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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Ins Frama probleme An dichte dan Aalen Wessom Arg
mögliche Wege, wie man zur Entdeckung der Inkommensurabilität gelangen konnte, ja geradezu auf sie gestoßen werden mußte, aufweisen
lassen.
2118
AR eZ, Nr K .
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4, Die Pythagoreer. Zablenmystik and exakte Mathematik.
Die Philosophie des Pythagoras (ca. 570—ca. 480 v.Chr.) scheint in
vieler Hinsicht einen ganz anderen Ursprung und einen ganz anderen
Charakter zu haben als diejenige der bisher betrachteten Philosophen.
Sie enthält starke religiöse und „mystische“ Elemente, was das Mißtrauen
mancher Wissenschaftshistoriker erregt, ob daraus etwas Wissenschaftliches hervorgegangen sein könne, obwohl doch derartige Verbindungen
in Zeiten des Übergangs auch sonst keineswegs selten gewesen sind.
Die Pythagoreische Lehre, die, wenn irgendeine, für die Entwicklung
der Wissenschaft relevant geworden ist, ist die Lehre, die ihren lapidarsten Ausdruck gefunden hat in dem Satz „Alle Dinge sind Zahl“ oder
in anderen Variationen: „alle Dinge sind aus Zahlen zusammengesetzt“
oder „die Zahlen sind das Wesen der Dinge“ erc.*8, Wie einige der früher
erwähnten Theorien ist auch dies seinem Ursprung nach eine gewaltige
Verallgemeinerung aufgrund zunächst sehr beschränkter Beobachtungen.
Es hat aber auch, wie leicht zu sehen ist, eine gewisse Beziehung zu dem
zuerst in Verbindung mit Hekataios von Milet auftretenden Problem,
wieweit die für die menschliche Erkenntnis unentbehrlichen regelmäßigen
Strukturen sich in den Dingen selbst auffinden lassen oder ihnen, um sie
für die menschliche Erkenntnis faßbar zu machen, künstlich aufgelegt
werden müssen.
In concreto sprechen jedoch sowohl die antike Überlieferung wie auch
die älteste in der weiteren Ausbildung der Lehre gebrauchte Terminologie
dafür, daß der erste Anstoß zu der Lehre von der Musik ausgegangen
ist, von der Beobachtung nämlich, daß bestimmte, für das Ohr besonders
angenehm und harmonisch klingende Tonkombinationen durch Saiten
gleicher Art erzeugt werden, deren Längen in ganz einfachen Zahlenverhältnissen zueinander stehen, sowie daß dieselben Töne und Tonkombinationen sich auch mit Hilfe anderer Instrumente, bei denen dieselben
84 Die wichtigsten Zeugnisse sind Aristoteles Metaphysik A 5, 985 b, 23 ff.; I 2, 1053 b,
12/13; und M 4, 1078 b, 21 ff. Für weitere Zeugnisse und ihre Interpretation vgl.
meinen Artikel „Pythagoreer” in der RE, XXIV, Sp. 250.
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Zahlenkombinationen wiederkehren, erzeugen lassen. In der ältesten
Überlieferung wird häufig das Verhältnis im mathematischen Sinne statt
mit dem später vorwiegenden, für den Sinn der Lehre sehr aufschlußreichen Wort Adyog mit ditompa bezeichnet, was eigentlich „Abstand“
bedeutet. Die Glieder der Proportion heißen bis in die spätesten Zeiten
der griechischen Mathematik öpoı, was eigentlich „Grenzen“ bedeutet. Das
ist aus der reinen Mathematik gar nicht zu erklären, wohl aber aus der
Anwendung der Proportionenlehre auf die Musik, wo die Zahlenverhält-
Tatsache, daß, wenn man drei Stöcke oder gerade Strecken, deren Längen
im Verhältnis von 3, 4, 5 zueinander stehen, zu einem Dreieck zusammonnisse den Intervallen auf der Tonskala entsprechen und die Glieder der
Proportionen den Tönen als den Grenzen der Intervalle. Was andererseits über die Beobachtungen erzählt wird, durch die Pythagoras auf
seine Lehre gebracht worden sein soll, scheint öfter mic den akustischen
hängig von der absoluten Länge der Stöcke, „ähnliche“, d.h. gestaltgleiche Dreiecke oder, wie man in der ältesten Zeit zu sagen pflegte, bei
gleichem Längenverhältnis der Stöcke „das selbe Dreieck“, wenn auch
in verschiedener Größe, entsteht. Endlich scheint die Beobachtung, daß
Gesetzen nicht übereinzustimmen und daher ins Reich der Legende verdie Umläufe der Gestirne regelmäßig und ihr Verhältnis zueinander bis
zu einem gewissen Grade zahlenmäßig faßbar ist, bei der Ausbildung
der in einem so ungeheuer allgemeinen Satz formulierten Lehre eine
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wiesen werden zu müssen. In einigen Fällen läßt sich jedoch zeigen, daß
die Nichtiibereinstimmung mit den Gesetzen der Akustik daran liegt,
daß die modernen entsprechenden tonerzeugenden Gegenstände anders
gebaut sind als die entsprechenden antiken, so daß für die letzteren ein
der Überlieferung approximativ entsprechendes Ereignis doch möglich
ist. Jedenfalls ist kaum ein Zweifel daran möglich, daß akustische
Beobachtungen bei der Entstehung der Pythagoreischen Zahlenlehre eine
entscheidende Rolle gespielt haben und daher Proportionen am Anfang
dieser Lehre stehen.
Zu diesen akustischen Beobachtungen kam aller Wahrscheinlichkeit
nach im allerersten Stadium der Entwicklung der Lehre die sachlich mit
‚ dem sog. Pythagoreischen Lehrsatz zusammenhängende Kenntnis der
te Die dem Pythagoras und dann wieder dem um die Mitte des 5. Jhdts. v. Chr. lebenden Hippasos von Metapont zugeschriebenen Beobachtungen und Experimente mit
Ton oder Musik erzeugenden Instrumenten sind in neuerer Zeit vielfach als Erfindungen der antiken Überlieferung erklärt worden, weil sie akustisch unınöglich sind
oder jedenfalls nicht die berichteten Resultate ergeben. Für einiges mag dies zutreffen. Auf der anderen Seite ist aber auch manches offenbar mic der Zeit nidu
mehr richtig verstanden oder falsch ausgelegt worden. Die Geschichte z.B., nach
der Pychagoras, als er an einer Schmiede vorbeiging, zwischen den von den Hämmern auf dem Amboß hervorgebrachten Tönen den Untersdiied einer Oktave beobadhtet haben und dann eine Beziehung zur Größe der Hammer hergestellt haben
soll (wieweit die weiteren genaueren Angaben über eben diese Größe richtig sind,
ist eine andere Trage), hätte mit einer modernen Schmiede nicht passieren können.
Nadi von Professor Krämer in München auf Anregung von Baudirekior Hertwig
angestellten Versuchen ist die Geschichte ihrer Grundvoraussetzung nach durdhaus
inöglich, wenn man, wie in der Antike, einen in Holz eingelassenen, daher nicht
túnenden Amboß und Hammer mit Metallstielen statt der modernen Flolzstiele,
die die Hämmer am Schwingen verhindern, verwendet.
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fügt, ein rechtwinkliges Dreieck von einer gewissen Form entsteht, ohne
daß dabei die absolute Größe des Dreiecks oder der es konstituierenden
Seiten eine Rolle spielt. Das konnte leicht zu der weiteren Feststellung
führen, daß, wenn man drei Stöcke, die in irgendeinem Längenverhältnis
zueinander stehen (vorausgesetzt, daß die Summe der Längen von zweien
von ihnen größer ist als die Länge des dritten), zusammenfügt, unab-
Rolle gespielt zu haben.
Der älteste und primitivste Sinn der Lehre scheint also zu sein, daß
in den Dingen gewissermaßen Zahlenbündel stecken, durch deren Kenntnis man die Dinge zu fassen bekommen kann. Dieses Zufassenbekommen aber hat offenbar — und dies ist von grundlegender Bedeurung —
einen doppelten, d.h. einen theoretischen und einen praktischen Sinn.
Das Zahlenbündel, woraus dann bei der fortschreitenden Mathematisierung der Lehre das Verhältnis der Zahlen zueinander im mathematischen
Sinne wird, wird von sehr früh an „Logos“ genannt. Logos heißt Sprache
oder Wort, und zwar in dem Sinne, daß durch das Wort im Sinne von
Logos das Wesen des Dinges eigentlicher bezeichnet wird als durch seinen
Namen (övona), der ihm sozusagen von außen gegeben wird. Wenn also
die in den Dingen steckenden Zahlenbündel als Aöyor bezeichnet werden,
so wird dadurch zum Ausdruck gebracht, daß auf diese Weise mehr und
Wesentlicheres über das durch diese Zahlenbündel bezeichnete Ding mitgeteilt wird als wenn es nur mit seinem Namen bezeichnet würde. Zugleich
kann man aber ein Dreieck von bestimmter Gestalt, wenn man die in
ihm steckenden Zahlen kennt, jederzeit in beliebiger Größe mit Leichtigkeit herstellen, ebenso wie man aufgrund einer analogen Kenntnis „die
selben“ Töne und Tonkombinationen in verschiedenen (oktav-)Höhen,
aber auch mit verschiedener Klangfarbe und mit verschiedenen Instrumenten wiedererzeugen kann. Endlich ist die Kenntnis der Zahlen, die in
einem Ding stecken, im eminenten Sinne eine Erkenntnis, die sich ohne
jeden Verlust von einem Menschen auf einen anderen übertragen und
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)also auch unbeschränkt konservieren läßt. Hier also, bei einer Spekulation, die von Anfang an auf mathematische, bzw. quantitative Analyse
der Welt gerichtet war, liegen weit mehr noch als bei den früher behandelten Philosophien der frühgriechischen sog. „Physiker“ (qvacxoi), Thales, Anaximander und Anaximenes, die Anfänge einer akkumulierbaren
und in gewisser Weise auf die praktische Bewältigung der Dinge gerichteten Wissenschaft im modernen Sinn.
Zunächst freilich wurden diese Ansätze in zwei auseinanderstrebenden Richtungen weiterentwickelt: in die Richtung einer zügellosen und
oft ins Phantastische ausschweifenden Spekulation und in die Richtung
der mathematischen Präzisierung. Pythagoras selbst, von dem diese Philosophie ausgegangen war, war ja nicht nur ein Philosoph, sondern auch
ein Mystiker und ein religiöser und sittlicher Reformer. So ist es nicht
zu verwundern, daß, ausgehend von der auf einem ziemlich beschränkten Gebiete gewonnenen Überzeugung, daß sich alles müsse in Zahlen
fassen lassen, nun auch nach der Zahl der Tugend oder der Gerechtigkeit, oder der Ehe gesucht wurde”. Tycho Brahe, einer der sorgfältigsten
astronomischen Beobachter aller Zeiten, hat, soweit sich erkennen läßt,
sehr ernsthaft an die Astrologie geglaubt und diese selbständig weiter zu
fördern gesucht. Kepler hat offenbar nicht mehr daran geglaubt, aber
im Dienste seiner Auftraggeber trotzdem eifrig Horoskope gestellt. Ahnliche Kombinationen zwischen Anfängen der Wissenschaft und unkontrollierter Spekulation finden sich bei Paracelsus. Die Tatsache, daß es noch
zu Beginn des 4. Jhdts. einen pythagoreischen Philosophen, Eurytos, gegeben hat, der die dem Menschen oder dem Pferde zugrundeliegende Zahl
dadurch zu ermitteln suchte, daß er zusah, wie viele Steinchen man
brauchte, um den erkennbaren Umriß eines Menschen oder Pferdes zusammenzusetzen, oder daß noch Jahrhunderte lang Pythagoreer über die
CLialen
vere
das besonders reich und detailliert für die frühen Pychagoreer bezeugt
ist, fehlt es nicht. Dies ist die Lehre von den Polygonalzahlen und später
auch von den körperlichen Zahlen (Pyramidalzahlen mit dreieckiger Basis, mit quadratischer Basis etc.; Kubikzahlen, ziegelförmige, altarförmige Zahlen etc.). Während in der ältesten Zeit z.B. der Tetraktys, der
Summe der durch Punkte dargestellten und in der Form eines Dreiecks
angeordneten Zahlen von eins bis vier, alle Arten von mystischen Bedeutungen zugeschrieben wurden und mit den Zahlen dieser Art noch auf
Jahrhunderte hinaus von vielen Pychagoreern mathematisch unfruchtbare
Spielereien getrieben wurden, sind aus der genaueren Analyse dieser Zahlen, die alle Reihen verschiedener Art darstellen, doch schon in frither
Zeit, wahrscheinlich seit der zweiten Hälfte des 5. Jhdts., auch einige
zahlentheoretische, noch heute interessante Ergebnisse abgeleitet worden,
wenn auch erst Diophant viele Jahrhunderte später die Lehre von den
Polygonalzahlen als Ganze auf eine neue, im heutigen Sinne wissenschaftliche Basis gestellt hat.
gungen ausgehend vielmehr zu mathematischer Präzision zu gelangen
suchten.
Auch an einem Mittel- und Bindeglied zwischen der wilden Zahlenspekulation und der wissenschaftlichen Mathematik, einem Mitcelglied,
|
Die bedeutendste Präzisierung hat jedoch die pythagoreische Zahlenlehre zunächst in der schon ganz früh einsetzenden Entwicklung der Proportionenlehre gefunden. Verschieden große Dreiecke, deren Seiten sich
wie 3, 4 und 5 verhalten, haben die gleiche Gestalt und den gleichen Logos, d.h. dasselbe inhärente Zahlenbündel, durch das man die Gestalt
bezeichnen und mit dessen Hilfe man diese gleiche Gestalt jederzeit exakt
reproduzieren kann. So wird der Ausdruck 6 ards Myos = „der selbe
Logos“ zur Bezeichnung der Proportion. Es läßt sich aber auch leicht zeigen, daß gleiche Multiple der gleichen Zahlen sich verhalten wie die
Zahlen selbst. Aufgrund dieser Tatsache wiederum läßt sich leicht zeigen,
daß sich Verhältnisse von Brüchen durch Multiplikation mit den Nennern in Verhältnisse von ganzen Zahlen umwandeln lassen”. Daraus
mannigfachen Bedeutungen der Siebenzahl oder der Dreizahl oder der
Tetraktys spekulierten, beweist nicht, daß es nicht in derselben Schule
Männer gegeben haben kann, die von denselben allgemeinen Überzeu-
61°
Dic Pychagoreer, Zahlenmystik und exakte Mathematik
Dei Ursprung der Wissenschaft bei den Griechen
u
der alten Pythagoreer, Brüche durch ganzzahlige Verhältnisse zu erin Placons Staar, V1 525 DIE,
cel y sehr schön Deia durch einedieStelle
sich auf solche Dinge verstehen, sich
inzip
wo es heißt: „du weißt ja, wie diejenigen,
darüber lustig machen, wenn jemand in Gedanken die ‚Einheit zerstückelt, und
das nicht gelten lassen. Und wenn du die Einheit zerstiickelst, dann werden sie
vervielfachen, indem sie sich vorschen, daß nicht die Einheit als etwas ‚erscheint,
das nicht eins ist, sondern viele Teile.“ Wenn Burkert a. O. dagegen cinwendet,
daß selbst bei Archytas in der Pyıhagoreischen Musiklehre noch von rationes
superparticulares die Rede sei, also von einer Art von Brüchen, so bestätigt dies
ch der Musik ausgegangen
nur, daß die Pythagorcische Zahlenlehre ursprünglivon
® Aristoteles, Metaphysik M 4, 1078 b, 21. Der selbe Aristoteles sagt Metaphysik
À 5, 985 b, 24 ff., die Pythagoreer seien von mathematischen Betrachtungen aus zu
ihrer Lehre „Alles ist Zahl“ gekommen.
ist und sich in dieser noch etwas von der ursprünglichen Terminologie und von
den anfänglichen Problemen erhalten hat. Zugleich ist der Übergang zu der reinen
Proportionslehre gerade in dem Satz des Archytas über die rationes superparticulares
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)dere Möglichkeiten, und darauf, wie die Entdeckung zuerst erfolgt ist,
kommt hier nichts an — zu der überraschenden Entdeckung, daß an
scheinbar so einfachen Gebilden wie dem Quadrat und dem regelmäßigen Fünfeck das Verhältnis zwischen Seite und Diagonale und damit z. B.
auch am gleichschenkelig-rechtwinkligen Dreieck das Verhältnis der Länge
entwickelt sich die Proportionenlehre für ganze Zahlen, die zusammen
mit zahlencheoretisdien Untersuchungen, die von der Betrachtung der
erwähnten Gestaltzahlen ausgingen*, den Hauptinhalt der arithmetischen Bücher in den Elementen Euklids bilder. In ihren allerersten Anfängen tat diese Entwicklung wahrscheinlich dem Glauben Vorschub,
daß alle Dinge mit Hilfe von Zahlen, worunter zunächst naturgemäß
natürliche, d.h. ganze Zahlen verstanden wurden, bzw. durch Verhältnisse von ganzen Zahlen, faßbar seien, mit anderen Worten: eben der
für Pythagoras und die Pythagoreer bezeugten Lehre „Alles ist Zahl“ in
ihrem natürlichen Sinn.
Der letzte Schritt zur Wissenschaft im modernen Sinn wird aber auch
hier getan durch den Versuch der Verifikation. Daß man mit Hilfe von
Zahlen und Proportionen, wenn man sie richtig anwendet, gleichartige
Gebilde erzeugen kann, bewährt sich überall. Aber umso mehr erhebt
sich die Frage, welche Zahlen in Gebilden und Gestalten stecken, welche
auf andere Weise vorgegeben sind, wie etwa das Quadrat, das wegen
seiner regelmäßigen Gestalt bei den Pythagoreern eine große Rolle spielte,
oder das regelmäßige Fünfeck, bzw. das durch Verlängerung der Seiten
des regelmäßigen Fiinfecks bis zu ihrem Schnittpunkt entstehende sog.
Pentagramm, das den Pythagoreern als Erkennungszeichen diente. Das
hätte man nun durch Ausmessen herauszufinden versuchen können, wobei sich freilich mit zunehmender Genauigkeit der Ausmessung die Zahlen
immer wieder verändern mußten. Das Bedeutsame ist jedoch, daß sich
die Pythagoreer eben nidht wie ihre babylonischen Vorgänger mit Approximationen begnügten, sondern es exakt wissen wollten. Das führte —
am wahrscheinlichsten am regelmäßigen Fiinfeck*, aber es gibt auch ansehr schön zu sehen. Vgl. auch den Nachtrag zu dem Wiederabdruk meines Aufsatzes über Platon, Theaetet und die antike Mathemauk, Wisseuschaftlicie Budhgesellschaft, Darmstadt, Reihe Libelli CCLVII (1969), S. 76 ff. mit Anın. 15.
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m—_—
der Katheten zur Länge der Hypotenuse sich überhaupt nicht durch das
Verhältnis zwischen zwei noch so großen Zahlen ausdrücken ließ, d.h.
zur Entdeckung der Inkommensurabilität, für die dann bald auch andere
Beispiele gefunden wurden.
Wenn aber in dem gleichschenkelig-rechtwinkligen Dreieck z.B. das
Verhältnis der Seiten zueinander nicht in ganzen Zahlen ausgedrückt
werden kann, solche Zahlen aber nach der pythagoreischen Grundlehre
„Alles ist Zahl“ der „Logos“ sind, durch den Dreiecke und andere Dinge
sich in ihrem Wesen erfassen und mit dessen Hilfe sie sich reproduzieren
lassen, dann schien das gleichschenkelig-rechtwinklige Dreieck keinen
Logos zu haben. Das fand in der mathematischen Terminologie denn
auch seinen Ausdruck darin, daß das Verhältnis dieser Seiten zueinander
als &Aoyog bezeichnet wurde, was wir als terminus technicus auffassen
und mit „irrational“ übersetzen, was aber ursprünglich und wörtlich
„ohne Logos“, „ohne Verhältnis“, bedeutet. Damit mußte mit einem
Male die pythagoreische Grundlehre, daß „Alles Zahl ist“, daß alle
Dinge zahlenmäßig gefaßt werden können, als widerlegt erscheinen. So
ist es kein Wunder, daß diese Entdeckung zuerst als eine Art Schock
empfunden wurde, was dann in der Legende seinen Ausdruck fand, der
Urheber der Entdeckung, Hippasos von Metapont, sei dafür, daß er
dies schreckliche Geheimnis aufgedeckt, oder dafür, daß er es ausgeplaudert habe, von den Göttern bestraft worden, die ihn bei einer Seereise
auf dem Meere Schiffbruch erleiden und im Meere umkommen lieBenTM.
9 Für einen Versuch, den murmaßlichen Beweis des Hippasos am regelmäßigen Fünfeck zu rekonstruieren, sowie für den Nachweis, daß zur Zeit des Hippasos cin
völlig strikter Beweis geführt werden konnte, für den nicht mehr an mathematischen Sätzen erforderlich war als was durch die antike Mathematikgeschichte schon
dem Thales zugeschrieben wird, vgl. unten S. 545 ff. ©. Becker hat später den Beführen konnten, ja bei einem intensiven Streben nach Verifikation dazu führen
in den mathematisch
mußten. Dies Streben nach Verifikation zeigt sich aber auch
sinnlosen Versuchen, die Zahl der Ehe oder des Pferdes zu bestimmen. Es inzeigt
demangelndes Vermögen, sich in die Bedingungen einer Zeit hineinzuversetzen,
,
bestreitet
man
wenn
stak,
Anfängen
n
nen die Mathematik noch in ihren allererste
schen
daß die einen und die anderen Tendenzen innerhalb der selben philosophiwäre.
Schule bestanden haben könnten, weil in unserer Zeit derartiges kaum möglich
e
Das Entscheidende ist, daß bier die Anlässe zum Übergang überall aufs deuclichst
tungen
malbetrach
Infinitesi
den
von
selbst
als
arer
unmittelb
viel
gegeben sind, und
weis geführe, daß man auch ausgehend von der pythagoreischen wñqoi-Mathematik
zu einem verhältnismäßig einfachen Beweis der Inkommensurabilitäc gelangen
kann. Überall zeigt sich daher, daß gerade die Pythagoreische Zahlenlehre Aulaß
zu Betrachtungen geben mußte, die zu der Entdeckung der Inkommensurabilitit
Entdeckung der
* Auch der heute verbreitete Hohn über die Annahme, daß diedamit
verbundene
die
könnte,
haben
bedeutet
Schock
einen
tät
surabili
Inkommen
re Oberverbreitete
viel
die
auf
Hinweis
der
und
Anzweiflung der Überlieferung
vt Vgl. darüber O. Becker in: Quellen und Studien zur Geschidite der Mathematik,
Bd. 111, S. 533 ff. und B.L. Van der Waerden in: Mathematische Annalen CXX
(1947—49), S. 127—53 und 676--700.
des Zenon, die nicht auf konkrete geometrische Einzelprobleme führen.
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Vom rein mathematischen Standpunkt aus ist dann freilich die durch
ab, so sind die Anzahlen der möglichen Abtragungen die Verhältniszahlen der beiden Strecken, also ihr „Logos“ nach der ursprünglichen Bedeutung des Wortes. Beim regelmäßigen Fünfeck ergibt sich bei dem gegenseitigen Subtraktionsprozeß, daß die Differenz zwischen Diagonale
b4
die Entdeckung der Inkommensurabilität entstandene Schwierigkeit erstaunlich schnell überwunden worden: durch eine Erfindung, deren Urheber unbekannt ist, die aber in gewisser Weise viel genialer ist als die
Entdeckung der Inkomménsurabilitit selbst, die, wenn einmal das Bestreben nach Verifizieren und Exaktheit, das freilich zuerst bei den Griechen aufgekommen ist, sich durchgesetzt hatte, nicht allzu schwer zu
machen war.
Wenn, wie sehr wahrscheinlich ist, die Entdeckung der Inkommensurabilität am regelmäßigen Fünfeck gemacht worden ist, so ist dies, wie
unten im einzelnen gezeigt wird®, im wesentlichen auf folgende Weise
geschehen. Will man das Verhältnis zweier Strecken zueinander bestimmen, so zieht man die kleinere von der größeren so oft ab wie dies möglich ist. Bleibt dann ein Rest, so zieht man diesen von der kleineren ab soweit dies möglich ist, dann wieder den Rest von dem zuvor gebliebenen
Rest. Geht endlich der gegenseitige Prozeß der Abziehung einmal auf,
so daß kein Rest mehr bleibt, so hat man das größte gemeinsame Maß der
beiden ursprünglichen Strecken. Trägt man dies auf den beiden Strecken
lieferung, daß die Entdeckung vielmehr als große Errungenschaft berrachter wurde,
zeige dasselbe mangelnde Verständnis für die historische Situation. Selbst wenn
es nicht überliefert wäre und wenn es keine entsprechenden Legenden gäbe, müßte
man erschließen, daß es für die orthodoxen Pythagoreer (udrds Epa) ein Schock
gewesen scin muß, wenn eine Entdeckung gemacht wurde, die zu beweisen schien,
daß die Lehre des Meisters „Alles ist Zahl“ jedenfalls in ihrem ursprünglichen
Sinne nicht überall galt und sogar gerade bei einigen Figuren, die innerhalb der
alten Lehre eine bedeutende Rolle spielten, nicht gale. Es ist sehr natürlich, daß
der Entdecker der Lehre, der, wenn es Flippasos war, nach der Überlieferung zu
dem inneren Zirkel des Ordens der höher Eingeweihten gehörte, sich mit seinen
Entdeckungen selbst als wahren Fortsetzer des Meisters betrachtete, andere dagegen ihn als Ketzer betrachteten, was auch darin zum Ausdruck kommt, daß später
das ursprüngliche Verhältnis von pabnparixol, womit der innere Zirkel der Eingewcihien bezeidinet wurde, und dxovoparizoi, womit die bloßen „Hörer“ bezeidinet wurden, von manchen umgekehrt und behauptet werden konnte, die
Akusmatiker seien die wahren Pythagoreer gewesen. Vgl. K. v. Fritz, „Mathematiker und Akusmatiker bei den alten Pythagorcern”, Sitz.-Ber. Bayer. Akad.
Wiss., phil.-hist. Kl. 1960, Heft 11. Es ist übrigens höchst instruktiv, das ausgezeichnete Kapitel von C.F. von Weizsäcker über Galilei in seinem Buch „Die
Tragweite der Wissenschaft" I, Kapitel VI, S. 96 ff., zu lesen, wo gezeigt wird, wie
in sehr weitgehender Analogie zu Hippasos Galileis Lehre von mandıen Vertretern
der Kirche als sche gefährlidı betrachtet wurde, Galilei selbst dagegen seine neue
Astronomie als wahre Verherrlichung der Schöpfung Gottes betrachtete, andere hinwiederum eine Mittelstellung einnahmen, bald darauf aber natürlich Galileis Lehre
allgemein als großarıige Entdeckung gefeiert wurde.
ss Vgl. unten S. 565 ff.
daue
bb
und Seite des Fünfecks gleich der Diagonale des Fünfecks ist, das von
sämtlichen Diagonalen des Fünfecks im Innern des Fünfecks gebilder
wird, und die Differenz zwischen der Seite des ursprünglichen Fünfecks
und der Diagonale des inneren Fünfecks gleich der Seite des inneren Fünfecks, Da nun die Diagonalen jedes Fünfecks wieder ein regelmäßiges Fünfeck bilden, so ist offensichtlich, daß, da unendlich viele regelmäßige
Fünfecke ineinandergeschachtelt sind, auch der Prozeß des gegenseitigen
Abziehens unendlich weitergehen muß und man also niemals zu einem
gemeinsamen Maß von Diagonale und Seite des regelmäßigen Fünfecks
gelangen kann, es also unmöglich ist, sie mit einem solchen Maß zu messen und ihren „Logos“ zu finden.
Die Überwindung der Schwierigkeit ist aller Wahrscheinlichkeit nach
schon in der zweiten Hälfte des 5. Jhdts. v. Chr. dadurch erfolgt, daß
die Proportion, der atrds Adyos, neu definiert wurde, indem man den Prozeß des gegenseitigen Abziehens, durch den bei rationalen Verhältnissen
das größte gemeinsame Maß gefunden wird, aus dem dann die Verhältniszahlen sich ableiten lassen, selbst zum Kriterium erhob. Wenn zwei
Paare von Längen zueinander im selben Verhältnis stehen, wie erwa 4:15,
so wird auch der Prozeß des gegenseitigen Abziehens jeweils gleich oft in
derselben Richtung gehen, bis er zum Stillstand kommt. Nun wird also
festgesetzt, daß zwei Größenpaare auch dann als im selben Verhältnis
zueinander stehend betrachtet werden sollen, wenn der Prozeß des gegenseitigen Abziehens niemals zum Abschluß kommt, aber gezeigt werden kann, daß er bis in alle Ewigkeit immer bei beiden in dieselbe Richtung geht. Dies ist ja beim regelmäßigen Fünfeck auf den ersten Blick
zu sehen, da hier die Subtraktion jeweils genau einen Schritt: Seite zu
Diagonale, Diagonale zu Seite, etc. in jeder Richtung geht. Die Tatsache, daß eine sole Überwindung der Schwierigkeit so schnell gefunden
worden ist, kann vielleicht der Annahme, daß die Entdeckung selbst am
regelmäßigen Fünfeck gemacht worden ist, bis zu einem gewissen Grade
zur Stütze dienen. Aber auch in einigen anderen elementaren, aber für
die Geometrie grundlegend wichtigen Fällen läßt sich aufgrund der neuen
Definition leicht nachweisen, daß zwei Größenpaare einander proportional sind, wenn sie auch nicht in einem ganzzahligen Verhältnis zueinander
stehen: so z.B. der Satz, daß Rechtecke von gleicher Höhe sich verhalten
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)wie ihre Basen, auch wenn das Verhältnis kein rationales ist, da auf den
ersten Blids zu sehen ist, daß, wenn die Basis b von der Basis a dreimal
auch
abgezogen werden kann, sich das Rechteck B von dem RechtAeck
Wahrscheinlich weniger als ein halbes Jahrhundert später hat dann
Eudoxos von Knidos (400—437 v.Chr.) die Definition „Den selben
Logos haben (d.h. nach unserer Terminologie: zueinander im selben Verhältnis stehen) Größenpaare, welche die selbe gegenseitige Abziehung
haben“ durch eine kompliziertere, aber letzterdings auf demselben Prinzip beruhende Definition ersetzt”, die es nicht nur erlaubte, in einzelnen
Fällen nachzuweisen, daß zwei oder mehr Paare von inkommensurablen
Größen zueinander im selben Verhältnis stehen, sondern eine ganz allgemeine, auch für nichtkommensurable Größen gültige, Proportionenlehre aufzubauen. Mit Hilfe dieser Proportionenlehre und des sog. Lemmas des Archimedes, das aber in nur ganz leicht abweichender Form schon
als Satz X, 1 in Euklids Elementen erscheint und zweifellos letzterdings
auf Eudoxos zurückgeht", hat dieser dann sein sog. Exhaustionsverfahren
zu großer Exaktheit ausgebildet und damit vor allem die Stereometrie
auf eine ganz neue Basis gestellt, Dies Exhaustionsverfahren beruht darauf, daß krummlinig begrenzten Flächenstücken oder Körpern, deren
Verhältnis zueinander bestimmt werden soll, geradlinig begrenzte regelmäßige Flächenstücke oder Körper einbeschrieben werden, die sich durch
Unterteilung und Vermehrung ihrer Seiten der Peripherie der krummlinig begrenzten Fläche (oder Körper), der sie einbesphrieben sind, immer
mehr annahernTM, Es wird dann bewiesen, daß das Verhältnis zwischen
66
rt
=
EN
CE
aio
A
le
(1
dreimal muß abziehen lassen, und wenn der Rest c sich von b fiinfmal
abziehen lifr, auch das Rechteck C sich von dem Rechteck B fünfmal
muß abziehen lassen, und so fort. Freilich ergibt sich dabei das vom Standpunkt der ursprünglichen Proportionenlehre aus paradoxe Resultat, daf
zwei Größen, die äloya sind, also im ursprünglichen Sinne kein Verhältnis zueinander haben, zueinander im selben Verhältnis stehen wie zwei
andere Größen, die auch kein Verhältnis zueinander haben.
Das mag auf den ersten Blick als eine rein terminologische, durch den
historischen Zufall der Umstände der Entdeckung des Irrationalen verursachte Schwierigkeit erscheinen. Aber es liegen dem doch ernsthafte
Probleme zugrunde. Zunächst tritt das Problem des Finitismus, der finiten
Erfassung des Unendlichen, in einer neuen Gestalt auf. Im Falle des
regelmäßigen Piinfecks bekommt man den infiniten Prozeß des gegend, h. sowohl die Tatsache, daß er infinit ist, als auch
seitigen Abzighens,
er. sich immer je genau einen Schritt in jeder Richdie Tatsache, daß.
tung bewegen muß, mit Hilfe des einmaligen und völlig finiten Beweises,
daß die Schnittpunkte der Diagonalen ein regelmäßiges Fünfeck bilden
und die Differenz von Diagonale und Seite jeweils gleich der nächsten
Diagonale ist esc., völlig in die Hand. Im Falle der Rechtecke und ihrer
Basen bekommt man den im übrigen völlig irregulären infiniten Verlauf
der gegenseitigen Subtraktion dennoch dadurd völlig in die Hand, daß
sich an den ersten Schritten zeigen läßt, daß beim gegenseitigen Abzichen
der Basen die Rechtecke notwendig immer folgen müssen. Nirgends bekommt man es bei diesen Beweisen mit so etwas wie Grenzwerten zu tun.
Aber bei den grundlegenden Beweisen des 11. und 12. Buches der Elemente des Euklid über das Verhältnis von Kreisen oder Kegeln zueinander kommt man weder mit der angeführten Definition des aürdg A6yos
noch ahne das, war Hasse und Scholz die Epsilontik genannt haben, aus.
67
% Vgl. Aristoteles, Topik 6 3, 158 b, 33—35: tiv vag adviy ävsavalgagıv Exa rà
xwgla ...* Batt dè égropèç vob aüvoû Adyou oßrog, '
LS.
9 Euklid, Elemente V def. 5: lv 1 adr9 Adye— usyéôn Adysrar elvas noûrov 2005
Sevtegov xal toeltov neds réragrov, Stav cà 100 agdrov xal rolvov leds nolkanon sv tod Beuzigop xal terdorou tados aollankaciov xad” dxowvoiv
noMandacaopdv éxéregov évarégou À Aya ünsgäxn À Epa laa $ À Aya del
Anpférra xasddinda,
Eos
# Vel. darüber unten S. 381 ff.
% Das Annäherungsverfahren durch Einbeschreibung geradliniger Figuren in krummlinige ist an sich viel älter und geht schon auf den Sophisten Antiphon zurück, der
schon in der zweiten Hälfte des 5. Jhdts. das Problem der Quadratur des Kreises
durch Einbeschreibung und Umschreibung von regelmäßigen Polygonen zu lösen
versuchte. Doch wird diese „Lösung? von Aristoteles mit Recht zurlickgewiesen,
da damit nur Annäherungswerte erreicht werden. Es ist früher vielfach und auch
von mir angenommen worden, daß der Beweis des Hippokrates von Chios, daß
Kreise sich zueinander verhalten wie die Quadrate ihrer Durchmesser, worauf
seine berühmten Möndchenbeweise beruhen, sich schon aufgrund der Antiphonschen
„Kreisquadrarur“ eines ähnlichen Beweisschemas bedient haben müsse wie Eudoxos
für seine Beweise, nur weniger exakt axiomatisch fundiert. O. Becker, „Der mutmaßliche Beweis des Hippokrates für die Proportionalität von Kreisfläche und
Durchmesserquadras?, in: Archiv’
f. Begriffsgeschichte IV, 5.218, hat jedoch gezeigt, daß Hippokrates sich auch eines ‘noch wesentlich. primitivesen Verfahrens
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Die Pythagorcer, Zahlenmysuk und exakte Mathematik
den geradlinig begrenzten einbeschrieb
enen Flächenstücken oder Körpern
bei dem Prozeß der Annäherung an das
umgebende Flächenstück (oder
Körper) immer dasselbe bleibt und daß
die Differenz zwischen dem um-
Analyse der Welt eingehen, aus den „Dingen“ selbst stammen oder ihnen
vom menschlichen Geist erst auferlegt sind, wieder in einer neuen Form
auftritt. In der Wissenschaft, die von den Pythagoreern ausgegangen ist,
erhebt sich das Problem nun in einer doppelten Form. Bei den Zahlen und
Zahlverhältnissen, mit denen die älteren Pythagoreer die Welt zu ergebenden krummlinigen Gebilde und dem ihm
einbeschriebenen geradlinigen kleiner gemacht werden kann als jede belieb
ig kleine vorgegebene
sröße. Daraus wird dann der Schluß gezogen,
daß auch die krummlinifassen suchten, sieht es ja auf den ersten Blick so aus, als ob diese in den
gen Gebilde zueinander im selben Verhä
ltnis stehen wie die ihnen einbeschriebenen geradlinigen.
Bt
Dingen selbst gefunden würden: in den für das menschliche Gehör durch
ihren Wohlklang ausgezeichneten und von ihm als solche unmittelbar auf-
Obwohl diese sog. Exhaustionsmethode von Eudox
os mit
vorbildlicher
genommenen Tönen und Tonharmonien oder in den aus Stöcken zun ist, mit sehr viel größerer
ons- und Differentialrechnung
sammengesetzten, ebenfalls in gewisser Weise eine ausgezeichnete Gestalt
besitzenden Dreiecken, die gewissermaßen vorgefunden werden. Aber die
einer Zeit, als sie
Entdeckung der Inkommensurabilitàr kann nicht mehr durch Ausmessen
an durch irgendwelche materiellen Gegenstände, seien es Stöcke oder
Genauigkeit unterbaut und gehandhabt worde
Exakcheit, als dies bei der modernen Fluxi
noch viele Jahrzehnte nach ihrer Erfindung und noch zu
auf vielen Gebieten mit großem Erfolg
gewesen ist, hat es im Altertum doch
angewendet worden ist, dar Fall
Philosophen gegeben, die gegen sie
Seile oder Tintenstriche auf Papyrus, repräsentierten regelmäßigen Fünfder beliebig klein zu machenden Differenz zu dem Schluß, daß dassel
be Verhältnis auch für die
krummlinig begrenzten Gebilde, denen
sich die geradlinig begrenzten immer mehr annähern, gelten müsse, wegen
mangelnder Schlüssigkeit oder
Exaktheit Einspruch erhoben haben, so daß
Archimedes gezwungen war
in einem Brief an Dositheos zu sagen'%, er
wolle sich auf diese Kontroecken gemacht werden. Denn der Prozeß des Ausmessens käme bald zu
aufgrund des schließlichen Überganges von
verse nicht weiter einlassen: es genüge ihm,
Ende und die im Innern der Fünfecke durch Ziehen ihrer Diagonalen
immer neu entstehenden Fünfecke würden bald unerkennbar, so fein man
auch die Striche ziehen mag. Die Entdeckung konnte nur an einem idealen regelmäßigen Fünfeck gemacht werden, desgleichen es in der empirischen Welt nicht gibt. Daraus ergibt sich sogleich die Frage, die audı von
den griechischen Philosophen der Folgezeit nach allen Seiten hin erörtert
worden ist, was für einem Reich denn diese Gebilde angehören, die es in
der Welt der „Wirklichkeit“ nicht gibt und die doch ihre von der Willkür des Menschen, der sie in gewisser Weise zur erkenntnismäßigen Bewältigung der „wirklichen“ Welt benutzt, völlig unabhängige Eigenwenn seine Beweise so exakt
und schlüssig seien wie die berühmtesten Bewei
se des Eudoxos. Hier zeigt
sich also das Problem der finiten Bewältigung des Infini
um von einer neuen Seite. Dieses
tesimalen sider:
Problem wird auch im folgenden
wieder in neuen Formen auftreten.
immer
Wichtiger als dieses spezielle Problem ist jedoch
, daß an dieser Syelle
gesetzlichkeit haben, wie sich auch daraus ergibt, daß die Entdeckung
der Inkommensurabilität eine durchaus überrraschende gewesen ist. Damit verbunden ist die nicht minder fundamentale Frage, in welchem
Verhältnis denn nun das Reich dieser Gebilde zu der „wirklichen“ Welt
steht, die wir mit ihrer Hilfe zu erfassen suchen. Diese allgemeine Frage
kann auch die speziellere Form annehmen, ob der Raum, ın dem sich die
„wirklichen“ Dinge bewegen, wenn es so etwas gibt, dem mathematischen
Raum der von den ältesten Pythagoreern bis auf Euklid ausgebildeten
auch die Frage, wieweit die Elemente, die
in eine ,wissenschaftliche“
bedient haben kann. Das Entscheidende an
dem Verfahren
des Eudoxos ist
j
falls das, was Hasse und Scholz seine Epsilontik genannt haben,
der fee de
der Fehler, bzw.
die Abweichung kleiner gemacht werden
kann als jede noch so
kleine vorgegebene Größe (= e). Die heute
gebräuchliche, zuerst von dem Mathematike
r Gregorius a S. Vincentio in der ersten Hälfte
des 17. Jhdts. eingeführte
Bezeichnung der Eudoxischen Methode als
»Exhaustionsverfahren* ise übrigens
eigentlich irreführend, da bei dem eudoxi
schen Beweisverfahren die keummlini
begren
zten geometrischen Gebilde gerade niche als von
Geometrie entspricht, womit dann wiederum die weitere, schon im Alterden ihnen cinteadirisbenan
tum vieldiskutierte Frage zusammenhängt, ob der Raum, oder auch, ob
zutrefgenden Ausführungen von H. Hasse und
H. Scholz a.a.O. (oben Anm. 82),
der „physikalische“ Raum ein Continuum oder ein Discontinuum ist.
Dodi mag die weitere Erörterung dieser Frage zunächst zurückgestellt
werden, bis sie in anderem Zusammenhang wieder auftauchen und von
einer anderen Seite her eine neue Beleuchtung erfahren wird.
geradlinigen Figuren „ausgeschöpft“ betrach
tet werden. Vgl. dazu die sehr
19 Archimedis Opera, ed. J. L. Heiber
i
,
cd. 3. L,
g (zweite
Auflage
64; vgl. dazu auch unten S. 384 ff.
L pi
8 000 1h, 262
Pagina 8
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)61
Immerhin wird audi bis hierher schon sehr deutlic
h geworden sein
tigen Aufsatz dên Beweis zu erbringen versucht, daß die Überlieferung von
m sie auf
der Forderung der Beschränkung der Konstruktionsmittel auf Zirkel und
daß die frühgriechische Wissenschaft schon sehr bald, nachde
grund des neuen Bedürfnisses nach Exaktheit und Verifizi
erung entstanden war, auf das Problem gestoßen ist, was denn nun eigentlic
h in
einer solchen exakten und verifizierten Erkenntnis erkannt
wird und in
welchem Verhältnis das so Erkannte zu der lebendigen Mensche
nwelt,
in der sich unser tägliches Leben, unser eigentliches Leben, abspielt,
steht:
ein Problem, das, soviel ich sehen kann, in keiner anderen
Kultur, solange sie von den Griechen und ihren geistigen Nachfolgern
unbeeinflußt
geblieben ist, in dieser Form, jedenfalls nicht in dieser Schärfe, aufgetreten ist.
Was soweit über die von den Pythagoreern ausgegangene
Entwicklung
gesagt worden ist, bedarf jedoch noch nach zwei Seiten
hin der Ergänzung. Der Anspruch der pythagoreischen „mathesis universa
lis“, die zuerst in der Form einer arithmetica universalis aufgetr
eten ist, ist eine
Zeitlang, wie sich gezeigt hat, wirklich ein ganz universa
ler gewesen, so
sehr, daß die Gerechtigkeit, die Ehe, die verschiedenen Spezies
der Lebewesen und vieles andere dem Anspruch zahlenmäßiger
Erfassung ihres
Wesens unterworfen worden sind. Nun hatte die Entdeckung
der Inkommensurabilität gezeigt, daß nicht einmal das Verhältnis von
Ausgedehntheiten im Raum sich durchweg zahlenmäßig erfassen läßt. Diese
Schwierigkeit wurde durch die Erfindung einer neuen, auch
auf inkommensurable Größen anwendbaren Proportionenlehre und ihre
Vervollkommnung und Ausbildung zu einem universalen Instrument weitgeh
end überwunden. Aber es ist schwerlich ein bloßer Zufall, daß gerade
in der Zeit
des Überganges die Probleme der Würfelverdopplung, der Quadrat
ur
des Kreises und die Beschränkung der mathematischen Konstruk
tionsmittel auf Lineal und Zirkel eine so große Rolle gespielt haben.
~
Hier darf man sich nun nicht daran stoßen oder gar gut
bezeugte Tatsachen fiir nichtexistent erklären, wenn manches an der Entwick
lung
vom modernen Standpunkt aus als abwegig oder gar
als irrtümlich erscheint. So har A. Steele! in einem an sich sehr interessanten und
sorgfälwi A, D. Steele, „Über die Rolle von Zirkel und Lineal
in der griechischen Mathematik*, in: Quellen und Studien zur Geschichte der Mathemat
ik, Astronomie und
Lineal auf einem Irrtum beruhen müsse, da gerade aus dieser frühen Zeit
vor und gleichzeitig mit Platon eine ganze Reihe von Konstruktionen
bezeugt sind, die sich anderer Konstruktionsmittel bedienen, und da sogar Platon selbst eine Konstruktion dieser Art zugeschrieben wird. Aber
damit ist die Natur des Problemes verkannt. Natürlich ist kein griechischer Mathematiker und ebensowenig Platon so téricht gewesen, andere
Konstruktionen als diejenigen mit Zirkel und Lineal schlechthin zu verbieten und sich damit der theoretischen Erkenntnis oder des praktischen
Nutzens für gewisse Messungen zu berauben, die mit Hilfe solcher Konstruktionen zu gewinnen waren. Damit ist jedoch die Überlieferung, daß
Platon darauf drang, alle geometrischen Gebilde mit Lineal und Zirkel
zu konstruieren, nicht aus der Welt geschafft, eine Überlieferung, die
außerdem noch in gewisser Weise dadurch bestätigt wird, daß die drei
Konstruktionspostulate im ersten Buch Euklids sich eben auf Strecke,
Gerade und Kreis beziehen, diese also als Grundlage für alle planimerrischen Konstruktionen der ersten vier Bücher der Elemente festlegen'”.
Eben diese Verbindung mit den Postulaten zeigt aber auch, worum es sich
eigentlich handelt: gewiß nicht um eine mehr oder minder willkürliche
Beschränkung auf zwei mechanische Konstruktionsmittel. Auch die Tatsache, daß Konstruktionen, die sich mit Zirkel und Lineal durchführen
lassen, auf quadratische Gleichungen zurückgeführt werden können, während Konstruktionen, für die andere Konstruktionsmittel nötig sind, auf
Gleidiungen höheren Grades führen, kann keine Rolle gespielt haben,
da sie noch unbekannt war. Vielmehr handelt es sich offenbar um den
Versuch, nachdem es nicht gelungen war, alles auf ganzzahlige Verhältnisse zurückzuführen, herauszufinden, ob-es nicht möglich sei, alles wenigstens auf die beiden einfachsten Kurven, die damals auch vielfach als
die „schönsten“ betrachtet wurden'”, zurückzuführen. Die gleichzeitige
leidenschaftliche Bemühung um die Kreisquadratur bedeutet dann nichts
anderes als den Versuch, auch noch den Kreis, die „schönste* krummlinige Figur, auf das Quadrat, die „schönste“ geradlinige, zurückzuführen,
bzw. die beiden zueinander in eine eindeutige Beziehung zu setzen. Die
Tatsache, daß dieser Versuch scheitern mußte, ist ebensowenig ein Ein-
Physik B (Studien) IH, 287 tf. Die Arbeit ist im Übrigen
mit vorbildlidier Sorgfal durchgeführt und zeigt unter anderem, wie allmählich die Erkenntni
s der
eigentlichen mathematischen Bedeutung der Beschränkung
der Konstruktionsmittel
auf Zirkel und Lineal aufdimmerte. Aber für die hier behandelt
e Zeit ist das Problem nicht ganz in der richtigen Perspektive gesehen.
a
10 Vel, dazu auch A. Szabó, „Anfänge des euklidischen Axiomensystema”, in: Archive
for the History of Exact Science I (1960), 82 ff.
02 Vel. darüber auch unten S. 83 ff.
Pagina 9
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)wand gegen die Geschichtlichkeit der Tatsach
e, daß er unternommen
wurde, wie die Entdeckung der Inkommensurabilität
ein Einwand dagegen ist, daß die Pythagoreer zunächst glaubten, alles
auf ganzzahlige
Verhältnisse zurückführen zu können, wo ebenfalls erst der
Versuch, dies
möglich entfernt. Der erste Satz des Werkes Heraklits fängt ebenfalls mit
dem Logos an, und dieser Logos bedeutet— darin allerdings wieder ganz
63
In Wirklichkeit ist jedoch Heraklits Denken davon so weit wie nur irgend
ähnlich wie ursprünglich bei den Pythagoreern — sowohl das Wort wie
konsequent durchzuführen, zu der Entdeckung, bzw. zu dem
Beweis,
daß dies unmöglich ist, geführt har. Das für die Geschichte
der Wissendie sinnvolle Rede wie auch die Wahrheit, die in dieser Rede zum Ausschaft Bedeutsame daran ist, daß sogleich nach dem
Logos (die Rede, die Wahrheit), der dieser ist (nämlich der Inhalt der
Scheitern des ersten
druck kommt. Von diesem Logos heißt es jedoch bei Heraklit!”: „Den
Versuches einer universalen, alle Dinge erfassenden Method
e versucht
darauf folgenden Ausführungen des Heraklit), werden die Menschen nieworden ist, sie durch eine andere möglichst universale Method
e zu ersetzen und zwar in der Weise, daß nach Möglichkeit alles auf
zwei ganz
einfache Prinzipien zurückgeführt wurde. Auch das hängt
offenbar wieder mit dem Finitismus und dem Streben nach Präzision sowie
nadı vollständiger Übertragbarkeit der Erkenntnis von einem Mensch
en auf jeden
anderen zusammen, da sich die Dinge umso exakter
fassen und umso
leichter ohne Verlust übertragen lassen, auf je wenige
r und auf je einfachere Prinzipien alles zurückgeführt werden kann.
mals verstehen, weder bevor sie ihn gehört haben noch nachdem sie ihn
gehört haben.“ Eine solche Äußerung zu tun über eine Wahrheit, die,
Von einer ganz anderen Seite wird das Wesentliche
thagoras und den ältesten Pythagoreern ausgehenden
an dieser von Py-
Entwicklung durch
einen Vergleich mit dem mit den älteren Pythagoreern
gleichzeitigen Heraklic illustriert. Bei Heraklit wie bei den Pythagoreern
spielt die Harmonie eine ganz wesentliche Rolle. In einem Fragme
nt gebraucht Heraklit
das Wort abrég Abyos ganz im Sinne von Proportion, d.h.
gleichen Maßverhältnissen'®. Endlich gibt es eine Anzahl
ten Heraklits, in denen zwar nicht von Maßen die Rede
im Sinne von
von Fragmenist, die sich aber
der Form nach auf eine Art von stetigen Proportionen
zurückführen lassen, wie etwa: der Affe verhält sich zum Menschen
wie der Mensch zu
Gott. Daraus ist dann von T. B. L. Webster der
Schluß gezogen worden, durch die Verwendung dieser Form habe Herakli
t unter dem Einfluß der Pythagoreer seinen Vergleichen das Zwinge
nde eines mathematischen Beweises geben wollen.
Diese Annahme ist sehr charakteristisch für eine weitver
derne Art, die Dinge anzuschen. Man kann sich
breitete moein Fortschreiten auch
philosophischen Denkens gar nicht anders denn als
Annäherung an Wissenschaft im modernen Sinn oder wenigstens als den Versuc
h dazu denken.
1% Vgl. Diels/Kranz, Vorsokratiker 22 B 31.
105 Ibid. 22 B 83. Vgl. dazu H. Fränkel, "A Thought Pattern in
can Journal of Philology LIX (1938), 309 ff. a
196 Vel. unten p. 512 f.
Heraclitus’. in:
oder über eine Rede, deren Inhalt nach mathematischer Beweismechode
bewiesen werden soll, wäre ganz sinnlos, da es ja gerade der Sinn eines
mathematischen Beweises ist, die Wahrheit des Satzes, den er beweisen
soll, für jedermann völlig einsicitig und zwingend und daher ohne Verlust von Mensch zu Mensch übertragbar zu machen. Wenn daher auf
diese zwingende Weise gefährliche, die Überzeugung von der durchgängigen genauen Erfaßbarkeit der Welt als einer festen Ordnung erschütternde Erkenntnisse sich beweisen lassen, dann ist es sinnvoll, die Divulgarisation solcher Erkenntnisse zu verbieten. Ebenso wäre es sinnvoll, unmittelbar praktisch nützliche Erkenntnisse dieser Art der Gemeinde der
Eingeweihten vorzubehalten, um ihnen das Monopol ihrer praktischen
Verwendung zu sichern, wie es von den Pythagoreern berichtet wird. Dagegen wäre es völlig sinnlos, die Verbreitung der Erkenntnisse des Heraklit verbieten zu wollen. Sie sind von selbst geschützt: dadurch daß niemand, der nicht imstande wäre, sie auch unmittelbar aus der Betrachtung
der ihn umgebenden Welt zu schöpfen, imstande sein wird, sie zu verstehen. Was Heraklit von dem „Herrn in Delphi“ sagt, daß er obre Afyes
obre «porte, Má onnalver, galt offenbar nach Heraklits Meinung auch
von seiner eigenen Rede.
Wenn daher Heraklit in einem Fragment sage’, die Vielwisserei habe
Pythagoras keine Einsicht (voög) gelehrt, so ist es ganz falsch, daraus zu
schließen, wie es öfter geschehen ist: also könne es bei Pythagoras noch
keinen Ansatz zu wirklicher Wissenschaft gegeben haben, sonst hätte Heraklit eine solche Äußerung nicht tun können. Wenn auch bidvow und
5uavosiodar später zu Bezeichnungen diskursiven Denkens werden, so bedeutet vows doch von alters her die plötzliche intuitive Erkenntnis des
in Heraclitus’, in: Ameri19% Diels/Kranz, 22 B 1; vgl. auch 22 B 34.
108 Ibidem 22 B 40.
Pagina 10
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Wesens einer Situation!® oder — in Ausdehnung auf die Situation, in
welcher der Mensch sich als Mensch überhaupt befindet — des Wesens
der Welt. Daß Pythagoras eine (noAv-)uadin habe, bezweifelt Heraklit
in seinem Fragment keineswegs. Aber es ist für ihn ein Wissen über die
Dinge. Daraus ist für ihn keine Einsicht in ihr Wesen zu gewinnen. Was
immer man von Heraklit halten mag®, daran kann kein Zweifel sein,
daß er den Ansprüchen einer „wissenschaftlichen* Erkenntnis den Anspruch einer ganz anders gearteten Erkenntnis entgegengesetzt hat. Trotzdem gibt es, wie sich zeigen wird, unter seinen dunklen Sprüchen einen,
der für das Verständnis eines sehr wesentlichen Elementes in der Entwicklung der Wissenschaft nicht ganz ohne Bedeutung ist'"', Doch ist es
notwendig, zunächst die Umwandlung der Kosniologie unter dem Eintluß der eleatischen Seinslehre und die damit verbundene Entstehung von
Vorstellungen, die für die weitere Entwicklung der Naturwissenschaften
bedeutsam geworden sind, weiter zu verfolgen.
5. Die Kosmologie unter dem Einfluß der eleatischen Seinslehre:
Empedokles und Anaxagoras
Parmenides hatte daraus, daß nur das Seiende ist, weiter geschlossen,
daß das Seiende, da es außer ihm nichts gibt, auch „Eines“ sein müsse und
daß es keine Bewegung geben könne, da eine Bewegung von einem Seienden in ein Nichtseiendes nicht stattfinden könne, da es das Nichtseiende
nicht gibt, aber auch nicht in ein Seiendes, da ja das Seiende schon da ist,
und daß daher, selbst wenn als möglich gedacht würde, daß ein Seiendes
sich in ein anderes Seiendes hineinbewegen könnte, ohne daß dieses ihm
den Weg versperrt, sich doch-dadurch nichts ändern würde, da an der
betreffenden Stelle das Seiende schon vorher war, also auch eine Bewegung im eigentlichen Sinne, da Bewegung auch Veränderung bedeuter,
nicht stattgefunden hatte. Die Philosophen der unmittelbar folgenden
Zeit, soweit sie nicht wie Melissos streng an der Lehre des Parmenides
oder wenigstens an ihren Grundlagen festhielten, haben sich alle dadurdı
1% Für die Bedeusungsentwicklung des Wortes véog vgl. K. von Fritz, „Die Rolle des
NOY"; in: Wege der Forschung, Bd. IX: Um die Begriffswelt der Vorsokratiker,
S. 246--363.
119 Vel. dazu S. Bodhner, op. coll. (oben Anm. 2), S. 332 ff., und Werner Heisenberg,
Physik und Philosophie (Stuttgart 1959), S. 46.
ut Vel. darüber unten S. 95.