Volledige tekst tonen5 pagina's
Pagina 1
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)ÖSTERREICHISCHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN
PHILOSOPHISCH-HISTORISCHE KLASSE
DENKSCHRIFTEN, 355. BAND
o 36 51
p izo - 1a
x
u -
+ Wu
Jußat. [Tusae
KAROLINE CZERWENKA-PAPADOPOULOS
3: TYPOLOGIE DES MUSIKERPORTRÄTS
IN MALEREI UND GRAPHIK
Das Bildnis des Musikers
ab der Renaissance bis zum Klassizismus
- TEXTBAND
3
Verlag der
Österreichischen Akademie
der Wissenschaften
Wien 2007
Pagina 2
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Der Typus im Wandel der Jahrhunderte
Notenbücher und eine auf den Boden gelegte Lyra runden die symbolbeladene „Apotheose“ ab, während der
Bekrönte selbst einen Fruchtkranz in Händen hält.
Das hohe Prestige eines Sopransängers der barocken Oper dokumentiert aufs Eindringlichste ein weiteres Porträt
Broschis (Abb. 093; BrosCar 07)*”*, das CorrADo GiaQumTo (1703-1775) bald nach seiner
Berufung als Hofmaler an den spanischen Hof (1753) und während Broschis Aufenthalt dortselbst (ab 1757)
ausführte. Wie in Broschis Testament beschrieben, „trägt der aufrecht Stehende den Mantel des königlichen
Militärordens der Calatrava, die eine Hand ruht am Cembalo, während ein Prospekt mit einem Medaillon mit
den Porträts des Königs und der Königin von Spanien, Ferdinand der Sechste und Maria Barbara, als Büsten
sowie auch der Maler selbst dargestellt sind, gemeinsam mit Putten: die Personen sind nach der Natur gemalt
“. Ein Notenblatt mit einer Komposition Broschi-Farinellis weist ihn auch als Komponist aus, während die
Jwen auf seinen beträchtlichen Wohlstand hinweisen.
Durch einen Lorbeerkranz auf dem Haupte stellte der Maler J'ee GREUZE den überragenden Komponisten Jean- Philippe Rameau (um 1760) als Heroen dar, der gerade seine Inspiration zu Papier
bringt (Abb. 357; RameJea 03; J. Chauvet griff 1879 t.p. diese Komposition in einer Heliogravüre auf). Diese
schlichtere, wenig pompöse Verherrlichung knüpft m. E. an solche der Renaissance an, wie wir sie z. B. aus
einer um 1500 zu datierenden Darstellung des Horaz von Luca Signorelli auf einem Wandgemälde im Dom
von Orvieto kennen‘”.
Als „Laureata“ tritt uns auch die mehrmals von der Malerin RosALBA CARRIERA porträtierte berühmte MezzosopranistinFaustina Hasse-Bordoni aufeinem Pastellbild von 1724/1725 (HassFau 01) entgegen.
Ihr Haupt ist außerdem noch mit Perlen geschmückt. Zu dieser Zeit hatte Faustina Hasse-Bordoni, die schon
mit 16 Jahren debütierte, bereits den Status eines „Stars“ erreicht, (1723 wurde sie in Florenz durch Gedenkmedaillen geehrt) und ist dementsprechend selbstbewußt auf dem Bildnis festgehalten.
Durch die Präsenz der Personifikation der Musik, von Amoretten und Putten auf Wolken begleitet, erhält
eine Darstellung mit dem Kopfbild von Carl Philipp Emanuel Bach (BachCarP 08) allegorischen
Charakter. Der Werktitel (,... Geistliche Gesänge ...“ etc. von 1780) enthält überdies eine Vedute der Stadt
Hamburg — womit eine „reale“ Dimension ins Bild kommt, die gleichfalls im 18. Jh. beliebt ist.
E. Das IDENTIFIKATIONSPORTRÄT (TRAVESTIE)
(z. B. als Apollo, Orpheus, David, Jubal, Pythagoras usw.)
„Das Sakrale Identifikationsporträt, also die Kombination von realistischer Wiedergabe der äußeren Erscheinung eines Menschen in einer sakralen Sphäre bzw. in der Rolle einer Figur der Bibel oder Kirchengeschichte, verbreitete sich als Sonderform des Bildnisses nach Vorstufen im 13. Jh. seit der zweiten Hälfte des
14. Jh.s vom Hofe Karls IV. ausgehend über ganz Europa“.°” Daneben gibt es Beispiele der Tugendanalogie
und der Identifikation mit einem „Helden“ der Vergangenheit, einer Person der antiken Götterwelt oder aber
mit einer Berühmtheit auf einem speziellen Gebiet. „Aus den zeitgenössischen Quellen wissen wir, daß die
Identifikationsporträts ebenso als Verpflichtung zur Nachahmung der historischen oder legendären Vorbilder
verstanden wurden wie als panegyrische Verherrlichungen ...“ usw.°”', Tilman Seebass hat nachgewiesen’”,
daß im Mittelalter anstelle von zeitgenössischen Musikern, „Patrone der Musik“, wie David, Pythagoras oder
auch Frau Musica, als Personifikationen von Ideen zur Darstellung gelangten. Innerhalb des hier behandelten
Zeitraums wurden sowohl antike Götter, Helden aus der Mythologie und Vorbilder aus der Musikgeschichte
als auch christliche „Patrone der Musik“ als Identifikations-Typen für Musiker herangezogen.
Bereits hingewiesen wurde auf das in Griechisch mit „Tymotheos“ bezeichnete Musikerbildnis (BincGil
01) Jan van Evcks von 1432, ein Porträt mit den Zügen des Musikers Gilles Binchois, der in humanisti-
"98 s, Ausst.-Kat. „Collezionismo e storiografia musicale nel Settecento. La quadreria e la biblioteca di padre Martini“, op. cit., fig. 3.
Das Gemälde ist in dem Testament Broschis (c. 36) beschrieben.
® vgl. u. a. eine Abb. in MGG Bd. 6/1957 (Stichwort Horaz) Sp. 709f.
> Zitat F. B. Polleross, Das sakrale Identifikationsporträt. Ein höfischer Bildtypus vom 13. bis zum 20. Jahrhundert, Worms
S. 363.
>0! ebendort, S. 363.
> s. Lady Music and her Protegees, etc., op. cit., S. 23£f.
Pagina 3
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Das Identifikationsporträt (Travestie)
scher Metonymie mit Timotheos von Milet gleichgesetzt ist, dem berühmten Fachgenossen der Antike, der
zur Zeit Platos die griechische Musik revolutionierte”.
In dem Titel des mit „Opitianischer Orpheus“ bezeichneten Werks des
Johann Erasmus Kin dermann von 1642 (KindJohE 02) trägt die Orpheus genannte Figur mit der Leier die Gesichtszüge des Autors
Kindermann, wie wir anhand eines Vergleichs mit einem Porträtstich desselben (KindJohE 01) nachweisen
können.
König David als „Urvater der Musiker“ ist prädestiniert, als leuchtendes Vorbild und somit als verherrlichende Identifikationsfigur für einen Musiker herangezogen zu werden. Wurde doch der Schäfer, Prophet
und spätere König David, dessen Leben im Alten Testament ausführlich beschrieben ist, wegen seiner Fertigkeit im Harfenspiel am Hofe König Sauls angestellt, um für ihn zu spielen, wann immer „der böse Geist von
ihm Besitz ergreift‘. Im Mittelalter als seherischer Sänger und Verfasser des Buches der Psalmen verehrt,
sah man in ihm auch denjenigen, der als König die Musik im Gottesdienst organisierte und professionalisierte;
so erhält die Darstellung eines Musikers in der Travestie als König David besonderen Sinn.
Das Bildnis eines „bärtigen Mannes mit Turban“ in der Galleria Spada in Rom könnte ein PorträtAdrian
Willaerts(Abb. 358; WillAdr 03) in der Verkleidung desKönig David sein (nach Fokke). Die Attribute (Musikinstrumente und Notenbücher) deuten auf einen Virtuosen und Komponisten hin, dessen würdevolle
Pose und das prunkvolle Ambiente der Bedeutung dieses Musikers angemessen wäre, auch wenn dies dem
bescheidenen Wesen Willaerts selbst nicht entsprechen sollte°®. Die Harfe (links) und die Krone (rechts auf der
Pfeilerbasis) deuten auf König David hin (es ist strittig, ob der Turban vom Porträtisten selbst oder zu einem
späteren Zeitpunkt eingefügt wurde). Das von G. J. Hoogewerff dem flämischen Maler Jan STEVENSZ VAN
Carcar (14992-1546), einem Schüler Tizians, zugeschriebene Porträt dürfte in der Zeit um 1536/37 entstanden sein, als dieser sich in Venedig aufhielt. CALcAr hätte demnach seinen Landsmann, diesen „Prinzen unter
den Musikern“ — in jüngeren Jahren als auf dem bekannten Stich und entsprechend idealisiert — in der damals
beliebten Form als Travestie bzw. Identifikationsporträt dargestellt?”. Speziell in den Niederlanden war in der
Renaissance die Darstellung König Davids in verschiedenen Stationen seines Lebens besonders populär. Ein
Stich von Lucas van Leyden (von 1508) zeigt ihn, wie er seine königlichen Insignien und seine Harfe abgelegt
hatte, um zu beten und interessanterweise sind diese Attribute in ähnlicher Weise auf dem Bilde des Jan Stevensz van Calcar verteilt.
AlsKönig David mit der Harfe ließ sich auch der musikalische König Heinrich VIII. auf einer Miniatur von John Mallard porträtieren (GB-Lbm Roy. 2A.XVI; fol. 63v)?®, Hier ist die - übrigens in einem recht
realistischen Porträt verpackte — Allusion Heinrichs (mit seinem Hofnarren Will Sommers dargestellt) an König David überdies durch die dazugehörige Stelle im Text des Psalms XTV in Zusammenhang gebracht.
In der Musikliteratur findet sich die Ansicht, daß auf den von JörG BREU D. Ä. in den zwanziger Jahren
des 16. Jh.s gemalten Orgelflügeln der Fuggerkapelle°® in der St. Annenkirche zu Augsburg Porträts von den
damaligen Musikern des kaiserlichen Kreises einbezogen wären (s. BuchHan 02)’!. So wäre Heinrich
Isaac(?) — der alte Mann mit der „mächtigen gefurchten Stirn, zurückfliegendem Haupthaar, gebuckelter
Nase und Spitzbart“ - als Tubal auf dem linken Flügel der Vorderseite zu sehen - identifiziert nach dem schon
erwähnten Weiditzschen Blatt der Kantorei des Maximilian I. — während der „elegante Jüngling“ links Hans
> Nähere Angaben zu dem Porträt vgl.: Beschreibung auf Seite 16 und 47.
°* zu König David als Musiker s. u. a. Ausst.-Kat.: „O Musica Du edle Kunst“, op. cit., S. 127.
>05 ausführlich dazu: E. E. Lowinsky, Problems in Adrian Willaert’s Iconography, in: Aspects of Medieval and Renaissance Music,
Festschrift für Gustav Reese, New York, 1966, S. 583f., 94. Die Einbeziehung des Bildnisses in Bologna als Vergleichsbeispiel
für eine negative Bewertung des Bildnisses in Rom ist unzulässig, da dieses erst im 18. Ih. (in Anlehnung an den bekannten Holzschnitt ) entstanden ist (s. Ausst.-Kat.: „Collezionismo e storiografia musicale etc.“, Bologna 1984, S. 45). Hingegen finde ich die
von Lowinsky unternommene Identifizierung des Porträts Jacopo Bassanos in Chicago mit Willaert nicht überzeugend.
° vgl. F. Zeri, La Galleria Spada in Roma, Catalogo dei dipinti, Florenz, 1954, S. 48f. und Abb. 31; E. E. Lowinsky, op. cit.,
S. 576ff.
x
>” Ein von Calcar signiertes „Porträt eines Mannes“ befindet sich im Kunsthistorischen Museum und bestätigt vom Stil her. m. E. die
Zuschreibung (s. Verzeichnis der Gemälde-Galerie, Wien 1973, S. 36, Taf. 28).
»0® vgl. Grove, Bd. 8/1980, Abb. auf S. 485.
»® Otto Holze, Die Kunst Jörg Breus d. Ä., in: Pantheon Bd. 25/1940.
°0 5. E. F. Schmid, Das goldene Zeitalter der Musik in Augsburg, in: AUGUSTA 955-1955, Forschungen und Studien zur Kultur- und
Wirtschaftsgeschichte Augsburgs. Augsburg 1955, S. 308; H. J. Moser, Paul Hofhaimer, op. cit., S. 34ff.
Pagina 4
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Buchner sein könnte. Der junge
Der Typus im Wandel der Jahrhunderte
Senfl wäre in der Verkleidung als Jubal auf dem linken Flügel (nach dem
t, wie er =.
ersten Buch Moses, 4, 21 Sohn Kains und Stammvater aller Zither- und Flötenspieler) dargestell
hinweg zu nn Josephus) „die Grundgesetze der Musik auf eine Säule eingräbt, um sie über Dr Sintflut
ig e
während „alle Völker (Deutscher, Jude, Türke, Grieche) die Solmisation mitlesen .Aufden en
rn der
Mitgliede
den
„Pythagoras in der Schmiede“ die mythische Entstehung der Musik ergänzen, welcher
_
„Cantorei bei St. Anna“ auf dem zweiten Flügel gegenübergestellt ist.
durch ihren Beitrag
Bei dem Gruppenporträt der Reformatoren (s. Abb. 359; JonaJus 01)-vondenen nee
als Jünger Jesu
vor,
Travestie
zum Kirchenlied zu den Musikern gezählt werden - liegt ein Fall von „Apostelbeim letzten Abendmahl. Der Auftrag an Lucas CRANACH D. J., ein für die Schloßkirche zu Dessau
en
Fürsten Joac 2
Gemälde als Epitaph (signiert und 1565 datiert) zum Andenken an den 15 61 verstorbenen
von Anha t,
Bernhard
und
Ernst
Joachim
von Anhalt zu schaffen, war vermutlich von den Neffen des Fürsten,
ausgegangen°''. In dem dargestellten Saal mit Durchblick zu einem Nebenraum, ist der Verstorbene
dergrund betend dargestellt, während in dem Mundschenk (diesem gegenüber) ein Selbstbildnis
=z
Cranac — :
gesehen wird’'?. Cranach verläßt die sonst bei den Protestanten übliche Komposition mit Christus an der! inken
Schmalseite des Tisches, um (m. E.) die Porträts der Personen — die nach anderen Darstellungen identifizierbar’' sind — besser zur Geltung zu bringen. Allen voran ist Georg IIl., Fürst von Anhalt, als Apostel Johannes
zur Rechten Christi gezeigt, weiters Martin Luther, Johannes Bugenhagen, Justus Jonas und Caspar
Cruciger, während zur Linken Christi Philipp Melanchthon, Berthold Bernardi, Johannes Pfefinger, Johannes
Forster und Georg Major am Tisch sitzen. Dem Ereignis des letzten Abendmahls, das bei den Protestanten
symbolhaft im Zentrum des Interesses steht, wohnen auch weitere Mitglieder des Hofes im Hintergrund bei;
dieses findet in einem Saal des Schlosses statt.
Eine Besonderheit bietet das Autorenbild des Jacques Mauduit (Abb. 360; MaudJac 01) zu seinen
„Chansonettes mesurees“ von 1633: Der Komponist und berühmte Lautenist erscheint in eine Toga gekleidet,
was aus der hinzugefügten Inschrift erklärlich ist. Hier wird er als „gallischer Amphion“ bezeichnet und
gleichgesetzt mit dem mythischen Sohn des Zeus, durch dessen Klänge auf der Leier sogar Steine sich zu einer
Mauer um Theben fügten (als Amphion und dessen Zwillingsbruder Zethos über Theben herrschten).
Ein Stich zeigt (Constantin) Christian Dedekind als Hermes (in Rüstung und mit Flügelmotiven an
Armen und Beinen) mit dessen Caduceus-Stab in Händen auf einer Bühne (DedeChr 02). Die Identifikation
mit Hermes ist nicht erstaunlich, da dieser als Erfinder der Lyra (die er dann in einer Art Tauschgeschäft seinem
Bruder Apollo überließ) und der Hirtenflöte galt und somit ein kompetentes Vorbild für einen Musiker war. Die
individuellen ZügeDedekinds sind vonden Kupferstechern JoHann Caspar HöckNER und CHRISTIAN ROMSTET
keineswegs idealisiert und geschönt worden, sodaß ein merkwürdiger Kontrast zu dessen Kostüm besteht.
Pierre Jelyotte, der bei Uraufführungen vonRameaus Werken tragende Rollen sang und der
bedeutendste Sänger seiner Zeit an der Pariser Opera war, ist sowohl auf einem Gemälde (Abb. 352; JelyPie
02) als auch auf einem Stich (Abb. 353; JelyPie 03) durch Attribute als Apollo charakterisiert. Da Jelyotte
in
der Truppe der Acad&mie royale de Musique eine hervorragende Stellung innehatte, überrascht
es nicht, daß
ein Sänger dieses Formates — wie auch in Lobgedichten damals üblich — mit Apollo verglichen
und auch so
dargestellt wurde. Auf dem Tafelbild in der Opera (Abb. 352; JelyPie 02), das Louıs
MicHeL Van Loo zugeschrieben wurde, könnte es eine Verbindung zu einem Rollenbild als Apollo geben,
doch im Falle des Stiches
von Louis Jacques CATHELIN (Abb. 353; JelyPie 03) wirkt Jeliotte idealisiert, den Blick
nach oben gerichtet, so
= an kein Rollenbild°'*, sondern eine „Travestie“ als Identifikation
als „neuer Apollo“ vorliegen
Önnte (?).
Auf dem Gipfel ihres Ruhmes malte Sir Jostua Revnorbs die gefeierte Sängerin
Elisabeth Linle yS heridan im Jahre 1775 als hl. Cäcilia (LiniEliA 04). In dem gesicherten
Beispiel eines Identifikationsporträts wird die Cembalo spielende Sängerin - ganzfigurig im Profil dargestellt
- von zwei Sängerknaben
assistiert, während sie zu einer Wolke hinaufblickt und so deren Bezug zur
himmlischen Sphäre herstellt.
sıl
s. W. Schade, Die Malerfamilie Cranach, Dresden 1974, S. 96ff.; MGG
Bd. 7, 1958, Sp. 155f.
>12 ebendort, S. 96.
513
z.B. Justus Jonas nach einem Stich (JonaJus 02). Lt. freundl. Mitteilun
g von Frau Pfarrerin G. Perlberg sind nun alle hier abgebildeten Personen identifiziert. Das Bild befindet sich seit 1990 in der
St, Johannis-Kirche in Dessau.
>4 dazu siehe auch unter Kapitel C. 2 (Rollenbild).
Pagina 5
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Mythologische, biblische und allegorische Figuren sowie Symbole und Tiere
weiteren Sinne — die hl. Cäcilia, die Patronin der Kirchenmusik, als christianisierte Form der Musica angesehen werden.)
Daher nicht verwunderlich ist es, wenn sich Frau Musica (allein) den Musikern hinzugesellt, wie beispielsweise auf dem Gruppenporträt mit den Instrumentalisten Dietrich
Buxtehude (Abb. 136; BuxtDie 01)
undJohann A. Reincken mit Zuhörern. Der Niederländer JoHANNES VOORHOUT setzte 1674 die zwanglos
arrangierte Gruppe vor einen landschaftlichen Hintergrund. Dann und wann kann Frau Musica auch die Krönung eines Musikers durch einen Lorbeerkranz vornehmen und ihn dadurch besonders auszeichnen, wie im
FalleBroschi-Farinellis (vgl. BrosCar 06; 1735 terminus post.).
In den mittelalterlichen Traktaten werden als Erfinder der Musik Jubal (nach Genesis 4, 21) oder Pythagoras (nach Jamblichos’‘”) erwähnt und so verwundert es nicht, sie als allegorische Begleiter von Musikerporträts
dargestellt zu finden: Pythagoras mit den Attributen Hammer und Gewicht?” als ganzfigurige Darstellung in
der Rahmung um das Porträt des Johann Jeep (Abb. 407; JeepJoh 01) als Gegenstück zu König David mit
der Leier, dem christlichen „Urvater“ der Musik. (Die gleichfalls den Erfindern der Tonkunst zugeordneten
biblischen Figuren, Jubal und Tubal, wurden - in Kap. IV. E. - im Zusammenhang mit dem „Identifikationsporträt“ vorgestellt.) Hin und wieder begleiten auch andere biblische Figuren die Porträts von Musikern; so
werden in der Rahmung des Erinnerungsbildes mit dem Porträt des Philipp Nicolai (Abb. 215; NicoPhi
01) Johannes der Täufer und Moses einander gegenübergestellt.
Christliche Allegorien können auch auf einem Ereignisbild erscheinen, wie z. B. die durch Kreuz und
Kelch gekennzeichnete Fides auf einer Wolke bei dem Gemälde mit der „Wallfahrt des Vizekönigs von Neapel
zur Kirche S. Maria di Piedigrotta“ im Beisein des Chorleiters
Francesco Mancini (Abb. 272 + 272a;
MancFra 01); dann wieder mischen sich christliche mit mythologischen und allegorischen Figuren sowie Symbolen, die teilweise schwer zu benennen sind, wie z. B. auf dem MusiktitelmitJohann Schop (Abb. 223;
SchoJoh 01). Die christlichen Tugenden (Liebe, Glaube, Hoffnung und Reinheit) sehen wir auf dem Porträt
von Johannes Frisius (Abb. 009).
Allegorien der Tugenden, wie z. B. die Virtus und Honor, gruppieren sich zusammen mit der Diligentia und
der Fama um das Porträt Cesare Negris (NegrCes 01; von 1602), während die Gelehrsamkeit und die
Justitia als hervorragende Tugenden des komponierenden Landgrafen
Moritz von Hessen (HessMor
01) in den Blickpunkt gerückt wurden.
Erwartungsgemäß ist die Fama (meist mit Posaune ausgestattet) eine wichtige, rühmende Begleiterin von
Porträts, wie z. B. in der Rahmung des Bildnisses von MarcoFabritio Caroso da Sermoneta (vgl.
CaroMarF 03; aus dem Jahre 1600). Sie kann auch Teilnehmerin an einer szenischen Darstellung sein, wie
z.B. im heroisierenden Porträt
Carlo Broschi-Farinellis des JosepH WAGNER (von 1735 t.p.; BrosCar
06), wo sie sich zur Musica hinzugesellt.
Ein weiteres Thema, das im Zusammenhang mit Porträts (u. a. mit solchen von Musikern) wiedergegeben
wird, bezieht sich auf Anspielungen und Symbole der Vergänglichkeit allen Seins, den Tod, der als Skelett mit
Sanduhr direkt angesprochen wird, wie in dem Porträt des Johannes Xylotectus (Abb. 154; XyloJoh
01) von Hans HoLbem D. J. oder als Skelett mit Pfeil und Bogen in dem Titelblatt mit dem Autorenporträt des
Melchior Neusidler (Abb. 180; NeusMel 02). Ein Totenkopf mit Sanduhr — als memento- mori - ist
auf dem Porträt vonJohn Bull (Abb. 005; BullJoh 01; von 1598) sowie aufdem vonJohann Crüger
(CrügJoh 01; von 1663) zu sehen. Den Totenkopf malt Nicolas Lanier auf seinem Selbstporträt (Abb.
084; LaniNic (II) 02) dazu, so wie dieser auch in der Rahmung eines bekannten Porträts von Heinrich
Schütz (Abb. 199; SchüHei 02) aufscheint. Dem Themenkreis vanitas vanitatum werden auch Rosen, andere Blumen und Früchte zugeordnet, sodaß diese nicht nur als Dekor zu verstehen sind.
Als Begleiter der Musikerporträts überwiegen die Figuren aus der griechisch-antiken Mythologie. So erscheint Apollo immer wieder in Zusammenhang mit Musikerporträts, und zwar sowohl allein als auch im:
Wettstreit mit Marsyas (und diesen durch dessen Schindung bestrafend), wie z. B. auf dem Porträt Orlando
als Schulbuch im 9. und 10. Jh. - ist bezeugt und fand auch als Bildmotiv ihren Niederschlag in der Darstellung der sieben freien
Künste als weibliche Figuren bei der Hochzeitsfeier (s. ebendort, Sp. 802f.).
>6 De vita Pythagorica und Porphyrios, De vita Pythagorae (ed. Kiesling 1815 bzw. 1819).
>” In anderen Fällen wird Pythagoras mit Glocken und Wassergläsern experimentierend (zur Fixierung der Intervallpositionen) abgebildet, wie z. B. auf einem Holzschnitt in Franchino Gafforis Traktat „Theorica musice“ von 1492.