Zur Gestalt des Pythagoras

Autor
Meyerhofer, H.
Publicado en
Das Erwachen des kritischen Bewusstseins bei den Griechen
Tema
PYTHAGORAS
Idioma
Deutsch
Categoría
C7 Filosofía
Número de archivo
3103

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MEYERNSTER Das Erwachen des kritischen Bewußtseins bei den Griechen als Modell der Konstituierung des rationalen menschlichen Bewußtseins Zur Gestalt des Pythagoras Gerade die absonderlichsten und rätselhaftesten Überlieferungselemente der Pythagoraslegende, die die spätere pythagoreische Tradition zu verdrängen und umzudeuten versucht, weisen auf Pythagoras "Hyperboreischer Apollon" sei einst Aithalides, mes habe er die Gabe selbst: galt; Daß er in Kroton als daß er erzählt habe, der Sohn des Hermes gewesen; erhalten, sein Gedächtnis zu behalten; über Leben und Tod hinaus die Lehre von den verschiedenen Einkörperungen der Seele, an die er sich durch eine über Menschenmaß hinausgehende Weisheit erinnerte; Fähigkeit, wegung die kosmische Musik zu der Himmelskörper entstehe; ter den Zuschauern aufstand, seiner Schenkel golden war Mysterienzusammenhánge... Dazu fügt sich, sich gesammelt habe, daß er von Herhabe hören, als die bei seine der Beer in Olympia unsich gezeigt, daß einer - vermutlich ein Hinweis auf 90) er einen Kreis von Jüngern um der nach strenger Lebensregel und kultischem Reinheitsgebot als religiöse Sekte lebte, aber 90) Eine umfassende Darstellung bei Burkert a.0., S. 112ff. Vgl. auch Gigon, Ursprung,

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auch als aristokratischer politischer Klub. Schon Herodot (II 81) prägt das Adjektiv "Ilutaydperog" zur Kenndas zeichnung eines gemeinsamen Lebensentwurfes und -verständnisses innerhalb eines kultisch gebundenen Kreises, In keit den Mittelpunkt religiöser Ergriffenheit tritt bei den Pythagoreern das Schicksal der menschlichen Seele, eine Perspektive, die wahrscheinlich auch die Aufnahme von Frauen in ihren Kreis ermöglichte, 2) Ja man könnte 253 sagen, - die Gestalt des Pythagoras notwendige Komplement des Weges für deren Wirkung in die sie Breite und beginnende Bedeutsamein unvergleichliches Symptom darstellt. altpythagoreischen Akusmata Gestalt zu einem Zeitpunkt, an dem der Mensch sich aufmacht, die Welt gerade in ibrer Natürlichkeit zu entdecken und zu enträtseln, verwunderlich. Pythagoras' Lebenszeit ist eine Epoche tiefgreifender sozialer und geistiger Umbrüche und Veränderungen. Die neuen Ufer sozialer Wirklichkeiten ebenso wie die verwirrenden Dimensionen, die das einsetzende rationale Philosophieren eröffnet, bedeuten auch den Verlust der Geborgenheit des Menschen in uralter mythischer Tradition. In Pythagoras erhebt der Mythos noch einmal gewaltig das Haupt in der Gestalt eines "Weisen", der die verborgenen Zusammenhänge der Welt, die sich für das rationale Denken je für je differenzierter und damit auch untibersehbarer darstellen müssen, kraft einer gotttionalisierten und ihrer mythischen Mächtigkeit entkleideten Welt. Pythagoreisches Schamanentum und jonische 91) VS 14 ("Pythagoras") A Ba. 92) "In der Gestalt des Pythagoras ragt ein Stück vorwissenschaftlicher Welteinheit hinein in eine Epoche, in der die Griechen eben begannen, mit dem neu entdeckten rationalen Denken sich die Welt verfügbar zu machen, die Traditionen in Frage zu stellen, die überlieferten Zusammenhänge zu zerreißen. Mit einem Verlust an innerer Sicherheit wird die neue Erkenntnis, die neue Freiheit bezahlt, die Wege der weiter und weiter greifenden Ratio führen auseinander ins Unendliche. Da erscheint die Gestalt des alten 'Weisen', der das einende Band noch zu kennen schien, mehr und mehr in verklärtem Licht,” (Burkert a.0., S. 456). simultane Phänomene aufeinander verwiesen wie Beginn der Neuzeit und Reformation, rung und Empfindsamkeit, Auch das Aufleben der rienkulte kennen, mus "orphischen" im Griechenland des 6. wie Strömungen und Myste- Jahrhunderts gehört in auch die Renaissance des in hellenistischer Zeit schen metaphysischen zeit, die sich sich Bedürfnissen östlicher Aufklä- Technokratie und Drogenszene. das Gewebe dieses Gesamtzusammenhanges, und es sog. ist zu er- Neupythagoreisspeist aus irrationalistieiner kulturellen Spät- Erlösungs- und Heilslehren als narkotisierender Surrogate zum Aufbau einer Kontrastwelt bedient. Pythagoras als einen weiterführenden Repräsentanten der sich entwickelnden griechischen Philosophie zu deuten, heißt einem Mißverständnis erliegen. Die Symptomatik seines gleichwohl bestehenden Zusammenhanges mit ihr zu verkennen, würde andererseits einer unerlaubten Simplifikation geistesgeschichtlicher Entwicklungen gleichkommen, ähnlichen Einsicht überschaut und den Menschen als tröstlichernsten Hintergrund ihres Lebens vermittelt. 92) Die sind gewissermaßen die photographischen Negative des Bildes einer fortschreitend raphysiologia sind ebenso als Die verschiedensten Linien der Überlieferung weisen alle in die gleiche Richtung eines mit übernatürlichen Kräften ausgestatteten Weisen, Hohepriesters, Propheten und "Schamanen". Daß dies die historische Wirklichkeit der Figur des Pythagoras war, kann keinem Zweifel unterliegen. Nur auf den ersten Blick ist das Auftauchen einer solchen sei in die Rationalität, In begrenztem Umfang ist seine Lehre sogar, wenn auch nicht für die Entwicklung von Rationalität und Philosophie, so doch für den Komplex der menschlichen BewuBtseinsentwicklung von direkter Bedeutung. gedankliche Ansätze, wanderungslehre Es handelt sich dabei um die in der von ihm vertretenen Seelenliegen. "Die ersten Vertreter dieser Lehre sind die Ägypter, daß nämlich die Seele des Menschen unsterblich sei und nach dem Tod des Körpers in ein anderes, jeweils entstehendes Lebewesen eintauche; wenn sie aber alle Lebewesen des Landes, des Meeres und der Luft durchlaufen habe, kehre sie wieder in den entstehenden Körper eines Menschen ein, wobei sich ihr Umlauf in 3000 Jahren vollziehe. Dieser Lehre haben sich manche von den Griechen bedient, teils friiher, teils später, so als wäre sie ihre eigene. Ihre Namen

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will ich, 254 255 - - obwohl sie mir bekannt sind, nicht niederthagoreischen Denkens manifestiert schreiben." sich in der einen vor-individuellen Reflexionsstand des (Pyth. A 1 = frg. 33 Bayer = Herodot II 123) spiegelnden Vorstellung der Bewußtseins wieder- "Wanderung" der Seele in verschiedenartige Lebensentitäten und Personen. Die Seelenwanderungslehre ist ftir Pythagoras auch anderweitig so gut bezeugt, Gerade die hier vorliegende Altertümlichkeit bot manchen Anlaß zum Spott. 2°) 1n den groBen mythischen Bildern, in denen Platon daß es keinem Zweifel unterliegt, daß Herodot an dieser Stelle ihn und Empedokles gleichnishaft von Wesen und Bestimmung der Seele redet meint.?? Auch wenn unverkennbar ist, daß die Vorstellung (etwa im Er-Mythos, Politeia 614 Bff), erfolgt die Befreider Seele und ihrer verschiedenen Einkörperungen bei Pyung von der thagoras noch Rudimente mythischer und vorrationaler Prolenvorstellung durch die Einsicht venienz zeigt,” darf man doch nicht übersehen, daß in individuell noch nicht differenzierten Seein die Einzigartigkeit der individuellen Seele und ihre daraus nur fiir sie alder Lehre von der Unsterblichkeit und Unzerstörbarkeit lein sich ergebende Verantwortlichkeit. 77 dieser Seele sich eine totale Wandlung des menschlichen lich ist dies eine platonische Transposition der Gedanken Selbstverständnisses ankündigt. Was bei Anaximenes, in einem Vergleich, noch wie eine frühe Vorwegnahme aufleuchdes Pythagoras; schlossen, daß bleibt sie Selbstverständsich einer solchen überhaupt erimmerhin festzuhalten, tet, muß sich aus der Annahme der Unsterblichkeit der Seele mit Entschiedenheit ergeben. "Die Seele gerät in einen radikalen Gegensatz zum Leibe. Sie ist das vollkommene, er das gemeine. Mit Pythagoras tritt die Autonomie der Seele, ihr Sein als Negation des Körpers und der Körperlichkeit in das griechische Denken ein. "9’) Burkert geht sogar soin der Unvergänglichkeit der Seele bei Pythagoras zu er"eine Präfiguration der Ontologie des Parmenides' weit, blicken (S. 112). Die Innerlichkeit des Menschen als sein unzerstörbarer und damit eigentlicher Identitätspunkt - dies ist die gedankliche Folgerung der späteren griechischen Philosophie, wie sie sich namentlich im Denken des Sokrates ausprägt. Aber auch für die Entwicklung eines individuellen menschlichen Bewußtseins wird die pythagoreische Seelenwanderungslehre zur Herausforderung: Der mythische Einschlag des py- 93) Zur Seelenwanderungslehre des Pythagoras vgl. allgemein Burkert a.0., S. 9811 und Gigon, Ursprung, S. 132ff. Zu Herodot II 123 speziell Burkert a.0., S. 103ff; dort auch die Zurückweisung des "ägyptischen" Ursprungs der Seelenwanderungslehre (mit Anm. 38). 94) Ausführlich diskutiert von Burkert a.0., S. 1091. 95) Gigon, Ursprung, S. 133. Vgl. auch Jaeger, Theologie, S. 88-106 "pee Ursprung der Lehre von der Güttlichkeit der Seele"). 6.3 Eine Wiedergabe pythagoreischer Lehre bei Aristoteles ",.Die sogenannten Pythagoreer befaßten sich als erste mit mathematischen Fragestellungen und führten diese voran, und da sie in diese Problemstellungen hineinwuchsen, kamen sie zur Auffassung, daß deren Prinzipien die Prinzipien aller seienden Dinge darstellten. Da aber die Grundlagen der Mathematik naturgemäß die Z ah 1 en darstellen, sie aber andererseits in den Zahlen viele mit den seienden und werdenden Dingen vergleichbare Züge zu erblicken vermeinten, mehr als in Feuer und Erde und Wasser - weil z.B. eine bestimmte Zahlenerscheinung Gerechtigkeit, eine andere Seele und Geist, eine weitere günstige Gelegenheit darstelle, und gewissermaßen jede weitere entsprechend -, da sie fernerhin das Zustandekommen der musikalischen Harmonien und ihre Verhältnisse auf Zahlen beruhend sahen, da also zusammengefaßt einerseits alles übrige mit den Zahlen in einem Verhältnis der Ebenbildlichkeit hinsichtlich seiner gesamten Wesensgestalt zu stehen schien, andererseits die Zahlen die anfänglichen Elemente der ganzen Natur seien, kamen sie zu der Annahme, daß die Grundelemente der Zahlen die Grundelemente 96) Vgl. etwa die karikierende Darstellung bei Pythagoras! jüngerem Zeitgenossen Xenophanes (VS 21 B 7). 97) Politeia 617 E 4f: "aitla ÉAouévou- Seda dvaltioc" Zur Dauer der Person und ihrer Verantwortlichkeit vgl. auch Jaeger, Theologie, S. 101; zu kontrastierenden Bewußtseinsinhalten vgi. H. Fränkel, ESHMEPOL als Kennwort für die menschliche Natur. In: Wege und Formen frübgriech. Denkens, 2. Aufl. München 1960,

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aller Dinge seien und daß das gesamte Weltall Harmonie und Zahl sei. Und alle Übereinstimmungen, die sie zwischen den Zahlen und Harmonien und den Phänomenen und Teilen des Weltgebäudes und dessen Gesamtordnung aufzuzeigen vermochten, versuchten sie durch Beziehung aufeinander in ein System zu bringen". (VS 58 B4 = frg. 33 Bayer = Met. A 5. 985b 23ff) Philologischer Quellenkritik bleiben die Fragwürdigkeiten und Widersprüchlichkeiten in der Darstellung, die Aristoteles von der Lehre der Pythagoreer gibt, nicht verborgen. Daß sich die Pythagoreer "als erste" mit Mathematik beschäftigt haben, ist mit Sicherheit unrichtig.?®) Ebenso verhält es sich mit der Feststellung, sie hätten aus einer abstrakt-theoretischen Beschäftigung mit reiner Mathematik ihre Zahlenlehre als Prinzipienlehre philoso- Die Zahl ist 257 - ihrem Wesen nach ein Relationsund Formprinzip (daB sie so offensichtlich von den Pythagoreern nicht verstanden wurde, stellt problem des Verständnisses weist tiber die Dinglichkeit reich der platonischen für Aristoteles ihrer Lehre dar), hinaus Ideenzahl. ein Hauptbzw. sie in den abstrakten Fiir die frtihen Be- Pythagoreer bestehen die "Ovotdpata" zwischen Zahl und Dingen also recht deutlich noch in der ganz konkreten Ahnlichkeit zwischen Dingen undyfigot -Figuren, mit denen sie die Zahlen veranschaulichten. Erst auf einer abstrakteren Ebene später unternimmt Philolaos der Auseinandersetzung, mit der eleatischen Ontologie, Harmonie den Versuch, die Zahl zwischen Begrenztem und Unbegrenztem zu wohl als erweisen. phisch deduziert ("Evtoapévtec.. Widnoav") , Daß fir Pythagoras selbst nicht einmal Zahlenspekulation, Zahlenmystik kennzeichnend war, Aristotelesstelle erschließen: len mit Gerechtigkeit, Seele, sondern Die Gleichsetzung von Zah- Geist, Gelegenheit usw., durch Aristoteles auch anderweitig beseugt, 99) entstammt einer Bewußtseinsstufe, Und läßt sich aus eben dieser die mit theoretischer Mathematik und Philosophie nichts zu tun hat, sondern noch ganz unter der Macht archetypisch verankerter Zahlensymbolik steht. doch Darstellung, auch mit der bei besteht die Möglichkeit, gewissermaßen aus anderen Augen Aristoteles reer mag dazu zu lesen. auch Eine kurze Zusammenfassung referierten Anschauungen der Pythagoden Ausgangspunkt aller seienden Dinge erschließt als die aristotelische ihren eigenen Prämissen, bilden. Der Gesamtbereich sich sowohl im einzelnen im Gesamtzusammenhang aller Singularitäten einer Betrachtungsweise, die sinnvolle Zahlenrelationen als Struktur der Welt voraussetzt. Zwischen dieser Struktur der seiteles' Begriff "otovyeta tiv Svtwv! Er besagt nämlich, daß enden Dinge und der Welt, von Aristoteles als die Pythagoreer die Zahlen als Prinzipien "&v UAnc elder" bezeichnet, Eine besondere Problematik verbindet sich mit Aristoverstanden, was die pythagoreische Lehre einerseits wohl adäquat wiedergibt - für die Pythagoreer "sind" die Dinge Zahlen, die Zahl hat für sie noch räumlich-dinglichen Charakter!°)_ | andererseits die gedanklich-philosophische Ungeklärtheit dieser Zahlen-"theorie" erkennen läßt: der Zusammenhang relevanten Stellen bei Burkert a.0., "ôLa-uéounotc" Zahlenverhältnissen besteht ihrer gegenseitigen Vergleichbarkeit. ne Zuständlichkeit des in ihr enthaltenen Dinge "Zueinanderpassens", Das ist eieiner wohlgeordneten Gefügtheit ("dpnovld'vgl. auch frg. 34 Bayer). Die eindrucksvollste Ausprägung sei Zahl ihrer Vorstellung, und Harmonie", liegt bei "der ganden Pythagoreern im Gedanken der Sphärenmusik. 101 Daß er zu den ursprüngdazu Burkert a.0., S. 392ff. 99) Eine eingehende Erérterung mit SE "harmonischen" Gefüge der Welt und aller ze Himmel 98) Vgl. und NU der S. 441ff ("Kosmos und Zahl"). 100) Vgl. Burkert a.0., 5. 29ff; 41/42, Anm. 164; 245ff. Bei Platon dagegen ist die Mathematik ein eigener, zwischen empirischer und noetischer Welt liegender Vergewisserungsbereich. Vgl. dazu Krämer, Arete bei Platon u. Aristoteles; L. Robin, La théorie platonicienne des id&es et des nombres d'aprés Aristote, Paris 1908. lichen Schichten der Lehre gehört, goras habe zeigt die Legende, diese Musik zu hören vermocht; Pythadie mythischen 101) Vgl. auch frg. 35 Bayer (= VS 58 B 35). Zur Sphärenharmonie Burkert a.0., Pseudopythagorica, bes. S. 28ff. S. 328ff; ders., Hellenistische Philologus 105 (1961),

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Wurzeln dieses Gedankens des Himmels als deutlich zu Zahl fassen. einer kosmischen Musik und und Harmonie Die Frage ist jedoch Hand zu weisen, ob dieser Gedanke mußte. daß Dadurch, die tation, die fiir sie eine sich ergibt Perspektive sich das en von ne "Harmonie" m e thod in der Weise, i daß Prinzip, es in Wie über- Welt unter den Kategoriei- Eigengesetzlichkeit entfaltet die Pythagoreer veranlaßt, lich nach der Widerspruchsfreiheit Beginn der grundsätzre eine 112) rationalen Fähigkeit auf unabdingbar, ja oft zur Abstraktion sind. der Ontologie schen Denkens, pythagoreischen des Aristoteles Mußte nischen deren Ziel ist, sierungsvorganges Horizont Auch sei sichtbar, Burkert Zahl des des philologische geistesgeschichtlich zu, und Harmonie, pythagoreieine Beschreibung des Synthetirationalen Bewußtseins, die gesteht Betrachtung nicht vorrangig sondern daß (S. der Gedanke, der "in gewisser Weise,. Elemente am vorausweisen, ganze Himmel 335). Daß die pythagoreische kosmiist unbezweifelbar; man darf sie gleichwohl bewußtseinsgeschichtlichen Bedeutung eine sehr ausschließliche geschichtlichen Aspekte Betonung (S. in ihrer nicht verkennen des 334) durch rein wissenschaftsasc die Reflexion anderer Vornicht 102) Freilich stellt Aristoteles auch fest, daß die Pythagoreer durch den Systematisierungszwang ihres Denkens auch zu Simplifikationen und interpretatorischen Gewurden: "Wo ihnen aber die Möglichkeit dazu (ein kontinuierliches System zu entwickeln) entging, da scheuten sie sich auch nicht vor künstlichen Annahmen, um nur ihr systematisches Verfahren als streng einheitlich durchgeführt erscheinen zu lassen" (Fortsetzung der oben zitierten Metaphysikstelle; Übersetzung A. Lasson). 103) Die Problematik spiegelt sich in einer Formulierung wie ken" "vorwissenschaftlich-reflektierendes (Burkert a.0., S. 334). Parmenides", und Homogenität Denkens, spiegelt, eider Welt" wie es sich im Rein Richtung auf Wissender Gedanke seins-, einer sinnvollen, inhärente der früeine ungeheuere bewußtaber auch wissenschaftsgeschichtliche "entelechisch" Tendenz in harmofreilich aus dem Kontext Lehre gelöst, gen? Darf man die der pythagoreischen Lehre Dynamik berzumindest und von Aristoteles bestätigte zu Durchgängigkeit und Systematik vernachlässigen? Solche Ordnungsden- Fragen wenn Aristoteles' zu stellen, Referat wäre nur eine ein müßiges wäre, re, wie die Indiz dafür zur Zeit des Aristoteles die pythagoreische Leh- Schriften eines Hippasos, Philolaos und Archytas verstanden und interpretiert wurden. aptionsfähigkeit Die Offenheit und Adpythagoreischer Gedanken auch für Fragedenen wir den philosophischen Charakter ohne Zögern zuerkennen, zeigen die vielen Passagen bei Aristoteles. Resümee, Unterfangen, philosophiegeschichtliche Konstruktion und nicht gleichzeitig auch stellungen, waltsamkeiten veranlaßt des der Wissensche Musik "vorwissenschaftliches Ordnungsdenken" sei, nicht Zahlenverhältnissen ausdrückbaren und nachvollziehhen pythagoreischen schaft den Weg weisen (konnte), auf das Postulat der gleichförmigen Bewegung" einer ist andererseits aber die potentiellen baren Struktur der Welt, Quellenkritik Es ihrer Einzelaussagen vavtec totouottov") 102 fiir eine der Wirk- Indiz schaftlichkeit so gering ansetzt. 104) und der Durchgängigkeit eines "Systems" zu streben (" ouvé- Hier werden nun die in der Seelenwanderungsleh- "Einheitlichkeit erblickt, Schematisierungen, Auseinandersetzung mit inwiefern Burkert Möglichkeiten ferat früher Wissenschaftlichkeit um Übersichtlichkeit und Transgedanklicher "Präfiguration nen Hinweis (S. Rang schlechterdings einzusehen, der Weltinterpreden erreichen, gesteigerten zu betrachten und sich vorzustellen, sche zu lichkeit fast notläßt, der wir bedient sich, am sonst mit sich von den beobachtbaren Einzeldingen bis pythagoreische sokratiker, zuerkennen, parenz bleiben auch die Gesetzlichkeiten des Kosmos verfolgen haupt sehr nicht von der "nythisch" Pythagoreer Musikexperimenten beschäftigten, wendigerweise sind hier noch "pythagoreisierenden" Entscheidender noch: Burkerts "die Pythagorastradition ist die Platoninterpretation der Alten Akademie" (S. 70), hat ja noch einen an104) Vgl. etwa a. 0,, S. 441ff, Eine Gegenposition nimmt K. v.Fritz, Grundprobleme der Geschichte der antiken Wissenschaft, Berlin-New York 1971, S. 47-64 ("Die Pythagoreer. Zahlenmystik und exakte Mathematik") ein, der Ansätzen von Wissenschaftlichkeit lehre nachgeht. in der pyth. Zahlen-

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deren, ten Sinn. Die "platonische Transposition" für die sie Dies pythagoreischer Elemente eröffnet ohne Zweifel Perspektiven, und stischen" Komponente jäh erkannter Zusammenhänge . 105) vom Autor offensichtlich jedoch nicht mitgemeindie ist so besehen etwas völlig Neuartiges; umgekehrt die Konvergenzen zwischen pythagoreischem und platonischem Denken zu leugohne sie weder denkbar noch möglich gewesen. dem Zufall keit als und aus Angst Das heißt die Monod als die sich insofern, als es pythagoreische Anregungen (Hinweis auf das Phänomen der Zahl) siud, die Platon philosophisch verder Mensch endlich wachen und seine gang, ist im übrigen ein geistesgeschichtlicher Vorder öfter zu beobachten ist, Umdeutung, Erweiterung, sche Wahrheit eines Gedankens daß durch produktive zum Tragen kommt, in heit erkennen. ja selbst Mißverstehen die historiseine historische Wirklichkeit der Bedeutungslosigkeit vervon blinliegt. frühen Pytha- "animistischen Bund" vorgestellten mit "Kosmos" ist ins Existentielle weitet: ihrer vollen Bedeutung aus seinem einem zurückweist, daß Universums und gleichgültig "Wenn er dieaufnimmt, dann muß tausendjährigen Traum ertotale Verlassenheit, Er weiß nun, geuner am Rande des taub während der Formel ist dort total zerstört durch die Botschaft der Molekularse Botschaft Dies in reproduzierender Notwendigtröstende Geborgenheit des "harmonisch" biologie, ein Stück historischer Wahrheit pythagoreischen Denkens, Illusionsfiir den naturwissenschaftliden Grundstrukturen aller Wirklichkeit goreismus, In der Platoninterpretation der Alten Akademie liegt wertet, in der existentiellen die schematisch Jene mythische, nen; eine "transposition platonicienne" (A. Dies) wäre aber: sich noch chen Rationalisten Jacques Monod "orthodoxen" Pythagoreer nicht absehbar waren, scheint es uns aber auch nicht sinnvoll, bestätigt losigkeit und tristesse, gegen er seine radikale seinen Platz wie hat, das Fremdein Zifür seine Musik seine Hoffnungen, Leiden und Verbrechen. "106 fällt. Aufgrund solcher Überlegungen sollte es nicht mehr schwerfallen, auf der Grundlage einer durch Burkerts quellenkritische Analyse bereinigten Überlieferungssituation dem Gedanken wieder nahezutreten, schen Denken, naiver Simplexität, bahnt noch in einer Form noch nicht gelöst aus frühen Archetypen menschlichen Bewußtseins, explizit, daß auch im pythagoreiund zwar ohne Zweifel ungleich mehr potentiell als Einstellungen gegenüber der Wirklichkeit angesind, Die Rationabilität einer Welt geheimer Zahlenstruktur, die darstellen läßt, goreische" war die Grundüberzeugung der Naturwissenschaft zu Beginn der Neuzeit (etwa bei Kepler und Kopernischaft geblieben. Und dabei ist teristischerweise zu beobachten, seltsamer- oder auch daß - charakselbst der modernen naturwissenschaftlichen "Formel" noch etwas anhängt von jener, wir könnten sagen "pythagoreischen" Einfärbung sichtbar werden läßt: Ein Wort sich in mathematischen "Formeln" kus) und ist es auch im Falle der modernen Naturwissenin einer Fußnote ein Gedicht zu zitieren, das diese Komponente thematisiert und gleichzeitig in den "schweigenden Sphären" die "pythadie für das philosophisch-rationale Verhalten konstitutiv werden. 105) Es sei uns gestattet, oder auch "fau- Ein Wort, ein Satz-: Aus Chiffren steigen erkanntes Leben, jäher Sinn, die Sonne steht, die Sphären schweigen und alles ballt sich zu ihm hin. Ein Wort - ein Glanz, ein Flug, ein Feuer, ein Flammenwurf, ein Sternenstrich und wieder Dunkel, ungeheuer, im leeren Raum um Welt und Ich. Gottfried Benn (Zitiert nach H.E. Holthusen/F. Kemp, Ergriffenes Dasein, Ebenhausen 1953, S. 218). 106) J. Monod, Zufall und Notwendigkeit, München 1971,