Volledige tekst tonen17 pagina's
Pagina 1
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Bates
194283
10
Zur Theologie des Xenokrates
sl. Xenokrates, der Sohn des Agathenor aus Chalkedon, nennt die Monas
und die Dyas Götter.
Die eine (die Monas) sei männlich(es Prinzip) und nehme daher die Stellung eines Vaters ein und herrsche als König am Himmel (év odpavo); diese
nenne er auch Zeus und Ungerades und Nus, der fiir ihn der erste Gott ist.
Die andere (die Dyas) sei weiblich(es Prinzip) und führe daher nach Art
einer Göttermutter (untpd¢ Be@v diknv) den erlosten Bereich unter dem Himmel an; diese sei für ihn die Seele des Alls.
Il. Eine Gottheit aber sei auch der Himmel, und die feurigen Steme seien
olympische Götter, auch andere (Gottheiten gebe es), die sublunaren, unsichtbaren Dämonen.
IH. Er lehrt aber auch, daß es <gewisse göttliche Kräfte> gibt und daß
diese die stofflichen Elemente durchdringen. Von diesen nennt er die eine, <die
die Luft durchdringt, Hades, weil sie> gestaltlos (unsichtbar) <ist>!, die andere,
die das Feuchte durchdringt, Poseidon, die dritte, die die Erde durchdringt,
pflanzenerzeugende Demeter.
Diese Lehren hat er an die Stoiker weitergegeben?; den ersten Teil hat er
aus Platon übernommen und in die eigene Terminologie übertragen.“
Dies ist der Wortlaut des bei Stobaios/Aetios I 7,30 überlieferten Xenokratesfragments (fr. 15 Heinze). Das Fragment ist grundlegend für die Götterlehre des Platonschülers, doch gehen darüber, wie sein Inhalt zu verstehen
ist, die Ansichten der Interpreten auseinander’. Der doxographische Bericht unterscheidet deutlich drei Gruppen von göttlichen Wesen: [44]
1 Die Ergänzungen nach Heinze.
2 xopnyfioag ist natürlich nicht vorzeitig; vgl. Kühner-Gerth I 199,8.
3 A. B. Krische, Die theologischen Lehren der Griechischen Denker, Göttingen
1840, 313 ff; R. Heinze, Xenokrates, Leipzig 1892 (= Hildesheim 1965), 72 ff; E. Zeller, Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtl. Entwicklung, Darmstadt 1963,
Bd. II 1, 1021 ff; P. Boyancé, Xénocrate et les Orphiques, REA 50, 1948, 218 ff, bes.
227 ff; H. J. Krämer, Der Ursprung der Geistmetaphysik, Amsterdam 1964, 35 ff;
Senocrate-Ermodoro, Frammenti. Edizione, traduzione e commento a cura di M. Isnardi Parente, Napoli 1982, 400 ff; H. J. Krämer, Ältere Akademie, in: Grundriß der Ge-
UNO ULA SBE
Y AT SO
SCAN TITTEN
UND
Burt
Zu
Prater GMauG
schichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Bd. 3, hgg. von H. Flashar,
Basel/Stuttgart 1983, 58 ff, um nur die Wichtigsten zu nennen. J. Dillon, Xenocrates”
Pagina 2
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)I. Monas und Dyas
II. Himmel, Sterne und sublunare Dämonen
III. Göttliche Elementarkräfte
Ganz offensichtlich haben wir es hier mit einer jener von Xenokrates bevorzugten Dreiteilungen zu tun, wie wir sie vor allem aus frr. 5 und 56
kennen. Betrachten wir nun die drei Klassen von Gottheiten im einzelnen.
193
Was haben wir uns nun konkret unter den beiden höchsten Gottheiten
vorzustellen? Am Ende heißt es, Xenokrates habe mit den in der ersten
Hälfte vertretenen Lehren Platons Ansichten umformuliert. In der Tat erinnert in diesem Fragment vieles an Platon. Folglich haben wir uns außer
in den spärlichen Berichten über Xenokrates’ Götterlehre vor allem im
Werk Platons umzusehen, um uns dem zu nähern, was Xenokrates gemeint
hat. Bekanntlich galt Xenokrates von allen Schülern Platons als der Exeget
und Verteidiger der Philosophie des Schulgriinders5, der die Ansichten,
die Platon mündlich und [45] schriftlich geäußert hatte, in systematischer
I
An der Spitze der Götterhierarchie steht ein Götterpaar, Monas und
Dyas, die einander zwar nicht gleichgeordnet, aber ganz aufeinander bezogen sind, was grammatikalisch in der beinahe vollständigen Parallelität der
Aussagen über beide Gottheiten zum Ausdruck kommt:
a) Tv pèv wc &ppeva
b) natpög Exovcav TéEiv
a) mv dé we BhAciav
b) untpdc Hewv diknv
c) tv oùpav®
d) Bacidevovoav
c) tic ÚTTO TOV oùpavôv AnEEwC
d) nyovuévnv
e) fivrıva mpooayopever
e)...
Kai Zñva Kai TEPiTTÔV
Kal vodv
f) dong toriv aùrò
Tpatoc Beóc
f) Ang toriv adr®
wuxh TOD TAVTÉG
Schon diese Gegenüberstellung macht einiges deutlich. Sie zeigt,
1. daß die von P. Boyancé* vorgeschlagene Großschreibung von
dixnv sich nicht empfiehlt, weil diknv dem Exovoav ThE entspricht;
2. daß unter e) im Falle der Dyas eine Reihe von Prädikationen ausgefallen ist; dort muß u.a. das Prädikat &ptiav gestanden haben, auch der
Form weiterzugeben bemüht war®.
Die Gegenüberstellung von erstem Gott und Weltseele hat die Interpreten immer an den platonischen Timaios erinnert, wo sich ,,der Gott“
(6 Osóc = è Önnıoupyöc) und die Weltseele in ähnlicher Weise gegeniiberstehen wie in unserem Fragment. Der Demiurg wird in diesem Dialog
zwar nicht ausdrücklich als ,,Nods“ bezeichnet, doch hat die antike Tradition ihn — im Anschluß an die berühmte Stelle Tim. 39 E 7 ff (fimep oùv
voúc évobaag idéac ... xaBopd ...) — immer als solchen verstanden (vgl.
auch Tim. 47 B 7/C 3). Auch „Zeus“ wird der Demiurg im Tim. nicht genannt, doch lag diese Identifizierung um so näher, als der Gott im Tim. in
ähnlicher Weise als Gôttervater gekennzeichnet ist wie der homerische
Zeus. Zudem läßt der zweite Dialog der ursprünglich geplanten Trilogie,
der Kritias (121 B 7 ff), „Zeus, den Gott der Götter“, in vergleichbarer
Weise eine Rede an die übrigen Götter halten wie der Tim. den Demiurgen
41 A 7 ff, wobei die im Krit. zusammengerufenen Götter ähnliche Funktionen ausüben wie die Götter des Tim. (vgl. z.B. Krit. 109 B 1 ff mit Tim.
41 D 2 f; 42 E 1-3). Die Identifizierung von erstem Gott und Zeus wird
noch verständlicher, wenn Zeus im Kratylos als 6 &pxwv te kai Bacidede
av nävrwv bezeichnet wird (396 A 7 f). Daß er die Stellung eines Vaters
einnimmt (matpdg Exovoav r&Eıv), steht mit dem Tim. in vollem Ein-
Name der Gottheit wird dort gefallen sein.
5 Vgl. Ps.Galen, Hist. philos. 3 = Dox. Gr. 599,16 f: tav IlMarwvır@v
Metaphysics. Fr. 15 (Heinze) Re-examined, Ancient Philosophy 5, 1985 (ersch, 1987),
47 ff, untersucht die ersten Zeilen des Fragmentes und stellt die Verläßlichkeit des
überlieferten Textes in Frage.
4 REA 50, 1948, 227 f; vgl. auch H. J. Krämer, Grundfragen der aristotelischen
Theologie, in: Theologie und Philosophie 44, 1969, 483, Anm. 76; skeptisch gegenüber
Soypatwv éEnyntiy; fr. 33 H.: Úreparroloyobpevos Tod IlAdrtwvog; fr. 54: er kam
der Lehre Platons zu Hilfe.
6 Neben dem Werk Platons haben wir auch die Lehren zu berücksichtigen, die
Aetios selbst als platonisch angeschen hat; denn sein Urteil wird ja weitgehend davon
beeinflußt gewesen sein, was zu seiner Zeit als platonisch galt. Ferner ziehen wir zuweilen Aetios’ Berichte über angebliche Lehren des Pythagoras heran, soweit sie näm-
Boyancés Vorschlag sind: J. Dillon, The Middle Piatonists, London 1977, 25, Anm. |
lich für uns relevant sind und aus der Alten Akademie stammen. Zu diesen Zeugnissen
und Isnardi Parente 404; ablehnend H. Schwabl, RE s.v. Zeus Il, Suppl. XV, 1978,
vgl. W. Burkert, Weisheit u. Wissenschaft, Nürnberg 1962, 50 ff; H. Happ, Hyle, Berlin/New York 1971, 249.
Pagina 3
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)195
klang; denn dort bringt der Demiurg den Kosmos und die Untergôtter hervor
Der Ausdruck wuxî tod tavréc klingt wie eine wörtliche Uber-
(vevvà, z.B. 37 C 7; 40 D 4) und wird als Vater der geschaffenen Götter
nahme aus Tim. 41 D 4 f, was um so auffallender ist, als Platon nur an dieser Stelle von einer Allseele spricht; sonst nennt er sie einfach wuxñ. Die
Allseele kann als weiblich bezeichnet werden, weil sie im Tim. aufnehmendes und bergendes Prinzip ist; denn sie nimmt den Kosmoskörper
gleichsam in ihrem Schoß auf (Tim. 36 D 9 f), so wie die Gestirne in ihren
Umläufen Platz finden (Tim. 38 C 7 ff; 40 A 4 f). Weil sie den Gestirngottheiten in ihren Umläufen Raum bietet, kann sie auch mit Recht mit
einer Göttermutter verglichen werden’. Mit noch größerem Recht kann die
Weltseele als ,Dyas“ bezeichnet werden, da sie nach dem Tim. deutlich
eine dyadische Struktur hat, sofern sie aus zwei „Kreisen“ besteht, dem
sog. Umlauf des Selben und dem des Anderen (36 B 5 - D 1).
und des Kosmos bezeichnet (z.B. 28 C 3; 37 C 7; 42 E 6 f). Die Prädikate
„Monas“, „männlich“ und „ungerade“ lassen sich in den platonischen Dialogen nicht nachweisen, sind aber möglicherweise auf mündliche Äußerungen Platons zurückzuführen? . [46]
? Vgl. Krämer, Ursprung 379. Für ‘Monas’ vgl. Platon (De bono) bei Alex.
Aphr. In Met, S. 56,7 ff = fr. 22B Gaiser; Platon (De bono) bei Simpl. In Phys. S.
454,33 ff = fr. 23B Gaiser; Sext. Empir. Math. X 261 ff = fr. 32 Gaiser; vgl. Burkert 51
f. Vgl. ferner das bei Aetios auf das Xenokratesfragment folgende Platonzeugnis
(1 7,31): Platon nennt Gott tò povadixév.
Man fragt sich, ob td Ev und à uov&ç identisch sind (so Krische 315; Heinze 46.
51; H. Dörrie, RE s.v. Xenokrates, Bd. IX A 2, 1967, 1523; Krämer, Ursprung 37. 377;
ablehnend Happ, Hyle 247. 250 f) wie bei Aetios I 7,18: Ilu8æy6pac tav AKpxwv Tv
uovéda Bedv ral toya@év, mic éotiv i) TOO évdc pÜaic, abrög è voüc, wovon dann
I 7,20 Speusipp abgehoben wird: Credourmoc Töv vodv otite tH Evi obre TH yada
Tov adröv, iSropuñ dé. Die Identifizierung von tó Ev, Td povadixóv und è voüg wird
I 7,31 auch für Platon in Anspruch genommen (vgl. Krämer a.O. 57 ff). — In diesem
Fall ist der Gott-Noûs für Xenokrates Ursache auch der Ideen; denn Ev und &6piotoc
dude bringen die Zahlen = Ideen hervor (fr. 33; fr. 68; vgl. Happ, Hyle 245 f). Dann
aber liegt es nahe, die Ideen = Zahlen als Gedanken Gottes anzusehen (vgl. dazu
Krämer a.O. 41 ff; Isnardi Parente 400 ff, ablehnend), wie Aetios I 10,3 und andere das
für Platon postulieren. Daher kann Aetios I 7,4 (nach Tim: 29 E; 50 D) formulieren,
nach Platon habe Gott die Welt mpdg éavtob Uróderyua geschaffen (vgl. dazu Tauros
bei Philoponos, De aet. mundi VI 8 S. 147,6 f; Diog. Laert. III 69. 72. 76 u.6.), und
13,8 werden — nach der Lehre des Pythagoras — TÓ moınrıxödv Kal TÓ eldixdv identifiziert (ähnlich Numenios bei Calcidius 296 S. 298,13 ff; vgl. Waszink z.St.; vgl. Aetios
I 7,31: tó Ev = 1d povadixóv = td Bvrwc Sv, und Krämer a.0, 59 f). Aus dem Zusammenfall von Nofis und Zahl wäre dann auch die Nachricht des Aetios IV 2,3 f
(= Xenokr. fr. 60) zu verstehen: TIvdayöpag &piBuòv adtdov xivodvra (arEepivato
Tv wuxfiv) Tov Bè Apıduöv vil tod vod maporanßavsı. ‘Ouofwe 52 Kai Xevoxpärng. Denn die Zahl wäre im Noüs selbst Noüs. Dazu würde auch fr. 16 passen:
estque numerus, ut Xenocrates censuit, animus ac deus: als Seele ist sie bewegte Zahl,
als Gott-Monas-Noûs unbewegte Zahl. Auch fr. 36 ließe sich einfügen: Xenokrates lege
dem Demiurgen eine arithmetische Verfassung (äp1@unnxñv ¿Ew) bei (vgl. Krämer
a.O. 408). Xenokrates hätte dann den ersten Gott Monas genannt, weil er als Monas
Zu erinnern ist hier ferner an die xenokratische Erklärung von Platons Seelenmischung (Tim. 35 A 1-5; fr. 68): Hier entsteht in einem ersten
Schritt aus der Mischung von &pépiorog oboia = 1d Ev und yepıom)
oboia = Aöpıorog duke „die Zahl“ (6 à&p1@u6c), d.h. die Dyas als erste
aller Zahlen. In einem zweiten Schritt wird dieser Zahl das Gegensatzpaar
taòtév und tò Étepov (Tim. 35 A 4 f) beigemischt, die Prinzipien von
Ruhe und Bewegung, so daß aus der &kivntog Duác die zu Ruhe und Bewegung fähige Seelenzahl wird: &piduòc Eavröv Kıvwv (fr. 60 ff).
Wie wir sehen, lassen sich nahezu alle Aussagen über die beiden
höchsten Gottheiten unseres Fragments als Interpretationen von Ansätzen
verstehen, die sich in den Dialogen Platons finden. Schwieriger ist das
Problem der genauen Zuordnung der beiden Gottheiten. Wir wollen mit
der Frage nach der Lokalisierung und den Herrschaftsbereichen beginnen,
weil gerade diese in der [47] Literatur umstritten ist. W. Theiler? hat zur
Interpretation unseres Textes das 18. Xenokratesfragment herangezogen,
in dem von einem Zedc Üratoc év toíc Kkarà TÀ adrà Kai WOXDTWG
Éxovoiv ein Zeùc véaroc dirò oeAñvnv gesondert wird. Er identifiziert
den ersteren mit dem ersten Gott, den letzteren mit der Weltseele des 15.
Fragments, so daß nach dieser Interpretation die Weltseele auf den
sublunaren Raum beschränkt wäre, während der erste Gott im supralunaren Bereich regieren würde. Die Identifizierung von Monas (fr. 15) und
Prinzip der Zahlen wäre und diese ursprunghaft in sich umschlösse (vgl. Krämer a.0.
63, Anm. 140). Gott = Zahl: die Pythagoreer Lysis und Opsimos bei Athenagoras, Leg.
6; Pythagoras bei Clemens, Protr. 6,69,2 und Tertull. Apol. 47,5; August. De genesi ad
litt. 4,4; Hierokles, In C. A. S. 87,16 ff K. Die Gegensatzpaare nepırtöv — &prıov,
&ppev — OñAv galten als pythagoreisch (vgl. Arist. Met. 986 a 23 ff) und weisen auf
Diskussionen in der Alten Akademie. Vgl. Burkert 45 f; vgl. zudem Arist. Met. 1004 b
31 £; Phys. 192 a 22 f.
8 In der Epinomis bringt die Weltseele — wuxh vodv xextnuévn (982 B 5) — die
den Elementen entsprechenden Lebewesen hervor (981 C 7 - 984 D 2), wozu auch die
Gestirne zählen (981 D 5 ff).
9 JHS 77, 1957, 130 = Untersuchungen zur antiken Literatur, Berlin 1970, 316.
Pagina 4
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)„höchstem Zeus“ (fr. 18) ist sicher richtig; denn „der erste Gott‘ und „der
höchste Zeus“ müssen identisch sein. Doch wird man gegen eine Gleichsetzung von Dyas und „unterstem Zeus“ starke Bedenken haben. Denn es
ist doch zu fragen, wieso die Seele wuxh tod mavrög sein kann, wenn ihr
Aufenthaltsort und Wirkungsbereich auf den relativ kleinen Raum unter
dem Mond beschränkt ist, während gleichzeitig die ihr analoge Menschenseele (mens)!® per totum corpus sparsa discurrit (fr. 71). Wie könnte sie
noch mit einer Göttermutter verglichen werden, da die Gestirne doch auch
197
ren Worten: der [48] Noûs als der erste Gott hat Sitz und Herrschaft in der
Fixsternsphire!5 , die Seele dagegen in dem von der Fixsternsphäre umfaßten innerkosmischen Raum'®.
Diese Interpretation läßt sich weiter erhärten: Das 15. Fragment ist
eine Systematisierung platonischer Lehren, wie der Doxograph am Ende
betont. Nun hat aber Platon nach Xenokrates, den fünf sog. platonischen
Körpern entsprechend, eine Fünfelementenlehre vertreten (fr. 53); dabei
muß er — immer aus der Sicht des Xenokrates — den Dodekaeder dem
zu den Göttern zählen? Wie wäre diese Ansicht mit dem Tim. in Einklang
Äther zugewiesen haben, weil die übrigen Körper schon an die bekannten
zu bringen, nach welchem die Seele sich durch das ganze All erstreckt (34
vier Elemente vergeben waren!?. Es heißt ja an der berühmten Timaiosstelle 55 C 4-6, der Demiurg habe den Dodckaeder „für das All“ verwandt.
Da der Dodekaeder der Kugelform sehr nahe kommt, hat man die Stelle
meist so gedeutet, daß der Dodekaeder dem äußeren Allrund zugewiesen
wird, dem oùpavéc im Sinne der Fixsternsphire!® . Eine solche Interpretation konnte sich darauf berufen, daß nach Tim. 33 B 4 ff der Kosmos zwar
opanpoeıöfig ist, aber erst dadurch zur eigentlichen Kugel wird, daß der
Gott ihn „drechselt“ (kuxAotepéc abtò étopvedoato, 33 B 5) und außen
abschleift (Aciov ... mv ÉEwôev abtò &mnkpiBoôro, B 7 f).
B 3 f; 36 E 2 f)? Wäre es ferner vorstellbar, daß Xenokrates den „untersten
Zeus“ als weibliches Prinzip bezeichnet hat? Nein, Theilers Interpretation
führt in allzu große Schwierigkeiten und kann daher nicht richtig sein. Das
hat auch H. J. Krämer!! gesehen, der eine andere Lösung vorschlägt: „Die
Lokalisationen im Fr. 15 umschreiben den Wirkungsbereich, nicht den
Standort von Demiurg und Weltseele.“ Aber auch mit dieser Modifizierung ist nicht viel gewonnen; denn eine Beschränkung des Wirkungsbereiches der All-Seele auf den sublunaren Raum widerspricht nicht nur Platons
Lehren, die Xenokrates doch umformuliert haben soll, sondern auch allen
antiken Nachrichten!?.
Wenn es im 15. Fragment heißt, der erste Gott herrsche als König!?
tv obpavò, die Weltseele aber über den erlosten Bereich bd Töv
Die Vorstellung, daß der Äther zur Fixsternsphäre gehört, liegt nun
aber offensichtlich auch dem 15. Xenokratesfragment zugrunde, dessen
Kosmographie wie folgt aussieht:
odpavóv, so ist mit odpavóc m.E. die Fixsternsphäre gemeint!4. Mit ande10 Mens steht in diesem Fragment wohl für wuxn; Zeller I 1, 1026, Anm. 7; vgl.
z.B. Apul. De Platone I 9 S. 92,7 ff Th.
ll Grundfragen 485, Anm. 81; ähnlich, wenn auch abgeschwächter, ders., Platonismus und hellenistische Philosophie, Berlin/New York 1971, 125, Anm. 84; vgl.
Ursprung 39, Anm. 65; vgl. Happ, Hyle 247, Anm. 850.
12 Auch der Ausdruck tv obpav@ BaoıAeboucav widerspricht m.E. der Auffassung Kramers. Bei seiner Interpretation würde man im Text doch cher tod odpavod
erwarten.
Da Herakleides sich auf die berühmte Aufteilung des Kosmos Ilias 15,187 ff stützt
(dazu auch unten S. 211), interpretiert er den obpavdc (ebd. 15,192) als Fixsternsphäre.
15 obpavöc = Fixsternsphire: fr. 17 H.; vgl. Arist. Cael. 278 b 11 ff.
13 Zur Königs-Metapher im Platonismus vgi. H. Dorrie, Der König. Ein platoni-
16 Dieser Raum wird als Aftic, „ausgeloster Anteil“ bezeichnet. Krämer, Ursches Schlüsselwort, von Plotin mit neuem Sinn erfüllt, in: Platonica Minora, München
sprung 36, Anm. 51, weist auf fr. 5 hin, wo Adxeorc die odoia abroß rod obpavod
1976, 390 ff.
zugeordnet ist, d.h. die Gestirnsphäre (Krämer).
14 So schon Krische 316 und Heinze 12 ff; Dillon, Middle Platonists 25 f. Vgl.
Anon. Photii (Bibl. cod. 249) S. 439 b 26 f: &v th èrAaveî TÓ TpwTOV aírióv tomv;
b 18 f: tiv &rAavñ opaipav, tv
Éonv 8 te Tpóroc Beöc ...; Ps.Justin, Cohort. 6;
Ps.Arist. Mu. 397 b 25 ff; 398 b 8 f; 400 a 6 ff; Arist. Cael. 278 b 14 f: elaBapev yap
1d Eoxatov Kal Td Avw uódiora KaAciv obpavév, dv Y Kal Td Geiov mäv IBpdodati
papev. Auch bei Herakleides Pontikos, fr. 95 Wehrli erhält Zeus die Fixsternsphäre.
17 Vgl. Isnardi Parente 434 f. Zur Fünfelementenlehre in der Platonischen Akademie vgl. L. Tarän, Academica: Plato, Philip of Opus and the Pseudo-Platonic Epinomis, Philadelphia 1975, 36 ff; M. Baltes, Philologus 122, 1978, 190 ff.
18 Vgl, Timaios Lokros, Über die Natur des Kosmos und der Seele, kommentiert
von M. Baltes, Leiden 1972, 124.
Pagina 5
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)199
1. oùpavés
= Fixsternsphäre
~<Ather>
(Tim. 55 C 4-6)!9
2. "OAdumot Beoi
= Planeten, Sonne,
~ Feuer
(Tim. 40 A 2-4;
identifizierten diesen mit dem Noûs über der Seele?!. Platon spricht dort
31 B 4-8)
davon daß der Demiurg die beiden Umläufe in der Seele mit der Bewe-
Mond
Umlaufs, der die beiden innerseelischen Umläufe umfassen sollte, und
3. Hades
~ Luft
gung, die sich immer im selben Sinne und am selben Ort vollzieht, um-
4. Poseidon
~ Wasser } (Tim. 32 B u.ö.)
schloß. In dieser Bewegung sahen einige Interpreten einen Hinweis auf
5. Demeter
~ Erde
den Noüs über der Seele. Welche der beiden Interpretationen auf Xenokra-
[49] Wenn Xenokrates davon spricht, daß Zeus „am Himmel als König
tes zurückgeht, ist auf den ersten Blick nicht ganz klar. Doch scheint bei
regiert“, so scheint er sich außer von Platon auch von Hesiod und Homer
einem genauen Vergleich der xenokratischen Lehre mit den Lehren Plaleiten zu lassen. Beide galten ja als die Begründer der Theologie der Griechen (Herodot II 53). Nun sagt Hesiod einerseits, daß Zeus obpavw
tupaoireve: (Theog. 71; vgl. Ilias 15,192), andererseits, er sei aidepı
vaiwv (Op. 18; ebenso Il. 2,412). Es scheint, als habe Xenokrates die Anschauungen der Dichter-Theologen aus der Sicht Platons interpretieren
wollen, indem er Zeus zwar den Himmel = Äther zuwies, diesen aber mit
der Fixsternsphäre identifizierte. Für die Weltseele-Dyas blieb dann nur
noch der Raum unterhalb der Fixsternsphäre übrig. Diese Aufteilung
tons die erste Möglichkeit den Vorzug zu verdienen. Denn der erste Gott
des Xenokrates erscheint zwar einerseits als ein (unabhängiger) König in
seinem Bereich „am Himmel“, andererseits aber ist er deutlich auf die
Weltseele bezogen, wie die Ausdrücke Monas-Dyas, männlich-weiblich,
Vater-Mutter, ungerade-gerade zeigen, so daß man sich fragt, ob beide
trotz ihrer Trennung nicht doch zusammengehören und eine Einheit bilden, dergestalt, daß Xenokrates unter dem [50] Noüs denjenigen „Teil“
oder Aspekt der Weltseele Platons verstanden wissen wollte, der sich in
stimmt vordergründig zunächst nicht zum Tim., wo die Weltseele sogar
der Fixsternsphäre befindet und den Kosmos von außen umhüllend trandie Fixsternsphäre „von außen umhüllt“ (34 B 4; 36 D 9 f; E 3), muß aber
szendiert (Tim. 34 B 4; 36 E 3). Eine solche Interpretation ließe sich leicht
schon frühzeitig aus dem Tim. herausgelesen worden sein, da sich dieselbe
durch andere Platonstellen stützen, etwa durch Phileb. 30 D, wo es heißt,
Lehre bei Ps.Timaios Lokros $ 44 f, Philon u.a. findet (s.u.), die sich
in der Natur des Zeus gebe es eine königliche Seele und einen königlichen
wahrscheinlich alle auf die Interpretation des Xenokrates stützen. Anhalts-
Noûs. Hier werden Weltseele und Noûs in der Gestalt des Zeus zur Einheit
punkte für diese Modifizierung der Lehre gab es bei Platon genug: Tim. 39
verbunden, sind gleichsam zwei Aspekte der Natur des Zeus. Auch der
C 2 und 40 A 5 wird der „Umlauf des Selben“ in der Weltseele (vgl. 36 C
Phileb. geht dabei von dem Lehrsatz aus, daß Noüs niemals ohne Seele
4 f) als pPpovinwrärng kvxAnoewg TEpiodoc bzw. als À Tod Kpatiotov
existiert (30 C)22. Wenn der Nofis im Phileb. als „König des Himmels und
ppdvnoic bezeichnet, und 37 C 1 ff ist „der Kreis des Selben‘ das Vermöder Erde” (28 C), als Herrscher über das All (30 D), als kosmologisches
gen von Noüs und Episteme. Wenn es zudem Tim. 30 B 3 f (vgl. 46 D 5 f;
Ordnungsprinzip (28 DE; 30 C) und als demiurgische Ursache (27 B) er-
Phileb. 30 C) heißt, daß die Seele Voraussetzung für die Gegenwart des
scheint, dann konnte man das so verstehen, als stehe hier der Noûs — pars
Noús ist, dann kann man leicht verstehen, daß antike Interpreten den Umpro toto — für Zeus, in dessen Natur Noüs und Seele vereinigt sind.
lauf des Selben in der Seele gern als den voúc ëv wuxfì (Tim. 30 B 4) an-
Im 10. Buch der platonischen Nom. haben wir das umgekehrte Versahen?°, Andere Interpreten deuteten Tim. 36 C 2 f im Sinne eines dritten
hältnis: hier tritt die Seele stärker in den Vordergrund, ohne daß jedoch der
Noüs ganz verschwunden wäre. In den Nom. ist die Seele das kosmo19 Vgl. Tarän, Academica 39 f. Nach fr. 57 liegen die Sterne in einer Ebene; die
auffällige Parallele zu diesem Fragment in Mu. 392 a 16 ff zeigt, daß die Fixsterne
gemeint sind (vgl. Isnardi Parente 397 f), die also in der Ebene der Dodekaederfläche
liegen. Auch die Timaiosexegese bei Hippol. Ref. IV 8,3 kann man vergleichen. Eine
andere Interpretation findet sich bei K. Gaiser, Das Philosophenmosaik in Neapel, Heidelberg 1980, 79. Nach ihm will das Fragment besagen, „daß Sonne, Mond und Planeten allesamt in der schräg zur Himmelsachse liegenden Ekliptikebene angeordnet sind“.
20 Vgl. Plut. Virt. mor. 3 (441 E f); Hermeias, In Phaedr. S. 89,26 f; 124,8 ff;
Albinos’ vodc oùp&vioc: Didask. X 164,36 ff; XXVIII 181,36 ff
H.
2! Jamblich bei Prokl. Tim. II 250,20 ff; 251,11 ff; 252,7 ff; Hermeias, In
Phaedr. S. 124,23 ff; (Porphyrios bei) Calcidius 92 S. 145,7 ff Waszink; Albinos’ voög
daepoupdvioc: Didask. XXVIII S. 181,36 ff.
22 Weitere Beziehungen des Phileb. zum Tim.: der Noús des Phileb. ist wie der
Demiurg des Tim. das syndetische Prinzip (Phileb. 27 D 9 — Tim. 31 C ff); er wird —
wie der Demiurg des Tim. — mit Hilfe des Satzes erschlossen, daß alles Entstehende
cine Ursache habe (Phileb. 26 E 3 — Tim. 28 A4 ff). Auf die Chora des Tim. scheint
Phileb. 24 D anzuspielen; vgl. bes. Tim. 52 BC.
Pagina 6
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)201
Seele, die Noüs besitzt (897 B 1 f; C 5 f E 4 ff; 892 B 8; vgl. 966 E 4;
nach Plat. Phaidr. 247 C 1 ff? - im brepovpaviog témoc lokalisiert
(fr. 598, Ev odpavo (fr. 15) bedeutet also „am Himmel“, d.h. „in der Fix-
Epin. 982 B 5). Sie ist — wie Tim. 34 C — die Herrscherin über den
sternsphäre“ und ,,auf der Fixsternsphäre"??.
Weltkörper (896 C) und das Prinzip der Bewegung am Himmel und auf
Vom fr. 5 her läßt sich das Wesen der Weltseele und ihr Verhältnis
zur Noüs-Monas noch etwas näher bestimmen. Es heißt dort, daß es
logische Ordnungsprinzip (892 A; 898 C 4; 899 B 8), allerdings eine
der Erde (896 E 8 f). Die Weltseele wird — wie auch die Gestirnseelen —
als Gottheit bezeichnet (899 A ff), und in der anschließenden Behandlung
ëmothun nur von den vontà EEw tod odpavod gibt, déta vom ovpavéc
der Frage nach der Fürsorge der Götter für die Welt ist von einem tod
(d.h. den Gestirnen) und œo@naiç von den sublunaren Dingen, Diese
Dreiteilung ist eine Interpretation von Tim. 37 B 6 ff, wo der Umlauf des
tavröc èmueAovuevoc die Rede (903 B 4 f; 904 A 3 f)?3, der auch als
König bezeichnet wird (904 A 6). Nach dem Voraufgehenden kann man
Selben vodc (= vónoic) und èmomiun erzeugt, wenn er sich mit 1d
Aoyıorıköv beschäftigt, der Umlauf des Anderen aber d6&oı kai mioteic,
wenn er sich mit 16 aio@ntév befaßt. Xenokrates hat nun Td Aoyıorıköv
als tò vontòv ¿Ew tod obpavod gedeutet und tó alodntöv als TÓ
5otacróv Kai aicOntév (vgl. Tim. 27 D 5 - 28 A 4). Da nun aber vouc
und ¿moráun eindeutig der Noüs-Monas zukommen, weil nur sie den
obpavög transzendiert, müssen 56Ea koi afíc8norc der Seele zugewiesen
werden. D.h. die Seele ist nach Xenokrates — wie spáter bei Ps.Timaios
Lokros?? — bloßes do&aotıköv Kai arigB8nticóv, also letztlich „an irrational entity requiring informing and intelligizing at the hand of the Monad",
wie J. Dillon3! mit [52] Recht urteilt. Man darf daran erinnern, daß nach
akademischer Lehre die Weltseele erst dann zum Ordnungsfaktor in der
darin aber niemand anderes als die Weltseele sehen.
A
Versucht man, die Angaben Platons auf einen Nenner zu bringen, so
fúhrt das zu folgendem Ergebnis: Noús und Weltseele sind góttliche Prinzipien, die eines vom anderen nicht getrennt gedacht werden können;
vielmehr kann das eine Prinzip das andere mitvertreten, und beide kónnen
auch als Einheit aufgefaßt werden. Auf dem Hintergrund dieser Platonstellen liegt es nahe, auch die beiden höchsten Gottheiten des 15. Xenokratesfragments als Aspekte eines einheitlichen göttlichen Wesens zu sehen, als
männlich-weibliches Prinzip und als gerade-und-ungerade, wie man im
späteren Platonismus die höchste Gottheit gerne bezeichnete. In dieser
Einheit hat jedoch keine Vermischung der Prinzipien stattgefunden, sie ist
Welt wird, wenn sie den Noûs hinzunimmt (voöv npooAaßoüca, Nom.
897 B 1 f: Epin. 982 B 5; vgl. Tim. 46 D 5 f mit E 3 ff).
vielmehr eine differenzierte Einheit, in der der Noüs als das männliche
Prinzip gegenüber der Seele als dem weiblichen Prinzip [51] dominiert24.
Und wie der Noús zur Menschenseele Oúpadev hinzukommt und im
menschlichen Körper in vertice praesidet secundum Xenocratem (fr. 72), so
kommt auch im Kosmos der Noüs zur Seele hinzu (vgl. Nom. 897 B 1 f;
2? Auch in Platons Staat 517 B 5 ist der vontòc tórOG (= vontòc Kdopo¢) ganz
räumlich als der Ort oberhalb der Höhle = Kosmos gefaßt; vgl. ebd. 526 E 2-4.
Epin. 982 B 5) und präsidiert in der hôchsten kosmischen Region, dem
Fixsternhimmel?5 . Ja, wie die Spitze der platonischen Weltseele transzen-
28 Zur Lokalisierung der Ideen im drepovpávioc röoc: Arist. De philos. fr. 8
Ross; Cael. 279 a 18 ff (und dazu 1. Düring, Aristoteles, Heidelberg 1966, 360 f;
diert die Noús-Monas als Zedc 6 Èv toic Kata ta abt& Kai Woabtwc
Exovanv (fr. 18) selbst die Fixsternsphäre; denn die xatà Tú abt& Kai
Woabtwe Exovra sind ja wohl identisch mit den Ideen?6, die Xenokrates —
23 Vgl. Phaidr. 246 B 6, wo die Seele tavtòg tmuereita: Tod dypbxov.
24 Vergleichbar ist Plotin III 5,8.
25 Ähnlich ist das Verhältnis im Tim.: vgl. 44 D 3 ff; 90 A 2 ff.
26 Der Ausdruck meint die Ideen, nicht den odpavóc; vgl. Staat 500 C 2 f; Politikos 269 D 5 ff; Tim. 38 A 3; anders Heinze 76 f; Isnardi Parente 407. Zur Vorstellung, daß Gott unter den Ideen ist: Phaidr. 249 C 6; Seneca, Epist. 65,24; Plut. Quaest.
Tere,
B. Effe, Studien zur Kosmologie und Theologie der Aristotelischen Schrift ‘Uber die
Philosophie’, München 1970, 102 ff; F. Solmsen, MH 33, 1976, 29 ff, der auch auf die
gegenteilige Äußerung des Aristoteles in Phys. 203 a 8 f eingeht).
29 Vgl. Asclepius 27: deus supra verticem summi caeli consistens; Arist. bei
Aetios I 7,32: "ApiototéAng Tv pév ávwrárw Beóv elóoc <xwpiotàv> (énoiwc
Miárovi) emPePnxdta th opaipg tod mavrög (vgl. dazu P. Moraux, RE s.v. Quinta
essentia, Bd. XXIV 1, 1963, 1227 f); Philon, Heres. 301; QG IV 51; Somn. II 294;
Boethius, Consol. IV 1 (Gedicht), 17 ff. Analog dazu ist die plutarchische Vorstellung
vom Noûs des Menschen als ÉEw, &xpérAouv, Emupadov Ex Kepadiic Tod dvOpunrov
... &prnna xopupaîov (De gen. Socr. 22 [591 D f]).
Plat. III 2 (1002 B); Quaest. conviv. VIII 2 (718 F); De sera num. vind. 5 (550 D);
30 Vgl. Baltes, Timaios Lokros 145. 148.
Numenios, fr. 24 Leemans = 15 des Places.
31 Dillon, Middle Plat. 26.
Pagina 7
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)203
Wie bekannt, hat die xenokratische Interpretation Platons weitreimas in den Planetensphären ihren Ort36, Beide beziehen sich deutlich auf
chenden Einfluß ausgeiibt?2. Es empfiehlt sich also, auch die Nachwirkundieselben Timaiospassagen. Es scheint [53] also, daß bei Philon und Progen der Lehre von fr. 15 zu untersuchen, zumindest soweit sie die bisher
klos — trotz einiger Abweichungen im Detail — die gleiche Lehre vorliegt,
vorgetragene Interpretation tangieren und in der Forschung bisher nicht
letztlich xenokratische Lehre, wie ich behaupten möchte. Denn an Xenooder nicht genügend berücksichtigt worden sind.
krates erinnert — abgesehen von der Systematisierung des Timaios — der
Bei Philon, Decal. 103 finden wir folgenden Text’: :
„Das All (6 odpavóc) ist fest gefügt aus der unteilbaren Natur und der teilbaren
(Ex TE TAG duepiotov púcewc Kal TAG uepiotiig, vgl. Tim. 35 A 1-4). Die
unteilbare Natur hat den ersten, höchsten und niemals irrenden Umlauf erlost
(efAnxev), über den die Monas Aufsicht führt, die teilbare den zweiten (Umlauf)
der Kraft und der Ordnung nach; diesen verwaltet die Hebdomas, die — sechsfach
geteilt (vgl. Tim. 36 D 2) — die sieben sog. Planeten hervorgebracht hat.“
Das dem Philontext — aufgrund einer Interpretation von Tim. 35 A 1 - 36
Ausdruck, die Monas und die Hebdomas hätten ihren jeweiligen Bereich
„erlost‘; bei Xenokrates war von der AfEic der Weltseelen-Dyas die Rede.
Der Platonschüler vergleicht die Weltseele mit der „Mutter der Götter“
(d.h. u.a. der Planetengötter), bei Philon erschafft die Hebdomas die sieben
Planeten. Die Monas ist bei Philon der &u&pıorog púcic (~ &péptatoc
ovoia, Tim. 35 A 1) zugeordnet; Xenokrates hatte diese &pépiatoc oboia
im fr. 68 mit td Év identifiziert3?. Bei Proklos ist die Monas — wie bei
Xenokrates — identisch mit dem Öönnioupyıköc voûc (Tim. II 203,4).
D 7 - zugrundeliegende kosmographische Schema sieht wie folgt aus:
1. Fixsternsphäre
~
2. Planetenbereich
-
Nur eine entscheidende Schwierigkeit bleibt zu lösen: Warum spreéèpuépiotoc púcic,
regiert von der Monas
chen Philon und Proklos von der Weltseelen-Hebdomas, während Xenoyuepiom púcic,
regiert von der Hebdomas
krates von der Weltseelen-Dyas gesprochen hatte? Die Lösung dieser
Frage ergibt sich aus dem beiden Interpretationen zugrundeliegenden
Timaiosstück 35 A 1 - 36 D 7; denn dort finden wir
(weil 6fach geteilt)
Monas und Hebdomas als Aufseher im Fixstern- und Planetenbereich —
das erinnert auffällig an Xenokrates’ Noûs-Monas und Weltseelen-Dyas.
1.
eine Zweiteilung der Seelensubstanz (36 B 6 - D 1)
Sollten bei Philon mit den beiden Prinzipien Noûs und Weltseele gemeint
2.
zwei Teilungen in sieben Teile:
sein? Nun weiß Proklos an mehreren Stellen (Tim. II 302,1 ff; 270,9 ff:
271,15 ff), die Philon nahe verwandt sind, von einer Noüs-Monas und
einer Weltseelen-Hebdomas, und man wird mit gutem Grund vermuten,
daß beide der gleichen Tradition folgen*. Denn sowohl Philon als auch
Proklos berufen sich im Zusammenhang mit ihrer Argumentation auf
‘Pythagoreer’35. Bei beiden hat die Monas im Fixsternbereich, die Hebdo-
32 Krämer, Ursprung 21 ff.
a)
Einteilung der Grundsubstanz der Seele in sieben poipa im Verhältnis 1:2:3:4:9:8:27 (35 B 4 - C 2)
b) Aufteilung der Barépou pop der Seele in sieben kükAot (36 D
1-7)
Man hat nun — wie wir aus Proklos, Tim. II 246,22 ff erfahren — versucht,
die Zweiteilung mit der ersten Siebenteilung in Einklang zu bringen.
Schon früh?® hatte man ja die sieben Grundeinheiten in Form eines
Lambda angeordnet:
33 Dazu Boyancé, REG 76, 1963, 84 f; D. T. Runia, Philo of Alexandria and the
Timaeus of Plato, Philosophia Antiqua 44, Leiden 1986, 210 f.
34 Dafür spricht auch Leg. all. I 19, wo der Aóyoc, der bei Philon oft die Funktionen der platonischen Weltseele übernimmt, 6 rar &B5oudöa xıvobhevog genannt
wird. Allerdings ist der Aóyoc nicht auf die Planetensphären beschränkt.
35 of nepl tà paOhpata Siatpipavtes (Philon) sind Pythagoreer, wie die
Prädikate der Hebdomas, mapd&vog und &prTwp, zeigen (vgl. Arist. De Pythag. fr. 13
Ross; Colson z.St.; Boyancé, REG 76, 1963, 94). Proklos gibt als Begründung für das
Prädikat &ufTwp: die Hebdomas stammt nur vom Vater-Noûs: a.O. 203,5 f. Auch betont er a.0. 236,18 f die Nähe der Hebdomas zur Monas — wie Philon, Decal. 102; Op.
mundi 100; Post. Caini 64; Immut. 11; Decal. 159.
36 Proklos identifiziert die Fixsternsphäre mit der Monas und den Planetenbereich mit der Hebdomas (a.O. 271,16 ff). Daß Philon die beiden Prinzipien in den genannten Bereichen lokalisiert, zeigt seine Angabe, die Hebdomas sei wie die Planetensphären in sieben Teile geteilt.
37 Vgl. oben S. 194, Anm. 7.
38 Vgl. Krantor und Klearchos von Soloi bei Plut. De an. procr. 20 (1022 C-E).
Krantor war Schüler des Xenokrates.
Pagina 8
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)205
weibliche Prinzip schlechthin — war ja vom Demiurgen ohne weibliche
Mithilfe ,,zezeugt worden (vgl. z.B. 37 C 7).
Eine weitere Nachwirkung der xenokratischen Lehre finden wir bei
Diese durch den Text von Tim. 35 B 4 - C 2 nahegelegte?? Trennung von
geraden und ungeraden Zahlen ermôglichte auch die Erklärung, die
Aufteilung der gesamten Seelensubstanz in zwei ‘Bander’ (Tim. 36 B 6 ff)
erfolge in der Weise, da8 dem einen ‘Band’ die geraden, dem anderen die
Ps.Timaios Lokros $ 45 f wieder, wo — wie anderenorts nachgewiesen? —
die Fixsternsphäre der Bereich des Noüs und die Planeten der Bereich der
Seele sind. Daß Ps.Timaios Lokros von Xenokrates beeinflußt ist, zeigt
vor allem der $ 18. Die gleiche Lehre findet sich andeutungsweise auch
bei Plotin II 2 [14] 3,1 ff.
ungeraden Zahlen zugewiesen werden, also: [54]
1-2-4-8
1-3-9-27
-----
6atépov popa
radtoi pop
vgl. Prokl. Tim. I
239,29 f
Damit war die Zweiteilung von Tim. 36 B 6 ff als ein bloBer Aspekt der
Siebenteilung von 35 B 4 ff erwiesen, die ihrerseits wieder — nach Auffassung der antiken Interpreten — die Grundlage fir die Siebenteilung von
Tim. 36 D 1 ff war*?.
Mit anderen Worten: Man konnte die Seele nach Tim. 35 B 4 ff (und
Vergleichen läßt sich ferner Varro bei Augustinus, De civ. dei VII 23
(= Antig. rer. div. fr. XVI 4 Agahd = fr. 227 Cardauns)“ , wo drei animae
gradus in omni universaque natura unterschieden werden:
a) summum animae, quod vocaturanimus, inquointellegentia
praeminet ... hanc partem animae mundi dicit deum; er ist identisch
mit dem Äther (~ voög év wuxñ); [55]
b) secundus gradus animae, in quo sensus est; dieser befindet sich im
Planetenbereich, denn solem ... lunam, stellas ... esse sensus eius [sc.
36 D 1 ff) als eine Hebdomas oder nach Tim. 36 B 6 ff als eine Dyas bedei} (= aio yuxn);
trachten. Letztlich war immer dasselbe gemeint. So wird denn in den späc) unum, quod omnes partes
teren Darstellungen bald die dyadische, bald die hebdomadische Struktur
der Seele hervorgehoben‘! ; und wenn die hebdomadische Struktur später
häufiger betont wird als die dyadische, so liegt das daran, daß die hebdomadische Struktur kosmologisch relevanter war, weil sie in den 7 Planeten
deutlich in Erscheinung trat; auch ist zu bedenken, daß man der Siebenzahl
größere Bedeutung beimaß als jeder anderen Zahl innerhalb der Dekade,
mit Ausnahme der Monas. Man betrachtete sie als pov&doc oixeiotármn
Kai &pxñc (Phil. Decal. 102; vgl. Macr. Somn. Sc. I 6,11), vor allem aber
setzte man sie mit der mutterlosen, aus dem Haupt des Zeus entsprungenen
corporis, quae vivunt, transit et non
habet sensum, sed tantum ad vivendum valetudinem (= guakxr wuxi).
Von Xenokrates unterscheidet sich diese Dreiteilung dadurch, daß sie eine
Dreiteilung der Weltseele ist. Aber wir haben ja schon geschen, daß nach
platonischer Lehre der Noûs nur in der Secle sein kann und daß auch nach
Xenokrates Noüs-Monas und Weltseelen-Dyas wie &ppev und OñAv zusammengehören. Die putixi) wvx wird in den Xenokratesfragmenten
nicht erwähnt. Da aber Platon im Timaios (77 B 1 ff) sie kennt‘, dürfte
auch Xenokrates sie akzeptiert haben. Die Identifizierung von animus und
Athene gleich‘?: auch die Weltseele des Tim. — nach Xenokrates das
43 Vgl. Baltes, Timaios Lokros 145 f. 148.
39 Vgl. Plut. De an. procr. 30 (1027 D f).
40 Vgl. z.B. Plut. De an. procr. 31 f (1028 A ff); Platoniker bei Hippol. Ref. IV
8,5 ff; Prokl. Tim. II 212,12 ff. Man berief sich dabei zu recht auf das xatà tiv tod
dinAaoiov Kai TpımAaolov Sidotaoww von Tim. 36 D 3.
41 Die dyadische Struktur: Prokl. Tim. II 241,18 ff; 242,14 ff u.6.; zur dyadischen Struktur der Weltseele bei Plotin vgl. Krämer, Ursprung 296, Anm. 407. Die
hebdomadische Struktur: Poseidonios bei Theo Smyrn. Expos. 103,16 ff; Macrobius,
Somn. Scip. I 6,45.
42 Vgl. dazu Boyancé, REG 76, 1963, 92 ff; die Gleichsetzung mit Athene findet
sich zuerst bei Arist. De Pyth. fr. 13 Ross.
44 Vgl. die Interpretation von Boyancé, REA 57, 1955, 79 ff, der die Lehren des
Fragments über Antiochos von Askalon auf Xenokrates zurückführt.
45 Boyancé, REA 57, 1955, 82 verweist für diese seltsame Lehre auf Pythagoreer
bei Epiphanius, Dox. Gr. 589,3 ff, Plut. De facie 15 (928 B); Plin. N. H. II 10. Vgl.
auch Orphicor. fr. 168,16 Kern.
46 Im Gegensatz zu Varro gesteht Platon dieser Seelenart eine bestimmte Art
von afodnoız zu, die atodncıg dela Kal Ayer. Weder Aristoteles noch die Stoiker
haben sich ihm angeschlossen (vgl. Aetios V 26,1 ff). Hat schon Xenokrates die
atoOnaic der Pflanzenseelen geleugnet oder liegt bei Varro lediglich stoischer Einfluß
Pagina 9
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)207
Ather scheint stoisch zu sein, geht aber vielleicht insofern auf Xenokrates
zurück, als dieser wahrscheinlich den Ather in der Fixsternsphäre, dem Be-
Timaeo dicit et in Legibus et mundum deum esse
reich des Noús, angesetzt hat (s.o. S. 197 f)47. Als Ergebnis unserer Untersuterram ... Dagegen ist festzuhalten, daß die Fixsterne bei Platon immer als
und Nom. hineingelesen hat, wie Cicero N. D. I 30 bezeugt: (Plato) et in
et caelum et astra et
chungen dürfen wir also festhalten: Die Nachwirkungen der xenokra-
Einzelgottheiten erscheinen, nie als eine einzige Gesamtgottheit (Tim. 40
tischen Lehre zeigen, daß unsere Interpretation, die Noûs-Monas regiere
A 4 - B 6; vgl. Nom. 899 B). Als eine einzige dévapig neben den 7
am Fixsternhimmel, die Weltseelen-Dyas im Planetenbereich, richtig war.
dvväueıg der Planeten erscheinen die Fixsterne dagegen in der Epinomis
986 A 8 fP8,
Die xenokratisch-akademische Ansicht, daß die Seele im Grunde
eine irrationale Wesenheit ist, die erst durch das Hinzukommen des Noüs
Die zweite Möglichkeit bestände darin, unter odpavóc den Gesamtzum Ordnungsfaktor der Welt wird, finden wir im späteren Platonismus in
kosmos zu verstehen (obpavöc = Kosmos: Tim. 28 B 2 ff u.6.), wie dies
mehreren Varianten wieder, so etwa im Ordnen der ungeordneten Seele
das Zeugnis des Clemens (fr. 17) nahelegt, der den Kosmos als achten
durch den Gott-Noüs bei Plutarch und Attikos (Plut. An. procr. 9, 1016 C
Gott neben den sieben Wandelsternen nennt#. Auch nach Platon ist der
u.6.; Attikos bei Prokl. Tim. I 381,26 ff u.ö.) oder im Wecken der Seele
Kosmos ein groBer Gott (etwa Nom. 821 A 2), der durch die Parusie der
aus dem Schlaf durch den Gott und im Hinwenden auf ihn (Albin, Did. 10,
Weltseele zum „glückseligen Gott“ wird, wie es Tim. 34 A 8 - B 9 heißt.
S. 165,1 ff; 14, S. 169,30 ff; vgl. Plut. An. procr. 24, 1024 D). [56]
So gewiß nun Xenokrates — wie alle Philosophen der Alten Akademie —
den Kosmos als einen Gott angesehen hat, so gewiB hat fr. 15 diesen
Kosmos nicht im Sinn, wenn es vom oúpavóc als einem Gott spricht.
Il
Weiter soll Xenokrates nach dem 15. Fragment den oùpavé6c als Gott
Denn wir haben wieder einmal eine der bei Xenokrates beliebten vertikalen Dreiteilungen vor uns, in welcher der odpavóc an der Spitze steht,
gefolgt von den Planeten (Tobg &otépac) und den sublunaren Dämonen.
bezeichnet haben, ferner die feurigen Sterne als „olympische Götter“, und
Ovpavóc meint also — wie in fr. 17 — die aus allen Fixsternen bestehende
schließlich habe er auch die sublunaren, unsichtbaren Dämonen als eine
Gesamtgottheit.
Gruppe von Gottheiten angesehen.
Was hier unter obpavög zu verstehen ist, ist nicht ganz klar. Nach
Gottheiten sind nach dem Tim. (z.B. 40 B 5; 41 A 3) auch die Sterne.
Sie sind — wie in unserem Fragment — feurige Substanzen (Tim. 40 A 2-4;
dem Voraufgehenden wird man an die Fixsternsphäre denken, deren
31 B; 63 B), doch werden sie im Tim. nicht „olympische Gottheiten“
Sterne nach fr. 17 zusammen als eine einzige Gottheit angesehen wurden:
genannt’. Wie bei Xeno- [57] krates neben den Gestimgottheiten Erepoı
unum (sc. deum], qui ex omnibus sideribus, quae infixa caelo sunt, ex dispersis quasi membris simplex sit putandus deus. Diese Auffassung hätte
im Werk Platons keine Entsprechung, obschon man sie schon früh in Tim.
48 Siehe auch oben S. 203, Anm. 36.
42 Vergleichbar wäre Aetios I 7,33 von den Stoikern: Beodc dè Kal tov Kécpov
Kal Toùc dotépac Kai Tv yñv, Tov 5’ à&vwréTwW Távrov voûv Ev aidépi (SVF II
47 Letztlich xenokratisch scheint auch die Aussage bei Varro zu sein, die vis
animi, quae pervenit in astra, ea quoque facere deos; denn bei Xenokrates übt die NoûsMonas gegenüber den Gestirngottheiten die Funktion eines Vaters aus (vgl. o. S. 193 f).
Nachwirkungen xenokratischer Lehren sehe ich auch in der Fortsetzung des zitierten
Satzes: et
per
ea
(sc. astra) quod in terram permanat, deam Tellurem (= Cererem,
August. Civ. dei VII 16 = Ant. rer. div. XVI 49A Ag. = fr. 270 Card.); quod autem inde
permanat in mare atque oceanum, deum esse Neptunum (vgl. unten S. 212 ff). Denn als
Gôttervater und Göttermutter sind Noûs-Monas und Weltseelen-Dyas Ursachen auch
von Poseidon und Demeter, die ihrerseits durch ihre „göttlichen Kräfte“ in den beiden
Elementen wirken. Anders ausgedrückt: die Noûs-Monas wirkt zusammen mit der
Weltseelen-Dyas durch die olympischen Götter (per ea) bis zur Erde hinab.
1027).
50 Vielleicht darf man an Nom. 717 AB erinnern, wo neben den ,,olympischen
Gottheiten“ die Stadtgôtter und die chthonischen Gottheiten aufgezählt werden; diesen
Gottheiten folgen dann oi daiuovec und oi fpwec. Hier scheint eine deutliche Stufung
vorzuliegen, denn es heißt, man solle pet’ "OAvumiouc te Kai TOC Tv TÓMV
Exovtag Beodc den x86vioi Beoí Ehre erweisen, peta Beod¢ dè tobode Kal Toiç
Safpooiv ... fipwoiv 68 peta tobtovc (717 B). Vorher (716 C) war von 6 Beóc als
dem pétpov té&vtwv die Rede. Diese Ausführungen konnten leicht im Sinne einer
Götterhierarchie ausgelegt werden, an deren Spitze 6 Beóc steht, gefolgt von den
„olympischen Gottheiten“, den Stadtgôttern, den chthonischen Gottheiten, den Dämonen und den Heroen (vgl. Aetios I 8,2). Hier ist nicht davon die Rede, daB die
Pagina 10
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)stehen — die unsichtbaren, sublunaren Dämonen — so stehen bei Platon
Titanen entstammen ebenfalls de Caelo et Terra. Mit anderen Worten:
die im fr. 19 aufgeführten Sukzessionen der Götter (de Caelo et Terra:
208
neben den Sternengöttern GAAo1 Saipovec (Tim. 40 D 6
ff)5!, auch sie
unsichtbar, doch heißt es, sie seien imstande zu erscheinen, wenn sie
wollten (41 A 4).
<.....>56 ex Satumo et Ope Neptunum [58] lovem Orcum et ceteram successionem) gehören wohl dem Xenokrates. Gestützt wird diese Annahme
Auf dem Hintergrund der bisherigen Ausführungen wird nun auch fr.
17 klarer. Nach diesem hat Xenokrates 8 Götter anerkannt: fünf Planetengötter, Sonne, Mond und die Fixsterne, die gleichsam eine einzige Gottheit
aus vielen Gliedern seien’2. Diese acht Götter”? sind natürlich nicht die
einzigen Götter, die Xenokrates anerkannt hat, es sind nur die Götter einer
«Gruppe, nämlich der dpatoì kai éyxdopio1 Geoi — im Gegensatz zu den
aöpatoı daiuovec — die ihrerseits von der Nofis-Monas und der Weltseelen-Dyas (-Hebdomas) regiert werden. Der Epikureer, auf den fr. 17
zurückgeht, hat die xenokratische Lehre verkürzt und dadurch mißverständlich gemacht.
Auch das 19. Xenokratesfragment
209
y
muß hier betrachtet werden,
nach welchem er zwei Götterarten (bifariam formam divinitatis) eingeführt
hat, indem er von den olympischen die titanischen Götter unterschied. Die
durch die Parallele Tim. 40 E 5 ff, wo aus Erde und Himmel Okeanos und
Tethys entstehen, aus Okeanos und Tethys Phorkys, Kronos und Rhea (=
Ops) und deren Geschwister, aus Kronos und Rhea aber Zeus, Hera und
deren Brüder und Schwestern. Erneut scheint Xenokrates eine Timaiosstelle zum Ausgangspunkt seiner systematischen Theologie gemacht zu
haben. Doch hat er die im Tim. nur angedeutete Generationenfolge weiter
ausgeführt. Dies zeigt nicht nur die Erwähnung von Hades und Poseidon
neben Zeus sowie der Hinweis auf die cetera successio, sondern auch das
20. Xenokratesfragment, nach dem die Tıravırrı in Dionysos kulminierte57. Wer sind nun aber die titanischen Gottheiten des Xenokrates? Nimmt
man die Angaben von fr. 15 über die zweite Gruppe von Gottheiten mit
der Timaiosparallele zusammen, so können nur die sublunaren Dämonen
gemeint sein‘®. Diese Erklärung wird sich alsbald erhärten lassen.
olympischen Gottheiten, zu denen das Fragment nichts weiter sagt, sind
Versuchen wir nun, die Angaben von fr. 15 und fr. 17 mit fr. 19 in
natürlich die Götter des Planetenbereichs. Von den titanischen heißt es, sie
Einklang zu bringen, so geraten wir in große Schwierigkeiten, da der Zeus
von fr. 15, der dort der erste Gott genannt wird, nicht mit dem Zeus von fr.
seien de Caelo et Terra entstanden. Arkesilaos hat nach demselben Fragment die Lehre des Xenokrates abgewandelt und eine Dreiteilung der
Götter vertreten: olympische Götter, Gestirne, titanische Gottheiten. Die
Abwandlung der Lehre durch Arkesilaos scheint lediglich im Abtrennen
der olympischen Götter von den Sternen bestanden zu haben; denn seine
19 identisch sein kann, der nur eine nachgeordnete Gottheit zu sein
scheint; denn er steht nicht nur in der Generationenfolge der titanischen
Gottheiten weit unten, sondern ist offenbar auch den olympischen Göttern
nachgeordnet. Sind aber der Zeus des 15. und der des 19. Fragments nicht
identisch, so haben wir mit mehreren Arten dieser Gottheit zu rechnen.
„olympischen Götter“ die Sterne seien, aber von Nom. 899 A ff her ist dieser Schluß
naheliegend, wie denn auch Epin. 977 B 2 Himmel und Olymp identifiziert. Nach Plut.
55 So schon bei Hesiod, Theog. 133 ff.
Heinze 155). Zur Zuordnung von Planeten und „olympischen Göttern“ vgl. W. Gun-
56 Nach Tim. 40 E 5 ff ergänzte P. Boyancé, REA 50, 1948, 225, Anm. 1, die
von ihm bemerkte Lücke, wie folgt: <Oceanum et Tethyn, ex Oceano et Tethyde Saturnum et Opem,> ex ... Ob es sich um eine wirkliche Lücke im Text oder eine bewußte
del/H. Gundel, RE s.v. Planeten, Bd. XX 2, 1950, 2115 ff.
Abänderung des Xenokrates handelt, muß allerdings offen bleiben, da Kronos und
De Is. et Os. 26 (361 A) bezeugt die Nomoistelle, daß Platon die „olympischen Götter“
von den ‘Dämonen’ geschieden hat. Vorher und nachher wird Xenokrates zitiert (vgl.
51 Vgl. Phaidr. 246 E, wo dem Gefährt des Zeus 1. die Götter folgen und 2. die
Saipovec.
Rhea gewöhnlich als direkte Kinder von Uranos und Ge galten (Hes. Theog. 133 ff).
Der überlieferte Text scheint anzudeuten, daß Xenokrates Kronos und Rhea mit Uranos
und Ge identifizierte (Rhea = Ge: SVF II 1076. 1084).
52 Ähnlich Epin. 987 B 1 - C 7, wo auch die Fixsternsphäre - dort x60pog genannt — den sieben Planeten als eine einzige gegeniibersteht.
53 Zur Achtzahl der (sichtbaren) Götter vgl. Theo Smym. Expos. S. 104,20 ff.
57 Vgl. auch fr. 24, wo vom Kampf Apolions gegen den Pythondrachen, von der
Flucht des Dionysos und dem Herumirren der Demeter die Rede ist.
Varro zurück: Varro, Ant. rer. div. fr. I 12b Ag. = fr. 23 Card.; Boyancé, REA 57, 1955,
58 So Heinze 149 ff, Boyancé, REA 50, 1948, 224. 226; Burkert 228, Anm. 40;
Isnardi Parente 411. Vgl. Plut. Def. orac. 21 (421 E): Jeder Dämon wird mit dem
Namen eines Gottes benannt, dem er folgt (Phaidr. 246 E) und an dessen öbvapıc und
74.
nu er teilhat.
54 Das bei Tertullian, Ad nat. II 2 überlieferte
Fragment geht wahrscheinlich auf
Pagina 11
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Diese Annahme wird durch fr. 18 bestätigt, das, wie schon gesagt, einen
211
Zedc Úratoc tv Toig Kata TA ara Kai Woabtwo Exovaw von einem
Zed véatoc bd ceMyvnv scheidet. Mit anderen Worten: es gibt bei
den Zeus &v oúpavo (kai Ev toîc Kata TH ATA Kai woabtwc
ÉxOUOIV),
2. den olympischen Zeus im Bereich der Sterne,
Xenokrates einen höchsten Zeus dv oùpav® und einen unteren Zeus b16d
3.
ceAnvyny, d.h. im Bereich der Dämonen. Auch die frr. 23/24 können für
diese Ansicht als Bestätigung herangezogen werden, nach welchen die
Schilderung der Dichter über unwürdiges Verhalten der Götter — also auch
des Zeus — tà Tıyavrırd Kai Tıravırd werden u.a, als Beispiele aufgeführt — nicht auf die Götter, sondern auf „große Dämonen“ zu beziehen
„seien?®. Xenokrates hat also tatsächlich mehrere Arten einer Gottheit un-
1.
den titanischen Zeus im sublunaren Bereich.
Neben dem titanischen Zeus gibt es weitere titanische Gottheiten, z.B.
Kronos, Hades und Poseidon (fr. 19), Apollon, Python (?), Demeter und
Dionysos (fr. 24. 20), neben dem olympischen Zeus weitere olympische
Gottheiten, die allem Anschein nach den Namen der Sterne entsprechen
(qui in stellis vagis nominantur, fr. 17, vgl. aber unten S. 212 ff).
logie, ist also ein großer Dämon, kein Gott im strengen Sinne. Er gehört zu
Die Nachwirkungen der Aufteilung in drei Arten des Zeus sind aufschluBreich. So spricht Proklos, In Crat. 148/150 von der ônpioupyix
den sublunaren Dämonen der II. Göttergruppe und ist wahrscheinlich mit
tpiéc, die er unterteilt in:
dem sublunaren Zeus von fr. 18 identisch. Nun fragt man sich allerdings,
a)
terschieden. Der in fr. 19 genannte titanische Zeus, der Zeus der Mythoob es neben dem Zeus [59] am Himmel und dem sublunaren Zeus als
dritten nicht auch einen olympischen Zeus gegeben haben muß. Denn 1.
über 76 à&rAavéc herrscht;
aitioc (bzw. éÉEGpxuv) Kıvnoewg = Herrscher über den Planetentelglied jeweils syndetische Funktionen zukommen, und 2. gibt es ja unter
bereich;
c) è dè tpitog Tpiadix@®g Zebc TE karaxBóvioc Kai TAottwv Kai
fr. 18 bei Plutarch (Quaest. Plat. IX 1 1007 F) näher an, so zeigt sich, daß
Xenokrates höchstwahrscheinlich auch von einem Zede u&oog gesprochen
hats!, da bei Plutarch von der Trias Nete — Mese — Hypate die Rede ist.
Plutarch übergeht den „mittleren Zeus“ mit Stillschweigen, weil es ihm
einzig und allein um die Bedeutung von &rarog und véatog zu tun ist.
* Aıöng = Herrscher über die Region unter dem Mond.
Ganz ähnlich ist die Behandlung der ènuiovpyixà Tpiác in Theol. Plat. VI
6-10, wo sich die entscheidenden Worte über die Zuweisung der kosmischen Bereiche S. 368,4 ff finden.
Wie die Proklosstellen klar zeigen, steht im Hintergrund dieser Auftei-
Xenokrates hat also aller Wahrscheinlichkeit nach drei Arten der Gottheit
Zeus unterschieden:
lung die berühmte Iliasstelle 15,187 ff, die schon Platon Gorg. 523 A 3-5
herange- [60] zogen hatte und die wohl auch Xenokrates im Auge hatte.
Jedenfalls wird später die Aufteilung in drei Aíec (fast) immer mit einem
Hinweis auf die Iliasstelle erklart (z.B. Hermeias, In Phaedr. S. 136,19 ff).
59 Vgl. Heinze 94 f. Dagegen M. Detienne, REA 60, 1958, 272 f — ohne genügende Berücksichtigung von fr. 19 und fr. 20. Vgl. auch o. S. 209, Anm. 58.
60 Zum erstenmal belegt Epin. 987 C 6.
61 So schon Krische 324; dann Krämer, Ursprung 37, Anm. 58 und 82, Anm.
209; ders., Platonismus und hellen. Philosophie 124; H. Happ, Kosmologie und Metaè &pxtkdc Zevc, der povadiKac Zeug und ramáp genannt wird und
b) 6 devtepoc dè SvadiKwc Kadeiton Zedc EvaAroc kai Tlocsıdwv =
wissen wir von Xenokrates’ Vorliebe für Dreiteilungen, wobei dem Mitden Sternen einen mit Namen Zeus. Sieht man sich nun den Kontext von
|
Damit man aber nicht argumentiere, hier handle es sich um eine typisch neuplatonische Erfindung, sei verwiesen
1.
auf Herakleides Pontikos, fr. 95 Wehrli, der den Kosmos (nach Il.
15,187 ff) wie folgt aufteilt:
physik bei Aristoteles, in: Parusia, Festgabe für J. Hirschberger, Frankfurt/M. 1965,
a)
178, Anm. 101. Skeptisch sind Heinze 76 f, H. Chemiss in seiner Loeb-Ausgabe von
b) Poseidon tiber den Bereich darunter bis zur Sonne einschlieBlich,
Zeus regiert über die Fixsternsphäre,
Piutarch, Quaestiones Platonicae, London 1976, 92, Anm. a und Isnardi Parente 405.
c)
Pluton über den Bezirk vom Mond® abwärts,
Man vergleiche jedoch Plut. Quaest. conviv. IX 14,4 (745 B) - eine Stelle, die letztlich
auf Xenokrates fuBt (vgl. fr. 5) —, wo der Fixsternsphäre, dem Planetenbereich und der
Region unter dem Mond eine 'Yré&t Moûoa, eine Méon Modoa und eine Ne&tn
Moöca zugewiesen werden.
62 Den Mond sah er dabei wohl als die Grenzscheide zwischen dem Bereich der
ewig gleichen Bewegung und der veränderlichen y&veoıg an.
Pagina 12
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)wobei jeder der drei Kroniden, wie Pausanias 2,24,4 zeigt, als
Zeus bezeichnet werden konnte;
2.
des Xenokrates
Zur Theologie
213
rat, das, wie H, J. Krämer‘? gezeigt hat, auf Xenokrates zurückgeht: mpôc
de roútoic EvmdEpıoi tives Duvápercó (Aóyor è’ Eioiv àowuarotés)
auf Athenagoras, Legatio 23, wo unterschieden werden
Kai évaépior Kal Évudpot.
a)
Diese Övv&ueıg sind offenbar Ausstrahlungen der Götter bis in die
untersten Bereiche des Kosmos; sie durchdringen die bAiK& oTto1xeia und
lassen auch diese teilhaben an der Gôttlichkeït des ganzen Alls.
b)
6 péyac ñyeudv Ev ovpavò Zevc = è àidiog voûc Kai Adyw
xarodauBovópevos = y Tpwrn Sivapic = 6 TOITS tov ÉAWV
= dyévntoc Beóc = 6 odpávioc;
6 xanüdev Zebc = è Kpdvov (nach Tim. 41 A 1) = daipwv =
‘Rede; denn aus dem Kontext geht klar hervor, daB seine Vorlage drei
Die Zuweisung der Luft an Hades und des Wassers an Poseidon erinnert zusammen mit der Zuweisung des Himmels an Zeus (Gruppe I)
erneut an die berühmte Aufteilung des Kosmos in Il. 15,187 ff, nach der
Poseidon das Meer (moAinv &Aa), Hades den Cé@oc ñépioc und Zeus den
Arten von Gottheiten kannte: neben dem é&yévntoc Beóc die Planeten und
weiten Himmel erlost hat. Es scheint also, daß Xenokrates die berühmte
die Fixsterne einerseits und die Dämonen andererseits. Daß dabei die
Iliasstelle in mehrfacher Weise in seine Überlegungen miteinbezogen hat.
yevntoc.
Nur scheinbar ist bei Athenagoras lediglich von zwei Arten des Zeus die
Sterne einem einzigen Prinzip zugeordnet werden, zeigt das Zitat aus dem
berühmten 2. ps.platonischen Brief 312 E 1-4, das von drei Prinzipien
spricht, Athenagoras übergeht den mittleren Zeus, weil es ihm um den
Gegensatz Gott — Dämonen zu tun ist und er beweisen will, daß nicht Gott,
sondern die Dämonen die wunderbaren Erscheinungen an den Gótterbildern hervorrufen.
Daß Athenagoras’ Vorlage wirklich drei Gottheiten erwähnt hat, legen die Interpretationen von Ep. II 312 E bei Justin, Apol. I 60 und Kelsos
bei Origenes, C. Cels. VI 18 nahe (vgl. auch Numenios, fr. 1 S. 115,1 f
Leemans = fr. 24,51 f des Places und dazu das Vorwort S. 10).
m
Die dritte Gruppe hat — wie Stobaios/Aetios andeutet — bei Platon
keine genaue Entsprechung; doch ist sie kosmologisch die folgerichtige
Der Zuordnung von Demeter und Erde liegt dagegen offenbar die Etymologie Anuñrnp =I uñtnp zugrunde, die möglicherweise aus orphischer
Umgebung stammt (fr. 302 Kern). Die Etymologie ” Arönc < &{ehdne,
mit der Xenokrates bei der Zuordnung von Luft und Hades arbeitet, war
schon Platon bekannt (Gorg. 493 B 4 f; Krat. 403 A 5 ff; Phaid. 81 C 11).
Wenn nun aber die Beioı Svvéperc von den Göttern stammen, Hades, Poseidon und Demeter also keine Dämonen, sondern Götter sind,
dann ist nach ihrer Zugehörigkeit zu fragen. Nach allem, was wir bisher
über die Theologie des Xenokrates eruiert haben, können sie nur olympische Götter sein. Denn nach der eben angeführten Iliasstelle (15,187 ff) ist
der Olymp — d.h. bei Xenokrates der Planetenbereich — der gemeinsame
Sitz aller Götter. Zudem gehören zumindest Poseidon und Demeter traditionell zu den olympischen Göttern. Da nun aber Hades, Poseidon und
Demeters’ keine der traditionellen Planetengottheiten sind, haben wir im
olympischen Bereich mit mehr als sieben Gottheiten zu rechnen. Es stellt
Fortsetzung der zweiten Gruppe. Denn Xenokrates ließ sich offensichtlich
von dem Gedanken leiten, daß jedem Element eine göttliche Wesenheit entsprechen müsse. Dabei gelangte er zu der oben S. 198 dargestellten Systematik.
Die Wesenheiten dieser dritten Gruppe sind keine Dämonen, auch
keine Götter — diese waren ja in den beiden voraufgehenden Gruppen
genannt — [61] sondern Beioı Övv&neıg nach der Ergänzung von Zeller
und Heinze (6ewv Suvdueic, Krische), die durch das bei Aetios sich anschließende Referat über Platons Lehre (1 7,31) gestützt wird — ein Refe-
63 Ursprung 59 f.
64 Hier scheint der Äther als ein fünftes Element angesehen worden zu sein (vgl.
Xenokrates, fr. 53; Aetios II 7,4), der entsprechend der Lehre der Epin. unterhalb der
Feuerregion gesetzt ist. Anders als bei Xenokrates, fr. 15 wird hier auch für den Äther
eine eigene göttliche öbvayııg angenommen - wie z.B. bei Sallust, u. S. 220 f.
65 Ein stoisierender Zusatz.
66 Vgl. die weiteren Belege im Kommentar von A. S. Pease zu Cicero, N. D. Il 67.
67 Vgl. Hesiod, Theog. 453 ff mit 633 f, homer. Demeterhymnus 84 f. 92. 331 f.
441 ff. 483 ff.
Pagina 13
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)215
sich somit die Frage nach der Zahl der olympischen Götter. Nun heißt es
15 Hades, Poseidon und Demeter, aus fr. 22 Apollon. Dabei mögen — wie
im Phaidros, daß 6 péyac ñyeudv Ev odpavo Zeug bei seiner Auffahrt
zum brepovpàviog tómroc von 11 Göttern begleitet wird (246 E/247 A).
später häufig belegt — Apollon mit Helios und Artemis mit Selene gleichgesetzt worden sein?! , Wir kämen dann zu folgender Liste des Xenokrates:
D.h. Platon geht im Phaidr. von den traditionellen 12 olympischen Göttern
aus und lokalisiert sie tv obpav@88. Das gleiche scheint auch [62] Xeno-
Kronos
krates getan zu haben, wie im folgenden, so hoffe ich, erhärtet werden
Zeus
Ares
kann, nur lokalisiert er die olympischen Götter im Planetenbereich.
Aphrodite
Da die antiken Zwölfgötterlisten nicht immer die gleichen Gottheiten
Hermes
nennen, ist danach zu fragen, welche Gottheiten Platon und Xenokrates zur
Helios = Apollon [63]
Gruppe der 12 olympischen Götter gezählt haben.
Selene = Artemis
Die Listen enthalten in ihrer kanonischen Form folgende Namen:
Hades
Zeus, Hera, Poseidon, Demeter, Apollon, Artemis, Ares, Aphrodite, Her-
Poseidon
mes, Athene, Hephaistos, Hestia. Davon nennt Platon im Phaidr. nur die
Demeter
Namen Zeus, Hestia, Ares, Hera, Apollon (246 E f; 252 C ff), in den
Nom. (745 B ff; 828 B ff, wo ebenfalls von den Zwölfgöttern die Rede ist)
Hestia, Zeus, Athene, Pluton. Die Zuweisung von Pluton (Hades) zur
Gruppe der Zwölfgötter ist ungewöhnlich. Sie kommt sonst nur noch im
Scholion zu Apollonios Rhodios II 532 vor, weshalb Weinreich?° annahm,
sie gehe auf Platons Nom. zuriick. Die Zuweisung steht im iibrigen im
Von den Namen dieser Liste zählt Kronos gewöhnlich nicht zum Kreis der
Zwölfgötter??; er gehört ja eigentlich auch nicht zu den olympischen Göttern, sondern zu den Titanen (= Dämonen, fr. 19). Also muß die erste Planetensphäre bei Xenokrates einem anderen Gott zugewiesen worden sein.
Die Bezeichnung der Planeten mit Götternamen war zu seiner Zeit ja noch
rechtigten Nennung von Zeus — Poseidon — Hades der Olymp als allen
ziemlich neu”, und auch später waren die Benennungen nicht immer einheitlich. Welche Gottheit Xenokrates der ersten Sphäre zugewiesen hat, ist
Göttern (also auch Hades) gemeinsam angesehen wird.
nicht sicher auszumachen (s.u. S. 218 ff).
Einklang mit der bekannten Iliasstelle 15,187 ff, wo nach der gleichbe-
Planetengötter sowie 5 weitere Gottheiten. Die Namen der Planetengötter
Es ist anzunehmen, daß Xenokrates auch die anderen bei Platon vorkommenden olympischen Götter in seine Liste aufgenommen hat, also
der Akademie waren: Kronos, Zeus, Ares, Aphrodite, Hermes, Helios und
Hera, Athene und Hestia, so daß nunmehr folgende 12 olympischen Gott-
Selene (Epin. 987 BC; Tim. 38 D; Arist. Met. A 8). Hinzu kommen aus fr.
heiten für Xenokrates wohl feststehen:
Die Gruppe der olympischen Götter des Xenokrates umfaBte die 7
Zeus — Hera
Poseidon — Demeter
68 Vgl. R. Hackforth, Plato’s Phaedrus, Translated with an Introduction and
Commentary, Cambridge 1952, 72 f; Höfer s.v. Olympioi Theoi, in: Roscher, Ausführmelsbewohnern; denn der Olympos [...] ist der himmlische Sitz und insofern mit dem
71 Vgl. Schwenn, RE s.v. Selene, Bd. II A 1, 1921, 1142; W. Otto, RE s.v. Helios, Bd. VIII 1, 1912, 75 f. Beide Identifizierungen finden sich seit dem 5. Jh. v.Chr.
belegt. Zur Identifizierung von Helios und Apollon vgl. Speusipp, fr. 61 Lang = fr. 85
Himmel gleichbedeutend.” Die Identifizierung von Olymp und Uranos findet sich seit
Taran.
liches Lexikon der griech. und röm. Mythologie III 1, 838: „Die 'OXburio: 8eoi sind
gleichbedeutend mit den oùpàvio1 Beot (Hesych: *OAumoc: oùpévioc), den Himdem 5. Jh. mehrfach belegt: ebd. 852 f; vgl. H. Herter, RE s.v. Olympioi Theoi, Bd.
XVIII 1, 1939, 230. — Zu den Zwölfgöttern vgl. O. Weinreich, Ausgewählte Schriften,
Bd. II, Amsterdam 1973, 555 ff (= Roscher, Ausführl. Lexikon VI 764 ff). 435 ff.
69 Prokl. In Remp. I 108,9 ff zählt auch die 265 B genannte Aphrodite dazu.
70 2.0. S. 653 ff (840 f).
72 Einzige Ausnahme ist die Zwölfgötterliste von Olympia (FGrHist 31 F 34a),
die auch sonst Abweichungen gegenüber der kanonischen Form enthält: Weinreich a.0.
578 (782).
73 Vgl. F. Cumont, AC 4, 1935, 9 ff; W. Gundel/H. Gundel, RE s.v. Planeten,
Bd. XX
2, 1950, 2113 £.
Pagina 14
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)des Xenokrates
217
Hades — Hestia
Himmelskórpern bei Xenokrates ist eine sichere Aussage nicht múglich,
Ares — Aphrodite
doch legt der Wortlaut von fr. 15 und fr. 17 es nahe, daß Xenokrates
Apollon — Artemis
Gestirne und olympische Götter identifiziert hat — ganz ähnlich wie der
Hermes — Athene
Timaios, wo die Gestirne sichtbare Götter (40 D 4; 41 A 3 f) und die
Dies ist die kanonische attische Zwölfgötterliste mit einziger Ausnahme
Seelen der Gestirne (= die Gottheiten: Nom. 899 B 7) mit den Gestirnvon Hades, der Hephaistos verdrängt hat’ .
kórpern verbunden sind (Tim, 38 E 5 f; 40 B 5).
Daß Xenokrates wie Platon im Phaidr. wirklich an zwölf olympische
Kommen wir nun auf das schwierige fr. 20 zu sprechen, in dem es
Gottheiten gedacht hat, soll nun noch von einer anderen Seite her bestätigt
heißt, die ppovpé, in welcher wir Menschen uns nach dem Phaidon (62 B
werden: Im fr. 58 heißt es, daß nach Xenokrates die Zahl Neun dem Mond
3 f) befinden, sei die Tıravırn, die ihre Spitze in Dionysos habe. Die
angemessen und verwandt sei. Das ist auffallig, da dem Mond gewohnlich
Titavixi) ppovpà ist nach dem oben S. 209 ff Gesagten der sublunare Bedie Zahl Sieben oder Acht, der Erde dagegen die Zahl Acht oder Neun
reich der Dämonen, zu welchem auch Dionysos gehört. Was aber bedeutet
zugewiesen wird. Doch stimmt die Angabe des Fragments mit dem überein, was wir bisher herausgefunden haben. Denn wenn der Mond (= Artemis) in der Folge der olympischen Götter der neunte ist?5, dann entsprechen der Luft (Hades), dem [64] Wasser (Poseidon) und der Erde
(Demeter) die Zahlen Zehn bis Zwölf. Mit anderen Worten: die Hierarchie
des Götterkosmos ist ganz analog zur Hierarchie des sichtbaren Kosmos.
Damit bestätigt sich die Angabe des Theophrast im fr. 26, daß Xenokrates
die Aussage, Dionysos sei die Spitze der Tiravixi ppovpá? Nun sagt der
Neuplatoniker Hermeias in seinem Kommentar zum Phaidros, nachdem er
S. 136,25 ff ausführlich über die Zwölfgötter als dem TÉAEIOV LETpOV Kai
TaV TARBOC Bewv (137,4; vgl. 138,13) gehandelt hat?3, Dionysos habe die
dreizehnte t&Etc erhalten wg peta Beode wv (138,23 ff). Es scheint somit,
als stehe Dionysos nach Hermeias und Xenokrates an der Spitze der Titanen, die den sublunaren Raum regieren??.
in gewisser Weise alles um den (sichtbaren) Kosmos herum gruppiert
Nachdem Ps.Olympiodor = Damaskios, In Phaed. S. 84,21 ff Norvin
habe, auch tà Beto”é. Zugleich darf man an das Wort Platons in den Nom.
(I § 2 West.) das 20. Xenokratesfragment gebracht hat, heißt es bezeicherinnern (899 B; Epin. 991 D), daß alles voll von Göttern sei.
nenderweise S. 85,4 ff (I § 3 West.), es gebe zwei Arten von Önnıoupyla,
die eine [65] unteilbar, die andere teilbar; an der Spitze der ersteren stehe
Es ist zu fragen, in welchem Verhältnis die olympischen Götter zu
ihren Sphären stehen. Platon (Nom. 898 E ff) hatte es offen gelassen, ob
Zeus, an der der letzteren Dionysos®; dem Zeus sei die Anzahl der olymdie Götter in den Gestirnkörpern wohnen und sie so bewegen oder ob sie,
pischen Götter untergeordnet, dem Dionysos die Titanen. Das ist letztlich
von ihnen getrennt, die Gestirne von außen bewegen. Wir haben schon
xenokratische Lehre, und es scheint somit, als sei Dionysos nach Xenokragesehen, daß Hades, Poseidon und Demeter in der sublunaren Welt nur
tes als Sohn des Zeus dessen Stellvertreter im Bereich der Dämonen. In
welchem Verhältnis er zum sublunaren Zeus steht, ist leider nicht auszudurch ihre Beion duvéueic anwesend sind und wirken; sie selbst wohnen
im olympischen Bereich, und nur durch ihre Svvdpeic treten sie in Kontakt mit der (unreinen) sublunaren Materie, dem Ort der Vergänglichkeit
und des Bésen??. Uber das Verhältnis der übrigen Gottheiten zu den
78 Die Namen dieser Zwölfgötter (ebd. 139,3 ff) sind die traditionellen der atti-
74 Es fällt auf, daß die ersten drei Götterpaare identisch sind mit den von Hesiod,
Theog. 453 ff aufgezählten Kronoskindern, während die drei letzten Paare Zeuskinder
sind, Hat deswegen Hades den Hephaistos verdrängt, weil er Sohn nur der Hera allein
ist (Hes. Theog. 927 ff) und nicht in das Schema paßt?
schen Liste.
Zur Zwölf als der geeigneten Zahl für die Begleitung eines nyeuwv Prokl. In
Remp. I 153,3 ff (dazu Festugiére in seiner Übersetzung z.St.); In Euclid. 174,8 ff.
75 Zu der Zuordnung von Artemis zur Zahl Neun vgl. Hermeias, In Phaedr, S.
79 Vgl. Boyance, REA 50, 1948, 220 ff; vgl. auch Ps.Olympiodor = Damaskios,
In Phaed. 172,2 Norvin (I $ 378 West.): der sublunare Kosmos ist Alovuaraxòg;
Olympiodor, In Alcib. I 2,56: Dionysos ist Épopoc ... Tfic veveoewc; ebenso Hermeias,
76 Dazu Krämer, Ursprung 33 ff.
In Phaedr. S. 54,33 f.
77 Dort leben ja die bösen Dämonen (fr. 24; fr. 25).
80 Vgl. Hermeias, In Phaedr. S. 155,7; 54,34; Prokl. Tim. IH 310,30 ff.
Pagina 15
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)machen8!. Es wäre zu fragen, ob Xenokrates nicht auch die titanischen
möglich, mit Calcidius 178 S. 207,1 (ff) — einer Stelle, die sicherlich in
218
219
Dämonen - ähnlich wie die olympischen Götter — in 12 TéEeic aufgeteilt
letzter Konsequenz xenokratische Lehre wiedergibt, allerdings vermischt
hat. Denn schon Hesiod kennt eine Gruppe von 12 Titanen (Theog. 133 ff),
mit Lehren der Epinomis — Hestia der Weltseele zuzuordnen®? . Wir haben
wenn auch seine Namen mit denen des Xenokrates nicht übereinstimmen.
ja gesehen, daB in fr. 15 der Name der Weltseelen-Dyas ausgefallen ist.
Und in Platons Phaidr. (246 E 6 f) ist nicht nur das Heer der Götter,
Hestia wäre dann als Weltseelen-Dyas Herrscherin über den olympischen
sondern auch das der Dämonen in 12 uépn geteilt. Eine solche Einteilung
Feuerbereich® , und Xenokrates hatte die Worte Platons im Phaidr, (247 A
auch der Dämonen wäre der systematisierenden Denkweise des Xenokra-
1 f), nach welchen Hestia allein im Hause der Götter bleibt, so gedeutet,
tes angemessen und würde vortrefflich in das von uns rekonstruierte Gedaß nur die Weltseele und Göttermutter im ‘Olymp’ verweilt84, wenn die
dankengebäude passen. Aber leider verlassen uns hier die Zeugnisse sämtübrigen 11 Götter zur Apsis des Himmels auffahren; denn nur der wuxîjg
lich.
xußepviitng voûc (Phaidr. 247 C 7 f), d.h. die der Weltseele zugeordnete
Noüs-Monas, kann das transzendente Seiende schauen.
Athene könnte dann als die Gottheit, die aus dem Kopf.des Zeus ent-
IV
sprungen ist, dem Bereich der Ideen-Zahlen zugeordnet sein — wie später
Die Ergebnisse unserer bisherigen Untersuchungen lassen sich in
folgender Übersicht zusammenstellen:
1.
Ideen-Zahlen (Urrepovpávioc TÓTOC)
bei Varro (Ant. rer. div. fr. XV 4 Ag. = fr. 206 Card. = August. Civ. dei
VII 28)85. Dann aber bliebe für Hera nur noch die Sphäre des Saturn übrig.
Noüs-Monas, Zeus
Göttervater
2. Fixsternsphäre (Äther)
82 Allerdings sagt Calcidius a.O.: Vestam scilicet animam corporis universi
mentemque
eius
animae. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um eine
3.
Satum
:
?
4.
5. Mars
Jupiter
:
: Ares
Zeus
Hera
Athene | Fener
(secunda) mens.
6.
Venus
:
Aphrodite
Hestia
|Zwölf
Süß, RE s.v. Hestia, Bd. VIII 1, 1912, 1257 ff; M. Terentius Varro, Antiquitates rerum
7.
Merkur
Hermes
Hades
\Olympische Weltseelen-Dyas
8.
Sonne
Apollon
Poseidon | Götter
Artemis
Demeter
9. Mond
:
10. Luft
Art Hendiadyoin, denn nach dem voraufgehenden Kapitel (S. 206,3) ist die Weltseele
83 Zur Zuordnung der Hestia zum häuslichen Herd und überhaupt zum Feuer vgl.
Göttermutter
(Hades) |
Dämonen
= Titanen
11. Wasser } Beiaı
(Poseidon)
Kronos, Rhea,
12. Erde
(Demeter)
Zeus, Poseidon,
OUVALEIG
Hades, Demeter,
Apollon, Python
(?) ... Dionysos
Wie wir sehen, sind in unserer Rekonstruktion drei Gottheiten ohne Zuweisung [66] von Bereichen geblieben, Hera, Athene und Hestia. Es wire
divinarum, Teil II: Kommentar von B. Cardauns, Wiesbaden 1976, 236 f. Varro kannte
die Ansicht, daB ignis mundi levior der Vesta zugesprochen wurde (Ant. rer. div. fr.
XVI 64a Ag. = fr. 281 Card. = August. Civ. dei VII 16).
84 Die Identifizierung von Olymp = Planetenbereich mit dem Haus der Gôtter
könnte sich auf Krit. 121 C stützen, wo die tiuwT&Tn ofknaic TOv Be@v in der Mitte
des Alls liegt und auf alles herabsieht, was am Werden teilhat (d.h. den sublunaren Bereich).
85 Vgl. dazu W. Theiler, Die Vorbereitung des Neuplatonismus, Berlin 1930,
18 f; Boyancé, REA 57, 1955, 77 f; Cardauns 221. Die Lehre geht vermutlich über
Antiochos von Askalon, den Lehrer Varros, auf Xenokrates zurück; denn es ist ja
bekannt, wie sehr Antiochos die Alten schätzte. Schon Plat. Krat. 407 B hatte Athene
als voúc TE Kai didvora, Beovóa und tà Deia (!) voodoa gedeutet; vgl. W. Kraus,
RAC, Bd. I s.v. Athena, 1950, 879 f. Nach einem weiteren Varrofragment (Ant. rer.
div. fr. XV 3a Ag. = fr. 205 Card.; vel. fr. XVI 60 f Ag. = fr. 277 f Card.) ist Athene =
summum aetheris cacumen, während Zeus mit dém medius aether identifiziert wird
81 Méglicherweise hat Dillon, Middle Platonists 27; recht, wenn er meint, Xenokrates habe Dionysos mit Hades identifiziert; vgl. W. Fauth, RE s.v. Zagreus, Bd. IX A
(vgl. dazu Boyancé, REA 57, 1955, 71, Anm. 5); bei Servius, Aen. TV 201, finden wir
2, 1967, 2231 ff. Dagegen spricht allerdings die unterschiedliche Abstammung der beidie Nachricht: Minerva, quae supra
aetherem
est, unde de patris capite procreata dicitur; vgl. fr. XV 3b Ag. = fr. 205 Card.; Amobius 3,31: aetherium verticem et
summitatis ipsius esse summam.
Pagina 16
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)221
Auch eine andere Aufteilung wäre denkbar: daß nämlich die
wie es die Stoa zu tun liebte88 — der Luft und dem Feuer, während Deme-
Weltseele als Hebdomas (s.o. S. 203 ff) Athene benannt worden ist; denn
ter — was ganz ungewöhnlich ist — die Sphäre des Saturn erhalten hat. Sto-
Athene ist wie die Weltseele vom Vater Zeus geschaffen ohne jede andere
isch scheint auch die Zuordnung der Athene zum Äther zu sein®.
Mithilfe®. Dann müßte man Hestia, deren Name nach Krat. 401 C auf
odoia weist, der Sphäre der Ideen-Zahlen zuweisen. Porphyrios jedenfalls
hat Hestia als myaia obola idpuuévn év tH Tatpi zur óvrórmc gemacht
(Lydus, Mens. S. 138,20 ff). Für Hera bliebe auch bei dieser Aufteilung
Die übrigen mir bekannten Zuordnungen sind weniger vollständig.
Nach Prokl. Remp. II 46,14 ff besteht der ganze Kosmos aus 12 Sphären,
von welchen jede mit einer der 12 Gottheiten des Phaidros verbunden ist.
Bei Calcidius 178 S. 207,1 ff findet sich folgende Aufteilung der caelestes
die erste Planetensphäre übrig. [67]
et angelicae” potestates des Phaidros: [68]
Die genaue Zuordnung der drei genannten Gottheiten muß also offen
1.
bleiben.
aplanes: 6 péyac nyeudv Ev odpavo Zeug,
2.- 8.
Später finden sich andere Spielarten der Zuordnung der Zwölfgötter
zu den 12 Sphären des Kosmos. Die bekannteste ist die des Neuplatonikers
Sallustios, De dis 6, die wie folgt aussieht:
l.
obpavéc :alle Götter
2.
Saturn
: Demeter
3.
Jupiter
: Zeus
4. Mars
: Ares
5.
Merkur
: Hermes
6.
Venus
: Aphrodite
7.
Sonne
: Apollon
8.
Mond
: Artemis
9.
Feuer
: Hephaistos
10. Luft
: Hera
11. Wasser
: Poseidon
12. Erde
: Hestia
9.
septem planetes,
aetheris sedes (quam incolunt daemones),
10. aerea substantia,
ll. humecta substantia,
12. terra.
)
Die Hestia ordnet Calcidius, wie schon gesagt, der Weltscele zu. Vielleicht
|
Äther: Athene
war die Erde in seiner Vorlage - Nom. 955 E entsprechend - iep& tao
TAvTWv BE@v.
Beim Anonymus Photii schließlich (Phot. Bibl. cod. 249 S. 439 b
17 ff) finden wir folgende zwölf Ordnungen des Kosmos aufgezählt?! :
1. Fixsternsphäre: % &mAavijc, tv fi éonv 8 te mpatoc Bedc kai ... ai
idé012,
2. - 8. die Planeten, benannt mit den traditionellen Planetennamen (Kronos,
Zeus, Ares, Aphrodite, Hermes, Helios, Selene),
9. - 12. die vier Elemente Feuer, Luft, Wasser, Erde.
Die Zwölfgötterliste des Sallust ist identisch mit der kanonischen attischen
Form; von der xenokratischen und platonischen unterscheidet sie sich lediglich dadurch, daß Hephaistos nicht durch Hades verdrängt worden ist.
88 Vgl. z.B. SVFI 169; II 1079.
Sallust behandelt die Zwölfgötter als éykéomotr Beoí. Daher muß er
89 Vgl. Cornutus, De natura deorum 20; Varro bei August. Civ. dei VII 16; IV 10
den Úrepovpávioc témoc unberücksichtigt lassen. Statt dessen führt er
= Ant. rer. div. fr. XVI 60 f Ag. = fr. 277 Card.; Sallustius, Concerning the Gods and
den Äther, das Element der Himmelskörper, als gesonderte Sphäre ein und
muß infolgedessen das Feuer unter dem Mond ansetzen. Der Erde hat er —
wie es gewöhnlich geschah®? — Hestia zugeordnet, Hera und Hephaistos —
86 Schwierig bliebe bei dieser Erklärung das Prädikat ‘Géttermutter’, da Athene
die mapd&vog par excellence ist.
87 Vgl. H. Cherniss, Aristotle’s Criticism of Plato and the Academy I, Baltimore
1944, 564; Baltes, Timaios Lokros 107.
the Universe, ed. ... by A. D. Nock, Cambridge 1926, LX, Anm. 99. Ubrigens weiche
ich mit Weinreich, Ausgew. Schr. Bd. II, 648 (= Roscher VI 836) bewußt von der Planetenordnung ab, wie Nock a.O. sie empfiehlt, da nichts im Text des Sallust für Nocks
Anordnung spricht.
20 Auch Anon. Proleg. 12,10 West. kennt die Erklärung, daß die dainoveg des
Phaidros (246 E 6) &yyeAo1 seien.
91 Vgl. dazu W. Theiler, Philo..., in: Parusia (s.o. Anm. 61) 209 ff, bes. 211.
92 Vgl. zur Lokalisierung der Ideen in/auf der Fixsternsphäre Ps.Justin, Cohort. 6
und oben S. 200 f.
Pagina 17
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)An Xenokrates erinnert hier besonders die Aussage, in/auf der Fixsternsphäre befänden sich der erste Gott und die Ideen, wobei der Gott
offenbar als Monas verstanden wurde (438 b 34; 439 b 19 ff). Eine weitere
Zuordnung von Göttern und Sphären bringt der gekürzte Bericht des Photios leider nicht”.
93 Eine unvollständige Aufzählung findet sich bei Philon, Decal, 54 f und bei
Varro bei August. Enarratio in Psalmos CXIII 4 = fr. XVI 6 Ag. = fr. 225 Card,