'Pythagoras' onomatomantia'

Autore
Eis, G.
Pubblicato in
Zeitschrift fur Deutsche Philologie
Anno
1957
Argomento
ONOMATOMANTIA
Lingua
Deutsch
Categoria
C12 Religione
Numero d'archivio
493

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‘PYTHAGORAS’ ONOMATOMANTIA' In meinen ‘Wahrsagetexten des Spitmittelalters' (Texte des Spiitmittelalters Heft 1, Berlin 1055) habe ich eins deutsche Bearbeitung der kabbalistischen Namenmantik herausgegeben, die einem Phisitor zugeschrieben wird (S. 49—52, dazu Einleitung S.19—16). Zum Nachweis ihrer Verbindung mit der einschlägigen internationalen Literatur habe ich eine lateinische Fassung (aus dem Utrechter Arzneibuch) beigegeben und auf einige andere deutsche Schriftstücke hingewiesen, darunter eines in der Harburger (früher Maihinger) Hs. 111.1.49.1, BI. 46", dessen Bekanntmachung ich in Aussicht stellte. Da in dieser Fassung pitagoras als Urheber bezeichnet wird, scheint eine nähere Beziehung zu der Onomatomantia des Phisitor zu bestehen, der wohl durch Verlesung aus Pythagoras entstanden ist. Dieser „Pythagoras“-Text wird nun hier mitgeteilt; daß er in Wahrheit nicht von dem alten Mathematiker von Croton stammt, braucht nicht hervorgehoben zu werden, obwohl in der „Phisitor“-Fassung einige verballhomte griechische Ausdrücke auf einen des Griechischen kundigen Urheber hinweisen. Der Harburger Codex stammt, wie ein alter Besitzvermerk angibt, aus dem St. Mangkloster in Füssen (Allgäu). Die Sprache ist schwäbisch. Der „Pythagoras"-Text stammt von der Hand eines Schreibers, der auf dem Vorsatzblatt eine Mitteilung über die Mondesfinsternisse des Jahres 1408 eintrug, und ist ungefähr um die gleiche Zeit anzusetzen. Die Harburger Onomatomantie ist also nur wenig jünger als Phisitors Onomatomantie, deren Niederschrift im Cod. Berol. 244 noch dem 14. Jh. angehört. Harburger Handschriften von Grupp! In dem gedruckten Katalog der ist der Text nicht als Namenmantik erkannt; er wird (unter Nr. 905) als „Sphüren Pythagoras deutsch” bezeichnet. 1 G. Grupp, Ottingen-Wallersteinische Sammlungen schriften-Verzeichnis, 1. Hälfte, Nördlingen 1897. 20 Philologie (Band 76, Haft 3) 305 in Maihingen, Hand-

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sires ras dem kong ganz Grupp hat die Angabe des Schreibers Dise spere sant pitago chaut, daß spere hier nichts unkritisch hingenommen und offenbar nicht durchs mit Astronomie zu tun hat, sondern lediglich „Tabelle“ bedeutet. n er- ‘Pythagoras’ Onomatomantia' besteht aus zwei Tabellen und einem kurze läuternden Text. Buchstaben des Alphabets und Dio erste Tabelle enthält die Zahlenwertet der römischen Ziffern geschrieben, die der sieben Planeten. Sie sind zumeis mitsämtli ch mit arabischen Ziffern nur zwei mit arabischen. Hier werden sie in ‘Phisit ors Onomatomantia’ gewiedergegeben. Sie weichen vielfach von den gebenen Werten ab, die hier in Klammern beigefügt sind: (21), A = 3(3), B = 9(5),C = 16 (12),D = 18 (24),E = 15 (15),F = 3 (3),€==287 (19), N (26), M=23 H = 5(6), 1=15(15), K = 21 (16), L= 21(16), S=9(19), T= 9 (18), O = 9(18), P=14(4) Q=21 (12), R=12(13), sere » A mess verbotenen Künste’ im 49. Kapitel; es werden da pücher pittagoras erwähnt mit denen man feststellen zu kónnen meine, welcher Ehegatte zuerst sterben werde. Es erscheint durchaus möglich, daß Hartlieb eine deutsche Bearbeitung gleich der in der Harburger Handschrift erhaltenen kannte. Lateinische Fassungen, auf die der deutsche Text zurückzuführen ist, sind in größerer Zahl bekannt. E.Zinner hat solche „Schicksalsscheiben“ nachgewiesen, die sich auf Pythagoras (andre auf Apulejus, Demokrit und Beda Venerabilis) berufen ® Nach Zinner sind sie auf Petosiris zurückzuführen, doch hat Emilie Boer Bedenken gegen diese Herleitung ausgesprochen ?. 5 Eine kleine Onomatomantie in deutscher Sprache ist auch der 2 78¥—79" im Cod. Pal, germ. 691 der Heidelberger Universitarsbiblisthek, es in Bartschs Katalog S. 169 als „Verschiedene mysteriöse Berechnungen” bepara ist; in dieser Onomatomantie wird kein Verfassername genannt. V =7(5), X = 15(16), Y = 6 (9), Z = 3 (2), . Zinner, Die griechischen Himmelsbeschreibungen, Schicksalsscheiben, TolederUri o Ey in: Naturforschende Gesellschaft Bamberg, Bericht Veneris = 15 (15), Saturni = 18 (10). 7 Deutsche Literaturzeitung 77 (1958), Sp. 582. Solis = 16(12), Lvne = 16(8), Martis = 15(15), Mercurii = 25 (25), Jovis = 9(11), drei giinDer zweiten Tabelle ist zu entnehmen, welche Zahlenwerte zu dengehören : Feldern stigen Lebensräumen und welche zu den drei ungünstigen Pitagoras spere von dem kampf und anders lidens. Der minder lebtag: 1, 2, 3. 4, 7, 9, 10 (Phisitor: 2, 3, 5, 7, 18) Der lenger lebtag: 11, 19, 14, 16, 18, 19 (Phisitor: 11, 13, 14, 16, 17, 18) Der merer lebtag: 20, 22, 23, 25, 26 (Phisitor: 20, 22, 23) sie 5 GREG SERE ma Fe © DIRE SE BRIE ARE è Prete RE EFT Der lenger tod oder siechtag: 5, 6, 8 (Phisitor: 6, 8, 12) Der tod liden: 12, 15, 21, 24 (Phisitor: 4, 9, 10, 15, 21, 30) Der merer tod oder stechtag: 27, 28, 29, 30 (Phisitor: 1, 19, 21, 25, 29) Darunter steht folgende Erklärung: Dise spere sant pitagoras dem king und enbot dem, daz er’ im wölt senden ain konst, dé von langer zeit von got komen ond gefossen wdr, da mit er ain war regel® ond zeichen mödıt haben der die da kempfet oder striten sölte, oder die da von hus schaiden oder fluchtig werdent, oder sil komen der von land gevaren ist. So niem die zal der bichstaben dez namen, umb den du fragest, und die eltin dez mans, wie menges tags alt der si, und die zal des tags, an dem der kampf sin sol, oder als sich der siech let oder wan er von hus schied. Vnd* z an ander komen, so tail den die zal und zich den mit xxx4 wen dé zal alle ab. Vnd waz den ¿ber belibet, daz behalt und lig: Vindest du die zal obnan in der sper, so gesigt er; vindest aber die zal nidnan in der sper, so ist es nit güt®. Eine Anspielung auf diese Onomatomantie enthält Hans Hartliebs ‘Buch aller * Hs. Tegel. a Hs. und zweimal, das erste durstrichen. 4 In ‘Phisitors Qnomatomantia’ wird die Summe durch 29 geteilt. Gerhard Eis