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Das Erwachen
des kritischen Bewußtseins
bei den Griechen
als Modell der Konstituierung des rationalen
menschlichen Bewußtseins
Zur Gestalt des Pythagoras
Gerade die absonderlichsten und rätselhaftesten Überlieferungselemente der Pythagoraslegende,
die die spätere
pythagoreische Tradition zu verdrängen und umzudeuten versucht,
weisen auf Pythagoras
"Hyperboreischer Apollon"
sei
einst Aithalides,
mes habe
er die Gabe
selbst:
galt;
Daß er in Kroton als
daß er erzählt habe,
der Sohn des Hermes gewesen;
erhalten,
sein Gedächtnis zu behalten;
über Leben und Tod hinaus
die Lehre von den verschiedenen Einkörperungen der Seele,
an die er sich durch eine
über Menschenmaß hinausgehende Weisheit erinnerte;
Fähigkeit,
wegung
die kosmische Musik zu
der Himmelskörper entstehe;
ter den Zuschauern aufstand,
seiner Schenkel
golden war
Mysterienzusammenhánge...
Dazu
fügt
sich,
sich gesammelt habe,
daß
er
von Herhabe
hören,
als
die bei
seine
der Beer in Olympia unsich gezeigt,
daß einer
- vermutlich ein Hinweis auf
90)
er einen Kreis von Jüngern um
der nach strenger Lebensregel und
kultischem Reinheitsgebot als religiöse Sekte lebte,
aber
90) Eine umfassende Darstellung bei Burkert a.0., S. 112ff.
Vgl.
auch Gigon,
Ursprung,
Page 2
View in PDF(opens in a new window)auch als aristokratischer politischer Klub. Schon Herodot (II 81) prägt das Adjektiv "Ilutaydperog" zur Kenndas
zeichnung eines gemeinsamen Lebensentwurfes und -verständnisses innerhalb eines kultisch gebundenen Kreises, In
keit
den Mittelpunkt religiöser Ergriffenheit tritt bei den
Pythagoreern das Schicksal der menschlichen Seele, eine
Perspektive, die wahrscheinlich auch die Aufnahme von Frauen in ihren Kreis ermöglichte, 2)
Ja man könnte
253
sagen,
-
die Gestalt des Pythagoras
notwendige Komplement des Weges
für deren Wirkung in die
sie
Breite und beginnende Bedeutsamein unvergleichliches Symptom darstellt.
altpythagoreischen Akusmata
Gestalt zu einem Zeitpunkt, an dem der Mensch sich aufmacht, die Welt gerade in ibrer Natürlichkeit zu entdecken
und zu enträtseln, verwunderlich. Pythagoras' Lebenszeit
ist eine Epoche tiefgreifender sozialer und geistiger Umbrüche und Veränderungen. Die neuen Ufer sozialer Wirklichkeiten ebenso wie die verwirrenden Dimensionen, die das
einsetzende rationale Philosophieren eröffnet, bedeuten
auch den Verlust der Geborgenheit des Menschen in uralter
mythischer Tradition. In Pythagoras erhebt der Mythos noch
einmal gewaltig das Haupt in der Gestalt eines "Weisen",
der die verborgenen Zusammenhänge der Welt, die sich für
das rationale Denken je für je differenzierter und damit
auch untibersehbarer darstellen müssen, kraft einer gotttionalisierten und ihrer mythischen Mächtigkeit entkleideten Welt.
Pythagoreisches Schamanentum und jonische
91) VS 14 ("Pythagoras") A Ba.
92) "In der Gestalt des Pythagoras ragt ein Stück vorwissenschaftlicher Welteinheit hinein in eine Epoche, in
der die Griechen eben begannen, mit dem neu entdeckten
rationalen Denken sich die Welt verfügbar zu machen, die
Traditionen in Frage zu stellen, die überlieferten Zusammenhänge zu zerreißen. Mit einem Verlust an innerer
Sicherheit wird die neue Erkenntnis, die neue Freiheit
bezahlt, die Wege der weiter und weiter greifenden Ratio
führen auseinander ins Unendliche. Da erscheint die Gestalt des alten 'Weisen', der das einende Band noch zu
kennen schien, mehr und mehr in verklärtem Licht,”
(Burkert a.0., S. 456).
simultane Phänomene aufeinander
verwiesen wie Beginn der Neuzeit und Reformation,
rung und Empfindsamkeit,
Auch
das Aufleben der
rienkulte
kennen,
mus
"orphischen"
im Griechenland des 6.
wie
Strömungen und Myste-
Jahrhunderts gehört in
auch die Renaissance des
in hellenistischer Zeit
schen metaphysischen
zeit,
die
sich
sich
Bedürfnissen
östlicher
Aufklä-
Technokratie und Drogenszene.
das Gewebe dieses Gesamtzusammenhanges,
und es
sog.
ist zu er-
Neupythagoreisspeist aus
irrationalistieiner kulturellen
Spät-
Erlösungs- und Heilslehren als
narkotisierender Surrogate zum Aufbau einer Kontrastwelt
bedient.
Pythagoras als
einen weiterführenden Repräsentanten
der sich entwickelnden griechischen Philosophie zu deuten,
heißt einem Mißverständnis erliegen.
Die Symptomatik seines
gleichwohl bestehenden Zusammenhanges mit ihr zu verkennen,
würde
andererseits
einer unerlaubten Simplifikation geistesgeschichtlicher Entwicklungen gleichkommen,
ähnlichen Einsicht überschaut und den Menschen als tröstlichernsten Hintergrund ihres Lebens vermittelt. 92)
Die
sind gewissermaßen die photographischen Negative des Bildes einer fortschreitend raphysiologia sind ebenso als
Die verschiedensten Linien der Überlieferung weisen
alle in die gleiche Richtung eines mit übernatürlichen Kräften ausgestatteten Weisen, Hohepriesters, Propheten und
"Schamanen". Daß dies die historische Wirklichkeit der Figur des Pythagoras war, kann keinem Zweifel unterliegen.
Nur auf den ersten Blick ist das Auftauchen einer solchen
sei
in die Rationalität,
In begrenztem Umfang
ist
seine Lehre sogar,
wenn auch
nicht für die Entwicklung von Rationalität und Philosophie,
so doch
für den Komplex der menschlichen BewuBtseinsentwicklung von direkter Bedeutung.
gedankliche Ansätze,
wanderungslehre
Es handelt sich dabei um
die in der von ihm vertretenen Seelenliegen.
"Die ersten Vertreter dieser Lehre sind die Ägypter,
daß
nämlich die Seele des Menschen unsterblich sei und nach
dem Tod des Körpers in ein anderes, jeweils entstehendes
Lebewesen eintauche; wenn sie aber alle Lebewesen des Landes, des Meeres und der Luft durchlaufen habe, kehre sie
wieder in den entstehenden Körper eines Menschen ein, wobei sich ihr Umlauf in 3000 Jahren vollziehe. Dieser Lehre haben sich manche von den Griechen bedient, teils friiher,
teils
später,
so als wäre sie ihre eigene.
Ihre Namen
Page 3
View in PDF(opens in a new window)will ich,
254
255
-
-
obwohl sie mir bekannt sind, nicht niederthagoreischen Denkens manifestiert
schreiben."
sich in der einen
vor-individuellen Reflexionsstand des
(Pyth. A 1 = frg. 33 Bayer = Herodot II 123)
spiegelnden Vorstellung der
Bewußtseins wieder-
"Wanderung"
der Seele in verschiedenartige Lebensentitäten und Personen.
Die Seelenwanderungslehre ist ftir Pythagoras auch
anderweitig so gut bezeugt,
Gerade die
hier vorliegende Altertümlichkeit bot manchen Anlaß zum
Spott. 2°) 1n den groBen mythischen Bildern, in denen Platon
daß es keinem Zweifel unterliegt, daß Herodot an dieser Stelle ihn und Empedokles
gleichnishaft von Wesen und Bestimmung der Seele redet
meint.?? Auch wenn unverkennbar ist, daß die Vorstellung
(etwa im Er-Mythos, Politeia 614 Bff), erfolgt die Befreider Seele und ihrer verschiedenen Einkörperungen bei Pyung von der
thagoras noch Rudimente mythischer und vorrationaler Prolenvorstellung durch die Einsicht
venienz zeigt,” darf man doch nicht übersehen, daß in
individuell
noch
nicht
differenzierten Seein die
Einzigartigkeit der
individuellen Seele und ihre daraus nur fiir sie alder Lehre von der Unsterblichkeit und Unzerstörbarkeit
lein sich ergebende Verantwortlichkeit. 77
dieser Seele sich eine totale Wandlung des menschlichen
lich ist dies eine platonische Transposition der Gedanken
Selbstverständnisses ankündigt. Was bei Anaximenes, in
einem Vergleich, noch wie eine frühe Vorwegnahme aufleuchdes Pythagoras;
schlossen,
daß
bleibt
sie
Selbstverständsich einer solchen überhaupt erimmerhin
festzuhalten,
tet, muß sich aus der Annahme der Unsterblichkeit der Seele mit Entschiedenheit ergeben. "Die Seele gerät in einen
radikalen Gegensatz zum Leibe. Sie ist das vollkommene,
er
das gemeine. Mit Pythagoras tritt die Autonomie der Seele,
ihr Sein als Negation des Körpers und der Körperlichkeit
in das griechische Denken ein. "9’) Burkert geht sogar soin der Unvergänglichkeit der Seele bei Pythagoras
zu er"eine Präfiguration der Ontologie des Parmenides'
weit,
blicken (S. 112).
Die Innerlichkeit des Menschen als sein unzerstörbarer und damit eigentlicher Identitätspunkt - dies ist die
gedankliche Folgerung der späteren griechischen Philosophie,
wie sie sich namentlich im Denken des Sokrates ausprägt.
Aber auch für die Entwicklung eines individuellen menschlichen Bewußtseins wird die pythagoreische Seelenwanderungslehre zur Herausforderung: Der mythische Einschlag des py-
93) Zur Seelenwanderungslehre des Pythagoras vgl. allgemein
Burkert a.0., S. 9811 und Gigon, Ursprung, S. 132ff. Zu
Herodot II 123 speziell Burkert a.0., S. 103ff; dort
auch die Zurückweisung des "ägyptischen" Ursprungs der
Seelenwanderungslehre (mit Anm. 38).
94) Ausführlich diskutiert von Burkert a.0., S. 1091.
95) Gigon, Ursprung, S. 133. Vgl. auch Jaeger, Theologie,
S. 88-106 "pee Ursprung der Lehre von der Güttlichkeit der Seele").
6.3 Eine Wiedergabe pythagoreischer Lehre bei Aristoteles
",.Die
sogenannten Pythagoreer befaßten sich als erste mit
mathematischen Fragestellungen und führten diese voran, und
da sie in diese Problemstellungen hineinwuchsen, kamen sie
zur Auffassung, daß deren Prinzipien die Prinzipien aller
seienden Dinge darstellten. Da aber die Grundlagen der Mathematik naturgemäß die
Z ah 1 en
darstellen, sie aber
andererseits in den Zahlen viele mit den seienden und werdenden Dingen vergleichbare Züge zu erblicken vermeinten,
mehr als in Feuer und Erde und Wasser - weil z.B. eine bestimmte Zahlenerscheinung Gerechtigkeit, eine andere Seele
und Geist, eine weitere günstige Gelegenheit darstelle, und
gewissermaßen jede weitere entsprechend -, da sie fernerhin
das Zustandekommen der musikalischen Harmonien und ihre Verhältnisse auf Zahlen beruhend sahen, da also zusammengefaßt
einerseits alles übrige mit den Zahlen in einem Verhältnis
der Ebenbildlichkeit hinsichtlich seiner gesamten Wesensgestalt zu stehen schien, andererseits die Zahlen die anfänglichen Elemente der ganzen Natur seien, kamen sie zu der
Annahme, daß die Grundelemente der Zahlen die Grundelemente
96) Vgl. etwa die karikierende Darstellung bei Pythagoras!
jüngerem Zeitgenossen Xenophanes (VS 21 B 7).
97) Politeia 617 E 4f:
"aitla ÉAouévou- Seda dvaltioc"
Zur Dauer der Person und ihrer Verantwortlichkeit vgl.
auch Jaeger, Theologie, S. 101; zu kontrastierenden Bewußtseinsinhalten vgi. H. Fränkel, ESHMEPOL als Kennwort für die menschliche Natur. In: Wege und Formen frübgriech.
Denkens,
2. Aufl. München 1960,
Page 4
View in PDF(opens in a new window)aller Dinge seien und daß das gesamte Weltall Harmonie
und Zahl sei. Und alle Übereinstimmungen, die sie zwischen den Zahlen und Harmonien und den Phänomenen und
Teilen des Weltgebäudes und dessen Gesamtordnung aufzuzeigen vermochten, versuchten sie durch Beziehung aufeinander in ein System zu bringen".
(VS 58 B4 = frg. 33 Bayer = Met. A 5. 985b 23ff)
Philologischer Quellenkritik bleiben die Fragwürdigkeiten und Widersprüchlichkeiten in der Darstellung, die
Aristoteles von der Lehre der Pythagoreer gibt, nicht verborgen. Daß sich die Pythagoreer "als erste" mit Mathematik beschäftigt haben, ist mit Sicherheit unrichtig.?®)
Ebenso verhält es sich mit der Feststellung,
sie hätten
aus einer abstrakt-theoretischen Beschäftigung mit reiner
Mathematik ihre Zahlenlehre als Prinzipienlehre philoso-
Die
Zahl
ist
257
-
ihrem Wesen nach
ein Relationsund Formprinzip (daB sie so offensichtlich von den Pythagoreern
nicht verstanden wurde,
stellt
problem des Verständnisses
weist
tiber die Dinglichkeit
reich
der
platonischen
für Aristoteles
ihrer Lehre dar),
hinaus
Ideenzahl.
ein Hauptbzw.
sie
in den abstrakten
Fiir die
frtihen
Be-
Pythagoreer bestehen die "Ovotdpata" zwischen Zahl und Dingen
also
recht
deutlich
noch
in
der ganz
konkreten Ahnlichkeit
zwischen Dingen undyfigot -Figuren, mit denen sie die Zahlen veranschaulichten.
Erst
auf einer abstrakteren
Ebene
später unternimmt Philolaos
der Auseinandersetzung,
mit der eleatischen Ontologie,
Harmonie
den Versuch,
die
Zahl
zwischen Begrenztem und Unbegrenztem zu
wohl
als
erweisen.
phisch deduziert ("Evtoapévtec.. Widnoav") , Daß fir Pythagoras selbst nicht einmal Zahlenspekulation,
Zahlenmystik kennzeichnend war,
Aristotelesstelle erschließen:
len mit Gerechtigkeit,
Seele,
sondern
Die Gleichsetzung von Zah-
Geist,
Gelegenheit usw.,
durch Aristoteles auch anderweitig beseugt, 99) entstammt
einer Bewußtseinsstufe,
Und
läßt sich aus eben dieser
die mit theoretischer Mathematik
und Philosophie nichts zu tun hat,
sondern noch ganz unter
der Macht archetypisch verankerter Zahlensymbolik steht.
doch
Darstellung,
auch mit
der bei
besteht die Möglichkeit,
gewissermaßen aus
anderen Augen
Aristoteles
reer mag
dazu
zu lesen.
auch
Eine kurze
Zusammenfassung
referierten Anschauungen der Pythagoden Ausgangspunkt
aller seienden Dinge erschließt
als
die aristotelische
ihren eigenen Prämissen,
bilden.
Der Gesamtbereich
sich sowohl
im einzelnen
im Gesamtzusammenhang aller Singularitäten einer
Betrachtungsweise,
die sinnvolle Zahlenrelationen als Struktur der Welt voraussetzt.
Zwischen dieser Struktur der seiteles' Begriff "otovyeta tiv Svtwv! Er besagt nämlich, daß
enden Dinge und der Welt,
von Aristoteles als
die Pythagoreer die Zahlen als Prinzipien "&v UAnc elder"
bezeichnet,
Eine besondere Problematik verbindet sich mit Aristoverstanden, was die pythagoreische Lehre einerseits wohl
adäquat wiedergibt - für die Pythagoreer "sind" die Dinge
Zahlen, die Zahl hat für sie noch räumlich-dinglichen Charakter!°)_ | andererseits die gedanklich-philosophische
Ungeklärtheit dieser Zahlen-"theorie" erkennen läßt:
der Zusammenhang
relevanten Stellen bei Burkert a.0.,
"ôLa-uéounotc"
Zahlenverhältnissen besteht
ihrer gegenseitigen Vergleichbarkeit.
ne Zuständlichkeit des
in
ihr enthaltenen Dinge
"Zueinanderpassens",
Das
ist eieiner wohlgeordneten Gefügtheit ("dpnovld'vgl. auch frg. 34 Bayer).
Die
eindrucksvollste Ausprägung
sei
Zahl
ihrer Vorstellung,
und Harmonie",
liegt bei
"der ganden Pythagoreern im Gedanken der Sphärenmusik. 101 Daß er zu den ursprüngdazu Burkert a.0., S. 392ff.
99) Eine eingehende Erérterung mit SE
"harmonischen"
Gefüge der Welt und aller
ze Himmel
98) Vgl.
und
NU der
S.
441ff
("Kosmos und Zahl").
100) Vgl. Burkert a.0., 5. 29ff; 41/42, Anm. 164; 245ff.
Bei Platon dagegen ist die Mathematik ein eigener, zwischen empirischer und noetischer Welt liegender Vergewisserungsbereich. Vgl. dazu Krämer, Arete bei Platon
u. Aristoteles; L. Robin, La théorie platonicienne des
id&es et des nombres d'aprés Aristote, Paris 1908.
lichen Schichten der Lehre gehört,
goras
habe
zeigt die Legende,
diese Musik zu hören vermocht;
Pythadie mythischen
101) Vgl. auch frg. 35 Bayer (= VS 58 B 35). Zur Sphärenharmonie Burkert a.0.,
Pseudopythagorica,
bes.
S.
28ff.
S.
328ff;
ders., Hellenistische
Philologus 105 (1961),
Page 5
View in PDF(opens in a new window)Wurzeln
dieses Gedankens
des Himmels als
deutlich
zu
Zahl
fassen.
einer kosmischen Musik und
und Harmonie
Die
Frage
ist jedoch
Hand zu weisen,
ob dieser Gedanke
mußte.
daß
Dadurch,
die
tation,
die
fiir
sie
eine
sich
ergibt
Perspektive
sich
das
en von
ne
"Harmonie"
m e
thod
in der Weise,
i
daß
Prinzip,
es
in
Wie über-
Welt unter den Kategoriei-
Eigengesetzlichkeit entfaltet
die Pythagoreer veranlaßt,
lich nach der Widerspruchsfreiheit
Beginn
der
grundsätzre
eine
112)
rationalen
Fähigkeit
auf
unabdingbar,
ja oft
zur Abstraktion
sind.
der Ontologie
schen Denkens,
pythagoreischen
des Aristoteles
Mußte
nischen
deren Ziel
ist,
sierungsvorganges
Horizont
Auch
sei
sichtbar,
Burkert
Zahl
des
des
philologische
geistesgeschichtlich
zu,
und Harmonie,
pythagoreieine Beschreibung des Synthetirationalen Bewußtseins,
die
gesteht
Betrachtung
nicht vorrangig
sondern
daß
(S.
der Gedanke,
der
"in gewisser Weise,.
Elemente am
vorausweisen,
ganze Himmel
335). Daß die pythagoreische kosmiist unbezweifelbar;
man darf sie gleichwohl
bewußtseinsgeschichtlichen
Bedeutung
eine
sehr
ausschließliche
geschichtlichen Aspekte
Betonung
(S.
in ihrer
nicht verkennen
des
334)
durch
rein wissenschaftsasc die Reflexion anderer Vornicht
102) Freilich stellt Aristoteles auch fest,
daß die Pythagoreer durch den Systematisierungszwang ihres Denkens
auch zu Simplifikationen und interpretatorischen Gewurden:
"Wo
ihnen
aber
die
Möglichkeit dazu (ein kontinuierliches System zu entwickeln) entging, da scheuten sie sich auch nicht vor
künstlichen Annahmen, um nur ihr systematisches Verfahren als streng einheitlich durchgeführt erscheinen zu
lassen" (Fortsetzung der oben zitierten Metaphysikstelle; Übersetzung A. Lasson).
103) Die Problematik spiegelt sich in einer Formulierung
wie
ken"
"vorwissenschaftlich-reflektierendes
(Burkert a.0.,
S.
334).
Parmenides",
und Homogenität
Denkens,
spiegelt,
eider Welt"
wie
es
sich
im Rein Richtung auf Wissender Gedanke
seins-,
einer sinnvollen,
inhärente
der früeine ungeheuere bewußtaber auch wissenschaftsgeschichtliche
"entelechisch"
Tendenz
in harmofreilich aus dem Kontext
Lehre gelöst,
gen? Darf man die der pythagoreischen Lehre
Dynamik berzumindest
und von Aristoteles bestätigte
zu Durchgängigkeit und Systematik vernachlässigen?
Solche
Ordnungsden-
Fragen
wenn Aristoteles'
zu
stellen,
Referat
wäre
nur eine
ein müßiges
wäre,
re,
wie
die
Indiz dafür
zur Zeit des Aristoteles die pythagoreische Leh-
Schriften eines Hippasos,
Philolaos und Archytas
verstanden und interpretiert wurden.
aptionsfähigkeit
Die Offenheit und Adpythagoreischer Gedanken auch
für Fragedenen wir den philosophischen Charakter ohne
Zögern zuerkennen,
zeigen die vielen
Passagen bei Aristoteles.
Resümee,
Unterfangen,
philosophiegeschichtliche Konstruktion und nicht gleichzeitig auch
stellungen,
waltsamkeiten veranlaßt
des
der Wissensche Musik "vorwissenschaftliches Ordnungsdenken"
sei,
nicht
Zahlenverhältnissen ausdrückbaren und nachvollziehhen pythagoreischen
schaft den Weg weisen (konnte), auf das Postulat der gleichförmigen Bewegung"
einer
ist
andererseits aber die potentiellen
baren Struktur der Welt,
Quellenkritik
Es
ihrer Einzelaussagen
vavtec totouottov") 102
fiir eine
der Wirk-
Indiz
schaftlichkeit so gering ansetzt. 104)
und der Durchgängigkeit eines "Systems" zu streben (" ouvé-
Hier werden nun
die
in der Seelenwanderungsleh-
"Einheitlichkeit
erblickt,
Schematisierungen,
Auseinandersetzung mit
inwiefern Burkert
Möglichkeiten
ferat
früher Wissenschaftlichkeit
um Übersichtlichkeit und Transgedanklicher
"Präfiguration
nen Hinweis
(S.
Rang
schlechterdings
einzusehen,
der Weltinterpreden
erreichen,
gesteigerten
zu betrachten und sich vorzustellen,
sche
zu
lichkeit
fast notläßt,
der wir
bedient sich,
am
sonst mit
sich von den beobachtbaren Einzeldingen bis
pythagoreische
sokratiker,
zuerkennen,
parenz
bleiben
auch
die Gesetzlichkeiten des Kosmos verfolgen
haupt
sehr
nicht von der
"nythisch"
Pythagoreer
Musikexperimenten beschäftigten,
wendigerweise
sind hier noch
"pythagoreisierenden"
Entscheidender noch:
Burkerts
"die Pythagorastradition ist die Platoninterpretation der Alten Akademie" (S. 70), hat ja noch einen an104) Vgl. etwa a. 0,, S. 441ff, Eine Gegenposition nimmt
K.
v.Fritz,
Grundprobleme der Geschichte der antiken
Wissenschaft, Berlin-New York 1971, S. 47-64 ("Die Pythagoreer. Zahlenmystik und exakte Mathematik") ein, der
Ansätzen von Wissenschaftlichkeit
lehre
nachgeht.
in der pyth.
Zahlen-
Page 6
View in PDF(opens in a new window)deren,
ten Sinn.
Die
"platonische Transposition"
für die
sie
Dies
pythagoreischer Elemente eröffnet ohne Zweifel Perspektiven,
und
stischen" Komponente jäh erkannter Zusammenhänge . 105)
vom Autor offensichtlich jedoch nicht mitgemeindie
ist
so besehen etwas völlig Neuartiges;
umgekehrt
die Konvergenzen
zwischen pythagoreischem und platonischem Denken zu leugohne sie weder denkbar noch möglich gewesen.
dem
Zufall
keit
als
und
aus Angst
Das heißt
die Monod als
die
sich
insofern, als es pythagoreische Anregungen (Hinweis auf
das Phänomen der Zahl) siud, die Platon philosophisch verder Mensch
endlich
wachen und
seine
gang,
ist im übrigen ein geistesgeschichtlicher Vorder öfter zu beobachten ist,
Umdeutung,
Erweiterung,
sche Wahrheit eines Gedankens
daß durch produktive
zum Tragen kommt,
in
heit erkennen.
ja selbst Mißverstehen die historiseine historische Wirklichkeit der Bedeutungslosigkeit vervon blinliegt.
frühen Pytha-
"animistischen Bund"
vorgestellten
mit
"Kosmos"
ist
ins
Existentielle weitet:
ihrer vollen Bedeutung
aus
seinem
einem
zurückweist,
daß
Universums
und gleichgültig
"Wenn er dieaufnimmt,
dann muß
tausendjährigen Traum ertotale Verlassenheit,
Er weiß nun,
geuner am Rande des
taub
während
der Formel
ist dort total zerstört durch die Botschaft der Molekularse Botschaft
Dies
in
reproduzierender Notwendigtröstende Geborgenheit des
"harmonisch"
biologie,
ein Stück historischer Wahrheit pythagoreischen Denkens,
Illusionsfiir den naturwissenschaftliden Grundstrukturen aller Wirklichkeit
goreismus,
In der Platoninterpretation der Alten Akademie liegt
wertet,
in der existentiellen
die
schematisch
Jene mythische,
nen; eine "transposition platonicienne" (A. Dies) wäre
aber:
sich noch
chen Rationalisten Jacques Monod
"orthodoxen" Pythagoreer nicht absehbar waren,
scheint es uns aber auch nicht sinnvoll,
bestätigt
losigkeit und tristesse,
gegen
er
seine
radikale
seinen Platz wie
hat,
das
Fremdein Zifür seine Musik
seine Hoffnungen,
Leiden
und Verbrechen. "106
fällt.
Aufgrund solcher Überlegungen sollte es nicht mehr
schwerfallen,
auf der Grundlage einer durch Burkerts
quellenkritische Analyse bereinigten Überlieferungssituation
dem Gedanken wieder nahezutreten,
schen Denken,
naiver Simplexität,
bahnt
noch in einer Form
noch nicht gelöst aus frühen Archetypen menschlichen Bewußtseins,
explizit,
daß auch im pythagoreiund zwar ohne Zweifel
ungleich mehr potentiell als
Einstellungen gegenüber der Wirklichkeit angesind,
Die Rationabilität einer Welt geheimer Zahlenstruktur,
die
darstellen läßt,
goreische"
war die Grundüberzeugung der Naturwissenschaft zu Beginn der Neuzeit (etwa bei Kepler und Kopernischaft geblieben.
Und dabei
ist
teristischerweise zu beobachten,
seltsamer- oder auch
daß
-
charakselbst der modernen
naturwissenschaftlichen "Formel" noch etwas anhängt von
jener,
wir könnten sagen "pythagoreischen"
Einfärbung
sichtbar werden
läßt:
Ein Wort
sich in mathematischen "Formeln"
kus) und ist es auch im Falle der modernen Naturwissenin einer Fußnote ein Gedicht
zu zitieren, das diese Komponente thematisiert und
gleichzeitig in den "schweigenden Sphären" die "pythadie für das philosophisch-rationale Verhalten
konstitutiv werden.
105) Es sei uns gestattet,
oder auch "fau-
Ein Wort, ein Satz-: Aus Chiffren steigen
erkanntes Leben, jäher Sinn,
die Sonne steht, die Sphären schweigen
und alles ballt sich zu ihm hin.
Ein Wort
-
ein Glanz,
ein Flug,
ein Feuer,
ein Flammenwurf, ein Sternenstrich und wieder Dunkel, ungeheuer,
im leeren Raum um Welt und Ich.
Gottfried Benn
(Zitiert nach H.E. Holthusen/F. Kemp, Ergriffenes Dasein, Ebenhausen 1953, S. 218).
106) J. Monod, Zufall und Notwendigkeit, München 1971,