Ueber die Excerpte von Menons Iatrika in dem Londoner Papyrus 137

Auteur
Diels, H.
Verschenen in
Hermes
Jaar
1893
Onderwerp
MENON
Taal
Deutsch
Categorie
C9 Geneeskunde
Archiefnummer
1975

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IN DEM LONDONER PAPYRUS 137. Im Juni vorigen Jahres überraschte, uns Ilerr Kenyon, der ausgezpichnete Herausgeber der Holıreia A9rvaiwy und der Classical Texts, mit der Miuheilung?), dass das Britische Museum kürzlich wiederum einen umfangreichen griechischen Papyrus erworbeu habe, dessen Provenienz freilich nach den Principien der Muscumsverwaltung geheim gehalten wurde und wird. Aus den kurzen Mittheilungen und Prohen ergab sich, dass der Papyrus eine Einfuhrung in die Mediein bezweckt, insofern nach Definitionen äuerst eine Geschichte der Mediein in grossen Zügen gegeben, dann systematisch die Physiologie des menschlichen Körpers in seinen Hauptfunetionen mit kritischer Berücksichtigung der alexandrinischen Hanptschulen (Erasistratos, Werophilos, Asklepiades) dargelegt wird, Von dem interessanteren Alsehnitte doxograpbischen Inhaltes, der die erste Hälfte des Papyrus anfülll, hatte Herr Kenyon keine Proben mitgerheilt, aber bereits richtig festgestelli, dass die mebrfachen Citate des Aristoteles, welche dieser Alıschnitt bietet (wc prow weet atind Agrcrorél,g oder ähnlich), nur entnommen sein können der unter Aristoteles Namen gehenden "Ierpızn auva- (aEAs)ÀDEL.S, puy (oder Tergıza), welche, wie Galen uns mittheilt; von Menon, dem Schüler des Aristoteles, herrühren.?) Aus diesem wichtigen 1) Classical Review VI (18492) 247—240. 2) Ich vermuthe nach Analogie der Eudemeia, dass der Titel lautete: Agsstoredo:è larga Mevaireta, was dann von den Spateren wie bei den 18,43 Eudemecn und Niliomacheen missverstanden wurde, lo den Hermippischen (von Aridronikos übernommenen) ludices steht das Werk als Yargıxa 4 (Laert. D. ns 110 bei Rose fr. L. 1956, 8.7), oder Hegi largess 2 (Hesychius ebenda n, 95, S, 14, mit der Variante aus dem Naclitragscatalog ZZegi tatgi- 273 5 n. 167, S.17 und bei Ptolemaios Chennos n. 92, S. 22), Die Aerzte eitiren Aristoteles (Rose 0. 0. fr. 376—379), ebenso Demetrios Magnes (L. D. V 69, Plutarch Merwsere, Das genaue piel{ Galen in Hipp, De,nat. h. XV 25 tés 158 ‘latoexi,: aıraywyis drayraraı Bidlove Enıyeypapuevas pév 4417. DIELS H., Ueber die Excerpte von Menons latrika in dem Londoner Papyrus 137: Hermes 28 1893 407-434. Le papyrus 137 du British Museum contient, entre autres choses, des extraits d'une Jatriké synagôgé, attribuée, selon le témoignage de Galien, à Ménon disciple d’Aristote. À l’examen de ces passages, qui paraissent sous une forme mutilée et lacunaire, et qu'il doit fréquemment compléter, Diels répond aux questions que l’on est en droit de formuler à leur égard : le papyrus nous renseigne-t-il sur ce que l’école d’Aristote savait d’Hippocrate ? révèle-t-il des données que l’on ne connaissait déjà par l’ensemble du Corpus hippocratique ? l’Hippocrate auquel Ménon se réfère correspond-il à celui que nous connaissons par ailleurs ? Avant de répondre à ces questions, Diels procède à l'analyse paléographique et philologique du papyrus; il tente d'en déterminer l’auteur anonyme, son époque et les sources qu'il utilise, sources immédiates comme Alexandre Philalèthe, ou sources plus lointaines comme les médecins de l’ancienne Ecole hippocratique, et les Présocratiques Philolaos, Aléméon, Empédocle, Prodicus et Diogéne d’Apollonie. (Pour une évaluation de la position prise par Diels, et une mise au point sur l'interprétation du témoignage de Ménon, cf. 4518: p.9,83-88.)

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IN DEM LONDONER PAPYRUS 137. Im Juni vorigen Jahres überraschte uns Herr Kenyon, der ausgezeichnete Herausgeber der Ioditeia ‘A9nvaiwy und der Classical Texts, mit der Mittheilung*), dass das Britische Museum kürzlich wiederum einen umfangreichen griechischen Papyrus erworben habe, dessen Provenienz freilich nach den Principien der Museumsverwaltung geheim gehalten wurde und wird. Aus den kurzen Mittheilungen und Proben ergab sich, dass der Papyrus eine Einführung in die Medicin bezweckt, insofern nach Definitionen zuerst eine Geschichte der Medicin in grossen Zügen gegeben, dann systematisch die Physiologie des menschlichen Körpers in seinen Hauptfunctionen mit kritischer Berücksichtigung der alexandrinischen Hauptschulen (Erasistratos, Herophilos, Asklepiades) dargelegt wird. Von dem interessanteren Abschnitte doxographischen Inhaltes, der die erste Hälfte des Papyrus anfüllt, hatte Herr Kenyon keine Proben mitgetheilt, aber bereits richtig festgestellt, dass die mehrfachen Citate des Aristoteles, welche dieser Abschnitt bietet (we pour eel abrov Agıoror&ing oder ähnlich), nur entnommen sein können der unter Aristoteles Namen gehenden Iargıxn ovvaywyn (oder Iargıxa), welche, wie Galen uns mittheilt, von Menon, dem Schüler des Aristoteles, herrühren.*) Aus diesem wichtigen 1) Classical Review VI (1892) 237—240. 2) Ich vermuthe nach Analogie der Eudemeia, dass der Titel lautete: "Aguororélovs "larga Mevowewa, was dann von den Spáteren wie bei den Eudemeen und Nikomacheen missverstanden wurde. In den Hermippischen (von Andronikos übernommenen) Indices steht das Werk als "Targa ß (Laert. D. n. 110 bei Rose fr. L. 1886, S. 7), oder Ilegi ¿aros B (Hesychius ebenda n. 98, S. 14, mit der Variante aus dem Nachtragscatalog IIsgi targeuns E n. 167, S. 17 und bei Ptolemaios Chennos n, 92, S. 22). Die Aerzte citiren Aristoteles (Rose a. O. fr. 376—379), ebenso Demetrios Magnes (L.D. V 61), Plutarch Mevwvera. Das genaue giebt Galen in Hipp. De nat. h. XV 25 Tas ts 'Targırns ovvaywyns avayvavar BiBlovs éniyeyoappevas uèv

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Werke waren bisher nur winzige, unbedeutende Fragmente bekannt. Nun spendet der unerschöpfliche Boden Aegyptens umfangreiche Auszüge daraus und lehrt uns auch hier einen Blick thun in den umfassenden Arbeitsplan der Aristotelischen Encyclopädie und in die vor Auffindung der Politeia wenig bekannte Gattung der Hypomnemata, der auch die Menoneia angehören. Denn alle diese Materialsammlungen, so sehr sie nach praktischen Gesichtspunkten angelegt zu sein scheinen, sind in Wahrheit doch alle visirt nach dem Hauptziele der Aristotelischen Philosophie. Auf breitester empirischer Grundlage wird das System der einzelnen Wissenschaften aufgebaut zu einer mächtigen Pyramide, deren Spitze die leitende Wissenschaft bildet, die zowrn priooogpia. Daher scheinen mir diejenigen die Absicht des Stagiriten zu verkennen, welche an praktische Ziele bei der Herbeischaffung des ungeheuren Materials denken, welche beispielsweise annehmen, er habe jene Politieen um Alexanders Willen angelegt, oder gar zur Unterlage für den in der Medicin bekanntlich dilettirenden König die medicinische Sylloge veranlasst.*) Nein, Aristoteles war selbst König, er hatte selbst ein ungeheures Reich gegründet und organisirt, und während sein Adlerauge über dem Ganzen ruhte, waren seine Statthalter geschäftig, nach seinem Winke und Willen die Provinzen des gewaltigen Reichs zu verwalten und neue dazu zu . erobern. Mögen wir daher auch glauben, wovon ich vor wie nach überzeugt bin, dass die wichtigsten Arbeiten, wie eben die 49nvaiwy zrolıreia, von Aristoteles eigener Hand herrühren: die vielen kleineren Politieen und die anderen historischen Sammelarbeiten hatte er den Händen seiner bewährten Gehilfen anvertraut. Agıororeksı, Omohoyovuevas dì Und rod Mevwvos, Os Tv nadnt7s atror, yeyodpdau diò nai Mevavera noovayogevovow Evıoı tavrti ta Biblia, Ob "Iargınn ovvaywyn (wie Texvav ovraywyr) oder ’Iargıxa das richtige ist, scheint bei der unbestimmten Titulatur der Aristotelischen Schriften eine müssige Frage. Ueber das Verhältniss zur doxographischen Ueberlieferung vgl. Doxographi S. 232. Doch verlangt jetzt, wo das Material reichhaltiger vorliegt, die Beziehung der Placita zu Menon, seinen Ausschreibern und Fortsetzern eine erneute Untersuchung. Vgl. ‚Ueber das physikalische System des Straton‘ Sitzungsber. d. Berl. Ak. 1893 S. 101 ff. 1) Plut. Alex. 8 doxei dé mor nai 16 quhuarosir “Aletdvdow noooroiwaar uahhoy Eregwv Agıororeins. où yag móvov tiv Fewgiav nyanınoev, ahha nai voooùow éBomde Tois pilous nai ovreratre Feganeias twas nai diatras, ws é tov énvoroldy haßeiv Kor.

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So schuf, um einiges herauszugreifen, Theophrast die Geschichte der Philosophie in den 18 Büchern seiner Duorxr dofaı, von deren Auffassung und Stoff die ganze spätere Ueberlieferung abhängig ist, so ward Eudemos der Geschichtschreiber der Theologie und zugleich der exacten Wissenschaften, der Arithmetik, Geometrie und Astronomie. Wie hätte da in der Encyclopädie des Peripatos die Medicin fehlen dürfen! Hatte doch die wissenschaftliche Arzneikunde seit dem Beginn des 5. Jahrh. eine Fülle von Entdeckungen gemacht und Theorien ausgebildet, die kein Philosoph unberücksichtigt lassen konnte, geschweige der alles umfassende Aristoteles. So sind denn auch seine Schriften, namentlich die zoologischen mit einer grossen Anzahl von längeren und kürzeren, wörtlichen und freieren, namentlichen und anonymen Excerpten aus der ärztlichen Litteratur angefüllt, so dass sich, wer die Entstehungsweise unserer Aristotelischen Lehrbücher kennt, sagen muss, dass hier bereits ein unendliches Material aus einer grossen Bibliothek aufgehäuft sein musste, ehe der Baumeister sein Werk beginnen konnte. Die historische Verarbeitung hatte er einem uns sonst unbekannten Schüler Namens Menon anvertraut, dessen fachmännische Ausbildung ihn gewiss zu jener Aufgabe besonders geeignet erscheinen liess. Er hatte, wenn wir nach der Analogie des Theophrastischen Werkes urtheilen dürfen, das uns besser bekannt ist, die Aufgabe zu lösen, in einer übersichtlichen, sachlich geordneten Reihenfolge ein Bild der Systeme zu geben, welche seit dem Beginn des 5. Jahrh. in Kraton, in Knidos, in Kos und wo sonst ärztliche Kunst geübt wurde, bis auf Aristoteles Zeit herab sich ausgebildet hatten. Wenn wir nun bedenken, dass den Mittelpunkt dieser reichen Entwickelung Hippokrates darstellt, dessen wissenschaftliche Einsicht Platon rühmt, den Aristoteles den Grossen nennt, wenn wir ferner erwägen, dass die neuere Kritik von den 72 Schriften, die wir unter seinem Namen haben, kaum 6 als allenfalls Hippokratisch ausgesondert hat und, dass bei keinem dieser Werke der exacte Beweis der Echtheit bis jetzt hat geführt werden können, so liegt die bange Frage auf aller Lippen, was lehrt uns denn nun der neue Londoner Papyrus, was lehrt also die Aristotelische Schule über Hippokrates? Wird in der stark gesiebten Auswahl echt Hippokratischer Bücher, welche die moderne Kritik aus dem Haufen übrig gelassen hat, sich der Hippokrates des Menon finden oder nicht? Ferner wird dieser Hippokrates des Menon der echte sein oder nicht?

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Ehe ich diese schwerwiegenden Fragen auf Grund des neuen Materials zu beantworten suche, ist es nöthig, über den Zustand, die Form und Ueberlieferung der Londoner Excerpte einige kurze Bemerkungen vorauszuschicken. Nachdem ich bereits zu Anfang dieses Jahres eine vorläufige Abschrift Kenyons hatte einsehen dürfen, war es mir vergönnt, während der Osterferien das leider stark zerstörte Document in London selbst eingehend prüfen und den Text vor dem Originale im Wesentlichen feststellen zu können. Nachdem es sodann gelungen war, die noch unsicher gebliebenen Stellen unter steter Mithilfe des Herrn Kenyon grösstentheils ins Reine zu bringen und namentlich die grösseren Fragmente dem Contexte einzuverleiben, konnte die Edition des ganzen Werkes im 4. Bande des Supplementum Aristotelicum ins Auge gefasst werden, wozu die Verwaltung des Britischen Museums in nicht genug zu rühmender Liberalität ihre Einwilligung gegeben hat. Dort wird die Handschrift eingehend beschrieben werden. Für unseren Zweck genüge Folgendes: Der Papyrus, der ursprünglich aus längeren Streifen bestanden zu haben scheint, ist behufs leichterer Benutzung in London zerschnitten worden und wird unter 11 Glastafeln aufbewahrt. Die Länge der ganzen ursprünglich zusammenhängenden Rolle berechne ich auf 3'/, Meter. Die Höhe beträgt durchschnittlich 23 Centimeter, die Zahl der Columnen 39 durchschnittlich 50 Zeilen. zu Im Ganzen umfasst der Papyrus 1914 Zeilen. Ich habe Grund anzunehmen, dass nur am Anfange 1 oder 2 Columnen fehlten. Sonst sind alle wenigstens fragmentarisch erhalten. Die Schrift, welche das Recto, d. h. die horizontal gefurchte Seite des Papyrus bedeckt, hört mitten auf der letzten Seite auf, ohne dass die Beweisführung zu Ende geführt wäre. Auf das Verso hat der Schreiber noch versucht zwei interessante Stellen seiner Vorlage abzuschreiben, aber die Unsicherheit der Züge, die vielen Nachträge und Correcturen, das Abbrechen mitten im Satze zeigen, dass der Schreiber das Original gegen Ende nicht mehr recht lesen konnte und daher nothgedrungen die Arbeit einstellte. Diesen Eindruck, dass der Schreiber sich nur schwer in dem ihm vorliegenden Texte zurecht fand, habe ich durchweg auch sonst empfangen. Denn abgesehen von den unzähligen Flüchtigkeitsfehlern und Auslassungen sind eine Reihe von Stellen offenbar lückenhaft; die Bildung des Schreibers reichte nicht dazu aus, um die schwierige oder vergilbte Schrift

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seiner Vorlage mit Sicherheit entziffern zu können. Wenn z. B. in der philosophischen Einleitung die Seele in dreifachem Sinne genommen wird als Ganzes, als Denkvermögen (Aoytoruxóv) und endlich als éytgéyera, so weiss ich nicht, was dies heissen soll. Denn èvroéyeca (Gewandtheit, Geübtheit) passt hier auf keinen Fall. Ich vermuthe, da diese philosophische Einleitung mit peripatetischstoischer Scholastik bestritten wird, dass der Verfasser von der Aristotelischen ëvzedégera gesprochen hatte. Man wird es dem Schreiber nicht verübeln, dass er den ja allerdings seltsam gebildeten Terminus des Aristoteles an mehreren Stellen verkannt hat. Herr Kenyon setzt die Arbeit dieses Schreibers nicht später als ins 2. Jahrhundert, weil die Handschrift der Haupthand in der ‘A9Nvaiwv scokıreia gleiche und weil ein Document, das von offenbar späterer Hand auf der Rückseite copirt ist (es enthalt einen Gnadenerlass des Triumvir Marcus Antonius an das Kotvòv tng Aotas, das Herr Kenyon demnächst publiciren wird), nicht später als im 2. Jahrhundert niedergeschrieben sein könne. Die Datirung der Papyrushandschriften ist, wie die Sache jetzt liegt, eine Auguralwissenschaft, und ich gehöre nicht zu den Eingeweihten. Die Urtheile der Fachgelehrien gehen auch hier ziemlich auseinander. Der eine setzt die Schrift des Anonymus nach einem photographischen Facsimile in das 2. bis 3. Jahrhundert, vermuthlich in Diokletianische Zeit, ein anderer ist geneigt, sogar noch ins 1. Jahrb. der Kaiserzeit hinaufzugehen, und damit stimmen auch einige Proben datirter Urkunden, auf die Herr Wessely in der Sammlung Erzherzog Rainer mich aufmerksam zu machen die Güte hatte. Doch darf man hierbei, wie mir scheint, nicht ausser Acht lassen, dass diese Halbcursive der litterarischen Papyri stets etwas archaisiren wird, dass also bei den Vergleichungen mit der Urkundenschrift ein etwas jüngeres Alter der Buchschrift möglich, ja sogar wahrscheinlich ist. Man wird somit an Kenyons Ansatz (2. Jahrh.) vorläufig festhalten dürfen, zumal die fast regelmässige Orthographie (raro = vaùró) auf gute Kaiserzeit hinzuweisen scheint. *) Endlich, um diese Aeusserlichkeiten abzuschliessen, will ich erwähnen, dass auf der Rückseite von späterer, ungebildeter Hand 1) Dittenberger Archaeol. Z. 34, 55 und jetzt besonders J. Wackernagel K. Z. 1893, 7.

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ein Recept aufgeschrieben ist, so dass man also annehmen darf, dass das Manuscript aus der Bibliothek eines Arztes stammt. Wichtiger wire es nun freilich, die Zeit des Verfassers zu bestimmen. Herr Kenyon hat ermittelt, dass der letzte Autor, der citirt wird, der uns wohlbekannte Arzt Alexander Philalethes ist, der um Christi Geburt in der Nähe von Laodikeia eine blühende ärztliche Schule gegründet hatte. Da sich nun von Galen keine Spur bei unserem Anonymus findet, so hält er die Zeit zwischen Alexander und Galen, also bis etwa 150 n. Chr. für die gegebenen Grenzen. Ich muss nun freilich bemerken, dass ich Bedenken trage, einer so dürftigen Compilation gegenüber das argumentum ex silentio anzuerkennen, da Galens Einfluss gewiss nicht sofort bis in die entferntesten Winkel Aegyptens gedrungen ist, wo sich der Verfasser dieser Schrift vielleicht aufgehalten hat. Denn auch die Bildung hat den Mann, wie sein Stil zeigt, etwas spät erreicht. Er hat etwas vom Atticismus läuten hören und sich daher einige elegantere Wendungen eingeübt, z. B. wg Óuotwg und den Gebrauch der Präposition wg; hier und da sagt er auch eoirzwue statt zreoloowua; we ay di mit dem Partic. kommt wohl ein dutzend Mal vor, besonders attisch däucht ihm aber die Partikel zot, yag tor und besonders roryagroı, das er freilich immer falsch an zweiter Stelle gebraucht. Während sich also der Verfasser einige Mühe giebt, attisch zu schreiben, hat er doch nicht wie die sorgfältigen Schriftsteller der Zeit den Hiat vermieden. Vielmehr sieht man, dass er nur ganz äusserlich seinen merkwürdig eintönigen Wortvorrath etwas attisch gewürzt hat. Es ist mir daher auch fraglich, ob sein Name je in der sonstigen Ueberlieferung auftauchen wird. Kenyon hegte freilich die Hoffnung, in einer Titelüberschrift der Col. 3 den Namen des Autors zu finden. Die zweite Reihe (Z. 19) heisst deutlich NOCOI, die erste (Z. 18) ist links zerstört, rechts sind ganz schwache Schriftspuren erhalten, die bei jedem Licht anders aussehen. Kenyon las AON..@C. Ich glaube am ehesten wird Aoyıxog den Zügen entsprechen, sodass etwa die Ueberschrift lautete Airioloyırog . Néoor. Denn mit diesem Capitel beginnt das Theoretisiren über den Ursprung der Krankheiten, das der Verfasser an zahlreichen Stellen-mit airıoloyeiv bezeichnet. Wäre in der ersten Zeile-des Titels der Name des Verfassers angegeben, so wäre es erstens gegen antike Sitte, ihn erst jetzt nach dem Proömium zu bringen, und ferner erwartete

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man dann wohl in der zweiten Zeile die übliche Form Ile oi vóowv. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es den auf diesem Gebiete Erfahreneren gelingen wird den Autor zu ermitteln. Für mich ist Name wie Secte des Mannes im Dunkeln geblieben. Denn wenn auch hier und da mit einem gewissen Selbstgefühl von der eignen Meinung geredet wird, so sind das, soweit ich sehe, entweder Trivialitäten oder Individualitäten, keine Schulbekenntnisse. Da der Verfasser der ersten Kaiserzeit anzugehören scheint, in welcher eine weitherzige Eklektik auch in der Medicin eingerissen war, da ferner schon Alexander Philalethes, seine Hauptquelle, von dem streng Herophileischen Standpunkt abgewichen war (Galen VIII 758) und, wie man sieht, mit Asklepiades Fihlung gewonnen hatte’), so gewinnt man aus der Discussion unserer Schrift keine klare Darstellung von der Schulangehörigkeit des Verfassers. Berücksichtigt man den stilistischen Eindruck der Schrift, welche die wissenschaftliche Prosa der alexandrinischen Zeit verbrämt zeigt mit einigen verschämten Atticismen , beherzigt man, dass zwei singuläre Wörter évooxappog und disfapueiv nur bei Schriftstellern des 1. Jahrhunderts vorzukommen scheinen, jenes bei Dioskorides, dieses zweimal bei Philon (fehlt in unsern Lexicis), bedenkt man endlich, dass gerade gegen Ende jenes Jahrhunderts die eklektische Schule des Archigenes blühte, der aus Iuvenal bekannt ist, so möchte ich glauben, dass auch unser Anonymus etwa unter Domitian oder Trajan geschrieben hat. An Archigenes wenigstens erinnert nicht nur die Unselbständigkeit der Compilation®), sondern auch die übertriebene Sorgfalt der Distinction, die namentlich im Proömium hervortritt.*) Die Manier der Behandlung macht den Eindruck einer Eloaywyry, wie sie zur Einführung der Anfänger damals in allen Wissenschaften fabrikmässig hergestellt wurden, wie es deren gerade auch in der Medicin zahlreiche gegeben hat.‘) Bei diesen Compilationen kommt es in der 1) Daher erklärt sich wohl auch das chronologisch bedenkliche discipulus Asclepiadis des Theodorus Priscianus p. 3157 Ald. 2) Vgl. Klose Janus N. F. I 126. 3) Galen de diff. puls. IV 1 (VIII 698). Galen selbst unterscheidet z. B. nicht »d00s und vóonua (X 91), wie es unser Anonymus einprägt (3, 32 ff.). 4) Vgl. die Pseudogalenische Ztcaywy [XIV 674 K.] und die Tovoota gılocopos, die ich ebenfalls in diese Reihe gestellt habe [Doæogr. S. 242). Zu eng fasst diese Gattung Natorp Rhein. Mus. XXXVIII $4.

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Regel weniger auf den Autor an als auf seine Quellen. Unter diesen tritt bei unserm Anonymus vor allem bemerklich der bereits erwähnte Alexander Philalethes uns entgegen. Wenn der zweite Haupttheil der Schrift, der über die Functionen des Körpers, uber Athemholen, Ernährung, Ausscheidung handelt, mit einem methodischen Hauptsatze des Herophilos eingeleitet wird'), wenn der Kampf gegen die feindliche Secte der Erasistrateer gleichsam die Würze des Mahles bildet, wenn endlich Asklepiades, der grosse Arzt der Ciceronischen Zeit, bald mit Zustimmung bald mit Abweisung, jedenfalls aber in hervorragendem Masse herangezogen wird, so passt dies alles auf den Herophileer Alexander, dessen nähere Beziehung zu der Schule des Asklepiades auch sonst feststeht. Und selbst, wenn ein Satz des Herophilos in verbindlicher Form widerlegt wird (29, 12 ff.), so kann auch diese Polemik schon von Alexander herrühren, der dem grossen Schulstifter doch oft mit eigenen Anschauungen gegenüber getreten ist?) Ferner will ich noch erwähnen, dass die beim Anonymus durchgehend angewandte, etwas schulmeisterliche Form der Polemik, Gründe und Gegengründe mit & B 7 herzuzählen, in einem längeren Fragmente des Alexander bei Theodorus Priscianus (f. 315% Ald.) sich wiederfindet.*) Endlich erklären sich die vereinzelten Ionismen, die neben dem aufgestrichenen Atticismus vorkommen, wie xeivoc auch nach Consonanten , ddudodar stalt douaodar, arrovota in der Bedeutung detrimentum ‘) u. dgl. meiner Meinung nach besser durch Benutzung des Laodikeners Alexander als etwa daraus, dass der Verfasser bereits den gräulichen, erst mit Arrian und Aelian beginnenden Mischstil zwischen verzwicktem Attisch und Ionisch habe zur Anwendung bringen wollen. Wenn also Alexander Philalethes als Hauptquelle des zweiten physiologischen Theiles gelten darf, so liegt die Vermuthung nahe, dass auch die historische Uebersicht über die Theorien der Krankheiten, welche die erste Hälfte unseres Tractates füllte, auf ihn zurückgeht. Wir wissen, dass Alexander unter dem Titel ‘Apéoxorta 1) 21, 20 axlà dè nai otvdera Aaufdvoner nods alc Inow, nados ai Hoögılos Enıonusiira héywr otras , leyéo To dì tà paurduera nora, nai ei un Ëoruv nowra‘. 2) Galen VIII 758. 3) Auch bei Galen (z. B. IV 480), aber verhältnissmässig selten. 4) Alles auch bei Demokrit nachweisbar.

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ein umfängliches Werk veröffentlicht hat (Gal. VIII 726), das nach der Analogie der philosophischen “4oéoxovza eine medicinische Doxographie enthalten haben muss. Und doxographische Studien Alexanders lassen sich auch sonst nachweisen. Wer nun aber in der späteren Zeit über die voraristotelische Philosophie oder Medicin Bericht erstatten wollte, der war nothgedrungen auf die peripatetischen Mustersammlungen hingewiesen. Denn da die Bücher der alten Physiker und Aerzte in der Kaiserzeit schon meist verloren oder schwer zugänglich waren‘), so hing fast die ganze doxographische Ueberlieferung theils von Theophrast theils von Menon ab. Ich glaube daher, dass auch die Uebersichten über die alten Aerzte bei unserem Anonymus nicht direct dem Menon, sondern dem Alexander entnommen sind, obgleich sich ein entscheidender Beweis dafür nicht führen lässt. Doch es ist Zeit, diese doxographischen Berichte des Menon nun selbst ins Auge zu fassen. Hier fällt zunächst schon die Aehnlichkeit der ganzen Anlage mit den @vorxwv dogae des Theophrastos auf. Bekanntlich war die Anlage dieses Werkes rein systematisch. Unter gewissen Haupttiteln wurden die Philosophenmeinungen nach ihrer inneren Verwandtschaft aufgeführt, doch ergab es sich dabei oft von selbst, dass sich die systematische Abfolge mit der chronologischen deckte, ohne dass dabei in Hegel’scher Weise irgendwo den Thatsachen Gewalt angethan worden wäre. So hat. denn auch Menon ganz ähnlich die Theorien systematisch gesondert. Er unterscheidet zwei Hauptclassen, die Diätetiker, die in der Art der Ernährung die Ursache der Krankheiten erblicken, und die Somatiker, wie ich sie nennen möchte, die in der Verschiedenheit der constitutiven Elemente des Kürpers die Ursache der Krankheit erblicken. Endlich giebt es eine Mischclasse, die wie Plato beide Systeme zu vereinigen sucht. Die Disposition ist zwar in dem dürftigen Auszuge unseres Anonymus nicht vollständig durchgeführt und vielleicht die Ordnung nicht immer eingehalten (Hippon und Thrasymachos), aber man sieht doch im Allgemeinen, wie wohl überlegt ein Glied ans andere sich schliesst und das Complicirtere aus dem Einfachen sich naturgemäss entwickelt. Besonderer Werth wird dabei auf die Eigenthümlichkeit 1) Galen XV 703 deutet dergl. schop für Erasistratos Zeit in Bezug auf Apollonios und Dexippos an, vielleicht mit Unrecht.

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der einzelnen Systeme gelegt. Wie in den doxographischen Berichten des Theophrastos das idzoy jedes Philosophen scharf abgegrenzt wird von dem gemeinsamen geistigen Besitzthume, so spielt auch hier das Idiomatische eine hervorragende Rolle. Wir erkeunen darin den Geist des Aristoteles, der neben dem Gattungsbegriffe mit besonderer Vorliebe auch die differentia specifica hervorgehoben, neben der Platonischen Zusammenfassung des Allgemeinen, Ideellen auch das Recht des Individuums energisch gewahrt, und so durch die auch in Monographien der Schule hervortretende Betonung der sögriuara den Einfluss des Persönlichen in der Entwickelung nachgewiesen hat. Unter den 21 Aerzten, deren Namen in den erhaltenen Columnen erkennbar sind, scheinen 10 völlig unbekannt. Da die Auswahl des späten Compilators gewiss nicht die seltensten Namen getroffen haben wird, so sieht man, welche ausserordentliche Zahl von litterarischen Existenzen des 5. und 4. Jahrhunderts in Nacht und Vergessenheit gesunken ist; man ermisst, dass die rasche Blithe und Ausbildung der hellenischen Medicin das Werk einer grossen Anzahl von Mitarbeitern war, aus denen die neidische Nachwelt nur die bedeutendsten und mächtigsten herausgehoben und dem Gedächtnisse überliefert hat. Man lernt aber auch immer deutlicher und dankbarer erkennen, dass, wenn wir überhaupt von der Litteratur der classischen Zeit mehr als ein paar Koryphäen kennen, wenn wir eine wirkliche Geschichte der Lyrik, des Dramas, der Philosophie schreiben können, dies vornehmlich der systematisch organisirten Sammelthätigkeit des Peripatos verdankt wird. So scheint denn auch mit der neu auftauchenden Sylloge des Menon die Zeit zu dämmern, wo man wird wagen dürfen, die Geschichte der griechischen Medicin in Angriff zu nehmen, die es bisher nicht gegeben hat und nicht geben konnte. Ich muss es mir hier versagen, aus dem Papyrus die lange Reihe der Aerzte und arzilichen Meinungen vorzuführen, welche von Euryphon, Hippokrates’ älterem Zeitgenossen und Vorsteher der knidischen Schule an bis ins Zeitalter Philipps hinabführt, der den Menekrates, der sich Zeus nannte, so köstlich persiflirt. Dieser Mevexoatng 6 Zeig èsruxindeìg wird nun hier 19, 18 von Menon ganz ernsthaft behandelt und ein sehr ausführliches Excerpt aus seiner ‚/argexyj‘ mitgetheilt. In der Geschichte der Medicin wurde der Mann wegen der paar lächerlichen Anecdoten, die von

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ihm erzählt werden, mit dem einen Worte ,Charlatan‘ abgethan. Die neugefundene Schrift verhilft ihm vielleicht jetzt zu einer gewissen Rehabilitation. Neben den Aerzten erscheinen auch einige wohlbekannte Philosophen, vor allem Platon, dessen wunderliche medicinische Theoreme am allerausführlichsten excerpirt sind, sodann Philolaos, von dem wir hier zu unserer Ueberraschung ein ausführliches System über die Entstehung der Krankheiten vorgetragen finden’): 18, 8: Didddaog dé 6 Kololrwricıng ovveoravar g(noir) tà 10 vuélreoa oœu[ara éx] Sequod. auérçoy)a y(ae) avra (eivaı) Wvyooù, [ircou)urnorwv ao tIV(wY) vorouT (wr) tO onéoula eivat Sepludr, xataorevaotixov dè tovtO t[où Catolv’ nai 6 témog dé, eig Ov 1 xataBolly — 15 urtoa] dè avin — (éotiv) IFequortoa | xaì èonvia Erleivwı‘ tO dè éouxôg tivi tard?) duvarar, We Forrer” ênei dè TO xaraorevallov auélroyov (£oriv) Wuyoov rai 6 tonog dé, tv wle i x(ata)Bodly, auézogog (Eorıv) Wvxooù, Omloy [ore zat To] z(ara)cxevazouerov Cor 20 toroitoly gaivelrar. sig dè Tovrov tiv| xataoxleviiy Ülmounjosı n(eoo)zeira vor” uelra y(é¢)| tiv Exteéuv et déwe [ro] | to Èùtov Errıonaraı TO ËxTÒG avebuo Wvyeòv ov, gita maki zadanegel x0f05 èunéunet aÙto. 25 dıa toùto di nai Ögelrg | tov éxtog nveruarog, iva til] Erle)ıoaxtwı tot rvevuatos dda) Hegulólveoa Uragyovta Ta iuéteoa owuara nogög aùr(oë) xataywuyntat. nal tiv u(èr) ovoraouw THY iueréowr owudr(wr) Ev vovTous plyotr). 30 Atysı dè yi(veodo) tag vdoovg dia te yoliv nai alua nai phéyua, aogiv dè yilveodar) THY voowv Taura” dnoreheiodar dé (now) zò u(èr) aiua nayd u(èv) Eow 35 raga 9GliBouérns Tic vagnög, Aervòv | dè yilveodar) Ötaroovuér(wr)®) (wr) y tHe capui ayyeiwy. To dé giéyua ovvioraodar and tav vugewv g(noir). Aéyer dè tiv yoknr ixdoa elvar vijg capuos. magadogsov te 1) [] bedeutet Ergänzung, CJ Tilgung, ( ) Zufügung, () Compendium, Punkte unter den Buchstaben unsichere Lesung. 2) S. oben S. 411, A. 1, 3) So die Handschrift. 12 [VI 108 L.]. Vielleicht aowovuevov, vel. [Hipp.] de flatibus Hermes XXVIII.

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aöròg avie eal tovrov newer. héyer y(do) unde ve-| 40 taxdali] és voi] Frari zohiúv, ixòoa uévror zis oagnos (elvar) viv xokıv. To t° av phéyua tav) scheiot(wr) Wuylo)ov (eivar) Aeyóvrwv avrög Heguòv zijt prose valo|tlFetae’ aco y(d0) tod préyerv phéyua elonod (a). | 45 tavtne dì xal ta qleyuaivor[ta] uerogij tod pléyuaros pheyulaltver. xal vara u(èr) dn doxas t(0v) vololwy balo|tiFerar. [o]uveoyà dè dneoBollac] te Peouaciac, Toopic, z(era)wilklewle xai] [élrdeiac v(üv) rovlrolls 6uoiwr]. Ueberblicken wir diese Theorie des Philolaos, so ergiebt sich die eingeborne Warme als ein Heraklitischer Gedanke zu erkennen, der von dem Pythagoreischen Metapontiner Hippasos einseitig durchgeführt worden war. So mag also Philolaos von seinem italischen Landsmanne und Schulgenossen beeinflusst sein, wie er offenbar in vielen Punkten von dem hervorragenden Krotoniaten Alkmaion!) abhängig ist. Daneben scheint er bereits die Humoralpathologie des gewöhnlichen Hippokratischen Systems zu kennen. Man wird daher in Erwägung ziehen, ob man nicht die Originalität dieses Pythagoreers bisher überschätzt, ob man nicht auch sonst als altpythagoreische Tradition angesehen hat, was aus der Philosophie der Zeitgenossen eklektisch herüber genommen ist. Namentlich gilt dies für die Theorie des Sonnenlichtes, welches Philolaos wie Empedokles als Ausstrahlung des in der Sonne wie in einer Krystalllinse aufgefangenen Weltfeuers betrachten.) Da sich die Unabhängigkeit des Empedokles vom Pythagoreismus auf anderen Gebieten in neuerer Zeit herausgestellt hat?), so wird die Entlehnung auf Seiten des jüngeren Pythagoreers zu suchen sein. In der Medicin erscheint er jedenfalls nur als uninteressanter Eklektiker. Wie es mit seiner Leugnung der Galle steht, vermag ich nicht zu sagen. Einen Nachfolger hat er im 4. Jahrhundert an Petron von Aegina (Col. 20, 17). In allen anderen Beziehungen lässt sich die Unselbständigkeit des Philolaos erhärten. Und gerade das idcoy, das Menon an ihm hervorhebt, seine paradoxe Ansicht vom pAeyua, darin zeigt er sich, wenn ich nicht irre, in besonders auffälliger 1) Aëtius V 30, 1 [Doxogr. p. 442], 2) Aëtius II 20, [2 (Dox. 3492 8b 21) = 13 (3508. b 7). 3) Zeller 15 826. Kern Arch. f, Gesch. d. Philosoph. 1 498 ff.

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Weise abhängig von dem bekannten Sophisten Prodikos, der in seiner Schrift Ileoi púatos àvIgwrov darauf gedrungen hatte, das Wort qhéyua nicht vom kalten Schleime zu gebrauchen, wie es allgemein üblich war, sondern im ursprünglichen Sinne von entzündeten Stoffen.) Denn giéyua komme ja von pléyeur. Diese Schulmeisterei des Prodikos hatte den Strepsiadessen der damaligen Zeit gewaltig imponirt, und die kleinen Mediciner, deren Geistesproducte im Hippokratischen Corpus vorliegen, haben wirklich theilweise dem allgemeinen Sprachgebrauch zuwider pAéyua im Sinne von Entzündung verwendet.?) Aber Philolaos geht noch darüber hinaus, insofern er behauptet, pÂéyua bedeute zwar Schleim, aber der Schleim sei nicht kalt, sondern warm. Das ist doch der Gipfel philologischer Begeisterung, wenn man der Etymologie zu Liebe aus Weiss Schwarz, aus Kalt Warm macht. Ich halte es daher für beinahe sicher, dass Philolaos, der nach unserm Berichte (Col. 18, 15 ff.) auch in der Formulirung eines Syllogismus*) sich als lerneifrigen Schiiler der zeitgendssischen Dialektik zeigt, seine Weisheit aus Prodikos Buch genommen hat. Ist dies richtig, so wird man die Zeit des Philolaos etwas später setzen müssen, als es gewühnlich geschieht. Denn da Prodikos allem Anschein nach jünger ist als Sokrates, so wird es gerathen sein, Philolaos, seinen gelehrigen Schüler, wenigstens nicht alter zu machen. Jedenfalls ist sein Buch ganz spät zu setzen, vielleicht an den Abend seines Lebens, wo er, wie berichtet wird, in seine italische Heimath wieder zurückgekehrt ist. Damit stimmt überein, dass nach einer freilich wenig Vertrauen erweckenden Ueberlieferung Platon das Buch erst in Sicilien kennen gelernt haben soll. Unsere chronologischen 1) Galen de nat. pot. Il 11 [II 130 K., HI 195, 17 Helmr.] IZeodıxos &v tw Ilegì picews avtounov yodupari TO cvyuenavuevov nai olov ÜnegwnTnuEvov Ev toîs quuoîs ovoudbor pléyua maga tò nepieydaı 17 Aefer pèv Eréows yontas, Yvharteı uevror tO nodyua xata Taùrò rois òÂÂots . alhà toto ye To nods dndvrov av Townwr ovouaböusvov phéyua tò hevnöv tiv yoday, o Blévvav Ovouaber Ioddixos, 0 yuyoòs nai vygds xuu0s éotiv. Vgl. Dimmler Academica S. 158; Gomperz Apologie der Heilkunst S. 114. 2) Prognostica, de morbis II, de affectionibus, de ulceribus, Epidem. VII s. Dindorf im Thesaurus s. v. pÂëyua. 3) Das Argument selbst: das Geschöpf gleicht in den Eigenschaften dem, aus dem es hervorgeht, hängt wohl zusammen mit der wichtigen Lehre vom ouolœua, die dem Platonismus so eigenthümlich vorspielt. S. Zeller 15 348 f.

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Angaben widersprechen übrigens nicht einem jüngeren Alter des Philolaos, da sein Genosse Lysis der Lehrer des Epameinondas war, und die glaubwürdige Ueberlieferung, dass Philolaos und Demokrit Zeitgenossen gewesen, wenigstens nach meinen chronologischen Anschauungen sich hiermit vorzüglich verträgt. *) Mit der pythagoreischen oder pythagoreisirenden Schule zu Kroton scheint auch ein eigenthümlicher Denker zusammenzuhängen, dessen Name leider theilweise von einer Lücke verschlungen ist. Die Stelle ist erst sehr allmählich durch Zusammenfügung kleiner Fragmente lesbar geworden: Col. 11,23: Ural... d]E 6 Koloewviarng olsraı èv ut 25 oixetay (elvar) byodtn|ra, xolP Flv xal alodavóueda sai re Clouler)’ rav u(èr) oùv olixeiwe Fyn N Touavrn tyootng, vytaiver tO Tor, Hrav dì avaEnoord), avat30 odnrel te TO SOtov rai anodvroxer’ ded di tovto | [ral] tyo0tntoc. avaloyws di tà méluara yi(verai) aio Inte, OTL duorga LyQOTNTOG. zaì taùra uèv &yor TOUTOV (noir). iv Gddwe dè BuBliw avtog avio héyer viv 35 xa|twvouao[uéry|y ilyoornra] ustaBadie dv ülneoBollir Feouotntos zai du’ i[rreoPo]hiv Wuxgornrog val at olürwg] vóoovg èsrupéoew. . . | vai To [ai(reov)] otras voood(oyer), rag dì voaovg tag yiyvoudvag oùy vala)YOQEVEL. Die letzte Bemerkung wie der ganze Bericht zeigt, dass der Verfasser mehr philosophische als medicinische Interessen hat. Wenn wir nun einen Philosophen des Perikleischen Zeitalters kennen, der das vyocv als Princip ansetzt, weil der Samen feucht sei, und der aus dem Samen die feuchte Seele entstehen lässt, wenn ferner dieser Philosoph der Pythagoreischen Schule zugewiesen wird und bald Rheginer oder Metapontiner genannt wird?), wenn endlich sein Name Hippon mit den erhaltenen Anfangsbuchstaben sich deckt, so trage ich kein Bedenken trotz der Verschiedenheit des Ethnikons die Identität anzunehmen.*) Denn auch bei anderen 1) Vgl. Rhein. Mus, 42, 1 ff. 2) Vgl. Bakhuizen van den Brink Variae lectiones Lugd.-Bat. 1842 S. 46, 3) Die Lücke scheint mehr Buchstaben zu fassen. Aber die Hälfte des zweiten a fällt mit hinein und ®, N, A sind in der Regel zweistellige Buchstaben.

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Pythagoreern dieser Zeit wie Philolaos und Hippasos*) schwankt die Heimathsbezeichnung; das wird vermuthlich damit zusammenhängen, dass der Pythagoreische Bund in den damaligen politischen Wirren mehrmals den Sitz wechselte und von Kroton nach Rhegium und Metapont übersiedeln musste. So konnte also Hippon, der nach der besten Quelle, Aristoxenos, aus Samos stammt, von Theophrast ein Rheginer, von Menon ein Krotoniate nach der Schulangebörigkeit genannt werden. Wir müssen annehmen, dass Hippon, als der Bund nach der Mitte des 5. Jahrh. gesprengt und die Anhänger vertrieben wurden, nach dem Mutterlande wanderte, So kam er endlich nach Athen, wo Kratinos in seinen Panopten in dem paradoxen Kauze ein Musterbild verschrobener Metarsiologie aufstellte, das den Wolken des Aristophanes im ganzen Wurf wie in einzelnen Stellen das Vorbild lieferte. Rückt nun Hippon nach unserm Berichte in den Kreis der Krotoniatischen Schule, so begreift sich die eigenthümliche Betonung des Psychologischen. Alkmaion von Kroton hatte nämlich durch seine anatomischen Untersuchungen das Wesen der Sinnesempfindung klargelegt, die Gänge gezeigt, die von dem Auge zum Gehirn führten und das Wasser in der Linse als das eigentliche Princip des Sehvermögens erkannt. So konnte ein etwas beschränkter Kopf wie Hippon (gogtexwzegog nennt ihn Aristoteles und als solchen zeigt ihn auch das einzige vor zwei Jahren gefundene Fragment seiner Schrift) dazu kommen, die Entdeckung Alkmaions ungeschickt zu verallgemeinern. *) Der Name Herodikos kommt bei unserem Anonymus zweimal vor. Einmal wird unter diesem Namen ein älterer Arzt der knidischen Schule in Col. 4 und 5 vorgeführt, sodann Col. 9, 20 ein anderer Herodikos, dessen Eihnikon leider in einer Lücke ausgefallen ist. Wenn ich den Sinn dieser fragmentarisch erhaltenen Darstellung richtig fasse und ergänze, so kann dieser zweite kein anderer sein als der bekannte Naturarzt aus Selymbria, den Plato 1) Bei unserem Compilator an ihn zu denken verbietet seine Lehre, die das ausgesprochene Gegenstück der Wassertheorie des Hippon ist. 2) Theophrast de sensu 26 (506, 28). Ich vermuthe, dass bereits Alkmaion gelehrt hatte, was Aristoteles de gen. an. B 6 3634 7 und Ps.-Hipp. de loc. in hom. 2 (V1 278) mittheilen, dass die Sehnerven die reinste Flüssigkeit aus dem Gehirn den Augen zuführen. Ich halte beide Stellen für unabhängige Excerpte aus Alkmaion (anders als Poschenrieder Die naturw. Schr. d. Aristot. in ihrem Verh, zu d. Hippokrat, Samml. Bamberg 1887, 11f.). Philippson “Pin avdewnivn, Berolini 1831 S. 17 ff. Vgl. auch

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an mehreren Stellen so köstlich persiflirt.‘) Hier lernen wir das Original der Parodie kennen. ‚Alle Krankheiten, lehrte er, kommen von der Diät. Wenn. der Körper Arbeit und Schmerz erträgt in angemessenem Masse, dann geht die Verdauung xara quo vor sich, dann ist der Mensch gesund. Verhält sich der Körper aber entgegengesetzt, also maga gvoıv, so tritt Krankheit ein‘. Der Arzt hat also weiter nichts zu thun als den naturgemässen Zustand herzustellen und die Heilkunst ist nach des Herodikos Ausdruck nichts anderes als die Anleitung zum naturgemässen Leben. Das leider sehr lückenhafte Original lautet nach meiner Ergänzung. 9, 20: Hoodınos Où [6 Endvugerevóg now] tag vdaove [yiwsodaı) arb tho dratrng: tavjinv dè (elvar) xatla vou, Örav sróvot®) srpoowouw] nai GÀyn O° doa [det, xal oùtwg nméwev uèv] Fyn 1 toopy, Ezelldooıw dè act 25 Aaußavn] | ta oœuara drfadıdouler)ng Ts Toopic ward] quo. oterar ylag] tiv uèv dyisiav yilveodar) xara] qpuow éy6r[twr] (01) ow[udtwv meoì tiv Oiattay, viv dè) v0009 n{eleà púouv éyovtwy avrdv. toig uévtoi] 30 apa puoli]r duaredeilour sroveiv noooracoe] | 1) later, zragayous[vn, xal oürwg eig to xata] prow aye tavta, | «fs adrég p(nouw). Léyovour] dè tov avdoa tiv lalroexiv nal adtny] aywyıv eig To x(ata) gro [xadécat. nal tadta uèv] ovzwg. éxetvo dè örlı ar’ èvavtiwv TiS 35 zel | Pequdrntog nal vlygórnrog Tv Gwuatwr| cvviotarzat vóoot, [diateFovAntat.] Vieles muss hier in der Ergänzung unsicher bleiben. Aber selbst wenn man sich auf das Erhaltene beschränkt, hört man deutlich die Schlagworte der Sokratischen Epoche heraus; ja man kann das Programm des Herodikos ohne Mühe mit dem Cynismus des Antisthenes in Verbindung setzen. Ich glaube daher in der Identificirung dieses Herodikos mit dem Platonischen nicht fehlgegriffen zu haben. Unter den Aerzten unseres neuen Berichtes nimmt Hippokrates schon räumlich eine hervorragende Stellung ein (Col. 5—7). 1) Gomperz Apologie d. Heilk. S. 154 f. 2) Vgl. [Hippocr.] de diaeta 2 [VI 468 L.] où durata. éoPlwr Wvigwmos vytaivey, Ty un nai woven... mÓvor mév yao nepixacw avaldoas tà vndexorvta, outa dì nai mora dunimewoa ta xevw DENT.

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Zu unserem höchsten Erstaunen sehen wir, dass die heute brennende Hippokratische Frage bereits im Alterthum leidenschaftlich und — ich will es gleich gestehen — wenig erfolgreich ventilirt worden ist. Hören wir zunächst den Menonischen Bericht: 5,35: Trreoredrns dé p(now) alitiav) (eivaı) tig vioov tag pioag, xadtwg deeidnger swegl adroù ’Agıororeing. ò yao Innorgarng Àéyer tag vóoovs arroteleiodar ward) 40 Aufyov) voroörov: 1} maga To nkÿdos Toy | ngoopeoouév(wv) 7 mao viv srouliav D maga To loyvee zal Ovoxatégyaota (sival) va spoopeoóueva ovuBaiver srequocwuata drroyevväodalt, nat Ölrav uèv mheiova 7 45 tà [svgooeveyt}évra, | zarangar[o]vuern 1 évegyolifole, 6,1 zv wéyuv Iequotns x(oùc) wodda@y [6]vr(wr) 770 00GQuarwv oùx êvegyel tiv mélWler. darò] dè tod tavtnv rragarnrodileo dar reolglioowuera yi(vetai). Gray dè sror- 5 xida | 7) tà n(ooojeveydévra, oraoudLer dv tit nothicc 1008 EQUTA, xal xatà TOV octagciaouòv ueraßoin, eig EQLOOWUATA. tav uévror ye éhaytota') xai dvoxaTégyaota Ty ottws sraganodroudg yilverar) tig wéWew(s) | 10 dra try Övorarspyaoiav xai ottws netaBolrn eis zeptoowuara' éy dè Tuv nEQLOOWUaT(wr) avag éoovrar pica” ai dè avlelwegdeioar Exipégovat tag vooovg. vara dè Epnoev avio zeulrlndeis doyuarı tocoitm* To y(do) 15 avedu(a) | aveyxadtatoy zal xvewitatoy drokeimer u(r) Ev nuiv, Erreidı) ye sragd THY TovtOU EVgoLav byiera yi(vetat), maga dè tiv Övogoıav vooor. dixnv te Èzvégerv Tuas gutav' ws yap éxetva n(goojepotwrar zijt yıı, 2 oëzwg | lai avlroi s(ooo)eoorbueda ngòs Toy aéça xard TE Tag divas nal ward tà Cha owueare. Èourévar uér|toe] pvroig èxgivore, Col) otoaridrar vadoövrar. Worreo yao éxeivoe srooceggilwuEvoL THL dy ueta5 pégovtae | viv ulé)y Eri zoöro To vygov, viv dè eal zozo, oiTwg xal avtol olovel quià Övreg moogepoiLwueda 7(006) tov Géoa rai Ev xeırjosı éou(év) uera- 30 xwooövreg viv uèv ènì cade, avis dè èn’ &hknv. | el dé raöra, pavegdy wo xvewraroy (Bor) TO nvedua. tort(wr) èxxeruér(wv), Orav yerlnraı) megicowuadra), 1) So die Handschrift. Etwa zayıora nach 5,41? Doch vgl. 6, 36.

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ano Tovıwv yi(vovtar) pica, at di) avadvu(taPeione) zag vóoovg Anorskovor' maga te try dLtaqogay t(wr) 35 [glvowr drrorelovvrar af régot. | èàv u(èr) yo moddai wor, vooalovow, tav dì èidyiotar, made vooovg èrripéoovor: maga te tiv meragolnv Tuv prow) pivovrar gi vooor: duos dè ueraßakkovoıv ij etl 10 vrréouetgov 40 Geouòv | 7 Zrei TO valéjouergoy Woyoor, zal Örroiwg av ylelyntaı i ueraBoki, vóoovg amorekei. [ual ols u(èr) 6 Agıororeing oletat steoì In[noxgarolvg, vaöra. Wer diesen vorn und hinten mit dem ausdrücklichen Citate des Aristoteles versehenen Bericht hört, wird ein Gefühl der Ueberraschung und Enttäuschung nicht unterdrücken können. Wie? Das soll der wahre, der ‚grosse‘ Hippokrates sein? Das ist ja ein deutliches Excerpt aus der Schrift de flatibus, die längst als abschreckendes Beispiel der um die Wende des 5. und 4. Jahrh. grassirenden latrosophistik bekannt ist. In der That berührt sich nicht blos der Inhalt des Menonischen Berichtes mit unserem Buch de flatibus, sondern es finden sich auch einige specifische Wendungen (wie zrouxthog 5, 41; oraoudtseÛv 6, 5; xoateiodat 5, 45) wieder. So würde also nichts hindern, den Aristotelischen Hippokrates in dem Verfasser von de flatibus wieder zu erkennen, wenn dort nicht das wunderliche Gleichniss des Menschen mit der ägyptischen Wasserpflanze orearıwra.') stünde, das in unserem Buche de flatibus fehlt. Nun muss man freilich bedenken, dass diese Berichte erstens in der freien Weise referiren, die wir aus Aristoteles und Theophrasts Büchern kennen, dass ferner die späteren Compilatoren, sei es Alexander oder, was ich eher glaube, 1) Dioscorides mat. med. IV 100 [I 593 Spr] Irearıwıns 0 Eni toy idarwv pvomevos, oi di morduiov oroatrwrv xalovow [Aiyéntios Ti Bots (2), sroopijtar alua ailotgov]. wvönacra dE did xd érvizeoda: tots tÒaor nai zwoìs ólöns Srv. gihhov dì Eger debgiov Ouoroy wsisoy uEvTOL nai yvutiniv Eyov Övvauır êpiordvov Tas Er VEPOWY aimogoaylas nuvóuevor. zoatpará te aphéynarta angel nui éovarnehata nai oidruara oùv dÉEL xatanhaccouevor iatat. Nach Sprengel ist die Pflanze Pistia Stratiotes L. (Muschelblume), eine tropische Pflanze, welche, wie Plinius 4. n. XXIV 169 aus der gemeinsamen Quelle (Sextius Niger vgl. Wellmann Hermes XXIV 530) richtig angiebt, durch die Nilüberschwemmung nach dem Delta geführt wird. Der Name oroaviærns kommt von der Verwendung zur Stillung der Wunden. So schrieb Herakleides von Tarent eine militärische Pharmacopöe unter dem Namen Zroarıwıns, Galen XIII 725 K.

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unser Anonymus selbst, diese Excerpte stilistisch sehr frei umgemodelt haben, ihre späteren Termini eingesetzt, ja geradezu interpolirt haben. So beginnt z. B. der Abschnitt über Plato, wo wir ja Wort für Wort controliren können, mit einer indirect also als Platonisch gegebenen Unterscheidung der verschiedenen Synonyma von uiSıg, die zwar eine hübsche Probe für die schon vorher erwähnte Definirmanie des Verfassers giebt, aber mit Plato auch nicht das Geringste zu thun hat. Vielmehr ist diese Spitzfindigkeit rein stoisch und, wie die Parallelen aus Areios Didymos und Philon fir das 1. Jahrhundert und Alexander von Aphrodisias auch noch fiir das 2. Jahrhundert beweisen, ein beliebter Stoff der damaligen Scholastik. Noch näher berübrt uns eine Stelle im Platonischen Berichte, wo der Verfasser bei Erwähnung der Eingeweide einen phantastischen Vergleich derselben mit gewundenen Flussläufen anmuthig durchfübrt, von dem bei Plato nicht die leiseste Spur zu finden ist.') So könnte man also die Vermuthung aussprechen, der phantasievolle Verfasser habe die Gelegenheit wahrgenommen, durch eine kübne Metapher zur Ausschmückung des trockenen Stoffes beizutragen. Dann könnte das, was übrig bleibt, als ein freies Referat des Buches de flatibus gelten. Aber diese Annahme ist im höchsten Grade unwahrscheinlich. Denn unser Verfasser ereifert sich, wie wir gleich sehen werden, selbst gegen Aristoteles, der einen falschen Bericht über Hippokrates geliefert habe. Es wäre doch zu toll, wenn er den Text absichtlich verfälscht hätte, um ihn nachher als Lug und Trug bei Seite werfen zu können. Sodann aber schmeckt dieser Vergleich mit der Wasserpflanze gar nicht nach dem Stil der hellenistischen oder römischen Zeit, sondern er hat seine genauesten Analoga an der Art wie im 6. und 5. Jahrh. die Menschenwelt mit den übrigen Organismen und der Mikrokosmus mit dem Makrokosmus in spielende Vergleichung gebracht wurde. So verglich Alkmaion (fr. 24 Sander Wittenberg 1893) die beginnende Geschlechtsreife (rgigwoug tig Hens) mit dem Blühen der Pflanzen, so sprach Empedokles (V. 219 Stein) schon kühner und 1) Doch ist das Bild vielleicht angeregt durch den Timaios p. 43 AB, eine Stelle, die von den Medicinern vielfach benutzt wird, S. Galen IV 781. Scholia in Progn. Hipp. Dietz I 67 xalws yap 6 Ilkarwv notop@ ééorte GTEÏXUGE TH HMETEQR OWUATE. 13 A € r #

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pointirter vom Eierlegen der Bäume, so vergleicht der Verfasser der Pseudohippokratischen Schrift de natura hominis, dessen wahrer Verfasser sich uns alsbald enthüllen wird, die Wirkung der Arzneimittel im Körper mit der Nahrungsaufnahme der Pflanzen in der Erde (ce. 6. VI 44 Littré)‘) und das Buch de natura pueri, das man im Alterthum zum Theil demselben Verfasser zuschrieb, enthält eine solche Fille von botanischen Metaphern und ausgeführten Vergleichen, dass Häser in seiner Geschichte der Medicin dies als besonders charakteristisch angemerkt hat. Das Lieblingswort dıLoö», das in jenem Vergleiche des Menonischen Berichtes öfter wiederkehrt, findet sich hier von Nägeln und Haaren gebraucht 21 (510) of ôvvyes nai ai veigeg écoutuÿyoav*) und das Ganze c. 34 (540 ff.) beruht auf dem schon oben aus de natura hominis citirten Vergleich der Pflanzen und ihrer Nahrungsaufnahme aus der Erde mit dem menschlichen Körper. Und wie der bei Menon- Aristoteles erscheinende Hippokrates mit der Kenntniss einer seltenen ägyptischen Pflanze, der orgarıaraı, prunkt, so exemplificirt der Verfasser von de natura pueri mit genauer Kenntniss des libyschen Silphiums. Er fasst seine Anschauung c. 27 (VII 28 L.) in folgende Worte: 7; dé zeg Bovdyzat èvvoeiv ta éndérta dupì tovtwy EE doris 86 téhoc, etorget THY Pow maoav naganinoiny Eovoay Tuv Te Ex vig vijg gyvousvav nai tov EE avdowrwr. In diesen Hippokratischen Schriften also haben wir die Spur des Menonischen Hippokrates gefunden. Sie führt nun aber weiter. Die Schrift de natura pueri wie das damit zusammenhängende 4. Buch de morbis, besonders aber jenes Buch de flatibus, alle zeigen theils in der Terminologie, theils in den Anschauungen, der Verfasser von de flatibus auch in dem ganzen Princip, eine unverkennbare Aehnlichkeit mit der Lehre des vermuthlich dem 1) Vgl. 12 (VII 486 L.), 17 (498), 22 (514), 24 (520). 2) Philolaos unterschied nach Jambl. Theol. arithm. S. 22 vier Hauptsitze der Erkenntniss- und Lebenskrafte. Der Nabel wird dabei als Princip der Anwurzelung und Keimung bezeichnet òupaÂòs dè gecdotos nai dvapvaos und weiterhin enthält der Nabel das Princip des pflanzlichen Lebens ta» puto (degav). savta yoo, heisst es zum Schlusse, xai Pahlovor xai Biaotavovot. S. Böckh Philolaos S. 159. Vgl. Plato Tim. 77 C xareogıöwuevov, wo c. 35 Anf. ein ausgeführter Vergleich des Leibes mit einem Garten folgt. Eigenthümlich Otay Ta axga TOU Gaipatos tov mardiov 65097 de nat. pueri 21 (VIIS 10 L.) vgl. mit 24 (VII 518 L.) ofovrae To pvróv, 17 (VII 498) xai tà doréa . Siolovra, ws dévdeov,

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ärztlichen Stande angehörigen Diogenes von Apollonia‘), der im Anfange des peloponnesischen Krieges grosses Aufsehen erregte, in den Wolken des Aristophanes parodirt, in den Troerinnen des Euripides imitirt erscheint?), und uns auch hier bei dem Aristotelischen Hippokrates das wundersame Gleichniss erklären hilft, das den Menschen wie die Wasserlinse auf dem Luftocean schwimmen lässt. Denn in einem zusammenfassenden Originalberichte *) hat Diogenes ausgeführt, die Einheitlichkeit seines Princips, also der Luft, sei die absolute Voraussetzung der Naturvorgänge: ,oèd” dy otte pvròv èx vig Vig var ovre Ugov oùre &Alo yevéodar oùdév, el un ottw ovvioraro, Wore Taito eivar. ahha nävra tetta èx tov avtoù Etegocovueva GAhote ahdoia yivetar nai eig tO aùrò avaywoeît. Aber sein Princip lieh nicht nur den Stoff, sondern auch die Kraft, die Seele, und so bezeichnete Quantität und Qualität der Luft in den verschiedenen Organismen, und zum Theil ihr blosser Aufenthalt in niederen oder höheren Regionen die Gradunterschiede der Intelligenz von den luftarmen Pflanzen angefangen bis zu dem Menschen, der den Kopf hoch in die Luft trägt und des göttlichen Odems voll ist.*) So begreift man, wie diese Idee der stufenweisen Entwickelung innerhalb desselben Mediums und durch dieselbe Kraft den Philosophen zu beständigen Vergleichen zwischen Menschen- und Pflanzenwelt veranlasste, wie das in unseren Fragmenten und Referaten deutlich erkennbar ist.) Es trifft sich schön, dass die Haupt- 1) Dies hat Petersen Hippoer. ser. ad temp. disp. S. 31 richtig bemerkt. Vgl. de morbis 33. VII 544 L. éxèv dè payn À nin 6 avdgwnos, Ehneı To cüua és Ewvro èx cis moulins Tijs inuados rs eiomuevns nai ai anyai Ehxovas dia av qheBav ano cis xoıhins À duoir inuas tiv duoinv nai diadidwor tH cœuar woneg Eni Töv yuvrav Ehuet ano aus ynsı 6 poin ixuàs pv 6 uoinv, vgl. damit das Verh. der 35. (Stett.) Philologenvers. 106, 33 Angeführte. Worauf égeBodipüouv ùnò tov Tagragov bei Aristoph. Wolk. 192 geht, wird aus den Berl. Sitzungsber. 1891, 581 besprochenen Untersuchungen des Diogenes deutlich. Die 80Aßoi 188 mögen dabei auf Beispiele gehen wie sie Ps.-Hipp. de morbis IV 34 (VII 544 L.) bringt: zó te yao Óódov Eluer ano ns yijs inudda vovatrnv olov meg nai aùrò Övvausı éorì nai To aubgodov Elmer drrò tijs yis inudda toadctry ofóv neg nai avrò Övvausı Eoriv. 2) Rh. Mus. 42, 12. 3) Fr. 2 Panzerbieter (Simpl. Phys. S. 151, 30 £.). 4) Vgl. Verh. der Stettiner Philologenvers. L. 1880 S. 107, 5) Fr. 2 (a. a. O, s. A. 3) und Theophr. de sensu 44.

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stelle der Aristophanischen Parodie in den Wolken, wo die Lufttheorie des Diogenes mit den eigenen Schlagwörtern des Philosophen köstlich verspoltet wird, gerade mit einem drastischen botanischen Exempel ganz im Stil der Hippocratea schliesst. Sokrates enthüllt von seiner luftigen Höhe aus dem staunenden Strepsiades den Grund seines Schwebens Vers 228: où yao av more ëEetoov Codws tà ueréwoa srodyuara, el un xoeuaoag TO vonua xai THY poovrtda Lemtny xarouizag eig TOY ouotov àéoa: ei d° wy yauai tàvw zarwder èoxirtovr, oùx av rod etgov: ov yao ahi’ i yi Bia Ehuee 71908 avtiyv tiv ixuada tig poovridog. nacyer dè vaùrò TOTO nal Ta xaQdauc.') So schliesst die Offenbarung des Luftpropheten, der in seiner Gondel, der xoeuadea, schwebend durchaus dem barocken Bilde des Menonischen Hippokrates entspricht. Tritt nun noch der Wolkenchor hinzu, der Vertreter des Luftprincips, mit ungeheuren Nasen?) ausgestattet, so begreifen wir den Stich auf Diogenes, dem die Nase gemäss seiner pneumatischen Theorie der wichtigste Körpertheil sein musste. Wir verstehen von hier aus auch den Menonischen Bericht besser, wenn es da heisst: ‚die Menschen sind an die Luft gewurzelt mit ihren Nasen und ihrem ganzen Körper‘ (rrgooegerkwueda ngòg TOV aega vara TE Tag divas val nard ta da owuara). Es ergiebt sich hieraus folgendes Resultat. Menon hat ein vollständigeres Exemplar von de flatibus oder auch ausserdem eine zweite Schrift desselben Verfassers benützt und für echt Hippokratisch gehalten. Dieser Arzt ist entweder identisch oder wenigstens derselben Schule angehörig mit dem Verfasser de natura pueri und de morbis IV. Diese Sekte hängt in medicinischer Beziehung durchaus von der knidischen Schule ab, deren Hauptvertreter Euryphon und Herodikos wir jetzt aus Menon genauer kennen lernen. Damit haben aber diese sophistisch veranlagten Schriftsteller?) die der Medicin nahestehenden Systeme des 1) Die hervorgehobenen Worte sind nachweisbar Termini des Diogenes. 2) V. 344 mit den Scholien, 3) Ueber diese Zusammenhänge vgl. u. a. Ilberg Studia Pseudhippocr. L. 1883 S. 23. Ich halte die Möglichkeit, dass diese Schriften später am Ende des 4. Jahrhunderts bewusst gefälscht sein (wie ähnliches Rose nament-

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Diogenes von Apollonia und Empedokles verquickt, indem sie von jenem die Luft-, von diesem die freilich schwer damit vereinbare Bluttheorie entlehnten, die auch der Sophist Kritias adoptirt hatte. *) Diese knidisch-diogenisch-empedokleische Mischschule scheint zur Zeit des peloponnesischen Krieges geherrscht zu haben. Denn damals übte Diogenes seinen Haupteinfluss aus, damals auch zeigte sich jener ungemilderte Gorgianismus, der in der Schrift de flatibus ganz besonders hervortritt. Damals war modern und geschmackvoll, was den Späteren wie uns der Gipfel des Ungeschmacks scheint, jene barocken Antithesen in Inhalt und Form, die den Charakter auch jener medicinischen Sophistik ausmachen. In dieser Beziehung erscheint mir das von Menon berichtete Gleichniss von den Menschen und Wasserpflanzen, die beide in ihrem Elemente festgewurzelt hin und her schwimmen, wie ein Typus jener Gedankenpest, die im Anfang des Archidamischen Krieges gleichzeitig mit der wirklichen Pest Attica und ganz Griechenland ergriffen hatte. Also ist jene Vergleichung gewiss nicht später zugesetzt, sondern so alt und so echt wie die uns vorliegende Schrift de flatibus. So sicher also der Menonische Bericht auf einen Zeitgenossen des Hippokrates passt, so sicher, behaupte ich, hat er mit dem wahren Hippokrates nichts zu thun. Denn es ist eine ästhetische Versündigung und eine sachliche Verirrung, den dort berichteten Inhalt in irgend welche Beziehung bringen zu wollen mit dem Geiste des grossen Koers, den wir in dem herrlichen Buche de aere et locis und einigen Fachschriften zu verspüren meinen. Denn hier spricht ein zugleich geistvoller und nüchterner Arzt, ein philosophisch durchgebildeter, aber nicht mit dem Scheine philosophischer Bildung prunkender Forscher, ein geschmackvoller Stilist, aber kein poetisirender, archaisirender, antithesendrechselnder Sophist. Menon hat sich also in der Person des Hippokrates gründlich versehen, das wage ich, bei allem Respect vor der Aristotelischen Schule, zu behaupten. Und mit dieser Behauptung stehe ich nicht | i lich für die von Diogenes abhängige Schrift IZegi oaoxcòv behauptet Anecd. H 13), für unerweislich und unwahrscheinlich. Vgl. Weygoldt Archiv f. Gesch. d. Philos. I 167 ff. 1) Weygoldt versucht die Rechtfertigung dieser Blutlehre a. 0. S. 164. Blut bedeute ‚Luft im Blut‘. i Aber das entspricht nicht genau der Darstellung des Verf. c. 8 (VI 102, 13 L.), wo das xveïua vielmehr als Product des Blutes erscheint.

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allein. Denn bereits unser Anonymus hat den Menonischen (oder wie er sagt den Aristotelischen) Hippokrates mit Entrüstung zurückgewiesen. Er fährt fort: 6, 42: [xai W]e u(èv) 6 Agvororéing oterar met ‘In[rroxoazolve, teure" wo dè arrög Inmoxeatne héyer, yi(veodei) tag vóoovg [n(apd) tag Òvapoodg t(wr) év zij ovoralozı pioewv. Diese vier gvoeıg sind die bekannten Hippokratischen Säfte: Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle, wie in der leider sehr zerstörten Col. 7 ausführlich nachgewiesen war. Und zwar hält sich der Compilator hier an die Schrift de natura hominis, in welcher die Hippokratiker der Kaiserzeit die präciseste Zusammenfassung der Humoralpathologie ihres Meisters zu finden pflegten.') Freilich damit ist uns auch nicht gedient. Denn ob jene römischen Aerzte diese oder jene Schrift Hippokratisch nennen, hat für den heutigen Stand der Frage wenig Bedeutung. Und darin ist glücklicherweise die moderne Forschung so ziemlich einig, dass der Verfasser de natura hominis zwar der Hippokratischen Schule angehört, aber nicht identisch mit dem Stifter sein kann. Wir kennen vielmehr den Verfasser aus Aristoteles selbst, nicht aus Menon oder anderen secundären Quellen, sondern aus dem 3. Buche seiner Thiergeschichte, das selbst von der weitgehendsten Skepsis als echt angesehen wird. Hier giebt also der Stagirit ein wörtliches Excerpt aus de natura hominis mit dem ausdrücklichen Citate: IloAußos dè dde (I 3. 512» 12)°); so hat bereits das Alterthum, soweit nicht Schulvorurtheile in Betracht kamen, wie bei Galen, und so haben die bedeutendsten Hippokratesforscher der Neuzeit (ich nenne nur den ausgezeichnetsten, Littré) das leider nur fragmentarisch erhaltene Buch IIsgi ptotog ävdowrov dem Polybos, °) dem Schwiegersohn und Diadochen des Hippokrates zugeschrieben. 1) Vgl. besonders Galen de placitis Hipp. et Platon VIII [p. 689 ff. Müller, p. 685 ff. K.]. 2) Die Ansicht V. Roses de Arist. libr. ord. S, 6, der Abschnitt sei aus Aristoteles später in das Hippokratische Buch übertragen worden, lässt sich, wie mich dünkt, durch eine Analyse der beiden Recensionen widerlegen. Freilich scheint mir, was die Untersuchung erschwert, der Aristotelische Text (namentlich am Anfang) gelitten zu haben, 3) Galen XV 11 of nAsioros pèv yoo Tor yvóvrov ‘Innoxgatsiov Téyvnv Tois yvyolou attò (das Buch de natura hominis) ovyuatagiFuoroi

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Und hier giebt nun der Londoner Anonymus volle Bestätigung aus Menon. Denn unter dem Lemma Polybos erscheint Col. 19 ein zwar sehr kurzes, aber vollkommen mit unserem Tractat übereinstimmendes Referat. Hiermit ist viel gewonnen. Hier haben wir endlich den festen Punkt, wo der Hebel anzusetzen ist. Wir wissen jetzt wenigstens, was Hippokratische Schule ist, und wissen demnach, dass Polybos, der im Anfang seiner stilistisch sehr gewandten Schrift heftig und sarkastisch gegen die Monisten loszieht, die nur einen Grundstoff annehmen, unmöglich gegen den Schulstifter polemisiren konnte. Sondern wenn er an erster Stelle gegen die Lufttheoretiker losgeht, so hat er offenbar jenen philosophischmedicinischen Phantasten, den Verfasser von de flatibus im Sinne; und wenn er seine heftige Polemik mit den Worten schliesst c. 1 (VI 34 L.): ‚Jeder hat einen anderen Grundstoff bereit und so thun sich diese Leute in ihrem Unverstande gegenseitig ab‘, so kann er doch unmöglich damit den Hippokrates gemeint haben. Ich glaube also, dass ich mich, wenn ich vorhin dem Menon den Glauben versagte, getrost auf Polybos, den Verlasser von de natura hominis berufen darf, der als Schwiegersohn es doch wohl wissen musste, was Hippokratisch ist und was nicht. So liegt mir zum Schlusse nur noch ob anzudeuten, wie Menon zu jenem ungeheueren Irrthum kommen konnte, obgleich er doch, wenn nicht unter den Augen des Aristoteles, so doch jedenfalls gestützt auf dessen Tradition, Sammlungen und Bibliothek arbeiten konnte. Nun ist es bekannt, dass Aristoteles zwar einmal in der Politik von dem ‚grossen‘ Hippokrates ganz im Allgemeinen spricht, ihn aber nie citirt, obgleich er die Schriften des Hippokratischen Corpus stark und zum Theil sehr eigenthümlich benutzt hat.') Und zwar sind die Citate aus den uns für echt geltenden Hippokratischen Werken verhältnissmässig selten, die unechten Schriften aber ziemlich häufig ausgezogen, obgleich dieser hauptsächlich von Poschenrieder geführte Nachweis dadurch etwas vouibovres tov ueyahov Innoxgarovs ovyyoaupa, tirès dì TolvBov tov madnrod te Gun nai Ovadelausvov tijv av venv diWacxahiay, os order Olws paiverart ustaxıvnoas tov Innoxoarovs doyudiwv Ev ovderì tay éavtov Bifldov, wonee ovdè Oeooahòs 6 atroù (des Hippokrates) vids, Favpags pèv avio nal oùtos yevbuevos, ald’ ot warapelvas év tij wargidı xaddneg 6 IloAvßos' “Agyslaw yap to Maxedovias Bacsdsi ovveyévero. 1) Poschenrieder a. 0. S. 14.

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unsicher wird, dass sich jene unechten Schriften jetzt noch sicherer als früher zum Theil als Abklatsche der älteren medicinischen und philosophischen Litteratur nachweisen lassen.') Aber ich will gar nicht bezweifeln, dass die Schrift, die Menon für Hippokratisch hielt, sich bereits im Besitze des Aristoteles befand, sich vielleicht auch in seinem Corpus echt Hippokratischer Schriften befand. Denn damals waren die einzelnen Rollen gewiss noch nicht fein säuberlich nach Autoren geschieden, wie man es später gewohnt war; und so kleine Schriften konnten sich ja stets nur an grössere und wichtigere anlehnen. Für philosophisch wichtige Fragen, wie für die orphische Litteratur und das atomistische Schriftencorpus hatte Aristoteles das kritische Trennungswerk mit Erfolg in Angriff genommen. Die medicinische Litteratur dagegen lag ihm ferner und er hatte vielleicht ein geheimes Grauen, sich in dieses Chaos zu begeben, wie er ja auch die ebenso bedenkliche Pythagoreische Ueberlieferung nur mit den Fingerspitzen berührt. Menon aber musste sich entscheiden, und dass er dabei einen so ganz entschiedenen Fehlgriff that, können wir bedauern, aber wir können es begreifen. Jeder Kritiker hängt von seinen dogmatischen Vorurtheilen ab. In der Geschichte der Bibelkritik spiegelt sich die dogmatische Befangenheit der Kritiker treu ab, und in der Philologie ist es nicht viel anders wie in der Medicin. Galen bält trotz der bestimmten Gegenindicien mit den Zähnen an der Echtheit von de natura hominis fest, weil ihm darin die Quintessenz seiner eigenen Schule begründet zu sein schien, weil er damit die angebliche Uebereinstimmung mit Platon, die ihm am Herzen liegt, beweisen zu können hoffte.) So hielt, wie ich glaube, Menon jene ausgesprochen pneumatische Schrift für den wahren Hippokrates, weil er offenbar selbst Pneumatiker war. Denn Praxagoras und Chrysippos, die dem Pneuma eine so bedeutende Rolle im menschlichen Organismus zuwiesen, waren die hervorragendsten Stimmführer der Aristotelischen Zeit auf ärztlichem Gebiete. Ein Schüler des Chrysippos Aristogenes wird in der aus Aristotelischen Kreisen stammenden Schrift ITegì zrveruorog (481% 28) citirt, ein anderer Schüler Medios ist der Oheim 1) So kann eine Stelle de somno, die sich mit dem Verfasser de flatibus zu decken scheint (Poschenr. S. 27), sehr wohl vielmehr auf Parmenides oder Empedokles zurückgeführt werden. Ebensowenig kann ich zugeben, dass jenes Buch bereits Plato im Timäus p. 84 vorgelegen haben müsse (Poschenr. S. 27, 45). 2) S. oben S. 430, A. 1,

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des grossen Erasistratos, der, wie ich neulich genauer dargelegt habe’), die Pneumalehre bis zur Absurdität durchgeführt und dabei von Straton dem zweiten Diadochen des Aristoteles wie in der ganzen Physik so auch in jenem Punkte wesentlich beeinflusst worden ist. In solcher Umgebung, denke ich.mir, hat Menon gelebt, die Pneumalehre war das Glaubensbekenntniss dieser jungaristotelischen Naturwissenschaftler. So begreift es sich, dass Menon in den anonymen Schriften und Schriftchen des Hippokratischen Corpus nach Vertretern seines Dogmas suchte. Die Fachschriften über die Epidemien, über die Kopfwunden, selbst das Buch de aere et locis, die er gewiss kannte und vielleicht selbst unter Hippokrates Namen kannte, geben für seinen doxographischen Zweck wenig aus. Er war überzeugt, ein grosser Schulstifter wie Hippokrates müsse sich über seine Principien im Zusammenhang geäussert haben, und diese Principien müssten im Einklang stehen mit den herrschenden Ansichten der Mediciner. So fiel ihm denn beim Suchen in dem Hippokratischen Schriftenwuste jenes armselige Machwerk de flatibus in die Hände. Hier fand er eine philosophische Theorie, die -sich mit Leichtigkeit in das doxographische Herbarium einlegen liess, hier fand er vor allem das moderne pneumatische System wieder, aber in der Sprache des 5. Jahrhunderts. So griff er zu und griff fehl. Dass der erste Historiker der Medicin in einer Hauptsache so irren konnte, ist bedauerlich, aber, wie ich meine, auf jene Weise verständlich. Dieser Fehlgriff soll in keiner Weise vertuscht, er soll aber auch nicht unnöthig aufgebauscht werden. Wir dürfen nicht vergessen, welche reiche Fille der Belehrung wir dieser neuen Quelle verdanken, von der ich nur einige wenige Punkte ausheben konnte. Hier ist fruchtbarer Forschung weiteste Bahn geöffnet, und unsere jüngere Philologie, welche mit Eifer am Werke ist, brauchbare Editionen oder Fragmentsammlungen der wichtigsten Aerzte zu schaffen und so das von Dietz, Littré und Daremberg begonnene Corpus Medicorum herzustellen, sie wird nun auch mit Aussicht auf Erfolg die doxographische Bearbeitung der antiken Medicin in Angriff nehmen können. Möge die Forschung dabei vor den Uebertreibungen und Verstimmungen bewahrt bleiben, welche die Auffindung der Aristotelischen Politeia zur Folge gehabt hat. Aber auch hier glättet sich bereits die See. Allmählich bricht 1) Sitzungsber. d. Berl. Akad. 1893 S. 101. Hermes XXVIII,

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sich die Erkenntniss Bahn, dass gerade wo sich die Unzulänglichkeit der Aristotelischen Methode offenbart, für uns die fruchtbarsten Keime neuer eindringender Forschung liegen. Wie die Divergenzen der Politeia uns die dahinter liegende atthidographische Tradition enthüllen, so offenbart uns der starke Irrthum Menons den trostlosen Zustand der Hippokratischen Ueberlieferung im 4. Jahrh. Sollen wir nun gegenüber diesem unerwarteten Ergebnisse die Hande voll Verzweiflung in den Schooss legen? Oder sollen wir an der Hoffnung festhalten, dass es unserer Wissenschaft vermittelst ihrer besseren Methoden gelingen werde, die Probleme zu lösen, an denen die antike Forschung scheitern musste? _dùrò defëer. Berlin.