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Im PDF ansehen(öffnet in einem neuen Fenster)Von B. L. van der Waerden, Zürich
aa bu |
ave und Harmonie
G2auy ge
W DERDEN GroBe Terz, Okt
‘ ae ie
I. Die große Terz
In einem sehr lesenswerten Aufsat
z über «Harmonie und
Tetraktys» (Mus. Helv.
16 [1959] 238) schreibt H. Koll
er:
«Das
Fehlen der Terz in der griechischen The
orie
der symphonen Intervalle wird all
gemein als der
bedeutendste Unterschied der
altgriechischen zur abendländischen Mus
ik betrachtet. Es hat daher nich
nicht berechtigt. Bei meinen Unt
ers
t an Versuchen gefehlt, die Terz doch in den Res
ten griechischer
Mus
ikt
heo
rie
auf
zuw
eisen.»
Dazu zitiert er, neben Frank und Ahlver
s, meine «Harmo
nie
leh
der
re
Pyt
hagoreer»
(Hermes 78 [1943] 163ff.) und schr
eibt: « Gegen alle diese Versuche ist
einzuwenden. daB sie ausdrücklichen Zeu
guissen musiktheoretischer Litera
tur widersprechen.»
Die letzte Bemerkung scheint mir
uchungen
über die Rolle, die die groBe Terz und
die verminderte
klei
ne
Ter
z
(die
den
Verhältnissen 5:4 und 7:6 entsprech
en) in der Musiktheorie des
Arc
hyt
as
von
Taras
spielten, war ich von den bei Ptolem
aios in der Harmonik I 13
über
lief
erte
n Tonleiterberechnungen des Archytas aus
gegangen. Im enharmonischen Tonges
chlecht
des Archytas kommt das Intervall
5:4 explizit vor. Das
räumt
auc
h Koller ein:
«So zeig
t
es
sich
,
daß
Arc
hyt
as
einmal das der groBen Terz zugehö
rige Saitenzahlverhältnis 5:4 errechnet» (S.
239).
Terz
Aus der weiteren Argumentation bei
Koller ergibt sich, daB es ihm vor all
em
chischen Musiktheoretiker die
darauf ankommt, nachzuwei
sen, daß die grie
«Harmonielehre der Pyt
rvall betrachtet haben. In diesem
Punkte stimme
niemals als ein symphones Inte
ich ihm vollständig bei. In meiner
hagore
er»
(He
rmes 78
[1943] 163) habe ich auf S. 166 aus
drücklich betont, daB die groBe und
kleine Terz
nicht symphon sind. «Über die
sen Punkt sind
ler und ich demnac
alle unsere
Que
lle
n
sich einig»,
schrieb ich damals und führte auß
er Ptolemaios und Aristoxenos auc
h noch Nikomachos, Eubulides und Hippasos
als Zeugen an.
In diesen zwei Punkten sind Kol
h einer
Mei
nun
g:
Die
große
Terz kommt bei Archytas als Interval
l in einer Touleiter vor, abe
r
sie
wur
de allgemein nicht als symphon betrachtet.
Wenn Koller nun meint, daß
mei
n «Versuch»
ausdrücklichen Zeugnissen widerspr
icht, so muß er mich mißversta
nden haben.
2. Die Epinomisstelle 990 E-991 B
In meiner erwähnten Hermes-A
rbeit habe ich,
Mittel zu erklären versucht. Teil
t man nämlich
eine Hypothese von Tannery
weiter verfolgend, die Intervalle (5:4
) und (7:6) des Archytas aus der Lehr
e vom
arithmetischen und harmonischen
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‘roße Terz, Oktave und Harmonie
isohe Me
die Quinte und die Quarte durch das arithmetische oder harmon
ei we ae
we
genan
(6:4)
Quinte
die
für
man
erhält
je zwei Teilintervalle, so
12:8=9:6=3:2
12:9 =8:6 =4:3
die in der griechischen Musiklehre und im Text Hemiolion und Epitriton
heißen.
112
6:5 und 5:4 und fiir die Quarte (8:6) ebenso 8:7 und 7:6. Als Suite
de Nese
den Iı
Hypothese von Tannery führte ich eine Epinomisstelle an, die bisher
pretatoren große Schwierigkeiten geboten hatte.
cy ty
teh
noo On
€ yt péop 7
Der Schinfisatz dieser Epinomisstelle lautet: zoörwr adrav
an Kelle
dppdtepa otoeponér Tof dripdsrois spone zon a
.
bone
i
M
qopeig
rt
eddaipo
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üpnoria
zul
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Gc pudnod
jr die Werte wai oiyuecoo vee FR weg und übersetzt so: «Die Auer
en den
in ihrer Mitte, die sich nach beiden Seiten wendet, giht den Mensch
aber
‘ “en
der Konsonanz und dem seligen Tanz der Musen die Gunst der oaren a
in einer FuBnote: «Anders B. van der Waerden: ‘Wenn man, ausgehend vont
Verhältnis 3:2, noch einmal ein arithmetisches oder harmonisches en we
re:
so erhält man die Verhältnisse 5:4 und 6:5. ane in der Sprache der Musikleh
i
inte
wird in große und kleine Terz geteilt .»
-
dies Zusammenstellung von Kollers Übersetzung mit meiner Interpretation
zuerst
scheint mir irreführend. Koller und ich haben beide den fraglichen Satz
n
Komme
zu
lung
Beurtei
en
gerecht
einer
zu
Um
übersetzt und dann interpretiert.
mi
etation
Interpr
und
chen
verglei
tzung
Überse
mit
sollte man Übersetzung
one “Toemataung lautete: «Indem sie sich. von eben diesen Aignan
°
ausgehend, selbst wieder von der Mitte aus nach beiden Seiten veneer “ om\
sie (die entgegengesetzte Kraft) den Menschen die wohlklingenc 7. e “ e met
und ebenmäßige Anmut von Spiel, Rhythmus und Harmonie, hingegeben
eigen der Musen.»
ückseli
atk Subjokt dices Satzteils fassen Toeplitz und ich « die Kraft ud ae ie nach
jeder der Proportionen entgegengesetzte Kraft, die sich immer um die 5 „oppe
lung drehen» auf. So wie der Text überliefert ist, scheint das die einzige u i
keit zu sein. Die Arten von Proportionen sind nach der antiken Tradition die ge
metrische
aix = x:b,
die arithmetische
a—y = y—b
und die harmonische Proportion
(a—z):a = (z—b):b.
Das arithmetische Mittel y und das harmonische Mittel z werden jm Text
selbst definiert. Bildet man, so sagt uns der Text, zu den Zahlen 6 und 12, “ im
Verhältnis des Doppelten stehen, das arithmetische und das harmonische Mitte
(9 und 8), so erhält man die beiden Verhältnisse
Studien
1 [inen ausführlichen Kommentar zu dieser Stelle gab O. Toeplitz in Quellen und
Gesch. Math. B 2, 334.
113
Musikalisch gesprochen, erhält man durch Teilung der Oktave (12:6) die Quinte
und Quarte. So weit stimmt unsere Interpretation mit der von Koller überein,
nur
konstruiert Koller das Subjekt: des Satzes anders.
Nun heißt es im Text. daß dieselbe (Kraft), von den eben genannten Verhältnissen (3:2 und 4:3) ausgehend, in der Mitte (stehend) sieh nach beiden
Seiten
wendet. Das deute ich so, daß dieselbe mittelbildende Kraft, die die Verhältnisse
3:2 und 4:3 hervorgebracht hat, nun ihrerseits auf eben diese beiden Verhältnisse
angewandt wird. Indem sie sich von der Mitte aus nach
beiden Seiten wendet.
teilt sie einerseits das Verhältnis 3:2 (Quinte) durch das arithmetische
oder harmonische Mittel in die Teilverhältnisse 6:5 und 5:4, die der großen und
kleinen
Terz entsprechen, andererseits das Verhältnis 4:3 (Quarte) in 8:7 und 7:6.
Aus
diesen vier Teilverhältnissen lassen sich. wie ich in Hermes 78 gezeigt habe,
alle
Intervalle der Tonleitern des Archytas konstruieren. So schenkt uns die verdoppelnde und mittelbildende Kraft in der Tat die wohlklingende Gebundenheit
von
Harmonie und Musik, wie es im Text gesagt wird.
Der Zweck dieser Ausführungen ist nicht, die Kollersche Interpretation zu
widerlegen. Vielleicht kann sie mit dem Text in Einklang gebracht
werden. Das
müßte aber näher begründet werden, und zwar durch eine vollständ ige Übersetzung
und Interpretation der ganzen Epinomisstelle, nicht nur des letzten Satzes.
Was
ich wollte, ist nur, meine eigene Interpretation in ein besseres Licht
setzen, als sie
bei Koller erscheint.
3..Die Harmonie
Jetzt noch ein Wort über den Begriff éouovia. Ich habe ihn in meiner Arbeit
immer durch «Tonleiter» übersetzt, Koller übersetzt «Oktave», Auf Grund sämtlicher Belegstellen scheint mir jetzt. daß in beiden Interpretationen etwas Wahres
steckt, daß aber beide zusammengenommen werden müssen.
Überbliekt man die von Koller angeführten Belegstellen für dguovia = Oktave,
so sieht man, daß an allen diesen Stellen die Harmonie nicht einfach dem Intervall
der Oktave gleichgesetzt wird, sondern daß es sich um eine gegliederte Oktave
handelt, die in ganz bestimmter Weise aus Teilintervallen zusammengefügt
ist.
So sagt Aristoteles: «Die Harmonie ... wird von vier Gliedern hervorgebracht und
weist zwei Mittel auf … denn sie gliedert sich in zwei Tetrachorde.» In der Epinomis fällt das Wort Harmonie, nachdem von der Teilung der Oktave in Quinte
(Hemiolion) und Quarte (Epitriton) durch das harmonische und arithmetische
Mittel die Rede war. Ebenso heißt es bei Philolaos: «Die Harmonie ist als Größe
eine Quarte und eine Quinte.»
Auch Koller scheint der Meinung zu sein, daß die «Harmonie» eine durch bestimmte Zwischentöne gegliederte Oktave ist. Denn er schreibt (8. 243): «Nun
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kann natürlich diese doyovía, diese Oktave, von jedem Ton aus angesetzt werden,
wobei aber die beweglichen Intervalle je nach rózog andere Werte bekommen.
‘Oktaven’, die in die beiden Tetrachorde gegliedert: sind. bleiben sie trotzdem.»
So spricht er auch von den Oktavengattungen und führt als Beispiele die äolische,
lydische. mixolydische, … Tonart an. Wäre die Harmonie nur eine ungegliederte Oktave, bestehend aus zwei Tönen im Verhältnis 2: 1, so könnte man nicht
von «Oktavengattungen» reden. Auch Platon gebraucht den Ausdruck ai doa
dopoviae (Staat 400a, Koller 8. 243), während es natürlich nur ein Diapason, nur
ein Intervall der Oktave gibt.
Im Abschnitt «Tetraktys» benutzt Koller selbst den Ausdruck «gegliederte
Oktave». Allerdings ist auf S. 244 unten von der «Symphonie der Oktave, der
Harmonie» die Rede. Eine Symphonie im griechischen Sinne ist einfach ein symphones Intervall, sonst nichts. Der Unterschied zwischen der gegliederten und der
ungegliederten Oktave, der Harmonia und dem Diapason. scheint also bei Koller
nicht klar herausgearbeitet zu sein.
Geht man davon aus, daß «Harmonia» eine in zwei Tetrachorden gegliederte
Oktave oder eine Tonleiter im Umfang einer Oktave ist. so versteht man auch
Platon, wenn er im Staat 617 B sagt, daß die acht Töne der Sirenen auf den Sternenkreisen «zu einer Harmonie zusammenklingen» oder wenn er im Phaidon von
der «Harmonie der gestimmten Lyra» spricht.
Mit der Übersetzung. die Koller in der Übersicht am Schlusse seiner Arbeit gibt.
nämlich dguorfa = «Fügung zweier Tetrachorde», bin ich ganz einverstanden.