Der Begriff des 'logos' bei den Griechen

Autor
Fabianek, C.
Publicado en
Antike Vernunft
Año
2000
Tema
LOGOS
Idioma
Deutsch
Categoría
C7 Filosofía
Número de archivo
2127

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Mostrar texto completo34 páginas

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ANT Ante VERN INHALTSVERZEICHNIS Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung 2 Vorsokratiker 2.1 Parmenides ..........,................. 2.2 Heraklit ..........................,... 2.3 Der Logos-Begriff bei Parmenides und Heraklit . . . . . . . .. Platon 3.1 Theätet 3.2 .............................. Sophistes. ............................. 11 1l 15 19 Aristoteles 4.1 hermeneutisch umfassende Betrachtung des Logos ....... 19 4.2 logisch, dialektische Konsequenzen . .............. 21 4.3 Logos als Konsequenz der praktischen Philosophie ....... 25 Stoiker Zusammenfassung

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EINLEITUNG 24. März. 2000 1 Einleitung Der Logos ist ein zentraler Begriff in der griechischen Philosophie. Er gilt als eine Entdeckung der Griechen und wird als das griechische Wunder bezeichnet. Mögliche “Übersetzungen” für den Logos (etymologisch hat das Wort seine Wurzeln im Indogermanischen) sind: e Definition der Essenz e Weg der zur Allgemeindefinition führt = Induktion e Syllogismus (svlogistizei), zusammen besprechen/berechnen Der Logos ist im griechischen primär die Sprache, was aber im lateinischen und in weiterer Folge immer mehr verloren geht. Die Sprache aber mit einer positiven Bewertung und unter Ausschluß von Mißbrauch der Sprache — alles andere wird als onomata (bloß Worte) bezeichnet. Die dazu notwendigen Regeln und Prinzipien der Sprache werden wesentlich von Aristoteles beschrieben. Logos ist ein Werkzeug des Prüfers, um scheinhafte Wahrheiten in Frage zu stellen = Rechenschaft ablegen (logon didonai). Heidegger [11]: “Logos als Rede besagt [...] offenbar machen das, wovon in der Rede die Rede ist.” Aristoteles (vor allem aus seinem 13. Buch “Ny” [4]): “Es ist zweierlei was man dem Sokrates zuschreibt: e das allgemeine Definieren e den Induktionsbeweis” (das sind auch die 2 Prinzipien die die Wissenschaft ausmachen) “Aus gutem Grund sucht Sokrates das Was, denn Sokrates sucht den Schluß / die Schlußfolgerung / die Syllogismen” Aristoteles läßt Sokrates in seinen Dialogen als Protagonist des Logos auftreten. Aristoteles und Platon beschreiben ihn auch als jenen, der den Moment markierte, in dem sich das Denken seiner Verfahren vergewissert und diese anwendet. Es ist keine Wissenschaft vom Gegenstand, sondern das Wie und Was man über den Gegenstand reden soll.

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Die 3 Momente der klassischen Logik: e die Lehre vom Begriff e die Lehre vom Satz / von der Aussage / von der Proposition e die Lehre vom Schluß / von der Schlußfolgerung Die Sichtweise des 19. Jahrhunderts Die Griechen befreiten sich vom mythischen Denken durch das allmähliche Bekanntwerden der Prinzipien hinter dem Wirken. Das Chaos der Wahrnehmung wich der wissenschaftlichen Betrachtung. Eduard Zeller beschrieb diese Wandlung, priveligierte dabei aber bestimmte Denkströmungen, wie etwa die Philosophie des Begriffs. Er favorisierte Parmenides, Sokrates, Platon und Aristoteles und läßt alle anderen weg. Die Werke von Plotin werden sogar als schlechte Philosophie angesehen. Besonders wichtig ist die Rolle von Sokrates: Er ist der Erste der über die Vielfalt der Erfahrungen das Allgemeine sucht und definiert. Diese Zeit wird daher auch in jene der Vorsokratiker, in die Sokratische Wende und in die eigentliche Geschichte der griechischen Philosophie eingeteilt. Nietzsche prägte als erster diesen neuzeitlichen Terminus der Vorsokratiker und bewertete Sokrates als den Anfang des Verfalls. Sokrates nämlich leitete nach seiner Meinung die Logiszierung des Denkens und damit die Unterwerfung der Idee durch die Bewertung ein (= Dekadenz). Die Geschichte des Logos So einseitig wie die Sicht des 19. Jahrhunderts war die Geschichte des Logos allerdings nicht. Die Übersetzung von Logos mit Ratio, also Vernunft, ist äußerst fragwürdig. Es gibt über 20 Übersetzungen die alle einen mehr oder weniger großen Anteil der Bedeutung abdecken. Eine andere Möglichkeit ist das Wort selbst unübersetzt zu lassen, wie in der Definition des Menschen: “Dasjenige Lebewesen, das von Natur aus den Logos besitzt”, oder bei “Die Vernunft kommt allmählich durch den Logos zum Wort”. Cicero übersetzte Logos mit ratio ac oratio (das vernünftige Denken), wobei das Denken als eine Verinnerlichung des Sprechens, ein Zwiegespräch / Dialog der Seele mit sich selbst zu sehen ist. Die Stoiker unterscheiden zwischen dem ausgesprochenen / äußerem Logos (prophorikos) und dem immanenten / inneren Logos (endiathetos).

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Vorsokratiker 2.1 Parmenides VORSOKRATIKER Während bei uns zuerst gedacht und dann darüber gesprochen wird, war bei den Griechen zuerst die Sprache und anschlieBend das Denken als eine Reflexion über das Gesprochene. Dieser ProzeB findet sich bereits bei Parmenides, der als der Vater der Philosophie bezeichnet wird. Er fordert eine Verinnerlichung des Sprechens, denn nicht jede Sprechweise ist Philosophie. Er unterscheidet zwischen guter und schlechter Rede, was anhand eines seiner Gedichte erläutert werden soll: Die Göttin fordert den Jüngling auf, den Weg der Wahrheit im Gegensatz zum Weg der doza (Vorstellung, Meinung, Schein, ohne Sein) zu wählen. Im Widerspruch “Das Seiende ist, das nicht Seiende ist nicht” und “Das nicht Seiende ist, während das Seiende nicht ist” gibt es fiir Parmenides noch einen mittleren Weg den die dikanoi (Doppelköpfigkeit) / die doppelziingigen Menschen begehen. Sie halten “das Selbe und nicht das Selbe” für das Gleiche. Dieser weit verbreiteten Entscheidungslosigkeit kann ein Ende gemacht werden indem man eine Entscheidung trifft zwischen der Wahrheit und dem Schein der eigentlich nicht existiert, der zu nichts fiihrt. Die Entscheidung ist dabei ein Instrument des Logos. Parmenides verfügt in seinem Gedicht über 2 Gruppen von Ausdrücken: Ausdrücke für das Wahre und solche für das Unwahre. Die Rede gehört zum Beispiel zur Gruppe der wahren Ausdrücke, während die zweideutige (unentschlossene) Rede zu den unwahren Ausdrücken gehört. Ebenfalls zu den unwahren Ausdrücken gehört die glossa (Zunge — Gerede, Geschwätz) und die Onoma (einzelnes Wort, leeres Wort, leerer Schall), die auch herabsetzend verwendet werden. Für die Sterblichen die sich nicht entschieden haben gibt es das Werden und Vergehen. Am richtigen Weg aber gibt es dies nicht, sondern nur das Sein. Parmenides spricht daher auch von der Dreieinigkeit des Sein, Denken und Logos. Das Sein ist dabei das Denkbare schlechthin, weil es das Sagbare ist, weil es der Sinn des Logos ist, dass das Sein ist. Parmenideische These Das Ist und das Sein sind der sprachliche Ausdruck des Denkens, dasselbe ist das Denken und Sein, das Denken und dass es ist — das Denken also ist im Sein ausgesprochen. Die Ontologie wäre damit eine Tautologie für Parmenides, denn der Logos ist immer der Logos des Seins und damit immer wahr — was allerdings der Erfahrung widerspricht. Bei den Griechen konnte durch Rhetorik eine These wahrscheinlich gemacht werden — die Rhetorik schlußfolgerte Gegensätze. Die Rhetoriker kiim-

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Heraklit merten sich nicht um die Wahrheit, sondern nur um die Wirkung: “Die gute rhetorische Rede ist die. die nicht sagt wie es ist”, sie läßt das Kleine groß und das GroBe klein erscheinen. Genau das verwendeten die Sophisten, indem sie Schein- und Trugbilder erzeugten, im Gegensatz zum Logos, das hier “sehen lassen” bedeutet. Im Dialog treten die Sophisten auf und zeigen, dass es möglich ist zu liigen — etwas, was Parmenides glaubte, das unmöglich ist. Die These von Parmenides muß also korrigiert werden, was den Fremden im Sophistes sagen läßt: Wir laufen Gefahr des Vatermords beschuldigt zu werden, wenn die These von Parmenides umgestoßen wird. 31. März 2000 Parmenides hatte keine eigentliche Theorie des Logos, vielmehr eine Theorie des Wortes allein. Logos stand für ihn immer im Zusammenhang mit Denken und Sein, es hatte eine kritische und diskriminierende Funktion — man sollte sich entscheiden zwischen der Wahrheit und der Unwahrheit, dem Sein und dem Nicht-Sein, sich aber genauso von der Doxa (dem mittleren Weg) abwenden. 2.2 Heraklit Als zweiter großer Vorsokratiker gilt Heraklit (wahrscheinlich war Parmenides vor Heraklit, was allerdings nicht eindeutig geklärt ist). Mehr als Parmenides gilt er als der große Bereiter des Logos und Heidegger sagte: “Logos ist der heraklitische Name des Sein des Seienden”; “Logos ist das Leitwort des Denkens Heraklits”. Das Wichtigste des heraklitischen Logos ist die Überzeugung, dass alles Eins ist: “Die Gegensätze gehören zusammen”, “Die entgegengesetzten Glieder sind dasselbe”, “Es ist weise zu erkennen, dass alles Eins ist und Eins alles ist”. Alles was es gibt, kann anhand von aufeinander bezogenen Gegensätzen expliziert bzw. auf solche Gegensätze reduziert werden. Diese Einheit ist jedoch nicht bloß eine formale oder statische, sondern wird als real gegebenes, in ununterbrochener Aktivität befindliches oberstes Prinzip dargestellt. Alles was es gibt, ist einer kontinuierlichen Verwandlung unterworfen. Heraklit: “Alles ist im Fließen”, d.h. es gibt keine fixen Bezugspunkte. Der Satz “Man kann nicht zweimal in den selben Fluß steigen” wird von Kratylos, dem Schüler Heraklits, noch verschärft zu “Man könnte auch nicht einmal in den selben Fluß steigen”. Heraklit hat das Sein zu Gunsten des Werden aufgehoben. Das, wie Hegel es ausdrückt, "Alles ist werden” steht dem “Alles ist Sein” von Parmenides gegenüber.

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VORSOKRATIKER Dazu einige Fragmente aus [13]: Fragment 17: Lehrer der meisten ist Hesiod; sie sind überzeugt, jener wisse das meiste, der Tag und Nacht nicht kannte: die sind ja doch eins Fragment 45: Der Gott ist Tag-Nacht, Winter-Sommer, Krieg-Frieden, Sättigung-Hunger - alle Gegensätze, das ist die Bedeutung —; er wandelt sich, genau wie Feuer, wenn es sich mit Duftstoffen verbindet, nach dem angenehmen Eindruck eines jeden [der Duftstoffe) benannt wird. Fragment 65: Kaltes wird warm, Warmes kühlt sich ab, Feuchtes trocknet, trokkenes wird feucht. Man beachte die gedankliche Aufnahme des Werdens, die bei Parmenides noch unmôglich war. Fragment 67: Dasselbe ist: lebendig und tot und wach und schlafend und jung und alt. Denn dieses ist umschlagend in jenes und jenes umschlagend in dieses. Hier ist jetzt nicht mehr vom Werden die Rede, sondern man ist sowohl als auch — “Alles ist werden”, “Alles ist Sein” Laut Aristoteles ist Platon ein Schüler von Kratylos. Platon lernt bei ihm, dass es keine Wissenschaft der Sinnlichkeit gibt, denn die Wissenschaft braucht Stabilität (von episteme — halten); epistem des FlieBenden ist unmöglich. Platon folgert daraus, dass es andere Gegenstände als das Sinnliche geben muß, damit die Wissenschaft einen angemessenen Gegenstand hat, nämlich die Idee. Heraklit sagt, dass es keine Wissenschaft von der Welt gibt, verstößt damit aber gegen den Satz vom Widerspruch (eine Aussage und ihr Gegenteil können nicht gleichzeitig sein). Er selbst verzichtet nie auf den Logos, wenn er vom Beweglichen und Nicht-Identischen spricht, und will die Gegensiitze (im hegelschen Sinn) aufheben — im Gegensatz zu Parmenides. Hegel sagte über Heraklit, dass er ein “Philosoph des Totalbegriffs” sei, bzw. “Es gibt keinen Satz von Heraklit, den er nicht in seiner Logik aufgenommen habe.” Hegel sah auch in Heraklit den Anfang der Philosophie.

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Heraklit Frage: Gibt es bei Heraklit einen Begriff des Logos, der der hohen Erwartung des Logos entspricht? (bei Parmenides nicht erfiillt!) Die Meinungen dazu sind verschieden, es sei aber darauf verwiesen, dass drei der vier wichtigen Fragmente [13] von Heraklit den Begriff Logos enthalten (zumindest implizit): Fragment 2: Gegenüber der hier gegebenen, unabänderlich gültigen Auslegung [Logos] erweisen sich die Menschen als verständnislos, sowohl bevor sie als auch wenn sie sie einmal gehört haben. Denn obwohl alles in Übereinstimmung mit der hier gegebenen Auslegung geschieht, gleichen. sie Unerfahrenen, sobald sie sich überhaupt an solchen Aussagen und Tatsachen versuchen, wie ich sie darlege, indem ich jedes Einzelne seiner Natur gernäß zerlege und erkläre, wie es sich damit verhält. Den anderen Menschen aber entgeht, was sie im Wachen tun, genau wie das, was sie im Schlaf vergessen. Fragment 3: Daher hat man sich dem Allgemeinen anzuschließen - d.h. dem Gemeinschaftlichen, denn der gemeinschaftliche [Logos] ist allgemein; ungeachtet der Tatsache aber, dass die Auslegung eine allgemeine ist, leben die Leute, als ob sie über eine private Einsicht verfügten. Fragment 4: Mit dem sie am meisten ununterbrochen verkehren — dem Logos, der das All verwaltet -, von dem sondern sie sich ab, und was ihnen jeden Tag begegnet, kommt ihnen fremd vor. ad Fragment 2: entspricht der traditionellen Interpretation des Logos (bis vor etwa 50 Jahren) — man sah den Logos als ein universales / kosmologisches Prinzip, als die Weltvernunft, das Weltgesetz; das wird jetzt jedoch in Frage gestellt (z.B. von Uwe Höllscher) ad Fragment 3: Der Logos setzt die verschiedenen Gegensätze zusammen ad Fragment 4: aufgezeichnet durch Marc Aurel (stoischer Philosoph 100 n. Chr.); die Menschen hören dem Logos nicht zu (wenn sie materiell hören), sie entgehen der synthetischen Kraft des Logos; Heraklit selbst war menschenverachtend und lebte allein auf dem Etna. Interessant dazu auch das (von Heidegger in seinem Aufsatz [11] kommentierte)

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VORSOKRATIKER Fragment 41: Wenn man - nicht auf mich, sondern - auf die Auslegung hört ist es weise, beizupflichten, dass alles eins ist. Heraklit fühlte sich als der Sprecher (vielleicht auch Interpret) des Logos: man soll dem Sinn. nicht dem Buchstaben folgen (vgl. dazu auch den Anfang des Johannes Evangeliums: Im Anfang war das Wort [der Logos). Im Logos koinzidieren Form und Inhalt, es bleibt aber die offene Frage, ob Logos immer Sprache ist. Abschließend noch einige wichtige Fragmente (wieder aus [13]) zu diesem Themenkomplex: Fragment 46: Verbindungen: Ganzheiten und keine Ganzheiten, Zusammentretendes - Sichabsonderndes, Zusammenklingendes - Auseinanderklingendes; somit aus allem eins wie aus einem alles. Fragment 49: Sie verstehen nicht, wie Sichabsonderndes sich selbst beipflichtet: eine immer wiederkehrende Harmonie, wie im Fall des Bogens und der Leier. Fragment 62: Die gegebene schöne Ordnung [Kosmos] aller Dinge, dieselbe in allem, ist weder von einem der Götter noch von einem Menschen geschaffen worden, sondern sie war immer, ist und wird sein: Feuer, ewig lebendig, nach Maßen entflammend und nach [denselben] Maßen erlöschend. 7. April 2000 2.3 Der Logos-Begriff bei Parmenides und Heraklit Der Logos hat die Funktion der Offenbarung des Seins, das Seiende zu sagen wie es ist (=Wahrheit). Wahrheit wiederum besteht in der fortlaufenden Präsenz des Seins (Parmenides) - des Werdens (Heraklit). Durch die These “Alles ist im Werden” wird damit das Sein durch die Herakliter abgeschafft / aufgehoben (so Platon, der in dieser Debatte auf der

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Seite von Parmenides steht). Genau dieses Aufheben wird in weiterer Folge dann auch von Platon und Aristoteles verwendet. Der Logos als zum Sein verpflichtete Rede: Es gibt Reden die der eigenen Verantwortung nicht entsprechen, sie verstecken das Sein. Dies kommt das erste Mal deutlich bei den Sophisten zum Ausdruck, die eine andere Praxis des Sprechens hatten. Fiir sie hatte die Sprache eine pragmatische Funktion als Einflu8 auf die Mitredenden / Zuhörer und nicht zur Offenbarung der Wahrheit des Seins — dasselbe galt übrigens auf für die Rhetoriker. Eine solche Rede widerspricht sich selbst, man bediente sich der Sprache um die Unwahrheit zu sagen (ein performativer Widerspruch). Ein solcher Mensch bleibt aber, laut Platon und Aristoteles, in dem Moment, in dem er den Logos aufhebt, dem Logos weiter ausgesetzt und wird schließlich davon gerichtet. Diese faktische Möglichkeit der Unwahrheit führte jedoch zu einer Krise des Logosbegriffs, von der besonders Platon und Aristoteles zeugen, die davon stark beeinflu8t waren. Der wohl symbolträchtigste Niederschlag dieser Krise findet sich in der Verurteilung von Sokrates, was als ein Triumph der Unvernunft angesehen wird. In der Rede des Sokrates vor den Richtern (der Apologie des Sokrates) kommt es dann schließlich zur Abrechnung mit den Richtern und ihren scheinhaften Gründen. 3 Platon Die beiden im folgenden behandelten Dialoge Theätet [16] und Der Sophist [17] entstanden 30 bzw. 35 Jahre nach der Hinrichtung von Sokrates (399 v. Chr.). Die fiktive Datierung der beiden Gespräche unmittelbar vor und nach Prozeßbeginn ist ein deutlicher Hinweis auf die existentielle und geistesgeschichtliche Dimension der in ihnen behandelten Probleme. Man beachte besonders auch die Differenzierung der Bedeutung des Logos von Parmenides bis Platon. 3.1 Theätet Theätet, ein junger, begabter Mathematiker aus der pythagoreischen Schule, ist neben Sokrates die zweite Hauptfigur in diesem Dialog. Es geht dabei um die Frage: Was ist das Wesen der Wissenschaft? Im Laufe des Gesprächs entwickelt sich dann als Antwort die folgende These: Wissenschaft sei die richtige / wahre Meinung (alethe dora) die von dem Logos (meta logon - mit Logos) begleitet ist. Theätet wird von Sokrates gebeten, über den Logos zu sprechen. Pikant ist dabei die Tatsache, dass Theätet als Mathematiker Spezialist des alogon

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PLATON (Nicht-Logos) ist. Die Pythagoreer bewiesen, dass die Seiten und die Diagonale eines Quadrates inkommensurabel (nicht mit gleichen MaBeinheiten meßbar) sind — siehe Abbildung 1. Diese, sogenannten irrationalen Größen stellten einen Skandal für die Pythagoreer dar. (Die Entdeckung inkommensurabler Strecken wurde von Hippasos von Metapont, selbst ein Pythagoreer, gemacht, woraufhin er von seinen Sektenbrüdern ins Meer geworfen wurde. Nach einer anderen Legende sollen sogar die Götter selbst sich bemüht und das Schiff des Frevlers zerschmettert haben. [12]) 1 ı| V2 V2 5} | 1 —a_ —e |L —Z @- Abbildung 1: inkommensurable GrôBen und Kommensurabilität der Flächen durch Quadratur Die Entdeckung der Irrationalität rief jedoch ein groBes Staunen hervor, und mit genau diesem Staunen beginnt jede Philosophie. Aristoteles sagt: Nachdem wir die Inkommensurabilität bewiesen haben, wären wir erstaunt, wenn die Diagonale nun doch wieder kommensurabel wäre (Staunen über das erste Staunen). Die Lösung der Schwierigkeiten (und auch für den Logos) besteht im “Potenzieren”: der Logos wird in Verbindung mit einem anderen Logos gesetzt, denn die Schwierigkeit bestand darin, dass der Logos als einzelne isolierte Funktion gesehen wurde. (Symploke — Metapher aus der Technik der Weber — heißt Verflechtung / Verbindung; die komplexe Struktur des Logos wurde verwoben: synthetischer Logos). Es entstehen nun mehrere Thesen zur Frage “Was ist Wissenschaft?”, die aber wieder verworfen werden: 1. These Sinnliche Wahrnehmung - für Platon unbefriedigend, da dadurch der Schein, aber nicht das Wesen zum Ausdruck kommt 2. These Das wissenschaftliche Wissen würde in der wahren Meinung bestehen — dies ist aber nicht der Fall meinen beide. Platon bringt dazu ein interessantes Beispiel aus der Rhetorik:

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Theätet Am Gericht wird eine Tat untersucht und dann geurteilt. Es kann sein, dass sich die Richter eine wahre Meinung nach der Anhörung von Kläger, Verteidiger und Zeugen bilden. Diese Meinung entsteht aus Reden / Zeugnissen des Tatbestandes, wird aber nicht durch anschauen des Tatbestandes selbst erzeugt. Es kommt daher nur eventuell zu einer richtigen Meinung — es fehlt die Begründung, die nur vom Logos kommen kann (der hier die Funktion hat, eine Meinung zu begründen). Was ist also Logos? Es bedeutet zuerst (sprachliche) Rede, also ein Nebeneinander von Worten (Onomata). Diese Onomata werden bei Parmenides aber als Gegensatz des Logos gesehen, als eine Zerstreutheit der Worte. Korrigiert wird diese Zerstreutheit nun durch eine Verflechtung (Symploke) der Worte, wodurch der Logos als eine zusammenhängende, sinnvolle Rede entsteht. Dies führt nun zu einer ersten paradoxen Konsequenz: das Ganze (holon) ist mehr als die Sunnne der einzelnen Elemente / Teile (pan), bzw. man erkennt das Ganze, während die Elemente aloga bleiben (hier wieder eine Anspielung auf die mathematische Tatigkeit von Theätet). Dieses zusätzliche Sein ist das, was wir durch den Logos erkennen können. Fragen: Wie können wir das Ganze erkennen, wenn wir die Teile nicht erkennen? Wie kann man die Silbe erkennen und sogar aussprechen, wenn man die Buchstaben nicht kennt? Antwort: Die Silbe ist mehr als die mechanische Zusammensetzung von Buchstaben, es ist vielmehr die Idee / der Sinn, der aus der Zusammensetzung entsteht. Platon sieht jedoch eine weitere Schwierigkeit: Wenn die Silbe eine Einheit / etwas Unteilbares ist, dann ist das Ganze so wenig erkennbar, wie die Elemente selbst (es wäre selbst wieder nur ein Element). Es kommt daher zur entgegengesetzten Folgerung: Das Ganze wird in die Elemente unterteilt und mit dem Logos betrachtet. Der Logos hat also hier zwei Funktionen: e synthetische Funktion: die nichtssagenden einzelnen Elemente werden zusammengesetzt zu einer aussagekräftigen Darstellung e kritisch / diskriminierende Funktion: das Ganze wird in ‘Teile zerlegt, um die Gültigkeit der einzelnen Teile zu prüfen (Zum Logos gehört nicht nur die Synthese, sondern auch die Analyse, wäre dies nicht der Fall, hätte der Logos keine diskriminierende Funktion.) Ebenfalls interessant in diesem Dialog ist. dass es zu einer Aufzählung der Bedeutungen des Logos kommt (Platon war sich also der vielen Bedeutungen des Logos bewußt):

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PLATON e Sprache e Aufzählung des Wesens / der Idee / der Bestandteile einer Sache — setzt die Synthese der Elemente voraus e Definition — der ausgesprochene Gegenstand wird von jedem anders abgegrenzt; hier geht es um das Erkennen der Differenz; dieses Wissen von der Differenz ist die Wissenschaft selbst Fazit: Der Logos besteht aus einer Verkniipfung die schon in der Sprache am Werk ist. Die Sprache besteht aus 2 Ebenen: semantische Ebene Die Sprache funktioniert als ein System (Verkniipfungen) von Bedeutungen. “Die Elemente des Bedeutens funktionieren nicht durch die kompakte Kraft von Kernpunkten, sondern durch das Netz von Oppositionen die sich von einander unterscheiden und aufeinander beziehen.” — eine Charakterisierung dessen, was Platon wahrscheinlich meinte syntaktische Ebene allmählich erfahren wir, dass der Logos kein einfaches Erfassen von Sein ist, sondern immer ein Zusammenhang / eine Verwebung — das erfahren wir auf der syntaktischen Ebene (besonders im 2. Dialog Sophistes ausgedriickt); der Logos entsteht von dem Moment an, ab dem etwas ausgesagt wird (Aus-sage — kata-phasis), er besteht in der Proposition, einer prädikativen / apophantischen Struktur, es wird irgendetwas über irgendetwas ausgesagt, z.B. die Sonne scheint — nur eine solche Aussage kann als wahr oder falsch angesehen werden (die Sonne alleine, kann nicht wahr oder falsch sein) Wir haben also: [Subjekt] ist [Prädikat], wobei das Sein (ist) die Verbindung herstellt — interessanterweise gibt es aber viele Sprachen, die ohne diese Kopula auskommen. Im Sophistes gehört daher das Sein auch zu den höchsten Gattungen, ist jedoch nicht die höchste Gattung, wie dies bei Parmenides und Aristoteles der Fall ist. Die Schwierigkeit für Aristoteles war, dass dieser höchste Begriff sein undefiniert war — für Platon ist dies durch die “Idee des Guten” kein Problem. Der Logos ist die Vermittlung der Erkenntnis. aber nicht die unmittelbare Erkenntnis (nots). Nous braucht keinen Logos, vielleicht zum Vermitteln, oder zum Prüfen, aber nicht für sich selbst: Nous - intuitives, intellektuelles Erfassungsvermögen, das dem Logos entgegengesetzt ist.

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Sophistes 14. April 2000 3.2 Sophistes Die Sophistik ist eine intellektuelle Bewegung im Athen des 5. Jahrhundert v. Chr. mit bekannten Vertretern wie etwa Gorgias und Protagoras. Das Wort sophos bedeutet der Weise, der Gelehrte, etwas zu wissen, oder auch ein Handwerk zu beherrschen. Die Sophisten verselbständigen die Weisheit und gelten als “übereifrige” Anwender des Logos — sie machen die “Sophia” zu ihrem Beruf und unterrichten die Weisheit gegen Bezahlung. Ihre Kunst ist nicht ein bestimmtes Gebiet des Wissens, sondern die Rede und sie behaupten über alles Reden zu können (selbst besser als ein Spezialist jenes Gebietes). Gorgias stellt zum Beispiel die Forderung, dass jeder Arzt sophistisch ausgebildet sein müsse, um den Patienten von der vorgeschlagen Heilmethode zu überzeugen. Sie rühmten sich auch, über jeden Sachverhalt sowohl eine bejahende als auch eine ihn negierende Beweisführung vorlegen zu können. Der Sophist selbst wird im Dialog [17] beschrieben als einer, der vielerlei Formen (polymorph) annimmt und daher schwer zu definieren ist: Der Sophist 416c-d: [...] Diese Männer produzieren sich vor der unwissenden Menge “in vielerlet Gestalt”, wenn sie “die Städte durchstreifen” und als echte und nicht nur vorgebliche Philosophen ganz von oben auf das Leben der Menschen unten in den Niederungen hinabschauen. Manchem scheinen sie reine Nichtsnutze, anderen höchster Ehren wert zu sein; manchmal treten sie als Politiker auf, manchmal als Sophisten, dann aber gibt es auch Leute, denen sie völlig verrückt vorkommen. [...] Platon wollte iiber die drei intellektuellen Bewegungen — Sophisten, Politiker und Philosophen — schreiben, tatsächlich hat er aber nur über die Sophisten (der hier behandelte Dialog) und die Politiker (Der Staat [15] — Politeia) geschrieben. Eine mögliche Erklärung dafür wäre aber auch die Bemerkung im Sophist 253c: Bei der Suche nach dem dem Sophisten haben wir offenbar zuerst den Philosophen gefunden. An einer anderen Stelle wird das aber möglicherweise wieder relativiert: Der Sophist 23la:

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PLATON Die [Ähnlichkeit] hat auch der Wolf mit einem Hund, das gefährlichste Tier mit dem zahmsten. Eine andere interessante Parallele in diesem Dialog ist jene zur Mathematik. So wie die Sophisten durch ihre Scheinreden die noch junge Philosophie in den Grundfesten erschiitterten, so war fiir die Mathematik die Entdeckung der irrationalen Zahlen ein schwerer Rückschlag — alle Beweise, die auf den kommensurablen Größen beruhten, waren mit einem Schlag ungültig (siehe Theatet). Die Aufgabe des Philosophen waren es nun, diese Probleme zu lösen. Es geht in der sophistischen Rede nicht um Wahrheit, sondern um Wahrscheinlichkeit, um den Schein. Die Wahrheit wird nicht ausgeschlossen, aber doch ausgeklammert. Die Sophisten produzieren durch ihre Reden Trugbilder / Phantasmata und werden dadurch des Betrugs bezichtigt. Ein weiterer Grund für den schlechten Ruf der Sophisten, war die bereits oben erwähnte Tatsache des auf Gelderwerb und Schülerfang ausgerichtete Lehrtätigkeit der Sophisten. (Im Gegensatz zu Sokrates, der sein Wissen frei weitergab und von den Spenden seiner Schiiler lebte.) Der Unterschied zwischen der Sophistik und der Rhetorik liegt in der Technik der Rede. Während die Rhetoriker den Dialog (d.h. Affekte spielen eine wichtige Rolle) bevorzugen, geht es in der Sophistik um eine intellektuelle Argumentationstechnik — die lange monologische Rede ist das typische Kennzeichen und die wirksame Methode sophistischer Uberredungstechnik, denn beim Diskutieren könnte widersprochen werden. Ob die gute Rede die wahre Rede oder die erfolgreiche Rede ist bleibt offen, denn hier dient der Logos zum Verstecken der Wahrheit, was zu der angesprochenen Krise des Logos führt. Ein Beispiel fiir eine sophistische Rede ist: “Jeder Logos ist wahr, denn derjenige der spricht sagt etwas, derjenige der etwas sagt, sagt das was ist, derjenige der sagt was ist, sagt was wahr ist”. (Das ist zwar logisch zwingend, aber falsch in der Prämisse, weil etwas auch das Nicht-Seiende sein kann!) Die Sophisten verstoBen gegen das Verbot von Parmenides (es kann nur gesagt werden was ist), was Platon zu einer verzweifelten Schlußfolgerung bringt: Der Sophist 241d: [...] Nimm bitte nicht an, ich wolle so etwas wie ein Vatermérder werden [..., denn ...] wir werden nicht darum herumkommen, wenn wir uns verteidigen wollen, den Satz unseres Vaters Parmenides genau zu prüfen und das [Eingeständnis] zu erzwingen, dass das Nichtseiende in gewisser Hinsicht ist und das Seiende andererseits auf irgendeine Weise nicht ist.

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3.2 Sophistes Das Thema des Sophistes ist es nun zu zeigen, wie man etwas Seiendes und Nichtseiendes miteinander verknüpft. Nach Platon gibt es zwei Wege die innere Verknüpfung zu rechtfertigen. Eine davon wäre eine Spekulation über das Sein. Er behauptet aber, die bisherigen Philosophen hätten nur Geschichten erzählt über das Seiende, nicht aber das Sein selbst beschrieben. Platon gibt folgende fünf Gattungen an: Bewegung, Ruhe, Sein, Selbigkeit und Andersheit (Sophistes [17] ab 250a). Die zwei groBen Strömungen der Philosophie bis zu dieser Zeit sind der Materialismus (Söhne der Erde - Vertreter der Ruhe) und der Idealismus (Freunde der Idee - Vertreter der Bewegung). Er fordert beide Schulen auf, Teile der anderen Schule anzuerkennen. Das Sein ist weder Ruhe, noch Bewegung, vielmehr ein Vermittler, denn beide sind Teil des Seins, selbst aber nicht das Gleiche. Auf der anderen Seite partizipiert das Sein an der Selbigkeit, muß aber genauso an der Andersheit Teil haben — die Andersheit ist also keine Modalität des Nicht-Seins. (Irrtümliche Aussagen entstehen aus der Mischung von Sein und Nicht-Sein.) Ruhe Selbigkeit (Sein nimmt an Selbigkeit teil) T > Sein 7 Bewegung T Andersheit (jedes Sein ist anders als alle anderen Sein) Aus der Synthesis von Onoma (Subjekt) und rhema (Prädikat) kann festgestellt werden, ob eine Aussage (/Subjekt] ist [Prädikat), das Prädikat kommt einem Subjekt zu) wahr oder falsch ist: e Definition der Wahrheit — Entsprechung in der Natur die einer Zusammensetzung (Synthesis) von Onomata gleichkommt e Andersheit des Prädikats in Bezug auf das Subjekt Die im zweiten Punkt angeführte Andersheit ist aber immer der Fall, denn 2.B.: Der Baum ist grün — grün ist aber nicht das selbe wie das Wesen des Baumes. Wichtig ist, den Logos nicht von etwas (ti peri tinos), sondern den Logos von etwas über etwas (ti kata tinos) zu sehen. Ein isolierter Term kann weder wahr noch falsch sein. Antisthenes: Jede Aussage ist ein Widerspruch. Das Subjekt ist im Prädikat, nicht aber umgekehrt: A= B, Bæ#

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PLATON Den einzigen Satztyp den Antisthenes daher zuläßt: A ist A, was jedoch eine Tautologie ist. Platon im Sophist: “Das Selbe ist ein Vieles — das Eine ist ein Vielfältiges”. Der Logos besteht also nicht aus einzelnen Worten. sondern aus der Synthesis / aus der Zusammensetzung von Wörtern (Symploke, symploke onomata - Verflechtung von Wörtern). ti peri tinos — Logos über etwas ti kata tinos — Logos von etwas über etwas die Bezeichnung der Beziehung des Subjekts zum Prädikat in den metaphysischen Schriften Aristoteles zeigt, dass jede Aussage mit der Kopula Sein ausgedrückt wird (in den logischen Schriften arbeitet Aristoteles jedoch vollkommen ohne das Sein) Lykophon schlug vor das Verb abzuschaffen: entweder man geht auf einc verbale Formulierung zurück (der Baum grünt), oder man streicht die Kopula (der Baum [schweigen] grün) Russell: alle Probleme der Philosophie entstanden aus der Vieldeutigkeit des Seins. (Eine Studie des Linguisten Benvenisté über das Wort Sein in den verschiedenen Sprachen ergab verschiedene Funktionen dieser Kopula: Angabe einer Hierarchie, Ausdruck einer zufälligen Beziehung, ...) Es liegt also sowohl bei wahren als auch bei falschen Aussagen eine Diskrepanz zwischen Subjekt und Prädikat vor. Bei falschen Aussagen jedoch handelt sich um eine Andersheit zweiten Grades. Heidegger bezeichnet das Wesen des Irrtums in [11]: Etwas vor etwas stellen (in der Weise des Sehenlassens) und es damit ausgeben als etwas, was es nicht ist. Der logos apophantikos, also der Logos der sehen läßt, birgt die Schwierigkeit, dass er nur für den wahren Logos gilt. Denn der falsche Logos läßt etwas sehen, was nicht Subjekt der Aussage ist. Wenn man den Logos also interpretiert als fortschreitendes sehenlassen, impliziert das immer die Möglichkeit des Irrens. Logos ist nicht die Nennung — die phasis, sondern die kata phasis, die Aussage. Der Logos apophantikos besteht also zum Einen aus der Zusammensetzung von Wörtern, und zum Anderen setzt er diese zusammengesetzten Worte der Alternative wahr/falsch aus. Eine andere Folgerung wäre, dass der Logos nicht von vornherein wahr ist, was aber die Aufforderungen zur Folge hat, dass der Logos uns anvertraut wird, um ihn zu pflegen und richtig anzuwenden. Es ist nun Aufgabe der Logik und der Dialektik diese Regeln anzugeben. Der bisher selbstständige Logos wird zum Instrument des Denkens und braucht für die korrekte Anwendung genau diese Regeln, welche größtenteils von Aristoteles formuliert wurden.

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Aristoteles 4.1 hermeneutisch umfassende Betrachtung des Logos Der Gebrauch von Logos als Vernunft entwickelte sich erst bei den Römern. Fiir die Ubersetzungen ins lateinische gebrauchte Cicero die Worte “ratio ac oratio”, ratio - die Rechnung und ac oratio — reden, wieder also ein Zeichen, dass der Logos zuerst Sprache ist. In der Politeia des Platon gibt er als Definition des Menschen: zoon logon echon — der Mensch als einziges Lebewesen das Sprache besitzt (lat: animal rationale). “Die Sprache ist ein Organ — wenn nicht des Denkens, so doch der Kommunikation.” Der Unterschied zwischen der Stimme (phone) und dem Logos: Andere Lebewesen manifestieren durch ihre Stimme Lust und Schmerz, der Logos ermöglicht jedoch abstrakte Begriffe des Nützlichen und Schädlichen und Werte wie gut oder schlecht mitzuteilen. Normalerweise ist die Sprache einer Spezies eigen (alle Tiere einer Art haben die gleiche Stimme), die Sprachen des Menschen gibt es jedoch in einer großen Vielfalt — Aristoteles nennt sie Glossei (Zungen) bzw. Dialekton. Der Mensch verfügt also über eine Vielzahl von Dialekten zu einer Phone. Es ist vermutlich eine falsche Annahme, dass die Griechen zu ihrer Zeit die griechische Sprache als die einzige zum Logos fähige Sprache ansahen. Der Schritt auch andere Sprachen als Logos anzusehen wurde wahrscheinlich bereits bei Aristoteles vollzogen. (Schließlich wurden auch bereits im alten Athen eine Reihe von verschiedenen Sprachen gesprochen.) Interessant ist in diesem Zusammenhang auf jeden Fall die Wurzel des Wortes Barbaren: barbaros, eine Sprache die keine Sprache ist (Gestammel). Ein Beispiel: Sagt ein Grieche zu einem Barbaren kuon (Hund), so hören beide zwar die gleichen Laute (Phone) und nach einer Analyse der Stoiker habe auch beide die gleiche Vorstellung was unter diesem Laut zu verstehen ist, allerdings fehlt das Vermittlungsglied “Bedeutung”, wodurch es zum Unverständnis kommt. Nach Aristoteles ist der Mensch ein politisches Lebewesen. Aus der obigen Definition (zoon logon echon) könnte man auch folgern: Weil der Mensch Sprache hat, ist er ein politisches Lebewesen. — Wegen Kommunikation ist Gesellschaft möglich. Die politischen Konsequenzen daraus werden im Abschnitt 4.3 beschrieben. Sprache und deren Analyse Wichtig für die Analyse der Sprache / der Vielfalt der Sprachen (die Dialek-

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ARISTOTELES te) ist vor allem der zweite Traktat von Aristoteles: die peri hermeneias (lat.: de interpretatione). Interessanterweise findet man den Begriff “Hermeneia” nur im Titel; Hermeneia = Mitteilung / Übersetzung, mittelbare Mitteilung (d.h. es braucht ein Vermittlungsglied). Topik [2], 139b: Nicht gut definieren kann man auf zweierlei Weise, einmal, wenn man sich undeutlich ausdrückt - denn bei der Definition muß man so deutlich wie möglich sein, da sie der Erkenntnis wegen gegeben wird -, dann. wenn man in dem Begriffe mehr angibt, als nötig ist, da jede weitere Zugabe zu der Definition überflüssig ist. Es genügt also nicht, dass der Redner eine klare Vorstellung davon hat was er definiert, denn das impliziert noch nicht die Klarheit der Übertragung, was ein mögliches Unverständnis zur Folge hat. Topik, 140a: Wenn der Begriff, für sich angegeben, nicht klarmacht, was damit definiert sein soll, sondern einen eher wie die Bilder der alten Maler anmutet, wo man, wenn man es nicht darüber schrieb, nicht wußte, was sie vorstellen. Jeder sprachliche Ausdruck ist interpretationsbedürftig, d.h. es ist immer eine Übertragung in eine uns vertraute Sprache notwendig. Die Notwendigkeit der Übersetzung hat ihre Ursache in der Konventionalität der Sprache (erste Feststellung von Aristoteles in der Hermeneia). Wörter sind Zeichen (Laute) die eine Bedeutung haben - Aristoteles fügt hinzu: sie bedeuten auf konventionelle Weise (syntheke = Vertrag, Konvention) / Bedeutung aufgrund eines Gesetzes. D.h. also dass Wörter nichts Natürliches sind, wären sie nämlich von Natur aus gleich, würden sich alle Menschen (bis auf die Sprache) verstehen — dies kann als Angriff auf Platon gesehen werden. Es werden vier Glieder vom Zeichen (graphomena) bis zur Sache selbst (pragma) unterschiededen: 1. graphomena —> 2. phonemata — 3. doxa —> 4. pragma * __. symbolon (konventionelle Bedeutung), sind willkürlich in Bezug auf die Bedeutung + ...homoiomata (Abbildungen), haben nichts mit der Sprache zu tun 1. und 2. sind nicht die gleichen für alle Menschen, 3. wird vorerst als universell für jeden angesehen, was Aristoteles aber als Problem anerkennt. Später (vor allem im 17. Jahrhundert) kam es zu einer Diskussion über falsche

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logisch, dialektische Konsequenzen Vorstellungen, allerdings ist dies Sache der Psychologie und kein sprachliches Problem. Man beachte besonders auch, dass die oben angeführte Kette nicht transitiv ist, denn beim Schritt von 3. auf 4. geht besonders die Phänomenologie ein. Im zweiten Teil des Traktates wird der Logos erst im 4. Kapitel erwähnt und wie folgt definiert: Hermeneutik [5], 16b: “Erklärende Rede” ist eine etwas bezeichnende Lautäußerung, von deren Teilen jeder beliebige für sich gesondert etwas bezeichnet, nur als bloßes Kundtun, aber noch nicht als behauptende Zusage. (Der Logos als semantisches Phonem; im Mittelalter wurde die erweiterte Definition des Logos: “zusätzlich Zeichen die auf eine konventionelle Weise bedeuten” gestrichen, da man den Logos als nicht konventionell ansah.) Es gibt allerdings auch Sätze die der Alternative von Wahr und Falsch entgehen: Fragen, Befehle, Bitten, Gebete - Sätze die etwas bewirken wollen, also nicht die Logik betreffen; sie gehören zur Pragmatik. (Aristoteles sagt, diese würden in der Politik und der Rhetorik besprochen.) 19. Mai 2000 4.2 logisch, dialektische Konsequenzen Karl-Otto Apel unterscheidet in [1] drei Dimensionen der Sprache (übernommen von Charles Morriss in [14]) — unter der Voraussetzung den Logos als ein System von Zeichen anzusehen: Semantik beschäftigt sich mit der Beziehung der Zeichen zu den außersprachlichen Tatsachen Syntaktik ist die innersprachliche Beziehung der Zeichen zueinander Pragmatik gibt die Beziehung der Zeichen zu den Menschen an, die diese Zeichen benutzen (Sprachbenutzer); es geht um die Kommunikation, die Wirkung / Rückwirkung der Rede Da die Menschen in einer sprachlich festgesetzen Konvention leben (Aristoteles: Syntheke) schlägt sich das in der Kommunikation nieder und der Art, in der sich die Wirklichkeit in den Vorstellungen widerspiegelt (> Titel). Aristoteles trägt nun in der Pragmatik der Situiertheit der Menschheit Rechnung (in der Rhetorik und der Poetik geht es ja zum Beispiel nur um die Wirkung auf den Hörer).

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ARISTOTELES Kritisiert muB an Apel jedoch die von ihm behauptete totale Abgrenzung von Semantik und Syntaktik zur Pragmatik werden. Er ordnet die beiden ersten der Logik und die Pragmatik rein der Rhetorik und der Poetik gu. Diese Trennung kann jedoch nicht. so einfach durchgefiihrt werden. Transformation der Philosophie [1], S. 283: [...] Die Frage nach dem Sinn ist damit aus der Pragmatik des Gesprächs herausgelöst und — wenigstens im Ansatz und in der Tendenz — einer “logischen Syntax” und “Semantik” unterstellt. Vgl. dazu die folgende Stelle bei Ammonius: “Da die Rede eine zweifache Beziehung hat - wie Theophrast gezeigt hat -: eine zu den Hörern, für welche sie etwas bedeutet, die andere zu den Dingen, von welchen der Sprecher den Hörenden berichtet, entstehen im Hinblick auf die Beziehung zu den Hörern die Poetik und die Rhetorik.” Die Sprachtheorie ist immer pragmatisch / hermeneutisch eingebunden die behauptete Trennung wird von Aristoteles selbst in der strengen Logik nicht vergessen. Zur Illustration der Trennung bezieht Apel sich (wie im Zitat angegeben) auf die Kommentatoren von Aristoteles (z.B. Ammonius, 6. Jh. n. Chr.). Genau dieser Bezug stellt jedoch das Problem dar: Ammonius behauptet, dass die Sprache eine zweifache Bedeutung hat — nämlich einerseits die Bedeutung der Sprache für den Hörer (Technik der Poetik und Rhetorik) und andererseits die Beziehung der Sprache zu den Zeichen. Metaphysik des Aristoteles: logos pros otos — der Logos der für den Zuhörer spricht und sich nicht verselbständigt. Platon: “Denken ist ein Gespräch der Seele mit sich selbst” — Aristoteles übernimmt diesen Gedanken von Platon und sieht jede Sprache als ein Gespräch! In Kapitel 4 und 5 der Hermeneutik versucht Aristoteles zu klären welche Rede das Gebet ist. Am ehesten gehört sie zur Pragmatik, da sie nichts darstellt, nicht wahr oder falsch ist. Durch die Syntax der Aussage erreichen wir eine Ebene, wo wir von Wahrheit sprechen und diese soll Abbild der Wirklichkeit sein. Diese Zusammensetzung ermöglicht die Befreiung von der Hermeneutik und ist der erste Schritt in Richtung der Formalisierung der Sprache. Aristoteles formuliert nun als erster diese von der Sprache unabhängigen Regeln zur richtigen Verwendung des Logos - die Theorie der Logik (die er selbst übrigens selbst nie als Logik bezeichnete). Er nimmt dabei eine Dreiteilung in logische, physische und ethische Probleme vor. In der Physik geht es um die Natur der Sache. Die Logik beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Theorie der Logik. Um eine wahre Aussage zu erhalten, muß diese von anderen bereits als wahr geltenden Aussagen abgeleitet

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logisch, dialektische Konsequenzen / deduziert werden. Die neue Aussage hat dann den gleichen Wahrheitsgehalt wie die urspriinglichen Aussagen. Diese Vorgehensweise des Deduzierens nennt man Syllogismus: Der Syllogismus ist ein sprachlicher Proze der die Wahrheit der Priimisse voraussetzt und dafiir sorgt, dass die Wahrheit nach der Deduktion nicht verlorengeht. Der Syllogismus ist also ein Logos! Aristoteles sieht drei Stufen des Logos: e Definition (des Begriffs) e Satz (Aussage) e Syllogismus (Schlußfolgerung) Diese drei Stufen werden in allen folgenden Traktaten bis hin zu Hegel beibehalten (wobei Hegel eher psychologisiert). Aristoteles Schriften zur Logik wurden unter dem Titel Organon (Instrument des Denkens, Hilfsmittel zur Wahrheitserkenntnis) zusammengefaßt — man beachte jedoch, dass dieser Titel nicht von Aristoteles stammt. Herausgegeben wurden die Schriften von Andronikos von Rhodos 250 Jahre nach dem Tod von Aristoteles im Jahr 332 v. Chr. Die Schriften waren verlorengegangen und als sie wieder gefunden wurden, waren sie in einer völligen Unordnung. Es war nun Aufgabe der Herausgeber die Schriften zu ordnen, und der wohl beriihmteste Teil ist die Metaphysik (Schriften über Gott und Einheit — sie waren nicht bei der Logik, bei der Physik und der Ethik einzuordnen, daher entschied man sich, sie “über” (nach) die Physik zu stellen). Die Traktate werden wie folgt eingeteilt: 1. Kategorien 2. Hermeneutik — vom sprachlichen Ausdruck 3. Erste Analytik (a priori): hier werden 24 Syllogismen aufgezahlt 4. Zweite Analytik (a posteriori): über die wissenschaftliche Beweisführung (apodeizis) 5. Topik (von den Plätzen und Orten): behandelt dialektische Syllogismen Die erste und zweite Analytik, sowie die Topik behandeln die Theorie der Syllogismen. Dem dialektischen Syllogismus, der nur aus wahrscheinlichen Prämissen besteht, kann immer widersprochen werden. Die Dialektik nimmt daher nur eine zweitrangige Position im Vergleich zur Wissenschaft ein, wo diese nicht

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ARISTOTELES verwendet wird. Sie wird jedoch im alltäglichen Leben und in der Rede gebraucht. In der Versammlung/Beratung (bouleusis: boule - beratende Versammlung) ist aufgrund der Komplexität die wissenschaftliche Rede nicht möglich, in einer solchen Rede geht es immer um Môglichkeiten und Argumente (logoi). Bringt man keine solche Argumente, wird dies abschätzig als Rhetorik bezeichnet. Platon ging weiter und bezeichnetet damit die Sophisten — sie mißbrauchten die pragmatische Funktion der Sprache. Bouleusis (deliberation): das Verfahren der Beratschlagung mit anderen / sich selbst über praktische Dinge Beim logikon unterscheidet man zwischen: e epistemonikon — wissenschaftliches Vermögen e logistikon (dozastikon) — Vermögen der Seele für Erwägungen (Vorstellungen / Meinungen) Aristoteles glaubt nicht an die Alleinmacht der Wissenschaft: Der Logos existiert, um das venünftigst Mögliche zu beschließen. Was ist Notwendigkeit? Aristoteles definiert das Notwendige als das, wessen Gegenteil unmöglich ist. Notwendigkeit — Kontingenz Ein Beispiel aus der Astronomie: die supralunare Welt folgt einer Notwendigkeit, während die sublunare Welt kontingent ist. (Die supra- und sublunare Welt stehen jedoch in Beziehung, nämlich in der Art, dass die supralunare Welt in groben / allgemeinen Zügen die sublunare Welt bestimmt, z.B. Jahreszeiten). Aufgrund der Kontingenz können wir unsere Welt verändern, im Gegensatz zur Laufbahn der Planeten (es ist daher sinnlos darüber zur verhandeln; August Comte: In der Astronomie kann man nicht frei denken, man muß die Gesetze annehmen.). Der Mensch kann aber auf dieser (sublunaren) Welt wirken. Eine Ausnahme bildet die “Wissenschaft als kleine Insel im Ozean der Wahrscheinlichkeiten”. Die Wissenschaft ist also eine Einengung der Möglichkeiten der Sprache, und eine mögliche Konsequenz ist die Verwissenschaftlichung des Bereichs des Erkennbaren. was eine Bedrohung für die Freiheit der menschlichen Entscheidung darstellt.

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Logos als Konsequenz der praktischen Philosophie 26. Mai 2000 4.3 Logos als Konsequenz der praktischen Philosophie Logos ist bei Aristoteles primär die Sprache, in manchen Texten hat es aber auch die Bedeutung von Rechnung / Berechnung (logistizei — rechnen / berechnen). Bonitz gibt im Index Aristotelicus [7] folgende Bedeutungen des Logos: IN 1. Sprache (vor, phone) Sprache auf Denkvorgänge übertragen 3. Logos als Vermögen des Denkens und Schlußfolgerns (= Vernunft) 4. ratio mathematica — mathematisches Verhältnis Es muß angezweifelt werden, ob sich Punkt 3 von den ersten beiden Punkten unterscheidet. Die von Bonitz gewählten Stellen können wieder als Sprache - und damit als Punkt | — übersetzt werden. Noch eine Anmerkungen zu Bonitz: Er übersetzt orthos Logos als die richtige Rede / richtige Regel (im Sinn von Formel) — damit widerspricht er aber der Übersetzung als Vernunft, dort wäre orthos (richtig) nämlich unangebracht. Logos bedeutet bei Aristoteles noch nicht Vernunft, diese Bedeutung kommt erst mit den Stoikern und dann bei den Neuplatonikern. Aristoteles sieht den Nous (Intellekt) als das Erkenntnisvermögen der Seele. Der Nous, die Fähigkeit das Intelligible zu erfassen, ist eine Eigenschaft die den Menschen und Gott gemeinsam ist, es ist das Göttliche im. Menschen. Der Mensch partizipiert mit dieser Fähigkeit nach eigenem Vermögen (kata to dynaton) am Göttlichen, denn Nous ist das eigentliche Wesen Gottes. Diese von den Neuplatonikern besonders hervorgehobene Trennung bedeutet eine relative Herabsetzung des Logos und hat folgende Konsequenzen: 1. Gott spricht nicht - aus der Überlegenheit des Intellekts über den Logos folgt, dass Gott der Sprache im Gegensatz zum Menschen nicht bedarf; vgl. die Definition des Menschen: zoon logon echon 2. Gott lebt nicht in Gemeinschaft — da Gott autark ist, lebt er in keiner (politischen) Gemeinschaft / braucht kein Zusammensein; ein Sprichwort aus dieser Zeit besagt: Gott braucht kein Freunde; im Gegensatz wieder zum Menschen als zoon politikon

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ARISTOTELES Aus “Gott spricht nicht” folgert Aristoteles, dass Gott keine theologische Instanz ist, womit er aber im Gegensatz zur Bibel steht, wo Gott sehrwohl spricht. Die frühkirchliche Philosophie hat ihre Quellen daher auch eher bei Heraklit und den Stoikern, sicher aber nicht bei Aristoteles. Zur zweiten Konsequenz: Tiere leben nicht in Gemeinschaft, da sie die Eigenschaft der Gemeinschaft im Sinne von politeia nicht besitzen (a-polis). Gott ist im Gegensatz dazu aber aus seiner Überlegenheit alleine (hypsipolis). Der Mensch nun befindet sich genau zwischen apolis und hypsipolis. Hypsipolis — der den Gesetzen folgt steht an der Spitze der Politik, nicht aber über der Politik. Es gibt aber auch Menschen die das Gesetz nicht brauchen, da sie selbst das Gesetz sind. Diese Menschen wurden aus Athen verbannt, da sie sich dem Rahmen des Gesetzes nicht beugten. Diese Verbannung ist aber als ein ehrenvolle Verbannung von besonders verdienten und einflußreichen Männern zu verstehen, die aufgrund ihrer Anwesenheit das politische Leben gestört hätten — das bekannteste Beispiel dafür ist Themistokles, der nach einem Streit mit Aristides verbannt wurde. Wie bereits oben erwähnt hat die Überlegenheit des Nous die Anerkennung der Zweitrangigkeit des Logos / der Subsidiarität des Nous zur Folge. Es erfolgt eine Instrumentalisierung des Logos (Organon des Denkens), was in der Eudemischen Ethik ausgedrückt wird als: “Das Prinzip des Logos ist nicht der Logos selbst, sondern etwas Höheres — der Ausgangspunkt des Logos ist höher als er selbst.” Zum Erkennen von Prinzipien: Prinzipien können nicht bewiesen werden, denn jede Beweisführung beruht auf Prinzipien. (Ein Beweis wäre nur durch einen Regreß ins Unendliche, oder durch einen Zirkel möglich.) Aristoteles schließt daher in der zweiten Analytik [3] 2. Buch, Kapitel 19: Man sieht also, dass wir die ersten Prinzipien durch Induktion kennen lernen müssen. Denn so bildet auch die Wahrnehmung uns das Allgemeine ein. [...] Der Beweis ist nicht Prinzip des Beweises, und somit ist auch die Wissenschaft nicht das Prinzip der Wissenschaft. Er sagt, dass sich jede Wissenschaft mit dem Logos konstituiert, und daher gibt es vielleicht keine Wissenschaft der Prinzipien. Wie man sieht wird diese harte Formulierung durch das vielleicht von ihm selbst wieder abgeschwächt. Die Neuplatoniker übernehmen diese Texte und radikalisieren sie: Der Nous steht nun eindeutig über dem Logos. a-logos (die Abwesenheit des Logos) bedeutet zum einen das Unsagbare und zum anderen hat es bei Aristoteles immer eine negative Bedeutung. Für Plotin wiederum ist alogon noch über dem Nous. Er sieht alogon des

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Logos als Konsequenz der praktischen Philosophie 27 ersten Prinzips nicht als Mangel, sondern als Überfluß. (Zwischen den beiden Möglichkeiten des alogon aus Mangel und des alogon aus Überfluß steht der Logos.) Eine erste positive Konsequenz der Überlegenheit des Nous über den Logos ist die Freude des Menschen sein Wissen zu teilen. Dafür benötigt er allerdings die Sprache, um sich zu artikulieren. Metaphysik [4], Buch A, 1075: Ferner bleibt nun noch eine schwierige Frage übrig: ob das Erkannte zusammengesetzt ist; denn es würde ja dann das Erkennen in den Teilen des Gunzen einer Veränderung unterworfen sein. Vielmehr ist doch wohl alles, was keinen Stoff hat unteilbar. Wie sich die menschliche Vernunft, d.h. die auf das Zusammengesetzte gerichtete. in einer gewissen Zeit verhält - denn sie hat nicht in diesem oder in jenem Teile das Gute, sondern im Ganzen das Beste, welches etwas anderes ist (als sie selbst) -: so verhält sich die Vernunfterkenntnis ihrer selbst (der göttlichen Vernunft) die ganze Ewigkeit hindurch. Diese Denkoperationen laufen also in der Zeit, d.h. der Logos ist einem Wandel unterworfen — eine Bewegung des Denkens die nach Ansicht von Aristoteles Gottes unwürdig ist. Aristoteles gibt aber eine komplizierte Antwort: 1. alles was keinen Stoff hat ist unteilbar 2. Gott kann aus einer Zusammensetzung Einheit / Unteilbarkeit erzielen Diese Einheit können Menschen von Zeit zu Zeit durch 2.B. Kontemplation erreichen — es koinzidiert dann das menschliche Denken mit dem Gedachten. In diesen seltenen Momenten erreicht der Mensch für Augenblicke Unsterblichkeit und wird Gott gleich. (Von Plotin wird gesagt, dass er diese Erfahrung vier mal gemacht hätte — Gott ist ewig in diesem Zustand.) Während der Nous nur das Einfache sehen läßt / nur das Unmittelbare wiedergibt, besteht der Logos also aus der Zusammensetzung (Synthesis) / braucht der Logos das Zusammengesetzte als seine Aussage. Über das Zusammengesetzte kann man sprechen, es ist aber nicht intuitiv zu fassen - im Gegensatz zum Nous, für den etwas zwar “faßbar”, aber nicht “sagbar” ist. Aristoteles trägt dem Rechnung und versucht dieses Dilemma zu überwinden. Metaphysik [4], Buch Z, 104la: Danun das Wesen ein Prinzip und eine Ursache ist, so müssen wir von hier ausgehen. Man untersucht aber das Warum immer so, dass man fragt. warum etwas einem anderen zukommt; denn

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STOIKER wenn man untersucht. weshalb der gebildete Mensch gebildeter Mensch ist. so heißt dies entweder das Ausgesprochene selbst untersuchen, weshalb der gebildete Mensch gebildeter Mensch ist, oder etwas anderes. Untersuchen nun, weshalb etwas es selbst ist. heißt nichts untersuchen. Denn das Dass und das Sein muß als bekannt und offenbar gegeben sein. Die Frage "Warum kommt B A zu?” ist der Ausgangspunkt der Wissenschaft. Zur Beantwortung ist es notwendig ein drittes Glied C zu finden, so dass gilt: A= B, wenn B=C firC=A Die Frage “Warum Etwas einem anderen Etwas zukommt” beantwortet Aristoteles damit, dass das Untersuchte immer etwas von etwas ist. Die Konsequenz daraus ist, dass es keinen Sinn macht zu fragen, warum eine Sache das ist was es ist. — Man fragt nicht nach dem Sinn einer Identität, sondern nur nach dem Sinn einer Synthese. Heidegger zitiert am Ende seines Satzes vom Grund [10] Silesias: “Die Rose ist ohne Grund, sie blüht, weil sie bliiht.” Nach der Meinung von Aristoteles gibt es im Hinblick auf die einfachen Gegenstände keine Forschung und keinen Unterricht. Allerdings gibt es eine andere Art und Weise fiir die Untersuchung dieser Gegenstände: die noesis — das durch Intuition (Anschauung) erfaBbare. 2. Juni 2000 5 Stoiker Die stoische Philosophie ist eine Philosophie des Logos. Sie setzt einen präzisen — von Platon und Aristoteles verschiedenen — Logosbegriff voraus und stellt eine Rückkehr der Logik zu Heraklit dar. Die verschiedenen griechischen Schulen sind nach dem Ort benannt, an dem die Lehren vorgetragen wurden: Bei den Stoikern war dies die stoa (Säulenhalle). Begründet wurde die Schule durch Zenon von Kition, Chrysipp und Cleanthes auf der Insel Zypern. In der hellenistischen Zeit verloren die griechischen Stadtstaaten zu Gunsten einer cinheitlichen Herrschaft von Makedonien ihre Unabhängigkeit, Athen bleibt aber weiter Zentrum des philosophischen Lebens. Diese neue politische Situation hatte auch geistige Konsequenzen: Aufgrund der ausländischen Herrschaft verliert die Rede ihre politische Bedeutung, da es keine Versammlungen / Beratschlagungen mehr gibt. Der

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Logos ist gezwungen sich zu verinnerlichen und auch die Rhetorik bleibt zwar bestehen. wird aber wegen der fehlenden politischen Ausübungsmöglichkeit zur Kunst der schönen Rede. Die makedonische Herrschaft führt aber auch eine Erweiterung des sozialpolitischen Horizonts herbei. Die Gründer der stoischen Schule kommen aus weit entfernten Kolonien und so war z.B. die Muttersprache von Chrysipp nicht griechisch sondern arameisch. Dies war auch ein Vorwurf an die ersten Stoiker, dass sie selbst nicht des Griechischen mächtig waren, den Athenern aber Vorschriften machen wollten. Politisch sahen sich die Stoiker als Kosmopoliten — es gibt nur eine gemeinsame Polis der Menschen und Götter. Begriindet wurde der Kosmopolitismus durch Diogenes den Zyniker — auf die Frage, welches Staates Bürger er sei, antwortete er: “Kosmopolites - ein Bürger des Kosmos”. Dies wurde von den Stoikern übernommen, philosophisch fundiert und verbreitet. Die Werke der “alten Stoa” sind verloren und in Fragmenten nur mehr in Form von Zitaten erhalten - siehe [6]. Die wichtigsten Texte der alten Stoa wurden ebenfalls von Max Pohlenz [18] übersetzt und kommentiert. Die Stoa ist der Ausgangspunkt einer langen Geschichte. Nach der alten Stoa folgte in der zweiten Phase die “mittlere Stoa” (1. Jh. v. Chr.) die vorallem politische Konsequenzen hatte. Wichtige Vertreter waren Posidonios und Panaetios. Die dritten Periode (1. - 2. Jh. n. Chr.) oder “neue Stoa” wird auch als kaiserlicher Stoizismus bezeichnet. Die Werke von Seneka, Epiktet und Marc Aurel werden übrigens noch auf griechisch verfaßt. Logos als neue Geistesströmung In der Zeit der Neuen Stoa fand das Wissen um den Logos eine große Verbreitung in der Bevölkerung — im Gegensatz zum Bekanntheitsgrad bei Platon und Aristoteles. Die Stoa entwickelte sich zu einer Religion und war eine Konkurrenz zum Christentum. Der Logos stand nun — mit erweiterter Position im vgl. zu Aristoteles und Platon — an erster Stelle, war jedoch immer noch primär Sprache und nicht geistiges Vermögen (wurde erst später Vernunft genannt). Logos galt als die Sprache vermittelnde Situation in zwischenmenschlichen Beziehungen, wozu die Kunst der widerspruchsfreien Darstellung, die rhetorische Überredung und die Untersuchung der Wissenschaften zählte. Er war das Werkzeug zur Prüfung der etablierten Wissenschaften und ersten Prinzipien. Im Hinblick auf die Erkenntnis blieb der Logos dem Nous aber untergeordnet (durch die Umfassendheit des Logos fehlte die Tiefe des Nous). Das Novum bei den Stoikern ist nun, dass die Selbsteinschränkung des Logos aufgehoben wird — Logos und Nous verschmelzen. In den Übersetzungen kann Vernunft nun Logos oder Nous bedeuten (Cicero, der diese griechischen

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STOIKER Texte ins Lateinische übersetzte verwendete fiir beide Begriffe ratio). Trotz dieser Erweiterungen behält der Logos die Bedeutung von Sprache, was aber bei weitem nicht mehr die einzige Bedeutung ist. Eine fachliche Betrachtung zeigt wesentliche Abweichungen zu Aristoteles (führt zur Polemik zwischen Vertretern Aristoteles und den Stoikern), obwohl z.B. die klassische Dreiteilung in Logik, Physik und Ethik übernommen wird. Logik ist nun ein Teil der Philosophie und nicht mehr nur ein Werkzeug. Bei den Stoikern findet sich in diesem Zusammenhang auch die Idee des Systems und zwar nicht mehr nur, wie bisher üblich, in biologischer Bedeutung, sondern: beim Wegfall eines Teils (Logos) verschwindet das Ganze (Philosophie). Es folgt nun immer mehr eine Verselbständigung des Logos, das von dem Phänomen der Trennung des Logos von der Sprache begleitet wird. Sprachliche Vorgänge haben willkürliche Gründe, es bedarf daher der Trennung im Hinblick auf die Bedeutung der Wörter, da diese nicht konventionell sind. Es sollten daher Gesetze entworfen werden, die allen Sprechenden gemeinsam sind — Gesetze des richtigen Sprachgebrauchs. Die Grammatik ist damit mehr noch als aristotelischer stoischer Herkunft. Diese grammatischen Gesetze gelten für die Denkprozesse, aber nicht für die natürliche Sprache. Die Stoiker trugen damit der Vielfalt der Sprachen Rechnung - im Gegensatz zu Platon der dem noch keine große Aufmerksamkeit schenkte. Die Theorie der Bedeutung war bei Aristoteles zweistufig: 1. semeinon — das Bedeutende (Phone, die ausgesprochen werden) 2. semeinomina — die Sache selbst / Bedeutung eines vorgestellten Sachverhalts Bei den Stoikern allerdings dreistufig: l. semeinon 2. serneinomenon — Stufe des Bedeutungsinhalts, der mittlere Stellung annimmt (etwa zwischen dem was wir sagen, und dem was wir eigentlich sagen wollen) 3. semeinomina Die Stoiker rechtfertigen die Stufe dazwischen mit folgendem Sachverhalt: Verstehen sich Gesprächspartner bei einer Unterhaltung nicht, ist es zwar wahrscheinlich, dass beide eine Vorstellung des Gegenstandes haben, allerdings fehlt bei einem der Bedeutungsinhalt, da der Laut nicht zu seinem System der Bedeutungsinhalte gehört.

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Das Ausgesagte (lekton) weist auf den Denkinhalt hin und wird als azioma (Urteil. das wir für wahr halten) angesehen. Das Axioma bezieht sich auf den psychologischen Akt des Urteilens. Wieder gilt: Ein isoliertes Wort wäre ein unvollständiges Urteil ~ eine Diskrepanz zwischen Logoi und Gedanken. Cicero [8], 1. Buch, Kapitel 20: Die Sprache ist die Dolmetscherin des Geistes. Sie entscheidet sich bei den verschiedenen Völkern in den Worten, bleibt aber im Denken die Gleiche. Kann die Sprache in Worten auseinandergehen, bleibt sie doch im Denken das Gleiche. Der Logos besteht also primär nicht aus Wörtern, sondern aus Gedanken. “Die Sprache ist eine Stimme die von den Gedanken ausgeschickt wird.” loqui (lat. sprechen) kommt von locus (lat. Ort) — Bedeutung in der richtigen Position im Satz. Ein weiteres Novum bei den Stoikern ist die Ansicht, dass die Pragma (Sache) zuerst gedacht werden muB und dann erst ausgesprochen werden kann — die Sprache braucht das Denken (im Gegensatz zu Aristoteles). Die Sprache wird durch die Gliederung des Denkens erst zum Ausdruck gebracht und ist somit an den Logos gebunden. Die dazu notwendige Denkfähigkeit heißt nun Logos. Diese Neuauffassung des Logos hat Folgen in der Kosmologie und Politik. In der Kosmologie kann nun das Prinzip, das die Welt regiert, als Logos bezeichnet werden (bei Aristoteles war dies noch Nous). Gott wird nun ohne Probleme der Logos zugeschrieben. Gesetze (nomos) hatten eine abschätzige Bedeutung. Wie der Name schon sagt, mußten sie gesetzt werden / sie waren nichts von Natur aus gültiges. Die Gesetzgebung war also ein Akt der Willkür. Dies wird nun von den Stoikern aufgehoben: koinos nomos — das gemeinsame / natürliche Gesetz. Cleanthes sagte: “Gott (Zeus) ist ein gemäB des Gesetzes alles regierender — er ist das allgemeine Gesetz.” Der Logos unterscheidet den Menschen vom Tier, und der Logos ist auch das, was Gott und Mensch gemeinsam ist (zoon atanaton logikon theos — Gott ist ein Lebewesen). Der Unterschied zum Menschen liegt also nicht im Logos, sondern in der Unsterblichkeit des Logos bei Gott. Im Gegensatz dazu hat der Mensch mit den Tieren die Sterblichkeit gemeinsam. “Der Kosmos ist eine Polis die den Göttern und den Menschen gemeinsam ist.” Die Stoiker sahen die Gemeinschaft von Menschen und Göttern bereits auf der Welt vorhanden. Sklaventum Sklaven wurden bei den Stoikern als voll gleichberechtigte Menschen angesehen (“kein Mensch ist von Natur aus Sklave”). Allerdings gab man sich keine

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ZUSAMMENFASSUNG groBe Mühe das Sklaventum abzuschaffen. Zum einen waren die Stoiker nicht sehr politinteressiert (im Gegensatz zu Platon), und zum anderen bestand die Meinung, dass man dafür nicht verantwortlich sei und daher es auch nicht ändern könnte. Als das wirkliche Sklaventum sahen sie die Menschen, die Sklaven ihrer Leidenschaften waren. 9. Juni 2000 6 Zusammenfassung Der Ausgangspunkt der Betrachtungen war die Hypothese, dass Logos Sprache ist. Diese primäre Bedeutung wurde nie ganz vergessen oder aufgehoben. Die Sprache ist jedoch immer bezogen auf die Seelen- Zustände / Vorstellungen. Der Logos ist damit keine Widerspiegelung der Sprache, sondern viel mehr eine Interpunktion / Ubersetzung (Cicero: ratio interpres mentis), denn nicht die Sprache ist ein Abbild der Wirklichkeit, sondern unsere Vorstellungen. Die Stoiker gelten als Vorgiinger der Sprachwissenschaften. Sie erkannten, dass die Sprache die Artikulation der Vorstellung voraussetzt. Die Sprache besteht aus Elementen, und erst die Zusammensetzung nach bestimmten Regeln ermöglicht die Wirklichkeit zu rekonstruieren (= indirekter Ausdruck der Wirklichkeit) — vgl. dazu auch Konrad Gaiser [9]. 1. Konsequenz Unterordnung des Logos gegenüber den Nous. Während der Nous (intuitver Intellekt) die unmittelbare Anschauung des Übersinnlichen erlaubt, ist der Logos ein in Bewegung setzen — eine Artikulierung / Vermittlung des Nous. 2. Konsequenz Logos hat mittlere (zentrale) Position im Erkenntnisvermögen 3. Konsequenz der Logos beherrscht ein “breites Feld”, auf den als regulierendes Prinzip Nous / Gott wirken Neuplatoniker Der Neuplatonismus ist eine kreative Entwicklung / Reinterpretation des Platonismus mit aristotelischem Einfluß im 2. - 3. Jh. n. Chr. Für Plotin (ein wichtiger Vertreter des Neuplatonismus) ist das erste Prinzip: Das Eine ist alogon — das Seiende ist unaussprechbar und braucht nicht über den Logos verfügen, es schweigt.

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LITERATUR Der Nous ist eine Stufe niedriger als das Eine (das Eine ist Nicht-Seiend / Über-Seiend). Nous ist Sein / identifiziert sich mit dem Sein. An dritter Stelle steht die Seele. Der Logos hat zwar keine eigene Ebene, er erschöpft sich aber in der Vermittlungsfunktion zwischen Seele, Nous und Einem. “Er partizipiert an der Zeitlichkeit der Seele / bezieht sich zum Intellekt, wie die Zeit zur Ewigkeit.” (Die Seele koinzidiert letztlich mit dem Einem durch die Vermittlung des Logos.) In der mittelalterlichen Tradition bleibt die Dualität von Intellekt und Ratio. Ratio (Vernunft) wird zur Fähigkeit aller Menschen die Evidenz der Prinzipien zu erfahren. Es gibt zwei Erkenntnisvermögen: Vernunft (Ratio) und Verstand (Intellektus) - diese Übersetzung führt zu einer Umkehr der Wertigkeit. Vernunft ist für Kant das Vermögen der Einheit - diese vereinigende Funktion erscheint als höheres Erkenntnisvermögen der Regeln, höher als der Intellekt. Literatur [1] APEL, KARL-OTTO: Transformation der Philosophie; Sprachanalytik, Semiotik, Hermeneutik. Suhrkamp, 1994. [2] ARISTOTELES: Philosophische Schriften: Aristoteles in sechs Bänden, Band 2, Topik. Meiner, Hamburg, 1995. [3] ARISTOTELES: Philosophische Schriften: Aristoteles in sechs Bänden, Band 1. Meiner, Hamburg, 1995. [4] ARISTOTELES: Philosophische Schriften: Sristoteles in sechs Bänden, Band 5, Metaphysik. Meiner, Hamburg, 1995. (5) ARISTOTELES: Kategorien, Hermeneutik, Band 2 der Reihe Organon. Felix Meiner, Hamburg, 1998. [6] ARNIM, HANS VON: Stoicorum Veterum Fragmenta. Artemis, Zürich, 1964. [7] Bonitz, HERMANN: Index Aristotelicus. Reimer, Berolini, 1870. [8] Cicero, Marcus TULLIUS: De legibus. Rowohlt, Reinbek bei Haınburg, 1969. [9] GAIsER, KONRAD: Name und Sache in Platons “Kratylos”. Winter, Heidelberg, 1974.

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LITERATUR [10] Hisipeccer, MARTIN: Der Satz vom Grund. Neske, Pfullingen, 1957. [11] Heipeccer, MARTIN: Sein und Zeit. Max Niemeyer, Tübingen, 1993. [12] Heuser, HARRO: Lehrbuch der Analysis, Band 2. B. G. Teubner, Stuttgard, 1995. [13] MANSFELD, JAAP: Die Vorsokratiker, Band 1. Reclam, 1983. Auswahl der Fragmente. [14] Morriss, CHARLES W.: Grundlagen der Zeichentheorie. Fischer Biicherei, 1988. [15] PLATON: Der Staat. Reclam, 1982. [16] PLATON: Theätet. Reclam, 1989. [17] PLATON: Der Sophist. Reclam, 1990. [18] PonLENz, MAX: Stoa und Stoiker. Artemis, Zürich, 1964. [19] ZALrA, EDWARD N. (Herausgeber): The Stanford Encyclopedia of Philosophy. http://plato.stanford.edu/.

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Index ac oratio, 19 episteme, 8 äuBerer Logos, 5 epistemonikon, 24 Ethik, 23 alethe doxa, 11 alogon, 11, 32 alogos, 26 alte Stoa, 29 Ammonius, 22 Funktionen des Logos, 13 Geschichte des Logos, 5 glossa, 6 Gorgias, 15 Analyse der Sprache, 19 Andronikos von Rhodos, 23 animal rationale, 19 Antisthenes, 17 Apel, Karl-Otto, 21 apodeixis, 23 apolis, 26 Aristides, 26 Aristoteles, 4, 19, 29 axioma, 31 Gott, 25 graphomena, 20 Hegel, Georg Wilhelm Friedrich, 8 Heidegger, Martin, 7, 28 hellenistische Zeit, 28 Heraklit, 7 Hermeneutik, 19 Hippasos von Metapont, 12 holon, 13 barbaros, 19 Benvenisté, 18 Bonitz, Hermann, 25 bouleusis, 24 homoiomata, 20 Chrysipp, 28 innerer Logos, 5 Cicero, 19 Cleanthes, 28 Comté, August, 24 Intuition, 28 hypsipolis, 26 Idealismus, 17 inkommensurable Größen, 12 kata phasis, 18 kata to dynaton, 25 de interpretatione, 20 Definition des Menschen, 5. 19 deliberation, 24 Dialektik, 18 Dialekton, 19 Diogenes, 29 doxastikon, 24 klassische Logik, 5 koinos nomos, 31 Kontemplation. 27 Kratylos, 7, 8 kuon, 19 lekton, 31 locus, 31 Logik. 18 Ebenen der Sprache, 14 endiathetos, 5 Epiktet, 29 logikon, 24 logistikon, 24

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logistizei, 25 logoi, 24, 31 logon didonai, 4 logos apophantikos, 18 logos pros otos, 22 loqui, 31 Lykophon, 18 Makedonien, 28 Marc Aurel, 9, 29 Materialisinus, 17 meta logon, 11 mittlere Stoa, 29 Morriss, Charles, 21 Neuplatonismus, 32 Nietzsche, Friedrich, 5 noesis, 28 nomos, 31 Notwendigkeit, 24 nous, 14, 29, 32 onomata, 4 ratio ac oratio, 5 ratio interpres mentis, 32 ratio mathematica, 25 rhema, 17 Rhetorik, 6, 16 Russell, Bertrand, 18 Satz vom Widerspruch, 8 Semantik, 21 semeinomenon, 30 semeinomina, 30 semeinon, 30 Seneka, 29 Sichtweise des 19. Jahrhunderts, 5 Sokrates, 11 Sophistes, 15 sophos, 15 stoa, 28 Stoiker, 28 Stufen des Logos, 23 Syllogismus, 23 symbolon, 20 Organon, 23 Symploke, 12, 18 Syntaktik, 21 pan, 13 Panaetios, 29 Parmenideische These, 6 Parmenides, 6, 16 peri hermeneias, 20 phasis, 18 phone, 19 Platon, 11, 29 Plotin, 26, 32 Posidonios, 29 pragma, 20 Pragmatik, 21 syntheke, 20 Prinzipien, 26 prophorikos, 5 Protagoras, 15 pythagoreische Schule, 11 ratio, 19 synthetischer Logos, 12 Theätet, 11 Themistokles, 26 Theorie der Logik, 22 ti kata tinos, 17 ti peri tinos, 17 Ubersetzungen des Logos, 4 Vorsokratiker, 6 vox, 25 Zenon von Kition, 28 zoon atanaton logikon theos, 31 zoon logon echon, 19, 25 zoon politikon, 25 + INDEX