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XVI, Pythagorische Zeichen.
Ich habe mir bisher noch aulgespart die erste in der Geometrie
des Boethius enthaltene Tabulle näher zu beschreiben, wie sie
in E
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sich
befindet.
schon gesagt,
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sie aus 12 Kolumnen besteht,
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diese Tabelle im Wesentlichen ein Rechenbrett
welche die Rang-
Allein ich habe auch hinzugesetat,
mele auf der Tabelle stehe.
Dieses muss jetzt
erläutert werden, wobei ich aber eine Bemerkung vorausschicke.
Das
erlanger Manuscript
und ebenso das von Chartres sind
etwa um 1050 geschrieben. also jedenfalls Copien von älteren Handschrillen des Huethius, die uns verloren gegangen sind, oder im ungünstigsten Falle Auszüge aus solchen.
dass
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Trotzdem ist es bei diesen Taheilen wohl möglich, dass in Bezug auf sie das einlrat, was ich für
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wurde,
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)XVI. Pythagorische Zeichen.
Ich habe mir bisher noch aufgespart die etste in der Geometrie des Boethius enthältene Tabelle näher zu beschreiben, wie sie
in E und anderen Handsehriften sich befindet. Ich habe zwar
schon gesagt, dass diese Tabelle im Wesentlichen ein Rechenbrett
darstellt, dass sie aus 12 Kolumnen besteht, urid dass jede dieser
Kolumnen mit einer Kopfzahl überschrieben ist, welche die Rangérdnung dieser Kolumne angiebt. Allein ich habe auch hinzugesetzt;
dass noch Einiges mehr auf der Tabelle stehe. Dieses muss jetzt
erläutert werden, wobei ich aber eine Bemerkung voraussehicke.
Das erlanger Manuscript und ebenso das von Chartres sind
etwa um 1050 geschrieben, also jedenfalls Copien von älteren Handschriften des Boethius, die uns verloren gegangen sind, oder im ungünstigsten Falle Auszüge aus solchen.
Ich habe schon besprochen,
dass dabei Alles im fortlaufenden Texte vorkommende sicherlich
echt ist, und dass ebenso die beiden Tabellen, welche dazwischen
eingeschoben sind, dem hauptsächlichen Charakter nach mit dem _
Originale übereinstimmen müssen. Trotzdem ist es bei diesen Tabellen wohl möglich, dass in Bezug auf sie das eintrat, was ich für
den eigentlichen Text leugnete, dass Interpolationen vorkamen. Dadurch trete ich keineswegs in Widerspruch zu meinen
bisherigen Behauptungen. Denn das liegt auf der Hand, dass ein
ungeheurer Unterschied dazwischen ist, ob man einen fortlaufenden
Text, der für sich einen vollständigen Sinn gewähren muss, so entstanden denkt, dass man in einen anderen ebenso fortlaufenden Text
Etwas einschob, oder ob man zugiebt, dass bei einer Tabelle, bei
der stets leerer Platz vorhanden war, die also immer den Anblick
eines Unfertigen, Ergänzungsfähigen darbot, später in bester Absicht
isch Manches hinzugeschrieben wurde, was man für nothwendig
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)und nur irrthümlicher Weise vergessen hielt. Dass aber dieses
grade hier geschah, dafür sprechen mannichfache Beweisgründe.
Ein Zeugniss dürfte schon darin zu finden sein, dass die beiden Handschriften E und C, welche vorzüglich als Quelle dienen,
während ihr Text in den betreffenden Capiteln, so viel ich aus der
Uebersetzung von C, so weit sie gedruckt ist, entnehme, wörtlich
übereinstimmt, grade in der Zeichnung des Abacus ziemlich
verschieden sind. Ich lege dieser Vergleichung die Beschrei- bung des Abacus in C zu Grunde, wie sie in der deutschen Uebersetzung von Chasles’ Geschichte der Geometrie enthalten ist. 446)
Dieser Abacus besteht gleich dem von Erlangen aus 12 Kolumnen.*37) Uebereinstimmung herrscht auch darin, dass alle Kolumnen römisch geschriebene Kopfzahlen besitzen, deren niederste, die
Eins, rechts steht, die anderen nach der Linken zu immer um das
Zehnfache fortschreiten. Ueber diesen Kopfzahlen stehen in den
ersten 10 Kolumnen von rechts nach links gezählt Zahlzeichen für
1 bis 9 und noch ein zehntes Zeichen. . Hier fängt die Verschiedenheit bereits an.
Im Texte von E und C waren die Zahlzeichen
nahezu identisch (Figur 40 u, 41); auch die Zahlzeichen auf
dem Abacus in E stimmen sehr nahe damit überein (Figur 39);
um so mehr weichen davon die Zahlzeichen ab, welche auf dem
Abacus in C abgebildet sind (Figur 43). .Gehen wir höher hinauf,
so sind in E alle 12 Kolumnen je mit einem kleinen Kreisbogen
abgeschlossen; in C fehlen dieselben, wenigstens giebt sie Chasles
in seiner sehr genauen Beschreibung nicht an. Noch höher finden
sich über den einzelnen Kolumnen wieder von rechts nach links
gewisse Wörter, welche, um es gleich im Voraus zu sagen, als Namen der Ziffern aufzufassen sind, und welche wieder eine Verschiedenheit darbieten. Die 4 ersten Wörter, sowie das 7. und 8. heissen zwar genau übereinstimmend: igin, andras, ormis, arbas, zenis, temenias; aber das 5. und 6. heissen inE: quinas, calctis, in C: quimas, caltis; das 9. und 10. heissen
in E: celentis, sipos, während in C diese beiden Namen gemeinsam über der 9. Kolumne stehen, und zwar der letztere über dem
ersteren. Noch viel wesentlicher unterscheiden sich C und E abwärts
von den römischen Kopfzahlen.
In C stehen unter der die Kopfzahlen enthaltenden Zeile drei andere Zeilen, welche in römischen
Ziffern andere Zahlen enthalten, welche die Hälfte, der vierte und
achte Theil dieser ersten sind,
In zwei anderen Zeilen endlich
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)stehen andere römische Charaktere, welche die Theile der Unze angeben und in einer folgenden sind die Zahlen 1, 2...12 in römischen Ziffern geschrieben, natürlicher Weise, wenn es auch bei
Chasles nicht ausdrücklich angegeben ist, jede Zahl in einer der
Kolumnen.
Ganz anders verhält es sich bei E, wo das Bestreben
zwar nicht zu verkennen ist in drei weiteren Zeilen ebenso wie in
C die Hälfte, ein Viertel und ein Achtel der Kopfzahlen anzugeben,
aber das Resultat ist missglickt, so dass z. B. die einzelnen Zeichen
halbirt sind, wenn das Product derselben nur halbirt sein sollte
und dergleichen mehr.
Ich kann also hier mit gutem Gewissen abschreiben, was anderwärts über den Abacus in E gesagt ist, 1?®) dass sich hier ein
Verfasser verrath, der wenig mathematische Kenntniss besass, der
Passendes und Unpassendes zusammen in sein Buch eingetragen hat,
dem aber sicherlich die römischen Ziffern viel geläufiger waren, als
die seltsamen neuen, die er bei Andern kennen gelernt und desshalb
oben auf seine Tafel hingeschrieben hat. Nur eine Veränderung
sei mir bei diesen Sätzen gestattet, damit sie meine Ansicht deutlicher enthalten, dass ich nämlich für Verfasser Schreiber setzen
darf.
Der arme Mönch, welcher die Geometrie des Boethius ins
Reine zu schreiben bekam, ohne vielleicht irgend gediegene Kenntnisse der Mathematik zu besitzen, der war es, welcher die einfachere Figur des Abacus aus dem Originale so veränderte, wie er
glaubte verbesserte. Sein Wille war dabei so gut, wie der des
trefflichen Ballhorn, als dieser auf der letzten Seite seiner Fibel
das bis dahin übliche Bild eines an den Füssen gespornten Hahns
in das eines ungespornten verwandelte, dem zur Seite er noch ein
Paar Eier anbrachte. Nur war unser Mönch bescheidener als sein
läbecker Nachfolger im 16. Jahrhundert, der es sich nicht nehmen
liess, jenem Bilde das: „verbessert durch Johann Ballhorn“ beizusetzen. Für die Richtigkeit meiner Ansicht spricht auch noch ganz
besonders, dass, wie gleichfalls ein Gegner sich aasspricht: 3°) „die
Ausführung des Abacus in E nicht die Sorgfalt zeigt, mit der sonst
das Manuscript geschrieben und auch die zweite Tabelle ausgeführt
ist. Doch sind -die Schriftzüge so ähnlich und auch an anderen
Stellen finden sich nachlässiger gezeichnete Figuren in solcher Weise,
dass dieselbe Hand, nur eilfertiger, zuvor Uebergangenes nachtraglich eingetragen zu haben scheint.“ Die Handschrift C zeigt ähnliches Verbesserungsbestreben von einem wie es scheint besser Vor-
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)gebildeten.
Der Schreiber von C wollte den Abacus so ergänzen,
wie er zu seiner Lebenszeit den Arithmetikern diente. Denn dass
hier Einiges jedenfalls nachgetragen ist, beweisen die letzten in
E ganz fehlenden Zeilen, in welchen, so viel ich aus der Beschreibung von Chasles entnehmen kann, jene Minutien abgebildet sind,
deren Zeichen, wie ich bewiesen habe, Boethius absichtlich vermeidet.
Das kann also im Originalmanuseript
nicht vorhanden gewesen sein.
Ich glaube also hiernach gezeigt zu haben, dass es uns nur
darauf mit Bestimmtheit ankommen kann, die Möglichkeit zu erweisen, dass Boethius die neun Zeichen des Textes kennen konnte, da
durchaus unklar ist, wie viel von dem Inhalte der Tabelle echt,
wie viel nachträglicher Zusatz ist.
Halten wir uns also zunächá
an diese Zeichen, so müssen wir natürlich die Spur verfolgen,
welche im Texte selbst angegeben ist, und welche ich schon benutzte um die Zeichen zu benennen, d.h. wir müssen auf die griechischen Pythagoriker zurückgehen.
Dass Boethius überhaupt Zeichen von den Pythagorikern entlehnte, ist eine Thatsaché, welche wohl bedeutsam genug ist, um nicht wie von den bisherigen Schriftstellern
über meinen Gegenstand mit Stillschweigen übergangen zu werden.
Ich meine nämlich die musikalischen Zeichen der einzelnen
Tonarten, welche in dem 3. Kapitel des 4. Buches der Musik erläutert sind, und von denen geradezu gesägt ist, sie seien von den
alten Musikern erfunden worden, damit die Nothwendigkeit nicht
immer vorliege die vollständigen Namen zu schreiben; sie seien
Abkürzungen und als solche aus einzelnen griechischen Buchstaben
gebildet, die theils verkürzt, theils gedreht erschienen. Er, Boethius, wolle natürlich Nichts an "diesen alten Zeichen verändern,
sondern überliefere sie, wie er sie selbst lernte:
Wie sollte man nicht fühlen, dass es dazu eine Parallelstelle
ist, wenn in der Geometrie von den Zeichen der Längenmaasse gesagt wird, *26) sie seien theils griechischen, theils fremdländischen Ursprunges, ihre eigentliche Erklärung kenne er nicht
und wolle desshalb nicht den schon an sich unklaren Gegenstand
durch dunkle Zeichen noch mehr verhüllen. Diese Stelle diente
mir schon im letzten Kapitel in erheblicher Weise; auch jetzt gewährt sie mir den Nutzen, dass aus ihr ersiehtlich wird, welcherle
Art die Zeidhen waren, welche die Pythdgoriker einführten, wenig-
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)stens wie sit schon dem Boethius vorkamen: theils griechischen,
theils fremdländischen Ursprunges, ein Gemenge von Reminiscenzen
aus verschiedenen Bildungskreisen, wie alle die vielen Kermtnisse,
welche in der Schule des Pythagoras ihre Fortpflanzung fanden,
dunkel und neu, wie die pythagorischen, Lehren in ihrer mysterienhaften Einkleidang es sämmtlich waren. Das ist dasselbe Resultat,
zu welchem ich im 10. Kapitel (S. 143) durch aprioristische Betrachtungen gelangte. Es wäre nicht ohne Interesse grade jene Zeichen
der Längenmaasse, von denen hier zuletzt die Rede war, und die, wie
teh schon gesagt habe, aus späteren Werken vielfach bekannt sind, einer
näheren Untersuchung auf ihre mögliche Erklärung zu unterwerfen, einer Untersuchung, die aber freilich die frischen Kräfte eines
Forschers erfordert, der ebenso in den orientalischen Sprachen, wie
ih der pythagorischen Philosophie zu Hause wäre. Vielleicht würde
er m Uebereinstimmung mit einer früher angeführten Hypothese von
Böckh 6?) auf einen babylonischen Ursprung hin zurückführen
können.
- Eine dritte Reihe von Zeichen ist also endlich die Reihe der
neun Zahlzeichen, welche im Texte der Geometrie vorkommen. In
Bezug auf ihre Bedeutung äussert Boethius sich gar nicht, so dass
also folgende Meinung begründet ist: Die musikalischen Noten verstand Boethius und konnte sie dem Laien leicht mit ein paar Worten erklären, desshalb that er es auch.
Die Zeichen der Minutien
waren ihm selbst unverständlich, und er gesteht es offen ein.
Die
Zahlzeichen verstand er zwar, oder glaubte doch sie zu verstehen,
was für ihn dasselbe ist, fühlte aber, wie schwer ihre Erläuterung
dem Laien gegenüber sei, und überging daher deren Bedeutung mit
Stillschweigen. So viel ich weiss, sind bis jetzt folgende Ableitungen dieser Zahlzeichen angegeben worden, welche mit dem indirect
prthagorischen Ursprunge wohl Hand in Hand gehen können.
Hager 63) hat versucht, einen chinesischen Ursprung der Zahlzeicheti zu constatiren, und mit ihm ist Paravey 6?) so ziemlich
gleicher Meinung, nur dass dieser nicht immer Alles direct ableitet,
fonder miancherlei Uebergänge zulässt, andrerseits aber viel weitr gebt, da ihm übereinstimmend mit biblischen Sagen die Ureinheit der menschlichen Bildung Grundhypothese ist, so dass er
aus einer einzigen mittélasiatischen Bilderschrift alle Schriftarten,
Buehötaben wie Zahlzeichen ableitet, die chinesische, wie die egyptische, wie die phdnikische, aus welcher dann die griechische u: s. w.
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)entstanden. So viel Scharfsinn der Erste, so viel tiefes Wissen der
Zweite aùfwenden, so kann ich doch unmôglich auf dieses Gebiet
ibnen folgen. Nur eine Behauptung von Hager will ich als ziemlich
wichtig hier einschalten, eine Behauptung, die freilich Niemandemfremd sein wird, der sich irgendwie lehrend oder lernend mit vergleichenden Sprachstudien zu beschäftigen Gelegenheit hatte. Um
Aehnlichkeit von Zeichen zu begrühden, ist és nur nöthig, dass
die einzelnen Zeichen auf einander hinweisen, ohne dass es auf die
Lage derselben, und ganz besonders ohne dass es auf ihren genauen
Sinn ankommt.
Was namentlich den letzteren Punkt betrifft, so
erinnere ich daran wie noch heute das Wort Billion in der deutschen Sprache eine 1 mit 12 Nullen bezeichnet, während dasselbe
Wort dem Franzosen nur eine 1 mit9 Nullen bedeutet. Ich mache
ferner auf die zwei Manuscripte des Maximus Planudes aus der
Bibliothek San Marco in Venedig aufmerksam (Figur 22), in
welchen die sieben des einen grade so aussieht wie die acht des
anderen, und die zwei und drei das einemal stehend, das andremal liegend auch dem ersten Theile der Behauptung zur Ilustration dienen. Unter diesen Voraussetzungen ist es allerdings wahr,
dass die Zeichen,
welche Hager für eins, zwei, drei, fünf,
acht, neun angiebt, die grösste Aehnlichkeit mit den Zeichen darbieten, welche in E in der Bedeutung eins, zwei, drei, acht,
sieben, vier vorkommen. Aber ich möchte daraus doch nicht
auf die unbedingte Richtigkeit seiner Behauptungen schliessen, da
ich nicht im Stande bin, seine zum Ausgangspunkte dienenden
Zeichen gleichmässig als altchinesisch anzuerkennen, wie es doch nothwendig wäre. Soviel nur ist hervorzuheben, dass bei einer, ich möchte
sagen, eklektischen Benutzung von Zahlzeichen, wie sie nicht unmöglich ist, einige Elemente chinesischen Ursprungs sein konnten :
Eine zweite Erklärung hat Piccard in seinem Vortrage in der
waadtländer naturhistorischen Gesellschaft gegeben. 114) Er findet
in den Zeichen des Boethius der Hauptsache nach die neun ersten
Buchstaben wieder, wozu er verschiedene Alphabete in Contribution
setzte, welche mehr oder weniger direct aus dem phönikischen sich
ableiten (Figur 44). In dem ersten Zeichen sieht er das griechische iota, welches ursprünglich 1 und erst später 10 bedeutet habe,
eine Hypothese, der wir schon öfters begegnet sind. Das zweite |
Zeichen ist ihm ein beth in verschiedenen Varianten. Das dritteist —
genau das koptische gamma, dem das auf einer farnesischen I
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)schrift einigermassen ähnelt.
Das vierte Zeichen ist die Verdoppelung von zwei; das fünfte ist entweder ein byzantinisches v,
welches ja bei den Römern fünf bezeichnete, oder wahrscheinlicher ein
samaritanisches he, der fünfte Buchstabe des Alphabets in der Gestalt, wie die Figur sie zuletzt zeigt.
Das sechste Zeichen beruht
wieder auf conventioneller Einführung ähnlich dem vierten. Es ist
nämlich die Umkehrung der fünf, oder vielleicht ein chaldäisches
vav mit veränderter Stellung, oder endlich ein verdoppeltes gamma.
Das siebente Zeichen kommt von zeta in seinen verschiedenen Varianten, das achte von cheth, das neunte von dem ebensovielten
Buchstaben des phönikisch-samaritanischen Alphabetes oder von
dem griechischen theta. So weit die Hypothesen Piccards, die ich
zwar nicht vollständig zugeben, aber noch weniger vollständig verwerfen möchte. Auch in den von ihm aufgestellten Analogien erkenne ich einige der Elemente, aus denen man die Zeichen sich
bildete.
|
Dass nämlich eine nicht absolut einheitliche Herkunft
anzunehmen sei, stimmt mit den Ansichten auch. der beiden Gelehrten überein, welche einen dritten jetzt zu erwähnenden Erklärungsversuch aufstellten.
Vincent 4‘) ist deren Urheber und hat zuerst
1839, dann ausführlicher 1845, sie veröffentlicht, Martin 1%!) hat
nur wenig. Neues noch hinzugefügt. Vincent geht dabei von zwei
Stellen des Aristoteles aus,
* 42) deren eine angiebt, bei einigen Philosophen seien Ideen und Zahlen von derselben Natur, während die
andere die Anzahl beider durch die Zehn begrenzt. Er beruft sich
ferner auf ein von Porphyr uns aufbewahrtes Fragment des zu Neros Zeiten lebenden Pythagorikers Moderatus, **3) aus welchen er
den Beweis schöpft, dass die Arithmetik der Pythagoriker mit einem
Systeme hieroglyphischer Zeichen zusammenhing, durch welche sie
die Ideen über die Essenz der Dinge darstellten. Ich kann dieser
Meinung nicht beipflichten und halte es daher für unnöthig, das
ganze Fragment hier mitzutheilen, in welchem ich Nichts weiter
sehe, als eine Anspielung auf die Zahlensymbolik der Pythagoräer.
Gleichwohl ist auch ohne eine besondere Berufungsstelle sehr gut
möglich, dass. die weiteren Folgerungen von Vincent richtig sind.
Es ist in der That nur wahrscheinlich, dass die späteren Pythagoräer,- die sogenannte alexandrinische Schule, wie sie musikalische
und andere Noten erfand, auch die Zahlzeichen, die sie schon besass, so auffasste, dass sie mit der zahlensymbolischen Bedeutung
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)der einzelnen dargestellten Zahlen wirklich zusammenhingen, und
dass man dabei den armen Begriff, wenn er nicht allsogleich passte,
so bearbeitete wie die Reisenden, welchen Prokustes eine verratherische Gastfreundschaft gewährte.
Einige Beispiele mögen zeigen, wie mau bei Etymologien und
Erklärungen unbekannter Wörter auch in späteren Zeiten umzuspringen pflegte. Bekanntlich wird in der Trigonometrie das Wort
Sinus gebraucht um die Länge einer gewissen Linie in dem Kreise
von dem Halbmesser 1 zu bezeichnen. Das Wort kommt zuerst
einmal in einer Uebersetzung des arabischen Astronomen Albatenius durch Plata von Tivoli vor am Anfange des 12. Jahrhunderts
und von daan häufiger, zuletzt allgemein. Die Entstehung des Wortes kam aus dem Gedächtnisse, und so ersann Godin in der Mitte
des vorigen Jahrhundert eine sehr geistreiche Etymologie. Er nahm
nämlich die Verdoppelung jener Linie, welche als Sinus bezeichnet
wird und machte darauf aufmerksam, dass man so die Sehne erhalte, welche dem doppelten Centriwinkel, also dem ebensogrossen
Peripheriewinkel wie der vorher betrachtete Centriwinkel gegenüberliege. Man habe es also eigentlich mit der Hälfte einer Sehne zu
thun, Hälfte heisse semissis, Sehne inscripta, die Zusammensetzung
sei daher semissis inscriptae, abgekürzt s. ins., und daraus endlich
sei sinus geworden. Man war allgemein erfreut in dieser Weise
das Räthsel so manchen Jahrhunderts endlich gelöst zu sehen. [nd
doch beruht die ganze Sache auf einem Irrthum. Sinus ist yielmehr nichts Anderes als die wörtliche Uebersetzung von dschaib, der
Busen, wie jene Linie bei arabischen Schriftstellern, wenn auch nach
nicht bei Albatenius, genannt wird, ***) und spit man dieses weiss,
ist zwar der eigentliche Ursprung, warum jene Linie dschaib hiess,
wieder so räthselhaft als vorher der Sinus es war, aber man ist
doch wenigstens die halbe Sehne wieder los geworden. Ein zwei
tes Beispiel wird uns durch Lucas Paccioli geboten, wenn er das
Wort Abacus aus modus Arabicus, Arabische Methode ableitea
lässt. #5) Ein drittes Beispiel werden wir noch in dem Worte
Algorithmus kennen lernen, an welchem man lange genug her
unigekiinstelt hat, bis Reinaud die richtige Abstammung entdeckte.
Wenn ich endlich aus den bisherigen Untersuchungen die Erklärungen
‘der römischen Zahlzeichen durch Priscian in Erinnerung bringe,
die der indischen durch Abenragel, dann wird die Möglichkeit sicher
einleuchten, dass die jetzt anzugebenden Erklärungen zwar nicht
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)den eigentlichen Ursprung der Zahlzeichen uns enthillen, aber in
sehr früher Zeit gegeben werden konnten, und dann ein Beweis für
die damalige Existenz der Zeichen bilden.
.
Von diesem Gesichtspunkte aus lassen sich also die Hypothesen von Hager, von Paravey, von Piccard je nach individueller Ansicht festhalten; man kann mit Martin darauf aufmerksam machen,
dass die pythagorischen Zeichen far 1, 2, 3, 4 und 9 grosse Aehnlichkeit mit den gleichwerthigen hieratischen Ordnungszahlen (Fi-
«ur 4) besitzen, welche mit den Monatstagen verbunden auf egyptischen Inschriften vorkommen; man kann, und das ist meine persöpliche Meinung, an einen Eklekticismus denken, der die Zahlzeieben ursprünglich aus aller Herren Länder zusammenraffte, ähnlich
wie es wohl mit den astronomischen Zeichen der Planeten geschehen ist, und kann mit allen diesen Hypothesen es vereinigen,
dass
die Zahlzeichen zuletzt von den Alexandrinern, ich möchte sagen,
pythagorisch gestempelt wurden. Dieses nachträglich aufgedrückte Gepräge zu erkennen, dazu gehörte freilich eine Bewandertheit in der pythagorischen Zahlensymbolik, wie Vincent sie besitzt, upd deren Anwendung dann auch noch eine schwierige war,
da eben jene Zahlensymbolik eine sehr wechselnde war und mit
derselben Zahl zu verschiedenen Zeiten andere Ideen verband, auch
wohl die vorgestellte Idee zu einer anderen Zahl übergehen liess.
So ist auch Röths in einem früheren’ Kapitel gerühmte Darstellung
der pythagorischen Symbolik 18°) noch nicht ganz vollständig, da
nur wenige der hier zu nennenden Gedankenverbindungen bei ihm
vorkommen, der sich allerdings zumeist mit der Symbolik der alten Schule beschäftigte. Es ist daher nur zu bedauern, dass Röth
die hier einschlagenden Arbeiten von Vincent oflenbar nicht kannte;
denn nur er hätte den vollständigen Nutzen ausihnen ziehen können, den
sie gewähren können, oder wäre befugt gewesen, ihnen zu widersprechen.
Die drei ersten Zahlzeichen lassen eine so leichte Erklärung
durch Verbindung von 1, 2, 3 Strichen zu, dass man gleich zu
Anfang wohl am Meisten erstaunt, wenn man Vincent’s Hypothese
lest, diese Zeichen seien als charakteristische Körpertheile der
Frau sowie des Mannes und dann drittens als deren Vereinigung
gedeutet worden. Und doch lässt diese Annahme sich sehr wohl
vertheidigen. Die Pythagoräer sahen in der Einheit den Ursprung,
die Quelle aller Zahlen, das wissen wir aus den verschiedensten
Schriftstellern, z.B. aus Boethiys. Die Eins war darnach die Mutter
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)der Zahlen, was auch Horapollo bestätigt,
!°) indem er ihr freilich gleichzeitig auch Zeugungskraft beilegt. Auch der Gegensatz
spricht dafür, dass es Zeiten gab, in welchen man die Eins als
das weibliche Princip auffasste, imdem die Zwei als mit Mannlichkeit versehen aus mathematischer Quelle bekannt ist,*46) und
ebenso von einem Mathematiker grade ihr Zeugungsfähigkeit” zuge- —
schrieben wird.447) Dass aber die Drei als die harmonische Verbindung der beiden ersten Principien bei allen Pythagorikern galt,
geht aus den verschiedensten Quellen hervor, von denen ich nur
den mir am Nächsten liegenden Theon von Smyrna **8) nennen
will, und somit ist in der That die Möglichkeit der Vincent’schen
Deutung der 3 Zeichen dem Sinne nach und augenscheinlich auch
dem Bilde nach vorhanden.
:
Die Vier trägt den Schlüssel der Natur in sich, 9) lässt Photius alte Pythagoriker sagen, und so konnte man sie in Gestalt
eines Schlüssels darstellen. Den erkennt denn auch Vincent in dem
pythagorischen Zeichen und bringt damit das Henkelkreuz der Hieroglyphen in Verbindung, welches er als Schlüssel zur zukiinftigen
Welt auffasst, und welches bei geneigter Lage oftmals wie eine mo‚derne Vier aussehe.
Diese Aehnlichkeit kann ich nicht in Abrede
stellen, glaube aber doch, dass man die 4 elier als die Verdoppelung der umgedrehten 2 ansah, wofür der Beleg nachgeliefert werden wird.
|
Für die Zahl fünf steht wieder, was natürlich am Angenehmsten ist, eine pythagorisch-mathematische Quelle zu Gebot. Dem
in einem derartigen Werke finden sich folgende Bemerkungen:
*°*)
|
Wenn man die Zahlen 1 bis 9 in einer Zeile schreibe, so stehe5
in der Mitte; vergleiche man daher die Reihe der 9 Zahlen mit
einem im Gleichgewicht befindlichen Wagebalken, so stelle die 5
den Aufhängepunkt dar, und desshalb habe man ihr den Namen der
Zahl der Gerechtigkeit gegeben. Wenn nun damit übeinstimmend
|
Photius die 5 die Zahl des Gleichgewichts nennt, ?%') so kann man
sich wohl veranlasst fühlen in dem pythagorischen Zeichen für ©
den Haken zu sehen, an welchen eine Wage aufgehängt zu werde»
pflegt.
Die Erklärung der Sechs durch Vincent ist weitaus am Scharf—
sinnigsten, und wenn sie auch zunächst künstlich erscheint, so wer”
den wir doch sehen, dass grade sie am festesten steht und unserer”
ganzen Lehre von den im Besitze des Boethius gewesenen pytha—
Pagina 12
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)gorischen Zeichen zur ganz besondern Stütze dient.‘ Vincent hält
nämlich von den verschiedenen Varianten, in welchen das Zeichen
vorkommt, diejenige für die normale, bei welcher rechts von einem
kleinen Vertikalstrich ein kleines Quadrat steht, und erläutert das
Bild dahin, dass es die Einheit des Gewichtes und des Maasses,
die Unze bedeute.
Dem Augenscheine nach ist dieses möglich;
aber die Wahrscheinlichkeit wächst fast bis zur Gewissheit, wenn
Vincent uns -auf eine Sielle des Cassiodorus 5?) aufmerksam macht.
Er hätte nur noch hervorheben müssen, dass der 10. Brief des ersten Buches der Briefsammlung, in welchem jene Stelle vorkommt,
überdies an Boethius gerichtet ist, wodurch die Bedeutsamkeit in
meinen Augen wenigstens gar sehr ‘erhöht wird. Der Briefsteller
drückt sich nämlich dort so aus: „Die Sechs bat das gelehrte Alterthum nicht mit Unrecht die vollkommene Zahl genannt und als
Unze bezeichnet, welche die Einheit des Maasses ist.“
Und mit
diesem einen Satze rechtfertigt sich sowohl die Auffassung von Vincent, als mein eigener früherer Ausspruch, dass Boethius den Zahlzeiehen einen ganz bestimmten Sinn beilegte, der freilich zu complicirter Natur war, um ihn in der Kürze mitzutheilen, welcher er der
ganzen Natur seines Buches nach nicht ungetreu werden durfte.
Wenn ich soweit die Ansichten von Vincent in der nicht geaug hervorzuhebenden Beschränkung eines nachträglich Hinzugekommenen und mit Ausnahme der 4, welche ich als verdoppelte 2
auffasse; mit voller Ueberzeugung unterschreiben möchte, so ist
dieses weit weniger der Fall in Bezug auf eine andere von ihm
ausgesprochene Meinung, welche ich indessen jedenfalls mittheilen ©
muss. Er beruft sich auf eine Stelle aus dem der pariser Bibliothek angehörigen noch unedirten Commentare des Olympiodor, jenes berühmten Philosophen aus der ersten Hälfte des, 6. Jahrhunderts zum platonischen Phädon, in welcher angegeben ist, *55) man
babe insbesondere zwei Triaden von Ideen unterschieden: Güte, Gerechtigkeit, Schönheit und Grösse, Gesundheit, Kraft. Diese beiden
Triaden, meint nun Vincent, hätten ihre Darstellung in -den Zahlzeichen von 4 bis
9, und schlössen sich an die erste Triade 1, 2,
3 dadurch an, deren Zusammenhang schon dargestellt wurde.
Es
sei hier eine unverkennbare Uebereinstimmung mit den gleichfalls
in Gruppen von je dreien auftretenden Sephiroth oder Numerationen der Kabbala.*25*) Was nun weiter die Triade 4, 5, 6
betreffe, so sei 4 schon anderweitig in Beschlag genommen, könne
Cantor, math. Beitr.
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)daher den Begriff der Gite nicht näher repräsentiren, 5 hingegen
sei die Gerechtigkeit, 6 die Schönheit oder was damit ziemlich zusammenfalle die Vollkommenheit, als deren Reprasentant die erste
vollkommene Zahl besonders geeignet erscheine.
Far die nichtmathematischen Leser dieser Schrift ist es wohl
nothwendig, ‚die letzten Worte noch etwas zu erläutern.
Vollkommen neent man nämlich seit der Zeit der griechischen Mathematiker eine Zahl, welche der Summe aller ihrer Faktoren gleich ist.
So sind 1, 2, 3 die sämmtlichen Faktoren von 6, d.h. die sämmtlichen Zahlen, durch welche 6 ohne Rest theilbar ist; ferner sind
1, 2, 4, 7, 14 in demselben Sinne die sämmtlichen Faktoren von
28.
Da nun die Summe von 1, 2, 3 gleich 6, die Summe vòn
1, 2, 4, 7, 14 gleich 28 ist, so nennt man 6 und 28 vollkommene
Zahlen. Solche Zahlen sind überaus selten, unterhalb 100 Millionen giebt es deren aur vier, wovon die 6 die erste ist. 455)
Dass man nun diese Eigenschaft der 6 als vollkommene Zahl
berücksichtigte, geht allerdings aus jenem Briefe des Cassiodorus
hervor; gleichwohl möchte ich, von meinem Standpunkte aus, die
in sich abgeschlossene und fest zusammenhängende Hypothese von
Vincent nicht annehmen, denn an einen derartigen vorexistirenden,
die Bildung der Zahlzeichen beeinflussenden Gedanken glaube ich
überhaupt nicht, und dass die Alexandriner éine so einheitliche
Nacherklärung erfunden hätten, die sämmtliche Zahlzeichen umfasste, ist unwabrscheinlich genug. Man wird einwerfen, dass was
eininal geschah, auch mehrmals geschehen konnte, dass eine Erklirung, die Vincent im 19. Jahrhundert erdachte, auch für das erste
oder zweite Jahrhundert keine Unmöglichkeit war. Dieser Einwand
hat in der That einige Berechtigung, trotzdem ist er nicht unbedingt gültig,,da Vincent zur Bildung seiner Hypothese noch andere
Hilfe als die blosse Gestalt der Zeichen zu Gebute stand.
Hat indessen Vincent die Wahrheit getroffen, so ist 7 das
Symbol der Grösse, 8 das der Gesundheit, 9 das der Kraft, und
dem entspreehend sieht er in dem Zeichen von 7 einen Zirkel, is
dem von 8 eine Schlange, in dem von 9 einen Ithyphallus, welche
sus
ihn nöthigt als Normalform die Gestalt anzusehen, welche in deæ
Handschrift C auf dem Abacus sich findet (Figur 43).
Mit dieser letzten Erklärung bin ich einverstanden, wozu miclsaber der zweite Grund veranlasst, welchen Vincent neben seiner B—
rufung auf Olympiodorus gleichfalls andeutet.
Neun ist nämlich, -
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)als drei‘ mal drei, die Quadratzahl jener ersten Vereinigung des
graden und ungraden Zahlenelementes, oder wie Theon von Smyrna
besonders hervorhebt:*56) neun ist die erste Quadratzahl unter
den Ungraden. Das Quadrat aber oder die zweite Potenz wird bei
den Griechen fast immer Potenz im engeren Sinne genannt, mit
griechischem Namen dynamis d.h. Kraft und somit ist das angegebene Symbol vollständig geeignet den Begriff der Zahl darzustellen.
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Die Bedeutung der Zeichen für Sieben und Acht fasse ich
dagegen anders. Sieben ist die Anzahl der Himmelskörper und
trägt den symbolischen Namen der Zeit, des Zeitmaasses.
#57) Sollte
darin nicht Grund liegen, auch das Zeichen so aufzufassen, dass es
die Zeit symbolisire? Und dieses könnte in doppelter Weise geschehen, deren keine dem Bilde widerspricht. Es gleicht ebensowohl
einer Sense, als einem Gnomon, mit dessen Hilfe Sternbeobachtungen gemacht wurden, doch möchte ich lieber das Letztere darin
sehen. _
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Endlich in acht Kugelsphären bewegen sich die kreisformig
rollenden Himmelskörper,*58) und darnach ist vielleicht in dem
Zeichen der acht die Verbindung mehrerer Kreise gelesen worden.
Ich gebe diese Vermuthungen natürlich nur als solche, und glaube
gern, dass wohl bessere und ungezwungener dem Bilde sich anschliessende ausfindig gemacht werden können. So viel jedoch
dürfte aus dem hier Angegebenen hervorleuchten, dass der Möglichkeit Nichts im Wege steht, die Zeichen, welche ich früher schon
als pythagorische benannte, mit Hülfe pythagorischer Ideen zu deuten, und dass die Gestalt der alten Sechs ganz vorzüglich darauf
hinweist, dass Boethius die Zeichen kannte und eine von der unseren nicht abweichende Erklärung derselben ihm zu Gebote stand.
Es ist jetzt auch wohl in Erinnerung zu bringen, dass bei
Montfaucon eine Handschrift eines Werkes des Boethius in zwei
Büchern „über die Zahlen“ erwähnt wird, *59) welche in dem
Vatican sich befinde. Chasles hat bereits, aber wie es scheint bisher vergebens, auf diese Notiz aufmerksam gemacht, und so möchte
ich an Alle, die dazu Gelegenheit haben, die Aufforderung erneuen,
sich dafür zu interessiren „dass dieses Manuscript, welches für die
Geschichte der Wissenschaft von Nutzen sein könnte, aus dem
Staube der Bibliothek hervortreten möchte.“
Als ich im Anfange dieses Kapitels den Abacus der beiden
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)wichtigen Codices E und € beschrieb, erwälinte ich der fried
ar tig klingenden Wörter, welche sich zwar aufdemselben, ‘aber
nicht in dem eigentlichen Texte der Geometrie angegeben finden.
Dieselben Namen finden sich nun auch in anderen Handschriften
des 11. Jahrhunderts in vielfach abgeänderten Varianten. Chasles
hat die acht ersten und den zehnten in einem anderen ‘Stücke des
Manuscriptes C als in der Geometrie des Boethius wiedergefunden.
Sie sind dort in lateinischen Versen enthalten, welche zur Erläutetung der Namen dienen, und diese Erläuterungen dienten Vincent
zur Aufstellung einiger seiner Hypothesen für die symbolische Deutung der Zeichen, ebenso wie einige derselben meinen von Viticent
“abweichenden Meinungen zur Unterstützung dienen. Damit ist hinlänglich angedeutet, dass diese Verse ihrem Sinne nach indirect pythagorischen Ursprunges sein können.
massen. 460)
Sie heissen etwa folgender.
Igin führet das Zeichen in erster Stelle zum Namen.
Auf den zweiten der Plätze erhebet Andras den Anspruch.
Dann als erste einfache Zahl folgt Ormis auf jene.
Zweimal zeiget die Zwei das jetzt nachfolgende Arbas.
Quimas bildet die Fünf mit ausersonnenem Namen.
Ihrer Vollkommenheit freut sich die Caleis an sechsester Stelle,
Siebenfältiger Ehre erglänzet am Würdigsten Zenis.
Und die glückselige Acht zeigt nur Termenias einzig.
Aehnlich gestaltet dem Rade ist was hier Sipos ich nenne,
Offenbar fehlt hier ein Vers für das Wort Celentis, welches
wie Chasles angiebt im Verlaufe der Schrift als Name der 9 noch
vorkommt. Vergleichen wir diese Erklärungen der Namen mit unseren vorhergehenden Erklärungen der Zeichen, so findet bei der
4 Uebereinstimmung mit der von mir als wahrscheinlich verthei—
digten Hypothese statt. Der Vers für 6 stimmt dem Sinne nach
durchaus mit der Annahme von Vincent, für welche auch der Nam
eine nicht geringe Bestätigung liefern wird. Der für 7 hat wieder
eine leichter verständliche Fassung, wenn die sieben Himmelskör—
per in meiner Weise beigezogen werden, als wenn das Zeichen ei—
nen Zirkel darstellt. Endlich die übrigen Verse mit Ausnahme des
letzten, den ich nachher noch bespreche, sind mir, ich gestehe es_
in jeder Weise noch dunkel, oder bieten mir wenigstens keinenss
Grund mich für eine bestimmte Deutung der Zeichen zu ‘erklären.
Ich komme zu dem eigentlichen Wortlaute der zehn ‘Namen
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Vier davon, nämlich Arbas, Quimas, Zenis, Fermenias,
wie, sie, in den angeführten Versen heissen, sind unzweifelhaft orientaliach, wie schon Huet. bemerkt hat, der Erste, welcher überhaupt
mit diesen Namen sich beschäfiigte, die ihm von Graevius aus, ejnem alten Manusgripte des Boethjus mitgetheilt worden. wagen. #1)
Ex erkannta bereits in ihpen Verunstaltungen, der hebräischen Zahlwéeter fis. vier, fünf; sieben, acht, und darin stimmt ihm Nesselmaaan 4%) im Ganzen bei, wiewohl dieser Forscher das Wort Termenias vielmehr als aramäisch charakterisirt.
Statt dieser Wortform. findet sich indessen in einem Manuscripte des kritischen Mu- |
saums.**3) auch die Lesart Zementas, welche mehr auf die hebräische. Form zurückzudeuten scheint.
Zugleich mit den hebräischen
Formen theilt übrigens Nesselmann auch überall arabische ähnlich
klingende Parallelwörter mit. Prof. Gildemeister
19%) geht sogar. so
weit, ausdrücklich. zu erklären, es sejeg nicht hebräische, sondern
nar arabische Wörter. die zu Grunde liegen; dagegen Prof. Spiegel455) dieser Meinung nur für das zehnte hier noch picht in Bewacht kommende Wort beipflichtet, im Uebrigen auch einen nichtarabischen Ursprung zugesteht.
Die Wörter Ormis, Calcis, Celentis hat ausser Vincent
jeder bisherige Forscher als unerklärlich zugestanden.
Igin und
Andras haben dagegen Nesselmann und Gildemeister zu deuten
versucht. Der Erstere vom Hebräischen aus, indem er die Stammwörter echad eins und achar der Andere annimmt; der Zweite
aus. dem Persischen, und Arabischen, indem er sie als Verstümmelang von Yagân, dem persischen Eins, und Annadir, arabisch der
entgegengesetzte Punkt, auffasst.
j
Vinoenk hat nun sowohl diese beiden Wörter, als auch die drei, welche die Bemühungen aller anderen Gelehrten zu Nichte
machten, aus dem Griechischen erklärt, und zur wesentlichen
Unterstützung seiner von mir getheilten Ansicht der alexandrinischen
Entstehung der Namen muss es dienen, dass wie er hervorhebt die
vier Zablworter barbarischen Ursprunges eben nur Zahlwörter aus
femden Sprachen in mehr oder weniger verderbter Form sind,
während die. griechischen Namen sämmtlich auf die symbolische Bedewtung sich beziehen, welche sein Scharfsinn den betreftenden
Zahlen zuzuweisen vermochte. Er erklärt nämlich der Reihe nach
Igin als entstanden aus he gyne, das Weib. Andras hängt ebenso mit
anges, die Männes zusammen, upd dann folgt von selbst Ormis aus
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)horme, die Begierde. Sechs heisst in den angegebenen Versen
Calcis. Statt dieses Wortes kommen sehr verschiedene: Lesarten
vor, Caltis, Calctis, in dem schon erwähnten englischen Manuscripte*63) Chalcus.
Diese Lesart hält nun Vincent sicherlich
mit Recht fir die beste, und erklärt sie mit Bezug auf Pollux, der
sich dahin ausspreche, 56) das Wort Unze sei sikylisch und ihm
stehe in griechischer Sprache Chalkous gegenüber. Darnach ist also
diese Benennung synonim mit der, welche in dem Briefe an Boethius
ausdrücklich dem gelehrten Alterthume zugeschrieben wird. Endlich das Wort Celentis, welches der 9 entspricht und den Begriff der Kraft enthalten soll, erklärt Vincent als aus athelyntos, nicht
weibisch, entstanden. Er giebt selbst zu, dass es für das erste Ansehen passender erscheine, das Wort thelyntos, weibisch, zum _
Ausgangspunkte zu nehmen , welches fast genau wie celentis ausgesprochen wurde, da das griechische th dem englischen th ähnlich
klang. Allein wenn thelyntos philologisch sehr gut passt, so widerspricht es sowohl dem Bilde, als der dem Bilde, wie wir erfuhren, innewohnenden symbolischen Bedeutung. Das Wegfallen des
anfänglichen a habe hingegen auch philologisch keine so gar grossen Bedenken; sei doch auf ähnliche Weise der Name Memnon aus
Amenophis, Boutique aus Apotheke entstanden. Er setzt noch eine
anderweitige Hypothese hinzu, welche dieses Verschwinden auch. eines wirklich bedeutsamen Buchstabens, wie hier des verneinenden
a, begreiflicher macht. Er glaubt nämlich, dass sämmtliche Zahlwörter nicht direct aus dem Griechischen in die Form übergingen,
in welcher sie in jenen lateinischen Versen enthalten sind, sondern
aufdem Umwege durch hebräische Vermittelung, also durch
gelehrte Juden, etwa durch Anhänger der Kabbala.
Dann
freilich ist es gleichfalls natürlich, dass die in griechischer Form
überkommenen Wörter symbolisch sind, dass 'bingegen, wo jene
Formen verloren gingen, die einfachen hebräischen Zahlwörter an
ihre Stelle traten. Dass aber zwischen Pythagoräern und Kabbalisten Anknüpfungspunkte existirten, ist, wie Vincent in Erinnerung
bringt, so wenig neu aufgestellte Vermuthung, dass schon Reuchlin in seinem Werke über die Kunst der Kabbala sich des Ausdruckes bedient, 231) Kabbalisten und Pythagorâer seien aus einem
Teige geknetet,
Wenn es ein Kennzeichen historischer Wahrheit ist, dass sie
Niemanden ganz verhüllt bleibt, der mit ehrlichem , eifrigem Stre-
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)ben nach ihr forscht, mag er auch von entgegengesetzten Standpunkten ausgehend nach Entgegengesetztem gerichtet die Wahrheit nur
als- Kreuzungspunkt mit anderen Systemen erreichen, so darf ich
hier wohl darauf aufmerksam machen, dass Gerhardt in einer ziemlich wenig bekannt gewordenen Abhandlung
365) über die Enstehung
und die Ausbreitung des decadischen Zahlensystemes gleichfalls in
Alexandrinern und Kabbalisten die Vermittler findet, welche die
‚Zeichen kannten, die ich als pythagorische benannt habe. Er meint
nämlich
, **") dass jener Fälscher pythagoräischer Fragmente, welchen
er mit Gruppe in der Person eines im ersten Jahrhundert n. Chr. Geb. .
in Alexandrien lebenden Juden annimmt, den Pythagoräern den Gebrauch besonderer, von den griechischen verschiedener Zahlzeichen
zugeschrieben habe. Demselben habe die Sage nicht unbekannt
sein können. dass Pythagoras Reisen im Oriente ‘und nach Egypten
gemacht habe.
„Es lag mithin nahe, fährt Gerhardt fort, bei der
Fälschung irgend ein Zahlensystem Egyptens oder des Orientes zu
gebrauchen, ebenso wie er bei der Fälschung der Fragmente der
pythagoräischen Philosophemen religiöse Vorstellungen der Juden
beimischte. Er griff zu den arabischen Gobär-Ziffern, die wegen
der uralten Verbindung zwischen Juden und Arabern ihm nicht unbekannt sein konnten, und die wegen ihres Namens Gobär (Staub)
tu dem ursprünglich im Sande gezeichneten Abacus trefflich pasdten. Da nun die ersten Anfänge der Religionsphilosophie der Juden, der sogenannten Kabbala , bis in das 2. Jahrhundert nach Chr.
sich verfolgen lassen, und da pythagoräische Lehren vorzugsweise
darin verwebt wurden — es entstand sogar die Mythe, dass Pythagoras der Erfinder der Kabbala sei — so ist nicht zu verwundern,
wenn die von dem Fälscher den Pythagoräern beigelegten Ziffern
in der Kabbala Aufnahme fanden, und dass ähnlich wie bei den
Pythagoräern die Zahlen in der Kabbala gebraucht wurden, um etwas Geheimnissvolles, Mystisches auszudrücken,
sowie auch als
astrologische Figuren. Diese jüdische Geheimlehre fand unter den
Christen viele Anhänger, und so wurden denselben jene Zahlenzeichen bekannt, womit aber nicht gesagt sein soll, dass die Christen
nur auf diese Weise mit- den Gobär-Ziffern bekannt geworden sind.“
Ich will mir einen Augenblick Gewalt anthun und das Alles für
richtig halten. Dann folgt daraus genau dasselbe, was ich bisher .
behauptet habe. Der Fälscher , jener schreckliche Mensch, der alten wie modernen Gelehrten ein Kuckuksei untergelegt hat, an wel
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)chem sie noch heute ausbrüten, hat den Pythagoräern die GoharZiffern zugeschrieben. Ich habe von diesen Zeichen im .nächsten
Kapitel zu reden, vorläufig mag die Angabe genügen, dass sie (Figur 45) den pythagorischen Zeichen in der That ähnlich sehen.
Also jedenfalls kannte der Fälscher diese Zeichen, und er wird doch
wobl nicht der einzige Bewohner von Alexandrien gewesen sein, der
diese Kenntniss besass. Es werden doch wohl auch später nicht
grade Alle, die seine gefälschten Fragmente lasen, ‘die Seiten jedesmal überschlagen haben, die von den Ziffern handelten. Es wird
vielmehr der mathematische Leser grade diese Stellen mit besonderem Interesse betrachtet haben, und so konnten die Zeichen nicht
bloss auf Boethius kommen, es wäre vielmehr unbegreiflich, wenn
sie nicht auf ihn gekommen wären; fast ebenso unbegreiflich wie
die Folgerungen, “welche Gerhardt weiter zieht, indem er unmittelbar an das schon Citirte anschliessend hinzusetzt: „Für die Wahrscheinlichkeit unserer Annahme, dass nämlich die in der fraglichen
Stelle des Boethius vorkommenden Zahlzeichen arabischen Ursprunges sind, sprechen noch die Namen, die diesen Zahlzeichen daselbst*
heigelegt werden; sie lassen sich sämmtlich auf arabische Formen
zurückführen und liefern mithin einen neuen Beitrag zu der Behauptung, dass die damit bezeichneten Ziffern als unterschoben betrachtei werden müssen.“ Ich erlaube mir ausser den schon ge
machten Einwänden, welche in den Schlüssen bestehen, die ich
auf Gerhardt's Prämissen baute, noch ausserdem an der Wahrheit
dessen zu zweifeln, was er in Bezug auf die Namen sagt. Sämmtliche Namen hat noch Niemand auf arabische Formen zurückgeführt.
Ich kehre wieder zu Vincent’s Hypothesen zurück. Sind die
selben, wie ich glaube, im Ganzen richtig, so hat Boethius unzweifelhaft die pythagorischen Zeichen gekannt, welche alsdann auch diesen Namen befugtermassen tragen; so waren ihm aber ebenso. unzweifelhaft jene Wörter unbekannt, welche ursprünglich griechisch,
erst hebraisirt, dann latinisirt wurden.
Man verstehe. mich
recht. Es ist möglich und wahrscheinlich, dass Boethius griechische
Namen der Zahlzeichen kannte, welche mit deren symbolischer Bedeutung zusammenhingen; aber die Namen, welche in den erwähnten Versen vorkommen, welche auch auf der ersten Tafel der Handschriften E und C geschrieben erscheinen, die kannte er keinenfalls.
Diesa sind somit auf jener Tabelle nothwendig interpolirt, sie sind
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)vom Abschreiber in ihm selbst nur halbwegs verständlicher Weise
Zu derselben Annahme sehe ich mich .auch noch durch einen
weiteren Grund veranlasst. Denn nur so erklärt sich das zehnte
Zeichen, welches noch vorhanden ist, nebst seinem Namen und dem
auf ihn sigh beziehenden Verse.
Das Zeichen befindet sich über
der 10. Kolumne und besteht aus einem kleinen Kreise, in
welchen in der Handschrift C ein kleines a, in der Handschrift E
ein kleines Dreieck eingezeichnet ist. Der Name lautet Sipos, und
wiewoh] dieser Name inC gemeinsam mit Celentis über der 9. steht,
sa lässt doch der Vers, welcher dem Sipos die Gestalt eines Rades
heilegt, keinen Zweifel darüber aufkommen, dass in der That, das
zehnte Zeichen damit gemeint ist. Es kommt also darauf an, dessen Bedeutung zu erklären, wozu der Name mit wird dienen. können. Negselmann 45) hält ihn für arabisch aus sifr entstanden, dem
aus salira, leer sein, abgeleiteten Namen der Null.
Martin 269)
nimpat als Urwort das griechische psephos, welches einen Rechenpfennig bedeutet. Endlich Vincent *?°) geht auf das hebräische saph
zurück, welches Gefäss bedeute und auch mit dem Begriffe dar
Leerheit zusammenhänge.
Alle nehmen daher die Bedeutung des
Sipos als Null. Ist dieses richtig, so muss zwischen jenen drei Etymalogien eine Wahl getroffen, oder eine vierte aufgestellt werden.
Letzteres scheint mir vorläufig noch nothwendig, wenn auch meine
eigenen Sprachkenntnisse nicht dazu ausreichen.
Müsste ich aber
eine Wahl treffen, so brauche ich wohl kaum zu sagen, dass ich
die Nesselmann’sche Ableitung von vorn herein verwerfe, da ich mit
Martin der Ansicht bin, dass arabische Beeinflussung hier unter
keiner Bedingung stattgefunden haben kann, und dass diese aprioristische Behauptung dadurch ganz deutlich unterstützt wird, dass
später unter arabischem Einflusse das Wort sipos durch cifra ersetzt wurde, also jedenfalls die Nichtidentität dieser beiden Wörter
evident wird, deren Letztes nur von sifr herstammen kann, deren
Erstes also eine andere Etymologie haben muss.
Die
Ableitung Martin’s halte ich auch nicht für richtig, weil ich eben
nicht glaube, dass die Alexandriner schon die Null kannten, und
das müsste der Fall sein, wenn das Wort und mit dem Worte das
Zeichen griechisch wären. Bei einer Wahl muss ich also schliesslich bei Vincent’s Annahme: stehen bleiben, und so wenig nfir das
Wort behagen will, aus welchem er Sipos ableitet, so gut passt
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)eine hebräische Abstammung zu meinen schon mehrfach erörterten
Ansichten: „Die Alexandriner besassen neun Zahlzeichen für die 1
bis 9. Sie legten denselben mancherlei Namen bei, welche symbo~ lischen Bedeutungen entsprachen, die sie in ihre Zeichen hineinlasen.
Mit diesen Zeichen, vielleicht auch mit den Namen machte
etwa im ersten oder zweiten Jahrhundert n.Chr.Geb. ein gewisser
Archytas die Römer bekannt; seine Schrift wurde indessen kaum
gelesen, bis Boethius sie dem gelehrten Publikum empfahl. Inzwischen waren dieselben Kenntnisse in kabbalistische Schulen eingedrungen und hatten sich dort mit der unterdessen wohl in Indien
erfundenen Null zu zehen Zeichen vereinigt.
Die Namen waren
theils geblieben, theils verschwunden, für das zehnte Zeichen war
vorher noch gar kein Name vorhanden gewesen. Um den Mangel
zu ersetzen ınussten also einige hebräische Wörter eintreten. Als
jetzt von hier aus Zeichen und Namen wieder in den Occident wanderten, da stiessen sie dort plötzlich auf alt Verwandtes, aber doch
nicht mehr ganz Uebereinstimmendes, und die Schreiber des 11.
Jahrhunderts, erstaunt so Aehnliches von so verschiedenen Seiten
her zu erhalten, dachten das Eine mit Hülfe des Anderen zu ergänzen und zu verbessern.“
.
So erklären sich jene Interpolationen. Ich muss später nochmals auf dieselben zurückkommen, da für jetzt meine Aufgabe
mehr die war, sie der Kenntniss des Boethius und somit der gegenwärtigen Besprechung zu entrücken, als Alles zu erörtern, was
auf sie Bezug hat. An jener späteren Stelle werde ich dann ganz
besonders noch von der Anwendung des Sipos theils als Null, theils
in anderer Weise zu reden haben.