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STROCKA NM.
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Höhe 48 cm und ist bis zu 9 cm dick’, Aus der ursprünglich völlig ebenen Oberfläche der jetzt
Orpheus und Pythagoras in Sparta
bräunlichen und körnig versinterten Platte sind die Figuren in der Technik des versenkten Reliefs
herausgearbeitct, indem der Relicfgrund rings um die Figuren bis zu 2,9 cm vertieft wurde, während die
Volker Michael Strocka, Freiburg i.Br.
Oberfläche als FuBleiste, Sitz, Sockel und mehr oder minder schmaler Rand stehengeblicben ist. Aus
dem unebenen Grund treten verschiedene, offensichtlich Felsen bedeutende Buckel bis zur Plattenflache
Durch Archaik und Klassik hindurch hat die griechische Kunst eine erstaunlich einheitliche Bildersprache
entwickelt und ein Formsystem ausgebildet, deren Veränderungen sich geradezu gesetzmäßig zu
vollziehen scheinen. Dem Kundigen ist damit ein Schlüssel an die Hand gegeben, der bei der Deutung
hervor, gehen aber nirgends über diese hinaus.
einziges Jahrzehnt erlaubt. Dies gilt jedenfalls bis zum Beginn des Hellenismus und wird seine Ursache in
von der unsichtbaren linken Hand gehalten, Über dem Jüngling ragen aus den Felsen die Vorderteile
der Ikonographie fast immer zu passen scheint und bei stilistischer Datierung oft eine Einengung auf ein
der Einheit des kulturellen Bewußtseins haben, die bedingt ist durch die rasche Zirkulation von Gütern
und Ideen seit homerischer Zeit, die rivalisierende Kommunikation des Adels, dann der
Bürgergemeinden und schließlich die politische und kulturelle Dominanz Athens. In den Nischen der so
stark urbanisierten griechischen Landschaften und innerhalb isolierter Gruppen der Gesellschaft gibt es
aber künstlerische Phänomene, die sich einer Deutung und Datierung nach den Kriterien der Hochkunst
entziehen. Es handelt sich, worauf ich bereits an anderer Stelle hingewiesen habe', um Erscheinungen
einer "Volkskunst", wie sie auch in anderen Kulturen und Zeiten immer wieder zu beobachten sind’, Von
einer grundsätzlich "primitiven" Formstruktur geprägt, die das deutliche Buchstabieren ihres einfachen
Inhalts den beziehungsreichen Formulierungen der Hochkunst vorzicht, sind die verschiedenen Produkte
der Volkskunst von jener doch nicht ganz unabhängig, sondern übernehmen in je verschiedener Weise
die eine oder andere Formel, wenn auch oft grotesk vereinfacht. Nur dank dieser naiven Übernahmen
lassen sich Werke der Volkskunst wenigstens relativ datieren, wenn keine äußeren, etwa epigraphischen
Anhaltspunkte gegeben sind. Wie schon die Hochkunst nicht einheitliches Niveau hält, sondern sowohl
höchste Qualität und konventionelle Routine, Meisterwerke und provinzielle Nachahmungen umfaßt, so
finden sich auch in der Volkskunst sehr unterschiedliche Erscheinungen. Die anspruchsvollsten Beispiele,
die inhaltlich und formal am stärksten differenziert sind und darum auf sehr selbsibewubte Auftraggeber
und Künstler schließen lassen, kommen in manchen Zügen den Konventionen der Hochkunst recht nahe,
widerlegen aber die geläufige Abwertung als “provinziell” durch ihre sperrige Eigenwilligkeit. Einen
solchen Fall, der sich bisher den üblichen Kriterien sowohl ikonographisch als auch stilistisch entzogen
hat, will ich Erika Simon hier vorlegen, die ihn nach so vielen glänzenden Proben ihres Scharfsinns
Der ersten Figur links, einem bartlosen Jüngling, dient ein solcher Felsen als Sitz, auf den er den
rechten Arm senkrecht stützt. Er ist in cinen bodenlangen Mantel gekleidet, der den Oberkörper, den
rechten Arm und die Fußspitze freiläßt. Auf seinem linken Oberschenkel steht eine Kithara, als würde sie
einer Kuh oder eines Stieres mit frontalem Kopf und eines nach links knieenden Pferdes oder Esels,
während rechts des Sitzenden ein Hirsch in gestreckter Haltung die Felsen nach links erklimmt. Zwischen
dem Gesicht des Jünglings und der Kithara entdeckt man noch einen Schafskopf im Profil. Fast in der
Reliefmitte setzt sich der Felsen durch eine deutliche, im Zickzack aufsteigende Linie vom Grund ab, als
sollte dadurch vor allem die linke Hälfte als Felswand oder eher Höhle bezeichnet werden. Der Jüngling
mit der Kithara blickt unbewegt auf sein Gegenüber, einen bärtigen Mann, der im Profil nach links auf
einem
rechteckigen
Steinblock sitzt.
Bei
gleicher
Sitzhöhe
überragt
er
den
Jüngling fast
um
Haupteslänge. Er trägt ein kurzärmliges Untergewand und einen bis zu den Füßen reichenden Mantel.
Die linke, im Schoß liegende Hand umgreift eine geschlossene Rolle, während der Mann in der
erhobenen Rechten eine geöffnete Rolle vorweist. Sein Kopf überschneidet einen nach links sitzenden
Raubvogel, wohl einen Adler, der sich in flachem Relief vom unebenen Grund abhebt. Im Rücken der
mittleren Figur und damit im letzten Viertel der Platte treten wieder Felsbuckel hervor, die eine Nische
zu bilden scheinen, vor der auf hohem glatten Sockel ein bartloser Jüngling in Vorderansicht steht. Er
trägt einen über beide Schultern und den angewinkelten rechten Arm gezogenen Mantel und hält einen
Rundschild sowie zwei Lanzen vor sich, An seinem rechten Fuß sind entweder die Riemen ciner Sandale
oder die Zehen durch Ritzung angedeutet.
Dieses ratselhafte Relicf widersetzt sich einer raschen Deutung nach bekannten ikonographischen
Typen. Man muß hier versuchen, erst die Figuren einzeln nach ihren Attributen zu benennen und dann
ihre Beziehung zu erklären. Beginnen wir wieder links: Für den halbnackten Jüngling (Taf. 60,2) im
Mantel, mit Kithara und umgeben von wilden und zahmen Tieren, gibt es, wenn auch seltenc Parallelen
endgültig entscheiden mag.
im 5. und 4, Jh.v,Chr., die ihn als den mythischen Sänger Orpheus zu deuten erlauben, der durch Gesang
seltsames Relief (Taf. 60. 61,1) im Museum von Sparta’, Es wurde vor 1873, in einem späten Gemäuer
Simonides-Fragment” überlieferte Szenen wird am schönsten vom gravierten Außenbild eines
etruskischen Spiegels vom Anfang des 4. Jhs. v.Chr. dargestellt*: Orpheus sitzt in dem um den nackten
Es handelt sich um ein längst bekanntes, gelegentlich, aber meist mit Unverständnis behandeltes
verbaut, außerhalb der östlichen Akropolismauer in Sparta gefunden‘. Die bis auf geringfügige
Bestoßungen vollständige Platte aus weißem, grobkörnigen Marmor mißt in der Breite 54 cm, in der
und Saitenspiel selbst die Tiere in seinen Bann schlägt”. Diese literarisch zum ersten Mal von einem
Körper geschlungenen Mantel im Profil nach rechts auf Felsen und stimmt die Kithara. Ihn umgeben ein
gclagertes Rch, cine springende Katze und zwei hockende Vögel. Vorn links steht ein Korb, in dem
freilich nicht zwei Schriftrollen stecken, wie man öfters gemeint hat, sondern zwei Alabastra. Hinter
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der
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klasikes archeologias,
Orpheus schwebt ein Lorbeerkranz, Zeichen seiner Beziehung zu Apollon, Ich möchte schon hier auf den
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erheblichen Stilunterschied zu unserem Relief hinweisen, auf die mühelose Körperdarstellung und
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hie! nur erwähnt:
shat: A. Haberlandt,
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Fülle an Literatur
Moe, 20 fh; A. Hauser, Philosophie der Kunsigeschi
Volkskunde 68, 1972, 1 11; B. Dencke. Europäi
2
29 ff.
Athen 1983, A‘ (1985) 286-292; Festschrift M. Gosebruch (1984)
Voiksh
(1958) 307 IL; L. Kriss-Rc
k, Was ist V
unst! Zischr.f.
Propyläen-Kunstgeschichte, Suppl. 5 (1980) passim.
a, Mus.Inw. 6. O. Hisschfeld, Bdl 1873, 182; H. Dressel - A. Milehhófer, AM 2, 1877, 418 f. Nr. 259: “musisches Relief”; A
P, Wolters, Königliche Museen zu Berlin, Dic Gipsabgüsse
Michèle. AZ 41, 1883, 229: "sog. Orpheusreliel"; C. Friedrichs - und
fast barbarischer Zeit entstanden”; MN. Tod - AJ.B,
antiker Bildwerke (1885) 759 Nr. 1913: Orpheus? “In sehr später
Wace, A Catalogue uf the Sparta Muscum (1906) 128. 135 Nr. 6: *Possibly a votive relicf set up ta Orpheus by some local poet
we Ordinary, local work of about the Ist cent, AD." RE UA 2 (1929) 1527 fi so Sparta (Lippold): hellenistisch S. Ferri,
'arcaistici riuniti in un
hi ed
‘pi
Historia 8, 1934, 453 ff. Abb. 1.2: "Defunto in veste di Orfeo" (454), "El
pera d'arte del I secolo d.C," (463); G. Lippold, Die griechische Plastik, HdArch 111 1 (1950) 340: “Orpheus und Dichter, wohl
Myste (7) und
sitzender
Orpheus,
sepulkral,
wohl
96:
Anm.
76
1958,
73,
Jal
noch aus dem 3. Jh. v.Chr."; K. Schauenburg,
Krieger auf einer Basis. L. Sh. n.Chr.; E.R. Panayagua, Helmantica. Revista de humanidades clásicas. Pontificia Universidad
47:
Salamanca 18. 36, 1967, 173 ff. 190 € Abb, 3 (mur nicht zugänglich); P. Oliva, Sparta and her Social Problems (1971) Abb.
of à local poet
“Votive relief. Fourth century”; G. Steinhauer, Muscum uf Sparta (0J.) 64 Nr, 6 mit Abb.: "Possibly the offering
10 Orpheus ... Hellenistic or curly Roman date"; C. Heymun - A. Provoost. ActArchLovan 8. 1974, 33 Abb. 7: Orpheus
bezauberi Menschen und Tiert, 3, Jh.v Chr.
"AM 2, $877, 418.
Verkürzung in der Spiegelzeichnung, obwohl sie am Rand des griechischen Kulturkreiscs und wohl nicht
einmal durch einen griechischen Handwerker entstanden ist,
3 Genau genommen ist das Relief an der Oberkante 2 mm hreiter, an der linken Seite 2 mm höher. Die untere Leiste ist in des
Mitte 4,9 cm, rechis 4,5 cm hoch. Die Höhe der linken Figur beträgt 30,3 cm, ihre Kopftiinge 5,2 em, die der mittleren Figur
345 cm, die KupMinge 6.2 em, die der rechten Figur 24 cm, die Kopilinge 3,8 rm. Dic Nebenseiten der Platte sind glatt, seitlich
etwas grôber, aber abgeschrigt, vielleicht zum Einfügen in cinen Rahmen oder eine Wand.
O. Kern. AM 63/64, 1938/39, 107 ff: F. Schoeller, Darstellungen des Orpheus in der Antike, Diss. Freiburg (1969) 23 ff; M,
Wegner, Boreas 11, 1988, 177 If.
E. Dichl, Anthologia Iyrıca graeca 11 (1925) 75 Nr. 27, D.L. Page, Poctac Meliei Graeci (1962) 567.
Boston, MFA 13.207. M. Comstock - €. Vermeule, Greck. Etruscan and Roman Bronzes in the Museum of Fine Ans Boston
(1971) 268 Nr. 187 mit Abb. und Lit; Schoeller 2,0. 24 £ Tat. $, 34; G. Pfister-Roesgen, Die
Jhs.v.Chr. (1975) 86 S 61: Wegner 4.0. 182 Abb. 2.
Spiegel des 5.
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beiden Schriftrollen muß als sein Attribut wohl der Adler gelten, der auf seiner rechten Schulter sitzend
unterbrochene Kitharaspiel und die redend erhobene Rolle des Pythagoras. Wenn er größer dargestellt
wird als Orpheus, spricht dies für die größere, unmittelbarere Bedeutung,
die Pythagoras für seine
zu denken ist. Ihn zu den Tieren des Orpheus zu rechnen, scheint mir wegen des großen Abstandes und
Anhänger
Schwieriger ist die Deutung des Mannes (Taf. 60,3) in der Mitte des spartanischen Reliefs. Außer den
der engen Verbindung mit dem Kopf des Bärtigen nicht erlaubt. Der Adler ist gewöhnlich Attribut des
Zeus; doch Zeus kann der Mann in der Tracht eines Bürgers und mit ziemlich kurz geschnittenem,
ungclocktem Haupthaar schwerlich sein. Statt eines Blitzes oder Szepters hält er Buchrollen, mit denen
Zeus nie etwas zu tun hat. Man dachte statt dessen an einen spartanischen Dichter, der dem Orpheus
seine Werke wcih®. Doch wie will man dann das Adlerattribut erklären? Unerhört wäre vor allem, daß
der weihende Mensch beträchtlich größer ist als der das Votiv entgegennehmende Heros. Auf
besaß. Kompositionell geben freilich dem Orpheus die ihn umgebenden Tiere
ein
beträchtliches Gewicht. Auch der Adler auf der Schulter des Pythagoras ist nicht befremdlich.
Nach
Porphyrios und lamblichos soll ihm in Olympia während cines Gesprächs über Vogelzeichen ein Adler
zugeflogen sein, den er liebkost und wieder freigelassen habe. Ferner habe er in Kroton einen weißen
Adler gestreichelt, der ihm stillhiclt. "Solche und ähnliche Geschehnisse zeigen deutlich, daß er die
Gewalt des Orpheus über die Tiere hatte". Mangels einer Beischrift war die Deutung der mittleren
Figur nur durch ihre Attribute und den Kontext zu gewinnen. Da von Pythagoras keine besonderen
griechischen Weihreliefs ist das Verhältnis stets umgekehrt'”. Der bärtige Mann mit den Rollen kann also
physiognomischen Kennzeichen überliefert werden, außer daß er "der Langhaarige von Samos" genannt
nur ein dem Orpheus wenigstens gleichrangiger Heros scin, wegen Tracht und Rollen ein mythischer
wurde", und da die überlieferten Bildnisstatuen alle verloren gegangen sind”, gibt der Kopf unserer
Denker oder Seher, der in besonderer Bezichung zu Orpheus steht. Ich möchte dafür Pythagoras
Relieffigur keinen eindeutigen Hinweis; aber er widerspricht der Benennung auch nicht. Von den
vorschlagen, der mir alle gegebenen Bedingungen zu erfüllen scheint". Zwar ist Pythagoras eine
hypothetischen Be
geschichtliche Persönlichkeit. Er wirkte in der 2. Hälfte des 6. Jhs. v.Chr., verließ seine Heimat Samos
bleiben als inschriftlich gesicherte Darstellungen des Pythagoras außer einem noch unveröffentlichten
wegen der Tyrannis des Polykrates und gründete im unteritalischen Kroton einen aristokratischen Orden,
Mosaik Münzbilder seiner Heimatstadt Samos aus der mittleren Kaiserzeit und ein Kontorniat des
4.
Jhs.n.Chr., die ihn im Typus des sitzenden oder stehenden bärtigen Philosophen zeigen”, Sonst gibt es
dessen Mitglicder aus den kosmologisch-ethischen Grundsätzen ihres Meisters sowohl Politik als auch
spekulative Wissenschaft trieben. Schon seine unmittelbaren Nachfolger, wie etwa Empedokles',
gen
ganz
namenloser Bronze- und Marmorportrats” können wir hier absehen, Es
mystifizierten ihn aber, wozu Pythagoras selbst Vorschub geleistet zu haben scheint. Jedenfalls lautet cin
nur noch ein sicheres Porträt des Pythagoras, das zwar selbstverständlich nur ein Vorstellungsbild
ist,
aber besondere kunsigeschichtliche Bedeutung hat. Es handelt sich um eine in zwei Varianten bekannte
durch Aristoteles" überlieferter Glaubenssatz der Pythagoräer: "Vernunftbegabter Wesen sind dreicrlci:
Tetradrachme der nordgriechischen Stadt Abdera aus den zwanziger Jahren des 5.Jhs. v.Chr.3,
Gott, Mensch und die Art des Pythagoras". Pythagoras hielt sich in der Tat für eine Erscheinungsform
des Gottes Apollon” und entwickelte eine Seelenwanderungslehre. Eine ältere mystische Seelen- und
Auferstehungslehre war seit dem 7. Jh. v.Chr, in Griechenland und Unteritalien unter dem Namen der
Orphik verbreitet”. Sie muß das Denken des Pythagoras stark beeinflußt haben. Schon im $. Jh.v.Chr.
behauptete Ion von Chios’, Pythagoras habe unter dem Namen des Orpheus geschrieben. Die spätere
Überlieferung weiterer angeblicher Beziehungen des Pythagoras zu Orpheus ist bei lamblichos
gesammelt!” Pythagoras habe in Redeweise und Gesinnung dem Orpheus nachgeeifert und die Götter
geehrt wie Orpheus, den iepög Aöyog, seine Schrift über die Götter, habe ihm Orpheus in den Mysterien
gcoffenbart, seine ganze Zahlentheologie habe bei Orpheus ihr Vorbild gefunden. Umgekehrt sollen
Pythagoräer schon der ersten Generation orphische Schriften verfaßt haben”. Mit dem zeitlichen
Abstand vom historischen Pythagoras und der Öffnung der aristokratischen Exklusivität der Pythagoräer
Auf der
Rückseite der Münze befindet sich im quadratischen Innenfeld ein schr realistisch dargestellter Kopf,
das
Porträt eines Bärtigen im Profil nach links. Ringsum läuft in großen Lettern der Name "Pythagores“. Es
ist damit freilich nicht der Philosoph gemeint, sondern der jährliche Münzmeister, wie es
auf
abderitischen Münzen üblich ist. Andererseits kann der Kopf nicht das Bildnis des Münzmeisters
Pythagores sein, weil er, wie die griechische Münzüberlieferung ausnahmslos zeigt, keine Befugnis
dazu
besaß. In Abdera hatte sich aber die Gewohnheit herausgebildet, redende Bilder in das Binnenquadrat
zu
setzen, so bei Münzmeister Python einen DreifuB”, bei Nikostratos einen angreifenden Krieger”,
bei
Molpagores eine Tänzerin, Pythagores wählte sich darum die Wiedergabe einer Statue seines
längstverstorbenen berühmten Namensvetters. Auf das statuarische Vorbild weist einmal der
um den
Hals gelegte Himationrand, zum anderen der ein wenig ältere Stil des Kopfes. Der Typus eines Bärtigen
wurden aus Orpheus und Pythagoras gewissermaßen zwei Religionsstifter im Generationsverhältnis.
mit halblangem, strähnigen Haupthaar, der nach dem Münzbild des späten 5. Jhs. v.Chr. für Pythagoras
gelten konnte, kehrt auf dem spartanischen Relief wieder. Über seinen besonderen Stil wird noch
zu
Diese Auffassung der späteren Pythagoräer scheint mir auf dem spartanischen Relief dargestellt zu sein:
sprechen sein.
In einer wilden Bergwelt (auch Pythagoras soll sich in Höhlen zurückgezogen haben") befinden sich die
beiden im Zwicgespräch, bei der Überlieferung der Lehre des Orpheus an Pythagoras. Dieser geistige
Es bleibt die kleine frontale Figur rechts (Taf. 61,1) zu erklären. Faßt man sie wegen ihres Sockels als
Statue auf, so bedeutet sie einen topographischen Hinweis. Ein Beispiel dafür ist die Statue des Stifters
Vorgang wird ohne weiteres bildhaft durch die feierliche Zuwendung der beiden Männer, durch das
° Tod - Wace 1.0. 135; Lippold (1950) 3.0. 40; Steinhauer 1.0. 64 (s. Anm. 3).
19 14, Rauscher, Anisokephalic. Ursache und Bedeutung der Gròfenvariierung von Figuren in der griechischen Bildkomposition.
Diss. Wien (1971) 14 ff. 109 ff.
4 W. Burkert, Weisheit und Wissenschaft. Studien zu Pythagoras, Philolaos und Platon (1962) passim, bes. 176 ff; RE 24.1
Ss.»
Porph., V.P. 25; lambt., V.P. (XI) 62. (XXVIII) 142. Zitat nach der Übersetzung durch M.y. Albrecht (1963)
67.
fambl., V.P. (11) 11. (VD) 30.
EAA6 (1965) 197 ff. so. Pitagora (G. Becutti); G.M.A. Richter, The Portraits of the Grecks | (1965) 79 f.; G.M.A.
Richter R.R.R. Smith, The Portraits of the Grecks (1984) 193.
(1963) 171-209 sv. Pythagoras (K. von Fritz); G, Nebel, Antaios 7, 1966, 556 (f.
17 Diels - Kranz” (1951) 277. 363 £. (31 B 129); vgl. Burkert 4.0. 1131.
Vel. vorige Anm. Dazu: J.Ch.Balty, BMusBrux 48, 1976 (1978) 5-34,
1 Arist. Fr. 192; K. Kerényi, Pythagoras und Orpheus” (1950) 18: Burkert 3.0. 120.
“ Porph., V.P. 2; Kesényi 3.0. 18; Burkert 1.0. 118 If. Die Schüler des Pythagoras hielien ¿hn für den hyperboriischen Apollon
Mosaik in Seleukia (Pamphylien): 4 Inan in: 2. Kaa sonuglari toplanuss, Ankara 1980 (1981)
13 Taf. 5. - Münzen von Samos:
K. Schefold, Die Bildnisse der antiken Dichter, Redner und Denker (1943) 172 f. 220 Nr. 17. 18 (mit Abb.);
EAA 6 (1965) 198
Abb. 215; Richter 4.0. Abb. 302, 303. - Kuntorniut: Schefold a.0, 172 (. 220 Nr. 19 (mui Abb.); Richter
(Diog. Laert., Pyth. 11).
ANSWI, Die Kontomiat-Medaillons, |. Katalog (1976) 180 Nr, 598 Tal, 166,6: II. Text (1990)
55. 104.
5 0. Kern, Orphicorum fragmenta (1922) passim; RE 185 (1942) 1321 TE. sr. Orphische Dichtung (K, Ziegler); Kerényi a.0.
passim; W.K.C. Guthrie, Orpheus und Greck Religion”
(1956); RE 24,1 (1963) 244 ff, sw. Pythugoras (K. von Fritz); P.
The Cuinuge of Abdera (1966) 157 (um 425 v.Chr.). 167 Ne, 218 Taf. 13 (P 183). 176 (2. Ex.),
W. Setwsbucher, AA 1968, 795;
Boyancé, Le culte des Muses rhez los philosophes grecs” (1972) 93 ff.
lo Diog. Laert., Pyth. 8; Clem.Alex., Strom. I 131: Diels - Kranz” (1951) 1 379 (26 B 2).
© jumbt., V.P. (XXVII) 145 ff. 151. Nach Burkert uO, 113 ist gerade “die Pythagorasi:gende die ‘ilteste faBbare Schicht der
Überlieferung über Pythagoras’ und bereits ima, Jh. v.Chr. bezeugt (ebenda 120).
1 Kerényi 4.0. 41; Boyancé a.0. 98.
Y Diog.Laert., Pyth. 3: Porph.. V.P. 9. 17.
1.0, Ath. 303; A. und E.
Ch. Seltman, Greek Coins? (1955) 142 IT. Tal, 28,11: B, Schweitzer, Gesammelte Schriften 2 (1963) 196 Taf. 45,3; J.M.F. May,
ders. in: Stockholm Studies in Classical Archaeology 5. Opuscula C. Kerényi dedicuta (1968)
60 ff. Abb. 1.2; D. Metzler, Porträt
and Gesellschaft (1971) 270 IT; G.MLA. Richter, The Portraits of the Greeks, suppl. (1972) 5.
Anders: W. Gaurr, Jal 83, 1968,
166 Abb. 30 (Demokrit!); zweifelnd: Balty 2.0. (s. Arm. 23) 32 Anm. 115.
5
Bi
ES
May a0. 200. 226 f. Nr. 345-358 Taf, 18 (P 291-294).
May 4.0. 158. 168 Nr. 219 Tal, 13(P 184).
May 4.0, 197, 219 Nr. 313-315 Tat, 17 (P 266-268),
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als Siegers im Choragon auf dem späthellenistischen Archelaosrelief”. Aber im spartanischen Relief
Nicht leicht zu finden sind stilistische Vergleiche. In Sparta selbsı gibt es eine ganze Anzahl
handelt es sich weder um ein Heiligtum, kenntlich an einer dort aufgestellten Statue, noch überhaupt um
provinzieller, ja sogar primitiver Reliefs des 5. bis 3. Jhs. v.Chr.”. Eines von ihnen, ein erst 1972
cin Standbild. Ein Jüngling in der zivilen Manteltracht, wie sie von Bürgern, Rednern und Philosophen
entdecktes Heroenrelicf* scheint mir besonders gut vergleichbar zu sein (Taf. 61,2). Aus dem Sitzmotiv
getragen wird”, aber bewaffnet wie ein Soldat, ist eine Ungereimtheit, die man nur allegorisch verstehen
kann: Sokrates zitiert im platonischen Phaidon (62 B) einen Aöyog aus den pythagoräischen
"Geheimnissen” (&x6ppnta), den er (61 D) dem Pythagorasschüler Philolaos”, Cicero (Cato maior de
senec. 20, 73) Pythagoras selbst zuschreibt”: Das Leben ist wie ein Wachtdienst, und die Menschen
dürfen den ihnen von Gott zugewiesenen Posten (ppovpá, praesidium, statio) ohne seinen Willen nicht
und der Faltenbildung des Mantels hat man auf seine Entstehung am Ende des 5. oder dem Anfang des
4. Jhs.v.Chr. geschlossen. Dies ist zumindest als terminus post quem richtig gesehen. Die ganz äußerlich
aufgelegten unruhigen Falten setzen den Reichen Stil voraus. Die frontale Haltung des Oberkörpers bei
strengem Profil von Kopf und Unterkörper zeigt dagegen die primitive Formvorstellung des Bildhauers
an. Verkürzungen und räumliche Vorstellungen sowie eine organische Auffassung der Körperhaltung und
verlassen. Dieses wichtige pythagoräische Gebot, in der Diskussion über die Erlaubtheit des Selbstmords
Faltenbewegung sind ihm fremd. Darin ist ihm der Erfinder unseres Reliefs ein wenig voraus, wenn auch
angeführt, scheint mir hier allegorisch dargestellt zu sein, formal attributiv auf Pythagoras bezogen,
die naive, unklassische Grundauffassung übereinstimmt. Obwohl es sich kaum um denselben Bildhauer
inhaltlich wohl auf eine aktuelle theologische Position oder eine politische Auseinandersetzung im
handeln kann, sind das flache Relief, die sorgfältige Ausarbeitung der Einzelheiten wie etwa der Finger
damaligen Sparta, die wir kaum mehr ahnen können.
Das endlich erklärte Relief muß nun auch zeitlich eingeordnet werden. Die Technik des Versenkten
nicht nur die spartanische Entstehung des Orpheusreliefs, sondern auch seine Datierung ins vorgerückte
Reliefs bietet keine chronologische Handhabe, weil sie in verschiedenen Jahrhunderten der antiken
4.Jh.v.Chr. Es gibt noch weitere Hinweise darauf: Ein unvollständiges kleines Grabrelief aus dem
Kunst, wenn auch immer nur ausnahmsweise, auftritt. Da der eigentümliche Stil nicht leicht eine
argivischen Hinterland bei Nemca (Taf. 61,4) hat man wegen seiner typologischen Abhängigkeit von
und die ziseliercnde Ausführung von Augen, Mund und Haaren außerordentlich ähnlich. Dies beweist
Parallele findet, muß zunächst typologisch vorgegangen werden: Die Gestalt des Orpheus setzt eine
attischen Grabreliefs in das 2. Viertel des 4.Jhs.v.Chr. datiert”. Der Vergleich mit einem dieser mehrfach
Gestaltung des Sitzmotivs voraus, wie sie etwa am Parthenon-Ostfries um 440 v.Chr. verwirklicht wurde.
größeren Typen-Vorbilder zeigt einerseits klar die provinzielle Abhängigkeit des argivischen Reliefs,
Mit Apollon wäre die Stellung der gekreuzten Beine zu vergleichen, mit Poscidon die Haltung von
andererscits daß seine flache, lineare Reliefstruktur nicht
Oberkörper und Kopf”. Trotz der sorgfältigen Ausführung ohne jede Bohrung fallen bei diesem
Eigentümlichkeit steht es aber dem spartanischen Relief nahe. Verwandt ist die Sorgfalt der graphischen
eb
selbstverständlich ableitbar ist. In dieser
Vergleich erhebliche Unzulänglichkeiten des spartanischen Reliefs auf. Das Verhältnis von Füßen und
Zeichnung, die Parallelität der flachen Falten, die Vermeidung von Verkürzung und Tiefe. Es ist wie ein
Kopf zum Rumpf und zu den Oberschenkeln ist unproportional, die Verkürzungen des Oberkörpers
unbewußtes Ausweichen vor den Konsequenzen des Zeitstils, der zu voller Plastizität, ja räumlicher
unrichtig. Der linke Arm fehlt einfach, und die flachen, linearen Falten deuten nur schwach den
Komposition der Figuren hinstrebt. Wegen der nur typologischen Abhängigkeit besteht auch für das
verhüllten Körper an. Gleichwohl ist nicht zu leugnen, daß der Steinmetz einen klassischen Typus
argivische Relief ein gewisser Spielraum in der 2. Hälfte des 4Jhs. v.Chr. Freilich gilt auch für das
anstrebte, Auch die Form der zwar vereinfacht, aber in Einzelheiten genau wiedergegebenen Kithara ist
Verhältnis beider Reliefs zueinander, daß ihr Stil nicht gleich ist und, da anscheinend vom Zeitstil der
vorhellenistischTM. Den jüngsten typologischen terminus post quem liefern die Vorbilder der allegorischen
Hochkunst ziemlich unabhängig, auch zueinander in keine genau bestimmbare Beziehung gesetzt werden
Figur rechts. Männer in Himation, welches so über den Chiton gelegt wird, daß der rechte Arm in einer
kann. Nur die typologische Anlehnung und die wenigstens punktuelle stilistische Erinnerung an hoch-
Mantelschlaufe ruht und die unbedeckte Hand vor der Brust liegt, werden erst scit etwa 330 v.Chr.
und spätklassische Formen legen cine Datierung des spartanischen Reliefs ins 4.Jh. v.Chr. nahe. Wie ist
frontal
dargestellt,
so das
Original
des Aischines
oder
Kampfrichter auf etwa
gleichzeitigen
nun diese |
ität gegen
zeitgenössische K
tionen zu erklären, denen jedes provinzielle Relief
panathenäischen Preisamphoren”. Ein weiteres Indiz scheint die Felskulisse zu sein, die wenigstens
doch gerecht werden möchte? Ein nicht mehr typologischer, sondern struktureiler Vergleich soll eine
andeutungsweise den Hintergrund des Reliefs bildet. Beispiele, wo Felsen (in der konkreten Bedeutung
Antwort versuchen: Ich stelle ein Nymphenrelief aus der Grotte bei Vari gegenüber, das um 340/30
einer Höhle) den ganzen Reliefgrund bedecken, gibt es erst seit den attischen Nymphenreliefs der 2.
v.Chr. datiert wird". Das Relief zeigt einen rundbogigen Höhleneingang, dessen Gewölbe aus buckligen
Hälfte des 4. Jhs. v.Chr.*. Nach alldem rückt unser Relief jedenfalls ins späte 4. Jh. v.Chr., wenn nicht
Felsen besteht. Auf ihnen lagert Pan, der seiner weidenden Herde ein Lied vorbläst. In der Höhle halten
tiefer hinab.
sich vier Figuren auf, rechts Hermes, links die drei Nymphen, von denen die vorderste auf einem
Felsblock sitzt. Das Besondere an diesem Relief ist die Vortäuschung eines tiefen Raumes, in dem sich
die vier Figuren befinden, den sie freilich erst durch ihr Verhältnis zueinander, durch Drehung und
8 D. Piakwart, AntPi 4 (1965) 55 ff. Taf. 28-35, bes. 61. 63 f.; dies., Das Relief des Archelaos und die “Musen des Philiskos”
(1965) 83 ff. Zu Statuen als
Depictionsin Greek Relief Sculpture li1985) 71 ft
punkten in griechischen
Reliefs vgl. M. Carroll-Spillecke, Landscape
Staffelung bilden. In diesem auf den Betrachter geöffneten, von ihm konstituierten Raum regen sich die
Figuren organisch proportioniert in situationsbedingtem, willensbestimmten Kontrapost. Die Begegnung
der lebendig bewegten Körper im gemeinsamen Raum schafft eine seelische Intimität, die den besten
M. Bieber, Proceed.Am.Philol,Soc. 103, 1959, 374 ff., bes. 411 ff.
Werken der Spätklassik eigen ist. Von all dem ist im spartanischen Relief kaum ein Schatten zu spüren.
Burke 2.0. (s. Anm. 11) 203 ff. 213.
Tapes
ausführlich H, Emonds PSB:in: Heilige Überlieferung. Festgabe I. Herwegen (1938) 21-50(nuchgedruckt als Anhang zu
A.von Harnack, Militia Christi? (1963) 133-162.
velatque Pythagorasiniussu imperatons id est dei de praesidio ct statione vitac decedere.” Vgi, Seneca, de benel. 5,2,4. Zum
Die Felsen haben keine räumliche, eher eine gliedernde, Nächenfüllende Funktion, cbenso die Tiere,
deren steife Umrisse sich abheben von den beweglichen, teilweise verkürzten der Pansherde dort. Die
F. Brommer, Der Parthenonfrics (1977) 117 ff. (O VI 38.39). Taf. 178,
UmriB und Grundform der Kithara des 5. Jhs. verbinden sich hier mit der Längung des Instruments im 4. Jh. M. Wegner, Das
Musikleben der Griechen (1949) 32 ff; D. Paquette, L'instrument de musique dans la céramique de ta Grèce antique (1984) 90
” 5.0. Anm. L.
ff. Abb. C1-C50.
® G, Steinhauer. ADelt 28, 1973 (1977) B 166 ff. Taf. 145; BCH 102, 1978, 675 Abb. 75 (G. Touchais); ArchRep 1978/79, 18 F.
Sk Polaschek, Untersuchungen zu griechischen M.
Istatuen. Der Himationtypus
mit Armschlinge (1969) 17.- Aischines:
Schefold 3.0. (sAnm. 4) 102 £ mit Abb.; L. Alscher, Griechische Plastik [11 (1956) 78 ff. Abb. 25 und Taf. Il, H. -
Kampfrichter: J. Frel,
P.
»
hena
Prei
phoren (Kerameixos-Heft2, 1973) 24 ff. Abb. 24,
R. Feubel, Die attischen Nymphenrelicís und ihre Vorbilder (1935) 12 ff; U. Hausmann, Griechische Wcihreliefs (1960) 61;
Carroll-Spillecke 4.0. 57 f. « Als Vorläufer könnte man das große (wohl attische) Votivrelicf in Rom, Museo Torlania Nr, 433
ansehen, wo freilich die Felskulisse nur die untere Hälfte des Reliefs einnimmt: L. Beschi, ASAtcnc 45-46 N.S. 29-30, 1967-68
(1969) 515 Abb. 2; B. Sismondo Ridgwiy, Fifth Century Styles in Greek Sculpture (1981) 136 €. Abb. 100.
(HW, Catling). Das Relief ist 70 cm hoch, 47,5 cm breit, 8 cm dick (Autopsic). Der Sitzende ist bis in die Detailarbeit gut
xe
peichbar; weit er mit 33 cm Höhe nur wenig größer ist als die beiden Sitzfiguren unseres Reliefs (vgl. Anm. 5).
ve Marcadé, BCH 86. 1962, 612 ff. Abb. L.
Athen NM 2011. H. Speier, RM 47, 1932, 26 Taf. 22.3; Feubel 3.0. IV.6 Nr. ES W. Fuchs, AM 77, 1962, 247
f. Beil. 67; CarrollSpillecke 4.0. 57 €, Trotz des grundsätzlichen Unterschicdsin der
Stilk
des ?
icts
verrät sich in einem naiv
gegebenen Detail wie den flach gravierten Tieren des Pan im Vergleich mit dem steigenden Hirschen des Orpheusreliels cine
verwandte Auffassung und damit ähnliche Zeustetlung.
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Volker Michael Strocka
Figuren hier wirken isoliert, nicht nur durch die sic trennenden, gleichwertig behandelten Gegenstände,
sondern auch, weil ihre geistige Kommunikation kaum andeutungsweise organisch motiviert wird. Die
Proportionen der Figuren sind unregelmäßig, die räumliche Darstellung der Körper wird durch
Anpassung an die Fläche vermieden, weshalb die Oberschenkel des Orpheus übereinander, die
Unterschenkel des Pythagoras nebeneinander gestellt werden, während dessen Schulterpartie trotz
und 4. Jhs. nicht gelangt waren””. Der naive Stil der bescheidenen Relicfbilder scheint dieser
Geisteshaltung voll zu entsprechen. Ähnlich muß der Fall in Sparta liegen. Allerdings können wir weder
den pythagoräischen Auftraggeber noch den Anlaß der Aufstellung des am ehesten als Votiv zu
bezeichnenden Reliefs mit Orpheus und Pythagoras nennen“. Aber aus Analyse und Vergleichen ergibt
sich klar, daß es eine intellektuelle, moralische Haltung vertritt, die sich freilich puritanisch abschließt
Profilstellung des Kopfes kaum verkürzt erscheint. Die Gewandbildung folgt zwar formelhaft den
gegen die stets veränderlichen Einflüsse der künstlerischen und geistigen Zentren. Unser Relief
verdeckten Gliedern, neigt aber zu gleichmäßiger Flächigkeit, indem sie Verkürzungen vermeidet und die
Falten möglichst parallelisiert. Die allegorische Figur ist so wenig körperlich verstanden, daß sie nicht zu
repräsentiert also gewiß nicht die dünne plutokratische Oberschicht Spartas, auch nicht den Kreis der
immer stärker verarmten übrigen Vollbürger, von denen die spartanischen Sozialrevolutionen des 3. Jhs.
stehen, sondern zu schweben scheint, Ihre Mantelfalten sind entgegen dem Motiv und allen Beispielen
v.Chr. getragen wurden“, sondern einen der isolierten Intellektuellen, die an ihrer elitären Überlieferung
nicht zur linken Schulter hinaufgezogen, sondern hängen von der rechten Seite herab. Es wäre ungerecht,
unbeirrt festhielten. Solche Spätpythagoräer waren im Griechenland des ausgehenden 4. Jhs.v.Chr.
unserem Relief diese seine Unterschiede nur als Mängel anzulasten. Die Arbeit ist ja außerordentlich
sorgfältig, die Verteilung der Figuren übersichtlich und abgewogen, das Thema schließlich scheint eine
vereinzelt noch zu finden”,
individuelle
E
Erfindung zu sein und ist
mit großem
Ernst vorgetragen. Aber,
und das ist das
Entscheidende, der Steinmetz dieses Reliefs interessiert sich ganz und gar nicht für die formalen,
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intellektuellen Darstellungsprobleme seines Berufsgenossen in Athen. Wo er moderne Errungenschaften
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Simon
übernimmt, hat er ihre Tragweite überhaupt nicht verstanden, ja bildet sie in seinem einfachen, naiven
Sinne um.
Unter diesem Gesichtspunkt sind erstaunlich verwandt sowohl in Konzeption als auch in der
Einzelform die Felsreliefs außerhalb der Stadt Thera, die ein gewisser Artemidoros von Perge anbringen
ließ, nachdem er das dortige Bürgerrecht erhalten hatte und zwar, wie aus seinen zahlreichen Weihungen
hervorgeht, nach dem Jahre 246 v.Chr."', Zum Vergleich bietet sich das medaillonartige Relicf mit dem
Kopf des Artemidoros (Taf. 61,3), das, abgeschen von den Buchstabenformen, durch nichts seine
Entstehung in der 2. Hälfte des 3. Jhs.v.Chr. verrät. Verwandt sind die flache Antage des Reliefs und
seiner Binnenformen, die graphische Zeichnung des Profils besonders an Nase und Mund, nicht zuletzt
die unverkürzte Mandelform des Auges, die kantige Bildung des Brauenbogens, das kleine, wie
verstümmelte Ohr. Natürlich ist ein Unterschied an Feinheit nicht zu bestreiten. Er wird vor allem mit
der sehr verschiedenen Größe und dem schwierigeren Material zu erklären sein.
Die Reliefs von Sparta und Thera sind also, wie schon angedeutet, nicht cinfach als "provinziell”
einzuordnen. Ich würde den großen Kreis wirklich provinzieller Werke danach definieren, daß sie die
hauptstädtischen Muster und Stilformen möglichst getreu zu wiederholen versuchen, freilich fast immer
in zweitrangiger Arbeit und nicht selten
in unfreiwilliger Banalisierung. Aber stets werden der
Formenkanon und die Kompositionsstrukturen der Hochkunst zum Vorbild genommen. Wie kommt es
dann zu den offensichtlich seltenen, künstlerisch so verschiedenen Ausnahmen? Dic Frage führt
zwangsläufig zu den lokalen und sozialen Vorausetzungen der anderen Stilhaltung. Sparta und Thera,
ehemals bedeutende Zentren, sind im späten 4. und 3. Jh.v.Chr. bedeutungslos geworden, politisch und
kulturell isoliert: Thera als ptolemäischer AuBenposten in einem eher von Sceräubern kontrollierten
Gebiet, Sparta als abgelegene Hauptstadt eines zwischen den großen Reichen und Bünden stehenden
Kleinstaates. Den geistigen Horizont des Auftraggebers des Iheräischen Reliefs, des Artemidoros von
Perge, kennen wir dank seiner zahlreichen, eitlen Weihinschriften. Aus Kleinasien stammend, diente er
als Soldat und Offizier den Ptolemäern in Ägypten, um sich später auf Thera niederzulassen, wo er ein
sehr hohes Alter erreichte, Im Laufe der Zeit richtete er außerhalb der Stadt Thera ein Temenos ein, das
er sowohl mit Relietbildern zu Ehren offizieller Götter wie Zeus, Apollon und Poseidon ausstattete, als
auch mit Altären für kleinere, aber umso hilfreichere Götter wie die Dioskuren, Hekate, Priapos und
Tyche. Schon U. von Wilamowitz-Moellendorff, der die unbewußten theologischen Widersprüche dieser
der Gesellschalt auf einer abgelegenen dorischen Insel ..., zu der die großen geistigen Strömungen des 5.
2 U. von Wilamowirz-Mocllendorff, De: Glaube der Hellenen 11 (1932) 387 ff. 390 (Zitat),
% Das Relief mag aus einem Heiligium des Orpheus oder der chthonischen Göttinnen in Sparta selbst stammen, dean Orpheus
galt in Spurta und Lakonien als Parhedros der Demeter oder als Stifter ihrer Heiligtümer, vgl. S. Wide, Lakonische Kulte
FE Hiller von Gacriringen. Thera 11] (1904) 89 ff. Abb. 75-81 Taf. 5: IG XII 3, 1330-1350: FT, van Straten, BABrsch 51, 1976
# pi Oliva, Sparta and her Social Problems (1971) 163 ff. 203 ff.
Weihungen aufdeckte, bezeichnete sie als "Zeugnisse für die Stimmungen der halbgebildeten Oberschicht
(1893) 140. 174 £. 244 f.; Roscher, MI. III 1 {1897 ff.) 1099 £. s.v. Orpheus (O. Gruppe); RE 18,1 (1939) 1241 È. s.v. Orpheus (K.
Ziegler, freilich skeptisch in bezug auf das Alter der Überlieferung). Angesichts der engen Bezichungen der Orphik und des
vy
(1977) 10. 18 Abb. 23-26.
hagoreismus
vu chihonischen
Kulten ist zumindest cin Heiligtum unterirdischer Götter zu postulicren,
(K v. Fritz).
* Burkert a.0. 191 16; RE 24,1 (1963) 218. 266 €. sv. Pythugorece