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VANTZLOERGEN S.
1. Kapitel.
Das Monochord im Altertum.
Einleitung.
Die Grundlage aller Melodik bildet das Tonsystem. Ändert
sich das Tonsystem, so ändert, sich auch der Charakter und
der Aufbau der darauf beruhenden Melodien und Harmonien.
Es leuchtet ein, daß die Melodien der Siamesen, die sich auf
eine sechsstufige Ganztonleiter stützen, anders aussehen müssen
als die der Chinesen, die die Pentatonik zur Grundlage haben,
uud diese wieder anders als die griechischen Tonreihen, die
auf der diatonischen, chromatischen und enharmonischen Tonleiter beruhen.
Nun ist aber unser heutiges ‘lonsystem nichts weiter als
die kontinuierliche Fortsetzung des griechischen Systems, und
es erscheint daher lohnend, das Instrument einer näheren
Betrachtung zu unterziehen, das ‚Jahrhunderte lang dazu
gedient hat, die Intervallverhältnisse, die einzelnen Tonstufen
und ihre harmonischen und akustischen Beziehungen zueinander
anschaulich darzustellen nnd wissenschaftlich zu begründen.
Dabei wird sich ergeben, dals das Monochord nicht, wie
Riemann ') meint, nur „ein Requisit des akustischen Kabinetts“
gewesen ist, sondern daß es zu gewissen Zeiten auch die
Geltung eines selbständigen Musikinstruments hatte und dementsprechend verwendet wurde.
An der Hand des Monochords selen wir, wie sich das
Tonsystem vom griechischen Altertum his zum Anfang des
1) Handbuch der Musikgeschichte, Bd. I, 1, S. 92,
Wantzlooben, Das Monochard,
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)16. Jahrhunderts entwickelt, d. h. bis zu der Zeit, da unser
heutiges Tonsystem das herrschende wird.
Etwas früher vollzieht sich der Übergang des Monochords
in das Klavier, das von nun an dazu berufen war, die
Funktionen des Monochords im weitesten Umfange zu übernehmen. Damit erlischt zugleich auch die Bedeutung des
Monochords überhaupt. Wohl taucht es bis in die neueste
Zeit hinein hie und da wieder auf, aber seine selbständige
Rolle hat es längst ausgespielt.
Von den späteren Autoren ist es noch Aristides Quintilianus,')
der das Monochord in die Zeit des Pythagoras versetat.
Er sagt nämlich:
?) „Daher wird denn auch von Pythagoras
erzählt, er habe, als er aus diesem Leben schied, seine Freunde
ermahnt, sie sollten auf dem Monochord spielen“.
Auch Gaudentius (ca. 200 p. Chr.) berichtet:3) „Er (sc.
Pythagoras) spannte eine Saite über einen Kanon und teilte
ihn in zwölf Teile“.
Diesen übereinstimmenden Angaben steht nun aus derselben Zeit eine gänzlich vereinzelte Notiz gegenüber. Der
unter Commodus schreibende Julius Pollux sagt lakonisch:
*)
Entstehungszeit und -ort.
Wollen wir zunächst Ort und Zeit der Entstehung des
Monochords festsetzen, so sind wir lediglich auf Vermutungen
angewiesen, denn die alten Autoren sind in dieser Hinsicht
sehr unergiebig.
Betrachten wir die Quellen, so tritt uns der Name
„Monochord“ zum ersten Male bei Nicomachus von Gerasa
entgegen. Wie es damals und noch später üblich war, erörtert
dieser Schriftsteller ausführlich die „Erfindung“ der Konsonanzen durch Pythagoras und geht dann auf die verschiedenen Methoden ein, vermittels deren Pythagoras die
Konsonanzen darzustellen suchte.
Er sagt: !) „ele xoextda pyava Aouròr rm neigen êféreure
(sc. 6 InYaydpac) AextÔor re zpoöor zaì addode zal ovelyyas
zaì uoroyögda zei votyora zal ra zapaxdijdra*.
Daraus würde folgen, daf das Monochord zu Pythagoras’
Zeiten ein Saiteninstrument und zwar, wie die Ausdrucksweise
vermuten läßt, in mehreren Gattungen verbreitet war.
Übrigens ist der Name „Monochord“ nicht der einzige,
„uorözoodor dE Hlodßom To rpm.
Das wäre allerdings eine sehr wichtige Nachricht, aber
leider verliert sie erheblich an Wert dadurch, daß Pollux für
seine Behauptung keinerlei Beweise erbringt.
Noch ein anderer Umstand erschüttert die Wahrscheinlichkeit seines Zeugnisses: Wenn die Araber wirklich die
Erfinder des Monochords wären, so hätten demnach die
Griechen noch vor Pythagoras das Monochord von ilmen
iibernommen, was an sich nicht unmöglich wäre, denn zwischen
Griechenland und Arabia felix bestand ein reger Handelsverkehr. Nun war aber die arabische Bezeichnung für
Monochord in alter Zeit ,quânon“ (heute kami), also offenbar eine Nachbildung des griechischen „zere. Wie wäre
es aber zu erklären, daß die Araber für ein Instrument,
dessen Erfinder sie selbst waren, nachträglich einen echt
griechischen Namen annahmen?
Fassen wir das Ergebnis obiger Berichte zusammen, so
ergibt sich folgendes:
unter dem dieses Instrument im Altertum auftritt. Im Gegen-
1) Von H. Abert seiner zahlreichen nenplatonischen Gedanken wegen
dem 8. Jahrhundert p. Chr. zugerechnet.
teil, man trifft viel häufiger die Bezeichnung zeroir, d.h.
Regel, Richtschnur. Unter diesem Namen wird es schon von
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dem Mathematiker Euclides (ca. 300 a. Chr.) in der zerarom]
xaróvoc behandelt.
t) Harm. Euch. L 1. dl.
*) De musica, 1.3, 6. 2; ML, Bd. 2, 8.116: dro wed audayoper paot
3) Indrotyctio harmonica, M., Bd. 1, 8.14: zoudijr pag tetrag ent
zeroros terôc zei Tor xarore dekor ele pion 18, .. ..
4) Onomasticon 1. 4, e. 9: zee) dpydvwr sdpeGrytwy Kuren. Diese
Stelle ist später von Cyriacus Snegassius (Isngoge, 1590) und von Vine.
Galilei (Dialogo, 1602) nachgeschrieben worden.
Seite 3
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Wahrscheinlich ist das Monochord eine Erfindung der
Griechen; vielleicht stammt es von Pythagoras selbst; jedenfalls ist seine Entstehungszeit nicht viel früher anzunehmen.
Aber noch etwas lehren uns die eben angeführten Quellen,
nämlich, daß wir das Monochord von vornherein unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten müssen: bei Nicomachus
und Julius Pollux ist es ein Musikinstrument, bei Aristides
und Gaudentius ein theoretisches Requisit unter dem Namen
zarer, Wine dritte Anwendung des Wortes übermitteln uns
Euclid und Ptolemäus: Monochord (zerar) als Bezeichnung
für das Tonsystem überhaupt.
Dabei ist gleich zu bemerken, daß diese drei Anwendungen
des Monochords nicht zu allen Zeiten von gleicher Bedeutung
gewesen sind.
Das Monochord als Musikinstrument zeigt im Altertum
wie im früheren Mittelalter keine starke Entwicklung und
Verbreitung. Dementsprechend sind auch die Zeugnisse über
diese Seite des Monochords nur gering an Zahl und sehr allgemein gehalten.
Weit häufiger und mehr ins Einzelne gehend sind die
Beschreibungen, die uns vom Monochord in seiner zweiten
Eigenschaft als theoretisches Hilfsmittel überliefert sind.
Schon die Verwendung des Kanons als Lehrinstrument machte
eine exakte Darstellung zur Pflicht.
So stoßen wir denn im
Laufe der Entwicklung auch auf eine ganze Reihe von Stufen,
die sich dem jeweiligen Stande des Tonsystems anzupassen
suchen.
j
Was den dritten Gesichtspunkt anbetrifft, unter dem sich
das Monochord betrachten läßt, als Tonsystem überhaupt, so
liegt es in der Natur der Sache, daß wir ihn gewöhnlich
unmittelbar neben der zweiten Anwendung werden behandeln
müssen, da ja hier das eine zur Erklärung des anderen dient.
Monochord als Musikinstrument im Altertum.
Bei der Darstellung des Monochords als Musikinstrument.
im Altertum sind wir auf eine Reihe recht spärlicher Nachrichten angewiesen.
+
5
Den ersten sicheren aber unbestimmt gehaltenen Hinweis
auf die rein instrumentale Eigenschaft des Monochords treffen
wir bei Nicomachus. Dieser erwähnt nämlich in der oben ')
angeführten Stelle das Monachord in einer Weise, die die
Vermutung zuläbt: er wählt hier das Monochord als Vertreter von Saiteninstrumenten überhanpt, was dann eine
ziemliche Verbreitung des Instruments als solches voraussetzen würde,
Ferner zählt der eben?) zitierte Julius Pollux das
Monochord in Gesellschaft von bekannteren Saiteninstrumenten
wie äxeyoreeor (40 Saiten) und reizeodor auf, ohne aber auf
seine besonderen Eigenschaften näher einzugehen.
Bei Aristides Quintilianus®) ist der Ausdruck , #orozopSizer" zu allgemein, um sichere Schlüsse auf die Art seiner
Anwendung zu gestatten.
Diese wenigen und allzu dürftigen Hinweise werden aber
von einem durchaus zuverlässigen Gewährsmann ergänzt, der
uns mehr bietet als alle seine Vorgänger zusammen. von
Ptolemäus. In seiner “Iororız; finden wir das Monochord
teils unter diesem Namen, teils als zer” mehrfach ausführlich behandelt. Mit Rücksicht auf den instrumentalen
Gebrauch ist für uns das 12. Kapitel des 2. Buches von
besonderer Wichtigkeit:s) „Über den unbequemen Gebrauch des einsaitigen Kanons“.
„Um deutlich zu zeigen, daß die Berechnung mit den
Sinnen übereinstimmt, müssen wir auch noch den harmonischen
Kanon einteilen, und zwar nicht nach einer einzigen 'lonart,
wie bei dem unveränderlichen System, auch nicht nach einem
oder zwei Tongeschlechtern, wie unsere Vorgänger es taten,
sondern nach allen Tonarten und nach den einzelnen MelodieGeschlechtern, um gemeinsam miteinander verbundene Stellen
für die Klänge zu finden?)
Vorerst aber wollen wir noch ein wenig über die Unvollkonmenheit des einsaitigen Kanons handeln. Außer diesem
1) S. 2.
2) Soy.
>) Vel. S. 3, Amn. 1.
*) Nach der Ausgabe von J. Wallis.
>) Diese Berechnung wird rein arithmetisch vollzogen in Kap. 15.
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)scheint bis jetzt noch nichts erdacht worden zn sein, wodurch
man die regelrechten Tonverbindungen in allen Melodien
unterscheiden und mit den Sinnen vergleichen könnte. Offenbar hat sich nämlich dieses Instrument ganz besonders ausgezeichnet, sowohl zur Übnng der Hand als auch zur Betrachtung dessen, was zur Darstellung einer kanonisch geregelten
Tonverbindung gehört. Denn augenscheinlich kommen keinem
anderen Instrument diese beiden Eigenschaften zu gleicher
Zeit zu, d. h. den kanonischen Tonwerkzeugen ') nur das, was
die theoretische Betrachtung angeht, den Lyren und Cithern
das, was zur praktischen Ausübung gehört, Zwar kann man
auf letzteren richtige Melodien hervorbringen, nicht aber die
kanonischen Verhältnisse an ihnen darstellen. Ebensowenig
ist eine genaue Unterscheidung bei Flöten und Pfeifen möglich,
obwohl diese zur Darstellung in beiden Beziehungen?) noch
eller geeignet geeignet erscheinen, da ja bei ihnen die verschiedenen Tonhöhen den (verschiedenen) Längen des Rohres
.
entsprechen.
Es ist aber klar, daß das kanonische Monochord vor den
übrigen Instrumenten die meisten Mängel hat, weil diesen
wenigstens eine der beiden Higenschaften ganz und gar
zukommt, jenem aber keine. Denn weder wird bei ihm die
gleichmäßige Beschaffenheit der Saite, noch die Lage der
Endpunkte geprüft, noch verhalten sich die einzeln nacheinander auf die Saite übertragenen Verhältnisse richtig
zueinander. Ferner machen die Instrumentenbauer die Einschnitte ganz und gar nicht nach der richtigen Proportion,
sondern sobald sie die Saite ausgespannt haben, schieben sie
den Steg hierhin und dorthin, bis ein jeder der gesuchten
Töne das Ohr trifft. Dort markieren sie dann den entsprechenden Einschnitt mit einem Zeichen, nachdem der Steg,
mit dessen Hilfe sie die Teilstelle gefunden haben, entfernt
worden ist.
Ebenso verfahren die Erbauer von Blasinstrumenten.
Mag nun selbst der Hals vichtig eingeteilt worden sein
— wenn man nämlich den Steg gemächlich und sorgfältig
Vgl. Ptolemiius, Harm. 1. IL,
+) Dh. zur praktischen Austibung wand zur theoretischen Demonstration.
1) Hierher gehört z, B. das Melikon.
e.2 und Arist, Quint., De mus. 1. 3.
7
hin- und herbewegt hat — so kann man zwar so die Tüne
einigermaßen miteinander vergleichen; wird aber, je nachdem
Melodie oder Rhythmus es erfordern, der Steg schneller
bewegt, dann ist Genanigkeit nicht mehr möglich, denn dann
werden jene richtig bezeichneten Einschnitte weder genau
berührt, noch können die entsprechenden Töne leicht hervorgebracht werden, da die Bewegung zu schnell ist.
Und was nun die Verwendung in der Praxis anbetrifit,
da ist wohl dieses Instrument von allen das letzte und
schwächste. Nicht allein weil der Spieler hier greift, dort
die Saite zupft — und zwar jedes mit einer Hand allein —
und weil somit alles das, was beim Spiel gerade das Schönste
ist, fehlt (ich meine hier das Präludieren, den ‘Triller, das
Verbinden von Tongruppen aufwärts und abwärts, das Schleifen
der Töne und überhanpt jede Verbindung anseinanderliegender
Klänge), weil ja die spielende Hand, da es eben nur eine ist,
weder größere Zwischenräume leicht überspringen, noch entferntere Punkte gleichzeitig berühren kann.
(Doch das ist nicht der einzige Übelstand), vielmehr muß
man notwendig die ganze Zeit beständige Tonschwankungen
nach Höhe und Tiefe hören, die sehr weit von Harmonie
entfernt erscheinen, da sie ja keine feststehende und begrenzte
Tonhöhe haben. Das geschieht infolge der Bewegung der
Stege, die zugleich mit der Reibung der Saite Geräusche
obiger Art nach sich ziehen, weil sie nämlich die Zwischenräume (zwischen den Teilpunkten) nicht überspringen können
und deshalb noch andere harmonisch bezeichnete Punkte
berühren. Deshalb ist es zu schnellem Tempo ungeeignet.
Das ist wohl meiner Meinung nach auch der Grund, daß die
der Klänge von der richtigen Tonhöhe wohl bewußt, es
Leute, die dieses Instrument verwenden, der Abweichungen
niemals für sich allein der Prüfung durch das Gehör aussetzen, sondern immer in Begleitung von Pfeifen und Flöten,
damit durch das Mitklingen dieser Instrumente die etwa (von
dem Kanon) begangenen Fehler verdeckt werden.“
Zunächst ergibt sich aus diesem Kapitel die Tatsache,
daß die” oben t) gemachte Unterscheidung eines praktischen
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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)und eines theoretischen Monochords ihre volle Berechtigung
Deutlicher kann
hat.
wohl
die
zwiefache Natur dieses
Instruments nicht ausgesprochen werden, als es hier durch
Ptolemäus geschieht.
Stellen wir die Punkte zusammen, die uns ein Bild von
dem äußeren Bau des Monochords geben, so finden wir als
Bestandteile erwähnt: Hals (crijyve), Steg (“rayoytor) und die
zu teilende Saite (zogd,).
Da Ptolemäus ausdrücklich einen
Der Vollständigkeit halber ist noch eine Neuerung zu
behandeln, die der unter Nero lebende Didymus am Kanon
angebracht hatte. Ptolemäus unterzieht sie!) einer abfälligen
Kritik, die in dem Satze gipfelt: où gr &yixreitel ye TOC
d¢orrog.
A
1
„Hals“ erwähnt, so ist wohl anzunehmen, daß zu diesem
Hals noch eine Art Resonanzboden gehörte, der ungeteilt blieb
und die Saite trug!) Im ganzen macht das Instrument also
den Eindruck einer Guitarre. Bemerkenswert sind die
markierten Einschnitte auf dem Griffbrett, die so den „Bünden“
der späteren Lauten, Guitarren u. a. genau entsprechen.
Auch hinsichtlich der Spielweise des Kanons erfalıren
wir mancherlei; gerade die Technik ist es, gegen die Ptolemäus
ihrer Unvollkommenheit wegen zu Felde zieht. In der Tat
sind seine Beobachtungen richtig: da die eine Hand beschäftigt
war, an einem der Einschnitte die Saite durch den Steg zu
teilen, die andere, den Rest der Saite zum Klingen zu bringen,
so bestand keine Möglichkeit, große technische Fertigkeiten
zu entfalten. Ptolemäus spricht dem Instrument denn auch
tndry geor (€)
2
B
3
aeosharftovóneros (A)
Fig. 1.
Didymus war nämlich bestrebt, die aus der Sehwerfälligkeit in der Bewegung der Stege entstehenden Mißhelligkeiten herabzumindern, und zwar ging er dabei einen ebenso
einfachen wie praktischen Weg: er benutzte nämlich nicht
nur den einen der zwei Abschnitte, in die der Steg die Saite
zerlegt, sondern beide.
vyty deekevynévor (e°)
A
1
B
c
alle die schönen Nüancen wie or'yxporac, oppe usw., die
auch in unserer Musik ihre Entsprechungen haben, ab. Noch
neookaußerogterog (A)
unangenehmer mußte das Geräusch wirken, das beim Hin-
Fig. 2.
8
und Herbewegen des Steges unter der Saite entstand und
dem glissando ähnelte.
Trotzdem nun Ptolemäus den Wert des Monochords nach
Möglichkeit herabzusetzen sucht, so scheint es doch in der
Praxis mancherlei Verwendung gefunden zu haben. Er selbst
erwähnt es als Bestandteil einer Art kleinen Orchesters, und
es ist nicht recht einleuchtend, daß die Musiker sich eines
Instruments bedient haben sollten, das angeblich nur in
Begleitung von Blasinstrumenten erträglich war. Vielleicht
ist seine harte Kritik mehr von dem Standpunkte des
strengen Mathematikers als von dem des Musikers diktiert
worden.
Vgl. die Zeichnung des Scholiasten bei Wallis,
Wir entnehmen dem Ptolemiius folgendes Beispiel:
Stehen die Abschnitte der Saite im Verhiltnis 2:1, so
verhält sich der größere zum Ganzen wie 2:3, der kleinere
zum Ganzen wie 1:3. Nimmt man nun als Ton der ganzen
Saite den Tposiapgardueros (A) an, so wird der größere
Abschnitt (= 2/; des Ganzen) zum Grundton im Abstand einer
Quinte, d.h. als éxéry geor (e) erklingen.
In diesem Falle nehme ich A (vgl. Figur 1) als Ausgangspunkt und berühre den ‘Teil BC der Saite.
Gehe ich” nun nicht von A sondern von ( aus, so verhält
sich der kleinere Abschnitt (AB) zum Ganzen (AC) wie 1:3.
1) Harm. 1. 2, c. 18.
Seite 6
Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Das Verhältnis 1:3 entspricht dem Tntervall Oktave + Quinte.
Lasse ich also den Teil AB erklingen, so muß dieser Ton um
+ Quinte höher liegen, als der Ton der ganzen
eine Oktave
Saite, d.h. er klingt als sry dseLevypercor (e‘) vgl. Fig. 2).
Auf diese einfache Weise erhält man zwei grundverschiedene Töne, ohne die Stelle des Steges wechseln zu
müssen. Einen Vorzug hat die Neuerung des Didymus also
auf jeden Fall.
Allein er findet bei dem strengen Ptolemäus wenig
Gnade. Denn erstens, sagt dieser, macht eine solche Neuerung
die Methode inkonsequent, da dann im Verlaufe der Melodie
dieselben Töne nicht durch dieselben Teilpunkte erzeugt
werden, vielmehr, entsprechend dem melodischen Fortgang,
Auch vom praktischen Standpunkt aus hält Ptolemäus
bald der eine, bald der andere den Vorzug verdient.
dieses Verfahren für ungeeignet, da man immer erst überdie schnelle l'onfolge keine Zeit zum Überlegen gestatte.
legen müsse, welcher Abschnitt zu berühren sei, obwohl doch
Monochord als theoretisches Lehrinstrument.
Wir kommen nun zum Monochord in seiner zweiten Anwendung, als theoretisches Hilfsmittel zur Darstellung der
Tonverhältnisse. Wie schon erwähnt, hat das Monochord in
dieser Eigenschaft eine viel größere Verbreitung und Vollder Theoretiker erfahren. Ja, es war geradezu feststehendes
kommenheit und eine viel eingehendere Behandlung seitens
Attribut und Kennzeichen derjenigen Theoretiker überhaupt,
die einer mehr mathematischen Auffassung der Musik zuneigten und sich damit als Gegner der „Harmoniker“ proklamierten.
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Ehe wir auf die eigentliche Behandlung des Kanons
eingehen, wollen wir diesen Gegensatz von „Kanonikern“ und
„Harmonikern“ einer kurzen Betrachtung unterziehen.
Bei fast allen Musikschriftstellern des Altertums und des
Mittelalters finden wir die Geschichte von der „Erfindung“
der Konsonanzen durch Pythagoras erzählt. Alle die dahin
gehörigen Anekdoten basieren hauptsächlich auf Porphyrius
und Jamblichus. Ubereinstimmend wird berichtet, daß Pytha-
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goras die Konsonanzen durch Zufall entdeckt habe, als er an
einer Schmiede vorüberging und den verschiedenen Klang von
mehreren Hämmern verschiedenen Gewichts hörte.
Sehen wir von diesem und ähnlichen Märchen ab, so ist
doch soviel sicher, daß Pythagoras einer der ersten war, der
die Konsonanzen und ihre Verhältnisse theoretisch begründete,
und zwar benutzte er dabei eine über ein Brett gespannte
Saite, zero» genannt. Nach diesem Werkzeug wurden er
und seine Nachfolger als Kanoniker bezeichnet.
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Etwa 200 Jahre später erstand dem Pythagoras ein
Gegner in Aristoxenus von Tarent. Dieser vertrat die Ansicht,
daß das Gehör allein ausreichend sei, um Konsonanz oder
Dissonanz von Intervallen zu bestimmen. Er faßte den Halbton
als Hälfte des Ganztons auf, die Quarte als Summe von
2 Ganztönen und 1 Halbton, die Oktave als Summe von
6 Ganztönen, und er war damit der Begründer einer Art
temperierter Stimmung. Auf Grund dieser Anschauung nannte
man ihn und seine wenigen Anhänger Harmoniker.
Von den Nachfolgern des Aristoxenus ist nicht viel bekannt, daß aber der Gegensatz zwischen beiden Parteien noch
lange Zeit lebendig war, das beweist uns das Zeugnis des
Porphyrius aus dem 3. nachchristlichen Jahrhundert. Dieser
beginnt seinen Kommentar zu der Harmonik des Ptolemäus
mit den Worten:
Holiôr «igeosor otor ir korozj avi rob yonoögereor,
0 Bidósre, Oo pures dr tic dorodriBor, rijp re Hedayd080» nat THE “lotorogéreor. i)
Uber die Art, wie Pythagoras den Kanon bei der Feststellung der Konsonanzen verwendete, sind wir durch Gaudentius?) unterrichtet:
t) Im folgenden verweist er auf Didymus, der diesen Gegenstand in
rÿv Agtatoséxroy hehandelt habe.
einer besonderen Schrift: Heel drcpoole tijs Hvduyoostov povaxñs neds
2) Intraduct. harm. M, Bd. 1, 8. id: zoodir yao tire ent zarövo;
rues zul ror zavóra derer ele pion tf, nodter viv Acer xooteas,
situ TÔ Muse wörijs 10 Tr LE gepdr, ovggwror „HÚpraxe tir näaur tH
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