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SAN G
Spekulation und Volksglaube in der ioniechen Philosophie
schieden erscheint. Die entscheidenden Definitionen des Aristoteles oug. F'1. 298" 29 ff; pera. A5. 983% 24 ff. betonen
bestimmt diese Lehre von der Einheit einer, allen Dingen zugrunde liegenden, Substanz, eines Ev, aus dem alles, was existiert, entsteht: es ist somit alles, d. h. alle Dinge der Welt,
Spekulation und Volksglaube in der ionischeit
Philosophie
|
nur die peracymudttois oder die xé9y dieser einen odel« oder
Von Otto Gilbert in Halle a. 8.
r,
DaB die ionischen Philosophen — Thales, Anaximande
Hylo- |
Anaximenes von Milet, Heraklit von Ephesus — einen
ine.
Annah
meine
allge
die
zoismus und Pantheismus vertreten, ist
f.
672
15,
hen
So bezeichnet z. B. Zeller, Philosophie der Griec
‘
1
Heraklits Spekulation
307
als „ausgesprochenen Pantheismus® ı
nachzuweisen unterDoch hat man noch niemals im einzelnen
ften diese ihre «
Schri
nommen, wie jene Forscher in ihren
quenzen entpantheistische Grundanschauung in deren Konse
Es wird daher
wickelt und zum Ausdruck gebracht haben.
pots; als des txoxstusvoy, des stofflichen Substrats. Der
Stoff ist und bleibt demnach einheitlich: er unterscheidet sich
in seinen einzelnen Entwicklungsphasen nur durch die sich
wandelnde Struktur, indem er — aus eigener Kraft — sich
bald fester zusammenschließt, bald loser sich gestaltet, und,
diesen verschiedenen Zuständen entsprechend, mit verschiedenen
Namen, als Erde, Wasser, Luft, Feuer, bezeichnet wird. Daher
alle Berichterstatter gleich dem Aristoteles stets das plpvectat
aller Dinge é évóg betonen. So sagt Theophrast bei Aetius
1, 3,1. 3. 4: 11, daß nach der Lehre der lonier alles aus dem
einheitlicheti Grundstoffe entstehe und in eben diesen sich
und deren logische
seinerzeit zurückbilde; der Verfasser der Schrift zel púoros
der dotischèt
Folgerungen aus dem eigenen Ausspriichen
év@odnov (Hippokrates ed. Littré 6, 82) sagt gleichfalls von
ein Versuch, die grundlegenden Gedanken
Referaten
Denker, wie aus den tiber ihre Lehre erhaltenen
den Ioniern Ev re elvaı à vl gore wal voör’ elvat tb Ev xal rd
aüv; Diogenes von Apollonia, der auch seinerseits das ionische
würdigen, als
wieder herzustellen und in ihrer Bedeutung zu
erkannt werden müssen.!
i
Dogma vertritt, betont (fr. 2 Diels) zdvre td Gvra dro tod
ken,
eur wir uns zunächst den Grundgedan
r aufbaut, so
auf den sich das ganze System der vier Denke
der Materie.
wurzelt derselbe in der Einheit, der Einheitlichkeit
nheit tnd
Die ganze Erscheinungswelt in all ihrer Verschiede
anz hervorWandelbarkeit ist aus einer einzigen Grundsubst
gfachen
manni
die
selbst
sich
aus
gegangen, deren Entwicklung
gehlich
tatsäc
ie
Mater
Stofformen hervorbringt, in denen die
Vorsokratiker, 4
Ich zitiere im folgenden nach Diels Fragmente der
allgemeinen
im
h
zugleic
e
verweis
Ich
.
1906/07
1. Aufl. Berlin 1903; 2. Aufl.
Rhein. Mus. Bd 64, 181 ff.
auf mei ne Abhandlungen: Jonier und Eleaten im
klass. Altertuin Bd 28, |
und Heraklits Schrift zeg) pictog in den Jahrb. f.d.
161 ff.
2é
‘ A
4
wdrod Ereporoöodar zal td wdrd slvar; Sextus Emp. adv. mathem.
10, 315 definiert die ionische Lehre mit den Worten 2£ évdg
03 ysysvfjohei và ndvre BERovsıw. Daher es nach der Lehre
der lohier überhaupt kein wirkliches Entstehen und Vergehen
gibt, sondern alles nur auf dddotmetg oder érecolooig eben
jenes Grundstoffs beruht: vgl. darüber meine meteorologischen
Theorien 254 ff.
Wenn sich hiernach die ionische Weltanschauung als ein
konséquenter Monismus darstellt, so gestaltet sich derselbe nun
dadurch zum Pantheismus, daB die aller kosmischen Ent-
‚wicklung zugrunde liegende einheitliche Substanz zugleich
vals das Göttliche, die Gottheit schlechthin, erfaßt worden ist.
Page 2
View in PDF(opens in a new window)bleibende Bubstanz
Anaxiniander pue. r4.
So sagt Aristoteles von dem &rstgov des
Luft, welche Anaximehes
208 13 rodr’ élvot td Hsiov; die
als die Urform der Materie und als die
22); die Schüle
Theophrast bei Actitis
aller Stoffentwicklung ansieht, wird von
siert; und dem Anait1, 7, 13 bestimmt els § Seég charakteri
enes von Apollonia at,
menes schlieBt sich hierin wieder Diog
dsubstanz, (fr. 5 Diels)
der von seinem Luftstoffe, als der Grun
(hdschr. Eos; von
sagt: adrd yao por tovTO Beds doxst elvor
1,7; 17); für Heraklit
Usener in #e6ç verb; vgl. dazu Aetius
e die Weltsubstanz
wird das Feuer — weil in seiner Lehr
er (Aetius 1, 7, 11) die
bildend — das Göttliche schlechthin (Aetius 1,7,
ge)
aller Dinge (ddvapiv Belav zu
des Thales endlich erkennt in dem Wass
göttliche Substanz
heismus.
fonische Monismus wird damit zum Pant
et, aus dem alle
Ist hiermit der Grundgedanke gezeichn
denheit in der Aufionischen Lehrsysteme; trotz ihrer Verschie
fassung des Grundstoffes, hervorgegangen sind, so fragt es sich
erkennen können, auf
nun, ob wir noch genauer den Weg
tanz sich allmählich
dem die ionischen Denker die gôttliche Subs
a
Ni
”
ist ein Aussprüch »
in die Einzeldinge umbilden lassen. Hierfür
Anaximanders entscheidend, den uns Simplicius in seinen s
24, iS ff. Diels) au
Kommentar zu Aristoteles’ Physik (p.
Theophrasts puowal débat (Doxogr. P- 476) erhalteri hat und
welcher uns einen tiefen Blick in die Weltanschauung jenes
dE bv db 7 véveols
Forschers tun läßt. Die Worte lauten:
"3
en, haben Anteil “
heitlichen gôttlichen Grundstoffe hervorgegang
der Gottheit. Der 4 5
an der Substanz tind damit zugleich an
:
stanz der Welt — sei
Indem sich also diese göttliche Grundsub
sei sie als ein noch
dieselbe als Wasser, Luft oder Feuer, oder
ddgistov) gefaßt — aus
ungeschiedener Urstoff (äzerpov oder
Stoffwandlungen nur
sich heraus entwickelt und somit alle
Zustinde jener göttlichen
Entwicklungsphasen und verschiedene
ische Evolution zu einer
ovela sind, gestaltet sich die ganze kosm
aus demselben eit
Entfaltung der Gottheit; alle Dinge, weil
Ge
Rags
4
Spekulation und Volkeglaube in derionischen Philosophie
nate viv tov goóvov tatty.
309
Sehen wir, was Anaximander in
édti tots oùot, xal rv phogav els tatta plvectot xara td
yordy. diddvat yao adia Slxnv zal tlow dAlÿlots vijg &duxtas |
diesen Worten sagen will. Zunächst ist klar, daB td byte,
d.h. die Einzeldinge der Erscheinungswelt, in ihrer Existenz
auf andere Faktoren zurückgeführt, aus anderen Substanzen
oder Stoffen hergeleitet werden. Denn daß unter den Dingen, aus
welchen (e& dv) die övr« entstehen und in welche (sis reöze) sie
sich wieder auflösen, Stoffe oder Substanzen zu verstehen sind,
welche über den Einzeldingen stelen, und nicht etwa andere
Einzeldinge, ist klar: denn alle Binzeldinge — namentlich die
organischen Bildungen von Pflanze und Tier — gehen tatsächlich
bei ihrer p#ogé nicht in andere Eiuzeldinge über, sondern
lösen sich in ihre Urbestandteile, in ihre Elemente auf, Es
kann also der Ausspruch Anaximanders nur den Sinn haben,
daß die Einzeldinge aus den Grundstoffen, den Elementen entstehen und in eben diese sich wieder auflösen. Als Grundstoffe Anaximatiders, welche sich zunächst aus dem einheitlichen
&étooy entwickeln, kennen wir aber die vier Elemente: vgl.
meine meteorol. Theorien S. 44 und Aristot. pda. I’5. 2046 2247.
Denn da die Worte 2 bv — els eure bestimmt auf die
Existenz mehrerer Stoffe hinweisen, aus welchen die Einzeldinge hervorgehen und in die sie sich wieder auflösen, so
kann nicht an das &vetgoy selbst gedacht werden, sondern es
> können nur die aus diesem in einer ersten Evolutionsphase
|
ausgeschiedenen vier Elemente verstanden werden, welche
Denn da
66 als die Mittelstufen zwischen die Grundsubstanz des &xstoov
2 und die Einzeldinge treten.
touz der aus der
In dieser Auffassung stuft sich die Exis
e ab.
| Uroubstanz entstehenden Gebilde gradweis
ein-1,
die us
Anaximander ein Vergehen des ganzen Kosmos
als hmin (Aeti
ov,anna
3, 3), indem sich alles wieder in das ézsig
heitliche Substanz, zuriickbildet, so kénnen die vier Elemente
als die Grundformen der entwickelten Materie, nur so lange be-
Page 3
View in PDF(opens in a new window)also “
stehen bleiben, als der Kosmos selbat Bestand hat, He ist
h a
allein die Grundsubstanz, das ämstgov, ewig und ünvergänglic
(dddvarov val dvaretgor, Gs prow 5 “Avaklpuvdoog Atist: +
pu. I'4. 2035 13); nach Bildung des Einzelkosmos sind ed a
denen sie hervorgegangen, zurückbilden.
Sie zerfallen in
de
8:
e | |
sodann die vier Elemente, welchen eine bleibende Exist
sich ;
zukommt, solange eben der Kosmos in seinem Bestands
vier
erhält; die Einzeldinge dagegen, welche wieder aus dei
r- &
Elementen hervorgehen, haben nur Anspruch auf eine vorübe
en
gehende Existenz, da sie nach einer längeren oder kürzer
aus
Spanne Zeit sich wieder in die elementareri Grundstoffe,
geihren Zusammenhängen und werden wieder, was sie einst
wesen, Erde und Wasser, Luft und Feuer.
Dieses stufenweise Abwärtssteigen der Substanz, wie es
sich in der Absolutheit der Existenz einerseits — im ämsıgov —
in der größeren oder geringeren zeitlichen Begrenzung anderen,
seits — in den Elementen und in den Einzeldingen — ausspricht, tritt noch schärfer und charakteristischer uns entgeg
Aus
“A
|
7
Spekulation und Volksglaube in der ionischen Philosophie
941
hinabsteigt in die irdische Welt, desto mehr büßt sie an
persönlichem Leben wie an Göttlichkeit ein.
Um das zu verstehen, müssen wir auch den zweiten Teil
des Ausspruchs Anaximanders einer genaueren Betrachtung
unterziehen. Es heißt hier von den byte: diddvet yag wurd
Stunv wal tlow dAdjloıg vijg ddixles xurd vv rod yg6vov
te&ıw. Die Dinge, als lebende und persönliche Wesen gefaßt,
stehen gegeneinander im Zustande der Feindschaft: das &l4#ois
wird zwar in der Aldina ausgelassen, steht aber handschriftlich
fest und ist unantastbar. Der Sinn der Worte kann also nur
der sein, daß die Dinge sich gegenseitig schädigen und berauben. Wie dieses zu verstehen, scheint mir klar zu sein.
Denn fast immer treten uns die Einzeldinge in der Welt als
aus verschiedenen Grundelementen zusammengesetzt entgegen,
und diese Hereinziehung fremder Stoffe in die eigene Wesenwiderrechtliches Aneignen fremden Guts,
wie ein
heit erscheint Von
diesem Standpunkte aus hat Anaximander
- und
das ganze Getriebe der Welt aufgefaBt: es ist ein Kampf
eine ddvale.
Kann
r das ganze kosmische Werden beherrscht.
welche
stand, da,
Raubzuüberall
wo die Einzelelemente nicht geschieden für
ihren Anteil an der Gottheit blicken.
bilde und auf …
wenn wir auf das persönliche Leben der Stoffge
#
der Fassung det
“© Beispiel anzuführen — in der Weise, duß das Lufteloment
"einen Teil des Wassers an sich zieht, das letztere also um
‘.ginen Teil seines Stoffes und Volumens beraubt, um denselben
! Die
en, Wasser mit Wasser, Luft mit Luft, Feuer mit Feuer.
; verein
Bildung der Wolke vollzieht sich — um noch ein anderes
Theorien S. 332): im Tode muß er dieselben wieder frei
‘fassen, indem sie sich nun wieder mit ihren Grundstoffen
n
und als den ersten Grundstoff bezeichnen kann, die übrige
sich erscheinen, sondern die Dinge aus verschiedenen Grundn
stoffen zusammengesetzt sind, von einer Aneignung fremde
Stoffs gesprochen werden, so läßt sich diese Auffassung eines
Raubes überall durchführen. Im animalischen Körper z. B.
eignet sich der Erdstoff, den man als das eigentliche Substrat
Worte Anaximanders ergibt sich, daß derselbe durchaus noch
auf dem Standpunkte animistischer Weltanschauung steht;
jedes Einzelgebilde führt noch ein persönliches Leben. Und
ebenso nimmt alles und somit auch jedes Hinzelding, wie wir
gesehen haben, teil an der Gottheit. So konnte Anaximander
}
Elemente im Aufbau des Leibes an (vgl. dazu meine meteorolog.
|
als
den ganzen Kosmos oder oùgevós in seiner Gesamtheit
965 bezeichnen (Aetius 1, 7, 12; Cic nat. deor. 1, 10, 25). Aber
es ist anderseits doch klar, daß die vergänglichen Dinge, von
denen Anaximander als charakteristisch nur die ddızda aus
als das ärsıgov in seiner Göttlic
|,
eren Rang beansp suchen dürfen
zusagen weiß, einen weit geringhkeit
schlechthin. Die Folgerung
ist unabweislich, daß die Substanz in ihrer Entwicklung in die
Einzelelemente und aus diesen wieder in die Einzeldinge at
ihrer Absolutheit graduelle Einbußen erleidet: je tiefer sie
Page 4
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Otto Gilbert
a
für sich zu verwenden. Dieser Raub aber soll nicht bleibend :
sein: die Luft oder die Wolke muß nach der Ordnung def Zeit —
ihren geraubten Wasserbestandteil wieder hergeben ütid ui
gekehrt in der Umbildung von Luftteilen in Wasser Bulle für
ihr widerrechtliches Tun geben. Die Zeit ist es, welche einëi
Ausgleich aller dieser &dıxlai vornimmt, daher Anaximander 1;
eben die Ordnung der Zeit entschieden betont, Die pop r
ward tò yoedv wird im folgenden xard tv cob zoóvov +dëu À
erklärt; die pOopd ist ebeni-dfey zel tlorg vis Gdlxlas: weil i
die kosmischen Gebilde für ihr Unrecht Strafe und Buße geben »
Spekulation und Volksglaube in der ionischen Philosophie
313
ti dodpeva val Beoùe val Bela plvector, và 0b Aoınd éx Tv
* tovtov dxopóvov. In dem Ausspruche, daß aus dem göttlichen
# Uretoffe alles, was je geworden ist, wird und werden wird,
btitsteht, wird mit voller Klarheit zum Ausdrucke gebracht,
7 daß der ganze Kosmos in all seinen Einzelerscheinungen eine
® Evolution der Gottheit ist. Da aber die Worte re yrbópeva
à
Hel rà yeyovóra nel tà éodueve schon alles umfassen, was
3 ' bkistiert und je existieren wird, so kann man in den folgenden
x. 3, Worten zal Deovs ff. nicht etwas Neues und Weiteres erkennen:
sie können nur als Erklärung und Scheidung jener ersten
Worte verstanden werden. Während der Ausspruch rd pevdpeve ff.
die kosmischen Gebilde einfach nach ihrer Existenz allgemein
sittliche Ordnung gegenüber und diese letztere kann nur auf
zò Slow schlechthin, das absolut Göttliche des &rrsıgov, zurück- k
_
|
|
geführt werden.
thürakterisiert, erklärt der zweite Teil des Satzes xa Heovs ff.
dieselben nach ihrer näheren oder entfernteren Stellung zur
göttlichen Grundsubstanz, dem dip. Hier werden offenbar
So vollzieht sich die ganze kosmische Entwicklung it
sath,
müssen, gehen sie zugrunde. Damit tritt abör dem tatsächlich a
bestehenden Kampf- und Raubzustande der Welt eine höhere
#
abstufender Folge. Zwar ist der Kosmos in seiner Gesamtheit E
von Bewegung und Leben, wie von persönlichem Wesen und,‘
Anteil an der Gottheit erfüllt: aber dieses persönliche und _
göttliche Leben stuft sich, je weiter es sich von dem Urquell 7
der Gottheit entfernt, mehr tud mehr ab.
Denn indein sich a
das göttliche &xsigov in die vier elementaren Stoffe scheidet, à
und indem es diesen, als Einzelpersönlichkeiten, die Freiheit
des Handelns läßt, öffnet es damit dem Unrechte; det óflgis,
Tor und Tür. Ist und bleibt die ewige Einbeitssubätanz der
göttliche Gesamtwille der höheren Weltordnung, so treten ihm
nun in den Einzelwillen der Elemente und weiterhin in den
freien Entscheidungen der aus diesen sich bildenden Einzeldinge
Widerstände und Hemmungen entgegen, die damit zugleich zu
sittlichen Verfehlungen dieser Sonderpersönlichkeiten werden.
Dieselbe Weltanschauung, wie wir sie hier von Anaximander
haben nachweisen können, vertritt auch sein Schüler Anaximenes.
Hippolytus berichtet ref. 1, 7, 1 von seiner Lehre dee &eio0d
Erm viv doyìv elvar, 2 ob tà prwópeva val td yeyovóra Hol 5
ei Phasen ünterschieden: einmal #sol zul Sela, sodann td
Aoınd, Die erste Entwicklungsphase aus der dog des dijo
B ‘ schafft #808 (Hal Hete), dagegen gehen tà Aoınd, d. h. và Bro,
“4 æ die Einzeldinge; aus den éxéyovot, d. h. aus eben den Heol,
4 7 hervor. Damit werden die &eof als die unmittelbar von dem
dijg erzeugten, als seine Söhne charakterisiert, während +d
| Aoixd, die Einzeldinge, erst in zweiter Linie aus der Grund-
« sübstanz stammen, da sie nicht direkt vom dıje selbst, sondern
von den aus diesem hervorgegangenen sol abgeleitet warden.
= Wer sind nun diese #eof, die als Söhne und Erzeugte des
göttlichen dip bezeichnet werden? Da wir wissen (vgl. meine
:,* meteorol. Theorien 44f), daß Anaximenes die andern drei
" elementaren Grundstoffe in direkter Evolution aus der Grund-
‚'bubstanz hervorgehen ließ, so ist damit von selbst eine Identifi_ kation eben dieser Elemente mit den sod gegeben: jedenfalls
inüssen dieselbe in erster Linie unter den sol verstanden
werden. Und diese unsere Auffassung des Berichtes Hippolyts
wird durch Ciceros Angabe bestätigt, welcher Acad. 2, 37, 118
aigt: Anaximenes infinitum aera, sed ea quae ex 60 orerentur
Page 5
View in PDF(opens in a new window)Spekulation und Volksglaube in der
definita: gigni autem terram, aquam, ignem, tum ex his bint. ;
Man wird unschwer in dieser Scheidung der drei Grundstoffé ?
.
.
.
.
dT:
A
:
óf:
pe
einer-, der omnia anderseits die beiden von Hippolyt hervor: *
gehobenen Phasen @eof zul Bet und té Aoimd erkennen. Und
damit stimmen wieder die Worte Augustins de civit. dei 8, 2
Dieselbe Weltanschauung findet endlich
auch in Hera
klits
Schrift ihren Ausdruck. Ist nach seine
r Lehre das Feuer,
2 » d.h. in antiker Auffassung die
Materie in ihrer losesten und
„ feinstteiligen Struktur, die deyf, aus
der alles was überhaupt
existiert, durch allmähliche Verdicht
ung entsteht, so wird
damit der Kosmos in all seinen Winz
elbildungen wieder zu
einer Eutwicklung des Gottesprinzips,
der göttlichen Grundsubstanz selbst. So kann es vom Keue
r Heraklits Simplie.
t ._ pve. 24, 1 ff heißen dx VPS mois
i te Evra xuxvdose vel ka= voel; Aetius 1, 3, 11 & mvs adv
i plyecter; 1, 7, 22 vò
Götter, welche hier aus dem aer als ihrer deyi hervorge ets
können wieder nur die ândern drei Elemente — wenigstens
in erster Linie — sein: da aber zugleich omnes rerum causaê
auf die Grundsubstanz zurückgeführt werden; 50 können die
res, ta Övra des Anaximander, eben nur als von den Blomenten
in einer zweiten Entwicklungsphase hervorgebracht erklärt
werden. Auch Anaximenes faBt also alle Dinge als persönlich,
d. h. er steht gleich dem Anaximander auf dem Standpunkte
animistischer Weltanschauung; und er läßt nicht minder auf
ADO — Öntlovepbs ray övrav; wie
auch Heraklit selbst. fr. 90
sagt weds té dviapoupy tà ndvra
xed Te txévroy. Wenn
dem Wege einer stufenweisen Evolution alle Kosmischet
Bildungen aus der göttlichen Grundsubstanz entstehon. Dam
so die ganze kosmische Entwicklung
auf einem dAAowüohe
des zög beruht (Hippol. 9, 10), so
treten doch wieder die
wird wieder der ganze Kosmos mit der Gottheit verknüpft
und erhält selbst, da alles auf eitter Umbildung des göttlichen
Einheitsprinzips beruht, Anteil at der Gottheit! aber dieser
Blemente selbst — Luft, Wasser,
Anteil stuft sich ab, je weiter die Entwicklung von der dórú
ich entfernt.
|
ad dem Anaximenes folgt wieder Diogenes von ars
„Ze
is
Ist für ihn gleichfalls der djo (fr. 5 Diels) der alles regieren e
und beherrschende und gibt es nichts, waa nicht teilhat an
nichts anderes ist als die Umbildung und Ausgestaltung eben
jenes einen Grundstoffs, so wird damit bestimmt ausgesprochen,
daß die ganze kosmische Entwicklung die Selbstentfaltung des
Gottesprinzips ist. Anderseits aber hebt auch Diogenes den
Unterschied der Einzeldinge gegenüber der Grundsubstanz hervor, der sich vor allem (fr.2) in der zeitlichen Begrenzung
315
der Existenz jener ausspricht, während
die dop allein (fr. 7)
ewig und unsterblich ist. Auch Diog
enes muB also den Kosmos
É: | sich stufenweise aus der einheitlic
hen göttlichen Grundsubstanz
© haben entwickeln lassen: aber je tiefe
r diese sich entfältende
dog in die Dinge herabsteigt, desto
meht büßt sie von ihrer
: Absolutheit und Göttlichkeit ein.
aeri infinito dedit, nec deos negavit aut tacuit; non Kamen ob
ipsis aerem factum, sed ipsos ex aere ortos eredidit, h ie
ihm, da der ganze Kosmos in all seinen Einzelteilen wieder
ionischen Philosophie
Erde — als die erste
n und
© uninittelbarsten Schôplungen der
Fauersubstanz und als die
lebendig und persönlich gefaBten Grun
dstoffe uns entgegen.
: Bo kann és heißen fr. 76 Sf] mög toy
dégos Bdvarov vol ano
É. Fa Ei toy zvoòs Bdvarov, Dome ff roy
yig Ödverov, pij roy Baros.
©, Damit soll nicht gesagt werden, daß
der eine Grundstoff als
, 7 solcher, in seiner Gesamtheit, dem
andern Platz macht, sondern
‘nur, daß Teile des einen Grundstoffs
in dem ewigen Kreislaufe
1e des Naturprozesses in den andern
Grundstoff übergehen. Inà “ dem aber Heraklit hier die elementa
ren Grundstoffe wieder als
ie 7 einhe
itliche und Persönliche Bildungen
faBt, stellt er
dieselben
E:,: offenbar gleichfalls als Mittler
und Vermittler zwischen die
Einheitssubstanz und die Vielheit
der Binzeldinge, &vræ und
advre; er muß also auch seinerseits,
gleich dem Anaximander
Page 6
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und dem Anaximenes, diesen Grundformen der Stoffevolution * :
in erster Linie göttlichen Charakter gegeben haben. Wie sehr
aber Heraklit gerade das Abwürtssteigen der göttlichen Sub:
stanz und damit ihr Verlieren au Kraft und Göttlichkeit be:
tont hat,.das habe ich in den Jahrbüchern für das klassische
Altertum Bd 23, 166 ff. nachzuweisen gesucht.
1,
So dürfen wir als die Einheitslehre aller ionischen Forschet«
das Dogma von der einen und einheitlichen göttlichen Gruiid- *
substanz und ihrer allmählichen und stufenweisen Evolution
in die Gebilde des Kosmos aufstellen.. Aus dem göttlicheit »
Urquell, in dem die höchste Potenz schaffenden Huergiestoffes
in persönlicher Konzentration vereinigt ist, flutet ein schöpferischer Strom belebten und- belebenden Stoffes und bildet %
zeugend und formend in einem erster Schöpfungsakte die
Grundstoffe, welche damit zu den persönlichen Erzeugten und
Trägern der Gottheit werden. Und indem aus diesen petsöt: ~
lich gefaßten Strömen göttlicher Substanz wieder alle Einzelbildungen des Kosmos in ihrer unendlichen Mannigfaltigkeit
hervorgehen, gestaltet sich die Welt zu einer Selbstentfaltung
und einheitlichen Schöpfung der Gottheit. Es hat somit zwar «
alles teil an der Gottheit und an der Persönlichkeit: aber je ' 4
weiter der Gottesstrom persönlichen Lebens seine Wellen
treibt, desto mehr trübt er sich. Es ist nicht mehr die volle, '
unmittelbar göttliche, nicht mehr die ungetrübt reine Substanz; À
welche sich in den vielen Einzeldingen offenbart! dieselbe verliert von ihrer göttlichen Kraft und Wesenheit, sie sinkt zu *
unvollkommeneren Formen herab und gibt so zugleich, indeid <
sie jedem Einzelwesen und Einzeldinge die Freiheit des Wollens ‘
und Handelns läßt, Raum der Ufoic, der ddixte, dem Böseh.
Wenn so in der Lehre der Ionier die einheitliche Grund- _
substanz der Welt als das absolut Göttliche, die elementare iy
Grundstoffe als göttliche Persönlichkeiten erscheinet — Ana- ~~
ximenes nennt sie eof —, so liegt die Frage hahe, ob diese ;
als Hinzelgötter gefaßten Stoffbildungen
mit bestimmten » 3
;
.
Spekulation und Volksglaube in der ionischen Philosophie 317
Göttern des Volksglaubens in Beziehung gebra
cht worden
sind. Um die Beantwortung dieser Frage zu ermögl
ichen,
mag es gestattet sein etwas weiter auszuholen.
Die Gleichsetzung der Grundstoffe oder bestimmter
sich
gleich bleibender Stoffrerbindungen mit einzelnen Götte
rn des
Volksglaubens war zur Zeit der ionischen Denker keine
swegs
unbekannt oder ungewöhnlich. Wir haben hierfü
r das interéssante Beispiel des Theagenes von Rhegium, dessen
dann
5 ii die Regierungszeit des Kambyses 529—522
gesetzt wird.
| Porphyrius berichtet über ihn in den Scholia B
zu Homer Y 67
(ed. Schrader 1, 240, 14), daB derselbe — die Götte
rkämpfe
der Nias allegotisch durch die évavréoois aller der otoite
te,
EE Sv zò ra ovveoryxer, erklärt habe, wie er nicht
minder
schon einzelne Gottesgestalten als Abstraktionen —
so Athene
als podvneis, Ares als &pgoouvy, Aphrodite als &rBvu
Hermes als Adyog — gedeütet habe.
te
Denselben Standpunkt
; vörtreten auch die Kosmologen. Auf alle diese einzu
gehen
würde zu weit führen: nur die Schrift des Phere
kydes von
Syros möge hier etwas näher betrachtet werden,
die durch
den Fund der Grenfell-Hunt Greek Papyri Ser. II no.
11 (über
deu Diels Berl. Sitzungsber. 1897, 1441; Fragm.
d. Vorsokr.
2. Aufl. 507£.) ein besonderes Interesse gewonnen
hat, Seine
Schrift Ilsvreuvgos (vgl. dazu die xévre zróges
2481) ist
offenbar nach den fünf Welträumen benannt,
die er als wogol
xal B6dgoi kel &vepa, mit Türen und Toren verseh
en, auffaBte
_ (Porphyr. antr. nymph. 31), in denen er sich
die Weltstoffe
tund Weltpotenzen verborgen hausend; dachte,
- Den fünf
Welbräumen entsprechen die fünf Weltmächte
, die aber ihrerseits wieder den fünf Stofformen entsprechen,
in welche der
5 Kosmos geschieden ist. An die Spitze aller kosmischen Entwicklung stellte Pherekydes Zdg und X#ovln, in denen wir
. tinschwer die personifizierten Odearós und Ij erkennen können
(über deren Bedeutuug vgl. meine Meteorolog. Theorien 327 ff.)
Gleichzeitig mit diesen Weltprinzipien setzte Pherekydes Xobvos,
Page 7
View in PDF(opens in a new window)Evolution!
d.h. das Prinzip aller zeitlichen und genetischen
1 die unterirdische und die irdische, die Hydro-, Atmound
5 Feuersphiire — in engere Beziehung zu den versch
iedener
' Stofformen, Erde, Wasser, Luft, Feuer, zu bringen
Er ist
datin ein Vorginger aller späteren Physiker, die Heichfa
lı
— als der erste nachweisbar Anaximander [Plat] Strom
9.
| die Elemente an bestimmte Einzelsphären des Kosmos
binden,
318
aus ihm
phie
gehen (Budemus fr. 117 bei Damase. 1, 321 Ruelle) ‚|.
mio zal zveöpa zal Dôme hervor.
Damit sind die fünf a
zugleich dig =”
Weltenstoffe und Weltenpotenzen, und damit
fünf puyol oder Weltenräume gegeben: außer der Erde
&i-
.
(mveöpe). '
scheinen hier die Elemente Wasser, Feuer; Luft
Elennten,
anerka
ein
Wenn außer diesen vier, später allgem
12 #
irris.
as
menten als fünfte Macht noch Zds, von Hermi
(Doxogr. 654) als aifyjg erklärt, erscheint, so ist das
nicht
319
Wenn Pherekydes hierbei die von den lonieri einheitlich ze
fable Feuersphäre in die Räume des eidg und des
ae
; oh #0 kann das, wie schon bemerkt, nicht
auffallen,
wesentauffallend: auch die Pythagoreer haben den Äther ale
ist den
teles
Aristo
und
lich verschieden vom Feuer aufgefaBt,
x je enfalls ist Zdg oder Zeug der Vertreter des alo, und die
im zÖd
offenbar die höchste Weltregion erkannt, der dann
nd die
währe
wird,
t
eordne
die Feuersphäre der Gestirne unterg
fs
betref
Nur
sind.
Sphären der Erde und des Wassers gegeben
Gal mens. 2,7 und dazu Diels Fragm. d. Vors. 2. Aufl 610,19
)
bin gefälschtes Exemplar der Pherekydischen Schrift b ut :
wird , À
letzteren hierin auch seinerseits gefolgt. In Zes—eldre
zu vertreteil, hi
des zvsöue scheint Pherekydes eine Auffassung
die sich von der gewöhnlichen Fixierung der Luftregion
interessanter Weise unterscheidet.
it * 3
Denn die von Origenes €.
Cels. 6,42 aus Pherekydes’ Schrift überlieferten Worte xelvné
ngabe Laur. Lyd. mens. 4, 3 "Hitog abrog (näml, Z U
)
ste der auch jene Identifikation des ido mit Zeus stam
t
er ne ee que aber, wie die Fragmente und Refera
te
Est ; die Haup punkte det Göttermythen in seine
Darellung hereingezogen: wir können also nicht zweifel
n, daß 4
‚er das Wesen der Götter physikalisch gedeutet hat, Daher .-
oovow
dE ris molgus Evegdér bor à taptuoti polon’ pvido
u
Ovéll Evo
9 abriv Duyuréoss Bopéot "Aowviel tè wal
schwerlich «, ‘4
Zeg énfolier Bev Bray ris evpoloy werden sich
4
h. die unter
anders deuten lassen, als daß der Tartarus, d.
des
uuyôs
liche
dem Erdkörper befindliche Sphäre, der eigent
cius a. a. O.
vee — des als fünfter Weltstoff bei Damas
eigentlichen 3
genannten Luftelementes — sei. Aus dieser ihrer
|
Luft in ihrer
Wohnstitte kommen die Winde — ds h. die
kydes
Phere
daher
Bewegung — zeitweilig auf die Oberwelt;
a. 0.), durch
die @veag und mülas hervorhebt (Porphyr. a.
n oder gewelche eben die puyol gegeneiriander abgeschlosse
öffnet werden können.
‚an eco bei Diog. L. 1,116 (Fr. Hist. Graec. 1,
287
han 6) von ihm sagen voörov xedrov nepl pvosm
g val
5
perba: während seine Schrift anderseits (Suidas s. v.
ged mss pollon. Dysk. de pron. fr. 65, 15 Schneider)
geon als Peoloyta bezeichnet wird. Wenn daher Aristot
eles
»
on zoörot Peolopfaavess ustap. À 3. 983° 29 spricht
1 e mug eich negl rijs poems handeln; B 4, 1000* von
d
erkennen haben,
Darstellung des Pherekydes den Versuch zu
Kosmos —
die gegeneinander geschiedenen Einzelsphären des
‚läßt und den Pherekydes und £rso0£ tıvsg usrep. N 4. 10914
Jedenfalls scheint es mir sicher zu sein, daß wir in der
À
Depindönn beruht auf einem Irrtume: Lydus hat unchweisbar
tgl Hotodov vel ndvreg Boot ®eolôyor, welche die
épyat der
Dinge mit bestimmten #so{ identifizieren; 46. 1071? 97 f
M
ve Beoldyot ol Ex vuxros pevvövreg erwähnt und 410. 10789
97
hae we end die puowol advrsg zusammenfaßt
; endlich
ue e
Le
35 die doyaior xal dStarelpovreg mep) rag
oylas wieder mit physikalischen Fragen beschäftigt sein
als diejenigen bezeichnet, welche Mythisches und Physikalisches
Page 8
View in PDF(opens in a new window)ilber
Spekulation und Volksglaube in der iohischen Philosophie
%
Angiben den Schluß ziehen, daß die eigentliche physikalische Ee
Forschung — wie sie von den ionischen Philosophen scheinbar Ne
zuerst vertreten wird — aus der theologischen hervorgegangeti"
ist: die ältere, als theologisch charakterisierte Forschung.
hat
schon ihrerseits in den verschiedenen Stofformen des Kosmiöß
göttliche Persönlichkeiten erkannt und diese letzteren mit be: |
stimmten Einzelgöttern des Volksglaubens identifiziert, Seheti MR
wir nun, ob auch die ionischen Philosophen selbst noch diese ;
Tendenz vertreten.
Pherekydes hat aus dem Grunde für uns noch ein besonderes Interesse, weil wir es als sicher ansehen dürfen, daß
Heraklit die Schrift desselben in Händen hatte. Denn. die
enge Beziehung des Pherekydes zu Ephesus geht aus der
Legende über sein Grab Diog. L. 1, 1178. hervor: mit Ephesus
war aber auch Heraklits altes königliches Geschlecht unlöslich
verknüpft. Wenn daher Heraklit einen besonderen Teil seinet
Schrift als Adyog Heokoyixóg Diog. L. 9,5 bezeichnete, so ist
es von vornherein wahrscheinlich, daß er hier die Schrift des
Pherekydes, die gleichfalls mepl pvevog zel Heöp handelte,
vor Augen hatte. Denn man kann die Gottheit; auf die sich
dem Titel nach dieser Adyog Ssolopixdg Heraklits bezog; nicht
in deni Heraklitschen Sinne des zög delfwov verstehen, da
der erste, über zò x&v handelnde Teil der Schrift: die, eigent: À
lich physikalische Betrachtung der Welt vorweg genommen
hatte. Denn da Welt und Natur nach Heraklit nichts anderes
waren als eine Manifestation der Einen Gottheit, so war such
der ganze Welt- und NatutprozeB ohne Begründung ‘und Aus:
legung des göttlichen Wirkens, d.h. eben der Tätigkeit: des vi
Feuers und seiner Wärmeenergie, unverständlich: . Heraklit “
“muß also schon im ersten Teile seines Werkes die Bedeutung
und das Wesen, wie die Entwicklung ‚und die Metamorphosen
der Gottessubstanz gezeichnet haben (vgl. hierzu meine Ab:
handlung in den Jahrbüchern f. d. klass. Altertum Bd 23, 164%).
321
Hat er daneben noch in einem besonderen Teile die Theglogie
Rf behandelt, so kann die letztere nur in Beziehung zu den
nationalen eol stehen; die er somit einer erklärenden oder
kritischen Betrachtung tnterzog. Nun existiert aber, wie wir
sahen, für Heraklit nichts anderes als die Materie: alle Erscheinungen und Zustände der Natur sind die verschiedenen
Entwicklungsphasen des einheitlichen Grundstoffes und deren
Wirkungen. Hat also Heraklit bestimmte Einzelgötter. des
=. Volksglaubens in der Natur und deren Erscheinungen und
Zuständen erkannt, so können dieselben nur in Beziehung zu
der ursächlichen Gottessubstanz selbst und deren Einzelhypostasen, wie dieselben in den wechselnden Stofformationen,
in den elementaren Bildungen und in den verschiedenen Gebieten und Teilen der Natur und der Welt zur Erscheinung
. kommen, verstanden werden. Als solche göttliche Hypostasen
bezeichnet Epicharm (fr. 8 Diels) dvéuovs, Gdoo, viv, Iluv,
wög, dorégag; wo also außer den Elementen selbst,. Erde,
Wasser, Feuer, Luft, für welche letztere die Einzelwinde genatınt werden, noch Sonne und Gestirne als sof’ erscheinenz
auch Heraklit; wie die ionischen Philosophen überhaupt,
„ müssen für ihre Bestimmungen der @eof von diesen und ähnlichen feststehenden Bildungen ausgegangen sein.
4
Wir haben nun noch bestimmte Anzeichen, daB und wie
kt Heraklit die Volksgötter mit seiner Gotteslehre in Verbindung
f° brachte. Es ist nämlich mit Recht darauf hingewiesen worden,
daB Platos Dialog Kratylos sichere Spuren einer Beeinflussung
dutch Heraklits Lehre aufweist. In dem Streite, ob die Namen
der Dinge dos, oder ob sie Evy brjxy zal Guoloyla, bzw.
Vójip zal Es (383 AB; 384D), entstanden anzunehmen seien,
vertritt Kratylos die erstere Alternative, wonach die Namen und
“ Bezeichnungen der Dinge die getreuen Abbilder und Wiedergaben (ayer 414D; 423; eludves 432B; Evupova 436C
* und ähnlich) der zedppara oder övra seien. Und diese Auf.
‚ fasung der Namen wird wiederholt und bestimmt als StandArchiv f. Roligionawissenschaft XIII
Page 9
View in PDF(opens in a new window)bezeichnet;
punkt Heraklits und der Heraklitschen Schule
Sprache in den feststehenden, von allen angenommenen Begriffen und Bezeichnungen der Wesen und Dinge, der Handlungen und Zustände, ist so die eigenste Tat der in den Seelen
399
mit Heraklit
daher immer von neuem die Übereinstimmung
Asyl Hd:
A
402
v;
derro
betont wird: vgl. 401D xe8” ‘Hodx
323
4405 ag
der Menschen gemeinsam und gleichmäßig wirkenden einheitdiese Erklärung
‘Hodxheuros Aysı. Man hat von ‚anderer Seite
i lichen Gottesvernunft, die somit in der von allen gleich ge-* brauchten Sprache ein gemeinsames Band, einen Adyog Euvdg,
r auf:
der Namen als ein von der Schule der Herakliteer späte
gain
r
schwe
aber
gebrachtes Novum deuten wollen. Es ist
Sehuls
lich, daB die unter Heraklits Namen später blühende
keinen Zu.
völlig neus Lehren sollte aufgebracht haben, die
dad eine
ers
Meist
sammienhang mit dem Lehrsystem ihres
“dh. 0wwos, schafft (fr. 2)
~~
xAsıros; B ‘Hooxhelrov; 4400 ol zee) ‘HedxAsitor;
rüchen fanden.
Begründung in dessen eigenen Ideen und Aussp
von
chlich bieten denn auch die Bruchstücke, welche wir
Patsii
Verwertung
Heraklits Werk besitzen, deutliche Spuren einer
g, daß die
eugun
Überz
der Namen für seine Lehre; tind diese
und wahre
echte
Namen und Bezeichnungen der Dinge der
naturgemäß in
Ausdruck des Wesens dieser seien, fügt sich 80
nicht zweifeln
seine allgemeine Weltanschauung ein, dab wir
uns zu haben.
können, hier tatsächlich die Lehre Heraklits vor
|
en.
Das wird sich aus folgendem ergeb
n,
Brade
nen
hiede
Die in allen Dingen, wenn auch in versc
stanz ist ee
Jebendige und schaffende Feuer- und Wärmesub
denkende Kra t,
- gleich die psychische, die vernünftige, die
den Einèelwesen
wie
theit
welche, dem Kosmos in seiner Gesam
zu einein ge
aller
immanent, das Seelen- und Vernunftleben
das Denken
meinsamen und einheitlichen gestaltet. Wie aber
Diese Auffassung der Sprache,
ünd in erster Linie der sie zusammensetzenden Begriffe und
Namen, gibt dem Heraklit das Recht, die övonera der mpdyHare als quÜost geschaffen, d.h. als den natürlichen Ausdruck
an Aer immanenten göttlichen Vernunfttitigkeit zu fassen und zu
erklären.
So kann Kratylos, der Herakliteer, im Sinne seines
Meisters sagen 438C: ofjtar phy épb cov dândeorarov Adyov
rigl vovrov elvar, & Expats, melo tiva Sdvepry sluu À
‚ évBporslav rv Beusvnv và moöre dvdpata vols rodyueoın,
, so muß nach
im Adyos, seinen naturgemäßen Ausdruck erhält
gemeinsam und
n
Heraklits Auffassung auch die in allen Wese
ihren spracheinheitlich wirkende und schuffende Gottesvernunft
Außerung ihrer
lichen Ausdruck erhalten: und diese natürliche
Bore dvayneiov elves wird 6p9@s Ege. Es ist nicht menschliches Machwerk, wie es in der Sprache zum Ausdruck kommt,
sondern eine höhere Kraft, eben die immanente Gottesvernunft,
A
schafft sich in ihr den uatürlichen und damit zugleich notwendigen Ausdruck. So dürfen wir mit Recht behaupten, daß
” die Lehre, die évduara seien poet geschaffen und demnach
* ein Mittel, das Wesen der Dinge zu erkennen, organisch mit
‚der allgemeinen Weltanschauung Heraklits zusammenhängt.
'
Von diesem Gesichtspunkte aus muß Heraklit in den
Nainen der Volksgötter zugleich eine Bestätigung für ihre
B: Realität und nicht minder ein Mittel für die Erschließung ihres
| {tneren Wesens erkannt haben. Dementsprechend werden im
Kratylos die Götternamen selbst, 395E—408D, wie nicht
hiinder die Begriffe Sonne, Mond, Sterne, Äther, Luft, Feuer,
Wasser, Erde, Horen, Jahr, 408D—410D, einer Betrachtung
en Rede. Der
tätigkeit in den Begriffen und in der vernünftig
en Denkens,
nftig
Adyog wird so die Bezeichnung des vernü
fung der
Schöp
sowie seines Ausdruckes in der Sprache. Die
.‘ heit fehlt, was auf Heraklit selbst, was auf die Deutungen der
N, späteren Schule zurückgeht, und jedenfalls die meisten dieser
n Sprache,
des einzelnen in der Rede, in der zusammenhängende
Denkimmanente Wirksamkeit schafft sich die göttliche
. "üttterzogen, um aus der etymologischen Deutung ihrer óvógata
: Behliisse auf ihr Wesen zu ziehen. Da hier aber jede Sicher-
Page 10
View in PDF(opens in a new window)Erklärungen späterer Zeit angehören, so müssen wit ès tthe ’
versagen, auf diese Deutungen näher einzugehen: wir halten
yauf Prelier-Robert 1, 686#f. zu verweisen. Anderseits
aber er: klärt Heraklit wiederholt (fr. 57. 67) 6 Bede Anden
evppoory,
uns an die geringen, aber sicheren Spuren, die uns die Bruch:
7 7
stücké Heraklits selbst liefern,
Hier ist es vor allem bedeutsam, daß Heraklit sein höchstes :
Gottesprinzip mit dem höchsten Gotte des Volksglaubens identifiziert und hierfür ausdrücklich auf den Namen des letztetett
sich beruft. “Ev rd sopoy potvoy Agpectar oùx EHélel zi
éédst Znvds Svoue heißt es fr. 32.
priùzips zu erschöpfen.
mit der bestimmten Motivierung &2Aoroöreı db Big zeg
Auch Sokrates erklärt in Kratylus’
(nig):
„Tag und Nacht sind also nur die wechselnden Ersche
inungs-
“forinen einer und derselben Gottheit. Und weiter sagt
er von
“der Sonne (fr. 100), daß sie die Trägerin aller pereB
odat der’
Natur sei. Aller Wandel von Tag und Nacht sowie
aller
Das Zögernde dieses
Ausspruchs, „es will nicht und will doch“, darf man dahin
erklären, daß der Hinweis auf zò bijv, der in dem Namen Zij
liegt, nicht gentigend ist, um das Wesen dieses höchsten Welt.
395
: Orph. hy. 53,1. Sein unterirdisches Dasein wurde nament
lich
ih Delphi während der Wintermonate gefeiert, wofür es
genügt,
®
'
‚Wechsel der Jahreszeiten besteht in der dAlolooig
der einen
ÿ. Köttlichen Feuer- und Lichtsubstanz. Der Schluß
liegt nahe,
dag Heraklit — durchaus im Rahmen îeiner Gesamt
weltki Anschauung — Dionysos und Hades als die altern
ierenden
‘4
B: ‚Phasen des göttlichen Lichts gefaßt hat. Während Diony
Sinne 396 Af. Zijva — Boris dorlv altiog pälhov tod Liv — ,sos
- Uas letztere in seiner himmlischen Erscheinung und Wirks
“5
5
Heraklit
auch
Daß
zdgger.
Loew
rois
noi
del
dv’ Bw tiv
amtatsächlich auf das fv anspielen will, erkennt man daraus, -% à keit darstellt, bringt Hades die Periode des verschwindenden,
3 ‚des sich verbergenden Lichts zum Ausdruck. So wird
oro 8h AaB er sonst (fr. 120) den gebräuchlicheren Namen Zeus an: |
Dionysos
wende
gleichf
zur Bezeichnun seines
ten Gottes, Be be. tind Hades dvds, wie auch fuéon und söpeovn derselbe Hede
wie t,
auch die alls
Referate von Zeus g als deni höchs
höchsten Gotte ; “à Pit, Es ist demnach auch wahrsc
heinlich, daß Heraklit schon
Heraklits wie selbstverstindlich sprechen.
: 4 die später gebräuchliche etymologische Deutu
ng des dvope
Und in gleicher Weise tedet Heraklit von anderen Gott= Alôns als derde (Plato Kratylos 403
A) gebilligt und vertreten hat.
nationalen Kults in einer Weise, die den Glauben
“heit
an en
die des
wirkli
che Existenz derselben voräussetzt. Apollon,
4 a
Mit besonderer Ehrfurcht spricht Heraklit yon Apollo
n,
Dionysos — Hades treten in bestimmten Aussprüchen als reale,
dem die Worte gelten (fr. 93) 6 dvak, ob rd narısicv dors
leibhafte und lebende Göttergestalten uns entgegen, deren
‚to &v Aédqots, obte Alper obre wovarer dAAR onnalver. Daher
Wirklichkeit für Heraklit keinem Zweifel unterliegt. Von!
die Sibylle (fr. 92) paivopdvp orduatr dyliaore val dnadhe-
Diony
undBeep
Ilades sagt Heraklit fr. 15 durds 68 ‘Ads wl
Aubvossos,
palvo
Rota val dpboioru pbbypopdvy ziklov êröv erevetrat tf
vem val Iqvettovow: und diese Identi:
1. hf did cov Hedv. Auch in diesen Worten spricht sich
der
fizierung der beiden Götter bedarf der Erklärung. Nun ist es
3 tinerschiltterte Glaube an die Realität der hehren Gottheit
bekannt, daß Dionys in Mythus und Kult ebenso Beziehungen,
Apolis bud an die Wahrheit seiner Verkündigungen aus. Im
zum Lichte wie zum Dunkel, zur Oberwelt wie zur Unterwelt
zum Ausdruck bringt.
Er heißt Aopatyjg Paus. 7, 27, 3 und *
zugleich vuwréliog Paus. 1, 40, 6; Plat. Hi 9. 389B; er ist}
Ek
avotpevijs Diod. 4, 5; Str. 13, 628 und nicht minder g&dvros Ë Le
‘Pepel der Ártemis ferner legte Heraklit als Weihegabe seine
B
Schrift nieder (Diog. L. 9,6), und nichts deutet an; daB diese
„Beziehung zu der nationalen Göttin als Widerspruch mit seiner
à Überzeugung empfunden wurde. In den unter Heraklits Namen
Page 11
View in PDF(opens in a new window)4
Spekitlation und Volksglaube in der ionischen Philosophie
”
397
begabt, nur in äußerlicher Beziehung zur Natur und zum Leben
un schte 5
gefälschten Briefen, die aber manche Reminiszenz
3H), © 3
Briefe
Heraklits
Bernays
(vgl.
enthalten
Ausspriiche Heraklits
« sehen: für “Heraklit aber sind sie die Jebendigen Natur-
Azulorgiw und den Ares &vvdhiog: auch hier wird Nicht die.
Norien und Ordnungen der Dinge und Geschehnisse, die in
brichéinungen selbst, die vernünftigen immanent’ schaffenden
findet sich (Ep.7 Zeile 53#.) eine Polemik gegen die Adqva zo:
allem wirkende und über allem waltenden Gotteskriifte:
‚Und der Naturordnung, welche alle diese, auf eine einzige
Existenz dieser beiden Gottheiten geleugnet, sonder nur ihre =
traditionelle Auffassung bekämpft. Zur Eleusinischen Demeter.
stand Heraklits Geschlecht (Strabo 14, 633) in alter Be-
N toy zurückgehenden, Einzelhypostasen der Gottheit vertreten,
„ eättspricht wieder die Sittenordnung, welche die Welt beherrscht.
So verschieden auch die véuot der einzelnen Staaten sein
“ Mögen, sie gehen dls Ordnungen auf die einzige Gottesordnung
‘ziehung: schon Pherekydes hatte dieselbe, soweit wir urteiler
dürfen (fr. 1.2; Paus. 3, 14, 5); als Erdgöttin gedeutet. Went
Heraklit das königliche Priesteramt, welches eng init diesem
zurück.
Kulte verknüpft war, später an seinen Bruder abtrat (Diog:
L. 9, 6), so weist doch nichts darauf hin, daß er diesen Schritt
toodrov dxdoov Edle nal saoxel mior Hal repiplvsran,
Dieser innigen Wechselbeziehung zwischen der göttlichen Naturordnung und dem Sittengesetze der Staatsordnung hatte Heraklit
einen besonderen Teil seiner Schrift, den Adyog. molızındg, gedeshalb tat, weil er in seiner religiösen Überzeugung in Zwiespalt mit dem Glauben an die Existenz der Göttin gekommen
war. Von der Dike und den Erinnyen redet Heraklit (fr. 28.
28. 94) wie von Realitäten, und betreffs der ersteren- betont
er wieder ihr övon« in Deütung ihres Wesens, wie er auch
fr. 48 das 6voua eines Dinges als bestimmend für das Wesen
.
.
|
desselben hervorhebt.
So tritt uns in dem, was wit von der Göttetlehte Heraklits
erfahren, nichts entgegen, woraus wir auf eins MiBaclitung der.
Götter des nationalen Glaubens zu schließen ein Recht hätten,
Freilich wollen christliche Schriftsteller von einer Klage wissen,
Daher das schöne Wort (fr. 114): zoépovrm
pap
aévres ol dvPodmaror vdpor bad Evög tov Belov’ xparel
yao
widmet, Diog..L. 9, 5.
Die tiefe Aüffassung der Gottheit als der immanenten
Weltenvernunft und Sittenordnung erklärt es, daß Heraklit
emit einem so leidenschaftlichen Zorn alle frivole und oberAA flachliche Erfassung der Götter bekämpft. Wenn er
erklärt
van (Diog. L. 9, 1), Homer und Archilochus hätten verdient, aus den
à
Preiswettkämpfen verwiesen und mit Ruten ‚gezüchtigt zu
mi x werden, 80 kann sich ein solches scharfes Wott nur aus der
die gegen ihn wegen dosßsı« anhängig gemacht sei: kein altes
B sittlichen Entrüstung über die unwürdige Art erklären,
Zeugnis aber bestätigt diese Nachricht; die. nichts ale eine
mit
Kombination ist (vgl. Bernays a. a: O. 35f.). Hat Heraklit an 7% i. der namentlich der erstete die Gütter dargestellt hat. Und,aus
den Volksgöttern Kritik geübt, so kaun sich das nur auf did « “à x. & diesem sittlichen Zorn erklärt sich auch der Haß und die VerachForm beriehen, in der die unverständigé Menge diese heiligen | 4 # ting; ‘aus denen heraus er immer. wieder gegen die vernunitlose
Persönlichkeiten auffaßte und verehrte. Daher der Ausspruch $ F - Menge dié Pfeile seines Grimms richtet. Die Menschen beten
sagt Heraklit voll Entrüstung, zu den Götterbildern, wie wenn
(fr. 5): obts pivdoxovery Bsobg od’ fjomas oitivég lot.
jeniand mit Gebäuden Zwiesprache halten wollte (fr. 5.): denn
Nicht die Existenz der Götter und Heroen wird hier bezweifelt,
:
fiir Heraklit ist das Walten der Götter unabhängig von Bildern
nur die Auffassung ihres Wesens wird bekämpft. Denn für
Ct und Kultstätten. Die polemischen Bemerkungen gegen die
die Menge sind die Götter beschränkte; menschenähnliche
Geschöpfe, die, wenn auch mit mehr als gewöhnlichen Kräften
räumliche Fixierung der ‚Gottheiten und ihr Gebundehsein ‘an
Page 12
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Tempel und Altire in Ep. 4, Zeile Off. (vaolg dzroxsnderouévog —
dv oxdrer — im xspffolog und als Statue) scheinen wieder
auf tatsächlichen. Aussprüchen Heraklits zu beruhen. Sein
und was mit ihnen zusammenhängt ist für Heraklit der unmittelbare Lebensprozeß, die sich wandelnde Körperform der
Gottheit selbst und die Ordnung jener ist die Manifestation
eben der Gottesvernunft. Und ferner: wenn in Heraklitscher
Eifern gegen Bakchen und Mysten (fr. 14. 15) geschieht nicht, : À
weil er den Kult als solchen verwirft, sondern nur weil Mysterieii
und Dionysien in schamloser Weise gefeiert werden. Auch
hier also kann sein Tadel sich nur auf die Form beziehen,
329
Auffassung Helios täglich stirbt (fr. 6), so ist das kein Hindernis,
in welcher der Kult vollzogen wird. Und so verlangt er auch
in ihm zugleich diejenige Erscheinungsform der Gottheit zu
erkennen, welche die für das kosmische Leben höchste und
entscheidertdste Bedeutung hat. Sein wechselseitiges Leben und
von den Opfernden innerliche Reinheit; die Sühngebräuche gelten
Sterben ist eben die für den Kosmos notwendige Ordnung, der
ihm nur dann als wirkliche Heilmittel der Seele, wetin sie in
sich der Gott bereitwillig unterzieht, Die Aussprüche Heraklits
tiber Helios (fr. 94; 100) lassen die zentrale Bedeutung des
letzteren erkennen: nichts steht der Aunahme im Wege, daß
Heraklit den allgemeinen Glauben teilt, welcher auch Apollon
rechtem Sinne geschehen (fr. 68, 69); die Blutrache geißelt et
(fr. 5), weil dieselbe unter religiösem Deckmantel nichts ist
als die Betätigung von Rache, HaB und Ungöttlichkeit.
Man ersieht aus alledem, daß Heraklits Polemik nicht
den Göttern selbst und auch nicht der Götterverehrung an
sich gilt: nur. die verständnislose Auffassung der Götter als
als Kultnamen des Sonnengottes faBte und erklärte.
Denn für Heraklit sind die Götter die Hypostasen bestimmter
Für Heraklit steht es fest, daß es nur einen gemeinsamen
Seelenstoff, als die feinste und die eigentlich ätherische Form
der Weltmaterie schlechthin; gibt, welche den Kosmos erfüllt
und in seinem ewigen Auf- und Abwogen die Götter ebenso
bildet wie die irdischen Wesen: nur mit dem Unterschiede,
lebendiger Stofformationen und Phasen des Naturprozesses, ‘
daß jene reiner und unvermischter die ursprüngliche Wesenheit
die als Sonderbildungen der einen Grurdsubstanz denselben
bewahren, während die tellurischen Gebilde, durch den Erdestoff des Leibes beschwert, ihre göttlichen Seelen nicht rein
zu erhalten vermögen. So kann Heraklit Götter und Menschen
prinzipiell gleichsetzen (fr. 62); von Seelen und Dämonen ist
toter Götzen und die rohe, sinnlose und utiwittliche Form des ~ *
Kults ist es, gegen die sein Haß und seiti Tadel gerichtet ist.
Charakter, wenn auch in abgeschwichter Wesenheit, tragen
wie die letztere selbst. So kann Heraklit vom eds und dem
#stov schlechthin (Aetius 1, 7, 22; fr. 115 33; 67; 78; 83;
102) und von den feof und den Geta (Aristot. part, anim.
Ab, 645* 20f.; fr. 5; 24; 86) sprechen. Ist 6 dadg identisch
mit der Vernunft, dem Logos (Sext. math. 7, 129), der Harmonie (fr. 51) und der pats, als der lebendigen Natureinheit,
so sind die Einzelgötter, als die bestimmten Einzelphasen tnd
Zustände der lebenden Materie, nicht minder Träger der vernünftigen Weltordnung. So kann Heraklit ferner vom Blitz
des Zeus sagen (fr. 64) vè db srdvra oluxlker xegovids und
doch den Prozeß der Gewitterbildung in ihren Einzelphasen
festzustellen suchen (Aetius 3, 3, 9): denn Blitz und Donner
ihm die Welt erfüllt (Diog. L. 9, 7); ès ist derselbe Stoff,
welcher die Sonne täglich neu bildet und welcher die Seelen
gestaltet. Aber die Götter, als die sich ewig gleich erneuernden
höheren Bildungen von Äther und Licht, von Luft und Winden,
& { von Sonne, Mond und Gestirnen, werden als Träger der Naturordnung zugleich zu sittlichen Gewalten, deren Verehrung reine
Hände und reine Seelen verlangt.
Es ist nur eine Konsequenz der Weltanschauung Heraklits,
in der Materie und Vernunft in unlöslichem Bunde vereinigt
sind, daß Heraklit am Glauben an die Wahrheit der Mantik
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festhilt, Denn sind alle Naturerscheinungen die Manifestationen
der Gottheit und steht ferner die menschliche Seele, da sie
selbst eine stoffliche Bildung und zugleich ein Teil det allgemeinen Weltvernunft ist, in intensivstem geistigen Verkehre
mit der göttlichen Außenwelt, so ist damit von selbst die
Möglichkeit gegeben, daß ein auf die Zeichen der Gottheit
achtender Sinn dieselben auch zu verstehen und zu deuten
weiß. Heraklit spricht sich denn auch (fr. 92. 93) entschieden
für die Wahrhaftigkeit des Apollinischen Orakels aus, und
Chaleidius in Tim. 249 sagt allgemein: asserit (Heraclitus)
sie; wie wir sahen, die aus dem Urprinzipe abgeleiteten
elementaren Bildungen bestimmt als einzelne göttliche Persönlichkeiten aufgefaßt, so ist die Möglichkeit, ja die Wahrscheinlichkeit, daß sie diese Einzelgötter mit bestimmten Gestalten desVolksglaubens identifiziert haben, nicht ausgeschlossen.
Beachtenswert bleibt es jedenfalls, daß Diogenes von Apollonia
dessen Abhängigkeit von Anaximenes in allen wesentlichen
Punkten feststeht, auch seinerseits das höchste Gottesprinzip
mit Zeus identifiziert, Philodem. de piet. 6° (Doxogr. 536). Wie
schon Homer O 192 in den Worten
330
divinationis usum, et praemoneri meritos, instruentibus divinis
potestatibus. Auch hierfür verweise ich auf meine Abhandlung
|
in den Jahrbeh. f. d. kl. Altert. a. a. O.
So dürfen wir unser Urteil über die Lebre Heraklits dahin
zusammenfassen, daß dieselbe keineswegs gegen die Volksreligion selbst gerichtet gewesen ist. Gleich dem Pherekydes,
331
Zevs ò Bay’ otgaviv edgdv Ev alPéor ned vepéigour
als die in deni Begriffe des Zeus geeinten Teile des Himmels
den olfjg, die Feuerregion, einerseits, und den dijo, die Luftregion, anderseits hervorhebt, so hat Heraklit ebenso seine
Feuersubstanz, wie Anaximenes — Diogenes ihre Luftsubstanz
der
welcher in seiner Schrift die Betrachtung ‘der pvoig mit
mit dem nationalen Himmelsgotte Zeus zu. identifizieren
vermocht.
|
hat auch Heraklit im ersten Teile seiner Schrift eine Darstellung
Gottes- und Götterlehre sei kein Bruch mit dem Volksglauben
Deutung der Geof, der Volksgötter, als der Personifikationen
stofflicher Formbildungen und räumlicher Sphären, verband,
Hiernach haben wit ein Recht zu behaupten, die ionische
der einheitlichen Kosmosbildung tnd der Stoffevolution gegewesen, sondern der Versuch, den letzteren tiefer zu erfassen
und zu begründen. Hatten die Götter des griechischen Polytheismus, wie Zeller a. a. O. 1%, 54 sagt, in Wahrheit nur die
Teile und Kräfte der Welt, die verschiedenen Gebiete der
derselben und die-rohe Art ihres Kults entschiedenen Protest
ionischeti Denker dieser Auffassung der Gottheit und der Götter
einlegte.
sich anschlieBen. Aber in dem Ringen ihrer Seelen nach einer
einheitlichen Weltanschauung gestaltet sich ihnen der ganze
geben, um im zweiten Teile eine Kritik der religiösen Vorstellungen anzuschließen, die an der Realität und der physikalischen Wesenheit der Volksgötter keinen Zweifel erhob;
wohl aber gegen die fetischistische und unsittliche Auffassting
.
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Daß wir über die älteren Ionier — Thales, Anaximander,
Anaximenes — nichts erfahren, was uns berechtigte, in ihref
Auffassung der Gottheit und der. Götter Beziehungen auf die
Tatsachen des Volkeglaubens zu erkennen, kann bei der Diirftigkeit unserer Quellen nicht auffallen.
An und für sich liegt
kein Grund vor, eine solche Wechselbeziehung zwischen ihrer
Spekulation und dem Volksglauben zu bezweifeln. Denn haben
Natur und des Menschenlebens zum Inhalt, so sehen wir die
Kosmos zur Entfaltung einer einheitlichen Gottessubstanz, aus
der die einzelnen Phasen der Stoffevolution in organischem
Werden hervorgehen. Mit dieser Gottessubstanz und mit den
aus ihr hervorgegangenen Stofformationen, Entwicklungsstufen
und Zuständen der Materie den höchsten Gott und die ihm
untergeordneten Hinzelgôtter des Volksglaubens in Beziehung
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View in PDF(opens in a new window)Otto Gilbert Spekulation u.Volkeglaube in der ionischen Philosophie
ar
zu bringen, ja jene mit diesen zu identifizieren, habett sie kein
Bedenken getragen. So wird ihre Spekulation zu einer Recht- :
fertigung des Volksglaubens: nur aus diesem religiösen Gesichts:
punkte ist die ionische Forschung verständlich, die hierin durchaus als die Fortsetzung der älteren theologischen Spekulation _'
erscheint. Wie die scholastische Philosophie mit ihrer subtilen
Dialektik, tiefen Spekulation und großartigen Gelehrsamkeit
nichts anderes ist als die Rechtfertigung des christlichen Dogmas
vor dem Verstande, so gelten auch die Anfünge der griechischen
Philosophie — in der ionischen, eleatischen und pythagoreischen
Forschung — in erster Linie der Frage nach dem Wesen der
Gottheit und der Götter. Es ist nur der eine bedeutsame
Unterschied zwischen der Scholastik und der älteren griechischen Philosophie, daß jene, von den eisernen Banden des
Dogmas festgehalten, niemals in die reinen Höhen der freien
Forschung gelangt, während die griechischen Denker, selbständig und unbefangen dem Glauben gegenüberstehend, aus
seinen Fesseln sich in immer freieren und kühneren Spekulationen
zu lösen wissen.
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