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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)In: Yermes, 57 - 1959 - 2. 3935 - 413
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)(Platon Timaios 35 a ff.)
Um die Weltseele zu bilden, so erzählt Timaios in dem gleichnamigen
Dialog Platons, »mischte der Demiurg aus dem unteilbaren und sich immer
gleich verhaltenden Sein sowie aus dem im körperlichen Bereich entstehenden
teilbaren Sein eine dritte Gattung des Seins aus beiden in der Mitte; und zwar
vollzog er die Zusammenstellung sowohl hinsichtlich des Wesens des Selben
und des Wesens des Anderen als auch in derselben Weise in der Mitte des Teillosen von ihnen! und des im körperlichen Bereich Teilbaren. Und diese drei
nahm er und mischte sie allesamt zu einer einzigen Gattung zusammen, indem
er das schwer mischbare Wesen des Anderen gewaltsam mit dem Selben zusammenfügte. Und da er sie mit dem Sein mischte und aus dreien Eins gemacht hatte, teilte er dieses Ganze wiederum in soviele Teile, als es gemäß
war; jeder Teil aber war gemischt aus dem Selben und dem Anderen und dem
Sein.«
Dieser metaphysischen Komposition der Weltseele folgt die im letzten
Satz angekündigte neue Einteilung, eine Einteilung in Zahlen, die in drei sich
stufenweise ergänzenden Operationen vorgenommen wird. Schon Aristoteles?
hat darauf hingewiesen, daß es sich um Zahlenverhältnisse handelt, die im
musikalischen Bereich Geltung haben; und in der Tat sind zwar die beiden
ersten Operationen noch als rein mathematische Gliederungen verständlich,
die dritte dagegen folgt nicht mehr einem mathematischen, sondern einem aus
den Notwendigkeiten der Musiktheorie resultierenden Ordnungsprinzip. Der
Versuch freilich, diese nur in Formeln gegebenen Zahlenreihen genau zu konkretisieren, sie sodann auf musikalische Verhältnisse zu übertragen und zu
deuten, hat zu einer langen Reihe von einander widersprechenden Ergebnissen
geführt, die nicht nur unter sich uneins sind, sondern auch meinen, dem Texte
Platons, der sich scheinbar als unvollständig und unklar erweist, in untereABaTEREN
schiedlicher Weise mit Ergänzungen zu Hilfe kommen zu müssen. Dennoch
lassen sich diese Interpretationen mit den sonst bekannten antiken musiktheoretischen Darlegungen nur schwer in Einklang bringen; darüber hinaus
vermögen sie nicht, den Zusammenhang der Stelle mit dem Ganzen des
1 d. h. der im ersten Satz genannten beiden Seinsweisen: des Selbig-Unteilbaren und
des Teilbar-Anderen.
2 De Anima A 3, 10: ueuepiouevnv (scil. Tv yuxnv) xatà Toùc douovixode dodo.
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Dialogs zu klären!. Im Folgenden soll versucht werden, durch genaue Interpretation des Textes die Schwierigkeiten zu beheben und auf die ungelösten
Fragen Antwort zu geben. Dabei werden zunächst die Ansichten der Kommentatoren referiert, um die Fehler ihrer Methode und die aus ihnen resultierenden Schwierigkeiten deutlich werden zu lassen; anschließend wird die u.E.
richtige Lösung dargestellt. Um hierbei größtmögliche Klarheit zu erreichen,
wird von Anfang an die Darstellung in zweifacher Weise gegeben, indem den
Zahlen entsprechende Tonnamen zur Seite gestellt werden. Freilich ist die Art
dieser Entsprechung ebenfalls problematisch und umstritten, so daß einige
Vorbemerkungen über das Verhältnis zwischen den von Platon genannten
Zahlen und den von ihnen bezeichneten Tönen gemacht werden müssen.
I
Selbstverständlich sind die von Platon gegebenen Zahlen nur auf relative
Tonverhältnisse bezogen, nicht dagegen auf absolute Tonhöhen. Wenn diese
im Folgenden dennoch angegeben werden, so nur, um die relativen Tonverhältnisse an einem Beispiel mit absoluter Tonhöhe zu verdeutlichen. Gewählt
wurde diese Tonhöhe nach dem Prinzip, im Verlaufe der Erörterungen mit
möglichst wenig Versetzungszeichen, d.h. mit möglichst wenig chromatisch
veränderten Tonnamen, auszukommen, sowie nach dem Grundsatz, die aus der
griechischen Musiktheorie bekannten Skalen in untransponierter Gestalt zu
gewinnen. Aus diesen Gründen wird im Verlaufe der Darlegungen Platons
Zahl ı zum Zwecke beispielhafter Verdeutlichung mit dem dreigestrichenen e
(e’’’) gleichgesetzt.
Das eigentliche Problem der Beziehung zwischen den von Platon angegebenen oder angedeuteten Zahlen und den durch sie bezeichneten Tonverhält1 Kommentierungen der Stelle, auf die im Folgenden Bezug
genommen wird:
1. A. BoEckH, Kleine Schriften 3, 109#.: Über die Bildung der Weltseele im Timaeus des
Platon, bes. S.158; 1866, veröffentlicht 1807 — 2. Tu. H.MArrTın, Etudes sur le Timee de Platon, 2, Paris 1841 — 3. A. ]J. H. VIncEnT, Notices et extraits des manuscrits de la Bibliotheque du Roi et autres biblioth&ques, 16, 2, S. 176#.: sur le diagramme musical de Platon,
1847 — 4. G. STALLBAUM, Scholia critica et historica super loco Timaei Platonici de animae mundanae elementis, Leipzig 1857 — 5. A. v. Tuımus, Die harmonikale Symbolik des
Altertums, ı, ı56ff. und 2, zıoff., 1868 — 6. A. RossbacH und R. Westpuar, Theorie
der musischen Künste der Hellenen®, 1886, Bd. 2, Griechische Harmonik und Melopoeie
v. WESTPHAL, S. 68ff. — 7. R. D. ARcHER-HınD, The Timaeus of Plato, London 1888 —
8. E. FRANK, Plato und die sog. Pythagoreer, Halle 1923, S. 264ff.; 155; 163 Anm. —
9. A. E. Tavror, A Commentary of Plato’s Timaeus, 1928, S. ı36ff. — Io ]. STENZEL,
Zahl und Gestalt bei Plato und Aristoteles?, 1933 — ıı. F. CORNFORD, Plato’s Cosmology, London 1937, 4. Aufl. 1956 — 12. O. Tızv, Note musicologiche al Timeo di Platone, Dioniso 12, 1949, ff. — 13. J. HanpschHin, The Timaeus Scale, Musica Disciplina 4,
1950, 3ff. — 14. A. Rıvaup, Platon Timee, Les Belles Lettres, Paris 1956°, 42ff. (als Textausgabe zugrunde gelegt).
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)nissen aber ist die Frage, was diese Zahlen eigentlich darstellen. Da es sich um
Verhältnisse im mathematischen Bereich, um Intervalle im Bereich der Musik
handelt, sind zwei Deutungen möglich. Die eine, nächstliegende, sieht in den
angegebenen Zahlen das Längenmaß der zum Klingen gebrachten Saiten,
Pfeifen, Metallstäbe o. ä. In diesem Falle entsprechen die längeren Saiten usw.
den tieferen Tönen, die kürzeren den höheren, d. h. die kleinere Zahl bezeichnet
den höheren Ton, die.größere den tieferen; die Zahlen 1: 2 entsprechen der abwärts gerichteten Oktave, also z. B. den Tönen a: A. Diese Annahme ist im
allgemeinen als zutreffend für die platonischen Zahlenverhältnisse angesehen
worden, fast sämtliche Kommentatoren der Antike wie der Moderne folgen
ihr, die meisten sogar ohne Diskussion, als ob es sich um eine durchaus evidente Tatsache handele. Dies ist jedoch keineswegs der Fall.
Schon von den antiken Kommentatoren hat Plutarch!, ebenso wie unter
den neueren THIMUS, nicht Saitenlängen, sondern Schwingungszahlen in den
von Platon gegebenen Zahlen gesehen. Das Verhältnis dieser Zahlen ist
reziprok zu dem der Saitenlängen, d.h. hier entsprechen der kleineren Zahl
tiefere, der höheren Zahl auch höhere Töne; das Verhältnis 1:2 bezeichnet
hier die aufwärts gerichtete Oktave, also die Töne A:a = 440: 880 Doppelschwingungen. Was hat Platon gemeint, als er seine Zahlenreihe aufstellte?
Man könnte meinen, diese Frage zu stellen sei müßig, denn da es sich nur
um Verhältnisse handele, nicht um absolute Tonfolgen, so sei die Richtung
der bezeichneten Intervalle nicht von Belang; Oktave bleibt Oktave, ob aufwärts oder abwärts gemessen. So glaubt HANDSCHIN? sagen zu dürfen: »It is
rather in the style of Plato to let the question open: what did matter for him
was the correspondence between tones and numbers, or tone relations and
numerical relations; whether the reader would choose one or the other among
those reverse proportionals, was to him a secondary question«.
Aus zwei Gründen ist diese Meinung abzulehnen. Einmal darum, weil die
im Verlaufe der Operationen vorgenommene Konstruktion einer diatonischen
Tonleiter ein völlig anderes Bild ergibt, je nachdem man die Intervallfolge
dieser Skala abwärts oder aufwärts ansetzt. Es wird nämlich in der letzten
Operation zur Aufstellung der Skala die Intervallfolge Ganzton— Ganzton—
Halbton—Ganzton— Ganzton—Ganzton—Halbton gewonnen. Diese Intervallfolge entspricht in der Richtung nach oben der modernen Durtonleiter, in
derselben Reihenfolge abwärts aber der Grundtonart der griechischen Musiktheorie, dem Dorischen. Beide Tonleitern, jeweils die Grundlage innerhalb
ihres musikalischen Systems, entsprechen also einander als Spiegelformen derselben Intervallfolge, eine Übereinstimmung, die u. W. noch nicht genügend
beachtet worden ist und für den “natürlichen? Charakter beider Skalen in Betracht gezogen werden sollte.
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1 De animae procreatione, ı6ff.
25.15.
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Pagina 5
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Ist also einmal für die Konstruktion der zu gewinnenden Tonleiter die
Frage nach der Richtung der Intervalle bzw. nach der Art der durch die Zahlen bezeichneten Verhältnisse durchaus von Wichtigkeit, so ist sie es zum anderen auch darum, weil Platon, wie sich im Verlaufe der Darstellung zeigen
wird, bei seinen musiktheoretischen Angaben an unserer Stelle durchaus konkrete Phänomene beschreibt und sich keineswegs in abstrakte Spekulationen
verliert, wie man vielfach meinte!. Es gilt also von vornherein zu versuchen,
seine Angaben präzise zu verstehen.
Für die Theorie, in den Zahlen Frequenzen zu sehen, scheint Platon selbst
zu sprechen. Er definiert nämlich im Timaios 67b den Ton als Bewegung, die,
wenn sie schnell vor sich geht, einen hohen Ton bewirkt, langsam aber einen
tiefen. Es könnte also scheinen, daß Platon, da er den Ton als Bewegung =
Schwingung versteht, ihn auch zahlenmäßig nach Anzahl der in einem bestimmten Zeitraum erfolgenden Schwingungen messen und darstellen wollte,
so wie es die moderne Akustik auch tut. Das würde bedeuten, daß höhere
Zahlen auch höheren Tönen entsprechen und umgekehrt. Platons Zahlenreihe
würde also einer aufsteigenden Tonfolge entsprechen. Zwei Tatsachen erwecken
Bedenken, dieser Annahme zu folgen.
Die im Timaios aufgestellte Zahlenreihe erstreckt sich von ı bis 27. Entsprechend dem eben Gesagten würde sie, als Frequenzzahlenreihe gedeutet,
einen Tonumfang von 4 Oktaven plus einer großen Sext bezeichnen?, einen
Tonumfang in aufwärts gerichtetem Sinne wohlgemerkt. Nun ist aber bekannt,
daß alle antike Musiktheorie wie auch antikes Musizieren und Musikempfinden
überhaupt, entgegen der heute üblichen Richtung nach oben, in abwärts gerichtetem Sinne gedacht und empfunden wurde. Es wäre verwunderlich, wenn
Platon hier von dieser Eigentümlichkeit antiken Musiklebens völlig abwiche.
Ferner muß darauf hingewiesen werden, daß die hier zur Debatte stehenden
Spekulationen über die zahlenmäßigen Beziehungen zwischen verschiedenen
Tönen ihren Ursprung haben in pythagoreischer Lehre. Hier aber findet sich
als Ausgang und Mittelpunkt der Betrachtung das Monochord, anhand dessen
die in Betracht gezogenen Zahlenverhältnisse praktisch aufgewiesen werden
konnten. Am Monochord aber, als an einer Saite, entsprechen natürlich kurze
1 So vor allem Frank, z. B. S. 167: »Die Tonleiter des Timaios ist eine metaphysische
Konstruktion, die mit wirklicher griechischer Musik nichts zu tun hat und mit bewußter
Absicht ihre Töne und Konsonanzen außer acht läßt.« Merkwürdigerweise stimmt ihm
HanDscHın, der sonst diese “Phantomtheorie’ mit heftigen Worten verdammt (vgl. die
unerfreuliche Polemik S. 32), in der Betonung des abstrakten Charakters der
platonischen
Darlegungen weitgehend bei.
® Das Verhältnis 1:2 bezeichnet die Oktave, ı: ı6 bezeichnet demnach 4 Oktaven;
16:24==2:3 bezeichnet das Verhältnis der Quint, 24:27==8:9 das des Ganztons.
Da Ganzton und Quint sich zur großen Sext addieren, bezeichnet das Verhältnis von
r: 27
also den Umfang von 4 Oktaven plus einer großen Sext.
Pagina 6
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Abschnitte der Saite, also niedrige Zahlen, hohen Tönen, längere Saitenabschnitte mit größeren Zahlen aber tieferen Tönen. Auch aufgrund dieser Überlegungen liegt es nahe zu vermuten, daß die platonischen Zahlen Saitenlängen
bezeichnen und so in ihrem Ablauf von ı bis 27, also von den geringeren zu
den größeren Zahlen, einem Abstieg der durch sie bezeichneten Töne entsprechen.
Und doch müßte man, da Platon den Ton als Bewegung = Schwingung definiert
hat, vermuten, seine Zahlen bezeichneten die Anzahl der Schwingungen verschiedener Töne; nach diesem Prinzip aber müßten die Zahlen ı bis 27, als
Frequenzzahlen verstanden, eine aufsteigende Tonreihe bezeichnen.
Der Widerspruch, der sich aus dem nach unten orientierten antiken Musikempfinden und der steigenden Frequenzenreihe Platons zu ergeben scheint,
läßt sich durch eine heute unübliche, in der Antike aber gebräuchliche Umkehrung der Messungsmethode, d.h. von Maßeinheit und Gemessenem, befriedigend lösen. Die Entsprechung zwischen Schwingungszahl und Zeit kann
auf zweifache Weise gemessen werden; entweder mit der heute üblichen Methode, die Zahl der in einem festgelegten Zeitraum erfolgenden Schwingungen
zu messen, wobei mehr Schwingungen = höhere Zahlen auch höheren Tönen
entsprechen, oder aber indem man die Zahl der für eine bestimmte Anzahl von
Schwingungen benötigten Zeitteile angibt. In diesem Falle werden wiederum
höhere Zahlen tiefere Töne bezeichnen, niedrigere Zahlen umgekehrt höhere
Töne. Um das vorher gegebene Beispiel zu benutzen: der Ton a als der höhere
vollendet in ı Sekunde 880 Schwingungen; der Ton A mit 440 Schwingungen
in I Sekunde benötigt, um 830 Schwingungen zu vollenden, 2 Sekunden, steht
also, obwohl von den Schwingungszahlen ausgegangen wird, zu dem um eine
Oktave höheren Ton aim Verhältnis 2:ı, da nun nicht mehr die Schwingungszahlen in einer Zeiteinheit, sondern die Zeiteinheiten für die zu vollendenden
Schwingungen gemessen werden. Aufgrund dieser Betrachtungsweise ergibt
die platonische Zahlenreihe von ı bis 27 auch dann, wenn man die Töne als
Schwingungen auffaßt, eine abwärts gerichtete Reihe, sie bleibt in Übereinstimmung sowohl mit der allgemeinen antiken Musikanschauung wie auch
mit den praktischen Experimenten der pythagoreischen Schule am Monochord. Denn es muß betont werden, daß die antiken Theorien über die Schwingungen von Tönen reine Spekulation waren, da sie ja auf keine Weise experi. mentell aufgewiesen werden konnten!, So lag es nahe, die Meßmethode der durch
Spekulation erschlossenen Schwingungen in Übereinstimmung zu bringen mit
der allein zur Verfügung stehenden Meßmethode bei den Experimenten am
Monochord oder an Pfeifen?.
1 Vgl. die umständlichen theoretisierenden Darlegungen zu Beginn der Sectio Canonis
des Euklid, mit denen die Bewegung als Ursache der Töne und ihrer Unterschiede bewiesen werden soll.
® Vgl. auch BoeckaH, S. 140 über die Verwendung der hier beschriebenen Meßmethode
in der Antike.
Pagina 7
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Diese Auffassung wird unterstützt durch eine andere Stelle im Timaios
(8oab)1. Hier ist die Rede davon, daß die höheren Töne infolge ihrer schnelleren
Bewegung den Hörer früher erreichen, die tieferen infolge ihrer langsameren
Bewegung aber erst später anlangen. Es wird also irrigerweise nicht eine absolute Schallgeschwindigkeit angenommen, sondern die Fortpflanzungsgeschwindigkeit eines Tones mit seiner Schwingungszahl gleichgesetzt. Von hier aus
versteht sich auch die Annahme, daß ein Ton eine bestimmte Strecke in I Sekunde bewältigt, der um eine Oktave tiefere Ton aber infolge seiner »Langsamkeit« für dieselbe Strecke 2 Sekunden benötigt. Die abwärts gerichtete Oktave
entspricht also auch in dieser Sicht dem Verhältnis ı :2. Platons Zahlen bezeichnen also, obwohl sie von der Voraussetzung der Töne als Schwingungen ausgehen, mit Sicherheit eine abwärts gerichtete Tonfolge. Denn sie bezeichnen
entweder den zur Vollendung einer bestimmten Anzahl von Schwingungen benötigten Zeitraum oder aber irrigerweise den von den Tönen zur Bewältigung
einer bestimmtenStrecke
benötigten Zeitraum.DieletzteMeßmethodewird durch
die Erörterungen Tim.80 ab wahrscheinlich gemacht. In jedem Fallist die Auffassung des Tones als Schwingung berücksichtigt und dennoch die platonische
Zahlenreihe in Übereinstimmung mit der antiken Musikauffassung gebracht.
II
Sind so die Anstöße für das Verständnis der durch die Zahlen bezeichneten
musikalischen Verhältnisse behoben, so bleiben doch noch mannigfache Schwierigkeiten, die in den Zahlen selbst liegen. Platon gibt diese nämlich nicht expressis verbis an, sondern er nennt nur die drei mathematischen Operationen,
anhand deren der Leser selbst die Zahlen finden und ihre Bedeutung verstehen
soll. So ist denn die Aufstellung der dritten Zahlenreihe, in der das Endergebnis des ganzen Passus formuliert ist, von den Kommentatoren immer wieder
unterschiedlich vorgenommen worden, so daß der Sinn der ganzen Darlegung
stets anders verstanden worden ist. Übereinstimmung herrschte lediglich über
das Verständnis der ersten beiden Zahlenreihen.
Platon beschreibt die erste der drei Operationen folgendermaßen: »Der
Demiurg begann aber auf folgende Weise einzuteilen: zuerst nahm er einen
einzigen Teil von dem Ganzen hinweg, nach diesem das Doppelte, als Dritten
das Anderthalbfache des Zweiten beziehungsweise das Dreifache des Ersten;
als Vierten das Doppelte des Zweiten, als Fünften das Dreifache des Dritten;
als Sechsten das Achtfache des Ersten, als Siebenten das Siebenundzwanzigfache des Ersten?«. Wir erhalten also die Reihe?
1 2—3—4—9—8—27
e’—e’—
a’
—d—e—G.
1 Eine eingehende Erklärung dieser Stelle wird demnächst in dieser Zeitschrift vorgelegt werden.
2 Vgl. über die Bedeutung der unterschiedlichen Definitionsweise der einzelnen Zahlen
unten S, 411f.
® Vgl. Notenblatt Nr. ı
Pagina 8
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Diese Reihe stellt, von ı ausgehend, die geometrische Reihe der Potenzen
von 2 und 3 bis zur Kubikzahl dar. Aus diesem Strukturprinzip der Reihe erklärt sich auch die auffällige Vertauschung der Reihenfolge von 8 und 9. Die
Zahl 9, als Quadrat von 3, rangiert als solches neben der Quadratzahl von 2,
also 4, während 8 als Kubikzahl von 2 neben die Kubikzahl von 3, also 27, an
die vorletzte Stelle treten muß. Aufgrund dieses Strukturprinzips hat man
diese Zahlenreihe in der Antike auch nicht als einfache Reihe, sondern in Form
eines Lambda mit Gleichstellung der jeweiligen Potenzen auf einer Ebene gegliedert, vgl. Macrobius comm. in Somnium Scipionis I, 6, 45f.: Nam primo
omnium hoc numero (scil. VII) anima mundana generata est, sicut Timaeus
Platonis edocuit. monade enim in vertice locata terni numeri ab eadem ex utraque
parte fluxerunt, ab hac pares, ab illa impares, id est post monadem a parte aliera
duo, inde quattuor, deinde octo, ab altera vero parte Iria, deinde novem et viginti
septem. ei ex his numeris Jacta contextio generationem animae imperio creatoris
effecit!. Der Codex Parisinus 6371 gibt dazu fol. 16 verso die Zeichnung:
IV
VIII
I
I nt
/
VIII
XXVIl
Es bleibt noch zu bemerken, daß es sich bei diesen 7 Zahlen um die sog.
‘ große Tetraktys handelt, bei welcher die Summe der ersten 6 Glieder dem
7. Gliede gleich ist: 1
+2 +3+4+38-+9 = 27. Von den vielerlei symbo‘ lischen Deutungen, die sich in mystischer Betrachtungsweise an sie knüpfen,
können wir hier füglich absehen. Musiktheoretisch gesehen, bietet die Reihe
“ bereits 4 Grundintervalle, nämlich dieOktave 1:2:4:8 =e’’’— e’’—e’—e,
ferner die Quint
2:3 = e’’—a’und die Quart
3:4 =a’— e’, schließlich
; auch den Ganzton 8:9 = e — d. Doch versucht Platon nicht etwa, durch
\ Transponierung dieser Intervalle eine Tonleiter zu gewinnen, was gut möglich
: wäre, sondern er schreitet auf mathematischem Wege weiter voran und fügt
eine zweite arithmetische Operation an.
III
Der Demiurg, so fährt Platon fort, »füllte darauf die zweifachen und die
; dreifachen Zwischenräume aus, indem er weitere Teile vom Ganzen abschnitt
: und sie in die Mitte zwischen diese setzte, sodaß sich in jedem Zwischenraum
Ä je zwei Mittelglieder befanden, von denen das eine die Außenglieder um
Ä
:
1 Das Gleiche wird 2, 2 mit größerer Ausführlichkeit und geringerer Deutlichkeit vor: getragen. Die Lehre von der Anordnung der platonischen Zahlen in der Form eines
‘ Lambda wird von Plutarch, De animae procreatione 29, dem Krantor zugeschrieben. Die
; Codices bieten hier ebenfalls die oben abgebildete Figur.
vä
Pagina 9
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster), dasandere aber um
denselben Teil übertraf bzw. von ihnen übertroffen wurde
dieselbe Zahl.« Platon läßt also in jede der beiden Reihenhälften in jedes Intervall zwei Mittelglieder einfügen, von denen das eine das sog. harmonische Mittel
die
darstellt, das andere das sog. arithmetische Mittel!. Es ergeben sich somit
beiden folgenden, insgesamt 19 Zahlen umfassenden Reihen?
Y
e
1108
I
h’4al3
a’ 3]2
3/2 a’
2 e”
ea
— 3
a’
9/2 d’
h’8/3
a
6
a’3
9.
e’4
d
27]2G
h 16/3
e8
27G
Nun sind mehrere Zahlen in beiden Reihen identisch; sie sind zwar in sie
in verschiedener Funktion aufgenommen worden, sind jedoch als Zahl gleich®.
Da außerdem Platon nur von einer einzigen Reihe zu sprechen scheint, wie es
die von ı bis 27 geordnete Aufzählung ihrer sieben Glieder vermuten läßt, da
er auch am Ende des Passus nur singularisch von einer einzigen odotaoıs
spricht, und schließlich um der Übersichtlichkeit willen, zog man nun beide
Reihen® wieder in eine einzige Reihe zusammen, setzte die doppelt vorhandenen
Glieder nur einfach ein und erhielt so die aus 15 Zahlen bestehende Reihe®
ı —4l3—3[2— 2 —8/3—3 — 4 —9]2— 16/3 —6—-8—9—27[2—18 —27
e”’—h’—a’—e’— h’—a-e—-d’— h-a-—e-d- G —D-G
ı Das arithmetische Mittel ist das Mittel, welches in der Mitte von zwei gegebenen
Zahlen zu beiden Außengliedern den zahlenmäßig gleichen Abstand hält, also zwischen
.
2 und 4 die Zahl 3, errechnet nach der Formel * =
b
‚als[6) 2 +4 = 3. Beim harmonischen
Mittel übertrifft das Mittel die kleinere Zahl um denselben Teil dieser kleineren Zahl, um
den esim Verhältnis zur größeren Zahl von dieser übertroffen wird; 3 — 4 — 6 bilden eine
solche Zahlenfolge, indem die 4 die 3 um ı/3 von 3 = ı übertrifft, umgekehrt aber um ı 3
von 6 = 2 von der 6 übertroffen wird. Die Formel ist
2.3.6
36 _
346
9
= ‚in unserem Falle also
a
2 Vgl. Notenblatt Nr. 2.
® 2 und 3 sind jeweils Grundzahl in einer Reihe, arithmetisches Mittel in der anderen,
6 ist arithmetisches Mittel in beiden Reihen, 3/2 arithmetisches Mittel in der Zweierreihe,
harmonisches Mittel in der Dreierreihe.
4 *for convenience’s sake’, wie TAYLOR S. 138 verräterisch formuliert.
5 Nach Plutarch, De animae procreatione 20 und 29, tat das in der Antike als erster
Theodoros.
® Vgl. Notenblatt Nr. 3.
Pagina 10
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Es läßt sich leicht erkennen, daß im Gegensatz zur Intervallfolge der Ausgangsreihe nur ein einziger neuer Ton und mit ihm ein einziges neues Intervall
hinzugekommen sind; das harmonische Mittel der Zweierreihe, 4/3 resp. 8/3
resp. 16/3, liefert die Töne h’’, h’ und h, von denen der Ton h mit dem Ton
d’ das Intervall der kleinen Terz bildet, mathematisch formuliert das Verhältnis 16/3: 9/2 = 162/3-9 = 32/27 = 2°: 3°. Durch das Hinzutreten dieses Tones
aber ergibt sich bei transponierter Aneinanderreihung der bisher gewonnenen
Töne die anhemitonische pentatonische Tonleiter mit den TöonenG— A— H —
d — el. Doch nicht diese ist Platons resp. des Demiurgen Ziel. In einer dritten
Operation geht er an die Konstruktion einer diatonischen Skala. Die für sie
benötigten Zahlen werden in einem Verfahren gewonnen, das nun nicht mehr
durch mathematische, sondern durch musiktheoretische Erwägungen diktiert
ist. Um sie zu erhalten, verfährt der Demiurg nach Platons Worten folgendermaßen:
»Da aber durch diese Verbindungsglieder Zwischenräume von 3/2, 4/3 und
9/8 in den vorherigen Zwischenräumen entstanden waren, füllte er alle Zwischenräume von 4/3 mit dem Zwischenraum von 9/8 aus, so daß jeweils ein
Teil übrigblieb, der durch das Zahlenverhältnis von 256/243 bestimmt wurde.
Und so hatte er denn die Mischung, von welcher er diese Teile abschnitt, ganz
aufgebraucht.« Musiktheoretisch formuliert, bedeutet das, daß bei der zweiten Operation in den vorher, d. h. in der Grundreihe gegebenen Intervallen neue
Intervalle entstanden sind, und zwar Quinten, Quarten und Ganztöne. Von
diesen sollen nun sämtliche Quarten mit Ganztonintervallen ausgefüllt werden,
und zwar jeweils so, daß dabei am Ende das Halbtonintervall übrigbleiben
soll. Hierbei setzen nun die Schwierigkeiten ein, deren Lösung vorgeschlagen
werden soll.
IV
Es sind ihrer insgesamt sechs.
ı. Bereits der Anfang des eben zitierten platonischen Satzes scheint einen
Irrtum Platons zu enthalten. Es wird konstatiert, daß infolge der zweiten Operation in der Grundreihe Verhältnisse von 3/2, 4/3 und 9/8 neu entstanden
sind, also Quinten, Quarten und Ganztöne. Platon scheint zu übersehen oder
zu verschweigen, daß auch einmal das Verhältnis 32/27, also eine kleine Terz,
entstanden ist.
2. Ein weiteres Versehen oder Verschweigen Platons scheint darin zu bestehen, daß er als dritte der Operationen die Zwischenräume im 4/3-Verhältnis,
also die Quarten, ausfüllen läßt, dabei aber nicht in Anschlag bringt,daß seine
bisherige Reihe ja noch nicht überall in dieses Verhältnis unterteilt ist. Zwischen
den Zahlen g und 27/2 sowie zwischen ı8 und 27 besteht nicht das Quartenverhältnis 4/3, sondern das Quintverhältnis 3/2. Um dieser Schwierigkeit zu
! Vgl. Notenblatt Nr. 4.
Hermes 87,4
Pagina 11
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)entgehen, meinte man, Platon dahingehend korrigieren zu sollen, daß man
entweder stillschweigend und entgegen dem Wortlaut des Textes auch die
Quintverhältnisse 3/2 in der angegebenen Weise ausfüllte (z.B. Proklost,
Rıvaup) oder aber sich mühte, in einer Zwischenoperation, die man aus
eigenem Ermessen einschaltete, die fehlenden Quartverhältnisse von 4/3 herzustellen, indem man den Raum zwischen 8 und 27 auf entsprechende Weise
unterteilte. Dabei ergeben sich wiederum mehrere Möglichkeiten, die nebeneinander treten und von denen man nicht mit Sicherheit die von Platon gewollte herausheben kann, so daß das Endergebnis der ganzen Darlegung im
Dunkeln bleibt (Hanpschin).
3. Doch auch innerhalb der schon in 4/3-Verhältnisse (Quarten) unterteilten Reihe von ı—8 ergibt sich eine Schwierigkeit. Hier sind nämlich 2
übereinandergelagerte 4/3-Verhältnisse (Quarten) zu konstatieren, 4: 16/3
und 9/2: 6, d.h. e — hund d’—.a. Will man diese Quarten entsprechend der
platonischen Vorschrift mit Ganztönen ausfüllen, so erhalten wir die Tetrachorde e® — d’— ce’ —h und d’ —c’—b-—-a, in denen die Töne h und b
chromatisch miteinander dissonieren. Das entspricht den Zahlenfolgen
4 — 9/2 — 81/16 — 16/3 und andererseits 9/2 — 81/16 — 729/128 — 6°. Es
differiert also der Grenzwert des einen Verhältnisses, nämlich 16/3, mit dem
zweiten eingesetzten Wert des anderen Verhältnisses, nämlich mit 729/128,
während die anderen Werte aus beiden Verhältnissen übereinstimmen. Die
Differenz der beiden einander störenden Werte beträgt 2187/2048 = 37: zil,
Dieses Zahlenverhältnis ist sicherlich nicht von Platon beabsichtigt, da er als
geringsten Wert innerhalb seines Systems das Verhältnis 256/243 = 28: 3öge- .
nannt hat. Dennoch ergibt sich dieser Wert, folgt man den zitierten Anordnun- .
gen zur Ausfüllung der bestehenden 4/3-Quart-Verhältnisse. Es bleibt also die
Frage offen, ob man diesen Wert annehmen und einen Lapsus des Autors
zugeben soll, oder ob man die Zahl 729/128 stillschweigend nach dem Wert ihrer Nachbarzahl 16/3 korrigieren soll, ob man also b in h umändern müsse.
Desgleichen ergibt sich bei der Ausfüllung des Quartverhältnisses G: D
= 27/2: 18 die Zahlenfolge 27/2 — 243/16 — 2187/128 — 18, die der Tonfolge
G — F — Es — Dentspricht®. Wiederum differiert der zweite eingesetzte Wert,
also 2187/128, mit dem von Platon zwar nicht genannten, aber dem Prinzip
der Ausgangsreihe I—2—4—
8 entsprechenden Wert von I6, d.h. wie
eben h und b, so dissonieren hier E und Es. Die Differenz dieses Halbtons
beträgt wiederum 2187/2048 oder 37: 211; wieder bleibt die Frage offen, ob man
diese Diskrepanz akzeptieren soll oder ob man sie korrigieren muß.
! Comm. ad. Tim. Im allgemeinen folgte man der bei Plutarch, De animae procreatione 19, überlieferten antiken Lösung, die Ouinte als die Addition von Quarte + Ganzton anzusehen und dementsprechend — freilich willkürlich und ohne Anhalt im Texte
Platons — zu unterteilen.
2 Vgl. Notenblatt Nr. 5.
® Vgl. Notenblatt Nr. 6.
Pagina 12
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)4. Stillschweigend ist hierbei auch schon die Umstellung der Ziffer 9 vor
der Ziffer 8 zugunsten der arithmetischen Reihenfolge korrigiert worden,
obwohl diese Umstellung von Platon ausdrücklich genannt und aus erkennbaren
Gründen vorgenommen worden ist, indem er eigens die 9 als die fünfte, die 8
erst als die sechste Zahl der Grundreihe nannte. Über die Gründe für diese
Umstellung ist schon gesprochen worden!.
5. Weiterhin ist es offenbar Platons Absicht, durch den Demiurgen eine
diatonisch strukturierte Skala konstruieren zu lassen; das beweist die Art der
dritten der drei mathematischen Operationen, das Einfügen von Ganztönen
mit dem Verhältnis 9/8, mit hinreichender Deutlichkeit. Nun ist das Verhältnis von I zu 27 musikalisch gleich dem Umfang von 4 Oktaven und einer
großen Sext. Ein solcher Umfang ist aber in griechischer Musiktheorie und
-praxis völlig unbekannt, kein Instrument der Antike vermöchte diese Skala
vorzuführen, ebensowenig wie es normalerweise die menschliche Stimme vermag; kein Musiktheoretiker vermöchte aber auch die einzelnen Töne einer
solchen für antike Begriffe monströsen Skala mit den griechischen Tonnamen
zu benennen, die nur für den Umfang von 2 Oktaven zur Verfügung stehen?.
Weder Theorie noch Praxis vermögen also mit dieser zweifelhaften Skala etwas
anzufangen, und es ist sicherlich zu sehr mystisch-spekulative Aussage, wenn
man zur Erklärung anführt, Platon habe bis zur dritten Potenz, bis zu den
Kuben, vorgehen müssen, weil auch die Seele bis zu den Körpern vordringen
müsse®, und ebenso erscheint die Auskunft recht primitiv, die Skala der Weltseele müsse eben irdische Maße weitaus überragen‘®.
6. Offen bleiben schließlich die wichtigen, freilich u. W. bisher nicht eigentlich gestellten Fragen, warum Platon diese Art musikalischer Proportionen
einmal in so umständlicher, verklausulierter und durch ihre Verschlüsselung
zu Unklarheiten Anlaß gebender Weise darstellt, zum anderen, warum er sie
gerade in diesem Dialog und an dieser Stelle seines Werkes vorführt. Zur Konstruktion einer diatonischen Skala genügten geringere Zahlen und einfachere
mathematische Operationen. Und die Verknüpfung der von ihm dargestellten
Methode zur Bildung einer Skala mit dem Ganzen des Dialogs, der ja metaphysische Erkenntnisse vermitteln will und nicht musiktheoretische, bleibt im
Dunkeln. Allein zum Beweise, daß auch in der Musik und ihren Intervallen
! Vgl. oben S. 399.
2 Die grundsätzliche Beschränkung auf einen Umfang von nur 2 Oktaven blieb bekanntlich in der Musiktheorie bis ins Mittelalter erhalten, und noch die Notenschrift in
lateinischen Buchstaben im ıo. Jhdt. bezieht sich auf die antike, 2 Oktaven umfassende
diatonische Skala,
3 Adrast bei Theon Mus. S. 98; Proclus, Comm. ad Tim. 3, 192b.
* Macrob in Somn. Scip. 2, 1, 24 im Anschluß an die Erwähnung der Doppeloktav als
des größten Intervalis der griechischen Musiktheorie: Sed hic numerus symphoniarum ad
musicam pertinet, quam vel flatus humanus intendere vel capere potest humanus auditus, ultro
autem se tendit harmoniae caelestis accessio, id est usque ad quater diapason kai diapente (was
EEE ee
dazu noch verkehrt ist, da es sich um 4 Oktaven plus große Sext handelt).
Pagina 13
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)mathematische Verhältnisse zu konstatieren sind, wäre die Vorführung dieser
umständlichen Operationen nicht vonnöten gewesen, einige einfacher gehaltene
Hinweise auf konsonierende Intervalle und ihreZahlenverhältnisse bzw. die Konstruktion einer Skala im Raume von ein oder zwei Oktaven, also innerhalb der
Zahlen von ıbis2 oder 4und somit auch innerhalb der Grenzen der griechischen
Musiktheorie, hätte genügt. Freilich bliebe auch dann die Einfügung einer
musiktheoretischen Erörterung an einem so wichtigen Punkte des Dialogs, als
erste Handlung des Demiurgen zur Einteilung der aus metaphysischen Urgründen geschaffenen Weltseele, unverständlich.
Die aufgeführten sechs Probleme ergeben sich, folgen wir in der Interpretation des platonischen Textes den Kommentaren. Ihre mannigfachen, aber
immer erfolglos gebliebenen Versuche zur Behebung der Schwierigkeiten
sollen hier nicht im einzelnen referiert werden!; es genügt zu sagen, daß man
stets meinte, dem Texte Platons mit Hilfskonstruktionen — Ausfüllung auch
der Quintverhältnisse oder eigenmächtige Einteilung in Quarten u. a. m. —
zu Hilfe kommen zu müssen, daß jedoch stets das Ergebnis unbefriedigend
und anstößig blieb; insbesondere sind die unter 2, 3, 5 und 6 angeführten
Probleme bisher stets ohne Lösung geblieben.
Und doch läßt sich die Lösung der Schwierigkeiten und Unklarheiten, folgt
man dem Texte Platons ohne von außen herangetragene Postulate, mit geringer
Mühe erreichen und eine befriedigende Klärung der aufgezählten Probleme gewinnen. Es gilt, den Anweisungen des Autors mit voraussetzungsloser Genauigkeit zu folgen und die so gewonnenen Ergebnisse ohne Voreingenommenheit zu
interpretieren. Denn der Text vermag, wird er in dieser Weise befragt, durchaus
befriedigend Antwort zu geben. Der Satz Ciceros gilt zu Recht: Timaeus
Platonis ut non intellegatur, rerum obscuritas, non verborum facıt?.
V
Die ersten beiden der drei mathematischen Operationen, also die Aufstellung der Grundreihe und die Einfügung der Mittelglieder, sind als solche
eindeutig; sie sind auch bisher richtig dargestellt worden und brauchen hier
nicht wiederholt zu werden. Am Ende der 2. Operation ergibt sich das auf
5. 400 dargestellte Lambda, das aus den 7 Zahlen der Grundreihe und den 12
eingefügten Mittelgliedern besteht. Es gilt nun, die Trennung dieser beiden
Reihen des Lambda beizubehalten. Platon fordert diese Trennung durch drei
Hinweise: einmal durch die Nennung der 9 als zweiter Zahl der Potenzreihe von
ı Eine Übersicht über die Lösungsversuche aus Antike und Neuzeit gibt HANDScHIN,
S. 24ff. Allerdings behandelt er nur die ihm am wichtigsten erscheinenden 8 Interpretationen.
2 De fin. 2, 15. Ebenso hat der Satz Vitruvs seine Berechtigung, mit dem dieser seine
Behandlung der vorliegenden Probleme einleitet: Harmonia autem est litteratura obscura ei
difficilis, maxime quibus Graecae litierae non sunt notae (5,4)-
Pagina 14
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)3 vor der 8 als dritter Zahl der Potenzreihe von 2; zum anderen durch die Auslassung der Zahl 16, die innerhalb der arithmetischen Ordnung als vierte Potenz
von 2 vor 27 genannt werden müßte, deren Nennung jedoch unterbleibt zugunsten des Prinzips, innerhalb der Zweier- wie der Dreierreihe nur bis zur
Kubikzahl vorzugehen!, also beide Reihen als getrennt voneinander bestehende,
jeweils für sich selbst gültige Bezugssysteme zu verstehen; und schließlich dadurch, daß er bei der zweiten Operation ausdrücklich nur die Ausfüllung der
Zweier- und der Dreierintervalle fordert, nicht aber auch die Intervalle 2: 3,
3:4, 8:9 oder gar 8:27 durch entsprechende Mittelglieder ausfüllen läßt,
was bei einer zusammenschauenden Sicht des ganzen Systems wohl zu erwarten wäre, jedoch dann unterbleiben muß, wenn die beiden Reihen der
Zweier- und der Dreierpotenzen von einander getrennte Systeme darstellen,
so daß Zahlen der einen Reihe nicht mit denen der anderen Reihe in Beziehung
gesetzt werden können. Wir behalten also, gestützt auf die nicht anders zu
deutenden Hinweise des platonischen Textes, die anfänglich vorgenommene
Unterscheidung in eine Reihe von Zweierpotenzen und eine ihr an die Seite
gestellte Reihe von Dreierpotenzen bei, denen lediglich der Ausgangspunkt,
die Zahl ı, gemeinsam ist?.
Dadurch entfällt sogleich die erste der Schwierigkeiten. Das nach der zweiten
Operation mögliche Terzverhältnis zwischen der 8. Zahl der Zweierreihe und
der 5. Zahl der Dreierreihe, also zwischen 16/3 und 9/2, wird von Platon nicht
erwähnt, eben weil er beide Reihen nicht zueinander in Beziehung setzt, sondern sie bis zum Ende der Darlegungen als zwei zwar zueinander gehörige,
jedoch grundsätzlich unterschiedene Prinzipien versteht. Ebenso bleibt das
vierte der Probleme gegenstandslos: 8 und 9 stehen jeweils durchaus zu Recht
an ihrem Platz innerhalb der Reihen, denen sie angehören, eine Korrektur der
platonischen Verkehrung ihrer arithmetischen Reihenfolge ist durchaus nicht
vonnöten, beide stehen, auf verschiedener Ebene, die eine als Quadratzahl der Dreierreihe, die andere als Kubus der Zweierreihe, am richtigen
Orte.
Stellen sich so gleich zu Anfang zwei der aufgeführten Schwierigkeiten als
gegenstandslos heraus, so zeigt sich auch im Fortgang die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges. Als letzte Operation fordert Platon die Ausfüllung aller
Quartverhältnisse (4/3) mit dem Ganztonverhältnis (9/8), so daß dabei ein
Rest im Halbtonverhältnis (256/243) übrigbleiben soll. Wiederum gilt es, die
Anweisungen des Textes genau zu erfüllen und von allen vermeintlich nötigen
Hilfskonstruktionen Abstand zu nehmen.
1 Über die Gründe des Vorgehens bis zur Kubikzahl vgl. S. 409.
B
peN Un
2 Vgl. jedoch S. 4ııf. über die gegenseitige Beziehung beider Reihen zueinander sowie die
Ausführungen über die platonischen Bezeichnungen der Grundzahlen S. 410f. Über die
Berechtigung zur Trennung infolge verschiedener Funktion gleicher Zahlen in beiden
Reihen S. 412.
Pagina 15
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Die beiden in der zweiten Operation gewonnenen Reihen enthalten neun
die jeweils
4/3 = Quart-Verhältnisse. Die Zweierreihe weist sechs auf, da
eingefügten Mittelglieder zu den ihnen benachbarten Außengliedern in diesem
Verhältnis stehen, während die Mittelglieder selbst untereinander das Ganztonverhältnis (9/8) bilden. Umgekehrt bilden die Mittelglieder der Dreierreihe jeweils
miteinander das Quartverhältnis (4/3), während sie mit denihnen benachbarten
Außengliedern der Grundzahlenreihe das Quintverhältnis (3/2) bilden. Die Dreierreihe enthält also sechs Quintverhältnisse und drei Quartverhältnisse, von
ch ist,
denen das erste mit dem zweiten Quartverhältnis der Zweierreihe identis
der Zweier(3]2 :2 = a”—e”), das zweite sich mit dem fünften Quartverhältnis
reihe zahlenmäßig überschneidet (4: 16/3 und 92:6 = e'—h und d’—.a), das
dritte schließlich ganz für sich allein dasteht (27/2:18 = G —D).
ZWEIERREIHE
Verhältnis: 4a
Als
08
Als
gl
Aa
Als
glE
Aa
— 6 — 8
1 43 3a— 2 — 83— 3 — 4 — 163
W—-ıi—- e‘— h
e’— h”"—- a” —e’—
— ae
Intervall: Quarte- Ganzton - Quarte-Quarte- Ganzton- Quarte -Quarte- Ganzton - Quarte
DREIERREIHE
Verhältnis: 32
3
43
32
32
Als
32
32
Als
18 — 27
1 3k— 2 — 3 —9a— 6 — 9 —27l2—
et— a—e— 2 —d‘—-—a—-d—-G—-D—-G
Intervall: Quinte-Quarte-Quinte-Quinte-Quarte-Quinte- Quinte - Quarte - Quinte
Was ergibt sich nun, wenn wir, statt wie bisher die ganze in Eins zusammengezogene Reihe in Quarten zu unterteilen oder aber auch die Quinten auszufüllen, lediglich die Quarten ausfüllen, von diesen aber nach Platons ausdrücklicher Vorschrift alle? Die beiden Reihen gewinnen dann folgende Gestalt!:
ZWEIERREIHE
— 4/3 — 3/2 — 27116— 243/128— 2 — 9/4 — 81/32 —
2 — 9/8 — 81/64
e’’— d’’” _.
ce’
_. h’”
_—
a’ _—
g”
f’
_
_—e’—
d’ _—
ce’
_
— 243/32 — 8
8/3 — 3 — 27/8 — 243/64 — 4 — 9]2 — 81/16 — 16/3 — 6 — 27/4
hg —
ff
——d—
‘
—h
ag —
TI
-—e
DREIERREIHE
ı — 3/2 — 27/16 — 243/128 — 2 — 3 — 9/2 — 81/16 — 729/128 — 6 — 9 —
e’’—
a’
—_
g”
_
f”’
—e’— a’ —
d’
_
27]2 — 243/16 — 2187/128 — ı8 — 27
G— FE
-—-D-G
1 Vgl. Notenblatt Nr. 7.
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c
Pagina 16
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Es läßt sich leicht erkennen, daß beide Reihen, mathematisch wie musikalisch verstanden, zwei einander entgegengesetzte Prinzipien darstellen. Gehen
wir von den Zahlen und ihren Verhältnissen aus, so bedingt die Struktur der
Zweierreihe in ihrem Fortschreiten, sowohl innerhalb der von Platon gegebenen Grenzen als auch in entsprechender Fortführung, ein stets gerades, unveränderliches Verhältnis ihrer Glieder; das zeigt sich besonders darin, daß im
weiteren Voranschreiten an die Stelle der Brüche ganze Zahlen treten!. So
repräsentiert die Zweierreihe einen sich stets gleichbleibenden Ablauf, vom
Ausgang bis zu jedem beliebigen Punkt des Weiterschreitens; esist das Wesen der
geraden Zahl, das hier zum Ausdruck kommt, das Prinzip des Unveränderlichen,
Gleichbleibenden, Einen, das in mathematischer Formulierung dargestellt wird.
Demgegenüber steht die Dreierreihe zur Verdeutlichung des Wesens der
ungeraden Zahl. Die Ausfüllung der sich in ihr findenden 4/3-Verhältnisse führt
schon innerhalb der von Platon gegebenen Grenzen und ebenso auch in entsprechendem Vorangehen über sie hinaus zu immer komplizierteren Brüchen,
die Zahlen verlieren sich in Werte, die der ganzen Zahl immer ferner stehen,
stets zeigt sich ein andersartiges Verhältnis, so daß diese Reihe in schroffem
Gegensatz zu der ihr gegenübergestellten Zweierreihe steht und in mathematischer Formulierung das Prinzip des stets Veränderlichen, Wandelbaren,
Anderen darstellt.
Ebendasselbe Bild des nämlichen Gegensatzes findet sich im musikalischen
Bereich. Hier ist in der Zweierreihe das Prinzip der diatonischen heptaphonischen
Tonalität dargestellt, das, in feste, unwandelbare Ordnung gefaßt, unveränderlich und stets mit sich selbst gleichbleibend den ganzen musikalischen
Raum zu strukturieren vermag. Daß dieses Prinzip der Tonalität an der
dorischen Skala exemplifiziert wird, nimmt nicht wunder; denn einmal ist
diese die Grundtonart der griechischen Musiktheorie, von der alle Betrachtungen ihren Ausgang nehmen, zum anderen aber ist sie in der Sicht Platons
diejenige Tonart, die ihrem Charakter nach den besten ethischen Einfluß auf
die Menschen auszuüben vermag, »die einzige wahrhaft hellenische Tonart«?.
Dem Prinzip der Tonalität aber ist ergänzend hinzugesellt das in der
Dreierreihe faßbare Prinzip der aus den tonalen Grenzen herausführenden,
hier subdominantisch formulierten Modulation. Innerhalb der von Platon
gegebenen Begrenzung ergeben sich hier die der dorischen Skala fremden
Töne b und Es, so daß auf diese Weise das Prinzip, das die Dreierreihe strukturiert, erkennbar wird; denn bei weiterem Voranschreiten würden sich in ihr
! Allerdings mit der einen Ausnahme des innerhalb jeder Oktave 4. Tones, also der
Quint, vom jeweils tiefsten Ton der Oktave aus gesehen. Dieser, 4/3, 8/3, 16/3 usw. bleibt
weiterhin Bruchzahl, hat somit stark Anteil am Prinzip der Dreierreihe. Über die gegen-
A
len.
seitige Beeinflussung beider Reihen s. S. 4ııf.
2 Laches 188d. Vgl.auch Rep. 399a. Über die grundlegende Bedeutung des Dorischen
für die griechische Musiktheorie vgl. besonders J.O. GomBosı, Tonarten und Stimmungen
der antiken Musik, Kopenhagen 1939.
Pagina 17
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)zunächst alle ı2 Töne der chromatischen Skala ergeben, insofern sich bei
gleichem Verfahren in der nächsten Potenzstufe As, danach Des, Ges, Ces usw.
ergeben würden. Darüber hinaus aber ergibt der bei der Ausfüllung des 8. Tetrachords auftretende Wert für Fes, das in der gleichschwebenden Temperatur enharmonisch mit E verwechselt werden könnte, zu dem entsprechenden Wert
für E, der sich aus der Zweierreihe ergibt und also eine ganze Zahl ist, eine
Differenz, nämlich 531 441/128: 4096 = 312|2”: 2!? (= 3"2/2°: 212). Das bedeutet,
daß die Dreierreihe infolge des sie strukturierenden Prinzips sich in stets weiter
von der Ausgangstonalität entfernte Bereiche verliert, immer neue, andersartige
Töne bezeichnet, über den Bereich der Halbtonchromatik hinaus zu immer
feiner differenzierten Tonverhältnissen gelangt.
Beide Prinzipien stehen antithetisch nebeneinander, schließen einander
jedoch nicht aus, sondern ergänzen sich zu dem Gesamtbereich des musikalischen Raumes. Dieser ist einmal in der tonalen Ordnung abschreitbar, nach
unveränderlichen, nirgends abweichenden Gesetzen strukturiert. Andererseits
aber birgt er gleichberechtigt in sich das Prinzip der Abweichung, das es ermöglicht, den tonalen Bezug zunächst zu variieren, danach aber zu verlassen,
aus dem Bezirk der 7 Töne in den der ı2 Töne, darüber hinaus aber in weitere,
stets abweichende Bereiche vorzudringen.
In dieser Sicht gewinnt auch der Satz, mit dem Platon seine musiktheoretischen Erörterungen an dieser Stelle beschließt, sein volles Gewicht. Nach der
3. Operation sei die Mischung aufgebraucht, sagt Platon. Das soll bedeuten,
daß mit der 3. Operation, der Ausfüllung der Quarten mit Ganztönen, innerhalb der beiden Reihen beide Prinzipien des musikalischen Raumes, die Tonalität und die Abweichung von dieser, befriedigend zur Darstellung gekommen
sind. Es ist somit alles, was innerhalb der angesetzten Begrenzung über den
Bereich der Musik gesagt werden kann, wirklich ausgesagt, die »Mischung«
ist in der Tat »aufgebraucht«.
VI
Damit sind aber auch schon die Antworten auf die noch offen gebliebenen
Fragen gegeben. Platon beabsichtigt, wie sich gezeigt hat, mehr als nur die
Aufstellung einer diatonischen Skala: er will den gesamten musikalischharmonischen Raum darstellen. Freilich gehört dazu auch die Konstruktion
einer diatonischen Skala. Diese, in der Zweierreihe dargestellt und durch das
Verhältnis 1: 8 begrenzt, umfaßt nun den Bereich von 3 Oktaven. Damit entfällt das Problem der übergroßen Ausdehnung der früher angenommenen,
durch die Zahlen ı und 27 begrenzten Skala (oben Nr. 5). Die nun gewonnene,
nur 3 Oktaven umfassende Tonleiter steht mit griechischer Musiktheorie insofern im Einklang, als diese zwar nur 2 Oktaven mit Notennamen benennt,
jedoch den musikalischen Bereich auch in der Theorie auf 3 Oktaven auszudehnen vermag durch Aneinandersetzung der 13 jeweils um einen Halbton
Pagina 18
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)differierenden rovoı. Da diese tövoı jeweils 2 Oktaven umfassen, andererseits
ı3 Halbtöne sich zu einer Oktave addieren!, so ergeben sich durch die Übereinanderlagerung der zövoı 3 Oktaven?. Doch war das Vorgehen bis zur
dritten Potenz auch darum nötig, weil erst in der dritten Potenz das Gesetz
der Dreierreihe, die Abweichung, als Regel erkennbar wird. Die Ausfüllung der
sich in ihr findenden Quartverhältnisse ergibt ja in der zweiten Potenz bereits
b; jedoch wäre eine Abweichung allein nicht hinreichend, um zu zeigen, daß
die Abweichung als Prinzip in der Dreierreihe vorliegt. Erst das Es in der
dritten Potenz läßt deutlich werden, daß die Erzeugung von chromatisch veränderten Tönen die Grundtendenz der Dreierreihe darstellt.
Dennoch bleibt festzuhalten, daß die Töne, die in der Dreierreihe jenseits
des Zahlwertes g dargestellt sind, tatsächlich Töne außerhalb des in der griechischen Musiktheorie erfaßten Bereiches darstellen. Sie sind in der Tat nicht
singbar oder auf Instrumenten der Antike wiederzugeben; und so bleibt zu
fragen, ob die beiden Reihen nicht außer dem Gegensatz zwischen Tonalität
und außertonalen Klängen auch noch einen weiteren Gegensatz repräsentieren sollen, den zwischen Praxis und Theorie, zwischen konkretem, sinnlich
erfahrbarem Phänomen und abstrakter, nur dem Verstand offenliegender
Spekulation. Denn während die Zweierreihe die gebräuchliche Tonalität in
ihrer wichtigsten Skala darstellt, bietet die Dreierreihe ja gar keine Skala,
sondern nur die Prinzipien, die es ermöglichen, die in der anderen Reihe gegebene Tonleiter zu erweitern resp. zu verlassen.
Auch das zweite und dritte der aufgeführten Probleme erweisen sich nun
als gegenstandslos. Natürlich hat Platon nicht übersehen, daß seine Konstruktion nach der zweiten Operation noch nicht überall in Quartenverhältnisse
unterteilt ist. Da es ihm jedoch darauf ankam, die Prinzipien des musikalischen
Raumes in der mathematisch einfachsten Weise zu demonstrieren, genügte es
ihm, die Ausfüllung der bereits entstandenen Quartenverhältnisse vornehmen
zu lassen. Allerdings betont er ausdrücklich, daß alle ausgefüllt werden sollen.
Es geht weder an, eigenmächtig weitere Quartverhältnisse zu konstruieren oder
die Quintverhältnisse nach Art der Quarten auszufüllen, noch darf man umgekehrt die Quartverhältnisse der Dreierreihe außer acht und ohne Ausfüllung lassen. Die Ausfüllung der in beiden Reihen sich findenden Quarten
genügt, um das erstrebte Ergebnis zu zeitigen: hier die 6 dorischen Tetrachorde,
die sich zur dorischen Skala zusammenfügen, da die 3 ebenfalls dorischen
1 Natürlich in antiker Zählweise, die Ausgangs- und Endpunkte mit einbegreifen.
® Vgl. die Darstellung der zovor durch Aristoxenos bei Euclid, introductio harmonica
ı2. Es bleibt zu fragen, ob sich aufgrund der hier gegebenen Deutung der platonischen
Zahlen beweisen läßt, daß die Ausdehnung des musikalischen Systems auf 3 Oktaven in
dieser Form schon vor Aristoxenos statuiert worden ist.
® Tısy, der ebenfalls für die Trennung beider Reihen eintritt, übersieht die wichtige
Bedeutung der Dreierreihe. Er versteht sie als »puro giuoco aritmetico, destinato a scomParire nella conclusione ultima a cui vuol giungere l’autore.«
Pagina 19
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Tetrachorde, die aber gerade durch diese ihre Struktur aus der dorischen Skala
und aus der Tonalität überhaupt hinausführen. Selbstverständlich kann nun
auch nicht mehr die Rede davon sein, daß die beiden sich zahlenmäßig überschneidenden Quartverhältnisse 4: 16/3 und 9/2:6 zu Schwierigkeiten oder
Korrekturen Anlaß geben. Da sie jeweils einer anderen Reihe und einem anderen
Bezugssystem angehören, stören sie sichin keiner Weise, im Gegenteil wird
dadurch, daß sie von einander abweichen, d.h. in der Zweierreihe h, in der
Dreierreihe aber b aufweisen, mit umso größerer Klarheit deutlich, was demonstriert werden soll: die unterschiedliche Struktur der beiden Reihen und
der durch sie verdeutlichten musikalischen Prinzipien!.
Aus dem Gesagten ergibt sich aber auch schon die Antwort auf das wichtigste, das letzte der oben genannten Probleme. Es ist die Frage nach dem
philosophischen Sinn der Einfügung einer so speziellen musiktheoretischen
Darlegung in einen Dialog, der metaphysische Erkenntnisse vermitteln will.
Als erstes und vornehmstes Beispiel soll der Raum der Musik, als reinste
Materie, beweisen, was bei der Konstruktion der Weltseele unmittelbar vorher im reinen Logos ausgesagt worden ist: daß alle Bereiche der Welt einer
Zweiteilung unterliegen, daß sich im Raum der Musik ebenfalls die beiden eingangs genannten Prinzipien auswirken, daß auch hier das Eine, immer Unveränderliche und das Andere, stets Veränderliche, ihren Platz haben und erst
in ihrer Gemeinsamkeit den ganzen musikalischen Raum bilden; ebenso wie
in dem sich unmittelbar anschließenden zweiten Beispiel der kosmische Raum
dargestellt wird als ebenfalls durch diese Zweiheit gegliedert, indem der Demiurg
(36c) »dem Fixsternhimmel die Natur des Selben zusprach, den von ihm umschlossenen Planetenbahnen aber die Natur des Anderen«. Daß Platon einen
ähnlichen Satz bei der musiktheoretischen Darlegung nicht einfügt, ist bei der
sich hier klar ergebenden und ohne Schwierigkeit deutbaren Natur der beiden
Reihen verständlich; die Bezüge liegen hier so eindeutig auf der Hand, daß
dem Autor jede Kommentierung überflüssig erscheinen mochte. Denn der
musiktheoretische Passus ist ja engstens umklammert durch die Einleitung,
die eingangs zitiert wurde, in der die darzustellenden Prinzipien expressis verbis
genannt werden, und die sich unmittelbar anschließende Behandlung des
kosmischen Raumes, für den die beiden Prinzipien, wie eben angeführt, ausdrücklich mit Namen genannt werden. Es versteht sich von selbst, daß ein von
der Darlegung des reinen Begriffs und einem zweiten Beispiel umschlossenes
erstes Beispiel nichts anderes enthalten kann als die Prinzipien, die die umschließenden Partien zum Ausdruck bringen. Schließlich aber spricht Platon
etwas weiter auch offen aus, daß der ganze bisherige Teil mit zwei Prinzipien
arbeitete: „Wir haben bisher zwei Prinzipien unterschieden, müssen nun aber
1 Daß durch die Ergänzung beider Reihen miteinander sich das odornua Teisıov
nerdßoAov ergäbe, ist wie oben das Auftreten der anhemitonischen pentatonischen
Skala (vgl. S. 401) Nebenprodukt, nicht Ziel der Darlegungen Platons.
Pagina 20
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)noch ein drittes aufdecken; für die vorherigen Ausführungen genügten diese
beiden... .« (48e). So ist kein Zweifel möglich, daß der musiktheoretische Passus
in dieser — und nur in dieser — Weise verstanden werden kann.
Und es scheint, daß so auch die Bezeichnungen, mit denen Platon die sieben
Zahlen der Grundreihe benennt, ihre tiefere Bedeutung erkennen lassen. Die
mit den Ordnungszahlen von I-—7 angegebene Folge der Glieder betont stark
die Einheit des ganzen Bereichs. Sie wird betont an den Anfang gestellt:
»Einen Teil nahm er ...« Danach läßt sich deutlich die einheitliche Darstellung in jeder einzelnen Potenzstufe im Gegensatz zu den anderen Potenzstufen erkennen. Die 2 wird als das Doppelte im Verhältnis zur I gesetzt, die 3
aber wird sowohl als das Dreifache der ı wie auch als das Anderthalbfache der
2 bestimmt, d.h. diese auffällige doppelte Bezeichnung der 3 betont ebenso
die Zusammengehörigkeit, das Aufeinander-Bezogensein beider Prinzipien wie
ihre jeweilige andersartige Beziehung zur Einheit und zum Sein. Anschließend
wird die 4 als das Doppelte der 2, die g als das Dreifache der 3 definiert, so daß
auf dieser Potenzstufe einheitlich die andersartige Strukturierung der beiden
einander entgegengesetzten Reihen hervorgehoben wird. Schließlich werden
in der dritten Potenzstufe 8 und 27, wiederum einheitlich, bezeichnet als das
Achtfache bzw. das Siebenundzwanzigfache der Eins, so daß abschließend
wieder die gemeinsame Beziehung beider Reihen zur Einheit des Ausgangspunktes bezeichnet wird und mit der Betonung der Einheit die Aufstellung
schließt, wie sie mit ihr begonnen hatte.
vuI
Auf zwei Erscheinungen soll noch kurz hingewiesen werden. Die Mischungen,
die der Demiurg im Anfang zur Erschaffung der Weltseele vorgenommen hatte,
hatten dazu geführt, daß »jeder Teil gemischt war aus dem Selben und dem
Anderen und dem Sein«. Nun zeigt sich, daß die beiden den musikalischen Raum
bezeichnenden Reihen, die jede für sich ein besonderes Prinzip darstellen, jeweils auch Anteil haben am Prinzip der gegenüberliegenden Reihe, so jedoch,
daß das fremde Prinzip zwar vorhanden ist, aber von dem der Reihe eigenen
Prinzip derart beherrscht wird, daß es nicht zur Entfaltung seiner ihm eigentümlichen entgegengesetzten Wirkungskraft kommen kann. Die eine Reihe
nämlich, ursprünglich aus Potenzen von 2 gebildet, gewinnt durch das Einsetzen der Mittelglieder in der zweiten Operation viermal das Duodezimen—_
verhältnis 1: 3 hinzu (1:3, 4/3: 4, 2:6, 8/3: 8), zu den Oktaven e’” — ee’
e’—
e kommen nun die Duodezimen €’’— a’, h”"— e,e’—a, h’— e.
Weitere sechs solcher Duodezimenverhältnisse von I: 3 kommen bei der dritten
Operation hinzu,
nämlich 9/8: 27/8 = d’’ —.g’, 81/64: 243/44 = ec’ —f',
3l2:92 = a” —d, 27l16:81[16 =g”—c, 94:27] =d’—g, 8ıja2:
243/32 = c’’—f. So enthält die endgültige Form der Zweierreihe mit ihren
Pagina 21
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)22 Zahlen fünfzehnmal das Oktavverhältnis ı: 2, das das wesentliche Prinzip
dieser Reihe ist, und zehnmal das Duodezimenverhältnis 1:3, das als tragendes
Prinzip der anderen Reihe angehört, hier in der Zweierreihe aber nicht zur
Entfaltung seiner eigentlichen Funktion kommt, sondern in Unterordnung dem
Zweierprinzip eingefügt ist.
Umgekehrt enthält die Dreierreihe bereits nach der zweiten Operation
sechsmal das Oktavverhältnisı: 2,nämlich
1: 2= e’’— e’,3/j2:3=h"—h’,
3:6=W—h, 9l2:9=d’—d, 9: 18=d—D, 27]2:27 = G— G. Durch
die Einfügungen der dritten Operation kommt hier kein weiteres Oktavverhältnis ı: 2 zustande!. Die Dreierreihe enthält also in ihrer endgültigen Gestalt
ı6 Zahlen, die zehnmal das Duodezimenverhältnis 1:3 und sechsmal das
Oktavverhältnis 1: 2 ausdrücken. Wiederum ist also das Grundprinzip der
anderen Reihe, das Zweierverhältnis, der Dreierreihe in Unterordnung unter
ihr tragendes Prinzip, das Dreierverhältnis, eingefügt.
So haben beide Reihen teilan dem Wesen der ihnen gegenübergestellten anderen Reihe, sie sind beide gemischt aus dem Einen und dem Anderen, dem Selben
und dem Veränderlichen, und doch ist die Prävalenz je eines Prinzips in beiden
Reihen deutlich; wie ja auch das Eine, in bezug auf das Andere gesehen, ein
anderes ist, dennoch aber an sich das Eine bleibt, und wie umgekehrt das Andere
in bezug auf sich selbst das Selbe ist, in bezug auf das Ganze aber das Andere.
Abschließend ein Wort über die Anzahl der sich nun in dem platonischen
Diagramm ergebenden Zahlen resp. Töne. Man hat in früheren Interpretationen
oftmals die Zahl 36 erhalten (diatonisch e’’— G = 34 Töne +b + Es = 36)
und geglaubt, darin einen Beweis für die Richtigkeit der aufgestellten Skala
sehen zu können, da die Zahl 36 als symbolisch bedeutsame Zahl verstanden
worden ist. In der hier vorgeschlagenen Aufstellung ergeben sich in den drei
Operationen zunächst 7, dann Ig, schließlich 37 Zahlwerte bzw. Töne. Sicherlich werden dabei die in beiden Reihen auftretenden gleichen Zahlen, obwohl
als Zahl identisch, ihrer verschiedenen Bedeutung wegen, die sie in den beiden
Reihen besitzen, auch zweimal gezählt. Dieses Verfahren unterliegt keinem
Bedenken, da ja das Wesentliche sowohl in der platonischen wie in der modernen Musiktheorie nicht der Ton an sich, sondern seine Beziehung innerhalb
eines Tonsystems ist. Und wie die moderne Musiktheorie die Umdeutung der
tonalen Funktion eines Tones als Modulationsmittel kennt, so kennt auch die
antike Musiktheorie die Unterscheidung zwischen öiwauıs und #eoıg eines
Tones. So wird man auch hier wegen des völlig verschiedenen Bezugssystems
beider Reihen etwaige ihnen beiden gemeinsame Zahlen resp. Töne zwar als im
Absoluten gleich, ihrer verschiedenen Bezogenheit wegen aber als unterschiedlich
verstehen und dementsprechend auch zweifach zählen. Und so mag es als
ı Jedoch ergibt sich zweimal das auch dem Zweierbereich zugehörige Verhältnis 1: 8,
d.h. dreimal die Oktave, mit den Zahlen 27/16: 27/2 und 243/128: 243/16, also den Tönen
g’—Gundf’-—F.
Pagina 22
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)weiterer Beweis für die Richtigkeit der hier vorgeschlagenen Erklärung herangezogen werden, daß sich nun als Anzahlen der in den drei Operationen gewonnenen Glieder die Zahlen 7, 19 und 37 ergeben. Denn diese, die vierte,
achte und zwölfte Primzahl, sind zu verstehenals7=ı1-+.2-3; II=I-+2'3°;
37 =1-+ 2? 3°. So erweisen auch hier noch einmal die Einheit, von der alles
ausgeht und die alles umschließt, und die beiden den musikalischen Raum
strukturierenden Zahlen 2 und 3 ihre Wirkung.
VI
Es hat sich gezeigt, daß Platon es unternommen hat, mit möglichst einfachen mathematischen Operationen den gesamten musikalisch-harmonischen
Raum mit allen seine Phänomenen darzustellen. Daß ihm die Lösung dieses
Problems in genialer Weise, in äußerster Knappheit und Klarheit, gelungen
ist, haben die bisherigen Ausführungen gezeigt. Daß er dabei Terzverhältnisse
gewonnen hat, die in einem auf Mehrstimmigkeit bedachten harmonischen
System zu Schwierigkeiten führen würden, hat in seinem auf die Einstimmigkeit bezogenen melodischen System keinen Belang. Alle Angaben aber haben
sich als konkrete Daten erwiesen, die bestimmten Phänomen der Musik mit
Sicherheit zuzuordnen sind. Doch stehen sie nicht um ihrer selbst willen da,
nicht musiktheoretische Erkenntnisse sollen vorgetragen werden, sondern
diese erscheinen nur als erstes, reinstes Abbild der in der Formation der Weltseele zum Ausdruck kommenden zweigeteilten Struktur der Welt. Auch im
Raum der Musik stehen, ebenso wie im kosmischen Raum, zwei Prinzipien einander gegenüber, ein wie auch immer geartetes, in jedem Fall aber auf Auswahl
und Unveränderlichkeit beruhendes tonales Element und ein von diesem fortführendes, in anders geordnete, weitere außertonale Bereiche weisendes Element. Und die Erkenntnis dieser in den Zahlen faßbaren Zusammenhänge, die
im Sternenhimmel ihr Spiegelbild finden ebenso wie in der menschlichen Seele,
ist die rechte Weise, an der Musik teilzuhaben, nicht der unverständige, auf dem
unkontrollierten Eindruck der Sinne beruhende schwelgerische Genuß (47d). Dieser rechte, vernunftgemäße Umgang mit den Musen aber ist für den Menschen,
wegen der in ihm bestehenden Unregelmäßigkeiten, wegen seines der Grazien so
sehr bedürftigen Wesens, von Nutzen und von Nöten: er vermagihn zur Ordnung
zu führen und zur Übereinstimmung mit dem Regelhaften, Guten in der Welt.
Es erscheint gut, gerade in unseren Tagen an diese Gedanken Platons zu
erinnern; denn gerade heute vollzieht die abendländische Musik den folgenschweren Schritt aus der Tonalität der 7 Töne hinaus in die weiteren, außertonalen Bereiche; und gerade heute verwandelt sie sich in den mathematischen
Diagrammen, in denen die Werke der elektronischen Musik ihre Chiffrierung
finden, zurück in die reine Zahl, die in der Theorie des Pythagoras und Platon
am Anfang europäischer Musikbetrachtung steht.
Berlin-Zehlendorf
Pagina 23
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)NOTENBLATT
.
1.) Grundreihe (S. 398 unten)
1
|
“”
Wr
2
7
4
3
I
1
9
o F27
}
\
und DreierrT eihe (S. 14 oben)
2.) Ausgefülltes Lambda (S. 400 oben) = Zweierreihe
b) rechter Schenkel (Dreierreihe)
a) linker Schenkel (Zweierreihe)
®
SER,
4B32 203
1
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|
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IH
n
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7
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6
3 92
22
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416983 6
3
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>
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w>7
922
3.) Zusammengezogene Reihe (S. 400 unten)
g
et
=
#s
I
42
43
1
|
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2
83
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——
-
Ye
«
3
!
!
u
ı
—
|
5
16/3
6
6
9 27/2
18
Lu
ı
'
———}
.
&
4.) Die anhemitonische pentatonische Skala ($. 401)
5.) Die beiden übereinandergreifenden Tetrachorde (S. 402, Nr.
27
r
I
i
|
i
=
3)
|
——
zz
+7
.
+»
9/2 81/16 729/128 6
49/2 81/1616/3
$
6.) Der dritte fragliche Tetrachord (S. 402 unten)
1
t
” 2
P-
=)
—1 —
2/2 243/16 2187/12818
ee:
I
Ei —p
1
1
T
I
\
T
FERBEE
j
1
f
I
98 81/64 4/3 3/2 27/16243/128 2
1
ek>
7
778
a: San
7.) Endgültige Gestalt des Lambda (S. 406 unten)
a) linker Schenkel = Zweierreihe
T
T
”
16/3
E: D";t * =
6 27/4 243/32 8
7
T
T
1
9/401/32 63
3 270 243164
4
2 91/16
4
BEER
||
Bi
mi‘
1
3/72 27/16 243/128 2
3
T
*
,,
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T
r:a
T F
b#
9281/16 729/128
6
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I]1
1
all
1
[|1
"77
Dr
b) rechter Schenkel = Dreierreihe
e
9 27/2 243/16 2187/1298 18 27