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der Gesamtvita, ein deutlicher Signifikanzverlust. Auch die übrigen Klauseltypen
liegen, abgesehen von einer leichten Erhöhung beim-Adoneus, dichter an der Erwartung, besonders der Creticus+Trochaeus, der jetzt eine ähnliche Stellung wie der
Adoneus einnimmt: Beide können ohne weiteres als zufällig gelten. Gemildert ist
auch die Unterschreitung der Erwartung bei Doppelcreticus und Hypodochmius, sie
PARASKEVE KOTZIA-PANTELI
bleibt insignifikant, in dem Sinne, daß sich solche Werte mit über 10% Wahrscheinlichkeit auch bei zufälliger Anordnung von Längen und Kürzen ergeben**, Allein
FORSCHUNGSREISEN
beim Ditrochaeus kann in diesem Textteil mit hinreichender Sicherheit eine stilistische Absicht Plutarchs angenommen werden.
Freie Universitat Berlin
Seminar fiir Klassische Philologie
D - 14195 Berlin
Abstract
It is shown by means of inferential statistics that the avoidance of hiatus in Plut-
Zu lamblichos’ Protreptikos 40,1-11 Pistelli
Ingram Bywater hat mit seinem 1869 erschienenen Aufsatz „On a Lost Dialogue of
Aristotle“! die Forschung zu einem verlorenen aristotelischen Werk, das in den antiken
Schriftenverzeichnissen des Aristoteles unter dem Titel Protreptikos erscheint, entscheidend angeregt. Auf der Basis von Parallelstellen mit namentlicher Erwähnung
des Aristoteles bei Cicero, Augustinus und Boethius behauptete er, daß aus den
Kapiteln V-XII des gleichnamigen Werkes des Neuplatonikers Iamblichos (3.Jh.
n. Chr.) umfangreiche und zuverlässige Fragmente dieser verschollenen Schrift wiederzugewinnen seien. Bei dem iamblichischen Protreptikos handelt es sich um einen als
Einführungsschrift konzipierten Aufruf zur Philosophie, der Exzerpte aus pythagoarch’s text is extremely significant, even at the end of a sentence (the actual frequency
reischen Texten und mehreren platonischen Dialogen mit einem — von den platoniof hiatus is compared with a hypothetical frequency that should be expected, if initial
schen Exzerpten eingeschlossenen — peripatetischen Teil verbindet?.
and ending vowels occurred at random). Problems of textual criticism are taken into
Bis zum Jahre der Entdeckung Bywaters baute die Protreptikos-Forschung nur auf
sparliches Material: 1. auf ein Testimonium bei Stobaios, dem zu entnehmen ist, daß
Aristoteles einen „Protreptikos“ an den zyprischen Fürsten Themison gerichter hat,
in welchem er ihm sagte, niemand habe günstigere Voraussetzungen zum Philosophieren als er, da er über großen Reichtum verfüge, den er dafür zu verwenden könne, wie
auch über hohes Ansehen; 2. auf ein von einer Reihe von Aristoteles-Kommentatoren* dem aristotelischen Protreptikos ausdrücklich zugeschriebenes Argument
für die Notwendigkeit (im Sinne der Unumgänglichkeit) des Philosophierens, das
account. Of the clausulae usually ascribed to Plutarch, only the ditrochee significantly exceeds a frequency that should be expected in a random distribution of long
and short syllables. While the occurrences of cretic+trochee and hexameter ending
incline toward a random pattern, double cretic as well as hypodochmiac seem to
be avoided. In Plutarch’s translation of a speech by Tiberius Gracchus, however, in
chapter 15, cretic+trochee significantly excceds expectation as well, in addition to an
even higher concentration of the ditrochee.
! Journal of Philology 2 (1869) 55-69; in deutscher Übersetzung in: 2. Moraux (Hg.), Frühschriften des
Aristoteles, Wege der Forschung 224, Darmstadt 1975, 21-36.
2 Uber den iamblichischen Protreptikos s. die Einleitung von E. des Places zu seiner Budé-Edition, Jamblique.
Protreptique, Paris 1989; s. auch B. Dalsgaard Larsen, Jamblique de Chalcis. Exégéte et philosophe, Aarhus
1972, 100-132.
3 4.32.21: Ziivanv Ey Koderyra avarıvınakeıy Ev OKdTelo Kapevov tóv "ApiototeXovg Mgorpentkdv dv
Eyvaye Apds Oentowve tov Kumpiwy Baoıkeu Rey GTI obdevi El yu da brrüpxe pos TO qu ocur ou
TAODrOV te yo nhelatov aitov Eze Mate dartavav eis tadra, Ett dé DOECY OMdyyerv alten.
4 Alexander von Aphrodisias, In Top., CAG 2.2, 149,9-17; Schol. in Anal. pr. cod. Paris. 2064, f. 2634;
In einer größeren Stichprobe - von mehreren Viten - könnte sich diese Unterschreitung der Erwartung
allerdings als signifikant erweisen.
Elias, In Porph. CAG 18.1, 3,17-23; David, Proll. CAG 18.2, 9, 2-12 und Olympiodoros, In Ale. 144 Creuzer; vgl. auch Clemens, Strom. 6, 18, 162, 5 =515,32-516,3 Stählin.
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Philologus 146 (2002) |
in der bekannten Formel gogognréov schließt’. Ferner wurde dem Protreptikos
von dem iamblichischen Material ausgehend, zu „im Protreptikos des Aristoteles vervon J. Bernays® mit gewissem Vorbehalt ein bei Stobaios unter dem Lemma 'Aplotot£Aovg stehender Text zugewiesen’.
Das „aristotelische“ Material bei lamblichos - bei dem weder Aristoteles’ Name
erwähnt wird (was übrigens auch für Platon der Fall ist) noch das pukocogntéovArgument zu finden ist - wurde den Protreptikos-Fragmenten zugerechnet und in die
Fragmentsammlungen des Aristoteles aufgenommen}; zum Gegenstand spitzfindiger
Untersuchungen geworden, hat es unterschiedliche Interpretationen und Auseintretenen Thesen“ Stellung nehmen kann !?. Düring, dessen ,,Attempt at Reconstruction”
als Referenzausgabe gilt, meint sogar, daß der aristotelische Protreptikos die Haupt-
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anderserzungen veranlaßt: Gehören die iamblichischen Exzerpte zum Protreptikos
oder handelt es sich um eine Kompilation aus verschiedenen exoterischen Werken des
Aristoteles oder gar aus den Pragmatien? Verraten sie einen platonisierenden Aristoteles
oder enthalten sie die aus den erhaltenen Schriften wohlbekannten, spezifisch
aristotelischen Elemente? Ist es möglich, aus ihnen auf eine dialogische Form der
verschollenen Schrift zu schließen, oder handelte es sich um einen Aöyog, ein öffentliches Sendschreiben??
W.G. Rabinowitz’!® Versuch, die allgemein angenommenen Quellen zur Rekonstruktion des Protreptikos in Zweifel zu ziehen, wurde - durchaus bei gleichzeitiger
Anerkennung seiner Gelehrsamkeit - rundum kritisiert, seine Position fast cinstimmig als „radikal“ charakterisiert!!. Sie hat deshalb weder spätere Rekonstruktionen "
noch eine Fülle wissenschaftlicher Arbeiten verhindert, die voraussetzen, daß man,
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quelle für die aristotelische Partie im Protreptikos des lamblichos sei und daß folglich
aus letzterem fast die Gesamtheit der aristotelischen Schrift rekonstruiert werden
könne. Wenn sich Rabinowitz’ Position also nicht durchgesetzt hat, so hat sie doch
recht anregend auf die Protreptikos-Forschung gewirkt und zusammen mit etlichen,
sehr bedeutenden Arbeiten! zu einem gewissen Nachlassen der allgemeinen Begeisterung beigetragen. Bezeichnend hierfür ist der Entschluß O. Gigons, in der jüngsten
Fragmentsammlung
'5 den Abschnitt 34,5-61,4 des iamblichischen Protreptikos als
Fragment 73 unter der Kategorie ,TÓMNOL MOOTVENTLKOL aus mehreren Dialogen exzerpiert“ anzuführen.
Eine andere für die Beurteilung des iamblichischen Materials unentbehrliche
Perspektive öffnete sich durch Studien, die die Protreptik als literarische Gattung
zum Gegenstand hatten, der sowohl der aristotelische als auch der iamblichische
Protreptikos angehören: Die protreptische Thematik und der traditionelle motivische
Aufbau einer protreptischen Schrift sind Aspekte, die seit Hartlichs' noch heute
lesenswerter Arbeit nicht mehr unbeachtet bleiben diirfen.
Unter dem selbstverständlichen Vorbehalt, daß es sich bei jedem Urteil über die
„Aristotelizität“ der iamblichischen Exzerpte bestenfalls um ein „educated guess“ !?
> Über den Typus des in der scholastischen Logik unter dem Namen consequentia mirabilis bekannten
Arguments, s. W. Kneale, Aristotle and the Consequentia mirabilis, JHS 77 (1957) 62-66 und M. Mignucci,
Aristotele. Gli Analitici primi, Traduzione, introduzione e commento de M. M., Napoli 1969, 612-613.
+ Die Dialoge des Aristoteles in ihrem Verhältnis zu seinen übrigen Werken, Berlin 1863, 161 ff, Bernays
selbst hat die Aufmerksamkeit der Forscher auf Ciceros Hortensins als Quelle für die Kenntnis des Protreptikos
gelenkt, den er für cine Nachahmung der verlorenen aristotelischen Schrift hielt.
Recherches sur le premier Aristote: Eudème, De la philosophie, Protreptique, Paris 1981; A. P. Bos, Aristotle's
? Stob. Anh. 3.3.25; derselbe Text mit kleinen Modifizierungen auch in einem Papyrus des 2. Jhs: P. Oxy.
Ancient Philosophie Protreptic and the Problem of the Persuasive Genres, Rhetoric 4,4 (1986) 309-333;
4.666 = Pack? 162 = CPF 24.6; s. E Vendruscolo, Riesame critico-testuale del papiro del ‚Protrettico‘ di Aristotele
J-M. Rist, The Mind of Aristotle: A Study in Philosophical Growth, Phoenix Suppl. 25, Toronto
- Buffalo -
(POxy 666), STCPF 2, Firenze 1986, 129-152; s. auch D.J. Allan, Critical and Explanatory Notes on Some
London 1989; G.W. Most, Some New Fragments of Aristotle's Protrepticus?, STCPE 6, Firenze 1992,
Passages Assigned to Aristotle's Protrepticus, Phronesis 21,3 (1976) 219-240 und M. Hastam, Comparative
189-216.
Worth in Aristotle's Protrepticns, Phronesis 34 (1989) 109-110.
% V. Rose, Aristotelis qui ferebantnr librorum fragmenta, Leipzig 1886 (= RP); R. Walzer, Aristotelis Dialogorum fragmenta selecta, Firenze 1934 (= W); W. D. Ross, Aristotelis fragmenta selecta, Oxford 1955 (= R).
14 In seinem wertvollen Aufsatz: Platon und Aristoteles im Protreptikos des Jamblichos, Archiv für Geschichte der Philosophie 47 (1965) 53-79 (= Frühschriften [Anm. 1} 247-269 = Eidola. Ausgewählte Kleine
Schriften, Amsterdam 1989, 297-323) hat z.B.H. Flashar, indem er die Exzerpiertechnik des lamblichos
anhand der Platonexzerpte untersuchte, um dadurch Aufschlüsse zu erhalten, mit welchem Grad an Zuverlissig-
* Uber die verschiedenen Deutungen und Tendenzen in der Protreptikos-Forschung sett Bywater s.
E. Berti, La filosofia del primo Aristotele, Padova 1962, A.-H. Chroust, A Brief Account of the Reconstruction
of Aristotle’s Protrepticus, in: A.-H. Chroust, Aristotle, New Light on His Life and on Some of His Lost
Works 11, London 1973, 86-104; S. Griffo, Problemi di riconstruzione del Protrettico di Aristotele, Annali
della Scuola Normale Superiore di Pisa VIII (1978) 375-392. Grundlegende Beitrige zur Protreprikos-Forschung in: Frihschriften(Anm. 1).
8 Aristotle's Protrepticus and the Sources of Its Reconstruction, Berkeley 1957,
" Angaben über die Rezensionen zu Rabinowitz’ Arbeit bei Chroust, Aristotle (Anm. 9) 339, Anm. 62,
und E. de Strycker (Rez. Düring), Gnomon 41 (1969) 234, Anm. 2.
2 I, During, Aristotle's Protrepticus. An Attempt at Reconstruction, Studia Graeca et Latina Gothoburgensia 12, Göteborg 1961 {= Düring]; A.-H. Chroust, Aristotle: Protrepticus, A Reconstruction, Notre
Dame-Indiana 1964 {= Chroust]; G. Schneeweiss, Der Protreptikos des Aristoteles, Bamberg 1966.
1% Flier seien exemplarisch einige von diesen Arbeiten aus den letzten zwanzig Jahren erwähnt: B. Dumoulin,
Eudemus and Protrepticus: Are They Really Two Different Works?, Dionysius 8 (1984) 19-51; M. D, Jordan,
kcit die Aristoteles-Exzerpte für den Protreptikos in Anspruch genommen werden können, zur Genüge
gezeigt, daß, nach dem heutigen Stand der Dinge, jede Rekonstruktion unbeweisbar verbleiben muß.
5 Aristotelis Opera. Volumen tertium: Librorum deperditorum Fragmenta, Collegit et annotationibus
instruxit Olof Gigon, Berlin - New York 1987.
De exhortationum a Graecis Romanisque seriptarum historia et indole, Leipziger Studien zur Classischen Philologie X1,2 1888; s. auch P. Wendland, Anaximenes von Lampsakos, Studien zur ältesten
Geschichte der Rhetorik, Berlin 1905; K. Gaiser, Protreptik und Paränese bei Platon. Untersuchungen zur
Form des platonischen Dialogs, Tübinger Beiträge zur Alterrumswissenschalt 40, Stuttgart 1959; A.J. Festugière, Les trois ‚Protreptiques‘ de Platon: Euthydéme, Phédon, Epinomis, Paris 1972; S.R. Slings, Plato,
Clitophon, Cambridge 1999; M. D. Jordan (Anni. 13).
17 Chroust, Aristotle, 11 87.
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handelt, hat unsere Studie das Ziel, auf der Basis eines einzigen Exzerpts '* die Grenzen
mit Platon, bezüglich der Konzeption der Philosophie, ist durch eine Reihe von
der Forschung im Hinblick auf die Frage aufzuzeigen, ob man von arıstotelischem
Gedankengut — oder gar von Fragmenten - sprechen darf. Zu diesem Zweck wird
einerseits die bisherige Einschätzung des Exzerptes in der Aristoteles-Forschung ausgewertet (I) und dieses andererseits im Zusammenhang mit einem - bislang kaum
berücksichtigten — Paralleltext untersucht (II). Das ausgewählte Exzerpt bietet sich
aus mehreren Gründen besonders für eine solche Untersuchung an: Es ist explizit
Studien dokumentiert??, die die Berührungs- bzw. Streitpunkte in den Werken beider
aufgezeigt haben. Besonders in der Antidosisrede des Isokrates wurden — neben den
offensichtlichen Beziehungen zu platonischen Dialogen - direkte Verbindungen
zum aristotelischen Protreptikos festgestellt, wie dieser aus dem gleichnamigen Werk
des lamblichos rekonstruiert wird. Nach W. Jaeger? z.B. soll die verschollene
aristotelische Schrift „eine Werbeschrift für die platonische Schule und für ihr Lebensprotreptischen Charakters, „harmlos“ - in dem Sinne, daß es keine Lehrmeinungen
mit einbezieht und keine bedeutenden theoretischen Probleme stellt wie das eines
etwa platonisicrenden oder „typisch aristotelischen“ Aristoteles; Variationen seines
Grundgedankens finden sich zudem in mehreren protreptischen Texten der antiken
Literatur. Ferner wurde seine Echtheit in den endlosen Auseinandersetzungen um das
iamblichische Material nie in Frage gestellt!?, während ihm in der Forschung eine
unerwartet große Aufmerksamkeit zuteil geworden ist.
Das Exzerpt fordert zum Erwerb und Gebrauch eines der höchsten Güter auf, der
ooyla; es handelt sich also um eine Ermahnung zur Philosophie mitsamt allem dafür
erforderlichen Aufwand: Wenn Menschen um des Geldes willen bis ans Ende der
Welt segeln und sich oftmals Gefahren aussetzen, könne es nicht sein, daß man nicht
bereit sei, auf die ppöwnoıg Mühe und Geld zu verwenden, sich mit dem bloßen
Leben begnüge, statt das gute Leben anzustreben, daß man dem Strom folge, statt die
eigenen Ansichten geltend zu machen, nach Geld strebe, ohne sich im geringsten um
die KaAG zu kümmern ?®,
und Bildungsziel“ (in deutlichem Kontrast zur isokrateischen Bildungskonzeption)
sein; W. D. Ross nimmt den Abschnitt 84-86 der Antidosisrede in die Testimonien des
Protreptikos mit auf.
Fest davon überzeugt, daß der aristotelische Protreptikos die einzige Quelle des
„aristotelischen“ Teils des iamblichischen Textes sei, haben sich etliche Gelehrte
bemüht, nicht nur die Berührungen mit der Antidosisrede herauszustellen, sondern
auch die zeitliche Beziehung zwischen beiden zu bestimmen. Ihre Bemühungen
haben jedoch zu entgegengesetzten Ergebnissen geführt. Die Priorität des Protreptikos
vertrat P. von der Mühll??, während B. Einarson® sich für die Priorität der Antidosisrede
aussprach, ohne daß man seitdem zu einem endgültigen Urteil gekommen wäre”.
In der Diskussion dieses Problems hat das zu behandelnde iamblichische Exzerpt
(B 53) eine bedeutende Rolle gespielt. Schon P. Wendland
hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Stelle der ps.-isokrateischen Demonikosrede>' festgestellt, die er als die
Aristotle, 11 29-42; C. Natal, Bios Theoretikos. La vita di Aristotele e l'organizzazione della sua scuola,
Bologna 1991, 24f£., 68 und Anm. 130.
2 S.W. Jaeger Paideia. Die Formung des Griechischen Menschen, Berlin 1947, 111, 10546; K. Ries, Isokrates
I
und Plato im Ringen um die Philosophia, Diss. München, 1959, mit kritischen Darstellung der bezüglichen
Sekundärliteratur, und die Rezension von W. Burkert in Gnomon 33 (1961) 349-354; Berti {Anm. 9) 166-175,
Die Stelle wurde von der Forschung als Hinweis - wenn nicht als Nachweis — auf
die seit der Antike gut bezeugte?! Rivalität zwischen Aristoteles (noch als Mitglied
der platonischen Akademie) und Isokrates?? betrachtet. Die Rivalität des letzteren
W.K.C. Guthrie, A History of Greek Philosophy IV, London- New York
- Melbourne 1975, 308-11 und
C. Eucken, Isokrates. Seine Positionen in der Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen Philosophen,
Berlin- New York 1983.
2 5. Ries (Anm. 23) 150 ff.
3 5. Düring, 33-35; ders. Aristoteles. Darstellung und Interpretation seines Denkens, Heidelberg 1966,
18 Jambl., Protr, 40,1-11 Pistelli = 70,9-19 des Places = Fgm. B 53 Düring; 52 R*; 5W; 5 R; 50 Chroust;
73,20-21 Gigon. Weiterhin wird auf Dürings Numerierung hingewiesen, einerseits weil seine Protreptikos-
404-6; Berti (Anm, 9) 519-523, 531.
Edition die Standardausgabe bleibt, andererseits wegen der dortigen Aufspaltung des Textes in kleine Stücke.
1 S. 2. B. H. Diels, Zu Aristoteles „Protreptikos” und Ciceros „Hortensius“, Archiv für Geschichte der
Philosophie 1 (1888), 477-494 = Frühschriften 36-80, bes, 63; H. G. Gadamer, Der aristotelische Protreptikos
7 Isokrates und der Protrepukos des Aristoteles, Philologus 94 (1939/40) 259-65; A. Lesky, Geschichte
der Gr. Literatur, Bern - München *1971, 623; R. Stark, Aristotelesstudien, Zetemata 8, 1954, 14-15, ders.
und die entwicklungsgeschichtliche Betrachtung der aristotelischen Ethik, Hermes 63 (1928) 143-144.
# Aristotle's Protrepticus and the Structure of the Epinomis, TAPhA 67 (1936) 261-285; Diiring, Aristoteles
404-406; E. Berti (Anm. 9) 521; K. Gaiser, Zwei Protreptikos-Zitate in der Eudemischen Ethik des Aristoteles,
» B53: Ob di dei gelyeıv qmhocogiav, ley Eativ iy tv quomxpia kadanep vióneda, xtijoic te Kal ZunBic Gopiac, 1) dé ampiu tav peviotuy yada: ODE dei vomero Ev Ever They Ey" "HpaxAfoug aTHAag Kai
moAAlınıs KevOuve tery, dee dé ob vary pNdeV moverv dk dunavav. N py dvovarrodadés ye TOD Liv GAAG pui
tod Liv ett yhigeodat, Kai tals tv o Ab cindy dnokovdeiv dbBatc MAA ju) Tobe rod dai
dei vais
arrob, Kai ra pv yompata Enteiv tov de Kady undenievmpeilcuv Aaretodan 1d Rapanay.
# S. I. Düring, Aristotle in the Ancient Biographical Tradition, Studia Graeca et Latina Gothoburgensia 5
* Aristoteles (Anm. 22) 57.
GGA 217 (1965) 57; R, A. Gauthier, Aristote. L'Éthique à Nicomaque I, Louvain- Paris 1958, 5.
RhM N. F. 110 (1967) 314-345, dort 339.
# 5. Guthrie (Anm. 23) VI 1981, 74, Anm. 2: „The priority of one to the other may never be settled, but
that one had the other in mind, and they were practically contemporary, does scem clear.“
% Anaximenes (Anm. 16) 92 ff.
N 19: yoû Tv axovopätuv AVAAG ob El val zampa kpeítico: TÚ pév yi tuxéag ÜNOAFITEL, TÚ dE
(1957) 299-314.
Ravta Tov yodvov magapiéver: compia yoo povov tiv KTnUTWv dtevatov. pu) KOTÓR VE: uuxgiv GdOV Tope te-
2 W. Jaeger, Aristoteles. Grundlegung einer Geschichte seiner Enrwicklung, Berlin +1978, 57f. und
P. Moraux, Les listes anciennes des ouvrages d’Aristote, Louvain 1951, 325; A.-H. Chroust, Aristotle's First
Literary Effort: The Gryllus - A Lost Dialogue on the Nature of Rhetoric, REG 78 (1966) 576-591 =
a Ads Tous MölaKerv TL Kuljorov EayyEhonévous: aloxpóv yay tods pv EpurópoS THYEKUDTE TEAC
hameyiv Évexa tod Ari ara tiv imdpzovvav obviay, Tabs dé vewtégous jE TUS Kutü yijy Topriag
ÜNONEVELV tai Te fed th KaTUOTRGUL Thy Uta divora.
Page 4
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)wichtigste22 von mehreren Ähnlichkeiten wertete, aufgrund derer? er behaupten
konnte, das Pseudepigraphon sei eine von einem Isokrates-Schüler verfaßte Antwort
revidierte Version vom Urbinas tradiert werde. Ausgehend einerseits von der Fest. stellung einer Beziehung zwischen dem abschließenden isokrateischen Argument
116
117
auf den Protreptikos: „Wie Aristoteles selbst in seinem Protreptikos die Concurrenz
(224-226), das beiden Versionen gemeinsam ist und wonach der Wert eines Lehrers
mit Isokrates suchte und dessen Standpunkt berücksichtigte, so musste der in der
darin liegt, Schüler aus aller Welt anzuziehen*, und der (bei lamblichos und Ps.-Isokrates gemeinsamen) Gegenüberstellung von gefährlichen Reisen des Geldes wegen
und dem Streben nach einem höchsten Gut (Bildung bzw. Weisheit) andererseits,
schließt Weil, daß der Grund der zweiten Version in der Veröffentlichung des aristotelischen Protreptikos zu suchen sei. Während nämlich in der vermeintlich ersten
Version Isokrates annahm, „es gebe auch schlechte Lehrer“, habe er in der vermeintlich zweiten Version genau das Gegenteil behauptet, d.h. „es gebe keine schlechten
Lehrer“, und diesmal sein Argument nach dem quocogmtéov-Typus als Karikatur
„des berühmten (aristotelischen) Arguments“ konstruiert: Kein Lehrer, wie schlecht
er auch sei, würde als Schüler Menschen schlechten Charakters akzeptieren. Kein
Richtung der kyprischen Reden des Isokrates sich bewegende Rhetor zum Protreptikos
des Aristoteles irgend
wie Stellung nehmen.“ Aufschlußreich für die Weise, nach der
die Überzeugungen in der Protreptikos-Forschung entstanden sind, ist die Schlußfolgerung, die Wendland aus dem Vergleich der Parallelstellen zieht: „Den schönen
aristotelischen Gegensatz vom Erwerbsstreben der Kaufleute und dem Bildungsstreben hat der Rhetor, nicht zum Vorteil des Gedankens, zu einer pointirten Antithese verschärft, wie die formale Antithese der Worte bei ihm öfter den natürlichen
Ausdruck des Gedankens verschiebt. Den die See befahrenden Kaufleuten werden die
zu Lande reisenden Schüler entgegengestellt, die Form des neuen Gegensatzes an
Theognis angelehnt. Man sieht nebenbei, wie sehr es ihm bei der Empfehlung des
Bildungsstrebens auf die Frequenz der eigenen Schule ankommt“. Wendlands Position
eignete sich enthusiastisch W. Jaeger an», der in seinem epochemachenden „Aristoteles“
Schlechten, weil sie keinen Grund hätten, von einem anderen lernen zu wollen, was
beide Stellen nebeneinander druckt, um zu beweisen, daß die Ähnlichkeiten zwischen
sie von ihrer eigenen Veranlagung her schon wissen. Es gebe folglich keine schlechten
ihnen kaum zufällig seien, und daß die Demonikos-Stelle von (Iamblichos-) Aristoteles
abhänge; seiner Meinung nach stellt der Verfasser der Rede „dem von Aristoteles entlehnten Bilde der meerbefahrenden Händler die ungefährlichen Landreisen des
Studenten gegenüber, der nach Athen zur Hochschule fährt. Seine überraschende
Ermahnung, ‚viele Vorlesungen‘ seien mehr wert als ‚vieles Geld‘, ist nicht einmal
ganz unoriginell, denn in der Schule des Isokrates war das Kolleggeld teuer“.
Durch Jaeger wurde Wendlands Annahme fast zur communis opinio*. Von der
Lehrer (S. 199).
der „aristotelische“ Text (d.h. unser Exzerpt, B 53) eine indirekte Antwort auf die
Mensch wiederum würde sich einen Schlechten als Lehrer wählen; die Guten, weil sie
nicht riskieren wollen würden, Kontakt mit einem solchen Menschen zu haben, die
Wäre Weils Annahme stichhaltig, könnte die Abfassungs- bzw. Veröffentlichungszeit des Protreptikos fast mit Genauigkeit bestimmt werden, da die Abfassungszeit
der Antidosisrede bekannt ist (354/3); zudem wäre auch die oben erwähnte dissensio
eruditorum betreffs der zeitlichen Beziehung der beiden Werke endgültig gelöst und
die Priorität der Antidosisrede bewiesen. Diese Annahme aber setzt voraus, daß
Überzeugung ausgehend, bei dem Iamblichos-Exzerpt handele es sich um ein Pro-
Antidosis-Stelle 224 darstellt*!. Meiner Ansicht nach schließt der Inhalt von B 53,
treptikos-Fragment, hat R. Weil?” gerade diese Parallelstellen herangezogen, um die
worin der Nachdruck auf das novetv und danuväv gelegt wird und von Reisen auf der
zwei Versionen der handschriftlichen Überlieferung der isokrateischen Antidosisrede
Suche nach oogia nicht die Rede ist, die Möglichkeit aus, daß dieses eine Antwort, ja
221-224 zu rechtfertigen. Dem Herausgeber der Edition Bude, G. Mathieu”,
folgend, nimmt Weil an, daß beide Versionen von Isokrates selbst stammen, der seine
„redaction primitive“, vertreten vom Laurentianus, modifiziert habe, und daß diese
auch nur eine Anspielung, auf das Antidosis-Argument in 224-226 ist. Dies ist offensichtlich auch Weil bewußt, da er seine Annahme durch ein weiteres Fragment des rekonstruierten Protreptikos zu bekräftigen sucht: „Il [Aristoteles] ajoute un peu plus
loin (B 56)* qu'on peut philosopher partout dans le monde: l'installation, le lieu
importent assez peu. Comme s’il avait voulu ruiner par la base l’argument d’Isocrate“.
32 S, 95: „So wird ein lerztes Zusammentreffen (sc. zwischen Demon, 19 und lambl. Protr. 40,1-11 Pistelli)
jeden Zweifel an der Bekanntschaft mit dem Protreptikos heben.“
Diese Kombination Weils verbindet zwei Exzerpte mitcinander, die verschiedenen
3 Neben dem isokrateischen Stil; dasselbe Urteil bei Einarson (Anm. 28} 274, Anm. 44, 275, Anm. 46; so
auch, Einarson folgend, Düring S. 35.
40 224: “Hdéws d' div kaxelvo ardoiv rage tv ahcer EZÖVTWV IPOS ide, tiva MOTE yey Ego
H S.97.
(Urbinas; [egi sv Av idéwe Avoyutyou rvdolmy, tive moti yyy ciye Laurentianus) stepì tüv Ex Zırckiog
33 Aristoteles, 59.
% §,z.B, Walzer (5a), Düring (S. 226), A.-H. Chroust, Aristotle, 11 445, Ann. 60.
Tes ... 226: ‘AMG dijAOV Gta Kul weaver Kal genera didéaor Kel avra moda, voultovres broi TE
” Aristote et Isocrate: Un conflit d'influences à Cypre, in: Salamine de Chypre. Histoire et Archéologie,
Pedtions yeviasadas,
Colloques Internationaux du C.N.R.S. No 578, Paris 1980, 193-201.
kat tod TIövron Kai tv dA Av tomy deligo TACÓN TE, Uva evo ... 225: ... NORA Zpinata Tedde
# S. Weil 199: „celui-ci [sc. das Argument in B 53] contredit au font Isocrate. Car Aristote-Jamblique ne
38 Reprisentiert durch die Kodizes Laurentianus 87,14 (13. Jh.) und Urbinas 111 (9./10. Jh.).
# Isocrate discours III, Paris 21960, 157-8, Anm. 1; s. dort über die entgegengesetzten Interpretationsversuche der doppelten Überlieferung; Mathieu hat die Position Orellis ("looxpátous A6yos negi tic dvuıdit nullement, comme Isocrate, qu'un bel afflux de voyageurs prouve la valeur d’un philosophe.“
dódewc, Zürich 1814) akzeptiert.
GAndeius.
#? Jambl. 40,25-41,2 Pistelli = 71,6-9 des Places: obdé yúp Aovta mpòc tiv Epyunicv dpyévev vint
Tomwy, GAA’ Gry rue div OF tig OixoUpevNS Tv dudvotay, polos raviuzòtev Gorey Tayorang Unter THE
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Zwecken dienen und verschiedenen konstitutiven Teilen der protreptischen Gattung*
rede 224-6, das den isokrateischen Text direkt mit dem Phaidon zu verbinden scheint:
im allgemeinen, und speziell des iamblichischen Protreptikos zugehörig sind: In
Leichtigkeit der Beschäftigung mit ihr, die sich keinesfalls mit dem noveiv in B53
In seinem Kommentar zum platonischen Gorgias beruft sich der Neuplatoniker
Olympiodoros gerade auf diese Phaidon-Stelle+?, die er - auf übliche neuplatonische
Weise - frei wiedergibt’; dem Zitat folgt ein Hinweis auf Platons Weltreisen, die als
Verwirklichung der sokratischen Aufforderung gedeutet werden. Nach Sokrates
verträgt.
Tode habe Platon Sizilien, Libyen und Agypten besucht, um Unterricht in Mathematik,
118
B56
ist die Rede nicht vom Erwerb der oogia, im Sinne der Schulung (wie in der Antidosisrede, der Demonikosrede 19 und implizit vielleicht auch in B53), sondern von der
Wenn man die zwei Stellen (B 53 und Demon. 19) betrachtet, ohne sich im voraus
zu der Annahme entschieden zu haben, bei der einen handele es sich um ein Protrepti-
119
Geometrie und Astronomie zu erhalten.
Wenn die Antike Platons Reisen auf diese Weise aufgefaßt hat#, könnte die Funkkos-Zitat, wird man feststellen, daß sie das Lob der cogta und den Kontrast zwischen
tion der Ortsangaben in der Antidosisrede, wo Sizilien an erster Stelle vorkommt,
den Seefahrten des Geldes wegen einerseits und der Suche nach einem höchsten Gut
besser verstanden und als direkter Angriff gegen Platon interpretiert werden. Indem
andererseits gemeinsam haben, daß dieses höchste Gut aber in den zwei Texten
Demonikosrede. Im übrigen beschränkt sich das Pseudepigraphon auf die Jugend, der
Isokrates ein sokratisch-platonisches Argument (Phaidon 78a) gebraucht, kann er Platons eigenes Verfahren indirekt auswertend — seine von Platon und der Akademie
verachtete „Philosophie“ mit Platons eigenen Waffen, durch die Umkehrung des
es gewidmet ist", und zwar auf das Schulgeld, die Schulbildung und die „ungefähr-
Arguments, verteidigen: wahrend Platon um der Philosophie willen nach Sizilien
lichen Landreisen“, während in der Iamblichos-Stelle der Gegensatz zu den Seefahrten
gefahren ist, so kommen zu genau demselben Zweck Leute aus Sizilien nach Athen zu
Isokrates.
verschieden ist — die gQdvNots bei lamblichos, die axobonata (Vorlesungen) in der
in der Formulierung où det ... pndèv novely dé danuväv besteht und scheinbar
unvollständig ist. Gerade diese Formulierung aber schließt in sich auch die Reisen bis
zum Ende der Welt ein, weil sic meines Erachtens unzweideutig auf eine Stelle des
platonischen Phaidon anspielt, in der Sokrates die angesichts seines bevorstehenden
Todes beunruhigten Freunde auffordert, Trost in der Philosophie zu suchen, die
überall auf der Welt zu finden sei: MoAAn ev n EAAGs, En, dy Keßng, dv N) Everot mou
dyadol dvdopec, HOM de Kai TA TOV Paofdowv yévn, og Mavtas xoN dLevevväodun
Cytotvias TOLOÜTOV Exwddv, [LITE XONLÉTWV PELDOHÉVOUS JLNTE TOVWV WG OÙK EOTLV
EIG 6 tL Gv EUKÜLXÖTEXOV divadiororte ypripata (78a).
Die Funktion einer Anspielung auf eine expressis verbis protreptische Stelle des
Wenn diese Deutung stimmt, ließe sich die von Weil festgestellte Berührung durch
einen voneinander unabhängigen Bezug der Antidosis-Stelle und B53 auf dieselbe
Phaidon-Stelle 78a erklären. Folglich darf das iamblichische Exzerpt - in der gegebenen
Form als Fragment des arıstotelischen Protreprikos gesehen - nicht als Antwort auf
die Spitze in der Antidosisrede 224, und noch weniger als der Grund für die zweite
Redaktion des Abschnitts 221-3 betrachtet werden, wie Weil behauptet.
Der Vorteil dieser Deutung ist jedoch zugleich, daß sie das viel diskutierte danaväv
im Testimonium des Stobaios% zu rechtfertigen erlaubt. In seiner radikalen Studie
meint Rabinowitz>!, daß Reichtum für Aristoteles keinesfalls die Voraussetzung zum
während der Antike als vorwiegend protreptisch erachteten platonischen Dialogs im
Philosophieren darstelle52, und stützt seine Position durch Stellen aus den Lehrschriften,
iamblichischen Text ist offenbar: sie konnte dazu dienen, die protreptische Wirkung
des Arguments in B 53 zu verstärken und darüber hinaus dessen Stichhaltigkeit zu behauptsächlich aus der Politik; Aristoteles könne aber diese Behauptung auch nicht als
Vertreter der Akademie vorgetragen haben, da Reichtum in den platonischen Dialogen
tonen. Nichtsdestotrotz ist die Interpretation des Fragments aber weiterhin mit dem
ständigen Dilemma bei der Erforschung des tamblichischen Materials konfrontiert:
47 Eine ausgesprochen protreptische Funktion der Phaidon-Stelle nehmen auch R. Jackson, K. Lycos und
Handelt es sich um eine Anspielung des Aristoteles oder um eine Kontamination des
H. Tarrant (Olympiodoros Commentary on Plaros Gorgias, Philosophia antiqua 78, Leiden- Boston
- Köln
lamblichos? Die antike Auslegung der Phaidon-Stelle gibt keine direkte“ Antwort
1998) an. Vgl. ihren Kommentar zu der Wendung tg pepced yKapey Ev 1 aid, 264: „but it is a problem
auf dieses Problem, bietet aber m. E. ein Hilfsmittel zur Interpretation der Antidosisthat Phd. follows the Gry. in the famblichan curriculum ... perhaps the teacher had also required the passage
for protreptic purposes, in order to convince those interested that Greek philosophy was something appropriate to be spending their funds on.”
# In Gorg. 210,28-211,25 Westerink. In Olympiodoros Bericht taucht auch die Wendung ni katurveiv
4 S. Gaiser (Anm. 28) 319, Anm. 12 und Gadamer (Anm. 19).
44 Demon, 5: tv Zoi) TOUS vetutégous Öptyedaı.
15 Unter ausschließlich diesem Gesichtspunkt wird allerdings die Demonikos-Stelle von den IsokratesSpezialisten betrachtet: nach Sandys (London 1872, Rpr. NY 1979, xxxix) wird hier auf Isokrates’ Selbstexil
auf, die in Demon. 19 vorkommt; s. auch Anm. 66.
4% Vgl. die Parallele bei Cic. De fin. V 87: ... cur Plato Aegyptum peragravit, ut a sacerdotibus barbarts
numeros et caelestia acciperet? cur post Tarentum ad Archytam? cur ad reliquos Pythagoreos ...; $. auch unten
S. 127 ff.
auf Chios und das Mißlingen seiner dortigen Schule hingewiesen (s. Ps.-Plutarch, Mor., 837b), nach Ch. Ley-
5 B1,s. Ánm. 3.
Hutton - K. Brodersen, Isokrates. Sämtliche Werke I (Bibliothek der griechischen Literatur 36) Stuttgart
51 S. 28-34 und 41-52.
1993, wird Isokrates’ Reise während seiner Jugend nach Thessalien, um dort von Gorgias unterrichtet zu
werden, angedeutet (s. Quint. (11 1,13).
+ S. unten S. 127.
52 S. 30: „As for wealth, Aristotle’s testimony supports a position quite the opposite of that which finds
this necessary for the expenses which philosophical study might entail. Wealth is an obstacle, not a means to
philosophy.“
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)ebenfalls als Hindernis zum Philosophieren erachtet werde5. Aus diesem Grunde
Musterbeispiel eines Aöyog npotgentixög, den Sokrates im platonischen Exthydemos
vorträgt; der Gegensatz zwischen Geld und höheren Gütern findet sich in der platonischen Apologie®, Der Gegensatz Besitzen - Gebrauchen ist hingegen eine beliebte
aristotelische Antithese, die in den Pragmatien oft vorkommt, und die als Vorstufe
des Begriffspaares Sivayuc-tvéoyera betrachtet wird®!. Sollen diese Parallelen zu der
Annahme führen, es handele sich in B53 um eine Kompilation aus platonischen und
aristotelischen Gedanken, die lamblichos frei wiedergibt®? Wie Flashars Studies?
überzeugend gezeigt hat, entspricht es , nicht der Arbeitsweise des Jamblichos, mosaikartig einzelne Gedanken selbständig zu einem Ganzen aufzubauen. Damit ist die
Annahme unmöglich, daß lamblichos in größerem Ausmaße die aristotelischen
Lehrschriften als Quelle benutzt, und es ist unwahrscheinlich, daß er platonische und
aristotelische Stellen selbständig ineinanderarbeitet“,
Andererseits enthält unser Exzerpt Gedanken, die - nach allen Indizien und der
120
meint Rabinowitz, das Testimonium sei überdies mit dem Inhalt des Fragments bei
Stobaios bzw. Papyrus* unvereinbar, und findet einen möglichen Ausweg in zwei
Interpretationsvorschlägen: Entweder meine Aristoteles damit die Spende zur Errichtung einer philosophischen Schule auf Zypern, oder bei dem Stobaios-Testimonium
handele es sich einfach um eine Interpretation des aristotelischen Gedankens durch
Krates oder den Stoiker Zeno, von dem die Geschichte über Krates stammt55. Die
Einwände von Rabinowitz hat D.J. Allan% plausibel entkräftet, indem er das von
jenem angeführte platonische und aristotelische Beweismaterial anders deutete. Was
Rabinowitz’ zweiten Interpretationsvorschlag angeht, bemerkt Allan kaustisch
„surely Crates was reading aloud from a full text of the Protrepticus. It is the unfortunate
modern scholar who has to interpret ‚fragments‘“%, ohne bei der Diskussion des
Problems das öanaväv in B 53 mit dem daraváv im Stobaios-Testimonium in Bezug
121
zu setzen>8,
Einschätzung der Spezialisten - als typisch protreptische Themen des 4. Jhs. angesehen
Durch die oben vorgeschlagene Interpretation des movetv Kal darravav in B53
als Anspielung auf die sokratische neoteony im Phaidon läßt sich jedoch auch die
Präsenz des danavav im Testimonium bei Stobaios, der letzten Endes einzig sicheren
Angabe über den aristotelischen Protreptikos, als vôllig legitim erweisen.
werden dürfen: im ps.-platonischen Kleitophon ist sowohl der Gegensatz Besitzen -
Diese Deutung des roveiv kai dartavav als Anspielung auf die Phaidon-Stelle ließe
sich als eine weitere zu den bereits bestehenden hinzufügen, die von den Fachleuten -
Gebrauchen (407e) als auch der Gegensarz zwischen Geld und einem höheren Gut
(407b) zu finden“, während der ps.-demosthenische Erotikos®% „kaum zufällige
© 29d-e: Konpätov pév obv ox uluginy émyehoimevos, Gmug oor Foren (og wAciate, Kat DOENS Kal
TuLijg, poviuews St Kai Wndelas cai cig puziig Gaus us BeAtiorn Fortan, olw Exmuurdel ome qoovticers. Vel.
B 53: Kai tà Ev zompata Cytety Tv dì kOe dra ÉTUMÉRELOV TOLETG tat TO HAMTUV.
je nach ihrer eigenen Konzeption des Charakters des iamblichischen Materials - vor-
$1 S.R. Nickel, Das Begriffspaar Besitzen und Gebrauchen. Ein Beitrag zur Vorgeschichte der Potenzgeschlagen worden sind und die B53 mit Platon, aber auch mit den erhaltenen Schriften
Akt-Bezichung in der aristotelischen Ethik, Diss., Berlin 1970. Was die Distinktion Eñv-e Ci angeht, sei hier
des Aristoteles auf vielfältige Weise zu verbinden scheinen??. Die Definition der
Philosophie als ktijoug Kai xpficıg coqias weist — wie oft hervorgehoben — auf das
hinzugefügt, daß diese traditionell Aristoteles zugeschrieben wird, s. Diog. Laert. V 19 und die Parallelen, die
Düring Biogr. Trad. (Anm. 21) 39 anführt, wie auch D.-M. Searby, Aristotle in the Greek Gnomological
Tradition, Acta Universitatis Upsahensis. Studia Graeca Upsaliensia 19, Uppsala 1998, 178-180. Vgl. auch die
Dinstinktion elna-et elvut bei Olympiodoros, u. Anm. 114.
j
“2 So argumentiert z.B. Rabinowitz (5+ff.) über den Abschnitt 37,3-22 des iamblichischen Protreptikos
33 5.31: „The Platonic concept of the divorce between wealth and dbta on the one hand and philosophy
(Fgin.4 W/R), indem er, Anm. 95, eine Fülle von platonischen Stellen angibt, um zu beweisen, daß sich dieser
on the other is revealed in numerous passages.“ Es sei jedoch angemerkt, daß Reichtum in keiner von den
ausschließlich aut platonische Stellen stürzt; s. auch S. 59 über den Abschnitt 60,19-61,1. Ähnlich Stings
zahlreichen platonischen Stellen, auf die Rabinowitz hinweist, mit der daztvy für Philosophie in Verbindung
(Anm. 16) 70, Annı. 126, über B 7-9, die er als „a condensation of the two protreptic conversations“ im
gebracht wird.
Enthydemos erachtet. Die Ähnlichkeit des iamblichischen Materials mit dem Exthydemos ist umgekehrt nach
4 5. Anm. 7.
5 5, Anm. 3.
R. Hirzel, Über den Protreptikos des Aristoteles, Hermes 10 (1876) 94, ein Indiz seiner Echtheit.
6’ S, Frühschriften (Aum. 1) 259 (s. auch 267).
” 5,224, Anm.
+.
# Über Kleitophon s. Slings (103 ff. und 273 ff), über Erotikos s. Wendland (Anaximenes 82) und R. Clavaud, Démosthène, Discours d’apparat (Epitaphias, Erotikos), Paris 1947; letzterer meint (72, 80-81), daß die
3: During kombiniert zwar die zwei Stellen (S. 175), schlägt aber bei seiner Argumentation eine ganz
ps.-demosthenische Schrift, die in der Zeit zwischen 340 und 323 v. Chr. verfaßt sein muß, platonischen und
% (Wie Anm. 7), 223-226.
andere Richtung ein: „... for rich people can afford to hire good teachers, as Plato says Prot 326c. It was a
isokrateischen Einfluß aufweist, während sie in keiner Beziehung zum aristotelischen Pratreptikas stche.
familiar idea that a man possessing dota Obvuqug zolpata was in a better condition to pursue philosophy,
Tlot ipépentie, imputati, Kui Ceyvorite OEY TV DEOVEOV ITOUTTOVTEG, OL UVES ZOE TOY LEV TEDL TY
Laws 7ile, Ep. VI 335d"; s. auch ders., Aristoteles (Anm. 25), 406, Anm. 39: „Nämlich um nambafte Lehrer
Tdouy onovdiy FXETE Grtwe Div Etat. tiv d' vidiy otc Taba rupudiboete Greg ÉMOTHOOVTUL ZONE
zu berufen, vgl. B 53". Kritik sowohl an Düring als auch an Rabinowitz wurde von Griffo (Anim. 9) 376-7
duKkating obre didaoxitàove abtoîe elgioKete THs ÖLKLUOTUVNG, elteg Ladaytov ... Vel. Ps.-Plut., De lib. educ.
geübt, der aber nicht auf B 53 hinweist.
de, Dio Chrys., Or. XIII 16. Gerade diesen (sokratischen) Gegensatz gebraucht Ps.-Demetrios, De elos.
Plato: über den Gegensatz Geld - höheres Gut Resp. 504d-e (Düring, Chroust); über den Gegensatz
Give Civ (definitely Platonic”) Legg. 707d und eine Reihe von platonischen Stellen (Chroust); über die
296-7, um drei verschiedene protreptische Formulierungsarten desselben Gedankens darzustellen, die er mit
verschiedenen Sokratikern verbindet; s. Slings 83 ff.
Ansichten der noAkut Crito 48a (Chroust). Aristoteles: über ávdyaroómdes EE 1.5, 1215b 34, NE 1.3, 1095b
6 5, 37-38: tov pièv toivuv Ev divfuentote Dior GTA VTT EUGNGOHEV NYENOVEVOUGEYV, TaAUTNv dè quio-
19-20 (Düring, Chroust, Schneeweiss); GxoAoubetv-aStoiw Mer. A 2, 982a 18-19 (Düring, Chroust); Livcogía Lov Aadeügen T’ Gods Kai yurväoen duvantvav. he Olopal ae delv peTaazely, Kei pu) KA TON VAE
YMysaëôut Pol. 3.6, 1278b 29 (Hartlich 257); nukkoi NE 10.9, 1179a 15-16.
AUDE EvyELY TEG Évoboug Ev ulti TOLYRATEIUG ... rai MÓN TÉVTIUV GLOYWTOTOY EOTL MOOS KEY ZENNUTLORÖV
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Bezichungen“ zum zu diskutierenden iamblichischen Exzerpt, sowie einige wórtlichen Anklänge zur Demonikosrede 19 aufweist.
45-48 und Seneca, De otio 5) gehören nach Diiring”? lediglich zu einem (von Aristoteles
Auch wenn die Bemerkung von Clavaud zu dieser Erotikos-Stelle („... voir Platon,
Es versteht sich jedoch, daß man bei der Erforschung der iamblichischen Exzerpte
nicht aus den Augen verlieren darf, daß die Bestimmung von Topoi nicht lamblichos
als kreativen Schriftsteller, sondern ausschließlich seine Quelle bzw. Quellen betrifft.
Aus dem Charakter seines Protreptikos geht deutlich hervor, daß er nicht einen
einzelnen Topos oder ein einzelnes Motiv selbständig eingefügt hätte, sondern daß er
eine Quelle abschreibt bzw. frei wiedergibt, in der der Topos oder das Motiv vor-
122
Apol. 29d; c'est vite devenue un lieu commun: voir (Isocrate], À Demonicos 29“ 6)
unzutreffend ist, wirft sie jedoch indirekt (durch die Charakterisierung „lieu commun“) ein Problem auf, das bei der Beurteilung von Parallelstellen in der antiken
Literatur gängig und bei der Einschätzung des iamblichischen Materials im allgemeinen
(und somit auch des Exzerptes B53) von großer Bedeutung ist. Der Begriff „Topos“
wird häufig gebraucht, ohne eine vorherige Bestimmung der Bedeutung, in welcher er
jeweils angewandt wird, so daß er schließlich als vager Terminus erscheint. Kennzeichnend ist Slings’ Verlegenheit, der bei seinem ergiebigen Versuch, die oft vorkommenden Themen in ihrer gattungsspezifischen Funktion zu untersuchen, das „set
of more or less traditional ideas, motifs, topoi, or whatever we call them, that are
common to the majority (but not necessarily to all) representatives of the genre“ als
Kriterion® zur Bestimmung des philosophischen Protreptikos stellt. Was das iamblichische Material angeht, wurden die gemeinsamen Themen und die Ahnlichkeiten,
die es mit anderen Texten aufweist, entweder als Entlehnungen bzw. Reminiszenzen
aus dem aristotelischen Protreptikos tiberbewertet”® oder auf eine nicht nachvollziehbare Weise als Topoi charakterisiert, wobei der Terminus soviel wic „Parallelstellen im
allgemeinen“ bedeutet’! und folglich als wissenschaftliches Hilfsmittel unzulänglich
ist. Diese zwei Tendenzen sind auch bei der Einschätzung des zu behandelnden
Gegensatzes in B 53 festzustellen: die von E. Bignone” als „sichere und treue“ Reminiszenzen an den aristotelischen Protreptikos erachteten Stellen (Horaz, Epist. I 1,
123
„erschaffenen“ ?74) Topos”.
kamen (sollte es sich bei dieser Quelle tatsächlich um einen Topos oder ein Motiv und
nicht um eine originelle Schöpfung handeln). Da nun bei der Erforschung der „aristotelischen“ Partie des lamblichos zunächst zu untersuchen ist, ob seine Quelle einen
Topos bzw. ein Motiv gebraucht oder die Entstehung eines Topos bzw. Motivs bewirkt hat, und erst dann, sofern möglich, zu betrachten, ob diese Quelle Aristoteles
sein könnte, ist es angebracht zu bestimmen, wie die Begriffe „Topos“ und „Motiv“ in
der vorliegenden Arbeit aufgefaßt werden. Dafür könnten die Vorschläge der Toposforschung im Rahmen der Literaturwissenschaft genutzt werden, wo diese Begriffe
Gegenstand vieler weiterführender Diskussionen geworden sind.
Wenn für die Zwecke dieser Studie der Topos als „bestimmter Denkinhalt eines
Vorstellungsmodells“ und das Motiv als „sprachliche Ausdrucksform eines Topos“
angenommen werden”, dann könnte als Topos der Gegensatz „Geld - höhere Güter“
und als Motive dieses Topos die Kombinationen „Väter - Söhne“ 7” und „‚Händler‘ ‚Studierende‘“ (B53, Demon. 19) gelten. Bei letzterem Gegensatz handelt es sich um
einen antithetischen Vergleich, wo das tertism comparationis das „Sichbemühen“ ist.
Die Anwendung dieses Gegensatzes durch den Verfasser der Demonikosrede könnte
cin Indiz dafür sein, daß er auf das 4. Jh. v. Chr. zurückgeht?®. Ein weiteres Indiz. für
die Frühdatierung des Motivs könnte die Tatsache sein, daß die Demonikosrede eher
Kai boy Kal th torta qrotipuns Exe Kal rot brroneveiv xaxoma@riug, & mavta Ov totiv wal ti
dravolı Sovheberv elude, tiv d' Emorarodaar pév Tüv GAkwy, ovvdratedoñouv dè taig Fyovor, dhow
d'ipepovesovouv Tod flow pi Entely Gang duxeloeras BEATIOV.
#7 So Wendland, Anaximenes 76.
és Offensichtlich Demon. 19, Daß die Apologie-Stelle hier nicht als Quelle erachtet werden kann, ist klar,
8% 5, 67; das Kriterion übernimmt er aus F. Cairns’ Studie Generic Composition in Greek and Roman
Poetry, Edinburgh 1972, 6; während dieser aber für solche „secondary elements“ den Terminus „topoi“ (in
der Bedeutung ,commonplaces”) verwendet, scheint Slings den Terminus „motils“ zu bevorzugen.
72 S. etwa Wendlands und Jaegers Auswertung (oben S. 1156.) der Parallele zwischen B53 und Demon. 19.
N S. etwa Düring, der sowohl im Kommentar (s. S. 211) als auch in der Appendix seiner Ausgabe
(SS. 155-168), wo „passages ascribed to Aristotle’s Protrepticus, either as fragments reproducing the text of
the original, or as reminiscences reproducing the argument“ eingetragen werden, wiederholt den Terminus
„Topos“ verwendet, ohne dabei seinen Inhalt zu prizisieren; wie er ihn begreift, wird vielleicht aus seiner
(S. 212) zum berühmten panegyris-Topos (B 44, s. u. 129. und Anm, 115-6) ersichtlich: „It thereErläuterung
fore seems to me probable that he (sc. Aristoteles], and not Heracleides created the topos. The background is
of course Plato’s conception of dzwpla, as Welirli says.“
72 Seneca, Marco Aurelio e il Protrettico di Aristotele, Annali della R. Scuola Normale Superiore di Pisa.
Lettere, Storia e Filosofia, Ser. II, IX (1940) 241-9, dort 242.
7 159: „Horace uses the topos, but there is no agreement in details“,
7 Vyl. Anm. 71.
> Beriicksichtigr man hierzu die Ausführungen der Horaz-Spezialisten zu der erwähnten Horaz-Stelle,
tritt die Uneinigkeit, die bei der Auswertung solcher Parallelen herrscht, klar zutage: „Ein ständiges Argument
der Protreptici; aus dem Aristotelischen hat wohl Jamblichus entlehnt (B 53) ... auch Epikter mahnt... (IV 10
20)" (A. Kiessling - R. Heinze, $1957); „The thought is often expressed by H., in substantially this form. It
was undoubtedly proverbial" (E. P. Morris); „The trader was a traditional emblem of the drive to secure
wealth against all odds* (R. Mayer, mit Verweisung auf R. G. M. Nisbet - M. Hubbart; dort: „mercator: such
remarks are derived from popular philosophy, and can be traced back to Plato and Aristotle*).
% S.A. Obermayer, Zum Toposbegriff der modernen Literaturwissenschaft, in: M.L. Bacumer, Teposforschung, Darmstadt 1973, 252-267.
775, die Stellen in Anm, 65.
TM Uber die Abfassungszeit der Demonikosrede s. Mathieu, in seiner Budé-Ausgabe (117-8): 5./4.
fh.
v.Chr; Jebb, The Attic Orators von Antiphon to Isaeus, New York 1867, (Ndr. 1962), 1 185: 374-372 v. Chr;
H. Chadwick in RAC VII („Plorilegium“): 4. Jh. v.Chr. Unentschlossen bleibt dagegen C. Wefelmeter, Die
Sentenzensammlung der Demonicea, Diss. Athen 1962, zwischen der Abfassungszeit der isokrateischen
Nikoklesrede (373 v.Chr., terminus post quem) und dem 2. Jhr. n.Chr. (terminas ante quem, anhand der
Testimonien).
Page 8
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)eine Sentenzensammlung zu sein scheint, in der „fertig geprägtes Gut verschiedenster
Prägung und Herkunft“7° (also schon vorhandenes, älteres Material) übernommen
wurde, Was bedeutet aber die Präsenz des Gegensatzes bei Ps.-Isokrates und
Iamblichos? Handelt es sich tatsächlich um ein Motiv, das von Ps.-Isokrates und von
Iamblichos’ Quelle unabhängig voneinander verwendet wird, oder hat Ps.-Isokrates
den treffenden Vergleich aus einer bestimmten literarischen Quelle übernommen, die
mit der von Jamblichos frei wiedergegebenen Quelle zu identifizieren ware®? Zum
Philologus 146 (2002) 1
125
Die Ähnlichkeiten sowohl mit B53 als auch mit Demon. 19, die weiter unten
einer Parallelstelle bei Philon von Alexandria, die vielerlei Ähnlichkeiten mit B 53 aufdiskutiert werden, treten deutlich hervor. Zur besseren Auswertung müssen sie jedoch
im Rahmen ihres weiteren Kontextes (217-222) untersucht werden: Der uns angehende
Abschnitt gehört zum Schlußteil der philonischen Schrift, wobei schon ausführlich
Behandeltes zusammengefaßt und ins Protreptische gewendet wird, so daß ein kleiner
Protreptikos zur Philosophie zustandekommt®, in welchem gattungstypische
Themen® auftreten. Der Gegensatz „Händler - ‚Studierende‘“ wird bei der Auslegung des Wortes dubdevoev® (= durchreisen) gebraucht®, durch das nach Philon
das „Fortschreiten“ des Menschen zur copia allegorisch angedeutet wird.
weist, aber noch nicht die gebührende Aufmerksamkeit der Fachleute zur Erhellung
des iamblichischen Exzerpts gewonnen hat, als hilfreich erweisen.
Deutung gibt?”, vollzieht er auf zwei Ebenen. Mit der eigentlichen Bedeutung bebesseren Verständnis dieser Frage kônnte sich eventuell der folgende Vergleich mit
Die allegorische Auslegung dieses Wortes®, dem Philon eine rein protreptische
ginnend (1), gelangt er darüber hinaus zu einer metaphorischen (2): Von der Ermahnung zu einer realen Fortbewegung im Sinne der Weltreisen zur Aneignung der
II
Es handelt sich um den Abschnitt 217-219 der exegetischen Schrift Philons De
migratione Abrahami, die zum großen allegorischen Kommentar zur Genesis gehört
und den Passus 12.1-6 erläutert:#!
Atyovaı yoîv wg Eotiv dtomov éurôpouc pév Kal kamikous yAioyowv EveKü
vopia ausgehend, ermahnt er zur systematischen Beschäftigung mit dem Erkennbaren, die er als ein Fortschreiten von der Erforschung des Menschen zur Erforschung der Welt konzipiert.
Die Kommentierung des dodevw gliedert sich nach seiner eigentlichen Bedeutung
in zwei Teile: In die Feststellung, daß die Menschen zur Befriedigung eines angeborenen
Verlangens nach visuellen und akustischen Erfahrungen unermüdlich überall hingehen, selbst über die Grenzen ihres Landes hinaus; dieses Verlangen resultiere aus
Kepday draßalveıv TÀ reAäyn Kal tiv oiKovpéewny Ev KUKAW TEQUévaL Éa car,
ihrer Liebe zur Erkenntnis, deren natürliche Merkmale die Neugier und die Tendenz
ui Dévos, pù Yetddva, ph avevate Blara, jh Evavrla, uy veötnta, Lu yieas, pù
VOOOV OWHATOG, LM PlAwv cuvijdeLav, pun Tae est yuvauxi Kal TEKVOLG Kal TOIG
únicos oikelors AAEKTOUG hóovós, ui atpldog Kal MOALTLK@V pra
rd pur
andkavotv, um yonuétwv Kal Krnnärtwv Kai Tig GAANS meprovoiag docpaXî
XLAGW, pi) tv dA A mv Otto
dv ouvOAwWS HEya 7) puxodv Eurrodmv TLÔELÉVOUS, TOD
dé KaAMotov Kal repunaxhtov Kal WOve TO YÉVEL TOV avBodrtwv OLKELOTÁTOV
xéouv, sogiag, pi obyi Hakarrav ev dotacav reparodottat, mavta dé yig uv
extoxeodas, Pionevatodvtuc el Mob TL KaAdv Eotty Ldetv à dodo, Kai perú
onovôñs Kat ipoduylas tis néons ixvnratetv, Gxous div EyyévntoL THV Entousei, alles zu erforschen (a), und in die Anführung einer Ansicht, für die Philon keine
Originalität beansprucht, in der die bereits zitierte Parallele zu B53 und Demon. 19
zum Ausdruck kommt (b).
Die metaphorische Deutung des Wortes nimmt bei Philon die Form einer Aufforderung an die Seele an, sich auf die Suche nach Gott zu begeben, die sich als ein
Fortschreiten darstellt, gleichbedeutend mit der systematischen philosophischen
Untersuchung®®, die bei ihm vom Menschen selbst als kleiner Welt beginnt und, über
die Welt als größten und vollkommensten Menschen, indirekt zu Gott gelangt.
pévwv Kai todovnevwv els anöAaugıv Edvetv.
22 Genau wie bei lamblichos und Demon. 19 wird bei Philon das Wort oogia gebraucht; weiter unten
(223) werden als Synonyme naudela und peövnorg verwendet.
7? Wefelmeier 70-71; vgl. Ley-Hutton - K. Brodersen (Anm. 45): „Zusammenstellung aus Handlungsmaximen aus dem 4. Jh.* und Wendland, Anaximenes 84 ff.
3 5. Anm. 70.
4! Die Parallele zu Iamblichos-Aristoteles, wie im Falle von Demon. 19, wurde auch von Wendland
konstatiert (Philo und die kynisch-stoische Diatribe, in: P. Wendland-O. Kern (Hg.), Beiträge zur
Geschichte der griechischen Philosophie und Religion, Berlin 1895, 44-45), der sie als Anspielung auf
das Protreptikos-Exzerpt charakterisiert (s. auch Anaximenes 96), der sich aber anhand einer weiteren
philonischen Stelle (Quod omnis probus 10) zu der Annahme entschließt (S, 45): „Direkt aus Aristoteles hat
den Gedanken Philo sicher nicht entlehnt. Denn auch Epiktet verwendet ihn“ (Hinweis auf Epiktet III 8,6
und 16,23); s. auch die kurze Erwähnung Festugière's, La Révélation d'Hermès Trismégiste II, Paris 1949, 526:
„ce thème (sc. le thème de voyage], qui paraît Migr, 217-218 a sa source dans le Protreptique, fr. 52, p. 62.9 R.“
Bei During, Chroust und Schneeweiss wird die Parallele bei Philon nicht erwähnr.
» Außer dem uns angehenden Gegensatz: das Lob der voqit, die Ermahnung zum mévog (s. darüber
Wendland, Anax. 76, Anm. 5), der Gebrauch der Analogie vom Schlafen - Wachen (über diese Analogie als
Topos s. F. Dirlmeier, Aristoteles, Nikomachische Ethik, Darmstadt 1956, 283 und u, 5. 130 und Anm. 121f.).
4 Gen. 12,6: kai ouddevoey "Aßpadıı tiv yi elo TÒ pros airis És tod ronou Login Ent thy deity ty
bya.
85 Als „wandern“ von Posner (Philo von Alexandria. Die Werke in deutscher Uberserzung, Breslau 1929,
Ndr. Berlin 1962, V 210) wiedergegeben.
36 216: tL dé Bute 16 dude dun one pueda.
# 5.219 und 220, wo das zu interpretierende Wort die Form eines Imperativs (uideuuov) nimmt. Vgl.
auch Gen. 13,17,
* Durch die Frage „ti (éou)“ wird es auf die Physiologie, die Psychologie, die Logik, die Ethik (mit
besonderer Emphase) und die Kosmologie hingewiesen.
Page 9
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Das Ergiebigste in Philons Text im Hinblick auf die zu diskutierende Parallelstelle
ist seine Mitteilung, daß es sich dabei nicht um einen eigenen, sondern um einen übernommenen Gedanken handelt, wie der Gebrauch des Wortes A&yovor anzeigt,
welches zwar auf einen wohlbekannten „anonymen“ Spruch® aber auch auf eine
Quelle hinweisen könnte. Letzteres stellt ein typisches Verfahren bei Philon dar, der
sehr oft - insbesondere in seinen exegetischen Schriften - dazu neigt, auf cine bestimmte Quelle vage (d.h. ohne Namensnennung, lediglich durch Formulierungen
wie etwa pool, dx Em tic, éyouor, Abyog Eyeı) hinzuweisenTM. Meiner Meinung nach
rechtfertigt die Anführungsweise der Parallele zu lamblichos nicht den Entschluß,
diese von vornherein als topisch” zu disqualifizieren, wie es in der Philon-Forschung
oft geschieht. Man darf die Möglichkeit nicht außer acht lassen, daß es sich um die
Wiedergabe einer Quelle handelt.
Die schriftstellerische Eigenart Philons und das Problem seiner Quellen, über die
keine klaren und einheitlichen Vorstellungen herrschen, sind ebenso bekannt”? wie
die Tatsache, daß er bei der Wiedergabe seiner Quellen diese so gründlich seinem
Idiom anpaßt, daß sie manchmal kaum noch identifizierbar sind%. Da aber andererseits
Philon sowohl den esoterischen® als auch den exoterischen Aristoteles gekannt
haben mu, und vor allem, weil die zu diskutierende philonische Stelle kaum übersehbare Ähnlichkeiten mit dem als Fragment des aristotelischen Protreptikos betrachteten
iamblichischen Exzerpt (B53) aufweist, werden wir sie doch zur Beleuchtung des
letzteren heranziehen.
Außer dem gemeinsamen Gegensatz sind beide Stellen überdies nach der gleichen
a fortiori-Argumentation aufgebaut, die auf den extremen Polen der platonisch-
# So scheint
J. Cazeaux, De migratione Abrahami, Les Œvres de Philon d'Alexandrie 14, Paris 1965, das
Wort A¢youa zu verstehen, wie aus seiner Übersetzung zu entnehmen ist (237: „On entend parler de choses
aberrantes”); E. El. Colsons und G.H. Whitakers (Philo IV, London - Cambridge - Massachusetts 1958)
Philologus 146 (2002) 1
127
aristotelischen Dreiteilung der Güter in äußere, leibliche und seelische basiert: dem
äußersten Äußeren, dem Geld, und dem höchsten Seelischen, der coqgia.
Bezüglich der Formulierung ist Philon weit ausführlicher als lamblichos”, wobei
auch wörtliche Anklänge an Demon. 19 festzustellen sind®. Was den Inhalt angeht,
wird in der eigentlichen 11gorporí bei Philon (218) - im Gegensatz zu lamblichos kein Bezug mehr auf das Geld genommen, das man für die Philosophie aufwenden
muß; vom noveiv-Sanaväv des lamblichos wird nur auf ersteres eingegangen. Dies
könnte vielleicht daran liegen, daß Philon im Grunde cin philosophisch orientierter
Ausleger der Bibel sein will, der griechisches Gedankengut ausschließlich als Instrument für die Exegese gebraucht, nämlich sofern es dem biblischen Text dienlich ist”.
Ferner ist eine scheinbare Differenzierung bei der eigentlichen rpotoont festzustellen:
Während bei Iamblichos auf die sokratische Mahnung zu Weltreisen um der Philosophie
willen im Phaidon durch die Wendung novelv kai danaväv nur kurz hingedeutet
wird, wird die Mahnung bei Philon, bis an die äußersten Grenzen der Erde vorzudringen, expressis verbis und nachdrücklich ausgesprochen. Und gerade das bietet
die Möglichkeit, Philons Text einerseits durch Cicero, mit dem Philon bekanntlich
vielerlei Berührungen aufweist, andererseits durch die oben ($. 118f.) besprochene
Deutung der Phaidon-Stelle durch Olympiodoros mit der peripatetischen Tradition
zu verbinden.
In den ciceronischen Tusculanae disputationes (IV 44), wo die Nützlichkeit besprochen wird, welche die Peripatetiker den my einschließlich des Verlangens nach
Weisheit zuschreiben !%, wird die Nützlichkeit dieses Begehrens durch die Forschungsreisen der Philosophen, nämlich Pythagoras, Demokrit und Platon, exemplifiziert 101,
Aufschlußreich sind aber auch die Ausführungen Ciceros über den Wert der Erkenntnis
in dem - aristotelisch-peripatetischen Lehren gewidmeren = 5. Buch von De finibus;
das Beispiel der forschungsreisenden Philosophen '!® gehört wiederum zur Begründung dieser Lehre, die auf Theophrast zurückgeführt wird, Ein Bericht über
Wiedergabe ist irreführend (259: „We are reminded”, 261: „such speakers urge”).
vo S.H. v Arnim, Quellenstudien zu Philo von Alexandria, Philologische Untersuchungen XI, Berlin
1888, 102. Aufschlußreich sind Runias Feststellungen bezüglich der Einführungsweise platonischer Gedanken
aus dem Timaios (s. D.T. Runia, Philo of Alexandria and the Timacus of Plato, Philosophia antiqua 44, Leiden
1986, 267-9, 303, Anm. 6).
” §. z.B, Cazcaux: „Le lieu commun de la quéte de sagesse (Cic. Fin. V, 13, 55; Sen. Lettres à Luc.) n'est
pas sans répondant biblique (...)".
% Mit dem an sich durchaus zutreffenden Hinweis, daß sowohl für Philons Zeit als auch für ihn selbst der
häufige Gebrauch von Topoi charakteristisch ist.
” Z.B. lambl.: Eq" "HpaxAéovg oridas - Phils kai tiv oikoupévnv Ev Kick neoueven dimaaay; lambl.:
noAAarıg xevouvetiery
= Phil.: pu) He ous, pi veniva, pay ave dara Sara, pi evevtia ... reiepevons,
# Europa, Teddy und (nur scheinbar?) auch Gxotopare.
” $ Runia 535-546.
19% S, oben S. 125. Uber Philons Aufnahme der peripatetischen ndön-Lehre s. Wolfson (Anm. 94) 11276,
108 In Ciceros Anführungen tauchen gewisse Wendungen auf (z.B. flagranti cupiditate — ultimas terras),
die aufgrund ihrer Präsenz auch in Philons Text als Schlüsselwendungen erachtet werden könnten. Nach
O. Gigon, Cicero, Gespräche
in Tusculum, München = Zürich ©1992, 541, gehören die Forschungsreisenden
% S, darüber R.G. Hamerton-Kelly, Sources and Traditions in Philo Judaeus: Prolegomena to an Analysis
of his Writings, SPh 1 (1972) 3-26; P. Borgen, Philo. Survey of research since world war Il, und B.L. Mack,
Pythagoras, Demokrit, Platon in eine Begründung des Blog Urwentixög, die ihn bes. als Erforschung des
Philo Judaeus and Exegerical Traditions in Alexandria, ANRW 11 21.1 98-154 und 227-271.
» 5. V 50 und 87. Nach W. Theiler, Die Vorbereitung des Neuplatonismus, Berlin 1930, 52fî,, sei der
Abschnitt De fin. V 48ff. „unzweifelhaft“ von Antiochos von Askalon abhängig, der den Protreptikos des
% S. Runia 194.
Kosmos versteht.
+ S.H.A. Wolfson, Philo, Foundations of Religious Philosophy in Judaism, Christianity, and Islam,
Cambridge- Massachusetts 1948, 1 109-111; Wolfsons Hinweise auf die aristotelischen Lehrschriften füllen in
Aristoteles benutzt haben müsse.
seinem,index of references“ fast 4 Seiten.
% S, die als Fragmente des verlorenen Aristoteles erachteten philonischen Stellen bei Ross (Symposion 3;
De philosophia 13, 18 und 19a-b-c} und Runia 190ff.
chen-Zürich 1988, 562: „So müssen auch die Angaben über Platon und Pythagoras aus seinem [se. Theo-
103 S, O.Gigon-L. Straume-Zimmermann, Cicero, Über die Ziele des menschlichen Handelns, Münphrasts] Buche stammen; um so mehr als die Angaben über Pl. singular sind.“ Über Platons Furschungsreisen aber vgl. Olympiodoros Deutung, o. S. 118f. Über Theophrast in De fin. im allgemeinen s. O, Gigon,
Page 10
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Theophrast bei Aelian!0* bestätigt dies nicht nur, sondern liefert noch Zusätzliches
zum besseren Verstandnis des zu untersuchenden Themas. Theophrast soll Demokrit,
der zu den Chaldiern und den Indern gereist war, im Gegensatz zu Menelaos und
Odysseus gelobt haben, denn diese seien in Wirklichkeit nur des Geldes wegen
gereist 195, phónizischen Händlern nicht unähnlich. Demokrit hingegen habe sogar
sein übriges Erbe aufgegeben und lediglich das Geld für seine Reisen auf der Suche
nach Erkenntnis behalten. Die Geschichte über Demokrit erwähnt auch Philon in
Philologus 146 (2002) 1
129 -
„Kulturkreis durch Schulbildung und literarische Tradition Gemeinbesitz geworden“
war — um E.R. Curtius’ Bestimmung der Topoi zu verwenden -, läge im Falle des
lamblichos die gesuchte literarische Quelle auf der Hand: Durch die Präsenz des
Gegensatzes bei Theophrast befinden wir uns zwar zweifellos in unmittelbarer Nähe
zu Aristoteles, können jedoch die Frage nach der aristotelischen Herkunft des zu
behandelnden Exzerptes nicht eindeutig beantworten. Sollte es sich um eine originelle
Schöpfung Theophrasts handeln, und folglich um die Urform des Gegensatzes,
würde dies bedeuten, daß Iamblichos nicht ausschließlich „aus mehreren exoterischen
seiner Schrift De vita contemplativa.
In Aelians Bericht über Theophrast tauchen mehrere der bereits behandelten
Themen wieder auf: die Lehre bei den Barbaren (vgl. die sokratische Aufforderung
im Phaidon), der Gebrauch des Geldes nur als épddvov tig ddod (eine mögliche
Erklärung für xonnätuv in der Phaidon-Stelle, auf die B 53 anspielt? 107); die Éuropor
wie bei Philon und Demon. 19 (Powixwv Eundowv undiv duaqpépovtes); Schlüsselwendungen: xoharta, noAAnv yijv éxper. 066c, eplodog, nepinkoug. Wenn man
andererseits Menelaos’ Ausführungen in der Odyssee (4. 79ff.) über seinen Besitz
betrachtet, erkennt man schon in der homerischen Beschreibung, auf die sich offensichtlich Theophrasts Menelaos-Bild stützt, die Hauptelemente des zu behandelnden
Gegensatzes (die mühseligen und langjährigen Weltreisen, die Seefahrt, die fremden
Orte und Völker), die den antithetischen Vergleich mit den forschungsreisenden
verbundenen! Veánata und äkotouata 113 - die in der eigentlichen agorporí (218)
durch ideiv und dxotcat wiederaufgenommen werden -, könnte es sich lediglich um
Philosophen ermöglicht haben '95,
den bei Philo oft vorkommenden Gedanken handeln, Sehen !!# und Hören seien die
Damit ist das iamblichische Exzerpt in die peripatetische Tradition einbezogen und
bis zu Theophrast zurückgeführt, der den zu behandelnden Gegensatz in einer ausführlichen Form (mit konkreten exempla für die beiden entgegengesetzten Kategorien
von Reisenden) verwandt haben muß. Selbst wenn man im Falle von Ps.-Isokrates 1°
„philosophischen“ Sinne, die zudem zum ev tiv, im Gegensatz zum bloßen Civ,
beitragen !"5. In dem gegebenen Zusammenhang könnte der Bezug auf Seépata und
Schriften des Aristoteles“ exzerpiert hat (wie Flashar feststellt!10); sollte es sich hingegen um einen aus Aristoteles übernommenen Gedanken handeln, so ist es nicht
möglich, aus den obigen Feststellungen zu Theophrast und der knappen Form!!! des
lamblichos-Textes weitere Schlüsse über das aristotelische Original zu ziehen.
Da der Gegensatz aber, wie bereits erwähnt, in Philons Schrift De migratione
Abrahami Bestandteil eines kleinen Protreptikos zur Philosophie ist, sollen hier die
mit Iamblichos’ „aristotelischer“ Partie gemeinsamen protreptischen Themen kurz
diskutiert werden: Bei dem Bezug auf die traditionell mit dem Begriff der Dewota
dkotopata jedoch auch als eine komprimierte Fassung des sogenannten Panegyrisund Philon aus Mangel an Beweismaterial zugeben würde, es handele sich dabei um
die gemäß den eigenen Zwecken modifizierte Form eines Gedankens, der in ihrem
Theophrast in Cicero's De finibus, in: W.W. Fortenbaugh — P. Steinmetz, Cicero’s Knowledge of the Peri-
He S, Anm. H.
patos, Rutgers University Studies in Classical Humanities IV, New Brunswick
- New Jersey 1989, 159-185,
'!! Einen „visuellen“ Einblick in die abkürzende Exzerpiertechnik des lamblichos gewährt Dalsgaard
(bes. 165).
109 YH IV 20 = L 75 Fortenbaugh (W. W. Fortenbaugh, Quellen zur Ethik Theophrasts, Studien zur
antiken Philosophie 12, Amsterdam 1984) = 513 FHSG (W.
Y. Fortenbaugh etal. (Hg.), Theophrastus of
Eressos. Sources of His Life, Writings, Thought and Influence, Philosophia antiqua 54,2, Leiden 1992).
105 Sz, B. Odys. 3. 301-2 und 4, 90-1 und Fortenbaugh, Quellen, 246.
1% S, 14,1-3: "Avakaybdonv kai Annörprtov “EdAnves ddovaw St pedooogiag iow AANKDEVTES,. pudofiótous elaouv yevéobat tic obolas. "Ayapaı tods Gvopas xui abrós yevopevove zonpdttiny xpeittovus. Vel. die
Wendung bei Ps.-Isokrates, Anm. 31, und Anm. 119.
107 S.0.S. 118.
les Überraschenderweise erweist sich auch die Charakterisierung der copia in Demon. 19 (nôvov rdv
KTrytatwy addıvarov; vgl. die Erorikos-Stelle, Anm. 66: è núvra Aviat’ toriv) als cine Anspielung auf den
homerischen Text: Zu Menelaos Behauptung, sein Besitz, wie auch der Besitz aller Sterblichen, sei mit demjenigen des Zeus nicht zu messen, denn dessen Haus und ktipiuta seien unsterblich, wendet Ps.-Isokrates cin,
es gebe ein menschliches xtijia, das doch auch unsterblich ist, nämlich die oogla,
1 Da die Datierung der Demonikosrede unsicher bleibt, s. Anm. 78.
Larsen (Anm. 2) 105-111.
112 Über den Ursprung des Dewpin-Gedankens s. H. Koller, Theoros und Theoria, Glotta 36 (1958),
273-286.
112 Algvov yüp Extomig Örapdrtev Kat Grovopdtaay elven AEPUKEY, dE [Lh povov Taig Emzwpieng ApKeiOften WAG Kad Tay Eeviniov Kai Toppeotdrin dunxropevea Epicotica.
'# Die Bedeutung des Sehens für die Erkenntnis wird von lamblichos wiederhalt betont (s. B 72, B 73,
B 24, B 51 und G. Romeyer-Dherbey, Vie bienheureuse et philosophie. Les traces du Pratreptique dans
le
livre X de l’Éthique de Nicomaque, Les Études philosophiques 4 (1975) 399-414, bes, 405-406). S. auch
Olympiodoros, In Phaed, 26,22 ff. Norvin (4 9,1 ff. Westerink) = De philosophia 24 WIR = 903 Gigon („Fragmente ohne Buchangabe”): Kai 6 pév Mpóxdoc flothetat vé ofgdvia Gyuv pôvnv Kui dov Éxetv, Keddy
kai ‘AgototéAns: növag yay rav alo0iiortv Exeivug Fer tits Mods TO Ed Elva ouußaAkonivac, ob pév tire
TOS TÓ etven, ul dè dar aiothyaers mög 15 elvas ovppddAovetete ... Kai Ste abres peor ci aio barr Ev
te) Evegyelv poo yenrboxouowy fre Ev ta NÜOZELV, kai OKELÔTEQUL lita abro dg valorara, und
darüber E. Bignone, L'Aristotele perduto e la formazione filosofica di Epicuro II, Firenze 1936, 358-361.
113 S. Spec. leg. 1 338. 339 und Anm. 20 und 59,
Page 11
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)(= aa gedeutet werden", ein Exzerpt, das
Topos!!* bei ner
Ausführungen bezüglich des „Erkenne-dich-selbst“ 125 als auch die Tatsache, daß der
Gedanke über die Mikrokosmos/Makrokosmos-Beziehung terminologisch zuerst
bei Aristoteles auftaucht!2, ausgewertet werden!?. 3. Auch die Position Philons,
nach der der Körper nicht der öu&vora antithetisch gegenübergestellt wird, sondern
mit ihr kooperiert !28, würde den Aristoteles-Forschern, die anhand des iamblichischen
Materials eine „instrumentalistische“ Phase in der aristotelischen Seelenlehre erkannt
haben wollten #, genau in ihr Konzept passen. 4. Bei der philonischen Aufforderung
bei on ausPhilons (Bedpata, idetv) auf dienis— und
Oe Renter kurzen Hinweis ung
darü er un
des Sehens für die Erkennt
isse Ähnlichkeiten aufweist
! ?.
führlich besprochene - Bedeut
h erwä mr
für den Erwerb der Weisheit, sind auch die oben !? als gattungstypiscnt
nr a
pare
des
Themen der Ermahnung zum x6voc!2! und der Analogie
in der „aristotelischen“ Partie des iamblichischen Protreptikos sa an nicine
schlägigen Sekundärliteratur wurden diese lamblichos-Exzerpte pen ss. sol
ea
zu spürenden aristotelischen Gedankengutes durchaus untersucht En rm
s
ung
ntwickl
der
Phasen
auf
oft
en
Exzerpt
Umgekehrt ist aus den iamblichischen
a
Kleine
che
philonis
der
Ware
worden.
ssen
aristotelischen Denkens geschlo
zur Beschäftigung mit der Ethik, würde man - trotz der”Erwähnung der vier
Hauptaftekte der Stoiker (219) - auch die Verwandtschaft mit der Eudemischen Ethik
betonen 1%, 5, Selbst der philonische Gedanken des deotiós in 220, der auf Gott hindeutet, würde vielleicht herangezogen werden, um auf die sprachlichen Ähnlichkeiten
Materia
kos mit derselben Überzeugung und Beharrlichkeit wie das iamblichische
wie die
ungen
Andeut
lizitit
Aristore
seine
auf
k
Hinblic
im
wären
untersucht worden,
|
mit der Stelle Leg. alleg. III 97 (die als Fragment der verschollenen aristotelischen
Schrift Über die Philosophie in den Fragmentsammlungen aufgenommen wurde) auf-
|
Rime Deutung des dtodevm als eines Fortschreitens hin =Ender
äußert worden:
merksam zu machen fl,
Natürlich dürften die Philon-Spezialisten mit Recht einwenden, daß es sich um
typisch philonische, exegetische Motive, die in Philons umfangreichen Œuvre
könnte als Anwendung des bekannten aristotelischen Grundsatzes über den Weg
eren erachtet
Erkenntnis von dem für uns Bekannteren zu dem von Natur aus Bekannt
Aristoteles
iiber
nien
Testimo
die
werden!24, 2. Eventuell würden ferner sowohl
.
»
an
®
131
wiederholt vorkommen !?, oder um häufig verwandte Topoi seiner Zeit handelt 13.
,
Protrepticus, in:
us $, A.-H. Chroust, The Term Philosopher and the Panegyric Analogy in ew
23-35. cake tite
1980,
Aristode (Anm. 9) 11 126-133; H. B. Gottschalk, Heraclides of Ponuus, Oxford
Kat El pubév HEAR A rt y
dE
17 homey yüp ele ‘OAvptiay abris Evexu Tis tia cotodnpiodjtey
y
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ist bei Philon wohl verständlich;
us Die Erserzung von 'Okyyaia und Atovioit durch émyüpru-Sevixé
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ouve
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S THEIRS, Ber
vgl. auch die philonische Stelle De opif. 78: 01 Tote yupevexolis ayovas Kai OXNMKOU
DEARUTWY Kal UROVONO TV
veiv toda Ovatic eig te Ta HéaTod Kai Ta otúdia elitpertitovary ouvert Kal
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bei beiden das Geld die Rolle des
11 Außer dem gleichen Aufbau auf die a fortiori- Argumentation spielt
es 95, fuor er wi
Anaximen
,
Wendland
von
die
ist
beachten
(zu
abgewerteten Gliedes des Vergleichs
|
Übereinstimmung zwischen B 44 und Demon. 19: xgeittwv noAAWv ZONHATUN; 5. auch Anm. 4" ri
mAñdos.
mehr cui
jedoch scheint es sich um einen weiteren Schritt des Gedankenganges zu handeln: es ist dabei nicht
materielles Gut einem seelischen gegenübergestellt, sondern die zwei Arten von fewpia,
ut Außer B 53, ebenso in B 103, wo auch die von Philon aufgeführte onowbi) (218) vorkommt.
_
122 S,B 80, B 85, B 90, B 101.
eno
o
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tí
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Àses;Odds a Kut= UUEOTEN
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B. Phys. | I, 184a 16-24: mécpuKe
4
ra § ; àme;
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und W. Wieland, oe =
tGdhov
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eine protrepusche Devtung
da:
cours
ERA
Physik, Göttingen 1962, 69-71; über die Präsenz des Grundsatzes (dem Wieland
Li
gibt) auch in den iamblichischen Exzerpten s. ib. 81-83.
+
16 5, Phys. 8 2, 252b 22-28; s. auch Philons Eingeständnis (Quis rerum divinarum beres sit 155), daß die
Mikrokosmos-Terminologie, div übrigens nicht bei Platon vorkommt, von Eur eingeführt wurde,
122 Daß Philon generell bei seiner Konzeption der Philosophie als Kontemplation des Kosmos von Aristoteles
beeinflußt wurde, äußert tatsächlich A.-M. Malingrey, Philosophia. Erude d’un groupe de mots dans fa
littérature grecque des Présocratiques au IVe siècle après ].-C., Études et commentaires XL, Paris 1961, 82.
128 219: th tò ode Kui ti roto ij Méoxov diavola ouvegyel; vgl, lambl. B 59-60; auvepytty ist das
typische Wort, das die Funktion cines Instruments bezeichnet (über seine Anwendung zur Bezeichnung der
Funktion des Körpers als Instrumentes der Seele vgl. z.B. Nemes., De nat. hom. 2. 296-7: Úpyavov yup dv Td
OMI THE puis dar pév EIUTNdERDG xutuorencodi) Guvegyed vi yugi Kai wird exer irermdeltoe); über den
Gedanken vgl. MM Il 10, 12084 17-18: 1Ó yüp gelgov toi ficAtiovog Evexev, muds To auvepyeiv rh feATIOVL.
129 $.2.B.F Nuyens, L’ Evolution de la Psychologie d’Aristote, Louvain, 1948, 90-106.
DO 5,2.B. EE
7 15, 1248b 10-31.
GUIDI Kal TOV Èveraggovedv TOÛTOLG duvaytewy avr too
da ToD attiov; vgl. De migr. 220: bió-
1mS.z.B die Aufführungen Dürings und Chrousts zu den entsprechenden Stellen und die ar istotelischen
Parallelen, die Schneeweiss anführt.
„dies ist eminent aristotelisch” und (Anm. 101) 470: „... von Aristoteles abhängig, der in einem Dialoge das
Philosophieren des Sokrates von eben diesem Spruche ausgehen ließ (De philosophia Frg.1-2 W.-R.)".
1 S. Fem, 13 W/R.: et’ où doxoîivisc Giguota puooongeiv Eacar Gt duró tot Können Kai Thy lepri
|
to Ann. 83.
13 5, De philos. 1-2 W/R = 28, 29 Gigon. S. Gigons analoge Bewertung des ,,Erkenne-dich-selbst" bei
Cicero, De fin. V 44 (cognitio autem hace est una nostri, ut vim corporis animique norimus), (Anm. 103) 551:
he
devanv HEVTOL ... Tovde Tov Kdoptoy, Kal dudaxenper tà pépu, dig TOOLS HEV duéteuxtan, duvéqueor dé votes,
kai tig 6 ddyatog Obtos TiS dppoviaz Kui Evingewg años deonós.
132 Wie z.B. das Mikrokosmos-Thema (s. Runia 465-6), das „Erkenne-dich-sellst“ (s, die philonischen
Stellen bei P. Courcelle, Philon d'Alexandrie et le précepte delphique, in: R. B. Palmer - R. Hamerton-Kelly
(Hg.), Philomathes. Studies and Essays in the Humanities in Memory of Philip Merlan, The Hague 1971,
245-250; ders. Connais-toi toi même. De Socrate à Saint-Bernard, Paris 1974, 1391f.), das Lob des Sehens und
der Philosophie (Runia 270-3), der deaudg-Gedanke (Runia 240-1).
13 Uber das Lob des Sehens und der Philosophie als „commonplace“ in der hellenistischen Literatur
8. Runia 271.
Page 12
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)In der vorliegenden Studie wurde jedoch durch die Parallele bei Philon das behandelte
Iamblichos-Exzerpt in die peripatetische Tradition einbezogen und auf Theophrast
zurückgeführt. Da nun einerseits eine gewisse Kenntnis des „exoterischen“ Aristoteles
bei Philon allgemein angenommen wird, andererseits aber noch weitere Berührungen
zwischen den philonischen Schriften und dem iamblichischen Protreptikos'! (und
zwar als Ganzem und nicht nur in seiner aristotelischen Partie) aufzuspüren sind,
welche hier nicht berücksichtigt werden konnten, würde eine systematische Erforschung dieser Berührungen zur Erhellung der Beziehung beider Autoren zum verlorenen Aristoteles beitragen.
MICHAEL LIPKA
NOTES ON FAGUS IN VERGILS ECLOGUES*
The identification of fagus with gnyôs in Vergil's Eclogues has been generally contested on the grounds that in Latin fagus normally means “beech” (Greek d€tu/
osta)! while qnyôs in Greek denotes some kind of oak2. Yet, one has to allow for
University of Thessaloniki
Department of Classics
exceptions: Charisius, a grammarian of the fourth century AD, quotes from the first
book of Varro’s De gente populi Romani: fagus (sic) quas Graece quyobs vocant?.
GR-54006 Thessaloniki
Greece
Abstract
The present study deals with the problem of the evaluation of the so-called „Aristotelian section“ of the lamblichan Protrepticus, on the basis of a passage (40,1-11
Pistelli) generally ascribed to the lost Aristotelian exoteric work of the same name
(= B53 Düring). In the first part the study offers a critical examination of the various
approaches of modern scholarship to the Aristotelian origin of the Tamblichan
passage, while the second part examines the function of the central theme of this
passage (the motif of ,travellers“) as a typical theme of the protreptic genre, as
evidenced in a series of texts ranging from the Platonic Phaedo to Philo of Alexandria.
Was Varro not aware of the difference between fagus and ny65? That is unlikely - to
say the least - for a scholar of Varro’s standing, writing among others a book on the
Latin language. Besides, if indeed the most learned man of the Augustan Age? did not
know the difference between fagus and myóc, how could Vergil? On the other hand,
if we accept — as I do — what Varro wrote as true, we have to conclude that fagus in
Latin could denote two trees, the one meant by Greek pnyös and the beech. Possibly
the double meaning can be explained by the idea that pnyög originally denoted a
typical Greek tree for which there was no Latin equivalent. When Varro and Vergil
wanted to refer to this tree, they had to use the Greek term though this was occupied
already by another meaning at the same times. If this explanation is correct, Vergil
would stick closely to the correct terminology; the use of fagus in the sense of Greek
nyôs in the Eclogues would hardly be a “learned catachresis”* or even a wrong
identification’.
Finally it is suggested that this particular motif can be traced back to Theophrastus.
* The following observations are à by-product of a larger investigation into the language of Vergil’s
Eclogues, which has been generously funded by the German Academic Exchange Service and the Fritz
Thyssen Foundation. To both institutions I express my warmest thanks. Besides, | am much indebted to
S. J. Harrison (Oxford) for helpful critisism.
' CEM. C. P. Schmidt, RE 3 (1899), s. v. “Buche”, 972 4,
14 Ein charakteristisches Beispiel stellt die Bewertung des Wortes vexgoyogety dar, durch das Philon in
mehreren Stellen seiner Schriften die Beziehung der Seele zum Körper (im Gegensatz zu der im kleinen
Protreptikos der Schrift De migr. vertretenen Position über den Körper als Kooperator der Seele) bezeichnet.
Daß es sich dabei um eine Anspielung auf das berühmte (iamblichisch-)aristotelische Bild der Etruskischen
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handelt, ist unzweideutig, wird aber folgendermaßen bewertet: Runia (321; s. auch 262) begnügt sich mit
Greek name. Varro seems to have known the form fagus, -us for che fruit of the tree (cf. Charisius 1. 128, 27f.
Piraten (B 107; s. darüber J. Brunschwig, Aristote et les pirates tyrrhéniens, RPhilos. 153 (1963) 171-190)
der Bemerkung, es gehe um cine „allusion to the famous image trom Aristotles Protrepticus or Eudemus“.
J. Dillon (The Middle Plaronists: A Study of Platonism 80 B.C. to A. D. 220, London 1997, 149) fügt der Feststellung, es gehe um „a veiled reference“ zu Protr. 10b R, noch die eigene Wertung hinzu (,an exemplum
which had plainly by this time become a sophistic commonplace"), die von D. Winston (Philo’s Ethical
Theory, in: ANRW II 21.1, 409, Anm. 119) wörtlich übernommen wird,
2 CFE Olck, RE 5 (1905), s. v. “Eiche”, 2030-2036.
3 Charisius I. 130.5 [Keil].
1 Sen. dial. 12, 8. I: doctissimus Romanorum; Dion. Hal, ant. 2, 21. 2: dvi tüv Kara thy aer ely
> Plin, nat, 16, 17 attests that there were species of oaks that were known also in Latin only under their
[Keil]) and chis form is attested also elsewhere, notably by the grammarian Priscian at Verg. georg. 2. 71, cf
TLL s.v. fagus, 172, 76-83,
|
* Eg. E. J. Kenney, Virgil and the Elegiac Sensibility, ICS 8 (1983), 50 n. 23, similarly J. J. O'Hara, True
Names. Vergil and the Alexandrian Tradition of Etymological Wordplay (Ann Arbor 1996), 63.
? E.g. G, Williams, Tradition and Originality in Roman Poetry (Oxford 1968), 318.