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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Werner Beierwaltes
Marsilio Ficinos Deutung des Platonischen Parmenides p
\ar 201 - 219
Bd. 26 (2002): Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft
VA)
a A
Werner Beierwaltes
Der Logos der Griechen im Christentum p 104 - 121
Bd. 35 (2011): Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft
Jean Doignon
Le bien de Scipion et du bélier: Formule du ‘De republica’ ou
UA extrait Augustinien du ‘De finibus' de Cicéron? P 117 123
Bd. 7 (1981): Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft
Mirjam Engert
g
Gellius als Quelle bekannter und unbekannter Autoren -
Zur Funktion der Tauros-Figur in der Darstellung der Lehre Platons in den Noctes
NA” Atticae
p 123-145
Bd. 35 (2011): Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft
L
Va
Elisabeth Klecker
Sphärenklänge? Zum Hintergrund permutativer
Kreisgedichte des Barock
p 200 - 226
Bd. 2 (2008) Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft: Beiheft
loannis M. Konstantakos
Amasis, Bias and the Seven Sages as riddlers p 11 - 46
IMÁN Bd. 29 (2005): Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft
‚?
ar
Irmgard Männlein-Robert
"Wissen um die göttlichen und die menschlichen
IN AA
À Dinge". Eine Philosophiedefinition Platons und ihre Folgen p 13— 38
26 (2002): Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft
Oliver Overwien
È
Secundus der schweigende Philosoph: Ein Leben zwischen
A © U Mythos und Kosmos
p 105- 129
Bd. 28 b (2004): Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft
De Alcmaeonis Crotoniatae apud Platonem vestigio p 79 - 80
n 19 ” Andreas Patzer
Bd. 9 (1983): Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft
q, Rudolf Rieks
Zum Aufbau von Ovids Metamorphosen p 85
ae Bd. 6b (1980): Würzburger Jahrbücher für die Altertumswissenschaft
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Thuri Lorenz, Würzburg
VERMUTUNGEN ÜBER
DIE MITTLERE SÄULENREIHE
HERATEMPEL
|
VON
PAESTUM*
Die Ruine des älteren Heratempels in Paestum wirkt heute vor allem durch
die große Anzahl von noch aufrecht stehenden und als plastische Einzelglieder geformten Säulen. Neun an den beiden Fronten, achtzehn an den Schmalseiten; dazu im Inneren die des Pronaos und eine Reihe von längs gestellten in der Mitte bilden fast einen Wald von kräftigen Stämmen — und dies um so mehr, als ihr Abstand voneinander nicht so eng ist, daß sie sich vor dem Auge zu einer Wand zusammenschlössen. Das durch sie gebildete Rechteck ist in die Breite gezogen und
bietet wegen der heute fehlenden Cellamauern so viel Raum, daß es dem Gebäude
den falschen, aber immer noch geläufigen Namen einer ,,Basilika’’ eingebracht
hat.
Für die Kenntnis dieses eigentümlichen Baues haben Koldewey und Puchstein noch im vergangenen Jahrhundert viele bis heute beachtete Daten zusammengetragen!. Sie waren es auch, die seine Bestimmung als Tempel herausstellten.
Zu abweichenden Ergebnissen führten die Messungen von Dinsmoor2.
Und
schließlich hat auch F. Kraus nach zweimaligen Grabungen zusätzliche MaBangaben veröffentlicht3 und dazu noch wichtige Beobachtungen über die Konstruktion
des Fundamentes mitgeteilt. Cella und Peristase sind demnach ganz in der Art
jonischer Tempel in den Achsen miteinander verbunden, so daß Kraus den Grundriß dieses dorischen Tempels als „jonisch geprägt’ bezeichnet“. Von dieser Beobachtung aus hat er auch die beim Bau verwendeten Maße auf die jonische Elle zurückgeführt und darüber hinaus ein Entwurfsschema rekonstruiert. Auf seinen Untersuchungen basiert die zusammenfassende Darstellung von Gruben®.
Den von Kraus gegebenen Rechnungen hat Riemann eigene entgegengestellt,
da er meinte, die jonischen Einflüsse seien nicht so gravierend, als daß man nicht
statt der jonischen Elle auch den dorischen Fuß als Grundwert annehmen könne.
Nach
Riemanns ,,Vorstellung kann man bei der Bauhittentradition der archaischen Zeit zwar viele lokale Varianten, aber keine individuellen Entwürfe erwarten. So muß auch der Entwurf dieses Tempels verständlich sein in der Abfolge
des Tempelbaus im gesamten 6. Jh.”6. Einen eigenen Weg geht Hertwig, der sich
"Für Kritik und Hinweise während der Abfassung des Manuskriptes habe ich H.
M. Stibbe und für die Zeichnungen O. Bingöl zu danken
1.
R.
Busing, E.
Simon, A.
und C
Koldewey und O. Puchstein, Die griechischen Tempel in Unteritalien und Sizilien, 1899, 13-18.
2. W. B. Dinsmoor, The Architecture of Ancient Greece, 1950, 337.
3. F. Kraus, Festschrift C. Weickert, 1955, 99-109.
4. Kraus 101
5. G. Gruben, Die Tempel der Griechen, 1966, 235-244.
6. H. Riemann, RM 72, 1965, 198-208 (201 das Zitat)
Pagina 3
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)den Grundriß über der mittleren Säulenreihe als Achse durch eine Reihe von Zirkelschlägen entstanden denkt und pythagoreische Zahlenvorstellungen als maßgeblich ansieht.
Im Folgenden wird der Arbeit von Kraus der Vorzug gegeben, weil sein Entwurfsschema im Verständnis des Baues weiter führt als die Vorschläge der anderen
Forscher.
Bei seinem Versuch, den antiken Planungsvorgang zu rekonstruieren,
legt er Wert auf die jonische Komponente, die sich in den Abmessungen und in
der Proportionierung des Grundrißrechteckes in vier zu neun Teilen feststellen
lasse.
Bei dem Ausmaß an Planung und Berechnung, das alle Forscher, jeder auf
seine Weise, hervorheben, bleibt die Erklärung eines für den Bau wesentlichen Bestandteiles, der sein Aussehen bestimmt, unbefriedigend. Der Tempel ist in der
Cella durch eine mittlere Säulenstellung in zwei Schiffe geteilt, und diese Raumdisposition macht sich an den Fronten bemerkbar durch die ungleiche Anzahl von
neun Säulen, deren mittlere an der zur heiligen Straße hin gelegenen Westseite zudem noch durch einen besonders reich in Relief ausgeführten Blütenkranz am Ansatz des Echinus hervorgehoben ist8. Sie wird dadurch fast zum Angelpunkt für
das Verständnis des Gebäudes, denn durch sie unterscheidet sich dieser Tempel
von den zeitgenössischen Anlagen und erinnert, abgesehen von dem monumentalen Ausmaß, an die Tempel der geometrischen und früharchaischen Zeit, die viel
kleiner und aus vergänglichem Material wie Holzsäulen und luftgetrochneten Ziegeln über einem
Unterbau aus roh zusammengefügten Feldsteinen häufig eine
mittlere Stützenreihe im Inneren aufweisen. Sie setzt sich bei den meisten aber
nicht bis an die Fronten fort9, zumal nicht mit einer reicher ornamentierten Mittelsäule. Dort stehen meist Säulen in gerader Anzahl, wobei die Innensäulen tatsachlich nur eine statische Funktion haben.
Zur Erklarung der mittleren Säulenreihe im Heratempel | von Paestum hat
man auf früharchaische Tempel hingewiesen und in folgender Weise argumentiert10: Durch die auf Zahlenverhältnissen beruhende Planung habe sich im In
neren eine lichte Weite von 11,48 m ergeben, die man nicht anders mit einem
Dachstuhl habe überspannen können als mit Hilfe von Stützen in der Mitte. Diese
seien (warum?) in den gleichen wuchtigen Proportionen und Ausmaßen wie die
Pronaossäulen gearbeitet worden, was sich vor allem, als man später den FuRboden anhob, als drückend und unproportioniert ausgewirkt habe. Dem kann entgegengehalten werden, daß es den Westgriechen bei anderen Tempeln möglich war,
einen so weiten Innenraum ohne mittlere Stützen mit einem Dachstuhl zu versehen. In nicht allzu großem zeitlichen Abstand vom Tempel in Paestum ist der
Tempel A von Agrigent erbaut worden, in dessen Inneren keine Spuren von tragenden Säulen gefunden worden sind. Hier mißt die Cella sogar 11,83 mil. So
7. ©. Hertwig, Über geometrische Gestaltungsgrundiagen von Kultbauten des VI. Jh. in Paestum,
1968.
8. Abgebildet bei Koldewey/Puchstein 14 Abb. 9 und Gruben 237 Abb. 179. Neue
Beobachtungen zu den
Kapitellen der „Basilika“ hat W. Koenigs veröffentlicht, AA 1972, 438-440.
9. Es gibt Ausnahmen — z.B, der Hekatompedos 1 A in Samos (ein frühes Beispiel): H.
Walter, Das griechische
Heiligtum, Heraion von Samos, 1965, 41 Bb. 40, und der Apollontempel von Thermos
(ein spätes
Beispiel), Dinsmoor 52.
10. Siehe Gruben 238 f.
11, Gruben 297.
Pagina 4
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)bleibt die Erklärung der wuchtigen Innensäulen als ,,friharchaisches Motiv12 unbefriedigend: auf der einen Seite verfeinerte Rechnung und Planung — auf der anderen Seite eine statische Lösung, die man nicht anders denn als Verlegenheit des
Zimmermannes ansehen kann.
Deshalb
sollen
im
Folgenden einige
Uberlegungen vorgetragen werden,
durch welche die eigenartige Raumaufteilung im Inneren des Heratempels | nicht
im Festhalten an altertümlichen Konstruktionsmethoden begründet ist, sondern
sich aus der Absicht der Erbauer und somit aus der Bestimmung dieses Tempels
ableitet.
Außer für Hera in Paestum sind im 6. Jh. noch andere Tempel mit mittlerer
Saulenreihe erbaut worden. Auf den der Hera in Metapont wird immer hingewiesen!3. Er gilt als Beleg fiir die Vorliebe der archaischen Siedler in Unteritalien
fir
herkòmmliche Lòsungen bei der Bewaltigung statischer Probleme. Er ist jünger als
die „Basilika“, steht der früharchaischen Zeit also noch ferner. Kürzlich ist er wieder freigelegt worden. Die Publikation steht noch aus.
Aus dem Gebiet der
achäischen Siedler in Unteritalien läßt sich noch der
Apollontempel von Punte Alice mit mittlerer Säulenreihe anfiihren!4. Bei ihm
handelt es sich aber offensichtlich um ein Gebaude ganz anderer Art. Hier hat die
Cella tatsachlich die langgestreckten Proportionen der Tempel des 7. Jh., und die
Peristase scheint aus dem 5. Jh. zu stammen. Es hat den Anschein, als sei ein älteres Gebaude
in eine spätere monumentale Architektur inkorporiert. Cella und
Außenbau sind nicht aus einem Guß, sondern entsprechen dem Bauwillen verschiedener Epochen. In Paestum und Metapont sind die Tempel dagegen in einem
Bau- und Planungsvorgang entstanden. Sie sind in allen Einzelheiten Tempel des
6. Jahrhunderts.
Wesentlicher fir die hier aufgeworfene Frage ist der Hinweis auf zwei Tempel
im Bezirk der Hera von Samos. Buschor hat einen von ihnen mit Hilfe der epigraphischen Uberlieferung als Tempel zweier in ihm gleichwertig verehrter Gottheiten gedeutet, nämlich der Aphrodite und des Hermes. Hier wäre demnach jedes
Schiff des innen zweigeteilten Tempels Kultraum einer Gottheit für sich. Buschor
gebraucht die Bezeichnung „Doppeltempel‘15. Diesem südlich des großen Altares
gelegenen Doppeltempel entspricht nördlich ein zweiter an der heiligen Straße. Er
wird als der des Apollon und der Artemis bezeichnet!6. Die Planung dieser Gebäude wird noch mit der Tätigkeit des Rhoikos und des Theodoros in Zusammenhang gebracht. Der Tempel des Apollon und der Artemis soll beim Tod des Polykrates noch nicht fertig gewesen sein17.
Wenn man von dieser Beobachtung aus wieder zum Heratempel | zurückkehrt, so muß man als erstes die Feststellung treffen, daß die samischen Tempel
jonische sind, der in Paestum dagegen dorisch und somit ganz anderen Baugesetzen unterworfen war. Von den samischen Bauten fehlt fast alles. Nach den vorgelegten Plänen scheinen sich die beiden durch die mittlere Säulenreihe getrennten
12. Gruben 239.
13. Koldewey/Puchstein 38-41; Gruben 239; D. Adamestanu, La Bsilicata Antica, 1974, 21. 27 f.
14. P. Orsi, Templum Apollinis Alaei, 1933.
15. E. Buschor, AM 72, 1957, 77-86; Walter (o. Anm. 9) 76 f.
16. Walter 62, 77.
17. Walter 82.
Pagina 5
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Schiffe ohne vordere Abschlußwand und Türen direkt zu öffnen, wobei am Apollon-Artemis-Tempel die Mittelsäule der Front gleichzeitig die letzte der trennenden Innensäulen ist, während beim Aphrodite-Hermes-Tempel keine Frontsäulen
angegeben sind18,
In einem geometrisch geplanten jonischen Tempel des 6. Jh. mit
überall
gleichbleibender Jochweite bot die Konzeption eines Doppeltempels keine Planschwierigkeiten. In Paestum handelt es sich aber um einen dorischen Bau. Bei dieser Form griechischer Sakralarchitektur mußten geometrische Überlegungen bei
der Disposition auf die sich immer stärker durchsetzenden Vorstellungen von der
Einheitlichkeit des Tempelganzen Rücksicht nehmen. Zudem hatte sich schon
ein
Tempeltypus herausgebildet, der sich nicht beliebig durch die Anfügung weiterer
Joche verändern ließ.
Wenn nun hier von den samischen Beispielen her der Versuch unternommen
wird, auch im Heratempel | von Paestum einen Doppeltempel zu sehen, so muß
für die Rekonstruktion des Planungsvorganges der Typus des dorischen Tempels
zugrunde gelegt werden. Ein Doppeltempel wäre demnach hier die Zusammenfügung zweier einzelner Tempel. Die am weitesten verbreitete Form rechnet mit
sechs Säulen an der Front. Bei ihr fluchten die Cellawände mit der zweiten und
der fünften Säule. Wenn nun zwei Cellen, um einen Doppeltempel zu errichten,
Wand an Wand aneinandergeschoben werden, fällt die zweite Frontsäule des einen
mit der fünften des anderen Baues zusammen (Fig. 14) — das heißt,die beiden Cellen hätten als gemeinschaftliche Front neun Säulen. Dieses Rechenergebnis kann
als Ausgangssituation postuliert werden. Der Heratempel | hat neun Säulen an der
Front. Unter dieser Voraussetzung veranschaulicht die reich ornamentierte neunte
Säule als Mittelsäule nach außen die gewollte Zweiteilung des Innenraumes und
somit die Sonderstellung des Tempels. Die trennende Wand der beiden nun nebeneinander liegenden Cellen wurde ähnlich wie in Samos als Säulenreihe gestaltet,
und so läßt sich auch der seltsame Befund erklären, warum die Innensäulen nicht
wie üblich kleiner sind als die der Peristase, sondern fast nach den gleichen Abmessungen gearbeitet wurden19. Wenn nämlich aneinanderstoßende Cellawände
in eine Säulenreihe umgesetzt worden sind, so war für deren Höhe die der Cet
laaußenwand maßgeblich. Von der Konstruktion eines dorischen Naos her gesehen
ergibt sich dann dieselbe Höhe wie für die Pronaossäulen, denn die Wand reicht
von den Orthostaten bis zu einem oberen Abschlußgesims. Die Orthostaten stehen als unterste Steinschicht auf einer den Naos umlaufenden Stufe, dem Toichobat, das an der vorderen Schmalseite zum Stylobat der Pronaossäulen wird. Auch
bei der ,,Basilika’’ stehen die Innensáulen auf der Höhe der Pronaossäulen, also
oberhalb der umlaufenden Stufe, und haben auch deren Abmessungen. Der FußRboden in Pronaos und Cella hatte ursprünglich die gleiche Höhe. Am Eingang zum
Cellainneren war keine Schwelle geplant. Die Innensäulen standen entsprechend
ihrer Funktion als aufgelöste Cellaaußenwand auf demselben Niveau wie die Pronaossäulen und hatten auch deren Größe.
Die Folgerichtigkeit des hier rekonstruierten Entwurfes ist später im Innen-
18. Buschor (o. Anm. 15) 81 Abb. 4; Walter 77.
19. Kraus (o. Anm. 3) 104.
Pagina 6
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)raum aufgegeben worden. In einer späteren Bauphase hat man den ursprünglich in
Pronaos und Cella gleich hohen Fußboden innen um 37 cm angehoben und den
Bau dadurch dorischen Normen angepaßt. Daß es nachträglich geschah, zeigen die
Kanneluren der Ceilasäulen, die nur bis zum neuen Niveau ausgeführt worden
sind, während das untere Stück bis zum alten Estrich unbearbeitet blieb. Die Säulen sind glatt versetzt worden und haben als letzten Arbeitsgang die Kanneluren
erhalten. In der Zwischenzeit — vielleicht schon zu Beginn der Klassik — distanzierte man sich aber vom ersten Entwurf. Offenbar war für dieses spätarchaische
Experiment kein
Verständnis mehr vorhanden. Man nahm dabei in Kauf, daß
durch die Erhöhung des Fußbodens nun die Innensäulen ihre selbst für die Verhältnisse des 6. Jh. ungewöhnlichen Proportionen erhielten.
Bis hierhin kann der erste Planungsabschnitt gereicht haben: die Zusammenfügung der beiden Tempelcellen zu einem durch Mittelsäulen getrennten zweischiffigen Innenraum20 und die dadurch entstandene Tempelfront mit neun Säulen (Fig. 15). In einem zweiten Abschnitt hat man 18 Säulen für die Langseiten
gewählt und damit ein Verhältnis zur Zahl der Frontsäulen hergestellt, das im
Vergleich mit den 6:17 bei den älteren westgriechischen Tempeln mit ihren doppelten Frontptera und den 6:13 bei den späteren gedrungen wirkt21. Hier scheinen die Tempel mit acht Frontsäulen als Vorbild gedient zu haben. Der Artemistempel von Korkyra, der Heratempel von Foce del Sele und der Tempel G von
Selinunt weisen wie der spätere hochklassische Parthenon ein Verhältnis von 8:17
auf. Diese Zahl ist um eins überboten — ebenso wie an der Front statt der acht
neun Säulen stehen22.
Nach diesem Planungsvorgang mußte man wieder zum Entwurf der Cella zurückkehren. Denn mit der nun projektierten Säulenzahl ergaben sich Folgen für
die Ptera. Hätte man für die beiden nebeneinanderliegenden Kulträume den Plan
sechssäuliger Tempel beibehalten, so hätte die Doppelcella bei einer neunsäuligen
Front die Breite von der zweiten bis zur achten Frontsäule eingenommen, die
Ptera wären jeweils ein Joch weit gewesen (Fig. 15). Bei archaischen Tempeln mit
acht Säulen werden die Ptera aber auf zwei Joche erweitert und die Cella dadurch
ebenso schmal gehalten wie bei sechssäuligen Tempeln. Diesem Vorbild scheint
man sich angeschlossen zu haben: Der Tempelraum wird an jeder Seite um eine
Jochweite enger — das heißt die Anten stehen beim Heratempel | nicht hinter
der zweiten und achten, sondern hinter der dritten und siebten Frontsäule, und
zwischen den Anten bleibt nur noch Raum für drei statt fünf Säulen.
Schwierigkeiten ergaben sich nun für die Anlage der beiden Türen, die wegen der schmaler gewordenen Wand nicht mehr hinter dem jeweils dritten Joch
von den Ecken aus liegen konnten, sondern etwas nach innen, aber nicht bis hinter die vierte Säule verschoben werden mußten, wenn sie ungefähr in der Mitte
der jeweiligen Hälfte liegen sollten. An dieser Stelle scheint man auch korrigiert
20. In diesem Punkt scheint Riemann gegenüber Kraus Recht zu haben, wenn für ihn der „‚Kern des Entwur:
fes die je nach den besonderen Verhältnissen proportionierte Cella” ist (201).
21. Diese Verhältnisse kommen bei den Tempeln des 6.
Jh.
vor, während im 5. Jh. die Zahlen schwanken:
6:15 beim Tempel E von Selinunt und 6:14 beim Heratempel
|| von Paestum — sie sind annähernd zur
selben Zeit entstanden.
22. Das Verhältnis 1:2 (9:18) kommt außerdem noch bei den „kurzen Tempeln”' vor (6:12), die W.
zusammengestellt hat, AA 1973,
Agrigent (Hinweis H. Busing).
Wurster
200-211, und mit ungleicher Frontzahl (7:14) beim Olympieion von
Pagina 7
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)zu haben, vielleicht während des Bauens, wie Kraus meint23. Die Cellawände sind
etwas nach außen verlegt, der Abstand von den Anten zur nächsten Säule ist weiter als der zwischen den mittleren Pronaossäulen. Hierfür kann die unglückliche
Lage der Türen den Ausschlag gegeben haben, denn sie müßten von außen gesehen
ihre Flucht mit dem dritten Joch behalten, innen aber in die Mitte der ihnen zugeordneten Cellahälften führen. Diese Lage ist durch die Erweiterung der Ptera unmöglich geworden (Fig. 16).
Wenn man bis hierhin den Vermutungen
folgen will, so wird das von Kraus
vorgeschlagene Entwurfsschema folgerichtig und einleuchtend. Es verhält sich
dann nicht so, daß das errechenbare geometrische Konzept ein abstraktes Spiel
der Erbauer ist24, und es ist auch nicht durch irgendwelche Zahlensymbole diktiert25, sondern erweist sich als notwendiges Instrument, um die durch jonische
Vorbilder angeregte Konstruktion eines dorischen Doppeltempels zu verwirklichen. Mit der Proportionierung des Grundrisses in neun zu vier Teilen gelang die
Bewaltigung der gestellten Aufgabe. Von den vier Teilen entfielen zwei an den
Seiten auf die erweiterten Ptera und je einer auf jedes Schiff der Cella. An den
Langseiten konnte man fiinf auf die Lange der Cella veranschlagen und dann je
einen auf Pronaos, Adyton und die beiden Hallen. Auf diesem geometrischen
Grundriß ist zwar kein dorischer Organismus entstanden26, aber das jonisch arithmetisierte Verfahren ermöglichte, eine aus der jonischen Architektur übernommene Anregung in die sich entwickelnde Gesetzmäßigkeit des dorischen Bauens zu
übertragen. Welche Ergebnisse beim Apollontempel von Metapont erzielt worden
sind, das wird die noch ausstehende Publikation lehren.
Wer die zweite Gottheit in Paestum war, läßt sich nur vermuten. Von Curtius stammt der Vorschlag, den zweischiffigen Innenraum der ,,Basilika” als Kultraum für Zeus und Hera zu sehen?
7. Hertwig hat diesen Gedanken als einziger aufgenommen28, doch war es ihm wegen seiner ,,pythagoreischen’’ Konzeption nicht
möglich, ihn weiter zu verfolgen. Zeus ist neben Hera in Paestum verehrt worden,
wie die Votivgaben zeigen. Am bekanntesten ist ein archaisches halblebensgroßes
Sitzbild des Gottes aus bemalter Terrakotta, das aus einer Votivgrube in der Nähe
des Heratempels II stammt29. Es ist wahrscheinlich, daß er im Heratempel | als
Parhedros ein Bild auf der gemeinsamen Kultbildbasis hatte, für welche zwischen
der sechsten und der siebten Innensäule ein um einen Meter breiterer Abstand gelassen worden ist als zwischen den übrigen Säulen30, Auch in dem älteren Heratempel von Olympia stand neben dem Bild der Gôttin das des Zeus.
SchlieRlich ist noch etwas über die Datierung des Tempels zu sagen. Wegen
der vermeintlich altertümlichen Mittelstützen wird er früh, das heißt etwa um die
Mitte des 6. Jh. angesetzt, obwohl man den ebenfalls mit Mittelsäulen ausgestatte-
23. Kraus 99.
24. Gruben 243.
25. Gruben 243; v. a. Hertwig 2.0.
26. Gruben 243,
27. L. Curtius, Die Tempel von Paestum, 1944, 10.
28. Hertwig 7.
29. M. Napoli, Paestum, 1967, 38 Abb. 43.
30, Ein abweichender Vorschlag bei Dinsmoor 93 fig. 36, der den breiteren Raum zwischen der 5. und 6. Säule annimmt, also genau in der
Mitte des Innenraumes.
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)ten Heratempel von Metapont, den man „wegen der Verwendung dieses früharchaischen Motivs durch die achäischen Siedler bis weit ins 6. Jh. hinein“31 zusammen mit der ,,Basilika’’ nennt, erst. gegen 500 entstanden ansieht. Wann die Doppeltempel
in Samos erbaut sind, geht
aus der Publikation nicht hervor. Doch
scheinen sie beim Tod des Polykrates noch nicht fertig gewesen zu sein32. So ist
bei Gebäuden außerhalb von Paestum kein festes Datum für den Bau des Heratempels |
zu finden. Man ist auf den Vergleich mit den übrigen archaischen Bauten
von Paestum und Umgebung angewiesen, die sich in formaler Hinsicht so sehr zu
einer Gruppe zusammenschließen, daß man sie während einer einzigen, groß angelegten Bautätigkeit entstanden denken kann. Ein Bau wurde nach dem anderen
erstellt. Dabei wurden Erfahrungen ausgewertet und Einzelheiten verfeinert. Die
Säulen des Athenatempels sind zwar kleiner und im Detail sorgfältiger ausgeführt
als die der „Basilika“, doch in den Proportionen ähnlich und im ganzen gesehen
aus diesen entwickelt33, Ähnliche Verbindungen lassen sich zu dem nahen Heiligtum von Foce del Sele herstellen. Für das Fundament des dortigen Heratempels
scheint das der „Basilika‘‘ Grundlage der Planung gewesen zu sein34, Wenn man
dann noch mit Kähler das Bruchstück einer Europametope dem Heratempel | zuschreibt, so ergibt sich auch für die Bauplastik ein Zusammenhang zwischen den
Tempeln. Denn die Tänzerinnen von Foce del Sele sind der Europa so verwandt,
daß sie aus derselben Werkstatt stammen kénnten39,
Mit großem materiellen Aufwand
hat die Stadt Paestum am Ende der Archaik verschiedene Bauprogramme vorangetrieben und läßt sich dadurch mit anderen westgriechischen Städten, vor allem mit Sybaris vergleichen. Die
Frage
nach dem wirtschaftlichen Rückhalt für diese Unternehmungen lenkt den Blick
auf die Mutterstadt Sybaris, die gegen Ende des 6. Jh. nach der Zerstörung des
konkurrierenden Sirs eine der mächtigsten Griechenstädte überhaupt war. Sie verfügte damals in Unteritalien über ein fast zusammenhängendes Territorium, an
dessen Nordspitze Paestum lag. Der Zusammenhang zwischen Mutter- und Tochterstadt war eng und bewährte sich auch nach der Katastrophe, die 510 über Sybaris
hereinbrach, als es von der Nachbarstadt Kroton erobert und
vernichtet
wurde. Viele Flüchtlinge fanden in Paestum Aufnahme. Um so fester müssen die
Bande vorher gewesen sein, als Sybaris wegen seines Reichtums berühmt und beneidet war. Seine finanziellen Möglichkeiten wirkten sich bis in die der Tochterstadt aus.
In die zwei Jahrzehnte, während deren Sybaris auf der Höhe seiner
Macht stand, wird auch die archaische Bautätigkeit von Paestum gehören, die
wahrscheinlich 510 noch nicht zu Ende geführt war. Viele Gebäude weisen noch
heute Spuren eines provisorischen Abschlusses auf. Am sogenannten Thesauros
von Foce del Sele ist bei einer Reihe von Metopen das Relief nur in der Bosse angelegt.
Ebenso sind die mittleren Säulen der ,,Basilika’’ nachträglich kanneliert
worden. Auch für Paestum bedeutete das Ende von Sybaris einen Einschnitt, der
31. Gruben 239.
32.
Walter 82.
33. Gruben 244.
34. Kraus 99, 101.
35, H. Kahler, Das griechische Metopenbild, 1949, 58 Taf. 52.
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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)erst nach einiger Zeit überwunden werden konnte, wie der spätere Bau eines neuen, nun klassischen Tempels für die Göttin zeigt. Die archaischen Bauten legen dagegen durch den Reichtum ihrer Schmuckformen, und die „Basilika“ im besonderen durch ihren eigenwilligen Plan, ein entferntes Zeugnis für die sprichwörtlich
gewordene Üppigkeit und Extravaganz der Mutterstadt Sybaris ab.
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