Pythagoras und die Pythagoreeer

Author
Schumacher, J.
Published in
Antike Medizin. Die Naturphilosophischen Grundlagen der Medizin
Year
1942
Subject
PYTHAGORAS
Language
Deutsch
Category
C9 Medicine
Archive number
2502

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TFHAUMIALC MER , AA entwerten. Für das erstere sind Cocchi!), Cantù, Gioberti, Bertino, Rosmini u. a. typische Beispiele; die letztere Methode befolgt z. B. Reinhardt, der auch sonst, aber besonders hinsichtlich des Pythagoras, die Geschichte der Philosophie geradezu PYTHAGORAS UND DIE PYTHAGOREER auf den Kopf stellt. Für ihn scheinen nur die Stellen Beweiskraft zu haben, aus denen er ableiten kann, daß Pythagoras ein Betrüger, ein Erzscharlatan war, während wir, »was für Daumenschrauben wir auch der Überlieferung anlegen«, ihr »kein Zeugnis über eine altpythagoreische Philosophie zu erpressen« vermögen ?). — I. PYTHAGORAS UND SEINE SCHULE 1. Zur Pythagoras-Kritik Die Beurteilung der Bedeutung des Pythagoras und der älteren Pythagoreer fiir die Weiterentwicklung des philosophische n Denkens im allgemeinen und für die Hôherentwicklung schen Medizin im besonderen ist eine durchaus widerspruchsvo »Pythagoras ist nur in sehr bedingtem und abgeleitetem Mann der Wissenschaft. Es darf ihm kaum ein neuer Viele begnügen sich mit der kategorischen Angabe, we Gestalt des Pythagoras (und der alten Pythagoreer) sei legendär. So schreiben z.B. Eduardo de Vincentiis®): »Dai contemporanei di Pitagora non abbiamo alcun documento . . . Una falange di Pitagorei, Filolao, Eraclide di Ponto, Isocrate, Clearco, Teofrasto; una schiera di scrittori, Timeo di Locri, Aristarco, Diodoro, Strabone, stuiano Pittagora, ma creano una legenda« und Mieli‘): »Pythagoras è der theoretille. MaBe ein von ihm zuerst ausgegangener wissenschaftlicher Gedanke zugeschrieben werden« so beginnt Döring!) sein Kapitel Pythagoras, und Robert F uchs?) sagt beziiglich der Zahlenlehre: »Durch die Zahlenlehre des goras... wurde die Heilkunde ... nur insofern Pythasopratutto una figura leggendaria*«). Auch E. Frank®) gefördert, als die Lehre von den kritischen Tagen auf seiner Theorie beruht. « Ganz 1) Cocchi, Antonio, Del vitto pitagorico. Firenze 1743. 2) Parmenides, Bonn 1916, S. 232. anders Houdart?): »Autrement, pourquoi Celse (Lib. III $$ 131 s) Vincentiis, Eduardo de, Un tarantino illustre, Trani 1895, S. 30. 4) Mieli, Aldo, Le scuolo ionica pythagorica ed eleata, Firenze 1916, S. 214. 5) Ahnlich Schaarschmidt, K., Die angebliche Schrifistellerei des Philolaos u. d. Bruchstücke der ihm zugeschr. Berichte, Bonn 1864, Tennemann. edit. F. Didot, Parisiis, 1844, p. 175) aurait-il mis Pythagore au nombre des philosophes de l’antiquité qui s’étaient le plus illustrés dans la science medicale?«, und er spricht dann weiter von der pythagoreischen Idee, devenue le véritable fondement de la médecines. Diepgent) sieht in ihm den Philosophen, »der für die Heilkunde mit am ersten spezielle Bedeutung gewann«. Die Zitate sind typisch für die Verschiedenheit der Meinungen. — Hier mag eine ‚grundsätzliche Bemerkung angebracht sein. Ich halte es nicht mit jener modernen Hyperkritik, die entgegen der Ansicht angesehener Gelchrter, alle Fragmente der Altpythagoreer und jede doxographische Nachricht über sie für unecht erklärt, um alles in das Reich der Legende zu verweisen. Damit ist ernster Forschungsarbeit wenig gedient. Ich meine, man darf die ziemlich zahlreichen Nachrichten über Pythagoras und den Altpythagoreismus weder kritiklos annehmen, noch sie durch Hyperkritik samt eoaCrAPLR,esS H E und sonders o intacca d. griech. Philos., Leipzig 1903, S. 50. *) ten Fuchs, ds Robert, me Handbuch dereGesch. d. Medizin (begr. izi tt 4 von Puschmann, D Houdart, Histoire de la médecine grecque, Paris 1856, p. 215. ) Diepgen, Paul. Gesch. d. Medizin, Bd. I, Berlin u. Leipz. 1923, S. 54. rer $ | eu par à LS W. G., Geschichte der Philosophie, Leipzig 1798, Meiners, Chr. Grundriß d. Gesch. d. Weltweisheit, Lemgo 1789, Krug, W. T., Gesch. d. Philosophie alter Zeit, vornehmlich unter Griechen und Rômern. Leipz. 1827 u. Ritter, H., Geschichte der Philos., Bd. 1, Hamburg 1829. — Auch den mannigfaltigen Versuchen, die pythagoreische Lehre als orientalische darzustellen, kann ich nicht zustimmen (womit nicht jeder EinfluB des Orients geleugnet werden soll). Namentlich A. Gladisch hat in seinen verschiedensten Schriften vergleichende Untersuchungen angestellt, die sich vor allem auf dem Gebiet der Philosophie und Religion bewegten und den Beweis führen sollten, daß in der hellenischen Kultur und gerade auf philosophischem Gebiete die religiösen Weltanschauungen der alten Kulturvölker des Morgenlandes, und zwar der Inder, Perser, Chinesen, Ägypter wiederzufinden seien. In seinen folgenden Schriften kehren diese Gedankengänge in allen Variationen wieder: Einl. in d. Verständnis d. Weltgesch., Abtg. 1 u. 2, Posen 1841—44; Die Religion und die Philosophie in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung und Stellung zueinander, Leipz. 1852; Herakleitos und Zoroaster, Leipz. 1859; Empedokles u. d. Agypter, Lpz. 1858; Anaxagoras u. d. Israeliten, Lpz. 1864; Die vorsokrat. Philosophen, N. Jahrb. f. Philol. 1879, S. 720—793. Ähnlich L. von Schröder, Pythagoras u. d. Inder, Leipz. 1884 u. A. Gótze, Persische Weisheit in griech. Gewande, Ztschr. f. Indol. u. Iranist. 1. 2. 1922— 23, S. 87. — Alle Phantasien dieser Art sind durch

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aber noch öfter erwähnen muß: es ist ein Postulat — nicht etwa spricht von »religiösem Zahlenaberglauben«!) und von »Legende«, Konstruktion der Art, wie Zeller sie mit Recht verpönt —, gewissen Lehren des Empedokles, des Demokrit und vor allem die »ihr Dasein im Grunde einer literarischen Fiktion ganz ebenso verdankt. wie die von der Philosophie Homers oder Orpheus’ «. Zeller bleibt auch in seiner vorzüglichen Neubearbeitung durch Platons und einer Reihe von Arzten eine Entwicklungsstufe vorausgehen zu lassen, in der diese Lehren zum mindesten keimhaft W. Nestle kritisch, aber im ganzen positiv eingestellt. O. Gilbert?) mißt ebenfalls dem Pythagoreismus eine große Bedeutung bei, läßt aber im Gebrauch der Zeugnisse zu sehr die kritische Stellungangelegt waren. Wenn nun die Tradition in ihrer Gesamtheit — mégen auch die einzelnen Zeugnisse philologisch-kritisch gesehen angreifbar sein — dem Pythagoras und den alten Pythagoreern nahme vermissen, die gegenüber vielen von ihnen sicher am Platze die entsprechenden Untersuchungen und Lehren zuschreibt, dann sehe ich keinen Grund, ihr zu miBtrauen!). Wenn E. Frank an »jenen famosen Apfel« erinnert, »durch den Newton auf die Idee von der Gravitation gebracht worden sein soll«?), oder an die Geist. K. Joel bringt in seiner Geschichte der antiken Philosophie mehr Momente der Anregung und Einfühlung in die inneren Zusammenhänge als wirkliche Beweise. Durchaus kritisch-selbständig untersucht J. Burnet Lehre und Bedeutung der alten Pythagoreer; er kommt in der vollen Erkenntnis der Schwierigkeiten, die schichte von der hin- und herschwingenden Kirchenlampe im Dom zu Pisa, die angeblich Galilei die Kenntnis der Pendelgesetze vermit dem Problem gegeben sind, zu der Feststellung: »Es wird jedoch mittelte und dann erklart: »Solche Geschichtchen. . . sind fast nie wahr«, so finde ich seine Argumentation sehr unglücklich. Denn es wird doch gerade aus diesen Beispielen klar, daß hier nur die dessen ungeachtet klar sein, daß er (Pythagoras) eine neue Periode in der Entwicklung der griechischen Wissenschaft eröffnete, und sicherlich war es seine Schule, welcher jene die größten Entdeckungen direkt oder indirekt verdankte«3). An einer anderen legendarische Ausschmiickung einer historischen Tatsache vorliegt. Warum sollte den Anekdoten über Pythagoras nicht auch ein Stelle bezeichnet er die Gesellschaft der Pythagoreer »als eine der historischer Kern zugrundeliegen, zumal die Tradition in einer Vereinigung wie die der Pythagoreer — das aùtòs Epa ist bezeichnend — wohl Ausschmückungen, aber nicht leicht Fälschungen zuließ? Ich kann in dieser Beziehung A. Boeckh nur Recht geben, wenn er sagt’): »Der Leichtsinn, mit welchem man über die ganze Masse der jiingeren pythagorisierenden Schriften den Stab gehervorragendsten wissenschaftlichen Schulen von Hellas« und bezeichnet als ssicher, daß die pythagoreische Wissenschaft... von dem Meister selbst herrúhrt«*). Wenn ich mich in meinem eigenen Urteil dem Standpunkt J. Burnets im großen und ganzen anschließe, dann geschieht das in der Hauptsache aus Gründen, die ich hier nur kurz andeuten, im weiteren Verlauf der Untersuchung brochen hat, als ob aus ihnen nichts für die Geschichte des älteren Pythagoreismus entnommen werden kénnte, verdient ungeachtet der Unsicherheit des Urteils um so mehr gerügt zu werden, je eindie Ausführungen Zellers, I° S. 23 ff. und 28ff. (vgl. auch die Zusätze Nestles, S. 29, 3 u. 31,2) endgültig widerlegt. *) Plato und die sog. Pythagoreer, S, 67ff. *) DaB der Pythagoreismus frei gewesen sei von aller Mystik wird niemand behaupten wollen — das war aber auch bei den übrigen alten Philosophen keineswegs der Fall; wohl aber ist es unrichtig, das mystische Moment als Aberglauben, bzw. diesen als das Wesenhafte in den Anschauungen der alten Denker bezeichnen zu wollen. Was E. Frank in seinem übrigens sehr lesenswerten Buche verkennt, ist der Gang der organischen Entwicklung, den das abendländische Denken in seinen Anfängen notwendig gehen mußte. Hinsichtlich der »rationalen Mathematik« mögen seine Gedankengänge recht wertvoll sein, die Linie der ePainatesr è Geschichte des Denkens in seinen Anfängen läßt er vielfach stark verzeichnet und verzerrt erscheinen. ?) Meteor, Theor., S. 65 ff. 3) Anfänge, S. 98. leuchtender es ist, daß in mystischen Schulen sehr viel auf Überlieferung beruht... .«*). 1) Vgl. auch die Stellungnahme von Hans v. Arnim, Die europäische Philosophie des Altertums, Kultur der Gegenwart, Teil I, Abt. V, Berlin u. Leipz. 1909, S. 124f.; leider wurde mir diese höchst wertvolle Arbeit erst während der Korrektur zugänglich. 2) E. Frank, Plato und die sog. Pythagoreer, S. 78. *) Philolaos, des Pythagoreers Lehren nebst den Bruchstücken seiner Werke. Berlin 1819, S. 194. aon ti ? *) Ähnlich urteilt Th. v. Scheffer in einer persönlichen Mitteilung, daß selbst jedem Mythos und uralten Bericht ein wahrer Kern zugrunde liege, und daß nichts aus den Fingern gesogen sei. 4) Ebd. S. 85.

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werde an das gedacht, was sich der sinnlichen Wahrnehmung. bei den Zahlen an das, was sich dem mathematischen Denken darbietet, und beides werde unmittelbar identisch gesetzt, ohne daB man die Unzulássigkeit dieses Verfahrens 2. Die Zahlenlehre (Raumlichkeit der Zahl? Arithmetik oder Geometrie? Eigene Stellungnahme) Ausgangspunkt unserer Untersuchungen ist die pythagoreische Zahlenlehre. — »Die Beschäftigung mit den Zahlen soll Pythabemerkte!). Ganz anders Gilbert*); er ist der Ansicht, daß für die Pythagoreer die Zahl nur das Charakteristische an den Dingen war. Er sieht richtig, daß für Pythagoras, im Gegensatz zu den Joniern, die Form der Dinge das goras am meisten von allen gepflegt und in den Vordergrund gezogen haben, indem er sie aus dem Geschäft der Händler heraus- Wesentliche?) ist. Die Formen aber seien zurückführbar aufein gewisses Maßverbältnis, dessen aligemeinster Charakter sich als Zahl bezeichnen lasse. Auch er heruft sich wie Zeller hauptsächlich auf Aristoteles, der aber nie gesagt habe, holte und alle Dinge den Zahlen unterordnete (mit den Zahlen verglich) . . .«*). »Vor diesen (Leukipp und Demokrit) beschäftigten daß die Pythagoreer die Zahl als stofflichen Inhalt der Dinge genommen hätten. Aus Arist. Metaph. 985 b 26 und 906 a 4 zeigt er, daß die Zahlen nur sich die sogenannten Pythagoreer mit (mathematischen) Wissenschaften und sie brachten diese als erste voran, und, nachdem sie sich aufgefaBt sind als époryara und dpoAoyovueva der Dinge und daß in den Zahlen und Zahlenverhältnissen nur Analogien gesucht und gefunden werden; ganz in diese eingelebt hatten, hielten sie deren &pyai für die &pxai in der Stelle gaıvövraı 5% Kal oùTo! Tov &ipiBuòv voulzovtes apxrv elvan kal as aller Dinge. Da aber in diesen naturgemäß die Zahlen das erste UAnv Tols odo Kal dos mréôn TE Kal Es übersetzt er offenbar, wie man aus seinen sind, glaubten sie, in den Zahlen viel Verwandtes mit dem Sein Bemerkungen ersehen kann‘), das dos mit »gleichsam«. Den deutlichsten Beweis und Werden der Dinge zu sehen, mehr als in Feuer, Erde und Wasser ...da sie in den Zahlen die Eigenschaften und Verhältsieht er in der oben angeführten Stelle 987b 11: pipiioe: T& Bvra paciv elvan Tey &pêu&v. Die Zahl mit ihren otoıyela des &ptiov und trepicody treffe also die äußere Form und die Zahlenverhältnisse der Dinge. In der Frage des sStoffese, aus dem die Dinge würden, hätten sich die Pythagoreer an die jonischen Lehren nisse des Harmonischen sahen — weil ja alles andere seiner ganzen Natur nach den Zahlen nachgebildet erschien, die Zahlen aber . . . das erste sind — nahmen sie an, daß die Elemente der Zahlen die angeschlossen. Nach Kinkel*) ist der Irrtum bei Aristoteles zu suchen, der die pythagoreischen Zahlen fälschlicherweise als Dinge aufgefaßt habe, während sie den Elemente aller Dinge seien kal rèv SAov oúpavov &puoviav elven kai Pythagoreern nichts anderes gewesen seien als das formende, erzeugende Gesetz. dessen gedankliche Natur sie freilich noch nicht, wie Platon, erkannten; ihr ápidnóve?). Die angegebenen Stellen sollen fürs erste einerseits andeuten, welche Wichtigkeit das pythagoreische System der Zahl beima und andererseits, wie es zu den auch heute noch nicht er- Verdienst liege in der Erkenntnis, daß nicht die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung oder ein materieller Stoff das Sein ausmache, sondern das Gesetz der Zahl. Die Frage sei gewesen: wie können die dauernden Dinge mit den ewig wechselnden, fließenden Sinneswahrnehmungen in Übereinstimmung gebracht werden? Die Zahl sei das Gesetz, welches das objektive Sein der subjektiven ledigten Kontroversen über das Wesen der Zahl kommen konnte. Brandis?) u. a. vertraten die Ansicht, daß die pythagoreische Zahl körperlich zu nehmen sei. Für Zeller‘) steht es fest, daß für die Pythagoreer die Zahl das Wesen aller Dinge, daß alles seinem Wesen nach Zahl sei. Weil sie bemerkt hätten, daß alle Erscheinungen, namentlich die Verhältnisse der Himmelskörper und der Töne, von gewissen Zahlen und Zahlenverhältnissen beherrscht seien, seien sie zu der Annahme geführt worden, die Zahl sei nicht bloß die Form aller Dinge, sondern auch ihre Substanz, der Stoff, woraus sie bestehen. Beeinflussun g Empfindung und damit das Wesen der Dinge selbst ausdrücke. NERDAates dl e L Dihe ur durch mythologische Anschauungen sei unverkennbar. Ihre Zahlseiletzten Endes nichts anderes, als die Hypostase des für uns in ihr liegenden abstrakten Begriffes. Also nicht, die Dinge haben Zahlen, hätten die Pythagoreer gelehrt, sondern die Dinge sind Zahlen; daraus dürfe man aber nicht folgern, die Pythagoreer hätten angenommen, die Zahlen seien körperlich; das eigentümlich Pythagoreische liege eben darin, daß die Unterscheidung in Körperliches und Unkörperliches noch gar nicht vorgenommen worden sei; bei den Körpern 1} Stob.I pr.6 (Vors. 5 58 B 2). *) Arist. Metaph. 985 b 23 ff. >) Handbuch d. Gesch. d. Griech.-Róm. Philos., I, S. 476f. u. S. 486f. *) Zeller 19, S. 4468. dme,t71BE Pea SENARS +. “a Die beiden letzten Sätze bezeugen den ideal-realistischen Standpunkt Kinkels, von dem aus er die Eigentümlichkeiten des Pythagoreismus aber genau so wenig zu erklären vermag wie auch O. Willmann. Mit seiner Ablehnung der pythagoreischen Zahl als körperlich hat er recht. Seine Auffassung der Zahl als des »formenden und zeugenden Gesetzes« ist nicht unbedingt abzulehnen, wohl aber seine Formulierung, die in dieser Form einem Gedanken 1) a.a.O., S. 487. ?) Meteor. Theor., S. 67ff.; S. 74 ff. 2) So schon v. Arnim, a.a.O., $. 124f. 4, a. a. O., S. 69. A. 1. | t) Kinkel, Walter, Gesch. d. Philos, als Einleitung in d. System der Philosophie. I. Teil, Gießen 1906, S. 107f.

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Ausdruck gibt, der erst der modernen Zeit eignet. Wenn im diader letzten Stelle geschlossen werden kénne, daB das Unbegrenzte, das Pythametralen Gegensatz zur Kinkelschen Auffassung Brandis die Zahl als etwas rein Körperliches aufgefaßt wissen will, dann muß músse auch die Grenze raumlich sein. goras mit der Luft, der Nacht oder dem Leeren identifiziere, ráumlich sei, Ganz anders Zeller’). Mit großem Scharfsinn, aber auch nicht ohne Vorsich diese Auffassung als falsch erweisen schon allein angesichts der eingenommenheit, untersucht er alle einschlägigen Stellen und kommt zu dem Ergebnis, daß das pythagoreische System ein arithmetisches sei; mit großem Aufwand an Mitteln versucht er, die Räumlichkeit der Zahl (und der pythagoreischen Prinzipien überhaupt) als unrichtig darzutun. Er gibt aber zu, daB die Tatsache, daßsie eine Erklärung der »pythagoreischen Proportionen «, die J. Burnet wohl schon mit Recht dem Gründer der Schule selbst zuschreibt, unmöglich machen würde. Auch wenn wir an- Pythagoreer die Kôrper aus der geometrischen Figur ableiteten und weiter, daB nehmen müssen, daß die Pythagoreer an eine Definition des »Unsie die Figuren und die raumlichen Dimensionen auf Zahlen zurückführten (den körperlichen« nicht einmal gedacht haben, so steht es dennoch fest, Punkt auf die Einheit, die Linie auf die Zweiheit usw.); dann sagt er weiter — meiner Ansicht nach übrigens sehr zu Recht und manche Unklarheit bedaß sie weder bewußt noch unbewußt die Vorstellung der Zahl seitigend —, daB daraus durchaus nicht gefolgert werden diirfe, daB sie nun als eines Körpers gehabt haben. auch unter der Einheit nichts anderes als den Punkt und unter dem Unbegrenzten nichts anderes als den leeren Raum verstanden hätten, und daß die Begriffe der Grenze und des Unbegrenzten, der Einheit und der Zahl einen weiteren Um- Die hier vorliegende Problematik wird durchsichtiger, wenn wir die Frage in der Form stellen, ob die pythagoreische Zahl räumlich oder unräumlich gewesen bzw. ob ihr System als ein arithmetisches fang haben als die des »Leerens und der Zahlen?). oder geometrisches anzusehen sei. Die Behandlung solcher Probleme Ausgangspunkt fiir meine eigene Stellungnahme ist zunächst eine Angabe bei Aristoteles?): »Gar nichts ist bestimmt darüber, liegt nur scheinbar von unserem Thema ab: einmal vermögen gerade solche Fragen die in den »Vorbemerkungen« gemachten Ausauf welche von beiden Weisen die Zahlen Ursachen der Wesenheiten und des Seins sind, ob als Grenzen, so wie die (End) punkte der Größen (wohl der Figuren) und wie Eurytus der Reihe nach festlegte, welches die Zahl von etwas ist, z. B. die eines Menschen oder die eines Pferdes, wobei er wie diejenigen, die die Zahlen auf führungen zu beleuchten und die Behauptung zu bestätigen, daß das Denken der Antike ein Denken sui generis war; überdies kann die Behandlung der diesen Fragen zugrunde liegenden Tatsachen deutlicher als vieles andere und zugleich mit größerer Beweiskraft als die von den Pythagoreern berichteten medizinischen Fakta den Figuren des Dreiecks und des Vierecks übertragen, durch Rechen- Einfluß aufzeigen, den der Pythagoreismus als Faktor der medizinhistorischen Entwicklung darstellt. Auch die Beantwortung der Frage nach der Räumlichkeit der Zahl ist bis heute kontrovers geblieben. Die meisten Historiker gehen von dem Satze des Aristoteles aus: ». ..sie (die Pythagoreer) lassen die Einheiten Größe haben; wie jedoch die erste Eins, die Größe hatte, entstanden sei, darüber scheinen sie keine rechte Auskunft zu wissenel). Ritter?), Steinhart?) und Burnet!) schließen daraus auf die Räumlichkeit der Zahl. Burnet stützt sich in seiner Annahme noch auf einen anderen Satz des Aristoteles, in dem dieser sagt, daß die Elemente der Zahlen das Gerade und das Ungerade seien und das eine mit dem Begrenzten, das andere mit dem Unbegrenzten gleichgesetzt werde5); nach Simplicius seien die geraden Zahlen unbegrenzt, die ungeraden begrenzt genannt worden®); dasselbe ergebe sich aus Stobaeus I S. 20. 17); da nun aus 1) Arist. Metaph. 1080 b ı8fl. Vgl. 1083 b 8ff.; Arist. d. caelo 300 a 16. *) Ritter, H., Gesch. d. pythag. Philos., Hamburg 1826, S. 93ff. 2) Steinhart, Karl, Hall. Literaturzeitung 1845, S. 895f. ‘) Burnet, Anfänge, S. 8gff. 5) 986 a 18ff. *) Simpl. phys. S. 455, 20 (Vors.® 58 B 28). 7) Vors.5 58 B 2: vgl. Stob. I 22. 19W. bMEAeaOSTRratIT steine die Gestalten der organischen Dinge nachformt.« Aristoteles hat hier, wie wir aus der Geschichte wissen, Männer aus Platons und seiner Zeit im Auge, und zwar solche — wahrscheinlich sind es Pythagoreer der später erwähnten neuen Richtung —, die glauben, daß die in der Zahl liegende Wahrheit weder durch die konventionellen Buchstabenzeichen noch durch lincare Darstellung deutlich zum Ausdruck gebracht werden könne, urid die daher wieder auf die alte Art der Darstellung von Zahlen zurückgreifen wollen, die offenbar gemeint ist in Jambl. Introd. S. 56, 27 Pistelli: »Man muß nämlich wissen, daß unsere Vorfahren in alter 1) Zeller 14, S. 485ff. sich Nestle Zellerschen Handbuches setzi dort : In der sechsten Auflage desauseinan an der der (S. 494f.); er halt mit der Burnetschen Ansicht Zelierschen Ansicht von der Unräumlichkeit der Zahlen fest. 3) Arist. Metaph. 1092 b 8 (Vors. 45, 3). Vgl. Theophr. Metaph. 11 p. VI a 19 Usener (Vors.® 45, 2).

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Zahl Figuren werden sah und das »Erkennen« — das wohl dem Flächen werden, fühlen wir, wie mit der arithmetischen die geometrische Ordnung zugleich gegeben ist und wie unnôtig der Streit um die Frage ist, ob die Pythagoreer die Zahl räumlich oder unraumlich faBten. Sie haben sich diese Frage nie gestellt, nicht nur, weil man damals ein Abstrahieren der Zahl von der Form, in der sie dargestellt wird, bzw. von Dingen, die sie konstituiert, noch nicht kannte, sondern weil man gar nicht das Bediirfnis hierzu Denken und Einsehen gleichgesetzt wurde — darin bestand, die empfand. Zeit die Quantitäten der Zahlen auf natiirlichere Weise dargestellt haben, nicht wie die Heutigen symbolisch«!). Aus dieser so glücklich durch Jamblich erläuterten Aristotelesstelle 14Bt sich schließen, wie anschaulich das Aoyizeodaı (rechnen, berechnen, aber auch erwägen, betrachten, denken) der Alten (vor Aristoteles) gewesen sein muß, wie man gleichsam aus der Es soll in dieser Arbeit nicht untersucht werden, was Agypten und Babylon Griechenland gegeben haben, jedenfalls war der Stand wenigstens des praktischen Wissens bei den Erbauern der Pyramiden und den &preSoverrrat, die schon das Dreieck mit den Seiten 3, 4 und 5 kannten, das immer rechtwinklig ist, und rein Figuren wieder in ihre Elemente aufzulösen. Das aber ergibt für unseren Fall einen dankenswerten Hinweis für die Erklärung einer der wesentlichen Funktionen der pythagoreischen Zahl (und zugleich für ihr Alter). Wir dürfen annehmen‘), daß eine der primitiven Methoden, Zahlen darzustellen, die war, arithmetisch den »Pythagoreischen Lehrsatz« zu illustrieren ver- Punkte in symmetrische Figuren anzuordnen, ähnlich der Anmag, hinreichend, griechischem Geiste die ersten »Handlangerordnung etwa der Punkte auf den Dominosteinen. Aus Aristoteles, Stobaeus, Philoponus, Simplicius, Alexander, Themistius u. a.) wissen wir, daß es wohlbekannt war, daß die Zusammenfassung einer bestimmten Anzahl von Punkten in einer bestimmten Anordnung bestimmte Figuren ergab, z. B., wenn man von ı angefangen, Reihen aufeinanderfolgender Zahlen in Form von Punkten darstellt, ergibt sich ein Dreieck: ..; die sich aus dem Dreieck jeweils ergebenden Summen nannte man Dreieckszahlen: 1, 3, 6, 10, 15, 21, 28 usw.; fügt man zur 1 die nächste ungerade Zahl 3 und zur jeweiligen Summe die nächste ungerade Zahl usf. hinzu: ::i*, so ergibt sich immer eine Quadratzahl: 1+3—4, +5=9 usf.; wenn jedoch zur 2 die aufeinanderfolgenden geraden Zahlen addiert werden, entstehen die »recht- 1S8£YFf.b=RxdisUsaCn5Crh4AenEsi?eMRhica nDpaeidétIe LU eckigen« Zahlen: ‘7. Auf diese Weise sehen wir aus Zahlen 1) Nämlich nicht durch Buchstaben; daß dieses mit ounBoAıkös gemeint ist, = ergibt sich aus Nikomachos von Gerasa, Introd. Arithm. S.83, ı2 Hoche: Tipétepov Sì Emiyvworéov. STI Ekaotov ypáuua & onueroúpeda dpıdudv... von@ kai ouvöruar dvipwirivo, GAA’ où quori annavrındv tot: TOU áprBuoú. 7, + ?) woraufschon Burnet — allerdings ohne bis ins letzte die Konsequenzen zu ziehen — hinweist (a. a. O., S. 88ff.). *) Belegstellen s. Zeller 1,° S. 455 Anm. 3; genauere Ausführungen H. Hankel, Zur Gesch. d. Mathematik bei im Alterıum u. Mittelalter, Lpz. 1874, S. 92ff. u. S. 104; Moritz Cantor, Vorlesungen über Gesch. d. Mathematik I, Lpz. 1880, S. 124 ff. u. S, 135. | Mojito dienste«') zu leisten, und es ist sicher, daß die Griechen bald ihre »Lehrmeistere überflügelten, nicht nur in der praktischen Anwendung des Gelernten. Es zeigt sich eben auch hier: der hochentwickelte Orient hatte eine Unsumme von Einzelkenntnissen zu vergeben und Griechenland mag bisweilen der empfangende Teil gewesen sein; aber wo die Orientalen stehen blieben, da begannen die Griechen, wandten den Blick von den Erscheinungen auf das Wesen, von der Mannigfaltigkeit auf die RegelmáBigkeit, auf die Gesetzmäßigkeit, um aus ihr wieder die Einzeldinge mit logischer Notwendigkeit entstehen zu sehen; so machten sie das Wissen zur Wissenschaft, und das war ihre Gabe an das Abendland, von der wir heute noch zehren. — So sah nun Pythagoras aus jenen Figuren, die schon unzählige Male den täglichen Lebensbedürfnissen des Menschen gedient hatten, ohne zu tieferem wissenschaftlichem Denken zu führen, die Regelmäßigkeit, die konstituierende, formbildende Kraft der Zahl. Und noch etwas muß hier erwähnt werden: daß die Saiten der Lyra verschiedene Längen haben müssen, das wußten auch die Instrumentenbauer, daß aber die Länge der Saiten in einem bestimmten Verhältnis abnahm bzw. zunahm, das sah erst der, für den die längere Saite der — rechtwinkligen — Lyra zur »Hypotenuse« geworden war. An einer rungen des 1) Der Ausdruck entstammt den kurzen, aber treffenden Ausfüh chaft. Wissens che griechis u. t Weishei Agyptologen F. W. v. Bissing, Ägyptis Neue Jahrb. 29, 1912, S.81ff.

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ausgespannten Saite, deren ténenden Teil er durch Verschi eben eines Steges verlangern bzw. verkürzen konnte, soll er die Zahlen 12, 9, 8, 6, 4, 3, denen die Töne c, f, g, c’, g’, c” entspre chen, gefunden haben. Wenn wir Jamblichost) glauben wollen, dann ten allerdings schon die Chaldäer diese Beziehungen kannder Arithmetik zur Musik, ja sogar schon das harmonische Mittel, das auch obigen Zahlen zugrunde liegt, und Pythagoras soll es nach ihm von jenen gelernt haben; aber darauf kommt es hier gar nicht an; denn nicht darin liegt dieGröße des Pythagoras, sondern in der Erkenntnis — nicht nur eines Naturgesetzes, sondern — einer in Zahlen festlegbaren Gesetzmäßigkeit in der Natur überhaupt. So wird er der große Mathematiker, indem er hinausführt über die praktischen Bedürfnisse?), so wird er zum Wissens chaftler. Eine glückliche Verbindung von Beobachten und Denken , von Empirie und echt philosophischer Schau brachte als Ergebni s die für alle Wissenschaften so fruchtbare Erkenntnis der Gesetzmäßigkeit in allem Werden und Geschehen. Am schwerwiegen dsten für die Folgezeit erwies sich aber das Hinaufrücken der Zahl in das Gebiet des Metaphysischen. Die Zahl selbst wurde zum Gesetzgeber, zum gestaltenden, formenden Prinzip, dem die Kräfte der Wandlung, vor allem das Feuer, untertan waren. Anhangsweise sei hier noch eine Angabe des Aristoteles erwähnt, die, wenn wir sie richtig verstehen, nicht nur eine Ergänzung und Bestätig ung der oben dargelegten Zahlentheorie bedeuten würde, sondern auch für das Verständnis späterer medizinischer Theorien von Bedeutung wäre. In seiner Physik spricht Aristoteles über die verschiedenen Anschauungen vom Leeren und sagt unter anderem®): »Auch die Pythagoreer sagten (Epacav! ), das Leere sei, und es gehe aus dem grenzenlosen Odem das Leere in die Welt‘) selbst — als ob sie aufatme — hinein, welches die Naturen umgrenze (Biopiza), gleichsam als wäre das Leere eine Art Trennung des Aufeinanderfolge nden und (überhaupt eine Art) der Unterscheidung. Und das liege als erstes in den Zahlen (sei das Wesen der Zahlen?).« J. Burnet sagt zu dieser Stelle): »Im wesentlichen ist das die Lehre des Anaximen es, und es wird zur vollen GewiGheit , daß es dic des Pythagoras ist, wenn wir erfahren, daß Xenophan es®) sie ablehnte.« Die 1) Introd. in Nic. Ar. p. 141. 2) Vors.3 58 Ba, 2) Arist. phys. IV 6 213 b 22 (Vors.* 58 B 30). $) Ich lese mit Diels das handschriftlich überlieferte avrà: statt até bei Bekker. 5) Anfänge, S. 95. 6) Diog. L. IX 18. 19: die Stelle ist aber nicht eindeutig! von Burnet weiter angeführte Stelle aus der Metaphysik!) kann nun zum Beweis nicht herangezogen werden, da aus dem Zusammenhang hervorgeht, daß es sich dort um Pythagoreer um Platon handelt*); aber seine Ausführungen über die alten Vorstellungen über Luft und Leeres, über Luft und Dampf, Feuer und Nacht, Licht und Dunkelheit, Begrenzung und Unbegrenztes sind gut begründet. Zustimmen kann man auch, wenn er daraus folgert: »Die darin enthaltene Identifizierung von Odem und Dunkelheit ist ein Be Argument für den primitiven Charakter der Lehre: denn im 6. Jahrh. wurde die Dunkelheit als eine Art Dunst angesehen, wahrend im 5. Jabrh. ihr wahres Wesen wohl bekannt war«3), Dennoch wird man zögern, ihm zuzustimmen, wenn er weiter sagt: »Es scheint in der Tat sicher, daß Pythagoras die Begrenzung mit dem Feuer identifizierte und das Unbegrenzte mit Dunkelheit.« Einerseits finden wir in den Quellen keine einzige nach dieser Richtung hingehende i sage — hôchstens die Lehre vom Zentralfeuer und einige sehr unsichere Beric le über astronomische Anschauungen könnten damit in Harmonie gebracht werden —, und andererseits kann dieser Gedanke nicht leicht mit der oben dargelegten Lehre von der Zahl, vor allem mit der Lehre von der Harmonie und den Proportionen in Einklang gebracht werden. Es sei denn. daß man die Zahlen etwa als das dem Feuer immanente Gesetz ansehen würde, nach ie dessen Tatigkeit der Begrenzung naher bestimmt wirde. Dann hätten wir allerer dings darin einen Beweis für die Behauptung, daß Pythagoras brechung der Kontinuität der bisherigen Entwicklung bedeutet, son ern ei - mehr Fortführung und Ergänzung. Wir hätten auch eine N ie merkwürdige Tatsache, daß ältere Pythagoreer, z.B. Hippasos — mit 2 ensichtlicher Bezugnahme aufAnaximenes ‘) und Anaximander — das ed zur Hypostasis der Dinge machen konnten. Auf gewisse spater zu besprechende medizinische Lehren und auf die Herkunft der ihnen zugrunde liegenden naturphilosophischen Ansichten fiele damit ein ganz neues Licht. Die-Ionier hatten das Wesen der Dinge im Stofflichen gefunden. Causa formalis, finalis, efficiens, Verursachendes und Verursachtes, Beherrschendes und Beherrschtes, alles war letzten Endes ein und dasselbe. Eine solche Welterklarung konnte auf die Dauer nicht geniigen, schrie geradezu nach Erganzung. Sie hatten wohl erklärt, woraus alles bestehe, aber nicht, warum es gerade in dieser oder jener Form bestehe. Die Ergänzung brachte Pythagoras: die Zahl bildet die verschiedenen regelmäßigen Figuren, die Zahl beherrscht, nein, bildet den Ton, der ohne sie etwas ganz Flüchtiges, Unfaßbares ist; warum dann nicht auch alles andere? So wird der Grund gelegt zum Begriff des elöos, der mit seinen später näher ausgeführten Bestimmungen in der Medizin als quo1s-Begriff und »Naturheilkraft« so wichtig wird. Ri Nach Seals ecl. phys. 308 u. 448 kann es Ekphantos gewesen sein. 3) Anfänge, S. 96. 4) M. vel. z. B. Simpl. phys. 23, 33-

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3. Bedeutung der neuen Wissenschaftsmethode aus den Einzeldingen und Erscheinungen das allgemeingültige Die Zahl des Pythagoras war noch nicht die von den Dingen Gesetz abzuleiten und, umgekehrt, aus ihm die Einzeldinge zu verlosgelöste Ideal-Zahl des Platon, sie war noch nicht das el5os des Peripatos, aber sie stand mitten zwischen den ersten Anfängen des stehen und, wenn möglich, auch zu lenken, das Prinzip, das stets auch Prinzip aller medizinischen Wissenschaft sein wird. philosophischen Denkens und dessen vorläufigem Abschluß durch »In Ehrfurcht beugen wir uns vor der Geisteskraft der Männer, Aristoteles. E. H. Weiße!) sagt mit Recht: »Das pythagoreische die zuerst den Weg gewiesen haben zum eindringenden Verständnis System übte auf die gesamte ältere Philosophie der Griechen einen und zur schlieBlichen Beherrschung der Naturgewalten!).« unberechenbar großen Einfluß dadurch aus, daß es die Anschauungen und Abstraktionen des unphilosophischen Denkens in eine 4. Die sGegensätze« und die »Harmonie« typische Ausdrucksweise und stehende Form brachte, wodurch die- Hinsichtlich der Medizin speziell ist Pythagoras — wenn möglich — noch fruchtbarer geworden durch seine Lehre von den Gegensätzen und ihrer Harmonie. selben gleichsam zum Stoff für das spekulative Denken bereitet wurden... wir glauben aussprechen zu dürfen, daß der allein vielleicht unter all jenen Führern wahrhaft groß zu nennende Genius des Pythagoras sophie bis auf den gesamten Inhalt der griechischen PhiloSokrates und Platon... bereits vollständig durchgearbeitet und geordnet hatte.« — Wir können es heute kaum noch empfinden, welche Wirkung die Entdeckung des Gesetzes der Zahl auf die Denker von damals ausüben mußte. Das Naturgeschehen und die Lebensvorgänge im Menschen sind nun nicht mehr zufällige Geschehnisse; nicht mehr Schicksal und blinder Zufall beherrschen alles, sondern der A6yos, der in der gottgeschaffenen Zahl verborgen liegt, und den man nur zu erkennen braucht, um alles zu wissen, da ja alles aus ihm wird. Das Leben läßt sich messen, Diogenes Laértius überliefert uns eine Angabe des Alexander Polyhistor aus dem ı. Jahrhundert v. Chr.; er habe folgendes in den Aufzeichnungen der Pythagoreer gefunden: der Anfang von allem sei die Einheit; aus der Einheit aber sei die unbestimmte Zweiheit, gleichsam als Materie der Einheit, ihrer Ursache; aus der Einheit aber und der unbegrenzten Zweiheit seien die Zahlen entstanden, aus den Zahlen die Malzeichen, aus diesen die Linien, aus diesen die Flächengestaltungen, aus den Flächen die mathematischen Körper, aus diesen die sinnlich wahrnehmbaren Körper, deren vier an der Zahl sind: Feuer, Wasser, Erde, Luft?). In dieser Weise wurde in der nacharistotelischen Zeit vielfach®), besonders von den Kommentatoren des Aristoteles, Simplicius und Ps. Alexander, die pythagoreische Lehre von den Urgründen bzw. Gegensätzen dargestellt. Obwohl der dialektische Charakter der Schriften, die Sprache, die verwandten Begriffe u. a. mit aller Deutlichkeit spätere Unterschiebungen bzw. es ist ja alles pétpov, und alles Werden vollzieht sich auf Grund der Fälschungen verraten, hat die Lehre von der Einheit bzw. unbegrenzten Zweiheit Ordnung durch die als echt pythagoreische Lehre vom Gegensatz noch in neuerer Zeit ihre Verteidiger gefunden‘), die aber von Zeller mit unwiderlegbaren Beweisen ab- Zahl. Jahreszeiten, Tageszeiten, alles ist metrisch, rhythmisch. Die Zahl ermöglicht Vergleichung, Aufsuchen von Analogien, nicht vagen, sondern zahlenmäßig bestimmten; Typisierung, Form, Proportion, Ordnung, alles das ist mit der Zahl gegeben, und der Drang, all diese Dinge in der Natur und im menschlichen Leben zu finden, war so stark, daß er die Anwendung des neuen Prinzips bis in die Gebiete gehen ließ, wo er nicht mehr fruchtbar sein konnte und doch fruchtbar wurde, weil er die Kritik herausforderte und das Gegeneinander der Prinzipien erzeugte, das immer noch für das Finden von Wahrheiten nötig ge- Döring) geht von dem Bericht des Aristoteles?) aus, in dessen Tafel der Gegensätze als erstes Paar sBegrenztest und »Unbegrenztese überliefert sind, und auf dem nach Döring alle anderen Gegensatzpaare beruhen: das Unbegrenzte sei der außerhalb der Welt befindliche unendliche Weltstoff, zu welchem das Begrenzende als gleich ursprüngliches entgegengesetztes Prinzip hinzutrete und ihn mit bestimmten Umrissen versehe; der Gegensatz des Unbegrenzten und der Grenze sei der des Stoffes und der Form, welchen Gedanken er sunge- 1) Gomperz, Theodor, Griechische Denker. Berlin und Leipzig 1922, S. 85. *) Diog. L. VIII 24f. (Vors.* 58B 1 a). wesen ist. Wertvoll an der Entdeckung des Pythagoras war das in ihr liegende Prinzip als Grundlage einer neuen Wissenschaftsmethode: 1) E.H. Weiße, Aristoteles’ Physik, Leipz. getan wurden!). 1829, S. 391. 3) s. Zeller I°, S, 465£. 1) Vgl. Boeckh, Philolaos, S. 65. 3) a. a. O., S. 465 bis 479. *) Gesch. d. griech. Philos., S. 109ff. ?) Arist. Metaph. 986 a 22 ff. (Vors.* 58 B 1 a).

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zwungene und vals sehr nahe liegende aus der Ordenslehre ableiten will (Aufgabe und Regel für die pythagoreische Lebensführung sei, Begrenzung und Form in das Leben zu bringen). Begrenzendes und Unbegrenztessind auch für Kinkel 1) die beiden Urgründe. Seine Zeugen sind Philolaos, Platon und hauptsachlich Aristotel es. Grenze und Unbegrenztes hätten sie gegenüber der Zahl als das logisch Frühere gesetzt, da durch sie die Zahlen erst möglich würden, indem sie in Gestalt des Gerad. zahligen und Ungeradzahligen in dieselben als Gesetz und Prinzip des Seins eingingen®). Gerade und ungerade Zahlen seien beide dem begrenzenden formgebenden Prinzip angehörend, welches die geraden Zahlen nur unvoll. kommener als die ungeraden enthielten und ausdrückten. In Arist. Metaph. 986 a 19: 1d 5° Ev E dupotipcoy elven Tout (kal yàp Gptiov elvat Kai Treprrróv) Tov 8’ ápiduov Ex tol tvés... und aus Arist. Metaph. 1080 b 20: Srrws Bè tò poto Ev cuviorn Exov ueyedos, drrropeiv éoixaciv findet er den Beweis für seine Behauptung, die Pythagoreer hatten die Existenz einer ersten Eins gelehrt, die selbst noch nicht Zahl war — er gibt also wenigstens beziiglich dieser Annahme einer ursprünglichen Eins Boeckh recht —, sondern erst. indem sie sich selbst zur Ausdehnung bestimmt, werde sie Zahl und entlasse aus sich das Gerade und Ungerade. Mit aller Schärfe behauptet er gegen Zeller, daß in der pythagore ischen Lehre zum erstenmal deutlich ein formendes, gestaltgebendes Prinzip einem leidenden gestaltlosen gegenübertrete®). Schleiermacher4) hat wieder als ist Zahl, alles ist Harmonie. Da die Zahlen aber alle entweder gerade oder ungerade oder gerad-ungerade seien, hätten die Pythagoreer geschlossen, daß das Ungerade und Gerade die allgemeinen Bestandteile der Zahlen und dann auch der Dinge seien; weil sie nun das Ungerade dem Begrenzten, das Gerade dem Unbegrenzten gleichsetzten!), kamen sie zu dem Satz, alles bestehe aus Begrenztem und Unbegrenztem. Dem Volksglauben entsprechend hätten sie das Begrenzte und Ungerade für das Vollkommenere gehalten und in ihrer ziemlich willkürlich aufgestellten Kategorientafel das Ungerade auf die eine, das Gerade auf die andere Seite gesetzt. Das Band aber, das die jeweiligen Gegensätze verknüpfe, sei die Harmonie als eine Einheit, die in der Zahl selber liege. Wie sich die Wahrnehmung der ursprünglichen Gegensätze in den Dingen den Pythagoreern an die Betrachtung der Zahl geknüpft habe, so die Anerkennung der Harmonie, welche die Gegensätze versöhnt, an die Betrachtung der Tonverhältnisse: »Harmonie ist ihnen nichts anderes als die Oktave« sagt er dann, und in der Anmerkung fügt er erläuternd hinzu: »‘Apyovia ist der Name für die Oktave; m. s. z. B. Aristox. Mus. II, 36: töv EmraxópSwv & ix&Aouv ápuovias . ..4. Zeller hat hier offenbar den logischen faux-pas — unstatthafte Umkehr eines Urteils — gar nicht bemerkt. Noch ein zweites?) sagt er: »... denn jede Zahl ist eine bestimmte Verbindung oder eine Harmonie des Ungeraden und Geradens, und Zeile 15f.: »In dem Einklang der Töne erkennen die Pythagoreer das allgemeine Gesetz der Verknüpfung von Entgegengesetztem, sie nennen deshalb Urgründe die Einheit und Zweiheit angenommen und läßt Gott und jede solche Verknüpfung ... Harmonie und übertragen auf dieselbe die Verhältnisse der musikalischen Harmonies, Zeile 8 dagegen sagt er: »... die Harmonie ist ihnen nichts anderes als die Oktave.« Hier sieht er den Widerspruch, schiebt ihn aber — wenigstens bez. der neräßanıs els GAAO yévos — den alten dieselben vier Elemente wie auch die älteren Forscher gelehrt: den Beweis hierfür den besonderen Erscheinungen, an denen sie ihnen zum Bewußtsein kamen, führt er — meist negativ — aus Aristoteles®), Aetius”), Diog. L.#) und bestimmt zu unterscheiden«?). Materie = bestimmendes und bestimmtes Prinzip einander gegenübergesetzt sein. Für Gilbert’) ist das Grunddogma der pythagoreischen Lehre die Scheidung in &rreipov (Stoff) und trépas; das erstere ist ihm die &öpıoros UAn, das zweite das el5os gleich Form; die mipata aber sind die Zahlen; als »Stoff« aber hätten sie vor allem aus Philolaos®), Die Pythagoreer hätten nicht an den Prinzipien gezweifelt, durch die die Suv&pers wirksam werden, z. B. Wärme und Kälte seien auch ihnen als die den Veränderungen der Dinge, den Wandlung en der Elemente, dem Wechsel der meteoren Erscheinungen zugrunde liegenden Naturkräfte erschienen. Auch für Heidel ist das trépas und &rreipov das grundlegende Gegensatz paar der Pythagoreer. Zeller!) baut sein ganzes pythagoreisches System auf dem Satz auf: alles 1) W. Kinkel, Gesch. d. Philos. Gießen 1906, S. 109 ff. 2) Frg. 1 (Vors.5 44B 1). 3) vgl. besonders S, 110 und Anm. 19. 1) Schleiermacher, Gesch. d. Philos. (Werke III 4 a). Berlin 1839, S. 56. 5) Meteor. Theor., S. 66, Anm. 2: S. 71 ff. Philosophen zu, »die es noch nicht gewohnt waren, die allgemeinen Begriffe von Was Zeller in seinen Darlegungen über sdie Harmonies bei den Pythagoreern nicht grundsätzlich beachtet hat, ist die Tatsache, daß &puovia nicht Harmonie im musikalischen Sinne schlechthin bedeutet; das Wort kommt von ápuórrew und heißt Einfügung, Verknüpfung, oder, we Bernays*) nachgewiesen hat, »Strukture. Die Zahl in der Anschauung der alten Pythagoreer war jenes TEpaivov, das als notwendige Ergänzung der Lehre des Anaximander dessen &meipov gegenübertrat. Damit haben die Pythagoreer dem abendländischen Denken die Möglichkeit gegeben, in einer ganz neuen Weise den Kosmos zu sehen, zu durchdringen und zu erklären. Ich sehe davon ab, das Wesen der pythagoreischen *) Arist. Metaph. 987 a 2, 13; 990 a 16: 987 a 15: 986 b 6 u. a. m. 7) Aer. I, g, 2. (Dox. 307). 8) Diog. L. VIII 25 (Vors.s 58 B : a). 1) Simpl. phys. 455, 20 (Vors.! 58 B 28). 2) Zeller 11, S. 463, 1—3. 2) Stob. ecl. 21. 7 b (Vors.5 44 B 4). 3) à. a. O., S. 463, 10ff. ) Zeller I°, S. 463. 4) Bernays, Jak., Ges. Abh. hrsg. v. Usener, Berlin 1885, S. 101 ff. Schumacher, Antike 1

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Harmonie etwa durch die Berichte bei Nikomachos und Theo von Smyrna und Stobaios naher erläutern zu wollen, da dort ganz unzweideutig die Ansichten spaterer Pythagoreer gemeint sind, vor allem aber, weil ich der Ansicht bin, daB die tatsächliche Fruchtbarkeit der pythagoreischen Anschauungen fiir die medizinischen Theorien gerade auf der ursprünglichen Form mit ihrer ganzen Primitivitat und Einfachheit beruht. Fir das Alter dieser primitiven Anschauungen gibt uns Aristoteles einen bemerkenswerten Hinweis. Der Stagirite spricht im 5. Kapitel des 1. Buches seiner »Metaphysik« von sogenannten Pythagoreern, die zur Zeit des Leukipp und Demokrit rund noch vor diesen« sich mit der Zahlenlehre beschäftigt hatten. Der Bericht unterscheidet deutlich zwei Gruppen von Pythagoreern, von denen die einen die Zahlen als die den Dingen immanente Wesenheiten aufgefaBt hätten, während den anderen die Dinge »ihrer ganzen Natur nach den Zahlen nachgebildet erschienens. Die Tatsache des Bestehens zweier einander diametral entgegengesetzter Richtungen setzt eine gewisse Zeit der Entwicklung voraus. Wir können also — auch wenn wir davon absehen, aus der Verbindung der zweiten Schulmeinung mit dem Namen Alkmaion eine Zeitbestimmung herauslesen zu wollen — gemäß dem obigen sund noch vor diesen« annehmen, daß es sich um ältere Pythagoreer handelt, so daß wir die geforderte Vorstufe der Entwicklung mit einiger Sicherheit dem Meister selbst zuschreiben können. Die Wertung des Gegensatzes Gerade — Ungerade und ihre Gleichsetzung mit dem Begrenzenden und Begrenzten in der Kategorientafel ist aber allem Anschein nach erst den Pythagoreern um Platon oder Aristoteles selbst zuzuschreiben!). 5. Folgerungen Mit diesen Ausführungen scheint mir die naturphilosophische Seite der Problematik der pythagoreischen Frage hinreichend gekennzeichnet, um die für unsere Untersuchung notwendigen Folgerungen ziehen zu können: 1. Die Pythagoreer haben zum erstenmal in der Geschichte abendländischen Denkens Form und Stoff voneinander geschieden, und zwar Form als das zeugende männliche Prinzip gegenüber der als weiblich gegenübergestellten Materie. Stoff und Form erscheinen als ursprünglich gesondert; durch ihr Zusammentreten 1) K. Joel wird recht haben, wenn er in seiner Gesch. d. antik. Philos., S. 371 schreibt: ». . . die starke Betonung und Wertung des Gegensatzes von gerade und ungerade ist schließlich in die kontinuierliche Zahlenskala nur künstlich hineingetrieben, um auch hier die Kraft der Antithetik zu entfalten«; ich glaube nur, e sind es nun, die bei den gae werden die Dinge. Die Zahlen dem ber enü reern als die mipara bzw. TrepaivodievresKrafgeg und die — cm in Funktion treten, d. h. sie habumfenassen undt zu renzen, i A aMaterie zu durchdringen, zugeben, d.h. sie im beg eigentlichen inne durch Umriß und Gestalt. zuDiese Kraft kommt alle n Zahien, den des Wortes zu vbildene . n, legungen die ke nun für unsere Dar ~~ istdesaber und Begrenztes, Form und Materie als = ungeraden zu. daß Begrenzen e ia; das Erfaßtwerden des Widealsrstr sätze erscheinen und daßsich befindenden Stoffes ein amp des in ewiger Bewegung inzip als tätig, die Materie ; S mpr dargestellt wird, bzw. das For beider aber ist die enin der leidend 1). Die Vereinigung en Bedeutung und in ihrer Wic È e den Pythagoreern eigentümlich rnomme keit für die von ihnen gefundenen und bes anderen ibe Lehren. gegeben m stellung istreraberUnteinersDopuchpelungtesnich Hee nrimFestSin t La ersehen ne unse ischen und medizinischen i Wichtigkeit z er wei a damit schon die Tendenm werden darf: einmal wirnd pyt nE) hagoreischen Sorte unten zu besprechende ar chied charakterisiert, der le peann zweitens ist dadurch der Untersein er mal von der der pamp oreer monie« der alten Pythagder »Isonomie« des en Eos aber auch gegenüber aklit unterscheidet. „Harmonie der Gegensätze« desnichHer rus pranzi nge t der große Thesaums Es ist nicht leicht, und solaslos seinem »Elementu ) porn | von dem Diels so hoffnung aucinh woh l unmöglich, eine sic nn Wirklichkeit geworden ist, , ni " Scheidung dessen, was Pythagoras, was den Schülernzune sc hört, vor üngeren und wasden älteren Pythagoreern angedas, was wir im Eo Als sicher können wir jedoch annehmen, daß « verstehen, =die lenmystik meinen unter »Pythagoreischer Zahfün f regelmaBigen pie Ableitung der Elemente aus den= Luft , dem Ikosaeder = Wass : Würfel = Erde, dem Oktaeder Dodeka r = Ather usw ~ dem Tetraeder = Feuer, demrscheinliede von den omA spateren Ursprungs ist und .wahSicher altpchythaerst goreisch ist as ne reern um Platon herrührt Stoflma Annahme des érreipov als der gestaltlosen, ungeformten daß es notwendig ist, stärker als Joel zu betonen, daß diese Entwicklung erst ist. phys.189 b i en a x sekundär erfolgte und mehr akzidentell: jedenfalls gelten das 11. Fragment des Philolaos und Arist. 986 a 15ff. erst für die Pythagoreer etwa um Platon. Leipz. 1899, S. Xf.

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und die Annahme des gestaltenden, formgebenden Prinzips, wobei das ruhende, vor den Dingen existierende mepaîvov das in dauernder, regelloser Bewegung sich befindende und widerstrebende Ungeordnete in sich aufnimmt und mit ihm zusammen ein Drittes wird: das »Ding«, das in der Zahl bzw. in der Harmonie (gleich in der Verkniipfung des Ungleichen) seinen Bestand und seinen Ausdruck hat. 3. Damit ist aber ein Drittes gegeben, das wir geradezu als die Großtat der Pythagoreer bezeichnen müssen: wenn es die Zahl ist, die Anfang und Mitte und Ende des Alls ausmacht, wie Aristoteles als Ansicht der Pythagoreer bestätigt!), wenn das Zusammentreten der gleichen zahlenmäßig bestimmten Menge unter der Einwirkung der gleichen zahlenmäßig bedingten Kräfte ein Gleiches oder einen gleichen Zustand erzeugt, dann ist damit nichts anderes gefunden als die durch die Zahl bestimmte GesetzmaBigkeit®), die in ihren einzelnen Faktoren genauer bestimmbare kausale Verkettung alles Naturgeschehens. Erst dieser Glaube an die allwaltende Gesetzmäßigkeit in der Welt — die übrigens Pythagoras als erster einen xöonos?) genannt haben soll —, erst diese Erkenntnis machte wissenschaftliches Forschen möglich und ist noch heute die stillschweigende Voraussetzung, mit der der Physiker, der Chemiker, der Medizinwissenschaftler — unter Berücksichtigung der Eigenart des jeweiligen Arbeitsgebietes — an ihre Aufgabe herangehen. Die medizingeschichtliche Bedeutung aber ergibt sich aus der Tatsache, daß es erst jetzt ermöglicht war, Definitionen von Gesundheit, Krankheit usw. aufzustellen, und es erst jetzt sinnvoll werden konnte, systematisch die Wirkungen von Kälte und Wärme usw. auf den Organismus und den Einfluß der verschiedenen Nahrungsmittel auf Gesundheit und Krankheit sowie der Lebensweise überhaupt zu untersuchen und eine bestimmte Sita aufzustellen. »Es ist im höchsten Grade überraschend, die innere Einheit wahrzunehmen, welche den ganzen Kreis der pythagoreischen Mathematik untereinander verbindet und, der realen Verwandtschaft des Gegenstandes folgend, immer von einem und demselben 1) Arist. de caelo 268 a 10. *) Gegeniiber der mehr intuitiv empfundenen Tatsächlichkeit des alles beherrschenden Weltgesetzes durch Anaximander. *) Aet. II 1,1 (Dox. 327 a 8 b 2). den ar gerri Mittelpunkt, dem magister matheseos, aus inRaum - unc ni artigsten Richtungen sich über das Gebiet der en o verhältnisse verbreitet. Es ist ein charakteristisches ze fr i r n szufi herau Genies, solche Mittelpunkte der Erkenntnis de be Gewe von ihnen aus die Faden in a verschlungenen Buch der Dias eigenen Wortenlndasgesch rr war nachrate rie = Kuge n, Kreisen und isse zu verfolgen«’). i Natur in Triangeln, Quad und so war auch fir Pythagoras »der ganze Himme] (= der ganze Kosmos) Harmonie und Zahl«. 6. Die »Medizin«der Pythagoreer (Gesundheit und Krankheit. Die pythagoreische Aiaıta. Die Therapie) ‘Appovixoi hießen die Pythagoreer nach Aristox ow Überen, a yom all auf der Welt sehen sie Symmetrie im Räumlich nsatzen. use so in den Bewegungen, Harmonie in den Gege p ca metaphysisch begrúndeten und — in vielem — idie bas statigten Weltauffassung wurden Gedanken geboren, gewo g medizinische Wissenschaft von grundlegender Bedeutunatis mus ersind und es blieben, bis sie in unfruchtbaremr Dogm FP starrten. Auch wenn Pythagoras nicht veine der den pi pg ‘a Arzte«?) gewesen wáre, und wenn auch bein hatte ), dü ten ] n Heilkunst nicht in höchster Blüte gestande a keiner Medizingeschichte fehlen: es kann nach den Au lat en _ rec über die praktischen Auswirkungen der ne es die | se ee gänge (s. u.) nicht mehr zweifelhaft sein, daß i waren, die die wichtigsten Theorien der antiken wissensc mate Medizin begrindet oder wenigstens ihre formale und Entwicklung entscheidend gefördert haben. er goldene Schnitt. Augsburg 1885, S. 52. schlägige Stelle aus A. Corneli Celsi Medicinae L. I, proh en die Pi ¿ nt rh een im Zusammenhang dieser me oem +le - = » . i werden: »Primoque pois ning 18) etwas ausfúhrlicher wiedergegebenorum curatio et rerum n re es, wd sapientiae pars habebatur, ut et morb nn me pi platio sub isdem auctoribus nata sit: scilicet is hanc maxi e uigi = ir rnáqu noctu corporum suorum robora quieta cogitatione os eius fuisse accipimus, Ideoque multos ex sapientiae professoribus perit oes on Terie sc et ocien Enped et mos uero ex is Pythagoran en: e ezeug 3) DaB bei den Pythagoreern dic Heilkunst wr. 204. Jambl Jambl. 110, 163; Digg. L. VIII 12; Apollon. b.

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Die Zahl der Berichte über medizinische, insbesondere physiologische Ansichten der Pythagoreer oder des Pythagoras selbst ist nicht gerade gering!). Doch sind solche Berichte mit ihrer unheilvollen Vermeng ung von Echtem und Unechtem, von Früherem und Späterem mehr geeignet , das Bild von der pythagoreischen Lehre und ihres Einflusses auf die Entwicklung der wissenschaftlichen Medizin zu verdunkeln als aufzuhellen 2). Dennoch teile ich nicht die pessimistische Meinung der Autoren, die solche Bruchstü cke der Überlieferung allzu schnell in Bausch und Bogen als völlig wertlos verworfe n haben: wenn man einmal von den philologischen Fragestellungen, die mit ihnen gegeben sind, absieht und sie mehr von philosophiegeschichtlich en Gesichtspunkten — bzw. u. U. auch von medizinischen — aus prüft, erkennt man, wie verschieden die Denkweise ist, die ihnen zugrunde liegt. Vielleicht gibt gerade die vorliegende Arbeit Anregung, auch diese Berichte unter einem neuen Gesichtspunkte zu sehen und für die Medizingeschichte verwendbar zu machen. Hier harren noch Probleme der Bearbeitung, dienurder Philologe und Medizinh istoriker werden lösen können — wenn ihre Lösung überhaupt möglich ist. Voraussetzung für jede Untersuchung von Einzellehren scheint mir jedenfall s die Feststellung des Grundsätzlichen zu sein. Deshalb wurde auch in den folgenden Darlegungen über die Auswirkungen des älteren Pythagoreismus (etwa bis zu der Katastrophe von Kroton um die Mitte des 5. Jahrhunderts) auf das medizinische Denken auf die Untersuchungen von Einzelheiten verzichtet. Um so klarer sollten die großen Linien hervortreten, die die Entwicklung der theoretischen Medizin durch die Einführu ng der pythagoreischen Vorstellungen von Gesundheit, Krankheit, Heilung und der diätetischen Vorschriften gezeichnet haben. Gerade diese Vorstellu ngen — Begriffe dürfen wir noch nicht sagen — halte ich hinsichtlich der Medizin für die großen Konzeptionen, die dem Pythagoreismus mit der genialen Verallgemeinerung der Funktion der Zahl gegeben waren, und die ihren Wert und ihre Stoßkraft auf die Weiterentwicklung behalten haben, auch nachdem die Anwendung auf Einzellehren der Medizin längst kontrovers geworden war. Nach den oben dargelegten Resultaten aus den Untersuchungen über die Bedeutung der Zahl, der Harmonie usw., die mitsamt den z. T. längst erledigten Kontroversfragen mit Absicht ausführlicher ‘) s. z.B. bei Alexander Polyhistor (in Diog. L. VIII 25ff.); Stob. I 420; Aet. V 3, 2 (Dox. 417 a 6); Galen. XIX 321 K.; XIX 260 K. (Dox, 320 b 29); XIX 322 K. (Dox. 417 a 21); 322 K. (Dox. 418 a 5); Porphyr. vit. Pyth. $ 43 u. 6. — Über die Authentizität dieser Nachrichten s. Wilamowitz, Platon 11?, S. 84, 1 und Theiler, Gnomon II, 1926, S. 147ff.; Wellmann, Herm. 54. S. 225ff.; vgl. aber auch die positiven Resultate in der kritischen Untersuch ung Rohdes, Die Quellen des Jamblichus in seiner Biographie des Pythagoras. KI. Schriften, II. Bd., S. 105, S. 134, S. 156f.. S. 159, S. 163, S. 172 und C. Ritter, Jahresber. über die Fortschr. d. klass, Altertumsw., Bd. 225, 1930, S. 155, bes. ı57fl. ?) Vgl. Wilamowitz, U. v., Platon II? 84 Anm. 1; Wellmann, M., Eine pythagoreischr S. 225—248. Urkunde des 4, Jahrhunderts v.Chr. Hermes 54, 1919, dargestellt wurden, um die Eigenart des altpythagoreischen Denkens môglichst tief zu erfassen, glaube ich behaupten zu kénnen, daB es einen doppelten Weg gibt, die medizinischen Theorien der Pythagoreer zu erkennen: namlich neben dem der doxographischen Untersuchung auch den der Deduktion aus der allgemeinen Lehre. Wenn wir diesen letzten Weg — zunächst als rein hypothetischen = gehen wollen, ist es notwendig, sich vor Augen zu halten, daß die Alten — wie besonders das Corpus Hippocraticum und die einschlägigen Stellen bei Platon zeigen — nicht so sehr die Krankheiten, sondern den kranken Menschen zum Objekt der Behandlung gemacht haben, mit anderen Worten, es interessierte sie das Kranksein = das Abweichen von der Norm, vom eTBos — hier gleich Aussehen, Beschaffenheit des Leibes. Folgerichtig war, wie auch später noch gezeigt werden wird, Ausgangspunkt der Untersuchungen die Norm: der vollkommene, der gesunde Mensch, wobei der Begriff sgesunde einen weiteren Umfang hatte als bei uns und, gemäß ihrer »Ganzheits«-Au ffassung, auch Schénheit und geistige Leistungsfahigkeit ebenso wie die rein körperliche umfaßte. Nun existiert nach den obigen Ausführungen über die Anschauungen von der Zahl und der Harmonielehre jedes belebte und unbelebte Wesen durch die — kraft der ordnenden Wirkung der Zahl erzeugte — Symmetrie (nicht Gleichheit!) der Komponenten, also auch der Mensch; oder anders ausgedriickt: im Menschen ist einerseits der Stoff mit seinem »Erdhaften«, »Dunklen«, nämlich das &teıpov als das ungestaltete, aber gestaltungsfähige Prinzip der Empfängnis, und andererseits das mepaivov, die Zahl als Prinzip der Gestaltung und Formung. Solange nun — bzw. soweit wie — der &pi8u6s das ordnende, formende Prinzip ist, solange er wie ein &pycov die Kräfte des Widerstandes der Einzelkomponenten, nämlich der aus dem &meipov sekundär gewordenen stofflichen Elemente erfaßt und mit sich verknüpft (&puovia), solange ist das el5os des Menschen vollkommen; solange sind ihm Harmonie = Gesundheit, Schönheit, Güte — diese Ausdrücke sind synonym und ihr metaphysischer Untergrund und Ausdruck ist die ‚Zahl — eigen. In dem Maße aber, in dem die Verknüpfung (die ápuovia) gelöst wird, ist der Mensch xaxoSatuwv, unglückselig, sittlich schlecht, kórperlich (oder geistig) krank. Es ist méglich, noch eine weitere Folgerung aus dem Dargelegten rein deduktiv abzuleiten, námlich, daB schon im alten Pythago-

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reismus der »hippokratisches Grundsatz angelegt war, daß der Mensch es selbst in der Hand hat, Gesundheit und Krankheit zu beeinflussen: durch Überschreiten des Maßes, d.i. durch Zügel losigkeit und Ausschweifung (und zwar im Essen und Trinken — in der Hinzufügung von zu bewältigenden stofflichen Eimer und in Vergnügungen und Anstrengungen = im Verbrauch der nee des Körpers) muß die formende Kraft der Zahl beeinni < niwae das elöos durch die Schuld des Menschen selbst zer- Doxographisch wird diese letzte Folgerung durch eine große Anzahl von »Mäßigkeitsgeboten« in ihrer Richtigkeit bewiesen und in ihrer Bedeutung gewürdigt; außerdem gibt es eine Stelle bei dem allerdings sonst nicht sehr beweiskräftigen Jamblichos:!) »Am allerschönsten zeigt er (Pythagoras), daß die Götter unschuldi Den weitaus größten Raum in der pythagoreischen Überlieferung nehmen ohne Zweifel die Berichte über die Síarra ein. Gerade sie trifft am stärksten Zellers Ausspruch: ¿So weiß uns also die Überlieferung über den Pythagoreismus und seinen Stifter um so mehr zu sagen, je weiter sie der Zeit nach von diesen Erscheinungen abliegt, wogegen sie in demselben Maß einsilbiger wird, in dem wir uns dem Gegenstand selbst zeitlich annàherne!). Die Erklärung für diese Tatsache und damit zugleich für das Mißtrauen gegenüber den späteren Doxographen oder vielmehr Biographen erklärt sich aus den geistigen Strömungen der hellenistischen Zeit. Der Pythagoreismus der alten Form war mit der Katastrophe des Bundes um die Mitte des 5. Jahrhunderts erloschen, aber als Form des religiösen Lebens — verknüpft mit einer mehr mystischen Art pseudowissen ckEntwi der uf Verla im ; weiter schaftlicher Forschung — lebte er vyleiay Thy TOU siBous Siapovtyy, vocov Thv TOUTOU pBopév: Galeras lung ging er eine Verbindung mit den immer mehr zur Geltung kommenden orphisch-dionysischen Mysterienkulten ein, nahm auch Elemente der platonischen, aristotelischen und stoischen Lehre in sich auf, um gegen Ende der alten Zeitrechnung als Neupythagoreismus zu neuer Bedeutung zu gelangen. Um diese Zeit entstanden wahrscheinlich die Xpuoä "Emn und, vielleicht durch des Königs Jabas II. Streben nach dem Besitz pythagoreischer Bücher veranlaßt, die Erweiterung und Neuabfassung der etwa Ende der Zeit des Aristoteles vorhandenen Pythagoras- bzw. der Harmonie durch Uberhandnehmen bzw. Mangel einer der sprechend vor allem die »Vorschriften für das pythagoreische Buvées: »Pythagoras behauptet, Krankheiten des Körpers treten Leben« umfaßte. sind an den Leiden, und daß alle Krankheiten und Schmerzen de Korpers die Erzeugnisse der Ausschweifungen sind «. Weniger giinstig ist unsere Lage, wenn wir fir die rein deduktiv gewonnene Vorstellung von Gesundheit und Krankheit doxographische Belegstellen suchen. Wir haben zwar mehrere, aber leider nur solche, die sich durch Form und Inhalt selbst ala wen beweiskräftig stempeln. In einem bei Diogenes erhaltenen Pe telesfragment ?) heiBt es in Form einer regelrechten Definition: definiert den pythagoreischen Krankheitsbegriff als eine Stórun auf, weil der Körper zu warm oder zu kalt werde; denn das Warme ist es, was über das Maß hinausgeht, das zu Kalte dagegen das, was hinter dem Maß zuriickbleibt«?). Diese Bestimmung trifft nun a auch Elemente des bekannten alkmaionischen Krankheitsbegriffs und es ist eine langst gesicherte Feststellung, daB gerade im er schichtlichen Teil seiner Werke Galen oft recht unzuverlässige o weil unverstandene — Ansichten bringt; wenn ich solchen Stellen dennoch nicht jede Beweiskraft absprechen möchte, so geschieht das Pseudopythagorasliteratur, die der Eigenart der Bewegung ent- Was nun die pythagoreische Sicita im allgemeinen angeht, so haben wir schon bei Platon ein einwandfreies Zeugnis. Im »Staat«?) sagt er von Pythagoras, er habe ein Lebensideal hinterlassen, um dessentwillen er aufs höchste verehrt worden sei, und seine Anhänger wunterscheiden sich noch heute durch ihre pythagoreische Lebensweise deutlich von den übrigen Menschen«. DaB dieser Mudayóperos Tpdtros TOU Biou nicht einfach dem orphischen gleichgesetzt werden darf, wie z. B. Frank?) es tut, hat schon aus den mehrfach näher begründeten Überlegungen heraus. n pi ere. vit. Pyth. $ 218. “4 Über die Glaubwürdigkeit des Jambl. vel €, E., Die Quellen des Jambl. in s. Biographie d. Pyth. Kleine Schriften, - Bd. S. 102— 172, vor allem aber S. 105, 133f. und 156. ) Diog. L. VIII 35 (Vors.5 58 C 3). *) Gal. hist. phil. XIX 344 K. | 1) Zeller 15, S. 364. *) Rep. X 600 B. em Zeller® Frank, E.. Plato u. d. sog. Pythagoreer, S. 67 u. ü.; außerd vgl. auch 39; S. 1928. Lpz. Philos. griech. d. Nestle, Grundriß d. Gesch. S. 83 ff. , Anfänge Burner, 567ff.; S. I°, Zeller 493; Brandis, a. a.

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Krische gezeigt'). Meine eigene Stellungnahme hierzu mag in den Fragen ihren Ausdruck finden: warum hatte der Pythagoreer der Orphik die Zahlenlehre entnommen — eine historisch vollkommen unhaltbare Auffassung?), wie sie z. B. Frank u.a. vertreten —, aber ihre Feste mit ihrem dionysischen Rausche abgelehnt? Warum verschmähte er die orphische Flöte und bevorzugte statt ihrer die apollinische Lyra, das Instrument der Harmonie mit ihren in bestimmter Anordnung und Größe nebeneinander gespannten Saiten? Wenn wir nun annehmen, daß diese »Vorschriften« sich bis in die hellenistische Zeit erhalten haben, so erscheint das durchaus nicht als eine Unmöglichkeit, da wir zahlreiche Parallelen haben, die die Perseverationstendenz solcher Anweisungen beweisen. Die »Zutaten« des Neupythagoreismus (und Neuplatonismus) sind aber verhältnismäßig leicht als Einflüsse der geänderten philosophischen und mystischen Anschauungsweisen ihrer Zeit zu erkennen, zumal sie alle es nicht vermögen, das punctum saliens, nämlich das »MaB«, die »Harmonie« zu verwischen. Am wichtigsten aber erscheint mir die Tatsache, daß es auch hier wieder möglich ist, auf deduktivem Wege aus der oben dargelegten Denkweise der Altpythagoreer den Sinn der Vorschriften für die Erhaltung der Gesundheit zu rekonstruieren. Alaıra bezeichnet ganz allgemein die Lebensweise eines Menschen, dann aber auch die Anordnung dazu, und zwar in ethischer und physischer Hinsicht. Wenn nun der ápibuós als der dem Wert und der Funktion nach schärfste Gegensatz zur ungeformten Materie durch sein Gesetz wie ein &pywv die stofflichen Bestandteile des Körpers verknüpft und beherrscht, dann ist es notwendig, alles zu tun, was ihn in dieser Herrschaft unterstützen kann. Das Gesetz der Zahl aber ist das Maß, das ordnend die Ältere Literatur zu dieser Frage: Joh. Schilter, Diss. de disciplina pythagorica. Jena 1676; Chr. G. Jöscher, Vompyth. Bunde. Altenburg 1797; G. von Wedekind, Der pyth. Orden. Lpz. 1819 u. Krische, De societatis a Pythagora urbe in Crotoniatarum conditae scopo politico commentatio. Göttingen 1830. 1) a.2.0,, S. 33ff. 2) Denn von solcher Tatsache wissen wir in unserer glaubhaften Uberlieferung nicht nur nicht das Geringste, sondern wir wissen vielmehr positiv absolut sicher, daß kein anderer als Pythagoras selber der Begründer (der »Erfinder« sozusagen) der Zahlenlehre ist, während in der alten Orphik keine Spur davon vorhanden ist. Harmonie, Symmetrie der Bestandteile schafft und damit die S n in die die Gegensätze in harmonischem Klange zu halten«, ci stimmen; deshalb ist es notwendig, »Maß pérpo v stören, ie und Seele vor allem zu bewahren, was das &puovia lösen könnte; und in der Tat ist das zuyóv hi nisil ener e der wichtigste Merkspruch, der als häufig ausgesproc chri Vors nen scheint!), noch haufiger aber den allgemei ich, wie vonxasa cn grunde gelegen haben muß. Man spürt förml n sun: S si Grundsatzen, die man nicht besser charakterisiere enthu snaturphilosophischer Schau empirisch gegebener en 5 i r wi aufbauend auf metaphysischen, oder wenn man au A le pal sophischen Begriffen — noch eine andere Wirkung eht: nämlicl = > wicklung der wissenschaftlichen Medizin ausg e = regung — und zugleich die Möglichkeit — zu ebei a e obachtung und Deutung. Das wird noch deutlicher o“ auch n sprechung einzelner doxographischer Berichte, die, wenn o e als durchweg als schlüssige Beweise, ta doch u dle root Diatetik ist gut psp hauungen zu dienen vermogen. | es sel die, uri siert in der Bemerkung des Porphyrius, an einer oe sche a wie Pythagoras gewesen, »daß der Körper, e«?). Jamblichos ericnte y: gemessen, stets denselben Zustand wahrder Heilkunst m ud »Von den (verschiedenen) Formen sorgfältig, un ‚ne =. am besten die Diätetik und seien darin sehr zeic ss des suchten zuerst, Einsicht zu gewinnen in die Kennaber ur der richtigen Verhältnisses zwischen Trank und Speise, SER N De Erholung. Sodann hätten sie es so ziemlich als erste r tr züglich der Zubereitung der zu genieBenden a An an erer n.« läuterungen und praktische Bestimmungen zu gebeia mare À Stelle bezeichnet er es als eine auf Apollo und usehen, wie BAUR führende émothyn »zu erkennen und neinz müsse und in welche Speisen man zur Ernährung verwende . e der i e p en rtig dena chie vers der luB Einf ue ehe nt man untersucht zu haben. Für das beste hielt m Speisen schei P. 42 (Vors. 1) Jambl. Protrept. 21: Suidas s. v. *Ava£ipavápos. Porphyr. V. & r 58 C 6); Diog. L. VIII 17. 35. P. $r. hy 2) PorpV. : Jambi. V. P. 163 (Vors.* 58D1). © Jambl. V P. 208 (Vors. 58 D 8)

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es, die Nahrungsmittel ungekocht zu genießen, — beachtenswert ist der Gegensatz zu den Anschauungen des Aristoteles, des Diokles von Karystos u.a., die die Einwirkung des Feuers als eine Unterstützung der Pepsis, bzw. des Euputov 8epuév hielten. Jedenfalls scheint man das Kochen der Speisen wenigstens im allgemeinen vermieden zu haben, »... indem man sich mit ungekochter Nahrung ... zufrieden gab«!). Diodor?) berichtet, daß Pythagoras viele überredete, &mUpois oiriois xpñodor Kal USporrociais; vielleicht, weil durch das Kochen das natürliche elSos zerstört wurde? Dem würde allerdings widersprechen, daß man doch gebackenes Brot regelmäßig zu nehmen pflegte. Aristoxenos, dessen Berichte aber als tendenziös gefärbt anzusehen sind, gibt als Begründung an: das werde dem Körper zur Gesundheit, dem Geist aber zur Schärfe verhelfen®). Am wahrscheinlichsten scheint mir jedoch zu sein und auch ganz in der Richtung ihres Strebens nach Weisheit, Erkenntnis, Loslösung vom Irdischen liegend, daß man Abwendung der Gedanken und Zeitvergeudung und damit indirekt Störung der seelischen Harmonie vermeiden wollte. Die Übereinstimmung der Berichte über die Einfachheit der Lebensweise muß im gleichen Sinne gewertet werden. Porphyrius berichtet uns, daß das Frühstück aus Honigwaben oder Honig bestand‘). vAls Frühstück nahmen sie Weizenbrot und Honig oder Honigseim«, sagt Jamblichos*) und von Pythagoras erzählt Aristoxenos: »Er selbst aber begniigte sich, wie einige sagen, mit Honig oder Honigwaben oder Brot«*). »Wein habe er (Pythagoras) bei Tage nicht genossen, seine Zukost bestand meist aus gekochtem oder rohem Kohl, nur ausnahmsweise aus Seefischen«?). Das 1) Diog. L. VIII 13; Haußleiter, Religionsgeschichtl. Vers. u. Vorarb. 24, 1935, S. 98 nimmt allerdings — wie Mewaldt — als Quelle Platons »Timaiose an, den vielleicht Aristoxenos ausschrieb. 2) Diodor. X 7 (Rez. Vogel, Bd. 2, 198). 2) Diog. L. VIII 13. ' 4) Porphyr. V. P. $ 34. 5) Jambl. V. P. $ 97. Nichttrinken des Weines wohl vor allem deswegen, weil er das seelische Gleichgewicht stört, indem er tà Tñs yuxfis Tréôn hervorruft, z. B. die »Raserei«, die von den Alten unter die Geisteskrankheiten gerechnet wurde. Daß jedoch nicht ein völliges Alkoholverbot bestand, zeigt Jamblichos!): »Sie genossen (bei der Hauptmahlzeit) Wein, Gerstenbrot, Weizenbrot, Zukost und gekochtes und rohes Gemüse. Es wurde das Fleisch von opferbaren Tieren vorgesetzt, Seefische als Zukost aßen sie nur zuweilen. « FürS das Letztere gibt Plutarch zwei Gründe an: einmal HEÄETN ¿vexev TOU Sikalou Kai ovvnieias, »da die anderen Tiere irgendwie dem Menschen Grund zu ihrer Mißhandlung geben, die Fische uns aber in keiner Weise Unrecht zufiigen«?); zweitens aber sollten die Gefräßigkeit und Leckerhaftigkeit (als Leidenschaften, die die Harmonie stören) hintangehalten werden)?). Wenn in der Gemeinschaft der Pythagoreer eine Reihe von Speisevorschriften gleichzeitig auch religiös-symbolische Ant deutung erfahren haben, so braucht das den Medizinhistoriker nicht zu hindern, ihre Bedeutung für die medizin-theoretischen Ansichten herauszustellen, vor allem dann nicht, wenn die gemeinsame naturphilosophische Grundlage unzweifelhafi erkennbar ist. Alles, was sich als Leidenschaft weckend und Harmonie störend erwies, galt eben auch als gegen das auf diese Weise erkannte Gesetz der Gottheit verstoßend 4). Dieser Gedanke hat auch wohl bei der Aufstellung der Sícata für Gesunde eine höchst wichtige Rott gespielt (Fleisch, Wein, üppige Nahrung) 5). Als charakteristisc § 107, § 69, § 188, 226, 13, Philostr. v. Apoll. I 8: Diog. L. VIII 13; DE 38; gegen das Weinverbot sprechen indirekt: Jambl. § 97 und Athen. X 419 A. 1) Jambl. § 98. 2) Plut. Quaest. conv. VIII 8 p. 729 E. | i Man sel. bine Jambl. V. P. § 209 (Vors.* 58 D 8); Ocellus Lucan. § 9; álterer Literatur über die diätetischen Lehren ee Vel.tent. V. P. $209. An erwähnenswert: Lago, Andreas, De 3) à. a. O., 730 B. *) Diog. L. VIII 19. — Eine Zusammenstellung der einzelnen Speisevorschriften mit einer allerdings unvollständigen Begründung findet man bei J. F. der Pythagoreer ist folgendes re. vendi scholae italicae. Aboae 1823; Odoardi, G., Risposta alla lettera de vue soli di rico Pythago vitto sul Discorso G., , Zullatti. Trient 1752; Bianchi Weidler, Diss. de legibus cibariis et vestiariis Pythagorae earumque causis. Jenae 1711. sonders die Fragen des Fleischgenusses behandeln Pujati, G. A., Riflessioni È 7) Diog. L. VIII 19: Porphyr. § 34: »Die Hauptmahlzeit bestand aus Hirsebrot und gekochten und rohen Gemüsen, selten aber aus Fleisch von opferbaren Schlachttieren, und zwar auch nicht von jedem Teil«. Vgl. auch Jambi. V. P. tabili per conservare la sanità e per cura di alcune malatti, Florenz 17435 + vitto Pitagorico. Feltre 1751: A. G. Heshusii, De dogmate one e abstinentia carnium. Diss. Leipzig 1668. — Zu der Lehre von der Diat es ico per Pythagoras im allgemeinen schreibt Antonio Cocchi. Del vitto pitagor

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für die medizinische Motivierung der pythagoreischen Diatetik mag der Bericht des Arztes Androkydes!) nach dem Pythagoras angeführt werden, alle blähenden und beunruhigenden Speisen verbot, dagegen die entgegengesetzten empfahl und das zu gebrauchen anriet, was den richtigen Körperzustand hervorbringt und erhält, und daß er deshalb die Hirse für geeignet für die Nahrung hielt?). Diese Überlieferung fügt sich sehr gut den übrigen Aussagen über die Pythagoreer ein. Großer Wert wird gelegt auf die Erzeugung bzw. Bewahrung der seelischen Haltung, die die Erhaltung der Harmonie verbürgt. Die ganze Lebensweise, Nahrungszubereitung, Nahrungsaufnahme, Arbeit, Ruhe, selbst die Gedanken und die gesprochenen Worte stehen in ihrem Dienste. Das Ideal vollendeter Harmonie sehen die Pythagoreer in der gleichmäßigen und immerwahrenden Gesundheit von Körper und Seele. Störung der Harmonie des usu della medicina. Firenze 1743, S.27: »La preferenza poiché la medicina de’ Pitagorici dava al regolamento del vitto sopra tutti gli altri remedi, fa molto stimare la lovo sagicita, a chiunque sa con quante tediose esperienze s’arriva al fine a quella nobile incredulta sulla virtü delle droghe, che mol distinguere alcuni pochi medici da molti e volgaris. Er schreibt ihm dann (S. 28) die Erfindung »des mächtigsten, sichersten und universellsten Medikamentes zu, das menschlicher Fleiß je erfunden hat, das unglücklicherweise Jahrhunderte lang verschollen war und in unserem glücklichen Jahrhundert wieder in die philosophische Medizin eingeführt wurde.+ Bezl. der Milchdiät verweist er auf die Untersuchungen von Greisel, De cura lactis arthritide. Wien 1670. S. 179, das mir leider nicht zugänglich war. Übrigens bringt auch Cocchi Philosophie, Medizin und überhaupt alle damaligen Wissenschaften in innigen Zusammenhang, wenn er schreibt: »Fu gran fisico ed astronomo e seppe anco l’istoria naturale e la medicina, la quale non è altro che un resultato di varie notizie scientifiche conginute colla communale prudenza« (S. 9) und er sagt treffend S. 10: »Questa reflessione doveva render più canti quegli nomini per altro ingegnosi che trattarono gli ammaestramenti di Pitagora col nome di sogni e di follie.« 1) Zur Zeit Alex. d. Großen (vgl. Vors.5 I 465 A. zu 24). 2) Jambl. V. P. S. 106. Vielleicht liegt in dieser Vorstellung auch die natürlichste Erklärung für das Bohnenverbot, sie »beobachteten ja die Wirkungen der Speisen und Pflanzen aufs genaueste«; über das Bohnenverbot berichten: Diog. L. VIII 34 ff. (Vors,5 58 C 3) u. Diog. L. VIII, 40; Plin. hist. nat. XVIII 118; Herakleides Pontikos bei Joh. Lydus de mens. IV 42 S. 99 Wiinsch; Androkydes bei Jambi. V. P. $ 109; Suid. 43 (Vors.® 58 C 6); s. hierzu auch Vors.5 I 101, 16ff. u. a. Die Deutung war schon bei den Alten strittig: s. den interessanten Bericht bei Gellius noct. Att. IV 11,9 (Vors.5 31 B 141): Krische, Untersuchungen, S. 35 deutet das Verbot symbolisch. einen Teils bedeutete zugleich die des anderen, und Sorge für die Gesundheit des Kôrpers bewirkte auch die der Seele und umgekehrt. Damit wird auch die oft vertretene Annahme widerlegt, die wohl auf die späteren Pythagoristen zutrifft, sie hätten die Körperpflege vernachlässigt. Jamblichos!) berichtet uns: »Gemäß diesem Studium wandten sie sich zur Körperpflege. Die meisten salbten sich und liefen, ein kleiner Teil übte sich in Gärten und Hainen im Ringkampf, wieder andere warfen Wuchtkolben oder übten ihre Hände, indem sie ‚sich bemühten, zur Kräftigung ihrer Körper die geeigneten Übungen auszuwählen.« Und an anderer Stelle?) gibt er als Bericht des Aristoxenos, daß die Pythagoreer strenge Leibesübungen empfahlen, die der Bezähmung der körperlichen Begierden dienten, und bei der Erziehung der Jugend Strapazen, körperliche Übungen und Abhärtungen für notwendig hielten). »Nicht die Richtschnur überschreiten«, hatten wir oben ‚schon als Kernpunkt angeführt. »Schnüre den Bettsack«‘) = sei stets bereit, oder sohne Befehl des Herrn verlasse deinen Posten nicht« — verübe nicht Selbstmord und ähnliche Aussprüche haben alle dieselbe Grundtendenz. Zu allem bereit, auf alles gefaßt sein, ist der Sinn all dieser Sprüche und ihr Ziel Harmonie. Harmonie ist aber nicht nur Erzeugnis der genormten Lebensweise, sie zeugt auch selber Symmetrie, wie eine angeschlagene Saite die ıhr verwandten mitklingen läßt. — Daher die Bevorzugung der dorischen*) Musik und der harmonischen Lyra und ihrer Anwendung zur Besänftigung der Raserei, der Leidenschaften und gewisser Krankheiten. 1) Jamblich. $$ 96— 100. Harmonie gibt : magi wee bzw, ihrer Auswirkungen auf die er von der Nahrung 2 ‘ | Cocchi, a. a. O., S. 30, eine ähnliche Erklärung: nachdem des Pythagoras ausgeführt hat, daB sie in allem bestand, was vegetarisch, zart, weich, frisch ist und sehr wenig oder fast gar keiner Vorbereitung bedarf (Wurzeln, Blätter. Samen, Früchte), und daß seine Abstinenz sich vor allem auf das vom Tiere Stammende erstreckt habe, sagt er: »Er bevorzugte diese Nahrungsweise, um so die ersehnte Ruhe der Seele, der Säfte und der Gewohnheiten zu ge winnen und durch Mäßigkeit die schlechten Wünsche zurückzudrängen«. (Vors.* 58 C 6). . Protr. 21 pythagoreischen = hat rien, daß inedenenthalten 5 en a O., S. auch ist. aus dorischer Denkweis Gedankengängen manches

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Pythagoras soll die meisten seiner ñ@ixà Séyuata von einer delphischen Priesterin erhalten haben !), und man hat daraus gefolgert, seine Lehre sei ein Ausfluß orphischer Theomythie. Für mich ist es nur ein Beweis, daß Pythagoras sich auf dem Boden eines viel älteren Denkens bewegt, und daß man ihm, entgegen oft vertretener Ansicht, sehr wohl wenigstens die in vorstehenden Darlegungen aufgezeigten Grunalehren zuschreiben darf?). Sein Verdienst ist es, die Sprache verschwommener Mystik und uralte Volksweisheit in den neuen naturphilosophischen Vorstellungen zu klarerer Formung gebracht zu haben. Seine »Philosophie als Weisheitsstreben ist die Reinigung und Vollendung des Lebens, die höchste Musenkunst, der reinste Weihedienst, die wahre Heilkunst«, sagt Willmann?) treffend. Bezüglich der Begriffe Gesundheit und Krankheit haben wir, wie schon oben gesagt, keine einigermaßen zuverlässigen Berichte. Wir sind hier stärker als sonst auf Schlüsse angewiesen. Wir können zwar nicht annehmen, daß Pythagoras oder seine ältesten Schüler einen genauer definierten Begriff der »Physis« kannten. Wohl aber hatten sie eine Vorstellung vom vollkommenen, d. h. ethisch guten, medizinisch gesunden Menschen: es war der Mensch, dessen elöos (hier »Gestaltung«) vollkommen, d. h. der Mensch, in dem die Zahl, die Harmonie über die der Formung sich widersetzende Materie zur Herrschaft gekommen war. Der Begriff der Krankheit ergibt sich daraus von selbst, ebenso der der Heilung. Es galt, die ordnende und formende Tendenz der Zahl zu unterstützen, damit die Harmonie wiederhergestellt würde. Die verhältnismäßig wenigen Berichte über die Anwendung der Heilmittel, von denen ein großer Teil noch als Fälschungen gelten müssen, entsprechen dieser Auffassung: »Die Pythagoreer hätten mehr als ihre Vorgänger Salben und Umschläge angewandt; die Anwendung von Arzneimitteln schätzten sie weniger hoch; sie gebrauchten sie meistens (nur) bei Eiterungen; am wenigsten hielten sie vom Schneiden und Brennen; bei einigen Krankheiten wandten sie auch (bezaubernde?) Gesänge ana‘). Jedenfalls war man mit der Verwendung von Heilmitteln sehr sparsam; man nahm sie aus der ht Hand der Natur; deswegen legte man ja auch so groBes Gewic übern Speise auf die Erforschung der duv&peis der Pflanzen, der haupt und der Einwirkung von Warme und Kalte auf Gesunde der groBen Harmonie Musik?) als Ausdruck en~<a der ihre Verwendung als Mittel, die gestörte Harranke!). (s. oben) .entsprang ten monie wiederherzustellen, vor allem wohl bei Geisteskrankhei und in Zuständen der Raserei, zu denen auch die Trunkenheit ehen oreische Lehre, wenninwirderabzus asLi sich uns die pythag htBeric hen sprüc Wider n eiche et S. 317. wurde. vermögen von den zahlr und vor allem erstattung, die aber in dem hohen Alter dieser Lehre Richin dem starken Einfluß, den sie nach den verschiedensten als ein echt tungen ausgeübt hat, ihre natürliche Erklärung findet, rn dar, philosophisch-wissenschaftliches System wenigstens insofein ihrer als sie von einem einzigen Prinzip ausgehend die Welt System Mannigfaltigkeit zu erfassen versucht. Das pythagoreischen Wahrist zwar eigentlich erst mehr eine Sammlung von reale nkennehmungen und Spekulationen, von wissenschaftlichen Geda gangen und mystischen Anschauungen, aber es ist es unter einklicht heitlichem Gesichtspunkt. Die pythagoreische Lehre verwir ens übrig dieser was — ns*) Plato noch nicht den idealen Gedanken ktik Diale die durch auch selbst nicht vermocht hat —, daß man vom Bedingten zum Unbedingten, »zum Anfang aller Dinge« empor was steige, und, snachdem man dieses (Prinzip) ergriffen hat, das, man daß so e, steig herab n aus ihm folgt, durchdenkend zum letzte von nun, das Sinnenhafte überhaupt nicht mehr benutzend unießt«; Begriff zu Begriff fortschreitend mit (reinen) Begriffen abschl aber sie verwirklicht bis zu einem gewissen Grade das, was bei dem ist, genialen Leibniz immer nur ein grandioser Plan gebliebenvollder durch eine umfassende Kombinationsrechnung eine ffe und ständige Übersicht über alle überhaupt möglichen Begri behaupten: Begriffsbildungen herstellen wollte. Man darf sogar .V.P. $ 22; Jambl. V.P. $ 208. 4 = goras a ens schon vor Pytha h war übrig n M als A Ansche sophi philo natur e gelegt nde zugru g ndun ihrer Anwe 1) Diog. L. VIII 21 2) Vgl. auch Rohde, Psyche II, S. 168. *) Willmann, O., Gesch. d. Idealismus, Bd. I, 2. Aufl. Braunschweig 1907, | dagegen war die schauung: vgl. Rohde, Psyche II, S. 48f. 4) Jambl. V.P. $ 163; vgl. $ 244. 3) de rep. VI 511 B. Schumacher, Antike [

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die pythagoreische Lehre war auf einem Prinzip aufgebaut, das Leibniz in dieser allgemeinen Bedeutung nicht kannte, nämlich der metaphysischen »Zahl« als dem Prinzip, aus dem alles mit innerer Notwendigkeit hervorgegangen und aus dem alles zu begreifen ist. Gerade darin liegt auch der tiefste Grund für ihren EinfluB auf die Anfänge streng philosophischen Denkens, auf die späteren naturwissenschaftlichen Systeme und auf die Weiterentwicklung der theoretischen Medizin. an, daB die pythagoreische Lehre nicht ohne Einfluß auf ihn geblieben ist, lehnt es aber ab, in ihm einen Schüler des Pythagoras zu sehen, wie die meisten der Doxo- bzw. Biographen 1), »denn Aristoteles unterscheidet Alkmäon bestimmt von den Pythagoreern«?). Nestle aber sagt in einem Zusatz zu den Zellerschen Ausführungen: »Uber die nahen Beziehungen des Alkmäon zum Pythagoreismus kann kein Zweifel bestehen .. . Freilich zeigt er dabei eine groBe Selbständigkeit des Denkens, die aufs engste mit seinem medizinischen Wissen zusammenhángt«*). Wachtler i II. ALKMAION jaht die Abhängigkeit des Alkmaion von den Pythagoreern de 1. Die Gegensatzlehre. icovouia. GesundhÉit, Krankheit eine hypothetische sein, da die wenigen Fragmente und doxo- »Es enthält das Altertum die Anfänge und Wurzeln aller Disziplinen, die primitiven Begriffe und sozusagen die genauen Vorkenntnisse der Menschheit — die Anfänge sind gerade sehr wichtig —, in der Regel liegt in ihnen das Geistigste, die &pyn, das Prinzip, welches oft in der Folge verdunkelt wird, wenn man nicht wieder auf die Anfänge zurückgeht.« Mit diesen Worten A. Boeckhs!) schließt A. Kayserling seine Abhandlung über die Medizin Alkmaions von Kroton?). Wenn er in Umdeutung dieses Ausspruches des großen Philologen die medizinischen Anschauungen des Altertums, insbesondere auch den Hippokratismus auf seine früheren Wurzeln zurückverweist, kann man ihm nur zustimmen; wenn er aber in Alkmaion »den Ersten«®) sehen will, so zeigt er, daß er doch nicht bis auf »die Anfänge und Wurzeln aller Disziplinene zurückgegangen ist. Die Frage nach der Abhängigkeit von früheren Philosophen wird allerdings verschieden beantwortet‘). Zeller nimmt zwar 1) A. Boeckh, Enzyklopädie und Methodologie der philologischen Wissenschaften, Leipz. 1877, S. 32. *) Die Medizin Alcmaeons von Kroton (um 520 v. Chr.), Ztschr. f. klin. Medizin, Berlin 1901, S, 178. *) Damit folgt er allerdings dem Urteil seiner Zeit, die in Alkmaion den ersten Empiriker und damit den »Vater der Medizine erblickt: vgl. z.B. L. Philippson, ÜAn dvöpwtlun, Berlin 1831, S. 188: ... Alcmaconem fuisse patrem et anatomiae et physiologiae, a posterioribus propter Stagiritae gloriam maximam nimis neglectum ..., dem J. Sander, Alkmaion von Kroton, Wittenberg. Gymnas. Progr. 1893, S. 26 u.a. zustimmen. * Zur Literatur über Alkmaion vgl. Unna, M.A., De Alcmaeone Crotoniata ciusque fragmentis, quae supersunt, in Petersen Histor.-phil. Studien, Die Stellungnahme zu dieser Frage kann natúrlich immer nur 89h; GomHamburg 1832; Wachtler, De Alcmaeone Crotoniata.S.Leipz. Sage W 1597: 1928, 48, Wschr. Phil. perz, Zu Alkmaion frg. 1 Diels, bung cli Alkmaion von Kroton, Archeion 11, 1929. S.156ff. Zur Schrei die erklärt er 451; S. Namens s. Gomperz, Griech. Denker I, Anm. 122, Variationen des Namens als die verschiedenen dialektischen Formen. 596f. I*, S. n 18, S. = er meint Arist. Metaph. I, 5. 986 a 27. ungen hin: ı. = ff.) auf folgende Übereinstimm E > en (a. a. O., S. 83(contra ria), die nach beider Willen unbegrenzt sin 1) 3) IS, S. 602. | | Lehre von den Gegensätzen en; 2. die Isonomie und die beide in die Ordnung von je zwei Gegensätzen bracht gegenseitige Be: eine die durch reer, des Alkmaion und die Harmonic der Pythago e= Gen en hlossen eingesc Körper lichen kämpfung der im mensch nach Diog. werden soll; 3. die Unsterblichkeit der Secle; 4. folgende Einzelheiten: s geGehirn des n Tropfe L. VIII 28 hat auch Pythagoras den Samen fir einen , nach Dox. 417 a5 Blutes) des m Schau halten (nach Dox. 417 a 6 jedoch für Dox. ro hat auch der Samier gelehrt, daB die Frauen Samen ergieBen. NachWacht ler haben. verlegt Gehirn ins Prinzip das em auBerd soll der Samier . pressen zu nes einzel , fügt diesem allen jedoch hinzu, daB wir uns hiiten müßten wie die pae Zeit selben zur Daß Alkmaion in derselben Stadt und und u oe gelebt hat, daß er sogar an Brontinos, einen Verwandten sein Buch geschickt at, » Pythagoras (Diog. L. VIII 42, Jambl. V. P. 267) ten Tbe area“a gibt Wachtler die GewiBheit, daB die oben erwahndie ra mer a nicht zufällig sind. Es folgt dann eine Erörterung, ob ler sc ieBt ” maion oder dieser von den Pythagoreern abhangig sind. Wachtgri gi van zwar wir können ist, wahr beiden von »Was den Worten ab: ni cp wenn Aristoteles, der sein Buch gelesen hat, entscheiden, aber m ae daß A SchluBfolgerung bedienen darf, dann werden wir eher sagen, fora VI den von (sc. Lehre jene er da ist, von den Pythagoreern abhangig als O nicht ausführlich darlegt, sondern sie nur im Vorübergehen streift, 5)-* schon von anderen genauer entwickelt worden wäre (cf.

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wenn man von dem Gesamteindruck ausgeht, erkennt man, daB tativ zu sehen, und so seine eigene Theorie konzipiert haben, die durch die »Qualitäten« des »Süßen und Herben« usw. den Beruf das Ganze zwar ein in sich geschlossenes System dargestellt haben ihres Urhebers verrat. graphischen Berichte eine sichere Beweisführung nicht zulassen: muB, daB aber die Wurzeln verschieden sind. Zeller weist z. B. mit Recht auf verschiedene astronomische, ethische und allgemeinephilosophische Ansichten hin, die den pythagoreischen nahe verwandt sind’); andererseits aber läßt sich die bestimmte Eigenart seiner Gegensatzpaare gegenüber den pythagoreischen nicht verkennen; letztere, z. B. Unbegrenztes — Begrenzendes, Einheit — Vielheit, Männliches — Weibliches, sind Koordinationen mit je zwei korrelaten Begriffen, während die alkmaionischen solche mit einander konträren Begriffen darstellen; allerdings darf man aber nicht übersehen, daß die aristotelische Gegensatztafel der Pythagoreer wahrscheinlich erst lange nach Alkmaion aufgestellt worden ist und daß die bei dem Krotoniaten genannten Gegensätze nur tuyovoa sind, die Aristoteles beispielhaft anführt. Der Unterschied ist allerdings nicht groß: die Gegensätze sind bei beiden als Prinzipien des Seins zu fassen, insofern sie in ihrem Zusammenwirken ein Drittes bilden. Es gibt wohl noch einen anderen Unterschied in den beiden Gegensatzreihen: bei den einen steht immer, aufbauend auf dem Prinzip des Begrenzenden, Mánnlichen, das Beherrschende und Formbildende dem Begrenzten, Weiblichen, Beherrschten gegenüber, bei dem anderen sind beide durchaus gleich: der pythagoreischen povapxía (nämlich der Zahl = Prinzip der Formung über den Stoff) steht die alkmaionische {oovopia der Qualitäten gegenüber. Die Verschiedenheiten der beiden Vorstellungen erfordern noch ein anderes Moment, das die Auffassung Alkmaions beeinflußte; ich sehe dieses in den Lehren der Ionier und zwar vor allem in der des Anaximander; auch bei diesem gibt es den Gegensatz der Qualitäten und auch bei ihm schon ein »streng geometrisches Weltbild« Wir wissen allerdings nichts davon, daß auch er schon die Qualitäten in einem zahlenmäßig bestimmten Verhältnis gesehen hatte, und es ist das auch unwahrscheinlich. Von seiner Lehre konnte Alkmaion sehr wohl erfahren haben, sogar auf dem Wege über Pythagoras selbst. Von diesem oder auch seinen pythagoreischen Freunden, die durch den Eingang seiner Schrift gleichsam urkundlich bezeugt werden, mag er die Fähigkeit gelernt haben, das Qualitative auch quantici) 16, Ss. 597 ff. Denn Alkmaion war Arzt und zwar in der medizinischen Metropole GroB-Griechenlands, die Herodot als die berühmteste und bekannteste bezeichnet hat; wir kennen aus der alkmaionischen Zeit zwar einige berihmte Namen, wissen aber nichts über die theoretischen Ansichten, die dort vertreten wurden und die den »Krotoniaten« beeinflußt haben können. Nur eines können wir für diese Zeit der Entfaltung der jungen ärztlichen Wissenschaft behaupten: was er als Arzt und was er von Pythagoras und seiner Schule als Philosoph aufgenommen hatte, drängte zur Entfaltung, zur Kombination und schließlich zu einer neuen, alles Physische und Psychische bis in die Einzelheiten umfassenden Lehre. Für Pythagoras waren Mikro- und Makrokosmos in gleicher Weise Gegenstand der Untersuchung, für ihn wurde in erster Linie der Mensch, den er von denselben Gesetzen beherrscht sah, wie den Makrokosmos, Objekt seiner wissenschaftlichen Forschung. Mit seinem geistigen Auge sieht er den Makrokosmos, den gestirnten Himmel über sich und die Natur um sich, und von denselben Gesetzen, die dort alles beherrschen, sieht er den Menschen beherrscht, und was dort Dynamik und Statik ist, sieht er im menschlichen Leibe als Funktion und Struktur; er sieht den Kampf der gegensätzlichen Kräfte in der Natur, den Kampf zwischen Hell und Dunkel, Warm und Kalt (Winter und Sommer), Feucht und Trocken (Regen und Sonnenschein) und erkennt, wenn die »Entgegengesetztheiten« einander gleich sind, dann zeugen sie Leben und Fruchtbarkeit, wenn aber eine überwiegt und obsiegt, Katastrophe und Tod; und er sieht dasselbe sich im Staatsleben der Völker vollziehen und mit einem großartigen Analogieschluß auch im menschlichen Körper und konzipiert so die Lehre von der loovouia der tvavriórntes, die Gesundheit bedeutet und von der uovapyfa der einen Kraft, die als Krankheit sich auswirkt. Leider haben wir bzgl. der Begriffe »Gesundheit« und »Krankheit« nur ein Dokument, das uns Aetius?) überliefert hat: »Alkmaion (behauptet), die ständige toovoula TÓv Suvapewv (nämlich) des Feuchten und Trockenen, des Kalten und Warmen, des Süßen . 1; Dox. 442; Vors.* 24 B 4.

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und Bitteren, und der iibrigen (einander entgegengesetz ten Dinge) bedeute die Gesundheit; die Hovapyxia unter ihnen (= einer der Suváyeis unter ihnen) verursache Krankheit; denn die Vorherrschaft einer der beiden (entgegengesetzten Dinge) sei verderblich und Krankheit entstehe, wenn, was den Ursprung betreffe, oder Warme überwiege, was aber ihren AnlaB Kalte betreffe, infolge von Übermaß an Nahrung!) oder (deren) Mangel, was (der Krankheit) angehe, so wiirden entweder Blut aber den Sitz oder Mark oder Gehirn betroffen. Zuweilen entständen Krank heiten jedoch aus äußeren Ursachen, durch die Beschaffenheit der Wässer oder der Örtlichkeit, oder Überanstrengung oder Gewalt?) oder dergleichen. Gesundheit dagegen sei die symmetrische Qualitäten.« Mischung der Dieses Fragment ist am besten geeignet, die philoso phische Begründung der alkmaionischen Medizin aufzuzeigen, doch müssen Arzten nicht gebräuchlich waren. In der Tat kommt das Wort ioovonia, soweit ich selbst feststellen konnte, in der einschlägigen Bedeutung nur noch in Platons Timaios vor, so daß dieser Begriff und sein Gegensatz povapxia, die in diesem Fragment die wichtigsten sind, als spezifisch alkmaionisch angesehen werden dürfen. Ohne in den »Kampf, der nun schon über tausend Jahre dauert«, wie Codellas sagt"), eingreifen zu wollen möchte ich sagen, daß ich gemäß den in der Einleitung erwähnten Grundsätzen auch bei diesem Fragment keine Bedenken habe, es, wenn auch nicht der Form, so doch dem Inhalt nach, als die richtige Wiedergabe der alkmaionischen Gesundheits- und Krankheitslehre und ihrer Begründung in der loovouia der Gegensätze anzusehen. Eine wenn auch schwache Bestätigung dieser Gegensatzlehre Graeci, $.223: miserrime inversum est Alcmaeonis de sanitate placitum V 30, 1, ubi Peripatetica de quattuor causis doctrina Stoigibt uns ja die bekannte Aristoteles-Stelle?); nach Aufzählung der zehn Gegensatzpaare der Pythagoreer sagt er: Ovirep tpòrov tome kal "AAkpalwv è Kpotwviétns trroAaPelv... pnoi yap elvan SUO TÀ TOMA TOV dvOpwtTrivwv, Aéyov Tas EvavTioTHTas OUX &oTrep ovo: Giwpiouévas, KAMA Tas TUXOÚTAS, olov AcuKov pédov, yAuxú Tikpév, é&yatov kaxóv, uixpòv péya. Aus dieser Stelle des Aristoteles — in der übrigens das ¿oie in seiner Tragweite zu beachten ist — hat man nach dem Vorgang des Isokrates*) und corum trotois mire copulata est3). — Ähnlich drückt sich Wacht- Clemens Romanus‘) geschlossen, daß Alkmaion zwei Eleposse despero, mente als Urstoffe angenommen hat. Diesem Urteil liegt wieder die Verwechslung von »Urstoff«, »Element« und »Prinzip« zugrunde. Gilbert’) nimmt, gestützt auf Theophrast®), bei Alkmaion vier »Elemente« an und bezieht das So in der Aristoteles-Stelle auf Kälte und Wärme als das wichtigste Gegensatzpaar. Wer aber unbefangen pnoi yap elvan Bbo TÀ TOMA Tv Avdpwrivwv, Akyav Tas évavTiéTynTas . . . liest und dann die folgenden Gegensatzpaare, zuerst einige notwendige Feststellungen gemacht werden. Zunächst hinsichtlich der Echtheitsfrage. Diels, der das Fragme nt in seinen Vorsokratikern ohne besondere Bemerkung über Echtheit oder Unechtheit bringt, sagt in den Prolegomena zu seinen Doxogr ler?) aus: »Ipsius tamen Crotoniatae verba excerpi aphi cum hoc fragmentum non solum Stoicorum manibu s aperte tractatum, sed etiam pessime tractatum sit.« Es ist zunächs t sicher, daß Aetius die für den Medizinhistoriker so wichtige Mitteil ung aufeine für uns in diesem Fall gar nicht erwünschte Kiirze gebrach t hat; daß die »Überlieferung durch die Hand der Stoiker« aber etwa auch eine Verfalschung in ihrem Sinne bezeichne, méchte ich nicht annehmen. Wachtler selbst fügt dem oben angefüg ten Satz hinzu, daß er nicht abstreiten möchte, daß die Worte ioovouia und Hovapxía dem Alkmaion eigen sind, weil sie bei den anderen 1) Ich lese mit Diels aus Stob. 514 mAñ00s Tpogfis für olov, a. a. O., S. 77, aus Plut. übernahm, | Bacch. 552) für »Foltere — was Diels u.a, haben — ganz ungebräuchlich ist. *) Diels hat jedoch diese im Jahre 1879 geäußerte Meinung augenscheinlich ebensowenig Kranz. tì a.a.O., S. 77. 1) Godellas, Pan S., Alcmaeon of Croton, his Life, Work and Fragments. Proc. Roy. Soc. Med. 25, 1932, S. 1041. 2) Arist. Metaph. 986 a 27; vgl. J.Wachtler, a. a. O., S. 1—7, der diese das Wachtler *) Ich übersetze »Gewalte, weil der Singular von &véykn (außer in Eur. später aufgegeben, denn in seinen sVorsokratikerne in denen Warme und Kälte gar nicht erwahnt sind, dann auch sagt er hiervon kein Wort und Stelle ausführlich behandelt, allerdings nur, um die Frage der Zugehörigkeit zur pythagoreischen Schule zu erörtern; auch Zeller If, 5. 599 und 6ooff. führt diese Stelle nur zu diesem Zwecke an. 2) Isokrates XV 268. 4) Clem. XIII 15. $) Gilbert, Meteor. Theor., S, 83f. $) Theophr. de sens. $ 25.

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noch weiter rape pév ov ToUTwV dugpoiv rocoUTOv EoTi Aapeiv, STI tévavtia ápxal Tv Svrov findet, dem kann es nicht zweifelhaft sein, daß Aristoteles mit So nichts anderes als das Prinzip des Gegensatzes, ausgedrückt durch je zwei einander konträre Begriffe, gemeint hat. Alkmaion hat wohl tatsächlich Feuer, Wasser, Erde, Luft als Aufbaustoffe des Körpers, wie der Welt überhaupt, gekannt, aber er vernachlässigt in echt pythagoreischer Anschauungsweise den Stoff gegenüber dem philosophischen Prinzip, das bei ihm wie bei den Pythagoreern das des Gegensatzes ist. Damit ist aber auch die Lehre des Alkmaion in ihrem wichtigsten Fragment als auf naturphilosophischer Grundlage angelegt dargetan. Unbegrenzt an Zahl bedeuten die Enantiosen in der Gesamtschöpfung den Makrokosmos, im Völkerleben den Staat und beim Menschen Kraft und Gesundheit, und überall bewirkt das Vorherrschen eines von ihnen Untergang, Verderben, Krankheit?). So sind also auch die in unserem Fragment erwähnten Gegensatzpaare keineswegs sunsere üblichen Elemente«, wie ja auch schon aus dem dritten Gegensatzpaar Süß—Bitter und noch mehr aus dem Kal té&v Aoımöv hervorgeht?) und deswegen auch keine stoischen Hinzufügungen. Ebensowenig liegt aber auch in diesem Fragment die Lehre von den svier Sáften«?): weder von der Vierzahl noch von Säften ist die Rede, noch viel weniger von deren Metastasen). 1) Ich sehe auch hier Anklänge an Anaximander, dessen Qualitäten einander überwinden und dann notwendig im Apeiron wieder untergehen. 2) Fredrich, Untersuchungen, S. 33 weist darauf hin, daß sich dieses kai röv Aocımöv ergänzen läßt aus mepi &py. intp., dessen Verfasser hier und in anderer Beziehung dem Alkmaion folgt. In Kapitel 14 (I 602 L.) werden das Salzige, Bittere, Süße, Saure, Herbe, Fade Kai &AAa nupla, tavtolas 5uváuras ExovTa TAN Te Kal loxúv als Bestandteile des menschlichen Körpers hingestellt. 3) wie u.a. Wachtler annimmt, wenn er in seiner Untersuchung S. 82 schreibt: »Quod si verum, non gravabimur patrem medicinae graecae Alcmaconem nominare utpote a quo non sucorum modo doctrina petenda sit, quam longe plurimi medicorum aliter alii secuti sunt, sed etiam aequae temperaturae, quam omnes. ..4 4) J. van Wageningen, De quattuor temperamentis, Mnemos. N. S. 46, 1918, S. 374ff. sagt, wohl mit Bezug auf den letzten Satz unseres Fragmentes: Thy Sè Uyielav Thy oÚúuperpov Tv mor@v kpäcıv, er habe, sso viel wir wissen, als erster bzgl. der Mischung der Eigenschaften das Wort kpäoıs angewandt, was die Römer mit temperamentum (= richtige Mischung. rechtes Verhältnis) ausdrücktene. — Bei diesem Wort sehe ich jedoch nicht nur sprachlich, sondern auch sachlich stoischen Einfluß; ein sicheres Urteil wird man aber nicht fällen können, da alle Vergleichsstellen fehlen. 2. Analogieschluß. Physiologie Auch die übrigen Ansichten, die uns als Resultate seiner Forschungsarbeit überliefert sind, zeigen durchweg naturphilosophische Grundlage. Leider gilt auch von ihnen, was schon in der Einleitung gesagt wurde, nämlich daß sie mehr die Resultate als deren Werdegang bringen; aber sie zeigen doch, daß Alkmaion dem programmatischen Satze, der uns als Einleitung zu seiner Schrift überliefert ist’), treu blieb: ». . . über das Unsichtbare wie über das Irdische?) haben Gewißheit die Götter, uns aber als Menschen ist nur das Erschließen (Texuaipeodaı) gestattet«. Dieses teKuaipeodai seiner Forschungsmethode war wie die unten angeführten Beispiele der Analogie-SchluB?) — oder vielleicht richtiger das Analogie-Sehen—, den er ebenso vom Tier oder der Pflanze zum Menschen, als auch vom Makrokosmos zum Mikrokosmos gezogen hat. Dieser Analogie- Schluß brachte einerseits das Moment der Empirie und andererseits deren gedankliche Bearbeitung nach bestimmten (naturphilosophischen) Gesichtspunkten. Im folgenden führe ich eine Reihe von Beispielen an, für deren genaue Besprechung im einzelnen ich auf Wachtler verweise. Die Säugetiere ernähren sich nach dem Verlassen des Mutterleibes durch die Milch: also, folgert er, muß es bei den kleinen Vögeln etwas Ähnliches geben; aus der weißen Farbe der Milch sschlieBte er, daß ihr das Weiße im Ei entsprechen müsse, während merkwürdigerweise der »realistische« Aristoteles‘) die eigenartige Ansicht vertritt, das Gelbe (td dypdv) sei die Nahrung: »Denn den Lebendgeborenen wird in einem anderen Teile, den Brüsten, die Nahrung bereitet, die Milch; für die Vögel aber wae AS ' du Mi Be ict ied arh das Geg ent eil HILOLOGISCHE WOCHEN P SCHRIFT. pra, J.. Ant ike soph ice Grundl = + Medizin I: Dic nat urphiloagen der Medizin me M8. à 30. [7. Februar 1942.) > der griechi- 40: Neue Jah ry. 4 (116) 194 1 Umfassende Ken ntnis der Mat erje ind selbetändiges Urteil ’ ribmt. ‘die Abschn itte die Pythagoreer und Alk vollsten' maion erscheinen am wer ne H. Oppermann. t.