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Einleitung ..........................
I Aegypter. . . oo
1. Kapitel. Die Aegypter. Arithmetisches
2. Kapitel. Die Aegypter. Geometrisches
U. Babylonier . LL... n.
_ 8, Kapitel. Die Babylonier:
2 . . . . . . . our . . . ..
UIt Griechen 2... ...........,........
4, Kapitel. Die Griechen. Zahlzeichen. Fingerrechnien. Rechenbrett
5. Kapitel. Thales und die älteste griechische Geometrie . . .
6. Kapitel. Pythagoras und die Pythagoräer. Arithmetik , . .
7. Kapitel, Pythagoras und die Pythagoräer. Geometrie
8. Kapitel. Mathematiker ausserhalb der pytbagoräischen Schule
9. Kapitel. Mathematiker ausserhalb der pythagoräischen Schule.
Hippokrates von Chios . . . . .. . . . . . . . .. Fur
10, Kapitel. Platon 2... . . . en
11, Kapitel. Die Akademie. Aristoteles . . . , , . . , . . .
12. Kapitel, Alexandria, Die Elemente des Euklid crues
18, Kapitel. Die übrigen Schriften des Euklid . . ,°.
, , ..
14. Kapitel. Archimedes und seine geometrischen Leistungen
© 15. Kapitel. Die übrigen Leistungen des Archimedes . , . . .
‚ 16. Kapitel. Eratosthenes. Apollonius von Pergù,
Loe
17. Kapitel. Die Epigonen der grossen Mathematiker . , . . .
18. Kapitel, Heron von Alexandria . . . . . , .. ee
19, Kapitel. Heron von Alexandria (Fortsetzung) . . . . . . ,
20. Kapitel.: Geometrie und Trigonometrie bis zu Ptolemäus , .
1—16
17—72
19
52
73—104
76
105—482
"107
124
137
175 oma
24, Kapitel,
IV. Römer
25, Kapitel.
26. Kapitel.
mensoren
Die griechische Mathematik in ihrer Entartung. .
eee
eee eee eee
Aelteste Rechenkunst und Feldmessung . . . . .
Die Blüthezeit der römischen Geometrie. Die Agri-
.........
bios
188 mms —, 64 Le 5
201
222
244
263
280
295
312
333
347
0607
361°
378
21. Kapitel. Neupythagoräische Arithmetiker. Nikomachus. Theon
22. Kapitel. Sextus’ Julius Africanus. Pappus von Alexandria
23. Kapitel. Die Neuplatoniker. Diophantus von Alexandria . .
1869
409
427
457
483— 552
485
boo)
rennen
27. Kapitel, Die spätere mathematische Literatur der Römer .
Vv. Inder
2.2.2 onen.
28, Kapitel. Finleitendes, Elementare Rechenkunst nn
29. Kapitel. Höhere Rechenkunst, Algebra
80. Kapitel Geometrie und Trigonometrie
IN GESCmicne DER ANTACMAT e €
Page 2
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)O + 1 = 1 nicht beachten will
Geometrie.
-
159
Aber der Grieche jener alten Zeit
konnte diese Ueberlegung nicht anstellen, konnte, wenn sie ihm möglich gewesen wäre, die zweite Gleichung nicht denken.
auf den Zahlenbegriff der Griechen noch zurück.
Wir kommen
Gegenwärtig wissen
wir nur, dass die Null, für welche sie kein Zeichen hatten, ihnen
auch
keine
Zahl
einen der schon
war.
Wir
sind
darüber
genannten Arithmetiker
auf’s
Deutlichste
unterrichtet.
durch
Nikomachus
sagt uns, jede Zahl sei die halbe Summe der zu beiden Seiten gleich
weit von ihr
abstehenden Zahlen; nur
die Einheit bilde eine Ausnahme, weil sie keine zwei Nachbarzahlen besitze; sie sei darum die
Hälfte der einen unmittelbar benachbarten Zahl?).
So mussten .die Zahlen 9, 16, 25 und mit ihnen die Zahlen 3,
4, 5, deren Quadrate sie waren, welche ihre Ordnungszahlen in der
Reihe
der
Quadratzahlen
bildeten,
sein,
um
so
empfohlen
schon
anderweitig
dringender
bekannt waren.
als
mit
der Aufmerksamkeit
sein,
wenn
merkwürdigen
Dass dem so war,
darüber
zu vergewissern suchen.
empfohlen
dieselben
Zahlen
Eigenschaften
versehen
müssen wir
uns jetzt
|
|
7. Kapitel.
Pythagoras und die Pythagoräer.
Geometrie.
Wir sind an dem Punkte angelangt, wo wir die nur im Bilde
geometrische
Arithmetik
der
Pythagoräer
Geometrie in Verbindung treten sehen.
auf diesem Gebiete
abzusuchen,
was
mit
ihrer
eigentlichen
Wir haben demgemäss auch
unmittelbare
oder
mittelbare
Ueberlieferung dem Pythagoras und seiner Schule zuweist.
Zunächst
können wir
eine
ganze
Kenntnissen
zusammenfassen unter
Anlegung
der Flächen.
dem
Gruppe von
geometrischen
gemeinsamen
„Alterthümlich,
so
sagen
Namen
die
der
Schüler
des Eudemus, und Erfindungen der pythagoräischen Muse sind diese
Sätze, die Anlegung der Flächen, ihr Ueberschiessen, ihr Zurückbleiben,“ 7 ve mxgapody av Yogiav xai y Vrspfody xal y EAAsıyıg?).
So lautet der erläuternde Bericht des Proklus zu der euklidischen
Aufgabe
an
einer
gegebenen Graden
unter
gegebenem Winkel ein
Parallelogramm zu entwerfen, welches einem gegebenen Dreieck gleich
sei.
Desselben Wortes &AAsınsıv bei Anlegung von Flächen bedient
sich Platon in seinem Menon”), und Plutarch lässt an einer Stelle
) Nicomachus, Eisagog. arithm. I, 8 (ed. Hoche), pag. 14.
lus (ed. Friedlein) 419.
*) Platon, Menon pag. 87.
*) Prok-
Page 3
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)das Anlegen von Flächen, zagaß«4Asıv tov yootov, von Pythagoras
selbst herstammen’), während er an einer anderen Stelle sich folgendermassen ausdrückt: „Eines der geometrischsten Theoreme oder
vielmehr Probleme ist das, zu zwei gegebenen Figuren eine dritte
anzulegen — xagafalieu —, die der einen gleich und der anderen
ähnlich ist.
Pythagoras soll, als er die Lösung gefunden, ein Opfer
gebracht haben.
Und wirklich ist es auch feiner und wissenschaftlicher als das, dass das Quadrat der Hypotenuse
Katheten gleich ist“?).
Ueber
die
denen der beiden
genauere Bedeutung
der
drei
Wörter Parabel, Ellipse, Hyperbel bei Flächenanlegungen werden wir bei Besprechung der euklidischen Geometrie im 13. Kapitel
zu reden haben.
Für's Erste genügt die allgemeine aus den angeführten Stellen leicht zu schöpfende Ueberzeugung, dass es um die
Zeichnung von Figuren gegebener Art und gegebener Grösse
handelt.
sich
Solche Zeichnung ist aber unmöglich, wofern man nicht
mit den, Haupteigenschaften der Parallellinien und ihrer Transversalen, mit den hauptsächlichen Winkelsätzen der Planimetrie vertraut ist, wofern man nicht die Auffindung von Flächeninhalten,
deren Abhängigkeit von den die betreffende Figur bildenden Seiten
in richtiger Weise kennt.
In der ersteren Beziehung sind wir wieder in der günstigen Lage,
unsere Behauptung bestätigen zu können.
Die Pythagoräer verwandten die Parallellinien zum Beweise des Satzes von der
Winkelsumme des Dreiecks.
Wir sahen (8. 132), dass die thaletische Zeit, vielleicht Thales selbst, den Satz von der Winkelsumme
in dreifacher Abstufung an dem gleichseitigen, an dem gleichschenkligen, an dem unregelmässigen Dreiecke behandelte.
Eudemus lässt
durch die Pythagoräer den Satz für jedes beliebige Dreieck so bewiesen werden, dass durch die Spitze des Dreiecks die Parallele zur
Grundlinie gezogen und daraus die Gleichheit der Winkel an der
Grundlinie mit ihren an jener Parallelen hervortretenden Wechselwinkeln gefolgert wurde.
Einer jener Wechselwinkel wurde sodann
mit dem ursprünglichen Dreieckswinkel an der Spitze zu einem einzigen Winkel vereinigt, welcher selbst wieder den anderen Wechselwinkel als Nebenwinkel besass und mit ihm zusammen zwei Rechte
ergab*). '
|
Aus dieser Darstellung zeigt sich so recht deutlich an einem
besonders merkwiirdigen, in der Stufenfolge der Beweisfiihrungen uns
gliicklich erhaltenen Beispiele, wie die Wissenschaft der Geometrie
1) Plutarch, Non posse suaviter vivi secundum Epicur. cap. 11.
tarch, Conviviwm VIII, cap. 4. °) Proklus (ed. Friedlein) 879.
Page 4
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Geometrie.
sich entwickelte. Von dem Zerlegen des Satzes in drei Fälle stieg
man auf zur Behandlung des allgemeinen Falls, aber in diesem Aufwärtsstreben hielt man wieder ein.
dem Ausspruche,
die
besässen als Winkel,
haben, und die
Man erhob sich noch nicht zu
drei Winkel an
die je
einfach
einen
der früheren
Dreiecksspitze
Schenkel gemeinsam für zweie
auftretenden
äussersten
Schenkel
zu
einer
und derselben Geraden sich verlängern lassen, die Winkelsumme von
zwei Rechten.
Man mysste
vielmehr
neuen, diesen alsdann mit dem
erst
zwei
Winkel
dritten verbinden.
zu
einem
Freilich ist
der
letzterwähnte Fortschritt, den man noch nicht wagte, nach unserem
Gefühle, auch wohl nach dem Gefühle des Proklus, welcher wenigstens
von dessen Urheber uns nichts sagt, ein weit geringerer,
als der,
den man wirklich vollzog, und wir erkennen hier bewundernd den
„höheren Gesichtspunkt, von welchem aus Pythagoras, dem Mathematikerverzeichnisse (S. 137) zufolge, die Grundlage unserer Wissenschaft betrachtete“,
Wir haben auch die Nothwendigkeit betont, den Flächeninhalt
einer Figur aus den dieselbe bildenden Seiten in richtiger Weise
finden zu können.
Unseren mathematischen Lesern dürfte diese -Betonung überflüssig
erscheinen,
aber sie ist es nicht so ganz.
Bei
einem Volke von überwiegend geometrischer Begabung, wie es unstreitig das griechische war, konnte noch um das Jahr 400 v. Chr.
also zur Zeit Platons, einer der geistreichsten, tiefsten Geschichtsschreiber aller Jahrhunderte, konnte noch ein Thukydides so wenig
Bescheid wissen, dass er Inhalt und Umfang als proportional dachte,
dass er in Folge dessen die Fläche der Insel nach der zum Umfahren
nöthigen Zeit abschiitzte!).
Diese Unkenntniss auch hochgebildeter
Laien in einem
so
theoretisch
einfachen,
praktisch so
wichtigen
Kapitel der Planimetrie lässt sich dann weiter und weiter verfolgen.
Um 130 v. Chr. erzählt Polybius,
dass es Leute gebe,
begreifen könnten,
gleicher Umwallungslänge
dass Lager
bei
schiedenes Fassungsvermögen besitzen*).
die nicht
ver-
Quintilian, der römische
Schriftsteller über Beredtsamkeit in der zweiten Hälfte des ersten
nachchristlichen Jahrhunderts, gibt als dem Laien leicht aufzudrängenden Trugschluss
Inhalt
beweise*).
den
an,
dass
gleicher
Umfang
Vielleicht hatte Quintilian bei
seinen Zeitgenossen Plinius im Auge,
auch
gleichen
diesem Vorwurfe
welcher die
Grössenverhältnisse der Erdtheile durch Addiren ihrer Länge zu ihrer Breite ver-
1) Thukydides VI, 1
Hultsch), pag. 686.
(ed. Rothe), pag. 95.
? Polybius IX, 21
(ed.
°) Quintilianus, Institutio oratoria
I, 10, 39 figg. (ed.
Halm) pag. 62.
CANTOR, Geschichte der Mathematik I.
2. Aufl.
Page 5
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)glich*).
Proklus erzählt mit offenbarer Beziehung auf Vorkommnisse
seiner Zeit, also des V. S., dass Manche schon bei der Theilung von
Flächen ihre Gesellschafter über’s Ohr gehauen haben, indem sie eine
grössere Fläche mit Bezugnahme auf die Gleichheit des Umfanges
für sich beanspruchten”).
Steuerbeamte in Palästina liessen sich
gleichfalls um das V. 8. in solcher Weise täuschen, indem sie einem
Gemeindevorsteher, welchem als Steuer der Ertrag einer mit Weizen
zu besäenden Fläche von 40 Ellen im Quadrat auferlegt war,
verwilligten, er könne in zwei Abtheilungen jedesmal eine Fläche von
20 Ellen im Quadrat besäen, in der Meinung,
dann sei er seiner
Verpflichtung nachgekommen?), und ganz Aehnliches wird von einem
Araber des X. $. erzählt‘).
absichtlich durch einen
durch verfolgt,
Wir haben diese fehlerhafte Auffassung
längeren Zeitraum
und
durch Völker hinwelche einer Stetigkeit der Geistesrichtung als Beispiel dienen können, denn das mathematische, in Sonderheit das geometrische Denken der Römer, der späteren Juden, der Araber war
nicht anders als
griechisch.
Wir haben sie verfolgt,
um uns über
einen allgemeinen geschichtlichen Lehrsatz klar zu werden, dem wir
eine nicht geringe Tragweite besonders bei geschichtlich vergleichenden Forschungen beilegen.
Die Unwissenheit, so lautet unser Satz,
und das noch schlimmere falsche Wissen sind erblich
Was an unrichtigen Ergebnissen einmal gewonnen ist, das wird so leicht nicht
zerstört, das wird mit um so grösserer Zähigkeit festgehalten, je mehr
es unverstanden ist.
Nur die Menge
der Unwissenden und Halbwissenden wechselt, und in ihrer Beschränkung liegt das, was man
Fortschritt der Durchschnittsbildung nennt.
Der Flächenanlegung nahe verwandt und
mit ihr den Pythagoräern eigen ist die Lehre von den regelmässigen Vielflächnern,
angedeutet in den Worten des Mathematikerverzeichnisses: „Pythagoras ist es auch, der die Construction der kosmischen Körper erfand.“
Der Name
der
kosmischen Körper
bedarf der Erklärung.
Wie Aristoteles uns berichtet, war Empedokles von Agrigent in
Sicilien, ein Philosoph, der um 440, jedenfalls später als Pythagoras
lebte, der erste, der vier Elemente, Erde, Wasser, Luft und Feuer,
annahm, aus denen alles zusammengesetzt sei).
Vitruvius und andere
Gewährsmänner wollen, Pythagoras habe schon vorher das Gleiche
1) Detlefsen,
Die Maasse
der Erdtheile nach Plinius.
Programm
des
Glückstädter Gymnasiums für 1883. S. 6-7 mit Berufung auf Plinius, Histor.
natur. VI, 208.
?) Proklus (ed Friedlein), pag. 237.
*) Jerusalem.
Talmud
Sota 20a nach Zuckermann, das Mathematische im Talmud. Breslau, 1878,
S, 43, Note 58. *) Dieterici, Die Proprädeutik der Araber im X, Jahrhundert,
5) Aristoteles, Metaphys I, 4.
Page 6
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)ausgesprochen').
Geometrie.
163
Wir haben eine Wahl zwischen beiden Meinungen
hier nicht zu treffen.
Jedenfalls übernahm Timäus von Lokri aus
der einen oder anderen Quelle die Lehre, wie der nach ihm benannte
platonische Dialog erkennen lässt.
Timäus erläutert die Entstehung
der Welt, setzt das Vorhandensein der vier Grundstoffe auseinander,
gibt denselben besondere Gestalten?).
Das Feuer trete als Tetraeder
auf, die Luft bestehe aus Oktaedern, das Wasser aus Ikosaedern, die
Erde aus Würfeln, und da noch eine fünfte Gestaltung möglich war,
so habe Gott diese, das Pentagondodekaeder benutzt, um als Umriss
des Weltganzen zu
sprechend
dienen’).
Diese
kosmische Körper
als
fünf Körper heissen dem entzum
Kosmos
in
nothwendiger
den
atomistischen
Beziehung stehend.
Die
Geschichte
der
Mathematik
entnimmt
Versuchen jener ältesten Lehren dieser Art die wichtige Wahrheit,
dass
Timäus
die
fünf
regelmässigen
Körper
kannte
Ob
er
ahnte, dass es wirklich keinen sechsten regelmässigen Körper gebe,
ob er ohne auch nur die Frage nach einem solchen zu erheben sich
mit Verwerthung der nun einmal bekannten Körperformen begnügte,
wissen wir
nicht.
Wahrscheinlicher
däucht
uns
das
letztere,
und
nun gar einen Beweis der Unmöglichkeit eines sechsten regelmässigen
Körpers in so früher Zeit anzunehmen, würden wir auf's Entschiedenste
Schwierigkeit
diejenigen
Kenntnisse, welche wir als Timäus geläufig bezeichneten,
ablehnen
müssen.
Dagegen
hat
es
keine
d. h. die
Gestalt der fünf regelmässigen Körper bis in jene Zeit, auch wohl
darüber hinaus zu verfolgen*).
Körper wie der Würfel, das Tetraeder, welches nichts anderes
als eine Pyramide mit dreieckiger Grundfläche, das Octaeder, welches
eine Doppelpyramide mit quadratischer Grundfläche ist, müssen noch
weit über das Zeitalter des Pythagoras zurück sich als den Aegyptern
bekannt vermuthen lassen.
Wer bei ihnen Jahre lang verweilte, ja
wer nur kurze Zeit die Baudenkmäler ihres Landes in Augenschein
nahm, dem ist die Kenntniss auch jener Körper mit Nothwendigkeit
zuzusprechen, und dass die Pythagoräer kein Bedenken trugen, was
ihr Lehrer wusste, als seine Erfindung zu verehren, wurde schon erwähnt.
Auch das Ikosaeder und nicht minder das Dodekaeder muss
wohl oder übel den Pythagoräern bekannt gewesen sein.
Sonst könnte
mn
1) Vergl. Chaignet II, 164 figg.
*) Vergl. Th. H. Martin, Études sur le
Timée de Platon I, 145 figg. und II, 234— 250.
nimmt an,
°) Zeller I, 350, Anmerkung 1
das Dodekaeder sei nicht die Gestalt des Weltganzen, sondern des
Aetheratoms,
d.
h.
äusseren Schichten.
des kleinsten
Theiles
der
das Weltganze
umgebenden
“) Das hier Folgende wesentlich nach Bretschneider $. 86
Page 7
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre). nicht Philolaus schon von den fünf Körpern in der Kugel reden!),
sonst wiirde nicht das alte Mathematikerverzeichniss nebst anderen
übereinstimmenden Berichten*) so deutlich sämmtliche kosmische oder
regelmässige Körper
als pythagoräisch
bezeichnen.
Möglicherweise
haben wir den Verlauf der Entdeckung jener Körper so zu denken,
dass man zuerst nur von Würfel,
dann
das
Ikosaeder,
Tetraeder, Oktaeder wusste,
zuletzt erst,
wenn
Timäus, das Dodekaeder hinzutrat.
auch jedenfalls
noch
dass
vor
Mit dieser Annahme würde die
Schwierigkeit sich lösen, dass die ursprünglich jedenfalls in Vierzahl
angenommenen Grundstoffe mit den fünf Körpern nur sehr künstlich
in Verbindung zu bringen sind.
Körper
sich
mit vier
gepaart
Elementen
haben,
und
Es würden nämlich
durch
zunächst vier
einen naturgemässen
zu dem
nachträglich
Gedanken
gefundenen
fünften
Körpergvürde dann eine kosmische Bedeutung erst gesucht worden sein.
Mit dieser Annahme würde auch die Erzählung des Jamblichus*)
sich decken, dass Hippasus, ein Pythagoräer, der das Pentagondodekaeder der Kugel zuerst einschrieb und
veröffentlichte,
dieser Gottlosigkeit im Meer umgekommen sei.
wegen
Er habe den Ruhm
der Entdeckung davongetragen, „aber es sei das Eigenthum JENES,
so bezeichnen sie nämlich den Pythagoras und nennen ihn nicht bei
Namen“.
Man
würde
vielleicht
eine
grössere
wortung dieser Fragen erlangen,
wenn
Sicherheit
in
der Beantman Alter und Herkunft
eines noch vorhandenen Bronzedodekaeders zu bestimmen im Stande
wäre).
Mit den Angaben über die fünf Körper im engsten Zusammenhange stehen die über die Kugel, in welche jene beschrieben gedacht
sind, und welche demzufolge nebst einigen ihrer Eigenschaften gleichfalls den Pythagoräern bekannt gewesen sein muss.
In demselben Zusammenhange erscheinen Angaben, welche sich
auf die Grenzflächen jener Körper,
auf die regelmässigen Vielecke, als Dreiecke, Vierecke, Fünfecke beziehen, und denen wir uns
nunmehr zuzuwenden haben.
Wir kehren damit zur Flächenanlegung
zurück, deren Verwandtschaft zur Lehre von den Vielflächnern wir
oben zunächt unerwiesen behauptet haben.
Platon lässt seinen Timäus über die
Entstehung
der
regelmässigen
Vierecke sich
aussprechen.
Er
sagt,
1) Boeck,
Wyttenbach,
8)
Jamblichus,
Philolaus fragm. 21,
diese
8. 160.
Ausgabe von Platon’s Phädon.
Vita
Pythagorica 88.
Dreiecke
Figuren
und
setzten ihre
Chaignet I, 248.
*) Vergl.
Leiden, 1810, pag. 304—307.
*) Vergl.
verschiedene
Notizen von
Graf Leopold Hugo in den Comptes Rendus der pariser Akademie der Wissenschaften.
Bd. LXXVII
Page 8
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Fläche
immer
aus
rechtwinkligen
Geometrie.
Dreiecken
165
zusammen,
und
zwar
entweder aus solchen, welche zugleich gleichschenklig sind, oder aus
solchen, deren spitze Winkel, der Eine einem Drittheil, der Andere
zwei
Drittheilen
gleich sind.
des
rechten Winkels
Das hat nun offenbar seine
\
Richtigkeit, indem das Quadrat in zwei
À
oder vier Dreiecke der ersten Art
4 N
Fig. 23.
(Figur 23), das gleichseitige Dreieck in
zwei oder sechs Dreiecke der zweiten Art (Figur 24) zerlegt werden
kann.
Uebereinstimmend damit, aber sicherlich einer anderen Quelle
als dem platonischen Timäus, über dessen
Angaben er hinausgeht, folgend sagt Pro-
N
klus, es sei ein pythagoräischer Lehrsatz,
|
dass die Ebene um einen Punkt herum /
durch
sechs
fo
|
|
\
Fig. 24.
gleichseitige Dreiecke,
vier Quadrate oder drei regelmässige Secksecke vollständig
erfüllt werde, so dass nur diese Figurengattungen zur gänzlichen
Zerlgung einer Ebene in lauter identische Stücke Benutzung finden’).
Wir wollen daran anknüpfend nur erinnern, dass wir schon ($. 133)
die Kenntniss solcher um einen Punkt herumliegenden sechs gleichseitigen Dreiecke wahrscheinlich zu machen suchen musten, und dass
folglich rückwärts die Angabe des Proklus
unsere dortigen Behauptungen zu stärken im Stande ist.
Wie verhält es sich aber gegenüber der Zerfällung der Grenzflächen der vier ersten Körper mit der Grenzfläche des fünften und
letzten, mit dem regelmässigen Fünfecke? Das Fünfeck ist, wie
leicht ersichtlich, mittels der beiden rechtwinkligen Dreieckchen, die
wir nach der Vorschrift des Timäus für die Herstellung von Dreieck
und Viereck benutzten, nicht zusammenzusetzen, eine Zerlegung in
eben solche kann mithin nie gelungen sein.
Wohl aber dürfen wir
erwarten, Spuren verfehlter Versuche anzutreffen, und diese fehlen
nicht.
Plutarch hat
an zwei
Stellen von
der Zerlegung
der das
Dodekaeder begrenzenden Fläche in 30 Elementardreiecke gesprochen,
hat das eine Mal hervorgehoben, dass somit alle 12 Flächen 360 Dreieckchen liefern, gleich an Zahl mit den Zeichen des Thierkreises?),
hat das andre Mal bemerkt, es solle, wie man sage, das Elementardreieckchen
des
Dodekaeders
von
Ikosaeders verschieden sein”).
dem
des
Tetraeders,
Oktaeders,
Ein anderer Schriftsteller des IL S.,
Alkinous, hat in seiner Einleitung zum Studium des Platon gleich-
) Proklus
Platon. V.
(ed.
Friedlein)
304— 305.
*)
Plutarchus
* Plutarchus, De silentio oracul. cap. 33).
Quaest.
Page 9
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)falls von
den
360 Elementen gesprochen,
welche
erzeugt werden,
indem jedes Fünfeck in 5 gleichseitige Dreiecke, jedes
in
6
ungleichseitige
zerfalle').
Nimmt
man nun
von diesen
diese
Zerlegung
wirklich vor (Figur 25), so tritt aus
dem Gewirre der Linien am deutlichsten
das Sternfünfeck heraus, welches demnach für sich schon ein Zeugniss der
\/
versuchten Zerlegung des Fünfecks in
Elementardreiecke ablegt.
Fig. 25.
Fig. 26.
Das Sternfünfeck (Figur 26) soll aber den Pythagoräern Erkennungszeichen gewesen sein.
zu den Wolken des Aristophanes
Lucian und der Scholiast
berichten darüber gleichmässig”?).
Briefe pflegten mit irgend einer ständigen Anfangsformel eingeleitet
zu werden.
Die Einen schrieben: Freue Dich, yargev, die Anderen
mit Platon:
Sei glücklich in Deinen Handlungen, sv zoarrsıv, die
Pythagoräer: Sei gesund, vyiatverr.
Gesundheit heisst auch bei ihnen
das
gegenseitige
dreifache
Dreieck,
das
durch
Verschlingung
das
Fünfeck erzeugt, das sogenannte Pentagramm, dessen sich die Glieder
des Bundes als Erkennungszeichens bedienen.
Unter allen Umständen ist diese seltsame Bedeutung, welche die
freilich auch seltsame Figur des Sternfünfecks bei den Pythagoräern
besass, eine Unterstützung der kaum mehr bestrittenen Vermuthung,
dass das regelmässige Fünfeck von den Pythagoräern selbst entdeckt
worden sei.
Dass diejenigen,
welche dasselbe als Grenzfläche eines
Körpers verwertheten, es gekannt haben müssen, bedarf keines Beweises, aber woher sollten sie es entnommen haben? Wir erinnern
daran, dass wenigstens unter den Abbildungen aus 'ägyptischer , wie
aus chaldäischer Vorzeit, welche wir vergleichen konnten,
ein regelmässiges Fünf- oder Zehneck, eine Zerlegung der Kreisfläche in Ausschnitte nach irgend einer durch fünf theilbaren Anzahl nicht vorkommt (8. 67 und 101).
Wir machen ferner darauf aufmerksam?),
dass die Einzeichnung des Fünfecks in den Kreis geometrisch genau
erst dann erfolgen konnte, als der Satz von den Quadraten der Seiten
des rechtwinkligen Dreiecks,
als zugleich auch der
goldne Schnitt
bekannt geworden war.
Der goldne Schnitt spielte in der griechischen Baukunst der
perikleischen Zeit eine nicht zu verkennende Rolle.
1) Alcinous, De doctrina Platonis (ed. Lambinus).
Das
ästhetisch
Paris, 1567, cap. 11.
2) Beide Stellen sind vielfach abgedruckt, z. B. bei Bretschneider $. 85—86.
5) Bretschneider S. 87 hat diese gewiss richtige Bemerkung muthmasslich
zuerst gemacht.
Page 10
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Geometrie.
wirksamste Verhältniss, und das ist das stetige, ist in den athenischen
Bauten aus den Jahren 450—430 aufs Schönste verwerthet*).
Wir
können bei solcher Regelmässigkeit des Auftretens nicht an ein instinktives Zutreffen glauben, am wenigsten, wenn wir des eben berührten geistigen Zusammenhangs zwischen goldnem Schnitte, regelmässigem Fünfecke und pythagoräischem Lehrsatze gedenken.
Bevor wir zu diesem letzteren uns wenden, müssen wir?) noch
einem längere Zeit viel verbreiteten Irrthume begegnen.
Diogenes
Laertius berichtet: „Unter den körperlichen Gebilden, sagen die Pythagoräer, sei die Kugel, unter den ebenen der Kreis am Schénsten“*),
Man hat daraus entnehmen wollen, Pythagoras oder doch seine Schule
hätten auch die Grundlage zu der Lehre von den
Raumgebilden
gelegt.
Man
ist
dabei
Deutung jenes Satzes abgewichen.
gewiss
isoperimetrischen
von
der
richtigen
Es sollte damit ein eigentlicher
geometrischer Lehrsatz überhaupt nicht ausgesprochen werden.
Nur
die gleichmässige Rundung erhielt in
das
den
gemeldeten
Worten
gebührende Lob.
Den gemeinsamen,
bedeutsamen
für Arithmetik und Geometrie gleichmässig
Schlussstein
unserer Untersuchungen über Pythagoras
und seine Schule bildet nunmehr der nach dem Lehrer selbst benannte Satz vom rechtwinkligen Dreiecke.
Nicht als ob wir in ihm
auch den Schlussstein des von den Pythagoräern aufgeführten mathematischen Gebäudes vermutheten.
Keineswegs.
Wir haben vielmehr
schon gesehen und werden noch weiter sehen, dass unter den schon
besprochenen geometrischen Dingen einige nicht gut.anders als in
Folge des Satzes vom rechtwinkligen Dreieck aufgetreten sein können.
Die Beziehung des regelmässigen Fünfecks zu diesem Satze ist erst
erwähnt.
dass
Die Elementardreieckchen des Timäus dienen als Beweis,
die Pythagoräer
denjenigen sonderbaren rechtwinkligen
Dreiecken ihre Aufmerksamkeit zuwandten, welche in dieser physikalischgeometrischen Eigenschaft
Verwerthung fanden.
Das
war einmal
dasjenige Dreieck, dessen beide Katheten je eine Längeneinheit als
Maass besitzen,
das
war
zweitens
dasjenige,
dessen
Hypotenuse
doppelt so gross ist, als die kleinere Kathete, so dass also 1 und 2
die Maasse dieser beiden Seiten bezeichnen.
Wir haben uns (8. 142) schon darüber ausgesprochen, dass wir
für den Satz vom rechtwinkligen Dreieck Pythagoras selbst als den
1 Vergl. Zeising’s verschiedene Schriften, über welche mit für den mathematischen Leser genügender Ausführlichkeit S. Günther in der Zeitschr. Math.
Phys.
XXI,
histor-literar. Abthlg.
S. 157--165
berichtet hat.
rührt die richtige Ansicht von Bretschneider 8. 89—90 her.
Laertius VIII, 19.
?) Auch
hier
*) Diogenes
Page 11
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Entdecker betrachten, und uns wesentlich auf den Bericht bezogen,
diejenigen, welche‘ Alterthümliches erkunden wollten, führten den
Satz
auf Pythagoras
zurück.
Der
in
Euklid’s
Elementen
vorgetragene Beweis dagegen, derselbe Beweis, der auch heute noch der
bekannteste ist, bei welchem die Quadrate über die drei Dreiecksseiten
nach aussen hin gezeichnet werden und das Quadrat der Hypotenuse
durch eine von der Spitze des rechten Dreieckswinkels auf die Hypotenuse gefällte gehörig verlängerte
Senkrechte in
zwei Rechtecke
zerfällt, von denen jedes dem ihm benachbarten Kathetenquadrate
flächengleich ist, dieser Beweis rührt nach Proklus’ ausdrücklicher
Aussage von Euklid selbst her.
rechtwinkligen Dreieck als Satz
(S. 160).
Dass Plutarch’)
den Satz vom
des Pythagoras kennt,
wissen wir
Der Rechenmeister Apollodotus oder Apollodorus, wie
Diogenes Laertius denselben nennt*), erzählt in Versen von dem
Stieropfer, welches Pythagoras gebracht habe, als er den Satz von
den Quadraten der Hypotenuse und der Katheten entdeckt hatte.
Nicht wenige
Schriftsteller
sind
in
ihren Angaben bezüglich des
Satzes in einer wesentlichen Beziehung genauer, indem sie den Namen
des Pythagoras mit demjenigen
rechtwinkligen Dreiecke in Verbindung bringen, dessen Seiten die Maasszahlen 3, 4, 5 besitzen.
Am
deutlichsten ist in dieser Beziehung Vitruvius, in dessen im Jahre
14 n. Chr. verfasster Architektur ausdrücklich berichtet wird, dass
Pythagoras einen rechten Winkel mit Hilfe der drei Längenmaasse
3, 4, 5 zu construiren lehrte, und dass ebenderselbe erkannte, dass
die
Quadrate ‚von
3 und von 4
dem von 5
gleich
seien‘).
Eine
Plutarchstelle, in welcher dasselbe Dreieck besprochen wird’), ist
uns (S. 147) schon vorgekommen.
tons
Staate
eine Rolle.
Dasselbe Dreieck spielt in Pla-
Und wenn wir auf ganz
späte Zeiten zu
dem Zwecke herabgehen dürfen, um mindestens zu zeigen, dass die
Ueberlieferung der Ueberlieferung sich erhalten hat, so möchten wir
als letzten Gewährsmann einen Glossator vom Anfange des XII. S.
nennen, der vom pythagoräischen Dreiecke redend das mit den Seiten
3, 4, 5 unter diesem Namen versteht).
Wir glauben nun, dass die Wahrheit, welche jener Ueberlieferung
zu Grunde liegt, darin besteht, dass Pythagoras an dem Dreiecke 3, 4, 5
seinen Satz erkannte.
„Schwerlich leitete den Pythagoras das nach
ihm benannte geometrische Theorem auf seine arithmetischen Sätze,
1) Proklus
(ed. Friedlein)
$) Diogenes Laertius VII, 12.
Iside et Osiride 66.
426.
?) Plutarchus,
*) Vitruvius IX, 2
Convivium VIII, 4.
°) Plutarchus, De
°) Cantor, Die römischen Agrimensoren und ihre Stellung
in der Geschichte der Feldmesskunst.
Leipzig, 1875, S. 156 und Note 288,
verweisen künftig auf dieses Buch unter dem Titel „Agrimensoren“,
Page 12
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Geometrie.
sondern umgekehrt mögen ihn die Beispiele zweier Quadratzahlen,
deren Summe wieder eine Quadratzahl ist, auf die Relation zwischen
den Quadraten der Seiten eines rechtwinkligen Dreiecks aufmerksam
gemacht haben“').
So drückte sich ein deutscher Gelehrter bereits
1833 aus, welcher vermuthlich zuerst diese, wie wir glauben, richtige
Anschauung von dem Entwicklungsgange sich aneignete.
bemerkte, meinen wir, dass 9 + 16 = 25 (8.158).
Pythagoras
Als er diese unter
allen Umständen interessante Bemerkung machte, kannte er bereits,
gleichviel aus welcher Quelle, die Erfahrungsthatsache, dass ein rechter
Winkel durch Annahme der Maasszahlen 3, 4, 5 für die Längen der
beiden Schenkel und für die Entfernung der Endpunkte
construirt werde.
derselben
Wir haben (8. 64) darauf hingewiesen, dass die
Aegypter, (S. 102) dass die Babylonıer vielleicht die gleiche Kenntniss
besassen, dass die Chinesen ihrer sicherlich theilhaftig waren.
chinesischer Schriftsteller hat nämlich
gesagt:
rechten Winkel in
so ist eine
seine Bestandtheile,
„Zerlegt man
Ein
einen
die Endpunkte
seiner Schenkel verbindende Linie 5, wenn dıe Grundlinie 3 und die
Höhe 4 ist“?)., Die geometrische und die arithmetische Wahrheit
vereinigten sich nun in dem Bewusstsein des Pythagoras zu einem
gemeinschaftlichen Satze.
Der Wunsch lag nahe zu prüfen, ob auch
bei anderen rechtwinkligen Dreiecken die Maasse der Seiten zu Quadratzahlen erhöht das gleiche Verhalten bieten.
setzung war
die
des
gleichschenklig
Die einfachste Vorausrechtwinkligen Dreiecks,
Höhe und Grundlinie gleich der Längeneinheit waren.
nuse wurde
gemessen.
Längeneinheiten.
Sie war
grösser als eine,
wo
Die Hypotekleiner als zwei
Die mannigfaltigsten Versuche mögen
darauf angestellt, andere und andere Zahlenwerthe für die gleichen Katheten
eingesetzt worden sein, um eine Zahl für die Hypotenuse zu erhalten.
Vergebens.
Man erhielt wahrscheinlich Zahlen,
die dem gesuchten
Maasse der Hypotenuse nahe kamen, Näherungswerthe von Y2
würden wir heute sagen, aber es war noch ein Riesenschritt, von der
Fruchtlosigkeit der angestellten Versuche auf die aller Versuche überhaupt' zu schliessen, und diesen Schritt vollzog Pythagoras.
Er fand, dass die Hypotenuse des gleichschenkligen rechtwinkligen
Dreiecks mit messbaren Katheten selbst unmessbar sei, dass sie durch
keine Zahl benennbar, durch keine aussprechbar sei’); er ent1) So Jul. Fr. Wurm schon 1833 in Jahns Jahrbüchern IX, 62.
Meine
denselben Grundgedanken einzeln durchführende Darstellung in den Math. Beitr.
Kulturl. ist
1863
entstanden, ohne dass ich Jahns Aufsatz
kannte.
Biernatzki, Die Arithmetik der Chinesen in Crelle's Journal. Bd. 62.
und
&4oyov
sind die
?) Vergl.
*) éntér
griechischen Namen für Rationalzahl und Irrationalzahl;
&loyoy heisst sowohl ohne Verhältniss als ohne Wort d. h. nicht aussprechbar.
Page 13
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)deckte
das Irrationale, worauf das alte Mathematikerverzeichniss
ein so sehr berechtigtes Gewicht legt.
Er entdeckte es grade an der
Hypotenuse des gleichschenkligen rechtwinkligen Dreiecks, wie aus
mehr als nur einem Umstande wahrscheinlich gemacht werden kann.
So erzählt uns Platon, der Pythagoräer Theodorus von Kyrene,
der ihn selbst in der Mathematik unterrichtet hatte, habe bewiesen,
dass die Quadratwurzel aus 3, aus 5 und anderen Zahlen bis zu 17
irrational sei!).
Von der Irrationalität der Quadratwurzel aus 2 ist
dabei keine Rede;
diese
muss
also
vorher
bekannt gewesen
sein.
Aristoteles weiss dagegen an vielen Stellen von der Irrationalität der
Diagonale des Quadrates von der Seite 1 zu reden, und sagt einmal
gradezu, der Grund dieser Irrationalität liege darin, weil sonst Grades
und Ungrades gleich sein müsste’).
aber Euklid.
Er
Den Sinn dieser Worte erläutert
gibt nämlich folgenden Beweis,
den wir nur so
weit abgeändert haben, dass wir Euklids Worte in moderne Zeichensprache umsetzten?).
Es sei AI zu AB (Figur 27) commensurabel
und verhalte sich in kleinsten Zahlen wie a zu $;
A
folglich muss
wegen
sicherlich > 1 sein.
AT
> 4B
Weiter folgt
auch
«> Pß und
AI”: AB? = q? : 6?
und wegen 41”? =248B* auch a* =2f*, folglich a?
und mit dieser Zahl zugleich auch a eine grade Zahl.
A
|
r Die zu «a theilerfremde f muss daher ungrade sein.
De”
Die grade a sei = 2y, so folgt a? =4y?
Es war
a” = 287, mithin ist 28? =4y?, $? — 2," grad und auch f grad,
was mit dem eben bewiesenen Gegentheil einen Widerspruch bildet,
der zur Aufhebung der Annahme führt, als könne die Diagonale mit
der Quadratseite ın einem rationalen Zahlenverhältnisse stehen.
Man
sieht, das muss der Beweis gewesen sein, an welchen Aristoteles bei
seiner Aeusserung dachte.
über Aristoteles
Es ist also ein Beweis, dessen Alterthum
hinaufreicht,
und der, nach der kurzen Weise, in
welcher dieser ihn andeutet, zu schliessen, den Lesern des Aristoteles
zur
Genüge bekannt
sein
musste.
Wir gehen
deshalb
vielleicht
nicht zu weit, wenn wir grade diesen Beweis als einen hergebrachten
ansehen, als denjenigen, der in der alten pythagoräischen Schule geführt wurde, mag ihn Pythagoras selbst oder einen seiner unmittelbaren Schüler und Nachfolger ersonnen haben.
War in der That
die Diagonale
des
Quadrates
als irrational,
die Diagonale des Rechteckes mit den um eine Längeneinheit verschiedenen Seiten 3 und 4 als rational, nämlich mit der Länge 5,
bekannt, dann war es möglich, dass man auch Quadrat und Hete1) Platon, Theaetet 147,D.
8) Euklid X, 117.
*) Aristoteles, Analytica prot. I, 23, 11.
Page 14
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Geometrie.
romekie als diejenigen Gegensätze in die pythagoräische Kategorientafel, welche uns durch Aristoteles bekannt geworden ist, aufnahm,
die den sonst dort fehlenden Gegensatz des Rationalen und Irrationalen
ersetzen sollten‘).
Wir haben eine solche von der unsrigen zunächst
abweichende Erklärung angekündigt (S. 150) und nicht ganz von
der Hand gewiesen.
Allein sie vollkommen uns anzueignen, auch in
der Verbindung mit unserer eigenen Vermuthung, die wir dort als
nothwendig
betonten,
vermögen
wir
trotz
eines
unterstützenden
Grundes, auf welchen wir im 11. Kapitel zu reden kommen, doch
nicht.
Es könnte nämlich grade das Fehlen des Gegensatzes des
Rationalen und des Irrationalen in der Kategorientafel als bezeichnend
betrachtet werden müssen.
Nach einem alten Scholion zum X. Buche der euklidischen Elemente,
pflegt?),
welches
man
in neuerer Zeit dem Proklus
dürfte diese Annahme eine
nicht
zuzuschreiben
ungerechtfertigte
sein.
„Man sagt, dass derjenige, welcher zuerst die Betrachtung des Irrationalen aus dem Verborgenen in die Oeffentlichkeit brachte, durch
‘einen Schiffbruch umgekommen sei, und zwar weil das Unaussprechliche und Bildlose immer verborgen
werden
sollte, und dass
der,
welcher von Ungefähr dieses Bild des Lebens berührte und aufdeckte,
an den Ort der Entstehung’) versetzt und dort von ewigen Fluthen
umspült
wurde
Solche
Ehrfurcht
hatten
diese Männer vor. der
Theorie des Jrrationalen.“
Das Mystische dieser Erklärungen stimmt allerdings durchaus zu
den übrigen philosophischen Floskeln des Proklus und sie sind offenbar pythagoräischer Ueberlieferung entnommen.
Mystisch war, das
ist wieder einer der allseitig anerkannten Punkte, der ganze Pythagoräismus, und wir dürfen vielleicht hier als an dem geeignetsten
Orte
darauf hinweisen,
dass
Philolaus
schon
die
Winkel
von
Figuren bestimmten Göttern weihte*), dass Platon umgekehrt
die Gottheit immer geometrisch zu Werke gehen liess”).
1) So die Meinung Hankels S. +10, Anmerkung. *) Knoche, Untersuchungen
über die neu aufgefundenen Scholien des Proklus Diadochus zu Euklids Elementen.
Herford, 1865, S. 17—28, ‘besonders S. 23.
* Dr. P. Hohlfeld machte
uns brieflich aufmerksam, .die griechische Stelle heisse eig td» ris yevéceng*
róxov = an den Ort der Entstehung, womit die Uebersetzung des Commandinus.
in generationis hoc est profundi locum tibereinstimme; wenn Hankel übersetze
„in den Ort der Mütter“, so beruhe dieses wahrscheinlich auf unbewusster Erinnerung an eine bekannte Stelle in Gúthe's Faust,
Philolaus 8. 155.
Ilòg
Illdroy
nicht bekannt.
Chaignet I, 245— 247.
Eieye tov Oeòv del
Wenn Vossius
zweiter Theil.
‘) Böckh,
°) Plutarchus Convivia VIII, 2
yewusrgeiv.
Die Stelle
bei Platon
selbst ist
in seiner Geschichte der Mathematik dafür auf den
Dialog ,,Philebus" verweist, so dürfte dieses Citat auf einem Irrthum beruhen.
Page 15
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)War einmal die Irrationalität als solche, und zwar an der Diagonale des Quadrates erkannt, war man sich bewusst geworden, dass
die Diagonale des Rechtecks von den Seiten 3 und 4 genau in 5
Einheiten
sich
darstellte,
die
des Rechteckes
von
gleichen Seiten
aber nicht angebbar war, welche Länge man auch den beiden Seiten
beilegte, so musste man wohl auch andere Rechtecke prüfen, z. B.
von der Voraussetzung ausgehen, dass die Diagonale zur einen Seite
im einfachsten Zahlenverhältnisse von
2 zu
andere Rechtecksseite zu messen suchen.
1
stehe, und nun die
Wir sehen hier das zweite
Elementardreieckchen vor uns, dessen Benutzung neben dem gleichschenkligen
Platons
rechtwinkligen
Timäus
kennen,
Dreiecke
und
zur
dessen
Flächenbildung
somit
wir aus
nachgewiesener
pythagoräischer Ursprung den hier ausgesprochenen Vermuthungen eine
immer breitere Grundlage gewähren dürfte.
Wieder weiterschliessend war die Untersuchung an einem Punkte
angelangt, wo der Weg sich spaltete.
Man konnte, wo die Zahl ihren
Dienst versagte, geometrische Beweise für den Satz von den Quadraten
über den Seiten rechtwinkliger Dreiecke suchen.
Man konnte solche
Zahlen
Dreiecke
suchen,
konnten.
die
als
Seiten
rechtwinkliger
auftreten
Man schlug beide Wege ein.
Wir haben oben gesagt, dass der heute gebräuchlichste Beweis des
pythagoräischen Lehrsatzes von Euklid herrühre.
Der in der pythagoräischen Schule selbst geführte muss von diesem verschieden gewesen sein.
Er dürfte seiner Alterthümlichkeit entsprechend viele
Unterfälle unterschieden haben und grade vermöge dieser Weitläufigkeit aufs Gründlichste beseitigt worden sein, wie wir daraus schliessen
_
dürfen, dass Proklus auch mit keiner Silbe des Ganges des voreuklidischen Beweises gedenkt.
Waren Unterfälle unterschieden, so ist die
Wahrscheinlichkeit vorhanden, die Beweisführung
SD<N sei von dem gleichschenkligen rechtwinkligen Dreiecke ausgegangen!) und habe die Zerlegung des
Rx Grundlage gehabt”), wenigstens hat sich in Platons
Quadrates durch seine Diagonalen (Figur 28) zur
Menon dieser
Beweis des
Sonderfalles
erhalten.
Wie der weitere Fortschritt zum Beweise des allFig. 28.
gemeinen Satzes vollzogen wurde, darüber ist man
in keiner Art unterrichtet.
versuche,
Die
verschiedenen Wiederherstellungsso geistreich manche derselben
sind,
schweben alle
so
ziemlich in der Luft?).
1) Hankel $. 98.
*) Allman 1. c. 8.29.
ausgabe I, 444 mit Bretschneider 82.
?) Vergl. Camerer’s Euklid-
Page 16
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Die arithmetische Aufgabe Zahlen
Geometrie.
zu
173
finden, welche als
Seiten eines rechtwinkligen Dreiecks gezeichnet werden
können, löste Pythagoras gleichfalls, und hier sind wir in der
günstigen Lage, dass Proklus uns seine Auflösungsmethode aufbewahrt hat').
Er sei von irgend einer ungraden Zahl 2« + 1 ausgegangen, welche er als kleinere Kathete betrachtete
Die Hälfte
des um 1 verminderten Quadrates derselben gab die grössere Kathete
20?4 2a, diese wieder um 1 vermehrt die Hypotenuse 2a°
+ 2a + 1.
Wie kam Pythagoras zu dieser Auflösung?
Ein möglicher Weg ist
folgender, welchen wir nur wenig gegen die Art, wie er zuerst vermuthungsweise geschildert worden ist*), verändert der Prüfung unterbreiten.
Ist
?=-P#’ +c,
so ist
c =a’ — b? = (a + b) (a — b).
Die Aufgabe der erstgeschriebenen Gleichung ‘zu genügen lässt sich
also
erfüllen, wenn nur a +d und a — b
beide grad oder beide
ungrad und zudem solche Zahlen sind, welche mit einander vervielfacht eine Quadratzahl liefern.
Solche Zahlen kannte höchst wahrscheinlich bereits die vorplatonische Zeit, da sie unter dem Namen
ähnlicher
Zahlen
bei Theon
von
Smyrna
erklärt sind?)
Die
andere von uns hervorgehobene Bedingung beruht darauf, dass u
und b ganzzahlig zu erhalten nur dann möglich ist, wenn Summe
und Differenz von a + b und a — b beide grad sind.
Der einfachste
Fall ähnlicher Zahlen ist nun selbstverständlich der der Einheit und
einer Quadratzahl c? und weil 1 ungrad ist, muss hier auch c? und
somit c selbst ungrad sein, etwa
c= 2a + 1.
So kam die Formel
des Pythagoras darauf hinaus (2a + 1) = (2« + 1)?.1 zu setzen,
und darnach
aus
(2a + 1} =a+b und
2
1=a —
die Werthe
b= Car ; po? und a = Po + 1 zu ermitteln, welche
zusammen mit
2
__
c=20 +1 die gestellte Aufgabe lösen.
Die Formen,
in welchen b und a auftreten, entsprechen, wie man sofort erkennt,
genau dem Wortlaute
der
Angabe
des
Proklus,
was
immer ein
günstiges Vorurtheil für die Richtigkeit eines Wiederherstellungsversuches gewährt, und da überdies in Aegypten, wie wir aus dem
Uebungsbuche des Ahmes wissen, Aufgaben von algebraischer Natur
zu lösen nicht ungebräuchlich war, so scheitert der Versuch auch
nicht an der Frage, ob es für Pythagoras möglich gewesen sei, schon
derartige Schlüsse zu ziehen, wie sie hier verlangt wurden.
|
Fassen wir den Inhalt dieses und des zunächst vorhergehenden
Kapitels in Kürze zusammen.
Pythagoras hat,
1) Proklus (ed. Friedlein) 428.
schen Philosophie II, 527.
so suchten wir zu
*) Röth, Geschichte der abendländi-
*) Theon Smyrnaeus (ed. Hiller) 86.
Page 17
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)erweisen, sicherlich in Aegypten, vielleicht
mathematisches Wissen sich angeeignet.
in
den Euphratländern
Ersteres geht
wie aus den
ausdrücklichen Ueberlieferungen, so auch aus dem ägyptischen Gepräge
mancher geometrischer Entwicklungen, letzteres aus den babylonisch
anmuthenden Zahlendifteleien der Pythagoräer hervor.
Die Summe
des geometrischen Wissens, welches von Pythagoras und seiner Schule
den Griechen vor dem Jahre 400 zugänglich gemacht wurde, ist eine
nicht ganz geringfügige.
Sie umfasste die Kenntniss von den Parallellinien und den durch dieselben beweisbaren Winkelsätzen, insbesondere
den Satz
von der Summe
gruenzsätze des
der Dreieckswinkel.
Dreiecks und
Sie umfasste Con-
Sätze über Flächengleichheit, deren
Anwendung die sogenannte Anlegung von Flächen bildete.
umgekehrt Figuren
als
Summe
Sie liess
anderer Figuren entstehen, wobei
vielleicht das Sternfünfeck entdeckt wurde, wenn wir auch für dieses
nicht mit gleicher Sicherheit wie für die anderen Dinge die alten
Pythagoräer als Urheber behaupten möchten.
Sie umfasste den pythagoräischen Lehrsatz und den goldenen Schnitt.
Sie enthielt endlich
auch Anfänge einer Stereometrie, insbesondere die Kenntniss der fünf
regelmässigen Körper und der Kugel, welche dieselben umfasst.
Sätze waren mit Beweisen versehen.
Die
Allerdings liessen die Beweise
vermuthlich nicht gleich die Strenge erkennen, welche man geradezu
geometrische Strenge zu nennen pflegt,
und legten erst nach und
nach den Charakter eines Erfahrungsbeweises ab, nahmen noch später
jene allgemeineren Fassungen an, welche in emheitlicher Betrachtung
die Nothwendigkeit der Unterscheidung von Sonderfällen verbannt.
Noch unvergleichbar mehr leistete die pythagoräische Schule in der
Arithmetik, gerade durch die Grösse der Leistungen die Wahrscheinlichkeit fremden Ursprunges auch für diesen Zweig griechischer
Mathematik bezeugend. Arithmetische, geometrische, harmonische
Verhältnisse und Reihen, unter den arithmetischen Reihen auch solche,
welche die Sprache heutiger Wissenschaft arithmetische Reihen
höherer Ordnung nennt, sind Dinge, die man am Anfange einer
Entwicklung nicht zu finden erwarten darf, noch weniger die freilich
auch weniger gut beglaubigten befreundeten und vollkommenen
Zahlen.
Die Ueberlieferung lässt wirklich einige dieser Gegenstände
aus Babylon eingeführt sein.
Fremdländisch war vielleicht auch die
Methode des mathematischen Experimentes d. h. der Zerlegung von
Figuren
in andersgestaltete,
der
Vereinigung
von Reihengliedern
derselben oder verschiedener Reihen zu Summen, zunächst nur in der
unbestimmten Absicht zu versuchen, ob dabei etwas geometrisch,
etwas arithmetisch Merkwürdiges sich offenbaren möchte. Für griechisch dagegen hielten
wir die
eigenthümliche Verquickung von
Page 18
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Mathematiker ausserhalb der pythagoräischen Schule.
Geometrie und Arithmetik, die geometrische Versinnlichung der Zahlenlehre, wie sie in der Ebenen- und Kôrperzahl, in der Dreiecks- und
Quadratzahl, in der Vielecks- und Gnomonzahl zu Tage tritt. Pythagoräisch war nach unserer durch mannigfache Ueberlieferung gestützten Darstellung die Erfindung des Satzes von den Quadraten
der
Seiten des rechtwinkligen Dreiecks als eines arithmetischen ausgehend
von dem bestimmten Zahlenbeispiele 3? + 4° = 5?.
Pythagoräisch war
endlich eine Regel zur Ermittelung 'anderer Zahlen als 3, 4, 5, welche
als Seiten eines rechtwinkligen Dreiecks dienen können, pythagoräisch
die Lehre vom Irrationalen.
Vom Irrationalen sagen wir und müssen
wir sagen, nicht von der Irrationalzahl, denn das Irrationale war den
Griechen keine Zahl.
War den Pythagoräern doch sogar die Einheit
noch keine Zahl, sondern erst eine Vielheit von Einheiten.
Brüche
mögen dem Rechner vorgekommen sein, sei es als wirkliche Brüche
mit Zähler und Nenner, sei es als Unterabtheilungen von Münzen,
von Gewichten, von Feldmaassen, jedenfalls immer als concrete Brüche.
Der abstrakte Bruch war für den Arithmetiker nicht vorhanden.
Er kannte Brüche nur mittelbar als Verhältniss zweier Zahlen.
Um
so weniger konnte ihm das Irrationale eine Zahl sein, welchem nicht
einmal ein
reihe
aussprechbares Verhältniss. den Eintritt in
gestattete.
Diese
wichtige
Beschränkung
Zahl erhielt sich über die Zeit der Pythagoräer
des
die Zahlen-
Begriffes
der
weit hinaus.
Sie
blieb, was den Ausschluss des Irrationalen betrifft, so lange, als überhaupt von griechischer Arithmetik die Rede ist.
8. Kapitel.
Mathematiker ausserhalb der pythagoräischen Schule.
Die Mathematik nahm, wie wir weitläufig gesehen haben, einen
mächtigen Aufschwung
durch die pythagoräische
Schule.
Es war
wohl eng damit verbunden, sei es als Ursache, sei es als Folge, dass,
wie uns berichtet wird, die Mathematik den Pythagoräern als erstes
und
wichtigstes
Lehrelement
diente').
Damit ist aber
nicht ausgeschlossen, dass auch andere Schriftsteller sich noch verdient machten.
Hören wir, wie das alte Mathematikerverzeichniss fortfährt:
„Nach ihm (dem Pythagoras) lieferte der Klazomenier Anaxagoras
Vieles über Geometrie, ingleichen Oinopides von Chios, der etwas
') Porphyrius,
Pythagor.
lib, TIL,
De
vita
abgedruckt
Venedig, 1781, pag. 216.
Pythagor.
bei
Ansse
47.
Jamblichus,
de Villoison,
De philosophia
Anecdota Graeca.