Mostrar texto completo4 páginas
Página 1
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Vase ©.
1. Mathematik in der Antike und im
SS
Mittelalter
=>
1.1. Mathematik in der Antike (Tafel I) ao
In Nikaragua erschien 1971 eine 10 Marken umfassende Serie!)
unter dem Motto „Die 10 mathematischen Formeln, die das
Gesicht der Erde veränderten“. Am Anfang dieser Serie, auf
die wir noch mehrmals zurückkommen werden, steht cine
Marke, die mit der Formel „| + 1 = 2% an die Rechenkünste
der alten Agypter erinnert. Einzelheiten über den Entwicklungsstand der Mathematik, die Art der Aufgaben und ihrer Lésung
und auch über die Lehre und Anwendung mathematischer
Kenntnisse in Agypten in der Zeit um 1700 v. u. Z. sind uns
durch einige erhalten gebliebene Papyrusrollen bekannt, die
1832), dem ab 1822 unter Benutzung zweier durch glückliche
den Charakter von zur Ausbildung bestimmten Aufgabensammlungen mit vorgerechneten Lésungen haben. Die Aufgaben
sind nach heutigen Maßstäben sehr einfach, fast ausnahmslos
auf unmittelbare praktische Bedürfnisse ausgerichtet und
interessanterweise keineswegs nach ihrem mathematischen
Kern, sondern nach Anwendungsbereichen gegliedert. Diese
für das Verständnis der Frühentwicklung der Mathematik
äußerst wichtigen Dokumente wären uns jedoch nutzlos, wenn
nicht zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die Entschlüsselung
der altägyptischen Schrift gelungen wäre. 1972 erinnerte Frankreich mit einer Marke an Jean Frangois Champollion (1790 bis
Zufälle gefundener mehrsprachiger Texte die Entzifferung der
Hieroglyphenschrift gelang.
Die Umwandlung der Mathematik aus einer auf unmittelbare
praktische Bedürfnisse ausgerichteten Anhäufung von rezeptartigen Kenntnissen und Verfahren in eine deduktive Wissenschaft vollzog sich vor allem in der Zeit zwischen 700 v. u. Z.
und 300 u. Z. in den von Griechen besiedelten Städten und
Staaten des Mittelmeerraumes. Pythagoras von Samos (~ 580
bis ~500 v. u. Z.) ist einer der wesentlichsten Vertreter der
ersten, sogenannten ionischen Periode (~ 700 bis ~450 v. u. Z.)
1) Natürlich ist diese Serie wie alle vom reaktionären Somoza-Regime
ausgegebenen Marken weitgehend spekulativ und nicht nur vom philatelistischen, sondern auch vom fachlichen Standpunkt zu kritisieren.
Página 2
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)I. Antike und Mittelalter
dieser Entwicklung und trägt zugleich einen der in der Mathematik bekanntesten Namen. Genau betrachtet war Pythagoras
jedoch alles andere eher als ein Mathematiker im heutigen
Sinn. Nach langen Jahren des Umherstreifens gründete er in
Kroton in Unteritalien den Geheimbund der Pythagoräer mit
teils weltanschaulich-religiösen (insbesondere Lehre von der
Seelenwanderung), teils politischen (Anhänger der Sklavennisse, z. B. die von ihnen untersuchten Zusammenhänge zwihalteraristokratie) Interessen und Zielen. Die Pythagoräer
verallgemeinerten einige richtige naturwissenschaftliche Kenntschen harmonischen Tonintervallen und der Länge der schwingenden Saite, voreilig zu der These, daß alle Gesetze der Natur
von natürlichen Zahlen und ihren Verhältnissen beherrscht
werden. Auf Grund dieser These, die jedoch schon zu Lebzeiten des Pythagoras durch die Entdeckung inkommensurabler
Strecken als falsch erwiesen wurde, beschäftigten sie sich mit
den Eigenschaften der natürlichen Zahlen und in diesem Zusammenhang auch mit solchen Zahlen m,n, k, für die m? +
= k? gilt, die demnach als MaBzahlen kommensurabler Seitenlängen von rechtwinkligen Dreiecken ín Frage kommen. Der
geometrische Satz des Pythagoras und auch die systematische
Erzeugung pythagoräischer Zahlentripel m,n,k war jedoch
schon lange vorher den mesopotamischen Mathematikern
bekannt. Griechenland gab 1955 einen vier Marken umfassenden Satz anläBlich eines Kongresses der heute noch existierenden
Anhänger der idealistischen philosophischen Lehren der Pythagoräer heraus. Die Marken zeigen eine alte Münze mit dem
sitzenden Pythagoras, eine Karte der Insel Samos, auf der Pythagoras geboren wurde, und eine Darstellung des Satzes von
Pythagoras. Letzterer bildete auch das Motiv eines ‚Wertes aus
der schon erwähnten Serie von Nikaragua und einer Marke
u
von Surinam (1972).
Die ebenfalls bereits in der Antike entstandene materialistische
Richtung der Philosophie, auch in ihrer Anwendung auf Mathematik und Naturwissenschaft, repräsentiert Demokrit von
Sondermarken (Ansicht des Instituts; Porträtbüste von Demo-
Abdera (460 bis ~370 v. u. Z.). Als wesentlichster Vertreter
der damals natürlich noch rein spekulativen Atomlehre gab er
dem 1961 eröffneten griechischen Atomforschungsinstitut seinen
Namen und diese Eröffnung den Anlaß für die Ausgabe zweier
krit und Atommodell). Markenmotive und Ausgabeanlaß lassen
nicht vermuten, daß Demokrit auch einer der bedeutendsten
1.1. Mathematik in der Antike
13
Mathematiker an der Schwelle zur sogenannten athenischen
Periode (450 bis ~ 300 v. u. Z.) der griechischen Mathematik
war. Ausgehend von atomistischen Vorstellungen, fand er das
und nach diesem benannte Prinzip des Volumenvergleichs
später von F. B. Cavalieri (~1598 bis 1647) wiederentdeckte
Kegel und Kugel an.
und gab als erster die richtigen Formeln für das Volumen von
Der exakte Beweis dieser Volumenformeln gelang allerdings
erst Archimedes von Syracus (287-212 v. u. Z.), dem bedeutendsten Vertreter der hellenistischen Periode (~ 300 v. u. Z.
bis ~150 u.Z.) der griechischen Mathematik. Archimedes
gelangte durch die Wiedergabe zweier Gemälde auf Briefmarken. Spanien zeigte 1963 das Bild ,,Lachender Archimedes“
von Jusepe de Ribera (1591-1652), einem berühmten spanischen
Maler vieler religiöser, mythologischer und historischer Szenen
und Personen. DDR zeigte 1973 das im Besitz der Dresdner
son sind angezweifelt worden.) Natürlich können beide Bilder
Galerie Alte Meister befindliche Archimedesbild von Domenico
Fetti (1589-1624), einem italienischen Zeitgenossen Riberas
mit etwa gleicher Stil- und Genreausprägung. (Sowohl die Urheberschaft Fettis als auch die Identität der dargestellten Perkeine Porträtähnlichkeit beanspruchen und sind auch im
historischen Detail nicht völlig korrekt. Zum Beispiel waren
Bücher, wie man sie auf dem Bild von Fetti sieht, zu Archimedes’ Zeiten unbekannt, vielmehr waren Papyrus und Wachstäfelchen neben dem gerade aufkommenden Pergament das
übliche Schreibmaterial.
Eine wesentliche Triebkraft für die Entwicklung der Mathematik und bis über das Mittelalter hinaus fast unlösbar mit ihr
verbunden war seit Beginn der Klassengesellschaft die Astronomie. Im Altertum herrschte das geozentrische Weltbild,
und der griechische Philosoph Platon (427-347? v. u. 2.) erhob
die Forderung, die scheinbaren Bahnen von Sonne, Mond und
den damals bekannten Planeten auf dieser Grundlage durch die
Überlagerung von Kreisbahnen so zu erklären, daß ihre Vorausberechnung möglich wurde. Diese Aufgabe wurde unter Benutzung eines umfangreichen, von mesopotamischen Astronomen in Jahrhunderten gesammelten Beobachtungsmaterials
von den griechischen Mathematikern Eudoxos von Knidos
(~408 bis ~355 v. u. Z.), Apollonios von Perge (~262 bis
~190 v. u. Z.) und Claudios Ptolemaios in Alexandria (~85 bis
~165 u. Z.) gelöst. Letzterer bildete das prinzipiell falsche,
Página 3
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)1. Antike und Mittelalter
aber praktisch für die damals mögliche Beobachtungsgenauigkeit ausreichende „ptolemäische‘ astronomische System rechnerisch zu solcher Vollkommenheit aus, daß sein später von
den Arabern unter dem Titel „Almagest“ übersetztes und ver-
Astronomen Hipparch (= 190-125 v. u. Z.), der als bedeutender
breitetes Standardwerk bis ins Mittelalter mit gewissen Korrekturen den Bedürfnissen der Astronomie genügen konnte. ‚Als
„Gegenspieler““ von Copernicus kamen so im Copernicusjahr
1973 auch Eudoxos, Aristoteles, Apollonios, Ptolemaios und
ihr System auf verschiedene Briefmarken (u. a. Liberia, Burundi). Griechenland selbst widmete 1965 eine Marke dem
1.2. Mathematik im mittelalterlichen Europa
1.2. Mathematik im mittelalterlichen Europa
(Tafel 11)
15
Die Einverleibung der hellenischen Staaten in das römische
Weltreich versetzte der hochentwickelten griechischen Mathematik den ersten schweren äußeren Schlag: Die griechische
Mathematik war im wesentlichen praxisfremd, die Römer
aber waren im allgemeinen theoriefeindlich und höchstens an
im Bauwesen, im Krieg und in der Verwaltung verwertbaren
Ergebnissen interessiert. Im Jahre 324 wurde das Christentum
Staatsreligion im römischen Reich. Damit geriet die Mathematik als Bestandteil heidnischer Philosophie und Kultur auch
in ideologischen Mißkredit. 395 wurde das römische Reich in
vium (lat. „Vierheit‘) umfaßte die vier mathematischen Lehrgebiete Arithmetik, Geometrie (beide in sehr bescheidenem
Umfang), Astronomie (der das ptolemäische System zugrunde
Kirche sanktionierten mittelalterlichen Bildung. Das Quadristinus (354-430), dem 1954 anläßlich des 1600. Geburtstages
vom Vatikan und von Algerien (wo Augustinus als Bischof
gewirkt hat) Marken gewidmet wurden, Augustinus hat recht
widersprüchliche Äußerungen über die Mathematik hinterlassen, jedoch wurden die naturwissenschaftlichen Lehren und
die Logik des Aristoteles und Mathematik im Umfang des
sogenannten Quadriviums zu festen Bestandteilen der von der
Mathematik in die nur noch in Klosterschulen vermittelte
höhere Bildung einfließen durfte, hatte der Kirchenvater Augudene Bewahrung und Pflege des antiken Erbes.
Einen entscheidenden Einfluß auf den Umfang, in dem antike
Leistungen, sondern auf ihren Verdiensten um eine bescheiund ihre Bedeutung beruht nicht auf großen wissenschaftlichen
christlichen Glaubens gerichtete geistige Tätigkeit. Die wenigen
Personen jener Epoche, die in der Geschichte der Mathematik
eine gewisse Rolle spielen, waren fast ausnahmslos Geistliche,
Kenntnisse wurden jahrhundertelang kaum benötigt. Überdies verurteilte die Kirche jegliche nicht auf die Festigung des
Reiches auf einen sehr primitiven Stand zurück, mathematische
ein ôstliches Teilreich mit der Hauptstadt Byzanz und ein
Vorläufer von Ptolemaios u. a. einen Fixsternkatalog aufstellte
und die Kreiselbewegung der Erdachse entdeckte.
zum Andenken an Aristoteles von Stagira (384-322 v. u. Z.)
mindest zu ihren Grenzgebieten, so sind hier einige Marken
Zählt man, wie heute üblich, die Logik (genauer: die Methodologie der deduktiven Wissenschaften) zur Mathematik oder zuwestliches Teilreich mit der Hauptstadt Rom gespalten. Letzteres ging nach schweren inneren Krisen gegen Ende des 5. Jh.
zugrunde. In Europa wurde die Sklavereigesellschaft durch den
Feudalismus abgelöst. Handwerk, Handel und Verkehr gingen
in den ehemals hochentwickelten Provinzen des römischen
zu erwähnen (Belgien 1932, Griechenland 1956 und 1978,
zum 2300. Todestag 1978 auch Mexiko und weitere Länder).
Aristoteles hat in der Geschichte der gesamten Naturwissenschaften eine gewaltige Rolle gespielt, die im folgenden noch
gelegentlich anklingen wird. Daß im Mittelalter mit seinem
Namen sehr negative Tendenzen verbunden waren, kann man
ihm selbst kaum zum Vorwurf machen. Uns interessiert, daß
Aristoteles als erster Regeln des formalen logischen Beweisens
formulierte, die bis in die Neuzeit sowohl als wissenschaftliche
Substanz als auch als methodische Anregung für die Logik
wesentlich waren. Man hat gute Gründe anzunehmen, daß
Euklid (über dessen Leben sonst sehr wenig bekannt ist) ein
direkter Schüler des Aristoteles war und daß die wissenschaftstheoretischen Ansichten des Aristoteles bedeutenden Einfluß
auf die formale und methodische Gestaltung der „Elemente“
hatten, jenes von Euklid um 300 v. u. Z. in Alexandria verfaßten
Gesamtlehrbuchs der damaligen Mathematik, das über 2000
Jahre lang das erfolgreichste und bekannteste mathematische
Lehrbuch war und die allgemeinen Auffassungen vom Wesen
der Mathematik mehr beeinflußt hat als jedes andere Werk.
Wußing, H.: Mathematik in der Antike. 2. Aufl. Leipzig: Teubner 1965.
Literatur:
Eine Besprechung des Archimedesbildes von Fetti befindet sich in der
mathem. Schülerzeitschrift alpha 1974, Heft 6.
Página 4
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)4. Die Mathematik wird zum Beruf
werden kann, wonach sich durch je drei nicht auf einer gemeinmit einer repräsentativen Marke geehrt. Auch seine Bemühungen
um das Parallelenproblem — wie die vieler anderer Mathematiker — brachten, wenn keine Lösung, so doch viele brauchbare
Einsichten und Ergebnisse. So stammt von ihm der Satz, daß
das Parallelenpostulat gleichwertig durch das Axiom ersetzt
samen Geraden befindliche Punkte ein Kreis legen läßt.
Sein Sohn Janos (Johann) v. Bolyai (1802-60), der als Offizier
der österreichischen Armee zwischen Violinspiel, Duellen und
eigenbrötlerischer Beschäftigung mit Mathematik ein unglückbaren Unverständnisses der Zeitgenossen nicht veröffentlicht
liches, zerrissenes Leben führte, veröffentlichte 1832 als Anhang zu einem Lehrbuch seines Vaters seine Überlegungen zum
Parallelenproblem. Gauß, dem diese Arbeit in der Hoffnung
auf Anerkennung und Unterstützung zugesandt wurde, lobte
sie sehr, schrieb aber zugleich, daß er selbst schon seit 20 Jahren
die gleichen Gedanken gehabt und sie wegen des voraussehhätte. Der enttäuschte Janos kehrte daraufhin nicht, wie man
häufig liest, der Mathematik den Rücken, aber er beschäftigte
sich, verbittert und wissenschaftlich isoliert, zunehmend mit
Problemen, deren Unlösbarkeit entweder damals schon bekannt
war oder später bekannt wurde, z. B. einer einheitlichen Formel
zur Erzeugung aller Primzahlen, der Lösung der allgemeinen
Gleichung 5. Grades oder der elementaren Integrierbarkeit
aller elementaren Funktionen. Ein authentisches Bild J. v. Bolyais existiert nicht. Zum 100. Todestag gaben jedoch die ungarische und die rumänische Post je eine Gedenkmarke heraus,
die das Porträt eines unbekannten Altersgenossen J. v. Bolyais
zeigt. Seitdem haben diese Briefmarken kurioserweise als
Quelle für Bolyai-Bilder in zahlreichen mathematischen und
mathematikhistorischen Büchern gedient.
Die gleiche Lösung des Parallelenproblems wie J. v. Bolyai
fand schon 1826 der in Nishni-Nowgorod (heute Gorki) geborene Nikolai Iwanowitsch Lobatschewski (1793-1856), der
DIE
DER
UND
TAI
Sam
Ri enne LA
MERE
EL ENT were
nach dem Studium an der damals gerade gegründeten Universität Kasan dort bis zu seiner Pensionierung als Professor
für Mathematik und zeitweise als Dekan bzw. Rektor wirkte.
Im Gegensatz zu Bolyai kämpfte Lobatschewski bis zum Tode
für seine Ideen, veröffentlichte immer wieder darüber und bemühte sich um Anwendungen seiner Theorie. Die erste Übersetzung eines seiner Bücher ins Deutsche 1840 war Grund genug
für Gauß, noch im Alter die russische Sprache zu lernen, um
AW.
NANA
=
Sati See.
en
Er:
\ AAS TINS
butN
HUE Les y
CHAM