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nes TLE NE
VAA
©
wa
ein, der unter der Herrschaft
Der griechische Westen: Von Pythagoras bis auf
Empedokles
und Epicharmos
Gauz neue Wege schlug Pythagoras
des Polykrates (um 532) von Samos nach Kroto
n in Unteritalien auswandemokratische Erhebung diese aristoderte, von wo aus sich seino Lebensanschauun
g, deren Trägerinnen gosehlosseno Gemeinden wurden, in den Städten GroßGriechenlands auf die Dauer
eines Jahrhunderts verbreitete, bis eine
kratischen Genossenschaften (suvédeuc) mil graus
amer Gewalt hinwegfegte.
In Pythagoras, von dessen imposanter Persönlich
keit uns die von Legenden
durchwobene Überlieferung nur einen großen
Schatten zeigt, schlossen sich
erstmals Intellektualismus und Mystik zu einem
vigenartigen Bunde zusummen. Er übernahm von den Orphikern, nicht, wie
Herodot meint, aus Ägypten,
die Seelenwanderungslehre, muß aber dabei ein
umfassendes Wissen besessen haben, die Frucht eines starken Forscherdr
angs, um dessen willen er
dem Verwerfungsurteil Heraklits verfällt’.
lin Unterschied von den andern
meist einsamen oder nur von wenigen Schül
ern umgebenen ionischen Denkern macht Pythagoras, wie die Orphiker,
für seine Lehre Propaganda, so
daß ihm Timon von Phleius Seelenfang durch
Okkultismus zum Vorwurf
machen kann? Denn Pythagoras ging darau
f aus, die Menschen von der
breiten Straße, auf der die Menge wandelt,
zu den schmalen und steilen
Pfad seiner Lebensart zu rufen®. Das Chara
kteristische dieser pythagoreauf einem naheliegenden Milverständnis
+ Nenoph. Fr. 7. Heraklit. Pr. 40, 81. 199.
Jon
von
Chios
Fr,
2
4
Eimpen
.
Mr,
129.
Wenn Herodot IL 123 (vgl. 11 81. LV
95) den Pythagoras die Seelenwanderung
slehre
aus Ägypten entlehnen läßt, so beruht dies
Seele im Jenseits zuvor die
der in den Ösirisinysterien von Abydos
geuffenbarten Unsterblichkeitslehre, nach
der
der Toto ein „neuer Osiris" nur werde
n kann, weon seine
Wormen der heiligen Tiere dureh
wande
rt hut. Val. R, Mondolfo in der
italienischen Ausgabe von if. Zellers Phil.
d. Cr. (1982) 1 92T.
# Timon Pr. 57 (Diele).
wuzu vel Porphyr. V.
HU). — ours lat, Phaid. 66 1.
kanped. Ir.
4 Jumbl. V. P. 83: où der tüg lemyé
gouc Hadidter bos,
P. 42 (Diels, Vorss | 161, 23, 465,
24, 2. 112, 9. Pari, 2,6. Pind Pui.
IX 5
(Schrö
der),
pythag
ureisc
h beeinflußt nach
F. Boll, bie Erforschung der
antiken Astrologie NJ. 1908 S,
Pagina 2
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Pythagoreer
ischen Lebensführung bestand nun eben in der innigen Verschmelzung der
Lange der Suiten bedingt ist, daß also die musikalischen Intervalle von
bestimmten mathematischen Proportionen ubhängen?. Die Mathematik wurde
daher für die Pythagoreer die ,, Wissenschaft” schlechthin. An der Talsache
ihrer mathematischen Studien ändert es nichts, daß der sog. pythagoreische
Lehrsatz, wie neuerdings nachgewiesen wurde, auch in Indien und Babylonien bekannt war, die Möglichkeit einer Entlehnung also nicht ausgeschlossen ist. Als die vollkommensten mathematischen Formen galten ihnen unter
den Flächen der Kreis und unter den Körpern die Kugel. Sie gelangten daher
zuerst zur Annahme der Kugelgestalt der Weltkörper, auch der Erde, sowie
en
der kreisförmigen Bewegung der Gestirne und schufen so die Grundlag
der Astronumie, die ihre jüngeren Generationen (Philolaos, Archytas) weiter
106
_
Seeleninystik mit wissenschuftlichem Forschen und Denken. Hatten die Orphiker die Reinigung und schließliche Befreiung der Seele von der sie befleckenden Körperlichkeit durch äußerliche Askese, wie die Enthaltung von Fleischnahrung, zu erreichen gesucht, so fand Pythagoras die höchste Form der
„Katlıarsis“ in der inneren Loslösung der Seele von der Sinnlichkeit durch
angespannte und anhaltende geistige Tätigkeit‘. Der Pythagoreismus ist vergeisligte Orphik. Er ist eine Aristokratie des Geistes und Charakters und
hat sich als solche auch politisch betätigt, indem er in einer Reihe von Städten
die Regierung in seine Hände zu bringen wubte.
Aus dem Grunddugma der Seelenwanderungslehre ergeben sich folgerichtig die ethischen und sozialpolitischen Anschauungen
der Pythagoreer. Das Bewußtsein der Wesensverwandischaft von Menschen,
Tieren und Pflanzen rief das Mitleid mit der Tierwelt, ihren Schutz vor Mibhandlung und Tötung hervor. Auch in der Menschenwelt mußten entsprechende Grundsätze gelten, und so sehen wir denn nicht nur die Freundschaft
unter den Bundesmitgliedern eine beherrschende Rolle spielen, und zwar bis
zum Einsatz von Gut und Leben, sondern hier wird auch zum erstenmal in
der hellenischen Welt die Gleichberechtigung der Frau durchgeführt und
eine humane Behandlung der Sklaven gefordert und betätigt®. Trotzdem verfiel der Pythagoreismus keiner gedankenlosen Gleichmacherei. Denn trotz
der Anerkennung der Wesensverwandtschaft alles Lebendigen gab die Seelenwanderungslehre, nach der die jeweilige Einkörperung von der Seele selbst
verschuldet oder verdient war, die Möglichkeit verschiedener Wertungen sowohl in der Pilanzen- und Tier- als auch in der Menschenwelt, in der die
geistigen und politischen Führer als uuf der höchsten Daseinsstufe angelangt
gulten®. Hiemit steht also der auch in seiner Politik sich aussprechende aristokratische Geist des Bundes im schönsten Einklang.
Ist 80 die Seelenwanderungslehre die eine Wurzel der pythagoreischen
Ethik, so ist die andere die Wissenschaft. Pythagoras glaubte das Wesen der Dinge in der
Zuhl zu finden, d. h. er kam zu der Erkenntnis, daß
die Weltordnung auf mathematischen Verhältnissen und Gesetzen beruhe.
Zu dieser Einsicht hatte ihn die Entdeckung geführt, daß bei gleich dicken
Saiten die Höhe des durch ihre Schwingungen erzeugten Tones durch die
* Diels, Vors.5 I 468, 20f. Plat. Phaid. 69BC. 113D, wozu WB—D. Der Phaidon war der Pythagoreergemeinde in Phleius gewidmet. J. Burnet, Marly Greek
phil. (1908) p. 89,2 (Deutsche Ausg. 70, 4).
® Diog. L. VIIL 4. 28. Xenoph. Fr. 7. Freundschaft; xowd té av YlAwv Diog.
L. VIII 10. Damon und Phintias: Diod. X 4, 3. Jambl. V. P. 234ff. (Vors® I 444.
4711.) Nedayvoides yovalxeg a. a. O. 967 (Vorst I 448). Sklaven: Ath. XII 519 15.
Archytas AB.
8 Vgl. Emped. Fr. 127. 146.
107
Kosmos, eine
ausbildeten®. Das alles führte sie darauf, in der Welt einen
auf Zahl und Muß begründete gesetzmäßige Ordnung zu erkennen.
Durch die Erhebung der Zahl, des Abstraklesten, was sich denken
läßt,
doch
zum Prinzip der Welt war eine Idee gefunden, die, selbst unkörperlich,
das Sein der Körperwelt bestimmte und mit ihr unlöslich verbunden war".
diesem
Durch sie wurde die Vielheit der Dinge zum geordneten Kosmos, und
entft,
Gesellscha
der
und
mußte auch das Menschenleben, das des einzelnen
war
Dies
sprechen, indem es wie jener zu einer Harmonie gestaltet wurde.
in der
das Grundgesetz der pythagoreischen Ethik und Politik, die
,
Gleichheit
che
mechanis
eine
nicht
aber
Gerechtigkeit gipfelte, worunter
r
politische
Zuteilung
e
abgestuft
sondern eine nach der Leistungsfühigkeit
als
gibt
Übel
Rechte zu verstehen ist’. Wie es im Staatsleben kein größeres
der Leidie Anarchie, so darf auch im Innern des Menschen keine Anarchie
Leben
denschaften stattfinden, sondern diese müssen beherrscht und das
Abkehr
bowußte
eine
hängl
Hiemit
nach Maß und Regel geordnet werden.
von der weichlichen „ionischen Lebeusweise“ und eine Hinwendung zu dem
von der älteren, härteren Sitte beherrschten Dorertum zusammen”. Zugleich
Legenden,
7 Philol. Pr. 4. 5. 6. Aristot. Metaph. I 5. 96u 29ff. Pythag. 7. Die
auf
Gerasa
von
us
Nikomach
über
gehen
die sich an diese Entdeckung knüpften,
2).
MM,
S.
Ausg.
e
(Deutsch
2
118,
5.
phil
Greek
Early
Burnet,
J.
Aristoxeuos zurück.
ff.
Oppermann, Kine Pythagoraslegende. Bonner Juhrb. 130 (1925) S. 284
IH.
s. Kl.
5 O. Neugebauer, Zur Gesch. d. pyth. Lelirsatzes. GN. Math-phy
1928 5. 4.
® Diog. L. VILL 35. 25; vgl. Plat. Phaid. 10812 HIV B.
10 Weiteres Z. 452, 1: 494 F.
11 Plat. Gorg. 508 A. Diog. L. VIII 9. 33.
(vel. oben
12 Jambi. V. P. 175. Stob. toe, 43, 49. Diog. L. VILL 20. Fer. IV 95
timumung
Obereins
die
leitet
ff.
201
5.
(1933)
Spartime
mirage
Lo
Ollior,
©.
746).
S.
men
gemeinsa
der
aus
enge
Sitleustr
zwischen pythagoreischer und spartanischer
Vgl.
ab.
sheit
Lebenswei
er
verbreitet
aus
Delphi
von
s
besonder
Quelle altgriechischer,
Diog. L. VIEL & 21.
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spielen von der Seelenwanderungslehre her eine asketische Tendenz und die
Rücksicht auf das nach dem Tode zu erwartende Gericht im Jenseits und
seine Folgen herein. Das Y versinnbildlichte dem Pythagoreer ursprünglich den Scheideweg der im Hudes zur Verdammnis oder zur Seligkeit führte,
später wohl auch die Entscheidung zwischen dem Weg des Lusters und der
Tugend im irdischen Leben
’®. Mit der Aufnahme in den Bund und der Lebensführung darin wurde es sehr streng genommen: jene erfulgte erst nach einer
Prüfung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten, diese muBle durch dus
Bestehen einer Bewährungsfrist init Schweigegebot und täglicher Selbatprüfung verbürgt werden™, Eine hohe Bewertung ruhiger Samınlung und Kontemplation ist unverkennbar’, aber nicht als Selbstzweck, sondern nur als
Vorbereitung auf ein in sich selbst sicheres tätiges Leben.
Ehrfurcht gegenüber der Religion war den Pythagoreern oherstes
Gebot”. Daß diese sich zwar mit der Volksreligion berührte, aber durchaus nicht deckte, läßt sich deutlich erkennen. Ein besonders nahes Verhältni
s
scheint schon Pythagoras selbst zu Apollon gehabt zu haben, was einerseits
mit seinem Glauben an die Mantik, andererseits mit der Möglichkeit, diesen
Gott oline Darbringung blutiger Opfer zu verehren, zusammenhängen mochte.
Es ist ausdrücklich überliefert, daß er in Delos nur am Altar des Apollon
Genetor Weizen, Gerste und Kuchen, aber kein Tieropfer dargebracht
habe'?. Und wie er sich im Kultus Freiheiten erlaubte, so nahm er offenbar
auch dem Mythos gegenüber eine ublehnende Stellung ein. Dies wird man
uus der Erzählung einer legendären Höllonfuhrt des Pythagoras schließen
dürfen, dieser habe, im Hades angelangt, die Seele Hesiods an eine eherne
Süule gebunden und zwitschernd, diejenige Homers aber an einem Baum uufgehängt und von Schlangen umgeben angetroffen „zur Strafe für das, was
sie über die Götter gesagt hutten“, Schwieriger als von der kritischen Stellung des Pythagoreismus zur Religion ist es, sich eine Vorstellung von
|
8 Plat. Gorg. 524 A. Staat X GHC, Orph Fr. 20 (Diels; 824 Kern),
wozu
ER oh de, Psyche? [1 220, 4 A.
Brinkmann, Ein Denkmal des Neupythagoreisuns. ila. Mus. 66 (1911) S.619; Pers. 3, 56. Serv. zu Virg. Aen.
VI 136. Ceb
ab.
4, 3.
Gell, 19, LIF Jambl, V. P. ZI. 94 1648. Diog. L. VII
37. 22. 15.
10 Diog. L. VILE? (vgl. IX 21). Jambt. V. P. 197.
6 Diog. L. VIII 23. 32, Jambl. V. P. 137, Stob. IV 25, 45.
7° Diog. L. VIELE 24 (vgl. 21. 8); 18. Aristot. Pr. 489 (Rose).
|
2% Diog. L. VIII 21 nach dem Peripatetiker Hieronymos
von Rhodos, der es aus
einer xauddaos els “edov entnommen hat, Eine solche verfaßte
schon Kerkops einer
der ältesten Pythagoreer (Diels, Vors® L 105£.). I Ro hd
e, Psyche? 11 419 A Die
terieh, Nekyia (1893) 8.129. O.
Gruppe, Griech. Myth. u. Rel.gesch. UJ Mül.
lers HB. d. KL A. W. V2) 8.1032, 1. W. Rathma
nn
(1933) 8.38, 25. Vgl. auch Pind. OL à, 35.
Quaesi. Pyth
Or !
yee
Ee
“
109
deren positivem Inhalt zu machen. Am glaublichsten scheint es, dai die Pythagoreer in den Gestirnen göttliche Wesen erblickten, eine Auschauung, die ja
auch an Volksvorstellungen anknüpfen konnte, wenn sie auch anders begründet wurde, und die noch in Platons Lehre von den „sichtbaren Göttern“
nuchwirkt!*, Ob auch die monotheislische oder doch henotheistische Wendung zu „Gott, dem Herrn aller Dinge“ und die Lehre von der Verwandtschalt des Menschen mit der Gottheit schon in die alte Zeit zurückgehen, läßt
sich nicht sicher sagen”, Sicher all dürfte aber dus Schwurverbol sein, das
schon von der Komödie parodiert wird”. Alles das weist auf Versuche zur
Veredlung der Volksreligion im Kreise des Pythagoras hin; doch lagen
auch Konflikte mit dieser, namentlich infolge der astronomischen Lehren, im
Bereich der Möglichkeit. Darauf deutet die Vorsicht, mit der noch Platon und
seine Schüler Anstöße zu vermeiden suchen”,
Neben der Mathematik, Musik und Astronomie fand auch die Medizin schon frühe Pflege in der pythagoreischen Schule**, Herodot erzählt uns
die höchst interessante Geschichte des Arztes Demokedes von Kruton,
dessen Vater Asklepiospriester in Knidos gewesen war. Sein großer ärztlicher Ruf führte ihn nach Agina und Athen, an den Hof des Polykrates in
Samos und zuletzt an den des Dareios nach Susa, wo er durch Heilung des
Königs von einer Fußverstauchung und später der Königin Atossa von einem
Brustgeschwür die ägyptischen Ärzte in Schatten stellte und man ihn mit
Gewalt festzuhalten suchte, so daß er zulotzt entllichen mußte, um wieder in
seine Heimat zu gelangen. Ober Umfang und Art seiner muturwissenschaftlichen und medizinischen Kenntnisse wissen wir nichts, als daß er eine
Beziehung zwischen den geistigen und körperlichen Fähigkeiten erkannte,
die im Menschen zusammen zu- und abnehmen”.
Genauer unterrichtet sind wir über Alkmaion von Kroton, der den
Namen des ersten griechischen Physiologen verdient. Am wichtigsten ist
seine Entdeckung des Gehirns als des Zentralorgans des Scelenlebens. Damit schwindet ein Stück der „Mythologie des inneren Menschen“. Deun sobald einmal erkannt war, daß Empfindung und Denktätigkeit, die Alkmaion
ebenfalls erstmals unterschied, an ein körperliches Organ gebunden seien,
w Diog. L. VIII 27; vgl. Plat. Tim. 40D.
20 Jambl. V. P. 137. Diog. L. VIII 27. 32; vel. auch Plat. Ges. VII 821A. Die
Begründung der ouyyévera bei Diogenes könnte auf den von Heraklit beeinflußten Hippasos (A 7—9) zurückgehen.
21 Diog. L. VILL 22. Aristoph, Wolk. 245 f., wozu W. Schmid, GLG. 118.735, 2.
#2 Plat. Ges. VII 821CD. Epinom. 988 A.
23 Jambl. V. P. 163,
24 Herod. IT] 125. 129—134. Er brachte die persische Sonntagsfeier nach Kroton
“(Vors.® I 112. 2a), wozu W. Kranz, Kosmos und Mensch etc. GN. N. F. IT 7 (1938)
S. 149f, 158.
Pagina 4
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)war eine so äußerliche Verbindung von Leib und Seele, wie sie die Seelenwanderungslehre voraussetzte, nicht mehr denkbar. Alkmaion hat sie denn
auch aufgegeben, hielt aber an der Unsterblichkeit der Seele fest, deren
Ursache er in ihrer ewigen Bewegung, die sie mit den Gestirnen teile, zu
finden glaubte*®, Die Gesundheit führte er auf die „Gleichmäßigkeit der
Krüfte“ im Körper zurück, nämlich des Feuchten und Trockenen, des Kalten
und Warmen, des Bitteren und Süßen, die Krankheit auf das Oberwiegen
einer dieser Kräfte”. Damit wird der Gedanke von der Harmonie des Kosmos auf den Organismus übertragen. Wenn er sagte, „die Menschen gehen
daran zugrunde, daß sie nicht imstande scien, den Anfang an das Ende anzuknüpfen“, so erkennen wir darin einen ähnlichen Gedanken wie den des
Parmenides
Hi}
neben den irrigen Meinungen anderer Denker in den zweiten „trügerischen“
Teil seines Gedichts®®. Da die Doxographen auch diesen ‘Teil als ,,Parmenides“ zitieren, so werden ihm auch fremde Lehren als die seinigen zugeschrieben. So verrät sich pythagoreische Terminologie in dem Ausdruck
„äußerster Olymp“ (“Odvunog fozatos), und wir werden daher kaum fehlgehen,
wenn wir auch die ihm zugeschriebene Erkenninis der Kugelgestalt der
Erde und der Identität von Morgen- und Abendstern auf seine Kenninis
pythagoreischer Lehren zurückführen
®,
Als eigene Lehre des Parmenides aber läßt sich kurz folgendes fest-
Feuer und gesteht er so auch der durch den Sinneseindruck vermittelten
Heraklit diesen als das ewiglebendige, stets sich wandelnde, niemals ruhende
stellen. Er verwirft wie Heraklit das Sinnenzeugnis und ruft zu dessen Berichtigung wie dieser den Logos, das Denken, auf**. Aber in der Vorstellung von dem innersten Wesenskern der Welt ist er sein Antipode. Denkt sich
gesetzte Abnalıme der Kräfte sei®?. In der Chirurgie wagte sich Alkmaion
Anschauung seiner Erscheinungsformen ein relatives Recht zu, so erklärt
Purmenides in engem Anschluß an Xenophanes das Seiende nicht nur wie
Demokedes, nämlich daß die leiblich-seelische Entwicklung des Menschen
keine kreisförmige, sondern eine gerudlinige, und zwar schließlich eine fortlativen Ideen des Pythagoreismus die Natur mit offener Auge bevbachtete
erstmals an das Ausnehnien eines Auges”, Überblickt man dies alles, so
ergibt sich, daß Alkmaion unter Zurückdrängung der mystischen und speku-
84 Paru. Fr. B, 43.
Diog. L. IX 22. Pr. 16 kunn daher nicht eigene Lehre des Parınenidos sein.
sé Ast, 111 15,7 (A 16): uóvor pede xpadatvenitanr, wip xevetodae dé, wozu Xen.
Pr. 25. Er. 8, 1ff. Polemik gegen Heraklit: Fr. 6, Bf, wozu Herakl. Fr. 490. Sf,
Plut. 'Thoait. 181 A. Aristot. bei Sext. Krop. adv. math. X 46 (A 26).
82 Parın. Pr. 7,5 (früher 1,30); 8,50 ist Adyug sutordg ‚zuverlässige Darlegung’;
(Pr. 10, 6) orphischer Herkunft sein: Orph. Pr. 29 (Kern; Ap. Rhod. Arg. I 424). 37.
Avdyxn Orph. Fr. 54. 126. 162 (Kern); vgl. auch Imp. Pr. 112, 1.
23£.) auf Hesiod (T'heog. 120. 201) zurück; duch könnte er auch, wie die Avdyxy
Hes. Theog. 123 ff. Den Eros (Ir. 13) führt schon Aristoteles (Metaph. | 4 Ja
man zwoifeln; sie könnten auch aus der kosmogonischen Dichtung stammen: vgl.
8 Parm. Fr. 11, 2f, wozu vgl. Philol. A 16. Diog. L. IX 21. 23. VIII 14 A 40a.
Ob auch die beiden goopel: Feuer und Erde, Licht und Finsternis (Fr. 8, 53ff. 9), wie
Diels (Parmenides. 1897 8. 101 f) meint, auf den Pythagoreismus zurückgehen, kann
30 Parm. Pr. 2 (früher 4), 2 und 6. Pr. 6, 3f. 7, 2£, 5, 1. 8, 52.
Im Unterschied von Xenophanes vermeidet es Parmenides, seinem Seienden die Bezeichnung ‚Gott‘ beizulegen. Dem strengen Logiker fehlt der
fromme Zug, die religiöse Wärme, die im Charakter seines Lehrers lag.
unklar, ob und wie sich sein Seiendes, das er mit der Gestalt einer Kugel
vergleicht°*, von der sichtbaren Welt unterscheidet.
®, Denn es bleibt bei Parmenides
„Weltallstillsteller“ und „Unnaturforscher"
Heraklit für ungeworden und ewig, sondern auch für unbewegt, unveränderlich und in sich selbst ruhend und verweist den Eindruck eines Entstehens
und Vergehens der Dinge ing Reich des Scheins und der Täuschung. Im
Gegensatz zur heraklilischen l.ehre von der unausgesetzten Veränderung
und Bewegung aller Dinge nennen daher Pluton und Aristoteles die Menten
Xenophanes und der Pythagoreismus haben beide auf Parmenides einund bei seinen Forschungen einem gesunden Empirismus huldigte. Wenn
sich auch seine Lehre vom Gehirn noch nicht sofort durchsetzte, so machte
sie doch die Bahn frei für die Beseitigung abergläubischer Vorstellungen von
seelischen Vorgängen, besonders auch seelischen Erkrankungen, und für
ihre rationelle Behandlung, wie sie die Hippokratischen Schriften empfehlen.
der Forschung“ erkennen, wie denn ganz sichtlich auch sein Bild von den
gewirkt, und zwar muß er zuerst Schüler des Pythagoreers Ameinias gewesen sein, der ihn veranlaßte, sich in die „Ruhe“ des kontemplativen Lebens
zurückzuziehen. Wohl erst nach dem Tod dieses seines Lehrers schloß er
sich un Xenophanes an und, von der Richtigkeit seiner Lehre überzeugt,
mußte er nun jn dem pythagoreischen „Pfad“ (@ragady) den falschen „Weg
zwei Wegen der Wahrheitsfindung, dem richtigen und dem falschen, pythagoreisches Erbteil ist, nur von der Ethik auf die Erkenntnis übertragen. Auf
dieser Zweiteilung beruht der ganze Aufbau seines Lehrgedichts mit der
Unterscheidung von Sein und Schein, Wissen und Meinen, und folgerichtig
verweist er pythagoreische Anschauungen, denen er früher gehuldigt hatte,
2 Alkm. A 5. 8. 11.13. Fr. 1a. A 12. EB. Rohde, Psyche® I 46.
26 Alkm, Ir. 4
27 Alkm, Pr. 2.
2e Alm, A 10.
29 Diog. IX 21: els Havzlay agudipday, wozu vgl. VIII 7. Jambl. V. P. 197;
Kranz (1 217) z. St; endlich Ceb. Tab. 11 2 Hvdayógtrós vs zal Hagweiteres bei
wevddetog los.
Pagina 5
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Volleuds die bunte und bewegliche Welt der griechischen Götter hat in
seinem starren und farblosen Monismus keinen Raum. Wo Götter (daiuoves)
Zenon. Melissos, Manpedokles
113
für ihre Urelemente in Auspruch nehmen und also ein absolutes Werden und
Vergehen im Anschluß an die Eleaten leugnen‘, dagegen mit Heraklit den
Finzeldingen ein solches, in der Worm der Verbindung und Trennung der
Urstoffe, zuschreiben.
bei ihm erscheinen, wie in der Einleitung seines Gedichis, da sind es entweder Urwesen wie Tag und Nacht, die deutlich genug an Hesiod erinnern,
Zenon von Eleu suchte seinen Lehrer Parmenides durch seine scharfman „herabstürzt", wie im Reinigungslied, und umgekehrt setzt auch dieses
die Kraft des Streites (Neixog) voraus, die im Aufbau der irdischen Welt das
unentbehrliche Gegengewicht zur Liebe (bérx) bildet”. Und beide Gedichte geben sich als eine göttliche Offenbarung, als einen Auslluf wahrer
Frömmigkeit, und beanspruchen Glauben (stows) vonseilen derer, an die sie
über die Natur ist das irdische Leben nur ein „sogenanntes Leben“, in das
schlag parmenideischer Logik haben in der Person des Empedukles von
Agrigent eine höchst eigenartige Verbindung eingegangen. Es ist nachweislich falsch, das naturphilosophische Lehrgedicht und dus Reinigungslied
(Kadapuot) in verschiedene Lebenszeiten ihres Vorfussers zu verlegen odor
wenigstens einen Wechsel seiner Anschauungen zwischen beiden anzunohmen: denn beide Gedichte nehmen aufeinander Bezug und stellen nur die
zwei Seiten seiner Well- und Lebensanschauung dar. Auch in dem Gedicht
All-Eine ‚Gott‘ genannt haben*”.
Ionische Physik und orphisch-pylhagoreische Mystik nebst einem Einzur Religion wissen wir nichts Genaueres: er soll, wie auch Melissos, das
in den hervorragendsten Vertretern der Sophistik zu, als deren Vorläufer
ibn auch seine skeptische Haltung zu erkennen gibt”, Über seine Stellung
schen Philosophen, wahrscheinlich im besonderen gegen die Pythagoreer
Den Alten galt er als Erfinder der dinlektischen Methode, und Platon ordnet
leider nur den Titel kennen, richtete sich ohne Zweifel gegen die dogmatidigen. Wegen dieser seiner logischen l'indigkeit nannte ihn Platon den „elea%, Seine Schrift „Gegen die Philosophen“, von der wir
lischen Palamedes"
sinnigen, freilich im Grunde trügerischen Beweise gegen die Bewegung und
die Zuverlässigkeit der sinnlichen Wahrnehmung gegen Angrille zu verteioder Gestalten, die künstlerischen Zwecken dienen, wie die „Heliaden‘“, oder
Allegorien wie die schlüsselhaltende Dike oder die auch schlechthin „Göttin
genannte Wahrheit®®. Wenn wir daher hören, daß Parmenides „den Göttern“
weder Vergangenheit noch Zukunft noch irgendeine Veränderungsmöglichkeit auch nur in Gedanken zuerkannt habe, so können das unmöglich die
olympischen Götter gewesen sein, sondern er mud dabei an die im zweiten
Teil seines Gedichts als Götter eingeführten Elementarwesen, wie Feuer und
Wasser, Luft und Äther, die er mit Hera und Zeus identifizierte, oder an
Weltkörper wie die Sonne, die er mit Apollo gleichsetzte, gedacht haben. Die
personifizierten Begritfe, wie Krieg, Zwietracht, Begierde sind offenbar auch
Hesiod entlehnt®®. Parmenides hat also wohl in dem positiven ersten Teil
seines Gedichts zur Religion überhaupt nicht Stellung genommen.
Wenn dem Parmenides die sinnliche Erscheinung der Welt nur Täuschung war, so konnte er auch unmöglich, wie Heraklit, in der Sprache
einen Schlüssel zur Ergründung des Wesens der Dinge finden. Vielmehr sind
die Wörter (dvópara) willkürliche Bezeichnungen der Dinge, die die Menschen ihnen gegeben haben °”. Sie bestehen ulso nicht von Natur, sondern
sind lediglich konventionell, so auch die Ausdrücke ‚werden‘ und ‚vergehen‘,
Die Bedeutung des Parmenides ist eine doppelte: sie liegt einmal in der
Aufstellung des erkenntnistheoretischen Problems, bei dessen Lösung er
selbst in strenger Winseitigkeil das Sinnenzeugnis vollständig verwirft und
nur den Logos, das folgerichtige Denken, gelten läßt, und zweitens in seiner
Metaphysik, die im polaren Gegensatz zu Heraklits Lehre vom ewigen Werden und Vergehen ein unveränderliches Sein behauptet. Zwischen diesen entgegengesetzien Anschauungen schlagen die Vermittlungssysteme des Empedokles, Anaxagoras und der Atomistik eine Brücke, indem sie die Eigenschaften des parmenideischen Seins, die Ewigkeit und Unveränderlichkeit,
» Nur eine einzige duxogruphische Notiz (A 31) läßt ihn das kugelförmige Seiende „Gott“ nennen, wozu Diels, Purm. S. 9 und Z. 697, 3. Parın. Ir. 1 v. 83.5.9. 11
ts (nped. Fr. 8. 9 und Anaxagoras Pr. 17 knüpfen unmittelbar an Parm.
br. 8, 39€ au
Bv Plat, Parm. 128 BD, wozu Hermes 57 (1922) S. 560; Phaidr. 2601, vgl
|
Eupolis Ir. 351 (Kock).
Burnet, Early Gr. Phil. 3.359, 5. 321,2
© Zenon A2, wozu 2.734 Aum. und J.
(Deutsche Ausg. 283, 8. 253, 6).
(vgl. Hes. Theog. 1231). Die Alxıy noAönowvog mit den Schlüsseln weist auf vrphiische
Vorstellungen, wo Hekate die Schlüssel häll: vgl. zu v.14 und A37 Orph. Er. 158.
316 (Kern). Bed v. 22, Adgdedy v. 29.
stürztest: zu Ode vgl. IT. dratr. 15, Vors® 1 183, 2. 6; Anieodae: O 543. 4? 879). Fr.
‚Nestle, Vom Mythos zum Logos
118—121. Neixog Fr. 17, 19. 115, 4 und 14.
Z. 945 Anm.
8
#4 Diog. L.IX 26. VIII 57. Pint. Phaidr. 261 CD.
4:
Melissos A 13.
ng d. h. „hierher herab43 Emp. Fr. 15, 2 (16 64 Biorov zadtovor); 2,8 (dd EArdod
38 Parm. A 30. 33. 20, wo td Ösouóv der Ather oder das Feuer sein muß. Zu Cic.
nat. deor. 1 11, 28 (A37) vgl. Hes. Theog. 220 ff. Zu der Umdeutung dor Homerstelle
616 verweisen schon die Alten auf die Pythagureer. Auf diese deutet uuch der dudxoguoç éotxds Fr. 8, 60.
37 Parm. Fr. 8, 38f. (vgl. v.53 dvouddeey). 19, 3.
Pagina 6
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Fwpedokles
sich wenden**. Und hier ist nun ein auffullender Unterschied festzustellen:
während der Dichterphilosoph seine Seeleumystik als neue Offenbarung, von
Der Weg zur Erkenntnis führt aber durch die Erforschung der Natur,
in der die organischen Wesen alg Herbergen der Seclengeister eine Art Zwischenreich oder eine Brücke zwischen den beiden Welten bilden. Aber mit
Stadt zu Stadt ziehend, jedermann verkündigt, um den Verirrten den ,,Pfad
115
zum Heil“ zu weisen, und er das Gedicht aus der Ferne, vielleicht aus der
ihrer Körperlichkeit sind uuch sie den Gesetzen einer durch und durch
Verbanuung, seinen Freunden in Akrugus sendet, richtei er das Lied über
mechanischen Physik unterworfen, die diese irdische Welt beherrdie Natur, wie eine Geheimlehre, nur an einen einzigen, namentlich genannsechen*”. Was man Entstehen und Vergehen nennt, ist in Wirklichkeit nur
ten Freund, Pausunias, bei dem er einen „reinen Sinn“ voraussetzt, und
auch dieser soll nur soviel erfahren „als den Eintagsmenschen zukommt",
aber allerdings in dieser Begrenzung Kenntnis der Natur und Macht über
sie erlangen*. Denn für Empedokles ist die Naturerkenntnis nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Naturbeherrschung. Seine Weltanschauung ist
ein vollkommener Dualismus*. Es gibt zwei Welten, die sinnliche, irdische
und die übersinnliche, himmlische. Aus dieser übersinnlichen Welt stammen die göttlichen und ewigen Seelendämonen, die nur zur Sirafe für ein
Vergelien vorübergehend, wenn auch für lange Zeil, dazu verdammt wereine Verbindung und Trennung der ursprünglich im Sphairos vereinigten
vier Elemente: Erde, Wasser, Luft und Feuer. Dies gilt fiir die Welt im
ganzen wie für die Einzelwesen. Die Verbindung und Trennung wird durch
den, durch die Einkörperung in Pflanzen, Tiere und Menschen zu wandern,
bis sie, auf der höchsten Stufe der Ärzte, Sänger oder Fürsten angelangt,
unmittelbar vor der Rückkehr in das Reich der göttlichen Geister und Kräfte
lich hervorgehoben wird, „von Natur“, „durch Zufall“, „mit Notwendigkeit“,
stehen, als deren Träger sie sich fühlen. Das ist der Fall des Empedokles
selbst, der sich einerseits in dieser mit den düstern Farben der Hölle gemalten
Welt, in die er herabgestürzt ist, als ein „von der Gottheit verbannter umherirrender Bettler“ empfindet, andererseits, nachdein er schon Jungfrau und
Jüngling, Vogel, Fisch und Strauch gewesen, sich jetzt als ein mit göttlichen
Kräften ausgestatteter, die elenden Menschen leiblich und seelisch zu heilen
berufener Arzt und Prophet, ia schon als ein „nicht mehr sterblicher, unsterblicher Gott“ vorkommt, als ein Gotimensch, der schon zu Lebzeiten göttliche Verehrung entgegennimmt, ähnlich wie es Pythagoras gewesen war".
Die Menschen zur Erkenntnis ihres wahren Wesens und ihrer wahren Lage
und zugleich zur Erkeuntnis des wahren Wesens der Gottheit und zur rechten Art ihrer Verehrung, zu wirklicher Frömmigkeit, zu führen: darin
erblickt er seine Aufgabe*.
die Kräfte der Anziehung oder Liebe, die auch „Harmonie“ heißt, und die
Empedokles erstmals als kosmische Kraft erkannt zu haben sich rühmt, und
der Abstoßung oder des Hasses, der auch Eris heißt, bowirkt®®, Alles geht
hiebei nach streng mechanischer Kausalität vor sich, auch die Entstehung
der lebenden Wesen, die nach dem Gesetz des Überlebens des Zweckinäßigen
aus roheren, nicht lebensfühigen Formen sich gebildet haben, wie ausdrück„von selbst. Auch die Himmelskörper entstehen und vergehen in ewigen
Kreislauf. Die Erde ist im Mittelpunkt des Kosmos. Fixsterne und Planeten
werden unterschieden und die Finsternisse richtig erklärt. Empedokles erkannte, daß dus Licht, das er für einen von dem leuchtenden Körper sich
loslösenden Stoff hielt, Zeit braucht, um von der Sonne zur Erde zu
gelangen’*. Seine Forschung erstreckt sich auf die ganze Welt bis herab in
die Einzelheiten der Entstehung, des Baus und der Funktion der Organe
der lebenden Wesen und der Pflanzen. Beim Menschen mu die sinnliche
Wahrnehmung durch das Denken ergänzt und berichtigt werden. Für die
echte Erkenntnis ist aber auch Reinheit der Gesinnung eine unerläßliche
Voraussetzung®®. Von seiner Naturerkenntnis macht Empedokles die praktische Anwendung nicht nur als Arzt zur Heilung von Krankheiten, sondern auch in der Form der Technik: so, wenn er in Selinunt nach Ausbruch
einer Pest, die er auf die sumpfige Umgebung zurückführte, diese durch
Kanalisation entwässerte und für Zufuhr besseren Wassers sorgle, um 80
die Ursachen der Epidemie zu beseitigen. Es ist daher verständlich, wenn
4 Emp. Fr. 3 (früher 4), 1 ff. Fr. 4 (früher 5), 2. Fr. 23, 9ff. Fr. 112, 1ff.
115, HEF. 131, LEF. dos Pr. 71,1. 114,3 (vgl. 3, 10 und 13); zlorwua Fr. 4, 2; vgl. auch
Parm. Fr. 1, 30; 8, 12 und 28; suotöc Fr. 8, 50.
4 Emp. Pr. 112 Arapndg v. 9; vgl. Pr. 24, 2 und oben S, 105; Fr. 1. 3, 1ff.;
5. 110, 2 (Geheimlehre); Reinheit: Fr. 3,2, 110, 2; Macht über die Natur: Fr. 111
(v.2 potve aot); &pyueoını Pr. 3, 4. 131, 1.
6 Philologus 65 (1906) S. 545 ff.
47 Emp. Fr. 115. 125. 126. 127. 146, 147. Empedeklos selbst: Fr. 115, 131. 117.
112. 113. 23, 11. Die Welt als Hölle: Fr. 118—124. Pythagoras: Fr. 129.
48 Emp. Fr. 8, 2ff. 131. 132, 136. 141.
np. Ur. 8, 9.
50 Emp. Fr. 8 (s. o. S. 113). 9. 12. 6 (vgl. A 33). 17, 14 ff. 26—31. 35. 96, 4.
61 Pup. Fr. 59—63. 73—176. 79—88. A 72. Ir. 103. 115, 1. 116. A48 (pdace zul
torp). A 32. 38 (8E àvéyxnçs). Aristot. Phys. 11 7. 198b 298. (dad Tod aöroudton).
52 Imp. À 52. 67. 53. 54. 59. 57.
68 Emp. Fr. 92. 95. 97. 99. 100. 101. 105. 106. 109. 110, 2. Embryologie Ur. 63—70.
153a. A 75-84. Pflanzen A 70. Vgl. O. Regenbogen, Eine Porschungsmethode
antiker Naturwissenschaft (Quellen und Studien zur Geschichte der Mathematik.
Abt. B I. 1930) 8. 171 ff.
Pagina 7
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)er, wie Faust, den Zeitgenossen als Magier galt, der Wunder zu tun, Wind
und Wetter zu gobieten und selbst ‘Vole zu erwecken vermochte**.
Aus seiner sich eng un die Orphik anschließonden, tief pessimistischou
Beurteilung des Erdenlebens erwuchs dem Empedokles der Drang, schon
die Schwere dieses Daseins durch die in der Natur gegebenen Kräfte zu erleichtern, aber auch weiterhin die Menschen auf den Weg zu leiten, der zur
schließlichen Erlösung führt, und bereits auf Erden sie wenigstens soweil
zu bringen, daß sie einmal „sich ernüchtern vom Elend“, wobei an äußere
Not und innere Schuld gedacht sein nag®®. So sah er sich auf die Bahn des
religiösen Reformators gedrängl. Denn hier, in den falschen Vorstellungen von den Göttern, liegt die Wurzel alles Übels und seine Seligpreisung gilt dem, der sich ihnen entwunden hat:
Selig, wer einen Schatz an göulichem Geist sich erworben,
_ Elend, wer noch in finsterem Wahn von den Göttern befungen!
Die Befreiung aus dieser religiösen Gebundenheit will er herbeiführen:
„Denn von den seligen Göttern will gute Gedanken ich künden“®®.
Fin pedok les
117
ängstlich bemüht, von der Vorstellung der Gotiheit jede menschonähuliche
Gestalt fernzubhalton, Dies gilt sowohl von dem götllichen Sphairos wie von
dem gestaltlosen „heiligen Geist (geoip Loi), „der mit seinen schnellen Gedanken die ganze Welt durcheill“. Diese Allgottheit, die unsichtbar und ungreifbar ist, soll er auch Apollon genannt und ihr unter diesem Namen cin
„Provimion“, also wohl ein Gedicht in der Art der Homerischen Hyninen,
gewidmet haben**, Bei den „langlebenden Göttern“, die also nur eine begrenzte Lebensdauer haben und die aus den Elementen entstchen, ist wohl
um ehesten an die Gestirne zu denken®®, Bleibt es auch unklar, was mit jenen
heiligen Weltgeist gemeint ist, wie er sich zu den Seelendämonen verhält und
neben ihnen Raum hat, so viel ist klar, daß der homerische Olymp mit seinen
persönlichen Göttern hier vollständig verschwunden ist und daß ihre Namen,
wo sie noch erscheinen, in gewaltsamer Umdeulung für Naturkörper und
Naiurkräfte gebraucht werden. Aber damit nicht genug, erklärt Empedokles
mit Benützung des Mythus vom goldenen Zeitalter, daß es am Anfang der
Menschheit einen Zustand gegeben habe, in dem man von jenen Gölltern überhaupt noch nichts wußle, wo es noch „keinen Ares, keinen Zeus, keinen
Was ist nun die Vorstellung des Empedokles von der
Gottheit? Es ist von
vornherein klar, daß die Volksgötter in der Weltanschauung des Empedokles
keine Stelle finden können. Wie dem Griechen alles, was mit übermenschlicher Kraft in Natur und Welall wirksam ist, göttlich erscheint, so gebraucht Empedokles die Namen von Göttern für seine vier Klemente: Zeus
für das Feuer, Hera für die Luft, [Hades für die Erde und die sizilische Lokalgottheit Nestis für das Wasser. An andern Stellen setzt er auch Hephaistos
mit dem Feuer gleich. Er nennt auch den Sphairos einen Gott und die personifizierten Kräfte der Anziehung und Abstobung Aphrodite-Kypris und Kris.
Iris ist ihm eine atmosphirische Kirscheinung, Helios und Selene Sonne und
Tieren, weshalb sie auch nicht mit blutigen Opfern, sondern nur mit frommen Weihogaben, Myrrhen, Weihrauch, Honig und gemalten Bildern von
Tieren, verelirt wurde“. Damit kommt Empedokles auf den Grundgedanken
Mond als Welikôrper, Kronos der Planet Saturn?”. Wie Xeuophanes ist er
brachte sogar in Olympia nur Nachbildungen von Opfertieren aus Mehl und
Kronos, keinen Poseidon gegeben habe, sondern allein die Königin Kypris“.
Und auch diese ist hier nur die durchsichtige Personifikation der Herrschaft
der Liebe und des Friedens zwischen allen lebenden Wesen, Menschen und
seiner religiösen Reform, das orphische Gebot, nichts Lebendes zu töten, das
für ihn ein Weltgesetz ist und in dem er wohl jenen „heiligen Geist“ ausgedrückt findet, der den Kosmos beherrscht. Ihm folgte er auch selbst und
Honig, also wohl Backwerk, der Gottheit dar. Hieran und an den „geinalten
vs np. Fr. 111. Diog. L. VII 70. 59. 60. GL. 67.
55 Bmp. Fr. 144 vijoredour xaxdtytog, wozu vgl. Orph. Pr. 229. 230 (Kern):
xóxdou t° Akinfıu zal dvanvedoar bzw. dvaydfar xaxdryrog, womit die Kırlösung aus
dem Kreis der Geburten gemeint ist, während Plutarch de coh. ira 16 p. 164 B xaxdıng
im moralischen Sinn versteht.
6% Emped. Fr, 182. 131, 4.
.
57 up. Pr. 6, wozu A 23. 33. N'joug- noch Pr. 96, 2. Diog. L. VUIL %, sizilische
Göttin nach Photius. Von W.K rang im Hermes 47 (1912) 8.23, 1 wird Norg als
„Göttin der Nüchternheit“ erklärt. Orph. I'v. 47 (Kern, 21 Diels) v. 8—10 bedeutet
vharig „lasten“. Die Verbindung könnte darin liegen, daß zuin lasten auch Enthaltung vom Weingenuß, also Wassertrinken, gehörte. Jedenfalls weist die litymologio (vgl. Zedg Ndtog in Dodona, Natddes) auf Feuchtigkeit hin: A 33. Hephaistos
Pr. 96, 3. 98, 2. Swateog Fr. 27, 4. 28, 2. #1. Aphrodite Fr. 17, 24 ff. 22,5. 66. 71, 4.
Kypris Fr. 73, 1. 75, 2. 98, 3. 128, 8. "Eos Fr. 20, 4; beide Kräfte daduoveg 59, L Irie
Fr. 50. Helios und Selone Fr. 40. 45. Kronos als Planet A 55.
Tieren“ sicht man deutlich, wie er sich praktisch die Reform des Kultus
dachte: Ersatz der blutigen Opfer durch Symbole‘. Denn die blutigen Opfer
gehören in erster Linie zu dem „finstern Wahn“ von dem, was der Gottheit
8 Jump. Pr. 29, 1£ 134. 133. Diog. L. VIII 57. Sonstige duvor des Empedokles
(A 23. 33) sind schwerlich anzunehmen, sonders wohl uus Stellen wie Fr. 35, 1
irrtümlich gefolgert. Vgl. W‚ Kranz, Die Katharmoi und die Physik des Empedokles.
Hermes 70 (1935) 8.115. FE. Rohde, Psyche? II 181, 2. Vielleicht spielt Platon,
Krat. 405 D, wo Apollon als rÿ dgrovig éuonoddy erklärt wird, auch auf Mmpedokles,
jedenfalls auf ähnliche Gedanken bei den Pythagoreern an.
$9 bnp. Ir. 21, 12 und 23, 8 doi dodezafwves;, dagegen sind 115,5 die Seelendimonen gemeint und mit paxgulorr Blog die 30000 „Moren“, d. h. 10000 Juhre
(P’haidros 248E) ihrer irdischen Tinkörperungen.
ov Baunp. Pr. 198.
61 mp. Pr. 135. A 11 (vgl. Diog. L. VIET 51. 63).
Pagina 8
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Em podok les
wohlgefällig sei. Dadurch daß die Menschen die Verwandtschaft alles Lobendeutung des Gohirns einen Rückachrit bedoutet. Dus Bewußtsein scheint or
sich bei den verschiedenartigen Wesen abgestuft geducht zu hubon”, Mit der
Bedeutung, die er der Nuturboobachtung belmab, hängt auch seine Vorwondung des Analogieschlusses zur Erklärung eines unanschaulichen Naturvorgungs durch einen anschaulichen und geine Schiitzung des Ex-
118
digen nicht erkennen und Tiere, in denen u. U. Seelen verwundter oder befroundeter Menschen wohnen, den Göttern opfern,
machen sie sich des
„Mordes“ schuldig und verkennen gänzlich das wahre Wesen der Gottheit.
Obwohl Empedokles, wie vielleicht auch schon die Orphiker, die Seelen-
119
wanderungslehre auch auf die Pflanzenwelt ausdehnte, konnte er doch Pilanzenkost nicht verbieten. Er beschräukte sich daher, wie die Pythagoureer, auf
das Verbot des Bohnengenusses und des Kauens von Lorbeerblättern, im
übrigen der willkürlichen Schädigung der Pflanzen, wie denn in solchen
periments zusammen, die wiederholt zutage tritt®“. Aus der verschiedenen
Mischung der Elemente in den einzelnen Individuen leitete er die Unterschiede des Temperaments und der Begabung ab, erklärte den Eintritt des
Schlafs und des Tods aus der Abkühlung des Bluts und führte auch Träume
Kreisen z. B. das Fällen von Bäumen mit dem Schlachten von Tieren gleichund Geisteskrankheit auf körperliche Ursachen zurück®”. Mit der Aufdeckung
gestellt wird®*, Mit dem Verbot der blutigen Opfer, die nicht nur von Privaten
solcher psychophysischer Zusammenhänge tat er der inneren
sondern auch von politischen Gemeinwesen offiziell dargebracht zu werden
Mythologie, besonders dem Dämonenglauben, Abbruch und bahnte der im
pllegten, stellte sich Empedokles in schrolfsten Gegensatz zu dem herrschenden Gesetz und Brauch. Er wird sich gesagt haben, daß er eine so grund-
Entstehen begriffenen Heilkunde auch auf diesem Grenzgebiet die Wege.
stürzende religiöse Reform nicht durchführen konnte, ohne im Besitz der
politischen Macht zu sein, und so erklärt sich wohl hieraus seine lebhafte
politische Betätigung, die schließlich zu seiner Verbannung führte.
Leider ist die Überlieferung hierüber ganz undurchsichtig. Er soll Demokrat
gewesen sein; aber schon Timaios erkannte ganz richtig, daß dies in schärfslem Gegensatz zu seiner persönlichen Selbsteinschätzung und zu seiner
Lebensanschauung stünde. Möglich wäre ja, daß er sich gegen eine Oligar-
Die Nachwirkung des Empedokles ist groß und umfassend. Seine
Lehre von den Elementen ist in der Physik durch zwei Jahrtausende in
Geltung geblieben, und seine mechanische Naturerklärung nötigt noch dem
Epikureer Lucretius Bewunderung ab‘. Seine Forschungen über die Pllanzenwelt haben auf den noch von Theophrast benützten Begründer der Botanik, Menestor von Sybaris, eingewirkt. Durch seine Schüler Pausanias und
Akron ist er Begründer der gizilischen Ärzteschule geworden. Hippokratische
Schriften haben Lehren von ihm teils übernommen, teils bekämpft®. Ein Vorchie auf das Volk zu stützen suchte, Klinlich wie Peisistratos; doch soll er
läufer der Sophistik ist er nicht nur durch seine rednerische Kunst, sondern
die ihm angebotene Krone zurückgewiesen haben. Jedenfalls mußte er zupolitischen Auftreten muß Empedokles eine hinreißende Beredsamkeit
vor allem auch durch seine bewußte Auflehuung gegen die Sitte, den „Nomos“, geworden, dem er sich zwar in seiner sprachlichen Ausdrucksweise
anbequemt, dessen Bedeutungslosigkeit gegenüber der „Natur“, der Physis,
entfallet haben, so daß Aristoteles ihn den Erfinder der Rhetorik nennen
konnte. Der Sophist Gorgias war in dieser Kunst sein Schüler**.
er aber erkannt und dessen Geltung er auf kultischem Gebiet, hier freilich
ohne sichtlichen Erfolg, bekämpft hut®. Obwohl Mystiker in Hinsicht auf
Obwohl von seinem mystischen Seclenglauben tief ergriffen, hat Empedie letzten Daseinsgründe, hat er dennoch die verstandesmäßige Erkenntnis
aufs nachdrücklichste gepflegt, seine Schüler zum Lernen angehalten und
letzt aus seiner Vaterstadt weichen und starb im Peloponnes“. Bei seinem
dokles doch das Denken nicht gering geachtet und, ohne die sinnliche
Wahrnehmung zu überschätzen, ihr doch — im Gegensatz zu Parmenides —
namentlich im Zusammenwirken aller Sinne, ihr Recht werden lassen. Den
Sitz der Denkkraft dachte er sich im Herzen als dem Ausgangspunkt des
Blutumlaufs, was im Vergleich mit Alkmaions Erkenntnis der zentralen Be82 mp. Fr. 136. 137. 138. 139. Bohnen und Lorbeer: Fr. 140. 141. Vgl. Diog.
L. VIL 53: quid úpegov pre pdelgew une olvsodu. Plut. conviv. sept. sap. 15:
HavaroOvreg ta Euyvza xal vd yudpeva... ddixoduer. Vgl. J.
Haußleiter, Der Vegetarismus in der Antike (RVV. 24. 1933) S. 117. 131. 135, 2. 218. 245, wo auf Porph.
de abst. | 4—6 S. 89, 9—14 (ed. Nauck*) verwiesen wird.
83 Diog. L. VIII 63—67. 71—74. Timaios verwies auf I'r. 112, 4f. als Zeugnis
für sein aristokratisches Selbstbewußtsein: dazu ist noch Fr. 146. 147 hinzuzufügon.
$4 Diog. I. VIII 57f. A 19.
% mp. Pr. 2, 3, 95. 105 —1lU.
66 Eunp. Fr. 100. A 67. Divg, L. VIII GOF. 67, wozu bk. Kohde, Psyche * I
175, 1.0. Regenbogen a. a. O. 5. 149. 180 ff.
#7 Imp. A 86, 11. 85. 98. Pr. 108.
6 Lucr. | 714 ff.
8, wozu K. Fred rich,
8 bmp. Fr. 1. Diog. L.VIIL 60, 65. Hippokr. Ml. geody
Hippokrat. Unters. (1898) 8. 132, 5. Il. doz. burg. 20 (A 71). O. Regenbogen
a. a. O. S. 131 ff. hat insbesondere in den zusammengehörigen Schriften Il. yovijs,
Th. póotog navdlov und I. vobowy IV (bei Littré VII) Benützung vun Empedukles
Embryologie nachgewiesen. — Über Menestor vgl. W. Capelle im Philol. 69
(1910) S. 264 ff. 277 ff. und W. Kranz, Vors.® 1 375.
40 Emp. Fr. 9, 5. géorg (fr. 8, 1. 4 Entstehung; ebenso Ir. 63) fehlt allerdings
noch als ausgesprochener Gegeusatz. — vdsupov Gesetz, fast Nuturgesetz Fr. 135, 1.
Pagina 9
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Epicharmos
sie beides gelehrt, die Naturvorgiinge zu erkennen und das Erkannte praktisch zu verwerten™, Mit der Volksreligion hat er gänzlich gebrochen und,
wenn er auch mil seiner kultischen Reform nicht durchdrang, so bleiben in
seiner Welibetrachtung von den alten Götlern doch nur noch die Namen
übrig, die es sich gefallen lassen müssen, auf Naturstoffe und Naturkräfte
übertragen zu werden, durch die sich allein die für den menschlichen Geist.
erfaßbaren Naturvorgänge vollziehen.
Während sich sv Empedokles unter orphisch-pythagorcischen Einfluß
in ernstem Geisteskampf zu einer neuen Religion durchgerungen oder doch
die alten Formen mit einem neuen Inhalt zu füllen versucht hatte, fand auch
die schon bei Homer und besonders in den Homerischen Hymnen beginnende
den nicht durch ihren zauberhaften Gesang, sondern durch die Aussicht auf
120
Götlerburleske, die sich von der religiösen Autorität zu befreien suchte,
indem sie deren Träger ins Lächerliche zog, im Westen ihre Fortsetzung
und führte über Stesichoros (S. 57) zu der an die dorische Volksposse sich
anlehnenden Kumödie des Epicharmos. Die Splitter, die wir von seinen
Dichtungen haben, stehen im umgekehrten Verhältnis zu der geistigen Bedeulung ihres Verfassers, den Platon als den Schöpfer der Komödie neben
Homer, den Schöpfer der Tragödie stellt??. Denn dieser Dichter war ein
philosophisch hochgebildeter Mann, der sichtlich unter der Einwirkung des
Xenophanes und Heraklit steht und auch Kenntnis des Pythagoreisınus zeigt,
und eben diese seine philosophische Schulung gibt auch seinen Komödien
den tieferen Gehalt und berechtigt uns, auch in seinen M yihenparodien
mehr als ein bloßes Spiel des Wilzes zu schen. Gegenstand derselben sind
teils die Heroen, teils die Götter. Eine Reihe von Stücken gruppiert sich
um Odysseus, der darin, wie z. B. im ‚Odysseus als Spion’ eine keineswegs
heldenhafte Rolle gespielt zu haben scheint. Die Sirenen verlocken den Hel7 Emp. Pr. 17, 14 paddy. Fr. 3,8 oog) Inbegriff der Erkenntnis; oogds Fr. 15,1.
™ Plat. Theuit. 152 A. Die Reste bei G, Kaibel, Com. Gr. Fr. (1909) | 88 ff;
das Philosophische auch bei H. Diels, Vurs.® [ 190 ff. Außer den Komöllien gab os
unter Epicharms Namen gefülschte Gedichte, wie die pythagoreisierende Hodtreta
des Chrysogonos u. a. (Vors.® [ 194). Dagegen hat sich das dem Epicharm von den
Modernen eine Zeitlang zugeschriebene „Uarmen physicum“, das Kuripides benützt
und Ennius übersetzt haben sollte, als cin Phantasiegebilde erwiesen. Richtig ist, daß
schon frühe Sentenzensammlungen aus Epicharm angelegt wurden, wie die
Pvòuat des Axiopistos, worein sich auch Unechtes eingeschlichen haben mag. Auf
vinem Hibehpapyrus fand sich die Einleitung zu einer solchen Sammlung (Vors.f I
193 £.), zu der vielleicht Fr. 254 (Kaibel) den Schluß bildete. Vgl. v. Wilamowitz, Herakles! I 29 A54, Toxtgesch. d. gr. Lyr. (GA. 1900) §.24. E. Rohde,
Psyche? If 258, 3. 259, 1. Außerdem: Philol. Suppl. VIE (1902) S. 601 ff. Z. 611 ff.
W. Crönert, Die Sprüche des Epicharm. Hermes 47 (1912) 8.402 ff. v. Wilamowitg, Der Menander von Kairo. NJ. 1908 S. 35. P.
Friedland er, Johannes
von Gaza und Paulus Silentiarius (1912) S. 26 ff. W. Schmid, GLG. (1929) I 1
S. 638 ff. 645, 7. 649, 5.
:
121
eine Mahlzeit mit den feinsten Gerichten. Im Mittelpunkt einer andern Gruppe
stand Herakles, der hier, wie schon bei Stesichoros (5. 58) als unersältlicher Esser und Trinker auftrat™: ein Typus der später in dus Satyrspicl
überging und uns noch in Euripides Alkestis entgegentritt. Die Hochzeit des
Helden mit Hebe (°Hgas ydwos) leitet schon zur
Götterburleske hinüber.
Denn hier findet im Olymp ein üppiges Festmalıl statt, zu dem Poseidon in
phönikischen Frachtschillen seltene Fische herbeischuffen läßt. Die Musen,
die Töchter des Pieros (Dickbauch) und der Pimpleis (Frau Füllmagen).
treten als Pischweiber auf und preisen ihre Waren an, von denen Zeus für
sich und Hera das Beste beiseite zu bringen weiß. Zum Mahle führen die
Dioskuren einen Waffentanz auf und Athene bläst dazu die l"löte, die sie ja
nach dem Mythos wegwarf, als sie ihr dadurch entstelltes Gesicht im Wasser gespiegelt sah. Noch ausgelassener scheint es in dem Stück ‚Die Festschwärmer oder Hephaistos‘ (Konacral ÿ Yyruoroz) zugegangen zu sein, das
nach dem Vorgang des Stesichoros und wahrscheinlich eines homerischen
Hymnus (S. 57) die Befreiung der Hera von den ihr durch Hephaistos angelegten Fesseln durch diesen Gott vorführte, den Dionysos betrunken
gemacht hatte und nun in einem Schwarm jubelnder Genossen in den Olymp.
aus dem er so schnöde hinausgeworfen worden war, zurückgeleitete, wie
wir es auf zahlreichen schwarzfigurigen Vasen dargestellt finden’.
Daß der Haupizweck dieser Komödien die Verspottung der sizilischen
Feinschmeckerei war, ist nicht wahrscheinlich, wenn sie auch einen ziemlich breiten Raum einnahm. Die Menge der gastronomischen Ausdrücke, die
spite Lexikographen daraus notierten, bezeugt dies, läßt aber doch wohl
auch diese Seite der Stücke sehr einseitig hervortreten. Schon daß dem
Dichter die Götter gerade gut genug waren, um sie zu Trägern dieser von
ihm gerügten Unsitte seiner Landsleute zu machen, spricht nicht dafür, dal
er ihnen mit besonderer Ehrfurcht begegnete. Er hätte ja diese Exzesse
sinnlichen Genusses auch an Menschen darstellen können, zumal er mehrere
Charaktermasken, wie den ‚I.ümmel vom Lande‘, den „Besserwisser“ und
vor allem den schmarotzenden Parasiten in die Komödie eingeführt hat’.
74 Bpicharın Pr. 99 ff. 123 f. 81 ff (Kuibel). Vielleicht stammt auch Fr. 172, worüber unten (S. 124), aus einem Odysseusdrama. Herakles im ,Busiris Pr. 21.
14 Epicharm Pr. 41 ff. &tff. (K.) Parodie homerischer Doppelbezeichnungen
bei Menschen und Göttern (A 403. B 340. Y 74 mit Schol. x 805. je 61) in Fr. 42, 11.
43. Die tanzenden Dioskuren gleichen den von Homer erwähnten „zwei Gauklern”
(xvPtorntijos) X 604 th. 6 17 ff.
18 Kpich. Pr. 1ff. (Aygworivog). 109 f. (Ifeeluddog). Hf. Selbatcharakteristik
des Parasiten in ’EÂnis à adodtog. Seine Vorgänger waren Iros und Odysseus als
Bettler in der Odyssee. H. Reich, Der Mimus (1903) T 2 8. 546.
Pagina 10
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Epicharmos
So dürfen wir folgern, daß Epicharm un der Karikierung der Gölter als solcher Gefallen fand, was auch noch durch einige Einzelheiten bestätigt wird
So durch den Spott auf die Götterbilder:
|
Pythogoreisinus, der Seelonwanderungsglaube und die Zablenlehre im meta-
122
|
„Aus jeder Holzklotz
Schnital sich gleich leicht ein Joch und auch ein Gott",
Den Kriegsgott Ares machte er witzig zu einem Spartaner, und wie man
mittelst der Wahrsagekunst den Leuten das Geld aus der Tasche zieht, war
in den „Räubereien“ geschildert. Wenn er Semele zum Saitenspiel tanzend
auf die Bühne brachte, so geschah wohl auch dies in einer die Geliebte des’
Zeus und Mutter des Dionysos karikierenden Weise”.
Diese überlegene Haltung des Dichters gegenüber der Volksreligion
erklärt sich aus seiner philosophischen Bildung. Man darf nati
lich bei ihm kein geschlossenes philosuphisches System suchen, so wenig wie
bei Euripides, sondern er ist ein philosophisch interessierter Laie wie dieser
und als solcher Eklektiker, der sich aber auch seine eigenen Gedanken
macht und seine Umgebung, auch die religiöse Umwelt, kritisch betrachtet
Zur Empfehlung dieser kritischen Stellung prägt er das wundervolle Wort:
Nüchtern sei und lerne zweifeln, denn das ist des Geistes Mark?
Wenn wir hören, er sei exoterisches Mitglied des pythagoreischen Bundes
gewesen, 80 ist diese späte Überlieferung ohne Zweifel aus unechten Schriften abgeleitet?®. Dennoch glaubt man zuweilen leise pythagoreische Klänge
zu vernehmen: so im Preis der Ruhe (‘Aovzia), die „in der Nähe der Selbstbeherrschung wohnt“, in der gelegentlichen Erwähnung des Gegensatzes
von geraden und ungeraden Zahlen oder in der Forderung der „Reinheit“
des Geistes, die sich uuch auf den Körper überträgt. Doch wird dieso auch
von Xenophanes und Empedokles erhoben", Aber die Zentraldogmen des
|
IN Fpich. Fr. 131 (Todes). Zur Bedeutung von xAotds vgl. Xen. Hell.
III 3, 11:
Sn che die merkwürdige Umformung des Gedankens bei Herod.
II 172 und das
Sprichwort:
3
| &x zavrds Aou “Bowie5 yévoero zul ver ods: O. Crusius
si
im Philol.
Suppl. vt (1900) S. 289. Auch die von Diugoras erzählte Anekdote
Schol. zu
Ans an Nu Nn und Clemens Al. Protr. IL 24, 4 berührt sich mit diesem
Spruch;
mdlieh
Ny
118) die P urallele beii Jes,
Jes 44, 12 ff. und Goethe, yZahme Xenien
i
VIII 518 ff. (J. A.|
7
n
‘
+
hd .
D
UN
=
7 Epich. I'r. 167. 9. (Aozayai). 109 CU Isetaddog).
78 Epich. I'r. 260 (K., 13 Diels).
ae Ih namlich aus der Schrift [los Avrıwoga (Plut. Num. 8. Fr. 295 K.)
und aus
‘ r lo tela des Chrysugonos, in der die pythagoreische Zuhlenlchre vorkam
(F
255—257 K.). Jambl. V. P. 226 (A. 4 Diels).
“
Feo
80 4
Epich.
|
Bmped
Fr. 101.
Pr . 4170,
2 7.
170,
7.dione
269: vgl. Diog
i g L. VIII
. 17. 7. 1X 21 (oben S.
3. HU).
110). Xenoph.
X
123
Gedankenphysischen Sinn, werden nie berührt. Viel näher scheinen dem
s
kreis des Epicharm Xenophanes und Heraklit zu stehen. Schon Aristotele
einander
sieht in einem Vers, in dem Wahrheit und Wahrscheinlichkeil
die
gegenübergestellt sind, eine Beziehung auf Xenophanes und, wenn dieser
erVölkern
enen
Subjektivität der Gôttervorstellungen bei den verschied
kannte und diese hypothetisch auf die Tierwelt übertrug, 80 wird es schwerlich Zufall sein, wenn sich Epicharm derselben Beispiele zum Ausdruck
eleatische
eines ästhetischen Subjektivismus bedient”, Er kennt auch die
,
Gegensatz
ihren
Lehre vom ungewordenen und unveränderlichen Sein und
in
er
Horaklits Lehre von der unausgesetzten Veränderung der Dinge, die
r
höchst witziger Weise verwertet, indem er einen Schuldner seinem Gläubige
bei
Guld
das
früher
dor
soi,
mehr
beweisen läßt, daß weder er derselbe Mann
Auch der
ihm aufgenommen, noch er der gleiche, der es ihm geliehen habe.
des Menschen
weiter ausgeführte Satz, daß der Charakter „der Dämon“
sei, ist die Paraphrase eines Heraklitworts, und ebenso steht es mit
der Lrkenntnistheorie des Ephesiers im Einklang, wenn wir bei Epicharm lesen:
„Nur der Geist kann sehn’ und hören; alles sonst ist taub
und blind**?.
diger
Wie hoch Epicharm die Denkkraft schätzte, zeigt auch ein so merkwür
seiner Stücke
Titel wie ‚Logos und Logina‘. Selbst in den wenigen Kesten
befinden wir mehrere logische Operationen, und die Nachwelt führte eine
div
wirft
er
Schon
.
slimmte Methode des lugischen Beweises auf ihn zurück"
nach der
Frage nach dem Verhältnis des Abstrakten zum Konkreien und
t er,
Realität des ersteren auf: ist das Gute ein Ding (agäyre)? Ja, antworle
es ist „ein Ding an sich“, und wer es gelernt hat und versteht,
elwa wie die
AllerKunst des Flötenspiols, der wird gut. Es ist begreiflich, dab schon dus
erkeunen
tum hier eine Berührung mit der platonischen Ideenlehre zu
che
sokratis
tation
Argumeu
ganzen
dieser
glaubte. Mau meint in der Tat bei
wahrhier,
daß
Methode wahrzunehmen und wird nicht leugnen können,
ist, um die
scheinlich durch die Eleaten vermittelt, die Grundfrage berührt
wozu Xenoph.
4 [pich. Pr. 252 nach Aristot. Met. HL 5 1010a 5f. Pr. 173,
Ir. 15.
Pr. 249,
82 Lpich. Ir, 170, wozu Diog. L. (10 10. Pr. 258, wozu Herukl. Pr. 119.
wozu Nerakt. Fr. 34. 107; ähulich auch Purm. Fr. 4, 1, auf
den R.
Schottländer,
ff. den Gedanken zurückführen
Drei vorsekratische Topoi, Hermes 62 (1927) 5. 435
nämlich um die Fähigkeit des
anderys,
will. Es handelt sich hier aber um etwas ganz
de (zapeéviu) sicher voranwesen
wio
h
„denuoc
)
voög, abwesende Dinge (éxebvru
.‘
zustellen
regina. Fr. 170, in
ss [pich. Fr. 87 ff. Aoylva nach italischem Vorbild: gallina,
uum. vind. 15
ser.
de
Plut.
:
erblickte
dem man ein Beispiel des Adyog abdSavdpevog
A.
p. 559 B; de comm. not.
Pagina 11
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vv OLE lICCHCNIANE
2
129
LU
sich nach Platon „der Riesenkampf um dus Sein“ dreht"*, Positive Gedanke
n
über die
Gottheit sucht man bei Epicharm vergebens. Doch wenn er einmal sagt, die Gölter seien von jeher gewesen und bleiben sich stets
gleich, und
wenn er als ersten dieser Götter das Chaos nennt, go ist leicht zu erkennen
,
dal wir es hier nicht mit den olyınpischen Göttern, sondern mit einer
mehr
oder weniger philosophischen Kasmogonie za tun haben. In Wahrhei
t hat.
auch Epicharm dem Pantheismug gehuldigt, sei es im Anschlu
ß an Xenound Selbsigeuügsumkeit des geistig unabhängigen Munnes mil einer Neigung zur Menschenverachtung und, wenn er die Stille der Nacht als die beste
Zeil zu erustem Nuchdenken rühmt, so sieht dus ganz wie eine persönliche
Erfahrung dos geistvollen Munnes aus®*.
Von der Höhe seiner philosophisch durehgebildeten Well- und Lebensanschauung aus ınußle dein Kpicharm nicht aur das gedankenlose Genußleben seiner Landsleute verächtlich erscheinen, sondern auch die volkstümliche homerische Götlerwell war für ihn eine überwundene Anschauung.
schreibt allem, was lebt, Bewußisein (yea) zu und sieht in der Natur
die
Dieser Überzeugung Ausdruck zu geben, lieh ihm die Komödie die scheinbar
harmlose Form. Es wäre aber ein Irrtum, seine Göttertraveslie nur als
Scherz zu nehmen. Dus heitere Spiel verdeckt nur leicht die dahinter stehende
ernste Lebensanschauung, die diesen Güttern den Abschied gegeben hat und
phanes oder Heraklit oder an die Seelenlehre des Empedokles: denn
er
‘schépferische Weisheit, die „von sich selbst" weiß, was
sie zu tun hat,
wie der Instinkt der Tiere beweist”. In dieser Allbeseelung des Lebendi
gen
nimmt auch der
Mensch seine Stelle ein. Seine Seele ist „Hauch“ (avenue),
der sich beim Tode vom Körper scheidet und „aufwärts“ entschwe
bt. Irgendetwas Furchtbares hat dieser Vorgang nicht an sich. Epichar
m teilt also
weder die volkstümlichen Hadesvorstellungen noch die orphisch-pythago
reische Seelenwanderungslehre, sondern betrachtet den Tod im
Anschluß an
Anaximenes und Xenophanes als einen reinen Naturvorgang*®.
In seinen
ethischen Ansichten bewegt sich Epicharm durchaus auf volkstü
mlichem
Boden, redet uber der Anstrengung, Abhärtung
und Standhaftigkeit gegen
Sinnengenuß und Weichlichkeit das Wort. Er folgt dem Hesiod,
wenn er
sagt, daß die Götter uns alles Gute nur um den Preis der Mühe
verkaufen:
er warnt, wie Empedokles, vor der Weichlichkeit, damit
man sich nicht gerade dadurch ein hartes Schicksal zuziehe; er bildet einen
Spruch des weisen Chilon weiter, der die Gefahren einer Bürgschaft aufzeigt. Vom
Leben
überhaupt soll man nicht zu viel erwarten und sich auf seine
kürzere oder
längere Dauer einrichten, kurz „sterblich gesinnt sein“.
Das ist der Kernpunkt seiner Frémmigkeit, die er als „das wertvollste Reisegel
d“ für die
Menschen bezeichnet*”. Der Dichter hat das Bewußisein der
Selbständigkeit
» Epich. Fr. 171, wozu Diog. L. III 13. 15. Zu „orga,
aus dem der Grieche
zugleich die Bedeutung „Handlung, Tätigkeit“ heraushörte,
vgl. Plat. Prot. 330C ff.
349B. Gorg. 462
A. 520B; zur Methode Ap.27B. Soph. 246
A. Auf Unechtheit darf.
wus diesen Berührungen nicht geschlossen werden, da
die Eristik und Dialektik in
Sizilien älter ist als in Attika. Plato selbst verweist Soph.
242A auf dio Kleaten und
Enpedokles.
B Epich. Fr. 170, 1ff. Xdoc: Hes. Theog. 116. 123. 700. 814. Orph.
Fr. 54 (Kern,
13 Diels). Akusil. Fr. 1. 2 (Diels). Epich. Fr. 172, wozu Emped.
Fr. 110, 10. Der
Gedanko am Schluß van Fr. 172, Of. erscheint in der ‚Politeia
' des Chrysogonos
Fr. 257, 3ff. ins Pythagoreische umgeformt.
“6 Epich. Fr. 265. 245, wozu Eurip. Hyps. Fr. 757. Hik. 531
ff. Anaxim. Ir, 2.
Xenophanes bei Diog. L. IX 19; Epich. Fr. 247, Zur Echthei
t von Fr. 245
W. Schmid, GLG. I 1 S. 649,5.
“7 Epich. Fr. 287, wozu Hes. Erg. 289. Fr. 288, wozu Jömped. bei
Diog. L. VII
63. Fr. 268, wozu Clem. Al. Strom. VI p. 749. Fr. 267. 263. 261.
Dagegen scheint mir
sie zum Gegenstand der Satire macht. Diese wird aber ergänzt durch eine
Fülle positiver Lebensweisheit, die der Dichter damit zu verbinden wußte
und die ihm die Bewunderung und Verehrung der Nachwelt sicherte. Wie
hoch ihn Platon, gewiß nicht nur als Künstler, sondern auch als Volkserzieher stellte, wurde schon erwälint, und noch Theokrit feiert ihn als Schöpfer der Komödie und dankt ihm zugleich für den reichen Schatz seiner
Spruchweisheit®.
Pr. 266 (Allmacht der Gottheit, étéatas) nicht in die Anschauung des Dichters zu
passen und deutlich zu pythagoreisieren: s. oben 8. 120. Auch die Kuntruverse über
den höheren Wert der Naturanlage oder dor Erziehung (Ur. 2m. 281) gehört erst der
Sophistenzeit an: Antiphon Fr, 60. Krit. Wr. 9, Demokrit Ir, 242,
88 Epich. Fr. 253. 140, 270. 271.
# Platon s. obou S. 128. Theokrit, Epigr. 17.
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