LEAGUE

Author
Corssen, P.
Published in
Philologus
Year
1912
Subject
LEAGUE
Language
Deutsch
Category
C15 Politics
Archive number
14

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ha pa AZKfsdueliatesanscrihstrdcunihfmet oe Philologus, P. Corssen, Die Sprengung des pythagoreischen Bundes. Pythagoreer versammelt gewesen seien. 33:3} Nur zwei seien dem Brande entronnen. Archippus und Lysis, wie Neanthes sage. 1396. CORSSEN P., Die Sprengung des pythagoreischen Bundes: , | | | Philologus 71 N.S.25 1912 332-352, Corssen passe en revue tous les témoignages anciens rapportant de facon plus ou moins divergente les derniers moments de la confrérie pythagoricienne en Italie du Sud, et particulièrement l’histoire de Cylon de Crotone et de ses partisans. _ XV. Die Sprengung des pythagoreischen Bundes. Ueber die Sprengung des pythagoreischen Bundes haben 1LB9Xa1-n2Id. wir verschiedene, Altertum. widersprechende Berichte aus dem Es hat seit Bentley nicht an scharfsinnigen Versuchen gefehlt. den Zeitpunkt des Ereignisses daraus zu ermitteln, aber selbst Rohde, der in seiner ausgezeichneten Arbeit über ‘Die Quellen des Jamblichus in seiner Biographie des Pythagoras im Rhein. Mus. XXVI 554. und XXVII 23 ff. zum erstenmal die Tradition fiber Pythagoras zum Gegenstand einer wethodischen Quellenuntersuchung gemacht hat, hat an diesem Punkte die Fehler seiner Vorgänger nicht ganz vermieden und seine Schlüsse formuliert. ohue die verechiedenen Nachleben. sich Bestandteile der Ueberlieferung voneinander gesondert zu haben. Es empfiehlt sich bei diesem Geschäft von der Darstellung des Porphyrius auszugehen. Dieser erzällt Vita Pyth. c. 54, der Krotoniate Kvlon. ein vornehmer und reicher Mann, sei an Pythagoras herangetreten. um sein Schüler zu werden, sei aber wegen seines Charakters, den der Meister auf Grund seiner physiognomischen Einsicht sofort durchschaut habe. von ihm zurückgewiesen, worauf er einen Anschlag auf Pythagoras und seine Anhänger gemacht habe. Von diesen Punkte an gingen die Berichte auseinander (c. 55): die einen sagten, der Anschlag sei in Abwesenheit des Pythagoras ausgeführt worden, Dicaearch und die Genaueren (oí dugsséotepe:), Pythagoras sei dabei gewesen. Die ersteren behaupteten. Pythagoras sei zur Pflege seines Lehrers Pherecydes auf Delos gewesen, als Kylon und seine Anhänger das Haus des Milon anzündeten, in dem die Ob Neanthes nur für diese Notiz oder für die ganze Erzählung als Gewährsmann anzusehen ist, läßt sich nicht ohne weiteres sagen. Jedenfalls aber wird diese, nachdem zunächst, der zweite Bericht mitgeteilt ist, in c. 57 S, 49, 15 Nauck fortgesetzt. Da man bis zu dieser Zeit. heißt es hier weiter, die eigentliche Wissenschaft ‘in der Brust bewahrt habe. weil es keine Schrift von Pythagoras selbst gab. so sei Gelahr gewesen, daß die Lehre unterging, da nur die schwerverständlichen Sätze, d. b. die Symbole, hei den Exoterikern mündlich weiterüberliefert wurden. Daher hätten Lysis und Archippus und wer während des Ueberfalls gerade abwesend gewesen sei, die einige dunkle und schwierige Reste der Philosophie gerettet hätten, damit der Name der Philosophie nicht unterginge, die Hauptsätze zusammengestellt. indem sie die Schriften der Aelteren und ihre eigenen Erinnerungen vereinigt hätten. Diese hätten sie ihren Angehörigen hinterlassen, mit dem Befehl, sie nicht aus dem Hause zu geben, und dieser Befehl sei lange Zeit befolgt worden. Daß in c. 57 tatsächlich der erste Bericht weiter geführt wird. scheint mir von selbst einzuleuchten und sich besonders noch darin zu zeigen. dai die Namen Lysis und Archippus wieder erwähnt werden und ein, soweit ich urteilen kann. seltener Sprachgebrauch wiederkehrt. nämlich $7p2w in derselben Uebertragung auf geistige Tätigkeit wie vatadapPavo: c. 54 Er thy onpeiwv & tx tob owpatos Èbijpa und c. 57 Cwnvup2 ths puccopias Custypata. In der Sache selbst ist diese Erzählung widerspruchsvoll genug. Man bewahrte die Wissenschaft unausgesprochen in der Brust und doch gab es Schriften von Pythagoreern zu Lebzeiten des Pythagoras. Denn die Schriften der Aelteren müssen doch mit den Resten der Philosophie, die von Lysis und Archippus und den andern Ueberlebenden gerettet wurden. identisch sein. Wir wissen aus Laërtius VIII 55, daß Neanthes sich mit der Frage nach der Schriftstellerei der Pythagoreer befaßt hat. Denn hier heifit es: My! 3¿ Neavith,: Et: péyo: D:doddov xa!

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wir verschiedene, Altertum. sich widersprechende Berichte aus dem Es hat seit Bentley nicht an scharfsinnigen Versuchen gefehlt, den Zeitpunkt des Ereignisses daraus zu ermitteln, aber selbst Rohde, der in seiner ausgezeichneten Arbeit über ‘Die Quellen des Jamblichus in seiner Biographie des Pythagoras’ im Rhein. Mus. XXVI 554 ff. und XXVII 23 ff. zum erstenmal die Tradition über Pythagoras zum Gegenstand einer methodischen Quellenuntersuchung gemacht hat, hat an diesem Punkte die Fehler seiner Vorgänger nicht ganz vermieden und seine Schlüsse formuliert, ohne die verschiedenen Bestandteile der Ueberlieferung voneinander gesondert zu haben. Es empfiehlt sich bei diesem Geschäft von der Darstellung des Porphyrius auszugehen. Dieser erzählt Vita Pyth. c. 54, der Krotoniate Kylon, ein vornehmer und reicher Mann, sei an Pythagoras herangetreten, um sein Schüler zu werden, sei aber wegen seines Charakters, den der Meister auf Grund seiner physiognomischen Einsicht sofort durchschaut habe, von ihm zurückgewiesen, worauf er einen Anschlag auf Pythagoras und seine Anhänger gemacht habe. Von diesem Punkte an gingen die Berichte auseinander (c. 59): die einen sagten, der Anschlag sei in Abwesenheit des Pythagoras ausgeführt worden, Dicaearch und die Genaueren (of Axpıßeotepot), Pythagoras sei dabei gewesen. Die ersteren behaupteten, Pythagoras sei zur Pflege seines Lehrers Pherecydes auf Delos gewesen, als Kylon und seine Anhänger das Haus des Milon anzündeten, in dem die

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Pythagoreer versammelt gewesen seien. Nur zwei seien dem Brande entronnen, Archippus und Lysis, wie Neanthes sage. Ob Neanthes nur für diese Notiz oder für die ganze Erzählung als Gewährsmann anzusehen ist, läßt sich nicht ohne weiteres sagen. Jedenfalls aber wird diese, nachdem zunächst der zweite Bericht mitgeteilt ist, in c. 57 8. 49, 15 Nauck fortgesetzt. Da man bis zu dieser Zeit, heißt es hier weiter, die eigentliche Wissenschaft in der Brust bewahrt habe, weil es keine Schrift von Pythagoras selbst gab, so sei Gefahr gewesen, daß die Lehre unterging, da nur die schwerverständlichen Sätze, d. h. die Symbole, bei den Exoterikern mündlich weiterüberliefert wurden. Daher hätten Lysis und Archippus und wer während des Ueberfalls gerade abwesend gewesen sei, die einige dunkle und schwierige Reste der Philosophie gerettet hätten, damit der Name der Philosophie nicht unterginge, die Hauptsätze zusammengestellt, indem sie die Schriften der Aelteren und ihre eigenen Erinnerungen vereinigt hätten. Diese hätten sie ihren Angehörigen hinterlassen, mit dem Befehl, sie nicht aus dem Hause zu geben, und dieser Befehl sei lange Zeit befolgt worden. Daß in c. 57 tatsächlich der erste Bericht weiter geführt‘ wird, scheint mir von selbst einzuleuchten und sich besonders noch darin zu zeigen, daß die Namen Lysis und Archippus wieder erwähnt werden und ein, soweit ich urteilen kann, seltener Sprachgebrauch wiederkehrt, nämlich Inpdw in derselben Uebertragung auf geistige Tätigkeit wie xatadlapBavw: c. 54 Ex T@v onpelwv & Ste Tod owparog Ipa und c. 57 Conupa tig priogoplas Suodijpata. In der Sache selbst ist diese Erzählung widerspruchsvoll genug. Man bewahrte die Wissenschaft unausgesprochen in der Brust und doch gab es Schriften von Pythagoreern zu Lebzeiten des Pythagoras. Denn die Schriften der Aelteren müssen doch mit den Resten der Philosophie, die von Lysis und Archippus und den andern Ueberlebenden gerettet wurden, identisch sein. Wir wissen aus Laërtius VIII 55, daß Neanthes sich mit der Frage nach der Schriftstellerei der Pythagoreer befaßt hat. Denn hier heißt es: Onoì dè Nedvòns Str péypt DiloAdou nal

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Æuredonkéous exowvdvovy of Iludayopınal tav Acywy. “Emel è’ adtds ik Tije momoews ESypoctwaey adtà, vópov Édevto undevi uetadwoetv ënonot@. Das widerspricht nun freilich der Behauptung des Porphyrius, daf die älteren Pythagoreer keine Mitteilung von den pythagoreischen Lehren gemacht hätten. Aber auch Neanthes kann keine Mitteilung an die Oeffentlichkeit gemeint haben, denn er bezeichnet ja Empedokles ausdriicklich als den ersten, der die Lehren unter das Volk brachte. Offenbar ist seine Meinung ganz ungeschickt und auch verkiirzt wiedergegeben, denn er muß sich doch auch über die Veröffentlichungen des Philolaus geäußert haben. Die Notiz des Laértius würde also der Annahme, daß der erste Bericht bei Porphyrius in seinem ganzen Umfange von Neanthes stamme, nicht im Wege stehen. C. 56 p. 48, 4 bis c. 57 p. 49, 9 haben wir eine zusammenhängende Darstellung, die offenbar auf Dicaearch zurückgeht. In dem Hause, in dem Pythagoras und seine Gefährten versammelt gewesen seien — der Name des Besitzers wird nicht genannt — seien ihrer vierzig zusammen gefangen genommen worden, die meisten aber seien in der Stadt zerstreut niedergemacht. Pythagoras selbst habe sich nach Kaulonia gerettet. Von dort sei er nach Lokri gegangen. In Lokri ausgewiesen, habe er sich nach Tarent begeben. Hier sei es ihm ähnlich gegangen, denn überall hätten große Aufstände stattgefunden, und endlich sei er nach Metapont gekommen, wo er in den Musentempel geflüchtet sei, in dem er vierzig Tage ohne Speise geblieben sei. Dieser letzte Satz steht auch bei Laërtius VIII 40 unter dem Namen des Dicaearch. Da der Name des Dicaearch bei Porphyrius an der Spitze des ganzen Berichtes steht, so ist seine Einheitlichkeit erwiesen. Es folgt ein dritter Bericht p. 49, 9—15, in dem ebenfalls angenommen wird, daß Pythagoras bei dem Ueberfall in Kroton anwesend gewesen sei, daß er dem Feuer durch seine. Freunde, die ihm einen Durchgang verschafft hätten, entron-nen, dann aber aus Verzweiflung über seine Vereinsamung freiwillig aus dem Leben geschieden sei. Der Bericht des Dicaearch enthält eine Polemik gegen. den ersten Bericht des Porphyrius. Die Erklärung, Pythagoras.

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sei zu der Zeit des Ueberfalls auf Delos bei Pherecydes gewesen, wird nämlich mit der Behauptung bestritten, Pherecydes sei gestorben, ehe Pythagoras Samos verlassen habe (p. 48, 4—7). Hieraus folgt, daß, wenn der erste Bericht auf Neanthes zurückgeht, Neanthes einem älteren Gewährsmann gefolgt ist. Aus dem Leben des Pherecydes bei Laërtius I 114 wissen wir, daß Aristoxenos erzählt hatte, Pherecydes sei von Pythagoras auf Delos bestattet worden. Wann das geschehen sei, erfahren wir nicht. C. 7 ff. erzählt Porphyrius, daß Pythagoras in Aegypten gewesen sei, nach seiner Rückkehr eine Schule in Samos eröffnet habe, dann aber wegen der Tyrannis des Polykrates in einem Alter von 40 Jahren, wie Aristoxenos sage, nach Italien gezogen sei. Dann folgt ein anderer Bericht über die Zeit vor des Pythagoras Uebersiedlung nach Italien, der von andern Schicksalen zu erzählen weiß. In diesem heißt es c. 15, fast gleichlautend mit Laërtius I 114, Pythagoras habe den Pherecydes auf Delos zu Tode gepflegt und begraben, sei dann nach Samos zurückgekehrt, habe dort eine Zeitlang gelebt und sei darauf infolge der Tyrannei des Polykrates über Delphi und Kreta nach Kroton in Italien gegangen. An dieser Stelle, c. 18, erscheint der Name des Dicaearch. Wir haben also hier ein ganz ähnliches Verhältnis und es ist vielleicht nicht ganz zufällig, wenn es c. 9 heißt oötws Ön thy els Ttadtav änmapoıv nomoacda:r (Aristoxenos) und c. 56 Depexbönv yap mpd tig En Udpou àndpoews vekeutijoat (Dicaearch). Wenden wir uns nun zu dem Parallelbericht des Jamblichus § 248 ff., so überrascht zuerst die kategorische Erklärung, die Ueberlieferung sei darüber einig, daß der Ueberfall auf die Pythagoreer in Abwesenheit des Pythagoras gemacht sei, nur darüber herrsche Meinungsverschiedenheit, ob Pythagoras damals bei Pherecydes oder in Metapont gewesen sei: Brapépovrat SÈ nepl tig téte dmoönuiac, of pèv npès DepexdBv tov Zúprov, of dè els Meranövtiov Aéyovtes Arodsönunxevat tov Iludayópav. Es wird zunächst die zweite Version gegeben und dabei, kiirzer als bei Porphyrius, aber zum Teil in wortlicher Uebereinstimmung mit ihm, Kylons Bewerbung um

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Aufnahme in die Gemeinschaft der Pythagoreer und seine Zurückweisung erzählt (Jambl. p. 173,4—9 = Porph. p. 46, 24—47, 13). Was dann folgt, steht nicht bei Porphyrius. Die Kyloneer hätten nach der Zurückweisung des Kylon einen heftigen Krieg gegen Pythagoras selbst und seine Anhänger eröffnet, infolgedessen Pythagoras nach Metapont übergesiedelt sei, wo er gestorben wäre. Die Pythagoreer hätten noch eine Zeitlang das Uebergewicht behalten und die Gemeinden ihnen die Verwaltung noch weiter überlassen (p. 173, 9—19). Alles dies vor dem Angriff auf das Haus des Milon. Bemerkenswert ist hierbei die Wendung, die Rivalität des Kylon und seiner Anhänger mit den Pythagoreern hätte bis zu den letzten Pythagoreern gedauert. Sodann ist sehr auffällig, daß nicht von Kroton allein, sondern allgemein von den Städten, die zu den Pythagoreern gehalten hätten, die Rede ist. Es folgt die Schilderung von dem Ueberfall der Kyloneer auf das Haus des Milon und dem Entrinnen des Archippus und Lysis. Hierin befindet sich Jamblichus wieder in Uebereinstimmung mit Porphyrius: Jambl. p. 173, 19—175,1 = Porph. 47, 17—48, 4. Nur fehlt selbstverständlich bei Jamblichus die Notiz über die Reise des Pythagoras nach Delos. Dafür aber ist in die Erzählung allerlei eingeflochten, wovon Porphyrius nichts weiß. Nach dem Unglück hätten die Pythagoreer keine politische Rolle mehr gespielt (@naboavto fig enınelelag p. 174, 5), weil die Städte sich nicht mehr um sie gekümmert hätten und die zur Führung berufenen Männer umgekommen seien. Wir erfahren ferner, daß Archippus, über dessen weiteres Schicksal Porphyrius schweigt, in seine Vaterstadt zurückgekehrt sei, während Lysis, der die Geringschätzung nicht habe ertragen können, Italien verlassen habe, zuerst nach Achaja und dann nach Theben gegangen sei, wo er zu Epaminondus in ein geradezu väterliches Verhältnis getreten sei und so sein Leben geendet habe. In enger Verbindung damit steht das Folgende, von dem wiederum Porphyrius nichts berichtet (p. 175, 2—176, 2). Die übrigen Pythagoreer (außer Lysis und Archippus) hätten sich in Rhegion gesammelt und Italien erst nach einiger Zeit ver-

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lassen, mit Ausnahme des Tarentiners Archytas. Es werden dann die Namen der bedeutendsten genannt und hinzugefügt, sie hätten die ursprünglichen Sitten und Lehren bewahrt, obwohl die Sekte immer mehr abgenommen hätte, bis sie endlich ganz verschwunden sei. ‘Dies also erzählt Aristoxenos’, schließt dieser Abschnitt. Da § 248 zwei Ueberlieferungen über den Ueberfall der Pythagoreer unterschieden. werden, die eine mit der Voraussetzung, daß Pythagoras währenddessen auf Delos, die andere, daß er in Metapont gewesen sei, und zuerst die letztere, dann die erstere von § 252—253 mitgeteilt wird, so kann kein Zweifel sein, daß Jamblichus das Zeugnis des Aristoxenos auf den ganzen Abschnitt $ 248—251 bezogen wissen wollte. In der Tat erinnert schon die Erwähnung der ‘letzten’ Pythagoreer § 249 an Aristoxenos. Die Namen aber, die in § 251 aufgezählt werden, sind genau dieselben, die bei Laértius VIII 46 als die ‘letzten’ Pythagoreer genannt werden, ‘die auch Aristoxenos noch erlebte’. Sie waren, wie Laërtius hinzufügt, Hörer der Tarentiner Philolaus und Eurytos. Alle diese Fythagoreer waren Phliasier, mit Ausnahme eines Chalkidiers aus Thracien. Sie waren also nach Tarent zugezogen und das wahrscheinliche ist, daß der Tarentiner Aristoxenos sie in Tarent kennen gelernt hatte. Wie stimmt aber damit die Bemerkung p. 175, 4, daß die Pythagoreer sämtlich bis auf Archytas Italien verlassen hätten? Hier ist offenbar etwas nicht in Ordnung, sei es die Darstellung des Jamblichus, sei es seine Ueberlieferung. Nun bin ich in meiner Nacherzählung dem Text von Nauck gefolgt, Nauck aber hat diesen nach den Ausführungen von Rohde Rhein. Mus. XXVI 565 A. 1 geändert. Wir müssen aber auf den überlieferten Text zurückgreifen. Dieser lautet so: Of GE Aonoi tHv Ilvdayopelwv dnéoroav tig "Itadias mAhy Apyotov!) tod Tapavtivov* ddpauodévres dè eig to “Phytov 1) So die Handschriften. Nauck hat statt nAjy “Apydtev mit Beckmann, quaest, de Pythag. rel. I 17 wAyy ‘Apyinnov geschrieben. Unter der Voraussetzung, daß der ganze Abschnitt bei Jamblichus aus einer einzigen ungetrübten Quelle geflossen sei, wäre diese Aenderung zu fordern. Wenn man aber den wahren Charakter des Conglomerates berücksichtigt, wird man sie höchst bedenklich finden, und da nun Philologus LXXI (N. F. XXV), 3,

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éxet StétotBov pet” dhÀAwv. mpoïévros SE to xpévou Kal TV ToAttevpatwv Èri TO yelpov npoßaıvövrwv Hoav dè of onovdatétatot — folgen die Namen. Auf die Lücke vor joav 68 hat Wyttenbach zuerst den Finger gelegt. Er meinte, der angefangene Satz müsse in seinem weiteren Verlauf die Aussage enthalten haben, daf die Pythagoreer Rhegion verlassen hätten und nach Griechenland gezogen seien. Rohde aber stellte den Satzteil anéstyoay — Tapavtivev, unter Streichung des ÔÈ nach &dporodévtes so um, daß er die Fortsetzung des in der jetzigen Ueberlieferung unvollendeten Satzes bildete, womit der Grund, vor jjoav dè eine Lücke anzunehmen, fortfiel. Gleichwohl sind Rohde und ihm folgend Nauck bei dieser Annahme stehen geblieben. Daß es ein Unsinn ist, die Pythagoreer erst Italien verlassen und dann in Rhegion sich versammeln zu lassen, liegt auf der Hand. Zudem ist es zum mindesten verwunderlich, wenn im Gegensatz zu Lysis, der nach Griechenland fuhr, von den übrigen gesagt wird, sie hätten Italien verlassen. Trotzdem wird durch die einfache Umstellung die Schwierigkeit nicht aus der Welt geschafft. Denn die Behauptung, daß Italien dauernd von den Pythagoreern geräumt worden sei, läßt sich jedenfalls Aristoxenos nicht zutrauen. Es wird aber auch, wie wir gesehen, in dem Vorhergehenden vorausgesetzt, daß diejenigen Pythagoreer, die nicht in dem verbrannten Hause gewesen waren — daß es solche gegeben habe, wird zwar bei Jamblichus nicht ausdrücklich gesagt, aber es folgt aus seiner Darstellung und bei Porphyrius p. 49, 20 heißt es Aöois te xal "Apyınnos al boort anodypobvtes ErbyXavov — zwar nicht gerade in Kroton, denn es ist von den Städten im allgemeinen die Rede, aber doch in Italien geblieben seien. Hier liegen also Verwirrungen vor, die der Aufklärung bedürfen, und wenn zwar Spuren von Aristoxenos unverkennbar hervortreten, so kann doch, ganz abgesehen von dem Ausauch bei Laertius VIII 39 Archytas neben Lysis genannt ist so muß es als das Gegenteil einer gesunden Kritik erscheinen, wenn man, wie Beckmann will, auch hier Archippus statt Archytas einführt,

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gangspunkt der Darstellung, nicht der ganze Bericht auf ihn zurückgehen. Dem Aristoxenos wird Nicomachus gegenübergestellt § 252—253 = p. 176, 3—177, 14. Der Gegensatz bestehe aber nur darin, daß Nicomachus annehme, Pythagoras habe zur Zeit des Ueberfalls seinen kranken Lehrer auf Delos gepflegt. Im folgenden p. 176, 11—178, 14 finden wir bei Jamblichus das wieder, was wir bei Porphyrius p. 49, 16—50, 11 als zweiten Teil seines ersten Berichtes lesen. Dagegen fehlt bei Porphyrius der scharf pointierte Satz p. 176, 8—10: tote 6h oùv of &noyvwodévres On adtHv val otyArtevdéevtes Enédevro TOI Kal ndvrag mavrayn Evenproav adtot te Und av Trakwtóv xatedeboönoav ent Tobtw nal Ebeppipyoav d&tapot, der auf einen früheren Punkt der Darstellung § 74 zurückgreift, wo erzählt wird, daß diejenigen, die alle Prüfungen durchgemacht hätten und in die innere Gemeinschaft der Pythagoreer aufgenommen seien, wenn sie sich nichtsdestoweniger unfähig und ungeeignet erwiesen hätten, ausgestoßen und als Tote betrachtet seien, indem man ihnen einen Grabhügel aufschüttete und eine Stele setzte, wie das auch dem Thurier Perialos und dem Anführer der Sybariten Kylon widerfahren sei: xadà xai Mepidiw tH Ooupiw Méyovor zal KdAwve tH LoBaprtov EEdpxw droyvwoDetotv dr adv ”), Es fehlt auch die Bemerkung, daB Pythagoras keine Schrift hinterlassen habe und daß Lysis und Archippus entkommen seien (Porph. p. 49, 20), das letztere aber offenbar nur, weil Jamblichus das bereits erzählt hatte. Da er aber ausdrücklich sagt, Nicomachus stimme bis auf den einen Punkt mit dem vorher Erzählten überein (p. 176,8), so wollte er sich natürlich nicht wiederholen. Wenn nun bei Porphyrius, trotz seiner Uebereinstimmung mit Jamblichus, nicht Nicomachus, sondern Neanthes als Ge2) Seeliger hat ouufve, oßg hinter in’ aitHv zugesetzt, aber der scheinbar beziehungslose Dativ erklärt sich aus dem Vorhergehenden und der verkürzte Satz fügt sich ohne Schwierigkeit in die Konstruktion ein: OTyAyV di) tiva TH torobtm nai pyypstov Ev tH Darp ywouvtec, nada nat Lepictam tH Oovpip AEyovar wal KbAwve xG LuBaprrddv ÉÉdoxw droyvwo- Seto on’ abtdiv, ËEnkavvov dv tod épaxcsion. Auf keinen Fall darf man mit Nauck den ganzen Satz xadà—dr' aùröv hinauswerfen; das hieße nicht den Text des Jamblichus, sondern ihn selbst korrigieren.

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währsmann genannt ist, so gibt umgekehrt Porphyrius für die Geschichte des Damon und Phintias Nicomachus als seinen Gewährsmann an (c. 59), während Jamblichus nur den Aristoxenos als solchen nennt, (p. 162, 10 und p. 165, 1). Daß aber auch Jamblichus nur den Nicomachus vor sich hatte, ergibt sich unwiderleglich aus den Worten, mit denen er die Geschichte einleitet: dAAd phy texphparto dv tig Kal regi tod uh mapépyws abtobs tag aAdotping exxdtvetv grag (p. 162,6), die bei Porphyrius als eine Betrachtung des Nicomachus erscheinen: texunpaipeda 8° dv, pnolv Nixdpayoc, mep? tod ph napépyws usw. (p. 50, 12). Nach der Geschichte des Damon und Phintias erzählte Porphyrius die des Myllias und seiner Gattin Timycha, wie er sagt nach Hippobotus und Neanthes. Da aber sein Buch verstümmelt auf uns gekommen ist, so fehlt die Geschichte selbst. Erhalten ist sie bei Jamblichus $ 189—194. Vergleichen wir die Art und Weise wie er sie einleitet: nai &6 Ov 8° ‘Innéfotos xai Néavdns nep? Modiov val Trpbyas av Hudayopelwv fotopobor, padetv Eveort thv êxelvov TOV Avöp@v owpposbvnv rai Exws adtiy Iludayépas napédwxe, mit der Einleitung zu der Geschichte des Damon und Phintias bei Porphyrius, so erkennen wir leicht die Betrachtungsweise des Nicomachus wieder. Wir können also mit einiger Sicherheit den Schluß ziehen, daß wie Porphyrius hier die Kenntnis des Hippobotus und Neanthes nur durch Nicomachus vermittelt ist, so aus diesem auch der Bericht stammt, den er anscheinend dem Neanthes entlehnt hat. Wenn aber Porphyrius auch den Bericht des Neanthes über die kylonische Verfolgung und das spätere Schicksal der Pythagoreer (p. 46, 24—48, 4 und p. 49, 16—50, 11) dem Nicomachus entnommen hat, so beweist doch eine Vergleichung mit Jamblichus, daß Porphyrius die Angaben des Neanthes aus der Darstellung des Nicomachus herausgeschält und dasjenige, was ihm von Nicomachus aus andern Quellen zugesetzt war, weggelassen hatte. Denn ein wesentlicher Unterschied zwischen Jamblichus-Nicomachus und Porphyrius ist der, daß nach Porphyrius Kylon von Pythagoras überhaupt nicht in die pythagoreische Gemeinschaft aufgenommen war, während die bei Jamblichus-Nicomachus auf die Kyloneer angewandten

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Ausdrücke Anoyvwodevres und otyAttevdévtes (p. 176, 8) die Voraussetzung enthalten, daß diese nachträglich aus dem Bunde ausgestoßen waren. Wenn Jamblichus der Ansicht des Aristoxenos die des Nicomachus, Porphyrius der des Neanthes die des Dicaearch entgegensetzt, so werden in beiden Fällen ungleiche Größen mit einander verglichen und der Kundige sieht sofort, wie es mit der Quellenkenntnis der beiden Neuplatoniker bestellt ist. Ist es nun von vornherein wahrscheinlich, daß Jamblichus den Aristoxenos nur aus Nicomachus kennt, so gibt die oben 8.335 bereits hervorgehobene Uebereinstimmung der angeblichen Schilderung des Aristoxenos mit dem Bericht des Neanthes die Bestätigung. Eine, freilich fast verwischte, Spur des Nicomachus begegnet bei Jamblichus gleich am Anfang des ganzen Abschnittes. Während nach Porphyrius Pythagoras den Kylon sofort auf Grund der Schlüsse abwies, die er aus seiner äußeren Erscheinung auf seinen Charakter machte, heißt es bei Jamblichus p. 173,8 &redonndodm dà tag Trposıpne£vas aitias. Die Gründe sind dieselben wie bei Porphyrius, nämlich die Charaktereigenschaften des Kylon. Ohne Zweifel kann der Ausdruck dredoxtndodn auf die bloße physiognomische Prüfung bezogen werden, der diejenigen, die in die Gemeinschaft aufgenommen werden wollten, zunächst unterworfen wurden. Aber in der Regel wurde er doch auf die Schüler bezogen, die die letzte Prüfung nicht bestanden und aus der Gemeinschaft in die sie schon aufgenommen waren, ausgestossen. wurden: el 6’ &nodoxınaodeinsav, thy pèv odolav dnekdpBavov SinAfjv, pvijpa dè adbtots Ge venpois Exwvvuro Ind TÜV ôpaxéwv (Jambl. § 73). Es klingt also schon hier die später deutlich ausgesprochene Auffassung an. Betrachten wir die Art genauer, wie Nicomachus selbst von Jamblichus eingeführt wird, so können wir nicht verkennen, daß sie einen Gegensatz voraussetzt, der bei Jamblichus gar nicht vorhanden ist. Denn wenn es heißt, Nicomachus stimme im übrigen mit dem vorher Erzählten überein, nur behaupte er, der Ueberfall habe während der Abwesenheit des Pythagoras stattgefunden, so erklärt Jamblichus ja ausdrücklich, daß die Abwesenheit des Pythagoras während des Ueberfalls

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von allen Berichterstattern angenommen werde. Den Gegensatz aber, den wir bei Jamblichus selbst vermissen, finden wir bei Porphyrius in der Erzählung des Dicaearch. Dicaearch bestritt die Behauptung, daß Pythagoras während des Ueberfalls abwesend gewesen sei. Wem anders aber als Aristoxenos hätte er dies bestreiten sollen? MuB demnach die Erzählung des Dicaearch bei Nicomachus gestanden haben, ist aber dieser auch der Gewährsmann des Porphyrius gewesen, so folgt, daß Porphyrius diese Erzählung dem Nicomachus verdankt. Zugleich zeigt sich, wie wenig von dem angeblichen Bericht des Aristoxenos bei Jamblichus in Wirklichkeit auf diesen zurückgeht. Denn nicht dem Aristoxenos kann Jamblichus die Meinung entlehnt haben, Pythagoras sei während des kylonischen Angriffs auf das Haus des Milon in Metapont gewesen, da Pythagoras ja nach Aristoxenos zu der Zeit auf Delos war, was Jamblichus für die abweichende Meinung des Nicomachus erklärt. Wenn wir hier auf einen neuen ungenannten Gewährsmann stoßen, so finden wir in $ 250 die Spur einer von allen andern ganz verschiedenen Quelle. Denn während nach $ 249 nur zwei Pythagoreer dem Brande entkommen waren und man annehmen muß, es sei nun mit dem Bunde überhaupt, wenigstens für längere Zeit, zu Ende gewesen, heißt es ja in $ 250, wie wir gesehen, infolge der über sie hereingebrochenen Ereignisse hätten die Pythagoreer ihren politischen Einfluß verloren und man habe sich um sie nicht mehr gekümmert, was offenbar auf einer ganz anderen Auffassung der Ereignisse beruht. Aber Jamblichus lenkt sogleich zu der früheren Quelle zurück, indem er von p. 174, 2 an erzählt, was aus Archippus und Lysis geworden sei. Lediglich zur Verknüpfung der sich widersprechenden Berichte gibt er als Motiv für die Uebersiedelung des Lysis nach Griechenland an, er habe die Mißachtung nicht ertragen können, was sowohl zu den früheren Angaben in $ 249, wie zu den folgenden in $ 251 in Widerspruch steht. Da Neanthes in einem Punkte, in welchem bereits Dicaearch die Angabe des Aristoxenos bestritten hatte und in dem die Ansichten dann immer weiter auseinandergingen, sich dem Aristoxenos anschloß, so ist es wahrscheinlich, daß er ihm

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auch im übrigen folgte und daß bereits Aristoxenos den bösen Anachronismus begangen hatte, durch den der Lehrer des Epaminondas zu dem persönlichen Schüler des Pythagoras gemacht wurde. Jedenfalls haben wir nicht das Recht, den Anachronismus mit Bentley durch die Annahme zu beseitigen, daß es einen älteren und einen jüngeren Lysis gegeben habe, da alle unsere Nachrichten nur einen einzigen kennen. Jamblichus und Porphyrius haben also beide einen und denselben Gewährsmann gehabt und wenn sie so vielfach von einander abweichen und besonders Jamblichus sich selbst so häufig widerspricht, so liegt das daran, daß sie jeder den Nicomachus in verschiedene Stücke zerschnitten und die Fetzen, die sie. von ihm benutzten, verschieden wieder zusammensetzten. Nicomachus gebot über ein reiches und altes Quellenmaterial. Er selbst scheint besonders dem Neanthes und dieser dem Aristoxenos gefolgt zu sein. Das war gewiß der älteste und angesehenste von allen Gewährsmännern, aber keineswegs der zuverlässigste. Seine Darstellung wurde bei weitem übertroffen von dem namenlosen Bericht, dessen Spuren wir eben in & 250 angetroffen haben, einem Bericht, den wohl schon Nicomachus nicht mehr für sich gesondert wiedergegeben hat, der sich aber in seinen Grundzügen noch wiedererkennen läßt. Offenbar ist das, was wir bei Jamblichus $ 250 p. 174,4—9 lesen, aus derselben Quelle geflossen, wie die Nachricht $ 74 und 252, daß die kylonische Bewegung aus einem inneren Zerwürfnis des pythagoreischen Bundes hervorgegangen sei, da Kylon sich dafür habe rächen wollen, daß er aus dem gemeinsamen Hörsaal, dem öpaxoelov, ausgestoßen war. Diese Nachricht ist auch in die Scholien des Olympiodor zum Phaedon p.61 D übergegangen, nur daß hier aus Kylon Gylon geworden ist. Ferner ist auch zu beachten, daß nach $ 256 die Pythagoreer nicht auf Kroton beschränkt, sondern bereits in ganz Groß-Griechenland verbreitet waren. Hiermit ist offenbar der folgende, in den Auszug aus Dicaearch bei Porphyrius geratene Satz in Verbindung zu setzen: navraxod yap Ey&vovro peydhar otdoers dig Ett nai viv of mepl Toüs tomous uynpovebouoi ve Kal Öumyoövrar, rag End Tv Hudayopelwv xadcby-

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tes” [Tudayóperor à exrAndynoav fj oborworg naaa Ÿ suvaroloudncase avt® (p. 49, 1—5). So schildert auch Polybius II 39 die Bewegung (èv toîs xat& thy “Itadtay tomo nate thy peydAny 'E)dÖa Tore npocayopevonévnv Évenphodn tà ovvédpra thy Ilvdeyopetwv), der sich mit Jamblichus $ 250 auch darin berührt, daß er von den Folgen spricht, die der Verlust der ersten Männer, zwar nicht für den pythagoreischen Bund, aber für die allgemeinen politischen Verhältnisse in Groß-Griechenland hatte. In dieser Schilderung handelt es sich also nicht um eine lokale Erhebung von zufälliger Veranlassung, sondern um eine weitverbreitete, aus einer inneren Zersetzung des Bundes hervorgegangene, vom Haß der Bevölkerung unterstützte Bewegung. Sie hat insbesondere mit der Person des Pythagoras nichts zu tun und setzt eine vieljährige Entwicklung der Dinge voraus. Wenn Nicomachus geglaubt hat, daß die Entwicklung noch zu Lebzeiten des Pythagoras bis zu diesem Ausbruch fortgeschritten sei und er dementsprechend seine Darstellung gestaltete®), so beruht diese Darstellung offenbar auf einem Kompromiß zwischen zwei grundverschiedenen Vorstellungen, deren Gegensatz wir deutlich erkennen, sobald wir, wie es oben geschehen ist, in eine Scheidung der Quellen eintreten. Die Vorstellung, daß die Sprengung des Bundes vielmehr beträchtliche Zeit nach dem Tode des Pythagoras eingetreten sei, liegt auch dem gefälschten Briefe des Lysis zu Grunde‘). Polybius gibt zwar den Zeitpunkt, in welchem die Bewegung gegen die Pythagoreer losbrach, nicht an, aber seine Erzählung gestattet doch eine ungefähre Bestimmung. Nach der Beseitigung der Pythagoreer seien nämlich die griechischen Städte in Unteritalien von Mord und Aufruhr erfüllt gewesen, bis man von allen Seiten die Vermittlung der Achaeer angerufen habe, worauf nach einiger Zeit die Krotoniaten, Sybariten und Kauloniaten 3) Ilvdaydpug 8° äypı wood wark Thv IvaAtav odtws ébavpateto adtdg TE “al ol ouvóvreg at Etatpor, dote nual tag noirteiag Toig an adrod Emtpéte tae nées. pè dé mote Epdovhdnoav Ha ovvéorn nat adidiv EmBovAn towds nc. Porph. ce. 54. Es folgt die oben im Anfang wiedergegebene Schilderung der Erhebung des Kylon. 4) Metà 16 Ivdayipav EE Avdpwrwv yevéodat oùdénona Sinonetéacdyseota To Tv Spirryt&v Ädporopa & tov guavtod Jundv sBaddpav. Epistologr. gr. S. 601. Hercher,

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einen Bund mit einem Bundesheiligtum des Zeus Homarios gestiftet hätten. Nach Diodor XVI 91 wurde der Bund zum Schutze gegen Dionysios im J. 393 geschlossen. Von einem Zusammenhang der Griindung mit den innerpolitischen Verhältnissen weiß Diodor nichts. Daß aber auch Polybius ungefähr dieselbe Zeit im Auge hat, geht daraus hervor, daf er gleich nach der Stiftung des Bundes von seiner Auflösung durch Dionysius spricht. Dazu paßt nun vorzüglich die überall wiederkehrende Nachricht, daB Lysis, der Verfolgung entronnen, in Theben Lehrer des Epaminondas geworden sei. Wenn Nicomachus und, wie ich es für wahrscheinlich halte, schon Aristoxenos das Entrinnen des Lysis damit erklärte, daß er noch jung und kräftig gewesen sei, so ist das gewiß nur ein Versuch, den schreienden Anachronismus zu verdecken, daß Epaminondas noch einen unmittelbaren Schüler des Pythagoras erlebt habe. Allerdings ist diese Angabe auch in den plutarchischen Dialog De genio Socratis übergegangen, wo statt des Archippus als zweiter geretteter Pythagoreer Philolaus genannt ist, allein sie läßt sich dort nur gezwungen mit der übrigen Erzählung vereinigen. Augenscheinlich aber folgt Plutarch sonst demselben Bericht, den wir hier jetzt rekonstruieren. Plutarch erzählt nämlich p. 583 A, als die Gesellschaften der Pythagoreer in den Städten (af natà née Erapiar tiv Hvdayopır@v) überwunden und vertrieben seien, hätten die Kyloneer in Metapont, wo die Pythagoreer sich noch gehalten hätten, das Haus, in dem sie versammelt gewesen seien, angezündet und alle seien darin umgekommen außer Philolaus und Lysis, die, jung und kräftig, sich einen Weg durch das Feuer gebahnt hätten. Philolaus sei zu den Lukanern geflüchtet und hätte sich von dort zu den andern Freunden gerettet, die sich inzwischen wieder gesammelt und die Kyloneer besiegt hätten. Von Lysis habe man lange nicht gewußt, wo er geblieben sei, bis Gorgias, aus Griechenland nach Sizilien zurückgekehrt, Arkesos und seinen Freunden erzählt habe, er habe Lysis in Theben getroffen. Arkesos habe zuerst selbst nach Theben gehen wollen, aber weil er aus Altersschwäche dazu nicht mehr im Stande gewesen sei, habe er

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die Freunde beauftragt, womöglich Lysis selbst, wenn er aber schon tot sei, seine Gebeine zu holen. Krieg und Aufruhr hätten diese verhindert, noch zu Lebzeiten des Lysis den Auftrag auszuführen. Nach seinem Tode kam dann einer, namens Theanor, um am Grabe des Lysis Totenopfer darzubringen und Epaminondas die Pflege, die er Lysis im Alter hatte zuteil werden lassen, zu lohnen (p. 579 D E). Da der sonst ganz unbekannte Arkesos von Plutarch als Oberhaupt der Pythagoreer geschildert wird, so hat Boeckh, Philolaos S. 13, gewiß recht, wenn er ihn mit dem von Jamblichus § 266 genannten Schulhaupt Aresas identifiziert. Dagegen ist Theanor zweifellos eine fingierte Figur, aber schwerlich sind der Auftrag und die Handlung, die ihm bei Plutarch zugeschrieben werden, fingiert. Es ist auffällig, daß in dem Dialoge, den Plutarch in die Zeit des Epaminondas verlegt, und an dem er unter vielen andern auch den Simmias teilnehmen läßt, von dem Aufenthalt des Philolaus in Theben keine Rede ist, der durch Plato vor allem Zweifel sicher gestellt ist. Nun finden wir bei Olympiodor a. a. O. die Angabe, daß Philolaus nach Theben gekommen sei, um seinem dort verstorbenen und begrabenen Lehrer die Totenopfer darzubringen. Diese Notiz läßt sich allerdings mit der Chronologie des Phaedon nicht vereinigen. Allein wenn wir bedenken, mit welcher Freiheit Plato die Zeitverhältnisse in seinen Dialogen behandelt, und berücksichtigen, wie sehr der Phaedon ein Produkt der eigenen philosophischen Entwicklung Platos ist, auf die nicht zum mindesten gerade auch seine Beschäftigung mit den pythagoreischen Lehren eingewirkt hat, so werden wir uns hüten, die Zeit des Philolaus nach diesem Dialoge zu bestimmen. Auf die unkontrollierbare Nachricht bei Laërtius VIII 84, die den Philolaus zu einem Zeitgenossen Platos macht, lege ich kein Gewicht. Aber wie will man die ganz unbezweifelbare Angabe desselben Autors, daß die letzten Pythagoreer, die Aristoxenos noch erlebt habe, Schüler des Eurytus und Philolaus gewesen seien (VIII 46), mit der Vorstellung vereinigen, Philolaus gehöre in die Zeit des Sokrates! Ich glaube daher, daß die ganz unverdächtige Nachricht bei Olympiodor aus

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guter Quelle geflossen ist, und daf Plutarch aus irgend einem Grunde Theanor an die Stelle des Philolaus hat treten lassen. Wir werden es leicht verschmerzen, daß wir die gehaltvollsten Nachrichten über die Sprengung des pythagoreischen Bundes nicht auf einen bestimmten Gewährsmann zurückführen können, denn sie empfehlen sich so sehr durch ihre innere Wahrscheinlichkeit, daß wir dafür die Autorität des Aristoxenos unbedenklich preisgeben werden. Ohne Zweifel ist der wahre Sachverhalt auch Aristoxenos nicht unbekannt gewesen. Aber er wird sich durch eine nebenherlaufende legendarische Ueberlieferung haben täuschen lassen, die die ganze Entwicklung des pythagoreischen Bundes und alle seine Schicksale mit der Person des Meisters verknüpfen wollte. — Ich darf aber diese Untersuchung nicht schließen, ohne einen Blick auf die Darstellung des Apollonius (Jambl. § 254 —264) geworfen zu haben. Sie weicht von allen andern ab und macht keineswegs einen vertrauenswürdigen Eindruck, aber sie enthält, wenn ich nicht irre, gleichwohl eine Bestätigung der gewonnenen Ergebnisse. Apollonius knüpft den Ausbruch der Bewegung gegen die Pythagoreer an die Zerstörung von Sybaris. Als die Pythagoreer die Aufteilung des eroberten Landes nicht hätten zulassen wollen, sei der bis dahin verschwiegene Haß gegen sie hervorgebrochen. Pythagoras war auch nach Apollonius nicht in Kroton anwesend, aber noch am Leben. Auf die einzelnen Umstände der Verjagung einzugehen ist nicht nötig. Ich bemerke nur, daß Kylon wohl dabei erwähnt wird, aber als einer unter mehreren Volksführern, und daß von einer Verbindung zwischen ihm und den Pythagoreern keine Rede istDer Aufruhr endigt mit der Verbannung der Pythagoreer und ihrer Familien. Nach vielen Jahren werden die Krotoniaten von Reue und Mitleid erfaßt und beschließen, die Ueberlebenden zurückzurufen, worauf ihrer sechzig wiederkehren. Hierbei bedienen sich die Krotoniaten der Vermittlung der Achäer. Sie lassen nämlich aus Achaja Gesandte kommen und führen durch diese die Versöhnung herbei. Das erinnert auffallend an Polybius, wenn auch die Rolle, die hier den Achäern zugeschrieben wird, eine etwas andere ist. Es folgt aber eine

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nicht weniger merkwürdige Angabe: die zurückgekehrten Pythagoreer seien bei einem Einfall der Thurier in das Gebiet von Kroton im tapferen Kampfe gefallen. Rücken wir dieses angebliche Ereignis, dessen Zeit nicht näher angegeben wird, so nahe wie möglich an die Gründung von Thurii heran, so ist es nicht wohl möglich, daß Männer, die, sagen wir einmal, in ihrem dreißigsten Lebensjahr, etwa um 510, verbannt waren, an einem solchen Kampfe teilgenommen hätten. Die Verknüpfung der Erhebung gegen die Pythagoreer mit der Zerstörung von Sybaris erweist sich also auf dem Standpunkt der Darstellung des Apollonius selbst als eine innere Unmöglichkeit und auch hier schimmert die historische Wirklichkeit noch durch. Die Biographie des Pythagoras wird von Jamblichus mit einer Liste der Nachfolger des Pythagoras beschlossen, auf die ein Verzeichnis der bedeutendsten Pythagoreer folgt. Wenn Jamblichus die Liste mit der Versicherung einleitet, alle seien einig, daß der direkte Nachfolger des Pythagoras Aristaeus gewesen Sei, so wissen wir, wessen wir uns zu versehen haben. Tatsächlich ist Jamblichus der einzige, der dies überliefert. Nach Eusebius Praepar. Evangel. X 14 folgte auf Pythagoras seine Frau Theano und seine Söhne Mnesarchus und Telauges. Nach dem von Photius exzerpierten Leben des Pythagoras, cod. 249, war Mnesarchus vor dem Vater gestorben und es folgte ihm Telauges, den auch Laörtius VIII 43 zu seinem Nachfolger macht. Aus Jamblichus und Photius geht hervor, daß man später vollständige Listen hatte, die bis auf Plato hinabgeführt waren, der nach Jamblichus der achte nach Pythagoras, nach Photius als Schüler des Archytas der neunte war. Diese Listen werden nicht viel mehr Wert gehabt haben als die Genealogieen Jesu bei den Evangelisten. Aber bemerkenswert ist, daß weder bei Photius noch bei Jamblichus mit einer Unterbrechung der Schulhäupter gleich in der ersten Zeit durch die kylonische Verfolgung gerechnet ist. Auf Aristaeus folgt nach Jamblichus Mnesarchus, der Sohn des Pythagoras, auf diesen Bulagoras, unter dem Kroton geplündert sei. Dessen Nachfolger sei der Krotoniate Gartydas — der Name ist in den Handschriften nicht ganz sicher überliefert:

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repro, yap TÜdAV, Yaprböav — geworden, nachdem er von einer Reise, die er vor dem Kriege unternommen habe, zurückgekehrt sei. Wegen des Mißgeschicks seiner Vaterstadt habe er sich das Leben genommen. Später habe dann Aresas, der von Gastfreunden gerettet sei, die Leitung der Schule übernommen: Xpóvw pévtor ye Úotepov 'Apéoav Ex tov AcuxavOv owdévra dd tivwv Eévov dpnyhouodat Tis cyohis. Offenbar hat Jamblichus hier stark gekürzt oder sein Gewährsmann hat sich stillschweigend auf eine frühere Darstellung bezogen. Jedenfalls aber kann der Krieg, von dem hier die Rede ist, doch kaum ein anderer gewesen sein als der Bürgerkrieg, dem die Pythagoreer zum Opfer fielen. Denn wenn Aresas von seinen Gastfreunden gerettet wurde, so muß er doch bedrängt gewesen sein und man wird annehmen dürfen, daB er nach Lukanien geflüchtet war — die Kürze ist hier derartig, daß man zweifeln kann, ob der Text des Jamblichus unversehrt ist — und von da im Lauf der Zeit nach Kroton zurückkehrte. Das berührt sich auf das nächste mit dem, was Plutarch von Philolaus berichtet: rélaos pèv eig Aevxavoùs puyby Exeidev odd mpdg todg dÀÀovs pilous Hoy ndhtv Adporlopevoug wal xpatobvtag tOv Kudwvetwy (p. 583 A), so daß man hier wohl eine Uebertragung von der einen oder andern Seite annehmen muß. Es heißt dann weiter, zu Aresas sei Diodorus von Aspendos gekommen, der aus Mangel an Teilnehmern in die Gesellschaft der Pythagoreer aufgenommen sei. Bei Claudianus Mamertus (Scriptor. ecclesiast. latin. corp. Vindobon. vol. XI 122, 2) werden folgende jüngere Pythagoreer aufgezählt: Archippus, Epaminondas, Aristeus, Gorgiades, Diodorus. Den Gorgiades hat Boeckh, Philolaus S. 13, mit dem Gartydas bei Jamblichus identifiziert und darin sogar die richtige Namensform zu erkennen geglaubt. In Aristeus wird wohl Aresas stecken. — Man hat diese Aufzählung eine Tirade genannt 5). Aber eigene Gelehrsamkeit hat den späten Schriftsteller doch sicher nicht dazu befähigt und aus den Fingern 5) „Mit Recht hält Röper Philol. VII 533 diese ganze Aufzählung nur für ‚eine nicht ernst zu nehmende Tirade‘.“ XXVII 59. Rohde Rhein. Mus.

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hat er sich diese Namen auch nicht gesogen, die uns sämtlich bekannt sind, oder, vorsichtiger gesprochen, in denen allen wir bekannte Namen erkennen können. Um so weniger eigene Kenntnis wir ihm also zutrauen, um so mehr müssen wir annehmen, daß ihm hier auf irgend einem Wege aus guter Quelle Kunde zugeflossen ist. Bentley hat in seinem Phalaris, übersetzt von W. Ribbeck S. 143, die Zeit des Diodorus nach den Zitaten des Archestratus bei Athenaeus IV p. 163 D und des Musikers Stratonicus ebenda (F) bestimmt, in denen Diodorus erwähnt wird. Archestratus, sagt Bentley, muß jünger als Plato gewesen sein, denn Athenaeus wirft ihm I p. 4 E vor, er wisse nicht, daß in Platos Gastmahl achtundzwanzig Gäste seien. Daß Athenaeus sich das chronologische Verhältnis beider richtig vorgestellt hat, kann schwerlich ohne weiteres als ausgemacht gelten. Aber wenn auch, so kann doch darum Archestratus noch ein Zeitgenosse Platos und wiederum Diodorus älter als Archestratus gewesen sein. Für die Zeit des Archestratus ist die bei Athenaeus VIII p. 337 A erhaltene Notiz des Peripatetikers Klearch nicht ohne Bedeutung, Lehrer des Archestratus sei Terpsion gewesen, der seinerseits zum erstenmale mit einer Tastpohoyta hervorgetreten sei. Diese Art Literatur muß sich bereits vor Plato oder doch in seiner frühesten Zeit entwickelt haben, wie die Erwähnung des Mithaikos als Verfasser eines sizilischen Kochbuches Gorg. 518 B beweist. Daf Stratonicus am Hofe des Ptolemaeus Lagi lebte, hat Bentley aus der Anekdote eines Schriftstellers des ersten bis zweiten nachchristlichen Jahrhunderts geschlossen (Athen. VIII p. 350 C). Allein hier liegt sicher eine Verwechslung vor, denn nach dem Peripatetiker Phanias wurde Stratonicus von Nikokles, dem Nachfolger des Euagoras von Cypern hingerichtet (Athen. VIII p. 352 D). Rohde setzt daher (Rh. M. XXVII 59) der gewöhnlichen Annahme entgegen den Diodor etwa um 350 an. Aber auch das ist, wie es nicht anders sein kann, eine ganz ungefähre Bestimmung. Wenn aber Rohde sagt, Arkesos, den er wie Boeckh mit Aresas identifiziert, habe nach der Darstellung des Plutarch etwa 100 Jahre früher gelebt, so ist das offenbar ein Irrtum, denn Arkesos

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lebte ja nach Plutarch noch, als die Nachricht, Lysis halte sich in Theben auf, nachdem man lange nichts von ihm gehört hatte, nach Italien kam. Natürlich darf man die Angaben Plutarchs nicht wie historische Daten verwenden, ja, es ist schwer zu sagen, welche Zeit ihm selbst vorgeschwebt hat, wenn er sagt, Gorgias habe bei seiner Rückkehr aus Griechenland Nachrichten von Lysis mitgebracht. Aber es wird Plutarch nicht unbekannt gewesen sein, daß Gorgias noch den Tyrannen Jason von Pherae erlebte. Andererseits macht er Arkesos wie Lysis zu einem älteren Zeitgenossen des Bpaminondas. Mir scheinen daher Jamblichus und Plutarch recht gut miteineinder zu stimmen und ich halte es durchaus nicht fiir unglaublich, daß Diodor als junger Mann etwa gegen Ende des ersten Drittels des vierten Jahrhunderts sich den Pythagoreern angeschlossen hat. Er konnte doch schon geraume Zeit bekannt sein, als Archestratus und Stratonicus ihn verspotteten. Als Diodor nach Griechenland zurückkehrte, sagt Jamblichus, verbreitete er die pythagoreischen Sätze (Öuéöwxe tas IHvdayopetovs pwvds). Darunter wird man wohl nur die sogenannten Symbola verstehen können, verbunden mit einer Erklärung, die vermutlich im Sinne des Androcydes gewesen ist. Wenn Jamblichus dann fortfährt: CnAwras dè ypdyeı yevéodar tov dvòpöv mepl piv “Hpaxdeınv Krewiav nat Drhokdov, (Ev) Metanovtiw dè Oeopidav (rat) Ebputov, év Tapavı. dè ’Apybtav, so liegt hier entweder ein Fehler der Ueberlieferung oder eine Nachlässigkeit des Jamblichus vor, durch die der Name des Gewährsmanns des Jamblichus ausgefallen ist. Denn es ist undenkbar, daß in yedpet Diodor als Subjekt gedacht ist, nachdem soeben erzählt war, was von ihm berichtet wurde. Bemerkenswert ist, daß auch in diesem Zusammenhang Philolaus nicht sowohl als Zeitgenosse des Sokrates als vielmehr Platos erscheint. Die beiden sicheren und unverrtickbaren Punkte in der Ueberlieferung sind, daß nicht zwei zeitlich getrennte Verfolgungen der Pythagoreer, eine zur Zeit des Meisters selbst und eine spätere, sondern nur eine einzige zusammenhängende stattgefunden hat, und daß von dieser Lysis betroffen wurde, der nach kürzerer oder längerer Zeit nach Theben ging und

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dort in ein nahes Verhältnis zu Epaminondas trat. Die Angabe, Lysis sei bei dem Ausbruch der Verfolgung ein jüngerer Mann gewesen, darf man nicht, wie Rohde getan hat, zum Ausgangspunkt der Berechnung machen (Rh. M. XXVI 565). Die einzige Möglichkeit, die Zeit des Lysis annähernd zu bestimmen, bietet die zweifellos sichere Angabe, daß er Lehrer des Epaminondas gewesen ist. Nach Plutarch De latenter vivendo p. 1129 C trat Epaminondas bis zu seinem vierzigsten Lebensjahre politisch nicht hervor, oder, wie Plutarch sich wörtlich ausdrückt, nützte er seiner Vaterstadt nichts. Man kann diese Angabe nur auf seine Wahl zum Böotarchen beziehen. Ganz zuverlässig ist sie schwerlich und es wird wohl kaum etwas anderes dahinter stecken, als daß Epaminondas erst als reifer Mann in die Staatsgeschäfte eintrat, was in die pythagoreische Anschauung übertragen, so ausgedrückt wurde, als sei er schon vierzig Jahre gewesen, da von da ab die Pythagoreer die Mannesjahre rechneten®). Setzen wir also seine Geburt 411 an, so setzen wir sie gewiß nicht zu spät an. Dann kann Lysis sein Lehrer frühestens 395 geworden sein’). Nun stimmen alle Berichte darin überein, daß Lysis damals ein Greis gewesen sei. Bei Plutarch kommt der Fremde aus Italien, um dem Epaminondas zu danken, daß er an Lysis Sohnesstelle vertreten habe, und Nepos sagt, er habe den finsteren und strengen Greis allen seinen Altersgenossen vorgezogen. Nehmen wir an, Lysis sei damals 60 Jahre gewesen, so wäre der frühest mögliche Termin der kylonischen Verfolgung etwa das Jahr 433. Aber zu dieser Rechnung sind wir nicht einmal durch den Ausdruck vewtepos genötigt. Denn dieser Ausdruck ist an sich vage, und wenn wir ihn im pythagoreischen Sinne fassen, so würden wir ruhig bis an das 40. Jahr hinangehen können. Allein auf diesen Ausdruck ist, wie oben gezeigt, ebensowenig Verlaß wie auf die Angabe, daß Lysis zunächst nach Achaja gegangen sei. Wir müssen daher zwar gestehen, daß wir kein Mittel haben, den Ausbruch der kylonischen Verfolgung zeitlich genau zu bestimmen, aber wir werden mit einem gewissen Grade von Wahrscheinlichkeit behaupten dürfen, daß er nicht vor dem letzten Jahrzehnt des fünften Jahrhunderts erfolgte. Wilmersdorf. P. Corssen. 6) Vgl. C. Hölk, De acusmatis sive symbolis Pythagoricis. inaug. Kiel 1894, S. 40. Diss. ñ CErapewóvdas) as Hoy Heipdxtov MV, épolrnoev bg Ada, Evöpa -yévog pèv Tapavrivov, émotduevoy dE tobe Ivdayépov toi Zapiov Aéyouc.