Pythagoras

Author
Bode, W.
Published in
Stunden mit Goethe
Year
1913
Subject
GOETHE
Language
Deutsch
Category
C6 Language & literature
Archive number
446

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Stunden mit Goethe Für bie Freunde feiner fiunff und Weisheit Herausgegeben von Y È dub Dr. Wilhelm Bode BODE,W. Var Mit zahlreichen Abbildungen 4 Berlin 1913 Ernft Siegfried Mitticr und Sohn Königliche Hofburhhandfung Roltrahe 68 - TI

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ann‘ Von W. Bobe, Gr bat mehr als einmal über die philologifde Qucllenforfderei gefpottet, fo aud) in einem Ge: dichte, das hat der Autor?“ es um 1824 entftanden fein mag: „Woher Id) habe niemals banad) gefragt, Von welhen Schnepfen und Fafanen, Napaunen und Wellhenhahnen 3d) mein Vaudfein han gemältet. So bei Pythagoras, bei den Belten, Ta id) unter zufriedenen Gaften; Abr Frrohmahl hab’ id) unverbroffen Niemals beftohlen, immer genoffen. Wenn der Liebhaber Goethes diefe Zeile n licft, er bei dem Namen Pythagoras, ftußt und auf die Gefahr hin, su den eben Berjpotieten zu treten, wühte er gern, marum Goethe ihn, und nur ihn, ihn vor Allen, nennt. Zelbit auch auf die Gefahr bin, dab Goethe in einer Ztenden mit Goethe. 4 li Oeft 1.

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Wilhelm Bode. Viephifto-Laune diejen Namen die Philvlogen zu narren. bingeworfen babe, um Denn, wenn er's jo gemeint, môdten wir ihn dod) aud) recht verftehen. Eine Antwort liegt nahe: Pythagoras Tann als Sübrer der Lehrer-Sdar genannt werden, weil er zeitlid) ihnen allen voraus ijt; er lebte im 6. Jahrhundert vor der driftliden Seitrednung. Es bleibt aber bie Saupifrage: wiefo war er denn ein Lehrer Goethes und einer deutfhe der Bellen? Didter? Was verdanite ihm der _ Goethe felber gibt uns nirgends eine Untwort; er Pythagoras fehr felten. Weiter wird erwäbnt den uns die Belehrung dadurd) erfdwert, bah jener Philofoph (der €rfte, der fid) einen Philofophen genannt haben fol) halb derGejdidte, Halb ber Gage ane gehört; er hinterließ feinerlei Schriften, und feine Leb: ren find mit denen feiner Schüler zufammengefloffen. Wir Haben alfo Leine Urkunden, aus denen wir die etwaige Übereinftimmung Pythagoras fonnten. und unferm ¿wifdjen dem deutjhen Didter wirfliden erjehen Aber auf den wirtliden Pythagoras fommt es ja aud nidt an: was ibm zu Goethes Zeit que gefrieben wurde, Das wäre zu vergleidyen. Ein paar Einzelheiten fallen uns ein. foll die Harmonie der Zufammenflang ber Sphären gelehrt bewegten Pythagoras haben, ben Simmelslörper, eine Mufit, die wir Menfdjen nidt vernehmen, weil fie ewig gleid) flingt. Hier haben wir aljo "bie Quelle von Raphaels Lobpreijung: „Die Sonne tönt nad) alter Weile In Bruderfphären Wettgefang.“

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‚Wilhelm 3 Meifter‘ nimmt cin ariftofratifder Geheimbund das Schidfal des Helden in feine Obhut. Diefer Teil der Erfindung lag fehr nahe in einer seit, wo über Hreimaurer, Illuminaten, Rofenfreuger und Sefuiten Joviel gedadjt, geredet und gefabelt wurde; folte Geheimbünde verwandten damals ja aud andere Didter (3. DB. Schiller im ‚Geifterfeher‘, Jean Paul im ‚Titan‘, Vulpius im Rinaldo Rinalbdini*); trogdem bleibt widtig, dak Pythagoras einen folden Geheimbund wirflid geltiftet hat. {daft fonnte man fid) Diefe erfte derartige Gefellals etwas Erhabenes, Vollfommenes vorjtellen; fein Stifter ward als ein Halbgott empfunben, und „autos epha“, er felbft hat es gefagt,, (Goethe verwendet das Wort in einem DivanSprud) entfdied bei feinen Jilngern alle Zweifel. Der Bund Demofratie war aud gerichtet; in politifh, námlid) gegen die religiöfer Hinfiht bie war Hauptiehre bie ie Einheit Gottes. 3n biejem Pantheismus erfennen wir ei eine wichtige Berwandtihaft zwifden Goethe und dem alten Grieden. Pythagoras erllärte die Melt als einen Barmoni[d georbneten Rosmos, aus zehn Zentrum großen Körpern gefchlid) Zentralfeuer und beftehend, bewegen. bie [id um ein Das Zentrum oder Monas ift das Nollfommenfte der Natur, Prinzip der Márme und des Lebens, weldjes Alles burd)bringt, daher denn Sterne, aud) Götter und felbft Menfden und Tiere mit der Gottheit verwandt lind. Eine Mittelgattung zwifchen Göttern und Menfden find die Dämonen, die durch Träume und Eingebungen großen Einfluß auf die Menfchen haben. Gleichwohl ijt

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Wilhelm Bode. aber dod) die Gottheit das allgemein wirtende Pringip, das Fatum. Die Vlenfihenfeele ¡ft ein Ausfluf aus dem Sentralfener und Aether, fid mit der beftebt aus jedem warmem Stórper und faltem verbinden fann, nad) dem Fatum aber einen gewilfen Kreis von Rôrtpern durdwandern muß; die Individuen fehren_in neuen Gejtalten wieder. Das find fehr wichtige Anfhauungen, und dod) ges migt alles Gefagte nidt, um Pythagoras für einen großen Beeinfluffer Goethes zu erfláren. Wir timen aud) nicht weiter, wenn wir den alten Griedyen als bes rühmten Wathematifer und die Viatbematif als Unter= lage feiner Philofophie betradteten, obwohl es wieder eine widtige Uhnlidteit ift, daß Pythagoras und Goethe bei der Weltanfdauung vornebmlid auf die Form der Œrjdeinungen ihre Augen richteten. IH weiß eine Ertlárung für das Befenninis: „So bei Pythagoras, bei den Bejten, Ga id unter zufriedenen Gäjten“ nur dann, wenn id annehme, dal Goethe die fogenannten Goldenen Sprüde des Pythagoras gemeint Babe und fid ihnen zu verpflichtet großem Dank fühlte. Es handelt fid) hier um alte Weisheitsfprücde und praïtifde Lebensratjchläge, wie man fie 3. B. aud) in der Bibel (unter den Namen von Salomo und Jefus Sirad)), in der Edda und bei anderen Yôltern findet; nur haben fie eben mehr griedife Art. Wer fie ge: prägt und miteinander verbunden hat, weiß man nidi; wieviel fie mit Pythagoras zu tun haben, braudyen wir nicht zu fragen; es genügt, dah Goethe fie unter dem

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Namen des alten Weifen fennen lernte, und dah fie als ein Autos epha biejes Mannes flärferen Eindrud machten. Wann Goethe fie zuerft fab, wifjen wir nidt; dod) Tann man mit Gewißheit glauben, daß er die erfte beutfde Tberfegung, diejenige von Gleim, iim Mai 1775 oder bald nadber fas, denn fie erfchien in Wielands ‚Teutfchem Merkur‘, dem der junge Franffurter Dichter, wie natürlid, große Aufmerkfamfeit [hentte. Wir fünnen weiter vermuten, dak diefe Zufammenfaffung griemifdjer Weisheit zur rechten Zeit auf ihn wirkte, denn er war Jon damals, obwohl nod) ,,biesfeits von Weimar, auf bem Wege zu der Hellenifdjen Gefinnung, die "einige Jahre [pater in ihm auf immer zur Serrfaft fam. Er [djwármte Tängjt für den Homer, fammelte Gipsabgüffe * nad) antifer Muftern: hier_fand er als ein Drittes die_antife Philofophie_und Lebensfunft. Am 8. September 1780 war Goethe mit bem Herzog Karl Auguft in Jlmenau und [hrieb Freundin Charlotte v. Stein. Erbenmängel unb von ba feiner Juerft gebadte er ber Menfchentorheiten, die ihm wieder einmal faft die Stimmung verdorben hätten. „Dann las if zur Abmalhung und Reinigung einiges Griehifhe. Davon geb’ ih Ihnen in einer unmelodifdern und unausdrüdendern Sprade, wenigitens burd) meinen Mund und Feder, aud Ihr Teil: Und wenn Du's vollbradt haft, Wirft bu erlennen der Götter und Menfchen unänbderlid Wefen, Drinnen fid) Alles bewegt und davon Alles umgrenzt ift, Stille Jhau'n die Natur fid) gleid in Allem und Allem, Nidts Unmöglides hoffen und bod bem Leben genug fein." Das ijt eine jiemlid) treue Überfeyung aus ben

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Wilhelm Bode. ‚Goldenen Sprüdjen‘ — Gleim war viel freier mit der Vorlage umgefprungen — und wir haben hier aljo einen Beweis, dak Goethe dieje Gnomen im Urterte las. Da mir aber [deint, daj Gleims liberfegung auf ibn, dem das Griedifde [dywer fiel, den ftärleren Eindrud magie, Jo midte id die Lefer bitten, fowobl Gleims Ver: deutihung wie cine ridtigere Übertragung des Urtextes au lefen; die Sade ift es wohl wert. Schon ein flüdtiges Anfehn zeigt uns eine Er Närung, wiejo id) Goethe zu diefem Grieden "betennen tonnte. _ Pythagoras tritt bier als Ppilofoph im volistünlicyen Sinne des Wortes vs vor uns, als ein Geil, der hohe, mittlere und niedere Erfenntniffe und (Er: fabrungen gefammelt hat und fie sujammengefaht zu Nu und Lehre weitergibt. Goethe war ganz ebenfo ein Philojoph und Sprudjihöpfer;coin Alten, was er fhrieb, find folde aligemeinen nen Sake, Jolde Benbadtungsfummen und Lebensergebniffe, eingeflodten. Wan fonnte 3. B. aus feinen Briefen ein Bud) der Lebensweisheit entnehmen, beftehend aus Betradtungen und allgemeinen feine Lehr- und Bedentjaken; Tagebüder und Gefpräde Erjt viele ebenfo ergeben folde Gold-, Gilberund Supfermiinzen. recht feine Lebens: beridte, feine Auffake. Aber aud für feine Romane und Dramen naturwifjenfdaftliden und literarifdjen ift es fennzeidnend, dak alle Perjonen, die darin öfter das Wort nehmen, joldje ‚allgemeinen Gate in ihre Reden mifden, teils ‘Jelbfterarbeitete, teils aus dem Sprihwörterfhah des Bolts entnommene. Eben daher fommt es ja aud, dah wir Goetbefde Sage im täg-

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lidjen Yeben, in den 7 verfdiedenartigiten Abhandlungen, foviel zitieren. Neben und Er muß zweifellos der befanntefte und «einflugreidfte Philofoph des beut[den || Nolles genannt werden, wenn wir nämlid unter dem oPhilofophen" einen Auspräger und Wusftreuer von Lebensweisheit und Welterfenntnis verftehen. Millionen von uns fonnen gar nicht mehr benfen und reden, ohne mit ihren Gedanfen und Worten auf feinen Gleifen zu fahren. . Nun hat Goethe aber aud taufende folder Sak uneingewoben feinen Lefern vorgefekt; bald hängen fie innerlid) mit einander 3ufammen, balb find. fie nur jus Jammengerafft. Sie beiben Maximen und Reflexionen, Zahme Xenien, Sprüde in Profa ujw., oder fie geben "fih als Betradtungen im Ginne der Wanderer, als Ab: friften aus Wafariens Urdiv oder aus Ottiliens Tage: buche; fie beziehen jih auf Naturwiffenfdaft, Kunft, Viteratur, Religion, Ethit, aber aud) auf Dinge bes alltäglichen Rleinfebens. Wir wollen namentlid) aud) aumerfen, dak Goethes Romanbelb Wilhelm Meijter, als er in die oben erwähnte pythagoraijde Gefellichaft eintrat, einen „Lehrbrief" Sprücden beftand. erhielt, ber aus folden (Lebrjabre, 1. Bud, 9. Sap.) Wenn nun diefer Goethe, der bejtändig tätige Sprud)bilbner und Philofoph, auf feine Borgänger blidte, lag es ihm, dem SHellenifchgefinnten, da nicht febr nahe, den Pythagoras jtatt aller Anderen zu nennen? Aber der Lejer môdte nod) wiffen, ob die ihauungen biejer beiden geitlidà und räumlid fo fehr getrennten Menfdjen fo ahnlid) find, bah fid) Goethe

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Wilhelm Bode. 3u Pythagoras jtellen fann. Td bejahe dicfe Frage und — erfpare mir den Beweis. Entweder wird man mir auftinunen, nad) Lejen der beiden Überiragungen, oder aber: id) müßte ein ganzes Büdjlein fdyreiben, um die Jweifelnden zu überzeugen. 3d) finde manoerlei tleine Ybnlidteiten (,,Sich, das Gute liegt fo nah“ oder „der Gute freut fid) feiner Tat”) aber auc) widjtigjie Übereinftimmungen: in den Gedanlen Führung des guten Menfden, über die göttliche über die Bereinigung von , Tun und Denten, Denten und Tun”, über die Zufunft des ftrebenden Wienfdjen, über die geringe Zahl der „Urphänomene“ („wie in Wem fidj gleid die Natur if). Dieje Übereinftimmungen werden beim Lefen der Gleimfden Übertragung deutlidyer werden als bei jener, die Hugo Lämmerhirt auf meine Bitte verfaßt hat; Das ift der Hauptgrund, weshalb id) bie ungewöhnliche Zumutung Stelle, zwei fiberfegungen zu lefen. Freund Limmerbirt möge uns aud) nod einiges Weitere Jagen. Die goldenen Sprüde des Pythagoras. übertragen von Gleim. Zuerft, bie Götter follft anbeten und verebren, Wie's did) die Weifeften und die Gefehe lehren! Gollft ehren jeden Eid und breden feinen nidjt, Den eine Hand befdhlagt, den eine Zunge [pridt. Die Helden, mele did) empor gehoben haben Zu höherer Vernunft durd) ihre Geiftesgaben, Gollft halten ewiger und grober Ehren wert; Wird einft ein Weifer fein, wer diefe Helden chrt!

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Ten Geiftern, die umber in allen Lüften [dweben Unjichtlih, Denen follft did) fo zu fehen geben, Dah fie fid) deiner freun. Die Augen weg Dem Böfen wenden fie und jehn bes Guten Harmonic. Dein Mater liebte bid, und deine Mutter? Lohne, Tu Sohn, du Todjter, fie mit einer Ehrenfrone! Lich’ alle Menfdjen, fei nicht Eines Lebens Feind; Den, welder Tugend übt, Den bitte: fei mein Freund! Mirf deinen [härfften Blid auf deines Freundes Taten, Willft Taten tun? lak dir des Freundes Weisheit raten! Verliere deinen Freund um feinen Tleinen will, Wenn aber fein Bergehn mehr als nur Fehler it, Wenn feinem Herzen Gift an hellem Tag entflüpfte, So rei das Band entzwei, das did) an ihn verknüpfte! Bei der Notwendigleit wohnt nahebei bie Mat; Das wiffe! Nötig ift: zu haben immer Adıt Auf jede Leidenfhaft; um fie zu überwinden, Vinht du zu redter Zeit das rechte Mittel finden. Tes Jorns, der Schwelgerei, der Trägheit [dame did An deinem Haus mit bir allein, und öffentlid)! Sich deinen eignen Wert! Seh deinen hohen Adel In Meisheit und in Furcht vor beinem eignen Tadel! Was redeft und was tuft, Das fei geret, und Das Sei dir [don jung gewohnt, dak ohne Grund und Mag Nichts tuft! Tu aber bald! bas Erfte, was wir wiffen, Sit, daß wir Menfden find, und alle fterben miiffen! All’ unfer Hab’ und Gut in Gebers Händen fteht, Und wie's erworben wird, aljo verloren geht!

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Wilhelm Bode. Die Gôtter geben dir, o Meufdy, dein Vienfájenleben; Wenn fie der Lalten viel dir aud) zu tragen geben, Trag, was du tragen fannit, und made dir es leidl; Geduld Hilft Jedem fort, der an dem Stabe [dleid)! Meinft: Sdidfal babe nidt des Frommen Schmerz vergenes:* Des Ubels Mak, Das ward dem Böfen vollgemeffen! Bei allen Dingen fieh, was gut ijt und was fdled)t; Erhelle den Begriff von Unredht und von Regi! Beifalle nidt gefdwind, tritt langiam in Gedanlen, Mud prüfe! *Priife jharf, und ohne did) zu janfen, Sieh alle Meinung an; wenn aber ins Gefidt Tir Einer Zänter wird und Wahrem widerjpridht, Bewaffne mit Geduld dein Sera, und ohne feige Dem rohen Mann zu fein, fei ruhig, weidye, fayweige! Kein Vienfd) verführe did) zu einer böfen Tat! Tu Nichts und rede Nidts als Das, was Nuten hat! Sei dir gebeimer Rat bei jedem Unternehnten! Wirt feltner fübrobin bid einer Torheit fdamen. Der ift ein fobledter Mann, der immer feinen Mund Zum Reben offen Hat, und immer ohne Grund! Der ift ein edler Mann, ber feines Tuns ji freuet, Und Bieles tal, und dem von Allen Nidts gereuet! Fehlt dir's an Wiffenfdaft von Dem und Dem? Zei fui! Und was ein weiler Mann did) lebren fann und will, Das lerne! Ganfter wird dein Bad) bes Lebens fliehen, Wirft Kenner werden, wirft empfinden, wirjt genichen Gejund Das, was Gefundheit dir verftatten mag. Mus Leib, muß Geele fein, muß immerhin gejund Erhalten werden! — — Nidt am Horn des Überflujic..

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Git ber gefunde Mann, der Mahe bes Genufjes Qu halten weik; fist ba, bei feinem Wein und Brot, Trinlt mäßig, igt [id) fatt, mehr nidt! und rofenrot Sind feine TBangen, fharf fein Geiftesblid zu fehen, Was [ón und nötig it zu [einem Wohlergehen! Bei deiner Lebensart fei große Reinlidfeit Das erfte Grundgefeh; bas andre: Was den Neid Nur irgend reizen Tann bebadtjam zu vermeiden; È Das dritte: Makiqung in allen deinen Freuden! Bift reid, bilt redjam? willft verfhwenden Geld und Wort? Haft deinen Willen, dod bedente Beit und Ort! Und fdeue nur bie Art des Albernen und Toren: Mit Wort und Gelde geht bas Schöne leidt verloren, Und aud) das Ehrlide! Bift tein BVerfchwender? Sei Zugleid ein großer Feind der Heinen Filzerei, Die, bis ben Ichten Tag des Lebens, zum Erwerben Auf Erben ijt und nur geboren, reid) gu jterben! Geh! wo bu gehen Tannft, bie golbne Nittelitrah’, Und alle Dinge miß mit ihrem redten Map! Zum Scäblihen lah nie die Sinnen, die Gebanfen, Den Willen, ben Geldmad, den Leib, die Füße manten! Salt Secle, halte Leib in gutem Gleidhgewidt, Und etwas nidt guvor Erwognes tue nicht! Die Angen [liche nie zum Schlaf, als bis die Frage Gefdeben ift: was haft an diefem ganzen Tage Gelan? Haft etwa was vergejjen? was verfiumi? Der Sdhlafer féläft nicht gut, ber [eine Giinden träumt. Sit Böfes wohl gefhehn? Bit Gutes unterblieben? Die Götter Tónnen dich, du felbit fannit did) nicht lieben! Gag's deinem Herzen, {hilt auf jeden böfen Trieb, Tu diefes Gute heut, das gejtern unterblieb!

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Wilhelm Bode. Haft Gutes.wohl getan, haft Böfes wohl verntieben ? Sag’s deinem Genius und fet mit dir zufrieden! Wollft aber nicht zu früh auf deinen Lorbeern run; Dein Lebens Vorjak fet: Biel denen und viel tun! Der Unverdrof’ne nur, der rafdjen Schritt der Jugenb Zum Guten tat, gelangt im Alter zu der Tugend, Die göttlid) ift — O Wtenfd), bei ihrer Göttlidyfeit, Bei Dem, der ihrer [id als feiner Tochter freut, Zu ihr gelangen ift nibt leicht, ich [djwbr”, id fájwbre, Dem Siingling und dem Mann: daß viel dazu gehöre! Leg’ an die Meilterhand an bas vollfommne Wert! Bitt’ aber flehentlid die Götier erft um Start’, Erquidung, froben Mut, und Weisheit, weg zu wenden, Was bir enigegen jteht, es herrlich zu vollenden! Wird deine Bitte dir gewähret, dann, o dann Gtrablt Lidt in deinen Geift, wart Jimgling, wirft ein Mann! Warjt lang’ an Geel und Leib ein Kranker, bift genejen, Gichft ber Unfterbliden Gefchäfte, fiebft das Mejen Der Erbentinder, fieh{t jedweden Dinges Stand, Beihaffenheit und Wert, jiehjt bas verborgne Band, Das fie gufammen hält, fiebft deutlich die Natur Sid) felbit in Allem gleid), und überall die Spur, Auf der fie geht und wirkt nad) ewigen Gefeten. Giebft die Gerechtigkeit, nad) welhen Die zu fhäßen Bon allen Meijen find, die etwas tiefer jpabn, Sm Zufall feinen Grund, und Gott in Allem fehn! Giebjt, was verfdloffen war, in Erb und Himmel offen; Siehft Alles heiter, wirjt Nidts wiinfden und Nichts hoffen, Was bu nicht hoffen fannit, fiebft, bak die Dienfdjen fi Gelbft elend madjen, felbfi id leben jämmertid, Weil fie, Belrunfene vergdnglider Vergnügen, Die ewigen nidt fehn, die ihnen nahe liegen. Ad)! wie jo Wenige, die von der berben Pein Des furzen Jrdifden [id willen zu befrein!

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Wilhelm Bode. Haft Gutes wohl getan, haft Bôfes wohl vermieden? Sag's deinen Genius und fei mit dir zufrieden! Wollft aber nicht zu früh auf deinen Lorbecen ruhn; Dein Lebens Vorjatz fet: Biel denfen und viel tun! Der Unverdroß’ne nur, der rafdjen Schritt der Jugend Zum Guten tat, gelangt im Wter zu der Tugend, Tie gótilid it — O Wenfdy, bei ihrer Gotttidfeit, Bei Dem, der ihrer fid als feiner Tochter freut, 3u ihr gelangen ift nicht leicht, id [dwór”, id) fhwöre, Dem Júngling und dem Mann: bah viel dazu gehöre! Leg’ an die Mteifterhand an das volllommne Wert! Bitt’ aber flebentlid die Götter erft um Start’, Erquidung, frohen Wut, und Weisheit, weg zu wenden, Was bir enigegen ftebt, es herrlid) zu vollenden! Wird deine Bitte dir gewábret, dann, o dann Girabli Lit in deinen Geilt, warft Jüngling, wirft ein Dam Warft lang’ an Seel und Leib ein Stranfer, bifl genefen, Giehft ber Unfterblidjen Gefdhafte, [iebit bas Wejen Der Erbenlinder, fiehft jedweben Dinges Stand, Befdhaffenheit und Wert, fiebft das verborgne Band, Das fie zufammen hält, [iebft deutlich bie Natur Sid) felbft in Allem gleid), und überall bie Spur, Auf der fie geht und wirlt nad) ewigen Gefeßen. Giebft die Geredtigleit, nad) welchen Die zu [dáten Bon allen Weifen find, die etwas tiefer fpähn, Sm Zufall feinen Grund, und Gott in Allem fehn! Gichft, was verfhloffen war, in Erd und Himmel offen; Siehft Alles heiter, wirft Nichts wünfhen und Nidjts Hoffen Was du nicht hoffen tannft, fiebit, daß die Wenfden fid) Gelbit elend maden, felbit fid) leben jammertid, Weil fie, Betrunfene verganglider Bergnügen, Die ewigen nidt [ebn, die ihnen nahe liegen. Ud! wie fo Wenige, die von der herben Pein Des furzen Jrdijójen fi wiflen zu befrein!

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Die armen Menjhen! bic taub, [o ganz verblenbet Ihr Leben leben, wie verloren, wie gejhänbet, MRerworfen, hingerolit, als wie ein [dwerer Ball Nom Berge, welder eilt zu feinem plumpen Fall. Gie febn, fie hören nicht, fie [chweifen hin und wieder, Sie Iriedjen, fteigen hod, unwiffenb, ftürzen nieber, Sind Freunde bdieles Kriegs, der, fcjddlid, böfer Art, Mit ihnen auf die Welt zugleich; geboren ward; Der von der Wieg’ ans Grab fie überall begleitet, Gie treibt, und ohne dak fie's merken, fie bejtreitet; ‚Ihm weidjen follten fie, fie follten ihm entfliebn, Anftatt dak fie [id [elbît in feine Schlinge ziehn! © du, ber Menfden Gott und Vater, bürfteft ihnen Nur zeigen diejen Geilt, ben böfen, dem Jie bienen, -Aufidreden würben fie, bu mwürbelt fie befrei'n Mon allem Übel ganz, jie wilrden felig jein; Gabjt aber ihnen ja Verjtand und freien Willen, Gefche der Natur zu Tranfen, zu erfüllen! Teswegen, in der Wahl des Unredts und des Rechts Daftehender, du Menfd, bit göttlidien Gefdledts! Auf, reige did) empor zu hohen Seelen-Gorgen! Die Heilige Natur, enthillend, was verborgen Sn ihrem Innerften mur blöden Augen ijt, Lat belto mehr dich [chn, je williger bu bift! MWirft hr Rertrauter, wirft ihr Liebling: enblid) fallen Sn ihrem weiten Reid) von allen Dingen, allen, Die Schleier weg! Du fiebit mit aufgellartem Blid In ihre Merlitatt, fiehft, was Unglüd ift und Sind, Giehft alle Wefenheit der Himmel und ber Erden, BVefreieit deinen Geijt von icbijhen Befdywerden, Ziehft immer mehr ihn ab von finnlider Begier. Und hod) von oben her die Weisheit fommt zu bir, Begleitet did, bu wirft, dem Gterbliden entnommen, Ein Bürger in der Stadt der Meijen, und der Frommen.

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Hugo Lämmerbirt. Don Hugo Lämmerhirt. Bon den vorhandenen Überjehungen genügt Teine, aud) nidt die mebrfad) neugedrudte von Wilhelm Binder. Keiner von den Meiftern der Nahdidtung ans tifer Pocfie hat fid bis heute diefes Gedidtes angenommen: fo fei denn unfer eigner Verfud) gewagt. Goldene Sprüde. Ehre zuerit, wie der Braud) es erheifcht, die unfterblichen Götter, Udte den Eid, deffen Hüter fie find. Zum zweiten ermeife Ehrfurdt dann den erhabnen Heroen durd) redtlides Handeln Und der Dämonenfhar, die ji über den Erbireis verbreitet. Halte zum dritten bie Eltern und Blutsverwandten in Ehren. 5 Unter ben Underen wirh bir die Beften nur immer zu Freunden. Zeige did) fanfter Rede gefällig und gütigen Taten! Zürne dem Freund nicht, wenn er gefehlt und Verzeihung nod) miglid; Denn das Können und Sollen wohnt nad)barlid) beieinander. Diefes bewahre. 10 Sodann in Gelbftbeherrihung did) übe: Unterjode den Hunger, den Schlaf, bie Wolluft, ben Zühzorn. Sdimpflides tu niemals, ob es fet mit ben Wndern gemeinfant Oder allein; did felber zu adten doc, fet dir das Erlte. tbe Geredtigleit ferner in Werfen fo wie in Worten.

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Hänge dein Herz nicht an irgend ein Ding mit blindem Verlangen, 15 Sondern fei dir bewuht, bak wir alle dem Tobe verfallen Und der Vefig oft [dnell, wie gewonnen, fo wieder verweht ijt. Und was fonft nod) zu leiden uns Sterbliden Götter verhängen, Wie aud) dein Anteil fei, trag willig es, ohne zu | murten. Fj Lindern, foviel bu vermagft, [ei Pflidjt bir, aber bebente: Guten Menfden ift lier bas Schidfal im ganzen gewogen. Manderlei Reben ber Leute vernimmft du, fo gute . wie [dledte: Sei fiber Nidhts entfeht. Wud) ftrebe nicht etwa, did) völlig Abzufchlichen. Sebod, hört ein erlogenes Wort bu, Duld’ es gelaffen und Banbdele ftets — das will ih bir raten — So, daß weber mit Wort nod) Tat did) Jemand verleite, Etwas zu tun und zu fagen, was wider bein belj'res Gefühl ift. Geb mit dir felber zu Rat vor bem Werf, fo entfpringt feine Torheit; Der it ein Wicht, ber redet und tut, was er nicht überlegt hat; Du aber führe nur fold) Ding aus, das bir fpäter nicht leib wird. 30 Lak deine Hände von Dem, was du nicht verjtehit; dod erlerne, Was du nur irgenb bebarfít, — fo wirft du am frdblidjften leben. Aud) verfäume nicht etwa, des Körpers Wohl zu bedenten. Mak im Effen und Trinten und leiblichen Übungen halte, —

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Hugo Limmerbirt. Mak aber nenne id) Das, was fpäter nidt Schmerzen fid) nadgieht. — Reinlidy und [dlidt: fo fei deine Lebensweife geregelt. Düle did, etwas zu tun, was den Neid aufregt, und im Aufwand Wijle die Grenze zu wahren, die ftets der feine Ge[fmad zieht. greilid) audy meide den niederen Geiz, — fei maßvoll in Allen! Tue nur Das, was nidt Schaden dir bringt; überleg, eh’ bu banbellt. 40 Laffe ben Soiummer nicht nahn den ermatteten Augen, bevor bu Dreimal jeglihes Werk des vergangenen Tags überdadt ball. nüeblt id) worin? Was tat id)? Blieb nod) eine Pflicht gu erfüllen ?“ Alfo beim Erften beginn, prüf Alles burd, und am Ende Gilt, wenn du Sebler begingft, did) aus; am Redien erfreu bid). 45 Dies ill’, was du mit Luft follft üben und heißem Bemühen; Dies ift der Weg, der did) führt auf dic Spuren ber . götllihen Tugend, Wahrlid, bei Shim, der unferem Geifte der vier Clemente Heilige Zahl,t) Die Quelle der ew’gen Natur offenbart hat! 1) Von den ‚Elementen‘ fteht allerdings nidjts im Text, wohl aber fdon bei den Erflirern bes Ulleriunis. Die Vier: zahl war jedod) nicht nur unter diefem einen Gefidtspuntte heilig; [ie bezeichnete aud die Geredtigheit (die Gleiches mit Gleidem, 2X2, vergilt); und 1-}-24-3-14 ift = 10, der Zahl der Vollendung.

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Uuf nun, ans Werl, das die Gitter dir fegnen mögen! Und bift du 50 Glidlid) am Ziel, dann wirft bu erfennen ber Götter und Menfdjen Innerftes Sein und die Kraft, davon Alles bewegt und beberr[dt wird; Mirft erfennen mit Fug, wie in Allem fid) gleid bie Natur ift, Daß du Unmbglides nidt mehr erboffit, bas Mirflidje ar [iebit; Lu Scauft dann die Menfdjen gebeugt unter felbjtgefchaffenen Leiden — 55 Arme! Das Gute, fo nahe es liegt, fie erbliden es niemals, Hören and nidt darauf; die Erlöfung Tennen nur Wen'ge, — So ift der Sterblidjen Sinn vom Scidjal geblendet. Wie Rugeln Rollen fie hierhin und dahin, geplagt von unenblidjen Leiden; Werden den traurigen Swift nit gewahr, den Gefährten, ber nagend 60 Sibt in ber Seele, und ziehen ihn groß, ftatt vor ihm gu fliehen. — Rater Zeus! Du Tönnteft fie alle aus vielerlei Nöten Retten, zeigteft du ihnen ben Damon, der fie betöret. — Tu aber forge bid) nit: ba die Menjden götilicher Art find, Macht wohl die heil'ge Natur ihnen fund, was jeht nod) verhiillt ijt. Du, dem ein Teil [fon ward, wirft zwingen, was id did) . heibe Dir zur Genefung, und reiten die Seele von jenen Gefahren. Stunden mit Goethe. Heft 1.

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Hugo Lämmerbirt. (Später Schluß:) Bon den bezeichneten q Speifen enthalte did), dent, dab zur Weihe Und zur Erlöfung der Seele Dies nötig ijt. Achte auf Alles! Ltdne did) ganz der Vernunft, der trefflidften Fibrerin, ! unter. 70 Streifft bu den Leib dann ab und entrinnft in die Freiheit des üthers, Wirft du tein fterblider Menfdy mehr fein, fondern ewige‘ ; Gottheit. — Zum Berftändnis des Gedidjtes, dem eine überfidtige neuere Rritif jeden poctifhen fowohl wie philofopbifden Gehalt abgefproden Hat, fei befonders auf die flare Gliederung des Ganzen hingewiefen, fo wie wir fie oben fon burd Whjdnitte fenntlid gemadt haben. der Die Vorfdriften beziehen Jid auf die Tugenden C€hrfurdt (B. 1 bis 8), der Gelbitbeherrfhung (Y. 9 bis 20), der Gelbjtändigteit des Urteils und des Charafters (B. 21 bis 31), auf einfadyes Leben (B. 32 bis 38) und Selbitprifung (VB. 39 bis 44). Der in ber pythagoreijden Schule hertómmlide ungenanuten Propheten diejes Sdjwur bei Heifsweges, alfo bem bei Pythagoras felbit (B. 47 fg.), fdlieht diejen Haupt: abfdnitt. An bie Lehren werden Berheiungen ges fnüpft: höhere Erfenntnis (B. 48 bis 62) und burd) : diefelbe: Erlófung (VB. 63 bis 66). Der Schluß fteht im Wiber[prud) mit gut bezeugten Lebren des Pythagoras, nidt fo mit dem Braud und Glauben gemiffer neupythagorei[dher Gruppen in Hrihjeit des Chriftentums. Die innere Einheit der erften

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66 Berfe aber findet ihren deutlidjten Wusdrud in der Aufforderung an den Lefer oder Zuhörer, [id nad) erfolgter Mitteilung der Lehre mit bem Beiftand ber Götter ans Werf zu maden (B. 49). Der Wortlaut feht den Beginn eines neuen Lebensabfdnittes bei bem . Ungeredeten voraus; es [cheinen alfo die goldenen . Worte fürdieAufnahme neuer Jünger, in den Bund : beredynet zufein, als eine Art Tatechetifcher_ Auszug |der Lehre,‚ber d an der "Pforte der Myfterien den Neophyien mitgeteilt ‘wurde. Sanonifd) geworben, wie die vielen Anführungen der Alten beweijen, modte er bennod) zeitlid) und drtlid) manderlei Abwandlungen erfahren. So wiirde fid) zur Genüge die anftöhige Unflarbeit ciniger Stellen in unferem Texte erflären. die Schwierigfeit, fidjer zu ent[deiben, Und aud) weldem der Sahrhunderte vom vierten vor bis zum vierten nad) Ehrifti Geburt bie Urfajlung des Gebidtes angehören mödte, rührt ebenbaber. Die Farbloligleit, die diefer, wie ähnlihen Sprudfammlungen des [päteren Altertums vorgeworfen und von den Erforidjern philofophifder Schulmeinungen und «briude bedauert wird, erweift fi als ein Vorteil für die zeitlofe Wirkung der Sprüde. Sie ftellen die abgellärte, allgemein menjhlihe Weisheit des hellenifchen Atertums” bar, etwas abstraft, wie die idealijierende Kunft der Spätzeit, in welder ein Windelmann das Sdeal der Antife verwirklicht fab, aber dafür aud) be: freit von feftenbaften Wuswiidjen und Spielereien. Und +. 5 liegt eine gewilfe Sronie darin, daly im Jhärfjten Gegenfat zu Goethes ftiller und deshalb bisher une

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Hugo Lämmerhirt. beadjteter Bewunderung ein großer Philologe der nad) goethilhen Zeit, Auguft Naud (dem wir die weitaus bejle Fritifdye Ausgabe der ‚Goldenen Worte‘ und den Nadweis fäntliher „Quellen“ und Paralleljtellen aus vor: und naddrifiliden Jahrhunderten verdanten), fid in fait [don gallfüdtigen Schmähungen gegen den Berfaffer des Gebdidtes nicht genug tun founte. Steinen „Dichter“ will er ihn nennen, — einen elenden Rome pilator, einen Säljder; feine Ausdrudsweife: barbarild, den Subalt: unglaublid) abgefdymadt und verrüdt, von monströfer Zufammenhangstofigfeit u. |. f. dem Vorgange eines Rirdenvaters, Und nad) Gregors Don Nazianz, [pottet er über „Die goldenen, beffer gefagt: die biciernen Gpriide det Pythagoreer.‘ uns mit alledem nur, Er beweilt wieweit zuweilen bas Berftändnis des Forfdhers Hinter dem fritijde intuitiven des Dichters zurüdbleibt. Goethe warfür bie bantbareAufnahme ber der pythagoreifdjen Weisheits|priide Jozufagen prädejtiniert. Mit ihnen dedte fit im wefentligen jeineeigene Welt: und Lebensanfdjauung. | Da Dies feinem unferer Lefer ent: gangen fein wird, wollen wir nur einen Jpringenden Punft hervorheben: die bebeutfamen Wusdriide, mit denen zweimal (B. 48 und 64) die „ewige (gricdifddie ewig quellende, rinnende), die „heilige Natur! ge: feiert und als Erzieherin, ja Erlöferin des Menfhengefdlehts vor Augen geftellt wird. Kein Wunder, daß foldje weltlide Weisheit einem Heiligen der dhriftlidyen Kirhe miffiel! Und dod, fo zwingend find die Gejehe der Natur: den Weg zur höheren Erkenntnis, der durd)

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die Reinigung des Wollens und der Sinne geht und nur von der driftliden Usfefe ftellenweife bis zur Ab: tótung der Sinne verfolgt wurde, bat aud) Pythagoras empfohlen; und Goethe hat ihn grade in den Jahren, wo nad Bodes Annahme Pythagoras ftárfer auf ihn einwirlte, mit feltener Kraft zu betreten begonnen ;;!) im Gegenfak zu Fault, der fid) aus Wilfensdurft der Magie ergibt und fchlieklidy fi mit dem Teufel verbittbet. Zur „unendliden Natur‘ aber, zu den „Quellen alles Lebens“ multe 309 aud) ihn wie Fault bie Sehnfudt, bic Überzeugung der Pythagoreer, und fo als feien fie im Vejik biefer geheimnisvollen Quellen, an die Tafel ihres Meifters loden. Und die dreifahe Erfenntnis, bie bem pythagoreifhen Abepten als Ziel feiner Mühen verheiken wird (VB. 49 ff.), berührt fio) in ihrem erften Teil fogar wörtlid, mit Faults Monolog. . Eben jene Berje, die Goethe im Jahre 1780 für Frau 0. Stein überfeht hat, lauteten fünf Sabre früher, im Maibeft bes „Zeutjhen Merkur“ fo: „Siehft der Uniterblidjen Gefhäjte, fiehjt das Mejen Der Erbenfinder, fiehft jebweden Dinges Stand, . Beldaffenheit und Wert, fie Hit bas verborgne Band, Das fie zujammenbált, fiehft deutlid) die Natur Sid) felbft in Allem gleid und überall die Spur, Auf der fie wirft und geht nad) ewigem Gefeh.“ Sudeffen ift diefer Unflang nicht eben Das, worauf es uns bier anfommt; der fog. Pythagoras ift feine 1) Bal. W. Bode, Goethes Leben im Garten am Stern, 1909, bibs. ©. 183 fg., 197, 282—84. Ebenda aud) [don ben Hinweis auf die ‚Goldenen Sprüche‘, S. 251.

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Hugo Lämmerhirt: Pythagoras. „Quelle“ von Goethes Faujl, jo wenig oder ni ine niger, wie Swedenborg eine ijt, Wohl aber hänge uan gröjter Didter burd geiftige Wablvermandijba]i, «e ihm zu Bewuhtjein fam, mit dem Haupt der enti. goreiichen Schule zufammen. Der Kultus der heil: Natur in der Lebensführung und in der Erlenutzi., it das Band, das ibn über die platonifche und bris fide Ara hinweg mit bem erwadjenden philofopuiio. +: Geijte des Hellenentums verfnüpft. NEPS nh rim hated Te TyWE |