Die pseudohippocratische Schrifts ..

Autor
Weygoldt, G.P.
Publicado en
Jahrbucher fur classischen Philologie
Año
1882
Tema
HIPPOCRATES
Idioma
Deutsch
Categoría
C9 Medicina
Número de archivo
3799

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: 29. - DIE -PSEUDO-HIPPOKRATISCHE SCHRIFT TIEPI AIAITHC. a Der verfasser der schrift Tepì diairnc verlangt von dem.der über diätetik schreiben will dreierlei: 1) dasz er wisse woraus der mensch besteht, 2) dasz er den einflusz der lage eines ortes, der winde und die krúfte der verschiedenen nahrungsmittel kenne, 3) dasz ihm bekannt sei, wie man dem körper die kraft ersetzen könne, dieihm durch die anstrengung entzogen wird. der erórterung dieser drei punkte, sind die drei bücher unserer schrift gewidmet, denen aber die schrift ‚nepi Evunviwv, trotzdem sie in der genannten disposition nichtinbegriffen scheint, als viertes buch anzureihen ist, und zwar aus folgenden ‚gründen. die diction istin allen vier büchern dieselbe. die bekämpfung der noch verborgenen leiden gehörtin dssin den drei ersten büchern behandelte capitel der prophylaktischen diätetik; die dißtetischen und speciell die heilgymnastischen grundsätze sind überall die gleichen; ebenso die eigenartigen psychologisehen vorstellungen; der im ersten buch vorgetragene gedanke der drei umläufe kehrt im vierten wieder, nur vollständiger; der schluszsatz in repi évurrviwy schlieszt passender alle vier bücher als nur das vierte ab, In philosophischer hinsicht ist fast nur das erste buch von interesse, und zwar ist es, wenn wir die beachtung, die es in den philosophischen kreisen gefunden hat, als maszstab anlegen, zweifelsohne das merkwürdigste buch der ganzen Hippokratischen samlung. nach Gruner. (censura libr. Hipp. s. 96) beruht es gröstenteils und nach Link (abh. d. k. akad. d. wiss. in Berlin 1814—15, phys. classe s. 223 ff.) ganz auf Herakleitos. Petersen (Hippoeratis nomine quae usw., programm des Hamburger akad. gymn. 1839) meint, ‘der inhalt sei aus Melissos und Hippokrates geschöpft unter hinzu‚nahme der Pythagoreischen, durch Eudoxos vermittelten heilmethode ; in seiner chronologischen tabelle setzt er es kurz vor 320 vor Ch. als jüngste aller Hippokratischen schriften. nach Littré (oeuvres compl, d' Hipp. I 356 ff.) stimmt es mit Herakleitos überein, den es im stil nachahme und bisweilen selbst wörtlich reproduciere, und enthiilt es beziehungen auch zu Herodikos ‚von Selymbria; es sei deshalb. alt, aber nicht echt. Ermerins (Hipp. et.al. med. reliq. III s. LITI ff. u. XC) hält den verfasser für einen sophisten, der sichim allgemeinen die lehre des Herakleitos zu eigen gemacht habe. Ber-. nays (Heraclitea I) versucht zum erstenmal eine ausscheidung des ‚Herskleitischen anteils, den er ziemlich erheblich findet. Schuster acta soc. philol. Lips. III s. 110) läszt das buch nach Aristoteles verfaszt sein, den es neben Herakleitos und den sophisten benutze, ‚Teichmüller (neue studien z. gesch, d. begr. Is. 249 ff.) sucht zu beweisen, dasz es im allgemeinen auf dem boden der Herakleitischen ‚philosophie. stehe, aber noch vor Anaxagoras verfaszt sei. Zeller Jahrbücher für class. philol. 1882 hft,

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(pbil. d. Gr. 1* 633 ff.), dem Bywater (Heracliti Ephesii reliquiae s. VII) beistimmt, will im gegensatz zu Teichmüller auszer Herakleitisehem auch reminiscenzen an Anaxagoras und: Empedokles. in unserm buche entdecken; er führt ferner die elemente feuer und wasser auf Archelaos zuriick und schlieszt auf eine abfassung kurz nach 400 vor Ch. Teichmüller schrieb sodann gegen Zeller das zweite heft seiner ‘neuen-studien’, welches die eompendiöseste der sämtia lichen besprechuägen unsers buches bildet. Auf vollständigkeit können aber alle diese kritiker einen anspruch nicht erheben. sie lassen zunächst die stellung; welche unsere schrift innerhalb der ganzen Hippokratischen samlung einnimt, völlig unbeachtet und verzichten damit auf sehr wesentliche anhaltspunkte zur gewinnung eines sichern terminus post quem und ante quem. sie gehen ferner auf die composition des buches gar nicht ein, wodurch allein schon Teichmüller vor seiner übertriebenen hochschätzung des verfassers bewahrt geblieben wäre. sie haben endlich alle mehr oder weniger nur die entlehnungen aus Herakleitos im auge und unterlassen es genau festzustellen, ob gewisse partien des buches auch von anderen philosophen beeinfluszt wurden und wie geweit. ‘wenn ich im folgenden eine erneute beurteilung versuche, schieht es hauptsächlich in der absicht diese drei lücken auszufüllen und dadurek meine ergebnisse mögliebst allseitig-zu sichern. *- 1. Die stellung unserer schrift innerhalb der Hippokratischen samlung spricht für eine abfassung zwischen 420 und 380:vor-Eh. Der diätetiker verlangt (Littré VI 468) vom arzte, dasz er vor allem aus der philosophie wisse, woraus der mensch uranfänglich zusammengesetzt worden sei; aus dieser kenntnis werde sich dann die einsicht in die zuträglichkeit oder schädlichkeit der speisen und getränke, also die ganze diätetik, von selbst ergeben. der verfasser von tept &pyainc intpixñc, welcher kurz nach 380 vor Ch. schrieb, bekämpft (L. I 620 f.) diese forderung mancher ‘sophisten und ärzte’ ausdrücklich und meint umgekebrt, dasz der arzt vor allem die zutriglichkeit oder schädlichkeit der speisen und getränke studieren solle und: dasz-erst hieraus die natur des menschen klar werde. vom diätetiker erfahren ‘wir dann des nähern (VI 472), dasz der mensch aus feuer und wasser und somit aus dem warmen, kalten, trockenen und feuchten zusammengesetzt sei. gegen die annahme dieser vier grundzustände wendet sich aber (I 598) mepi dpyainc intpixfic als gegen eine moderne, von Empedokles aufgebrachte ‘hypothese’. weil der dititetiker sich auf das warme, kalte, trockene und feuchte stützt, liegt der ganze witz seiner diätetik auch darin dasz man dem kranken je nach bedürfnis bald das warme, bald das kalte usw. "entziehen in ‘wept &pxainc oder zusetzen- müsse. eben diese methode wird aber ìntpixfic ausdrücklich und eingehendst (I 598 ff.) widerlegt und zu gunsten der altbewährten methode Alkmaions verworfen. die art, wie hier die hauptgedanken des diätetikers herausgenommen ünd bekämpft werden, läszt an einer absichtlichen, bewusten befehdung GPWeygoldt: die pseudo-Hippokratische schrift mepi Siattne. 163 wohl kaum zweifeln. allein auch sonstige Shnlichkeiten lassen auf abhängigkeit schlieszen. der diitetiker'will:fur die masse, die roMAoi tüv dvOpúrwv (VI 594), schreiben; ähnlich will der verfasser von nepi: dpyainc intpixfic seine sache dem leuten: aus dem volke, toîc dnuärmcıv (I 572), vortragen, weil die richtige diät‘ selbst vom gemeinen manne begriffen werden müsse. wozu diese übereinstimmende appellation an das volk, die doch sonst in keiner der Hippokratischen schriften wiederkehrt? der diätetiker betont sodann wiederholt, dasz die diät “aufgefunden? sei und: dasz-er durch erfindung der prophylaktischen diät dem ganzen nur die krone aufsetzen wolle (VI 470 f.); ebenso wird auch in mepi dpyatne intpixfic ausdrücklich betont (I 572), dasz princip und methode schon längst “aufgefunden? seien und dasz das noch fehlende sich jetzt rasch geben werde. — Auch in dem nach 360 vor Ch. verfaszten sechsten buche der volkskrankheiten finden sich gedanken aus rept diairnc. der’satz tdk rc yvdunc, Euvvore, adr} Kar’ Ewuthv, xwpic TÜV Ööpyavwv Kai tiv mpnyuerwy, Axderan xalı Äderan Kai pofeitar Kai Gapcéer xal EAniZeı Kai ddokeeı (Y 348) ist ein fast wörtlicher auszug aus nepi évurrviwv (VI 640). der satz dvOpwrrou yuxn alel puera: uexpı Oavárov (V 314) stammt aus repi diairnc a’ (VI 480. 496 f.). der gedanke voúcwv @üciec intpoí .. draideutoc ñ púcic Eoüca Kal où padoîica Ta deovra motéet (V 314) lautet in nepi diairnc: À púcic abrondm Tabra éricraro (VI 490), stammt aber, wie die schrift nepl tpopfic beweist (IX 112), ursprünglich aus Herakleitos, | Ist-:eine: abfassung der schrift vor 380 vor Ch. höchst wahrscheinlich ‘so ist eine solche nach 420 vor Ch. geradezu sicher und zwar sus folgenden grtinden. Der verfasser spricht (VI 466) von noklof, welche vor ihm über diät -geschrieben hätten. trotzdem denkt Teichmüller an eine abfassung vor Anaxagoras. nun gebe: auch ich zu, dass wir uns gewöhnlich eine zu geringe vorstellung von der litterarischen thitigkeit jener alten zeit zu machen pflegen, allein wenn ich bedenke dasz die litterarische wie überhaupt die geistige blüte Griechenlands erst in die zeit nach den Perserkriegen fällt, dasz man vorher fast nur dichtungen niederschrieb und dasz tiberhaupt das schreiben damals ‘noch mit schwierigkeiten verbunden war, von denen wir uns in der regel auch kein rechtes bild machen, so kann ich mich mit dem gedanken schlechterdings nicht vertraut machen, dasz schon vor 460 vor Ch. moMoi über eine einzelne medicinische disciplin geschrieben haben sollen. mein zweifel findet eine namhafte stütze auch in der angabe des echten Hippokrates (II 226), dasz die hochberühmte knidische schule erst in der zweiten auflage der sogenannten ‘sentenzen’, also erst um 430 vor Ch., es zu einigermaszen genügenden kenntnissen in der diät brachte, und dasz die dpyaioı, unter denen in diesem zusammenhang alle früheren zu verstehen sind, überhaupt nichts bemerkenswertes leisteten. können wir im

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GPWeygoldt: die pseudo-Hippokratische schrift repli biairnc. \ hinblick auf diesen stand der diätetik um das j. 430 vor Ch. an eine ganze litteratur schon vor 460 vor Ch. denken? Unser verfasser stützt. die medicin' auf pbilosophische: hypothesen und zwar in ausgibigster weise. die tempelaufzeichnungen ihrerseits beschränken sich auf kurze prognostische und semiotische sätze und halten sich jedenfalls fern von philosophischen speculationen; von anderweitigen medicinischen productionen aus der ältesten zeit wissen wir aber nichts und sicher nichts von .solchen die sich auf philosophische sätze stützen; wohl aber müssen wir aus ttepì dpxainc Întpixfic entnehmen, dasz man Erst nach Empedokles anfieng die philosophie mit der medicin zu verbinden; ferner lehrt uns die geschichte der dogmatischen schule, dasz wir die anfänge der istrosophistik erst im zeitalter des Hippokrates und kurz nach ihm zu suchen haben; endlich beweist Hippokrates selbst, indem er lehnsätze aus der philosophie gänzlich meidet und gegen die benutzung solcher sätze auch noch nirgends polemisiert, dasz man 420 vor Ch. von einer verquickung der medicin und philosophie so gut wie nichts wuste. es musz deshalb auch trepi biaitnc erst nach 420 vor Ch. verfaszt worden sein. | Teichmüller bemerkt (II 14) richtig, dasz Hippokrates eine erhebliche medicinische litteratur vor sich hatte; es war dies eben die litteratur, welche .im-Perikleischen zeitalter angewachsen war und von welcher die sammelwerke mpoppntikéy und Kwaxai-mpoyvwpiec bruchstücke zu enthalten scheinen. er findet dann in den äuszerungen unsers verfassers über gerstenschleim einen gedanken, den Hippokrates ‘vielleicht? voraussetze. indes musz gerade umgekehrt gesagt werden: Hippokrates spricht wohl in nepi diairnc ÓZéwv sehr eingehend über den gerstenschleim, während er andere vegetabilische und animalische nährstoffe, fast gänzlich ignoriert. unser verfasser dagegen &uszert sich so eingehend tiber den einflusz aller denkbaren nahrungsmittel, dasz wir bei ihm nicht nur gröszere studien auf diesem gebiete, sondern auch die benutzung einer umfassenderen litteratur voraussetzen mtissen als bei Hippokrates. bedenken wir ferner dasz Hippokrates, wie sein hoher wissenschaftlicher ruf, seine stellung als haupt der Asklepiaden und seine polemik gegen die knidischen sentenzen beweisen, die medicinische litteratur vor ihm jedenfalls eingehend kannte, so fragt man billig: warum weisz Teichmiiller nur eine einzige und zwar untergeordnete beziehung namhaft zu machen, die zudem genau besehen nichts weniger als eine abhängigkeit involviert, und warum bat Hippokrates, der hervorragende diätetiker, das umfassende und zweifelsohne hochinteressante werk seines angeblichen vorgängers nirgends erwähnt, nirgends nach weislich benutzt, trotzdem ihm die erwähnung so-nahe gelegen hätte wie bei den knidischen sentenzen? wie konnte endlich, um noch eine einzelheit herauszugreifen, Hippokrates sagen (II 334), dasz der nutzen und schaden des weines seinen vorgängern — roîciv ¿ued Yepaitéporci — ganz unbekannt gewesen sei, wenn der diätetiker 165 (VI 554 ff.) vor ibm geschrieben hatte und ihm bekannt war, ja wenn es tiberhaupt eine beachtenswerte diätetische litteratur vor ihm gab? aus allem dem folgt dasz eine schrift, die Hippokrates selbst noch durchaus unbekannt ist, aber schon nach 380 vor Ch. in einer der bedeutendsten schriften unserer samlung bekämpft wird, wohl zwischen 420 und 380 vor Ch. verfaszt worden sein:musz. Das eigentliche programm der Mippokratischen.mediein ist epi deppv Uddtwv Tönwv, worin der einflusz der örtlichen lage, des wassers, der winde, der jahreszeiten usw. besprochen wird. ähnliche gedanken wurden allerdings schon vorher geäuszert, zb. von Herodotos II 77; allein die umsichtige beachtung und wissenschaftliche verarbeitung aller dieser ätiologischen momente ist, wie wir aus Platons Phaidros s. 270 entnehmen müssen, das ausschlieszliche verdienst des groszen koischen arztes, und eben hierauf beruht auch seine epochemachende bedeutung für jene zeit. es müssen deshalb . schriftsteller, welche in &bnlich umsichtiger weise und festgeprägter form alle jene ätiologischen momente ebenfalls verwerten, wohl nach Hippokrates und in directer oder indirecter abhängigkeit von ibm geschrieben haben. übrigens erklärt der diätetiker selbst ausdrticklich, dasz er abhängig sei. zu den kenntnissen, die schon vor ihm gefunden worden seien, zählt er nemlich auch die welche sich auf den einflusz der jahreszeiten, der, winde, der lage eines ortes, des auf- und niedergangs der gestirne, des 6Aoc köcuoc erstrecken (VI 470). da nun diese einsichten damals allgemein als verdienst des groszen Hippokrates aufgefaszt wurden, so kann er wohl nur ihn und seine schrift repi &&pwv UdéTtwY TÉTWwY im auge gehabt haben. der fortschritt von Hippokrates zum diätetiker zeigt sich auch darin, dasz Hippokrates alle jene ätiologischen momente nur umsichtig constatiert und zu: allgemeinen prognostischen folgerungeu verwertet, während dieser ihnen von einem entwickelteren standpunkte aus schon durch die prophylaxis zu begegnen sucht; ++ 2 Herodikos von Selymbria, dessen’ blüte zwischen 440 und 430 vor Ch. zu fallen scheint, soll der erste gewesen sein, der die gymnastik mit der heilkunst verband. ist diese angabe Platons (rep. III 8. 406) richtig, so musz der diätetiker, der wiederholt (VI 488. 496. 518. 578 ff.) auf den einflusz der gymnastischen übungen zu sprechen kommt und bei gewissen körperzuständen bestimmte gymnastische übungen anrät, nach Herodikos geschrieben:haben: (© - © Die vom ‘dititetiker eingehaltene manier, ‘die diät auf philosophische hypothesen zu bauen, wird in epi dpyainc intpikfic ausdrücklich xarvòc tpórroc genannt (I 598). an der historischen wahrheit dieses zeugnisses haben wir um so weniger ursache zu zweifeln, als es vollständig mit der schon besprochenen stellung des echten Hippokrates zusammentrifft. ist aber jene hypothesenmacherei im j. 380 vor Ch. noch“neu’ und zwar in den augen eines mannes, der speciell auch -mepì diairnc kennt und in seinen tadel èinschlieszt; so kann letztere schrift unmöglich vor 420 vor Ch. verfaszt worden sein.

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2. Nicht minder instructiv ist der einblick in die composition unserer schrift. . oe Der verfasser selbst erzählt uns-in wünsckenswertester offenheit, unter welchen verhältnissen und mit welcher absicht er: an seine aufgabe herangetreten sei. in der einleitung :sagt er nemlich, der richtige diätetiker müsse wissen, 1) woraus der mensch zusaminengesetat sei, 2) welche kräfte*den einzelnen speisen und getränken innewohnen, 3) dasz die kräfte «durch: die anstrengung geschwächt und durch die nahrung wieder ersetzt werden, 4) welchen einfiusz die jahreszeiten, -die_winde, die lage eines. ortes:usw. haben. alle diese dinge .seien indes schon von seinen. vorgängern aufgefunden worden; noeh nicht entdeckt sei nur ritov pétpov Kal móvwv. dpıdpoc cUmpetpoc un Exwv UmepßoAnv pte «¿mi TO nhéov punte emi To ¿haccov, also die exacte, so zu sagen mathematisch sichere einsicht in die folgen sowohl der nabrungsmittel als der anstrengungen. eben diese lücke will mun er selbst ausgefüllt und damit die grundlage für eine prophylaktische dititetsk, eine npodiéyvwcic mpd roû xäuveiv (VI 606), gewonnen haben. wie gedenkt er sich aber zu jenen vier leistungen seiner vorgänger zu stellen? antwort: er findet sie dankenswert und will ihnen zustimmen, sie benutzen, ohne jedoch des rechtes der kritik sich begeben zu wollen (VI 468). die ehrlichkeit ‚dieses gestiindnisses ist gewis anzuerkennen; allein uns spätere hat:damit der verfasser selbst: ermächtigt gegen seine wissenschaftliche thätigkeit den vorwurf des eclecticismus:zu erheben, .auf seine person den makel eines compilators zu werfen. da sich ferner, wie wir vorhin sahen, die compilatorische abhängigkeit auch und zwar in erster reihe auf die frage nach der natur und zusammensetzung des menschen, also auf den philosophisch wichtigsten teil des ganzen werkes erstreckt, so dürfen, ja müssen wir von vorn herein argwöhnen, 1) dasz er in dieser partie seine anlehen.nicht:bei einem einzigen, sondern bei mehreren gemacht, und 2).das entlehnte nach seinen eignen zwecken gedeutet und zusammengeschweiszt haben werde. zugleich ergibt sich uns hieraus die ;pflicht etwaige unvereinbarkeiten scharf herauszuheben und anzuerkennen; nicht aber sie zu verkleistern.und, wie es schon geschah, ‚durch eine speculative kritik zu harmonisieren. . : 2.020 2... Es gab compilatoren welche unbestechliche und geniale reproducenten waren und selbst heterogene ideenreihen so. unter einen höhern gesichtspunkt zu stellen wusten, dasz ein werk wie aus éinem gusse entstand. dasz dieser vorzug nur seltenen menschen zukommt, ist bekannt; dasz er dem diätetiker nicht eignet, beweist schon:die äuszere unordnung und verwirrung, die in seinem-buche herséht. es bezieht sich dies auf die capitel.3—31 (nach Littrés einteilung), also auf den principiellen teil des werkes, dagegen nicht ‚auf die klar disponierten übrigen partien. er spricht nemlich .zuerst von den elementen feuer und wasser und ihrer wechselwirkung, will es aber lediglich nur mit ‘allen übrigen belebten wesen und den menschen’ GPWeygoldt: die pseudo-Hippokratiache schrift .nepi heit. 167 zu thun haben. plötzlich springt.er.dann auf die kosmologie über ._ des entstehens und vergebens, und erörtert; die theorien einerseits und trennung. diese eranderseits der mechanischen mischung, örterung läuft in Herakleitische sätze über den flusz aller dinge aus, in welche eine kurze klage über das nichiwissen ohne vermitter dann. wieder. zum menlung eingeschoben wird. mit cap. 6 kehrt der nahrung im bewegung der von zuerst spricht und zurück schen leibe, dann von dem organisierenden berufe der seele, dann von ihrer substanz, dann abermals von der bewegung der nahrung im leibe unter variierung des schon vorhin im gleichen zusammenhange gebrauchten vergleiches mit dem sägen; den schlusz bildet ein wieder unvermitteltes betonen des nichtwissens. . cap. 9 :beginnt mit der durch. das vorhergegangene schlechterdings nicht geforderten ankündigung, dasz er die entstehung der geschlechter später erörtern wolle. aber auch an das folgende hat diese ankündigung gar keinen an den nachweis, wie anschlusz. der verfasser geht nemlich. sofort unter der einwirkung des feuers der orgenismus gebildet werde, und schlieszt diesen nachweis mit einem;allgemein gehaltenen satze aus Herakleitos, der ihn zum vorhergehenden angeregt hatte. mit cap. 11 greift er zum dritten male das nichtwissen der menschen auf, welches . er jetzt mit dem Herakleitischen gedanken, dasz alles menschliche thun nur nachahmung des göttlichen sei, in verbindung bringt. dabei nimt er anlasz zu bemerkungen über das verhältnis des vómoc zur @ucic, knüpft aber mit dem ¿yw dè dnAbcw an das frühere divapwror oúx Enicravraı so direct an, als ob die sätze über den vépoc und die pucic, die freilich ohne logische notwendigkeit eingeschoben wurden, gar nicht dazwischen stünden. in den hierauf folgenden rergleiehen soll gezeigt werden, wie diese oder jene TÉXVN nur nachahmung dieses oder jenes vorgangs in der Mucic sei; aber nur einzelne dieser vergleiche sind ordentlich durchgeführt; in vielen, namentlich in den zuerst und. den zuletzt genannten, fehlt ein vernünftiges tertium comparationis. in cap. 25 bespricht er, an cap. 7 ankntipfend, das wachstum der seele, geht aber sofort cap. 26 wieder auf den leib tiber, dessen wachstum er ja schon cap. 7 und 8 ausführlieh erörtert hatte. von cap. 27 ab löst er ein in cap. 9 gegebenes. versprechen, um endlich erst mit cap. 32 auf materien zu sprechen: zu kommen, die den eigentlichen zweck seines werkes bilden und die dann auch bis zum schlusse des ganzen logisch geordnet vorgetragen werden. | astio te Die unordnung in dem für uns wichtigsten teile des ganzen werkes ist augenscheinlich und unleugbar. der verfasser ist der fremden entlebnungen nicht hinreichend herr geworden, um sie unter sich völlig in einklang zu bringen und mit ökonomischer weieheit seinem bauptzwecke dienstbar zu machen. er folgt in der hauptsache einem groszen ideenzuge, der ibn gefesselt hat, sucht ian aber dureh. heterogene einsichten zu ergänzen ;-die er nicht glaubt úbersehen zu dürfen. dabei überkommt ibn das bewustsein, dasz dech eigentlich

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weder die polemik moch die barmonistik sein zweck war; er faszb dann diesen zweck wieder schärfer ins auge, variiert ihm zu liebe die sätze des gewährsmannes, wird dann abermals von nicht zur sache gehörigen reminiscenzen bertickt, welche einflieszen zu lassener sich nicht versagen kann, um dann abermals zu seiner aufgabe zurückzukehren und so fort. es ist der richtige compilator, dem der kritische blick fehlt, der sich im stoffe übernimt, der noch dies und jenes auftischen, noch mit dieser und jener: neuen idee sich auseinandersetzen will und dabei seinen faden verliert. 3. Der diätetiker hat nach 420 vor Ch. geschrieben und hat im hauptteil seines werkes (cap. 3—31) heterogene vorstellungen nicht immer glticklich in einander gemengt. so viel hat sich aus dem:bisherigen ergeben. gehen wir nun auf jene vorstellungen sachlich näher ein. ' Ich beginne mit dem satze unsers verfassers: ‘nichts von allem geht völlig unter, noch entsteht etwas völlig neu, was nicht schon vorher da gewesen wäre. nur in der mischung und trennung liegt die änderung. die menschen bezeichnen zwar das, was aus dem hades zum lichte vermehrt wird, mit entstehen und das, was vom lichte zum hades verringert wird, mit untergehen: denn sie trauen den augen mehr als der vernunft, obwohl jene nicht geeignet sind über geschehenes zu urteilen. ich aber will es nach der vernunft erklären: es gibt lebendiges da und dort; aber was lebt, könnte nicht sterben, obne zugleich mit allem zu sterben, denn wohin sollte es sterben? auch kann das nichtseiende nicht entstehen, denn woher sollte es entstehen ?? (VI474 f.) an diesen sätzen ist dreierlei merkwürdig: 1) die behauptung dasz es nur mischung und trennung der stoffe gebe, 2) die schärfe und entschiedenheit mit welcher diese behauptung der andern, wonach ein entstehen und vergehen stattfinden soll, entgegengesetzt wird, 3) die grtinde mit welchen letztere ansicht zurückgewiesen wird. was zunächst die annahme einer bloszen mischung und trennung betrifft, so will sie Zeller auf Empedokles, Anaxagoras und die atomiker zurückführen; Teichmüller dagegen (II 26) sieht sie für ‘eine der ganzen alten physik gemeinschaftliche lehre’ an, die folglich auch Herakleitos eigne. allein Herakleitos spricht nirgends von einer entstehung durch blosze mischung und trennung, wohl aber von einem unaufhörlichen tibergang aller dinge in ihr gegenteil, von einem umsatze aus feuer in wasser und erde und umgekehrt, also von einem vorgange den wir als qualitätive umwandlung auffassen müssen. überhaupt ist die substanzveränderung selbstverständliche und notwendige voraussetzung bei allen philosophemen, welche von einer einzigen, qualitativ festbestimmten urmaterie ausgehen: denn entweder ist zb. das feuer des Herakleitos wirkliches feuer, und dann setzt die entstehung des wassers eine qualitative umwandlung dieses feuers voraus; oder das wasser hat sich mechanisch ausgeschieden, und dann war das feuer eben kein feuer, kein urstoff im sinne der alten, sondern ein pîyua von urstoffen. GPWeygoldt: die pseudo-Hippokratische schrift wepi diairnc. 169 eben um der vorstellung einer substanzveränderung zu entgehen, ‘haben Anaxagoras, Empedokles und die atomiker eine mehrheit gleich ursprünglicher, aber wesensverschiedener stoffe statuieren zu müssen geglaubt, und aus diesem bewusten gegensatze allein erklärt sieb:auch die ausdrückliche polemik der späteren gegen die annahme einer substanzveränderung seitens der früheren. wenn späte quellen auch bei Herakleitos bald an mischung und-entmischung, bald-an qualitative umwandlung denken, so beweist eben dieses auseinandergehen ihrer ansichten, dasz es sich bei ihnen nur um vermutungen oder um unterstellungen von einem fortgeschritteneren standpunkt aus handelt. gesetzt jedoch, es wire bei Herakleitos die voraussetzung einer bloszen mischung und trennung zulässig, so könnte doch -Herakleitos, wie aus seinem eignen schweigen und aus dem fehlen älterer zeugen hervorgeht, diesen gedanken weder scharf erfaszt noch scharf und präcis hervorgehoben haben. letzteres haben erst Anaxagoras, Empedokles und die atomiker gethan, und es ist desbalb unsere schrift, welche die gleiche theorie in schärfster, präcisester form vorträgt, in die zeit nach diesen philosophen zu setzen. für ülter könnte man den diätetiker nur dann erklären, wenn sich beweisen liesze dasz er selbst der erfinder oder vervollkomner jener theorie gewesen sein könnte. allein dies können wir unmöglich annehmen, wenn wir bedenken dasz er ja nach eigner angabe nur bezüglich der prophylaktischen regelung der diät schöpferisch gewesen sein will und dasz er mit dem gedanken der mechanischen mischung und:trennung wie mit der thür zum hause hereinfällt, um ihn gleich nachher. wieder zu verlassen und im sinne des Herakleitos fast durchgängig-mit-erwärmung: und abktihlung, verdünnung und verdichtung zu ‘operieren. ziehen wir noch ferner in betracht, dasz weder Anaxagoras:noch Empedokles auf unsern verfasser nachweisbaren bezug nimt, so:kann die von Zeller hervorgehobene wörtliche übereinstimmung kaum etwas anderes als eine abhtingigkeit des dilitetikers involvieren. läszt sich so 1) die annahme einer mischung und trennung der: stoffe, 2) die scharfe, zugespitzte form dieses gedankens,-3) die nur abrupte verwertung desselben und 4) die heftige polemik gegen die theorie des entstehens und vergehens nur von einem staudpunkt erwarten, der noch durch andere.als Herakleitische einfitisse :hindurchgegangen ist, so -weist:darauf- auch: die art, wie unser:-verfasser die theorie des entstehens’und vergehens bekämpft. ein entstehen“sei unmöglich‘, weil das'entstehen aus dem seienden kein entstehen sei, das nichtseiende aber; aus welchem ein seiendes hervorgehen: könnte, nicht existiere; ebenso sei ein vergehen unmöglich, weil das seiende niemals in ein nichtseiendes übergehen könne. das sind offenbar reflexionen welche, so weit wir wissen, erst durch die Elesten in gang gekommen sind, woher sie auch Anaxagoras und Empedokles entlehnt haben; um die notwendigkeit ihrer theorie einer bloszen mischung und entmischung zu begründen. es-ist deshalb kein zufall, wenn Empedokles (fragm. phil. gr. s. 94 f.

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epi .drairnc. Mullach) sagt: mébev ¿A00v; mH dé Ke koi 'dmoAoiar:; und, mit der gleichen: rhetorischen wendung unser verfasser: TTOU-FAp do- Oaveîror; mödev yap Ecraı; ferner wenn im gleichen: zusammenhange (VI 486) das seltene, aber von Empedokles (fr. 100 Mullach) gebrauchte wort dióldiaEic wiederkehrt, — Unsere. ganze partie bee ee ruht, kurz gesagt, auf Empedokles; er und Herakleitos sind, wie sich überall zeigen wird, die gewährsmänner, denen der diätetiker am liebsten folgt, ohne indes die neue Empedokleische weltanschauung mit der.alten Herakleitischen völlig aussöhnen zu können.-, ..ı. Erkundigen wir uns näher nach den stoffen; durch deren mischung und trennung alles hervorgebracht werden soll, so. werden, uns zwei genannt, feuer und wasser (VI 472). in der nähern auffassung die. ser stoffe folgt der. verfasser zwei ganz verschiedenen idaenkreisen. nach Herakleitos verwandelt sich das urfeuer in die daAdcen und diese wieder. einerseits in erde, anderseits in glutwind; die kraft, welche aus der Ba\dccn alles weitere produciert, ist die.nachwirkende kraft des feuers, die sichtbare welt stellt sich nach dem 5n und 6n pseudo-Herakleitischen briefe als summe von trockenem und GPWeygoldt: die pseudo-Hippokratische schrift nepi dialtnc. 171 herabgesunken ist, welches sich mit dem wasser mischt und teile des wassers in sich trägt; eigen ist ‘dem feuer: das warme und trockene, dem wasser das kalte qnd fenchte;..von einander aber haben: das feuer vom wasser das feuchte, denn:im feuer steckt feuchtigkeit; das wasser vom feuer das. trockene, denn im wasser steckt trockenes’ (VI 474). das ist nicht der standpunkt: des Herakleitos, sondern der des Empedokles und Anaxagoras, an welch letztern der unmittelbar folgende satz moAA&c Kai mavrobanèc idéac érroxpivovta dm’ dAANAwv. Kal crepuérwv Kol Zuwy, oddév Suotwy GhAñhorciv oÙTE Thy Synv oÚTe thy ddvapiv sogar wörtlich anklingt. jetzt begreifen wir auch, warum der verfasser sofort zu einer kritik der beiden theorien der substanzveränderung und der mechanischen mischung und trennung übergeht und erstere in wörtlicher abhängigkeit von Empedokles werurteilt: er will die tonsequenz des vorher gesagten ziehen. weil er sich aber bewust ist, dasz er sich später in das entgegengesetzte geleise begeben’ wird, sucht er.die gegensätze zugleich speculativ zu überwinden; ohne: jedoch seiner aufgabe gewachsen zu sein. er weisz nichts.anderes zu. thun als sich in den feuchtem dar, welche won der gottheit, dem urfeuer, durch erwir- Herakleitischen gedanken der identität und harmonie der gegensätze mung und abkühlung fortwährend umgebildet werden. -in:den Herakleitisch gefärbten capiteln 5—24 läszt nun unser verfasser die tierischen organismen ebenfalls aus trocknem und feuehtem bestehen und operiert mit verdichtung und verdünnung, erwärmung und abkühlung, wodurch jedes ding in ein anderes umgewandelt::werde, gleichwie die erde alles auf sie fallende substanziell umbilde (VI484); den nahrungsbrei vergleicht. er ausdrücklich mit der kosmischen zu flüchten, die im grunde unlösbare streitfrage kurzer hand in den trüben flusz aller dinge zu versenken; nach diesem salto mortale läszt er sich dann vom fahrwasser des Herakleitos ruhig weiter Sañáccn; trockenes und feuchtes sind ihm nur explicationen dieser Oadhdccn, und organisierendes princip ist ihm das feuer (VI 484 f.). offenbar befindet er sich hier völlig im einklange mit oder genauer in abhängigkeit von Herakleitos. allein in cap. 3 und 4 hatte:er sich ganz anders ausgesprochen. der organismus bestand-ihm da aus feuer und wasser: jenes war ihm das bewegende, dieses das. ernährende element; doch sollte auch dem wasser bewegung zukomtragen. «Es bleibt nun noch die frage übrig: woher hat er die scharfe zweizehl seiner elemente? Zeller denkt an Archelaos, weil mit diesem die :zweizahl vollständig und die behauptung, dasz das feuer das bewegende und das wasser das ernährende princip sei, wenigstens zur hälfte stimme. Teichmüller (II 48 ff.) weist diese auffassung als eine oberflächliche zurtick. gleichwohl dürfte sie die allein gründliche sein. wabr ist allerdings die entgegnung Teichmüllers, dasz das wuxp6v und 6epuév des Archelaos abgeleitete stoffe sind, das feuer und wasser des diätetikers aber nicht; allein es ist zu befeuchten, neben der das feuer als organisierendes princip selbständig blieb, so decken sich hier feuer und wasser mit dem trockenen und feuchten, also mit dem inhalt der BaX&ccn; das selbständige urfeuer denken, dasz man im altertum, trotzdem die zwei stoffe des Archelaos erst ausscheidungen der urspringlicheren homoiomerien sind, den namen::dieses pbilosophen doch vorzugsweise mit der zweizahl der elemente:in verbindung zu setzen liebte, und dasz.immerhin unser worfasser, «diese. zweizahl ohne ihre:prämissen bei Archelaos adoptieren.konnte, weil sie in dieser form-zu:seinen diätetischen gesichtspunkten des.trockenen und feuchten:am-besten passten oder zu passen fällt weg, und seine aufgabe wird auf das mit dem wasser vermengta schiemen.. feuer tibertragen; die stoffe also, welche dort, wo der verfasser Herakleitos folgt, als einander subordiniert. als glieder eines processes und Oepuóv des Archelaos mit dem wasser und feuer des diätetikers men, und feuer und. wasser, trockenes und feuchtes. werden schlieszlich einander völlig gleichgesetzt, ist also nach der oben-entwiekelten ansicht die OaAdcen summe und urgrund des trockenen und auftreten, werden hier coordiniert und sind zum teil: der .substana nach andere geworden: denn dort bilden nur trockenes:und feuchtes das sinnliche substrat der organismen, und das feuer spielt die rolle eines fast immateriellen motors, dixrov.xaì Swer nal yauceı (VI 486), während hier das feuer zu einem teile jenes sinnlichen sybstrats ferner hat Zeller durchaus: recht, wenn er das wuxpdv identificiert; der diätetiker selbst beweist dies ja, wenn er bemerkt {VI474) dasz dem feuer das warme und trockene eigen sei und dem wasser das kalte und feuchte, und wenn er ferner dem feuer vom wasser ber noch feuchtes aber nicht kaltes, und dam wasser vom feuer her noch trockenes aber nicht warmes beigemischt sein läszt: denn eben damit bleibt das Oepuóv als ausschlieszliches und wesent-

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liches merkmal des feuers übrig und das wuxpdv als solches des wassers. übrigens spricht für die abhängigkeit von Archelaos: noch ein viel sachlicherer grund. wig haben früher gefunden dasz. der diätetiker bald mit der mechanischen mischung und trennung, bald mit verdichtung und verdünnung, also mit zwei entgegengesetzten theorien operiert. auch Archelaos folgt diesen beiden gesetzen, indem er homoiomerien statuiert, bei denen es nur mechanische mischung und trennung gibt, das auseinandertreten dieser homoiomerien aber durch verdichtung und verdünnung erfolgen läszt. da nun ein ähnliches zusammenfassen beider gesichtspunkte uns sonst mirgends éntgegentritt, und da der diätetiker selbst sagt dass er:nur'beztiglich des gedankens der prophylaktischen diät selbständig sei, 86 ‘dürfen wir wohl an eine abbängigkeit von Archelaos denken. der standpunkt dieses philosophen erregt nun wenig bedenken, weil die conträren gesetze bei ihm nicht neben sondern nach einander in kraft treten; bedenklich dagegen ist der standpunkt des dititetikers, welcher sie durcheinander wirft. allein eben der umstand, dasz er dies thut und dasz er die widersprüche, in die er sich verwickelt, gar nicht zu merken scheint, spricht abermals dafür, dasz er. abhängig ist und zwar von einem solchen bei dem der widerspruch weniger zu tage tritt, also von Archelaos, Auch die: psychologie unsers verfassers ist eine dualistische. mit cap. 7 beginnt er nemlich seine erörterung über natur und wachstum der seele, an deren spitze er den satz stellt: pux» mupdc Kai Údaroc cúyxpnciv Exeı. diese behauptung, wonach die .seele mit dem leibe substanziell gleich wire, widerspricht den sonstigen psychologischen angaben des verfassers vollständig. kurz vorher hatte er nemlich in einem auf Herakleitos weisenden zusammenhange auseinandergesetzt, dasz die seele bei der stoffbewegung des leibes éxacta diampryccetar éc fvriva (sc. xwWpnv) &v écékôn kai bexera Ta npocnintovra, dasz sie also das organisierende princip des leibes und somit etwas von ihm wesentlich verschiedenes sei. ebendort sagte er auch, sie bedürfe nicht der zuthat oder wegnahme einzelner teile, sondern nur des raumes zur ausdehnung, mit andern worten, sie sei qualitativ fertig, unveränderlich, nur nicht quantitativ.:: es liegt auf der hand, dasz dies nur möglich ist, wenn sie, wie zb. gerade die Herakleitische seele, aus nur éinem stoffe besteht, der nicht in seiner natur alteriert, sondern durch anziehung oder abstoszung gleichartiger teile nur seinem umfange nach verändert werden kann. drängt schon dies zu der einsicht, dasz die seele nur ein;einheitlicher stoff sein könne und nicht eine mischung, die mit.jedem wechsel der teile einer qualitativen veränderung ausgesetztist, so spricht es der verfasser auch selbst unumwunden aus, wenn-er später (VI 486) vom organisierenden geschäfte des feuers redet und im schluszsatze Td Oepudtatoy kai icxupératov op, Ev TOUTW WUXA voòc ppóvncic usw. die seele mit dem-feuerin aller form identificiert. feuer ist also die seele und nur dies, nicht aber feuer und GPWeygoldt: die pseudo-Hippokratische schrift mepì hraírmc. 173 wasser, wie oben angekündigt worden war. wir baben also auch in der psychologie zwei sich direct widerspröchende und aufhebende theorien vor uns, nemlich a) die seele ist feuer und wasser, b) sie ist nur feuer. die letztere ansicht ist bekanntlich ganz die Herakleitische, sie wird überdies in capiteln vorgetragen, die Herakleitos sachlich und zum teil vielleicht wörtlich entnommen sind. :woher stammt jedoch die erstere? der parallelismus mit der frühern, die zusammensetzung des leibes betreffenden annahme zwingt an Archelaos zu denken, von dem uns Hippolytos (refut. I 9) sagt dasz er den geist als mischung aufgefaszt habe. jedoch wage ich den schlusz nicht, weil sich anderweitige gründe nicht erbringen lassen und weil gerade diejenige partie unserer schrift, in welcher mit feuer und wasser als substraten der seele am meisten operiert wird (cap. 35 u. 36), sehr wesentliche gesichtspunkte enthält, die auf Empedokles weisen. zunächst nemlich ist der gedarike, dasz die-seele wachse und abnehme und zwar nach maszgabe des leiblichen: wachstums und der.möglichkeit:sich: reichlich oder dürftig:zu nähren;"nur:eine: paraphrase des Empedokleischen satzes mpôc mapedv yap ufric dekeran dväpıbmoıcıv (Mullach s.375). die art und weise sodann, wie die verschiedenheiten des denkvermögens auf verschiedenheiten in der mischung der stoffe zurückgeführt werden und wie darauf eine diätetik des geistes begründet wird, geschieht iin gemäszheit des Empedokleischen ‘gedankens tó tv ppoveiv elvar toic dyofoic, TÓ d’ &yvoeiv toîc &vopoforc (Theophrast I 10 f.). dasz geradein dieser partie unserer schrift auch der specifisch Empedokleische terminus mépot fc wuyfic zur verwendung kommt, beruht wohl gleichfalls nicht auf einem zufall. wenn schlieszlich das knabenalter als warm und feucht, das jünglingsalter als warm und trocken, das mannesalter als kalt und trocken und das greisenalter als kalt und feucht bezeichnet wird, so stützt sich dies auf den Empedokleischen satz (Plut. plac. phil. V-27), dasz das wachstum des organismus auf dem vorhandensein der'wärme beruhe, die abnahme auf dem verschwinden derselben. Auf eine Empedokleische herkunft weisen aber nicht blosz diese psychologischen gedanken, sondern auch folgende bemerkungen. die natur des weibes ist nach unserm verfasser (VI 500. 512) mehr feucht und kalt, die des mannes mehr trocken und warm; dasselbe sagt auch Empedokles (Arist. de part. an. II 2) und zwar im gegensätze zu Parmenides. nicht nur der mann scheidet nach unserm verfasser: samen aus, sondern auch das weib, und zwar beide sowohl männlichen als weiblichen samen (VI 502);; dasz die weiber samen haben, sollen die Pythagoreer, Demokritos, Alkmaion, Parmenides, Anaxagoras, aber auch Empedokles angenommen haben (Galenos XIX 321. Plut. V 5. Censorinus 5). die gebärmutter sei doppelt (VI 504); ähnlich- sprachen die stoiker von mehreren abteilungen des uterus (Plut. V 10); allein schon Empedokles musz einen zweiteiligen uterus vorausgesetzt haben, wenn.er (Mullach s. 332) die knaben im warmen und die mädchen im kalten teile desselben ent-

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stehen läszt. iOpURsaSd Meurtne in betreff des geschlechtes der kinder nimt der ver fasser zunächst zwei mögliche fälle an: dasz mann und weib geschlechtlich gleichen oder dasz sie verschiedenen samen ausscheiden; liefern im ersten falle beide männlichen, so gibt es einen knaben; liefern sie weiblichen, ein mädchen; ‚liefern sie im zweiten falle geschlechtlich verschiedenen samen, so. kommt es darauf an, wessen same an kraft vorwiegt. diese auffassung ist als Demokritisch bezeugt, während Empedokles' auf das verhältnis von wärme und kälte abgehoben haben soll-(Plut: V 7. Arist. de gen. an: IV 1); bedenken wir jedoch, dasz er mann und weib wie warm und kalt unterscheidet und dasz er auch das weib zweigeschlechtlichen samen ausscheiden läszt, so ergeben sich complicationen, die von denen unseres ver fassers wenigstens nicht weit abliegen. zwillinge entstehen (VI 504), wenn moiù kai icxupóv crépua zusammenkommt und sich auf die . zwei teile des uterus verteilt; ebenso soll Empedokles die entstehung der zwillinge aus einem tiberflusz an samen und dessen verteilung hergeleitet haben (Plut. V 10). im hinblick auf diese berührungen RDressler: zu Stobaios anthologion [XIV 9]. 175 rung der aggregatzustände ist und also nicht eine folge mechanischer mischung und trennung, wie früher im anschlusz an Empedokles behauptet wurde. wir erfahren ferner, dasz das feuer nicht nach éiner richtung hin, sondern concentrisch wirkt und dasz sein wirkungsgebiet, der menschliche organismus; ein abbild des weltganzen, einen-mikrokosmos im makrokosmos darstellt. aus der theorie der drei mepiodo:, welche noch deutlicher in wept évunviwv ‘wieder: kehrt, ersehen wir auch dasz Herakleitos das weltganze kreisförmig sich gedacht und die sterne in die peripherie, den mond gegen das centrum und die sonne zwischen beide verlegt haben musz (dies zur ergänzung von Zeller I‘ 625). Herakleitisch sind endlich die identificierung von feuer und weltgeist bzw. seele, die Bemerkung tiber das: nichtwissen der menschen und die-annahme, dasz die menschlichen: ktinste unbewuste nachahmungen des göttlichen seien. die cap: 12—24 erfolgende aufzählung einzelner künste ist gleichfalls durch Herakleitos angeregt worden; ob jedoch auszer dem vergleiche der ärztlichen kunst mit der naturheilkraft:(vgl. pseudo-Hippokrates dürfte vielleicht auch die allein noch folgende notiz unseres ver- Tepì Tpopñc und den 5n und 6n pseudo-Herakleitischen brief) und fassers über superfötation mit Empedokles — die quellen schweigen über dessen bezügliche ansichten — in verbindung zu bringen sein. _ 4. Aus allem bisherigen ergibt sich: der diätetiker schrieb zwischen 420 und 380 vor Ch., und er zeigt sich auszer von Herakleitos such: von: Empedokles, ‘Anaxagoras ‘und: Archelaos beeinfluszt. auf Anaxagoras und Archelaos beruht cap. 3-und cap. 4 bis des'stigens mit dem atmen und der stoffbewegung noch weitere vergleiche auf Herakleitos zurtickzuftthren sind, scheint mir zweifelhaft. änoxpivôueva; die abhingigkeit von Anaxagoras ist trotz des früher erwähnten wórtlichen anklangs vielleicht keine directe, sondern eine durch Archelaos vermittelte. weil der diätetiker gemäsz dem. satze des Anaxagoras (fr. 3 Mullach) év mavti mavtòc uoîpa éveet: dem feuer auch wasserteile beigemischt sein l&szt und umgekehrt, darf angenommen werden, dasz den gleichen grundsatz auch Archelaos auf sein wuxpdv und Oepudv anwandte. die abhängigkeit von Empedokles ist zweifelsohne eine directe; sie bekundet sich in der zweiten hälfte des cap. 4, sodann von cap. 25 bis zum schlusse des ersten buches. go RE I 2# 93 © Die auf Archelaos bzw. Empedokles zurtickzufihrenden::vorstellungen über feuer und wasser und eine mechanische mischung und trennung der stoffe finden sich eingesprengt auch in den cap. 5—24 und haben hier die widersprtiche hervorgerufen, die ich früher ‘Dasz der diätetiker einzelnes, namentlich in cap. 5 und 10, sogar wörtlich entlehnt hat, unterliegt keinem zweifel; eine scharfe ausscheidung- dieser partien ist aber unmöglich und wurde deshalb auch seit Bernsys mit recht nicht mehr versucht. LÖRRACH. GeorG PETER WEYGoLDrT. 4447. WEYGOLDT G.P., Die pseudohippokratische Schrift ITepi dtaitnc: JKPh 125 1882 161-175. Le Peri diaités-De victu, dont la composition devrait se situer entre 420 et 380, trahit influence à la fois d'Héraclite, d'Empédocle, d’Anaxagore et d'Archélaos. Le ch. 3 et la premiére partie du ch. 4 reposent sur ce dernier, et par son intermédiaire, sur Anaxagore, tandis que la seconde partie du ch. 4 et le ch. 25 se réfèrent aux doctrines d'Empédocle. Les théories d'Archélaos et d'Empédocle sur le feu et l’eau, le mélange et la séparation des éléments, sont disséminées a travers l'ensemble des ch. 5 à 24, où se manifestent par ailleurs, dans les ch. 9-11, plusieurs | emprunts d’origine héraclitéenne. rn r constatierte; denken wir uns diese einschiebungen weg:, so haben Monacensis 429 fol. 79" (e. 24); welcher:ebenfalls das lemma Movwir im reste, dh. im weitaus grösten teile der cap. 5—24/ die ent: lebnungen aus Herakleitos vor uns. es sind dies: die bemerkungen Tépxou, sodann aüEovre (verschrieben aus aUkovra) bm’ aùTod TOU mupòc und tpéqwy bietet. hieraus schliesze ich dasz man auch bai: Stobaios tod mupdc nach aùtoò einzusetzen hat, was durch Um’ adrdv todtwy gefordert wird. auch wird der von Meineke in der über die identität der gegensätze, über den vôuoc und dié-œÜcie, über den wechsel der dinge; sodann der vergleich des stoffwechsels mit dem sägen und die annahme, dasz die seele es sei; die:dén stoff: wechsel lenke und für die erhaltung der innern harmonie sorge. Herakleitisch sind dann namentlich die cap. 9—11. wir erfahren hier, dasz alle neubildung eine durch das fener bewirkte vertiudediscrep. lect. erwähnte emendationsvorschlag Hirschigs TPé@wy für éxtpépwy durch Antonius und den cod. Mon. bestätigt: BAUTZEN. Reınuorp DRESSLER.