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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Dbitefophie der Jonter.
mehr Wahrfcheinlichkeit zu geben fudte, Wenn er behaups
tete, die Seele fey cine: Art Luft, fo war diefed wahrfcheins
lid) in bem Geifte der gemeinen BorftelungBart gefproden. _
Der Zufammenhang des Athembolens mit dem Leben, des Les
bens mit ben Acuferungen ber Seele, und die Bemerfung, daf
mit dem legten Athemzuge alles Leben, Empfindung und
Bewuftfeyn verfchwunden fey, veranlapte blé Meinung, die
Seele für ein luftartiges Wefen gu halten, welde von mebs
veren Philofopben behauptet wurde 29), aud in unfern Zeis
ten nod fortdauert, Um fo eher Eonnte Anarimenes die -
‚unendliche Luft für bas göttliche Wefen halten 30).
Oritter Abfhniee
Darftellung der Philofophie der Pythagoreer.
Die Gefdidte der Pythagoreifden Philofophie darzuftellen,
aft ein duBerft fcwieriges Unternehmen. Kein Theil ber
Gefbidte ift mit folden, faft untberwindliden, Schwierige
teiten verknüpft; feiner bat fo fehr mit Armuth und Reichs
bum
zu fémpfens in feinem ift der wahre Mittelmeg, der
zur Wahrheit führt, fo fewer zu finden. Diefe Gefchichte
begreift
die Philofopheme des Pythagoras und feiner Schüs
ler und erfien Nachfolger; alfo eine anfebnlihe Reihe von
Männern, die, an Grundfägen wie an Talenten: wahrfchein«
Fic fehr ungleich, dennoch durch bie allgemeine Benennung
29) Aristoteles de anima
I, c. 2. Plutarch. Stob. 1. c. Plat. Phaedo
©. 14, 29.
.
‘
30) Cic, Nat. Deor. I, c. 10. Augustin de civ, dei VIII, 2. Sto~
baeus p. 56: Avakiuavdgos anepyvato Tous ansigovs ovgarous
Seovg. Avaksusrns toy arpa.
Jes ba tnaxovew emt tow oùroc
Asyoperwy tac evosxovons Tois otOLZELOIS 7 zois Cœur Svrupets.
[ Aud) Hier gilt gum Theil das in der Rote * ©. 71. Gefagte.
Bufag b. O.]
Pagina 3
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erftes Hauptftüd, Deitter -Abidyniee.
Pythagoreer zufammengefaßt werden,
Wenn man auch ”
zugeben muß, daß fid) diefe Benennung auf etwas Gemeinfchaft:
liches gründet, welches fie in einen geiftigen Bund vereis
nigte, fo ift doch biefes felbft nicht fo im Klaren, daß man
"das Eigenthümliche, woburd fid Feber höchft wabrideine,
lich auözeichnete, mit biftorifder Schärfe davon abfondern
fonnte. Es iff daher natürlih, daß. manche eigenthim: lide Behauptungen in den allgemeinen Lebrbegriff der Pye
thagoreer aufgenommen worden find, und daf man die Ent:
flehung und nach und nad erfolgenbe Ausbildung
und Ent=
widlung des gemeinfchaftlihen Syftems biftorifh nicht ge
nau verfolgen und. begründen Fann; daß daher der Willführ
in Darftellung, Deutung und Ausfhmüdung deffelben viel
Raum gegeben ift.
Die Haupturfache diefer Schwierigkeiten
ift ber Mangel an ádten und unbezweifelten Denktmälern
Pythagoreifder Philofophie, und die Befhaffenbeit der Altern
und neuern Nachrichten von berfelben.
G6 ift zuerft ungewiß, ob Pythagoras etwas gez
frieben bat*). Das golbne Gedidt**), wenn es aud
Gittenfprüche diefes Philofophen enthält, bat doch wabrfchein:
lid) erft in fpdtern Seiten biefe Form erhalten; und fo
Tchäsbar e8 wegen feines moralifhen Inhalts it, fo wenig
giebt e8 uns doch über die eigentlide Philofophie biefes
Weifen Auffhlug. Die Briefe des Pythagoras, der
Theano, der Myia und Meliffa***) enthalten zwar
* ©, Fabricius in bibl, Gr. lib, Il. c. XII. $. 14 und lib. I,
c. 19. $. 2. Menagius ad Diog. L. VIN, 7. Cuperus
in observ. p. 280. — Diog. L. und Jamblich de vita Pythagor.
c. 28. 29» behaupten es.
A. d. 9.
“) Xpvosa exy in den Sammlungen ber Gnomifer von Glandorf (a. T.) fo wiein der von Brund. (Ueberfesung von Gleim.
Halberft. 1736. 8.) Aud mit andern Pothagoreifhen Schriften
. zufammen in Pythagorae aurea carmina, Timaeus Locrus, Ocellua
Lucanus,
Malchus (Porphyrius) de vita Pythagorae ed. Conr.
Ritterbusius.
Ald. 1610, 8,
,
Le
A. d. $.
**) Qn Gale opnsc. myth. physic, et eth. (p. 755 sq.) wo aud) bie
sphaera divinatoria de decubitu aegrotorum ab Apuleio lat. versa.
Couf, Casp. Barth advers. XXX, 7., fo wie in Socratis et Socraticorum, Pythagorae et Pythagoricorum, quae feruntur, epistolae
ed, Orellius 1816. 8.
4
Pagina 4
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)pirloyophie der Pyshagoreer.
"nichts, was fie verbachtig machte, aber ihre Aedhtheit ift
gleichwohl wenig wahrfcheinlih, ba es nicht wohl dentbar
ift, ba fic) diefe Kleinigkeiten allein aus den Zrümmern
der Beit folten erhalten haben. Wir lernen aus ihnen
auch weiter nichts, al8 ihre Verfaffer wegen ihres. reinen
und gebildeten moralifhen Sinned bewundern. Weit verz
Dachtiger iff bas Fragment der Theano beim Stobdus
(p. 302). Denn iff ed wohl wahrfcheinlich, daß fon zu
Pythagoras Zeiten feine Philofophie außer dem Bunde fo
weit auögebreitet worden fey, baÿ. Theano fagen Fonnte, fig
babe gehört, daß viele Griechen bie Pythagoreifche Lehre
von den Bablen. nicht seht verftanden, hätten?
.
Wenn. die Aechtheit ber. Schriften, welde man bem
Hcellus Lucenus*). ‚und Timéus Locrws**) beis
legt, .aus fichern Gründen Eönnte eswiefen werden, oder viels
mehr wenn nicht fo viele wichtige Zweifel Dagegen vorbans
den wären, bie fehwerlich befriedigend aufgelöft werden Fôns
nen, fo hätten wir zwei merfmürbige Ueberrefte von Pya
thagoreifcher Dhilofophie. Allein die Gründe gegen ihre
Aechheit Aber wisgenbie fitr diefelbein einem fo hohen Grave,
“daß felbft bicienigen,. welde fie ebebem für Acht hielten,
diefe Meinung zurkfgenommen haben t. So lange nicht
*) Heet tyg.t9unavrov qvoews in ber Ausgabe ber Potbagoreifden
Sdriften.von Rittershusius,in Gale opusc. myth. p.
499 ff.5
mit dem Timaeus von Batteux herausgegeben, Par. 1768. 3 Voll,
8. ; einzeln. von d'Argens, Berl. 1792. S. und gulegt von Aug.
Fr, Wilh. Rudalphi. Lips, 1801. 8
.Ueberfegt von Barkifi mit
beffen Abbandlung über ben Geift deë Dcellus in Fulleborne Beitr.
St. X. Nr. 1% ,
Xd. $.
**) Jlsou tyg tov xoouov wrns, bei Rittershusius und Gale (p. 539 f .)
f. vorbergebenbe Anmerkung; einzeln vdh d’Argens, Berl. 1763.
8. Ueberfest-von Bardili mit ‚Anmerkungen ebenfalld in Filleborns
' Beitr. St. IX. X.,
A. d.:
2) Meiners war ber ecfte, der mit {charffinnigen Gründen ihre
Aedıtheit beftritt Historia de vero Deo P. Il, p. 512 seq. Gefdidte
der Wiff. in Griehent: und RN. 1.8. ©, 594 ff., Über die Addıt=
heit einiger pothagoreifchen Schriften in dec Pilotog. Bibl. 1. B.
St. S. 204. Die Aechtheit der Schrift des Zimäus behauptete
iedemann im deutfden Mufeum 1778 Xuguft und in den älteffen
geleiden Philofopben. Im Geift d. fpeculativen Ppilof. 1. B.
89. trat er aber auf Meiners Seite. Dcellus und Zimäus er:
Pagina 5
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erftes Dauptitif. Dritter Aofdniee, .
etwas Bedeutendered "für: fie gefagt wird, weldies nicht leicht zu erwarten iff, fo lange Fann man zum wentgften
beide nicht als fihere Duellen in der Gefchichte der Philo:
fophie gebrauchen.
ö
57.
.
Uufer biefen findet man beim Stobäus, Iamblichus,
Nicomahud-und andern
nod einige Fragmente von ditern
Pythagoreern, unter benen die von Philolaus und Archytas
. vorzüglich Aufmerkfamkeit verdienen. Sie haben einen eiges
nen Charakter, ein gewiffes Gepräge des Alterthums an
fic), welches fid) fowohl’ in’ der Sprache, als in dem Fn:
halte zeigt. Die Ueberrefte bed Philolaus fcheinen dt
zu feyn, zum wenigften wird man feihen bedeutenden Grund
gegen thre Aechtheit aufbringen Eönnen. Die Sprache vers
zäth das Alterthumis die Behauptungen: find pythagoreifch,
und enthalten nichts, was nicht ein dentender Kopf diefer
Seit fonnte gefagt haben *). Die Fragmente bes Archytas
find größern Gedentlidfeiten unterworfen **). GS fommen
hielten einen neuen fdarfiinnigen Verfechter in
Barbili (Epochen
‚be D
ve EEE, Begriffe 1. Ab.) . Drs) vollftanbdige
Bergleidung ber Schrift des Lokriers mit dem Platonifden
Zimäus babe id) in bem Syftem dee Platon. Philof. 1. B.
6.93 f. Meiners und Tiedemanns Gründe nod mehr zu
befeftigen gefudt.
_:
“
'
[Aud Böch, de-platonica mundi fabrica
po XXIX. und Aft, Lcben und Schriften des Plato S..370., .halten
Diefelbenur
für einen fpdtern Auszug des platonifhen Simâus.
Do find aud nicht alle Zweifel gegen bie Aechtheit bes plato ni:
fdhen Zimäus gehoben. In jedem Falle find in beiden Sarif-
"ten Philofopheme pythagoreifdher UbEunft enthalten.
Die
Aedhtheit bee Schrift des Qeellus haben fon Friihere, wegen peri=
patetifder Lehrfäge bie man darin findet, und weil fie nicht im
borifhen Dialekte gefchrieben éft (was aber, wie fhon Bruder 1,
©. 1123. bemerkte, der Umänderung einer fpätern Hand gugefdrie:
ben werden fann) bezweifelt.
Kür die HechtHeit derfelben ftreitet
iby neuer Herausgeber Rudolphis f. vord.. Anm. Im Grunde
dreht fih hier Alles um bie fhwierige Beftimmung, was bie Aeltern
gedacht haben und was die Neuern entlebnt, oder an ihren Gedans
Een verändert haben.
.
“Bufag bd. D.]
" #) Eine genauere Forfdung über biefen Pythagoreer haben wir. feits
en duch. A. Böcdh’s
rift erhalten: Philotaus des Pythago:
veers Lehren nebft den Bruchftüden feines Werks. Berlin ne 8.
#+) Die meiften findet man gufammengeftellt in der von Orelli hers
_ ausgegebenen Sammlung (opera graecer: veter. en An:
bang.
Pagina 6
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopbie ber Pythagoreer.
in ihnen nicht nur Platonifche, fonbern auch Ariftotelifde.
Säge faft mit ben Worten diefer’ Philofophen vor?). Nun
fönnte man zwar zugeben, daß Ardytas wohl eben fo gut
um die Matonifche Philofophie habe wiffen Éônnen, ald Plato
um die Philofophie ded Archytas, weil beide nicht nur eins
ander perfönlich, Eannten, fondern auch Briefe wechfelten‘
und einander ihre Schriften zufendeten.
Allein von ben
Philofophemen des Ariftotele8 fonnte bod Ardytas gar
nichts wiffen, zumal von folden, bie auf ganz eignen Ans
fihten beruhen; wenn man nicht die febr unmwahrfcheinliche
Hypothefe annehmen will, daß beide unabhängig von einans
der auf einerlei Unterfudungen und Refultate, Famen, und
fogar diefelbeh Worte zu ihrer Darftellung wählten. Ober
follte Ariftoteles biefe Gedanken aus den Schriften des Pys
thagoreers entlebnt Haben? Diefes ftreitet mit dem Charaks
ter und dem philofophifhen Geifte diefes Mannes, der
‘wohl Gedanken feines Lehrers lin fein Syftem aufnahm,
aber mit andern Beflimmungen, in einer andern Ginfleibung. '
Und warum follte er ded Ardypta8 Lehren wider feine Ges
wohnpeit mit Teinem Worte erwähnt haben? Etwa um
midt auf die Quelle, woraus diefe Säge entlehnt waren,
aufmerffam zu machen? Aber wie Fonnte er hoffen, das .
durch feine Plünderung zu verbergen, da die Schriften des
Ardhytas nicht konnten vernichtet werden? Hierzu Fommt
nun noch, Daß mehrere philofophifde Kunftworte vorkommen,
welche man ‘in biefer Bedeutung nod nicht einmal beim
Plato findet). Endlich ift auch dief Fein unbebeutender
2) Dabin gehört die Lehre von ben Sbeen (edu) welche felbft vom
Ariftoteles dem Plato als eigenthimlith guerfannt wird. Stob. ede
Heeren p. 12, 712. Daf die Idee das Wefen dec Dinge beftimme,
daß Gott die Idee mit der Materie vereinige, Stob. p. 714. find ,
Platonijde Sige.
Daß die Materie das Subftanzielle ( overe)
fe {ft Aciftotelijd. Stob. p. 714. Eben fo dap bas wirklid) Cris
tende burd Sinne und Berftand erkannt werde, p. 724., bie
Eintheilung der Dinge in acctyra, Öokaora, eniotyta, vontıza,
und des Crfenntniforrmôgens in œmoÿmors, Joba, emornun, vous
Stobzeus p. 788. 790.
5) 3. B. doc, tly, zo te eva (ähnlich bem Aciftotellfdjen zo zs
ny wur).
œrioloyiæ, pvowodoysas
OVOIU, To Üronwperov,
napadeıyun, 81209, aysıruma. Stob. Il, ec,
Pagina 7
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erfes Hauptftid. Dritter Abfhnitt.
Grund gegen die Aechtheit jener Schrift, daß Pfatonifche
und Ariftotelifche Säge mit einander verbunden find, woraus
- einfonkretiftifhes Syftem entftanden ift 4). Wahrfiheinlich
ift alfo die Schrift wege aoywv woraus diefe Fragmente gez
nommen find, von einem fpätern Schriftffeller untergefchoben
worden, Der, um feinen Betrug defto beffer zu verbergen,
étroa8 aus Plato's und Ariftoteled Philofophie nahm, und
e8 zufanmenfchmolz, auch vielleicht damit einige Gebanfen
des Archytas verband, alles diefes aber in borifher Sprache
auffegte, um feiner Schrift bas Gepräge beb Alterthums
zu geben.
—
Kein an™ res Nefultat ergiebt fi) aus der Beurtheilung
der moralifhen Fragmente, welde Stobaus aufbewahrt, und
Gale (S. 657 ff.) zum Theil zufammengeftellt hat. In denen
des Archytas und andern findet man viele Säge der Ariftotes
lfchen Ethit mit andern, vorzüglich Platonifchen, verwebt 5).
Nun führt zwar Ariftoteles felbft einen Gedanken der Pys
thagoreer an, der mit feinen Grundfagen übereinflimmte;
allein ift e8 wohl glaublich, daß fie daffelbe Syflem oft in benfelben Ansdrien vorgetragen haben follten, fie, die fich zumal
~ mehr mit theoretifhen Wiffenfchaften, wie ed fceint, befchäf:
- 4) Go findet man p. 712 sq. bie Platonifden und Ariftotelifden Lebten von der Materie und Form mit einander vermifdt, 3. B.-ovre
TE Wort 6409 TE EYTL HMOQPUS METEUEY UTE EE AUIS, OUT pay
Tay uogge peveodar nege Tuv woLaY, add avayxacoy Etegay tie
nusv GLtLAY, Tav xvacoioar Tuv EUTO Tov ngayyaTeY ens TOY
.
5) Wohin gehört bas Brudftic bei Gale p- 674. Die Cintheilung
bee Güter à psy avra evte Dia Tavıa aipsta, ov gay de’ atepor& de Se Gregor, ov puy dia tavra. ny ouw zat toituy Ti edog
Gtsoov ayaduy, à zu Din tavtoy auperov Evi, war Oe Gregor,
Bergl. Plato de republ. IL. p. 206 — 679. agetay de tay noinav
x Bedtcoray tir Tor ahoy gegeos Tag yuyag zu” av zac 180606
tives quey deyopeda xuta to yas, oiov chevPegor, Stxaros, was
aopgoves. Die Lehre von ber Sugend, als ftreite fie mit der Ausvottung der Sinnlichkeit, ba fie nur eine Modification derfelben fey
(Gale p. 691.) fdeint aud fpâtern Urfprungs zu feyn. Die Lehre
von ber Zugend, als einem beftimmten Mittelmege zwifchen zwet
Grtremen, welde vorzüglid in ben Fragmenten des Bheages
Gale p. 690. vorkommt, ift gewiß ariftotelifeh , fo wie in ebenben:
feiben und einem Brudftice des Metopus aud Platonifde Lehr:
füge davon vorkommen. Bergl. aud) Gale p. 695-
Pagina 8
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofophle ber Pythagoreer.
tigten? Das Gemifch zweier verfchiedener Moralfufterhe, die
Einmifhung mancher Ausprüde, die nur beim Ariftoteles
vorkommen 5), die Gleichförmigfeit der Sprache in biefen
Auffägen verfhiebener Verfaffer ift immer al8 ein bebeutenz
der Grund gegen ‘die Aechtheit biefer Fragmente anzufehen
und erlaubt uns faum einen andern Gedanken, als daß fie
von einem Schriftfteler herrühren, der nah Plato und
Ariffoteles febte, und um ben Betrug zu verbergen, viels
reicht einige Gedanken von Pythagoreern mit den übrigen
vetwebte, Entfdeidender würde man gewiß davon urtheilen
innen, werm die Werke, woraus die Fragmente genome
men find, noch vollftandig erifticten.
Man fônnte und hier fedod den Vorwurf der Partheiz
lichkeit machen. Warum, könnte man fagen, follen denn Plato
und Ariftoteles allein Erfinder in ber Philofophie feyn?
Bar ihnen der philofopbifde Geift ausfchließlich zu Theil
worden? Sollte bie Natur die Pythagoreer etwa ftiefmüts
terlicher bedacht haben; fie, die doch nach Allem, was wir
von. ihnen wiffer, fo vortrefflihe Matbematifer waren, und
burd große Erfindungen ihren Ruhm auf ewige Zeiten grins.
beten? "Allein die hiftorifche Wahrheit ndthigt und zu diefem
Verfahren, fie macht uns Behutfamkeit uud Mißtrauen zur’
Pflicht, um nicht die Altern Philofophen auf Unfoften der
nenern zu erheben. Bon biefen haben wir die Denk
mäler ihrer Philofophie und ihrer Verdienfte in Schriften,
von jenen aber keines, welches über alle bifforifhe Kritik.
und Bebenklichfeit erbaben wäre. Die duperfte Bebutfam:
keit und Strenge ift baber hier um fo nôtbiger und uners
läßlicher, weil. wir fidere Beweife in den Händen haber,
6) 3. B. ra zadolov ovußeßmxora Gale p. 734. moomigesis (drs
“evru Dvator kar vapxtvos p. 669.) agern zov deovrog Erg av
Tots movxroig p. 678. Önsgßuin p. 678. 680. Te te nadsa tas
agetas Vla: mept Tuvıa yap xaı 8v tourous ui agetac p. 685. Tov
de nadewy To gev Exovoroy to 8 axoveror. xar Exovoroy psy
adorn, axovoror Je Avnu p. 680. 692. tnegBodn, ehdeupis p. 690.
à de apera es tu evts tw Öeovrog, Öroneg zur axgotag zut pe
Gotas ev9ems evre p. Ggo. 693. opPos Aoyos ps 690.
Pagina 9
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erftes Hauptftie.
Deiter Abfhnitt.
daß ben Pythagoreern Schriften find angebichtet und unters
gefdoben worden. :
" Was den erften Punct anlangt, fo berufe ich mich auf
bie Schriften des Timdus und Ocellus*). Hierzu kommt
nod ein Beweis von Arhytas Schrift, über die Natur
des Univerfums, der fo entfiheidend iff, daß nichts bas
gegen eingewendet werden Fann. Diefe Schrift wäre ein
wichtiges Aftenflüd
für die Gefchichte der Philofophie, wenn
fie dct wäre; denn in diefem Falle müßten die gewöhnlichen
Vorftelungen von dem Gange und Fortfdreiten der Philos
fopbie und von den Berbienften bes Ariftoteled ganz umge:
ändert werden. Im diefer Schrift fol nehmlich Archytas
die zehn Kategorien aufgeftelt haben, die dem philoz
fopbifhen Geijte des Ariftoteles fo viel Ehre machen. Die
Auszüge, welde daraus Simplicius in feinem Commens.
tar fiber Ariftoteles Kategorien gibt, find aber: offenbare
Beweife, daß diefe Schrift nicht vom Archytas, fonbern von
einem fpdtern Schriftfteler, der fie jenem unterfchob, hers
rührt. Denn das Ausgezogene iff mit bem, was Ariftote:
Les in den Kategorien und in andern logifchen Schriften,
in feiner Phyfit und Metaphufik fagt, gleichlautend, und
die BVerfdiedenheit betrifft bloß Auslaffungen, Zufäge ‚und
gum Theil eine andere Ordnung, 3. B. daß die Qualität
gleih auf die Subftanz folgt, daß die gemeinfchaftlichen
Merkmale und die Unterfchiede ber Kategorien zufammen::
geftellt find.
Sogar die Terminologie ift faft durdaus Ari:
ftotelifch 7). Diefe Schrift war and fhon dem Themiftius
*) Dod ift nad bem, was zu ©. 77, bemerkt worden ift, bie Bee
zufung auf diefe nicht entfheidend; aud würde mit dem
Beweife, daß diefe Schriften von den genannten Männern nit herz
rährten, ber Beweis daf fie ihnen mit Abfiht untergefhoben
worben wären, nod nicht geführt fepn.
A. d. $.
7) Davon nur einige Belege, tas te yap wara evte Ötapopar spro.
d per yap tv the, döep
, ads Gvvauporegov éx Toray. Bergl.
Metapb. VI, 5. ta gev adÂu
sy Tone naer, tov de toxoy ev undsvi.
alla obtws syov nots Tu tovTU HOTEQ TH TIQUE HOT TH -Nemeyooueva, — Physicor. EW, c. 4 — Ösoneg Ô zoovos tar zo
maganay ove sot 7 apvÒgwe war Modus 20T. où yag To per
ragpehndvdog ouw ste eote, to Oa usAlov ovdenw zor, to Os vur
au2pog zur adiaipstoy, Aug ay Unupxos zovro Hat GanFeor, —
Pagina 10
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Dftlofphte der: Pythagoreer.
verdächtig, welcher glaubte, nicht ber Dythagoreer, fons
dern ein jüngerer Peripatetifer Archytas habe fie ges
fhrieben*). Webrigens findet man jene Auszlige des Sims
plicius in der von Gamerarius unter Archytas Namen hers
auögegebenen, und im Dorifchen Dialect abgefapten Schrift:
Apyvrov pegousvor dexa xaPolixor Aoyoı (Leipzig ohne
_ Sabrzabl) nicht. Ich habe weder biefe, noch die Benezias
nijde Ausgabe sepr zov mavrog pvorog 1571. 8. zur Hand
befommen fonnen, und Bann alfo nicht fagen, ob biefe bets
den eine und :biefelbe Schrift und ob fie weniger Spuren
der Unddtheit "enthalten **)5 aber fo viel ift dod fon
Har, bag man ben Pythagoreeen Schriften angedichtet, und.
untergefdoben
‘hat, und zwar wahrfcheinlich in ben Zeiten,
da man alle verfchiebenartigen Philofophien zu vereinigen,
and die Ppthagoreifchen auf Koften anderer zu erheben’ fuchte,
bielleicht auch Thon früher, als die Bibliotheken in Werans
© bien und Pergamus angelegt, und die Schriften älterer
Veifen gefucht, und. theuer bezahlt wurden. … Mehrere diefer
Fragmente fo wie der Schriften, worans fie geitontmen.
find, rühren von’ einem Schriftfieler her, der Kenntniß ber
Physicor. IV, 14, Gt: usv ovy le que sor, A MOYES Keb Quu-
Opus, exrads
Tis ay Wranrevons TO, per yuo AUTOU YEXOXR was
0v% eOT4, To De piles Hic ouw eater cie. — Nidt allein die in
ben Kategorien vorfommenden Runftausdride, fondern aud andere,
"die HGF roabrfdetntid) Plato nicht einmal Fannte, findet man hier
"#8. Üruxstuérov, VAN, OVGLa, TTEONTLG OVTLA PH
olen; atoSnrisn, oude AMEQNS AXLYHTOS, YEVOS,
eedog (in der logifhen Bedeutung). xatapacss, anopadıy.
Sonderbar,ift es, dag Simplicius felbft die Berierfung madt, das
Wort zooi, bag fo oft in diefen Fragmenten vorkommt, fdeine
Beef} vom Plato erfunden zu feyn. Theactet. p, 134. [Uebrigens
glaubte Simplicius wirkiih, Ari floteles fey in diefer Lehre dem
Urdytas gefolgt. m «ar Aguototelys axolovdyos xat meygr tow
- OPOMATOY, kata TOUOUTOY povor, ws Öoxer tial, mapulkufag, xudodo to Ey avros ov ngoloyiferae zo tov dena megrsxtixoy.
Simplic. Comment. ia Arist. cat. f. 5, & Und Buble glaubt, Ars
Hytas habe die Kategorien erfunden. Gefd. à. Ppilof. 1, 127. -
Bufag bd. ©.]
*) &. Boethi praef. ad Arist. Categ.”
Yd. HD.
#) Bon biefer Benezianijden Ausgabe babe id trog aller Nachfors.
fdungen
eine Spur erhalten.
Aud) mein verehrter Freund
Ebert, beffen Gompeteng hierin anerkannt ift, hat miv verfidert,
daß biefe Ausgabe, wenn fie eriftive, felbft in Italien eine
allerhöchfte Seltenvelt feyn müffe.
Zenngmannd G. b. Phil. 1. Th.
>
e
Pagina 11
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Efes Haupefkic, Dlteer Abaie.
Literatur befaß, auch felbft nicht ‚ohne: philofophifcen Geit
war. Diep beweifen viele Stellen der Fragmente, von’ benen
ich nur eine aud bem angebliden Werke des Ardytas ans
führe, worin bie Anwendung ber Kategorien auf Gegenftánde
der Erfahrung, nicht au, Noumenen gelehrt wird 2).
|
Die Nachrichten von Pythagoras, feiner Ppilofophie,*)
feiner Schule, u. |. vo. nehmen in eben dem Verhdltuiffe
3u, al8 fie fid) von der Zeit entfernen, in welcher biefer merk:
wirdige Mann und feine Nachfolger lebten, und je zahlreicher
fie werden, defto mehr Abenteuerlihes, Fabelhafted, Webers
trigbened findet fic) in ihnen. Plato und Ariftotele8 wiffen
und Weniged von ben Ppthagoteern, nod weniger von dem
Pythagoras zu fagen. Der Lebte Tpricht. faft immer wut
. 8) Ener de telog yovo Ta 'Dnubevorte vos ra ‘Onpuawouera, vic
georeyouevos avPounos euninpor TO teleoy tov Aoywv auvtaypa,
« erogse
der mots-ye TOUS sepnmsvoig, its Tay Epaguoyay TOUEWY
mayıqv ove ovros G avOgumog alle 6 tis avdgumos wrrdepsrhe:
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Gé ift hier gu bemerken, bab für die Renninis und Telärundg
Pythagoreifder Lehren vornâmlid Plato, ber fih von _
mehreren Seiten an biefelben anfehloß, wie fdon Ariftoteles Aus=
brücktid bemerkt (Metaph. I, 6.) als Quelle gu benugen ft. Uebriz
‘gens hat uns bie allbeEannte giofe AnhânglidFeit der "Schule bes
* "Pythagoras
an ihren Stifter von beffen Lehre wenigtend dad
“_ Meifte zuverläßige überliefert; deni det von Krug (Geld. det
. Pil, alter Beit GS. 04.) hier eingewendete Ünterfhiedb ber eros
tetifden und efoterifden Lehre betrifft, nad ben Angaben
ber Alten, mehr Die Verfchiedenheit des CeHrvortrags und
ben Kreis ber Lehrgegenftände, als eine verfchiebene Unfidt Über
biefelben, tnd wenn Porphyrins (de vita Pythagorae §. 53.)
‚außert, biejenfgen welde Sie geheimen Lehren bes. Pythagoras bez
Yannt gemadt batten, feyen nidt wahre Sdhiler des Pythagos
vas gewefen; fo berichtet berfelbe bagegeh (§. 57.) und mit ibm
Samblidus, daß hie Pythagoreer, -beim Untergange ihrer
Säule, damit ihre Lehte nidt ganz unterginge Tics gendthigt
‘gefeben hätten, ble Haüptfäge te à nieberzufdjtelben
(Cap. 35. §. 253.)5 fo daf aud tata ur “% Befig folder Some
mentatien Lommen Tonnte {Jambl, §. 199: Diog. L. VII, 15.)
Pagina 12
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofophie ber Pythagoreer.
83
von Pythagoreern, und führt von then verféiebene Spfteme
und Erflärungen ber Philofophie an,
c
ohne ihre Urheber bes
fiimmt anzugeben, obgleich er doch im Befig mehrerer Quellen
ald bie fpdtern Schriftfteller fen; mochte, ANes biefes” (ft
bei fpätern Schriftfteern anders. Sie wiffen weit Mebres
ved, al8 biefe ditern Schriftfteller; die pythagoreifden Pots
lofopheme’ erfcheinen weit beftimmter, entwidelter, und mes
thobifhers fie nähern fit immer mehr ber Platonifchen
und Ariftotelifchen Philofophie, und fallen äuleßt faft ganz
mit berfelben zufammen.
Diefer Umftand rührt pum Theil
wohl daher, daß fo viele Schriften von Ariftoteles an, im
welden Nachrichten von ben Pythagoreetn vorfamen, von
fpätern Schriftfteleen benugt und ausgezogen Worben find,
jum Theil aber auch. daher, daß
fid bie, untergefchobenen
Gipriften vermehrt batten, und mehr in Umlauf gefommen
waren.
€3 faut In bie Augen,in welder Verlegenheit fih der
Befhläptfchreiber dabei befindet. Cs tft möglich, daß unter
ben fpätern Nachrichten manches pythagoreifhe Philofophem
vorfomme, vielleicht nut verfchönert, und. mehr ausgeführt,
Da fid: aber Fein’ genau beffimmter Mäaaßflab zur Beurtheis '.
lung der Wechtheit findet, fo ift er in Gefahr, entweder die
Gefgichte ber ganzen pothagoreifden Schule unvollftändig
nbzuhandeln, oder baë Wahre burc- viele falfhe Angaben
zu verunftalten. Das Erfte verdient in Ermangelung bes
Befferen den Vorzug. Denn es „giebt, feinen andern Aués
weg.
Bwar hat Meiners a. a D. den verdienfilichen
VBerfuch gemacht und ausgeführt, burdy fritifhe Würdigung
ber Schriftfteler *), welde Nachrichten von ber pythagos
veifchen Schule mittheilen, mehr Licht und Zuverläffigkeit in
bie Gefdhicte berfelben gu bringen; allein - für die Darftele
Nur miiffen wir bei der Darftetlung bee tebre bes Pythagore’,
immer fo viel wie möglich bas, was bie Berichte der Alten, vorziigs
Vid) bes Plato und Ariftoteles, enthalten, von ber Korm
unterfcheiden , ‘ithter, welder bie Pythagoreifthe Ppilofophie in dem
chriftlidendelle
2s
"Archien
8
*) Doch find audie tren ad 8 Gegetigriinde (in dee bibl, crit.
Vol. II. p. VI) nicht su überfehen.
US
Pagina 13
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)34 Etos Haupt, Drier Wfd, Erfles Rap,
“tung ber pythagoreifdhen Philofophie tft badurch hoch nicht
viel gewonnen *). Denn ed Fönnte wohl feyn, dap ein
übrigens fchlechter Gefchichtfchreiber doch Achte Thatfaden
und Lehrfäge aus andern guten Quellen aufgenommen, eis
guter hingegen viel Ungegriindeted und Erbichtetes,. ohne
ed zu glauben, erzählet babe, welches wir aber, ohne bie
ganze Reihe von Quellen und Schriften vor und zu haben,
Aus einzelnen Fragmenten nicht beurtpeilen Finnen, Confequeng
and Ucbereinftimmung fann aber beöwegen hiet nicht allein
gue Entfcheidung der Wahrfcheinlichkeit angewendet werben,
weil nicht von dem Gebantenfyftem Eines, fonveen Mehrerer
zu handeln iff. Wir werden, in ben folgenden Abfchnitten
bas Wenige, was. al zuverläfiig angefeben werden fanny
‚ étadblen, und uns vorzüglich davor hüten, fpätere Räfonnes
ments und Ausbildungen nicht mit ber urfprüngliden Lehre
ber Pythagoreer zu vermifchen, Die ganze Gefthidjte läße
fih am Beften unter zroei Hauptabtheilungen bringen, wos
von die Eine bas Leben und Schidfale des Pythagoras and
_ bie Einrichtung und Schidfale bes berühmten pythägoreifchen
Bundes erzählt, die ‚andere bie Philofopbie ber Pythagoreer
Refonbers, bare,
Gees Rapiteh
Leben des Pothogors und etna Bund,
Dieben Pythagoras betreffende Zeitrechnung fo wie mebs
tere Umftände feines Lebens laffen fid bei der Menge von
wiberfprechenben Rayrigten und Evbidturigen, womit feine
*) Bor sue hat Biah burd ine Unterfuhung über Philloaus,
beffen Brudftüde er für die ficherften erg
aus ber Dythagoreis
hen Schule Hält, diefen Gegenftand mit großemFleiß berührt, obs
wohl ev bier und ba bag lts und Raupplhagoneijdt miet forgfattig
werug unterfcheihgt,
Pagina 14
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Pythagoras.
Gefdbichte engefil if, nur wad wabrideintidien Gründen
beftimmen. Schwerlich wird fih hierüber etwas Gründliches
sed fagen laffen, ald was Meiners mit fo viel Gelehrs
famfeit und Scharffinn ausgefübrt hat, und wir werden
vie ben chronologifchen Beftimmungen diefes Gelehrten
folgen.
Pythagoras wurde gegen bie softe Olympiade wahr:
fheinlih *) auf der Snfel Samos unter febr günffigen Um:
fländen und mit trefflichen Talenten geboren. Diefe Infel
s
batte fid) damals zu einem hohen Grade von Wohlftand
und Gultur emporgefhwungen, und fland durch- ihten aus:
gebreiteten Handel faft mit allen cultivirten Ländernin Vers
bindung. Die Natur hatte Pythagoras mit vorzüglichen
Zalenten ausgerhftet, welches aud aus feiner ungemeinen
Bifbegierde, feinen bedeutenden Erfindungen in der Mas fhematif und feinen großen Planen zur Vereblung ber
Menfchheit erhellt. Sein Vater Mnefardhus ein begüterter
Kaufmantiin Samos (der die Steinfchneidefunft vieleicht nebens
ber aus Neigung, nicht als Gewerbe trieb), wer im Stande;
ihm Mittel zur Befriedigung feiner Wißbegierde zu verfchafs
fear), Wielleicht waren felbft die Hanbelsreifen feines Bas
ters, an welden er Antheil nahm, Veranlaffung, feine
Geiftestrdfte zu weden, Belanntfchaft mit ben gelchrteften
Männern feiner Zeit zu machen; und es iff nicht unmabrs
- fheinticy, daß er Unteritalien auf einer biefer Reifen als
das Land fennen lernte, worin er feinen, großen Plan eines
philofophifchen und politifchen Bundes am beften ausfühs
ten fonnte 2). Wenn gleich Porphyr und Jamblid in ihren:
biographifchen Rhapfodieen alles übertreiben, was zum Rubs
me und Lobe ihres Helden gereicht, fo ift bod) ihe Bericht
+) Rad Sembtié de vita pythagorica cs. in Sibon in och.
2) Porphyrius vita Pythagorse. $. 1. 5. 10. Diogenes Laert. VII,
2) Porphyrius §. 2. aus bem Sleanthes rlsoos ds vou Mynougzov ess var Fradsar, avumisvoayın vor IIv3uyoguy veor ‘ore
Senden
ovear avdamope, wai vos. Saragor CT
Pagina 15
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erfies Haupfl Dritter An. Erftes Kap,
nicht unwahrfcheinlich, daB Pythagoras nicht allein von Phes
vecydes (f. oben) und einem gewiffen Hermodamas'
in Samos, fondern aud von Shales und Anarimaus
der iff gebilbet worden. Denn warum follte nicht ber
7
Nubm diefer Männer bis nach Samos gebrungen feyn und
Pythagoras nicht eine fo Heine Neife gemacht haben, um
feine Wifbegierde durch ihre Kenntniffe zu befriedigen? Zwar
findet man in der Philofophie- des Pythagoras Feine Spur
von den Philofophemen diefer Männer; alein biefes ift Fein
Grund gegen bie Wahrheit der Thatfachez denn ed läßt fich
gar wohl denken, daß Pythagoras, ohne ihre Lehren angus
nehmen, durch fie angeregt wurde, fid einen neuen Weg zu
bahnen. Beide befchäftigten fid) mit dem Weltbau und mas
‘
thematifden Gegenftdnden, und vielleicht fchreibt fid daa
ber aud) Pythagoras vorzügliche Neigung zur Mathematik,
Hierzu kommt nod, bañ wir die Philofophie ded Pythas
_goraê viel zu wenig Fennen, alé dag man aus ihr einen
bedeutenden Einwurf dagegen bernebmen: follte 3). - Pythas
goraë unternahm, wie e8 damals bei den Gebildeten Sitte
war, Reifen in fremde Länder, wozu ihn wahrfcheinlich die
Begierde, die Kenntniffe fremder Lander zu fammeln, auch
vielleicht bie Aufmunterung ded Thales, beftimmte. Aber auch
bier ift die Uebertreibung einiger Schriftfteller fichtbar, ins
dem fie ibn nicht allein nad Aegypten und Phönicien, fons
„dern and) nach Perfien*), Indien, Judda und fogar zu
den Druiden in Gallien reifen laffen. Die Nachrichten daz
von find fo widerfprechend fowohl unter einander, ald mit ber
Bcitrehnung, und beruhen auf dem Zengniffe. fo leidtglaua
biger Schriftfteller, daß man nur die Seife nad Aegypten,
und vielleicht die nach Phönicien für zuverläßig halten fann.
Aegypten wurde nod .fpäterhin als das Land geheimer
Weisheit bereifet, und e8 (ft fich wohl denten, daß Yytha‚ gatas Phönicien, welded vielleicht bas Vaterland feines
5) Porphyrius §. 2. 21, Iamblichus $. 11.
*) genen führt aud Cicero lib. V. “de fin. und Plin. h. nm XXV.
Pagina 16
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Pythagoras.
Vaters war, auf diefer Reife nicht vorbeiging, ta e8 burch
feinen Handel, feine Manufacturen und Künfte fehr berühmt
war, Auf biefe Reifen muß er eine beträchtliche Beit
verwenbet' haben, ba er in Aegypten allein fid 22 Jahre
aufgehalten haben foll4). Dah folde Reifen für einen
Mann von philofvphifdem Geifte nicht ohne Nugen waren,
läßt fic) wohl denken; ob die Bortheile aber fo groß waren,
als fig von: einigen Schriftftellern gefdildert werden, muß
man mit Recht bezweifeln, Pythagoras foll nad) biefen
alle feine mathematifchen Kenntniffe auf diefen Reifen, und
zwar die Geometrie von ben Aegyptiern, die Arithmetik
von den Pöniciern und die Affronomie von den Chalddern
gelernt haben, Diefen Berichten widerfpricht wo nicht das
Factum, daß Pythagoras felbft wichtige Cntdedungen in
allen biefen Xheilen machte, bod) die Behauptung anderer
Schriftfteller, daß Thales und Anarimander feine Lchrer
in ber Geometrie und, Aftronomie waren, und baß die
dayptifchen Priefter entweder mit ihrer Wiffenfchaft zu fehr
fargten, oder auch nicht viel mitzurheilen hatten 5), C8
fann wohl feyn, daß einige Gelehrte unter diefen Nationen
in Rüdfiht auf diefe Kenntniffe vor ben Griechen voraus
waren, vorzüglich, die Chalbder und Aegyptier in der Beos
bachtung des Himmeld, und in ber Rechenfunft; aber wahrs
fcheinlich fehlte biefen nod die wiffenfdaftlide Form, bie
fie erft durch Pythagoras und fpätere Denker unter. den
Grieden erhielten 5). Von. mehr Bedeutung waren wohl
}
——
4) Cicera de Finib, W, ¢ 29, Porphyr. §. 11. [Nad Diogenes £.
unter ber Regierung des Amafis, weichem er burd Polykrates, fets
nen Gafifreunb, empfohlen ward.
Aufat d. H.)
-
5) Porphyrius $. 6. §. 11, Iamblich. §, 18, 19, 158, 159.
FH Diefes LaGt fih fdon daraus Fliegen, daf nad ben Zeiten bes
to, als ‘bie Wiffenfhaften in Griechenland felbft bebaut wurben,
te gelebrten Reifen nad Xegypten aufbòrten. Plato beftäciget
diefe Bermuthung burd eine Stelle, wo er fagt: daß die Grieden
die erften Clemente einiger Wiffenfchaften von Aegyptiern und
Gbatdéern erhalten, aber fle fehr vervolllommt Hatten. Epinomis
AX. B, 6.265, 266. Ed. Bip. Gr lobt bie Neanptier,baß fie bie Jugend
in dep Mechenkunft und
Mebkunft unterridten laffen, aber was er
bavon anfüyrt, feint zu beweifen, daß fie bloß medanifd getries .
den wurdt. de legib,
, 8. VUN. 384 und V. €. 2.6.
Pagina 17
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Ceftes Hauptft. Dritter Abfchn. Erftes Kap.\
tle meticinifchen Kenntniffe, welde ex in Aegypten fand;
daher fo vieles Eigene in der. Kleidung, in dem Effen und
Trinken und überhaupt,in ber ganzen Lebensart der Pythaz
goreer, was von ben ágyptifden Prieftern entlehnt zu feyn
fcheint. Ueberhaupt wurde die Argneifunde, und vorzüglich
ber biätetifche Theil von den Pythagoreern mit Fleifs betrieben.
Aud nahm Pythagoras von den dgyptifchen Prieftern Vieles
an, wads zum religiöfen Cultus und zur Einrichtung ihres
Priefterordens gebôrte 7), in welden er aufgenommen wor:
den feyn fol.
War aud Alles, was Pythagoras von ben
Agyptifden Prieftern lernte, in wiffenfchaftlicher Rüdficht von
Feiner. großen Bedeutung, und der großen Borbereitun: gen und Prüfungen nicht werth, welde ber Einweihung
in ihren Orden vorher zu gehen pflegten, fo war es hod
von großem Einfluß auf die Ausführung feiner übrigen
Swede, und verfchaffte ibm unter feinen Seitgenoffen Ansfeben, Einfluß und Ruhm*). Seine Biographen (wenn
man die Compilatoren Porphytius und Iamblichus fo nens :
nen barf) erwähnen noch einer andern Reife ducch Griechen:
land, wo
et die berühmteften Tempel befucht, und ihre Inftitute und Geheimniffe fid) bekannt gemacht habe ®).
Diefe
erfolgte, wenn fie wirklich flatt fand, und unmahrfcheinlich
iff fie wenigftend nicht, vermuthlich etwas. fpäter **).
.
engen
7) Iamblich de vn pa 6,
$. 151. Tiebemanns Geift ber fee
culativ. Philof. 1
. 7I+) Gift hier aber weniger auf ein zetne Lehren unb beren Werth
gu fében, obwohl aud einzelne Lehren des Pythagoras fremden
Urfprungs find, wie bie Lehre von ber Geelenwanderung nad
ber Gage der Alten aus Aegnpten flammf (Herodot IL), ‘fons
bern e8 iff mehr nod) auf ben orientalifchen Geift zu fehen, bec
in Pythagoras Lehre zu finden ift, und der fid in dem Symbolis
fden feiner 3ablentehre (lamblich de vita Pythagorica cap. 23.
4. §. 247. Stob. Serm, 5.), fo wie in ber ganzen Eincätung
bed gefellfchaftlichen Inftituts, welches er errichtete, ausfpricht.
. aud) loseph contra Apion. lib, I.
x.
8) Porphyria À-1. §.16.17. Tamblich. 1.1. $.25. Diogen. Laert, VIII.
++) Dod ift nicht unwahrfcheintih,, daß Pythagoras, dex bie Gefes:
ebung und Bildung bes Staats: zu feinem Augenmerte gemadt
Batte , fhon damals Greta und Lacebdmon befudst habe, um bes
Minos undperse Ginrigtungen Eennen u1 emmen ; wie aud fuatin. hist. XX,
4, bevidtet.
Pagina 18
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Pythagoras.
Nahdem Pythagoras feine große Reife beendiget hatte,
fam er, nach Ariftorenus im vierzigften Sabre, nad Samos
zurüd, und dachte nun auf Mittel, die Senntniffe, , die er
auf-berfelben erworben und durch eigened Nachdenken erweis
tert und vervollfommt hatte, unter ben Griechen zu verbreis
ten. Ungeachtet er eine Schule angelegt hatte, fo verließ
er bod) bald bie Infel nnb begab fid nad Stalien, nady
ber ‚gewöhnlichen Meinung, wegen Polykrates Herifchaft.
Wenn aber auch. biefer fein eigentlicher Æyrann nod ein
Feind der Wiffenfchaften und Künfte war, fo fonnte Doc
Pythagoras nebft andern Samiern mit Recht über die Ums
flofung ber alten. Verfaffung unzufrieden feynz; vieleicht floh
er auch bie bürgerlichen Unruhen und Kriege, welche jene:
zur Folge hatte, Und, wenn wir nicht irren, fo mußte© |
Pythagoras diefe Infel aud obnebief feinem Plane nicht
ganz angemeffen finden. Denn die Errichtung der großen Gefellfchaft in Stalien, welche andere 3wede, al8 bloß ben
wiffenfdaftliden Unterricht hatte, fheint ein Plan gewefen .
zu feyn, ben ex feit feiner Ankunft in Italien nicht aus den
Augen verlor, und ben er wahrfcheinlich weit früher gefaßt
hatte.
Diefes Unternehmen fonnte aber auf einer Infel, die
einen Alleinherrfcher hatte, nicht fo leicht, als in einem großen
zufammenhängenben, aus mehren ariftocratifchen Staaten — |
beftebenben Lande auögeführt werden. Er verließ alfo in
einem Alter von ungefähr vierzig Jahren mit einigen Ber:
trauten fein Vaterland, und bereifte, ehe er nach Italien
gelangte, noch einen Theil von Griechenland, wahrfcheinlich.
aud in ber Abficht, um fic dasjenige Land auszufuchen,
wo er mit dem beften Erfolge feinen Plan ausführen
fonnte°). Pythagoras wählte dazu Kroton, einen Fleinen,
aber mächtigen und wohlhabenden Staat in Unteritalien;
und ber Erfolg. rechtfertigte feine Wahl *). Er erhielt in
Eurzer Zeit Aufmerkfamkeit und Bewunderung; man drängte
9) Porphyrius 1.1. §. 15, 16. Yamblichus
§. $4, 26, 35.
*) Nad Cicero I. Tusc. fam er bapin untes ber Regierung deë
SZorquinius Superbus.%. d.
Pagina 19
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Crftes Hauptft. Dritter Abfhn. Erftes Kap.
fic) haufenweife hinzu, feine Vorträge anzuhören; er befam
eine Menge ber angefehenften Bürger zu Schülern, Eonnte
fid aus benfelben die geprüfteften zu einem Bunde auswähs
len, durch welden er fid) ben widtigiten Einfluß auf biefen,
und andere Staaten in Stalien-verfchaffte,
Wir müffen hier nod etwas ftehen bleiben, und fo:
wohl die Mittel betrachten, wodurch; Pythagoras biep. alles
bewirdte, al8 aud ben Swed und bie Einrichtung der be:
.
tübmten Gefellfhaft kürzlich erwägen.
Pythagores war für die damalige Beit unftreitig ein
auferorbentliher Mann. Schon fein Aeufferes, die Schöns
beit feiner Bildung, verbunden. mit Anfland und Würde,
Fündigte einen großen Geift an: Sein ducchbringenber Vers
fland, feine Beredtfamfeitz unterftüßt durch eine Menge außer:
ordentlicher Renntniffe, alles biefes fonnte zumal in einem
Lande Auffehen erregen, welches in höherer Bildung nod
ganz zurüd war, Wenn er von biefer Seite Bewuns
derung erhielt,
fo gewann ihm feine Neligiofitát und fein
würdiger Charakter auf ber andern Hodadtung und Zus‘
trauen*),
Manches Eigenthümliche und Fremde in ber
Kleidung, Lebensart und Sitte, mande Sage und Exzähs
lungen von göttlichen Gaben ber Borherfagung und aufers
ordentlichen Kräften, vielleicht von feinen ihn verehrenden
Freunden geglaubt und ausgebreitet, wirkten mit, die Aufs
merffamfeit an ihn zu feffeln, Der Gegenftand feiner dffents
lib zu Kroton gehaltenen Vorträge war die Ermahnung
zur einfachen Sitte und bie lebendige Schilderung ber fhes
gielen Pflichten befonderer Menfchenklaffen (der Pflichten dee
Männer und Weiber, Aeltern und Kinder x); the Zwe.
- war, bie Sitten zu verbeffern, bem Hange zum Lurus und.
finnliden Genuß entgegen zu wirken**), und Dagegen bas
Streben zur Bildung des Geiftes und Herzens zu entflams
») Gt efiien feinen Zeitgenoffen ala ein ann, der mit Söttern
Umgang bielt, u pflangte ben Gláuben an Umgang mit
Geiftern Jap Disinetion aud: ouf feine Schüler fort,
Vergt. lamb ich $ 1
++) Go aud bie onbe Stelle bes Juftin,
4
D
Pagina 20
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Pothagoreifdjer Bund. -
men, Seine einnehmende Berebtfamkeit, ble alle Mittel rich
tig berechnet hatte, hatte in feiner erften Anrede an die
Zünglinge erftaunliden Cindrud gemadts die Neuheit der
Sache erregte Aufmerkfamkeit, und er befam von den Obern
nit allein Auftrag, mehrere dergleichen Vorträge zu bal:
ten, fondern ihnen aud gute Rathfchläge zus Verwaltung
bes gemeinen Wefens zu geben 10),
7
"
Pythagoras hatte baburd ungemein viel gewonnen;
ex war auf dem Wege, fih alle Gewalt in bem Staate
durch die Weberlegenheit feines Geifted zu verfchaffen. Auch
war biefes ohne Zweifel fein Plan, ben ihm aber nicht Eigenz
nug, fondern fein Entbufiasmus für bas Gute eingegeben
hatte. Er fuchte nicht Durch dupere Macht, fondern burd
feinen Geift und burd die Ueberzeugung zu berifchen, er
drängte fih zu feinem Amte, er ging auf Feine gewaltfame
Veränderung in der GStaatöverfaffung aus, und wollte nur
in ben ganzen Staatölörper einen andern Geift, ein ans
DereB Lebensprincip bringen, Das einzige zwedmäßige.
Mit
tel dazu war, eine Erziehungsanftalt fir gute Birger und
eine enge Verbindung geprüfter und aufgeklärter Männer *),
10) Porphyrius L 1. $. 18, aa.
.
*) Heeren {Sbeen über bie Politik ze. ME TH. ı Abthlg. Götz
tingen 1812. ©. 430.) nimmt an, bes Pythagoras Anftitut
abe eine politifde Kendenz gehabt. „Aus dev Bergleidung
er Gefdidte der einzelnen Städte Grofgriedentands um bie Zeit
feiner bortigen Erfdeinung, heißt e& an dem angeführten Orte,
geht hervor, baB die Herrfdjaft in ben blühendften derfelben in ben
Händen von Optimaten wars gegen welde aber um eben biefe
Beit eine Volköparthei anfing fid zu bilden, beren Swifte bald
ben Untergang von Sybaris berbeifübrten. Die Parthei der Ops .
timaten bafelbft, wird bingugefegt, zoo an ber Babl, flüchtete,
von dort vertrieben, nad Kroton, und bat um Schuß, ben fie baupts
fadlid) auf ben Kath bes Pythagoras erhielt (Diod. XIL p. 77
Wechel.), Pythagoras, nichts weniger als ein Pdbelfreund, fchloß
fih an bie Optimatenparthei an, bie wieberum an ihm, dem Mann .
_ von fo glänzenden Talenten, igre Stage fand. Es war dies aber
bie Beit, wo die Ueppigteit in jenen Städten, vor allen unter ben
veihen Familien, einen nod nie gefehenen Grad erftiegen hatte,
&s fonnte einem Manne, wie ibm, nicht entgehen, baß biefes Site
tenverberbuig ben Sturz ber hercfdenden Parthei herbeiführen
miffe; und fo entftand natilid ber Gebante, feine politijde Rez
form auf eine moralifche zu gründen.”
Go-confequent biefe Anz
At if, fo wenig finde id diefelbe Dura; gefchidtlide Beugeiffe
Pagina 21
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)efkes Haupeft. Dritter Abfdn, Erftes Kap.
'
Benn man bie ganze Einrichtung biefes Inftituts dez
trachtet, welches. unter dem Namen bes Pythagoreifchen
Bundes oder der Gefellfchaft der Pythagoreer fo berühmt
worden ift, fo muß man über ben großen Geift erffaunen,
ber den Plan dazu entworfen hat... Es umfaßte nicht nur |
ben Unterricht in gemeinnüsigen Kenntniffen, fondern auch
die Bildung des Charakters; ¢8 vereinigte bie mannidfals
tigften Anftalten zur Entwidlung aller. geiftigen Anlagen, in
ben gehörigen- Abftufungen. Daher bildeten fich in biefem
Snftitute Denker, Dichter, Felbheren, Staatsmänner, und
‚überhaupt vortrefflihe Menfchen in jeder Art. Alle Mits
“ glieder lebten in der innigften Eintracht und Freundfdaft,
und dle ganze Gefelfchaft war als eine große Familie zu
betrachten, bie fi durch Frugalität und Mäßigkeit, Gereda
tigfeitéliebe, edle Wohlthätigkeit und harmonifche Bildung
bes Geiftes auszeichnete.
.
_.
Pythagoras nahm nicht alle und jebe in biefen Bund
auf, fonbern beobachtete bie Aufzunehmenden von. Seiten
ihres Charafters, wobei ihm fein fcharfes phyfiognomifches
Gefühl fehr zu flatten fam, und unterwarf fie mancherlei
Prüfungen **), Gymnaftifhe Uebungen, Befdäftigungen
x
vollfommen begrändet ; ja die ganze Ridtung ded Pythagoras und feiner Lehren, welde atd myftifd) und afcetifd) mebe nad innen dis
‘
nad außen ging, fheint mir zu bezeugen, baß fein Plan zunâchft
"|
auf die Bildung bes innern Menfden gerichtet, und baß ber
politifde Einfluß, welden ex und fein Bund gewann, nur nafürs
lide Folge feiner moralifhen Wirkfamkeit, nicht von ibm als
Hauptzwee beabfidtigt war. Zudem fdliest fic die Cinrids
tung und Berfaffung biefes Bundes mebr an die Einrichtung dex
ägyptifhen Prieftermy fterien und an ben borifchen Stam=
mesdaratter, als an bas gemôbnlide Verhältnigder Ariftofraten
in ben griedifhen Staaten an, fo daß id jenen Bund als einen
Bund der Optimaten im politifhen Sinne, feiner Abfidt nad
nicht anfeben Tann, wenn er aud am meiften auf Bildung der Optis
maten wirkte. Weit näher liegt die Anficht, welche aud mit der
- Weltanfhauung des Pythagoras zufammenhängt, baf fo wie bie "Welt ein barmonifhes Ganzes der Dinge, eine Mufif ber Sphären
"fes, diefer Bund, als ein Bund ber Freundfdaft, Eintracht und Orbz nung, biefe Harmonie der Welt, gleihfem im Kreife bes Menfde
lichen b. f. in Wiffenfchaft, Sitte und Staat barflellen und auf
die Menfchheit übertragen folite. S. auch das Folgende. A. db. H.
**) Jamblich. de vita pythagorica 5. 71. C‚KVIL $: ya. C. XVIII. sqq.
_ Gell. noct, At, 1,9.
Pagina 22
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Ppehagoreifdhee Bund,
beb Geiftes, Berathfchlagungen, Spaziergänge, Reinigungen
wechfelten mit einander jeden Tag in einer beftimmten Orbs
nung ab. Alles biefes, fo wie die fombolifchen Vorfchriften
und afcetifhen Gebräuche (wotunter die Enthaltung von
Sleifchfpeifen *) und von Bohnen die befannteften find,)
zwedte auf eine fehr heilfame Diät des Körpers und dev
Seele, auf zwedtmäßige und harmonifche Bildung des Menfchen,
Anleitung zum Nachdenken über fid) felbft, zur Selbfiprüfung,
Selbfbeherrfhung und Gleihmüthigkeit ab.
Die ganze
Gefelfdaft beftand aus mebrern Klaffen oder Graben **),
Die unterften Grade waren eine Vorbereitung zu bem höchten, |
welcher die audgefuchteften und geprüfteften Mitglieder ums
faite, denen alle Geheimniffe des Bundes und beffen ganze
Drganifation anvertraut waren. Ungeachtet der Dunkelheit, |
in welde ber legte Grab eingehilt ft, fcheinen doch die
Beheimniffe deffelben nicht fowohl gewiffe nicht mittheilbare
Dogmen, ald vielmehr den legten verborgenen Swel der
Gefellfdaft und ihren Einfluß auf die Regierung des Staaz
ted betroffen zu haben 11). “Denn hierauf zwedte bie ganze
*) lamblich 1. L 108, 109. et Rittershas, ad Porph. 55.
b. Ô.
*) Jamblich LI $.:80 sq. Hier wirb guerft der Unterfdhieb von Dos |
thagoreern,
die in völliger Gitergemeinfdaft mit einander lebz
ten, und Pythagoriften gemadt, welthe nur burd gemeinfame
wiffenfdaftlide Studien vereinigt waren. rene waren Cfoterifeé
{Dice- L. VIII, 37f.) und wurben wieder
in die drei Klaffen ber anov"
or, Sasporros, unb Deoe oder Îesonaders (lamblich, de my:steriis C. XV.) getbeilts biefe waren Groteriter und biefen aud
@xovopatsxos ober axaqvotixes; indem fie bem dogmatifden Behrs
vortrage fdweigend zuhören muften. Auf diefe Kaffe fcheint fih
aud bas auros epa vornehmlid zu beziehen, wähtend jene aud
ot genannt, einen ausführlihen und mit Grünben ents
delten Unterriht empfingen (Porphyr. §. 37. et Rittershus, ad
h. 1.). Hiecauf bezog fic) aud) bie doppelte Lehrweife, bie
dönoxalın cupBodixn und bie dueEodexy.. Sn Hinfidt auf die
Lehrgegenftände hießen fie dann srodursxor, ouxorouxos und voro
Getixnor, ceBactixos etc. Die Efoteriler aber waren
die Mitglieder
bes Ordeng, in ben man nur nad einem mehrjährigen Stillfdwels
en (own ober ayeuudın f. über bas pythbagorifde Stille
felgen Rittershus, ad Porphyr. $. 19.) eintreten Fa
.
11) M
bt
lide
Befhreibung in Meiners Gefhidte
be ner se 5 sud 3 Gap. €. 391 zeg.
>
Pagina 23
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Cefes Haupt. Dritter Hofdn. Cres Rap,
Gintibtung dev. Gefelfbaft ab*), unb felbft der Erfolg
feint diefe Bermuthung zu beftátigen.
x
Diefe Gefelifdaft Hatte einen ungemeln glüdlichen Forts
gang... ‚Nicht allein in Kroton erhielt fie eine beträchtliche
Anzahl von Mitgliedern aus den angefehenften Ständen,
fondern.‘e8 bildeten fic) auch. in Metapontum, arent und
andern Städten Großgriehenlanbs ähnliche Gefelfdaften,
welche mit der in Kroton in Verbindung ffanben. Der Pys
thagoreifche Bund erhielt nach und nach ben widhtigften Eins
flug auf bie Staateverwaltung biefer Städte, Denn Ppthar
gerad wurde nicht nur felbft in. wichtigen.„Angelegenheiten
um Rath gefragt, fondern viele Mitglieder bes Bunded was
ten angefehene Bürger und beFleibeten wichtige, Stastsänter,
. ©8 lápt fic) daher leicht denten, daß ber Bund gulegt gletche
|
fam bie Seele der ganzen Staatsmafchine wurde, indem
duch. ihn,. vermittelt ded Kinfluffes der Einzelnen, alles
beftimmt und entfchieden wurde, Die geroöhnlichen Obrige.
teiten blieben unverändert, aber ihre Gewalt war untetges .
ordnet, ihre Thatigheit erhielt eeft durch ben Bund den erften
Antrieb und die wahre Richtung. Der Bund wirkte aber
als eine unfichtbare Kraft und fein Einfluß, blieb daher vers
* borgen, und nie würde man fid vielleicht bie Mühe gegeben
haben, thn aufzuheben, wenn fi nicht eigenfüchtige Mtns
ner gefunden hätten, die, durch ben Bund gehindert, thre
Abfichten nicht erreichen tonnten. Denn der Einfluß bes
Bundes war im Ganzen für die Staaten febr bellfam, und’ gwedte auf nichtd anders, ald auf bas gemeine Befte ab,
Die gefegmäßige Berfaffung zu erhalten, Unregelmäßigfeit
und Willhht aus ber Megierung zu entfernen, bieß wat
bas Biel derfelben *2).
Diefe Gefelfchaft erregte bald Neid und Eiferfucht gegen
fi, durch welde fie endlich aufgeldft wurde. Angefehene.
Männer von zweibeutigem Charakter wurden abgewiefen, anz
bere aus eben der Urfache aud ber Gefelfhañt ausgefchloffen,
=) &, jebod) die obige Anmerkung. ©. ot.
_ 42) Iamblichus 1, 1. $. 249, 263, 264. Tustin. XX, 4.
Pagina 24
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Potpagoreifcher Bund, |
"ehe fie in ben oberften Brad lamen. . Selbft die ganze Eine.
richtung bed Bundes war gewiffetmafen eine Trennung von
bem übrigen Staatslörper. Die Mitglieder zeichneten fid
nicht allein burd bie Grundfage, fondern auch durch ihre Site
ten, Lebendweife und Kleidung aus; bie innigfte Herzensvers
eintgung und die feltenfte Freundfcaft. bildete gleichfam eine
Sdeirewand zwifhen ihnen und ben nicht Verbûndeten,
went gleich jene gegen diefe
nur alé-edle Männer handels.
ten. Swat bob ihr Einfluß auf die Regierung des gemeinen
Wefens biefe Sdheidewand gewiflermaßen wieder auf, wat
fteilte eine Art von Verbindung her,- welde in der Abs
béngigfeit det Uebrigen beftand; diefe bauerte aber nur fa
lange, alé bie größere. Menge diefe Abhängigkeit fich gefallen
ließ, und nicht von jenen- Unzufriedenen aufgewiegelt wurde.
E8 entftanben hieraus. Uneuben und Empdtungenz ein groper
Theil der Werblindeten wurde hingerichtet, die übrigen gers
freut. und verbannt. Mit ber Berftirung des Bundes -in
allen griechifch>italienijchen Staaten fing eine lange Meihe
von: verbetblichen Kriegen und Uniuben an,. welche Zulegs —
kaum buch Bermittelung: der Adder geftilt werden tonne
ten*). Diele Verfchwörung gegen ben. Orden und bie weit
auêfehenden Folgen derfelben: laffen fic) faum denken, wenn
ex Feine politijde Venbens- gehabt hätte 12). - -
\
Bo grof aber ach bie Uebereinftimmung ber Sdrifte
fellere in der Hatiptfache biefer Begebenheit ift, fo fehr wets
chen fie in Nebenumfländen ab. Daher laffen fid auch bie
. lebten Schidfale bes Stifters biefes Bundes nicht mit Ge
wißheit angeben. Denn nad einigen fand er feinen Zod,
(der and febr abmeidend, mit aberiteuerliden Umftdnden,
turd diefe wurden die
u 1.1. ig. etc.
Phpthagoreer wieder guriictgerufen. Yam=
Pooth 8
.
"x 28.
.
13) Iamblich, 35 Rap. [Nah den meiften Radeidten, war 8 bet
errfchfüchtige Cylon aus Sybaris, ber weil er vom Pythagoras
ben Bund nicht aufgenommen worden war, eine Partei gegen .
denfelben etrepte, und endlich bie in bem Haufe bes Athleten Milo -
verfammelten Schüler bed Pythagoras in beffen Abwèfenbeit, fammt
bem Haufe: verbrannte, wobei nuc wenige enttanten. Dief gefdaÿ
um 500 vor Shr …
-
Bufag d,
Pagina 25
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Œrftes Hauptft. Dritter-Abfchn. Crftes Rap.
wie fein ganzes Leben, erzählt with) in eben biefeni Auf:
ftande, der den Bund gerftdrtes nad andern entfloh er aus
— Kroton, ging nad) Metapontum und wurde dort in ei
nem ähnlichen Auffland gemordet ober entleibte fich felbft ;
* nach andern war er bei biefen Begebendeitén: nicht anwefend,
und entweber auf einer Reife oder fchon lange geftorben 14)©
Mit der größten Waıfheinfichteit fegt man feinen Tod
um die 69 Olympiade 79),
G8 iff gewagt, über ben Charakter bes Maines ‘ein
beffimmtes :Uetheil. auszufprechen, fiber welchen fo vers
febieden fdon in bem Uiterthume geurtheilt wird. Es if
vielleicht eben fo leicht, ihn als einen Mann von erhabenem
. Charakter, der aus bloem Pflichtgefühl, ohne alle eigens
_ nüsigen Rüdfichten, au ‘bem großen Plan, die 'Menfchheit
bur Sitflichfeit und Geiftesbtbung zu verebeln, feine
Kräfte aufwandte, oder als einen feinem Politifer zu filbern,
bet feinen Handlungen einen fehönen Anftrich zu leihen vers.
motte, ungeachtet die wahre Triebfeber berfelben Ehrgeiz
und Hervfchfudyt war: Go fehr für das Erfte der"änffere
Anfchein, die Wohlthätigkeit feiner Einrichtungen und Hands
lungen, und überhaupt die Wahl ber Mittel‘ zu -fprechen‘
fébeint, fo Fônnte doc) von ber- andern Seite ber Gimoutf
gemacht werben, baß man Aber die eigentliche. Tendenz feiner:
Plane nicht urtheiten. könne, weil e8 nicht: ausgemadt. fev,
ob fie in ihrem ganzen Umfange auögeführt,;ob. nicht wiebe:
mehr ber‘ Hauptzwed, den er durch feinen Bund beabfichs
tigte, ehe e8 zu bem entfbeibenden Augenblid fam, vereitelt
worden. Ungeachtet alles beffen aber, was
fid) dagegen fagenläßt, haben dod bie Gründe für den ;fttlichen GharÁtter—
bes Pythagoras ein größeres Gewicht, fo lange man bet
ber Wirklichkeit ffeben bleibt, und. nur barauf fiebt, was.
er. gethan, und wie er e8 gethan hat. Denn nach biefem
‘fdeint feine Abficht Feine andere gewefen zu feyn, als Gen
fegmäßigkeit in der Verwaltung des Staats, und Moralis
„24) Porphyrius 6. 54. und lusting l, L .
15) Meiners ©. 368. [Rad Gufebius 70 OL-4.]
Pagina 26
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)"Pptdagoreifcher Bund,
tät in dem ganzen Betragen feiner Seitgenoffen gu befärbern.
Dafür fpridt auch, dah bie Pythagoreer, auch nachdem der.
Bund zerftört war, immer denfelben Grundfägen treu bliez
ben, und daß fie die fchönften Beifpiele edler Freunde
fchaft aufftellten. Gin Pythagoreifches Leben galt baber
nog in fpdtern Zeiten eben fo viel, als ein mufterhaftes
Leben 15),
_ Die Berftörung tes Bundes war für die Staaten, tibet
welche er fich verbreitet hatte, ein großes Unglüd und Hinz
Derniß ber fortfchreitenden Gultur, abet für die Wiffenfchafs
ten entftand daraus zufdlliger Weife dod mancher Gewinn.
- So lange ald er beftand, feheinen die Mitglieder zu fehe
mit politifden Angelegenheiten befchäftiget gemefen zu feyn,’
als. daß fie vieljfür die Wiffenfchaften leiften konnten. Selbft
Pythagoras fcheint feine größten Erfindungen vor biefem
Beitpuncte. gemacht zu haben. Vielleicht war eben biefe pos
litifche Gefchäftigkeit mehr, al8 bie Sucht, Webeimniffe für
fich zu. behalten, die Urfache, daß die Pythagoreer zu ber
Beit, ald der Bund nod beftand, gur nicht gefchrieben haz
ben*). Inder Folge legten fie fib mit meht Dube auf.
bie Wiffenfchaften, fonberli bie mathematifchen, hinterliepen
bie Refultate ibres Nachdenkend fchriftlih, und trugen nicht
wenig dazu bei, daß bie Mathematit mit mehr Gli und
Sntereffe bearbeitet wurde #7),
16) Plato de Republica X. @. 203, Cebes zu Anfange bed Bemätbed,
*) Bon einem andern Standpuntte Täßt fi Tagen, baß fo lange bie
‚That mehr galt und bas lebendige Wort, und de Schüler
.
nod in einen Bund vereinigt tebten (Lömblich Ll 6. 253.) ¢8 bes
Auffdyretbens no hidt bedurfte, und biefes alé ein nothwen:
biges Hülfsmittel bee Erinnerung erft dann erfdien, alé man bie ,
theoretifd)= praftifhe Weisheit des Pythagoras bem Untergange
Æntgiepen wollte Yd. H.
27) lamblichus §. 25. Porphyrius $ 36, lamblitb. $. 250, 25%
“
Zennemanne Gels. b. PULS
Pagina 27
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erftes Haupffl. Zwelter Abfıhn. Bmeltes Ran
„Zweites Kapttek
Philofopheme ber Pythagoreer.
Pythagoras faßte bie Welt von Seiten der Zahl und
legte den Grund zu einer wiffenfdaftliden Mathemas
tif *). Wenn vor ibm aud Thales und deffen Nachfolger
nicht unwiffend in der Geometrie waren, fo erhob
fid body
ihre Kenntniß, wie eB fceint, nicht weit’ über mechanifche
Runfigriffe zur Auflöfung einiger geometrien und aftros
nomifchen Probleme. . Pythagoras erfand in der Geometrie
einige wichtige Lehrfäge **) und erweiterte die Affronomies
‚ aber. nod) mehr wirkte er für bie Arithmetit, auf welde et
“auch die Mufif’ aurhdfübrte *#*). Diefe Wiffenfchaft wurde
von ihm und feinen Schülern mit auferordentlidem Scharfe
finn und großer Sorgfalt bearbeitet, vorzüglich der Theil
welder die Berhaltniffe der Zahlen unterfucht. Man Bann fih leicht vorftellen, wie werth ihm die Arith metif wers
den mußte, weil fie ibm fo vieleB verdantte; noch wers"
ther war fie ihm wegen ihrer Anwendung auf andere Theile .
ber Mathematik „ind ‚weil fie ibm ben Schlüffel zur Ere
fenntnif ber Natur in die Hand gab. Daher fonnte Pys
thagoras mit Necht fagen: der weifefte Mann dinke ihm
der zu feyn, der den Dingen ihre Namen gegeben, und
die Zahlen erfunden haber). Denn durch die Arithmetië
fam erft Einheit und Bufammenbang a bie verfdjiedenen
Theile' bet Mathematif; fie fchten dem Pythagoras mit Redt
gleidfam bie aligemeine Größenlehre zu feyn.
j
*) Telde
TREzugleich Philofophie fen folte ©. zoen
EE 43
und
.
”) Dtbet fogenannte
pothagoreifhe Lebrfa
t
atheseos
von ihm guecft erfunden Toren, I joo! ase a
)
+) Nad Platoderep. VII, 530 D. nannten bie Fythagorser Mus
fil und Aftronomie Sdwweftern.
2) Aclianıs V. HIV. © 27. lamblch.1.1, $.82. CicerTuscal. Qu
Pagina 28
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)L
}
…— , Phflofopbeme dee Pythagoreer,
89
GS léft fich daher leicht begreifen, dap Pythagoras,
welder mit ben Philofophemen der Sonier befannt war,
und feinen Gdft vorzüglich burd Mathematif gebildet hatte,
alle Gegenftände ber Speculation aus einem neuen Gefidtés
puncte betrachtete. Denn er bradte zu ihnen gleidfam
einen mathematifdgen Verftand mit, der nicht bloß anfchauen,.
_fondern aud) meffen und rechnen, und alles Denkbare nad
feinen Verhältniffen auffaffen wollte. Und hieraus entfprang
benn eine Art mathematifder Metaphyfilf, welde
fo vielfältig mifverftanden, und bald als dad Spiel einer
träumerifchen Phantafie, und leerer Unfinn, bald als dad _
Product des tieffinnigften Denkens betrachtet worden ifl,
Beide Borftelungsarten beruhen auf Mifverftändniffen und
irrigen Vorausfegungen. Cine auf biftorifhe Urkunden ges
gründete Unterfuchung wird dad Wahre und Irrige an beiden
berauöheben, und eine ridrigere Schägung diefer Philofos.
phie lehren.
‘
Pythagoras und feine Schüler— denn, wie wir oben ©.
82. f. erinnert haben, aus Mangel an beftimmten biftorifhen .
Urkunden laffen fic die Philofopheme des Pythagoras und
ber Pythagoreer nicht genau unterfcheiden, fondern beide müfs
fen als ein Ganges betrachtet werden, — behaupteten, die
Bablen feyen bie Principe der Dinge”). Um diefen
Grandfag der Pothagoreifden Philofophie ridtig zu verfichen,
2) Die Hauptftelle ift: Aristoteles Metaphys. I, c. 5, Ey Ta tovroug
“at 7790 ToLTWY où malovusros Ilvdayogsıo Tov UEFHwatar
ayœusyoi TTOWTOL TOUTE NQONYAYOY, HUE EVIGUPENTES sv UUTOIS
"Tag touvtwy aoxas TOV OYTOY BOYaS HT TOY eLvas
RAVTWY* ETE
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Toutous sÖoxouv Pswoery opotwpata nodka Tors
ovor Has ypuyrouevosc, maddov 7 ev TIGL sar yn NOL DATE,
- 08 To wey ToLovdı Tuv agıdumy zados Uxaıpovon » to ds tosovde
wuzn xas VOUS, ezegov Ös xargos wat twv alluv og emery EXUUTOŸ
opormg, ets Os Toy appovixov ev aprFuotg opawres nas TE TEM
«as tous loyorc, erudn ta gevolde tors ageTpals epouréto Tnv
Grow aqouoatyvas nader, os Js agGpos zauns ths puseag
APWTOL, TH TOY GOLF MOY OTOLYELA TOVONTOY CTOCL ELS
navyımy sivaruneha Bow, sar 109 olov ovgavoy aguovay
sıra, xs agiduor.
Gergl, aud Cicero Academ, Q. IV, c, 37.
Sextus Hypotyp, Ill, .§. 152. adversus Mathemat IV, §. 2 X,
248 sg Stob. ecl, ed, Heeren. 1, 289 sgqe
|
=
Pagina 29
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)100 Erftes Bauptft. Zelter Abfchn, Zweites Rap,
miiffen wir theils ben Begriff unterfuchen, den fie mit bem
Worte Zahlen CaguFuor) Verbanden, theils bie Sphäre der
Anwendung des Begriffs beftimmen.
Das griechifche Wort, durch ‚welches diefer Begriff auês
_ gebrüdt wird, ift vielbeutig, und eben darin, baf e8 meh.
vere Bedeutungen, als das deutfche Wort 3abt hat, liegt
eine Schwierigkeit für bas Berftehen der Pythagoreifden
Philofophie,
ES bedeutet nehmlich nicht allein Zahl, fons
bern aud die Größe, ein Quantum und endlid aud
Berháltniffe jeder Art. Die Bahl ift bas Schema, un:
ter welchem jede Größe gedenfbar iff. Daher ift es fehr .
begreiflih, warum in den frühern Zeiten der Pythagoreer,
wo die Begriffe nicht forgfältig genug erörtert und unter:
fdieden waren, apıduos für Bahl und-Größe gebraucht
wurde, und warum man in fpátern Zeiten die zweite Bes
- beutung durch einen Süfab (avudpos peyedog eyav) be:
flimmter bezeichntte 3), Es ift eben fo natürlich, daß biefes
Wort von den Größen : Berbältniffen auf andere Verhälts
niffe übergetragen wurde, und baher eine fymbolifdhe Bes
beutung zur Bezeichnung anderer Begriffe, als mathematifcher,
erhielt *). Alle biefe Bedeutungen Fommenin der Pythagos
zeifchen Philofophie vor. Die Beftimmungen ber Zahlen in
‚ihrem Verhältniffe zu einander betrachtet, gehören zur erften
Bedeutung; in der zweiten find die Zahlen felbft Ob»
‘jecte, Beftandtheile ber Natur; in ber britten-heißt das
Univerfum eine Zahl, das ift, ein Syftem von Ver=
hältniffen, und in der legten endlid) wird bie Gerechtigkeit,
bie Vernunft, die Seele u. f. w. dur) Zahlen bezeichnet. €8
ergiebt fifid fdon bieraus, daß die Pythagoreer dem Bee
griffe der Zahl eine weit größere Sphäre der Anwendung
gaben, als unfer Spradgebraud) veraf Er war wegen
5) Aristoteles Metaphysicor. xm c.6. exsLvos de (sc, Iudayogsioı}
- egovra (eyovras sc, apıduoug) peyedos.-
*) Aber ber Grund davon liegt-wieder in ber Natur ber Zahl,
weßhalb bie befagte Vieldeutigkeit Feinen Vorwurf gegen bes Dytha=
got Lehre enthält, vermöge deren’ alle Dinge in der Welt na
abl und Maas geovbret fi
find. Nur muß man ben fombolifden
Ghavatter des Pythagoreismus fefthalten.
Kb De,
Pagina 30
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)| Pbhilofopheme ber Pothagoreer.
feiner Bieldentigheit fo weit, daß fie alle Gegenftdnde ihrer
Nachforfhung, fomobl theoretifhe als practifche, unter dens
felben befaffen Fonnten. Hieran hatte aber auch bas tre:
ben ber Vernunft, alles unter Einheit der Principien zu
bringen, großen Antheil. .
Die Cltern Philofophen betrachteten die Gegenftände
der Erfahrungswelt unter dem doppelten Gefidtspuncte was
fie find, und wie fie entflanden find. Der erfte Gee
fibtépunct ff ben Pythagoreern eigenthimlid. Denn ’bie
Sonier unterfudten, wie die Dinge entflanden find, und
fudten ihr Wefen durch eine urfprüngliche Materie, aus.
woelder alles bervorgegangen, zu beftimmen.
Die Pythasgoreer aber betrachteten die Dinge, abgefehen von ihrer Ent: .
flehungsart, nad) ihrer Natur, und ‘auf diefe gründeten
fie erft das Syftem ihrer Erzeugung.
a
Die Pothagoreer richteten ihre Aufmerkfamfeit, wie
natürlich, guerft auf die dußern Gegenftände, und betradtes
ten fie ald Größen unter der Form der Zahlen. Sie
glaubten in den Zahlen nad) dem angegebenen Sinne, mebz
vere Beziehungen und Aehnlichkeiten mit ben Dingen, mehr
Auffchlüffe über die Natur, als in allen Speculationen und
‚Hypothefen über die materielen Grundftoffe zu finden, und
fuchten die Principien dee Dinge vielmehr. in den einfachen’
untörperlihen Beftandtheilen berfelben. Weil fie aber nod
nidt das Product des reinen Verftandes und ben Stoff
feiner. Begriffe unterfcheiben Fonnten, fo festen fie die 3ahs
len in die Objecte, machten jene zu Beftandtheilen biefer,
oder, mit andern Worten, was nur Bedingung unferer
Borftellungen von dußeren, in Raum und Zeit wabrnebme
baren Objecten iff, fahen fie als Bedingung ber Obiecte
felbft an fih an). Daher nannten
fie die Dinge felbft
Bablen CageFuoe) worunter alfo ausgedehnte Subftange —
verftanden werden, und fie lebiten, der Teere Raum fey
4) Aristoteles Metaphys. XII, c. 6. zov yag Shov avpavoy xetacxsue-
Covorw el aged pov, niyv ou povadixar, adda tas porudas ino~
. depBeprovoir exes Heysdos: c. 8. Metaphys. 1, c. 6. oide (bie
. Pothagoreer) ageFpare ewas paas avıa va sgaypata.
Pagina 31
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Grfles Hauptft. Zweiter Abfchn. Qweites Kap.
Urfade, daß biefe fein Continuum, kein zufammenhäns
gended Quantum ausmachen 5). Nur dann erft Eonnten fie
ihre Sablentheorie auf die Dinge anwenden, nachdem fie
biefe mit den Zahlen ibentificirt *) hatten, und es läßt fich
nun begreifen, wie fie fagen fonnten, die Principien ber
_Sablen find aud die Principien der Dinge **),
| Auf biefes Fundament bauten fie ihre Philofophie und Liepen
fih wenig in eigentliche phyfifalifde Specúlationen ein 5).
‚Wir werden nun zuerft ihre Zahlentheorie, und dann bie
Anwendung. diefer Principien auf die Natur und Entfichung
ber Dinge darftellen.
EE
“Die Elemente der. Zahlen find das Ungerade, (ne
girrov) und bas Gerade (aprıov), weil nehmlid alle Zah:
‘len unter bie zwei Rlaffen, gerade und ungerade, gebracht
werden Ednnen. Die Eins enthält beide Cleniente, und
Vu
x
5) Aristoteles Physic, IV, 6. [&. Juf. zu Not. 13.]
. ©) Zennemann , ber-wie aus dem Obigen erhellet, die Pythagorifde
Lehre nad Kantifden Vorausfegungen beurtheilt, bürbet |
biefer exftens das Hineintragen ber Bahl in die Dinge aufs dann
bie Meinung, daß die Zahlen ausgedehnte Subftanzen feyen; ba
bod, wenn die Zahlen in den Dingen find, wie Pythagoras bez
hauptete, oder in dfefelben, wie Tennemann meint, von ihm bine
eingetragen werben, fie gwar bie Dinge felbft mit Pythagoras, —
aber nur in Hinfiht ihres Wefend, oder ihrer wefentliden Form,
nidt fbledthin genannt, und fo mit ben Dingen zu einem und
bemfelben gemadt, oder mie Sennemann fi ausdrüdt, idens
« tificict werden Tonnen. Ariftoreles fagt in der Hier angeführten
Stelle Met. I, 6. Plato ftimme mit den Pythagoreern darin über:
ein, daf bie Zahlen die Urfaden der Subftanz aller übrigen Dinge
feven; jener aber fege bie Zahlen außerhalb der Cinnenwelt, babins
gegen bie Pothagoreev behaupteten: die Zahlen feyen bie
Dinge feloft d.i in ihnen. Anderwarts heißt es aud) I, 5. bie
Dinge feyen Nachahmung ber Zahlen. Wie hätten nun die Py:
thagoreer lehren Eönnen, daf die Babin die Urfaden ber Sub:
ftanz aller Dinge feyen, wenn fie diefelben (fdledthin) mit ben
Dingen identificict Hätten2
- QU. dB DP.
96) In der oben Not. 2. citieten hierher gehörigen Stelle heißt es
vielmehr: 1) die Principien der Matgemätit (und barunter werben
bie Zahlen vorzugsweife verftanden) find bie Principien aller Dinge,
baber Ærhnemann oben richtiger fagt: bie Zahlen find die Princis
pien
der Dinge; 2) bie Elemente (oroysa) ber Bablen find
bie Elemente aller Dinge, welder Ausbrud {pater erklärt
- wird.
6) Aristoteles Metepbysic. I, ©. 7.
Pagina 32
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme der Ppihagoreer,
_ 403
daher it fie gleichfam ber Stamm, aus welchem alle Zahlen
(wahricheinlich durch Addition) entfpringen. Die Ciné ift
felbft feine Zahl, denn jebe Zahl ift eine Mehrheit von Eins
beiten 7). Die geraden Zahlen find. unvolltommen,
unvollftändig; die ungeraden vollfommen und voll
farbig; benn.eine ungerade Zahl bringt durch Zufammens
fegung mit einer geraden immer cine ungerade, in Bers
bindung mit einer ungeraden aber eine gerade Zahl, die _
gerade hingegen burch die Zufammenfegung nie eine uns
gerade hervor.
Viele gerade Zahlen laffen fich in unge:.
“rade Hälften zerlegen, wie 10, 18, aber nie ungerade in
gleiche Hälften. Das-Ungerade ift alfo in gewiffer Rids
fiht*) etwas Unthcilbares, und beweift dadurch feinen
Rang als erftes Clement **). Eine gerade Zahl, weil fie
in zwei gleiche Hälften getheilt werden kann, hat daher Fein
Element, welches nicht zu der einen oder andern Hälfte:
‚gehörte; bei ber ungeraden hingegen bleibt immer ein Ele
ment übrig, welded beide gieiche Hälften von einander '
trennt. Die ungerade Zahl hat baber einen Anfang
Mittel, Ende; die gerade hingegen Fein Mittel. Aus
biefen Gründen hielten fie die ungeraden Zahlen für vols
Æommener, als die geraden. - Eben diefed bemeifen fie auch
7) Aristot. Metaphys. 1, c. 5. zou de oped ov OToryties to aprıoy
uae TO TEQUETOY , TOVIOV ds TO sv nentqucperor, to Ös amétgor.
to de fy dy sE augorepov giver TOUTUP, var yap AOTLOY va: xas
mıgıTToV, Tov Os agıduoy éx tov ëvos.
Diefes beitätiget Theon
Smyrnaeus Mathemat, c. 5, p. 30. edit. Bullialdi Agsotorelnc ds
ev to IIvdayooızay“ to &v puow auporeguy petexery TIG Pusews.
agin Hey 720 ngoore der HEDLETOV TEQLEL.
TEEQITTO)
oe
agtioy,
6
ovx ay nÔvvaro, eb un appow Taw paso wettige, Do var ap
* zronegtrrov xalsıadaı to év. ovupeperar ds tovtorg Kar Apyutas.
Aristoxenus bei Stobaeus Ecl, Phys. p. 16.
©) Nehmlid infofern man die Einheit als Untheitbares Fett
. **) Sh roûrde Bedenken tragen, mid) ded lebten Uusdrucs, fo wie ber
eigen Ausdrücke, ,vollftandig’ und ,,unvollftandig’ zu bedienen, um
nidt eine Borftelung, für welde wie Feine fidere Beglaubigung
finden, dem Pythagoras zugufdreiben. Kir das Beftimm tere und
Borzüglichere unter beiden wurde die ungerate Bahl angefeben ; fie
wird vielleicht eben darum bei Plutarch, Problem. 102. bie männ:
lide, babingegen bie gerade die weiblidge genannt.
Pagina 33
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)404 Gcfles Haupeft, Deitter Aofchn. Zweiter Rap. ,
durh die Gnomonen b. t. folde Zahlen, welde, mit:
andern zufammengefest, quabratifhe Zahlen geben. . Alle
ungeraden Zahlen find Gnomonen, weil fie, abdirt zu
“ben Quadrat » Zahlen, immer wieder Quadrate erzeugen,
a D. 143
— 275 4 + 5 = 873 9 + 7 = 4;
16 + 9 = 5? 8), Bieleicht berubet auf diefen Gründen
aud bie Behauptung, daf die geraden Sablen,unbe:
grenzt, die ungeraten begrengt
find 2). Denn bie Theil:
tung fteht gleidfam bei den legten ftill, und wird durch das
“eine übrig bleibende Element gehemmt. Weil nach der
Pythagoreer Anficht die ungerade Zahl Anfang, Mittel und
Ende hat, fo evfdeint fie eben deswegen als begrenzt *).
8) Stobaeus Ecl, Physic. p. 14,16. 22. 24. Arist. Ethicor, Nicom.
Le. 6. Physicor. LIL c. 4 ©. Biko. Philolaus ©. 146.
9) Aristatef, Metaphysio, 1. cl 5, (Note 7.) Physicor. IHM. ce 4. ZZUStuyogeros ta umevoy ever To agreov (pact) Tauıo yap To evaTokauSuvousvoy, xar UXO TOV sepusrov TEQUIVOUEYOY TUQEYEE
Tous ovos Tnv ansıgıav. Stobaeus Eclog. Phys. p,'aa. Die Bez
viffe bes ameıgav und wexeoacuevoy zu beftimnten, fehlt ed an
Fintingtiden Daten.
8 ift aber wabrideinlid, daß fie darunter
bas Unbegränate, Unbeftimmte, und bas Begränzte und Beftimmte
verftanden.
1
,
WW Kann der Meinung des Herrn Prof. Krug (Gef. ber Phi:
lof. alt. Zeit. ©. 95.) niht beiftimmen,
wether den Bericht bes
Sertus Empiricus über biefe Lehre des Dythagoras ‚tad weldem
die Monas und die Dyas (Einheit und Vielheit) bie Clemens
te der Zahl, und fomit aud dee Dinge find, für richtiger hält,
und jenem bes Xriftofeles vorzieht. Denn id fehe feinen Grund, ben
Bericht des viel fpätern, bem bes früheren, der reinen Pothagoreis
den Lehre näher ftehenden, und anerkannt forgfältigen Berichters
atters vorzuziehen. Daß Sertud in den angeführten von Tens
nemann fpäter berüdfichtigten Stellen, (hyp. pyrh. III, 153 —
155 und adv, math. 11, 261 — 262.), mit welden ber aus’ ders
felben Quelle fhöpfende DiogenesL, VILE, 25, übereinftimmt, gang
beftimmt von Pythagoras felbft, Ariftoteles aber nur unbes
ftimmt von Pythagoreern rebet, bürfte eher für die größere
Borfidst deg Altern Philofophben fprehen, der überhaupt felten
ben Pythagoras anführt, weil er fdon zu feiner Zeit diefe Bez
flimmtheit für unmöglich hielt. Aber beftimmter zeigt fih Arifto:
teles in 'bem übrigen Berichte, aus weldem man faft fehen Faan,
wie jene Lehre Durch Plato und beffen Schüler mobificiek wore
den if. Aviftoteles führt (mer. 1, 5.) zwei Meinungen der Py=
thagoreer an, nebmlid 1) die obige: die Elemente der Zahl feyen
bas Gerade und Ungerade, unter biefen fey das eine begrenzt
das andere unbegrenzt; bie Eins fen aud beiden, mithin zugleich
grade und ungerade; ble Bahl aber entfpringe cud dem Eins
Pagina 34
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme der Pythagorees. + 405
Die Zahlen bis zehen machen in bet becabifhen Záhlungs:
art die einfachen Elemente aud, und bie Behn iff baber bie
‘vollfommenfte Zahl, weil fie alle Einheiten begreift, und
gleichfam bas Syftem derfelben befdhlieft.
Eben biefes
Syftem im Kleinen enthält die Bier (Zetractys) weil‘
14.248
+ 4 = 10 ijt *°)*).
oo
x
(bas to pay — to de ift hier etwas zroeideutigs in ber Stelle Physic,
II, 4. aber wird das motor ganz ungweideutig dad anager ge:
nann®); 2) die Meinung anderer, mit dem Alfmäon übereinftim:
mender Pythagoreer, nach welder zehn Gegenfábe, unter wel
den fih aud Grenze und Unenblides, Ungerades und Gerades,
Eins und Vieles befinden, die Principien der Dinne feyn follèn.
Die lebteve Meinung, von welcher unfer Verfaffer fpäter handelt,
feint Ariftoteles, theits weil er fle nadftellt, theils weil er. aud
in andern Stellen nur bie erftere im Auge Hat, (fo 3. B. aud am
Säluffe des Kapitels wo bas Begrenzte und unendlide vottommt
u. Kap.7.) und vielleicht aud als die entwideltere, auf niehrern
Unterfdeidungen becubende, nicht für die herrfchende der Pythagoreer,
"u. die urfpriinglide des Pythagoras angefeben zu haben,
Indem er
nun auf Plato zu zeden fommt, und wie fid) biefer ben Pothas
goreern angefdloffen babe. (Rap. 6.) berictet, fagt ex, dap diefer
anftatt bes Unendliden ber Pythagoreer, als eines Einigen,
die Dyas gefest, indem er bas Unendlihe aus bem Großen und
Kleinen habe beftehen laffen, was ihm eigen fey. Neben dieses
materielle Drincip aber ftelie er bas Eins, alé Princip der Wefenbeit. Dief ift nun bie pythagorifd = platonifde Lehre von dee
povag und aogıqrog Övag, welde bie fpätern Pythagoreer weiter
ausbildeten, und welde fchon Sertus Empicicug vor Mugen zu haben
fdeint. (Vergl. befonders Sect. 277- adv. math.) Ganz unbes,
flimmt tritt fie nod im Philebus p.16. C, D. auf. Wahrfheintich
ift aud) der Unterfied des Einen und der Dtonas, belden die Pyz
thagoreer angaben, daß nebmlich die Monas zu dem Intelligibeln
gehöre (ev tous vonrou), die Ging aber zu den Bablen (vergl.
ben Biographen des Pythagoras beim Pgotivs p. 722. und Austin.
Mart, Cohortat. ad Graec. Sect. XVIIL) ein fpäterer Unterfchieb,
and aus Plato gefloffen (vergl. Arist. inet. 7. adm tavrovs us»
yontous aıtiorg, Tovrous Os aioFytov;), da nad Uriftoteles obis
gem Beridt die Pythagoreer bie Eins gerade für Leine Zahl ans fahen, was wenigftens von bem Ciné als Grundpringp gilt, von
weldem Ariftoteles eben bafelbft hypothetifch redet. Gang beftimmt
aber wird jene Lehre, welde @ertus am genaueften ertwidelt,
für jünger erklärt bei Stobaeus ecl, 1, g. p.20. Bergl. aud
' Arist. phys. 1, 6,
À. bd.
to) Aristoteles Metaph, 1,c.5. Plutarch.
$.
placit. Philos. I, e, 5, $- 15.
seq. Stob. Eclog. Phys. p.8. 22. [E, Bies. a. a ©. ©. 140. 146.]
+) Meber-baë Œntfishen ber Zahlen nad Potbagoreifher Anfiht raus
ten die fpätern Berichte nun fo.. Die Monas ift bas Princip ber
‚Dinge, einfach, unentftanben, ewig fid) feloft. gleid und felbfiftäns
| Dig, deffen. Begriff Eeinen andern vorausfege. (Stob, J, 5. p. 15.) :
.
Pagina 35
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)106 Erfles-Gauptf. Dritter Abfchn. Zweites Rap.
‚Man fiebt biefer Theorie thr Jugendalter an.
@8 Fann.
feyn, daß. wir nur Brudftiide berfelben haben; allein aud
diefes zugegeben, fo fällt doch das Sdwankende berfelben
fogleid) in die Augen. Nicht die Entwidlung der Verhältatiffe der Zahlen aus dem mathematifchen Gefichtöpuncte,
fondern bas Grlünfteln gewiffer Begriffe aus benfelben, um
diefer Theorie Anwendung auf äußere Objecte zu. verfchaffen,
aft der Grundfehler berfelben. Diefer verbarg fid) aber ihren
. Augen, weil fie annabmen, daß die Zahlen die Elemente der
Dinge find, und daher fchloffen fie, daß Ales, was fpecus _lativifd) von ben Zahlen ausgemadt wird, aud) von ben
Dingen gelten müffe. Sie bemerkten nehmlic nicht, daß
fie die Sablen in zwei gang verfchiedenen Bedeutungen
“nahmen, einmal als ausgebebnte Größen, und dann als
‚Schemata derfelben.
Die Begriffe der Bolfommenheit und
Unvollfommenbeit, ber: Begrenzung und Grenzenlofigkeit
find weder mathematifch nod) philofdpbifd genau beftimmt,
und man fann daher erwarten, baß bie Anwendung ders
felben auf die Natur der Dinge nur eine Spielerei mit Bes
griffen feyn werde, indem bie Zahlen leere Stellen von Bes
daher Eymbol Gottes — aus biefem Begriff entfpringt bas Eins
‚in dem Gezählten; aud diefem die zwei, die exfte gerade Bahl, die
Dahl des Mannidfaltigen’ und des Gegenfages überhaupt;. burd
" Dingufüqung der eins zu ihr entftebt die drei, ald die erfte ungerade
und vollfommne Babls burd weitere Hingufiigung entfteht die Vier:
zahl (Tetractys) ein Dauptfhmbol der Pythagoreifden Lehre, wese
balb aud die Pythagoreer bei dem fhmwuren, ber ihnen die Viergahl
wibergeben (©. Stob, ecl. p. 501. und Porphyr. de vita Pythag.
ed. Kiesling p. 49—5o. Cf. p. 165—66.)5 auf Natur bezogen
Symbol ber Naturelemente, der Jahreszeiten, Lebensalter
zc., zugleich
aber aud) Symbol ber Seele. Durch bie Vier aber wird die Zehn .
erzeugt (f. oben), — daher aud fie Tetractyd genannt wird —
(Sext. Emp. adv, math. lib. LV, 3.) . die volllommenfte Zahl,
weil fie alle Arten Bablen und Zahlenverhältniffe umfaßt — daber
aud Osxag genannt (f. Porphyr. 1. L und Sect. 52. und not. pe
250.) und man von ihr zur Einheit zurüclehrt. Diefer Bablencon=
firuction entfprechend bilden fie die Welt (Bergl. Sext. Emp. pyrrh,
hyp. Sect. UL p. 154. adv. phys. s. X, 278.) benm der Punct
vertritt ihnen die Stelle ber Einheit, die Linie bie ber Imweihrit, die
Fläche der Drribeit, der räumliche Körper entipricht der Bier. An
ben einzelnen Rorpern und ber ganzen Welt finden jie die Bablenvers
Hältniffe wieder,
wie in ben muiifalifhen Merbältniffen, welde bie .
Potbagorter quer beflimmt paken follen.
Pagina 36
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme dee Pothagoreer
griffen bezeichnen, welche auf verfchiedene Art wilführkich
- aufgefüllt werden Finnen, und ausgefüllt worden find.
Da
wir bier bie Philofophie ber Pythagoreer nach ben vorhans
benen-Urfunben barftellen, fo-müffen wir bie einzelnen Bes
bauptung eohne firengen Sufammenhang anführen, ungeadys
tet e8 nicht fchwer fenn dürfte, ein Syftem zu erfünfteln *).
Dar die Zahlen die Elemente der Dinge find, fo find
‘gud die Principien der Zahlen Principien der
‘Dinge**). Alfo das Grengenlofe und Begrenzte
find die Principien ber Dinge 11). Hierdurch wurde aber
fein befonderes Wefen gedacht, fondern diefe Principien find
*) Dan fehe die obigen Bemerkungen. Eine tiefere Kritik ber Pythae
gotifen Zahleniehre, als bier von Tennemann angebeutet wird, .
_ haben fhon im Aiterthume Uriftoteles (befonders im XI. B,
der Metaph.) und Sertus Emptr.
(pyrrh. hyp. HI, 158
sqg. und adv. phys. II, sive X, 285 sqq.) geliefert, wobei jenec
die Anfidt zum Grunde legt, daf die Potbagoreer (was wohl von ben 'Altern gilt) die Zahlen nicht von den Dingen gefcieben hätten, diefer
von ber entgegengefebten Morausfesung ausgeht und fid auf die
fpdtern bezieht. Man vergl. unfere Note ©. 104. f. Um Pnthas
goraë ridtig und billig zu würdigen, muß man vor Allem nicht aus
ben Augen laffen, daß ec bei Betrachtung der Principe der Dinge 3 uz
erft über bas Sinnlihe und Körperlihe binausging. Er fafte
. fe aber in ber Form der Zahlen, die gleidfam zwifhen dem Sinns
_ Yidhen und Ueberfinnlicken liegen und eben darum aud) die fymbolifde
. Deutung geftatten, und fand in bem durd) fie gedachten Verhaltniffe
der Dinge die vernunftmäßige Einheit und Harmonie der Welt.
Aud) entwidelten fid in feiner Schule fhon an ben Unterfchieben ber
Babl die Gegenfäse und Grundbeftimmungen ber Dinge. Allein da
bie Babl eine Form des Aeußern und gegen den Inhalt gleich
gültig ift: fo Eonnte auth eine in das Spezielle und Concrete herab:
fleigende Bezeihnung der Dinge-burd Zahlen nicht anders als wills
Eúbelid und fdwantend feynz befonders ba fid) die Bahlenverhältz
niffe wiederholen.
25.08
.
) Der Verfaffer hätte nad) dem beftimmten Ausbrude bes Ariftoteles
fagen müffen: ba die Zahlen Principien ber Dinge find, fo find aud
bie Clemente bee Zahlen Principien der Dinge. Much nennt
Ariftotele8 in ber bier ausgeführten Stelle Grengenlofes und Bes
grenztes nicht Principien ber Sahl.
.
‘A b.
11) Aristoteles Metaphys. I. c. 5. of de Iudayogeror Svo user tas
… “Cgxas xata Toy avroy EignKeOr TONTOY, TodoLTOY Se moQCdEREDE-
Guy, 5 noe idiov avtwy EOTW, OTL TO menspucutvov HAL TO ansta0 zo dv ovy frees tivas omdnoar esvas pros, olor svp
1 YRY G Te Tosovtoy Étepar add avro to amstgoy xis avro :0
är ovv Eimas zovrop WY wurnyogouvras OH wat oppor au '
tp pearar Anarrer, Physicor UL c. à.
Pagina 37
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)108 Erfles.Haupeft, Deitter Ab fn. Zweites Rop;
Beftandthelle, Prädicate ber Dinge, denen fie beigelegt wers
ben. Man barf alfo an Feine urfptüngliche Materie denten,
bie der Beit nad ben Dingen verausgegangen fey, und |
‚woraus die Dinge vermittelft einer Form entftanden wärenz
-fondern e8 follte damit, wie eS fiheint, nur das behauptet
“werden, baf die. Dinge gaviffe Beftandtheilen haben, die
als Materie, Bielheit gedacht werden, und durch Figur,
Geftalt beftimmt und begrenzt feyen.
Nur durch bas
Begrengtfeyn wird Alles, was if, ein Gegenftand
der Gr:
enntniß; wenn nicht bas Mannichfaltige fo beftimmt wäre,
daß e8 in gewiffen Berhältniffen zu einander flünde, fo Fönnte
e8 nicht als Eins b. i. nit als cin Ding gedacht wers
ben 2). Diefe Principien gelten nicht allein von jedem einzelnen
Dinge, fondern auch von dem Inbegriff gerfelben, der Welt.
Fedes Ding im Rayme (Feine andern Lommen in dem
Pythagoreifden Spiteme vor) iff von dem andern getrennt,
und von dem Leeren (xsvor) umgeben, woburd es feine
beftimmte Geftalt befommt. Das Weltall ift ebenfalls von
dem leeren Naume umgeben, der unendlich ift, d. i ,
feine beftimmte Geftalt bat, aber vielleicht fir nothwendig
erachtet wurde, um bie Welt zu begrenzen, und dadyrd zu
geftalten. Wir ftofen hier zwerft auf ben Begriff des leeren
Raumes, ben die folgenden Phyfifer zur Erkldrung der Bes wegung unentbehrlih fanden. -Die Pythagoreer brauchten
ihn, um fih bas Dafeyn getrennter Subftanzen in dem
Raume zu denten, welches freilich aud) fo lange nothwendig
ift, al8 man die ausgedehnten Gubftangen aus bem Gefichts= punct bloßer Begriffe betractet. Sie nahmen alfo einen
boppelten, leeren Raum an, einen in der Welt,
einen außer der Welt, welcher unendlid if, Gie bes
baupteten von bem lebteren, daß ihn die Welt aus bem Uns
begrenzten einziehe, wie ein Thier die Luft durch bad Aths
“men, welches wohl nur bildlich zu verftehen ift, und nichts
anders fagt, ald daß die Welf in dem außerweltlichen leeren
Raume fhwimme, und biefer allenthalben da eindringe, wo :
Hein Körper it,
Hierauf berubef aud) die Dauer ber Lora
a2) Stob. ech. phys.- p. 456. Ga, Fragment ded Philelous
Pagina 38
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)7 Philofopheme der Pthagoteer..
per, Senn wenn fie nicht durch bas Leere von einander
getrennt würden, fo würden fie nicht mehr al8 befondere
Wefen zu unterfdeiden, oder gar ‚nicht mebr.feyn 12),
Go wie die Zahlen, fo ftehen auch die Körper mit eins
ander in Verhdltniffen, welde nur durch Zahlen fags
lich gemacht werben Binnen. Die Pythagoreer verfidhen dies
fes für ‚das: Erfte nur von ben Weltldrpern, deren Sys
15) Aristote}, Physicor. IV. €. 6. (du Vall. c. 8.) farms D epaoay
- eae ob IfvSayognor xeroy, was entiouvor arto To ovgary Eu '
zov aneıgoV HYEUUUTOS we AY avanvsortt, Km To KEVOŸ, 6 Ötoilt tors pvoets, wg ovToc TOUGKEVOU, XUQISMOY TIYOS TWV epetng
“os TNS dpoguarsi. KAL TOUT
Bus MELDEN EN Tou agıduoıs,
Ta
yap xevov dtogifeer Tnv prow avtwy. Stobaeus Eclog. Phys:
p- Seo. aus einem verloren gegangenen Buche des Ariftoteles von
der potbagoreifden Phitofophie, roy ovparor svar iva, ensuoayegia: Ò Ex TOU aneipov yoovoy Te x t nvonv (ty nvon), xus TO
xsvov, ò Dtogifes ixautow tas yous aen Bol. Stob.1.1. p.388,
U, Platarch. phys. deer. II,g. Sn der erften Stelle midte id ans
ftatt der gewöhnlihen Lesart lefen: tmp ovgary ex tov ansıgov,
NVE'LO WS avanvEOrTL, KOL TO xEvay etc. Denn wir lefen nidt,
daß die Pythagoreer bas Unenbliche weiter beftimmt hätten, welches
fie aud) nicht thun fonnten, weil es ein privativer Begriff ift, der
aus bem Maume alles Pofitive wegnimmt. Aud führt AUriftoretes
Phys. fc. 4-ansspo» ohne alle weitere Beftimmung an. Man
fiepet aber aus der legtern Stelle, daß fie dad aseipor in einemdoppelten Sinne nahmen: einmal, als ben unbegrenzten leeren
Raum außerhalb der Welt; und als Materie in den Dingen felb
Das legte ift bas Gerade, oder das immer Theilbare, weldes dur:
bie Einheit oder burd) dad Ungetade beftimmt wird, und bas Wefen
der Dinge (agePuwv) ausmadt. Es if übrigens gar niht wabrs
féeintid, daf die Pythagoreer unter dem Unendliden den Aether
als göttliche, Alles butdorihgende und belebende Kraft: gedacht bas
ben, - weil es mit andern Behauptungen nicht übereinftimmt, und
“mit Feinem Blaren Beugniffe belegt werden Eann. [Der Bf. fcheint
bier auf Ziebemanns Geift der fpec. Phil.Y, 123. hinzubeuten, wets
der bas anesgov mrevpetos (nad ber gewöhnlichen
|
Lesart bei Aris
. ftotele8,) und von ben umfaffenden Aether, als dem erften Urftoff
der Welt erklärt hatte. Allein aud) unfers Werfs. Correctur ift (wie
Beh über Philolaos ©. rog. bemerkt) unnbtbig, wie aud die ans
„geführte Paralleiftelle
bet Stobaeus zeigt, und man mys, um ien:s
Dbilofophem im Sinne jener alten Zeit und einet, nat Ariftoteles Auês
brude, nod tallenden Philofophie zu faffen, bas Wilb von hem
- Æbiere fefthalten, Wie bas Bhier die Luft einathmet und
. . ‚barin-tebt, fo fdöpft nad diefem Philofopheme das Körperliche Welts
u
all (ovparos vgl. Ar. Met. I, 7.) dieFormen’
des individuellen und
an ber. Dinge, Raum (das ift hier to xavor) und
it, ober das was die Dinge, und zunächft die Bablen, von einander .
feibet, aus bem Unemblihen, hier der unbegrenzte Daud genannt.
Pagina 39
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)fem zu erforfcher,
fie mit fo gffdlidem Erfolg anfingen.
Gegründet ift biefe Behauptung nus in bem. Doppelfinne
bes Worts Zahlen *). Ihre aftronomifehen Bemerfingen vers
banften
fie wahrfcheinlich nicht diefem Sage, fondern bas
Befireben, die aftronomifden Beobachtungen und Rechnungen _
mit bem. Zablenfyftem in Webereinftimmung zu bringen, war
vielmehr bie, Beranlaffung zu bemfelben **). Natürlich) mugs
ten fie die Welt als ein großes Ganges betrachten. Diefes hatten
zwar fon bie Sonier gethan, aber nur wegen ber Einheif der
Materie, ans welder fie alle Dinge ableiteten; die Pythas
goreer hingegen fuchten zuerft den Zufammenhang und die
Berhältnifje der Theile mathematifch zu beftimmen 13),
Aus ber becadifchen Zählungsarf folgerten fie, daß es
zehn Weltförper oder Kreife geben müffe, und ba die Be,
obadtung nur neun (die Sonne, die, Erde, den Mond
6 Planeten, und den Sirfternentreis ) auftoie8, fo bichteten
fie, ihrer mathematifchen Theorie zu Liebe, nod einen, bie
“ + Gegenerde (avrıydwv) hinzu. Hatten fie auch darunz
ter nichts anders, al8 die eine Hälfte der. Erdfugel ‘verftans
ben, wie einige Ausleger behaupten, ungeachtet fich einige
nicht unerhebliche Gründe dagegen anführen laffen, fo:
fiebt
man ded) daran, daß fie ihre willführliche Theorie nur ges
zwungen mit der Natur in Uebereinftimmung, zu bringen
fuchten. ‚Diefes gilt aud zum Theil von ihrem aftroromis.
chen Syftem. . So fehr man auf der einen Seite erftaunt,
ein dem Kopernifanifdhen
fid) fo fehr näherndes Syftem fo
früh, zu finden, während viel fpätere Aftronomen
fid nicht
zu diefer sichtigern Kenntniß erheben fonnten; fo auffallend
aft es auf ber andern, daß, wie e8 fcheint, wo nicht alle,
bod einige Grünbe für jenes Syftem nur fcheinbare,. uners
‘wiefene, fpeculative Säge und Bolgerungen aaus eer)Babe
te
. *) f. oben @. 100 .
+
7
tap.
#4) Aberin biefem Streben liegt fchon bie Borauéfesung einer vernánfe
tigen Einheit. Vol. was Aciftot. Met. I, 7. über ipee |Gonftruction
bes Himmels fag :
24) Stobaens Kel: Phys.
.
p. 8, und 456. aut. 9 ane
Fsiformus Sextus advers. Mathemat. X, Dylans
Pagina 40
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)lentheorte waren. Nad) deihfelben bewegte fi) um die Sonne,
„welde den Mittelpunct bed Meltals ansmachte, bie Gegen»
erde, bie Erbe, ber Mond und dann bie fünf Planeten und
der Keeis der Birfterne. Den Haupffag, baß die Sonne
unbemeglid) in bem Mittelpuncte fteht, und-fich alle übris
gen Weltkörperum fie bewegen, folgerten fie daraus,- daß
ber Sonne, qld dem Feuer, cine ebrenvollere Stelle gebühre,
ald ber Erde; daß die Mitte und das Ende eine ehrenvollere
Stelle fey, als die zwifchen beiden. liegenden Stellen, Die
Sonne, die fie auch bas Gentrafeuer, den Heerd ded Als
und die Supiteröwache nennen, wird alfo als bas dele
der Natur durch die Kreisbewegung ber übrigen Himmelde
forper gleidfam wie von Trabanten bewacht 15). Diefe
25) Aristoteles Metaphysicor. vgl, oben Not. 2 u.4. ferner (I, 5. Mew
taph.) 20, oow 81709 Öuoloyoyuera Ôrxvuvas ev tors dguPuots zoe
Tats apgoviars 71005 Tu TOU orgavovu sradn” zt HEQEL zas 78906
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Öusherre, mrgooeydizorro tov ovvesgoudvny TAGE MUTgIS Sv TN :
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Asya Ö olov, eneidr teluoy m Sexag sivas Öoxss
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geva Kara zov ovgavor ‘Ösua psy evar paas, ovtwy Js evvsot 10909
Tuy paveguy ra tovto Öexarny thy artiyPove noiovou — de Coelo
I, c 13. Ent per yap tov ueoov mvg evar paot, Tnv Os yur
Ev 109 aorgeov -ovour xvxlm PELOUEVNV. Tege TO pECOY, YUXTO-KUEnusgay score. stu 3° evarvtiay allnv tavty xatacxevefovar Zn,
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yous «ar Tag Arets Lntourtts, adda moos twas dokag- zor loyore
avrov za payvousva meoselxovtec, as nSQMOL GUyKOOpEY.
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. pecov zwgar anodidovat, TO MIOTOY. OUM 5% | TOY. pawogeven
@îgovorr, aile pallov xas ex Tuv loywys zp yap Tuuututre osovrar TEOSHXELY THY vusorarny vragzer yoouy> ema de TU
gev pms Tuutwtepore to de mepus tay petaty. to ds eoyarop xas
„to HEGOY, sapase
Ogre en toUTOY avaloytbousvor OUx oLoytas
ens Tov uecou uote 175 oppas ovens, alia alloy to vg.
em 3° ov ye. Hudayopsiı xaos dea To gadsora mpocnnay pvlarzeodas 10 xupiorcetoy Tov maytos: ‘to 0a psoow sivas TOLOUTOY8 Aios pvlaxnry ovopagovor, To taviny 8709 Tnv yogay TRUG.
soorsp To usoov Markus Às/ouaroy, 866 TO. TOU HEYEDOUS peCoY,
KEL TOU TOUYUËTOS OY HEUOY KA TNS PUGEWG.
enri bie Pythas ©
goveer unter ber Gegenerde nichts als bie Hälfte ber Erotus
gel verftanden hätten, fo liefe es fid faum benfen, wie fie jener _ bie erfte, dev Erbe felbft die zweite Bahn um die Sonne hätten Bets
Legen finnen, zumal wenn fie, wie aud ber zweiten Stelle des Aris
ee t, wo.aud von dem Tags und Nadtwedfel die Rede
bie Umibrebung ber Erbe um ihre Ure Eannteu. Mad bem. D his
Pagina 41
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)413 Erftes Hanpıfl, Dritter Abfn. Rweiltes Rap,
Mettkörper bewegen fid) um bas Gentralfetter.-nach gerofffen:
barmonifhen Verhältniffen, woraus die Sphdrenmufit
entfteht. Diefer Gedanke ift bas gemeinfame Product einer
figendliden Fübnen Einbildungsfraft und der fuftematifirens
‘ ben Vernunft. Nachdem nehmlid Pythagoras die Entbedung
© gemacht hatte, bas. der call dur die Erfchütterung ber
Luft entfiehe, wenn
. zwei Körper an einander ftofen, und
- RAB die Verfchiedenheit des Schals von der Schnelligkeit
der Erfchlitterung und der Quantität, der Maffe abhänge,
nachdem ex fetner: die Vethdltniffe der Ιne zu einander
mathematifch beftimmt hatte *), trug er biefe Theorie auch
&uf die Weltkörper über. Seder berfelben, behauptete er, bringt
" durch feine Bewegung einen eignen Ton hervor. Diefe Tine
der verjchiedenen Weltkörper fliehen in Verhältniffen zu ein
ander; woraus ein großer Weltaccord entfleht. Dem Eins
Würfe, daß die Menfchen diefe MWeltmufit nicht hören, bes
-gegnete er durch die fcharffinnige Gemerfung, dap fie. vor
Geburt an daran gewöhnt werden, und, weil fie’ ununterz
broden fortbauert, fie nicht vernehmen Eönnen £5),. wie man
ben Ton nur im Gegenfa ber Stille vernimmit.
+ — Bir finden in der Pothagoreifden Philofopbhie nod eine
andere, ebenfalls willführliche Anwendung ber Zahl Zehn,
bie aber infofern merkwürdig ift, als fie etwas Aehnlides
+ Lotaué Platarch. phys. decret. III, c. 11. war bie Gegenerde nicht
allein der Erde entgegengefebt, fonbern bewegte fih aud um das
‘
“= Gentralfeuer fo, daß fie der Erde entgegengefest blieb, und daber
“nie gefehen werben fonnte. (SG. Bip a. a. O..G. 114 ff.] Diefes
un feint aud Wriftotetes zu beffätigen de Coelo I, 13. ad
°°: odot gev pds ere tov pedov sachar paow autny, xiveodus da
xuxha rept TO uecoy* ov povoy de Tavımv, alla xas zip arıı-
ZFova, xaGaneg europen mgoteppv. aviois Oe Öoxei xaos shew
7" owpara toravra svdezeodar qagscFas mept to ueoov, Huy Ca
“”__aÖnda Sus tyy smreos Tor Ins yns- : [hud von Plutacd im
' Suma vgl. de plac. 1,15. wird die Sebre von ber Kreiëbemegung
* — beep Erde um das Gentralfener ben Pythagoreern zugefchrieben.
“'*) Bgl. Stob. ech p. 460, u. BSG a. a. D. &, 66 ol %. 61ÿ.
=" 16) Aristoteles de Qoclo IE, c°g. qurepoy — ore za, TO pavar pi
PEOPAL pepoperavuopoviar, ws ovpporov pevoperav tory.
oper KopPws HEY eLpHTaL Kas HEP TTS UNO TOY BTOYTWY OÙ
“+ pay cure yap exer to alndss, etc. Cic.Somnium Scip. c, 5, et
Macrob, Comment
: lik, 1, Plin Histor. Nat LE c. 22. :
Pagina 42
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme der Pythagoreer.
113
. bon einer Tafel ber Kategorien enthält, AlEmdon, ein
jüngerer Zeitgenoffe des. Pythagoras, hatte behauptet, daß
alle mannichfaltige Dinge, welche die Menfchen Pennen, zweis
fad), bas ift von ber Art feyen, daß fie unter eine von
goei entgegengefegten Glaffen gebracht werben Fônnen, 3. B.
gut ober böfe, groß oder Mein." EB lag hierin bie richtige
Bemerkung eines Gefehed des Denkens, nur Fonnte e8 Alls
méon nod nicht in feiner Reinheit auffaffen, und, die Abs
firaction vollenden. Gin Gefeh des Denkens ward daber al8
Gefeg der Dinge, die gedacht werden, ausgebrüdt. Dod
wat ed jener Eigenfchaft gang angemeffen, wenn er bie ents
gegengefebten Klaffen ber. Zahl nad unbeftimmt lief 17),
Einige Pythagoreer hingegen fuchten bdiefe Gegenfäge als
Principe ber Dinge zu beftimmen, und nabmen deren
Zehn an, weil nach ihrer Anficht die Zahl Zehn bas Babs
Lenfoftem vollendet enthielt. Sie ftellten alfo zehn Begriffe
mit ihren Gegenfagen ohne Princip auf, indem fie die bes
Fannteften und gemeinften Cinthellungen der Dinge, wenn
glei von ganz heterogener Art, zufammenfaßten.
Es wären
folgende:
. 27) Aristoteles Metaphysie, I.'c. 5. ezegoe de roy œurwy vovrwv Tag
agzas dexa Aeyovoı eas tas zara ovoroigiar Asyousvag — Gy~
EQ ToOTOY soixe war Adxpowy 6 Koarwrinzng vnolaßey zus
ror oÙrog rap” ser, 7) eneuvos TOR TOUTOU nagehdpor Toy
doyov tovtoy. — anspyvato de magandjowe Tovrass' puut yap
esvardvo ta nohde Tuy ur ounevay, Ayur tag evar—
-TIormtag, Oy greg oùzor Ömpisuevag, all tag Tuyovoas, oloy
devxor, pelay, yhuev, mixgov, ayaÿor, xaxov, mixgoy, Ley
de
otros pay our adtogrotag Emeggupe megs toy downey, où de Liv
+ Jayoquor xat woe: Kat tives at EVUYTIUOES anepyvarto. [Krug
Gefd. der Phil. alt. Zeit ift im Srrthum, wenn er bem AlEmdon
die zehn Doppelbegriffe beilegt, da gerade in diefer Stelle gefagt
wird, XlEmäon habe Feine beftimmten Gegenfäße angegeben,
… Wie die übrigen Pythagoreer. Uebrigens ift aus diefer Stelle aud
Diog. L. VIII, 83. zu erklären, wo eö heißt: dvo ta zodda sore
tov avFouniwor. Alles Viele in ben menfdliden Dingen ift groei,
b. i. beruht auf bem Gegenfage.. Buf. d. H.] Ee tft wabrideintia,
baf die Pythagoreer erft nad) Alemdon ben Berfudy machten, diefe
Gegenfäge beftimmt anzugeben. Bielleidt ift die Bermuthung nicht
zu gewagt, daß Archytas einer von biefen Pythagoreern ift, und
daß daher die Sage entftand, ec fei erfter Erfinder der Kategorien;
biefes Eonnte Beranlaffung geben, ihm Schriften, worin biefe abge:
handelt find, untergufdieden. (Bgl. oben ©. 80 f.)
Zennemannd G. d. Phil. I. TH.
Pagina 43
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)114 Erftes Haupefl, Deitter Abin, Zweites Rap.
Das Endlide Grenze Das Unenblide (ana-.
(repas)
_
gov’)
Leu
Das Ungerade (ne Das Gerade (apruov)
1770»)
Das Cine (Ev)
3 Das Viele (xmdoc)'
Das Rechte (dekior)' Das Linke (agecrepor)
Das Männliche (coger) Das Weiblihe:(Imiv)-
Daë Dupende “nee DasBewegte (uwovpeouy)
Das Gerade (evdv)
Das Lidt (pus):
„Das Gute Cayadoy)
voy)
Das Krumme (xapvdory
Die Sinfternif (oxoros)
Das. Bôfe
( xuxor)
“.
Das Biered (reroa- Das ungleidfeitige
Biered (Erspounxes) 18)
ywvov)
Diejenige Idee, welche die Erfinder diefer Tafel leitete, war, |
alle Begriffe, burch welche ben Dingen eine Bolllommen 6 eit
‚ beigelegt wird, auf der einen Seite; auf ber andern aber
Diejenigen sufammen zu ftellen, welche einen Mangel der
Bollfommenheit
nad ihrer Vorftellung einfchließen.
-.. Daher ftebt auch der Begriff des Endliden oder Bez .
grenzten, und auf der andern Seite ber des Unend=
lichen oben an. Denn mit dem Endlidhen, der Cine
heit, verglichen fie alles Beftimmte und Regelmäßige, |
mit bem Unendliden, Gleichen aber bas Unbeftimm=
te, Ungeordnete, Unerfennbare
in der Welt 9).
Diefe Idee enthält das Band jener fo heterogenen Begriffe.
Die Pythagoreer fanden bier wahrfcheinlich reichlichen Stoff,
bas Zalent des Wied zu Üben, um die Aehnlichkeit fowohl,
als die Unterordnung berfelben unter die Hauptbegriffe ihres
Syftemd, bas Begrenzte und Unbegrenzte, auszumitteln.
' Obgleich biefe Bemühung für die Wiffenfchaft fruchtlos war,
fo ift Doch gu- bedauern, daß von biefen Raifonnements fic
wenig mehr als Nichts erhalten hat, Denn diefes Spiel mit
18) Aristotel. Metaphys. 4. 0.9, Cine Beftätigung ber Acdhtheit bigs
fer Œafel ift e8, wenn Ariftoteles, Ethic. ad Nicomach. II. c. 6
2 font" To yup xaxov TOU aneigou, tig de IIvdayogsıoı esxator- to
aFov Tou none asuerov;,> und I, c 6. fe feb ten év ty tow
. or Wy OUCOIYIE TO
de Iside et Osiride.
Bel. Metaphysic. XIH, c.6, Plutarchus
Vol. IX, p. 170.
19) Theon. Smyrnecus Mathemat, CN5pe 30
Pagina 44
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philefopheme bee Pothagoreer,
Begriffen war doch eine. Uebung und Schärfung des Bers
. flandes, welde auf bie Gultur der folgenden Zeiten nicht
ohne Einfluß
fer fonnte, und über bie Philofopheme ber
Pythagoreer wide gewiß mehr Licht verbreitet werben, wenn
amd nur ‚über einen folden Gegenftand ihr vollftindiges Rais
fonnèment befaunt wire =
'
.
Die Achwlidkeit übrigens zwifchen jener Tafel und den
Ariftotelifchen Kategorien ift nur fehr entfernt, und Liegt
außer ber Bahl Behn, bie. beiden gemeint, nur darin, DaB
die Pothagoreer
biefe Begriffe,‘ wie Aeiftotele8 feine Kates
gorien, für Priuciplen und Eintheilungsgründe der Dinge
anfahen. Allein Ariftoteles verfuhr dabei ald gelibterer Dens
fer, inbem.: feine Kategorien wirklich allgemeine Präbicate
enthalten, und infoférn einartig find. Dier find aber vers
fhiebennttige allgemeine und befondere, reine und empirifche
unter einander gemifcht, und e8 fehlt daher die Nothwendigs teit, jebes Object. unter einen biefer entgegengefegten. Bes. griffe unterzuorbnen.
..
er
“Merkwirrdig bleibt diefe Tafel aber aud in ber Ris.
fidt, weil daraus die YArmuth philofophifcher Begriffe in:
ben ‘bameligen Zeiten erhellt; wenn man auch nicht annebs -
men Eann, baf diefe. Tafel fie alle in fid faffe. Auch
zeigt fid) darin noch die niedrige Stufe der Gulfur, daß
biefe Begriffe noch alle concret find.
Welder -Unterfchieb
findet fib in diefer Rüdficht fchon bei Ariftotele8 Kates
govieen. —
.
.
Aus bem, wads wie bisher angeführt haben, erhält and
bie obige Bemerkung (vergl. S. 100) volllommen ihre Bes
ftétigung, daß nebmlid das Wort Zahl (aevduog) in der
Pythagoreifden Dbilofophie vieldeutig if. Schon Ariftos
tele8 bemerkte, daß die Zahlen theils Beftandtheile und Prins
eipien ber Dinge, itheils Analogien derfelben ausbrüdten *).
Es ift daher um fo weniger zu verwundern, daß fpätere
*) Aristoteles Metaphyr: 1, & 556.
Das Sdwanken zwifden den
Abftracten und Goncreten in ben Berichten über diefe Lehre deë Dis
thagoras féeint fid aus bee Natur der, für bie philofophifde Gore
fdung nidt addquaten, fymbolifhen Leprart zu erklären. AL, De pe
Pagina 45
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)116 Exfles Hauptfk, Dritter Abfchn, Beits Kap.
Grllärer diefem Worte ändere. Bedeuturigen unterfchober, und.
überhaupt biefes metaphyfifde Sablenfyftenr auf verfchiebene ;
Yet teuteten und erfldrten,. je weniger bie Pythagoreer felbftigre Begriffe genau zu beftimmen vermodten. Dief. war.
vorzüglich. ber Fall mit der Erflärung des Usfprungs der
Welt, über welche überhaupt die Vorftellungsarten ber fpdtern
Pythagoreet weniger, ‘als ber Altern, bekannt find. '
Daß bie Pythagoreer, gleich den meiften griechifchen Phis:
Lofopben, bie Weltsiitr:entftanden hielten, udb ihr eigenes:-
| Syftem der Rosmogente hatten, ff: eine unldugbare.
Bhatfache 20), und lage fid. nad..ber bamaligen Denfart
nicht anders erwarten. Daf fie atieh dabei. ihr Zablenfyftenr -
zum Grunde legten, ift ebenfalls gewiß; nur wiffeni mir.
zu wenig von bem Gigenthümliden: -beffelben. : Rad einem
Fragmetite
der Theano beim Stobdus, werden die Gries. .
chen. getabelt, daß fie bem Pythagoras die Behauptung ans
gedidytet: haben, alles entfiehe aus Sablen,.ba er dad
nur behauptet habe, alles entftehe nad) Zahlen 27). Allein
dies. Fragment ift unbegweifelt: untergefchoben, und rührt wahrs
féxintith von einem. fpdteren Pythagoveer her, ber nach Ariftos
‘
tele8 lebte. Denn Ariftoteles exblart bie Borfkllungen der.
Pythagoreer ebenfalls auf: die erfte Art 22). Die diteren Denker fegen, nad Ariftoteles Bericht, bas Princip. aler |
Entftehung in die urfprünglihe Materie:fetbft, die jüngern
aber außer berfelben 23). : Da biefes "legte Spftem fid
go) Aristoteles Metaphysic. XII, 6-5. ans XOSUOTOLO UGS, xo u
pvorxws Bovkovzaı Asyeiv.
.
21) Stobaeus Eclog. Physic. p. 502. «at duyvotc uev Ellnvar me~
mes vooor, purge Tvdgyogar, & agıdyov nurra pysodan
„oùros de doyos enopav saotzerar, sos a unde eoruv enuvoetrar
.
| yevver; 6 dss oux sE apıduov,
|
ö agduoy eheye nave
xata dz
yiyveodar, OT év agvdup tats spuwen, 15 ustovowge Has ev Toi
…_@grduneois moutons war Bevrepon, was T° ahha Emousıws Te |
’
Taxtat.
Py
edes
us
OT Fe
or
.
#2) Aristot. Metaph. XIII, e,-5. 1, c. 7. Dodftimmt damit eine ans
‘bere Stelle I, 6. nicht überein, wo e8 heißt: où wer yuo IvIa~
. ee Te ovto, Paci eves Toy apsduov. Allein wahre
Vid) rührt baë-von ber -Vieldentihleit und tnbeftimmtheit des
.._MWorts Zapl her. (Bal, die Anm. *)'zu ©. too u. 115.)
33) Aristot, Physic. I, e: 6. «ar eous nalmıo evar soc abr à
Doku, Ste to dv, nar Unepoyn was ehlsıyıs apzaı wur ovray mor
Pagina 46
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)__„Philofopberne
Dèr’ Pofhagereer.
447
bon Andragoras
an batirt, fo find bie Pothagoreer wabr:
fcheinlich ‚der erften Meinung zugethan gewefen, welches auch
boburch beflétigt wird, daß fie nicht bas Princip, woraus
etwad . enffiebt, fonbern was Daraus entffebt, wie
bei den Pflanzen, Thiesen,. für. bas Vollommenfte. gebol:
ten. haben F4). EE
wo
+ MBabridrinfid nahmen fle daher vbenfals einen dan:
tifhen Zuftand oor Entflehung ver Welt an, in dem
wits Beffimmtes und Begrenzte8 war, Das Hervortreten |
Gaus dicfens Zuftande ber Unbeftimimtheit war der Anfang
ber Welthilbung, wodurd in dem Iceven Raume Körper bé:
‚grenzt. wurden. Ginigen Nachrichten zu Folge fcheint in ihrem
Softeme das. Gentralfeuer ober bie Sonne, welde fie
bie Einheit (uovag, ro Ev) bie Wade des Jupiter
“nennen, geterft: gebildet worden
zu feyn 25). Hier entfleht
~
5
“_Âns ov toy srvrov rgonoy - all of pay agrouos ta Sve per noi‚8, zo de Ev nadyur’ tov ds Vateguy tives TOUVUYELOY, TO HEY
" Ev nos 1608 “Odo racy, pact padloy. [Offenbar ift biefe
Stelle zu unbefttmmt, um einen Schluß über Pythagoras Kosmos
‚ genie darauf gründen zu #ônnen 3-e8 fragt fi, ob unter den Fras Dern die Pythagoreer gemeint find, um fo mehr, da, nad der
- vorher mitgetheilten Kategorientafel berfelben, baë &v vielmehr auf
ber Seite bes Männlihen, Thatigen liegt; von einer ur:
fprünglide n Materie aber ift in biefer Stelle gar nicht die Rede.
.
.
Bufag b. $-]
24) Aristot, Metaphys, XII, 7. (du Vall XIV, 8.) XIV, 5. (da V.
XII,5.) [Aber vielleidht beziehen fid) diefe- Stellen auf die Lehre deë
Pythagoras von der volllommenen Bahl.
5 3uf. d. $.]
25) Stobaens Kel, Phys. p. 468. aus DOitolaué: to npäror dg.
Moodey, to iv, ev ty peop tas opuigas, sarım xadectac. Bergl :
p- 488, (Bôdha. a. D. ©. or ff.) und p.450 sy. agkasPar de Tnv
| YevEOLY TOU XOUUOU
ATO 71UQOS Katt TOU abentov orosgerov. [Das fünfte
Element ober bie seuren ovosa, qninta essentia, von welder
„
die
Mede ift, und welches ber Wether genannt wird, Theologum. arithmet.
p- 28; Fommt aud anderwärts fon als ppthagoreifhe Borftellung
Por, (vgl. Ocellus bei Sext. adv.-math. X, 5165. die Stelle des
Pfeudoplutard, Deer. phys, I, 6. wamit nicht übereinftimmt I, 14.,
u. Euseb. praepar. XIV, 14.) und foll nad biefer Anficht dem Dode:
Taebron corvefpondicen, wie die vier getoöhnliden Clemente, Erde,
Beuer, Luft und Waffer bem Cubuê, dem Zetraedron, Oftacbron
und 3fofaedron unter ben regelmäßigen Figuren. Bgl, Bich. a. a.
©. ©. 160. Wytienbach ad Phaed, -p. 304 Dod iff der altpytha= :
gorifhe Urfprung biefer Lehre nicht außer Bweifel gefegt. Das ächt
fdeinende Philolaifde Brudfticd beim Stobaeus ecl. phys, p. 10.5
welded burd das nad) ber gewdhnliden £esart vorfommehdé Loft:
Pagina 47
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)118 Efes Haupt. Dritter fn. Zweites ap,
aber bie Schwierigkeit, ob in ihrem Syftem bie Einheit
bas thätige Princip, und die Sweihett-das Leidende
feyn fol. Wenn Ariftoteles oben angeführte Bemerfung auch
für die Pythagoreifde Philofophie gilt; fo. müßte bie. Eins
beit leidend, und bie.-Zweiheit thätig feyn. Man müßte
alfo unter der Einheit bas Chaos und unter der. Sweibheit
bie in bemfelben enthaltenen Kräfte verfichen. Allein bie
. Einheit nehmen fie durchgängig für bas thâtige Princip *).
‘Und was fol die Zweiheit bebeuten? Die Materie über:
baupt? Dann hätte ihnen Ariftoteles nicht ben Einwurf
maden Türmen, wie aus bloßen Zahlen, Ausdehnung, Schwere,
Bewegung Bönne erklärt werben? 25), Diefe Schwierigkeit
fheint unauflöslih. Denn wenn man bloße Zahlen anneb:
men wollte, wie Ariftotele8 angubeuten féeint, fo fteht bem
“ wieder entgegen, baß fie felbft nach Ariftoteles Bericht unter
den Zahlen keine Schemate der Quantität (arithmes
tifche Zahlen) fondern Quanta, auögedehnte Größen vers
flanden 27). Aus ihren Philofophemten über das göttliche
Wefen, die wir unten anführen werben, erhellt, daß fie bie
Gottheit, die Einheit, als die allgemeine wirkende Kraft bes
Univerfums anfahen, und e8 bleibt uns baber nichts anders
übrig, ald anzunehmen, baß Ariftoteles ober: angeführte Bes
merfung Feine Beziehung Auf die Pythagoreifhe Philofophie
bat, wiewohl er fi mit Unrecht zu allgemein ausgebrüdt hat.
… Hier müffen wir aber nod zweier Erflärungsverfuche |
gebenfen, welde fid bei bem Gertus finden, und zwar
wahrfcheinlich einige Acht Pythagoreifhe Gedanken enthalten,
aber bod, wegen ber größern Kunft nd deutlidern Ents
widelung, gewiß: bie Probucte fpäterer Zeiten find. Wie
a
. fbiff (olzas)) aud Böcdh augenfcheintih beläftigt bat, glaube id
burd die leichte Sorvectur odas (zac 0 tag apmıpng olas neun zov)
was, fo offenbar mit ber Stelle bei Plutarch.
Il, 6. znvrov av
tos apaioay übereinftimmt, verbeffern zu Tönnen.
Buf. d. D-]
*) ‚Hterher Cann aud) bie Stelle Arist. Met. XIV, 4, bezogen werden,
nad) welder die Pythagorece nur bas Gerade entflehen laffen.
0
Ve
26) Aristoteles Metapliyste. I, c. 7. XIII, c. 3.
,
27) Aristoteles Metaphys. XII, c. 8. sxeuwor Js toy agePuor za
ovıd depovdu
Pagina 48
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)DEilofopheme ber Pythagoreer,-
geben ihnen hier‘ eine Stelle, um zu zeigen, ad fpätere
Denker aus. der Pptßagoreifchen Bablenlebre gebildet haben,
und weil wir feinen fihidlichern Ort wiffen, ba ber Urheberumd die Zeit biefer Ausbildung nicht befannt find.
|
Die Principe der Körperwelt Finnen nicht in ben
Objecten ber finnlihen Anfdauung, den Erfheinungen
liegen. Denn alles, was angefdaut wird, ift zufammens
gefegt,
hat gewiffe Beftandtheiles was aber aus Thelen.
befteht, Fann fein Princip (nichts Erftes) feyn, fons '
bern das, woraus e8 befteht, was alfo Fein Gegenftand ber ©
Anfdauung mehr ift. Körper, wenn fie aud fo blein ge |
dacht: werben, wie Atomen, find daher zu Principien nicht
tauglich, weil wir biefe in Gedanken immer nod ald zus fammengefést benfen, und daher nie auf ein Erfled Fommen.
Die Principien der Dinge miffen alfo etwas Unkörperliches
(nichts Empirifches) feyn.
Bon der Art find nun zwar bie
Ideen und die ffereometrifhen Figuren, aber fle
find noch nicht das. Erte... Denn jede Idee wird für fich
al8 Eins, in der 3ufammenfegung aber ald zwei, drei u.
f. w.; vor jenen Figuren aber werden die ebenen Figuren,
und biefe als aus Linien. beftehend ‚gedacht, welde Hurd
die Zahl beftimmt werden.
Ade Zahlen aber fallen uns
ter die Einheit, weil jede Bahl als Einheit gedacht. wird. Diefe Gründe bewogen den Pythagoras, die Einheit (uovas) al8 bas Princip ber Dinge anzunehmen, bard. —
deren Theilnahme jebes Ding Eind genannt werde.
Diefe
Einheit an fih und als ibentifch betrachtet, wird als eine
Monade gebacht, die Einheit aber mit fid felbft (als
etwas Berfhiebenes gedacht) verbunden, gebe bie unbe .
fimmte 3weiheit (aogıorog Òvag) bas heißt, die Form.
der Zweiheit, ohne eine beflimmte Größe unterzulegen, durdy
welde Form aber bod jede beftimmte Zahl Zwei, Zwet
wird.
Einheit und die unbeftimmte Sweibeit find alfo die
Principe aller Dinge, das Erfie, über welches hinaus man
nicht weiter gehen Fann 28),
28) Sextus adversus Mathemat, X.' > zig
pothyp. II, 152 qq.
Bal. Pyrıb, by-
Pagina 49
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)420° Erftes Bauptft. Deitter Abidin. Ziveites Rap.
Die lebte Behauptung unterfibbten fie mit ‚verfchigbes
nen Gründen. Mit vorzüglicher Kunft ift folgender entwidelt.
Einige Gegenftände laffen fih für fid,-obne Beziehung
auf andere denten, ald: Menfch, Pferd, Pflanze; ane
bere al8 entgegengefegt, 3 B. Gut und Bsfe, Gez
__ teht und Ungeredt, Bewegt und Mubigs andere
endlid nur in Beziehung
auf andere, à. B. Redts,
Links, Oben Unten, Halb, Doppelt. Der Unters
fchied awifden diefen beiden legten Arten von Objecten bes
fleht darin, daß bei den Entgegengefegten das eine gefebt
wird, wenn has andere aufgehoben wird, wenn 3 B. Bes
wegung entftehet, fo hört die Ruhe auf und umgekehrt;
relative Objecte hingegen werden zugleich mit einander gez
fest, und aufgehoben; die Hälfte Fann nicht ftatt fins
ben, wenn nicht bas doppelte gefegt ift. Ferner findet bei
diefen ein Mittleres flatt, aber nicht bei ben Entgegenges _
festen. Zwifchen Größer und Kleiner läßt fid) ein Mittle=
res, bas Gleiche denten, aber nicht zwifchen Zod und eben,
Ruhe und Bewegung 29).
Da bicfes brei Arten von Objecten find, fo muß e8
über diefe noch eine Höhere Gattung geben, welche bie Ars
ten unter fid begreift. 1) Als Gattung der erften Art nabmen fie dad Eins an, denn fo wie biefes für fich ohne
Beziehung auf etwas anders, fo wird auch jeded von jenen
Objecten für fib ald eine Einheit gedacht; 2) ‘als Gatz
tung ber zweiten Art bas Gleiche und Ungleiche; denn
bie Rube wird als Gleichheit gedacht, weil
fie feine Grade
zuläßt, die Bewegung aber als Ungleichheit, wegen des grôfern
oder getingern Grads, beffen fie empfanglid ift; 3) als
Gattung der dritten Art, bas Uebermaaf und der Mans
gel (Unsgoyn, eddsryrc)), denn groß, größer, viel, mehr,
hod, höher wird ald etwas ein Anderes übertreffenbess Bein,
Deiner, wenig, weniger, niedrig, niebriger als etwas Manz
gelntes gedacht. Diefe Gattungen
. können aber aud noch
29) Gbendaf. §. 263 — 269.
Pagina 50
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Dhilafaene ber Dothagucéers = at
auf höhere Begriffe ‚zurückgeführt‘. werden. :; Dad ‚Bleiche
nebmlid Tann unter bie Einheit begriffen werden, weil
Eins fih felbft gleich ift, ble Ungleichheit aber läßt fidrawh
als Uebermanß und Mangel denten; baun.von ungleichen
- Dingen überwiegt bas eine, und:.bes andere wird berger;
diefes führt auf ben Begriff -bet..un-hefiimnrtent Iw ete
heit. Einheit und die unbeftimmte Zweihört,
find
alfo bie böchften Gattungen und Principe der Dinge
Denn aus biefen. entfpsingen alle Zahlen; .und andere Dinge.
Aus der Einheit nehmlih Eins als Zahlgröße,: aud der Cine
beit und unbeftimmten Zweiheit (zweimal eins) bie Bahl
Zwei und fofort alle Zahlen. Die Einheit vertritt: dabei Die
‚Stelle ded wirkenden Principe, die unbeftimmte Zweiheit
bie Stelle der leidenden Materia. So wie fie nun hierans
das ganze Sablenfoftem, fo leiten fie auch die Welt, und
. alle darin enthaltenen Dinge ab. So wie bie Einheit. bas
Œrfte in bem Sablenfpfiem iff, fo-nebsnen fie nun ben Punct
als das evfle für bie Rörperwelt an. Beides ift etwas: Uns
theilbares, jene bas Princip der Zahlen, biefer bas Princip
“ per Linien. Die Linie wird al’ der Zweiheit analog ges
dacht, denn fie ift die Länge zwifchen zwei Puncten. Und
fo führen fie die Figur auf den Begriff der Dreiheit,. einen
mathematifchen Körper auf ben Begriff der Bier zurùc,
Hier theilten fid die Pythagoreer’ aber in zwei Partheien.
Einige legten nur einen Punct ber Erklärung von Entfichs
ung einer Linie, Figure u. f. w.; andere aber, wie wir fehon
gezeigt haben, die Einheit und Zweiheit zu Grunde, und
leiteten bann den Urfprung ber dichten Köıper, bed Fevers,
der Luft, ded Wafers, der Erde ab 30).
Die legtere Anwendung der Zahlen auf bie Erklärung
Her Entftehung der Körperweit fcheint wirklich Acht Pythas
goreifh zu feyn. Bum wenigften wird.
ed begreiflih, wie
Aviftoteles bie oben berübrten Einwürfe dagegen machen
Fonnte. Denn im Grunde enthält biefe Bheorie nichts weis
ter, al8 bie mathematifche Erflärung der Linten, Blächen
30) Gbenbof. 5. 269 — 284. ı
Pagina 51
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)LN Crftes Gang" Deer Abhi Rweltes Rap.
‚mid: Rörperfigusen,
welde: flh zwar auf ble Form Mer Kor:
iper bezieht, aber nichts zur Erklärung ihrer materiellen Bez
‚Iehafferibeiten beiträgt. : Die Schwierigkeiten, welde fid bar:
saus ergeben, hören: auf, wenn. man annimmt, daß bad. Wort
Sablen, wie wir fhon oben bemerkt haben, in: einem bop:
spelterf Sinne: genammen:
iff, ein Umftand, der flv jene Bei
ten paßt, und aud::fonft :leicht erflärlich
if, — Venez Rats
founement hingegen, woburdh biefe Erklärung. begründet wer
ben: fol, ift. fpdtern ‘Urfprungs , wie fon bie Gintheilung
‘ber Dinge in abfolute, relative und entgegengefegte, die erft.
nad Atiftotele8 logifhem Syfteme erwartet werden Fann, und -
Die Evrodbnung ber Sheen: beweifet *).
Das Pythagoreifhe. Syftem, fo weit wir e8 auch nur
nad bloßen Brucbftiden kennen, ift dennoch eine merkwira _
bige Ericheinung wegen der originellen Anficht, die e8 ents
Hält. Pythagoras überlief gleichfam den "andern Sorfhern
bas Materielle der Körperwelt, was nur auf finnlicher Wahr:
nebmung beruht, zu erforfchen, und behielt fix fic) bas
Gormelle, was man a priori wiffen Tann. Ihn inters
efficten nur die Körper, infofern fie Größen find, und in
Berhältniffen zu einander fteben. Indem er nad den Bez
bingungen berfelben .forfchte, entbedte er, daß fih Größen _
im’ Allgemeinen nur durch Zahlen dem Berftande beutlid _barftellen laffen. Aber diefe Anficht erftredt fih nur über -
die Körperwelt, und nur über biefe, infofern fie ruht,
nicht inwiefern fie in Bewegung ifl. Es ift nothwendiges
Gefeß; diefe uns im Maume zu denten, alé ausgebebnte
Größen, und in Verhdltniffen zu einander,
die nicht anders
al8 in Zahlen beftimmt vorgeftelt werden fônnen. . Wenn
Pythagoras burd feine Behauptung: alle Dinge find
Bablen, und das ganze Univerfum ffebet in har
monifhen Verhdltniffen, nichts anders ald bas vers
ftand, fo ift fie wabrs; nur nicht gang richtig und beftimmt
‘ auögebrüdt. Allein er ging offenbar weiter. Er fucht Gründe:
ber Dinge, die außer und find,’ald von Worftellungen uns
9) Bgl. bie Anmerkung zu ©. 104 uf.
Pagina 52
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Phifofepheine bee Pythagoreer,
-abhingiger Dinge, und erfindet diefein Vorftelungen (Zahlen),
Die er. aber felbf als Beftandtheile ber Dinge vorher in die
Dinge gelegt hat. Er will nicht allein die nothwendigen Bes
‚dingungen auffuden, unter welden alle Gegenflände, bie
mus in ber éufern Erfahrung vorfommen, vorgeftellt wers
dew miffen, er: wil. bie Gegenftdnde 'felbft aus ber Bes
‚Bingung ihres Borfiellena als reale Dinge genetifh: erflären.
Hierdurch mußte fein Syftem nothwendig ein Spielwerk mit
bloßen Begriffen werben. Uebrigens lag biefe Theorie zu
‚weit entfernt von ben übrigen Aufgaben der Philofophie, als
bof fie auf die Guftur der Philofophie unmittelbar einen großen
Einfluß. gehabt ‚hätte, - Dagegen wirkte fie mittelbar defte
wohlthätiger für fie, indem fie bas Studium aller mathes
” matifchen Wilfenfchaften- beförberte. Im Grunde haben bie
Pythagoreer gu ben. großen Entbedungen ber Griechen in
Denfelben einzig und allein ben Grund gelegt, und vol ihnen
rührt die Achtung her, welche die Mathematikim eigentlichen
Griedhenland vorzüglich feit Platos Zeiten erhielt.Die Pythagore hatten zwar ihre Zahlentheorie mit
allen Gegenftánden ihres Nachbenkens in Verbindung gefest;
allein biefes Band ift fo loder, daf man ed ohne Nachtheil
wegnehmen: und ihre Philofopheme unabhängig von dem:
fetben vortragen Tann. Die Bedeutung des Morts Zahl
ift: in diefen Fallen fombolifh, nur ein Zeichen, unter bem
fie fi den Begriff denten, oder et enthält nur eine Anatos
gie mit arithmetifchen Gegenftánden. Benn fie 3. B. fagen:
ble. Seele ift eine Zahl, die fih felbft bewegt, oder die Gez
zechtigfeit ift eine Zahl, die gleich dielmal genommen,. gleich
ift 57), fo ift bas Wort Zahl gewiß in verfchiebener Bedeutung gebraucht, aber wad fie darunter verftanden, iff noch
nidt- fogleid) Mar. CS wärbe daher nicht allein überflüßig
feyn, diefe Terminologie beizubehalten, fonbern aud) unzwed:
mäßig, ba und nur fehr wenig von berfelben aufbehalten”
31) Plutarch. de plac. Philos. IV. c. 2, Hv9uyogas (yıyıy anepnvaro) agrÜ por eavror wivourra, zov O° ap:duov ayıı tov vov
nagakopBaret, Aristot. Magn. Moral; I, c. 1, A deamccoury opd
Mog taux voos,
CE Aristot, Metaphe Ic
Pagina 53
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)424 Erftee-Hanpstt, Peitter- Abi. Zweites Kap.
if. G8 war germug, bier nue bizfe. Anwentri
ber Sablen
anzuführen, die wir nicht einmal genau genug Fenuem, wm
fie alg erften Verfüh, Mathematië. nst Dgilofophte:
gu: vers
binden, anfeben. zu Founen.... Es it: babet nothwandig,..baB
wir bie übrigen. Philofopbeme der.Pythagoteer, aufen ner
‚Bahlenlehrer. nach einer beftimmten Ordnung
der Gegenftdnte
vertragen, damit: mat von- bem Umfange ber. "Damadigen
Speculationen und ihrer Behandlung eine Reberfidt.-erbrlte,
and dann die Fortfehritte
in. der Guitur ter Vernunft
ir
Bergleichung biefer Periode mit. der folgenden. gehörig fchäen
fônne. Die Forderung eines fIrengen Zufammenhanged; fants
Hier, fo gerecht fie auch fonft ift, nicht erfillt werben... Denn
bei ben fragmentarifcen. Weberlieferungen bleibt 8 fogar nod
amentfchieden, ob. und mie bie einzelnen Mebauptunge ein
foftemartigesGanze ausgemacht, haben ,: zumal bo ed nicht
möglich iff, bad bem Dythagorad und feinen Schliern Giger
thlmliche zu trennen.
VE
Doit
ot
|
Die Welt, Gott, bie Seele waren die vorgliglidften
Gegenftdnde der Speculation der Pythagoreifhen Schule;
Dazu famen nod) einige moralifche Betrachtungen. Die
_ Belt fielte fid Pythagoras, zu Folge bes Obigen, natürlich
unter einer neuen Anficht, als ein großes barmonifhes
Ganze vor. Die Betrachtung be prachtvollen Himmel:
bie fo Reiz wiel fire den Berftand felbft der noch nugebilbeterr
Menfchen bat, und feine aflronomifchen Kenntniffe leiteten
ihn darauf, und er brüdte feine hohe Bewunderung durdy
bad bedeutungdvolle Wort, xoowos, aus, womit er zuerft,
mehreren Nachrichten gu Folge, bie Welt. bezeichnete 32),
.
$2) Plutarch. decret, phys. II. c. 1. ZZufayogas ngwrtoe @vouaoe
m» tow Show mEgioyny, KocuOv, EK Tyo EY advım zateog. Sto~
baeus Ecl. Phys. p. 450. [Un andern Orten wird bagegen fon
bem Thales und Anarimander diefer Yusdrud beigelegt. Siehe oben
p- 62. Rad) Diog. L. VIII, 48. u, Anonym. de vita Pyth. apud Photium §. 14. fol er ben ovpavos fo genannt haben. Bet Philolaus
aber, nad) dem in ber folgenden Note angeführten Fragmente, find
olvuros, xoouos und ovouros untetfdieben, und ovgavos nimmt
felbft in bec pothagoreifhen Schule verfdiebene Bedeutungen an.
(Cf, Anonym. de vita: Pythag. apud Photium §. 19.) Gewiffer ift,
daf bie Leier ald Symbol ber georbneten Belt — bes xoouos —
ein Hauptfymbol der ppthagoreifchen Schute war, was mit der oben
Pagina 54
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)ber Pothagereer;
“> Philofophe
125
Die DNebduag amb Regefinäßigkeit
in dee Mnorbinnge und)
Bewegung
bet Himnelstbeper war aber anffallendet und:
fidtbärer;. ofS: bie.Natúrgefeinpigteit bec -Grfcheinungen auf:
unferem. Planeten, deren: Gefehe noch fo wenig erforfiht:
waren; bäher die Eintheiiung der Welt
in die-himmlifde:
‚und die fublunarifde Region (die Region vom. Monde
bis:zur Erde), in welcher. nicht reine Regelmäßigkeit, fons:
bent and: Sufall “wid: Abiwedfelung vegieven ?2), . Unters
‚ beffen hatte bods Pythagaras.:ober feine Schüler. (vieleicht:
erft inıfpätern Seiten } bieSegelmapige Umwmdiging des: Erte’
um.ihre: Ure. während ihres :Laufs: um. bie. Sonne entdedt, :
woburcd:
nie Mowedfelang.von Dag und Nacht -entfteht *).:
c'e BB.
HR Ber Stufe Dar Gultar.diefer Zeiten vollkommen angemeffes, heriGottheit, um fie als. wirklich gu denten, :
eine Stelle in bee Wet Ampardumen, fie gu einem Theile”
be. Ganzen. zu ‘machen. Und diefes thaten noch bie Pythas.:
geweer. Die. Jee war auch'fò wenig entwidelt, Daß man
fids, bavunter oi Welfen tacite, welches zwar:die Bedingung
vieler Dinge, aber felbft: wieder “bebingt Offs ‘bie Vide flop :
nod mit: bent Begriff eine Matur kraft. zufdmmelt, bie“
alfo fo gut;: a alles ändere; In Sen Raum: in den Inbés.
© &. 112. eriwäßnten Bebre ben ben. farmonifien Verhältniffen, in
woelden bie Welt’fich, bewege, oder ber Sphärenmufit zufams
|
menbéngf
, ‘und von den Bearbeitern her Mythologie.
mit. der Leier
des Apollo, beffen Schüler, Priefter, Sohn Pythagoras nad ber
"Sage genannt wird, und mit den orpbifden Lphren in, Verbindung
ebradt wird, .&...bef. Greuger. und die.bei bièfem angeführten
.
Stellen Hérodot, 1,81. u. lamblich de vita Pythag. V,146., ”
EED
Rte 6]
33) Die Eintheilung
in die fublunarifée und bimmlifbe Region findet _
. fi) bei bem Ungenannten in Photius Bibliothef
§. x1. Ich mag
_ nit .entidieven behaupten, baf bieß ein Acht pythagerifder Gebante
….ft,, obgleid) Gtobäus Ecl. Phys. p. 488 ff. etwas Nehnlihes aus
. einem Fragmente des Philolaus anführt. [von weldem {pater gefpro=
‚den werden wich vgl. Bid a. à. D. S 95 ff].
#) Bgl. Anmerkung 15. Bunächft aber ift nur von ber Bewegung der
- Groe um bas Gentralfeuer die Rebe. Diefe Lehre wird. im Allges
meinen den Dythagoreern Arist. de.coelo H, 13. Galen. XXI, 1.
insbefondere aber dem Hiletad ober. Scetes von Syratus, ben Cis
-cero Nicetas nennt; (Acad, Qu. IV, 39. Diog: L. VEL, 85.) mod)
mehr. aber bem Philolaus
13. Galen. XXI, 5,
zu;
eben. Plutarch. de placit. III,
gefel va
Pagina 55
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)| 126 Crftes Haupeft, Dritter %fón. Ziveites Rap.
- geiffe bps: Gemzen: gefebt tourbe. "Nicht. Tange nod.
bet Ent
fisher der Dythagoreifcen
Schule: fand. man diefen. Mepriff..
für.
die Des
gu: Bein: und machte had. Univerfuats zet
Die Begriffe. waren nod zu fitmbedy;: bre Verfiand: founte::
fich noch zu einem Begriff des «reinen Seyns echeben,
: fonts :
dern bacbtefich-riehes Ween, Feibft Die Gottheit din Grebe)::
alg Eörperlids
Die Dythagomer:ibadten fichbie Gotta”:
heit baper gwar. ald ein Natuewefer, jebech fo) hap fie bast
es zalf:
nit. den Begriff: des Voll Fommanfken:verfgupften:.
die: Quelle ded. Lebens dachten..;; Diefens Wefen gebiihret: tit
ber. Welt bie vollfommeafte:vorgiglidfter
telle, Und:
hiefe if. ber. Mittelpu net. Denn.bad Morstalidiié maf:
_ bor allen andern géfichert-unb gebeds fenn. Dieftä beklom
- menfle Mefen iff das Zeug; und ba:fie biefes ‚unter. die ..
zehn Himmeldkörper vechneten, fo: it eB Peinen Swieifel. uns: :
terworfen, daß fie fih die Sonne «ls bas gättiiche «
Wefen dachten. Daher auch, die Benennung. ded Feuerd:.
Wa dhe. des Jupiter 4), Unflucitig
lag hicfer. Bebaups :
tung die. Wahrnehmung von ben wöhltpätigen. Wirkungen . _
ber -Sonnenwärme: und ihrem Einfluß auf: Wadsthum uud:
Srudtharkeit in bex.ganzen Rate gumGruabe,
fa wie fierauf' ;
34) Aristoteles de Coelo II, €, 13, oïye Hu9uyogeor PR die zo
| poliüte moodnzeir pvdarteodar to Kugimtatoy
tov navtog, to ds
+ poor tivas Tosouror, 6 log qulaxyr ovopatovor to Taveny spor
" mv zogar nUg. wonep to pecov anlaz leyopusvoy, kus To tov
psyetousg 18009, zou Ing proews, Mehrere Mehennungen des
+ Gentralfeuers, die fid) auf die göttlihe Natur deffelben beziehen,
+:
führt Stobaeus Ecl, Phys. p.488. aus dem Ppilolaus an. Ordo
„Amos mug Ey E00 rept To xévrpor, Geo Eorıavy Tov zravtos wales,
was: Atos 01809, Kar men Seov, Boov te xas ovvoyny Kar
1 petgoy UC. xos sradiv mug iregoy avaorarw, To TLEQLEXON:
- Phitolaus flellt hier ein anderes Syftem auf, in-weldem, außer
". dem Gentralfeuer, nod ein Feuer bas ganze Weltal gleihfam eins
fließt. Deffen ungeachtet fest er gleichfalls die göttliche Kraft in das
-. Gentralfeuer, jedod) fo, daß ex diefe nur als Weltfeele betrachtet,
und von Gott, ber aud fie gebildet, unterfdeidet, Stobaeus Ecl.
Physic. p. 452. zo ds Ayeuovaxoy ev ty pscarraty mug, Öneg Tod
* . st405 dix mgounsßahlsro ths tou mavtos (oparpas) ò Önwrovoros
. 9eoc.. Diefe Shee einer von Gott verfchiebenen Weltfeele ift in ber
Pythagoreifden Schule neu, und madt biefes Fragment etwas vers
bädtig,. fo wie aud das, was Stobäus ©, 530: von feinen zwei
Sonnen mitthellt. [Ueber bas Legtere pat fi BELG a. a. D.
B. zag erflart.
Bufag do $.] :
Pagina 56
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)" Poyfofopheme' der Pothagoreer, 5 429:
ber anbeen Seite mit. dem affronomifden
Syfleme ber Pothagos
veer
in enger Beebindung flanb., Wir Eénnen dafür unmittelbare.
hiftorifche Bevoeife. aufftellen. "Der. Sonnenftrahl, fagten
fie, geht von.-her. Sonne “aug, burdbdringt den kalten und
hidden Aether (Luft.
inb. Waffen), buschkeitigt bie vgrborz
genften Wefen de Natur, und belebt ales. Die Warme.
(sermuthlicd) der warme Aether, Ausflug. der. Sonne):
ift- bia
Urfache des Lebens und in Verbindung mit hem Falten Aes.
ther. bad Princip ber Seele. Man darf bierays ‚wahl,
folgern, def Pythagorad mit. feinen Schülern:
die Sonne
für die Quelle .afles Lebens, Empfindens-und. Denkens in
der Natur gehalten habe, und man hegreift, wie Cicero fn:
gen Fonnte: die.Gottheit fey dem Pythagoras. eine durch bas —
ganze Univerfum verbreitete Seelp,‘aus welcher. die menfhs.
lien Seelen genommen
find 25).
Die Gottheit ift alfo.
‘die Lebewstraft ber Natur, welde in der Sonne
ihren Sig hat, von wo aus fie fid uber alle Theile der
Welt verbreitet. Wahrheit, Almadt und Güte hielt jebor)
Pythagoras. für‘Eigenfchaften der Gottheit, und lehrte, die
Menfchen hätten von ihr Fein größeres GefchenE befommen,
al8 bie- Liebe zur Wahrheit-und zum Woblthun 46), Bon
diefer Seite veredelten. die Pythagoreer den Begriff der Gotts
- heit und verbanden mit der Bolféreligion Moralitdt, indem
fie jene al8 moralifde Intelligenz dachten, als moratifden
Richter der Menfchen, dem man nicht allein durch veligidfe
Gebräuche, fondern aud burd Rechtthun wohlgefällig wers
35) Sext. Emp. adv. Math. IX. §. 127. Cicero Natura Deor. I, c. 11.
animum esse per naturam rerum omnem intentum et commeantem, .
ex quo nostri animi carperentur.
Cf, de Senectute c, 21.
36) Iamblich vita Pythag. $. 122. os os usy Okt,
yamıoı Tais Tov Huor
Toy dımdsaeoıy, OÙ To tow Hvousvor ninder 7
ov. Cf.
Porphyr, de abstin. II, 15. Berner lambl. 1. 1. 159.ov zag vas
Ta psy. done zog Seas, ta de advrata, wong outa « TOUS
ovgilopsvovs, alle narvta Suvata, §. 174. to SievoscFus segt
Tou Fs1ov, ag sory TE zate NGOS TO avdgomivoy yevos, OVTIUG EXEL,
os sriSlensiy xas py olıyapsıy avtov, Zendipor ava, veslaufavor os Ovdayopaoı, mag axsıyou padortes §. 218. ots ov F208
wexov 81019 avostios etc. Aelian, var. hist, XII, c. 59.
[Ded fdeint in biefen Stellen andes Ausdrud
der fpâtern Pptha=
Bufeg d. H.]
govern zu feyn.
Pagina 57
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)128 Erfles Haupt, Dritter Abfehn. Buttes Kap.
ben müffe, obgleich damit der Begriff Gottes als Naturkraft
nicht wohl.zu vereinigen war, und die praftifhe Freiheit
durch den phyfifcen Einfluß der Götter:und Dämonen aufs
gehoben ward: Pythagoras machte von jenem moralifchen
Begriffe fhon Anwendung auf die Vorftelungen der Dichter,
welde in bie Bolksreligion übergegangen waren, und tabelte
fie 37) wegen des Widerfprudhs, in welchem die von ihnen
gefhilberten Götter, mit den reineren moralifchen Begriffen
flanben +) . Le
;
:
EE
Aus der Einheit der: belebenden Kraft ‘in bem ganzen.
Univerfum folgerten fie die Berwandtichaft der lebenden und
befeelten Wefen mit bee Gottheit, und. aus dee:allgemeinen
Durchbringung berfelberi den Bufammenbang aller Theile der
Welt, die fie. auch felbft für befeelt hielten. Die Sterne
57) Diogenes Laert. VIII, §. 21. wo von Homer u. Hefiod die Rede
if. lamblich de vita Pythagor. §. 174. 149. 151.
*) Was der Berfafret in bem Vorhergehenden über Pythagoras Bors
„ ftellung von der Gottheit vorgetragen bat, fdeint mir eben fo wenig
in einem Begriffe vereinbar, als durd bie vorhandenen Bez
richte über bie Pythagoreifche Lehre vollfommen begründet zu fen.
Hat bie Gottheit ihren SiG in ber Sonne, wie nad gewöhnlicher
Borftellung bie Seele im Körper, fo ift fie nidt die Sonne.
| felbft , wie oben gefagt wird.. Aber es wird nit einmal beftimmt
“ gefagt, daß fie ihren Sig fn der Sonne babes denn bas Feuer,
+ welded alé ber vorgiglidfte, Leben und Wärme ausftrömende, Körper
in die Mitte geftellt wird, und baber fymbolifé Wade bes Zeus
genannt wurde, ift nad mehreren Pythagoreifden Brudfticen, bez
fonders Stob. ecl. 1, 23. p. 488, ein Feuer, um weldes felbft die
Sonne freifts da aber diefe corsa tov svavros, wie fie aud heißt,
(Altar des ATS) in einem anderh Fragmente ‘Lib.
1, p. 468.
das erfte Sufammengefügte (Gebildete) genannt wird, fo fonnte
aud biefes Feuer nicht bieGottheit felbft feyn. Es et baber wahre
fceinlider und ber unbeftimmten Zahlentheorie ber Pythagoreer an:
emeffeuer, daß fie bie Gottheit vielmehr nur unter bem Begriffe
de unbedingten Eins badten, welches von jener Stelle aus, die
"daher auch fymbolifd
ro & genannt wurde (&. oben Note 25 und 117.
"
Bôdb a. a. D. ©. 98.), durd ben ganzen xoouos wirkt und ihn
. befeelt. Auf eine ähnlihe MWeife wird in bem Gchahnameh, wo
von bem Feuerbienfte ber alten Perfer bie Rebe ift, das Feuer nicht
bie Gottheit genannt, welde angebetet wurde, fondern nur die
+! Kibla oder ber Altar ber Natur, zu weldem man fid beim Gebet
richtet (vergl. Hammer. in ben Wien. Jahrb. der Litt. B, VIII.
©. 326. und X, 210.).
Der Verfaffer ftellte aber mit andern
"(5 Bs Tiebemann) den Pythagoras darum zu tief und faßte feine
ehre zu materiell, weil er bas Sypmbolifche berfelben nicht feftzuz
halten wußte. Sonad fheint nur das Beste von dem Berfaffer oben
Pagina 58
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme ber Pythagoveer.
find daher ebenfalls ‚Gottheiten, doch wahrfcheinlich der Sonne
untergeordnet 38),
Die Seele alfo ift ein Ausfluß oer Sonne ober
der Gottheit.
Es fehlt nicht an verfiebenen Ausdrüden
diefes Sages, welche aber bem Sinne nad alle darauf bine
auslaufen. Eine Zahl, bie fid felbft bewegt, Heißt wohl
nidts anders, als ein Wefen mit eigner Bewegtraft, ber:
gleichen alle Theile des Aethers find. Eben das find auch.
Wabrfdeinlid) bie Evopara ev Tw aege in ber unten anges
führten Stelle des Ariftoteles *). Ariftoteles fcheint diefe mit
\
Gefagte ber Berftellungsart des alten Weifen nab gufommen; wos …
mit das Erfte faum zu vereinigen iff. Die Gottheit exfcheint Pp:
thagoras alé Weltfeele, mithin blof als in der Natur wirtende,
und mit ihr in Eind verfließende Kraft (vergl. Sext. Emp. IX, +27.)
und ber Begriff des Bollfommenen ecféeint bm vorberrfdend unter
Gigenfdaften der Natur. Hiermit ftimmt auch überein, dap die
Seele, die dod) als Ausflug der Gottheit angefehen wird, und alfo
ihre Natur theilt , die fich felbft bewegende Zahl genannt wird.
Môge man nun Ébrigens die Gottheit des Pythagoras als ein fit
gu dem Sollfommnen entwidelnodes (evolvircndes) Pkincip .
nad) ben oben angeführten Stellen ded Aristot. (Anm. 24.), ober
ihre Wirkfamkeit als geiftige Emanation betrachten, in bem
Ginne wie Phetecydes, den man für des Pythagoras Lehrer Hart,
{rad Arist. Met. XIV, 4.) lehrte, das erfte Erzetigende fe das
Befte, und wie Cubor bei Simplicius (in phys. Ar. 1.) von Gott
Ypridt, was mir mit der ganzen pythagoreifhen Theorie der Zahlen,
bie als die höheren Gefdtedter der Dinge erfdeinen, durch welde
das Befondere bebingt ift und mit der Lehre von ber Geelenwanderung
mehr übereinzuftimmen fcheint; fodarf man doch auf feinen Fall
dem Pythagoreifhen Gort bie ausgebilbefen Borftellungen der platos
nifden Schule unterfdieben,
2.0. $.
38) Diogenes Laert, VIII, §. 27. low za «ar oeknviv zu Tous
addovs aotspne evo Geovs* errıngarsı yap to Faguov ev abross,
oneg sate {ung wıtwy — Kur avIyddray Ein mos Peous ouyyertiay, Kata to uetezeiv avdgumor Sequov. [Der Ausdrud, dag
die Sterne Götter find, welcher fi an die Volkéreligion anfdlog,
darf bier.fo wenig, als jener Ausfpruc des Thales verwunderns .
daß bie Welt von Göttern erfüllt if,
Ha, wenn bie Welt von
Pythagoras beftimmt alé ein befeettes Wefen, die Gottheit als
Weltfeele vorgeftellt wird, dann aud) die Gefticne, alé Welt:
törper (cf. Plot. de plac. I, 13.) oder Theile des xouuos, welde
an biefer Befeelung- Theil nehmen, als Götter, aber untergeordnet,
erfeinen,
Bufag d. DH]
*) Wie die Geftirne von den Pythagoreern für Götter gehalten. wutz
ben, fo wurden, zufolge biefer Lehre von der ausftrdmenden Welt:
feele oder von der Befeclung der Welt, aud die Seelen als Aude
flu ber Gottheit für görtli gehalten, ja Allmäon, dem wir [don
eanemanhs ©. b. Phil, 1. Tp.
Pagina 59
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Grftes Haupt. Dritter Abfbn, Zweltes Kap.
“den Sonnenftäubchen bes Democrits in Parallele zu fegen,
und bemerkt dabei, daß einige Pythagoreer nicht biefe, fons
dern bas fie in Bewegung fegende (den Wärmeftoff) für die
&eele gehalten haben 2%). Die Pythagoreer Fonnten hier
,
ny
oben einmal in genauer Verbindung mit ben Pothagorerrn fteben
-fahen, lehrte nad) Ariftotele8 (de animal, 2. $. 25. du V.) daß
e Seele unfterblid fey wegen ihrer Arhnlichteit mit den Unfterbs
lichen, d. i. den Göttern; daß biefes ihe aber gufomme alé einer
ftet bewegten Natur (Tovro 8’ vnagyeıv avın ws ae xvorperT,
faft eben fo wie Plato im Phabdruê p. 245. fagt), denn, feat ex
"Hinzu, alles Böttlihe bewege fid unaufbörlih, Mond, Sonfe,
die Sterne und der ganze Himmel. Jn diefer Stelle, mit welcher
‚aud zum Œbeil bas fpätere Fragment bei Stob. ecl. I, XXI, p: 420.
:
. gufammenftimmt, wo von einem meıxıvarov gegenüber bem oeura—
Des bie Rede ift, und dag Yeıov burch asc Feov erklärt wird, Tcheint
aud) bie Erflärung ber „fid felbft bewegenden Bahl’ wenigftené zum
Speile zu liegen. Die in der Luft bewegten Stäubchen aber fcheinen
mir nur bas robe Symbol zu feyn, welches dfe nad Ariftoteles ber
yoyn überhaupt beigelegte Gigenidaft der Bewegung, gugleid
aber aud in Beziehung auf das Gentralfeuer ( was viellcidt Diog.
L. nad bet in der Note 38. angeführten, viele Widerfprüde ents
haltenden Stelle.
To Gepuov nennt), bas Berhältniß det Seele zur
Weltfeele oder Gottheit (meshalb aud Diog. fagt, anocoracua
œudegos) bezeichnen follte, Dap die bei Divgeñes angeführte Feinere
Unterfheidung zwifhen Seele tnd Leben féon ber alt pythas
goreifen Lehre gufomme, fdeint gang verneint werden zu müffen,
wenn man erwägt, daß felbft Ariftotetes in feineh Unterfuhuns
'
gen über die Seele diefe Unterfcheidung nicht fefthält, und den Bee
tif wuzn in einem febr weiten Umfange nimmt; was wohl zu bee
enten iff, wenn man die Lehren Anderes Über diefe worn (3. B. die
des Pythagoras) welche man von ibm angeführt findet, richtig verz
fteben will. — Mit ber Bablentheorie hängt wieder die, nur in einem
gewiffen Sinne ppthagoreifde, Beftimmung der Seele als Harm oz
nie (Macrob. Soma, Scip. 1, 14 Vergl. Bödh a. a. À. 177.)
und damit aud die Beftimmung ber Seele als Bierzapl zufams
men, woburd bie Seele als Ebenbild des Bolllommnen gefeht wird,
was aber auch eine praftifhe Beziehung haben mochte. Vergl. die
Ausleger deë berühmten Schwurs der Ppthagoreer bei der Vıerzahl
‘(Porphyr. de vita Pythagorae ed, Kiesling p. 165. et lamblich de
vita Pyth. G.28, §. 151. ed. Kiesl.). Uebrigens wird det legten Bez
ftimmung eine auffallend neue Deutung gegeben bei Plutarch. de
plac, phitos. I, 3. Aas 7 nuezega wuyn ex Tergmdog or yaeitaı? sivas
jag voüv, emıomyunv, Öokay, aoFqow, WE wy nava ty, zus
"_entorngn, «as autos loyixos eoper.
.
Abd. $.
59) Die erfte Erklärung (fs Anm. 31.) ijk vielleicht nicht einmal ächt
potpagorsild. Plutarchus fagt zwar de animae procreatione C. 1,
. Æenofrates habe fie von den Pythagorecrn entlebnts allein dies
ift wahrfcheinfih nur fo zu verfteben , daß er einen Sheil von den
Pythagorcern, den ahdern vom Plätd entichnte.
Damit fheint
Aristoteles de anima I. c, 2, Übereinguftimmen und St baeus
etlog. phym page 662. \beflimmt, biejes genauer aut dem Sams.
N
Pagina 60
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster). PhHofopheme ber Pythagoreer.
nad behaupten, baß bie ganze Luft mit Seelen ans
gefüllt fey, bie fil aud) Dämonen und Heroen nennten,
Dur ihren Einfluß erklärten fie die Träume, die Anzeichen
von Gefundheit und Krankheit bei Menfchen und Thierens
worauf fid die Reinigungen und Gühnopfer beziehen, ferner
alle Divination (Mantif) und die Wahrfagereien.
40) Die
Seelen Eommen in ben Körper von Außen, und werben
aus demfelben wieder in die reinere oder unreinere Luft ges
fammelt *), bis fie wieder in andere Körper übergehen. Denn
fie find ungerftirbar, wie ihre Urkraft, und ihnen ift ein
fteter Kreilauf vorgefchrieben 41). Die Behauptung von
blid, einige Ppthagorerr hätten fledthin gefagt: bie Seele
fey apstuos, Æenofrates aber apıduos avroxivytos. [rate
aud) Macrob. Somn. Scip. I, 14. Buf. be $.] Diezmweite Crs ”
Uärung bat Aristoteles am angeführten Orte: epacay yap tuveg
avrav wuyny vas Ta ev TW Geos Evopata, os Je, To.Tavta «voer,
Diogen. Laert. VIJL $.28. avai de Tnv yızıy anoconacpe audsgos,
«ar Tou Seguov Kar TOU przgor. .
.
-
4o). Diogenes Laert. VIII, -$. 32. Plutarch. de plac. I, 8. Cicero da
Divinat. I, 45. [Wiemobl die Annahme gôttliher Mittelwefen,
Die bier als Luftgeifter genannt werden, in bem Syfteme bes Pytbas
oraë liegt, und mit feinem befannten Hange zum Götter: und Geis
' Recumgange und zur Miantië (Cic. de div. J, 3.) der „wie fhon
Æiebemann bemerkte, auf die Erzeugung bes Mofticiémus unter den
Griechen einen wefentliden Einfluß batte, wohl übereinftimmtz fo
muf man fid bod) hüten, aus der oben angeführten, ohnehin vers
. bädtigen Stelle des Diogenes auf eine ausgebildete Démonentebre
zu fliegen, welde gewiß erft ben Neuppthagoreern angehört.
Sestere finden wir bei Hierocles ad Pyth, aur. carm. ed Schier.
p- 226. u. 56.
:
Bufag b. 6.]
.
+) Kür biefe Beftimmung finde ich Fein binlänglihes Beugnif in ben.
angeführten Stellen.
AND.
41) Diogenes Laert, VIII, 14, xowroy Te. (de) paar tovroy anopn= .
vat Thy wuyny xuxiov voren ausıßorcay, alors alloıg ev~
Badar Lmots. Sect. 32. evdargovern avPgunox oray ayody Weyn
sgocyerytas. Aristotel. de anima 1, c. 5. { Die erftere Stelle, in
welder von bem Kreiglaufe ber Nothwendigheit die Rede iff, fagt
nichts darüber aus, wenn berfelbe beginne; die zweite giebt nur
gu verftehen , dap die Seele mit einer beftimmten Befchaffenpeit von
außen in ben Menfden Comme, was aud bad anconacpa ar
Ötpos (vergl. Anm. 37. und Stob. ecl. phys. I, 51. p. 790.) ans
deutet. Auf biefes von außen Kommen fheint aud Aristoteles de
an.
I, 5. Sect. 25. du V. bingubeuten in den Morten: zxsuvo de
azonov ovußamsı Tout ty Aoyw, «ar tous nÄtoToIs Tor NEQL
wgns ouvantovor yup Kar Tıdeagıy eis COME THY
wvzns ovder ngoodiogsoarte dia T° œtiav, war mug ezOvTOS
zov coparos.. Hier wird
alfo zugleich ber Grund vermift, warum
Pagina 61
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Erftes Haupeft. Dritter Abfchn. Zweites Kap.
ber Unfterblid
Feit der Seelen ift eind confequente Folge
ihres ganzen Syftems. Denn die Seelen find Zheile besjeni:
gen, von dem alles Leben in der Welt herrührt, bas felbft Peis
ner Vernichtung unterworfen ift*). Eine folche Unfterblichkeit
bat wenig zu bedeuten, und entfpricht nicht dem moralifihen
Sntereffe, welches der gebildete Menfch daran nimmt. Dief
erhellt auch daraus, baf fie fo wenig auf Gründe für die
Bortbauer der Seelen gedacht haben, welde der menfdlide
Berftand erft dann auffuchte, al8 die Unfterblichkeit in nähere
Berbinbung mit dem Intereffe der praktifden Vernunft ges
febt wurde. Der angegebene Grund aber ift fo gut als Reiner;
denn er it nut bingeworfen, und bie Bedingung, unter
welder er erft gültig wird, iff nicht entwidelt. Mit Redt
fonnte daher Cicero (Tusèal. Q. I, 17.) Jagen: die Pys
thagoreer hätten die Unfterblichfeit blof angenommen und
gelehrt, öhne (deutlich entwidelte) Gründe Die Sees
Tenwanderung, welde Pythagoras wahrfcheinlid von
ben Aegyptiern angenommen hat 42), war fein Beweis für
bie Geete in den Körper verfest werbe. Von den fpätern Bericht:
erftattern wirb ein folder dem Pythagoras zugefdyrieben.
Dod
Theint die Stelle bes Diog. Sect. 31. exgıpdsser Ösavıny (yyy)
ent
die
yng nhobeudor ev 1) aegı, ouotoy Tw Goxyete fid mebr auf
Seelenwanderung nad diefem Leben, nicht auf die Berftofung
aus bem Himmel zu beziehen. ©8 war nebmlid eine alte, frithers
bin geheime und aus bem Oriente ftammende Lebre (Plato Cratyl.
‘pe 400.) wo fie ben Orphitern beigelegt wird. Cf. Plat. Phaedom
p- 62. B. Berpl. Wyttenbach ad Phaedon, p. 134 aqq. und Plut.
de esu carnium II.,) daß die Geelen wegen früherer Bergehungen in den Körper gefeffelt worden feien. Die Pythagoreer nahmen alfo
wabrfdeintid den Grund jener Lehre von der Wanderung der Seelen
+ eben baber, woher: biefe Lehre gefloffen war, und fdrieben. dem
Pothagoras die Annahme einer Prderifteng und bes Abfalls der Geele
beftimmt zu. Auch Aft (Leben des Plato S. 106.) vechnet bief
gum Pythagoreismus.
:
__. Buf. bd. 9)
*) Tennemann Halt fid bier an bie Stelle bes Diog. L. VIII, 28.
Stopepsiy te Wzn» Donc adavatoy te vas avrny, enecdnmep
“aL .To ap ov ansuneoras,: adavarov son. Eben fo wird fie
ihres Urfprungs wegen: ungerftirbar, apSagroy, genannt, in der
. Stelle Plutarch. de plac. IV, 7. Der genauere Grund aber lag in _
der Natur, welde die pythagoreifche Lehre bem Gôttlihen beilegte,
nebmlid der fteten Bewegungstraft f. oben meine Bemerkung zu
‘42) Herodot, I, c. 123
Pagina 62
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme der Pothagoreer.
die Fortbauer der Seelen, fondern nur Verfinnlidung ber:
felben*). Diefe Seelenwanderung erfcheint hier nod nicht
verfeinert, und. burd moralifche Begriffe geläutert. Daher
fagten fie auch: jede Seele könne in jeden Körper ohne Uns
terfchied einwandern, auch die thierifchen Körper nicht aus:
genommen 4%), Ob diefer Kreislauf der Wanderungen ewig
dauere, oder nad Befchaffenbeit der Seelen feine Grenzen:
habe, ift eine Frage, die nicht mit Gewißheit entfchieben
werden Fann. Nur eine Stelle des Diogenes fcheint für.
beftimmte Grenzen zu fprechen 44), Dbgleid man fernes
L
© *) Die Lehre von ber Seelenwanberung Enüpft fih, wie fdon anges
deutet worden, an die Lehre von ber fteten Bewegung ber. Seele, als,
eigenthimlider Œigenfhaft berfelben, an. DBielleicht Kann man biere
her dud) die Worte bet Aristot, de anis 1, 3, §. 24. beziehen s.
mou Tou 7 ezonv tov Oeov Sia Tovro xvuho HOLLY pegeodus Tv
wernv, ote Bektiow even To xıvaodaı tov pere xiveccdar Oe
ovres7 addus. Ferner wird diefe Lehre, was Bier nicht zu úbers
eben ift, burd bie Gage an bie Perfon beë Pythagoras anges,
nüpft. Denn er foll in mehreren Geftalten auf bee Erde erfhienen
fepn (vergl Diog. L. VIII, 4 sqq. Porphyr. de vita Pyih. Sect. 45,
et Kittersh. ad h. 1, ed. Kiesling. p. 258-5q.) und vornehmlich fic)
ale Held Euphorbus erdannt haben; womit die Sage aud vieleicht
das Gedddtnif bes Pythagoras preißt. Lesteres bezieht D. Maller in ber Gefchichte der Dorier 1824. Vh. I. ©. 220. darauf, baß er
jenen, wie fie fic) felbft, al8 Priefter des Apollon betrachtete, mit
weldem er überhaupt in genauere Verbindung von feinen Verehrern -
gebracht wird
— aud alg Sohn; ja bei lamblich de vita Pyth, c. 6.
(vergl. aud) Diog. L. VIII, 21.) wird er felbft alé Apollon vergôttert.
Baur aber bemerkt in feiner Gymbolif und Mythologie II. TH.
I Abth. ©. 199., dap die Boer der Seelenwanderung mit ber Sdee
Apollons innig verbunden fey.— Endlich if nod die praktif He Bes
ziehung der Seelenwanderung nidt zu überfehen, welde man bei ben
Pythagoreern findet, 6. i, die. Aufforderung, fih reiner Sitten zu
befleifigen, um nicht in thierifche Körper gebannt zu werden. A. bd. D. |
63) Aristoteles de anim. I, c. 3. dig evdegouevoy xara Tous IIvdayogıxovs wvdovg tnx TÉYOUCRY wuyny’ eis zo tryoy evòvsuÂ
as
cœua. (Es fdeint dief nad dem Zufammenhange zunächft zu heißen:
bie Seele Homme durd Bufall, von ohngefähr, d. i. ohne Grund, in
ben ibr vorkommenden Körper, und es fragt fid fogar nod, ob
biefe Stelle fid) auf bie Seelenwanderung bezieht. Merkrürdig ift
B, bag wir Eeine einzige beftinimte Nadridt ber Weltern über Pytha:,
goras Lehre von der Seelenmanderung haben. Die Spatern
ber, weiche diefe Lehre ausgebildet haben, wie Porphyr (de vita
yth.’ Sect. 19. und Stob. ecl, phys. I. p. 1044 sq.) bebnen fie
allerdings fdgar auf ben Uebergang in lebende Körper jeder Act
aus.
|
Bufag d. £.]
ù
\
44) Diogenes Laert. VIIL 6. 31. vor aysodar per tag. xnduçus —
(y zas) ent to vpsorov. tas be axadagrove pnts exerce. ra
geer, pare aldndaus, dou 3 tvagenxtoss Gaupois uno egervvar.
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)134 : Erfles Haupeft, Deitter Afin. Zweites Kap,
nicht beftimmt angeben Tann, wie fid) die Pythagoreer ben
Buftand nach dem Tobe gedacht haben, fo it doch fo viel ges
wif, daß fie mit bemfelben Belohnung des Guten und Bes
fivafang des Böfen verbanden, und glaubten, die Seelen der
Menfhen Fönnten nad und nad fo geläutert werden, dap
fie einer vollfommenen Gemeinfdaft mit den Göttern gewür:
bigt würden. Nach ihrer Vorftellungsart hatte fogar der
Donner Beziehung auf den Zuftand ber Böfen in dem Das:
des, um.
fie zu fehreden *).
In ben Nachrichten von ihren Übrigen Lehrfägen von den
Seelen der Menfchen, ihren Vermögen und.ihrem Verhältniß
zu ben Thierfeelen **) herrfcht nicht wenig Verwirrung. - Vielz
leicht find die Meinnungen ber áltern und jüngern unter
einander gemifdt. Suerft wird ihnen die Unterfdeibung des
:
\
-*) Man findet bier zwei Stellen bes Verfaffers über’ denfelben Ge:
genftand, welde fonft getrennt waren (S. 133 und 142. ber erften
Ausgabe) verbunden. Sn der lebte hatte der Merfaffer in offen:
Harem Widerfpruche mit der erften behauptet, daß die Lehre von
der Unfterblichkeit und Seelenwanderung von den Pythagoreern mit
moralifhen Begriffen in Verbindung gebradt worden
fen. Diefes fcheint aud aus ven beigefügten Grünben und Stellen
(Diog. L. VIL, 31. Carmen. aureum. v. 70. 71.
Aristot. analyt,
posterior, Il, c. 11.) erweislih. Berg]. aud ben Sufag su mete 43.
#+) Die Berwandtfdaft der Dienfchen und Bhiere war eine Lehre,
©
welde ebenfalls, aus der Befeelung der Dinge folgte. Hieraus ent:
fptang in der pythagoreifhen Schule bas Gebot, bie Thiere gu
fdonen, baë Gebot der Enthaltung von gewiffen Zihieropfern und
thierifhen Speifen. Auf Erfteres fcheint aud bie Lehre von
der Serlenwanderung Einfluß gehabt zu baben; die Enthaltung
von Fleifdfpeifen aber wurde aud) in, biätetifcher Hinfidt geboten,
Vergl. Seneca ep. 108, Sext, Emp. adv. physicos, sive IX, Sect.
227. Dief Verhalten gegen bie Thiere wurde auch. zur Gerechtigkeit
Herechnet (ebendaf. Sect.130.). Bgl. ferner Jamblich de vita Pythagor. Cap, 24. Sect. 107 sq. dgl. 150. nad) welden Stellen jedod ein
_ Unterfhieb in Hinfidt der verfdiedenen Klaffen dec Schüler des
Pythagoras; ferner Cap. 18. 85. Sect. nad welder Stelle ein Unters
fied unter den Tpieren gemacht wird, welche neopfert werben durfz
ten; vgl. 6. Gap. 16. Sect. 68 u. 30, Sect. 168 sq.; eben
fo Porphyr.
de vita Pyth, Sect. 43. und de abstinentia ab esu animal. lib. 3.
Plutarch. de esu animal. If. und de solertia animalium. Son
einer Ginfdrantung bes Berbots in Hinfidt der Vhiece redet audy
Diog. L. VIII, ao. baß aber der bei Plutarch, de plac. V, 20. ane
gegebene Bedankte dem Pythagoras angehöre, ift febr zu bezweifeln.
Bon bem Verbote bes. Bohnen f. Rittersh. ad Porphyr. od. |ne
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme bee Pothagoteer.
vernünftigen und nidt vernünftigen (finnliden)
Vermögens der Seele beigelegt. Da fie, wie ed deint, das
Wefen der Seele aus zwei Beftandtheilen, dem warmen.
und dem Falten Aether, beftehen Tießen*), fo leiteten
fie vieleicht alle Aeußerungen der Vernunft von jenent, dem
Wärmeftoff, oder ber in der ganzen Natur verbreiteten gôtts
lihen Kraft, die Aeußerungen der Sinnlichkeit aber aus
jenem weniger ebeln Theile ab.
Dann wäre 8 confes
quente Folgerung, daß nur die vernünftige Seele unfterbs
lich fey 45),
|
Die Unterfheibung der Acte bed Vorftellens und bes
Begebrens ift bei einigem Nachdenken über fid fo natürlich,
daß faft bei allen Völkern der gemeine Sprachgebrauch vers fehiedene Stellen des Körpers ausgezeichnet hat, wo jene vors
gehen folen, und daß in einigen Sprachen biefe Theile ded
Körpers felbft die Vermögen bezeichnen. Aud) Pythagoras hats
te biefe Unterfheibung gemacht, und er beflimmte bas Ges
bien für den Sig der vernünftigen Seele, das Herz für
ben Gig der Begehrungs = und überhaupt der Lebend»
fraft 4°). Ob er nun aud bie unvernünftige Seele in bad
*) Nad Aristot. Befchreihung zu fhließen, (de anima I, y.) fheint mie
das Philofophem über die Seele, welded der Berfaffer hier dem
Pythagoras, nad ber oben in der Anmerkung 39. angeführten
Stelle deë Diog. L. beilegt, mehr bem Empebofles anzüges
bören.
°
A. da 6.
45) Plutarchus Decret, Physic, IV, c. 7. Diogen. VIII, 30. xag to
per poonuor, adavyator* ta ds hoya Hrnra,
46) Plutarchus Decret. Phys. IV, c. 5. JIvöayogas to uev Lotixoy
neg tyY xagdiay, To Oe oyinov xar vargov TrspL id xepadny.
Cicero Tusé, Quaest, IV, ¢. 5. veterem illam equidem Pythagorae primum, deinde Platonis degcriptionem sequar, qui animym
in duas partes dividunt; alteram rationis partioipem faciunt, alteram
expertem. Stob, ecl, phys. p.874. [In einer von Æennemann nicht
angefigrten Stelle beg Sextus Emp, adv. math. VII, 92, wird die durch
Siffenfchaften, befonderg Mathematik, gebildete Vernunft bad Bes
urtheilungévermigen bed Wabren genannt: os ds ZIuSayogeros
zov Aoyo» mex pauw (xorrgoroverivur) ou xorvwg De: zon de
ano Tov padquoruy nagıypousvov, xaduneg Elsye zur a Diloe
daos, Diwpnrixoy te ovru Ts zov ohwY Prose, sper Ton Guy“
EVELAY TROOS TOLTHY, BITELEQ VITO TOU OUOIOU TO OUO(OY xaTa- .
ußavsodaı nepvue. Ob aud der zulest angeführte Grund,
vois OpOLOLG Ta omora Yırmaxscdas, ber ein febr verbreitetes Erz
tenntnifprindp fpäterer Philofophen wurde, (fieje aud lamblich
Pagina 65
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)136 Grftes Haupeft, Dritter Aofehn, Zweites. Rap.
Begehrungs= und Gefühlöyermögen (smödyuntıxov, duusxov ) eingetheilt habe, wie e8 in der Folge Plato that, wird
zwar von mehreren Schriftftellern: behauptet, aber e& läßt.
fih daran zweifeln. Denn obgleid die Ausbrüde in der
Sprache vorhanden waren, fo fdeint dod) bie Begriffe, welche - dadurch ausgebrüdt werden follten, erft Plato etwas ges
nauer beftimmt zu haben, und and bei biefem find fie nod
{che {hwankend 47). Nicht fowobl Verworrenheit als Shwans
‚Ben der Begriffe von den verfihiedenen Vermögen bes Gee
mlithé findet man in einer hieher gehörigen Stelle de3 Dios
genes von Laerte. Die Pythagoreer nahmen nach berfelben
drei verfhiebene Vermögen an, duuos, Begehrung
ss
fraft oder überhaupt Lebensprincip *), vovg und poeveg in dem Gehirn; von diefen legten fie bas legte bem
Menfden ausfchließtich, das erfte und zweite aber als mit
den Thieren gemeinfchaftlich bei. goeves bedeutet alfo wabrz
f&heinlich die Dentfraft, vous in einer von dem Sprachges
brauch‘ fpäterer Zeiten etwas abweichenden Bedeutung das
Vermögen zu denten, welches die Menfchen und Thiere ges
meinfchaftlich befigen, nur baß die legten wegen ùnvolfom=
mener Drganifation und Mangel der articulirten Sprade
mage zog nadeuauung enrotnuns. Cap. 8. Sext. adv. germe
lib. J, Sect. 303.) in biefer Formel von Pythagoras felbft
be
rühre, wie Sextus in ber legten Stelle meint, läßt fid Rare,»
vie
benn aud) die beigefügten Verje, weldfe Beftätigunasweife angefühet
werden, auf Empedocles hinweifen. Aber näher fommt diefer
Lehre der bei Claudiauus Mamertus de statu aniınae Cap. 7. bent”
Archytas beigelegte Getante: ad exemplym unius composila est,
quae sic illocaliter dominaturin corpore, sicut uuns in numeris,
Bufag d, H.]
47) Plutarchus Decret. Phys. IV, c. 4. Stobaeus Eclog. Phys. p. 878.
où de negı Ilharova zor Apyvras xat où hornor Nudayogews tv
.
VUL TOEHFON ATOPALTOPEUS, Öraugouvreg etc Aozıguov zor Gvpou
dul ens vurov, TOUTE pag EVOL ZONE HQOS THY TRY agETOY
ovoraaur. Cs fcheint als wenn Samblid, aus dem biefeë Fragmentgenommen it, felbft aud) dadurch, daß er Platon und Ardytee,und dann erft ‘bie übrigen Pythaqoreer nennt, die obige Bermutbung
. beftätige. Der Verfaffer der mYıxav ueyaluy c. à nennt Plato
alé ben erften Philofophen, der ben Unterfhied zwifden Vernunft
und Sinnlichkeit in Begriffe gefaßt habe. Diefes mag wohl wahr
feon, wenn man darunter deutliche Begriffe veeftebt. -
À
*) Wohl richtiger. Vermögen det, Affecten. -
Hd 8.
A
Pagina 66
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme der Pythagoreer.
nicht wirklich denken können 45).
E8 iff gewiß eines ber
fhwierigften Gefchäfte, bas Mannichfaltige der innern Ets
fheinungen aufzufaffen, zu claffificiren, und unter beftimmte,
Bermôgen zu ovdnen, und ed war bamald befto fdwerer,
je weniger man, bei der allgemeinen Richtung der Speculas
tion auf äußere Gegenftände, die Aufmerkfamfeit des Geiftes
auf. feine eigenen Thätigkeiten und Veränderungen zu richs
ten vermochte.
€8 war dazu noch zu wenig Stoff gefams
melt, und bad Unterfheibungsvermögen noth gu ungelibt.
Daher ift 8 fein Wunder, wenn bie erften Verfuche, die
: Vermögen bes Gemiiths zu unterfdeiden, fid faft gar nicht
über die Unbeftimmtheit der gemeinen, in ber Sprache ausz
gedriidten Begriffe erheben. Ob und wie Pythagoras und
feine Schüler fid) diefe Vermögen gedacht haben, Idßt ficy
aus Mangel an Nachrichten nicht beftimmen, nur aus einiz
gen Fragmenten muthmaßen. Weniger darauf bedacht, ben
Inhalt der Begriffe von diefen Vermögen zu beftimmen, als
die Vermögen felbft, fo wie das Subject derfelben, aus Naz
turkräften abzuleiten‘, konnten fie biefe Begriffe nicht wohl
anders al8 materialiftifh faffen. Die Seele ift eine aus Fala
tem und warmen Aether gufammengefeste Subftanz *) 5
bie Vernunft Wirkung des warmen Aethers, ober
bes allgemeinen Lebenéprincips, die Sinne find Ausflüffe
(Tropfen) desjenigen Theils ber Seele, welcher im Gehirn ift **),
48) Diogenes Laert. VIII, §. So. zn» de avdoonov wuyny droge
ota: Toin, ts T6 vour xu PoBvas zat D UUOV. vouw ur
ovv sivas xan Gundy xu ev Tous ahhowg oi poevag de povoy ey
wrdgwng. -Plufarchus Decret. phys. V, 20.
[Gollen wir dem
onft untritifden Compilator Diogenes nicht Verworrenheit Schuld gez
en, fo müffen wir annehmen, baf die Pythagoreer hierin einen
ganz andern Spradgebraud), ald bie fpätern Ppilofophen beobachtet
haben.
Go nimmt add Salmas. ad Epictet: p. 373. an, daf
v
bei ben Pythagoreern die höhere Geiftestraft bezeichne, welde fpäter
. Aristoteles zv avagyın vour nannte. Man kann mit Brandis
. Comentatt, eleat, p, 37. aud) baë Fragment bed Xenophanes add
a
anavevds zovoso 790% Pers navtu xpadaiver hierher ziehen.
-
i
0
Bud].
*) Bergl. zu ben folgenden ebenfallg die Anmerkungen *) zu ap f-.
und 135.
:
.
Xd.
$.
**) Die Erklärung ber Sinne durd) Beziehung auf die 4 Clemente
bei Stob. ecl.phys, p. 1104. fdjeint bem Œmpebofies und ben
Platonifern anzugehören.
Pagina 67
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)138 Crftes Hauprfl Deitter Abfchn. Bweites Rap.
Der Warmeftof im Gehirn ift bad belebende Princip ‚bei
ber Beugung. Die Seele ftellen fie fic als: einen orga= '
nifchen Körper vor, der wählt und Nahrung braucdt *)..
Shren Nahrungsftoff erhält fie aus dem Blutes die Venen,
Arterien und Bänder maden das Band zwifden Seele und Leib aus, bis fie erwachfen und ftaré ift, wo dann Bors
ffelungen und XThätigfeiten das Verbinbungsmittel aub:
maden 49). Diefe Borftelungen find aber nichts als ein
| Wehen der Seele, das ift, des Aethers, unfichtbar wie
_
biefer, oder ein fehr warmer Dunft, welcher von ber falten
- Luft zurüdgedrängt werde; daher fehe man burd Luft und
Waffer **)., Wabrfdeinlid unterfchieden die diteften DPythaz.
gorcer zwifchen Denken und finnliden Borftelungen noch
nicht; zum wenigften: bat man, nad den obigen Bebaup:
tungen und bei dem Mangel fiderer Nachrichten, Eeinen
Grund anzunehmen, daß fie auf diefen Unterfchied geachtet
haben, welcher erft von ben Gleatifern genauer erwogen
wurde, Ungeachtet ihrer metaphyfifden Zahlentheorie, ers
fceint dennod die Vernunft nicht als bas Vermögen nach
Principien zu denken; fie hatte nur dad Gefchäft, die Vers
hältniffe, nach welden bas Univerfum. befteht, aufzufuchen;
bie Zahlen und Verhältniffe berfelben müffen ihr gegeben
:
.…
*) Plat. de plac. IV, 3, ftellt dagegen den Pythagoras ganz beftimmt
untet die, welde bie Seele für unförperlich halten. Vergt. V, 4.
x. bd. $.
:&9) Diogenes Laert, VIII, §. 28. to ds omega eva otayova syxepadov segpiszovour sy Ewurn DEquay arpov* — ano Òe tov uruov
wuyny zat ada Crgoisodou). — 29, TV ds. momo Kor ,
vos, KL xar eidog Tnv OQAOIY, ETUOV Teva svet apar Hebuov,
«as Oatouto Asyerat dv atpos ogav, zut ds’ vdaros: avreperdeo das
yao to Gegquoy ano tov yuygov. — 30. atayovas de rm ano |
TOUTUY tag misdndtig. — Toepeatac tyy wuyny ano Tov aipatog.
Tous Os hoyous wugns eveuous ecvay. aogatoy TE sLvaL aUTYV KUL
zovg doyous, exes zat 6 andy aagatog, —~ 31. bau te sivartye '
yuyns tag plsBag zat Tag apTmgLdz Kav to vevpu* otay Òe sayves
“+
xat nad avımy yevonern nomuer, Òeoua persadar durys tous ho~
yous zac sa egya, Plutarch. Decret. Phys. V, c. é 4
j
#+) Die Stelle bei Diog. L. VIIL, 29. (f. vorige Anm.) fagt aber nur
von bee Sinnempfinbung und von der bes Sehens insbefonz
, Bere, daß fie auf einem warmen Dunft beruhe (wie die wezn übers
haupt nach biefer Hppothefe); indem beim Sehen bas Kalte dem
ven entgegenwirte.
De
e-
M
Pagina 68
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Phitofopheme der Pothagoreer.
woerden, denn ed giebt Feine andern, als die in der Welt
wirklich vorhanden find 5°),
|
Die Pythagoreer mußten, vermôge ihres Syftems, ans
nehmen, daß alle Dinge in der Belt imBufammens
bange ftehen, weil bad Feuer oder Aether, welcher
Pas allgemeine belebende und thâtige Princip ift, Ades durchs
bringt. Gie fonnten alfo fagen, dab Gott das Fatum
fey oder die unveränberlide Urfache, durch welde Alles ges
fhieht. Wahrfcheinlich vereinigten fie damit ben Glauben
an bie Vorfehung der Götter, den fie, was die Schidfale des.
Menfchen betrift, noch durch die Berwandtfchaft der Menfchens
feelen mit der Gottheit unterftügten 51). Gie fcbloffen zwar,
wie e8 fcheint, ben Zufall nicht aus der Welt aus, wie
auch fchon daraus erhellt, daß fie ben Dämonen fo vielen.
Einfluß auf Menfchen zufdrieben; doch fuchten fie den Zus
fall wieder mit dem Fatum zu vereinigen, aber auf
eine Art, welche die Freiheit untergräbt. Stobdus hat,
uud aus Ariftorenus hierüber ein merfroùrdige8 Frags ‘
ment aufbebalten. Cin Theil des Zufal8, fagten fie, rühre '
bom göttlichen Einfluffe her (aga tov daıuoviov). Die
Menfchen nehmlid erhalten Eingebungen
von der Gottheit,
einige zum Guten, einige zum Böfen. ene find offenbar
eben beëmegen glüdlih, fo wie biefe unglidlid. Diefer
Bufall offenbare fih in denjenigen Fallen am veutlichften,
wo Menfchen ohne Ueberlegung und Klugheit oft ihre Büns
fe erfünt, andere aber biefelben vereitelt fehen, die. fie
nad richtig entworfenem Plan und mit Vorfidht zu erreichen
fuchten. Eine andere Art des Zufalld fey ed, daß einigen
‘Menfcen tur natürliche Fähigkeiten und Anlagen Alles
50) Aristoteles Metaphysicor. I, c. 7. agetpow ds adlor undeva var maga Tov apıduov tovtoy, sE où ovveatyxsyà waopoe. [ Allein
bie Zahlen find nad) diefer Vorftellungsart aud in der Seele wefents
_ lid; fie felbft ift die fid) bewegende Babi f. oben &. 129. Buf. b. D.]
51) (Nad der vielerlei Borftellungen vermifdjenden Stelle bei] Diogenes
Laert, VIII, $. 27. «as avtounoy sivar moog Deovs auyyevtian
Kata zo pereysiv avdgomoy Heguov. dio xaı npovoriotas toy |
Stor ho: sipaguerny Te tov Slow vas zou Kara egos astiay
ang Stosmnosws. [Eine Andeutung andrer Art wird bem Philos
1008 beigelegt. Cf, Heindorf ad Phaedon. Plaw 6m Buf. bd. 9.)
Pagina 69
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)140 Geftes Haupefl, Dritter Abin, Ziveites Rap.
gelinge, was fie unternehmen; daß andere hingegen zu Allem
ungefhidt find, und nie mit ihrem Berftande bas rechte
Biel treffen. Diefes. Mißgefhid liegt in der Natur,, und
~ ffebt nicht in unferer Gewalt. Die Urfache davon liegt in
der Gecle, die jedem Menfchen zu Sheil wird. Es ift daher
ein Glid, wenn man eine gute Seele empfangen hat 52),
Ueber die Sittenlehre (als befondere Wiffenfchaft
).
haben bie Pythagoreer nicht viel nachgedacht. Se mehr ihr
ganzes Snftitut auf moralifde Bildung und Ausübung
der Pflichten mit berechnet war, defto weniger fcheinen fie .
das Bediirfnif einer befondern Wiffenfchaft derfelben gefühlt
zu haben 53). Es läßt fid) daher, fo lange die Aechtheit ber von Stobäud gefammelten Fragmente nicht erwiefen ift,
über ihre. praËtifhe Philofophie nod weit weniger fagen,
als über ihrg theoretifhe*). Die Tugend erflärten fie für
ga) Stobaeus Eclog. Physic. p. 206. Mit biefem ftimmt zum. Theile
berein Diogenes Laert. VII, §. 32. ueyıorov Je pyor Tuv sy av-
‘
Seumnors tsvac, Tnv puyyy meus ett TO ayadoy- N ENL TO xUXO7.
-
,
°
tvdatporey avFgwrov, 0Tay ayadın wign ngocyerntas
53) Aristoteles Ethicor. Magaor, 1, c. 2,
¥) Vielmehr können wir über die ethifde Seite ihrer Philofophie, weil
‘thre praßtifchen £ebren mit ihrer Zahlenfombolit genau verbunden
waren, im Ganzen ein febr beftimmtes Urtheil fällen. Dem daz
maligen Standpunkte des Denkens gemäß, tritt das Ethifche nehm=
lid) bei Pythagoras nod in der Form mannidfaltiger Regeln für
fpecielle Berbältniffe deg Lebens, und afcetifher Vorfdriften auf,
welche fih einestheild auf gereinigte Religion und geordnetes Leben
im Staate beziehen, anderntheils an borifche Stammeseigenthim:
t lidleit und dgyptifde Symbole anfchließen, welde Pythagoras in
feinen Bund verpflanste. Durch das Legtere, und indem fic) feine
prattifden Regeln an ein Bild ankndpften, erhielten feine Lebriprüde
bas Gewand bed Rathfelbaften und Empbhatifden , wodurd fie id
aud) dem Gedddhtnif feiner Gatiler einprägten. Inwiefern nun
zwar bas Ethifche mit dem Poyfifden in der Betradtungd des Pythas
oras immer nod) ungetrennt blieb, feine Lehre und die von ibm ges
iftete Verbindung aber doch gylest auf das Praktifhe mit Ernft
binwirkte (vergl. Borphyr. vit. P. §. 47), infofern fonnte ¢ Aristot.
inagn. moral, I, 2.) wohl gefagt werben, dap er der erfte (Philo:
foph) gewefen, deë von ber Tugend zu reben verfucht babe, was
fid jedoch nur auf bie von Pythagorad aufgeftellten Beftimmungen
der Tugend und ber. Gerechtigkeit (vergl. Note 54 und 56.) zu bez
gleden deint, und mit ber Stelle Metaph. XIII, 4. nidt im Wiz
erfprude fteht. In den fogenannten golden Sprühen (S. oben
.&. 74.) bei. Diog. L. VHL, 17 sq. und bei Jamblich protrepticon
gub fio, if wenigftens Einiges altpothagoreifden Urfprungs.
Pagina 70
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme
ver Pythagoreer.
144
eine Harmonie, Wir haben fhon oben gefehen, dap fie
alles, was gut iff, unter den Begriff der Einheit, Bez
ftimmtheit, fo wie bas Bsfe unter den Begriff der Un:
beftimmtbheit, Bielbeit bradten, tenn man fann nur
auf eine Arf Recht thun, aber auf vielfältige Art- fehlen,
Die Tugend tft alfo ein Zuftand der Volfommenheit, ein
beftimmtes Berhältnig, Uebereinftimmung und Einheit bed
Gemüths 54).
DObgleid bas Legte nicht hingugefest ift, fü ers
giebt fid boch dtefer Sinn aus dem, was Samblid nat bem
Ariftörenus yon den Ermahnungen zur Tugend fagt. Pythagoz
tag drang auf nidté fo febr, als Gleihmuth und Selb
ft
beherrfdhung, oder die Kraft, allen Verfuchungen zu Aus: .
fhweifungen zu widerftehen und unter Arbeiten und Widerz
wärfigfeitennicht zuerliegen. Gin Bild diefes innetn Zuftande8 '
war die vorgefchtiebene äußere Lebensweife der Pythagoreer, in
welcher alles bid auf Kleinigkeiten beftimmt wat, und bie wieder babin abzwedte, den innern Geelenftieden zu beförs .
bern 55),
G8 ift wahrfcheinlich, daß fie fid die Tugend,
and) alé Achnlihkeit mit Gott *) gedadt haben. Dent
Sergi. Lil. Gyraldus de symbol, Pythag. Opp. T. IL p. 465. und
_ Fabric. bibl. gr. Vol. L
A. d. DP.
54) Diogenes Laert. VIII. §. 33. tnv de agerny Gguomay svat, vas
thy Üyınay, xu To oyador ünavy, kos zov Jeov, Aristoteles
Ethicor. ad Nicom. IL. c. 5. 10 yap xdxov, Tov aneigov, us ob
IvFayogeios eıxakov“ to &dyaGov, tov zenepaoperov. Cf. I, 4.
55) Tamblichus vits Pythag. $. 948eq. evxonts
de aas za olla nave)
#7 apa megs nados 7 Ex ua axgurnoews sstonvtas — §. 95,
EITEOKOTLEL yap 7106 EXOUOL PYTEWS TOG TU 8 QUALY, sxades Os TOUTO
xaraptvair: moleuıov de neo THY AYQLOTHTA ngos TOUT»
diayoyyny» axohovdev
dxodùaray,
…
axvginy,
yap aygıorıtı avarderar, avaozurtiay,
Övouadsıny, avagyıay, arıusay Kor To
axohovda- moxornre Os za: Nusgomts Ta evavtia. — et Js rage
Hoozov xotedor Teva, cianep ullopvlor rıya xaı oÔverov annlaure.
*) Jamblichus de vita Pytbagor. §. 157. Cf. 66
— 87. anavta ood
wigs zov TQUITEY OV My smarter Övopibovoi, sorozaoras THE
mgog to Gatoy opohoyrac (outhiag), zes agyn avım tote
tg grdovoguag: ote yehovoy nowovor où avGgumos aliodey
moder Cytodrytss to ev 7 saga Fewv etc,
Porphyr. vita
Pyth. $. 41. nalıura adndtver: zovro yoo povor Övvacdn Tous
ur9punovs moter Dew magurdlmouovs. Stob, ecl. lib. 11. c. VIL
p. 64 66. ©. Anm. 36. — Der Sag: die Tugend ift Einheit,
Harmonie (innere Uebereinftimmung
), welder einerfeits
mit der
Borftelung von Gott, als Einheit, welde bec Menfh nähahmen
Pagina 71
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)142 Grfles Haupt. Belter Abfén. Zweites Kap.
ugend, bas Gute und Gott wurde unter einem und heme
felben Begriff der Einheit und Harmonie gedacht. Uebris.
gens barf man in biefem Zeitpuncte nod) Beine Unterfuhung
über die Gründe ber Eittlichkeit, über die Verpflichtung zur
Tugend erwarten. Denn außerdem, daß diefed fchon unents
widelt in bem Begriffe ber Bollfommenbeit lag, die mit bem
_ tugendhaften Charakter verbunden gedacht wurde, befam der
menfdlide Geift erft dann Veranlaffung zu diefen Unters
fudungen, al8 ber Wiberftreit der finnlihen Neigungen und
- © ded moralifhen Gefühls deutlicher erkannt, und biefes durch
Sophiftereien zu Gunften jener hinwegdisputirt werden follte.
Am beften find, wir von ihrem Begriffe der Gere
hs
tigkeit unterrichtet. Sie brüdten ihn burd eine arithmes
tifde Formel aus, die wir fon oben angeführt haben,
(Anm. 31.) deren Sinn aber hier erft angegeben werden
Tann. Gerechtigkeit befteht darin, daß alles, was
Einer bem Andern anthut, ibm wieder gerade
‘in demfelben Verhältniß angetban werde. Wer
_ einen prügelt, muß wieder geprügelt werden; wer einen um
ein Auge bringt, muß wieder ein Auge verlieren*). Mit
einem Worte Wiedervergeltung, dad ius talionis
*
folle ober als Zahl der Zahlen (agcFuow agduos Hierocles
p- 166.) und bem Sage: das höchfte Gut beftebe in der vollloms
menften Wiffenfhaft (Erlenntnig) der Bablen (vergl. Theodoret,
Therapeut, ad Graec. Serm. XI.)5 anbrerfeits mit der Anficht von
den verfchiebenen Kräften der Seele, welde mit einander in Uehers
einftimmung gebracht werden follen, zufammenhängt, wird von ben
fpätern Pythagoreern ausführlich entwidelt. Vergl. Gale opuse.
mythol. p. 684 sq. 687 sq. 698 sq. 702.
Giehe in Hinfidt des
Unterfdieds der Altern und fpâtern Pythagoreer in dlefer Hinficht
UE Leben bes PL ©. 163.
.
A. d. $.
®) Obgleich der pythagorrifhe Bei des Rechts (dinacoy) unbes
ftimmt und darum ungenügend ift, fo fdeint es doch, als babe ibm
bier ber Berfaffer, vielleidt verleitet burd Ariftoteles Kritik,
eine zu materielle Unwendung gegeben. Hätte er fid, wieer bei ans
bern Kehren des Pythagoras gethan bat, deë Famblidus zur Crs
Hadrung bedient, fo würde ev in folgenden Worten eine andere Ers
* Uärung gefunden haben: aezy Tosvur ects dıxalocvyng
ter TO KOLVOV KOL TO toor,
“at
pias
wuyns
«at TO eyyviaro
ouonadey Uaviag
Hat SITE
10
#706
Copatosg
ŒUTO
TO
euov
pIsypeadar xo to odkorgeov. woneg Ôn var Ilary padur
nage tay HvÔayogtrar ovagaotugu, lamblich. de vita Physh,
a
. §. 167»
Pagina 72
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)‘Pbilofopheme der Pythagoreer.
( avrınenovdog) machte, nad der Meinung der Pys
thagoreer, bas Wefen der Gerechtigkeit aus; und dief if
auch unfiveitig der Sinn ber Formel: eine Zahl, die
gleichvielmal genommen gleich ift 5%). Diefer eins
gige Begriff, über den wir fo gute Zeugniffe haben, daß er
wirklich pythagoreifd ift, ift fon hinreichend, die Unddtheit
ber von Stobdus gefammelten Fragmente zu beweifen *).
Er verrdth nod die Kindheit des Verftandes; in biefen
herrfcht fchon weit mehr Verfeinerung und philofopbifde Kunft,
wie wir nur had Plato erwarten können. CS widerfpricht
übrigens gar hicht der Achtung, bie den Pythagoreern ges
Bühret, wenn wir annehmen, daß fie in der Entwidelung
des Syftems der Pflichten noch fehr weit zurüd waren,
Sie waren mehr praftifhe Philofophen, deren Rechtfchaffens
heit, Gerechtigkeitsliebe, und hohes Gefühl für Achte Freunds
fhaft**) ihr Andenfen immer in Ehren erhalten wird,
-
LS
56) Aristoteles Ethicor, Nicomach.
V. c. 8. Eudem. IV. c. 3. wee
Corso yag (ot IvGuyogeot) anlws To Öıxarov to ayrıne
mov&og addon Magnor. Moral. 1. c. 34. ed, Du Vall. eors ds
Öixasov xaı TOUYTUTEROVOOG OV uw 106 78 We OF Iv
Suyopriot, eleyov. extıyor 189 yao worto Öixuiov svat, & Eromos
tie, tavte avtnadeary. I. c. 2. Bergl. Arist. Mewph. 1, 5.
XII, 4.
\
*) Dex Berfaffer hat leider hicht angegeben, welde; und von allen
fann Dief dod nidt gelten. Siehe oben Seite 26,
Heeren
erklärt die bei Stobäus erhaltenen Brudftiice, welde der Pythagoz
teex politifche Lehre betreffen, für turdaus unverwerflid) (Ideen
über bie Politië 2c. INN. ©. 433 ff). Da piefe Lehre hier, wie bei Tene
nemanns Vorgänger Meiners, ganz Übergangen ift, fo füge id
bier folgendes darüber bei. Der Ordnungésfian der Pythagoreer, der
alles nad) Zahlen und barmonifchen Verhälmiffen auffaßte, fpricht fih
unverkennbar in der Stelle bei Stob. Serm. XLI, p. 243. aué,
wo die
Anarchie für bas größte Uebel, bie bürgerliche Drbnung als eine
nothwenbige Bedingung des Beftehens bec Menfchen erklärt wird.
Sn Hinfiht ber Verfaffung fheinen fie daher dev Wolksherr:
haft vorzüglid abgeneigt gewefen zu feyn, und eine bedingte
Ariftotratie alé die befte Verfaffung angefeben zu haben.
Bon den Befehlenden verlangten fie, daß fie fomohl Elug, als mild
und dem Gefege unterworfen feyen, wie von den Gehordenden, daf
fie @efes und Obrigkeit lieben. Schon bie Knaben müffe man daran
gewöhnen, daß Ordnung und Uebereinftimmung fain und näslid,
Unordnung und Berwircung aber höflich und fchädlid fey. Wergle
Stob. Serm. XLII, XLIV. p. 314. und XLVI, p. 52g. %.5.9.
**) In der ethifchen Unfit it bee Begriff der Freundf daft bes
fonders hevoorzuheben, welde als voilfommene Gemeinfdaft bes
Pagina 73
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Crftes Haupeft. Dritter ab fn. ‚Zweites Rap.
Als Theovetiter, welde bie Pflichten, weiche fie praftif ausübten, fuffemotifh aufzuftelen, und zu ‚begründen gefuht
hatten. Ihr Syftem lag in ihrem Handeln, die Webers
zeugung deffelben in bem moralifchen Gefühl, welches die
Stelle von Gründen vertrat: Cine Theorie der Pflichten
war überflüßig, denn in ihrem Snftitut wurden die Mit
glieder zur Ausübung derfelben ohne Theorie gebildet und
| ‚gewöhnt, Allenfals fonnte ein Intereffe für biefe Theorie
entftehen, nachdem der Bund aufgehört hatte: Allein die
‚mufterhafte Lebensweife überlebte den Bund, und mit ihm
hörte wieder det Wirfungstreis zur moralifchen Bildung ans '
derer auf. Soweit die zuverläffigen -biftorifhen Facta reis
‘den, finden wir nicht, daß fie fic) um die praftifche Phi=
lofophie ein Berbienft erworben hätten, dad bem Berdienft
würdigere Borftelungen von Gott und Religion 57) verbreis
|
Menfdliden betrachtet wurde, und burd beh von Pythagoras gez
ftifteten Bund dargeftellt werden follte. Wie nebmlid die Welt die
Harmonie und Ordnung der Dinge ift, fo follen fih die Menfhen
in Gintradt verbinden, um diefe Ordnung und Harmonie aud im
“ienfdlidgen Leben berguftellen, welder Forderung, wie man ridtig
bemerkt bat, fon die Borausfegung des Gegenfages zwijden dem
Mdealen und Wirkliden zum Grunde liegt, welcher hier gelöft weez
ben follte. Fene Beziehung dex Freundfchaft auf die Welteinrihtung
' Tprechen aud) die Pythagoreifchen Stellen bei Plato Gorg. p. 508. A.
u. Lysis
p, 214 B. aus. Ueber den pythagoreifden Begriff der Freunde
Schaft im engern Sinne, fiebe Cic. de legg. 1, 12. dev aud) die
befannten pythagoreifden Anfpride ra twv qidwy zoıra und que
worornto anfibrt; und de off. I, 17. quod Pythagoras ultimum
in amicilia putavit, út unus fiat ex pluribus, Cf. Diog: L. VII,
10. 25. 33, Iamblich. de vita Pythag. das ganze -Cap. XX XIII:
Bol. Cap. XVI. F-69. Porphyr. de vita Pyth. §: 53. tov dt prior
alloy savtov u. §. 58. et Rittersh. ail h. 1. edit. Kiesl. p. 199
et 266. Doth wird nad) ber legten Stelle biefe Sreundfchaft nur auf
die Bundesgenofjen eingefhränft (exxdereuw tag aldorgras
quuag). — Eine andere ethifche Lehre, die dem Pythagoras zuges
a
-fdrieben wird, ift bas Verbot des Selbfimorbe, well -diefer
©
Ungeborfam gegen die Götter fey, unter deren Derrfaft wir uns
befinden. Bergl. Gic. Cato mai. Cap. XX. und dle von Bödh in
Jeiner Schrift über Philolaos ©. 178 ff. angeführten Stellen. —
Einige, wie Wyttenbach, ad Phaedou. p. 172, féreiben aud) den
Pythagoreern bie bei Plato rep. 450. C. D. de legg. 650: C. vor:
Fommende Unterfeheidung ber 4 Haupttugehden zu; aber freilid gez
flúbt auf die Fragmente beim Gtobdus,
andern gezweifelt wird.
.
an deren Aechtheit von
57) Cicero de legib. If, c 115 Bergl. Note 36-
Pagina 74
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme Dee Pythagoreer.:
get und Überhaupt moralifhe und teligiôfe Kultur unter ihren
Beitgenoffen gefördert zu haben, an die Seite gefegt wers
ben fonnte.
an
Benn ed auch gewiß ware, was einige Schriftfteler
behaupten, daß Pythagoras zuerft das Wort Philofoph
erfunden habe,
fo iff ed doch nicht wahrfcheinlich, daß er
es in einem ganz beflimmten Sinne gebraucht babe. Diefer
Ansdrud,- fo wie prdooopsar und giriocogia, ift wahr,
Scheinlich erft durch Plato gebraucht worden,
um eine bes
fondere Wiffenfchaft zu bezeichnen 5), Zum wenig:
- flen ift nicht entfdieden, ob Pythagoras eine Wiffenfyaft,
und welde, damit bezeichnet, und vb et biefe von Mathes
mati, wie Plato, oder nicht, unterfchieden hat *).
Jest bleibt uns noch eine Furze Anfühtung der berühmt:
teften Pythagoreer übrig, EB mütbe intereffant feyn, wenn
wir von biefen fo viele Nachrichten hätten, dag wir ihren
Gedankengang, die fortfchreitende Kultur des Verftandes, pie Veränderungen, Zufäge und Erweiterungen, welde die
Pytbagoreifhen Dogmen erhalten haben, mit binlänglihen
Beugniffen belegen Fônnten. Anftatt beffen Fönnen wir nicht
viel mehr thun, als ihre Namen nennen, und’ einige ihrer
Behauptungen änführen, und nicht fowohl eine Gefchichte
4
te
58) Cicero Tuscul, Qu. V, c, 5. 4. qui rerttm natüram studiose in
tnerentur: hog se appellare sapientiae studiosos, id est enim pbilosohos. Cf. Diog. La VILL §. 8. prooem. $. 12. [Tamblich, vita
yth. §. 58 59. 159. copay ds envarnuny Ins EV Tors ovor ode
Seog. In dem Obigen fheint Tennemann Meiners Cinwürfe (Gefch.
der if. in Griechentand und RM. 1. B. ©. 118 u. ff.) in der
Hauptfache gehörig befeitigt
zu Gaden. Ce iff wabrideinlid, daß
fb Pythagoras den Namen qidvvoros gab; aber baraus folgt nicht,
daB er die Wiffenfhaft, welde Bisher copia geheißen, aud prdovogra genannt babe, denn bie Spâteren, wie Iamblic a, a. ©.
find Hierin Feine entfcheidenden Zeugen. Go Elingt dut das, was
fie von bem B mede fagen, den Pythagoras diefer Wiffenfdyaft gefest
(etcactae kas Öielevdepaver toy Torovroy Bipyuuy zor Cvvdi-~
vuur wataxeynpropevoy muy tov’ youy Porphyr. vita Pyth. 46. cf.
Rittersh, adh. 1. febr ptatonifd, obgleich andere bie usdery Sayurow
bes Plato vom Pythagoras entlehnen laffen. Buf. bd. H.]
_ 9) Daf Pythagoras Philofophie und Mathematië Gbrigensnit teennte,
ift oben bemerkt worden,
Tennemanns G. d. Phil. L Th.
nn
.
oh
Pagina 75
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Grftes Hauptft. Dritter Abfchn. Zweites Rap.
der Pythagoreifcnen Philofophie bi8 auf Sokrates Kiefern, als
vielmehr die Lüden in berfelben bezeichnen *).
=) Das Verzeichniß des Jamblid de vita Pyth. Cap-36. nennt bie Made
folger des Pythagoras in folgender Ordnung: Ariftäus (Arift&os)
aus Groton, Sohn bes Damopbon, Gatte der Bheano, und daher
Pythagoras Schwiegerfohn.
enn eeft die fpâtern Ppthagoreer
gefdrieben haben, fo ift diefer Ariftäus von dem Ariftäon verfchiek ben, aus beffen Schrift rage aguovees Stobaeus ecl. pbys. I. p. 423
ffi
ein Brudftüd aufbewahrt bat, welches aus der Grolgteit Gottes die
Gwigkeit der Welt folgert, und welcher Verfaffer mehrerer mathematia
- her Schriften genannt wird; ferner Mnemar dus (Mnemardjos,
— nad andern Minefardos) des Pytb.Sohn. Diogenes £. nennt bageaen
Peleauges, einen andern Sohn des Pythagoras, als unmittelbaren
Rachfolger feines Waters (1, 15. VU, 43.)5 dann Buldgoras,
unter weldem Groton zerftört worden; dann Tydas, oder Gore
tydas, Gaïtybas aus Groton 5 dann Urefas, nad Plutard)
Arkefos, zu deffen Beit nod Kliniaë und Philolaus (vieleicht haben
inige aus Arefas Archytas gemadt, in ber Angabe, diefer fei ded
rehytas Schüler) zu Heraklea, Theodofides und der Crotoniat oder
Varentiner Eurytus zu Metapont, (ber in einigen Stellen bei Jame
blid Schüler des Philolaus genannt wird), und Archytas zu Zarent
„gelebt. Unter den ältern Pythagoreern werden auch genannt: Lysis
und Ardippus (nad Jamblich §. 104.249.) welche beide bei der
Berftörung des potbagoreifhen Bundes entronnen fein follen (f. aud
unten zu Anm. 63.)5 ferner Theages (Samblid §. 257.) und Met oz
pus, von denen aud) Stobäus Bruchftüde gibt, ferner Hippafus ©
von Metapont, had andern aus Groton oder &ybaris, ber als Lehrer
der ALusmatifer angeführt wird, und wegen ReLanntmadung pys
thagoreifcher Lehren im Meere umgelommen fegn foll (lamblich. de
vit. Pyth, cap, XVIII, 80 u. 88.), wiewohl er nad glaubwürbigern
Nachrichten bei Diog. L. VII; 84. nichts gefrieben, Sn-ben meit
ften Stellen ber Alten
(Arist. met. 1, 5.
Sext. Emp. adv.
Math. IX. c. 5. $. 360. vgl. X, 5, 31% Plutarch. de plac. I, 5
Simplic, in phys. Ar. p.6a Stob. ecl. phys. p. 304.) wird er neben
Herallit wegen der Bebauptung genannt, daß bas Feuer der Urftöff
der Dinge fei, beffen gedaen Lheil zur Erbe werde, die wieder vont
Feuer aufgelöft, fi inWaffer, und als Dunft fid erhebend in luft
verwandle, und daß ber xoouoç und alles Körperliche in periobifher
Umwandlung (Diog. L 1.) wieder in Feuer aufgelöft werde. Rach
Stobaeus Ecl. Phys. p. 862. betrachtete et bie Seele als das. xgırıa
xoÿ koouovoyou Yeou opyavor, indem er die Bahl auf diefelbe ans:
wendete. —" Ferner wird And aus Nhegium von Samblid
u. X. alé Pothagoreet Aufgeführt. Er behauptete, ber Urftoff bec
Dinge fei bas Waffer, (Simplic. in phys. Arist. p. Ga) Über wie
Sext. Emp. Pyırh. ‘hype HL, 30. adv, Math,
IX, 360. berichtet, Wafe
fer und Feuer, (weldes Origenes philos.
c. XVI. dahin erklärt, daß
aus bem Maffer bas Feuer entftanben fei) und bie Seele, wurn,
mworünter er wohl bas Belebende des Körpers verftand, fei ebenfalls
Waffer, (Arist. de anima 1, 2, Stob, ecl. p. 798.) wabrfdeintit
(wie Ariftot. Hingufagt) weit alle Ekzeugung feudt ift. Durd biefe
Meinung gehört ex mehr ber fonifden Schule an, wie ihn behn
aud Mrifioteles, dee Ibn im bee angeführten Stelle und aud
Pagina 76
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)“‘Philofopheme
bee Phibegeeter. — “447
Alemdon aus Kroton, ein Beitgenoffe des Pythagoras,
befddftigte fid ‚vorzüglich mit der Argneiwiffenfhaft. Bon
feinen, Behauptungen haben wir fihen oben etwas anges
führt *). Er hielt vem Pythagoreifhen Syftem gemäß bie .
Sterne für Gettheiten, ober für.Wefen, denen. von Ewige
„Heit her eine göttliche Kraft beimohne.-
Diefe Behauptung
ftüßte er darauf, daß fie fih unaujbôrtid burd fb feibft
bewegen. 8 liegt alfo doch ein richtiger Begriff, nehmlid:
der einer abfoluten Urfade zum Grunde. — Die Seele ift
den unfterblichen Gôttern ähnlich, weil fie beftändig in Bes
wegung iff, und daher ift fie auch unfterbli 59), Unges
metaph, I, 3. fed péringfhäsend behandelt, groifden ben Soniern
auffübrt, Alerander von Aphrobdifiaë berichtet aud) noch von ihm (in
Arist. metaph, fol. gob) er babe gelâunnet, daß e8 etwas außer dem
finnlic) ErEennbaren gebe; weshalb ihh Ritter (Gefch. det fon. Philof,
G. 20.) in ein fpâtères Zeitalter fest. Hiermit Éôhnte aud der {bm
beigelegte Athetamusin Verbindung flehen. Diogenes führt auch. ben
Fomifhen Didter Cpidharmus aus Kos, der jung nad) Gicitten fam,
als'unmittelbaren Schüler des Pythagoras an, (VIII, 78.) und bericht
tet, daß Plato feine verfchiedenen Schriften fehr benust babe (Ill, g
U. 17.) lamblich de vita Pyth, 166 u. 267. (vgl. Rittersh. ad Pora
>" phyr. §. 29.) führt ibn nur als Eroterifer an, beffen Boctifäy abz
gefaßte Gentengen unter den Philofophen.fehe verbreitet waren;
weshalb aud die Sage ging, er babe die pythagoreifden Geheims
niffe verrathen. Breuchitäde feiner Schriften findet man bei Ste
~phaons, Saxe Onomast. litterar, T, 1. p. 53. hält den pythagorele
den Philoforben
für eine von dem Dichter verfchiedene Pérfon,
Hiketas aus Syralns ift oben Anmerkung *) ©. 125. erwähnt wars
den. Bon Andern wird nod unten die Rede feyn. Ueber die Schüler ded
Pythagoras fiehe aud) Bentlei Dissert, de Phalarid, Epist. u. respons,
ad Boyl. p. 197 sqq.
‚ADP.
113 — 114. Ariltoteles nennt ibn M der Anm. 17 angeführten
: Stelle nicht eigentlid einen Pythagoreer, fondern ét fagt, ei
Habe eine ihnen ähnliche Lehre aufgeftellt, und die Anficht vor
den urfprünglicheri Gegenfäßen den Pythagoréern entiweber gegeben,
oder von ihnen empfangen. Aber lamblich de vita Pyth. .AXIN,
Sect. 104, führt ibn unter ben älteften Schülern des D. auf; was
aard) wahrfheinlic ift, da ev als jüngerer Beltgenoffe deë,
P. in
Groton nicht leit ohre ben Einfluß biefes ausgepeidheten Geiftes
bleiben Fonte.
Erfoll ad) nath dev- unten angeführten Stelle des
Diog. L. einet der dlteften Schriftfteller über ble Natur feon, und
+" ‘Yeitete ben Saamen nach Plut. de plac. V, 3 aus bem Gebirit ab3
nadpbed Chatcidins Gommentar über den Timaens des Platon fudte
ec aud) ble Natur des Sehens durch pie Bergliederung bes Auges au”
erkennen.
.
+ b D.
69) Aristoteles de anima I, ©, 2. 970: yoo avızy adasaror vat,
dia zo zoixeras 101$ wÔargtois, tovro
VE taagyey avın ag um
Pagina 77
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)san Gefler Haupt: Deiter AS. Boeien Kap
achtet biefer bogmatifden Behauptungen,fegte doch Alemdon
einiges Mißtrauen in die Wahrheit berfelben, und fügte bee
Heiden. hinzu: fo viel. als: Menfchen muthmaßen Eönnten,
bätten nur die unfterblichen Götter gewifje Grfenntnif von
ben unfichtbaren Dingen und von ihrer eignen Natur so),
‘Eephantus aus Syracus. : Mertwürbig it feine Deus
tung des Pythagoreifchen Zahlenfyftems, indem er untheils
bare Körpe,— Atomen, —undbad Leere für die Prins
cipien aller Dinge hielt, und hieraus unzählige Welten ents
“ fiehen ließ, die aber doch von der göttlichen Borfehung regiert
würden. Stobdus febt hinzu, er-habe zuerft die Pythas
goreifhen Monaden für Körper erlärt 61),
Bei der
auffallenden Achnlidfeit diefed Spftemd mit dem Leucippis
fihen fragt es fid, ob Ecphantus felbft darauf gefoms
men ift, oder ob er jene Atomenlehre gekannt, und burb
fie die Pythagoreifchen Philofopheme mobificirt hat. Das
Teste ift die gewöhnliche Meinung.
Da"Unterdeffen bas
Beitalter des Ccphantus nicht befannt it, und in den Dys
thagoreifden Monaden aud) fhon ausgedehnte Größen ges
dacht werden, fo ift e8 immer denkbar, daß bitfer Dothages
‚veer felbft auf jene Borftellungsart fain. —
Bon Oeellus dus Lirdanien (bl. etwa OF T1, v. Chr.
406.) und Timdus von Lofri läßt fich hier nichts fagen, da
„auger ben ihnen beigelegten Schriften, beren Unächtheit als
wevougsen- weeds de mas ru Bern rura vivezes Bet vels
vv, qatar, aategas “as Toy oVpavov odo» (al. meine Anm. **
qu ©. 130. Buf. d, H.J Cicero Natur. Deor. I, €, 13.
6e) Diogenes Laert. VIII, §. 83. [Die Stelle beziehtfih nit nee
mentlid auf jehe Behauptungen, fondern fagt überbaupt: über
die unfihtbaren und über die vergänglichen Dinge haben nur die
Gâtter eine Beuttiche Erfenntniß; fo viel aber Menkchen„oruztpeiien
:
Tönnen 2c
Buf.db. PJ
63) Stobaeus Eclog. Phys. p. 308. sravtwy (agyas) va sad
Sopara mec TO EVOV. Tug yup Ilvduyopixug povadag oÖras
tog enepnraro owpurixos. Conf. pf448. 496.) Peendo - Ori
gms ce, 15.
Pagina 78
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Phllofopheme dee Pothogoreer, . . 449
‚ bewiefen angefehen werben fann, Beine eigenthümliche Meis
‘nung befannt iff (©. oben ©: 75 f.) *).
+) Da bie Undchtheit der Schrift bed OveHus megs tno tov zanvros
prees aud ihrer Uebeveinftiran.ung mit der arıftotelifchen Schrift
de. generatioue
et
corruptione
nicht
unwiderleglid
(ft, vielmebr einzelne Gtellen bet Stobäus
bewicfen
(f. ech phys. 1.’
+
Pe 442 — 28 nebft Berend Unmerk. pe 423.) dee cud
nod Fragmente aus einem Bude dee Ocellus neys rouou (ibid.
pe 338 sy.) auffübrt, und eine Angabe bet Sext, Emp, X. adv,
mathemat. Sect. 316., in wether Ocellus mit Uriftoreleë in Hins
fiht auf bie Zahl der Eremente oder Srundfubftangen (ovate) ale.
Úbereinftimmend ausvrédtiih angeführt wird, ebenfalls mit
jener© drift ¢inftimmia find, (f. Gale p.527. ed. Amst) fo will id
die Lcuptgedanten jener Smrıit bier beifigen. Die Welt, das Unie
berfuni — der xomgos — entftiyt und vergeht nicht — ift ewig,
wie bie Figuren, Bewegung, Beit, Clemente (ers de uns 10 are
devruiov zu tu Oynpatog xus Tyg xivagioc, zat Tu Zyurar KOE
tas «atas TOVIO riutevru Quote uytrvuros © xnquug uae xpÜaptog Stob, 1,1. p.424.) und ed ift ummöglich dap das, mas ift, aus
nichts entftebe oder in nicdté vergebe. Im der Welt aber unterfdeis
ben wie das Entftehen, und das, was des En:ftehens urfade ift,
bas was der Entftehung fähig it, ift bas Leidende und Bemegteg
bas, was bie Entftehung bewirkt, bas Ihätige und Bewegende,
Herridende und Göttliche. Die Welt theilt fih in die Region, in
welder Œntfteben und Vergehen vorberrfht, und bie Region des
Unwandelbaren. (©, oben ©. 125) Jn jene Region gehören die
allempfánglide Materie, die allen Körpern zum (Srunde liegt; dann
bie Gegenfäge, wie Kälte Wärme, Zructigkeit Trotenbeit und
endlich die Subftangen (wasaı oder die Elemente), welde -in einans
der Überaehen (uerafallorı es allmia Stob Le. p. 426.) Feuer,
Wofler, Erbe, Luft. Außer diefen vier, der fteten Veränderung unters
_ Wortenen Elementen gibt es ein fanfted , adttlihes (ası Hesov) aus
Wela em die himmlifchen Dinge befteben (f d, obige Stele des Sextus
und bei Gale), — und welches ro xuxdoquyytixoy Cope genannt wird.
Die höhere Welt wirkt auf die niedere du.d sonne und Mond. An
jedem Theile der Welt befindet fit eine höhere Gatrung befeetter
Mefen- Den Himmel bewohnen die Götter, Dämonen wohnen in
der Luft; Menfchen auf der Erde, die ebenfalls als Ganzes nidt
vergeht. Der Menfch ift das mildefte und befte unter den lebenden
Nefen. Daraus fliegen feine Pflichten. Wie das Leben bie Körper
zufammenhält un? die Geele beffen Urfad ift, fo wird die Melk
durch Dar:rcnie gufammengebalten, und ihre Urfache iff Gott; eben
fo werden Familien und Stoaten durd, Eintracht zufammengebalten,
und diefer Eintracht Urfache ift das Gefes. — Ein fpäterer Pptbagos
veer war Zimäus' aus Lolri Gpigephprit in Stalien, der nod
mit Plato umgegangen feyn (Cic. de rep, I, 20.) und Über mas
thematifhe und phufifée Gegenftände im Geifte des pythagoreif den
Syftems gefchrieben haben fol, weshalb aud) Plato feinem Dialo:e -
über die Meltfeele, nach bem Beugniffe des Scholiaften deffelken,
den Zitel Zimäus gab.
Er wird in demfelben al8 ein berühmter und
Gesheter Staatsmann und Phitofoph (Tin. p. 20. A.) gefpildent
Pagina 79
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)450 Crftes Haupt. Dritter Ab, ‘Boites Rap.
© Philolaus aud Tarent, ein eitgenoffe ves Sotraz
tes 62). Man befdubdigt biefen berühmten Mann, daft er
bie Pythagoreifchen Lehifäge der Ordensregel entgegen durch
Schriften befannt gemadt habe 62). Aein biefes Factum
wird mit. fo verfchiedenen Umftänden erzählt, daB ed nicht,
viel Glauben verdienen würde, wenn 3 atch nicht bekanntwäre, daß Zenophanes und Heraflit Kenntniß von dem Dy:
_ thagereismus ‘gehabt haben *), ehe noch ' Philolaus Schrifte
fteller fepn konnte. Die Fragmente, welde Stobäus und
- einige andere Schriftfteller und erlfalten haben, geben uns,
© ber, in der Aftronomie wWoblerfahren, fi der Forfchung Über bie Natur
ber Dinge gevoidmet habe. (ib. p. 27.) Da Plato übrigens in dice
fem Dialoge pythagoreifde Anfichten über bicfen Genenftand über:
baupt verarbeitet und mit feinen deen verwebt (vgl. Aft Leben des
Plato S. 367 f.) folecnen wir nirgends eigenthimlide Philofopheme
jenes Zimäus Eennen. ,
’
"Us.
62) Nad) Cicero de Oratore IIT. c, 34. war er ein Schuler des ältern
Ardhytas. Nad) Diogenes Laert. (der fhm Groton zur Baterftadt
gibt VILI, 84.) ein Beitgenoffe und Freund des Demofrit. (Diog. L.
JX, 38.) Nad Plato im Phaedon p. 61, D. (cap. 56.) hielt fi
Philolaus in Theben auf, wo ibn Gimmias und Gebes, wahr:
Sdjeinlid) ehe fie Schüler des Sofrates wurden, gehört Hatten. [Daz
ber fest BiEG a. a. D. ©. 5 ff. feine Lebenszeit zwifchen die 70. u,
_
95. Olympiade. In dem Verzeichriffe der Schüler des Pythagoras.
bei Samblich (de vita Pyth. c. 56.) wird er alg Schüler des Arcfas
(nad) Plutard) Urkefos, f. oben Anm. * ©, 146.), von demfelben Schrifts
feller cap. 23 u. 31. aud wieder ald unmittelbarer Schüler des Py= —
thagoras aufgeführt, was er nicht wohl feyn ann; f. aud Wpttens
bad zum Phäbon p, 130.
Buf. d. pb]
63) Diogen. Laert. VIII.
$. 15,
Tamblichua vita Pythag. XXXL
'$. 199. Plato folk. gewiffe Bücher des Philolaus (unmittelbar oder
mittelbar) gekauft haben. Gellius Noct. Attic. II. c. 17. -Dio~
genes Laert, VII. 6. &4. 85. Ill, g. Nad einem unächten Briefe
deë Lyfis an Hipparchus in Galei opuscul. inythelag. pe 756 sqqe
hatte diefer pythagoreifche Lehren Òffentlid in Gyrakus bekannt gez
madt. [Bei Porphyr vita Pyth, §.58. u, nege Tijs zo: uadnu,
emsoz. (Cf. Villoison anec. Gr. Ty JE p. 216.) heißen die erften
welche in diefer Schule gefbrieben, Lyfié und Ardippos. Bieh
vermuthet übrigens, daß jene Erzählung von bem Verlaufe Philos
laifher Schriften an Plato ein früperer Alsrandriner in Umlauf gez
feet babe; das Wahre, meint er, fdeine darin zu befteben, daf
Philolaus wirklid) zuerft ein pythagoreifches Werk herausgegeben.
batte, welches Plato las und auf feine Weife benugtes f. a. a. Os
©. 18, 21. 22.
CC
Bubb]
+) Die Stellen bes Diog. L., aus welden bief I. zu fchliepen fcheinf,
(5 B. VIN, 14), find, wie fhon der Hall. Recenfent bemerkte, aw
wave. imm
te
..
Pagina 80
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Obllofopbeme ber Dothagoreer,
wenn fie dt find *), einen benfenden Mann zu erPennen,
der, wenn er auch vielleicht nicht febr von Pythagoras. Sys
fteme abwich, doch biefes mit größerer Deutlichfeit und Grúnd:
lichkeit barzuftellen vertßte, Die Abweihung fcheint hauptfächs
‚lich barin zu liegen, ba Philolaus nicht wie die Wbrigen Pys
thagoreer von ben geraden und ungeraden Zahlen, fondern
von bem Unenblihen und Eublichen ausging, dad Unis
verfum ald ein aus beiden 3ufammengefegtes,
bad iff, als ein
Spftem von Harmonien barftellte, und damit endlid die 3abs
‚ Ienlehre verband.
.
Ales was iff, muß entweder begränzt ober unbe
grängt, oder begrangt und unbegrdngt zugleich.
feyn. Das Unbegrdngte kann aber eben fo wenig feyn,
als das blof Begrdngte, (die blope Grange.)
Alfo ift bie
Welt und alles, was fie enthält, aus dem Unbegránzten und
bem Begrängten Zufammengeorbnet 44),
7
*) f.oben G.76. Und BLG Hält diefelben für Adt, und aus dem, von
mebcern alten Schriftftelern angefüdirten Werke des Philolaus hervig=,
+ vend. (val. S.24 u. 182.) Er beftimmt den Inhalt und die Ordnung
deffelben genauer (G.27 ff.) und erklärt den Ramen Juxyau für den
allgemeinen Titel beffelben, ben man ibm fpäter gab.
A. d. H.
64) Nad Stob. ecl. phys. 3,22. p. 454, Avaysu za sovta epen
HOTA ij negasvorra HANEEQ, À MeQuivoria TÔ vur aats
ve, antiga de povor ovx av gin.
Kies towuy putvera, ovs
6x NEQALVOYIMY NaYTOY EOVTU, out’ el uneıguvy TUYTUY» dylor
. @ga, ar ex nega vorruy zoas aneıguv o Te xoupus, Kat Ta EV
evım oUraguordn. Andor Se war ta er Tous tpyous. Aug feiner
Schrift eue puoaws, welde nad Dios. L. Vill, 35. fo anfing:
pvoig de ev Tw x00u0 aQpozn € antipuy te zac HEQUYOVIRY,
nds odos xouuoc zat Tu ay adr marta. [Stobdus fceint den
Anfang volfftándiger und genauer anzuführen, als Diogenes. ©.
- Bodh ©. 45 ff. der zugleid aud richtig bemerkt, daf zrepauvorras
nicht wie Tennemann es dberfest, das Begränzte, fondern bas Be:
gtdngende ift. Eben fo muß es aud oben heißen, da die Dinge
nun weder aug lautes Begrdngenden nod aus lauter Unbegränzten
find.
dr bas este ift des Jhilolaus Grund, nad der
‚ von BiH angeführten Stelle dea Iamblih in Villaison anecdot.
gr. IL. p. 196, u. Commt, ad Nicom, p.7., der, baÿ wenn alles
unbegrängt wäre, Leine Erkenntniß möglich feyn würde. Db
aber Philolaus jene Gegenfäge aus ber bôdften Einheit (povas),
wie ed nad Syrignus (ad Aristot. Met. XIII. p. 102.) fheint, babe
hervorgehen laffen, müffen wie bei der Mangelhaftigleit der Rache
wichten bapingeftellt feyn laffer.
Buf. d. 6.)
Pagina 81
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)15% Crftes Hauprfl, Dritter Abfen. Zroeites Rap,
Ale Dinge (nehmlih), ble erkannt ‘werden, haben eine
Zahl, oder ein beftimmtes Verhältniß (œprwoc), ohne diefes
tégt fich nichts denken, nichts erkennen.
Alle Zahlen laffen
fid auf drei Klaffen zurheführens fie find entweder unge:
vabe oder gerade,
ober gerade und ungerade zus
gleich; x DB. 6, 10, bie an fic) gerade, deren Theile aber
ungerade find 65),
°
Die innere Natur der Dinge iff ewig, und nur ein Gez
genftand der göttlichen Erfenntnifs die Menfden können fie nur
durch die Harmonie faffens denn nichts wirbe von uns
‚ erfaunt werden, wenn nicht zwijchen den Beftandtheilen der Welt,
das ift, dem Endlichen und Unendlichen eine Harmonie beftin:
de *); ähnliche und gleichartige Dinge bedürfen Feiner Harmonie,
aber undhnliche und ungleichartige müfjen einer Harmonie uns
terworfen werden, wenn fie geordnet werden follen, Die Bes
_ Flandtheile der Welt find aber. ungleichartig, fie konnten daher
ohne Harmonie, auf welche Art fie auc) -entitand, nicht zu
einem zufammenftimmenden Ganzen. verbunden werden **).
C5) Stob. !1. 456. Ka navın ya pas te yervooropeva agt,
. Suov sovti. Ov yog omas te ouder our svoydy per aur”
eyywodn per arev Tauim O ya puy agiduos Eye Övo gev
bun 210), sEEQLGOUY Kas APTIOV, TQUTOY Jt an” AuGOTEOWY ui
geviwy, anttonsorrtov. (ueber diefed Geradungerade firhe aud
lamblich jatrod.
in Nicom, Arithm. p.29.
Won feiner Zahtenlehre
überhaupt f. Bidy a. a. D, ©. 137 ff. ©. 157.
Buf.-d. HJ
*) Hierher gehört aud) die von Bich, ©, 142., [erklärte Stelle bei Stob,
ecl. p. 8. nad) welder die, Zabl bag Gefrélice in der Natur, und
ohne fie fein Ding, weder im BVerhaltnif zu fid, noch das eine im
Berbältnif zum andern, erfenndar ifs indem fir die Dinge mit der
Seelerund unter einander in Uebereinftimmung bringt, nach Art des
Gnomon; und feine Unwahrbeit zuläßt. Hiermit kann in Verbinz
bung gebracht werden die Stelle des Seri. Kınp. adv. Math. Vil, ga.
wo bie durd) Wiffenfchaften (worunter befondere Viathematit zu verz
fteben; ift) gebildete Vernunft, welde die Natur der Dinge be.
tradtet, wegen ihrer Verwandtfdhaft mit derfelben., das xge—
Thysoy genarmt wird.
.
U
*) Stob. 1.1. 458. a ger sarotay rouyuatur.uidios z000 zus avro
ger a puis, Hay te aus ovx ayFounivax svdsystas yroaw
nor ya, 9 Oty ovg” osovr? no ouders Tom sovtwY vur zoo
oxopsvar vp audiv yrocInusy, un vragzovaac avras evros
tay TQUYUATOY,
+5 wy Evvcora o x0apos toy Te nepavanıory
mos TOY assem: eme, Js ts agyur vraggor ots oposs ovd
apepvios sua, 404 aduvazor ys dy was, avrars woopndnjer, es
Pagina 82
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme ber Mothagoreer.
Hler folgt nun bie Theorie von der Mufit ober ben Harmos:
nien, die er wahrfcheinfih auf bas Universum, auf dad Sys
fem ber Himmelsfdrper anwendete. Der Sinn biefer Säge
_ {ft übrigens Har genug, Das Univerfum beficht aus Stoff
und aus Form. Unter der legten verftanden fie die Beftimes
mung bed Stoffes durch Grenzen und Zahlen, wodurch bes
flimmte Größen entitehen,
Ohne diefe Form fanny nichts
erfannt werben,
Die Form der Welt, Beftimmung oder Begränzung bed
Unenblihen, ift die Wirkung des Verftandes, ber Weltfeele,
welche dg& Univerfum umgibt, unaufhörlich in Bewegung und
hatigteit, und eines Veränderung ımterworfen if. Das
Unendliche ift das immer Veränderliche, der Ein aller Verdns
berung und aller Erzeugung. Das Berdnberlihe herrfcht in
der Region von dem Monde bis zur Erde, dad Thätige in:
ber obern Region bis an den Mond. Das aus beiden Zus
fammengefegte ift die Welt. ES gibt nur eine Welt, gebitz
bet und regiert von bem Cingigen van Ewigkeit zu Ewigkeit *),
benn das immer thatige Princip in ihr ift unaufhörlih wirks
fam; 8 terende wird von demfelben daher auch unaufhörz
lid) beftimmt, und in Bewegung gefegt. Die Welt geht das
un ap; OMe ensywWEra, HTML av Toon eyevero etc. nad BödH
aas. 2. 62. Cletauy ift ter Ein: daf eine menfdlide Ere
Eenntnif von der Natur der Dinge nus in fo peru wege) ut, a.6 die
Natur, ober das Wefen, in dem Begrángenden und Unbegrdvgcer,
woraug die Welt (xoouos) befteht, vorhanden iff, und Gegenfäge
burd Harmonie verbunden werden mußten. — Die Harmonie wird
darauf von ibm gunddft in ble Octawe gefegt. Das weitere f. bei
+) Für biefe Bezeihmingen ber Gottheit, bie bei Poftolaus nur als
thatiges Prinzip oder NWeltfeele erfcheint, finde ich Teinen genügenben
Beleg in den Bruthftüden bes. Phitelaus , aud nicht in den Worten
Stob. Ecl. Phys. p. 420. add qv 0 de o x cuos sE asmvas, xa
ts afwva duaueve
tig VO EVOG TW UVYYENEN XO8 AUS
TITO zus urumegdartw xufigyayevog. Des Demiurg
in ber Stelle p. 453. deutet zu febr atf plaron. Lehre. Mehr fagt
die angeführte Stelle des Syrianus ad Arist, Met. XIII. p. 102
Deum finem et infiuitatein coustituisse und bie fpâtern Scriftftels
ler, wie Philo de mundi opificio ed. Mang. p.24, 10, U. Athenago~
res legat.} pro christ. VI. p.15. ed. Oxf, zeden'fehr beflimmt davon.
Faun werden aber aud untergeorbnete Götter angeführt, welde
turd geometrifhe Formen fombolifict werben f. Bödh a, a. Og
©, 152 und 195.- -
Pagina 83
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)154 Gefles Daupeft. Dritter Ab fen. Bweites Kap.
ber and nie unter *), ' Reine Kraft, voeder -innerhalb nod
außerhalb berfelben, fann fie überwältigen, weil fie dad Prins
tip alles Wirkend und Leidens in fid felbft hat. Die Welt.
bauert alfo immer unveränderlich fort, obgleich Dinge in ihr
- entftehen und vergehen; denn biefe werden doch dem Stoff
und ben Formen nach erhalten, indem fie durch ben Saamen :
biefelbe Geftalt dem bildenden Princip wieder barftellen 55).
Ueber bas Weltfoftem und die Oronung ber Himmelds .
Pörper findet man beim Stobdus ein Fragment, in weldem
biefe Behauptung ber Pythagoreer fo deutlid) ausgedrädt ift,
alg man fonft nirgends findet. Philolaus nehm nicht allein, wie
x
*) Philolaus fpridt, zufolge einiger Brudfticte, von einem itnters
gange der Welt duch Fever und Waffer,
fo wie von der Erndgs
zung derfelben, 3 B, Plutarch. de placit, I], 5.
Gidoduog duttyy
sivas THY pÎogur, TO per ek ovgavov nvpog o'sTog, to À el
VÜULOS oednviuxou megrurpops TOU asgos anuyudertog’ xas TOVTuv evar tag avutuuiuuis Toopag TOU xoguor. val. Stoh. ecl,
p- 4185 allein dieß bezieht fi wahrfcheinlich nur auf die Erde,
und iff dann von dem Bevidhterftatter in ben gemeinen Sprads
gebrauche von xouuo: und ovpnras ausgebrüdt; ferner verftattet
das Brubftié einen fih wedfelfeitty bedingenden Ernährungs: u.
Berflörungsprogeß eg Sroifiben anzunehmen,
A. à.
66) Stobaens Eclog. Physic. p. 420f. Diefes [von Bödh verbejferte
und ausführlich 6. 165 ff. erläuterte] Fragment ijt aus PhilolausSchrift mage yuyns genommen. Diefe Schrift ift mir aber, fo
wie diefes Granment, verbáchtig, nicht allein, weil nad) Diogenes Laert. VII. §. 35. Hecmippug berichtet, Vhilolaus babe ein
einziges Buch gefihrieben, námlid) das zegt prasus, fondern aud
wegen mander Platonifcher Ausoride, die hier vorfommen, 3. B.
evans matyg x Onusovgyos,
Was Claudianus Mar
mertus dé statu anim @ L. If. c.a u. 7. von diefem Werke, das
ec vor fid) hatte, fagt, ut eben nicht von der Act, bie Griinde
gegen die Aechtheit deffelben zu entkräften. IE es wabrfdeintid,
daf diefer Pythagoreer zu jener Zeit multis voluminibus de intel~
ligendis rebys et quid quaeque significent, obgleid) fahr dunkel, ges
handelt, oder buch uezuosissimas quacstianum minuuas wabrs
fcheintid) gemacht babe, die Seele fey unkörperlih? {Gegen diefe
Anmerkung erinnert Bôth a. a. D: ©. 30.3
€8 laffe fid dennod
eine Anficht aufftellen, bei welder man fid berubigen Eonne, ohne
die Aedhtheit jener Schrift in Zmeifel zu ziehen. Die intelligendae
res ndmlid find ibm bie unter Zahlen vorgeftellten Formen ber
Dinge, mit welden Philolaus feine Lehre von der Unkörperlichkeit bec
Seele in Verbindung bringen mußte, baber fie aud) den Laien
nothwendig duntel und fpigjindig_vorgefommen fet, Unter ber
- Serift nage yuzns verftebt aber Bich nur das britte Bud,
ver einen Abfpnitt ded philolaifden Wierks.
Buf. db. @} -
Pagina 84
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Ppilofepheme bee Pythagoreer. .
die fibrigen Ppthagoreer, ein Gentralfeuer *), fondern aud
nod in ber oberften Region ein andered Feuer an, welded
bad Univerfum umgibt. Dem Gentralfeuer räumt er den erften,
göttlichen Rang in der Natur ein, unterfcheibet e8 aber nod
von der Sonne, doch fo, Daf
er fic) wieder an das Pythas
Qoreifche Syftem anfdlop. Er behauptete nehmlich, die Sonne,
bie wir feben, fey eine gladartige heibe (vadosedng dugxog)
welche dad Licht und die Wärme von bem Weltfeuer (ed if
nicht beftimmt., ob von bem mittlern oder gbern) auffange,
und weiter verbreites e8 gebe daher eigentlich zwei, ober,
-
wenn man wolle, drei Sonnen: dad Weltfeuers die eigents
liche Sonne, die Sonne die wir feben, ein Micberfchein jeners
und bas Bild bicfer lebten in unfern Augen *). Um das
Gentralfeuer nun bewegen fid die Gegenerde, die Erde, der
Mond, die Sonne, die Planeten, und cndlid der Himmel,
oder der Kreis der Firflerne. Den oberften Theil bes umgebens ben Körperd, [Feuers] in welchem alle Elemente in ihrer Reinkeit
angetroffen werden, nennt ec den Olymp; die untere Region,
in welder bie Planeten mit der Sonne und dem Monde fich
bewegen, bie Welt (xoguog); die unterfte Gegend um die
Erde, worin die Veränderlichfeit berrft, den Himmel (ovgavog; alfo doch wohl in einer andern Bedeutung, als oben),
Sn dem gefegmäßigen Gange der himmlifchen Körper zeige
fih bie Weisheit, bei ben unregelmäßigen Begebenheiten
auf ber. Erde, bie Tugend. Die Weisheit fey aber voll:
fommener, ald die Jugend 57).
*) f. oben Anm. 95 u. 34. und über ble Weltbilbungglehre des
Pis
) aus Boddy a. a. D. S. go f . .
wp je ad
#9) Das bierauf bezüglihe Brudjtic tft bel Stob, ect. phys, p. 528.
ogt. Euseb. XV, 23. und Plutarch.{ de plac. III, 20.
Siehe aud
oben Anm. 34. BWidh a. a. À. ©. 124.
Ad. PD.
67) Stobaeus Eclog. Physic. p. 488. Vgl. oben Anmerkung 34.
mngwurov Ö’ esrar pus To peony, nege Os zovro dexu dœuora Hea
xogsusın, ovpavor, nluynrag, pes ous yliov, vm @ oednvnvs
vp n rv ynr, vp n Tnv avriydova, uE a ovgnavra To 17
doting emu TE KEVIQU Taker enszov. To MEY ovv ovwrarw MEGS
zou Megusyovtoc, 69 Q rr eLhixgsreaY Eivas TOY 030478407,
Oklvumor xale, ta de,uro zov Olvunov pogay, av u tou
seve nhavytas ned’ gliou xay athyvns tetaydos, xoupoy* to 0”
UO TOULON UnOTeLAYOY TE «os megeysiow Yigos, ww y TE tus
Pagina 85
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)456 Crftes-Haupeft. Dritter Abfdn. Bweltes Rap.
Ueber bie Seele, bie bem Körper nah Maasund Hars
monie eingepflanzt wird, und getrennt vom £ribe ein unkörs
perlides Leben in der Welt führt (Macroh, Somn, Scip. I, 14.)
wird uns nod bie eigenthimtide Behauptung des Poilolaus aufs
bewahrt, daß ses view Principe des organifden Lebens gebe (vgze Tav foo Aoyızov), das Haupt oder Gebirn für die Vernunft,
das Herz für bie Secle oder Empfindung, der Nabil für das
MWadısthum, die Gefchlechtstheile für die Beuaung. Mol. Theologumena p. 23. — Aud) leap ihm Plato im Phädon die Lehre von der
Verwerfiihleit bes Selbffhorbs in den Wund, f. meine Anmers ©
Bung zu ©. 144 — Beth bezieht auf ibn aud die in Plas
t0’8 Gorgias p. 493. A, befindlide Stelle, und ftellt damit das in
einige Verbindung, was Ariftot. Eth, Eudeinz 11, 8. über die dew
+ Menfden beherefdenden Gründe (‚Auyos xgessturig nuww) gefagt
wird.
Bufag d. DH.
Wir übergehen bier den Archytas *), weil wir von ihm
wenig Eigentpümliched wifien, und die erhaltenen Fragmente
puoustufolou yerscamg, orvgavovs
wat mert HEY TO TETRyurva
TWV HETEUOUY yiyveidub THY Copsey, segt Os Ta yrvouera THs
atakurg 179 ager, 1aÂsrar ger exerrny, aten de tavrnr. [Ge
d. Erklärung diefer Stelle bei" BIE GH, ©. og ff. ter ten odvpgrog alg bas reine Unbegrangte, xoouos als ben Snbegriff des Ges
worberen, und unter oygawos in biefer Stelle unter die Erde mit ihrer
Atmofphare verfteht. Val. Afl Leben des Plato S. 108. Ueber die
Lehre des Philolaus von der Brweaung der Geftirne, und von bem Verhältnis der Erde und Gegenerde zur Sonne und zum Gentrals
feuer inöbefondere f. Bôth a a. D. ©. u14 ff. u. feine lat. Abs
‘ bandlung, biefen Geaenftand betreffend. Das die Lehre von den
Elementen, die unter geometrifden Figuren verfinnbilbet wers
ben, betreffende Srudituc des Philolaus babe ich oben Not. 25.
berübrt.
Buf.
Hb]
*
® Achytas her Larentiner, einer der berübmteften Pythagoreer, als
Weifer, Staatsmann und Feldherv ausgezeichnet, war unftreitig
Plato's Beitgenoffe, mit dem er aud in genauer Berbindung ftand
wie die fogenannten Platonifhen Briefe wenigftens als Ihatfache
vorausfegen. Bgl. aud Diog.L VII,
79 aqy. Cie. defin. V, ay.
de Seneot, 12. Val. Max. VIE, 7. Der unfritifhe Samolid führt
ibn als Seitgenoffen des Pythagoras auf, und ftclit ihn dod aud
“mit bem. Plato zufammen, was in Verbindung mit dem falfd verz
ftandencn Beiwort zrveudvregos die Annahme eine’ Altern und
eineg jüngern Ardptas veranlaßt bat. Als Beitgenoffe des Plato
lebte Archytas ohngefähr 100 Sabre fpäter als Pythagoras, etwa
um die 96. Olymp. (400 d. Chr.) Dief fttmmt auch damit, dap er
febr viel gefdrieben Haben fol, ba doc) fonft Ppilolaug als efter
fbreibender Pythagoreer genannt wird. Ueber die angeblichen les
bercefte feiner Schriften ift oben ©. 77 f. u., 80 ff. 'gefprocen.
worden. Am volftändigften finden‘ fid) bie ibm beigelegten Frage
mente in der im Anbange angeführten Sammlung von Ueberzeften
älteres griech. Philofophie von Drei. Eine entfcheidende Eritifche
Anterfuhung über diefelben mangelt nod. Gin ibm von Claudian.
Mamert, de statu. animae Hb. I. C. 7. beigelegtes Philofophem,
Pagina 86
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)DPhllofopbeme der Pythagoreen
wiht dt fcheinen. Miele Lebrfdbe, bie darin vorfemmen, find
Platonifd und Zriftotelifch, und es- ift daher ungewif, ob
biefe nicht vielmehr vom Plato herrithren.: Noch mehrere bee
tübmte Männer werden als Schlilet ded famifchen Philofophen
aufgeführt, deren langes Verzeichniß man bei Sambid) am
Ende feiner Schrift von dem Pythagoreifden Leben lefen kann.
Unter fo vielen unbefanntèn Namen kommen auch mehrere vor,
welche nur partheiifche Borlicbe für diefe Schule und das Bes
ficeben, fie 3u erheben, dahin rechnen Fonnte (3. GB. Zamolrië,
Gharonda8). Aber fo viel ift gewiß, daß fid diefe Philofos
phie bis Zu Plato’8 Zeiten fehr ausgebreitet, daß fie auch auf
andere Philofophen, welde nicht gerade zu diefer Schule zu
zählen find, Einfluß gehabt hat. Dief gilt namentlich von
den Eleaten und don Empebofles *), der viele die Natur bes
treffende Philofopheme aus det Pthagereifhen Philofophie
nahm. Die Soppiften fanden in ihr cine erglebige Quelle
ihrer atiögebreiteten Kenntniffe. Plato und feine nächften Nache,
folgit benugten Pythagoreifhe Philofopheme. Aus Mangel
an bewdbrten Urkunden Iäßt fid nicht in allen einzelnen Fale
len beftimmt angeben, wie weit diefe Benubung ging; aber
im Allgemeinen ift e8 doch ausgemacht, daß die Pythagoreifche
Philofophie auf die Entwidelung de8 philofophifden und vore
‚züglich des mathématifhen Gelfted fehr vortheilhaft gewirkt
hat **), Nach Plato's Zeiten mußte freilich diefer wiffenfchafte| welded mit ber: auf die Welt angewandten Bablentehre des Pythas
goras übereinftimmt, babe id oben gut Anmerk. 46. angeführt,
Dap er fid) um die Mathematik febr vervient gemadt, 3. B. dur
Erfindung der’ analptifden Methode, wird allgemein gerühmt,
d
*) Porphyr. vita Pyth. $. 29. Empedokles "wird babet von mehreren
als Pythagoreer aufgeführt Diog. L. VIJL
Ad. PD.
®) Zu den berühmten fpätern Pythagoreern rechnen wit den bet
ribmten Mathematiker, Aftronomen und Arzt Eudorus aus
Knidus, welcher des Urdhytas fo wie des Plato Schüler genannt witd
(Diog. L. VII, 86.). Diether mag aud gehöten Euritbeos
welder, nad Athen. IV. p. 157, C. lehrte, daß bie Seele zur
Strafe in ben Sbrpes gebannt fey. Als die legten Altern: Pythas
aoreer führt Diog. VII, 46. bal, Iamiblich, de vita Pyth. 6. 3515
an die Schüler des Philolaus und Euryrus: Kenophilus aus
Ghalcis, Freund oder Lehrer ded Ariftorenus, f. aud Gell. noc.’
att. II, 13, Val. Max, VEL, 13. in der Mufiflepre berühmt, und
Pagina 87
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erftes Haupetid. Bierter Abfdnter,
lide Einfluß aufhôten, well ble Philofophle und alle Wiffens
fdaften in ihrer Bildung zu weit vorgertidt waren.
Ed gab
zwar noch Pythagoreer, aber fie find für die Fortbildung der
Wiffenfchaft unbedeutend geblieben; der Anfpruch auf .biefen
Namen grimbdete fih nur nod) auf ihren Lebenswandel und ihre
Sitten. Nach Chrifli Geburt lebte die pythagoreifche Schule
wieder auf, aber im einer ganz eigenen Geftalt, in welcher. fie
eine für die Wifferfchaft nachtheilige Richtung erhielt,.
Vierter Abfdnite
- Darftellung der Cleatifden Philofopheme.
Das Merfwirdigfte, wad bie Gefchichte
ber Philofophie vor.
Gofrates aufzuweifen hat, iff bas Gedanfenfyftem der, Eleatiz
Fer, welches fid) durch feine Neuheit, Kühnheit und Bünbige
Feit vor allen andern audzeichnet: Sie find die erften Denker,
welche nicht nur nad Principien geforfiht, fondern auch wirfsbie Phliafier Phanto, Diotles, Polymneftus.
utd Chrtrates, der in Plato's Pbhadon die lente Mede Des Gofrates
mittheilt, und der zu Platos Beit lebte, aber Feineéweas fein
Lehrer feyn Eonnre,
nad Cie. de fin. V, 29. — Unter ben
Frauen, welde fic der Pythagoreifchen. Schule anfdloffen, find
berühmt: Teano des Pnihagoras Gattin, nach andern des
Brontinus (Diogs L. VII, 42, Porphyr. vita Pyth.
&#.u.19. Vide
not. Luc. Holstenii et Rittershus, ad h. 4) Ein von Holftein mits
getbeilter Brief gehört ihr. offenbar nicht an, da Plates Ipeenlehre
in bemfelben erwähnt wird. Ferner Timyda, Gattin bes My
le
“Tias, und Myta, Tochter des Pythagoras Weber die Pythagoveifhen Frauen überhaupt f. Mewagii historia mulierum philosopharam §. 76, p. 499 sq. u. Fabric. Libl. gr. Lib. IL ce. Xu.
Wieland über die pyth. Frauen XXIV. Bd. feiner Merle, €.
245 fe Ueber bie ihnen beigelegsen Briefe vergl. an 5 7%
.
8
.
*) Nad Grincipien batten fchon frühere Philofopben geforfcht, aber
fie batten, ausgehend von dex empiriihen Mawhigfaltigfeit ber
lich ein’ aufgeftellt, und confequent entwidelt haben *); fie _
Pagina 88
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Dbitefophie der Jonter.
mehr Wahrfcheinlichkeit zu geben fudte, Wenn er behaups
tete, die Seele fey cine: Art Luft, fo war diefed wahrfcheins
lid) in bem Geifte der gemeinen BorftelungBart gefproden. _
Der Zufammenhang des Athembolens mit dem Leben, des Les
bens mit ben Acuferungen ber Seele, und die Bemerfung, daf
mit dem legten Athemzuge alles Leben, Empfindung und
Bewuftfeyn verfchwunden fey, veranlapte blé Meinung, die
Seele für ein luftartiges Wefen gu halten, welde von mebs
veren Philofopben behauptet wurde 29), aud in unfern Zeis
ten nod fortdauert, Um fo eher Eonnte Anarimenes die -
‚unendliche Luft für bas göttliche Wefen halten 30).
Oritter Abfhniee
Darftellung der Philofophie der Pythagoreer.
Die Gefdidte der Pythagoreifden Philofophie darzuftellen,
aft ein duBerft fcwieriges Unternehmen. Kein Theil ber
Gefbidte ift mit folden, faft untberwindliden, Schwierige
teiten verknüpft; feiner bat fo fehr mit Armuth und Reichs
bum
zu fémpfens in feinem ift der wahre Mittelmeg, der
zur Wahrheit führt, fo fewer zu finden. Diefe Gefchichte
begreift
die Philofopheme des Pythagoras und feiner Schüs
ler und erfien Nachfolger; alfo eine anfebnlihe Reihe von
Männern, die, an Grundfägen wie an Talenten: wahrfchein«
Fic fehr ungleich, dennoch durch bie allgemeine Benennung
29) Aristoteles de anima
I, c. 2. Plutarch. Stob. 1. c. Plat. Phaedo
©. 14, 29.
.
‘
30) Cic, Nat. Deor. I, c. 10. Augustin de civ, dei VIII, 2. Sto~
baeus p. 56: Avakiuavdgos anepyvato Tous ansigovs ovgarous
Seovg. Avaksusrns toy arpa.
Jes ba tnaxovew emt tow oùroc
Asyoperwy tac evosxovons Tois otOLZELOIS 7 zois Cœur Svrupets.
[ Aud) Hier gilt gum Theil das in der Rote * ©. 71. Gefagte.
Bufag b. O.]
Pagina 89
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erftes Hauptftüd, Deitter -Abidyniee.
Pythagoreer zufammengefaßt werden,
Wenn man auch ”
zugeben muß, daß fid) diefe Benennung auf etwas Gemeinfchaft:
liches gründet, welches fie in einen geiftigen Bund vereis
nigte, fo ift doch biefes felbft nicht fo im Klaren, daß man
"das Eigenthümliche, woburd fid Feber höchft wabrideine,
lich auözeichnete, mit biftorifder Schärfe davon abfondern
fonnte. Es iff daher natürlih, daß. manche eigenthim: lide Behauptungen in den allgemeinen Lebrbegriff der Pye
thagoreer aufgenommen worden find, und daf man die Ent:
flehung und nach und nad erfolgenbe Ausbildung
und Ent=
widlung des gemeinfchaftlihen Syftems biftorifh nicht ge
nau verfolgen und. begründen Fann; daß daher der Willführ
in Darftellung, Deutung und Ausfhmüdung deffelben viel
Raum gegeben ift.
Die Haupturfache diefer Schwierigkeiten
ift ber Mangel an ádten und unbezweifelten Denktmälern
Pythagoreifder Philofophie, und die Befhaffenbeit der Altern
und neuern Nachrichten von berfelben.
G6 ift zuerft ungewiß, ob Pythagoras etwas gez
frieben bat*). Das golbne Gedidt**), wenn es aud
Gittenfprüche diefes Philofophen enthält, bat doch wabrfchein:
lid) erft in fpdtern Seiten biefe Form erhalten; und fo
Tchäsbar e8 wegen feines moralifhen Inhalts it, fo wenig
giebt e8 uns doch über die eigentlide Philofophie biefes
Weifen Auffhlug. Die Briefe des Pythagoras, der
Theano, der Myia und Meliffa***) enthalten zwar
* ©, Fabricius in bibl, Gr. lib, Il. c. XII. $. 14 und lib. I,
c. 19. $. 2. Menagius ad Diog. L. VIN, 7. Cuperus
in observ. p. 280. — Diog. L. und Jamblich de vita Pythagor.
c. 28. 29» behaupten es.
A. d. 9.
“) Xpvosa exy in den Sammlungen ber Gnomifer von Glandorf (a. T.) fo wiein der von Brund. (Ueberfesung von Gleim.
Halberft. 1736. 8.) Aud mit andern Pothagoreifhen Schriften
. zufammen in Pythagorae aurea carmina, Timaeus Locrus, Ocellua
Lucanus,
Malchus (Porphyrius) de vita Pythagorae ed. Conr.
Ritterbusius.
Ald. 1610, 8,
,
Le
A. d. $.
**) Qn Gale opnsc. myth. physic, et eth. (p. 755 sq.) wo aud) bie
sphaera divinatoria de decubitu aegrotorum ab Apuleio lat. versa.
Couf, Casp. Barth advers. XXX, 7., fo wie in Socratis et Socraticorum, Pythagorae et Pythagoricorum, quae feruntur, epistolae
ed, Orellius 1816. 8.
4
Pagina 90
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)pirloyophie der Pyshagoreer.
"nichts, was fie verbachtig machte, aber ihre Aedhtheit ift
gleichwohl wenig wahrfcheinlih, ba es nicht wohl dentbar
ift, ba fic) diefe Kleinigkeiten allein aus den Zrümmern
der Beit folten erhalten haben. Wir lernen aus ihnen
auch weiter nichts, al8 ihre Verfaffer wegen ihres. reinen
und gebildeten moralifhen Sinned bewundern. Weit verz
Dachtiger iff bas Fragment der Theano beim Stobdus
(p. 302). Denn iff ed wohl wahrfcheinlich, daß fon zu
Pythagoras Zeiten feine Philofophie außer dem Bunde fo
weit auögebreitet worden fey, baÿ. Theano fagen Fonnte, fig
babe gehört, daß viele Griechen bie Pythagoreifche Lehre
von den Bablen. nicht seht verftanden, hätten?
.
Wenn. die Aechtheit ber. Schriften, welde man bem
Hcellus Lucenus*). ‚und Timéus Locrws**) beis
legt, .aus fichern Gründen Eönnte eswiefen werden, oder viels
mehr wenn nicht fo viele wichtige Zweifel Dagegen vorbans
den wären, bie fehwerlich befriedigend aufgelöft werden Fôns
nen, fo hätten wir zwei merfmürbige Ueberrefte von Pya
thagoreifcher Dhilofophie. Allein die Gründe gegen ihre
Aechheit Aber wisgenbie fitr diefelbein einem fo hohen Grave,
“daß felbft bicienigen,. welde fie ebebem für Acht hielten,
diefe Meinung zurkfgenommen haben t. So lange nicht
*) Heet tyg.t9unavrov qvoews in ber Ausgabe ber Potbagoreifden
Sdriften.von Rittershusius,in Gale opusc. myth. p.
499 ff.5
mit dem Timaeus von Batteux herausgegeben, Par. 1768. 3 Voll,
8. ; einzeln. von d'Argens, Berl. 1792. S. und gulegt von Aug.
Fr, Wilh. Rudalphi. Lips, 1801. 8
.Ueberfegt von Barkifi mit
beffen Abbandlung über ben Geift deë Dcellus in Fulleborne Beitr.
St. X. Nr. 1% ,
Xd. $.
**) Jlsou tyg tov xoouov wrns, bei Rittershusius und Gale (p. 539 f .)
f. vorbergebenbe Anmerkung; einzeln vdh d’Argens, Berl. 1763.
8. Ueberfest-von Bardili mit ‚Anmerkungen ebenfalld in Filleborns
' Beitr. St. IX. X.,
A. d.:
2) Meiners war ber ecfte, der mit {charffinnigen Gründen ihre
Aedıtheit beftritt Historia de vero Deo P. Il, p. 512 seq. Gefdidte
der Wiff. in Griehent: und RN. 1.8. ©, 594 ff., Über die Addıt=
heit einiger pothagoreifchen Schriften in dec Pilotog. Bibl. 1. B.
St. S. 204. Die Aechtheit der Schrift des Zimäus behauptete
iedemann im deutfden Mufeum 1778 Xuguft und in den älteffen
geleiden Philofopben. Im Geift d. fpeculativen Ppilof. 1. B.
89. trat er aber auf Meiners Seite. Dcellus und Zimäus er:
Pagina 91
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erftes Dauptitif. Dritter Aofdniee, .
etwas Bedeutendered "für: fie gefagt wird, weldies nicht leicht zu erwarten iff, fo lange Fann man zum wentgften
beide nicht als fihere Duellen in der Gefchichte der Philo:
fophie gebrauchen.
ö
57.
.
Uufer biefen findet man beim Stobäus, Iamblichus,
Nicomahud-und andern
nod einige Fragmente von ditern
Pythagoreern, unter benen die von Philolaus und Archytas
. vorzüglich Aufmerkfamkeit verdienen. Sie haben einen eiges
nen Charakter, ein gewiffes Gepräge des Alterthums an
fic), welches fid) fowohl’ in’ der Sprache, als in dem Fn:
halte zeigt. Die Ueberrefte bed Philolaus fcheinen dt
zu feyn, zum wenigften wird man feihen bedeutenden Grund
gegen thre Aechtheit aufbringen Eönnen. Die Sprache vers
zäth das Alterthumis die Behauptungen: find pythagoreifch,
und enthalten nichts, was nicht ein dentender Kopf diefer
Seit fonnte gefagt haben *). Die Fragmente bes Archytas
find größern Gedentlidfeiten unterworfen **). GS fommen
hielten einen neuen fdarfiinnigen Verfechter in
Barbili (Epochen
‚be D
ve EEE, Begriffe 1. Ab.) . Drs) vollftanbdige
Bergleidung ber Schrift des Lokriers mit dem Platonifden
Zimäus babe id) in bem Syftem dee Platon. Philof. 1. B.
6.93 f. Meiners und Tiedemanns Gründe nod mehr zu
befeftigen gefudt.
_:
“
'
[Aud Böch, de-platonica mundi fabrica
po XXIX. und Aft, Lcben und Schriften des Plato S..370., .halten
Diefelbenur
für einen fpdtern Auszug des platonifhen Simâus.
Do find aud nicht alle Zweifel gegen bie Aechtheit bes plato ni:
fdhen Zimäus gehoben. In jedem Falle find in beiden Sarif-
"ten Philofopheme pythagoreifdher UbEunft enthalten.
Die
Aedhtheit bee Schrift des Qeellus haben fon Friihere, wegen peri=
patetifder Lehrfäge bie man darin findet, und weil fie nicht im
borifhen Dialekte gefchrieben éft (was aber, wie fhon Bruder 1,
©. 1123. bemerkte, der Umänderung einer fpätern Hand gugefdrie:
ben werden fann) bezweifelt.
Kür die HechtHeit derfelben ftreitet
iby neuer Herausgeber Rudolphis f. vord.. Anm. Im Grunde
dreht fih hier Alles um bie fhwierige Beftimmung, was bie Aeltern
gedacht haben und was die Neuern entlebnt, oder an ihren Gedans
Een verändert haben.
.
“Bufag bd. D.]
" #) Eine genauere Forfdung über biefen Pythagoreer haben wir. feits
en duch. A. Böcdh’s
rift erhalten: Philotaus des Pythago:
veers Lehren nebft den Bruchftüden feines Werks. Berlin ne 8.
#+) Die meiften findet man gufammengeftellt in der von Orelli hers
_ ausgegebenen Sammlung (opera graecer: veter. en An:
bang.
Pagina 92
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopbie ber Pythagoreer.
in ihnen nicht nur Platonifche, fonbern auch Ariftotelifde.
Säge faft mit ben Worten diefer’ Philofophen vor?). Nun
fönnte man zwar zugeben, daß Ardytas wohl eben fo gut
um die Matonifche Philofophie habe wiffen Éônnen, ald Plato
um die Philofophie ded Archytas, weil beide nicht nur eins
ander perfönlich, Eannten, fondern auch Briefe wechfelten‘
und einander ihre Schriften zufendeten.
Allein von ben
Philofophemen des Ariftotele8 fonnte bod Ardytas gar
nichts wiffen, zumal von folden, bie auf ganz eignen Ans
fihten beruhen; wenn man nicht die febr unmwahrfcheinliche
Hypothefe annehmen will, daß beide unabhängig von einans
der auf einerlei Unterfudungen und Refultate, Famen, und
fogar diefelbeh Worte zu ihrer Darftellung wählten. Ober
follte Ariftoteles biefe Gedanken aus den Schriften des Pys
thagoreers entlebnt Haben? Diefes ftreitet mit dem Charaks
ter und dem philofophifhen Geifte diefes Mannes, der
‘wohl Gedanken feines Lehrers lin fein Syftem aufnahm,
aber mit andern Beflimmungen, in einer andern Ginfleibung. '
Und warum follte er ded Ardypta8 Lehren wider feine Ges
wohnpeit mit Teinem Worte erwähnt haben? Etwa um
midt auf die Quelle, woraus diefe Säge entlehnt waren,
aufmerffam zu machen? Aber wie Fonnte er hoffen, das .
durch feine Plünderung zu verbergen, da die Schriften des
Ardhytas nicht konnten vernichtet werden? Hierzu Fommt
nun noch, Daß mehrere philofophifde Kunftworte vorkommen,
welche man ‘in biefer Bedeutung nod nicht einmal beim
Plato findet). Endlich ift auch dief Fein unbebeutender
2) Dabin gehört die Lehre von ben Sbeen (edu) welche felbft vom
Ariftoteles dem Plato als eigenthimlith guerfannt wird. Stob. ede
Heeren p. 12, 712. Daf die Idee das Wefen dec Dinge beftimme,
daß Gott die Idee mit der Materie vereinige, Stob. p. 714. find ,
Platonijde Sige.
Daß die Materie das Subftanzielle ( overe)
fe {ft Aciftotelijd. Stob. p. 714. Eben fo dap bas wirklid) Cris
tende burd Sinne und Berftand erkannt werde, p. 724., bie
Eintheilung der Dinge in acctyra, Öokaora, eniotyta, vontıza,
und des Crfenntniforrmôgens in œmoÿmors, Joba, emornun, vous
Stobzeus p. 788. 790.
5) 3. B. doc, tly, zo te eva (ähnlich bem Aciftotellfdjen zo zs
ny wur).
œrioloyiæ, pvowodoysas
OVOIU, To Üronwperov,
napadeıyun, 81209, aysıruma. Stob. Il, ec,
Pagina 93
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erfes Hauptftid. Dritter Abfhnitt.
Grund gegen die Aechtheit jener Schrift, daß Pfatonifche
und Ariftotelifche Säge mit einander verbunden find, woraus
- einfonkretiftifhes Syftem entftanden ift 4). Wahrfiheinlich
ift alfo die Schrift wege aoywv woraus diefe Fragmente gez
nommen find, von einem fpätern Schriftffeller untergefchoben
worden, Der, um feinen Betrug defto beffer zu verbergen,
étroa8 aus Plato's und Ariftoteled Philofophie nahm, und
e8 zufanmenfchmolz, auch vielleicht damit einige Gebanfen
des Archytas verband, alles diefes aber in borifher Sprache
auffegte, um feiner Schrift bas Gepräge beb Alterthums
zu geben.
—
Kein an™ res Nefultat ergiebt fi) aus der Beurtheilung
der moralifhen Fragmente, welde Stobaus aufbewahrt, und
Gale (S. 657 ff.) zum Theil zufammengeftellt hat. In denen
des Archytas und andern findet man viele Säge der Ariftotes
lfchen Ethit mit andern, vorzüglich Platonifchen, verwebt 5).
Nun führt zwar Ariftoteles felbft einen Gedanken der Pys
thagoreer an, der mit feinen Grundfagen übereinflimmte;
allein ift e8 wohl glaublich, daß fie daffelbe Syflem oft in benfelben Ansdrien vorgetragen haben follten, fie, die fich zumal
~ mehr mit theoretifhen Wiffenfchaften, wie ed fceint, befchäf:
- 4) Go findet man p. 712 sq. bie Platonifden und Ariftotelifden Lebten von der Materie und Form mit einander vermifdt, 3. B.-ovre
TE Wort 6409 TE EYTL HMOQPUS METEUEY UTE EE AUIS, OUT pay
Tay uogge peveodar nege Tuv woLaY, add avayxacoy Etegay tie
nusv GLtLAY, Tav xvacoioar Tuv EUTO Tov ngayyaTeY ens TOY
.
5) Wohin gehört bas Brudftic bei Gale p- 674. Die Cintheilung
bee Güter à psy avra evte Dia Tavıa aipsta, ov gay de’ atepor& de Se Gregor, ov puy dia tavra. ny ouw zat toituy Ti edog
Gtsoov ayaduy, à zu Din tavtoy auperov Evi, war Oe Gregor,
Bergl. Plato de republ. IL. p. 206 — 679. agetay de tay noinav
x Bedtcoray tir Tor ahoy gegeos Tag yuyag zu” av zac 180606
tives quey deyopeda xuta to yas, oiov chevPegor, Stxaros, was
aopgoves. Die Lehre von ber Sugend, als ftreite fie mit der Ausvottung der Sinnlichkeit, ba fie nur eine Modification derfelben fey
(Gale p. 691.) fdeint aud fpâtern Urfprungs zu feyn. Die Lehre
von ber Zugend, als einem beftimmten Mittelmege zwifchen zwet
Grtremen, welde vorzüglid in ben Fragmenten des Bheages
Gale p. 690. vorkommt, ift gewiß ariftotelifeh , fo wie in ebenben:
feiben und einem Brudftice des Metopus aud Platonifde Lehr:
füge davon vorkommen. Bergl. aud) Gale p. 695-
Pagina 94
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofophle ber Pythagoreer.
tigten? Das Gemifch zweier verfchiedener Moralfufterhe, die
Einmifhung mancher Ausprüde, die nur beim Ariftoteles
vorkommen 5), die Gleichförmigfeit der Sprache in biefen
Auffägen verfhiebener Verfaffer ift immer al8 ein bebeutenz
der Grund gegen ‘die Aechtheit biefer Fragmente anzufehen
und erlaubt uns faum einen andern Gedanken, als daß fie
von einem Schriftfteler herrühren, der nah Plato und
Ariffoteles febte, und um ben Betrug zu verbergen, viels
reicht einige Gedanken von Pythagoreern mit den übrigen
vetwebte, Entfdeidender würde man gewiß davon urtheilen
innen, werm die Werke, woraus die Fragmente genome
men find, noch vollftandig erifticten.
Man fônnte und hier fedod den Vorwurf der Partheiz
lichkeit machen. Warum, könnte man fagen, follen denn Plato
und Ariftoteles allein Erfinder in ber Philofophie feyn?
Bar ihnen der philofopbifde Geift ausfchließlich zu Theil
worden? Sollte bie Natur die Pythagoreer etwa ftiefmüts
terlicher bedacht haben; fie, die doch nach Allem, was wir
von. ihnen wiffer, fo vortrefflihe Matbematifer waren, und
burd große Erfindungen ihren Ruhm auf ewige Zeiten grins.
beten? "Allein die hiftorifche Wahrheit ndthigt und zu diefem
Verfahren, fie macht uns Behutfamkeit uud Mißtrauen zur’
Pflicht, um nicht die Altern Philofophen auf Unfoften der
nenern zu erheben. Bon biefen haben wir die Denk
mäler ihrer Philofophie und ihrer Verdienfte in Schriften,
von jenen aber keines, welches über alle bifforifhe Kritik.
und Bebenklichfeit erbaben wäre. Die duperfte Bebutfam:
keit und Strenge ift baber hier um fo nôtbiger und uners
läßlicher, weil. wir fidere Beweife in den Händen haber,
6) 3. B. ra zadolov ovußeßmxora Gale p. 734. moomigesis (drs
“evru Dvator kar vapxtvos p. 669.) agern zov deovrog Erg av
Tots movxroig p. 678. Önsgßuin p. 678. 680. Te te nadsa tas
agetas Vla: mept Tuvıa yap xaı 8v tourous ui agetac p. 685. Tov
de nadewy To gev Exovoroy to 8 axoveror. xar Exovoroy psy
adorn, axovoror Je Avnu p. 680. 692. tnegBodn, ehdeupis p. 690.
à de apera es tu evts tw Öeovrog, Öroneg zur axgotag zut pe
Gotas ev9ems evre p. Ggo. 693. opPos Aoyos ps 690.
Pagina 95
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erftes Hauptftie.
Deiter Abfhnitt.
daß ben Pythagoreern Schriften find angebichtet und unters
gefdoben worden. :
" Was den erften Punct anlangt, fo berufe ich mich auf
bie Schriften des Timdus und Ocellus*). Hierzu kommt
nod ein Beweis von Arhytas Schrift, über die Natur
des Univerfums, der fo entfiheidend iff, daß nichts bas
gegen eingewendet werden Fann. Diefe Schrift wäre ein
wichtiges Aftenflüd
für die Gefchichte der Philofophie, wenn
fie dct wäre; denn in diefem Falle müßten die gewöhnlichen
Vorftelungen von dem Gange und Fortfdreiten der Philos
fopbie und von den Berbienften bes Ariftoteled ganz umge:
ändert werden. Im diefer Schrift fol nehmlich Archytas
die zehn Kategorien aufgeftelt haben, die dem philoz
fopbifhen Geijte des Ariftoteles fo viel Ehre machen. Die
Auszüge, welde daraus Simplicius in feinem Commens.
tar fiber Ariftoteles Kategorien gibt, find aber: offenbare
Beweife, daß diefe Schrift nicht vom Archytas, fonbern von
einem fpdtern Schriftfteler, der fie jenem unterfchob, hers
rührt. Denn das Ausgezogene iff mit bem, was Ariftote:
Les in den Kategorien und in andern logifchen Schriften,
in feiner Phyfit und Metaphufik fagt, gleichlautend, und
die BVerfdiedenheit betrifft bloß Auslaffungen, Zufäge ‚und
gum Theil eine andere Ordnung, 3. B. daß die Qualität
gleih auf die Subftanz folgt, daß die gemeinfchaftlichen
Merkmale und die Unterfchiede ber Kategorien zufammen::
geftellt find.
Sogar die Terminologie ift faft durdaus Ari:
ftotelifch 7). Diefe Schrift war and fhon dem Themiftius
*) Dod ift nad bem, was zu ©. 77, bemerkt worden ift, bie Bee
zufung auf diefe nicht entfheidend; aud würde mit dem
Beweife, daß diefe Schriften von den genannten Männern nit herz
rährten, ber Beweis daf fie ihnen mit Abfiht untergefhoben
worben wären, nod nicht geführt fepn.
A. d. $.
7) Davon nur einige Belege, tas te yap wara evte Ötapopar spro.
d per yap tv the, döep
, ads Gvvauporegov éx Toray. Bergl.
Metapb. VI, 5. ta gev adÂu
sy Tone naer, tov de toxoy ev undsvi.
alla obtws syov nots Tu tovTU HOTEQ TH TIQUE HOT TH -Nemeyooueva, — Physicor. EW, c. 4 — Ösoneg Ô zoovos tar zo
maganay ove sot 7 apvÒgwe war Modus 20T. où yag To per
ragpehndvdog ouw ste eote, to Oa usAlov ovdenw zor, to Os vur
au2pog zur adiaipstoy, Aug ay Unupxos zovro Hat GanFeor, —
Pagina 96
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Dftlofphte der: Pythagoreer.
verdächtig, welcher glaubte, nicht ber Dythagoreer, fons
dern ein jüngerer Peripatetifer Archytas habe fie ges
fhrieben*). Webrigens findet man jene Auszlige des Sims
plicius in der von Gamerarius unter Archytas Namen hers
auögegebenen, und im Dorifchen Dialect abgefapten Schrift:
Apyvrov pegousvor dexa xaPolixor Aoyoı (Leipzig ohne
_ Sabrzabl) nicht. Ich habe weder biefe, noch die Benezias
nijde Ausgabe sepr zov mavrog pvorog 1571. 8. zur Hand
befommen fonnen, und Bann alfo nicht fagen, ob biefe bets
den eine und :biefelbe Schrift und ob fie weniger Spuren
der Unddtheit "enthalten **)5 aber fo viel ift dod fon
Har, bag man ben Pythagoreeen Schriften angedichtet, und.
untergefdoben
‘hat, und zwar wahrfcheinlich in ben Zeiten,
da man alle verfchiebenartigen Philofophien zu vereinigen,
and die Ppthagoreifchen auf Koften anderer zu erheben’ fuchte,
bielleicht auch Thon früher, als die Bibliotheken in Werans
© bien und Pergamus angelegt, und die Schriften älterer
Veifen gefucht, und. theuer bezahlt wurden. … Mehrere diefer
Fragmente fo wie der Schriften, worans fie geitontmen.
find, rühren von’ einem Schriftfieler her, der Kenntniß ber
Physicor. IV, 14, Gt: usv ovy le que sor, A MOYES Keb Quu-
Opus, exrads
Tis ay Wranrevons TO, per yuo AUTOU YEXOXR was
0v% eOT4, To De piles Hic ouw eater cie. — Nidt allein die in
ben Kategorien vorfommenden Runftausdride, fondern aud andere,
"die HGF roabrfdetntid) Plato nicht einmal Fannte, findet man hier
"#8. Üruxstuérov, VAN, OVGLa, TTEONTLG OVTLA PH
olen; atoSnrisn, oude AMEQNS AXLYHTOS, YEVOS,
eedog (in der logifhen Bedeutung). xatapacss, anopadıy.
Sonderbar,ift es, dag Simplicius felbft die Berierfung madt, das
Wort zooi, bag fo oft in diefen Fragmenten vorkommt, fdeine
Beef} vom Plato erfunden zu feyn. Theactet. p, 134. [Uebrigens
glaubte Simplicius wirkiih, Ari floteles fey in diefer Lehre dem
Urdytas gefolgt. m «ar Aguototelys axolovdyos xat meygr tow
- OPOMATOY, kata TOUOUTOY povor, ws Öoxer tial, mapulkufag, xudodo to Ey avros ov ngoloyiferae zo tov dena megrsxtixoy.
Simplic. Comment. ia Arist. cat. f. 5, & Und Buble glaubt, Ars
Hytas habe die Kategorien erfunden. Gefd. à. Ppilof. 1, 127. -
Bufag bd. ©.]
*) &. Boethi praef. ad Arist. Categ.”
Yd. HD.
#) Bon biefer Benezianijden Ausgabe babe id trog aller Nachfors.
fdungen
eine Spur erhalten.
Aud) mein verehrter Freund
Ebert, beffen Gompeteng hierin anerkannt ift, hat miv verfidert,
daß biefe Ausgabe, wenn fie eriftive, felbft in Italien eine
allerhöchfte Seltenvelt feyn müffe.
Zenngmannd G. b. Phil. 1. Th.
>
e
Pagina 97
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Efes Haupefkic, Dlteer Abaie.
Literatur befaß, auch felbft nicht ‚ohne: philofophifcen Geit
war. Diep beweifen viele Stellen der Fragmente, von’ benen
ich nur eine aud bem angebliden Werke des Ardytas ans
führe, worin bie Anwendung ber Kategorien auf Gegenftánde
der Erfahrung, nicht au, Noumenen gelehrt wird 2).
|
Die Nachrichten von Pythagoras, feiner Ppilofophie,*)
feiner Schule, u. |. vo. nehmen in eben dem Verhdltuiffe
3u, al8 fie fid) von der Zeit entfernen, in welcher biefer merk:
wirdige Mann und feine Nachfolger lebten, und je zahlreicher
fie werden, defto mehr Abenteuerlihes, Fabelhafted, Webers
trigbened findet fic) in ihnen. Plato und Ariftotele8 wiffen
und Weniged von ben Ppthagoteern, nod weniger von dem
Pythagoras zu fagen. Der Lebte Tpricht. faft immer wut
. 8) Ener de telog yovo Ta 'Dnubevorte vos ra ‘Onpuawouera, vic
georeyouevos avPounos euninpor TO teleoy tov Aoywv auvtaypa,
« erogse
der mots-ye TOUS sepnmsvoig, its Tay Epaguoyay TOUEWY
mayıqv ove ovros G avOgumog alle 6 tis avdgumos wrrdepsrhe:
xal Yao rotor avayxa Kat TAS 70009 ae mote ‘te mes 8789 TOY
“avé avd porroy,
was mov, ers da noir war naoter war ode
was vzeiv'KaL
89 Tony NEY KoL TDXG. ŒUTOS Ös © ùvIgorros , ‘6g
Tay nowray Endeystar Onpaciay, hej Be vo Tu tts wara TOP
+ „dear, Bute vrOLOTNG svtL, ‘ovte modinos, dure Hote yegortixnwe
ezv, Dude fav more To % Fiogoiv TI, ov Oe ‘xetpevoc,
‚yo TL, “aude tv tony Hae noxa hragyorv. marta yap tavrs
puoikag ovatus ras couartexac ‘ovuBopata evt, ‘add’ ov voutag
‚ ‘RAV eKIVATOU KUL ng0s ETE aYEOQUS.
oO
ae
+)
Gé ift hier gu bemerken, bab für die Renninis und Telärundg
Pythagoreifder Lehren vornâmlid Plato, ber fih von _
mehreren Seiten an biefelben anfehloß, wie fdon Ariftoteles Aus=
brücktid bemerkt (Metaph. I, 6.) als Quelle gu benugen ft. Uebriz
‘gens hat uns bie allbeEannte giofe AnhânglidFeit der "Schule bes
* "Pythagoras
an ihren Stifter von beffen Lehre wenigtend dad
“_ Meifte zuverläßige überliefert; deni det von Krug (Geld. det
. Pil, alter Beit GS. 04.) hier eingewendete Ünterfhiedb ber eros
tetifden und efoterifden Lehre betrifft, nad ben Angaben
ber Alten, mehr Die Verfchiedenheit des CeHrvortrags und
ben Kreis ber Lehrgegenftände, als eine verfchiebene Unfidt Über
biefelben, tnd wenn Porphyrins (de vita Pythagorae §. 53.)
‚außert, biejenfgen welde Sie geheimen Lehren bes. Pythagoras bez
Yannt gemadt batten, feyen nidt wahre Sdhiler des Pythagos
vas gewefen; fo berichtet berfelbe bagegeh (§. 57.) und mit ibm
Samblidus, daß hie Pythagoreer, -beim Untergange ihrer
Säule, damit ihre Lehte nidt ganz unterginge Tics gendthigt
‘gefeben hätten, ble Haüptfäge te à nieberzufdjtelben
(Cap. 35. §. 253.)5 fo daf aud tata ur “% Befig folder Some
mentatien Lommen Tonnte {Jambl, §. 199: Diog. L. VII, 15.)
Pagina 98
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofophie ber Pythagoreer.
83
von Pythagoreern, und führt von then verféiebene Spfteme
und Erflärungen ber Philofophie an,
c
ohne ihre Urheber bes
fiimmt anzugeben, obgleich er doch im Befig mehrerer Quellen
ald bie fpdtern Schriftfteller fen; mochte, ANes biefes” (ft
bei fpätern Schriftfteern anders. Sie wiffen weit Mebres
ved, al8 biefe ditern Schriftfteller; die pythagoreifden Pots
lofopheme’ erfcheinen weit beftimmter, entwidelter, und mes
thobifhers fie nähern fit immer mehr ber Platonifchen
und Ariftotelifchen Philofophie, und fallen äuleßt faft ganz
mit berfelben zufammen.
Diefer Umftand rührt pum Theil
wohl daher, daß fo viele Schriften von Ariftoteles an, im
welden Nachrichten von ben Pythagoreetn vorfamen, von
fpätern Schriftfteleen benugt und ausgezogen Worben find,
jum Theil aber auch. daher, daß
fid bie, untergefchobenen
Gipriften vermehrt batten, und mehr in Umlauf gefommen
waren.
€3 faut In bie Augen,in welder Verlegenheit fih der
Befhläptfchreiber dabei befindet. Cs tft möglich, daß unter
ben fpätern Nachrichten manches pythagoreifhe Philofophem
vorfomme, vielleicht nut verfchönert, und. mehr ausgeführt,
Da fid: aber Fein’ genau beffimmter Mäaaßflab zur Beurtheis '.
lung der Wechtheit findet, fo ift er in Gefahr, entweder die
Gefgichte ber ganzen pothagoreifden Schule unvollftändig
nbzuhandeln, oder baë Wahre burc- viele falfhe Angaben
zu verunftalten. Das Erfte verdient in Ermangelung bes
Befferen den Vorzug. Denn es „giebt, feinen andern Aués
weg.
Bwar hat Meiners a. a D. den verdienfilichen
VBerfuch gemacht und ausgeführt, burdy fritifhe Würdigung
ber Schriftfteler *), welde Nachrichten von ber pythagos
veifchen Schule mittheilen, mehr Licht und Zuverläffigkeit in
bie Gefdhicte berfelben gu bringen; allein - für die Darftele
Nur miiffen wir bei der Darftetlung bee tebre bes Pythagore’,
immer fo viel wie möglich bas, was bie Berichte der Alten, vorziigs
Vid) bes Plato und Ariftoteles, enthalten, von ber Korm
unterfcheiden , ‘ithter, welder bie Pythagoreifthe Ppilofophie in dem
chriftlidendelle
2s
"Archien
8
*) Doch find audie tren ad 8 Gegetigriinde (in dee bibl, crit.
Vol. II. p. VI) nicht su überfehen.
US
Pagina 99
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)34 Etos Haupt, Drier Wfd, Erfles Rap,
“tung ber pythagoreifdhen Philofophie tft badurch hoch nicht
viel gewonnen *). Denn ed Fönnte wohl feyn, dap ein
übrigens fchlechter Gefchichtfchreiber doch Achte Thatfaden
und Lehrfäge aus andern guten Quellen aufgenommen, eis
guter hingegen viel Ungegriindeted und Erbichtetes,. ohne
ed zu glauben, erzählet babe, welches wir aber, ohne bie
ganze Reihe von Quellen und Schriften vor und zu haben,
Aus einzelnen Fragmenten nicht beurtpeilen Finnen, Confequeng
and Ucbereinftimmung fann aber beöwegen hiet nicht allein
gue Entfcheidung der Wahrfcheinlichkeit angewendet werben,
weil nicht von dem Gebantenfyftem Eines, fonveen Mehrerer
zu handeln iff. Wir werden, in ben folgenden Abfchnitten
bas Wenige, was. al zuverläfiig angefeben werden fanny
‚ étadblen, und uns vorzüglich davor hüten, fpätere Räfonnes
ments und Ausbildungen nicht mit ber urfprüngliden Lehre
ber Pythagoreer zu vermifchen, Die ganze Gefthidjte läße
fih am Beften unter zroei Hauptabtheilungen bringen, wos
von die Eine bas Leben und Schidfale des Pythagoras and
_ bie Einrichtung und Schidfale bes berühmten pythägoreifchen
Bundes erzählt, die ‚andere bie Philofopbie ber Pythagoreer
Refonbers, bare,
Gees Rapiteh
Leben des Pothogors und etna Bund,
Dieben Pythagoras betreffende Zeitrechnung fo wie mebs
tere Umftände feines Lebens laffen fid bei der Menge von
wiberfprechenben Rayrigten und Evbidturigen, womit feine
*) Bor sue hat Biah burd ine Unterfuhung über Philloaus,
beffen Brudftüde er für die ficherften erg
aus ber Dythagoreis
hen Schule Hält, diefen Gegenftand mit großemFleiß berührt, obs
wohl ev bier und ba bag lts und Raupplhagoneijdt miet forgfattig
werug unterfcheihgt,
Pagina 100
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Pythagoras.
Gefdbichte engefil if, nur wad wabrideintidien Gründen
beftimmen. Schwerlich wird fih hierüber etwas Gründliches
sed fagen laffen, ald was Meiners mit fo viel Gelehrs
famfeit und Scharffinn ausgefübrt hat, und wir werden
vie ben chronologifchen Beftimmungen diefes Gelehrten
folgen.
Pythagoras wurde gegen bie softe Olympiade wahr:
fheinlih *) auf der Snfel Samos unter febr günffigen Um:
fländen und mit trefflichen Talenten geboren. Diefe Infel
s
batte fid) damals zu einem hohen Grade von Wohlftand
und Gultur emporgefhwungen, und fland durch- ihten aus:
gebreiteten Handel faft mit allen cultivirten Ländernin Vers
bindung. Die Natur hatte Pythagoras mit vorzüglichen
Zalenten ausgerhftet, welches aud aus feiner ungemeinen
Bifbegierde, feinen bedeutenden Erfindungen in der Mas fhematif und feinen großen Planen zur Vereblung ber
Menfchheit erhellt. Sein Vater Mnefardhus ein begüterter
Kaufmantiin Samos (der die Steinfchneidefunft vieleicht nebens
ber aus Neigung, nicht als Gewerbe trieb), wer im Stande;
ihm Mittel zur Befriedigung feiner Wißbegierde zu verfchafs
fear), Wielleicht waren felbft die Hanbelsreifen feines Bas
ters, an welden er Antheil nahm, Veranlaffung, feine
Geiftestrdfte zu weden, Belanntfchaft mit ben gelchrteften
Männern feiner Zeit zu machen; und es iff nicht unmabrs
- fheinticy, daß er Unteritalien auf einer biefer Reifen als
das Land fennen lernte, worin er feinen, großen Plan eines
philofophifchen und politifchen Bundes am beften ausfühs
ten fonnte 2). Wenn gleich Porphyr und Jamblid in ihren:
biographifchen Rhapfodieen alles übertreiben, was zum Rubs
me und Lobe ihres Helden gereicht, fo ift bod) ihe Bericht
+) Rad Sembtié de vita pythagorica cs. in Sibon in och.
2) Porphyrius vita Pythagorse. $. 1. 5. 10. Diogenes Laert. VII,
2) Porphyrius §. 2. aus bem Sleanthes rlsoos ds vou Mynougzov ess var Fradsar, avumisvoayın vor IIv3uyoguy veor ‘ore
Senden
ovear avdamope, wai vos. Saragor CT
Pagina 101
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erfies Haupfl Dritter An. Erftes Kap,
nicht unwahrfcheinlich, daB Pythagoras nicht allein von Phes
vecydes (f. oben) und einem gewiffen Hermodamas'
in Samos, fondern aud von Shales und Anarimaus
der iff gebilbet worden. Denn warum follte nicht ber
7
Nubm diefer Männer bis nach Samos gebrungen feyn und
Pythagoras nicht eine fo Heine Neife gemacht haben, um
feine Wifbegierde durch ihre Kenntniffe zu befriedigen? Zwar
findet man in der Philofophie- des Pythagoras Feine Spur
von den Philofophemen diefer Männer; alein biefes ift Fein
Grund gegen bie Wahrheit der Thatfachez denn ed läßt fich
gar wohl denken, daß Pythagoras, ohne ihre Lehren angus
nehmen, durch fie angeregt wurde, fid einen neuen Weg zu
bahnen. Beide befchäftigten fid) mit dem Weltbau und mas
‘
thematifden Gegenftdnden, und vielleicht fchreibt fid daa
ber aud) Pythagoras vorzügliche Neigung zur Mathematik,
Hierzu kommt nod, bañ wir die Philofophie ded Pythas
_goraê viel zu wenig Fennen, alé dag man aus ihr einen
bedeutenden Einwurf dagegen bernebmen: follte 3). - Pythas
goraë unternahm, wie e8 damals bei den Gebildeten Sitte
war, Reifen in fremde Länder, wozu ihn wahrfcheinlich die
Begierde, die Kenntniffe fremder Lander zu fammeln, auch
vielleicht bie Aufmunterung ded Thales, beftimmte. Aber auch
bier ift die Uebertreibung einiger Schriftfteller fichtbar, ins
dem fie ibn nicht allein nad Aegypten und Phönicien, fons
„dern and) nach Perfien*), Indien, Judda und fogar zu
den Druiden in Gallien reifen laffen. Die Nachrichten daz
von find fo widerfprechend fowohl unter einander, ald mit ber
Bcitrehnung, und beruhen auf dem Zengniffe. fo leidtglaua
biger Schriftfteller, daß man nur die Seife nad Aegypten,
und vielleicht die nach Phönicien für zuverläßig halten fann.
Aegypten wurde nod .fpäterhin als das Land geheimer
Weisheit bereifet, und e8 (ft fich wohl denten, daß Yytha‚ gatas Phönicien, welded vielleicht bas Vaterland feines
5) Porphyrius §. 2. 21, Iamblichus $. 11.
*) genen führt aud Cicero lib. V. “de fin. und Plin. h. nm XXV.
Pagina 102
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Pythagoras.
Vaters war, auf diefer Reife nicht vorbeiging, ta e8 burch
feinen Handel, feine Manufacturen und Künfte fehr berühmt
war, Auf biefe Reifen muß er eine beträchtliche Beit
verwenbet' haben, ba er in Aegypten allein fid 22 Jahre
aufgehalten haben foll4). Dah folde Reifen für einen
Mann von philofvphifdem Geifte nicht ohne Nugen waren,
läßt fic) wohl denken; ob die Bortheile aber fo groß waren,
als fig von: einigen Schriftftellern gefdildert werden, muß
man mit Recht bezweifeln, Pythagoras foll nad) biefen
alle feine mathematifchen Kenntniffe auf diefen Reifen, und
zwar die Geometrie von ben Aegyptiern, die Arithmetik
von den Pöniciern und die Affronomie von den Chalddern
gelernt haben, Diefen Berichten widerfpricht wo nicht das
Factum, daß Pythagoras felbft wichtige Cntdedungen in
allen biefen Xheilen machte, bod) die Behauptung anderer
Schriftfteller, daß Thales und Anarimander feine Lchrer
in ber Geometrie und, Aftronomie waren, und baß die
dayptifchen Priefter entweder mit ihrer Wiffenfchaft zu fehr
fargten, oder auch nicht viel mitzurheilen hatten 5), C8
fann wohl feyn, daß einige Gelehrte unter diefen Nationen
in Rüdfiht auf diefe Kenntniffe vor ben Griechen voraus
waren, vorzüglich, die Chalbder und Aegyptier in der Beos
bachtung des Himmeld, und in ber Rechenfunft; aber wahrs
fcheinlich fehlte biefen nod die wiffenfdaftlide Form, bie
fie erft durch Pythagoras und fpätere Denker unter. den
Grieden erhielten 5). Von. mehr Bedeutung waren wohl
}
——
4) Cicera de Finib, W, ¢ 29, Porphyr. §. 11. [Nad Diogenes £.
unter ber Regierung des Amafis, weichem er burd Polykrates, fets
nen Gafifreunb, empfohlen ward.
Aufat d. H.)
-
5) Porphyrius $. 6. §. 11, Iamblich. §, 18, 19, 158, 159.
FH Diefes LaGt fih fdon daraus Fliegen, daf nad ben Zeiten bes
to, als ‘bie Wiffenfhaften in Griechenland felbft bebaut wurben,
te gelebrten Reifen nad Xegypten aufbòrten. Plato beftäciget
diefe Bermuthung burd eine Stelle, wo er fagt: daß die Grieden
die erften Clemente einiger Wiffenfchaften von Aegyptiern und
Gbatdéern erhalten, aber fle fehr vervolllommt Hatten. Epinomis
AX. B, 6.265, 266. Ed. Bip. Gr lobt bie Neanptier,baß fie bie Jugend
in dep Mechenkunft und
Mebkunft unterridten laffen, aber was er
bavon anfüyrt, feint zu beweifen, daß fie bloß medanifd getries .
den wurdt. de legib,
, 8. VUN. 384 und V. €. 2.6.
Pagina 103
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Ceftes Hauptft. Dritter Abfchn. Erftes Kap.\
tle meticinifchen Kenntniffe, welde ex in Aegypten fand;
daher fo vieles Eigene in der. Kleidung, in dem Effen und
Trinken und überhaupt,in ber ganzen Lebensart der Pythaz
goreer, was von ben ágyptifden Prieftern entlehnt zu feyn
fcheint. Ueberhaupt wurde die Argneifunde, und vorzüglich
ber biätetifche Theil von den Pythagoreern mit Fleifs betrieben.
Aud nahm Pythagoras von den dgyptifchen Prieftern Vieles
an, wads zum religiöfen Cultus und zur Einrichtung ihres
Priefterordens gebôrte 7), in welden er aufgenommen wor:
den feyn fol.
War aud Alles, was Pythagoras von ben
Agyptifden Prieftern lernte, in wiffenfchaftlicher Rüdficht von
Feiner. großen Bedeutung, und der großen Borbereitun: gen und Prüfungen nicht werth, welde ber Einweihung
in ihren Orden vorher zu gehen pflegten, fo war es hod
von großem Einfluß auf die Ausführung feiner übrigen
Swede, und verfchaffte ibm unter feinen Seitgenoffen Ansfeben, Einfluß und Ruhm*). Seine Biographen (wenn
man die Compilatoren Porphytius und Iamblichus fo nens :
nen barf) erwähnen noch einer andern Reife ducch Griechen:
land, wo
et die berühmteften Tempel befucht, und ihre Inftitute und Geheimniffe fid) bekannt gemacht habe ®).
Diefe
erfolgte, wenn fie wirklich flatt fand, und unmahrfcheinlich
iff fie wenigftend nicht, vermuthlich etwas. fpäter **).
.
engen
7) Iamblich de vn pa 6,
$. 151. Tiebemanns Geift ber fee
culativ. Philof. 1
. 7I+) Gift hier aber weniger auf ein zetne Lehren unb beren Werth
gu fében, obwohl aud einzelne Lehren des Pythagoras fremden
Urfprungs find, wie bie Lehre von ber Geelenwanderung nad
ber Gage der Alten aus Aegnpten flammf (Herodot IL), ‘fons
bern e8 iff mehr nod) auf ben orientalifchen Geift zu fehen, bec
in Pythagoras Lehre zu finden ift, und der fid in dem Symbolis
fden feiner 3ablentehre (lamblich de vita Pythagorica cap. 23.
4. §. 247. Stob. Serm, 5.), fo wie in ber ganzen Eincätung
bed gefellfchaftlichen Inftituts, welches er errichtete, ausfpricht.
. aud) loseph contra Apion. lib, I.
x.
8) Porphyria À-1. §.16.17. Tamblich. 1.1. $.25. Diogen. Laert, VIII.
++) Dod ift nicht unwahrfcheintih,, daß Pythagoras, dex bie Gefes:
ebung und Bildung bes Staats: zu feinem Augenmerte gemadt
Batte , fhon damals Greta und Lacebdmon befudst habe, um bes
Minos undperse Ginrigtungen Eennen u1 emmen ; wie aud fuatin. hist. XX,
4, bevidtet.
Pagina 104
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Pythagoras.
Nahdem Pythagoras feine große Reife beendiget hatte,
fam er, nach Ariftorenus im vierzigften Sabre, nad Samos
zurüd, und dachte nun auf Mittel, die Senntniffe, , die er
auf-berfelben erworben und durch eigened Nachdenken erweis
tert und vervollfommt hatte, unter ben Griechen zu verbreis
ten. Ungeachtet er eine Schule angelegt hatte, fo verließ
er bod) bald bie Infel nnb begab fid nad Stalien, nady
ber ‚gewöhnlichen Meinung, wegen Polykrates Herifchaft.
Wenn aber auch. biefer fein eigentlicher Æyrann nod ein
Feind der Wiffenfchaften und Künfte war, fo fonnte Doc
Pythagoras nebft andern Samiern mit Recht über die Ums
flofung ber alten. Verfaffung unzufrieden feynz; vieleicht floh
er auch bie bürgerlichen Unruhen und Kriege, welche jene:
zur Folge hatte, Und, wenn wir nicht irren, fo mußte© |
Pythagoras diefe Infel aud obnebief feinem Plane nicht
ganz angemeffen finden. Denn die Errichtung der großen Gefellfchaft in Stalien, welche andere 3wede, al8 bloß ben
wiffenfdaftliden Unterricht hatte, fheint ein Plan gewefen .
zu feyn, ben ex feit feiner Ankunft in Italien nicht aus den
Augen verlor, und ben er wahrfcheinlich weit früher gefaßt
hatte.
Diefes Unternehmen fonnte aber auf einer Infel, die
einen Alleinherrfcher hatte, nicht fo leicht, als in einem großen
zufammenhängenben, aus mehren ariftocratifchen Staaten — |
beftebenben Lande auögeführt werden. Er verließ alfo in
einem Alter von ungefähr vierzig Jahren mit einigen Ber:
trauten fein Vaterland, und bereifte, ehe er nach Italien
gelangte, noch einen Theil von Griechenland, wahrfcheinlich.
aud in ber Abficht, um fic dasjenige Land auszufuchen,
wo er mit dem beften Erfolge feinen Plan ausführen
fonnte°). Pythagoras wählte dazu Kroton, einen Fleinen,
aber mächtigen und wohlhabenden Staat in Unteritalien;
und ber Erfolg. rechtfertigte feine Wahl *). Er erhielt in
Eurzer Zeit Aufmerkfamkeit und Bewunderung; man drängte
9) Porphyrius 1.1. §. 15, 16. Yamblichus
§. $4, 26, 35.
*) Nad Cicero I. Tusc. fam er bapin untes ber Regierung deë
SZorquinius Superbus.%. d.
Pagina 105
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Crftes Hauptft. Dritter Abfhn. Erftes Kap.
fic) haufenweife hinzu, feine Vorträge anzuhören; er befam
eine Menge ber angefehenften Bürger zu Schülern, Eonnte
fid aus benfelben die geprüfteften zu einem Bunde auswähs
len, durch welden er fid) ben widtigiten Einfluß auf biefen,
und andere Staaten in Stalien-verfchaffte,
Wir müffen hier nod etwas ftehen bleiben, und fo:
wohl die Mittel betrachten, wodurch; Pythagoras biep. alles
bewirdte, al8 aud ben Swed und bie Einrichtung der be:
.
tübmten Gefellfhaft kürzlich erwägen.
Pythagores war für die damalige Beit unftreitig ein
auferorbentliher Mann. Schon fein Aeufferes, die Schöns
beit feiner Bildung, verbunden. mit Anfland und Würde,
Fündigte einen großen Geift an: Sein ducchbringenber Vers
fland, feine Beredtfamfeitz unterftüßt durch eine Menge außer:
ordentlicher Renntniffe, alles biefes fonnte zumal in einem
Lande Auffehen erregen, welches in höherer Bildung nod
ganz zurüd war, Wenn er von biefer Seite Bewuns
derung erhielt,
fo gewann ihm feine Neligiofitát und fein
würdiger Charakter auf ber andern Hodadtung und Zus‘
trauen*),
Manches Eigenthümliche und Fremde in ber
Kleidung, Lebensart und Sitte, mande Sage und Exzähs
lungen von göttlichen Gaben ber Borherfagung und aufers
ordentlichen Kräften, vielleicht von feinen ihn verehrenden
Freunden geglaubt und ausgebreitet, wirkten mit, die Aufs
merffamfeit an ihn zu feffeln, Der Gegenftand feiner dffents
lib zu Kroton gehaltenen Vorträge war die Ermahnung
zur einfachen Sitte und bie lebendige Schilderung ber fhes
gielen Pflichten befonderer Menfchenklaffen (der Pflichten dee
Männer und Weiber, Aeltern und Kinder x); the Zwe.
- war, bie Sitten zu verbeffern, bem Hange zum Lurus und.
finnliden Genuß entgegen zu wirken**), und Dagegen bas
Streben zur Bildung des Geiftes und Herzens zu entflams
») Gt efiien feinen Zeitgenoffen ala ein ann, der mit Söttern
Umgang bielt, u pflangte ben Gláuben an Umgang mit
Geiftern Jap Disinetion aud: ouf feine Schüler fort,
Vergt. lamb ich $ 1
++) Go aud bie onbe Stelle bes Juftin,
4
D
Pagina 106
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Pothagoreifdjer Bund. -
men, Seine einnehmende Berebtfamkeit, ble alle Mittel rich
tig berechnet hatte, hatte in feiner erften Anrede an die
Zünglinge erftaunliden Cindrud gemadts die Neuheit der
Sache erregte Aufmerkfamkeit, und er befam von den Obern
nit allein Auftrag, mehrere dergleichen Vorträge zu bal:
ten, fondern ihnen aud gute Rathfchläge zus Verwaltung
bes gemeinen Wefens zu geben 10),
7
"
Pythagoras hatte baburd ungemein viel gewonnen;
ex war auf dem Wege, fih alle Gewalt in bem Staate
durch die Weberlegenheit feines Geifted zu verfchaffen. Auch
war biefes ohne Zweifel fein Plan, ben ihm aber nicht Eigenz
nug, fondern fein Entbufiasmus für bas Gute eingegeben
hatte. Er fuchte nicht Durch dupere Macht, fondern burd
feinen Geift und burd die Ueberzeugung zu berifchen, er
drängte fih zu feinem Amte, er ging auf Feine gewaltfame
Veränderung in der GStaatöverfaffung aus, und wollte nur
in ben ganzen Staatölörper einen andern Geift, ein ans
DereB Lebensprincip bringen, Das einzige zwedmäßige.
Mit
tel dazu war, eine Erziehungsanftalt fir gute Birger und
eine enge Verbindung geprüfter und aufgeklärter Männer *),
10) Porphyrius L 1. $. 18, aa.
.
*) Heeren {Sbeen über bie Politik ze. ME TH. ı Abthlg. Götz
tingen 1812. ©. 430.) nimmt an, bes Pythagoras Anftitut
abe eine politifde Kendenz gehabt. „Aus dev Bergleidung
er Gefdidte der einzelnen Städte Grofgriedentands um bie Zeit
feiner bortigen Erfdeinung, heißt e& an dem angeführten Orte,
geht hervor, baB die Herrfdjaft in ben blühendften derfelben in ben
Händen von Optimaten wars gegen welde aber um eben biefe
Beit eine Volköparthei anfing fid zu bilden, beren Swifte bald
ben Untergang von Sybaris berbeifübrten. Die Parthei der Ops .
timaten bafelbft, wird bingugefegt, zoo an ber Babl, flüchtete,
von dort vertrieben, nad Kroton, und bat um Schuß, ben fie baupts
fadlid) auf ben Kath bes Pythagoras erhielt (Diod. XIL p. 77
Wechel.), Pythagoras, nichts weniger als ein Pdbelfreund, fchloß
fih an bie Optimatenparthei an, bie wieberum an ihm, dem Mann .
_ von fo glänzenden Talenten, igre Stage fand. Es war dies aber
bie Beit, wo die Ueppigteit in jenen Städten, vor allen unter ben
veihen Familien, einen nod nie gefehenen Grad erftiegen hatte,
&s fonnte einem Manne, wie ibm, nicht entgehen, baß biefes Site
tenverberbuig ben Sturz ber hercfdenden Parthei herbeiführen
miffe; und fo entftand natilid ber Gebante, feine politijde Rez
form auf eine moralifche zu gründen.”
Go-confequent biefe Anz
At if, fo wenig finde id diefelbe Dura; gefchidtlide Beugeiffe
Pagina 107
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)efkes Haupeft. Dritter Abfdn, Erftes Kap.
'
Benn man bie ganze Einrichtung biefes Inftituts dez
trachtet, welches. unter dem Namen bes Pythagoreifchen
Bundes oder der Gefellfchaft der Pythagoreer fo berühmt
worden ift, fo muß man über ben großen Geift erffaunen,
ber den Plan dazu entworfen hat... Es umfaßte nicht nur |
ben Unterricht in gemeinnüsigen Kenntniffen, fondern auch
die Bildung des Charakters; ¢8 vereinigte bie mannidfals
tigften Anftalten zur Entwidlung aller. geiftigen Anlagen, in
ben gehörigen- Abftufungen. Daher bildeten fich in biefem
Snftitute Denker, Dichter, Felbheren, Staatsmänner, und
‚überhaupt vortrefflihe Menfchen in jeder Art. Alle Mits
“ glieder lebten in der innigften Eintracht und Freundfdaft,
und dle ganze Gefelfchaft war als eine große Familie zu
betrachten, bie fi durch Frugalität und Mäßigkeit, Gereda
tigfeitéliebe, edle Wohlthätigkeit und harmonifche Bildung
bes Geiftes auszeichnete.
.
_.
Pythagoras nahm nicht alle und jebe in biefen Bund
auf, fonbern beobachtete bie Aufzunehmenden von. Seiten
ihres Charafters, wobei ihm fein fcharfes phyfiognomifches
Gefühl fehr zu flatten fam, und unterwarf fie mancherlei
Prüfungen **), Gymnaftifhe Uebungen, Befdäftigungen
x
vollfommen begrändet ; ja die ganze Ridtung ded Pythagoras und feiner Lehren, welde atd myftifd) und afcetifd) mebe nad innen dis
‘
nad außen ging, fheint mir zu bezeugen, baß fein Plan zunâchft
"|
auf die Bildung bes innern Menfden gerichtet, und baß ber
politifde Einfluß, welden ex und fein Bund gewann, nur nafürs
lide Folge feiner moralifhen Wirkfamkeit, nicht von ibm als
Hauptzwee beabfidtigt war. Zudem fdliest fic die Cinrids
tung und Berfaffung biefes Bundes mebr an die Einrichtung dex
ägyptifhen Prieftermy fterien und an ben borifchen Stam=
mesdaratter, als an bas gemôbnlide Verhältnigder Ariftofraten
in ben griedifhen Staaten an, fo daß id jenen Bund als einen
Bund der Optimaten im politifhen Sinne, feiner Abfidt nad
nicht anfeben Tann, wenn er aud am meiften auf Bildung der Optis
maten wirkte. Weit näher liegt die Anficht, welche aud mit der
- Weltanfhauung des Pythagoras zufammenhängt, baf fo wie bie "Welt ein barmonifhes Ganzes der Dinge, eine Mufif ber Sphären
"fes, diefer Bund, als ein Bund ber Freundfdaft, Eintracht und Orbz nung, biefe Harmonie der Welt, gleihfem im Kreife bes Menfde
lichen b. f. in Wiffenfchaft, Sitte und Staat barflellen und auf
die Menfchheit übertragen folite. S. auch das Folgende. A. db. H.
**) Jamblich. de vita pythagorica 5. 71. C‚KVIL $: ya. C. XVIII. sqq.
_ Gell. noct, At, 1,9.
Pagina 108
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Ppehagoreifdhee Bund,
beb Geiftes, Berathfchlagungen, Spaziergänge, Reinigungen
wechfelten mit einander jeden Tag in einer beftimmten Orbs
nung ab. Alles biefes, fo wie die fombolifchen Vorfchriften
und afcetifhen Gebräuche (wotunter die Enthaltung von
Sleifchfpeifen *) und von Bohnen die befannteften find,)
zwedte auf eine fehr heilfame Diät des Körpers und dev
Seele, auf zwedtmäßige und harmonifche Bildung des Menfchen,
Anleitung zum Nachdenken über fid) felbft, zur Selbfiprüfung,
Selbfbeherrfhung und Gleihmüthigkeit ab.
Die ganze
Gefelfdaft beftand aus mebrern Klaffen oder Graben **),
Die unterften Grade waren eine Vorbereitung zu bem höchten, |
welcher die audgefuchteften und geprüfteften Mitglieder ums
faite, denen alle Geheimniffe des Bundes und beffen ganze
Drganifation anvertraut waren. Ungeachtet der Dunkelheit, |
in welde ber legte Grab eingehilt ft, fcheinen doch die
Beheimniffe deffelben nicht fowohl gewiffe nicht mittheilbare
Dogmen, ald vielmehr den legten verborgenen Swel der
Gefellfdaft und ihren Einfluß auf die Regierung des Staaz
ted betroffen zu haben 11). “Denn hierauf zwedte bie ganze
*) lamblich 1. L 108, 109. et Rittershas, ad Porph. 55.
b. Ô.
*) Jamblich LI $.:80 sq. Hier wirb guerft der Unterfdhieb von Dos |
thagoreern,
die in völliger Gitergemeinfdaft mit einander lebz
ten, und Pythagoriften gemadt, welthe nur burd gemeinfame
wiffenfdaftlide Studien vereinigt waren. rene waren Cfoterifeé
{Dice- L. VIII, 37f.) und wurben wieder
in die drei Klaffen ber anov"
or, Sasporros, unb Deoe oder Îesonaders (lamblich, de my:steriis C. XV.) getbeilts biefe waren Groteriter und biefen aud
@xovopatsxos ober axaqvotixes; indem fie bem dogmatifden Behrs
vortrage fdweigend zuhören muften. Auf diefe Kaffe fcheint fih
aud bas auros epa vornehmlid zu beziehen, wähtend jene aud
ot genannt, einen ausführlihen und mit Grünben ents
delten Unterriht empfingen (Porphyr. §. 37. et Rittershus, ad
h. 1.). Hiecauf bezog fic) aud) bie doppelte Lehrweife, bie
dönoxalın cupBodixn und bie dueEodexy.. Sn Hinfidt auf die
Lehrgegenftände hießen fie dann srodursxor, ouxorouxos und voro
Getixnor, ceBactixos etc. Die Efoteriler aber waren
die Mitglieder
bes Ordeng, in ben man nur nad einem mehrjährigen Stillfdwels
en (own ober ayeuudın f. über bas pythbagorifde Stille
felgen Rittershus, ad Porphyr. $. 19.) eintreten Fa
.
11) M
bt
lide
Befhreibung in Meiners Gefhidte
be ner se 5 sud 3 Gap. €. 391 zeg.
>
Pagina 109
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Cefes Haupt. Dritter Hofdn. Cres Rap,
Gintibtung dev. Gefelfbaft ab*), unb felbft der Erfolg
feint diefe Bermuthung zu beftátigen.
x
Diefe Gefelifdaft Hatte einen ungemeln glüdlichen Forts
gang... ‚Nicht allein in Kroton erhielt fie eine beträchtliche
Anzahl von Mitgliedern aus den angefehenften Ständen,
fondern.‘e8 bildeten fic) auch. in Metapontum, arent und
andern Städten Großgriehenlanbs ähnliche Gefelfdaften,
welche mit der in Kroton in Verbindung ffanben. Der Pys
thagoreifche Bund erhielt nach und nach ben widhtigften Eins
flug auf bie Staateverwaltung biefer Städte, Denn Ppthar
gerad wurde nicht nur felbft in. wichtigen.„Angelegenheiten
um Rath gefragt, fondern viele Mitglieder bes Bunded was
ten angefehene Bürger und beFleibeten wichtige, Stastsänter,
. ©8 lápt fic) daher leicht denten, daß ber Bund gulegt gletche
|
fam bie Seele der ganzen Staatsmafchine wurde, indem
duch. ihn,. vermittelt ded Kinfluffes der Einzelnen, alles
beftimmt und entfchieden wurde, Die geroöhnlichen Obrige.
teiten blieben unverändert, aber ihre Gewalt war untetges .
ordnet, ihre Thatigheit erhielt eeft durch ben Bund den erften
Antrieb und die wahre Richtung. Der Bund wirkte aber
als eine unfichtbare Kraft und fein Einfluß, blieb daher vers
* borgen, und nie würde man fid vielleicht bie Mühe gegeben
haben, thn aufzuheben, wenn fi nicht eigenfüchtige Mtns
ner gefunden hätten, die, durch ben Bund gehindert, thre
Abfichten nicht erreichen tonnten. Denn der Einfluß bes
Bundes war im Ganzen für die Staaten febr bellfam, und’ gwedte auf nichtd anders, ald auf bas gemeine Befte ab,
Die gefegmäßige Berfaffung zu erhalten, Unregelmäßigfeit
und Willhht aus ber Megierung zu entfernen, bieß wat
bas Biel derfelben *2).
Diefe Gefelfchaft erregte bald Neid und Eiferfucht gegen
fi, durch welde fie endlich aufgeldft wurde. Angefehene.
Männer von zweibeutigem Charakter wurden abgewiefen, anz
bere aus eben der Urfache aud ber Gefelfhañt ausgefchloffen,
=) &, jebod) die obige Anmerkung. ©. ot.
_ 42) Iamblichus 1, 1. $. 249, 263, 264. Tustin. XX, 4.
Pagina 110
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Potpagoreifcher Bund, |
"ehe fie in ben oberften Brad lamen. . Selbft die ganze Eine.
richtung bed Bundes war gewiffetmafen eine Trennung von
bem übrigen Staatslörper. Die Mitglieder zeichneten fid
nicht allein burd bie Grundfage, fondern auch durch ihre Site
ten, Lebendweife und Kleidung aus; bie innigfte Herzensvers
eintgung und die feltenfte Freundfcaft. bildete gleichfam eine
Sdeirewand zwifhen ihnen und ben nicht Verbûndeten,
went gleich jene gegen diefe
nur alé-edle Männer handels.
ten. Swat bob ihr Einfluß auf die Regierung des gemeinen
Wefens biefe Sdheidewand gewiflermaßen wieder auf, wat
fteilte eine Art von Verbindung her,- welde in der Abs
béngigfeit det Uebrigen beftand; diefe bauerte aber nur fa
lange, alé bie größere. Menge diefe Abhängigkeit fich gefallen
ließ, und nicht von jenen- Unzufriedenen aufgewiegelt wurde.
E8 entftanben hieraus. Uneuben und Empdtungenz ein groper
Theil der Werblindeten wurde hingerichtet, die übrigen gers
freut. und verbannt. Mit ber Berftirung des Bundes -in
allen griechifch>italienijchen Staaten fing eine lange Meihe
von: verbetblichen Kriegen und Uniuben an,. welche Zulegs —
kaum buch Bermittelung: der Adder geftilt werden tonne
ten*). Diele Verfchwörung gegen ben. Orden und bie weit
auêfehenden Folgen derfelben: laffen fic) faum denken, wenn
ex Feine politijde Venbens- gehabt hätte 12). - -
\
Bo grof aber ach bie Uebereinftimmung ber Sdrifte
fellere in der Hatiptfache biefer Begebenheit ift, fo fehr wets
chen fie in Nebenumfländen ab. Daher laffen fid auch bie
. lebten Schidfale bes Stifters biefes Bundes nicht mit Ge
wißheit angeben. Denn nad einigen fand er feinen Zod,
(der and febr abmeidend, mit aberiteuerliden Umftdnden,
turd diefe wurden die
u 1.1. ig. etc.
Phpthagoreer wieder guriictgerufen. Yam=
Pooth 8
.
"x 28.
.
13) Iamblich, 35 Rap. [Nah den meiften Radeidten, war 8 bet
errfchfüchtige Cylon aus Sybaris, ber weil er vom Pythagoras
ben Bund nicht aufgenommen worden war, eine Partei gegen .
denfelben etrepte, und endlich bie in bem Haufe bes Athleten Milo -
verfammelten Schüler bed Pythagoras in beffen Abwèfenbeit, fammt
bem Haufe: verbrannte, wobei nuc wenige enttanten. Dief gefdaÿ
um 500 vor Shr …
-
Bufag d,
Pagina 111
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Œrftes Hauptft. Dritter-Abfchn. Crftes Rap.
wie fein ganzes Leben, erzählt with) in eben biefeni Auf:
ftande, der den Bund gerftdrtes nad andern entfloh er aus
— Kroton, ging nad) Metapontum und wurde dort in ei
nem ähnlichen Auffland gemordet ober entleibte fich felbft ;
* nach andern war er bei biefen Begebendeitén: nicht anwefend,
und entweber auf einer Reife oder fchon lange geftorben 14)©
Mit der größten Waıfheinfichteit fegt man feinen Tod
um die 69 Olympiade 79),
G8 iff gewagt, über ben Charakter bes Maines ‘ein
beffimmtes :Uetheil. auszufprechen, fiber welchen fo vers
febieden fdon in bem Uiterthume geurtheilt wird. Es if
vielleicht eben fo leicht, ihn als einen Mann von erhabenem
. Charakter, der aus bloem Pflichtgefühl, ohne alle eigens
_ nüsigen Rüdfichten, au ‘bem großen Plan, die 'Menfchheit
bur Sitflichfeit und Geiftesbtbung zu verebeln, feine
Kräfte aufwandte, oder als einen feinem Politifer zu filbern,
bet feinen Handlungen einen fehönen Anftrich zu leihen vers.
motte, ungeachtet die wahre Triebfeber berfelben Ehrgeiz
und Hervfchfudyt war: Go fehr für das Erfte der"änffere
Anfchein, die Wohlthätigkeit feiner Einrichtungen und Hands
lungen, und überhaupt die Wahl ber Mittel‘ zu -fprechen‘
fébeint, fo Fônnte doc) von ber- andern Seite ber Gimoutf
gemacht werben, baß man Aber die eigentliche. Tendenz feiner:
Plane nicht urtheiten. könne, weil e8 nicht: ausgemadt. fev,
ob fie in ihrem ganzen Umfange auögeführt,;ob. nicht wiebe:
mehr ber‘ Hauptzwed, den er durch feinen Bund beabfichs
tigte, ehe e8 zu bem entfbeibenden Augenblid fam, vereitelt
worden. Ungeachtet alles beffen aber, was
fid) dagegen fagenläßt, haben dod bie Gründe für den ;fttlichen GharÁtter—
bes Pythagoras ein größeres Gewicht, fo lange man bet
ber Wirklichkeit ffeben bleibt, und. nur barauf fiebt, was.
er. gethan, und wie er e8 gethan hat. Denn nach biefem
‘fdeint feine Abficht Feine andere gewefen zu feyn, als Gen
fegmäßigkeit in der Verwaltung des Staats, und Moralis
„24) Porphyrius 6. 54. und lusting l, L .
15) Meiners ©. 368. [Rad Gufebius 70 OL-4.]
Pagina 112
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)"Pptdagoreifcher Bund,
tät in dem ganzen Betragen feiner Seitgenoffen gu befärbern.
Dafür fpridt auch, dah bie Pythagoreer, auch nachdem der.
Bund zerftört war, immer denfelben Grundfägen treu bliez
ben, und daß fie die fchönften Beifpiele edler Freunde
fchaft aufftellten. Gin Pythagoreifches Leben galt baber
nog in fpdtern Zeiten eben fo viel, als ein mufterhaftes
Leben 15),
_ Die Berftörung tes Bundes war für die Staaten, tibet
welche er fich verbreitet hatte, ein großes Unglüd und Hinz
Derniß ber fortfchreitenden Gultur, abet für die Wiffenfchafs
ten entftand daraus zufdlliger Weife dod mancher Gewinn.
- So lange ald er beftand, feheinen die Mitglieder zu fehe
mit politifden Angelegenheiten befchäftiget gemefen zu feyn,’
als. daß fie vieljfür die Wiffenfchaften leiften konnten. Selbft
Pythagoras fcheint feine größten Erfindungen vor biefem
Beitpuncte. gemacht zu haben. Vielleicht war eben biefe pos
litifche Gefchäftigkeit mehr, al8 bie Sucht, Webeimniffe für
fich zu. behalten, die Urfache, daß die Pythagoreer zu ber
Beit, ald der Bund nod beftand, gur nicht gefchrieben haz
ben*). Inder Folge legten fie fib mit meht Dube auf.
bie Wiffenfchaften, fonberli bie mathematifchen, hinterliepen
bie Refultate ibres Nachdenkend fchriftlih, und trugen nicht
wenig dazu bei, daß bie Mathematit mit mehr Gli und
Sntereffe bearbeitet wurde #7),
16) Plato de Republica X. @. 203, Cebes zu Anfange bed Bemätbed,
*) Bon einem andern Standpuntte Täßt fi Tagen, baß fo lange bie
‚That mehr galt und bas lebendige Wort, und de Schüler
.
nod in einen Bund vereinigt tebten (Lömblich Ll 6. 253.) ¢8 bes
Auffdyretbens no hidt bedurfte, und biefes alé ein nothwen:
biges Hülfsmittel bee Erinnerung erft dann erfdien, alé man bie ,
theoretifd)= praftifhe Weisheit des Pythagoras bem Untergange
Æntgiepen wollte Yd. H.
27) lamblichus §. 25. Porphyrius $ 36, lamblitb. $. 250, 25%
“
Zennemanne Gels. b. PULS
Pagina 113
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erftes Haupffl. Zwelter Abfıhn. Bmeltes Ran
„Zweites Kapttek
Philofopheme ber Pythagoreer.
Pythagoras faßte bie Welt von Seiten der Zahl und
legte den Grund zu einer wiffenfdaftliden Mathemas
tif *). Wenn vor ibm aud Thales und deffen Nachfolger
nicht unwiffend in der Geometrie waren, fo erhob
fid body
ihre Kenntniß, wie eB fceint, nicht weit’ über mechanifche
Runfigriffe zur Auflöfung einiger geometrien und aftros
nomifchen Probleme. . Pythagoras erfand in der Geometrie
einige wichtige Lehrfäge **) und erweiterte die Affronomies
‚ aber. nod) mehr wirkte er für bie Arithmetit, auf welde et
“auch die Mufif’ aurhdfübrte *#*). Diefe Wiffenfchaft wurde
von ihm und feinen Schülern mit auferordentlidem Scharfe
finn und großer Sorgfalt bearbeitet, vorzüglich der Theil
welder die Berhaltniffe der Zahlen unterfucht. Man Bann fih leicht vorftellen, wie werth ihm die Arith metif wers
den mußte, weil fie ibm fo vieleB verdantte; noch wers"
ther war fie ihm wegen ihrer Anwendung auf andere Theile .
ber Mathematik „ind ‚weil fie ibm ben Schlüffel zur Ere
fenntnif ber Natur in die Hand gab. Daher fonnte Pys
thagoras mit Necht fagen: der weifefte Mann dinke ihm
der zu feyn, der den Dingen ihre Namen gegeben, und
die Zahlen erfunden haber). Denn durch die Arithmetië
fam erft Einheit und Bufammenbang a bie verfdjiedenen
Theile' bet Mathematif; fie fchten dem Pythagoras mit Redt
gleidfam bie aligemeine Größenlehre zu feyn.
j
*) Telde
TREzugleich Philofophie fen folte ©. zoen
EE 43
und
.
”) Dtbet fogenannte
pothagoreifhe Lebrfa
t
atheseos
von ihm guecft erfunden Toren, I joo! ase a
)
+) Nad Platoderep. VII, 530 D. nannten bie Fythagorser Mus
fil und Aftronomie Sdwweftern.
2) Aclianıs V. HIV. © 27. lamblch.1.1, $.82. CicerTuscal. Qu
Pagina 114
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)L
}
…— , Phflofopbeme dee Pythagoreer,
89
GS léft fich daher leicht begreifen, dap Pythagoras,
welder mit ben Philofophemen der Sonier befannt war,
und feinen Gdft vorzüglich burd Mathematif gebildet hatte,
alle Gegenftände ber Speculation aus einem neuen Gefidtés
puncte betrachtete. Denn er bradte zu ihnen gleidfam
einen mathematifdgen Verftand mit, der nicht bloß anfchauen,.
_fondern aud) meffen und rechnen, und alles Denkbare nad
feinen Verhältniffen auffaffen wollte. Und hieraus entfprang
benn eine Art mathematifder Metaphyfilf, welde
fo vielfältig mifverftanden, und bald als dad Spiel einer
träumerifchen Phantafie, und leerer Unfinn, bald als dad _
Product des tieffinnigften Denkens betrachtet worden ifl,
Beide Borftelungsarten beruhen auf Mifverftändniffen und
irrigen Vorausfegungen. Cine auf biftorifhe Urkunden ges
gründete Unterfuchung wird dad Wahre und Irrige an beiden
berauöheben, und eine ridrigere Schägung diefer Philofos.
phie lehren.
‘
Pythagoras und feine Schüler— denn, wie wir oben ©.
82. f. erinnert haben, aus Mangel an beftimmten biftorifhen .
Urkunden laffen fic die Philofopheme des Pythagoras und
ber Pythagoreer nicht genau unterfcheiden, fondern beide müfs
fen als ein Ganges betrachtet werden, — behaupteten, die
Bablen feyen bie Principe der Dinge”). Um diefen
Grandfag der Pothagoreifden Philofophie ridtig zu verfichen,
2) Die Hauptftelle ift: Aristoteles Metaphys. I, c. 5, Ey Ta tovroug
“at 7790 ToLTWY où malovusros Ilvdayogsıo Tov UEFHwatar
ayœusyoi TTOWTOL TOUTE NQONYAYOY, HUE EVIGUPENTES sv UUTOIS
"Tag touvtwy aoxas TOV OYTOY BOYaS HT TOY eLvas
RAVTWY* ETE
VE TOUFOY Ob Gord
os Pros mewtor,
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Toutous sÖoxouv Pswoery opotwpata nodka Tors
ovor Has ypuyrouevosc, maddov 7 ev TIGL sar yn NOL DATE,
- 08 To wey ToLovdı Tuv agıdumy zados Uxaıpovon » to ds tosovde
wuzn xas VOUS, ezegov Ös xargos wat twv alluv og emery EXUUTOŸ
opormg, ets Os Toy appovixov ev aprFuotg opawres nas TE TEM
«as tous loyorc, erudn ta gevolde tors ageTpals epouréto Tnv
Grow aqouoatyvas nader, os Js agGpos zauns ths puseag
APWTOL, TH TOY GOLF MOY OTOLYELA TOVONTOY CTOCL ELS
navyımy sivaruneha Bow, sar 109 olov ovgavoy aguovay
sıra, xs agiduor.
Gergl, aud Cicero Academ, Q. IV, c, 37.
Sextus Hypotyp, Ill, .§. 152. adversus Mathemat IV, §. 2 X,
248 sg Stob. ecl, ed, Heeren. 1, 289 sgqe
|
=
Pagina 115
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)100 Erftes Bauptft. Zelter Abfchn, Zweites Rap,
miiffen wir theils ben Begriff unterfuchen, den fie mit bem
Worte Zahlen CaguFuor) Verbanden, theils bie Sphäre der
Anwendung des Begriffs beftimmen.
Das griechifche Wort, durch ‚welches diefer Begriff auês
_ gebrüdt wird, ift vielbeutig, und eben darin, baf e8 meh.
vere Bedeutungen, als das deutfche Wort 3abt hat, liegt
eine Schwierigkeit für bas Berftehen der Pythagoreifden
Philofophie,
ES bedeutet nehmlich nicht allein Zahl, fons
bern aud die Größe, ein Quantum und endlid aud
Berháltniffe jeder Art. Die Bahl ift bas Schema, un:
ter welchem jede Größe gedenfbar iff. Daher ift es fehr .
begreiflih, warum in den frühern Zeiten der Pythagoreer,
wo die Begriffe nicht forgfältig genug erörtert und unter:
fdieden waren, apıduos für Bahl und-Größe gebraucht
wurde, und warum man in fpátern Zeiten die zweite Bes
- beutung durch einen Süfab (avudpos peyedog eyav) be:
flimmter bezeichntte 3), Es ift eben fo natürlich, daß biefes
Wort von den Größen : Berbältniffen auf andere Verhälts
niffe übergetragen wurde, und baher eine fymbolifdhe Bes
beutung zur Bezeichnung anderer Begriffe, als mathematifcher,
erhielt *). Alle biefe Bedeutungen Fommenin der Pythagos
zeifchen Philofophie vor. Die Beftimmungen ber Zahlen in
‚ihrem Verhältniffe zu einander betrachtet, gehören zur erften
Bedeutung; in der zweiten find die Zahlen felbft Ob»
‘jecte, Beftandtheile ber Natur; in ber britten-heißt das
Univerfum eine Zahl, das ift, ein Syftem von Ver=
hältniffen, und in der legten endlid) wird bie Gerechtigkeit,
bie Vernunft, die Seele u. f. w. dur) Zahlen bezeichnet. €8
ergiebt fifid fdon bieraus, daß die Pythagoreer dem Bee
griffe der Zahl eine weit größere Sphäre der Anwendung
gaben, als unfer Spradgebraud) veraf Er war wegen
5) Aristoteles Metaphysicor. xm c.6. exsLvos de (sc, Iudayogsioı}
- egovra (eyovras sc, apıduoug) peyedos.-
*) Aber ber Grund davon liegt-wieder in ber Natur ber Zahl,
weßhalb bie befagte Vieldeutigkeit Feinen Vorwurf gegen bes Dytha=
got Lehre enthält, vermöge deren’ alle Dinge in der Welt na
abl und Maas geovbret fi
find. Nur muß man ben fombolifden
Ghavatter des Pythagoreismus fefthalten.
Kb De,
Pagina 116
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)| Pbhilofopheme ber Pothagoreer.
feiner Bieldentigheit fo weit, daß fie alle Gegenftdnde ihrer
Nachforfhung, fomobl theoretifhe als practifche, unter dens
felben befaffen Fonnten. Hieran hatte aber auch bas tre:
ben ber Vernunft, alles unter Einheit der Principien zu
bringen, großen Antheil. .
Die Cltern Philofophen betrachteten die Gegenftände
der Erfahrungswelt unter dem doppelten Gefidtspuncte was
fie find, und wie fie entflanden find. Der erfte Gee
fibtépunct ff ben Pythagoreern eigenthimlid. Denn ’bie
Sonier unterfudten, wie die Dinge entflanden find, und
fudten ihr Wefen durch eine urfprüngliche Materie, aus.
woelder alles bervorgegangen, zu beftimmen.
Die Pythasgoreer aber betrachteten die Dinge, abgefehen von ihrer Ent: .
flehungsart, nad) ihrer Natur, und ‘auf diefe gründeten
fie erft das Syftem ihrer Erzeugung.
a
Die Pothagoreer richteten ihre Aufmerkfamfeit, wie
natürlich, guerft auf die dußern Gegenftände, und betradtes
ten fie ald Größen unter der Form der Zahlen. Sie
glaubten in den Zahlen nad) dem angegebenen Sinne, mebz
vere Beziehungen und Aehnlichkeiten mit ben Dingen, mehr
Auffchlüffe über die Natur, als in allen Speculationen und
‚Hypothefen über die materielen Grundftoffe zu finden, und
fuchten die Principien dee Dinge vielmehr. in den einfachen’
untörperlihen Beftandtheilen berfelben. Weil fie aber nod
nidt das Product des reinen Verftandes und ben Stoff
feiner. Begriffe unterfcheiben Fonnten, fo festen fie die 3ahs
len in die Objecte, machten jene zu Beftandtheilen biefer,
oder, mit andern Worten, was nur Bedingung unferer
Borftellungen von dußeren, in Raum und Zeit wabrnebme
baren Objecten iff, fahen fie als Bedingung ber Obiecte
felbft an fih an). Daher nannten
fie die Dinge felbft
Bablen CageFuoe) worunter alfo ausgedehnte Subftange —
verftanden werden, und fie lebiten, der Teere Raum fey
4) Aristoteles Metaphys. XII, c. 6. zov yag Shov avpavoy xetacxsue-
Covorw el aged pov, niyv ou povadixar, adda tas porudas ino~
. depBeprovoir exes Heysdos: c. 8. Metaphys. 1, c. 6. oide (bie
. Pothagoreer) ageFpare ewas paas avıa va sgaypata.
Pagina 117
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Grfles Hauptft. Zweiter Abfchn. Qweites Kap.
Urfade, daß biefe fein Continuum, kein zufammenhäns
gended Quantum ausmachen 5). Nur dann erft Eonnten fie
ihre Sablentheorie auf die Dinge anwenden, nachdem fie
biefe mit den Zahlen ibentificirt *) hatten, und es läßt fich
nun begreifen, wie fie fagen fonnten, die Principien ber
_Sablen find aud die Principien der Dinge **),
| Auf biefes Fundament bauten fie ihre Philofophie und Liepen
fih wenig in eigentliche phyfifalifde Specúlationen ein 5).
‚Wir werden nun zuerft ihre Zahlentheorie, und dann bie
Anwendung. diefer Principien auf die Natur und Entfichung
ber Dinge darftellen.
EE
“Die Elemente der. Zahlen find das Ungerade, (ne
girrov) und bas Gerade (aprıov), weil nehmlid alle Zah:
‘len unter bie zwei Rlaffen, gerade und ungerade, gebracht
werden Ednnen. Die Eins enthält beide Cleniente, und
Vu
x
5) Aristoteles Physic, IV, 6. [&. Juf. zu Not. 13.]
. ©) Zennemann , ber-wie aus dem Obigen erhellet, die Pythagorifde
Lehre nad Kantifden Vorausfegungen beurtheilt, bürbet |
biefer exftens das Hineintragen ber Bahl in die Dinge aufs dann
bie Meinung, daß die Zahlen ausgedehnte Subftanzen feyen; ba
bod, wenn die Zahlen in den Dingen find, wie Pythagoras bez
hauptete, oder in dfefelben, wie Tennemann meint, von ihm bine
eingetragen werben, fie gwar bie Dinge felbft mit Pythagoras, —
aber nur in Hinfiht ihres Wefend, oder ihrer wefentliden Form,
nidt fbledthin genannt, und fo mit ben Dingen zu einem und
bemfelben gemadt, oder mie Sennemann fi ausdrüdt, idens
« tificict werden Tonnen. Ariftoreles fagt in der Hier angeführten
Stelle Met. I, 6. Plato ftimme mit den Pythagoreern darin über:
ein, daf bie Zahlen die Urfaden der Subftanz aller übrigen Dinge
feven; jener aber fege bie Zahlen außerhalb der Cinnenwelt, babins
gegen bie Pothagoreev behaupteten: die Zahlen feyen bie
Dinge feloft d.i in ihnen. Anderwarts heißt es aud) I, 5. bie
Dinge feyen Nachahmung ber Zahlen. Wie hätten nun die Py:
thagoreer lehren Eönnen, daf die Babin die Urfaden ber Sub:
ftanz aller Dinge feyen, wenn fie diefelben (fdledthin) mit ben
Dingen identificict Hätten2
- QU. dB DP.
96) In der oben Not. 2. citieten hierher gehörigen Stelle heißt es
vielmehr: 1) die Principien der Matgemätit (und barunter werben
bie Zahlen vorzugsweife verftanden) find bie Principien aller Dinge,
baber Ærhnemann oben richtiger fagt: bie Zahlen find die Princis
pien
der Dinge; 2) bie Elemente (oroysa) ber Bablen find
bie Elemente aller Dinge, welder Ausbrud {pater erklärt
- wird.
6) Aristoteles Metepbysic. I, ©. 7.
Pagina 118
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme der Ppihagoreer,
_ 403
daher it fie gleichfam ber Stamm, aus welchem alle Zahlen
(wahricheinlich durch Addition) entfpringen. Die Ciné ift
felbft feine Zahl, denn jebe Zahl ift eine Mehrheit von Eins
beiten 7). Die geraden Zahlen find. unvolltommen,
unvollftändig; die ungeraden vollfommen und voll
farbig; benn.eine ungerade Zahl bringt durch Zufammens
fegung mit einer geraden immer cine ungerade, in Bers
bindung mit einer ungeraden aber eine gerade Zahl, die _
gerade hingegen burch die Zufammenfegung nie eine uns
gerade hervor.
Viele gerade Zahlen laffen fich in unge:.
“rade Hälften zerlegen, wie 10, 18, aber nie ungerade in
gleiche Hälften. Das-Ungerade ift alfo in gewiffer Rids
fiht*) etwas Unthcilbares, und beweift dadurch feinen
Rang als erftes Clement **). Eine gerade Zahl, weil fie
in zwei gleiche Hälften getheilt werden kann, hat daher Fein
Element, welches nicht zu der einen oder andern Hälfte:
‚gehörte; bei ber ungeraden hingegen bleibt immer ein Ele
ment übrig, welded beide gieiche Hälften von einander '
trennt. Die ungerade Zahl hat baber einen Anfang
Mittel, Ende; die gerade hingegen Fein Mittel. Aus
biefen Gründen hielten fie die ungeraden Zahlen für vols
Æommener, als die geraden. - Eben diefed bemeifen fie auch
7) Aristot. Metaphys. 1, c. 5. zou de oped ov OToryties to aprıoy
uae TO TEQUETOY , TOVIOV ds TO sv nentqucperor, to Ös amétgor.
to de fy dy sE augorepov giver TOUTUP, var yap AOTLOY va: xas
mıgıTToV, Tov Os agıduoy éx tov ëvos.
Diefes beitätiget Theon
Smyrnaeus Mathemat, c. 5, p. 30. edit. Bullialdi Agsotorelnc ds
ev to IIvdayooızay“ to &v puow auporeguy petexery TIG Pusews.
agin Hey 720 ngoore der HEDLETOV TEQLEL.
TEEQITTO)
oe
agtioy,
6
ovx ay nÔvvaro, eb un appow Taw paso wettige, Do var ap
* zronegtrrov xalsıadaı to év. ovupeperar ds tovtorg Kar Apyutas.
Aristoxenus bei Stobaeus Ecl, Phys. p. 16.
©) Nehmlid infofern man die Einheit als Untheitbares Fett
. **) Sh roûrde Bedenken tragen, mid) ded lebten Uusdrucs, fo wie ber
eigen Ausdrücke, ,vollftandig’ und ,,unvollftandig’ zu bedienen, um
nidt eine Borftelung, für welde wie Feine fidere Beglaubigung
finden, dem Pythagoras zugufdreiben. Kir das Beftimm tere und
Borzüglichere unter beiden wurde die ungerate Bahl angefeben ; fie
wird vielleicht eben darum bei Plutarch, Problem. 102. bie männ:
lide, babingegen bie gerade die weiblidge genannt.
Pagina 119
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)404 Gcfles Haupeft, Deitter Aofchn. Zweiter Rap. ,
durh die Gnomonen b. t. folde Zahlen, welde, mit:
andern zufammengefest, quabratifhe Zahlen geben. . Alle
ungeraden Zahlen find Gnomonen, weil fie, abdirt zu
“ben Quadrat » Zahlen, immer wieder Quadrate erzeugen,
a D. 143
— 275 4 + 5 = 873 9 + 7 = 4;
16 + 9 = 5? 8), Bieleicht berubet auf diefen Gründen
aud bie Behauptung, daf die geraden Sablen,unbe:
grenzt, die ungeraten begrengt
find 2). Denn bie Theil:
tung fteht gleidfam bei den legten ftill, und wird durch das
“eine übrig bleibende Element gehemmt. Weil nach der
Pythagoreer Anficht die ungerade Zahl Anfang, Mittel und
Ende hat, fo evfdeint fie eben deswegen als begrenzt *).
8) Stobaeus Ecl, Physic. p. 14,16. 22. 24. Arist. Ethicor, Nicom.
Le. 6. Physicor. LIL c. 4 ©. Biko. Philolaus ©. 146.
9) Aristatef, Metaphysio, 1. cl 5, (Note 7.) Physicor. IHM. ce 4. ZZUStuyogeros ta umevoy ever To agreov (pact) Tauıo yap To evaTokauSuvousvoy, xar UXO TOV sepusrov TEQUIVOUEYOY TUQEYEE
Tous ovos Tnv ansıgıav. Stobaeus Eclog. Phys. p,'aa. Die Bez
viffe bes ameıgav und wexeoacuevoy zu beftimnten, fehlt ed an
Fintingtiden Daten.
8 ift aber wabrideinlid, daß fie darunter
bas Unbegränate, Unbeftimmte, und bas Begränzte und Beftimmte
verftanden.
1
,
WW Kann der Meinung des Herrn Prof. Krug (Gef. ber Phi:
lof. alt. Zeit. ©. 95.) niht beiftimmen,
wether den Bericht bes
Sertus Empiricus über biefe Lehre des Dythagoras ‚tad weldem
die Monas und die Dyas (Einheit und Vielheit) bie Clemens
te der Zahl, und fomit aud dee Dinge find, für richtiger hält,
und jenem bes Xriftofeles vorzieht. Denn id fehe feinen Grund, ben
Bericht des viel fpätern, bem bes früheren, der reinen Pothagoreis
den Lehre näher ftehenden, und anerkannt forgfältigen Berichters
atters vorzuziehen. Daß Sertud in den angeführten von Tens
nemann fpäter berüdfichtigten Stellen, (hyp. pyrh. III, 153 —
155 und adv, math. 11, 261 — 262.), mit welden ber aus’ ders
felben Quelle fhöpfende DiogenesL, VILE, 25, übereinftimmt, gang
beftimmt von Pythagoras felbft, Ariftoteles aber nur unbes
ftimmt von Pythagoreern rebet, bürfte eher für die größere
Borfidst deg Altern Philofophben fprehen, der überhaupt felten
ben Pythagoras anführt, weil er fdon zu feiner Zeit diefe Bez
flimmtheit für unmöglich hielt. Aber beftimmter zeigt fih Arifto:
teles in 'bem übrigen Berichte, aus weldem man faft fehen Faan,
wie jene Lehre Durch Plato und beffen Schüler mobificiek wore
den if. Aviftoteles führt (mer. 1, 5.) zwei Meinungen der Py=
thagoreer an, nebmlid 1) die obige: die Elemente der Zahl feyen
bas Gerade und Ungerade, unter biefen fey das eine begrenzt
das andere unbegrenzt; bie Eins fen aud beiden, mithin zugleich
grade und ungerade; ble Bahl aber entfpringe cud dem Eins
Pagina 120
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme der Pythagorees. + 405
Die Zahlen bis zehen machen in bet becabifhen Záhlungs:
art die einfachen Elemente aud, und bie Behn iff baber bie
‘vollfommenfte Zahl, weil fie alle Einheiten begreift, und
gleichfam bas Syftem derfelben befdhlieft.
Eben biefes
Syftem im Kleinen enthält die Bier (Zetractys) weil‘
14.248
+ 4 = 10 ijt *°)*).
oo
x
(bas to pay — to de ift hier etwas zroeideutigs in ber Stelle Physic,
II, 4. aber wird das motor ganz ungweideutig dad anager ge:
nann®); 2) die Meinung anderer, mit dem Alfmäon übereinftim:
mender Pythagoreer, nach welder zehn Gegenfábe, unter wel
den fih aud Grenze und Unenblides, Ungerades und Gerades,
Eins und Vieles befinden, die Principien der Dinne feyn follèn.
Die lebteve Meinung, von welcher unfer Verfaffer fpäter handelt,
feint Ariftoteles, theits weil er fle nadftellt, theils weil er. aud
in andern Stellen nur bie erftere im Auge Hat, (fo 3. B. aud am
Säluffe des Kapitels wo bas Begrenzte und unendlide vottommt
u. Kap.7.) und vielleicht aud als die entwideltere, auf niehrern
Unterfdeidungen becubende, nicht für die herrfchende der Pythagoreer,
"u. die urfpriinglide des Pythagoras angefeben zu haben,
Indem er
nun auf Plato zu zeden fommt, und wie fid) biefer ben Pothas
goreern angefdloffen babe. (Rap. 6.) berictet, fagt ex, dap diefer
anftatt bes Unendliden ber Pythagoreer, als eines Einigen,
die Dyas gefest, indem er bas Unendlihe aus bem Großen und
Kleinen habe beftehen laffen, was ihm eigen fey. Neben dieses
materielle Drincip aber ftelie er bas Eins, alé Princip der Wefenbeit. Dief ift nun bie pythagorifd = platonifde Lehre von dee
povag und aogıqrog Övag, welde bie fpätern Pythagoreer weiter
ausbildeten, und welde fchon Sertus Empicicug vor Mugen zu haben
fdeint. (Vergl. befonders Sect. 277- adv. math.) Ganz unbes,
flimmt tritt fie nod im Philebus p.16. C, D. auf. Wahrfheintich
ift aud) der Unterfied des Einen und der Dtonas, belden die Pyz
thagoreer angaben, daß nebmlich die Monas zu dem Intelligibeln
gehöre (ev tous vonrou), die Ging aber zu den Bablen (vergl.
ben Biographen des Pythagoras beim Pgotivs p. 722. und Austin.
Mart, Cohortat. ad Graec. Sect. XVIIL) ein fpäterer Unterfchieb,
and aus Plato gefloffen (vergl. Arist. inet. 7. adm tavrovs us»
yontous aıtiorg, Tovrous Os aioFytov;), da nad Uriftoteles obis
gem Beridt die Pythagoreer bie Eins gerade für Leine Zahl ans fahen, was wenigftens von bem Ciné als Grundpringp gilt, von
weldem Ariftoteles eben bafelbft hypothetifch redet. Gang beftimmt
aber wird jene Lehre, welde @ertus am genaueften ertwidelt,
für jünger erklärt bei Stobaeus ecl, 1, g. p.20. Bergl. aud
' Arist. phys. 1, 6,
À. bd.
to) Aristoteles Metaph, 1,c.5. Plutarch.
$.
placit. Philos. I, e, 5, $- 15.
seq. Stob. Eclog. Phys. p.8. 22. [E, Bies. a. a ©. ©. 140. 146.]
+) Meber-baë Œntfishen ber Zahlen nad Potbagoreifher Anfiht raus
ten die fpätern Berichte nun fo.. Die Monas ift bas Princip ber
‚Dinge, einfach, unentftanben, ewig fid) feloft. gleid und felbfiftäns
| Dig, deffen. Begriff Eeinen andern vorausfege. (Stob, J, 5. p. 15.) :
.
Pagina 121
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)106 Erfles-Gauptf. Dritter Abfchn. Zweites Rap.
‚Man fiebt biefer Theorie thr Jugendalter an.
@8 Fann.
feyn, daß. wir nur Brudftiide berfelben haben; allein aud
diefes zugegeben, fo fällt doch das Sdwankende berfelben
fogleid) in die Augen. Nicht die Entwidlung der Verhältatiffe der Zahlen aus dem mathematifchen Gefichtöpuncte,
fondern bas Grlünfteln gewiffer Begriffe aus benfelben, um
diefer Theorie Anwendung auf äußere Objecte zu. verfchaffen,
aft der Grundfehler berfelben. Diefer verbarg fid) aber ihren
. Augen, weil fie annabmen, daß die Zahlen die Elemente der
Dinge find, und daher fchloffen fie, daß Ales, was fpecus _lativifd) von ben Zahlen ausgemadt wird, aud) von ben
Dingen gelten müffe. Sie bemerkten nehmlic nicht, daß
fie die Sablen in zwei gang verfchiedenen Bedeutungen
“nahmen, einmal als ausgebebnte Größen, und dann als
‚Schemata derfelben.
Die Begriffe der Bolfommenheit und
Unvollfommenbeit, ber: Begrenzung und Grenzenlofigkeit
find weder mathematifch nod) philofdpbifd genau beftimmt,
und man fann daher erwarten, baß bie Anwendung ders
felben auf die Natur der Dinge nur eine Spielerei mit Bes
griffen feyn werde, indem bie Zahlen leere Stellen von Bes
daher Eymbol Gottes — aus biefem Begriff entfpringt bas Eins
‚in dem Gezählten; aud diefem die zwei, die exfte gerade Bahl, die
Dahl des Mannidfaltigen’ und des Gegenfages überhaupt;. burd
" Dingufüqung der eins zu ihr entftebt die drei, ald die erfte ungerade
und vollfommne Babls burd weitere Hingufiigung entfteht die Vier:
zahl (Tetractys) ein Dauptfhmbol der Pythagoreifden Lehre, wese
balb aud die Pythagoreer bei dem fhmwuren, ber ihnen die Viergahl
wibergeben (©. Stob, ecl. p. 501. und Porphyr. de vita Pythag.
ed. Kiesling p. 49—5o. Cf. p. 165—66.)5 auf Natur bezogen
Symbol ber Naturelemente, der Jahreszeiten, Lebensalter
zc., zugleich
aber aud) Symbol ber Seele. Durch bie Vier aber wird die Zehn .
erzeugt (f. oben), — daher aud fie Tetractyd genannt wird —
(Sext. Emp. adv, math. lib. LV, 3.) . die volllommenfte Zahl,
weil fie alle Arten Bablen und Zahlenverhältniffe umfaßt — daber
aud Osxag genannt (f. Porphyr. 1. L und Sect. 52. und not. pe
250.) und man von ihr zur Einheit zurüclehrt. Diefer Bablencon=
firuction entfprechend bilden fie die Welt (Bergl. Sext. Emp. pyrrh,
hyp. Sect. UL p. 154. adv. phys. s. X, 278.) benm der Punct
vertritt ihnen die Stelle ber Einheit, die Linie bie ber Imweihrit, die
Fläche der Drribeit, der räumliche Körper entipricht der Bier. An
ben einzelnen Rorpern und ber ganzen Welt finden jie die Bablenvers
Hältniffe wieder,
wie in ben muiifalifhen Merbältniffen, welde bie .
Potbagorter quer beflimmt paken follen.
Pagina 122
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme dee Pothagoreer
griffen bezeichnen, welche auf verfchiedene Art wilführkich
- aufgefüllt werden Finnen, und ausgefüllt worden find.
Da
wir bier bie Philofophie ber Pythagoreer nach ben vorhans
benen-Urfunben barftellen, fo-müffen wir bie einzelnen Bes
bauptung eohne firengen Sufammenhang anführen, ungeadys
tet e8 nicht fchwer fenn dürfte, ein Syftem zu erfünfteln *).
Dar die Zahlen die Elemente der Dinge find, fo find
‘gud die Principien der Zahlen Principien der
‘Dinge**). Alfo das Grengenlofe und Begrenzte
find die Principien ber Dinge 11). Hierdurch wurde aber
fein befonderes Wefen gedacht, fondern diefe Principien find
*) Dan fehe die obigen Bemerkungen. Eine tiefere Kritik ber Pythae
gotifen Zahleniehre, als bier von Tennemann angebeutet wird, .
_ haben fhon im Aiterthume Uriftoteles (befonders im XI. B,
der Metaph.) und Sertus Emptr.
(pyrrh. hyp. HI, 158
sqg. und adv. phys. II, sive X, 285 sqq.) geliefert, wobei jenec
die Anfidt zum Grunde legt, daf die Potbagoreer (was wohl von ben 'Altern gilt) die Zahlen nicht von den Dingen gefcieben hätten, diefer
von ber entgegengefebten Morausfesung ausgeht und fid auf die
fpdtern bezieht. Man vergl. unfere Note ©. 104. f. Um Pnthas
goraë ridtig und billig zu würdigen, muß man vor Allem nicht aus
ben Augen laffen, daß ec bei Betrachtung der Principe der Dinge 3 uz
erft über bas Sinnlihe und Körperlihe binausging. Er fafte
. fe aber in ber Form der Zahlen, die gleidfam zwifhen dem Sinns
_ Yidhen und Ueberfinnlicken liegen und eben darum aud) die fymbolifde
. Deutung geftatten, und fand in bem durd) fie gedachten Verhaltniffe
der Dinge die vernunftmäßige Einheit und Harmonie der Welt.
Aud) entwidelten fid in feiner Schule fhon an ben Unterfchieben ber
Babl die Gegenfäse und Grundbeftimmungen ber Dinge. Allein da
bie Babl eine Form des Aeußern und gegen den Inhalt gleich
gültig ift: fo Eonnte auth eine in das Spezielle und Concrete herab:
fleigende Bezeihnung der Dinge-burd Zahlen nicht anders als wills
Eúbelid und fdwantend feynz befonders ba fid) die Bahlenverhältz
niffe wiederholen.
25.08
.
) Der Verfaffer hätte nad) dem beftimmten Ausbrude bes Ariftoteles
fagen müffen: ba die Zahlen Principien ber Dinge find, fo find aud
bie Clemente bee Zahlen Principien der Dinge. Much nennt
Ariftotele8 in ber bier ausgeführten Stelle Grengenlofes und Bes
grenztes nicht Principien ber Sahl.
.
‘A b.
11) Aristoteles Metaphys. I. c. 5. of de Iudayogeror Svo user tas
… “Cgxas xata Toy avroy EignKeOr TONTOY, TodoLTOY Se moQCdEREDE-
Guy, 5 noe idiov avtwy EOTW, OTL TO menspucutvov HAL TO ansta0 zo dv ovy frees tivas omdnoar esvas pros, olor svp
1 YRY G Te Tosovtoy Étepar add avro to amstgoy xis avro :0
är ovv Eimas zovrop WY wurnyogouvras OH wat oppor au '
tp pearar Anarrer, Physicor UL c. à.
Pagina 123
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)108 Erfles.Haupeft, Deitter Ab fn. Zweites Rop;
Beftandthelle, Prädicate ber Dinge, denen fie beigelegt wers
ben. Man barf alfo an Feine urfptüngliche Materie denten,
bie der Beit nad ben Dingen verausgegangen fey, und |
‚woraus die Dinge vermittelft einer Form entftanden wärenz
-fondern e8 follte damit, wie eS fiheint, nur das behauptet
“werden, baf die. Dinge gaviffe Beftandtheilen haben, die
als Materie, Bielheit gedacht werden, und durch Figur,
Geftalt beftimmt und begrenzt feyen.
Nur durch bas
Begrengtfeyn wird Alles, was if, ein Gegenftand
der Gr:
enntniß; wenn nicht bas Mannichfaltige fo beftimmt wäre,
daß e8 in gewiffen Berhältniffen zu einander flünde, fo Fönnte
e8 nicht als Eins b. i. nit als cin Ding gedacht wers
ben 2). Diefe Principien gelten nicht allein von jedem einzelnen
Dinge, fondern auch von dem Inbegriff gerfelben, der Welt.
Fedes Ding im Rayme (Feine andern Lommen in dem
Pythagoreifden Spiteme vor) iff von dem andern getrennt,
und von dem Leeren (xsvor) umgeben, woburd es feine
beftimmte Geftalt befommt. Das Weltall ift ebenfalls von
dem leeren Naume umgeben, der unendlich ift, d. i ,
feine beftimmte Geftalt bat, aber vielleicht fir nothwendig
erachtet wurde, um bie Welt zu begrenzen, und dadyrd zu
geftalten. Wir ftofen hier zwerft auf ben Begriff des leeren
Raumes, ben die folgenden Phyfifer zur Erkldrung der Bes wegung unentbehrlih fanden. -Die Pythagoreer brauchten
ihn, um fih bas Dafeyn getrennter Subftanzen in dem
Raume zu denten, welches freilich aud) fo lange nothwendig
ift, al8 man die ausgedehnten Gubftangen aus bem Gefichts= punct bloßer Begriffe betractet. Sie nahmen alfo einen
boppelten, leeren Raum an, einen in der Welt,
einen außer der Welt, welcher unendlid if, Gie bes
baupteten von bem lebteren, daß ihn die Welt aus bem Uns
begrenzten einziehe, wie ein Thier die Luft durch bad Aths
“men, welches wohl nur bildlich zu verftehen ift, und nichts
anders fagt, ald daß die Welf in dem außerweltlichen leeren
Raume fhwimme, und biefer allenthalben da eindringe, wo :
Hein Körper it,
Hierauf berubef aud) die Dauer ber Lora
a2) Stob. ech. phys.- p. 456. Ga, Fragment ded Philelous
Pagina 124
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)7 Philofopheme der Pthagoteer..
per, Senn wenn fie nicht durch bas Leere von einander
getrennt würden, fo würden fie nicht mehr al8 befondere
Wefen zu unterfdeiden, oder gar ‚nicht mebr.feyn 12),
Go wie die Zahlen, fo ftehen auch die Körper mit eins
ander in Verhdltniffen, welde nur durch Zahlen fags
lich gemacht werben Binnen. Die Pythagoreer verfidhen dies
fes für ‚das: Erfte nur von ben Weltldrpern, deren Sys
15) Aristote}, Physicor. IV. €. 6. (du Vall. c. 8.) farms D epaoay
- eae ob IfvSayognor xeroy, was entiouvor arto To ovgary Eu '
zov aneıgoV HYEUUUTOS we AY avanvsortt, Km To KEVOŸ, 6 Ötoilt tors pvoets, wg ovToc TOUGKEVOU, XUQISMOY TIYOS TWV epetng
“os TNS dpoguarsi. KAL TOUT
Bus MELDEN EN Tou agıduoıs,
Ta
yap xevov dtogifeer Tnv prow avtwy. Stobaeus Eclog. Phys:
p- Seo. aus einem verloren gegangenen Buche des Ariftoteles von
der potbagoreifden Phitofophie, roy ovparor svar iva, ensuoayegia: Ò Ex TOU aneipov yoovoy Te x t nvonv (ty nvon), xus TO
xsvov, ò Dtogifes ixautow tas yous aen Bol. Stob.1.1. p.388,
U, Platarch. phys. deer. II,g. Sn der erften Stelle midte id ans
ftatt der gewöhnlihen Lesart lefen: tmp ovgary ex tov ansıgov,
NVE'LO WS avanvEOrTL, KOL TO xEvay etc. Denn wir lefen nidt,
daß die Pythagoreer bas Unenbliche weiter beftimmt hätten, welches
fie aud) nicht thun fonnten, weil es ein privativer Begriff ift, der
aus bem Maume alles Pofitive wegnimmt. Aud führt AUriftoretes
Phys. fc. 4-ansspo» ohne alle weitere Beftimmung an. Man
fiepet aber aus der legtern Stelle, daß fie dad aseipor in einemdoppelten Sinne nahmen: einmal, als ben unbegrenzten leeren
Raum außerhalb der Welt; und als Materie in den Dingen felb
Das legte ift bas Gerade, oder das immer Theilbare, weldes dur:
bie Einheit oder burd) dad Ungetade beftimmt wird, und bas Wefen
der Dinge (agePuwv) ausmadt. Es if übrigens gar niht wabrs
féeintid, daf die Pythagoreer unter dem Unendliden den Aether
als göttliche, Alles butdorihgende und belebende Kraft: gedacht bas
ben, - weil es mit andern Behauptungen nicht übereinftimmt, und
“mit Feinem Blaren Beugniffe belegt werden Eann. [Der Bf. fcheint
bier auf Ziebemanns Geift der fpec. Phil.Y, 123. hinzubeuten, wets
der bas anesgov mrevpetos (nad ber gewöhnlichen
|
Lesart bei Aris
. ftotele8,) und von ben umfaffenden Aether, als dem erften Urftoff
der Welt erklärt hatte. Allein aud) unfers Werfs. Correctur ift (wie
Beh über Philolaos ©. rog. bemerkt) unnbtbig, wie aud die ans
„geführte Paralleiftelle
bet Stobaeus zeigt, und man mys, um ien:s
Dbilofophem im Sinne jener alten Zeit und einet, nat Ariftoteles Auês
brude, nod tallenden Philofophie zu faffen, bas Wilb von hem
- Æbiere fefthalten, Wie bas Bhier die Luft einathmet und
. . ‚barin-tebt, fo fdöpft nad diefem Philofopheme das Körperliche Welts
u
all (ovparos vgl. Ar. Met. I, 7.) dieFormen’
des individuellen und
an ber. Dinge, Raum (das ift hier to xavor) und
it, ober das was die Dinge, und zunächft die Bablen, von einander .
feibet, aus bem Unemblihen, hier der unbegrenzte Daud genannt.
Pagina 125
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)fem zu erforfcher,
fie mit fo gffdlidem Erfolg anfingen.
Gegründet ift biefe Behauptung nus in bem. Doppelfinne
bes Worts Zahlen *). Ihre aftronomifehen Bemerfingen vers
banften
fie wahrfcheinlich nicht diefem Sage, fondern bas
Befireben, die aftronomifden Beobachtungen und Rechnungen _
mit bem. Zablenfyftem in Webereinftimmung zu bringen, war
vielmehr bie, Beranlaffung zu bemfelben **). Natürlich) mugs
ten fie die Welt als ein großes Ganges betrachten. Diefes hatten
zwar fon bie Sonier gethan, aber nur wegen ber Einheif der
Materie, ans welder fie alle Dinge ableiteten; die Pythas
goreer hingegen fuchten zuerft den Zufammenhang und die
Berhältnifje der Theile mathematifch zu beftimmen 13),
Aus ber becadifchen Zählungsarf folgerten fie, daß es
zehn Weltförper oder Kreife geben müffe, und ba die Be,
obadtung nur neun (die Sonne, die, Erde, den Mond
6 Planeten, und den Sirfternentreis ) auftoie8, fo bichteten
fie, ihrer mathematifchen Theorie zu Liebe, nod einen, bie
“ + Gegenerde (avrıydwv) hinzu. Hatten fie auch darunz
ter nichts anders, al8 die eine Hälfte der. Erdfugel ‘verftans
ben, wie einige Ausleger behaupten, ungeachtet fich einige
nicht unerhebliche Gründe dagegen anführen laffen, fo:
fiebt
man ded) daran, daß fie ihre willführliche Theorie nur ges
zwungen mit der Natur in Uebereinftimmung, zu bringen
fuchten. ‚Diefes gilt aud zum Theil von ihrem aftroromis.
chen Syftem. . So fehr man auf der einen Seite erftaunt,
ein dem Kopernifanifdhen
fid) fo fehr näherndes Syftem fo
früh, zu finden, während viel fpätere Aftronomen
fid nicht
zu diefer sichtigern Kenntniß erheben fonnten; fo auffallend
aft es auf ber andern, daß, wie e8 fcheint, wo nicht alle,
bod einige Grünbe für jenes Syftem nur fcheinbare,. uners
‘wiefene, fpeculative Säge und Bolgerungen aaus eer)Babe
te
. *) f. oben @. 100 .
+
7
tap.
#4) Aberin biefem Streben liegt fchon bie Borauéfesung einer vernánfe
tigen Einheit. Vol. was Aciftot. Met. I, 7. über ipee |Gonftruction
bes Himmels fag :
24) Stobaens Kel: Phys.
.
p. 8, und 456. aut. 9 ane
Fsiformus Sextus advers. Mathemat. X, Dylans
Pagina 126
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)lentheorte waren. Nad) deihfelben bewegte fi) um die Sonne,
„welde den Mittelpunct bed Meltals ansmachte, bie Gegen»
erde, bie Erbe, ber Mond und dann bie fünf Planeten und
der Keeis der Birfterne. Den Haupffag, baß die Sonne
unbemeglid) in bem Mittelpuncte fteht, und-fich alle übris
gen Weltkörperum fie bewegen, folgerten fie daraus,- daß
ber Sonne, qld dem Feuer, cine ebrenvollere Stelle gebühre,
ald ber Erde; daß die Mitte und das Ende eine ehrenvollere
Stelle fey, als die zwifchen beiden. liegenden Stellen, Die
Sonne, die fie auch bas Gentrafeuer, den Heerd ded Als
und die Supiteröwache nennen, wird alfo als bas dele
der Natur durch die Kreisbewegung ber übrigen Himmelde
forper gleidfam wie von Trabanten bewacht 15). Diefe
25) Aristoteles Metaphysicor. vgl, oben Not. 2 u.4. ferner (I, 5. Mew
taph.) 20, oow 81709 Öuoloyoyuera Ôrxvuvas ev tors dguPuots zoe
Tats apgoviars 71005 Tu TOU orgavovu sradn” zt HEQEL zas 78906
“_elnv Biaxoounorr, tuvra ovvuyorrss apNOUOTTOY. Kur Et TI HOV
Öusherre, mrgooeydizorro tov ovvesgoudvny TAGE MUTgIS Sv TN :
nonyuutear,
Asya Ö olov, eneidr teluoy m Sexag sivas Öoxss
es zagar negtiÂngevar THY TOY an Iuuv pur, xaL TH F800-
geva Kara zov ovgavor ‘Ösua psy evar paas, ovtwy Js evvsot 10909
Tuy paveguy ra tovto Öexarny thy artiyPove noiovou — de Coelo
I, c 13. Ent per yap tov ueoov mvg evar paot, Tnv Os yur
Ev 109 aorgeov -ovour xvxlm PELOUEVNV. Tege TO pECOY, YUXTO-KUEnusgay score. stu 3° evarvtiay allnv tavty xatacxevefovar Zn,
179 ,avııydova ovouse xalovor, ov 005 Ta pawonsva Tos lo
yous «ar Tag Arets Lntourtts, adda moos twas dokag- zor loyore
avrov za payvousva meoselxovtec, as nSQMOL GUyKOOpEY.
modo Ö’ av nas ezegoug avvdobeuw,
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. pecov zwgar anodidovat, TO MIOTOY. OUM 5% | TOY. pawogeven
@îgovorr, aile pallov xas ex Tuv loywys zp yap Tuuututre osovrar TEOSHXELY THY vusorarny vragzer yoouy> ema de TU
gev pms Tuutwtepore to de mepus tay petaty. to ds eoyarop xas
„to HEGOY, sapase
Ogre en toUTOY avaloytbousvor OUx oLoytas
ens Tov uecou uote 175 oppas ovens, alia alloy to vg.
em 3° ov ye. Hudayopsiı xaos dea To gadsora mpocnnay pvlarzeodas 10 xupiorcetoy Tov maytos: ‘to 0a psoow sivas TOLOUTOY8 Aios pvlaxnry ovopagovor, To taviny 8709 Tnv yogay TRUG.
soorsp To usoov Markus Às/ouaroy, 866 TO. TOU HEYEDOUS peCoY,
KEL TOU TOUYUËTOS OY HEUOY KA TNS PUGEWG.
enri bie Pythas ©
goveer unter ber Gegenerde nichts als bie Hälfte ber Erotus
gel verftanden hätten, fo liefe es fid faum benfen, wie fie jener _ bie erfte, dev Erbe felbft die zweite Bahn um die Sonne hätten Bets
Legen finnen, zumal wenn fie, wie aud ber zweiten Stelle des Aris
ee t, wo.aud von dem Tags und Nadtwedfel die Rede
bie Umibrebung ber Erbe um ihre Ure Eannteu. Mad bem. D his
Pagina 127
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)413 Erftes Hanpıfl, Dritter Abfn. Rweiltes Rap,
Mettkörper bewegen fid) um bas Gentralfetter.-nach gerofffen:
barmonifhen Verhältniffen, woraus die Sphdrenmufit
entfteht. Diefer Gedanke ift bas gemeinfame Product einer
figendliden Fübnen Einbildungsfraft und der fuftematifirens
‘ ben Vernunft. Nachdem nehmlid Pythagoras die Entbedung
© gemacht hatte, bas. der call dur die Erfchütterung ber
Luft entfiehe, wenn
. zwei Körper an einander ftofen, und
- RAB die Verfchiedenheit des Schals von der Schnelligkeit
der Erfchlitterung und der Quantität, der Maffe abhänge,
nachdem ex fetner: die Vethdltniffe der Ιne zu einander
mathematifch beftimmt hatte *), trug er biefe Theorie auch
&uf die Weltkörper über. Seder berfelben, behauptete er, bringt
" durch feine Bewegung einen eignen Ton hervor. Diefe Tine
der verjchiedenen Weltkörper fliehen in Verhältniffen zu ein
ander; woraus ein großer Weltaccord entfleht. Dem Eins
Würfe, daß die Menfchen diefe MWeltmufit nicht hören, bes
-gegnete er durch die fcharffinnige Gemerfung, dap fie. vor
Geburt an daran gewöhnt werden, und, weil fie’ ununterz
broden fortbauert, fie nicht vernehmen Eönnen £5),. wie man
ben Ton nur im Gegenfa ber Stille vernimmit.
+ — Bir finden in der Pothagoreifden Philofopbhie nod eine
andere, ebenfalls willführliche Anwendung ber Zahl Zehn,
bie aber infofern merkwürdig ift, als fie etwas Aehnlides
+ Lotaué Platarch. phys. decret. III, c. 11. war bie Gegenerde nicht
allein der Erde entgegengefebt, fonbern bewegte fih aud um das
‘
“= Gentralfeuer fo, daß fie der Erde entgegengefest blieb, und daber
“nie gefehen werben fonnte. (SG. Bip a. a. O..G. 114 ff.] Diefes
un feint aud Wriftotetes zu beffätigen de Coelo I, 13. ad
°°: odot gev pds ere tov pedov sachar paow autny, xiveodus da
xuxha rept TO uecoy* ov povoy de Tavımv, alla xas zip arıı-
ZFova, xaGaneg europen mgoteppv. aviois Oe Öoxei xaos shew
7" owpara toravra svdezeodar qagscFas mept to ueoov, Huy Ca
“”__aÖnda Sus tyy smreos Tor Ins yns- : [hud von Plutacd im
' Suma vgl. de plac. 1,15. wird die Sebre von ber Kreiëbemegung
* — beep Erde um das Gentralfener ben Pythagoreern zugefchrieben.
“'*) Bgl. Stob. ech p. 460, u. BSG a. a. D. &, 66 ol %. 61ÿ.
=" 16) Aristoteles de Qoclo IE, c°g. qurepoy — ore za, TO pavar pi
PEOPAL pepoperavuopoviar, ws ovpporov pevoperav tory.
oper KopPws HEY eLpHTaL Kas HEP TTS UNO TOY BTOYTWY OÙ
“+ pay cure yap exer to alndss, etc. Cic.Somnium Scip. c, 5, et
Macrob, Comment
: lik, 1, Plin Histor. Nat LE c. 22. :
Pagina 128
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme der Pythagoreer.
113
. bon einer Tafel ber Kategorien enthält, AlEmdon, ein
jüngerer Zeitgenoffe des. Pythagoras, hatte behauptet, daß
alle mannichfaltige Dinge, welche die Menfchen Pennen, zweis
fad), bas ift von ber Art feyen, daß fie unter eine von
goei entgegengefegten Glaffen gebracht werben Fônnen, 3. B.
gut ober böfe, groß oder Mein." EB lag hierin bie richtige
Bemerkung eines Gefehed des Denkens, nur Fonnte e8 Alls
méon nod nicht in feiner Reinheit auffaffen, und, die Abs
firaction vollenden. Gin Gefeh des Denkens ward daber al8
Gefeg der Dinge, die gedacht werden, ausgebrüdt. Dod
wat ed jener Eigenfchaft gang angemeffen, wenn er bie ents
gegengefebten Klaffen ber. Zahl nad unbeftimmt lief 17),
Einige Pythagoreer hingegen fuchten bdiefe Gegenfäge als
Principe ber Dinge zu beftimmen, und nabmen deren
Zehn an, weil nach ihrer Anficht die Zahl Zehn bas Babs
Lenfoftem vollendet enthielt. Sie ftellten alfo zehn Begriffe
mit ihren Gegenfagen ohne Princip auf, indem fie die bes
Fannteften und gemeinften Cinthellungen der Dinge, wenn
glei von ganz heterogener Art, zufammenfaßten.
Es wären
folgende:
. 27) Aristoteles Metaphysie, I.'c. 5. ezegoe de roy œurwy vovrwv Tag
agzas dexa Aeyovoı eas tas zara ovoroigiar Asyousvag — Gy~
EQ ToOTOY soixe war Adxpowy 6 Koarwrinzng vnolaßey zus
ror oÙrog rap” ser, 7) eneuvos TOR TOUTOU nagehdpor Toy
doyov tovtoy. — anspyvato de magandjowe Tovrass' puut yap
esvardvo ta nohde Tuy ur ounevay, Ayur tag evar—
-TIormtag, Oy greg oùzor Ömpisuevag, all tag Tuyovoas, oloy
devxor, pelay, yhuev, mixgov, ayaÿor, xaxov, mixgoy, Ley
de
otros pay our adtogrotag Emeggupe megs toy downey, où de Liv
+ Jayoquor xat woe: Kat tives at EVUYTIUOES anepyvarto. [Krug
Gefd. der Phil. alt. Zeit ift im Srrthum, wenn er bem AlEmdon
die zehn Doppelbegriffe beilegt, da gerade in diefer Stelle gefagt
wird, XlEmäon habe Feine beftimmten Gegenfäße angegeben,
… Wie die übrigen Pythagoreer. Uebrigens ift aus diefer Stelle aud
Diog. L. VIII, 83. zu erklären, wo eö heißt: dvo ta zodda sore
tov avFouniwor. Alles Viele in ben menfdliden Dingen ift groei,
b. i. beruht auf bem Gegenfage.. Buf. d. H.] Ee tft wabrideintia,
baf die Pythagoreer erft nad) Alemdon ben Berfudy machten, diefe
Gegenfäge beftimmt anzugeben. Bielleidt ift die Bermuthung nicht
zu gewagt, daß Archytas einer von biefen Pythagoreern ift, und
daß daher die Sage entftand, ec fei erfter Erfinder der Kategorien;
biefes Eonnte Beranlaffung geben, ihm Schriften, worin biefe abge:
handelt find, untergufdieden. (Bgl. oben ©. 80 f.)
Zennemannd G. d. Phil. I. TH.
Pagina 129
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)114 Erftes Haupefl, Deitter Abin, Zweites Rap.
Das Endlide Grenze Das Unenblide (ana-.
(repas)
_
gov’)
Leu
Das Ungerade (ne Das Gerade (apruov)
1770»)
Das Cine (Ev)
3 Das Viele (xmdoc)'
Das Rechte (dekior)' Das Linke (agecrepor)
Das Männliche (coger) Das Weiblihe:(Imiv)-
Daë Dupende “nee DasBewegte (uwovpeouy)
Das Gerade (evdv)
Das Lidt (pus):
„Das Gute Cayadoy)
voy)
Das Krumme (xapvdory
Die Sinfternif (oxoros)
Das. Bôfe
( xuxor)
“.
Das Biered (reroa- Das ungleidfeitige
Biered (Erspounxes) 18)
ywvov)
Diejenige Idee, welche die Erfinder diefer Tafel leitete, war, |
alle Begriffe, burch welche ben Dingen eine Bolllommen 6 eit
‚ beigelegt wird, auf der einen Seite; auf ber andern aber
Diejenigen sufammen zu ftellen, welche einen Mangel der
Bollfommenheit
nad ihrer Vorftellung einfchließen.
-.. Daher ftebt auch der Begriff des Endliden oder Bez .
grenzten, und auf der andern Seite ber des Unend=
lichen oben an. Denn mit dem Endlidhen, der Cine
heit, verglichen fie alles Beftimmte und Regelmäßige, |
mit bem Unendliden, Gleichen aber bas Unbeftimm=
te, Ungeordnete, Unerfennbare
in der Welt 9).
Diefe Idee enthält das Band jener fo heterogenen Begriffe.
Die Pythagoreer fanden bier wahrfcheinlich reichlichen Stoff,
bas Zalent des Wied zu Üben, um die Aehnlichkeit fowohl,
als die Unterordnung berfelben unter die Hauptbegriffe ihres
Syftemd, bas Begrenzte und Unbegrenzte, auszumitteln.
' Obgleich biefe Bemühung für die Wiffenfchaft fruchtlos war,
fo ift Doch gu- bedauern, daß von biefen Raifonnements fic
wenig mehr als Nichts erhalten hat, Denn diefes Spiel mit
18) Aristotel. Metaphys. 4. 0.9, Cine Beftätigung ber Acdhtheit bigs
fer Œafel ift e8, wenn Ariftoteles, Ethic. ad Nicomach. II. c. 6
2 font" To yup xaxov TOU aneigou, tig de IIvdayogsıoı esxator- to
aFov Tou none asuerov;,> und I, c 6. fe feb ten év ty tow
. or Wy OUCOIYIE TO
de Iside et Osiride.
Bel. Metaphysic. XIH, c.6, Plutarchus
Vol. IX, p. 170.
19) Theon. Smyrnecus Mathemat, CN5pe 30
Pagina 130
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philefopheme bee Pothagoreer,
Begriffen war doch eine. Uebung und Schärfung des Bers
. flandes, welde auf bie Gultur der folgenden Zeiten nicht
ohne Einfluß
fer fonnte, und über bie Philofopheme ber
Pythagoreer wide gewiß mehr Licht verbreitet werben, wenn
amd nur ‚über einen folden Gegenftand ihr vollftindiges Rais
fonnèment befaunt wire =
'
.
Die Achwlidkeit übrigens zwifchen jener Tafel und den
Ariftotelifchen Kategorien ift nur fehr entfernt, und Liegt
außer ber Bahl Behn, bie. beiden gemeint, nur darin, DaB
die Pothagoreer
biefe Begriffe,‘ wie Aeiftotele8 feine Kates
gorien, für Priuciplen und Eintheilungsgründe der Dinge
anfahen. Allein Ariftoteles verfuhr dabei ald gelibterer Dens
fer, inbem.: feine Kategorien wirklich allgemeine Präbicate
enthalten, und infoférn einartig find. Dier find aber vers
fhiebennttige allgemeine und befondere, reine und empirifche
unter einander gemifcht, und e8 fehlt daher die Nothwendigs teit, jebes Object. unter einen biefer entgegengefegten. Bes. griffe unterzuorbnen.
..
er
“Merkwirrdig bleibt diefe Tafel aber aud in ber Ris.
fidt, weil daraus die YArmuth philofophifcher Begriffe in:
ben ‘bameligen Zeiten erhellt; wenn man auch nicht annebs -
men Eann, baf diefe. Tafel fie alle in fid faffe. Auch
zeigt fid) darin noch die niedrige Stufe der Gulfur, daß
biefe Begriffe noch alle concret find.
Welder -Unterfchieb
findet fib in diefer Rüdficht fchon bei Ariftotele8 Kates
govieen. —
.
.
Aus bem, wads wie bisher angeführt haben, erhält and
bie obige Bemerkung (vergl. S. 100) volllommen ihre Bes
ftétigung, daß nebmlid das Wort Zahl (aevduog) in der
Pythagoreifden Dbilofophie vieldeutig if. Schon Ariftos
tele8 bemerkte, daß die Zahlen theils Beftandtheile und Prins
eipien ber Dinge, itheils Analogien derfelben ausbrüdten *).
Es ift daher um fo weniger zu verwundern, daß fpätere
*) Aristoteles Metaphyr: 1, & 556.
Das Sdwanken zwifden den
Abftracten und Goncreten in ben Berichten über diefe Lehre deë Dis
thagoras féeint fid aus bee Natur der, für bie philofophifde Gore
fdung nidt addquaten, fymbolifhen Leprart zu erklären. AL, De pe
Pagina 131
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)116 Exfles Hauptfk, Dritter Abfchn, Beits Kap.
Grllärer diefem Worte ändere. Bedeuturigen unterfchober, und.
überhaupt biefes metaphyfifde Sablenfyftenr auf verfchiebene ;
Yet teuteten und erfldrten,. je weniger bie Pythagoreer felbftigre Begriffe genau zu beftimmen vermodten. Dief. war.
vorzüglich. ber Fall mit der Erflärung des Usfprungs der
Welt, über welche überhaupt die Vorftellungsarten ber fpdtern
Pythagoreet weniger, ‘als ber Altern, bekannt find. '
Daß bie Pythagoreer, gleich den meiften griechifchen Phis:
Lofopben, bie Weltsiitr:entftanden hielten, udb ihr eigenes:-
| Syftem der Rosmogente hatten, ff: eine unldugbare.
Bhatfache 20), und lage fid. nad..ber bamaligen Denfart
nicht anders erwarten. Daf fie atieh dabei. ihr Zablenfyftenr -
zum Grunde legten, ift ebenfalls gewiß; nur wiffeni mir.
zu wenig von bem Gigenthümliden: -beffelben. : Rad einem
Fragmetite
der Theano beim Stobdus, werden die Gries. .
chen. getabelt, daß fie bem Pythagoras die Behauptung ans
gedidytet: haben, alles entfiehe aus Sablen,.ba er dad
nur behauptet habe, alles entftehe nad) Zahlen 27). Allein
dies. Fragment ift unbegweifelt: untergefchoben, und rührt wahrs
féxintith von einem. fpdteren Pythagoveer her, ber nach Ariftos
‘
tele8 lebte. Denn Ariftoteles exblart bie Borfkllungen der.
Pythagoreer ebenfalls auf: die erfte Art 22). Die diteren Denker fegen, nad Ariftoteles Bericht, bas Princip. aler |
Entftehung in die urfprünglihe Materie:fetbft, die jüngern
aber außer berfelben 23). : Da biefes "legte Spftem fid
go) Aristoteles Metaphysic. XII, 6-5. ans XOSUOTOLO UGS, xo u
pvorxws Bovkovzaı Asyeiv.
.
21) Stobaeus Eclog. Physic. p. 502. «at duyvotc uev Ellnvar me~
mes vooor, purge Tvdgyogar, & agıdyov nurra pysodan
„oùros de doyos enopav saotzerar, sos a unde eoruv enuvoetrar
.
| yevver; 6 dss oux sE apıduov,
|
ö agduoy eheye nave
xata dz
yiyveodar, OT év agvdup tats spuwen, 15 ustovowge Has ev Toi
…_@grduneois moutons war Bevrepon, was T° ahha Emousıws Te |
’
Taxtat.
Py
edes
us
OT Fe
or
.
#2) Aristot. Metaph. XIII, e,-5. 1, c. 7. Dodftimmt damit eine ans
‘bere Stelle I, 6. nicht überein, wo e8 heißt: où wer yuo IvIa~
. ee Te ovto, Paci eves Toy apsduov. Allein wahre
Vid) rührt baë-von ber -Vieldentihleit und tnbeftimmtheit des
.._MWorts Zapl her. (Bal, die Anm. *)'zu ©. too u. 115.)
33) Aristot, Physic. I, e: 6. «ar eous nalmıo evar soc abr à
Doku, Ste to dv, nar Unepoyn was ehlsıyıs apzaı wur ovray mor
Pagina 132
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)__„Philofopberne
Dèr’ Pofhagereer.
447
bon Andragoras
an batirt, fo find bie Pothagoreer wabr:
fcheinlich ‚der erften Meinung zugethan gewefen, welches auch
boburch beflétigt wird, daß fie nicht bas Princip, woraus
etwad . enffiebt, fonbern was Daraus entffebt, wie
bei den Pflanzen, Thiesen,. für. bas Vollommenfte. gebol:
ten. haben F4). EE
wo
+ MBabridrinfid nahmen fle daher vbenfals einen dan:
tifhen Zuftand oor Entflehung ver Welt an, in dem
wits Beffimmtes und Begrenzte8 war, Das Hervortreten |
Gaus dicfens Zuftande ber Unbeftimimtheit war der Anfang
ber Welthilbung, wodurd in dem Iceven Raume Körper bé:
‚grenzt. wurden. Ginigen Nachrichten zu Folge fcheint in ihrem
Softeme das. Gentralfeuer ober bie Sonne, welde fie
bie Einheit (uovag, ro Ev) bie Wade des Jupiter
“nennen, geterft: gebildet worden
zu feyn 25). Hier entfleht
~
5
“_Âns ov toy srvrov rgonoy - all of pay agrouos ta Sve per noi‚8, zo de Ev nadyur’ tov ds Vateguy tives TOUVUYELOY, TO HEY
" Ev nos 1608 “Odo racy, pact padloy. [Offenbar ift biefe
Stelle zu unbefttmmt, um einen Schluß über Pythagoras Kosmos
‚ genie darauf gründen zu #ônnen 3-e8 fragt fi, ob unter den Fras Dern die Pythagoreer gemeint find, um fo mehr, da, nad der
- vorher mitgetheilten Kategorientafel berfelben, baë &v vielmehr auf
ber Seite bes Männlihen, Thatigen liegt; von einer ur:
fprünglide n Materie aber ift in biefer Stelle gar nicht die Rede.
.
.
Bufag b. $-]
24) Aristot, Metaphys, XII, 7. (du Vall XIV, 8.) XIV, 5. (da V.
XII,5.) [Aber vielleidht beziehen fid) diefe- Stellen auf die Lehre deë
Pythagoras von der volllommenen Bahl.
5 3uf. d. $.]
25) Stobaens Kel, Phys. p. 468. aus DOitolaué: to npäror dg.
Moodey, to iv, ev ty peop tas opuigas, sarım xadectac. Bergl :
p- 488, (Bôdha. a. D. ©. or ff.) und p.450 sy. agkasPar de Tnv
| YevEOLY TOU XOUUOU
ATO 71UQOS Katt TOU abentov orosgerov. [Das fünfte
Element ober bie seuren ovosa, qninta essentia, von welder
„
die
Mede ift, und welches ber Wether genannt wird, Theologum. arithmet.
p- 28; Fommt aud anderwärts fon als ppthagoreifhe Borftellung
Por, (vgl. Ocellus bei Sext. adv.-math. X, 5165. die Stelle des
Pfeudoplutard, Deer. phys, I, 6. wamit nicht übereinftimmt I, 14.,
u. Euseb. praepar. XIV, 14.) und foll nad biefer Anficht dem Dode:
Taebron corvefpondicen, wie die vier getoöhnliden Clemente, Erde,
Beuer, Luft und Waffer bem Cubuê, dem Zetraedron, Oftacbron
und 3fofaedron unter ben regelmäßigen Figuren. Bgl, Bich. a. a.
©. ©. 160. Wytienbach ad Phaed, -p. 304 Dod iff der altpytha= :
gorifhe Urfprung biefer Lehre nicht außer Bweifel gefegt. Das ächt
fdeinende Philolaifde Brudfticd beim Stobaeus ecl. phys, p. 10.5
welded burd das nad) ber gewdhnliden £esart vorfommehdé Loft:
Pagina 133
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)118 Efes Haupt. Dritter fn. Zweites ap,
aber bie Schwierigkeit, ob in ihrem Syftem bie Einheit
bas thätige Princip, und die Sweihett-das Leidende
feyn fol. Wenn Ariftoteles oben angeführte Bemerfung auch
für die Pythagoreifde Philofophie gilt; fo. müßte bie. Eins
beit leidend, und bie.-Zweiheit thätig feyn. Man müßte
alfo unter der Einheit bas Chaos und unter der. Sweibheit
bie in bemfelben enthaltenen Kräfte verfichen. Allein bie
. Einheit nehmen fie durchgängig für bas thâtige Princip *).
‘Und was fol die Zweiheit bebeuten? Die Materie über:
baupt? Dann hätte ihnen Ariftoteles nicht ben Einwurf
maden Türmen, wie aus bloßen Zahlen, Ausdehnung, Schwere,
Bewegung Bönne erklärt werben? 25), Diefe Schwierigkeit
fheint unauflöslih. Denn wenn man bloße Zahlen anneb:
men wollte, wie Ariftotele8 angubeuten féeint, fo fteht bem
“ wieder entgegen, baß fie felbft nach Ariftoteles Bericht unter
den Zahlen keine Schemate der Quantität (arithmes
tifche Zahlen) fondern Quanta, auögedehnte Größen vers
flanden 27). Aus ihren Philofophemten über das göttliche
Wefen, die wir unten anführen werben, erhellt, daß fie bie
Gottheit, die Einheit, als die allgemeine wirkende Kraft bes
Univerfums anfahen, und e8 bleibt uns baber nichts anders
übrig, ald anzunehmen, baß Ariftoteles ober: angeführte Bes
merfung Feine Beziehung Auf die Pythagoreifhe Philofophie
bat, wiewohl er fi mit Unrecht zu allgemein ausgebrüdt hat.
… Hier müffen wir aber nod zweier Erflärungsverfuche |
gebenfen, welde fid bei bem Gertus finden, und zwar
wahrfcheinlich einige Acht Pythagoreifhe Gedanken enthalten,
aber bod, wegen ber größern Kunft nd deutlidern Ents
widelung, gewiß: bie Probucte fpäterer Zeiten find. Wie
a
. fbiff (olzas)) aud Böcdh augenfcheintih beläftigt bat, glaube id
burd die leichte Sorvectur odas (zac 0 tag apmıpng olas neun zov)
was, fo offenbar mit ber Stelle bei Plutarch.
Il, 6. znvrov av
tos apaioay übereinftimmt, verbeffern zu Tönnen.
Buf. d. D-]
*) ‚Hterher Cann aud) bie Stelle Arist. Met. XIV, 4, bezogen werden,
nad) welder die Pythagorece nur bas Gerade entflehen laffen.
0
Ve
26) Aristoteles Metapliyste. I, c. 7. XIII, c. 3.
,
27) Aristoteles Metaphys. XII, c. 8. sxeuwor Js toy agePuor za
ovıd depovdu
Pagina 134
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)DEilofopheme ber Pythagoreer,-
geben ihnen hier‘ eine Stelle, um zu zeigen, ad fpätere
Denker aus. der Pptßagoreifchen Bablenlebre gebildet haben,
und weil wir feinen fihidlichern Ort wiffen, ba ber Urheberumd die Zeit biefer Ausbildung nicht befannt find.
|
Die Principe der Körperwelt Finnen nicht in ben
Objecten ber finnlihen Anfdauung, den Erfheinungen
liegen. Denn alles, was angefdaut wird, ift zufammens
gefegt,
hat gewiffe Beftandtheiles was aber aus Thelen.
befteht, Fann fein Princip (nichts Erftes) feyn, fons '
bern das, woraus e8 befteht, was alfo Fein Gegenftand ber ©
Anfdauung mehr ift. Körper, wenn fie aud fo blein ge |
dacht: werben, wie Atomen, find daher zu Principien nicht
tauglich, weil wir biefe in Gedanken immer nod ald zus fammengefést benfen, und daher nie auf ein Erfled Fommen.
Die Principien der Dinge miffen alfo etwas Unkörperliches
(nichts Empirifches) feyn.
Bon der Art find nun zwar bie
Ideen und die ffereometrifhen Figuren, aber fle
find noch nicht das. Erte... Denn jede Idee wird für fich
al8 Eins, in der 3ufammenfegung aber ald zwei, drei u.
f. w.; vor jenen Figuren aber werden die ebenen Figuren,
und biefe als aus Linien. beftehend ‚gedacht, welde Hurd
die Zahl beftimmt werden.
Ade Zahlen aber fallen uns
ter die Einheit, weil jede Bahl als Einheit gedacht. wird. Diefe Gründe bewogen den Pythagoras, die Einheit (uovas) al8 bas Princip ber Dinge anzunehmen, bard. —
deren Theilnahme jebes Ding Eind genannt werde.
Diefe
Einheit an fih und als ibentifch betrachtet, wird als eine
Monade gebacht, die Einheit aber mit fid felbft (als
etwas Berfhiebenes gedacht) verbunden, gebe bie unbe .
fimmte 3weiheit (aogıorog Òvag) bas heißt, die Form.
der Zweiheit, ohne eine beflimmte Größe unterzulegen, durdy
welde Form aber bod jede beftimmte Zahl Zwei, Zwet
wird.
Einheit und die unbeftimmte Sweibeit find alfo die
Principe aller Dinge, das Erfie, über welches hinaus man
nicht weiter gehen Fann 28),
28) Sextus adversus Mathemat, X.' > zig
pothyp. II, 152 qq.
Bal. Pyrıb, by-
Pagina 135
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)420° Erftes Bauptft. Deitter Abidin. Ziveites Rap.
Die lebte Behauptung unterfibbten fie mit ‚verfchigbes
nen Gründen. Mit vorzüglicher Kunft ift folgender entwidelt.
Einige Gegenftände laffen fih für fid,-obne Beziehung
auf andere denten, ald: Menfch, Pferd, Pflanze; ane
bere al8 entgegengefegt, 3 B. Gut und Bsfe, Gez
__ teht und Ungeredt, Bewegt und Mubigs andere
endlid nur in Beziehung
auf andere, à. B. Redts,
Links, Oben Unten, Halb, Doppelt. Der Unters
fchied awifden diefen beiden legten Arten von Objecten bes
fleht darin, daß bei den Entgegengefegten das eine gefebt
wird, wenn has andere aufgehoben wird, wenn 3 B. Bes
wegung entftehet, fo hört die Ruhe auf und umgekehrt;
relative Objecte hingegen werden zugleich mit einander gez
fest, und aufgehoben; die Hälfte Fann nicht ftatt fins
ben, wenn nicht bas doppelte gefegt ift. Ferner findet bei
diefen ein Mittleres flatt, aber nicht bei ben Entgegenges _
festen. Zwifchen Größer und Kleiner läßt fid) ein Mittle=
res, bas Gleiche denten, aber nicht zwifchen Zod und eben,
Ruhe und Bewegung 29).
Da bicfes brei Arten von Objecten find, fo muß e8
über diefe noch eine Höhere Gattung geben, welche bie Ars
ten unter fid begreift. 1) Als Gattung der erften Art nabmen fie dad Eins an, denn fo wie biefes für fich ohne
Beziehung auf etwas anders, fo wird auch jeded von jenen
Objecten für fib ald eine Einheit gedacht; 2) ‘als Gatz
tung ber zweiten Art bas Gleiche und Ungleiche; denn
bie Rube wird als Gleichheit gedacht, weil
fie feine Grade
zuläßt, die Bewegung aber als Ungleichheit, wegen des grôfern
oder getingern Grads, beffen fie empfanglid ift; 3) als
Gattung der dritten Art, bas Uebermaaf und der Mans
gel (Unsgoyn, eddsryrc)), denn groß, größer, viel, mehr,
hod, höher wird ald etwas ein Anderes übertreffenbess Bein,
Deiner, wenig, weniger, niedrig, niebriger als etwas Manz
gelntes gedacht. Diefe Gattungen
. können aber aud noch
29) Gbendaf. §. 263 — 269.
Pagina 136
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Dhilafaene ber Dothagucéers = at
auf höhere Begriffe ‚zurückgeführt‘. werden. :; Dad ‚Bleiche
nebmlid Tann unter bie Einheit begriffen werden, weil
Eins fih felbft gleich ift, ble Ungleichheit aber läßt fidrawh
als Uebermanß und Mangel denten; baun.von ungleichen
- Dingen überwiegt bas eine, und:.bes andere wird berger;
diefes führt auf ben Begriff -bet..un-hefiimnrtent Iw ete
heit. Einheit und die unbeftimmte Zweihört,
find
alfo bie böchften Gattungen und Principe der Dinge
Denn aus biefen. entfpsingen alle Zahlen; .und andere Dinge.
Aus der Einheit nehmlih Eins als Zahlgröße,: aud der Cine
beit und unbeftimmten Zweiheit (zweimal eins) bie Bahl
Zwei und fofort alle Zahlen. Die Einheit vertritt: dabei Die
‚Stelle ded wirkenden Principe, die unbeftimmte Zweiheit
bie Stelle der leidenden Materia. So wie fie nun hierans
das ganze Sablenfoftem, fo leiten fie auch die Welt, und
. alle darin enthaltenen Dinge ab. So wie bie Einheit. bas
Œrfte in bem Sablenfpfiem iff, fo-nebsnen fie nun ben Punct
als das evfle für bie Rörperwelt an. Beides ift etwas: Uns
theilbares, jene bas Princip der Zahlen, biefer bas Princip
“ per Linien. Die Linie wird al’ der Zweiheit analog ges
dacht, denn fie ift die Länge zwifchen zwei Puncten. Und
fo führen fie die Figur auf den Begriff der Dreiheit,. einen
mathematifchen Körper auf ben Begriff der Bier zurùc,
Hier theilten fid die Pythagoreer’ aber in zwei Partheien.
Einige legten nur einen Punct ber Erklärung von Entfichs
ung einer Linie, Figure u. f. w.; andere aber, wie wir fehon
gezeigt haben, die Einheit und Zweiheit zu Grunde, und
leiteten bann den Urfprung ber dichten Köıper, bed Fevers,
der Luft, ded Wafers, der Erde ab 30).
Die legtere Anwendung der Zahlen auf bie Erklärung
Her Entftehung der Körperweit fcheint wirklich Acht Pythas
goreifh zu feyn. Bum wenigften wird.
ed begreiflih, wie
Aviftoteles bie oben berübrten Einwürfe dagegen machen
Fonnte. Denn im Grunde enthält biefe Bheorie nichts weis
ter, al8 bie mathematifche Erflärung der Linten, Blächen
30) Gbenbof. 5. 269 — 284. ı
Pagina 137
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)LN Crftes Gang" Deer Abhi Rweltes Rap.
‚mid: Rörperfigusen,
welde: flh zwar auf ble Form Mer Kor:
iper bezieht, aber nichts zur Erklärung ihrer materiellen Bez
‚Iehafferibeiten beiträgt. : Die Schwierigkeiten, welde fid bar:
saus ergeben, hören: auf, wenn. man annimmt, daß bad. Wort
Sablen, wie wir fhon oben bemerkt haben, in: einem bop:
spelterf Sinne: genammen:
iff, ein Umftand, der flv jene Bei
ten paßt, und aud::fonft :leicht erflärlich
if, — Venez Rats
founement hingegen, woburdh biefe Erklärung. begründet wer
ben: fol, ift. fpdtern ‘Urfprungs , wie fon bie Gintheilung
‘ber Dinge in abfolute, relative und entgegengefegte, die erft.
nad Atiftotele8 logifhem Syfteme erwartet werden Fann, und -
Die Evrodbnung ber Sheen: beweifet *).
Das Pythagoreifhe. Syftem, fo weit wir e8 auch nur
nad bloßen Brucbftiden kennen, ift dennoch eine merkwira _
bige Ericheinung wegen der originellen Anficht, die e8 ents
Hält. Pythagoras überlief gleichfam den "andern Sorfhern
bas Materielle der Körperwelt, was nur auf finnlicher Wahr:
nebmung beruht, zu erforfchen, und behielt fix fic) bas
Gormelle, was man a priori wiffen Tann. Ihn inters
efficten nur die Körper, infofern fie Größen find, und in
Berhältniffen zu einander fteben. Indem er nad den Bez
bingungen berfelben .forfchte, entbedte er, daß fih Größen _
im’ Allgemeinen nur durch Zahlen dem Berftande beutlid _barftellen laffen. Aber diefe Anficht erftredt fih nur über -
die Körperwelt, und nur über biefe, infofern fie ruht,
nicht inwiefern fie in Bewegung ifl. Es ift nothwendiges
Gefeß; diefe uns im Maume zu denten, alé ausgebebnte
Größen, und in Verhdltniffen zu einander,
die nicht anders
al8 in Zahlen beftimmt vorgeftelt werden fônnen. . Wenn
Pythagoras burd feine Behauptung: alle Dinge find
Bablen, und das ganze Univerfum ffebet in har
monifhen Verhdltniffen, nichts anders ald bas vers
ftand, fo ift fie wabrs; nur nicht gang richtig und beftimmt
‘ auögebrüdt. Allein er ging offenbar weiter. Er fucht Gründe:
ber Dinge, die außer und find,’ald von Worftellungen uns
9) Bgl. bie Anmerkung zu ©. 104 uf.
Pagina 138
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Phifofepheine bee Pythagoreer,
-abhingiger Dinge, und erfindet diefein Vorftelungen (Zahlen),
Die er. aber felbf als Beftandtheile ber Dinge vorher in die
Dinge gelegt hat. Er will nicht allein die nothwendigen Bes
‚dingungen auffuden, unter welden alle Gegenflände, bie
mus in ber éufern Erfahrung vorfommen, vorgeftellt wers
dew miffen, er: wil. bie Gegenftdnde 'felbft aus ber Bes
‚Bingung ihres Borfiellena als reale Dinge genetifh: erflären.
Hierdurch mußte fein Syftem nothwendig ein Spielwerk mit
bloßen Begriffen werben. Uebrigens lag biefe Theorie zu
‚weit entfernt von ben übrigen Aufgaben der Philofophie, als
bof fie auf die Guftur der Philofophie unmittelbar einen großen
Einfluß. gehabt ‚hätte, - Dagegen wirkte fie mittelbar defte
wohlthätiger für fie, indem fie bas Studium aller mathes
” matifchen Wilfenfchaften- beförberte. Im Grunde haben bie
Pythagoreer gu ben. großen Entbedungen ber Griechen in
Denfelben einzig und allein ben Grund gelegt, und vol ihnen
rührt die Achtung her, welche die Mathematikim eigentlichen
Griedhenland vorzüglich feit Platos Zeiten erhielt.Die Pythagore hatten zwar ihre Zahlentheorie mit
allen Gegenftánden ihres Nachbenkens in Verbindung gefest;
allein biefes Band ift fo loder, daf man ed ohne Nachtheil
wegnehmen: und ihre Philofopheme unabhängig von dem:
fetben vortragen Tann. Die Bedeutung des Morts Zahl
ift: in diefen Fallen fombolifh, nur ein Zeichen, unter bem
fie fi den Begriff denten, oder et enthält nur eine Anatos
gie mit arithmetifchen Gegenftánden. Benn fie 3. B. fagen:
ble. Seele ift eine Zahl, die fih felbft bewegt, oder die Gez
zechtigfeit ift eine Zahl, die gleich dielmal genommen,. gleich
ift 57), fo ift bas Wort Zahl gewiß in verfchiebener Bedeutung gebraucht, aber wad fie darunter verftanden, iff noch
nidt- fogleid) Mar. CS wärbe daher nicht allein überflüßig
feyn, diefe Terminologie beizubehalten, fonbern aud) unzwed:
mäßig, ba und nur fehr wenig von berfelben aufbehalten”
31) Plutarch. de plac. Philos. IV. c. 2, Hv9uyogas (yıyıy anepnvaro) agrÜ por eavror wivourra, zov O° ap:duov ayıı tov vov
nagakopBaret, Aristot. Magn. Moral; I, c. 1, A deamccoury opd
Mog taux voos,
CE Aristot, Metaphe Ic
Pagina 139
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)424 Erftee-Hanpstt, Peitter- Abi. Zweites Kap.
if. G8 war germug, bier nue bizfe. Anwentri
ber Sablen
anzuführen, die wir nicht einmal genau genug Fenuem, wm
fie alg erften Verfüh, Mathematië. nst Dgilofophte:
gu: vers
binden, anfeben. zu Founen.... Es it: babet nothwandig,..baB
wir bie übrigen. Philofopbeme der.Pythagoteer, aufen ner
‚Bahlenlehrer. nach einer beftimmten Ordnung
der Gegenftdnte
vertragen, damit: mat von- bem Umfange ber. "Damadigen
Speculationen und ihrer Behandlung eine Reberfidt.-erbrlte,
and dann die Fortfehritte
in. der Guitur ter Vernunft
ir
Bergleichung biefer Periode mit. der folgenden. gehörig fchäen
fônne. Die Forderung eines fIrengen Zufammenhanged; fants
Hier, fo gerecht fie auch fonft ift, nicht erfillt werben... Denn
bei ben fragmentarifcen. Weberlieferungen bleibt 8 fogar nod
amentfchieden, ob. und mie bie einzelnen Mebauptunge ein
foftemartigesGanze ausgemacht, haben ,: zumal bo ed nicht
möglich iff, bad bem Dythagorad und feinen Schliern Giger
thlmliche zu trennen.
VE
Doit
ot
|
Die Welt, Gott, bie Seele waren die vorgliglidften
Gegenftdnde der Speculation der Pythagoreifhen Schule;
Dazu famen nod) einige moralifche Betrachtungen. Die
_ Belt fielte fid Pythagoras, zu Folge bes Obigen, natürlich
unter einer neuen Anficht, als ein großes barmonifhes
Ganze vor. Die Betrachtung be prachtvollen Himmel:
bie fo Reiz wiel fire den Berftand felbft der noch nugebilbeterr
Menfchen bat, und feine aflronomifchen Kenntniffe leiteten
ihn darauf, und er brüdte feine hohe Bewunderung durdy
bad bedeutungdvolle Wort, xoowos, aus, womit er zuerft,
mehreren Nachrichten gu Folge, bie Welt. bezeichnete 32),
.
$2) Plutarch. decret, phys. II. c. 1. ZZufayogas ngwrtoe @vouaoe
m» tow Show mEgioyny, KocuOv, EK Tyo EY advım zateog. Sto~
baeus Ecl. Phys. p. 450. [Un andern Orten wird bagegen fon
bem Thales und Anarimander diefer Yusdrud beigelegt. Siehe oben
p- 62. Rad) Diog. L. VIII, 48. u, Anonym. de vita Pyth. apud Photium §. 14. fol er ben ovpavos fo genannt haben. Bet Philolaus
aber, nad) dem in ber folgenden Note angeführten Fragmente, find
olvuros, xoouos und ovouros untetfdieben, und ovgavos nimmt
felbft in bec pothagoreifhen Schule verfdiebene Bedeutungen an.
(Cf, Anonym. de vita: Pythag. apud Photium §. 19.) Gewiffer ift,
daf bie Leier ald Symbol ber georbneten Belt — bes xoouos —
ein Hauptfymbol der ppthagoreifchen Schute war, was mit der oben
Pagina 140
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)ber Pothagereer;
“> Philofophe
125
Die DNebduag amb Regefinäßigkeit
in dee Mnorbinnge und)
Bewegung
bet Himnelstbeper war aber anffallendet und:
fidtbärer;. ofS: bie.Natúrgefeinpigteit bec -Grfcheinungen auf:
unferem. Planeten, deren: Gefehe noch fo wenig erforfiht:
waren; bäher die Eintheiiung der Welt
in die-himmlifde:
‚und die fublunarifde Region (die Region vom. Monde
bis:zur Erde), in welcher. nicht reine Regelmäßigkeit, fons:
bent and: Sufall “wid: Abiwedfelung vegieven ?2), . Unters
‚ beffen hatte bods Pythagaras.:ober feine Schüler. (vieleicht:
erft inıfpätern Seiten } bieSegelmapige Umwmdiging des: Erte’
um.ihre: Ure. während ihres :Laufs: um. bie. Sonne entdedt, :
woburcd:
nie Mowedfelang.von Dag und Nacht -entfteht *).:
c'e BB.
HR Ber Stufe Dar Gultar.diefer Zeiten vollkommen angemeffes, heriGottheit, um fie als. wirklich gu denten, :
eine Stelle in bee Wet Ampardumen, fie gu einem Theile”
be. Ganzen. zu ‘machen. Und diefes thaten noch bie Pythas.:
geweer. Die. Jee war auch'fò wenig entwidelt, Daß man
fids, bavunter oi Welfen tacite, welches zwar:die Bedingung
vieler Dinge, aber felbft: wieder “bebingt Offs ‘bie Vide flop :
nod mit: bent Begriff eine Matur kraft. zufdmmelt, bie“
alfo fo gut;: a alles ändere; In Sen Raum: in den Inbés.
© &. 112. eriwäßnten Bebre ben ben. farmonifien Verhältniffen, in
woelden bie Welt’fich, bewege, oder ber Sphärenmufit zufams
|
menbéngf
, ‘und von den Bearbeitern her Mythologie.
mit. der Leier
des Apollo, beffen Schüler, Priefter, Sohn Pythagoras nad ber
"Sage genannt wird, und mit den orpbifden Lphren in, Verbindung
ebradt wird, .&...bef. Greuger. und die.bei bièfem angeführten
.
Stellen Hérodot, 1,81. u. lamblich de vita Pythag. V,146., ”
EED
Rte 6]
33) Die Eintheilung
in die fublunarifée und bimmlifbe Region findet _
. fi) bei bem Ungenannten in Photius Bibliothef
§. x1. Ich mag
_ nit .entidieven behaupten, baf bieß ein Acht pythagerifder Gebante
….ft,, obgleid) Gtobäus Ecl. Phys. p. 488 ff. etwas Nehnlihes aus
. einem Fragmente des Philolaus anführt. [von weldem {pater gefpro=
‚den werden wich vgl. Bid a. à. D. S 95 ff].
#) Bgl. Anmerkung 15. Bunächft aber ift nur von ber Bewegung der
- Groe um bas Gentralfeuer die Rebe. Diefe Lehre wird. im Allges
meinen den Dythagoreern Arist. de.coelo H, 13. Galen. XXI, 1.
insbefondere aber dem Hiletad ober. Scetes von Syratus, ben Cis
-cero Nicetas nennt; (Acad, Qu. IV, 39. Diog: L. VEL, 85.) mod)
mehr. aber bem Philolaus
13. Galen. XXI, 5,
zu;
eben. Plutarch. de placit. III,
gefel va
Pagina 141
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)| 126 Crftes Haupeft, Dritter %fón. Ziveites Rap.
- geiffe bps: Gemzen: gefebt tourbe. "Nicht. Tange nod.
bet Ent
fisher der Dythagoreifcen
Schule: fand. man diefen. Mepriff..
für.
die Des
gu: Bein: und machte had. Univerfuats zet
Die Begriffe. waren nod zu fitmbedy;: bre Verfiand: founte::
fich noch zu einem Begriff des «reinen Seyns echeben,
: fonts :
dern bacbtefich-riehes Ween, Feibft Die Gottheit din Grebe)::
alg Eörperlids
Die Dythagomer:ibadten fichbie Gotta”:
heit baper gwar. ald ein Natuewefer, jebech fo) hap fie bast
es zalf:
nit. den Begriff: des Voll Fommanfken:verfgupften:.
die: Quelle ded. Lebens dachten..;; Diefens Wefen gebiihret: tit
ber. Welt bie vollfommeafte:vorgiglidfter
telle, Und:
hiefe if. ber. Mittelpu net. Denn.bad Morstalidiié maf:
_ bor allen andern géfichert-unb gebeds fenn. Dieftä beklom
- menfle Mefen iff das Zeug; und ba:fie biefes ‚unter. die ..
zehn Himmeldkörper vechneten, fo: it eB Peinen Swieifel. uns: :
terworfen, daß fie fih die Sonne «ls bas gättiiche «
Wefen dachten. Daher auch, die Benennung. ded Feuerd:.
Wa dhe. des Jupiter 4), Unflucitig
lag hicfer. Bebaups :
tung die. Wahrnehmung von ben wöhltpätigen. Wirkungen . _
ber -Sonnenwärme: und ihrem Einfluß auf: Wadsthum uud:
Srudtharkeit in bex.ganzen Rate gumGruabe,
fa wie fierauf' ;
34) Aristoteles de Coelo II, €, 13, oïye Hu9uyogeor PR die zo
| poliüte moodnzeir pvdarteodar to Kugimtatoy
tov navtog, to ds
+ poor tivas Tosouror, 6 log qulaxyr ovopatovor to Taveny spor
" mv zogar nUg. wonep to pecov anlaz leyopusvoy, kus To tov
psyetousg 18009, zou Ing proews, Mehrere Mehennungen des
+ Gentralfeuers, die fid) auf die göttlihe Natur deffelben beziehen,
+:
führt Stobaeus Ecl, Phys. p.488. aus dem Ppilolaus an. Ordo
„Amos mug Ey E00 rept To xévrpor, Geo Eorıavy Tov zravtos wales,
was: Atos 01809, Kar men Seov, Boov te xas ovvoyny Kar
1 petgoy UC. xos sradiv mug iregoy avaorarw, To TLEQLEXON:
- Phitolaus flellt hier ein anderes Syftem auf, in-weldem, außer
". dem Gentralfeuer, nod ein Feuer bas ganze Weltal gleihfam eins
fließt. Deffen ungeachtet fest er gleichfalls die göttliche Kraft in das
-. Gentralfeuer, jedod) fo, daß ex diefe nur als Weltfeele betrachtet,
und von Gott, ber aud fie gebildet, unterfdeidet, Stobaeus Ecl.
Physic. p. 452. zo ds Ayeuovaxoy ev ty pscarraty mug, Öneg Tod
* . st405 dix mgounsßahlsro ths tou mavtos (oparpas) ò Önwrovoros
. 9eoc.. Diefe Shee einer von Gott verfchiebenen Weltfeele ift in ber
Pythagoreifden Schule neu, und madt biefes Fragment etwas vers
bädtig,. fo wie aud das, was Stobäus ©, 530: von feinen zwei
Sonnen mitthellt. [Ueber bas Legtere pat fi BELG a. a. D.
B. zag erflart.
Bufag do $.] :
Pagina 142
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)" Poyfofopheme' der Pothagoreer, 5 429:
ber anbeen Seite mit. dem affronomifden
Syfleme ber Pothagos
veer
in enger Beebindung flanb., Wir Eénnen dafür unmittelbare.
hiftorifche Bevoeife. aufftellen. "Der. Sonnenftrahl, fagten
fie, geht von.-her. Sonne “aug, burdbdringt den kalten und
hidden Aether (Luft.
inb. Waffen), buschkeitigt bie vgrborz
genften Wefen de Natur, und belebt ales. Die Warme.
(sermuthlicd) der warme Aether, Ausflug. der. Sonne):
ift- bia
Urfache des Lebens und in Verbindung mit hem Falten Aes.
ther. bad Princip ber Seele. Man darf bierays ‚wahl,
folgern, def Pythagorad mit. feinen Schülern:
die Sonne
für die Quelle .afles Lebens, Empfindens-und. Denkens in
der Natur gehalten habe, und man hegreift, wie Cicero fn:
gen Fonnte: die.Gottheit fey dem Pythagoras. eine durch bas —
ganze Univerfum verbreitete Seelp,‘aus welcher. die menfhs.
lien Seelen genommen
find 25).
Die Gottheit ift alfo.
‘die Lebewstraft ber Natur, welde in der Sonne
ihren Sig hat, von wo aus fie fid uber alle Theile der
Welt verbreitet. Wahrheit, Almadt und Güte hielt jebor)
Pythagoras. für‘Eigenfchaften der Gottheit, und lehrte, die
Menfchen hätten von ihr Fein größeres GefchenE befommen,
al8 bie- Liebe zur Wahrheit-und zum Woblthun 46), Bon
diefer Seite veredelten. die Pythagoreer den Begriff der Gotts
- heit und verbanden mit der Bolféreligion Moralitdt, indem
fie jene al8 moralifde Intelligenz dachten, als moratifden
Richter der Menfchen, dem man nicht allein durch veligidfe
Gebräuche, fondern aud burd Rechtthun wohlgefällig wers
35) Sext. Emp. adv. Math. IX. §. 127. Cicero Natura Deor. I, c. 11.
animum esse per naturam rerum omnem intentum et commeantem, .
ex quo nostri animi carperentur.
Cf, de Senectute c, 21.
36) Iamblich vita Pythag. $. 122. os os usy Okt,
yamıoı Tais Tov Huor
Toy dımdsaeoıy, OÙ To tow Hvousvor ninder 7
ov. Cf.
Porphyr, de abstin. II, 15. Berner lambl. 1. 1. 159.ov zag vas
Ta psy. done zog Seas, ta de advrata, wong outa « TOUS
ovgilopsvovs, alle narvta Suvata, §. 174. to SievoscFus segt
Tou Fs1ov, ag sory TE zate NGOS TO avdgomivoy yevos, OVTIUG EXEL,
os sriSlensiy xas py olıyapsıy avtov, Zendipor ava, veslaufavor os Ovdayopaoı, mag axsıyou padortes §. 218. ots ov F208
wexov 81019 avostios etc. Aelian, var. hist, XII, c. 59.
[Ded fdeint in biefen Stellen andes Ausdrud
der fpâtern Pptha=
Bufeg d. H.]
govern zu feyn.
Pagina 143
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)128 Erfles Haupt, Dritter Abfehn. Buttes Kap.
ben müffe, obgleich damit der Begriff Gottes als Naturkraft
nicht wohl.zu vereinigen war, und die praftifhe Freiheit
durch den phyfifcen Einfluß der Götter:und Dämonen aufs
gehoben ward: Pythagoras machte von jenem moralifchen
Begriffe fhon Anwendung auf die Vorftelungen der Dichter,
welde in bie Bolksreligion übergegangen waren, und tabelte
fie 37) wegen des Widerfprudhs, in welchem die von ihnen
gefhilberten Götter, mit den reineren moralifchen Begriffen
flanben +) . Le
;
:
EE
Aus der Einheit der: belebenden Kraft ‘in bem ganzen.
Univerfum folgerten fie die Berwandtichaft der lebenden und
befeelten Wefen mit bee Gottheit, und. aus dee:allgemeinen
Durchbringung berfelberi den Bufammenbang aller Theile der
Welt, die fie. auch felbft für befeelt hielten. Die Sterne
57) Diogenes Laert. VIII, §. 21. wo von Homer u. Hefiod die Rede
if. lamblich de vita Pythagor. §. 174. 149. 151.
*) Was der Berfafret in bem Vorhergehenden über Pythagoras Bors
„ ftellung von der Gottheit vorgetragen bat, fdeint mir eben fo wenig
in einem Begriffe vereinbar, als durd bie vorhandenen Bez
richte über bie Pythagoreifche Lehre vollfommen begründet zu fen.
Hat bie Gottheit ihren SiG in ber Sonne, wie nad gewöhnlicher
Borftellung bie Seele im Körper, fo ift fie nidt die Sonne.
| felbft , wie oben gefagt wird.. Aber es wird nit einmal beftimmt
“ gefagt, daß fie ihren Sig fn der Sonne babes denn bas Feuer,
+ welded alé ber vorgiglidfte, Leben und Wärme ausftrömende, Körper
in die Mitte geftellt wird, und baber fymbolifé Wade bes Zeus
genannt wurde, ift nad mehreren Pythagoreifden Brudfticen, bez
fonders Stob. ecl. 1, 23. p. 488, ein Feuer, um weldes felbft die
Sonne freifts da aber diefe corsa tov svavros, wie fie aud heißt,
(Altar des ATS) in einem anderh Fragmente ‘Lib.
1, p. 468.
das erfte Sufammengefügte (Gebildete) genannt wird, fo fonnte
aud biefes Feuer nicht bieGottheit felbft feyn. Es et baber wahre
fceinlider und ber unbeftimmten Zahlentheorie ber Pythagoreer an:
emeffeuer, daß fie bie Gottheit vielmehr nur unter bem Begriffe
de unbedingten Eins badten, welches von jener Stelle aus, die
"daher auch fymbolifd
ro & genannt wurde (&. oben Note 25 und 117.
"
Bôdb a. a. D. ©. 98.), durd ben ganzen xoouos wirkt und ihn
. befeelt. Auf eine ähnlihe MWeife wird in bem Gchahnameh, wo
von bem Feuerbienfte ber alten Perfer bie Rebe ift, das Feuer nicht
bie Gottheit genannt, welde angebetet wurde, fondern nur die
+! Kibla oder ber Altar ber Natur, zu weldem man fid beim Gebet
richtet (vergl. Hammer. in ben Wien. Jahrb. der Litt. B, VIII.
©. 326. und X, 210.).
Der Verfaffer ftellte aber mit andern
"(5 Bs Tiebemann) den Pythagoras darum zu tief und faßte feine
ehre zu materiell, weil er bas Sypmbolifche berfelben nicht feftzuz
halten wußte. Sonad fheint nur das Beste von dem Berfaffer oben
Pagina 144
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme ber Pythagoveer.
find daher ebenfalls ‚Gottheiten, doch wahrfcheinlich der Sonne
untergeordnet 38),
Die Seele alfo ift ein Ausfluß oer Sonne ober
der Gottheit.
Es fehlt nicht an verfiebenen Ausdrüden
diefes Sages, welche aber bem Sinne nad alle darauf bine
auslaufen. Eine Zahl, bie fid felbft bewegt, Heißt wohl
nidts anders, als ein Wefen mit eigner Bewegtraft, ber:
gleichen alle Theile des Aethers find. Eben das find auch.
Wabrfdeinlid) bie Evopara ev Tw aege in ber unten anges
führten Stelle des Ariftoteles *). Ariftoteles fcheint diefe mit
\
Gefagte ber Berftellungsart des alten Weifen nab gufommen; wos …
mit das Erfte faum zu vereinigen iff. Die Gottheit exfcheint Pp:
thagoras alé Weltfeele, mithin blof als in der Natur wirtende,
und mit ihr in Eind verfließende Kraft (vergl. Sext. Emp. IX, +27.)
und ber Begriff des Bollfommenen ecféeint bm vorberrfdend unter
Gigenfdaften der Natur. Hiermit ftimmt auch überein, dap die
Seele, die dod) als Ausflug der Gottheit angefehen wird, und alfo
ihre Natur theilt , die fich felbft bewegende Zahl genannt wird.
Môge man nun Ébrigens die Gottheit des Pythagoras als ein fit
gu dem Sollfommnen entwidelnodes (evolvircndes) Pkincip .
nad) ben oben angeführten Stellen ded Aristot. (Anm. 24.), ober
ihre Wirkfamkeit als geiftige Emanation betrachten, in bem
Ginne wie Phetecydes, den man für des Pythagoras Lehrer Hart,
{rad Arist. Met. XIV, 4.) lehrte, das erfte Erzetigende fe das
Befte, und wie Cubor bei Simplicius (in phys. Ar. 1.) von Gott
Ypridt, was mir mit der ganzen pythagoreifhen Theorie der Zahlen,
bie als die höheren Gefdtedter der Dinge erfdeinen, durch welde
das Befondere bebingt ift und mit der Lehre von ber Geelenwanderung
mehr übereinzuftimmen fcheint; fodarf man doch auf feinen Fall
dem Pythagoreifhen Gort bie ausgebilbefen Borftellungen der platos
nifden Schule unterfdieben,
2.0. $.
38) Diogenes Laert, VIII, §. 27. low za «ar oeknviv zu Tous
addovs aotspne evo Geovs* errıngarsı yap to Faguov ev abross,
oneg sate {ung wıtwy — Kur avIyddray Ein mos Peous ouyyertiay, Kata to uetezeiv avdgumor Sequov. [Der Ausdrud, dag
die Sterne Götter find, welcher fi an die Volkéreligion anfdlog,
darf bier.fo wenig, als jener Ausfpruc des Thales verwunderns .
daß bie Welt von Göttern erfüllt if,
Ha, wenn bie Welt von
Pythagoras beftimmt alé ein befeettes Wefen, die Gottheit als
Weltfeele vorgeftellt wird, dann aud) die Gefticne, alé Welt:
törper (cf. Plot. de plac. I, 13.) oder Theile des xouuos, welde
an biefer Befeelung- Theil nehmen, als Götter, aber untergeordnet,
erfeinen,
Bufag d. DH]
*) Wie die Geftirne von den Pythagoreern für Götter gehalten. wutz
ben, fo wurden, zufolge biefer Lehre von der ausftrdmenden Welt:
feele oder von der Befeclung der Welt, aud die Seelen als Aude
flu ber Gottheit für görtli gehalten, ja Allmäon, dem wir [don
eanemanhs ©. b. Phil, 1. Tp.
Pagina 145
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Grftes Haupt. Dritter Abfbn, Zweltes Kap.
“den Sonnenftäubchen bes Democrits in Parallele zu fegen,
und bemerkt dabei, daß einige Pythagoreer nicht biefe, fons
dern bas fie in Bewegung fegende (den Wärmeftoff) für die
&eele gehalten haben 2%). Die Pythagoreer Fonnten hier
,
ny
oben einmal in genauer Verbindung mit ben Pothagorerrn fteben
-fahen, lehrte nad) Ariftotele8 (de animal, 2. $. 25. du V.) daß
e Seele unfterblid fey wegen ihrer Arhnlichteit mit den Unfterbs
lichen, d. i. den Göttern; daß biefes ihe aber gufomme alé einer
ftet bewegten Natur (Tovro 8’ vnagyeıv avın ws ae xvorperT,
faft eben fo wie Plato im Phabdruê p. 245. fagt), denn, feat ex
"Hinzu, alles Böttlihe bewege fid unaufbörlih, Mond, Sonfe,
die Sterne und der ganze Himmel. Jn diefer Stelle, mit welcher
‚aud zum Œbeil bas fpätere Fragment bei Stob. ecl. I, XXI, p: 420.
:
. gufammenftimmt, wo von einem meıxıvarov gegenüber bem oeura—
Des bie Rede ift, und dag Yeıov burch asc Feov erklärt wird, Tcheint
aud) bie Erflärung ber „fid felbft bewegenden Bahl’ wenigftené zum
Speile zu liegen. Die in der Luft bewegten Stäubchen aber fcheinen
mir nur bas robe Symbol zu feyn, welches dfe nad Ariftoteles ber
yoyn überhaupt beigelegte Gigenidaft der Bewegung, gugleid
aber aud in Beziehung auf das Gentralfeuer ( was viellcidt Diog.
L. nad bet in der Note 38. angeführten, viele Widerfprüde ents
haltenden Stelle.
To Gepuov nennt), bas Berhältniß det Seele zur
Weltfeele oder Gottheit (meshalb aud Diog. fagt, anocoracua
œudegos) bezeichnen follte, Dap die bei Divgeñes angeführte Feinere
Unterfheidung zwifhen Seele tnd Leben féon ber alt pythas
goreifen Lehre gufomme, fdeint gang verneint werden zu müffen,
wenn man erwägt, daß felbft Ariftotetes in feineh Unterfuhuns
'
gen über die Seele diefe Unterfcheidung nicht fefthält, und den Bee
tif wuzn in einem febr weiten Umfange nimmt; was wohl zu bee
enten iff, wenn man die Lehren Anderes Über diefe worn (3. B. die
des Pythagoras) welche man von ibm angeführt findet, richtig verz
fteben will. — Mit ber Bablentheorie hängt wieder die, nur in einem
gewiffen Sinne ppthagoreifde, Beftimmung der Seele als Harm oz
nie (Macrob. Soma, Scip. 1, 14 Vergl. Bödh a. a. À. 177.)
und damit aud die Beftimmung ber Seele als Bierzapl zufams
men, woburd bie Seele als Ebenbild des Bolllommnen gefeht wird,
was aber auch eine praftifhe Beziehung haben mochte. Vergl. die
Ausleger deë berühmten Schwurs der Ppthagoreer bei der Vıerzahl
‘(Porphyr. de vita Pythagorae ed, Kiesling p. 165. et lamblich de
vita Pyth. G.28, §. 151. ed. Kiesl.). Uebrigens wird det legten Bez
ftimmung eine auffallend neue Deutung gegeben bei Plutarch. de
plac, phitos. I, 3. Aas 7 nuezega wuyn ex Tergmdog or yaeitaı? sivas
jag voüv, emıomyunv, Öokay, aoFqow, WE wy nava ty, zus
"_entorngn, «as autos loyixos eoper.
.
Abd. $.
59) Die erfte Erklärung (fs Anm. 31.) ijk vielleicht nicht einmal ächt
potpagorsild. Plutarchus fagt zwar de animae procreatione C. 1,
. Æenofrates habe fie von den Pythagorecrn entlebnts allein dies
ift wahrfcheinfih nur fo zu verfteben , daß er einen Sheil von den
Pythagorcern, den ahdern vom Plätd entichnte.
Damit fheint
Aristoteles de anima I. c, 2, Übereinguftimmen und St baeus
etlog. phym page 662. \beflimmt, biejes genauer aut dem Sams.
N
Pagina 146
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster). PhHofopheme ber Pythagoreer.
nad behaupten, baß bie ganze Luft mit Seelen ans
gefüllt fey, bie fil aud) Dämonen und Heroen nennten,
Dur ihren Einfluß erklärten fie die Träume, die Anzeichen
von Gefundheit und Krankheit bei Menfchen und Thierens
worauf fid die Reinigungen und Gühnopfer beziehen, ferner
alle Divination (Mantif) und die Wahrfagereien.
40) Die
Seelen Eommen in ben Körper von Außen, und werben
aus demfelben wieder in die reinere oder unreinere Luft ges
fammelt *), bis fie wieder in andere Körper übergehen. Denn
fie find ungerftirbar, wie ihre Urkraft, und ihnen ift ein
fteter Kreilauf vorgefchrieben 41). Die Behauptung von
blid, einige Ppthagorerr hätten fledthin gefagt: bie Seele
fey apstuos, Æenofrates aber apıduos avroxivytos. [rate
aud) Macrob. Somn. Scip. I, 14. Buf. be $.] Diezmweite Crs ”
Uärung bat Aristoteles am angeführten Orte: epacay yap tuveg
avrav wuyny vas Ta ev TW Geos Evopata, os Je, To.Tavta «voer,
Diogen. Laert. VIJL $.28. avai de Tnv yızıy anoconacpe audsgos,
«ar Tou Seguov Kar TOU przgor. .
.
-
4o). Diogenes Laert. VIII, -$. 32. Plutarch. de plac. I, 8. Cicero da
Divinat. I, 45. [Wiemobl die Annahme gôttliher Mittelwefen,
Die bier als Luftgeifter genannt werden, in bem Syfteme bes Pytbas
oraë liegt, und mit feinem befannten Hange zum Götter: und Geis
' Recumgange und zur Miantië (Cic. de div. J, 3.) der „wie fhon
Æiebemann bemerkte, auf die Erzeugung bes Mofticiémus unter den
Griechen einen wefentliden Einfluß batte, wohl übereinftimmtz fo
muf man fid bod) hüten, aus der oben angeführten, ohnehin vers
. bädtigen Stelle des Diogenes auf eine ausgebildete Démonentebre
zu fliegen, welde gewiß erft ben Neuppthagoreern angehört.
Sestere finden wir bei Hierocles ad Pyth, aur. carm. ed Schier.
p- 226. u. 56.
:
Bufag b. 6.]
.
+) Kür biefe Beftimmung finde ich Fein binlänglihes Beugnif in ben.
angeführten Stellen.
AND.
41) Diogenes Laert, VIII, 14, xowroy Te. (de) paar tovroy anopn= .
vat Thy wuyny xuxiov voren ausıßorcay, alors alloıg ev~
Badar Lmots. Sect. 32. evdargovern avPgunox oray ayody Weyn
sgocyerytas. Aristotel. de anima 1, c. 5. { Die erftere Stelle, in
welder von bem Kreiglaufe ber Nothwendigheit die Rede iff, fagt
nichts darüber aus, wenn berfelbe beginne; die zweite giebt nur
gu verftehen , dap die Seele mit einer beftimmten Befchaffenpeit von
außen in ben Menfden Comme, was aud bad anconacpa ar
Ötpos (vergl. Anm. 37. und Stob. ecl. phys. I, 51. p. 790.) ans
deutet. Auf biefes von außen Kommen fheint aud Aristoteles de
an.
I, 5. Sect. 25. du V. bingubeuten in den Morten: zxsuvo de
azonov ovußamsı Tout ty Aoyw, «ar tous nÄtoToIs Tor NEQL
wgns ouvantovor yup Kar Tıdeagıy eis COME THY
wvzns ovder ngoodiogsoarte dia T° œtiav, war mug ezOvTOS
zov coparos.. Hier wird
alfo zugleich ber Grund vermift, warum
Pagina 147
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)132
Erftes Haupeft. Dritter Abfchn. Zweites Kap.
ber Unfterblid
Feit der Seelen ift eind confequente Folge
ihres ganzen Syftems. Denn die Seelen find Zheile besjeni:
gen, von dem alles Leben in der Welt herrührt, bas felbft Peis
ner Vernichtung unterworfen ift*). Eine folche Unfterblichkeit
bat wenig zu bedeuten, und entfpricht nicht dem moralifihen
Sntereffe, welches der gebildete Menfch daran nimmt. Dief
erhellt auch daraus, baf fie fo wenig auf Gründe für die
Bortbauer der Seelen gedacht haben, welde der menfdlide
Berftand erft dann auffuchte, al8 die Unfterblichkeit in nähere
Berbinbung mit dem Intereffe der praktifden Vernunft ges
febt wurde. Der angegebene Grund aber ift fo gut als Reiner;
denn er it nut bingeworfen, und bie Bedingung, unter
welder er erft gültig wird, iff nicht entwidelt. Mit Redt
fonnte daher Cicero (Tusèal. Q. I, 17.) Jagen: die Pys
thagoreer hätten die Unfterblichfeit blof angenommen und
gelehrt, öhne (deutlich entwidelte) Gründe Die Sees
Tenwanderung, welde Pythagoras wahrfcheinlid von
ben Aegyptiern angenommen hat 42), war fein Beweis für
bie Geete in den Körper verfest werbe. Von den fpätern Bericht:
erftattern wirb ein folder dem Pythagoras zugefdyrieben.
Dod
Theint die Stelle bes Diog. Sect. 31. exgıpdsser Ösavıny (yyy)
ent
die
yng nhobeudor ev 1) aegı, ouotoy Tw Goxyete fid mebr auf
Seelenwanderung nad diefem Leben, nicht auf die Berftofung
aus bem Himmel zu beziehen. ©8 war nebmlid eine alte, frithers
bin geheime und aus bem Oriente ftammende Lebre (Plato Cratyl.
‘pe 400.) wo fie ben Orphitern beigelegt wird. Cf. Plat. Phaedom
p- 62. B. Berpl. Wyttenbach ad Phaedon, p. 134 aqq. und Plut.
de esu carnium II.,) daß die Geelen wegen früherer Bergehungen in den Körper gefeffelt worden feien. Die Pythagoreer nahmen alfo
wabrfdeintid den Grund jener Lehre von der Wanderung der Seelen
+ eben baber, woher: biefe Lehre gefloffen war, und fdrieben. dem
Pothagoras die Annahme einer Prderifteng und bes Abfalls der Geele
beftimmt zu. Auch Aft (Leben des Plato S. 106.) vechnet bief
gum Pythagoreismus.
:
__. Buf. bd. 9)
*) Tennemann Halt fid bier an bie Stelle bes Diog. L. VIII, 28.
Stopepsiy te Wzn» Donc adavatoy te vas avrny, enecdnmep
“aL .To ap ov ansuneoras,: adavarov son. Eben fo wird fie
ihres Urfprungs wegen: ungerftirbar, apSagroy, genannt, in der
. Stelle Plutarch. de plac. IV, 7. Der genauere Grund aber lag in _
der Natur, welde die pythagoreifche Lehre bem Gôttlihen beilegte,
nebmlid der fteten Bewegungstraft f. oben meine Bemerkung zu
‘42) Herodot, I, c. 123
Pagina 148
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme der Pothagoreer.
die Fortbauer der Seelen, fondern nur Verfinnlidung ber:
felben*). Diefe Seelenwanderung erfcheint hier nod nicht
verfeinert, und. burd moralifche Begriffe geläutert. Daher
fagten fie auch: jede Seele könne in jeden Körper ohne Uns
terfchied einwandern, auch die thierifchen Körper nicht aus:
genommen 4%), Ob diefer Kreislauf der Wanderungen ewig
dauere, oder nad Befchaffenbeit der Seelen feine Grenzen:
habe, ift eine Frage, die nicht mit Gewißheit entfchieben
werden Fann. Nur eine Stelle des Diogenes fcheint für.
beftimmte Grenzen zu fprechen 44), Dbgleid man fernes
L
© *) Die Lehre von ber Seelenwanberung Enüpft fih, wie fdon anges
deutet worden, an die Lehre von ber fteten Bewegung ber. Seele, als,
eigenthimlider Œigenfhaft berfelben, an. DBielleicht Kann man biere
her dud) die Worte bet Aristot, de anis 1, 3, §. 24. beziehen s.
mou Tou 7 ezonv tov Oeov Sia Tovro xvuho HOLLY pegeodus Tv
wernv, ote Bektiow even To xıvaodaı tov pere xiveccdar Oe
ovres7 addus. Ferner wird diefe Lehre, was Bier nicht zu úbers
eben ift, burd bie Gage an bie Perfon beë Pythagoras anges,
nüpft. Denn er foll in mehreren Geftalten auf bee Erde erfhienen
fepn (vergl Diog. L. VIII, 4 sqq. Porphyr. de vita Pyih. Sect. 45,
et Kittersh. ad h. 1, ed. Kiesling. p. 258-5q.) und vornehmlich fic)
ale Held Euphorbus erdannt haben; womit die Sage aud vieleicht
das Gedddtnif bes Pythagoras preißt. Lesteres bezieht D. Maller in ber Gefchichte der Dorier 1824. Vh. I. ©. 220. darauf, baß er
jenen, wie fie fic) felbft, al8 Priefter des Apollon betrachtete, mit
weldem er überhaupt in genauere Verbindung von feinen Verehrern -
gebracht wird
— aud alg Sohn; ja bei lamblich de vita Pyth, c. 6.
(vergl. aud) Diog. L. VIII, 21.) wird er felbft alé Apollon vergôttert.
Baur aber bemerkt in feiner Gymbolif und Mythologie II. TH.
I Abth. ©. 199., dap die Boer der Seelenwanderung mit ber Sdee
Apollons innig verbunden fey.— Endlich if nod die praktif He Bes
ziehung der Seelenwanderung nidt zu überfehen, welde man bei ben
Pythagoreern findet, 6. i, die. Aufforderung, fih reiner Sitten zu
befleifigen, um nicht in thierifche Körper gebannt zu werden. A. bd. D. |
63) Aristoteles de anim. I, c. 3. dig evdegouevoy xara Tous IIvdayogıxovs wvdovg tnx TÉYOUCRY wuyny’ eis zo tryoy evòvsuÂ
as
cœua. (Es fdeint dief nad dem Zufammenhange zunächft zu heißen:
bie Seele Homme durd Bufall, von ohngefähr, d. i. ohne Grund, in
ben ibr vorkommenden Körper, und es fragt fid fogar nod, ob
biefe Stelle fid) auf bie Seelenwanderung bezieht. Merkrürdig ift
B, bag wir Eeine einzige beftinimte Nadridt ber Weltern über Pytha:,
goras Lehre von der Seelenmanderung haben. Die Spatern
ber, weiche diefe Lehre ausgebildet haben, wie Porphyr (de vita
yth.’ Sect. 19. und Stob. ecl, phys. I. p. 1044 sq.) bebnen fie
allerdings fdgar auf ben Uebergang in lebende Körper jeder Act
aus.
|
Bufag d. £.]
ù
\
44) Diogenes Laert. VIIL 6. 31. vor aysodar per tag. xnduçus —
(y zas) ent to vpsorov. tas be axadagrove pnts exerce. ra
geer, pare aldndaus, dou 3 tvagenxtoss Gaupois uno egervvar.
Pagina 149
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)134 : Erfles Haupeft, Deitter Afin. Zweites Kap,
nicht beftimmt angeben Tann, wie fid) die Pythagoreer ben
Buftand nach dem Tobe gedacht haben, fo it doch fo viel ges
wif, daß fie mit bemfelben Belohnung des Guten und Bes
fivafang des Böfen verbanden, und glaubten, die Seelen der
Menfhen Fönnten nad und nad fo geläutert werden, dap
fie einer vollfommenen Gemeinfdaft mit den Göttern gewür:
bigt würden. Nach ihrer Vorftellungsart hatte fogar der
Donner Beziehung auf den Zuftand ber Böfen in dem Das:
des, um.
fie zu fehreden *).
In ben Nachrichten von ihren Übrigen Lehrfägen von den
Seelen der Menfchen, ihren Vermögen und.ihrem Verhältniß
zu ben Thierfeelen **) herrfcht nicht wenig Verwirrung. - Vielz
leicht find die Meinnungen ber áltern und jüngern unter
einander gemifdt. Suerft wird ihnen die Unterfdeibung des
:
\
-*) Man findet bier zwei Stellen bes Verfaffers über’ denfelben Ge:
genftand, welde fonft getrennt waren (S. 133 und 142. ber erften
Ausgabe) verbunden. Sn der lebte hatte der Merfaffer in offen:
Harem Widerfpruche mit der erften behauptet, daß die Lehre von
der Unfterblichkeit und Seelenwanderung von den Pythagoreern mit
moralifhen Begriffen in Verbindung gebradt worden
fen. Diefes fcheint aud aus ven beigefügten Grünben und Stellen
(Diog. L. VIL, 31. Carmen. aureum. v. 70. 71.
Aristot. analyt,
posterior, Il, c. 11.) erweislih. Berg]. aud ben Sufag su mete 43.
#+) Die Berwandtfdaft der Dienfchen und Bhiere war eine Lehre,
©
welde ebenfalls, aus der Befeelung der Dinge folgte. Hieraus ent:
fptang in der pythagoreifhen Schule bas Gebot, bie Thiere gu
fdonen, baë Gebot der Enthaltung von gewiffen Zihieropfern und
thierifhen Speifen. Auf Erfteres fcheint aud bie Lehre von
der Serlenwanderung Einfluß gehabt zu baben; die Enthaltung
von Fleifdfpeifen aber wurde aud) in, biätetifcher Hinfidt geboten,
Vergl. Seneca ep. 108, Sext, Emp. adv. physicos, sive IX, Sect.
227. Dief Verhalten gegen bie Thiere wurde auch. zur Gerechtigkeit
Herechnet (ebendaf. Sect.130.). Bgl. ferner Jamblich de vita Pythagor. Cap, 24. Sect. 107 sq. dgl. 150. nad) welden Stellen jedod ein
_ Unterfhieb in Hinfidt der verfdiedenen Klaffen dec Schüler des
Pythagoras; ferner Cap. 18. 85. Sect. nad welder Stelle ein Unters
fied unter den Tpieren gemacht wird, welche neopfert werben durfz
ten; vgl. 6. Gap. 16. Sect. 68 u. 30, Sect. 168 sq.; eben
fo Porphyr.
de vita Pyth, Sect. 43. und de abstinentia ab esu animal. lib. 3.
Plutarch. de esu animal. If. und de solertia animalium. Son
einer Ginfdrantung bes Berbots in Hinfidt der Vhiece redet audy
Diog. L. VIII, ao. baß aber der bei Plutarch, de plac. V, 20. ane
gegebene Bedankte dem Pythagoras angehöre, ift febr zu bezweifeln.
Bon bem Verbote bes. Bohnen f. Rittersh. ad Porphyr. od. |ne
Pagina 150
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme bee Pothagoteer.
vernünftigen und nidt vernünftigen (finnliden)
Vermögens der Seele beigelegt. Da fie, wie ed deint, das
Wefen der Seele aus zwei Beftandtheilen, dem warmen.
und dem Falten Aether, beftehen Tießen*), fo leiteten
fie vieleicht alle Aeußerungen der Vernunft von jenent, dem
Wärmeftoff, oder ber in der ganzen Natur verbreiteten gôtts
lihen Kraft, die Aeußerungen der Sinnlichkeit aber aus
jenem weniger ebeln Theile ab.
Dann wäre 8 confes
quente Folgerung, daß nur die vernünftige Seele unfterbs
lich fey 45),
|
Die Unterfheibung der Acte bed Vorftellens und bes
Begebrens ift bei einigem Nachdenken über fid fo natürlich,
daß faft bei allen Völkern der gemeine Sprachgebrauch vers fehiedene Stellen des Körpers ausgezeichnet hat, wo jene vors
gehen folen, und daß in einigen Sprachen biefe Theile ded
Körpers felbft die Vermögen bezeichnen. Aud) Pythagoras hats
te biefe Unterfheibung gemacht, und er beflimmte bas Ges
bien für den Sig der vernünftigen Seele, das Herz für
ben Gig der Begehrungs = und überhaupt der Lebend»
fraft 4°). Ob er nun aud bie unvernünftige Seele in bad
*) Nad Aristot. Befchreihung zu fhließen, (de anima I, y.) fheint mie
das Philofophem über die Seele, welded der Berfaffer hier dem
Pythagoras, nad ber oben in der Anmerkung 39. angeführten
Stelle deë Diog. L. beilegt, mehr bem Empebofles anzüges
bören.
°
A. da 6.
45) Plutarchus Decret, Physic, IV, c. 7. Diogen. VIII, 30. xag to
per poonuor, adavyator* ta ds hoya Hrnra,
46) Plutarchus Decret. Phys. IV, c. 5. JIvöayogas to uev Lotixoy
neg tyY xagdiay, To Oe oyinov xar vargov TrspL id xepadny.
Cicero Tusé, Quaest, IV, ¢. 5. veterem illam equidem Pythagorae primum, deinde Platonis degcriptionem sequar, qui animym
in duas partes dividunt; alteram rationis partioipem faciunt, alteram
expertem. Stob, ecl, phys. p.874. [In einer von Æennemann nicht
angefigrten Stelle beg Sextus Emp, adv. math. VII, 92, wird die durch
Siffenfchaften, befonderg Mathematik, gebildete Vernunft bad Bes
urtheilungévermigen bed Wabren genannt: os ds ZIuSayogeros
zov Aoyo» mex pauw (xorrgoroverivur) ou xorvwg De: zon de
ano Tov padquoruy nagıypousvov, xaduneg Elsye zur a Diloe
daos, Diwpnrixoy te ovru Ts zov ohwY Prose, sper Ton Guy“
EVELAY TROOS TOLTHY, BITELEQ VITO TOU OUOIOU TO OUO(OY xaTa- .
ußavsodaı nepvue. Ob aud der zulest angeführte Grund,
vois OpOLOLG Ta omora Yırmaxscdas, ber ein febr verbreitetes Erz
tenntnifprindp fpäterer Philofophen wurde, (fieje aud lamblich
Pagina 151
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)136 Grftes Haupeft, Dritter Aofehn, Zweites. Rap.
Begehrungs= und Gefühlöyermögen (smödyuntıxov, duusxov ) eingetheilt habe, wie e8 in der Folge Plato that, wird
zwar von mehreren Schriftftellern: behauptet, aber e& läßt.
fih daran zweifeln. Denn obgleid die Ausbrüde in der
Sprache vorhanden waren, fo fdeint dod) bie Begriffe, welche - dadurch ausgebrüdt werden follten, erft Plato etwas ges
nauer beftimmt zu haben, und and bei biefem find fie nod
{che {hwankend 47). Nicht fowobl Verworrenheit als Shwans
‚Ben der Begriffe von den verfihiedenen Vermögen bes Gee
mlithé findet man in einer hieher gehörigen Stelle de3 Dios
genes von Laerte. Die Pythagoreer nahmen nach berfelben
drei verfhiebene Vermögen an, duuos, Begehrung
ss
fraft oder überhaupt Lebensprincip *), vovg und poeveg in dem Gehirn; von diefen legten fie bas legte bem
Menfden ausfchließtich, das erfte und zweite aber als mit
den Thieren gemeinfchaftlich bei. goeves bedeutet alfo wabrz
f&heinlich die Dentfraft, vous in einer von dem Sprachges
brauch‘ fpäterer Zeiten etwas abweichenden Bedeutung das
Vermögen zu denten, welches die Menfchen und Thiere ges
meinfchaftlich befigen, nur baß die legten wegen ùnvolfom=
mener Drganifation und Mangel der articulirten Sprade
mage zog nadeuauung enrotnuns. Cap. 8. Sext. adv. germe
lib. J, Sect. 303.) in biefer Formel von Pythagoras felbft
be
rühre, wie Sextus in ber legten Stelle meint, läßt fid Rare,»
vie
benn aud) die beigefügten Verje, weldfe Beftätigunasweife angefühet
werden, auf Empedocles hinweifen. Aber näher fommt diefer
Lehre der bei Claudiauus Mamertus de statu aniınae Cap. 7. bent”
Archytas beigelegte Getante: ad exemplym unius composila est,
quae sic illocaliter dominaturin corpore, sicut uuns in numeris,
Bufag d, H.]
47) Plutarchus Decret. Phys. IV, c. 4. Stobaeus Eclog. Phys. p. 878.
où de negı Ilharova zor Apyvras xat où hornor Nudayogews tv
.
VUL TOEHFON ATOPALTOPEUS, Öraugouvreg etc Aozıguov zor Gvpou
dul ens vurov, TOUTE pag EVOL ZONE HQOS THY TRY agETOY
ovoraaur. Cs fcheint als wenn Samblid, aus dem biefeë Fragmentgenommen it, felbft aud) dadurch, daß er Platon und Ardytee,und dann erft ‘bie übrigen Pythaqoreer nennt, die obige Bermutbung
. beftätige. Der Verfaffer der mYıxav ueyaluy c. à nennt Plato
alé ben erften Philofophen, der ben Unterfhied zwifden Vernunft
und Sinnlichkeit in Begriffe gefaßt habe. Diefes mag wohl wahr
feon, wenn man darunter deutliche Begriffe veeftebt. -
À
*) Wohl richtiger. Vermögen det, Affecten. -
Hd 8.
A
Pagina 152
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme der Pythagoreer.
nicht wirklich denken können 45).
E8 iff gewiß eines ber
fhwierigften Gefchäfte, bas Mannichfaltige der innern Ets
fheinungen aufzufaffen, zu claffificiren, und unter beftimmte,
Bermôgen zu ovdnen, und ed war bamald befto fdwerer,
je weniger man, bei der allgemeinen Richtung der Speculas
tion auf äußere Gegenftände, die Aufmerkfamfeit des Geiftes
auf. feine eigenen Thätigkeiten und Veränderungen zu richs
ten vermochte.
€8 war dazu noch zu wenig Stoff gefams
melt, und bad Unterfheibungsvermögen noth gu ungelibt.
Daher ift 8 fein Wunder, wenn bie erften Verfuche, die
: Vermögen bes Gemiiths zu unterfdeiden, fid faft gar nicht
über die Unbeftimmtheit der gemeinen, in ber Sprache ausz
gedriidten Begriffe erheben. Ob und wie Pythagoras und
feine Schüler fid) diefe Vermögen gedacht haben, Idßt ficy
aus Mangel an Nachrichten nicht beftimmen, nur aus einiz
gen Fragmenten muthmaßen. Weniger darauf bedacht, ben
Inhalt der Begriffe von diefen Vermögen zu beftimmen, als
die Vermögen felbft, fo wie das Subject derfelben, aus Naz
turkräften abzuleiten‘, konnten fie biefe Begriffe nicht wohl
anders al8 materialiftifh faffen. Die Seele ift eine aus Fala
tem und warmen Aether gufammengefeste Subftanz *) 5
bie Vernunft Wirkung des warmen Aethers, ober
bes allgemeinen Lebenéprincips, die Sinne find Ausflüffe
(Tropfen) desjenigen Theils ber Seele, welcher im Gehirn ift **),
48) Diogenes Laert. VIII, §. So. zn» de avdoonov wuyny droge
ota: Toin, ts T6 vour xu PoBvas zat D UUOV. vouw ur
ovv sivas xan Gundy xu ev Tous ahhowg oi poevag de povoy ey
wrdgwng. -Plufarchus Decret. phys. V, 20.
[Gollen wir dem
onft untritifden Compilator Diogenes nicht Verworrenheit Schuld gez
en, fo müffen wir annehmen, baf die Pythagoreer hierin einen
ganz andern Spradgebraud), ald bie fpätern Ppilofophen beobachtet
haben.
Go nimmt add Salmas. ad Epictet: p. 373. an, daf
v
bei ben Pythagoreern die höhere Geiftestraft bezeichne, welde fpäter
. Aristoteles zv avagyın vour nannte. Man kann mit Brandis
. Comentatt, eleat, p, 37. aud) baë Fragment bed Xenophanes add
a
anavevds zovoso 790% Pers navtu xpadaiver hierher ziehen.
-
i
0
Bud].
*) Bergl. zu ben folgenden ebenfallg die Anmerkungen *) zu ap f-.
und 135.
:
.
Xd.
$.
**) Die Erklärung ber Sinne durd) Beziehung auf die 4 Clemente
bei Stob. ecl.phys, p. 1104. fdjeint bem Œmpebofies und ben
Platonifern anzugehören.
Pagina 153
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)138 Crftes Hauprfl Deitter Abfchn. Bweites Rap.
Der Warmeftof im Gehirn ift bad belebende Princip ‚bei
ber Beugung. Die Seele ftellen fie fic als: einen orga= '
nifchen Körper vor, der wählt und Nahrung braucdt *)..
Shren Nahrungsftoff erhält fie aus dem Blutes die Venen,
Arterien und Bänder maden das Band zwifden Seele und Leib aus, bis fie erwachfen und ftaré ift, wo dann Bors
ffelungen und XThätigfeiten das Verbinbungsmittel aub:
maden 49). Diefe Borftelungen find aber nichts als ein
| Wehen der Seele, das ift, des Aethers, unfichtbar wie
_
biefer, oder ein fehr warmer Dunft, welcher von ber falten
- Luft zurüdgedrängt werde; daher fehe man burd Luft und
Waffer **)., Wabrfdeinlid unterfchieden die diteften DPythaz.
gorcer zwifchen Denken und finnliden Borftelungen noch
nicht; zum wenigften: bat man, nad den obigen Bebaup:
tungen und bei dem Mangel fiderer Nachrichten, Eeinen
Grund anzunehmen, daß fie auf diefen Unterfchied geachtet
haben, welcher erft von ben Gleatifern genauer erwogen
wurde, Ungeachtet ihrer metaphyfifden Zahlentheorie, ers
fceint dennod die Vernunft nicht als bas Vermögen nach
Principien zu denken; fie hatte nur dad Gefchäft, die Vers
hältniffe, nach welden bas Univerfum. befteht, aufzufuchen;
bie Zahlen und Verhältniffe berfelben müffen ihr gegeben
:
.…
*) Plat. de plac. IV, 3, ftellt dagegen den Pythagoras ganz beftimmt
untet die, welde bie Seele für unförperlich halten. Vergt. V, 4.
x. bd. $.
:&9) Diogenes Laert, VIII, §. 28. to ds omega eva otayova syxepadov segpiszovour sy Ewurn DEquay arpov* — ano Òe tov uruov
wuyny zat ada Crgoisodou). — 29, TV ds. momo Kor ,
vos, KL xar eidog Tnv OQAOIY, ETUOV Teva svet apar Hebuov,
«as Oatouto Asyerat dv atpos ogav, zut ds’ vdaros: avreperdeo das
yao to Gegquoy ano tov yuygov. — 30. atayovas de rm ano |
TOUTUY tag misdndtig. — Toepeatac tyy wuyny ano Tov aipatog.
Tous Os hoyous wugns eveuous ecvay. aogatoy TE sLvaL aUTYV KUL
zovg doyous, exes zat 6 andy aagatog, —~ 31. bau te sivartye '
yuyns tag plsBag zat Tag apTmgLdz Kav to vevpu* otay Òe sayves
“+
xat nad avımy yevonern nomuer, Òeoua persadar durys tous ho~
yous zac sa egya, Plutarch. Decret. Phys. V, c. é 4
j
#+) Die Stelle bei Diog. L. VIIL, 29. (f. vorige Anm.) fagt aber nur
von bee Sinnempfinbung und von der bes Sehens insbefonz
, Bere, daß fie auf einem warmen Dunft beruhe (wie die wezn übers
haupt nach biefer Hppothefe); indem beim Sehen bas Kalte dem
ven entgegenwirte.
De
e-
M
Pagina 154
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Phitofopheme der Pothagoreer.
woerden, denn ed giebt Feine andern, als die in der Welt
wirklich vorhanden find 5°),
|
Die Pythagoreer mußten, vermôge ihres Syftems, ans
nehmen, daß alle Dinge in der Belt imBufammens
bange ftehen, weil bad Feuer oder Aether, welcher
Pas allgemeine belebende und thâtige Princip ift, Ades durchs
bringt. Gie fonnten alfo fagen, dab Gott das Fatum
fey oder die unveränberlide Urfache, durch welde Alles ges
fhieht. Wahrfcheinlich vereinigten fie damit ben Glauben
an bie Vorfehung der Götter, den fie, was die Schidfale des.
Menfchen betrift, noch durch die Berwandtfchaft der Menfchens
feelen mit der Gottheit unterftügten 51). Gie fcbloffen zwar,
wie e8 fcheint, ben Zufall nicht aus der Welt aus, wie
auch fchon daraus erhellt, daß fie ben Dämonen fo vielen.
Einfluß auf Menfchen zufdrieben; doch fuchten fie den Zus
fall wieder mit dem Fatum zu vereinigen, aber auf
eine Art, welche die Freiheit untergräbt. Stobdus hat,
uud aus Ariftorenus hierüber ein merfroùrdige8 Frags ‘
ment aufbebalten. Cin Theil des Zufal8, fagten fie, rühre '
bom göttlichen Einfluffe her (aga tov daıuoviov). Die
Menfchen nehmlid erhalten Eingebungen
von der Gottheit,
einige zum Guten, einige zum Böfen. ene find offenbar
eben beëmegen glüdlih, fo wie biefe unglidlid. Diefer
Bufall offenbare fih in denjenigen Fallen am veutlichften,
wo Menfchen ohne Ueberlegung und Klugheit oft ihre Büns
fe erfünt, andere aber biefelben vereitelt fehen, die. fie
nad richtig entworfenem Plan und mit Vorfidht zu erreichen
fuchten. Eine andere Art des Zufalld fey ed, daß einigen
‘Menfcen tur natürliche Fähigkeiten und Anlagen Alles
50) Aristoteles Metaphysicor. I, c. 7. agetpow ds adlor undeva var maga Tov apıduov tovtoy, sE où ovveatyxsyà waopoe. [ Allein
bie Zahlen find nad) diefer Vorftellungsart aud in der Seele wefents
_ lid; fie felbft ift die fid) bewegende Babi f. oben &. 129. Buf. b. D.]
51) (Nad der vielerlei Borftellungen vermifdjenden Stelle bei] Diogenes
Laert, VIII, $. 27. «as avtounoy sivar moog Deovs auyyevtian
Kata zo pereysiv avdgomoy Heguov. dio xaı npovoriotas toy |
Stor ho: sipaguerny Te tov Slow vas zou Kara egos astiay
ang Stosmnosws. [Eine Andeutung andrer Art wird bem Philos
1008 beigelegt. Cf, Heindorf ad Phaedon. Plaw 6m Buf. bd. 9.)
Pagina 155
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)140 Geftes Haupefl, Dritter Abin, Ziveites Rap.
gelinge, was fie unternehmen; daß andere hingegen zu Allem
ungefhidt find, und nie mit ihrem Berftande bas rechte
Biel treffen. Diefes. Mißgefhid liegt in der Natur,, und
~ ffebt nicht in unferer Gewalt. Die Urfache davon liegt in
der Gecle, die jedem Menfchen zu Sheil wird. Es ift daher
ein Glid, wenn man eine gute Seele empfangen hat 52),
Ueber die Sittenlehre (als befondere Wiffenfchaft
).
haben bie Pythagoreer nicht viel nachgedacht. Se mehr ihr
ganzes Snftitut auf moralifde Bildung und Ausübung
der Pflichten mit berechnet war, defto weniger fcheinen fie .
das Bediirfnif einer befondern Wiffenfchaft derfelben gefühlt
zu haben 53). Es läßt fid) daher, fo lange die Aechtheit ber von Stobäud gefammelten Fragmente nicht erwiefen ift,
über ihre. praËtifhe Philofophie nod weit weniger fagen,
als über ihrg theoretifhe*). Die Tugend erflärten fie für
ga) Stobaeus Eclog. Physic. p. 206. Mit biefem ftimmt zum. Theile
berein Diogenes Laert. VII, §. 32. ueyıorov Je pyor Tuv sy av-
‘
Seumnors tsvac, Tnv puyyy meus ett TO ayadoy- N ENL TO xUXO7.
-
,
°
tvdatporey avFgwrov, 0Tay ayadın wign ngocyerntas
53) Aristoteles Ethicor. Magaor, 1, c. 2,
¥) Vielmehr können wir über die ethifde Seite ihrer Philofophie, weil
‘thre praßtifchen £ebren mit ihrer Zahlenfombolit genau verbunden
waren, im Ganzen ein febr beftimmtes Urtheil fällen. Dem daz
maligen Standpunkte des Denkens gemäß, tritt das Ethifche nehm=
lid) bei Pythagoras nod in der Form mannidfaltiger Regeln für
fpecielle Berbältniffe deg Lebens, und afcetifher Vorfdriften auf,
welche fih einestheild auf gereinigte Religion und geordnetes Leben
im Staate beziehen, anderntheils an borifche Stammeseigenthim:
t lidleit und dgyptifde Symbole anfchließen, welde Pythagoras in
feinen Bund verpflanste. Durch das Legtere, und indem fic) feine
prattifden Regeln an ein Bild ankndpften, erhielten feine Lebriprüde
bas Gewand bed Rathfelbaften und Empbhatifden , wodurd fie id
aud) dem Gedddhtnif feiner Gatiler einprägten. Inwiefern nun
zwar bas Ethifche mit dem Poyfifden in der Betradtungd des Pythas
oras immer nod) ungetrennt blieb, feine Lehre und die von ibm ges
iftete Verbindung aber doch gylest auf das Praktifhe mit Ernft
binwirkte (vergl. Borphyr. vit. P. §. 47), infofern fonnte ¢ Aristot.
inagn. moral, I, 2.) wohl gefagt werben, dap er der erfte (Philo:
foph) gewefen, deë von ber Tugend zu reben verfucht babe, was
fid jedoch nur auf bie von Pythagorad aufgeftellten Beftimmungen
der Tugend und ber. Gerechtigkeit (vergl. Note 54 und 56.) zu bez
gleden deint, und mit ber Stelle Metaph. XIII, 4. nidt im Wiz
erfprude fteht. In den fogenannten golden Sprühen (S. oben
.&. 74.) bei. Diog. L. VHL, 17 sq. und bei Jamblich protrepticon
gub fio, if wenigftens Einiges altpothagoreifden Urfprungs.
Pagina 156
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme
ver Pythagoreer.
144
eine Harmonie, Wir haben fhon oben gefehen, dap fie
alles, was gut iff, unter den Begriff der Einheit, Bez
ftimmtheit, fo wie bas Bsfe unter den Begriff der Un:
beftimmtbheit, Bielbeit bradten, tenn man fann nur
auf eine Arf Recht thun, aber auf vielfältige Art- fehlen,
Die Tugend tft alfo ein Zuftand der Volfommenheit, ein
beftimmtes Berhältnig, Uebereinftimmung und Einheit bed
Gemüths 54).
DObgleid bas Legte nicht hingugefest ift, fü ers
giebt fid boch dtefer Sinn aus dem, was Samblid nat bem
Ariftörenus yon den Ermahnungen zur Tugend fagt. Pythagoz
tag drang auf nidté fo febr, als Gleihmuth und Selb
ft
beherrfdhung, oder die Kraft, allen Verfuchungen zu Aus: .
fhweifungen zu widerftehen und unter Arbeiten und Widerz
wärfigfeitennicht zuerliegen. Gin Bild diefes innetn Zuftande8 '
war die vorgefchtiebene äußere Lebensweife der Pythagoreer, in
welcher alles bid auf Kleinigkeiten beftimmt wat, und bie wieder babin abzwedte, den innern Geelenftieden zu beförs .
bern 55),
G8 ift wahrfcheinlich, daß fie fid die Tugend,
and) alé Achnlihkeit mit Gott *) gedadt haben. Dent
Sergi. Lil. Gyraldus de symbol, Pythag. Opp. T. IL p. 465. und
_ Fabric. bibl. gr. Vol. L
A. d. DP.
54) Diogenes Laert. VIII. §. 33. tnv de agerny Gguomay svat, vas
thy Üyınay, xu To oyador ünavy, kos zov Jeov, Aristoteles
Ethicor. ad Nicom. IL. c. 5. 10 yap xdxov, Tov aneigov, us ob
IvFayogeios eıxakov“ to &dyaGov, tov zenepaoperov. Cf. I, 4.
55) Tamblichus vits Pythag. $. 948eq. evxonts
de aas za olla nave)
#7 apa megs nados 7 Ex ua axgurnoews sstonvtas — §. 95,
EITEOKOTLEL yap 7106 EXOUOL PYTEWS TOG TU 8 QUALY, sxades Os TOUTO
xaraptvair: moleuıov de neo THY AYQLOTHTA ngos TOUT»
diayoyyny» axohovdev
dxodùaray,
…
axvginy,
yap aygıorıtı avarderar, avaozurtiay,
Övouadsıny, avagyıay, arıusay Kor To
axohovda- moxornre Os za: Nusgomts Ta evavtia. — et Js rage
Hoozov xotedor Teva, cianep ullopvlor rıya xaı oÔverov annlaure.
*) Jamblichus de vita Pytbagor. §. 157. Cf. 66
— 87. anavta ood
wigs zov TQUITEY OV My smarter Övopibovoi, sorozaoras THE
mgog to Gatoy opohoyrac (outhiag), zes agyn avım tote
tg grdovoguag: ote yehovoy nowovor où avGgumos aliodey
moder Cytodrytss to ev 7 saga Fewv etc,
Porphyr. vita
Pyth. $. 41. nalıura adndtver: zovro yoo povor Övvacdn Tous
ur9punovs moter Dew magurdlmouovs. Stob, ecl. lib. 11. c. VIL
p. 64 66. ©. Anm. 36. — Der Sag: die Tugend ift Einheit,
Harmonie (innere Uebereinftimmung
), welder einerfeits
mit der
Borftelung von Gott, als Einheit, welde bec Menfh nähahmen
Pagina 157
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)142 Grfles Haupt. Belter Abfén. Zweites Kap.
ugend, bas Gute und Gott wurde unter einem und heme
felben Begriff der Einheit und Harmonie gedacht. Uebris.
gens barf man in biefem Zeitpuncte nod) Beine Unterfuhung
über die Gründe ber Eittlichkeit, über die Verpflichtung zur
Tugend erwarten. Denn außerdem, daß diefed fchon unents
widelt in bem Begriffe ber Bollfommenbeit lag, die mit bem
_ tugendhaften Charakter verbunden gedacht wurde, befam der
menfdlide Geift erft dann Veranlaffung zu diefen Unters
fudungen, al8 ber Wiberftreit der finnlihen Neigungen und
- © ded moralifhen Gefühls deutlicher erkannt, und biefes durch
Sophiftereien zu Gunften jener hinwegdisputirt werden follte.
Am beften find, wir von ihrem Begriffe der Gere
hs
tigkeit unterrichtet. Sie brüdten ihn burd eine arithmes
tifde Formel aus, die wir fon oben angeführt haben,
(Anm. 31.) deren Sinn aber hier erft angegeben werden
Tann. Gerechtigkeit befteht darin, daß alles, was
Einer bem Andern anthut, ibm wieder gerade
‘in demfelben Verhältniß angetban werde. Wer
_ einen prügelt, muß wieder geprügelt werden; wer einen um
ein Auge bringt, muß wieder ein Auge verlieren*). Mit
einem Worte Wiedervergeltung, dad ius talionis
*
folle ober als Zahl der Zahlen (agcFuow agduos Hierocles
p- 166.) und bem Sage: das höchfte Gut beftebe in der vollloms
menften Wiffenfhaft (Erlenntnig) der Bablen (vergl. Theodoret,
Therapeut, ad Graec. Serm. XI.)5 anbrerfeits mit der Anficht von
den verfchiebenen Kräften der Seele, welde mit einander in Uehers
einftimmung gebracht werden follen, zufammenhängt, wird von ben
fpätern Pythagoreern ausführlich entwidelt. Vergl. Gale opuse.
mythol. p. 684 sq. 687 sq. 698 sq. 702.
Giehe in Hinfidt des
Unterfdieds der Altern und fpâtern Pythagoreer in dlefer Hinficht
UE Leben bes PL ©. 163.
.
A. d. $.
®) Obgleich der pythagorrifhe Bei des Rechts (dinacoy) unbes
ftimmt und darum ungenügend ift, fo fdeint es doch, als babe ibm
bier ber Berfaffer, vielleidt verleitet burd Ariftoteles Kritik,
eine zu materielle Unwendung gegeben. Hätte er fid, wieer bei ans
bern Kehren des Pythagoras gethan bat, deë Famblidus zur Crs
Hadrung bedient, fo würde ev in folgenden Worten eine andere Ers
* Uärung gefunden haben: aezy Tosvur ects dıxalocvyng
ter TO KOLVOV KOL TO toor,
“at
pias
wuyns
«at TO eyyviaro
ouonadey Uaviag
Hat SITE
10
#706
Copatosg
ŒUTO
TO
euov
pIsypeadar xo to odkorgeov. woneg Ôn var Ilary padur
nage tay HvÔayogtrar ovagaotugu, lamblich. de vita Physh,
a
. §. 167»
Pagina 158
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)‘Pbilofopheme der Pythagoreer.
( avrınenovdog) machte, nad der Meinung der Pys
thagoreer, bas Wefen der Gerechtigkeit aus; und dief if
auch unfiveitig der Sinn ber Formel: eine Zahl, die
gleichvielmal genommen gleich ift 5%). Diefer eins
gige Begriff, über den wir fo gute Zeugniffe haben, daß er
wirklich pythagoreifd ift, ift fon hinreichend, die Unddtheit
ber von Stobdus gefammelten Fragmente zu beweifen *).
Er verrdth nod die Kindheit des Verftandes; in biefen
herrfcht fchon weit mehr Verfeinerung und philofopbifde Kunft,
wie wir nur had Plato erwarten können. CS widerfpricht
übrigens gar hicht der Achtung, bie den Pythagoreern ges
Bühret, wenn wir annehmen, daß fie in der Entwidelung
des Syftems der Pflichten noch fehr weit zurüd waren,
Sie waren mehr praftifhe Philofophen, deren Rechtfchaffens
heit, Gerechtigkeitsliebe, und hohes Gefühl für Achte Freunds
fhaft**) ihr Andenfen immer in Ehren erhalten wird,
-
LS
56) Aristoteles Ethicor, Nicomach.
V. c. 8. Eudem. IV. c. 3. wee
Corso yag (ot IvGuyogeot) anlws To Öıxarov to ayrıne
mov&og addon Magnor. Moral. 1. c. 34. ed, Du Vall. eors ds
Öixasov xaı TOUYTUTEROVOOG OV uw 106 78 We OF Iv
Suyopriot, eleyov. extıyor 189 yao worto Öixuiov svat, & Eromos
tie, tavte avtnadeary. I. c. 2. Bergl. Arist. Mewph. 1, 5.
XII, 4.
\
*) Dex Berfaffer hat leider hicht angegeben, welde; und von allen
fann Dief dod nidt gelten. Siehe oben Seite 26,
Heeren
erklärt die bei Stobäus erhaltenen Brudftiice, welde der Pythagoz
teex politifche Lehre betreffen, für turdaus unverwerflid) (Ideen
über bie Politië 2c. INN. ©. 433 ff). Da piefe Lehre hier, wie bei Tene
nemanns Vorgänger Meiners, ganz Übergangen ift, fo füge id
bier folgendes darüber bei. Der Ordnungésfian der Pythagoreer, der
alles nad) Zahlen und barmonifchen Verhälmiffen auffaßte, fpricht fih
unverkennbar in der Stelle bei Stob. Serm. XLI, p. 243. aué,
wo die
Anarchie für bas größte Uebel, bie bürgerliche Drbnung als eine
nothwenbige Bedingung des Beftehens bec Menfchen erklärt wird.
Sn Hinfiht ber Verfaffung fheinen fie daher dev Wolksherr:
haft vorzüglid abgeneigt gewefen zu feyn, und eine bedingte
Ariftotratie alé die befte Verfaffung angefeben zu haben.
Bon den Befehlenden verlangten fie, daß fie fomohl Elug, als mild
und dem Gefege unterworfen feyen, wie von den Gehordenden, daf
fie @efes und Obrigkeit lieben. Schon bie Knaben müffe man daran
gewöhnen, daß Ordnung und Uebereinftimmung fain und näslid,
Unordnung und Berwircung aber höflich und fchädlid fey. Wergle
Stob. Serm. XLII, XLIV. p. 314. und XLVI, p. 52g. %.5.9.
**) In der ethifchen Unfit it bee Begriff der Freundf daft bes
fonders hevoorzuheben, welde als voilfommene Gemeinfdaft bes
Pagina 159
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Crftes Haupeft. Dritter ab fn. ‚Zweites Rap.
Als Theovetiter, welde bie Pflichten, weiche fie praftif ausübten, fuffemotifh aufzuftelen, und zu ‚begründen gefuht
hatten. Ihr Syftem lag in ihrem Handeln, die Webers
zeugung deffelben in bem moralifchen Gefühl, welches die
Stelle von Gründen vertrat: Cine Theorie der Pflichten
war überflüßig, denn in ihrem Snftitut wurden die Mit
glieder zur Ausübung derfelben ohne Theorie gebildet und
| ‚gewöhnt, Allenfals fonnte ein Intereffe für biefe Theorie
entftehen, nachdem der Bund aufgehört hatte: Allein die
‚mufterhafte Lebensweife überlebte den Bund, und mit ihm
hörte wieder det Wirfungstreis zur moralifchen Bildung ans '
derer auf. Soweit die zuverläffigen -biftorifhen Facta reis
‘den, finden wir nicht, daß fie fic) um die praftifche Phi=
lofophie ein Berbienft erworben hätten, dad bem Berdienft
würdigere Borftelungen von Gott und Religion 57) verbreis
|
Menfdliden betrachtet wurde, und burd beh von Pythagoras gez
ftifteten Bund dargeftellt werden follte. Wie nebmlid die Welt die
Harmonie und Ordnung der Dinge ift, fo follen fih die Menfhen
in Gintradt verbinden, um diefe Ordnung und Harmonie aud im
“ienfdlidgen Leben berguftellen, welder Forderung, wie man ridtig
bemerkt bat, fon die Borausfegung des Gegenfages zwijden dem
Mdealen und Wirkliden zum Grunde liegt, welcher hier gelöft weez
ben follte. Fene Beziehung dex Freundfchaft auf die Welteinrihtung
' Tprechen aud) die Pythagoreifchen Stellen bei Plato Gorg. p. 508. A.
u. Lysis
p, 214 B. aus. Ueber den pythagoreifden Begriff der Freunde
Schaft im engern Sinne, fiebe Cic. de legg. 1, 12. dev aud) die
befannten pythagoreifden Anfpride ra twv qidwy zoıra und que
worornto anfibrt; und de off. I, 17. quod Pythagoras ultimum
in amicilia putavit, út unus fiat ex pluribus, Cf. Diog: L. VII,
10. 25. 33, Iamblich. de vita Pythag. das ganze -Cap. XX XIII:
Bol. Cap. XVI. F-69. Porphyr. de vita Pyth. §: 53. tov dt prior
alloy savtov u. §. 58. et Rittersh. ail h. 1. edit. Kiesl. p. 199
et 266. Doth wird nad) ber legten Stelle biefe Sreundfchaft nur auf
die Bundesgenofjen eingefhränft (exxdereuw tag aldorgras
quuag). — Eine andere ethifche Lehre, die dem Pythagoras zuges
a
-fdrieben wird, ift bas Verbot des Selbfimorbe, well -diefer
©
Ungeborfam gegen die Götter fey, unter deren Derrfaft wir uns
befinden. Bergl. Gic. Cato mai. Cap. XX. und dle von Bödh in
Jeiner Schrift über Philolaos ©. 178 ff. angeführten Stellen. —
Einige, wie Wyttenbach, ad Phaedou. p. 172, féreiben aud) den
Pythagoreern bie bei Plato rep. 450. C. D. de legg. 650: C. vor:
Fommende Unterfeheidung ber 4 Haupttugehden zu; aber freilid gez
flúbt auf die Fragmente beim Gtobdus,
andern gezweifelt wird.
.
an deren Aechtheit von
57) Cicero de legib. If, c 115 Bergl. Note 36-
Pagina 160
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme Dee Pythagoreer.:
get und Überhaupt moralifhe und teligiôfe Kultur unter ihren
Beitgenoffen gefördert zu haben, an die Seite gefegt wers
ben fonnte.
an
Benn ed auch gewiß ware, was einige Schriftfteler
behaupten, daß Pythagoras zuerft das Wort Philofoph
erfunden habe,
fo iff ed doch nicht wahrfcheinlich, daß er
es in einem ganz beflimmten Sinne gebraucht babe. Diefer
Ansdrud,- fo wie prdooopsar und giriocogia, ift wahr,
Scheinlich erft durch Plato gebraucht worden,
um eine bes
fondere Wiffenfchaft zu bezeichnen 5), Zum wenig:
- flen ift nicht entfdieden, ob Pythagoras eine Wiffenfyaft,
und welde, damit bezeichnet, und vb et biefe von Mathes
mati, wie Plato, oder nicht, unterfchieden hat *).
Jest bleibt uns noch eine Furze Anfühtung der berühmt:
teften Pythagoreer übrig, EB mütbe intereffant feyn, wenn
wir von biefen fo viele Nachrichten hätten, dag wir ihren
Gedankengang, die fortfchreitende Kultur des Verftandes, pie Veränderungen, Zufäge und Erweiterungen, welde die
Pytbagoreifhen Dogmen erhalten haben, mit binlänglihen
Beugniffen belegen Fônnten. Anftatt beffen Fönnen wir nicht
viel mehr thun, als ihre Namen nennen, und’ einige ihrer
Behauptungen änführen, und nicht fowohl eine Gefchichte
4
te
58) Cicero Tuscul, Qu. V, c, 5. 4. qui rerttm natüram studiose in
tnerentur: hog se appellare sapientiae studiosos, id est enim pbilosohos. Cf. Diog. La VILL §. 8. prooem. $. 12. [Tamblich, vita
yth. §. 58 59. 159. copay ds envarnuny Ins EV Tors ovor ode
Seog. In dem Obigen fheint Tennemann Meiners Cinwürfe (Gefch.
der if. in Griechentand und RM. 1. B. ©. 118 u. ff.) in der
Hauptfache gehörig befeitigt
zu Gaden. Ce iff wabrideinlid, daß
fb Pythagoras den Namen qidvvoros gab; aber baraus folgt nicht,
daB er die Wiffenfhaft, welde Bisher copia geheißen, aud prdovogra genannt babe, denn bie Spâteren, wie Iamblic a, a. ©.
find Hierin Feine entfcheidenden Zeugen. Go Elingt dut das, was
fie von bem B mede fagen, den Pythagoras diefer Wiffenfdyaft gefest
(etcactae kas Öielevdepaver toy Torovroy Bipyuuy zor Cvvdi-~
vuur wataxeynpropevoy muy tov’ youy Porphyr. vita Pyth. 46. cf.
Rittersh, adh. 1. febr ptatonifd, obgleich andere bie usdery Sayurow
bes Plato vom Pythagoras entlehnen laffen. Buf. bd. H.]
_ 9) Daf Pythagoras Philofophie und Mathematië Gbrigensnit teennte,
ift oben bemerkt worden,
Tennemanns G. d. Phil. L Th.
nn
.
oh
Pagina 161
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Grftes Hauptft. Dritter Abfchn. Zweites Rap.
der Pythagoreifcnen Philofophie bi8 auf Sokrates Kiefern, als
vielmehr die Lüden in berfelben bezeichnen *).
=) Das Verzeichniß des Jamblid de vita Pyth. Cap-36. nennt bie Made
folger des Pythagoras in folgender Ordnung: Ariftäus (Arift&os)
aus Groton, Sohn bes Damopbon, Gatte der Bheano, und daher
Pythagoras Schwiegerfohn.
enn eeft die fpâtern Ppthagoreer
gefdrieben haben, fo ift diefer Ariftäus von dem Ariftäon verfchiek ben, aus beffen Schrift rage aguovees Stobaeus ecl. pbys. I. p. 423
ffi
ein Brudftüd aufbewahrt bat, welches aus der Grolgteit Gottes die
Gwigkeit der Welt folgert, und welcher Verfaffer mehrerer mathematia
- her Schriften genannt wird; ferner Mnemar dus (Mnemardjos,
— nad andern Minefardos) des Pytb.Sohn. Diogenes £. nennt bageaen
Peleauges, einen andern Sohn des Pythagoras, als unmittelbaren
Rachfolger feines Waters (1, 15. VU, 43.)5 dann Buldgoras,
unter weldem Groton zerftört worden; dann Tydas, oder Gore
tydas, Gaïtybas aus Groton 5 dann Urefas, nad Plutard)
Arkefos, zu deffen Beit nod Kliniaë und Philolaus (vieleicht haben
inige aus Arefas Archytas gemadt, in ber Angabe, diefer fei ded
rehytas Schüler) zu Heraklea, Theodofides und der Crotoniat oder
Varentiner Eurytus zu Metapont, (ber in einigen Stellen bei Jame
blid Schüler des Philolaus genannt wird), und Archytas zu Zarent
„gelebt. Unter den ältern Pythagoreern werden auch genannt: Lysis
und Ardippus (nad Jamblich §. 104.249.) welche beide bei der
Berftörung des potbagoreifhen Bundes entronnen fein follen (f. aud
unten zu Anm. 63.)5 ferner Theages (Samblid §. 257.) und Met oz
pus, von denen aud) Stobäus Bruchftüde gibt, ferner Hippafus ©
von Metapont, had andern aus Groton oder &ybaris, ber als Lehrer
der ALusmatifer angeführt wird, und wegen ReLanntmadung pys
thagoreifcher Lehren im Meere umgelommen fegn foll (lamblich. de
vit. Pyth, cap, XVIII, 80 u. 88.), wiewohl er nad glaubwürbigern
Nachrichten bei Diog. L. VII; 84. nichts gefrieben, Sn-ben meit
ften Stellen ber Alten
(Arist. met. 1, 5.
Sext. Emp. adv.
Math. IX. c. 5. $. 360. vgl. X, 5, 31% Plutarch. de plac. I, 5
Simplic, in phys. Ar. p.6a Stob. ecl. phys. p. 304.) wird er neben
Herallit wegen der Bebauptung genannt, daß bas Feuer der Urftöff
der Dinge fei, beffen gedaen Lheil zur Erbe werde, die wieder vont
Feuer aufgelöft, fi inWaffer, und als Dunft fid erhebend in luft
verwandle, und daß ber xoouoç und alles Körperliche in periobifher
Umwandlung (Diog. L 1.) wieder in Feuer aufgelöft werde. Rach
Stobaeus Ecl. Phys. p. 862. betrachtete et bie Seele als das. xgırıa
xoÿ koouovoyou Yeou opyavor, indem er die Bahl auf diefelbe ans:
wendete. —" Ferner wird And aus Nhegium von Samblid
u. X. alé Pothagoreet Aufgeführt. Er behauptete, ber Urftoff bec
Dinge fei bas Waffer, (Simplic. in phys. Arist. p. Ga) Über wie
Sext. Emp. Pyırh. ‘hype HL, 30. adv, Math,
IX, 360. berichtet, Wafe
fer und Feuer, (weldes Origenes philos.
c. XVI. dahin erklärt, daß
aus bem Maffer bas Feuer entftanben fei) und bie Seele, wurn,
mworünter er wohl bas Belebende des Körpers verftand, fei ebenfalls
Waffer, (Arist. de anima 1, 2, Stob, ecl. p. 798.) wabrfdeintit
(wie Ariftot. Hingufagt) weit alle Ekzeugung feudt ift. Durd biefe
Meinung gehört ex mehr ber fonifden Schule an, wie ihn behn
aud Mrifioteles, dee Ibn im bee angeführten Stelle und aud
Pagina 162
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)“‘Philofopheme
bee Phibegeeter. — “447
Alemdon aus Kroton, ein Beitgenoffe des Pythagoras,
befddftigte fid ‚vorzüglich mit der Argneiwiffenfhaft. Bon
feinen, Behauptungen haben wir fihen oben etwas anges
führt *). Er hielt vem Pythagoreifhen Syftem gemäß bie .
Sterne für Gettheiten, ober für.Wefen, denen. von Ewige
„Heit her eine göttliche Kraft beimohne.-
Diefe Behauptung
ftüßte er darauf, daß fie fih unaujbôrtid burd fb feibft
bewegen. 8 liegt alfo doch ein richtiger Begriff, nehmlid:
der einer abfoluten Urfade zum Grunde. — Die Seele ift
den unfterblichen Gôttern ähnlich, weil fie beftändig in Bes
wegung iff, und daher ift fie auch unfterbli 59), Unges
metaph, I, 3. fed péringfhäsend behandelt, groifden ben Soniern
auffübrt, Alerander von Aphrobdifiaë berichtet aud) noch von ihm (in
Arist. metaph, fol. gob) er babe gelâunnet, daß e8 etwas außer dem
finnlic) ErEennbaren gebe; weshalb ihh Ritter (Gefch. det fon. Philof,
G. 20.) in ein fpâtères Zeitalter fest. Hiermit Éôhnte aud der {bm
beigelegte Athetamusin Verbindung flehen. Diogenes führt auch. ben
Fomifhen Didter Cpidharmus aus Kos, der jung nad) Gicitten fam,
als'unmittelbaren Schüler des Pythagoras an, (VIII, 78.) und bericht
tet, daß Plato feine verfchiedenen Schriften fehr benust babe (Ill, g
U. 17.) lamblich de vita Pyth, 166 u. 267. (vgl. Rittersh. ad Pora
>" phyr. §. 29.) führt ibn nur als Eroterifer an, beffen Boctifäy abz
gefaßte Gentengen unter den Philofophen.fehe verbreitet waren;
weshalb aud die Sage ging, er babe die pythagoreifden Geheims
niffe verrathen. Breuchitäde feiner Schriften findet man bei Ste
~phaons, Saxe Onomast. litterar, T, 1. p. 53. hält den pythagorele
den Philoforben
für eine von dem Dichter verfchiedene Pérfon,
Hiketas aus Syralns ift oben Anmerkung *) ©. 125. erwähnt wars
den. Bon Andern wird nod unten die Rede feyn. Ueber die Schüler ded
Pythagoras fiehe aud) Bentlei Dissert, de Phalarid, Epist. u. respons,
ad Boyl. p. 197 sqq.
‚ADP.
113 — 114. Ariltoteles nennt ibn M der Anm. 17 angeführten
: Stelle nicht eigentlid einen Pythagoreer, fondern ét fagt, ei
Habe eine ihnen ähnliche Lehre aufgeftellt, und die Anficht vor
den urfprünglicheri Gegenfäßen den Pythagoréern entiweber gegeben,
oder von ihnen empfangen. Aber lamblich de vita Pyth. .AXIN,
Sect. 104, führt ibn unter ben älteften Schülern des D. auf; was
aard) wahrfheinlic ift, da ev als jüngerer Beltgenoffe deë,
P. in
Groton nicht leit ohre ben Einfluß biefes ausgepeidheten Geiftes
bleiben Fonte.
Erfoll ad) nath dev- unten angeführten Stelle des
Diog. L. einet der dlteften Schriftfteller über ble Natur feon, und
+" ‘Yeitete ben Saamen nach Plut. de plac. V, 3 aus bem Gebirit ab3
nadpbed Chatcidins Gommentar über den Timaens des Platon fudte
ec aud) ble Natur des Sehens durch pie Bergliederung bes Auges au”
erkennen.
.
+ b D.
69) Aristoteles de anima I, ©, 2. 970: yoo avızy adasaror vat,
dia zo zoixeras 101$ wÔargtois, tovro
VE taagyey avın ag um
Pagina 163
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)san Gefler Haupt: Deiter AS. Boeien Kap
achtet biefer bogmatifden Behauptungen,fegte doch Alemdon
einiges Mißtrauen in die Wahrheit berfelben, und fügte bee
Heiden. hinzu: fo viel. als: Menfchen muthmaßen Eönnten,
bätten nur die unfterblichen Götter gewifje Grfenntnif von
ben unfichtbaren Dingen und von ihrer eignen Natur so),
‘Eephantus aus Syracus. : Mertwürbig it feine Deus
tung des Pythagoreifchen Zahlenfyftems, indem er untheils
bare Körpe,— Atomen, —undbad Leere für die Prins
cipien aller Dinge hielt, und hieraus unzählige Welten ents
“ fiehen ließ, die aber doch von der göttlichen Borfehung regiert
würden. Stobdus febt hinzu, er-habe zuerft die Pythas
goreifhen Monaden für Körper erlärt 61),
Bei der
auffallenden Achnlidfeit diefed Spftemd mit dem Leucippis
fihen fragt es fid, ob Ecphantus felbft darauf gefoms
men ift, oder ob er jene Atomenlehre gekannt, und burb
fie die Pythagoreifchen Philofopheme mobificirt hat. Das
Teste ift die gewöhnliche Meinung.
Da"Unterdeffen bas
Beitalter des Ccphantus nicht befannt it, und in den Dys
thagoreifden Monaden aud) fhon ausgedehnte Größen ges
dacht werden, fo ift e8 immer denkbar, daß bitfer Dothages
‚veer felbft auf jene Borftellungsart fain. —
Bon Oeellus dus Lirdanien (bl. etwa OF T1, v. Chr.
406.) und Timdus von Lofri läßt fich hier nichts fagen, da
„auger ben ihnen beigelegten Schriften, beren Unächtheit als
wevougsen- weeds de mas ru Bern rura vivezes Bet vels
vv, qatar, aategas “as Toy oVpavov odo» (al. meine Anm. **
qu ©. 130. Buf. d, H.J Cicero Natur. Deor. I, €, 13.
6e) Diogenes Laert. VIII, §. 83. [Die Stelle beziehtfih nit nee
mentlid auf jehe Behauptungen, fondern fagt überbaupt: über
die unfihtbaren und über die vergänglichen Dinge haben nur die
Gâtter eine Beuttiche Erfenntniß; fo viel aber Menkchen„oruztpeiien
:
Tönnen 2c
Buf.db. PJ
63) Stobaeus Eclog. Phys. p. 308. sravtwy (agyas) va sad
Sopara mec TO EVOV. Tug yup Ilvduyopixug povadag oÖras
tog enepnraro owpurixos. Conf. pf448. 496.) Peendo - Ori
gms ce, 15.
Pagina 164
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Phllofopheme dee Pothogoreer, . . 449
‚ bewiefen angefehen werben fann, Beine eigenthümliche Meis
‘nung befannt iff (©. oben ©: 75 f.) *).
+) Da bie Undchtheit der Schrift bed OveHus megs tno tov zanvros
prees aud ihrer Uebeveinftiran.ung mit der arıftotelifchen Schrift
de. generatioue
et
corruptione
nicht
unwiderleglid
(ft, vielmebr einzelne Gtellen bet Stobäus
bewicfen
(f. ech phys. 1.’
+
Pe 442 — 28 nebft Berend Unmerk. pe 423.) dee cud
nod Fragmente aus einem Bude dee Ocellus neys rouou (ibid.
pe 338 sy.) auffübrt, und eine Angabe bet Sext, Emp, X. adv,
mathemat. Sect. 316., in wether Ocellus mit Uriftoreleë in Hins
fiht auf bie Zahl der Eremente oder Srundfubftangen (ovate) ale.
Úbereinftimmend ausvrédtiih angeführt wird, ebenfalls mit
jener© drift ¢inftimmia find, (f. Gale p.527. ed. Amst) fo will id
die Lcuptgedanten jener Smrıit bier beifigen. Die Welt, das Unie
berfuni — der xomgos — entftiyt und vergeht nicht — ift ewig,
wie bie Figuren, Bewegung, Beit, Clemente (ers de uns 10 are
devruiov zu tu Oynpatog xus Tyg xivagioc, zat Tu Zyurar KOE
tas «atas TOVIO riutevru Quote uytrvuros © xnquug uae xpÜaptog Stob, 1,1. p.424.) und ed ift ummöglich dap das, mas ift, aus
nichts entftebe oder in nicdté vergebe. Im der Welt aber unterfdeis
ben wie das Entftehen, und das, was des En:ftehens urfade ift,
bas was der Entftehung fähig it, ift bas Leidende und Bemegteg
bas, was bie Entftehung bewirkt, bas Ihätige und Bewegende,
Herridende und Göttliche. Die Welt theilt fih in die Region, in
welder Œntfteben und Vergehen vorberrfht, und bie Region des
Unwandelbaren. (©, oben ©. 125) Jn jene Region gehören die
allempfánglide Materie, die allen Körpern zum (Srunde liegt; dann
bie Gegenfäge, wie Kälte Wärme, Zructigkeit Trotenbeit und
endlich die Subftangen (wasaı oder die Elemente), welde -in einans
der Überaehen (uerafallorı es allmia Stob Le. p. 426.) Feuer,
Wofler, Erbe, Luft. Außer diefen vier, der fteten Veränderung unters
_ Wortenen Elementen gibt es ein fanfted , adttlihes (ası Hesov) aus
Wela em die himmlifchen Dinge befteben (f d, obige Stele des Sextus
und bei Gale), — und welches ro xuxdoquyytixoy Cope genannt wird.
Die höhere Welt wirkt auf die niedere du.d sonne und Mond. An
jedem Theile der Welt befindet fit eine höhere Gatrung befeetter
Mefen- Den Himmel bewohnen die Götter, Dämonen wohnen in
der Luft; Menfchen auf der Erde, die ebenfalls als Ganzes nidt
vergeht. Der Menfch ift das mildefte und befte unter den lebenden
Nefen. Daraus fliegen feine Pflichten. Wie das Leben bie Körper
zufammenhält un? die Geele beffen Urfad ift, fo wird die Melk
durch Dar:rcnie gufammengebalten, und ihre Urfache iff Gott; eben
fo werden Familien und Stoaten durd, Eintracht zufammengebalten,
und diefer Eintracht Urfache ift das Gefes. — Ein fpäterer Pptbagos
veer war Zimäus' aus Lolri Gpigephprit in Stalien, der nod
mit Plato umgegangen feyn (Cic. de rep, I, 20.) und Über mas
thematifhe und phufifée Gegenftände im Geifte des pythagoreif den
Syftems gefchrieben haben fol, weshalb aud) Plato feinem Dialo:e -
über die Meltfeele, nach bem Beugniffe des Scholiaften deffelken,
den Zitel Zimäus gab.
Er wird in demfelben al8 ein berühmter und
Gesheter Staatsmann und Phitofoph (Tin. p. 20. A.) gefpildent
Pagina 165
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)450 Crftes Haupt. Dritter Ab, ‘Boites Rap.
© Philolaus aud Tarent, ein eitgenoffe ves Sotraz
tes 62). Man befdubdigt biefen berühmten Mann, daft er
bie Pythagoreifchen Lehifäge der Ordensregel entgegen durch
Schriften befannt gemadt habe 62). Aein biefes Factum
wird mit. fo verfchiedenen Umftänden erzählt, daB ed nicht,
viel Glauben verdienen würde, wenn 3 atch nicht bekanntwäre, daß Zenophanes und Heraflit Kenntniß von dem Dy:
_ thagereismus ‘gehabt haben *), ehe noch ' Philolaus Schrifte
fteller fepn konnte. Die Fragmente, welde Stobäus und
- einige andere Schriftfteller und erlfalten haben, geben uns,
© ber, in der Aftronomie wWoblerfahren, fi der Forfchung Über bie Natur
ber Dinge gevoidmet habe. (ib. p. 27.) Da Plato übrigens in dice
fem Dialoge pythagoreifde Anfichten über bicfen Genenftand über:
baupt verarbeitet und mit feinen deen verwebt (vgl. Aft Leben des
Plato S. 367 f.) folecnen wir nirgends eigenthimlide Philofopheme
jenes Zimäus Eennen. ,
’
"Us.
62) Nad) Cicero de Oratore IIT. c, 34. war er ein Schuler des ältern
Ardhytas. Nad) Diogenes Laert. (der fhm Groton zur Baterftadt
gibt VILI, 84.) ein Beitgenoffe und Freund des Demofrit. (Diog. L.
JX, 38.) Nad Plato im Phaedon p. 61, D. (cap. 56.) hielt fi
Philolaus in Theben auf, wo ibn Gimmias und Gebes, wahr:
Sdjeinlid) ehe fie Schüler des Sofrates wurden, gehört Hatten. [Daz
ber fest BiEG a. a. D. ©. 5 ff. feine Lebenszeit zwifchen die 70. u,
_
95. Olympiade. In dem Verzeichriffe der Schüler des Pythagoras.
bei Samblich (de vita Pyth. c. 56.) wird er alg Schüler des Arcfas
(nad) Plutard) Urkefos, f. oben Anm. * ©, 146.), von demfelben Schrifts
feller cap. 23 u. 31. aud wieder ald unmittelbarer Schüler des Py= —
thagoras aufgeführt, was er nicht wohl feyn ann; f. aud Wpttens
bad zum Phäbon p, 130.
Buf. d. pb]
63) Diogen. Laert. VIII.
$. 15,
Tamblichua vita Pythag. XXXL
'$. 199. Plato folk. gewiffe Bücher des Philolaus (unmittelbar oder
mittelbar) gekauft haben. Gellius Noct. Attic. II. c. 17. -Dio~
genes Laert, VII. 6. &4. 85. Ill, g. Nad einem unächten Briefe
deë Lyfis an Hipparchus in Galei opuscul. inythelag. pe 756 sqqe
hatte diefer pythagoreifche Lehren Òffentlid in Gyrakus bekannt gez
madt. [Bei Porphyr vita Pyth, §.58. u, nege Tijs zo: uadnu,
emsoz. (Cf. Villoison anec. Gr. Ty JE p. 216.) heißen die erften
welche in diefer Schule gefbrieben, Lyfié und Ardippos. Bieh
vermuthet übrigens, daß jene Erzählung von bem Verlaufe Philos
laifher Schriften an Plato ein früperer Alsrandriner in Umlauf gez
feet babe; das Wahre, meint er, fdeine darin zu befteben, daf
Philolaus wirklid) zuerft ein pythagoreifches Werk herausgegeben.
batte, welches Plato las und auf feine Weife benugtes f. a. a. Os
©. 18, 21. 22.
CC
Bubb]
+) Die Stellen bes Diog. L., aus welden bief I. zu fchliepen fcheinf,
(5 B. VIN, 14), find, wie fhon der Hall. Recenfent bemerkte, aw
wave. imm
te
..
Pagina 166
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Obllofopbeme ber Dothagoreer,
wenn fie dt find *), einen benfenden Mann zu erPennen,
der, wenn er auch vielleicht nicht febr von Pythagoras. Sys
fteme abwich, doch biefes mit größerer Deutlichfeit und Grúnd:
lichkeit barzuftellen vertßte, Die Abweihung fcheint hauptfächs
‚lich barin zu liegen, ba Philolaus nicht wie die Wbrigen Pys
thagoreer von ben geraden und ungeraden Zahlen, fondern
von bem Unenblihen und Eublichen ausging, dad Unis
verfum ald ein aus beiden 3ufammengefegtes,
bad iff, als ein
Spftem von Harmonien barftellte, und damit endlid die 3abs
‚ Ienlehre verband.
.
Ales was iff, muß entweder begränzt ober unbe
grängt, oder begrangt und unbegrdngt zugleich.
feyn. Das Unbegrdngte kann aber eben fo wenig feyn,
als das blof Begrdngte, (die blope Grange.)
Alfo ift bie
Welt und alles, was fie enthält, aus dem Unbegránzten und
bem Begrängten Zufammengeorbnet 44),
7
*) f.oben G.76. Und BLG Hält diefelben für Adt, und aus dem, von
mebcern alten Schriftftelern angefüdirten Werke des Philolaus hervig=,
+ vend. (val. S.24 u. 182.) Er beftimmt den Inhalt und die Ordnung
deffelben genauer (G.27 ff.) und erklärt den Ramen Juxyau für den
allgemeinen Titel beffelben, ben man ibm fpäter gab.
A. d. H.
64) Nad Stob. ecl. phys. 3,22. p. 454, Avaysu za sovta epen
HOTA ij negasvorra HANEEQ, À MeQuivoria TÔ vur aats
ve, antiga de povor ovx av gin.
Kies towuy putvera, ovs
6x NEQALVOYIMY NaYTOY EOVTU, out’ el uneıguvy TUYTUY» dylor
. @ga, ar ex nega vorruy zoas aneıguv o Te xoupus, Kat Ta EV
evım oUraguordn. Andor Se war ta er Tous tpyous. Aug feiner
Schrift eue puoaws, welde nad Dios. L. Vill, 35. fo anfing:
pvoig de ev Tw x00u0 aQpozn € antipuy te zac HEQUYOVIRY,
nds odos xouuoc zat Tu ay adr marta. [Stobdus fceint den
Anfang volfftándiger und genauer anzuführen, als Diogenes. ©.
- Bodh ©. 45 ff. der zugleid aud richtig bemerkt, daf zrepauvorras
nicht wie Tennemann es dberfest, das Begränzte, fondern bas Be:
gtdngende ift. Eben fo muß es aud oben heißen, da die Dinge
nun weder aug lautes Begrdngenden nod aus lauter Unbegränzten
find.
dr bas este ift des Jhilolaus Grund, nad der
‚ von BiH angeführten Stelle dea Iamblih in Villaison anecdot.
gr. IL. p. 196, u. Commt, ad Nicom, p.7., der, baÿ wenn alles
unbegrängt wäre, Leine Erkenntniß möglich feyn würde. Db
aber Philolaus jene Gegenfäge aus ber bôdften Einheit (povas),
wie ed nad Syrignus (ad Aristot. Met. XIII. p. 102.) fheint, babe
hervorgehen laffen, müffen wie bei der Mangelhaftigleit der Rache
wichten bapingeftellt feyn laffer.
Buf. d. 6.)
Pagina 167
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)15% Crftes Hauprfl, Dritter Abfen. Zroeites Rap,
Ale Dinge (nehmlih), ble erkannt ‘werden, haben eine
Zahl, oder ein beftimmtes Verhältniß (œprwoc), ohne diefes
tégt fich nichts denken, nichts erkennen.
Alle Zahlen laffen
fid auf drei Klaffen zurheführens fie find entweder unge:
vabe oder gerade,
ober gerade und ungerade zus
gleich; x DB. 6, 10, bie an fic) gerade, deren Theile aber
ungerade find 65),
°
Die innere Natur der Dinge iff ewig, und nur ein Gez
genftand der göttlichen Erfenntnifs die Menfden können fie nur
durch die Harmonie faffens denn nichts wirbe von uns
‚ erfaunt werden, wenn nicht zwijchen den Beftandtheilen der Welt,
das ift, dem Endlichen und Unendlichen eine Harmonie beftin:
de *); ähnliche und gleichartige Dinge bedürfen Feiner Harmonie,
aber undhnliche und ungleichartige müfjen einer Harmonie uns
terworfen werden, wenn fie geordnet werden follen, Die Bes
_ Flandtheile der Welt find aber. ungleichartig, fie konnten daher
ohne Harmonie, auf welche Art fie auc) -entitand, nicht zu
einem zufammenftimmenden Ganzen. verbunden werden **).
C5) Stob. !1. 456. Ka navın ya pas te yervooropeva agt,
. Suov sovti. Ov yog omas te ouder our svoydy per aur”
eyywodn per arev Tauim O ya puy agiduos Eye Övo gev
bun 210), sEEQLGOUY Kas APTIOV, TQUTOY Jt an” AuGOTEOWY ui
geviwy, anttonsorrtov. (ueber diefed Geradungerade firhe aud
lamblich jatrod.
in Nicom, Arithm. p.29.
Won feiner Zahtenlehre
überhaupt f. Bidy a. a. D, ©. 137 ff. ©. 157.
Buf.-d. HJ
*) Hierher gehört aud) die von Bich, ©, 142., [erklärte Stelle bei Stob,
ecl. p. 8. nad) welder die, Zabl bag Gefrélice in der Natur, und
ohne fie fein Ding, weder im BVerhaltnif zu fid, noch das eine im
Berbältnif zum andern, erfenndar ifs indem fir die Dinge mit der
Seelerund unter einander in Uebereinftimmung bringt, nach Art des
Gnomon; und feine Unwahrbeit zuläßt. Hiermit kann in Verbinz
bung gebracht werden die Stelle des Seri. Kınp. adv. Math. Vil, ga.
wo bie durd) Wiffenfchaften (worunter befondere Viathematit zu verz
fteben; ift) gebildete Vernunft, welde die Natur der Dinge be.
tradtet, wegen ihrer Verwandtfdhaft mit derfelben., das xge—
Thysoy genarmt wird.
.
U
*) Stob. 1.1. 458. a ger sarotay rouyuatur.uidios z000 zus avro
ger a puis, Hay te aus ovx ayFounivax svdsystas yroaw
nor ya, 9 Oty ovg” osovr? no ouders Tom sovtwY vur zoo
oxopsvar vp audiv yrocInusy, un vragzovaac avras evros
tay TQUYUATOY,
+5 wy Evvcora o x0apos toy Te nepavanıory
mos TOY assem: eme, Js ts agyur vraggor ots oposs ovd
apepvios sua, 404 aduvazor ys dy was, avrars woopndnjer, es
Pagina 168
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Philofopheme ber Mothagoreer.
Hler folgt nun bie Theorie von der Mufit ober ben Harmos:
nien, die er wahrfcheinfih auf bas Universum, auf dad Sys
fem ber Himmelsfdrper anwendete. Der Sinn biefer Säge
_ {ft übrigens Har genug, Das Univerfum beficht aus Stoff
und aus Form. Unter der legten verftanden fie die Beftimes
mung bed Stoffes durch Grenzen und Zahlen, wodurch bes
flimmte Größen entitehen,
Ohne diefe Form fanny nichts
erfannt werben,
Die Form der Welt, Beftimmung oder Begränzung bed
Unenblihen, ift die Wirkung des Verftandes, ber Weltfeele,
welche dg& Univerfum umgibt, unaufhörlich in Bewegung und
hatigteit, und eines Veränderung ımterworfen if. Das
Unendliche ift das immer Veränderliche, der Ein aller Verdns
berung und aller Erzeugung. Das Berdnberlihe herrfcht in
der Region von dem Monde bis zur Erde, dad Thätige in:
ber obern Region bis an den Mond. Das aus beiden Zus
fammengefegte ift die Welt. ES gibt nur eine Welt, gebitz
bet und regiert von bem Cingigen van Ewigkeit zu Ewigkeit *),
benn das immer thatige Princip in ihr ift unaufhörlih wirks
fam; 8 terende wird von demfelben daher auch unaufhörz
lid) beftimmt, und in Bewegung gefegt. Die Welt geht das
un ap; OMe ensywWEra, HTML av Toon eyevero etc. nad BödH
aas. 2. 62. Cletauy ift ter Ein: daf eine menfdlide Ere
Eenntnif von der Natur der Dinge nus in fo peru wege) ut, a.6 die
Natur, ober das Wefen, in dem Begrángenden und Unbegrdvgcer,
woraug die Welt (xoouos) befteht, vorhanden iff, und Gegenfäge
burd Harmonie verbunden werden mußten. — Die Harmonie wird
darauf von ibm gunddft in ble Octawe gefegt. Das weitere f. bei
+) Für biefe Bezeihmingen ber Gottheit, bie bei Poftolaus nur als
thatiges Prinzip oder NWeltfeele erfcheint, finde ich Teinen genügenben
Beleg in den Bruthftüden bes. Phitelaus , aud nicht in den Worten
Stob. Ecl. Phys. p. 420. add qv 0 de o x cuos sE asmvas, xa
ts afwva duaueve
tig VO EVOG TW UVYYENEN XO8 AUS
TITO zus urumegdartw xufigyayevog. Des Demiurg
in ber Stelle p. 453. deutet zu febr atf plaron. Lehre. Mehr fagt
die angeführte Stelle des Syrianus ad Arist, Met. XIII. p. 102
Deum finem et infiuitatein coustituisse und bie fpâtern Scriftftels
ler, wie Philo de mundi opificio ed. Mang. p.24, 10, U. Athenago~
res legat.} pro christ. VI. p.15. ed. Oxf, zeden'fehr beflimmt davon.
Faun werden aber aud untergeorbnete Götter angeführt, welde
turd geometrifhe Formen fombolifict werben f. Bödh a, a. Og
©, 152 und 195.- -
Pagina 169
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)154 Gefles Daupeft. Dritter Ab fen. Bweites Kap.
ber and nie unter *), ' Reine Kraft, voeder -innerhalb nod
außerhalb berfelben, fann fie überwältigen, weil fie dad Prins
tip alles Wirkend und Leidens in fid felbft hat. Die Welt.
bauert alfo immer unveränderlich fort, obgleich Dinge in ihr
- entftehen und vergehen; denn biefe werden doch dem Stoff
und ben Formen nach erhalten, indem fie durch ben Saamen :
biefelbe Geftalt dem bildenden Princip wieder barftellen 55).
Ueber bas Weltfoftem und die Oronung ber Himmelds .
Pörper findet man beim Stobdus ein Fragment, in weldem
biefe Behauptung ber Pythagoreer fo deutlid) ausgedrädt ift,
alg man fonft nirgends findet. Philolaus nehm nicht allein, wie
x
*) Philolaus fpridt, zufolge einiger Brudfticte, von einem itnters
gange der Welt duch Fever und Waffer,
fo wie von der Erndgs
zung derfelben, 3 B, Plutarch. de placit, I], 5.
Gidoduog duttyy
sivas THY pÎogur, TO per ek ovgavov nvpog o'sTog, to À el
VÜULOS oednviuxou megrurpops TOU asgos anuyudertog’ xas TOVTuv evar tag avutuuiuuis Toopag TOU xoguor. val. Stoh. ecl,
p- 4185 allein dieß bezieht fi wahrfcheinlich nur auf die Erde,
und iff dann von dem Bevidhterftatter in ben gemeinen Sprads
gebrauche von xouuo: und ovpnras ausgebrüdt; ferner verftattet
das Brubftié einen fih wedfelfeitty bedingenden Ernährungs: u.
Berflörungsprogeß eg Sroifiben anzunehmen,
A. à.
66) Stobaens Eclog. Physic. p. 420f. Diefes [von Bödh verbejferte
und ausführlich 6. 165 ff. erläuterte] Fragment ijt aus PhilolausSchrift mage yuyns genommen. Diefe Schrift ift mir aber, fo
wie diefes Granment, verbáchtig, nicht allein, weil nad) Diogenes Laert. VII. §. 35. Hecmippug berichtet, Vhilolaus babe ein
einziges Buch gefihrieben, námlid) das zegt prasus, fondern aud
wegen mander Platonifcher Ausoride, die hier vorfommen, 3. B.
evans matyg x Onusovgyos,
Was Claudianus Mar
mertus dé statu anim @ L. If. c.a u. 7. von diefem Werke, das
ec vor fid) hatte, fagt, ut eben nicht von der Act, bie Griinde
gegen die Aechtheit deffelben zu entkräften. IE es wabrfdeintid,
daf diefer Pythagoreer zu jener Zeit multis voluminibus de intel~
ligendis rebys et quid quaeque significent, obgleid) fahr dunkel, ges
handelt, oder buch uezuosissimas quacstianum minuuas wabrs
fcheintid) gemacht babe, die Seele fey unkörperlih? {Gegen diefe
Anmerkung erinnert Bôth a. a. D: ©. 30.3
€8 laffe fid dennod
eine Anficht aufftellen, bei welder man fid berubigen Eonne, ohne
die Aedhtheit jener Schrift in Zmeifel zu ziehen. Die intelligendae
res ndmlid find ibm bie unter Zahlen vorgeftellten Formen ber
Dinge, mit welden Philolaus feine Lehre von der Unkörperlichkeit bec
Seele in Verbindung bringen mußte, baber fie aud) den Laien
nothwendig duntel und fpigjindig_vorgefommen fet, Unter ber
- Serift nage yuzns verftebt aber Bich nur das britte Bud,
ver einen Abfpnitt ded philolaifden Wierks.
Buf. db. @} -
Pagina 170
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Ppilofepheme bee Pythagoreer. .
die fibrigen Ppthagoreer, ein Gentralfeuer *), fondern aud
nod in ber oberften Region ein andered Feuer an, welded
bad Univerfum umgibt. Dem Gentralfeuer räumt er den erften,
göttlichen Rang in der Natur ein, unterfcheibet e8 aber nod
von der Sonne, doch fo, Daf
er fic) wieder an das Pythas
Qoreifche Syftem anfdlop. Er behauptete nehmlich, die Sonne,
bie wir feben, fey eine gladartige heibe (vadosedng dugxog)
welche dad Licht und die Wärme von bem Weltfeuer (ed if
nicht beftimmt., ob von bem mittlern oder gbern) auffange,
und weiter verbreites e8 gebe daher eigentlich zwei, ober,
-
wenn man wolle, drei Sonnen: dad Weltfeuers die eigents
liche Sonne, die Sonne die wir feben, ein Micberfchein jeners
und bas Bild bicfer lebten in unfern Augen *). Um das
Gentralfeuer nun bewegen fid die Gegenerde, die Erde, der
Mond, die Sonne, die Planeten, und cndlid der Himmel,
oder der Kreis der Firflerne. Den oberften Theil bes umgebens ben Körperd, [Feuers] in welchem alle Elemente in ihrer Reinkeit
angetroffen werden, nennt ec den Olymp; die untere Region,
in welder bie Planeten mit der Sonne und dem Monde fich
bewegen, bie Welt (xoguog); die unterfte Gegend um die
Erde, worin die Veränderlichfeit berrft, den Himmel (ovgavog; alfo doch wohl in einer andern Bedeutung, als oben),
Sn dem gefegmäßigen Gange der himmlifchen Körper zeige
fih bie Weisheit, bei ben unregelmäßigen Begebenheiten
auf ber. Erde, bie Tugend. Die Weisheit fey aber voll:
fommener, ald die Jugend 57).
*) f. oben Anm. 95 u. 34. und über ble Weltbilbungglehre des
Pis
) aus Boddy a. a. D. S. go f . .
wp je ad
#9) Das bierauf bezüglihe Brudjtic tft bel Stob, ect. phys, p. 528.
ogt. Euseb. XV, 23. und Plutarch.{ de plac. III, 20.
Siehe aud
oben Anm. 34. BWidh a. a. À. ©. 124.
Ad. PD.
67) Stobaeus Eclog. Physic. p. 488. Vgl. oben Anmerkung 34.
mngwurov Ö’ esrar pus To peony, nege Os zovro dexu dœuora Hea
xogsusın, ovpavor, nluynrag, pes ous yliov, vm @ oednvnvs
vp n rv ynr, vp n Tnv avriydova, uE a ovgnavra To 17
doting emu TE KEVIQU Taker enszov. To MEY ovv ovwrarw MEGS
zou Megusyovtoc, 69 Q rr eLhixgsreaY Eivas TOY 030478407,
Oklvumor xale, ta de,uro zov Olvunov pogay, av u tou
seve nhavytas ned’ gliou xay athyvns tetaydos, xoupoy* to 0”
UO TOULON UnOTeLAYOY TE «os megeysiow Yigos, ww y TE tus
Pagina 171
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)456 Crftes-Haupeft. Dritter Abfdn. Bweltes Rap.
Ueber bie Seele, bie bem Körper nah Maasund Hars
monie eingepflanzt wird, und getrennt vom £ribe ein unkörs
perlides Leben in der Welt führt (Macroh, Somn, Scip. I, 14.)
wird uns nod bie eigenthimtide Behauptung des Poilolaus aufs
bewahrt, daß ses view Principe des organifden Lebens gebe (vgze Tav foo Aoyızov), das Haupt oder Gebirn für die Vernunft,
das Herz für bie Secle oder Empfindung, der Nabil für das
MWadısthum, die Gefchlechtstheile für die Beuaung. Mol. Theologumena p. 23. — Aud) leap ihm Plato im Phädon die Lehre von der
Verwerfiihleit bes Selbffhorbs in den Wund, f. meine Anmers ©
Bung zu ©. 144 — Beth bezieht auf ibn aud die in Plas
t0’8 Gorgias p. 493. A, befindlide Stelle, und ftellt damit das in
einige Verbindung, was Ariftot. Eth, Eudeinz 11, 8. über die dew
+ Menfden beherefdenden Gründe (‚Auyos xgessturig nuww) gefagt
wird.
Bufag d. DH.
Wir übergehen bier den Archytas *), weil wir von ihm
wenig Eigentpümliched wifien, und die erhaltenen Fragmente
puoustufolou yerscamg, orvgavovs
wat mert HEY TO TETRyurva
TWV HETEUOUY yiyveidub THY Copsey, segt Os Ta yrvouera THs
atakurg 179 ager, 1aÂsrar ger exerrny, aten de tavrnr. [Ge
d. Erklärung diefer Stelle bei" BIE GH, ©. og ff. ter ten odvpgrog alg bas reine Unbegrangte, xoouos als ben Snbegriff des Ges
worberen, und unter oygawos in biefer Stelle unter die Erde mit ihrer
Atmofphare verfteht. Val. Afl Leben des Plato S. 108. Ueber die
Lehre des Philolaus von der Brweaung der Geftirne, und von bem Verhältnis der Erde und Gegenerde zur Sonne und zum Gentrals
feuer inöbefondere f. Bôth a a. D. ©. u14 ff. u. feine lat. Abs
‘ bandlung, biefen Geaenftand betreffend. Das die Lehre von den
Elementen, die unter geometrifden Figuren verfinnbilbet wers
ben, betreffende Srudituc des Philolaus babe ich oben Not. 25.
berübrt.
Buf.
Hb]
*
® Achytas her Larentiner, einer der berübmteften Pythagoreer, als
Weifer, Staatsmann und Feldherv ausgezeichnet, war unftreitig
Plato's Beitgenoffe, mit dem er aud in genauer Berbindung ftand
wie die fogenannten Platonifhen Briefe wenigftens als Ihatfache
vorausfegen. Bgl. aud Diog.L VII,
79 aqy. Cie. defin. V, ay.
de Seneot, 12. Val. Max. VIE, 7. Der unfritifhe Samolid führt
ibn als Seitgenoffen des Pythagoras auf, und ftclit ihn dod aud
“mit bem. Plato zufammen, was in Verbindung mit dem falfd verz
ftandencn Beiwort zrveudvregos die Annahme eine’ Altern und
eineg jüngern Ardptas veranlaßt bat. Als Beitgenoffe des Plato
lebte Archytas ohngefähr 100 Sabre fpäter als Pythagoras, etwa
um die 96. Olymp. (400 d. Chr.) Dief fttmmt auch damit, dap er
febr viel gefdrieben Haben fol, ba doc) fonft Ppilolaug als efter
fbreibender Pythagoreer genannt wird. Ueber die angeblichen les
bercefte feiner Schriften ift oben ©. 77 f. u., 80 ff. 'gefprocen.
worden. Am volftändigften finden‘ fid) bie ibm beigelegten Frage
mente in der im Anbange angeführten Sammlung von Ueberzeften
älteres griech. Philofophie von Drei. Eine entfcheidende Eritifche
Anterfuhung über diefelben mangelt nod. Gin ibm von Claudian.
Mamert, de statu. animae Hb. I. C. 7. beigelegtes Philofophem,
Pagina 172
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)DPhllofopbeme der Pythagoreen
wiht dt fcheinen. Miele Lebrfdbe, bie darin vorfemmen, find
Platonifd und Zriftotelifch, und es- ift daher ungewif, ob
biefe nicht vielmehr vom Plato herrithren.: Noch mehrere bee
tübmte Männer werden als Schlilet ded famifchen Philofophen
aufgeführt, deren langes Verzeichniß man bei Sambid) am
Ende feiner Schrift von dem Pythagoreifden Leben lefen kann.
Unter fo vielen unbefanntèn Namen kommen auch mehrere vor,
welche nur partheiifche Borlicbe für diefe Schule und das Bes
ficeben, fie 3u erheben, dahin rechnen Fonnte (3. GB. Zamolrië,
Gharonda8). Aber fo viel ift gewiß, daß fid diefe Philofos
phie bis Zu Plato’8 Zeiten fehr ausgebreitet, daß fie auch auf
andere Philofophen, welde nicht gerade zu diefer Schule zu
zählen find, Einfluß gehabt hat. Dief gilt namentlich von
den Eleaten und don Empebofles *), der viele die Natur bes
treffende Philofopheme aus det Pthagereifhen Philofophie
nahm. Die Soppiften fanden in ihr cine erglebige Quelle
ihrer atiögebreiteten Kenntniffe. Plato und feine nächften Nache,
folgit benugten Pythagoreifhe Philofopheme. Aus Mangel
an bewdbrten Urkunden Iäßt fid nicht in allen einzelnen Fale
len beftimmt angeben, wie weit diefe Benubung ging; aber
im Allgemeinen ift e8 doch ausgemacht, daß die Pythagoreifche
Philofophie auf die Entwidelung de8 philofophifden und vore
‚züglich des mathématifhen Gelfted fehr vortheilhaft gewirkt
hat **), Nach Plato's Zeiten mußte freilich diefer wiffenfchafte| welded mit ber: auf die Welt angewandten Bablentehre des Pythas
goras übereinftimmt, babe id oben gut Anmerk. 46. angeführt,
Dap er fid) um die Mathematik febr vervient gemadt, 3. B. dur
Erfindung der’ analptifden Methode, wird allgemein gerühmt,
d
*) Porphyr. vita Pyth. $. 29. Empedokles "wird babet von mehreren
als Pythagoreer aufgeführt Diog. L. VIJL
Ad. PD.
®) Zu den berühmten fpätern Pythagoreern rechnen wit den bet
ribmten Mathematiker, Aftronomen und Arzt Eudorus aus
Knidus, welcher des Urdhytas fo wie des Plato Schüler genannt witd
(Diog. L. VII, 86.). Diether mag aud gehöten Euritbeos
welder, nad Athen. IV. p. 157, C. lehrte, daß bie Seele zur
Strafe in ben Sbrpes gebannt fey. Als die legten Altern: Pythas
aoreer führt Diog. VII, 46. bal, Iamiblich, de vita Pyth. 6. 3515
an die Schüler des Philolaus und Euryrus: Kenophilus aus
Ghalcis, Freund oder Lehrer ded Ariftorenus, f. aud Gell. noc.’
att. II, 13, Val. Max, VEL, 13. in der Mufiflepre berühmt, und
Pagina 173
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erftes Haupetid. Bierter Abfdnter,
lide Einfluß aufhôten, well ble Philofophle und alle Wiffens
fdaften in ihrer Bildung zu weit vorgertidt waren.
Ed gab
zwar noch Pythagoreer, aber fie find für die Fortbildung der
Wiffenfchaft unbedeutend geblieben; der Anfpruch auf .biefen
Namen grimbdete fih nur nod) auf ihren Lebenswandel und ihre
Sitten. Nach Chrifli Geburt lebte die pythagoreifche Schule
wieder auf, aber im einer ganz eigenen Geftalt, in welcher. fie
eine für die Wifferfchaft nachtheilige Richtung erhielt,.
Vierter Abfdnite
- Darftellung der Cleatifden Philofopheme.
Das Merfwirdigfte, wad bie Gefchichte
ber Philofophie vor.
Gofrates aufzuweifen hat, iff bas Gedanfenfyftem der, Eleatiz
Fer, welches fid) durch feine Neuheit, Kühnheit und Bünbige
Feit vor allen andern audzeichnet: Sie find die erften Denker,
welche nicht nur nad Principien geforfiht, fondern auch wirfsbie Phliafier Phanto, Diotles, Polymneftus.
utd Chrtrates, der in Plato's Pbhadon die lente Mede Des Gofrates
mittheilt, und der zu Platos Beit lebte, aber Feineéweas fein
Lehrer feyn Eonnre,
nad Cie. de fin. V, 29. — Unter ben
Frauen, welde fic der Pythagoreifchen. Schule anfdloffen, find
berühmt: Teano des Pnihagoras Gattin, nach andern des
Brontinus (Diogs L. VII, 42, Porphyr. vita Pyth.
&#.u.19. Vide
not. Luc. Holstenii et Rittershus, ad h. 4) Ein von Holftein mits
getbeilter Brief gehört ihr. offenbar nicht an, da Plates Ipeenlehre
in bemfelben erwähnt wird. Ferner Timyda, Gattin bes My
le
“Tias, und Myta, Tochter des Pythagoras Weber die Pythagoveifhen Frauen überhaupt f. Mewagii historia mulierum philosopharam §. 76, p. 499 sq. u. Fabric. Libl. gr. Lib. IL ce. Xu.
Wieland über die pyth. Frauen XXIV. Bd. feiner Merle, €.
245 fe Ueber bie ihnen beigelegsen Briefe vergl. an 5 7%
.
8
.
*) Nad Grincipien batten fchon frühere Philofopben geforfcht, aber
fie batten, ausgehend von dex empiriihen Mawhigfaltigfeit ber
lich ein’ aufgeftellt, und confequent entwidelt haben *); fie _