [61], wobei die wiedergegebenen Beispiele allerdings
äußerst ungleichartig sind. Als echtes Buchstabenbild zu
verstehen ist zweifellos der Name Labda (statt des
dem sechsten Buchstaben des gebräuchlichen Alphabets
genannt wird.
späteren Lambda) für die hinkende Mutter des Königs
Der nach dem früheren Vorgehen beim Beta des Krato-
Kypselos von Korinth (Herodotus [62], Helladius
[63] und Erymolegicon Magnum [64)), weil das Aussehen
des acchaischen A an die ungleiche Lange der Beine eines
lulumen Menschen erinnert [65]. Demgegenüber wird aber
auch die (bereits erwähnte) Bezeichnung eines römischen
Chiliarchen als Beta aufgeführt, obwohl in diesem Falle
Delta als dem vierten Buchstaben und vor dem Zeta als
sthenes naheliegende Gedanke, daß der Buchstabe
Epsilon bei Apollonius arithmetische Bedeutung habe,
kann ohne weiteres übergangen werden. Es scheint von
keiner Seite der Versuch gemacht worden zu sein,
eines Buchstabens hatte, sondern ganz anderer Herkunft
war. In diesem bunten Rahmen, auf welchen hier nicht
Apollonius als einen Mathematiker fünften Ranges zu
bezeichnen. Demgegenüber könnte man sich vielleicht
der Tatsache erinnern, daß in einer gräco-ägyptischen
Chrestomathie aus dem II. Jahrhundert n. Chr. eine unvollständige Liste der Bibliotheksvorstände überliefert
genauer eingegangen zu werden braucht, findet sich der
ist [71], welche nacheinander die Namen (Apollonius
Satz: „Apollonius, der zur Zeit von [Ptolemacus IV.
Rhodius), Eratosthenes, Aristophanes Byzan-
Philopator auf dem Gebiete der Astronomie berühmt.
tius, (Aristarchus), Apollonius Idographus und
war, wurde e genannt, weil das Aussehen des e demjenigen
des Mondes glich, über welchen jener sehr sorgfältige
Studien gemacht hat‘ (66) und [67].
Aristarchus Aristarchi nennt, ehe dann ein hoher
Offizier, der Lonchophor Kydes, die Leitung der
Bibliothek übernahm. In dieser Reihe sind leider die
Namen der ersten Bibliothekare in Verlust geraten, aber
man darf vielleicht in üblicher Weise Zenodotus und
Callimachus an den Anfang stellen. Da Apollonius
Rhodius wohl zu Unrecht nachträglich in die Reihe cingeschoben und /.ristarchus dus e.ste Mal offenbar versehentlich erwiihnt worden ist, wäre an fünfter Stelle ein
der Name der Überlieferung nach gar nicht die Bedeutung
Diesen Hinweis auf den Astronomen Apollonius hat
der quellenkundige Cantor [68] aufgegriffen, und zugleich hat er den Versuch gemacht, die Deutung des
Epsilon dem Leser dadurch mundgerecht zu machen,
daß er, wohl in Anlehnung an E abricius & Harles 69],
für dasselbe eine besondere Schreibform, nämlich das
runde €, als Muster wählte. Trotz dieses willkürlichen
Vorgehens dürfte es ihm aber nicht geglückt sein, eine
Ähnlichkeit des Buchstabens mit dem Monde in irgendeiner Weise überzeugend aufzuzeigen. So ist es denn
begreiflich, daß der letzte Herausgeber der Nova historia
von Ptolemaeus Chennus sich nicht damit zufrieden
gibt, sondern noch einen Schritt in der gleichen Richtung
weitergeht. An die Stelle des Halbkreises mit Radius
(oder drastisch ausgedrückt, eines ,,Halbmondes mit
Apollonius genannt, der vielleicht mit dem Astronomen
verwechselt sein könnte. Es erscheint nicht zweckmäßig,
eine solche Kette von Änderungen anzunchmen, nur um
dem Astronomen Apollonius das Semeion Epsilon im
Sinne von „der Fünfte‘ zuzuschieben.
In Wirklichkeit ist also offenbar keine Reihenfolge von
Namen bekannt, in welcher Apollonius an fünfter
Stelle stände. In einem gewissen Widerspruche dazu steht.
nur die Angabe von ‘Bouché-Leclereq [72], nach
das C nichts anderes als eine besondere Schreibform für
welcher Apollonius als Inhaber der fünften Stipendiatenstelle am alexandrinischen Museion die Bezeichnung e erhalten haben soll. Der Gewährsmann für diesen
das 2 darstellt, bedeutet diese Abwandlung des Schriftsehr bemerkenswerten Hinweis soll Photius [73] sein,
zeichens
Sigma genannt worden, was sich noch dadurch stützen
doch ergibt die Nachprüfung leider, daß es sich bei dessen
Bericht nur um die wohlbekannte Überlieferung von
Ptolemaeus Hephaestionis Chennus handelt,
ließe, daß man das C als Anfangsbuchstaben von Selene,
also dem griechischen Namen des von Apollonius angen von Apollonius zum Museion bietet (vgl. S. 135
Zigarette‘) setzt er nämlich die einfache Mondsichel,
indem er als Vergleichsobjekt ein C wählt [70]. Da nun
zugleich
eine
Änderung
des
Kurznamens,
Apollonius wäre danach nicht Epsilon, sondern
welche nicht die geringste Auskunft über die Beziehunscheinend besonders eingehend bearbeiteten Mondes,
deutet. Diese ganze Überlegung scheitert aber an der
u. Anm. [43]).
Tatsache, daf Ptolemaeus Chennus die BuchstabenKurznamen in der Reihenfolge des Alphabets aufführt
er bei Eratosthenes schon erfolgreich angestellt wurde,
So bleibt als letztes Auskunftsmittel der Versuch, wie
im Lebenswerke des Apollonius naclı etwas zu suchen,
was rein bildmäßig den Weg zum numengebenden e
[61] Photius: le. (vgl. [59]), Cod. exe, p. 151b.
bahnt.
[62] Herodotus: Historiae, V. 92.
3
Die mathematischen Werke des Apollonius Pergaeus
[63] Helladius Besantinous: Chrestomathise. — Photii Bibliotheea, Cod, CCLX XTX, col. 531b,
(64] Ety mologicon Magnum, cap. 199,
[85] Es ist vielleicht der Erwähnung wert, daß das Wort Labda auch
als Semeion vom bildhaften Charakter des üblichen A bei
Aristophanes (Eecles., vs. 920) vorkomnit, wo es jedoch eine
durehnis andere (obscòne) Bedeutung hat.
[66] Ptolemaeus Chennus: Nova historia, ed. Chatzis 1914,
haben im wesentlichen einen ausgesprochen fachwissenschaftlichen Charakter. Seine Conica sind schon im Altertume von dem engen Kreis der Fachgenossen voll gewürdigt worden, und auch die Neuzeit zollt ihnen hohe
Achtung (z.B. H.G.Zeuthen[74], O. Neugebauer [75]).
Vv. $ 20.
[67) Als Gewährsmann dafür, daß Apollonius sich unter anderem
besonders mit dem Monde beschiiftigt hat, darf nuBer Ptolemaeus Chennus und Vettius Valens auch der Kirchen
vater Hippolytus Romanus herangezogen werden, welcher
(um 223 n. Chr.) bei der Erwähnung des Mondes ausdrücklich
den Angaben von Hipparchus dicjenigeu des Mathematiker:
Apollonius gegenübeestellt (Refut, omn. heter, IV. 10).
[Hs] Cantor: Le. (vgl. [18)), 1880, 264; 1894, 315; 1907, 330; 1922,
330,
(891 Pulrieius & Harles:
(+ el. [SP p. 103.
[70] Chatzis: Le. (vgl. se, Ss 37
{71} Grenfell, Bernard P., & Hunt, Arthur S.: The Oxyrhynehus Papyri, Part X, London 1914, Nr. 1241 (p. 102).
(72] Bouché-Leclereq, Le. (val. (431) p. 218/19, n. 4
[73] Photius (cad. 190) parle d'un classement par lettres de l’alphabet. dont chacune représente ce que nous appellerions un fauteuil académique. Ainsi, Eratosthène était classé à UA, et
Apollonivs de Perge à l'E (Le., p. 218, note 4).
(74) Zeuthen, Hieronymus Georg: Die Lehre von den Kegelschnitten im Altertum. — Kopeuhagen 1836.
[75] Neugebauer, Otto: Apollonius-Studisn, — Quell, Stud.
Gesch. Math, Abt. B, Bd. II, Berlin 1933, 215— 254.
Page 7
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Der Allgerneinheit aber mußten solche Werke fremd und
unverstiindlich bleiben.
Ganz anders steht es bei den Werken sternkundlichen
Inhaltes, welche nicht nur für die eigentliche Astronomie,
sondern auch für die mit ihr so eng verbundene Astrologie
von vesentdiehem Werte waren und welche ihrem Verfazser deun
auch die
Anetisane eines etwas weiteren
(„Wachtel“) nach der Überlieferung [77] zu Anfang des
IT. nachchristlichen Jahrhunderts selber in Alexandria
lebte, darf man annehmen, daß er an Ort unl Stelle sein
Wissen über Apollonius sammeln konnte.
Wenn bet Apollonius der Cedanke, daB seine Buchstabenbezeichnung etwa den Charakter einer Wertung
Interessantenkreises cintruge:
Hierher gehören wohl
Zeit wie Eratosthenes in Alexandria. Da nun Prolemaeus Hephaestionis mit dem Beinamen Cheunus
an erster Stelle seine Untersuchungen über die scheinbaren Planetenbahnen, von
denen, wie bereits erwähnt wurde, Claudius Ptolemaeus in seinem Almagest (arabisch: kitab al-Magisti),
der megiste syntasis [76] oder dem größten aus dem Altertum bekannten Handbuche der Astronomie, berichtet.
Die Aufklärung der merkwürdigen Planetenbahnen, auf
welchen die 5 echten Wandelsterne bald rechtläufig, bald
rückläufig dem Fixsternhimmel gegenüber sich verschieben, hat Apollonius offenbar besonders beschiiftigt.
Es hat den Anschein, daß er für den Ausbau der Epizykeltheorie in erster Linie verantwortlich ist und daß daher
auf ihn der Entwurf des Schemas zurückgeht. welches die
zur Rede stehenden Vorgänge abzuleiten erlaubt.
haben könnte, gar nicht in Betracht kam, weil ja von
Fünftrangigkeit keine Rede sem konnte, dann konnte
von Anfang an die wahre” Herkunft. des e als Bildbezeichnung ungestört erhalten bleiben. Unklar wurde es
aber späteren Generationen, was es denn eigentlich war,
worauf die buchstabengleiche Bildbezeichnung fußte. So
konnte es geschehen, daß schon Ptolemaeus Hephaestionis, weleher wohl keine astronomischen Kenntnisse
besaß und günstigstenfalls noch wuBie, daß Apollonius
irzend etwas mit Wandelsternen zu tun gehabt hatte, die
Wahl des e auf die Form des Mondes bezog.
Das làg für ihn vielleicht nahe, weil er an das runde €
dachte und weil die Sichelgestalt des Halbmondes jedermann bekannt war, während von den merkwürdigen
Planetenbahnen und ibrer Ableitung eben doch nur
Astronomen und andere Sternkundigc etwas zu wissen
pflegten. Die Tatsache, daß das Aussehen eines e eigentlich doch recht wenig zur Gestalt des Mondes paßte und
daß auch niemandem eine andere Deutung einfiel, führte
dann zwangsläufig dazu, daß die ganze Buchstabenbezeichnung für Apollonius später aufgegeben und vergessen wurde [78].
III.
Pythagoras
=
Bild 2
Schema für die Ableitung der Planetenbahnen
Merkwiirdigerwcise scheint im neueren Schrifttum über
die Geschichte der Mathematik nicht berücksichtigt zu
werden, daß im Altertume noch ein dritter Mathematiker
nach Apollonius. Die durch eine beigesetzte Strichellinie hervorgehobenen Teile des Epizykels und des Deferenten gleichen dem Bild eines Epsilon
Wie das in ähnlicher Weise bei dem Kurvenbilde für die
Erdumfangsmessung des Eratosthenes geschah, möge
nun in dem Schema ein Teil der Linien zeichnerisch hervorgehoben werden. Wenn man zunächst die Hälfte des
kleinen Kreises (Epizykels) in der Richtung der Planetenbewegung nachfährt und am Sehnittpunkte desselben
mit dem großen Kreise (Deferenten) den Hervorhebungsstrich auf diesem weiterführt, wobei man wieder etwa
die Hälfte des Umfanges nachzeichnet, dann ergibt sich
ein Bild, welches unverkennbar demjenigen des Buchstabens e, und zwar insbesondere in seiner kursiven Form
mit kleinerem oberen und größerern unteren Bogen, entspricht. Die Vermutung liegt daher änBerst nahe, daß
diese allgemein bekannte Kurvenzeichnung es ist, welche
dazu geführt hat, ihrem Schöpfer den Kurznamen eines
Epsilon zu verschaffen.
des Serueions Ipsilon anseneinend einen wesentiichen Beitreg
zur Klärung der Fräge liefert, ob man mehrere gleichzeitig
{unter Ptolemacus Euergetes und Ptolemaeus Thilopator, also um 247—221—205 v.Chr.) in Alexandria tätige
Astronomen mit dem Namen Apollonius annehmen muß, oder
ob man nur mit einem einzigen vielseitigen Mathematiker vor:
überragender Bedeutung zu rechnen braucht, dessen anscheinend auch Hippolytus Romanus (Refut. omn. haeres,
V, 10) gedenkt. Eine tabellarische Gegenitberstellung der
Überlieferungen spricht jedenfalls zugunsten der Zusammenfassung, welche bereits des öfteren (Halleius in: Apollonius
Pergaeus 1710, praef. p. 3; Kroll in: Vettius Valens 1908,
373) vertreten worden ist.
Gewährsmänuer für einen Apollonius als
Ap. Pergaeus
. (vel. (55]), XIL 1,
Mondforscher
Planerenforscher
—
Claudius Ptolemaeus
Ap. Epsilon
Ptolemaeus Chennus | (S:meion-Ableitung)
Ap. (mathe-
Hippolytus Romanus
Vettius Valens
maticus)
Uber die Herkunft der Bezeichnung als Epsilon für
Apollonius ist niehts Näheres bekannt. Es liegt aber
kein Grund vor, daran zu zweifeln. daß die Kurzbezeichnung ebenfalls aus dem Gelehrtenkreise des Museiens
stammt, denn Apollonius wirkte ja etwa zur gleicher
(76) Prolemaeus, Claudius:
[ 77) Suidas: Lexicon, lit. 7 3037.
{ 78} Nur beiläufig sei darauf hingewiesen, daß die neue Ableitung
Entbehrlich erscheinen die Versuche, den Apollonius des
Vettius Valens auf Apollonius
Myndius zu bezichen
(Cumont, Florilegium, 1909. 162; Schnabel, Berassoa 1923,
123. Anm. 5). Der aus Myndos stammende Gelehrte, dessen
Lebenszeit sehr verschieden ang geben wird, und der sich seine
Ausbildung als, Sterndeuter (zur Stellung von Geburtshoro.
skopen) in Babylonien erwarh, ist als Astronom offenbar in
erster Linie durch seine Kometenforschungen (Seneca, Nat.
quaest., VIE 4 u. 17) bekannt geworden.
Page 8
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)mit einem Buchstahen als Semeion bedacht worden ist.
Seiner gedenkt Ptolemaeus Hephaestionis Chennus
beiden Kathetenquarlrate ist (Diogenes Laertius) [86].
Das geometrische Schema für diesen Lehrsatz ist cin
ebenfalls in der Nova historia, wenn er arn Ende seiner
rechter Winkel, auf dessen beiden Schenkeln die Seiten-
Aufzählung von Buchstabennamen ungefähr das Folgende
längen der beiden zu addierenden Quadrate abgetragen
sind, wobei dann die Verbindungslinie der heiden Endpunkte als „Aypoteinousae“ des rechten Winkels die
berichtet: „Democydos schreibt, Pythagoras sei, als
er sämtliche Zahlen behandelte, mit dem Buchstaben :
benannt worden‘ [79].
Wann der hier erwähnte Kurzname Gamma für Pythagoras aufsekommen ist, läßt sich nicht mit Bestimintheit
sagen, da nur die eine Überlieferung von Ptolemacus
Chennus aus der ersten Hälfte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts vorliegt und da über den als Gewährsmann angegebenen Democydes nichts Näheres
bekannt zu sein scheint. Vielleicht ist der Name als
Democedes [80] zu lesen, da cine solche Abwandlung
der Schreibweise auch anderweit überliefert ist (4, B.
Seitenlänge des Summenquadrates erzibt.
Wenn man in diescan Schema die beiden Katheten des
rechtwinkligen Dreiecks nachfährt, dann ergibt sich
cine Figur, welche einem J, also dem Gamma des großen
Alphabets der Griechen, weitgehend ähnelt.
pS
Kidenas/Kidynus). Tatsächlich ist ein Pythagoreer
Democedes von Kroton als Arzt am Hofe von Darius I.
bekannt, wie Herodotus[81] und Suidas [82] berichten.
Immerhin muß man aber wohl mit der Möglichkeit rechnen, daß der Kurzname Gamma aus derselben Zeit
stammt, in welcher die beiden alexandrinischen Buchstabennamen geprägt wurden. Der etwas schwerverständlichen Erläuterung, welche Democydes zu dem Kurznamen gibt, braucht vielleicht zunächst keine besondere
Bedeutung beigelezt zu werden [83].
Im vorliegenden Zusammenhange ist also nur die Feststellung von Wichtigkeit, daß man irgendwann Pythagoras mit dem Buchstaben Gamma bezeichnet hat,
denn diese Buchstabenbezeichnung reiht sich dem Beta
für Eratosthenes und dem Epsilon für Apollonius
zwanglos an. Man wird also zu crmittelu haben, ob das
Gamma auf dem gleichen Wege aufgeklärt werden kann
wie die beiden anderen Buchstaben [84].
Wenn man sich nun fragt, durch welche mathematische
Tat der Samier Pythagoras (etwa 582-500 v. Chr.) so
berühmt geworden ist, daß jedes Schulkind seinen
Namen
kennt, dann ist das zweifellos die Aufstellung des Lehrsutzes, Cer noch heu‘e seinen Namen trägt, dessen Grundlagen er aber höchstwahrscheinlich von den Babylonieen
entlehnt hat (85).
Dieser
,,pythagoreische
Lehrsatz'
besagt bekanntermaßen, daß im rechtwinkligen Dreieck
das Quadrat der Hypotenuse gleich der Summe der
quadratseite zeigen das Bild eines
Die
Wahrscheinlichkeit,
Chennus überlieferte
daß
die
von
Verwendung des
Gamma
Ptolemacus
Gamma
als
Semeion fir Pythagoras auf die bildliche Darstellung
des wohlbekannten pythagoreischen Lehrsatzes zurückzuführen sei, ist also nach dem geometrischen Bilde des
rechtwinkligen Dreiecks ohne weiteres verständlich.
Dann ist es aber auch möglich, den Sinn des einleitenden
Satzes des Demokydes abzuleiten. Pythagoras hat
sieh näinlien augenscheinlich auch bemüht, diejenigen
ganzzahligen Werte auszurechnen, für welche seine
Gleichung a? + h?=e? gilt [87]. Nachdem ihin die
Lösung dieser Aufgabe in einigen Fällen gegliiekt war
und nachdem er alle dabei gefundenen Zahlen aufgezeichnet hatte, erhielt er nach clieser Auffassung im
Hinblick anf die groBe Bedeutung des so einpriigsam
belegten mathematischen Lehrsatzes und zugleich im
Rahmen seiner sonstigen Pflege der Zahlenmystil [88]
[79] Photius: Bibliotheca (vgl. [59]), cod. CXC, 151b,
[80] Chatzis: le. (vgl. [58]), V. 33 (p. 38).
[81} Herodotus: Hist, TIL. 125—137.
[82] Suidas: Lexicon, lit. 4 442,
[88] Heath: Le. (vel. (171), T. p. 80, 1.
[$+] Ergänzend sei daran erinnert, daß auch für die kyzikenische
Hetäre Herpyllis der Beiname Gamma üherlicfert ist (Ptolemaeus Chennus, Nor. hist., V. 27); in diesem Falle handelt
es sich aber mit großer Wahrscheinliehkeit um eine Fehlschreibung (Marquardt, Cyzieus usw., 1836. 180 a) des galatischen
Frauennamens Kanıma (Plutarchus, Mul. virt., NX; Amat.
tib., XXII; Polvaenus, Strateg., VIII. 39), über welchen
Holder (Alt.celt. Sprachsch. I. 1896. 721) unter Camma Näheres berichtet.
[85] Als überzeugsnden Beleg für das Vertrautsein der alten Babylonier mit dem pythagorcischen Lehrsatz zieht, van der
Waerden (1956, 5. 122-—123) den altbabyrlonischen Text
BM 85.196 (9. Vs. IT. 7—16) etwa aus kassitischer Zeit heran
(nach Neugebauer, Mathematische Keilschrifttexte,
Bild 3 Schema für die Ableitung des Summenquadrates
zweier Quarlrate nach Pythagoras. Die beiden dureh
beigesetzte Strichellinien hervorgehobenen, als Katheten
eines rechtwinkligen Dreiecks dienenden Teilquadratseiten über der als Hypotenuse erscheinenden Summen-
1933.
11.47 und 53) und ergänzt seine Angabe durch den Text
BM 34.568 (12, Vs. IL. 17-—24) aus seleukidischer Zeit (nach
Neugebauer le. 1937, II, 18 und 22). Die Vermutung, daß
auch die alten Ägypter den pythaygorvisehen Lehrsatz gekannt
hätten (z.B. Heath 1921. T. 122). lehnt er auf Grund dee Tatsache ab (1958, 18), daß cine diesbezügliche altägyptische Uber.
lisforung noch nicht ermittelt werden konnte.
das Semeion Gamma.
Das Gamma gewinnt nun in seiner Anwendung als Semeion für Pythagoras noch eine andere Bedeutung, weil
die Dreizahl in der pythagoreischen Lehre eine wichtige
Rolle spielte. So berichtet Aristoteles [89] ausdrücklich,
daß nach Ansicht der Pythagoreer in Anlehnung an dio
Dreizahl der Dimensionen alles durch die Drei bestimmt
sei, und eine Fülle von Überlieferungen weist in entsprechender Richtung. Ergänzend sei an dieser Stelle nur
bemerkt, daß nach Joannes Lydus (etwa 490-562/65
n. Chr.) „die Prthagoreer unter den Zahlen die Triade,
[86] Diogenes Laertius: Le. (vel. (34]), VUL 1.2.
[87] Heath: loc. (vgl. [17}), I, p. 80 und 146,
[88] Jamblichus: Theologumena arithmetieur, — Edid. Fridericus
Artius, Lipsiae 1817.
(89) Aristotrles: De caelo, I.
I, 2tiSa.
Page 9
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)unter den schematischen Figuren aber das rechtwinklige
Dreieck als das Symbol alles Werdens ansehen‘ [90].
Durch das Buchstabenbild des Gamma wurde also nicht
nur das pythagoreische Dreieck seller augenfällig dargestellt, sondern zugleieh auch die wohl von den Agyptern
und den Babyluniern übernommene mystische Bedentung
der Drriheit überhaupt, welche in so mannigfacher Porm
im Schriftrum tiberliefert ist.
Der Gedanke allerdings, daß Pythagoras wegen seiner
hohen Bewertung der Dreizahl mit dem Semeinn Gamma
Zusammenfassung
Die vorstehenden Brörterungen suchen darzulegen, daß
die beiden Buchstaben £ und e, welche als besondere
Kennzeichen den Namen zweier berühtnter alexandrinischer Celehrten beigefügt wurden, als Bildzeichen zu verstehen sind.
Diese Bildzeichen beziehen sich offenbar auf diejenigen
geometrischen Figuren, welche die bedeutungsvollsten
Leistungen der beiden Mathematiker und Astronomen
erläutern. Bei Eratosthenes von Cyrene handelt es sich
des üblichen Alphabets ist, erscheint weder mit der Überum das Schema für die Errechnung des Erdumfanges auf
Grund von Sonnenstandsmessungen mit Gnomon und
lieferung von Ptolemaeus Chennus noch mit denjenigen von Aristoteles und Joannes Lydus vereinbar. Wohl aber weisen die Worte des letzteren unmittel-
Perge handelt es sich um das Schema für die Ableitung
der scheinbaren Planetenbahnen am Himmel mit Hilfe
ausgezeichnet worden sei, weil dieses der dritte Buchstabe
bar auf eine bildmäßige Analyse hin.
Stellt man nun diese Betrachtungsweise wieder in den
Vordergrund, so kommt man sofort zu einem brauchbaren
Zusammenklang.
Die von Joannes Tydus erwähnte unmittelbare Verknüpfung des Trinitätsgedankens mit dem rechtwinkligen Dreieck tritt nämlich besonders klar hervor, wenn
Plutarchus in seiner Schrift uber Isis und Osis [91]
bei der Erwähnung cles ,,gamelion diagramma, des als
.Geburisdreieck oder Ehesymbol berühmten pythagoreischen Dreiecks mit den Seitenlängen drei, vier und
fünf, die vertikale Kathete (3) als männlich, die horizontale (4) als weiblich und die sie verbindende Hypotenuse
(5) als den Sprößling bezeichnet, wobei er als Sinnbild
Skaphe in Alexandria und Syene. Bei Apollonius von
der Epizykeltheorie, also durch die Annahme eines Zusammenspieles zweier Kreisbewegungen.
Die Ableitung und Anerkennung der beiden als Kurznamen verwendeten Buchstaben erfolgte wahrscheinlich
im Museion zu Alexandria. Vom Beta als dem Kurznamen für Eratosthenes Cyrenaeus wird ausdriicklich bezeugt, daß er von den Vorstehern des Museions
eingeführt worden sei (Marcianus Heracleota fuBend
auf Menippus Pergamenus). Das Epsilon für
Apollonius Pergaeus, welcher etwa zur gleichen Zeit
am gleichen Orte wirkte, wird wenigstens von einem
Alexandriner (Ptolemaeus Chennus) überliefert und
dürfte daher gleicher Herkunft sein.
Der Zweck der Buchstabenwahl ist darin zu erblicken,
dieser Dreiheit Osiris, Isis und den jungen Horus nennt.
daß für Wort und Schrift eine bequeme Bezeichnung
Damit wird es ohne weiteres selbstverständlich, daß cin
Delta, das Sinnbild eines Dreiecks schlechthin, als
geschaffen werden sollte, welche bei größter Kürze jeg-
Semeion für Pythagoras gar nicht in Betracht kam.
Außerdem ist zu bedenken, daß das Delta wegen einer
bildhaften Sonderbedeutung, nämlich zur Kennzeichnung
der regio pubica mulierum, wie sie Aristophanes [92]
erwähnt, als Semeion für einen Philosophen weniger
gecigniot war.
Unter diesen Umständen erscheint es auch ersparbar, den
Gedanken von Otfried Müller [93] wieder aufzugreifen,
daß bei Ptolemaeus Chennus statt eines Gamma wohl
ein Ypsilon zu lesen sei, weil Pythagoras den Lauf des
menschlichen Lebens mit einem Y verglichen habe und
weil das Y geradezu als gramma philosophon bezeichnet
liche Verwechslung mit (den vielen) anderen Trägern der
gleichen Eigennamen ausschloß. Die Bedeutung der
Buchstabennamen war den Zeitgenossen der jeweiligen
Namensträger oder der jeweiligen Namenspräger und
ihren Schülern selbstverständlich wohlbekannt. Im Laufe
der geschichtlichen Entwicklung riß dann aber, wie ja in
der Regel, die Tradition auch im Museion selber ab. Der
Charakter der Buchstabenbezeichnungen als sinnvoll
gewählter Ehrennamen wurde mit der Zeit vergessen. An
seine Stelle trat auf der einen Seite die den Epigonen
näherliegende Deutung als Spitzname mit spöttischem
oder herabsetzendem Beiklang, wie bei Eratosthenes
(Suidas). Auf der anderen Seite wurde, wie bei Apolwurde (94).
lonius geschehen, der Ehrenname fehlbezogen (Ptolemaeus Chennus) und verfiel daher als ungeeigmet der
Das Semeion des Pythagoras ist also zweifellos als
Vergessenheit.
Gamma (1) zu lesen, und die bildhafte Deutung dieses
Buchstabens wird unverkennbar durch die mystische
Erläuterung noch ergänzt und gestützt.
Der Versuch, sich in die Denkweise der Griechen einzufühlen, hat die Auffindung eines grundsätzlich neuen
Weges zur Erklärung der Kurznamen Beta und Epsilon
Auch in diesem Falle bewährt sich somit die Arbeitsfür Eratosthenes und Apollonius ermöglicht. Die
hypothese, daß es jeweils die bildliche Darstellung einer
Auslegung der beiden Kurznamen auf rein anschaulicher
wesentlichen Errungenschaft ihrer Forschungen gewesen
ist, welche den großen Mathematikern ihre Buchstabenbezeichnung eingetragen hat.
(90) Joanne: Laurentius Lydus: Liber de mensihus,
TI,8.= W.28.
[DI Plurarchus: De Tside et Osirile, cap. 56,
{92} Aristophanes, Lysistenta, vs. 151
[53] Roulez, Jos. Inu, Gisl.: Ptolemaci Hepbacstionis novarati
historiarunı ete, exeerptn. — Lipsiae, Aspuisgrani ot Bruxellis
ISSA Ip. 4, n. 0 und pe itis.
rekt Peoebus Diadochus: In Fiitanis Titnaetin commentaria,
IM, 225 D,
Basis hat dabei zu ihrer Verknüpfung mit den Großtaten
der beiden alexandrinischen Gelehrten geführt.
Durch die Aufklärung einer mathematischerseits bisher
unbeachtet gelassenen Bezeichnung von Pythagoras
als Gamma (Ptolemaeus Chennus) werden die angestellten Überlegungen in vollem Umfange bestätigt.
Die Tatsache, duB alle drei überlieferten BuchstabenSemeia großer Mathematiker mit Hilfe der gleichen Filfsannahme zwanglos aufgeklärt werden können, spricht
dafür, daß diese Hilfsannahme richtig ist. Als bewiesen
Page 10
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)kann dieschhe allerdings bislang noch nicht gelten, aber
solange nichts Besseres zur Verfügung steht, vermag
Marcianus Heracleenis, Epitome peripli maris interni.
Lib. I, cap. 2
vielleicht die Annahine, daß die Wahl der Semeia in den
vee vat pes” Exelvoy ‘Piozroodivns, bv B fra indheozy ol cod
Mougelov mpocravtes,
eo
5 . ..
drei besprochenen Fällen mit Rücksicht auf das Aussehen
des Buchstabenhildes erfolgt sei, zur Lösung eines alten
Rätsels beizutragen.
Zitiorte Quellen
Anonymus, Chrestornathiaee Strabonis libris,
Lib. I, cap. 20.
Martialis, M. Valerius, Epigrarnmaton libri.
Lib. V, ep. : Di
Quod alpha dixi Corde, pasnulatorum
Te nuper, aliqua cum iocarer in charta,
Si forte bilem movit hic tibi versus,
Dieas licebit beta me togatorum.
"Ost 'EsucesSives obte tay dradiitov Fv ote vóv voral:
Plato (Pseudo-), Rivales (Avsrzzocei).
pihosupstuteay:
85 val Bijt a Bradeivo, ook Bevrepeld. pige
7
doray in À radon watdelg:
Cap. IV = St. 135/136.
Aristophanes, Lysistrata,
Vs. 151.
Yuuval mugler DERTA MAGRTETLAMEVIL...
Aristoteles, De coelo.
Lib. T, cap. 1 = B.268a.
peel don; dì <4 wiv do’ By veh, <6 & El din éxizedov, 7b 8
èrì pix coun. val muckcadre 00% For Gro piyes Jos dri cò cà
ls novi
daro yao cuor zal of TlodsÈ révra volg sptol betere:
Aristoteles, Ars rhetoriea.
Lib. J, cap.5 = B. 1361 Db.
(135 E) Soxets yap por Aya dou Eu 77 Ayaniy eloly of af rTudor meds cod Spaying À cos redento. zul vio èuzivo.
zobrwv wiv delmoyrzı vati Th sobre Mx zul Sobtepni cio.
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Cap. IX = St. 138.
(138 D) móregov ov zal rest catica Adyausy, fon». (138 E)
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Exew
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Plinius Secundus, C., Naturalis historia.
Lib. II, cap. 108, sect. 112, $ 247.
ux... ob térrub
or KEN totot, Ev, meds Plav zalrpds Tdyos
Gua neoivuciv...
Diogenes Laertius, Vitae philosophorum.
Lib, IX, cap. 7 (Democritus).
„val Fy Gs deeds by oiocogly mérrañioc hero
yas a goewd val tà we DIL val ra padqpatina zul cobs
éyrvrMou: you zal real Teyvövnäcav clyev Eureiplav.
Dionysius Cyzicenus,
In Eratosthenem.
Anthol. Palat. Lib. VIL. epigr. 78.
... dinga pepmuvious, Epuréodevec:.
Helladius
Besantinous, Chrestomathiae.
(Lib. II) = B. 1584.
Ert, prol, (KuytXuv) rod Protos Kopivdou 5 wine, rovi
(win Hevlovag Suykrro) 82 Apolovos, uodoBarépe oxdQousa
tO Eri:o noll, Ad Pda èundzizo.
universum autem cireuttum [lerrac] Fratosthenes, in omnium quidem Litterarum subtilitate, sed in hae utique practer
ceteros sollers, quem cunctis probari video, COLIT milion
stadiorum prodidit, ...improbum ausum, verum ita subtili argumentatione conprehensum ut pudeat non credere.
Lib. VI, cap. 29, sect. 34, § 171.
.…
res ingentis exempli locusque subiilitatis immensae,
mundo ibi deprehenso, cum indubitata ratione umbrarum
Érarosthenzs mensurani terrae piodere inde conceperit.
Plutarchus, De Iside et Osiride.
Cap. 56.
... Aiyorrious 8 dv 719 eiudoere cov TROY TE ANT
UINGTI TOTO Thy TOD zavrds bou dun
uooivia: © zal Dace
2
éy <7 Tlodicetz Bonet vore mpaorg;
1, TO Yauhhios dkYEXUUX GUYTÉTT ov. Eye à éxeive cò| ephyeaven zerv thy mpds
Öadtav, zal Terrdpov Thy Bow, zal névee chy Srorstyovesy,
Hippolytus, Refutatio omnium haeresium.
Lib. IV, cap. 10.
Tlegt ced vas 82 20294 76 rpôresov rà Lev oÖv dnoonhuata zal
Bin vay coushy chbres ’Apyiufône drodidwa, éréoes Sì
trip br ‘Innasye eignen zal evéows Arohhuvie co pad,purızö.
Joannes Laurentius Lydus, De mensibus.
Cap. TI, $ 8 = W. 28.
iov calc mepreyoboarg duvautvav. eluuoriov ou thy piv mods
dpdac dpoqu, Thv DE dow Onkelz, chy 82 Ozorelunsarr dyooty
Éyyéve, zal chy piv “Ootow os deri thy 88 “low ds brodozy, Tov SE "Opov de érorékecux"
Plutarchus, Mulierum virtutes.
Cap. XX, Kauue.
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Lucianus
Samosatensis, Longaevi (Maxpófrot.).
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Ptolemaeus(Hephaestionis) Chennus
Nova historia.
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