Archaische, pythagoreische und harmonikale Grundzuge in den Jugenddramen Hans Henny Jahnns

Autor
Wagner, R.
Publicado en
Literatur in Wissenschaft und Unterricht
Año
1974
Tema
JAHNNS
Idioma
Deutsch
Categoría
C6 Lengua y literatura
Número de archivo
941

Abrir PDF(se abre en una ventana nueva)

Mostrar texto completo17 páginas

Página 1

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
WAGNER E. Archaische, pythagoreische und harmonikale Grundziige in den Jugenddramen Hans Henny Jahnns Teil| Viele Grundzüge, die in allen seinen Werken, besonders in seinem Spätwerk auftreten, sind schon in Hans Henny Jahnns Jugenddramen undeutungsweise vorhanden. Die Kennzeichnung “‘archaisch, pythagoreisch und harmonikal” ergibt sich aus der späteren Selbstinterpretation Jahnns und aus den Befunden der einschlägigen Sekundärliteratur? I. Pastor Ephraun Magnus Der Konflikt mit dem christlichen Weltbild Mit dem 1919 erschienenen Drama Pastor Ephraim Magnus? beginnen die Mißverständnisse, Entstellungen und Fehldeutungen, unter denen alle Werke Jahnns bis heute zu leiden haben. Eine ungewohnte, Iremdartige Sicht der Welt wird der vom Krieg und den Umwalzungen wohl erschutterten, Jedoch nicht in ihren Grundtesien bewegten Gesellschaft vorgestellt. Wenn man von aller "pharısäischen, fanatischen und denunziatorisch überheblichen, medizinischen oder sonstwie bagatellisierenden Betrachtungsweise'" der zeitgenössischen Kritik absieht, bleibt eigentlich nur der Aufsatz von Julius Bab”, der in scharister Ablehnung des Erstlingswerkes das Grundproblem erkennt. Bab stellt fest, daß dus "tragische Problem dieser grauenvollen Diskussion die Verselbständigung des Körpers sei”, Jahnns Drama habe ihn erkennen lassen, dal die ganze vieltausendjährige menschliche Kulturarbeit “auf einer fundamentalen Hypothese‘ aufbaue, aul der Annahme namlich, daß der menschliche Körper “nichts Absolutes, nichts Endgültiges und nichts Alleiniges” sei”, Julius Bab verticht nicht die Allgemeingültigkeit dieser Annahme, gelangt aber zu dem Schluß: “Ich will allerdings behaupten, daß in dem Augenblick, wo wir sie aufgeben und mit dem Materialismus wirklich

Página 2

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
einst machen - so ernst wie in der mir bekannten Welt freilich bisher nur schut den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn” Hans Henny Jahon gemacht hat! — unsere ganze Kulturwelt in einen wörtlich genommen und gleichzeitig die unausweichliche Tragik aller Haufen greulich grinsender Verwesung auseinanderfällt. Das Buch Palirkenntnis, allen künstlerischen Schaffens nufgeworfen. Nur zwei “or Ephram Magnus erbringe den Beweis, Dies ist seine peistesge- Wege aus dieser Tragik des Seins sieht der Domprediger Magnus, der schichtliche Bedeutung’. Jahnns Stück gebe “nur cine unter grabili- Vater von Ephraim und Jakob, nur zwei Wege, die ihm beweisen könchen Qualen zu gewinnende Erkenntnis von der großen Grundbedinnen, daß jenseits aller Sinnleere des Daseins Gewißheiten verborgen gung, an die menschliches Leben geknüpft ist: die Bedingung nämlich, liegen: lieben, wie Gott es will, das heißt freveln, oder leiden wie Gott, die Welt anders gelten zu lassen, als Jahnn es tut, das Bekenntnis zu den man ans Kreuz schlug und der seither nur in der Qual ohne Erlöwagen: "Gott ist ein Geist’. Dieses cine Buch mag im Giftschrank der sung gefunden werden kann. Seine beiden Söhne gehen diese Wege, der Menschheit als eine stärkste Arzenei aufbewahrt werden!" eine, Jakob, liebt, frevelt und geht zugrunde, der zweite Sohn, Ephraim, Jahnn entgegnete auf diese Argumentation: "Immerbin ubersah Juringt, indem er sich alle körperlichen Schmerzen und Greuel zufügt, lius Bab — oder wollte es übersehen, daß die hochste Getahr permanent dem Gekreuzigten und damit Gott ähnlich zu werden. Den Gedanken geworden war. Die Toten des Krieges zwar hatten nach kurzer Zeit an die Verwesung und damit an die Zerstörung der Form des Leibes, die keine Stimme mehr, und Gespenster bannte man durch cine wirtdoch ein "Abbild im Ewigen” sein sollte, kann er nicht ablegen. Er finschaltswunderliche Inflation; man entlehnte Zahlen aus dem Ciebict det keine Bestätigung, daß etwas Allgeme ingültiges den Menschen und der Astronomie. die Welt durchwaltet, Da sich Gott und damit die Bestätigung, daß die Em Jahrzehnt später begann die Hinschlachtung der Millionen, abermals, mit größerem Elan als zuvor. Inzwischen hat man Menschen nicht ausgesetzt, sinnlos in einer Welt des Chaotischen exies soweit gebracht,daß dus ekelhafte Geschäft der Hinmordung einer stieren, nicht fanden, da die Menschen unter dem Zweifel litten, daß Milliarde (die Tiere ungerechnet) zu jeder nächsten Stunde beginnen Christus verfault sei, errichteten sie Dome, ja erfanden jegliche Kunst, kann. Die öffentliche Moral macht dabei ungeheure Fortschritte”. um einen Abglanz des Absoluten, einen Rettungsanker in ihrer Ver- Im Vorwurf des “Materialismus” erspurt Bab em Element, ohne das ¿weiflung zu haben: “Sie konnten nicht glauben, sie schrien zu Gott, be- Jahnns Weltsicht und Werk nicht zu denken ist, Es handelt sich nicht um teten und lagen in ihren Nächten wachend. Aber sie konnten nur zweieinen ""Materialismus’ leuerbachscher oder marxistischer leln; sie bedurtten eines Beweises, daß es ein Verhältnis gäbe zwischen Prägung. Wohl grabt Jahon, was wiederum Bab ausgesprochen hat, an den Wurihnen und Gott — und als der gar nicht kam, ihnen zu beweisen, da bezeln der christlich — abendländischen Welt, indem er den Glaubenssatz, gannen sie von sich aus in ihrer höchsten Not und Verlassenheit zu der Körper vergehe, die Seele bestehe weiter, anzweitelt.’? Jahnn stellt verkünden, was er beharrlich nicht wollte . . . So mußten sie letztlich für den Anklagen, religiösen Ekstasen, dem blutigen Ringen der Menschen die Notdurft eines Grabes, in dem man nicht verweste, alle Arbeit leium ihren Körper, um die Form und die Schönheit des Leibes, dieser sten”'?, christlich — abendländischen Tradition in seinem Pastor Ephraim Magnus Wenn Ephraim die einzige Sicherheit vor der Verzweiflung in einem und auch in allen seinen späteren Werken die Behauptung peunzerstörbaren Grab findet und wenn er Jakob und seine schwesterligenüber, die Form des Körpers sei etwas Ewiges. “Er proklamiert als che Geliebte Johanna ın ıhrem Sarkophag als unverwesliche Marmor- Kunstler die Form, in der er schaftt, als Mensch den Stott, in dem er lebt, bilder wiedersieht und wenn er auch durch den Bau einer monumentails etwas Ewiges, als mehr als einen Augenblicksgedanken Gottes. Ein len Kapelle den Glauben an die Unverwestheit Christi gewinnt, so ist formales Symbol ist für ihn kein Gleichnis, kein Ersatz eines Geluhls, dies alles nicht eine sondern eine vollkommene Ausdruck sform — ein Endzweck. Wie kann Christentums, sondern eine em Gefuhl ewig sein, dessen Formgebung gebunden! Bis zum Fana- Icibhaltigen Auferstehung zugunsten der Erkenntnis und gläubigen tismus verkundet Jahnn den künstlerischen Form und letztliche Rechtfertigung des Loslösung von jeglicher persönlichen, im Durchdringung im Gefühl, daß jeder Körper, daß alles Geschaffene Diesseits oder Jenseits. Der Ausdruck "Abbild Tm Ewigen’ ist geradezu verhaftet dem Ewigen und Abbild des Ewigen ist- ein Analogon ewiger kennzeichnend für den Wert oder Unwert einer Schöpfung gewor- Gesetze. "Der Gedanke, daß das Erschaffene dieser Welt schon in sich den." Damit hat Jahnn das Wort der Genesis 1, Mos. 27: "Und für die Fühlenden in dieser Welt die Möglichkeit der Erlösung habe, 165 Bestand der Apotheose Gott

Página 3

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
und daß ein Kunstwerk dus Abbild, gewissermaßen che einzige preabar seguenz deutlich aus: “Es gibt nur dieses Lebensziel, reil werden lus dargestellte Erscheinung eines Metaphysischen ser, ist nicht neu und nicht originell. Michelangelo... spricht in seinen Sonetten immer den Pod, das Nichts — oder zuschatien tur die ticle Vat, die zum Symbol des Ich und Du wird in irgend cinem Sinn, ein Abbild unseres Werts in irgend einer Übertragung”. Ephraim Magnus baut eine Kapelle, eine wieder davon, daß er Gott darstelle. Er verlangt nicht nur die Ewigkeit seiner Statuen, sondern auch die Unsterblichkeit des schönen Lei bes... Aber auch Michelangelo proklamiert — und bei seinen elemenelementen verhaltet ist, an deren Wänden die Bronzeleiber von Knaben taren Beziehungen zum Korper ist das natürlich — die Schoptungstorm und Mädchen als Sinnbilder der ewigen Formen wachen. Nach aller dieser Welt als cin Ewiges . . . Dieses Gefühl hat alle großen Kunder, einerles welcher Kunstmittel sie sich bedienten, beherrscht, und wu Qual, nach aller Marter im Ringen um die Gewißheit einer Erlösung müssen so weit wie zu den Agyptern zurückkehren, um die ersten und nachweisbaren Spuren dieses Glaubens, aufgezeichnet in Bauwerken und Statuen, aufzufinden””*? Bewahrung der Form, ım Bau der die Abbild, Widerhall des Göttlichen im Menschen sind. Er hat den al- Genausowenig wie Michelangelo an den ewigen Bestand seiner Sta deckt. Er wird zum Verkünder dieser alten Vorstellung im Bau der tuen geglaubi hat und genausowenig wie Jahnn den physischen Vorgang Kapelle: “Ich will sie[ die Menschen] zu meinem Glauben zwingen, zum Grabkammer für Bruder, Schwester und für sich, die romanischen Stilund einer Sinngebung des Lebens, findet Ephraim die Lösung in der Gewölbe, in der Skulptur der Leiber, ten Glauben, daß Seele und “Kontur" nicht trennbar sind, wieder entder Verwesung aufhalten kann — ebensoweng glaubien die Apyptes Anbeten jener Bronzeleiber. Es muß einmal kommen oder wiederzumindest interpretiert Harms mit Jahnn sie so — an die Ewigkeit der kommen”. Der Baumeister der Kapelle faßt den Gedanken Jahnns in Mumie. Die Mumie war den Agyptern “nicht der Leib, sondern das Symbol von Leib und Seele, ebenso wie die dem Toten errichtete Wer hestatue""*. In dem Glauben der Agypter, daß die Vernichtung der den abschließenden Sätzen des Dramas zusammen: “Er [Gott] legt Weihestatue das Ausstoßen des Verstorbenen aus dem ostlichen Paraseinen Himmel zu stellen, und wer nur Fleisch hat, irgendwie, heibt dies nach sich ziehe, sicht Harms mit Jahon einen Bewes, “mit welchei verdammt?" Beharrlichkeit die Agypter an die Metaphysik des Konturs glaubten Darum konnten sie Wunderwerke ernchten. Das Verlangen, das dem Mysterium Der Tod (Fragment) auf, das vermutlich auch 1917 Symbol der Kunst über das entstanden ist. Der in die Geheimwissenschaft und in die Bauhüttenelementar asthetisches ert Grauen des Todes zusetzen, ist nichts als em Das Verlangen, den Dualsmus von Rorpei und Geist zu überwinden, lührt zu ciner absoluten Asthetik, die Jahnn nichts in uns, das er nicht als Geschaffenes wiederfordert. Ephraim hat recht, er verlangt als Wenigstes die Leiber von den Seclen, um sie in Dasselbe Problem und die Frage nach Leib und Seele greift Jahnn in gcheimnisse cingeweihte Baumeister weiß nur, daß die Lehre des Uhristentums falsch ist oder verfälscht wurde (“Die Pfaffen lügen!" '). in seinem Drama Die Kronung Richards HL“ durch Eduard, Prinz von Dem Iragenden und verzweifelnden Steinhauer deutet der Baumeister Wales, wie folgt formuliert: "Und sturben wir - hor doch, wir mussen an, daß es eine geheime Zunft gäbe, die anderer Meinung als die Kirche sterben, jung oder alt, einmal, in irgend einem Sinn, erkaltet unser Leth sei. Das Fragment weist deutlich auf die Bauhütten hin, die Träger einer und rinnt den Weg... Was bleibt von Liebe und von uns, wenn sie nicht pythagoreischen und zahlensymbolischen Tradition waren.?? In Jahnns ein Symbol gezeugt, das im Gebem noch mit der heißesten Gebarde großem Roman Fuß ohne User tauchen dieselben Probleme tiefer rezeugt, schreit, lobsingt, daß wir geliebt, bis m die Ewigkeit mit Pein und Hektiert und in einen erweiterten Zusammenhang gestellt fast unver- Wonne, voll Tranen und voll Seligkeit, in dem Geluhl des Sicherseins, andert wieder auf.*? Wenn in diesem Roman G. A. Horn die Leiche des Einigseins, des Fortgeruckt von bosen Blicken, des Tietbegrabenseines Freundes Tutein mumitiziert, so will G. A. Horn nicht nur die seins von dieser Welt begluekt sind?" Ein Symbol seiner Existenz, Verwesung aufhalten, sondern in der Erhaltung der Form, der Gestalt das, verbunden mit den geglaubten, ewig pultigen Gesetzen, em Wi des Menschen, etwas von seiner Geistigkeit bewahren, die sich, nach derspiegeln eben dieser Gesetze ist, kann sich der Mensch n aller Kunst Jalinns Auffassung, auch in den Proportionen des Körpers manifestiert. und in seinem Grabe setzen, wenn die Form (Jahnn spricht von der Der klinische Tod ist dann nur ein Übergangsstadium, eine Katharsis des Fleisches zur statuenhaften Form, zur statischen Schönheit und (Un)-Vergänglichkeit des Kristalls. Kontur) als Mumie 2. B. oder als Skulptur erhalten bleibt. Anderntalls fällt der Mensch dem Nichts anheim. Eduard spricht diese letzte Kon147

Página 4

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
2. Heinrich von Kleist — Die Zahlensymbolik Man kann diese Strophe mit dem Ballast der ganzen Forschung um In dem Fragment Heinrich von Kleist?” lehnt sich Jahon in einigen den Urgrund der Trias, der Prinitat und mit dem harmonikalen Hin- Goethes Faust an. Von der “jammerntichen Tragodie" tergrund, den Kayser?” wieder aufgedeckt hat, überwölben, um nur zu wurde nur cine Szene geschrieben, in der Faust und Wagner die Venus sagen, daß alle diese Bilder und Entwürle nichts underes sind als ein Anspielungen an durch Magie zwingen, damit cm Knabe gezeugt wurde, “wie tha cin “unbewullter Ausdruck der Struktur unserer Seele‘. Jahnn zeigt jeder Weltteil nur zweie in hundert Jahren wir!” (729). Das in dieser cınmal den Dualismus von Anorganischem (Stein) und Organischem Nacht gezeugte Genie sollte wohl in den nicht ausgelührten Szenen der (Leib) auf, um dann, indem er wahrscheinlich auf den platonischen Tragödie als Heinrich von Kleist geboren werden, den Jahon neben Mythos vom Grund der Liebe anspielt, auf den Dualismus von Mann Buchner besonders hoch schätzte. und Weib hinzufuhren. In unserem Zusammenhang interessiert uns besonders jene Stelle, in Jenseits dieser Deutung der oben zitierten Zeilen steht hinter diesen der Faust die Venus beschwört, die schließlich als Statue erscheint.** Versen wohl auch noch die Ansıcht Jahnns, die wir bei der Betrachtung Diese Szene almelt in emigen Teilen der Szene “Hexenkuche" in Goedes Pastor Ephraim Magnus ausgeführt haben, daß der Stein als Bethes Faust. Fausts Beschwörung der Venus in Jahnns Fragment ist kein wahrer der Kontur, der Form des Menschen, als Stoff der künstleri- Spiel mit Zahlen, wie es Trunz tur Goethes Hexeneinmalcıns falsehlischen Schopfungen des Menschen, dem Einen zugeordnet ist (“Das cherweise annimme’®, sondern Zahlenmystik und Zahlenzaubercı in Eme ist der Stem”, 732). Der Stein als Form erscheint nach den interder ursprünglichen Bedeutung. Indem Faust in den Zahlen, die von 1 pretierenden Worten Harms (bzw. Jahnns) als das **Abbild im Ewibis 7 als heilige Zahlen autgeruten werden, die Welt aller Erschemungen? Gewalt über Zahlensymbolisch im engeren Sinne läßt Jahon seinen Faust dann die Welt oder einen gewsssen Teilaspekt gewinnen. Die heiligen Zahweitersprechen: "Fünf ist der Stern. / Der Zahlen Kem —/ Rhythmus len, Symbole tur Dinge dieser Welt, können, richtig manipuliert, etwas unserer Sinne, / der den Stein durchfurcht, / der den Nabel gesetzt, / Konkretes bewirken: in dieser Szene das Erscheinen der Venus und die unsere Hände zerfetzt, / der die Gotteshalle / erfüllt mit Schalle: / Zahl, Zeugung eines Knaben, cines der Musik verwandt, / alle Spharen verband. / Sieben das Allerheiligste, gen ergreilt, kann er durch die magische Kraft der Zahlen Genies! Das Aufrufen und die Kombination der Zahlen sind also nicht nur Spiele mit Worten und Klangen und / dir geweiht, daß du erscheinst / und dich der Fünf vereinst. / Erbrenne nicht nur sinnenticerte magısche Formeln, wie wir im folgenden zeigen denn Stern, / leuchtender Menschenleib, / steinernes Bild, / Göttin und werden, sie Weib!” (732 [.) deuten vielmehr einen Teil der Weltsicht Jahnns an Jahon sicht in Anlehnung an alle Zahlensymbolk in der Ems den Mut “fant ist der Stern. / Der Zahlen Kern —" setzt Jahnn das Penta- Urgrund, das Sciende, aus dem sich die Vielheit ableiten laßt.?’ gramm oder Pentaalpha als Grundelement der Zahlen. Mit der Nen- “Das Eme ist Stein. / Stein bist du denn, / starr und Kristallen, / weil nung und Beschworung des funfzackigen Sterns bezieht sich Jahnn auf oder schwarz, / schwarz oder Glas, / Glas oder Hauch, / Das bist du cine lange Tradition dieses Symbols. Die Fünf ist die Zahl der babyloauch." (732) nischen Venus, der Ischtar, deren Symbol das Pentagramm ist. Es gibt in Gleichzeitig impliziert das Eine auch die Zweiheit, zwei Prinzipien . Baalbeck tunfeckige Venustempel aus hellenistischer Zeit. Vergeistigt der gleichen Urtorm. Jahnn drückt diese Zweihen in Bildern aus: wird das Pentagramm durch das Christentum in der Marienverehrung; “Weill oder schwarz, / schwarz oder Glas, / Glas oder Hauch”. Jahon es erscheint auch als das Sinnbild der vergeistigten Liebe zu Gott in den sicht im Materiellen (Stein) einmal die entpegengesetzten Erselici- Pentaalpha-Rosen des Antiphoniums verschiedener gotischer Kirchen. schwarz”), zum anderen die entpepenpe- Die harmonikale Analyse unterlegt der Zahl Fünf, der 5. Ration in der setzten Agpregatzustande ("Test oder tlussip’'), die sich aber wieder alle Terminologie der Harmoniker”?, d. h. der Terz, das ""Geschlechtsinnungstormen ("weiß oder im Einen gründen. *" tervall'"**. Diese Analyse wird durch die Zeugnisse der Antike und der "Drei ist das Leben, / der Stein und das Weib, / der Stein und der christlichen Überlieferung bestätigt.’* Jahon setzt nun nicht direkt die Mann. / Der Stein und der Leib, / gespalten in zwei, / zeugend, pebä- Z.ahl Fünf als Sinnbild der Venus, sondern weiht die Sieben als das Alrend gibt drei.” (732) lerheiligste der Venus. Indem er aber in der magischen Handlung Faust

Página 5

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
den Wunsch aussprechen laßt, daß sich die Venus mut der Fünf vercine, Diese beiden Austuluungen aus Jahnns Rede im Jahre 1932 können weist er einınal aut das ““Geschlechtssymbol” der Zahl Fünf hin, zum als Auslegung der oben zitierten Verse aus der Beschwòrungsformel anderen ordnet er auf diese Weise die Fünf der Venus-Ischtar zu, wie es angesehen werden. Jahnn meint natürlich nicht, daß sich die europäischen Volker aut den Zivilisationsstatus afrikanischer Kulturen verschon die Babylomer taten. Die Sieben ist heute noch als magische Zahl von großer Bedeutung. seizen mussen. Der europäischen Menschheit soll, vergleichbar den Ste ist emmal in unserem Kulturkreis dem Heiligen zugeordnet, oder gelugien Kulturformen der Naturvólker, Tabus und eine “neue Sittfindet zum anderen 2. B. in der siebenstufigen Fonlener ihre Widerlichkeit” "* cingeptlanzt werden, um die Menschheit auf diese Weise vor spiegelung, die schon die Pythagoreer der Sphärenharmonie zuordneder “atavistischen Neigung des Glaubens an das Recht des Stárkeren” und damit vor der Selbstzerstörung zu bewahren. Jahnn hat erkannt und ten. Wenn sich nun ber Jahnn durch die Beschwörung des Dr. Faust die beharrt in dieser Erkenntnis — der selbstverzehrende Kampf seiner Sieben als das Allerheiligste, als die geweihte Zahl der Venus mit der letzten Lebensjahre gegen die Atombombe ist cin abschlieBendes, un- Funt, dem “Geschlechtsintervall” (der Harmoniker) vereint, entsteht widerlegbares Zeugnis — daß der bloß rationalistische Geist ohne jeglider "leuchtende Menschenleib, / das steinerne Bild, / Göttin und che Bindung in die Katastrophe führt. Die Bindung, die das selbstzer- Weib!”. Damit wird die Venus in dieser magıschen Anrufung als Statue storerische Handeln der Menschen einschränken kann, sieht Jahnn in geboren, die Sinnbild für die Göttin, die Frau und den Menschen ist. ciner Ruckbesinnung auf die wesentlichen Gesetzmäßigkeiten, die alles Weitere zahlensymbolische Beobachtungen hat Jahnn angestellt. Leben durchwalten. Kunder dieser Gesetze sind heute nicht mehr die Wenn Jahnn seinen Faust behaupten läßt, daß die Font der Zahlen Kern Kirchen oder sei, der Rhythmus unserer Sinne us w., so ıst diese Behauptung auch vor nur noch die vereinzelten Dichter, Künstler, Schaffenden, die um diese einem biographischen Hintergrund zu schen. Jahon glaubte, im Ver- Gesetze wissen: "Ich habe es oft ausgesprochen”, sagt Jahnn 1932, also Religionsgememschatten christlicher Wurzel, sondern haltnis 5 : 7 das Idealmaß für seine Architekturentwurte gefunden zu 15 Jahre nach der Entstehung unserer Ausgangsverse, * der Künstler haben.’ muß jenseits der Abgrenzungen und Moralzäune ein Verkünder des Im zweuten Teil der Beschworung gibt Faust die Begründung tur sein Schoptungsprinzips sein; er muß notfalls mit Zähnen und Klauen gegen Handeln: Das Gente, der Kunstler, soll geboren werden zur Rettung Dogmen, Gerechtigkeiten und Gefängnismauern verteidigen. Es gibt der Menschheit, cın Genie, das wie jeder wahre Kunstler, nach Jahnn, keinen Kunstler, der diesen Namen verdient, der nicht gleichzeitig um die Gesetzmabigkeiten dieser Welt weiß: “... den Menschen zu frommen, / die ohne che heiligen Zahlen / ihre Geschicke malen’ (733). Harmoniker ware. Also der Geheimlehre der ältesten und größten Tradition angehörte" ’”, Denn, so meint Jahnn, nur der Kunstler, der Kraft seines Genies mit dem Schöptungsprozeß verbunden ıst, kann als Schöpfer und Interpret der harmonikalen Gesetze die Menschheit vor Katastrophen bewahren, indie sie eme rationale Welt, die sich nicht ruck verbunden 3. Hans Heinrich — Die Frage nach der Erlösung des Menschen in u. a. den harmonkalen Gesetzen weil, unweigerlich fuhren muß. “Wir wollen Es mag an der Entstehungsgeschichte dieses Dramas liegen, dessen sie [die Seele des Menschen] umbauen und betestigen gegen die Sturmerste und zweite Fassung 1913/14 geschrieben und dessen endgültige Hut rattonaler Katastrophen, sie wieder cinfugen in das harmonikale Fassung aus dem Jahre 1921 nie verlegt wurde, daß es mehr Wider- Gebäude des Daseins. Einige Zeilen vor diesem Zitat hatte Jahon in sprüche und Ungereimtheiten aufweist, als alle anderen frühen Draseinem Vortrag zur Goetheteier der Hamburger Buhne ausgeluhrt: men. Das Ringen um Gott und das Selbstverständnis des Menschen in “Wenn wir nicht werden wie primitive Menschen aul Sudsecinseln oder emer entgotterten und menschenfeindlichen Welt werden in diesem in Afrika, die gewisse Handlungen unterlassen, weil denen voran ein Drama enger als in anderen frühen Werken von einer sozialen Anklage Fluch gestellt ist, dessen Wirkung den Unbedachten tötet, wird die durchsetzt. Mit dieser neben der Kernhandlung um Hans Heinrich und Zertrummerung der europäischen Menschenverbände und ihres Wir- Anne laufenden Skizzierung der Arbeitswelt berührt Jahnn ähnliche kens im Nahen und Fernen unvermeidbar sein”. Themen, die zu Beginn des 20, Jahrhunderts von expressionistischen

Página 6

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
Schrittstellein aufgegriffen wurden. Das Drama ist in vielfaltigen Bezugen und Berufungen noch eng mit emer christlichen Gedankenwelt verbunden; es spiegelt geradezu in seinen Widerspruchen die Loslosung Jahnns aus seiner spezilisch christlich-evangelischen Jugend. In der Problemstellung, dem Ringen um die GewiBheit emer Erlosung, steht Jahan in der luthenisch-evangelischen Tradition: Wie bekomme ich einen pnadigen Goa? Wer erlöst much von der Urangst, der Vernichtung in der Verwesung” Mit dieser letzten Frage befindet sich Jahnn schon außerhalb einer evangelischen Tradition. Die Frage nach einem gnadigen Gott, die Rechtlertigung des Menschen wurden säkularisiert zu einem existentiellen Problem. selischaltskritischen Bemerkungen beiseite lassen, ist der Weg des Menschen aus der Unwissenheit zu emer noch kirchlich-christlichen und daher mißverständlichen und unvollkommenen Erkenntnis von Bezugen, die Jahnn in späteren Jahren als harmonıkal kennzeichnet. Ein Ausgangspunkt ist wieder das Ringen um die ffeiligkert des Leibs. Dem Wort der Genesis steht die Unbegreiflichkeit der Verwesung gegenuber: “Ich habe es früher geglaubt [dab der Gottessohn nackend durch die Welt gegangen sei] - weil doch Gott selbst unverhullt war, denn er schuf die Menschen nackend, und es steht geschrieben, er schuf sie sich zum Bilde. — So kann man denken, wenn man an die Heıhgken des Leibes glaubt. Wer wird zum Wurmiraß beten?” (241) Den ersten Anstoß zur intuitiven Erkenntnis emer neuen Weltsicht erlahrt Hans Heinrich durch die Wucht der Gewolbe, Pieiler und die Baumasse der romanischen Kirche, die Lamm Gottes, unschuldig am Kreuz geschlachtet —?* (Er stürzt nieder) Gott, wo bist du? Wo finde ich dich? Wo ist Rettung für mich? (schreit) Gott, Gott! (Die Musık bricht ab.) Warum verlässest du mich?" (268) Hans Heinrich gerät in das Räderwerk der institutionalisierten Kirche, die seit der Gotik — nach Jahnns Auffassung** — nichts mehr von pythagoreischen Prinzipien weiß. Diese Anklage gegen die Kirche, die Jahnn erst später in seinem Aufsatz” genauer formuliert, klingt schon hier in den Worten Hans Heinrichs zum Priester an: Welch ein trauriges Amt, wenn man es falsch versteht” (268). Der Wey Hans Heinrichs, den wir nur andeuten, indem wir alle ge- _ somit im Aufhoren der harmonikalen Verbindung seine Verlassenhen erkennt. Hans Heinrich: *... Horst du daneben, wie sie singen: O “Erweckung'** geschieht ebentalls in dieser Kirche durch die Gewalt der Klange von LS. Bachs Das Verhaftetsein Jahnns zu dieser Zeit seines Lebens an christlichen Vorstellungen zeigt sich nirgend deutlicher als in der Suche Hans Heinrichs nach anderen Wegen der Erlösung. Von der Vorstellung einer Erlösung der Seele hat er sich schon befreit, er drängt jetzt “nach Befreiung des schweren Leibes, der kaum weiß, der sich nur in einem leisen Rhythmus, in einer bangen Linie zum Ewigen hinübersehnt” (286 f.). So erwägt Hans Heinrich den Gedanken, in einem Sohne der beiden Zwillingsgeschwister Anne und Hans Heinrich, "in dessen fernem Leben" (287) eine Erlösung zu finden. Nach vergeblichen Versuchen der Befreiung verkündet Hans Heinrich: ‘Nun ist mir eine Erlösung eingefallen” (288). Er erzahlt Anne von einem Traum, der ıhm Agypten als Land der Geschwisterliebe gezeigt hat. Agypten wird thm zum Symbol einer harmonischen Einheit von Schöpfung und Mensch. Hans Heinrich wahlt den Weg in den gemeinsamen, freien Tod mit Anne, indem er sich einem Gott anvertraut, den er in den Baurhythmen Pastorale ex F (erster Sat)". In der Auseinandersetzung mit seinem der Kirche und in der Musik erkannt hat. Der Ausgang des Dramas läßt auch in einer kurzgetaBten Analyse Fragen offen, die aus dem Text Widersacher Robin verteidigt Hans Heinrich seine Erkenntnis und nicht schlüssig beantwortet werden können. seinen Glauben, daß er durch den Rhythmus” der Kunst Zugang zu Gott und zum Verständnis der Welt gefunden habe. Die Gewißheu empfängt Hans Heinrich in dem Erlebnis einer Resonanz des mensch- 4 Des Buches erstes und letztes Blau. Der Prolog — Das Kunstprogramm lichen Herzens mit der Musik. Der Mensch steht nicht isoliert in der Ugrinos im Gespräch Welt, sondern hat teil an der "Harmonie der Schöpfung”, da das Gefühl zum "Mitschwingen"” angeregt werden kann und da der Verstand diese Dieses Fragment trägt in der Erstveröffentlichung den Untertitel Harmonien erkennen und sie un Kunstwerk sichtbar machen kann, "Drama in einem Prolog und zwei Teilen”**, Von diesen angekündigten Teilen wurde nur der Prolog veröffentlicht, der einmal die Kunst- Pieususch-christdiche Glaubensrelikte vermischen sich in dem Aulschrei Hans Heinrichs, da er unter der Macht der Musik zusammenanschauung und die Diskussion über diese in der kleinen Gruppe der bricht, mit harmonikalen Gedankengangen. Jahnn laßt Hans Heinrich Menschen, die Ugrino*” errichten wollten, widerspiegelt und der zum zweiten die dominierende Rolle des Dichters Hans (Jahnn) kennzum gekreuzigten Menschen werden, der im Abbrechen der Musik und

Página 7

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
zeichnet Das Fragment ist ein Selbstbekenntnis Jahnns und gleichzeitig Ausgangspunkt für Kunstdiskussionen in Ugrmo. Der Prolog zieht eine erste Bilanz und gibt den Stand der Kunsttheote Jalinns um das Jahr 1920 wieder. Hans, der Dichter des Prologs, der hier ohne weiteres mut Jahon gleicheusetzen ist, entkraftet in langen Monologen die Entgegnungen seiner "vielbegabten Freunde” (671) und vor allem die Peters, daß der Leb verwese, daß das Abbild des Leibes in Marmor zerstürt werden könne, daß man Marlowes Werke verbrennen. M ichelangelos Statuen in Stucke schlagen und die Kirche von Benev ent zerschießen*® koane. Jahon muß dieser selbstverstiindlichen, aber vordergrundigen Interpretation seiner eigenen Werke und der Kunsttheorie Uyrinos entpegentreten; er muß alle Kunst und die Werke der sogenannten Genies “im Ewigen" verankern, um nicht dem Argument der Sinnlosiekeit al, les Lebens und Schaffens Nahrung zu geben. Denn was nützt dem um den Bestand seiner Seele oder seines Ichs Ringenden die vage Vermu ‘tung, daß sein Werk im günstigen Fall 10 000 Jahre uberdauert? — Die Rechtfertigungsrede von Hans (Jahnn) setzt die schon in den bespro chenen Dramen genannte Tatsache als unbezw eifelbar voraus: “Und cs ist nun cinmal so, daß wir in dieser Welt aus Masse und Rhythmus das Element der Zeit gebrauchen, um anderen von den zeitlosen Oltenbarungen unserer Idee mitzuteilen” (684). Wir können diesen Satz umsetzen und sagen: Materie und Rhyth mus (im spezitisch Jahnnschen Sinne) sind Grundelemente des Seins. Wenn det Rhythmus der von Kuustlerhdnden gestalteten Materie Uberc instimmi mit dem ima nenten Rhythmus, der gleichzeitig alle Welt beherrscht. so ist meht nur cin vollgultiges Kunstwerk entsta nden, sondern der Mensch erkennt darin dann auch einen Abglanz des Ewigen . Der Kiinstler und Auserwählte hat die Funktion des Priesters. Er steht nach Jatin in einer langen Tradition der "Auserwählten”, die von jeher um Gott besser wußten als die Kirchen. Der Mensch ist nach den Vorstellungen von Hans (Jahnn) nicht Beherrscher der Tiere und der Natur, sondern Teil det harmonikalen Ordnung, die die Welt Jurchdringt: “Was wollen wir, und was ist unser Wille? Das Bewuß twerden unserer Erkenntnisse gründen wir in Gott und im Gelühl der Maße. Ihn uber können wir nur finden in seinen Ebenbildern ... Wir aber können nur eines wollen, eines leben, gleichwerden jenem höchst en Maß, dem Abbild unserer Seele aus einer andern Welt!” (698 1.) Sammelplatz und Wirkungsstelle für Genies haben, soll Ugrino werden: “Ich werde 175 , die Ähnliches erkannt die finden, die seltsamen Blutes geboren sind, in denen die Elemente ihrer Bestimmung wach und reif sind. Jene, die die Sterne aufgaben, weil sic um ein Ziel betrogen, weil sie eine Schwere aussogen, die allein verstehen kann. Die begriffen, dab ihr Gott, der greifbar nahe Gott, sich und den seinen des Gefühl qe Maße und Rhythmus der Gebärde ließ” (702 f.). Das Genie als Künstler und Interpret harmonikaler Formgesetzlichkeiten, als Deer une Verkünder der Welt und dessen, "was sie im Innersten zusammenhält ; hat priesterliche Ämter übernommen — so wenigstens in der Utopie e Ugrino. Das Problem jedoch der Gewißheit einer Erlösung im christ chen Sinne oder die Frage, die Jahan im AnschluB an das Gilgamesch-Epos im Perrudja nach der Ordnung der Unterwelt, also auch nach der Bestimmung des Menschen, stellen wird, kann nicht gelöst werden. Wohl erkennt das “Genie” Grundgesetze der welt, wohl kann es Tabus errichten und die Schranken einer “falschen” Sittlichkeit cinreißen, doch die uralte Frage der Menschheit, was nach dem Tode sei, nicht vollgülng im Sinne eines “christlichen” Glaubenssatzes oder einer Gewißheit beantworten. Diese Feststellung umreiBi den Stand der dichterischen Erkenntnis und Verkündigung in Jahnns Werken bis zum Jahre 1920/21. Insofern ist das Werk Jahnns schon in seinen Anfängen AA Munchen (Teil Il in LWU VII, 4) Rüdiger Wagner

Página 8

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
Pause sagt zus Venus. "Die Hand ot dis gebannt. Auf edle Vorbilder berutst du dich, auf cinen Giorgione oder wie er heiße, und auf die Sitte und Zucht” Dramen 1,5 Anmerkungen 734 Vgl Erich Trunz n Goethes Werke, Bd. 3 (Hamburg, 1960), S. 524. (Hamburger Gue- Hans Richters "Kurzer Bericht uber Ugano Mitghedersusammenkuntt ant 25.1.1933, Hurschpark, Blankenese”. ( Unverottentichtes Manuskript im Nachlaß n the-Ausgabe) der SUB Hamburg) Eine Schreibmaschinensette mit J abgezeichnet (Stuttgart, 91955), S. 86 Rudiger Wagner, "Der Orgelreformer Hans Henny Jahon”, Veroffeatichungen der Walcker-Stiftung fur orgelwissenschaftliche Forschung, H A (Stuttgart, 1970), Kudiger Wagner, "Versuch über den geistesgeschichtlichen und weltanschaulichen Hintergrund des Werke Hans Henny Jahnns”, Dear + Artik 2/3 (1970), 56-09. Rudiger Wagner, “Hans Henny Jahnns Roman ‘Hub ohne Uler - Summa Harmomnus. Fuhrer durch Goethes Faustdichtunk Auf die plulsophische und harmomkale Spekulation uber das Eine hier naher cinzugehen, würde zu weit führen. Ober die harmomkale Seite dieses Aspektes informiert Hans Kayser, Lehrbuch der Harmomk, $$ 25, 50, 55. Vgl. thins Kayser, Lehrbuch der Harmonk, $ 30 und Hans Kayser, Vom Klang der Gesamtausgabe: Hans Henny Jahon, Dramen, Bd. 1 u. 2, Erankturta M, 1964 u Welt (Zunch u, Leipzig. 1937), 8. 166 1. und 174, 30 Hans Kuyser, Vom Alang der Welt, S. 174. Vel Oskar Loerke, “Hans Henny Jahnn”, Die Welibuhne 25 (1921), 680 Neudruck: Reden und kleinere Aufsatze von Oskar Loerke (Wiesbaden, 1956),5. 7 1 31 Gottheb Harms, “Hans Henny Jahnn, Pastor Ephraim Magnus”, 5. 44, 32 Hans Kayser, Lehrbuch der Harmonik, S. 245. Auf die Lehre von der Harmonik, wie ste Hans Kayser neu konstituierte und wie sic heute als Universitàtstach von Rudolf Julius Bab, "Unterwelt, Die Welibuhne 24 (1921), 650 und 653 Julius Bab, “Hans Henny Jahan”, Die Wehbuhne Haase an der Universitat Wien vertreten wird, können wir in diesem Zusammenhang 24 (1921), 653. Juhus Bab, “Hans Henny Jahnn”, S. 653 nicht eingehen. Wir verweisen aul die Bibhographic von Rudolf Haase, Kaysers Julius Bab, “Hans Henny Jabnn", S. 653 Harmomk in der Literatur der Jahre 1950-1964, Dusseldort, 1967 und Rudolf Haase, Julius Bab, “Hans Henny Jahnn", S. 653 Geschichte des harmonikalen Pythagoreismus, Wien, 1969. Zugn Hans Henny Jahan, “Oskar Loerke bereitete mir den Weg’, deve il Buchwald, Vel. Anstoteles, Metaphysik 1, 5 und auch: Hans Kayser, Lehrbuch der Harmonik 1905. e Reinhard (Zunch, 1950), S 243 1. nica”, Antatos 11 (1969), 66-84 ta Und: à Problemkreis: Jahan und die Harmonik vgl. die Verottentlichungen von Rudiger Wagner, Anm. |. Arik 241 Auflage, 0,J,), 2. 43 Hans Kayser, Lehrbuch der Harmonik, S. 245. Hier liegt zwar cin Widerspruch vor: Im Glaubensbekenntnis sprechen die Christen 14 Adolt Zeising, "Das Pentagramm”, Deutsche Vierteljahresschrift 1 (1868), 173 fl. von der Auferstehung des Hleisches. Eine breite theologische Exegese und eme weite 35 Hans Henny Jahnn, "Einige Elementarsatze der monumentalen Baukunst", Aleıne M Hans Henny Salina, " Autgabe des Dichters in dieser Zeit. Vortrag zur Goetheteier Veroffentichungen der Glaubensgemeinde Ugrino, H. 2, Klecken, 1921, Vulgartrommigkeit hielten und halten den Korper für verweslich, die Scele jedoch lus unsterblich Gotlieb Harms, “Hans Henny Jahon Pastor Epliaim Magnus”, in der Hamburger Bühne (1932), in: Hans Henny Jahnn, Ober den Anlaß (Frank- Gottlieb Harms u. F Jürgensen (Hag.), Aleine Veroffenilichungen der Glaubensgemeinde lur/M , 1964), 5. 107 Ugrine AN i? Hans Henny Jahon, “Autgabe des Dichters in dieser Zen”, S. 106. selbst oder überarbeitete einen Artikel seines breandes Harms stark IK Hans Henny Juhon, "Aufgabe des Dichters in dieser Zeit”, $. 106. Hans Henny Jahnn, "Pastor Ephraim Magnus”, wieder abgedruckt in. Hans Henuy 14) Huns Henny Juhnn, "Aufgabe des Dichters in dieser Zeit, 5, 98, Jahnn, Dramen 1, (ErankturvM., 1963), 5. 96. 40 Hans Henny Jahnn, "Hans Heinrich. Tragodie", Dramen 1, S. 217 tf (Klecken, 1922), S. 11. Mit aller Wahrscheinhehkett schrieb Jahon diesen Autsaty 13 Gottlieb Harms, “Hans Henny Jahon. dl Pastor Ephraun Magnus”, S. 45 14 Gottheb Hanns, "Hans Heavy Jabon. Pastor Ephraim Magnus” ,S. 451 Im Huß ohne Ufer wird dieser Gedanke der Munutizierung und Statuenbildung erneut durchge spielt. Die Akzente sind etwas verschoben, das Ziel jedoch, die Form des horpers zu bewähren, ist das gleiche. Vgl. Hans Henny Jahon, Die Niederschrift des Gustav Anus Horn, Bd. 1, (Frankiurt/M., 1955), 5. 493 15 Gottlieb Harms, “Hans Henny Jahon. Pastor Ephraim Magnus”, S. 46 16 Hamburg, 1921. 17 Hans Henny Jahnn, Die Aronung Richards UL (Hamburg, 1921), 8. 2641 Neudruck in Deutsches Theater des Expressionismus (Munchen, & 33,5. 423 Hans Henny Jahnn, Die Kronung Richards UL S 265 Newdruck, 5. 424 Hans Henny Jahnn, "Pastor Ephraim Magnus”, S. 210 20 Hans Henny Jahnn, “Pastor Ephramm Magnus”, S 213 Aritiyche Gesamtausgabe des Dramen 1, S. 725 tt. Geschrieben wohl vor dem 23.8.1917 Frstdruck. C. [1925] 177 Einstein u als "gegenseitige Erhellung” zu würdigen seien, "sondern als Ausdruck smittel, sofern die subjektive Erregung des Dichters und dic seiner Figur sich tretfen, von der Anrulung im dargelegten Sinne bis zur Untermalung”. Gerhard Schmidt-Henkel, Mythos und Dichtung, (Bad Homburg y. d. MH. u. Berlin u. Zurich, 1967), S. 224, Wenn man die Erkenntnis Jahnns, daß durch die Musik großer Meister (Jahon hat fast immer Scheidt, Lübeck, Buxtehude, J. S. Bach u. a. im Blick) die "Schöpfungsgesange”. die “Harmome der Welten” am unmittelbarsten ausgedrückt werden, außer acht lat, kann die Interpretation um Wesentlichen vorbeigehen. Gunther Ramin, “Das Pastorale in F-Dur” findet sich als Notenbeispiel im Anhang des Berichtes uber die drute Tagung für deutsche Orgelkunst in Freiberg in Sa. richt veröffentlichte Jahnn auch semen Aufsatz "Monographie der Rohrflöte”. 43 Es handelt sich wahrscheinlich um die erste Erwähnung dieses Kirchenliedes in Hauhutienbuchs, Wien, 1935, Rudiger Wagner, Antaos 11 (1969), 66-84 In: ‚und nun bin ich erweckt zu besserem Erkennen. . .”, Dramen 1, S. 265. Schmidt Henkel meint zu dieser Stelle, daß die Musikcinschube in die Dramen nicht vom 2. bis 7.10.1927 hg, von Christhard Mahrenholz, Kassel, 1928. In diesem Be- Hans Henny Jahnn, “Der Tod. Zweites Mysterium”, Dramen 1,5 723 Vel HR Hahnloser (Hg), Villard de Honnecourt ebw Jahon gebraucht diesen pietistisch-evangelischen Terminus. Hans Heinrich sagt: Jahnns Werken, das Jahnn, wie die Komposition in Hans Henny Jahnns Perrudja Vgl. Anm. S. 762. P. Westheim (Hygg.), Europa Almanach, Potsdam, oJ (Frank fur /M., 1958), S. $99, zeigt, in der Fassung von Samuel Scheidt kannte. Die Anfangsworte dieses Kuchenbedes durchziehen den Perrudja als Nebenicitmotiv. Vgl. Rüdiger Wagner, Hans Henny Jahnns Roman Perrudja — Sprache und Sul,

Página 9

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
Munchen, Phil, Diss., 1905, 44 Vgl. Hans Henny Jahon, “Spátgotische Umkehr”, Der Ares 4 (1927), 305 14, 45 Vgl. Hans Henny Jahnn, “Spatgotische Umkehr, S. 305 ff, 46 In: Kleine Veröffentlichungen der Glaubensgememde Ugrino, 14,3, 1921, Vermutlich um 1920 entstanden. Neudruck: Dramen 1,8. 671 tl. 47 Ugrino ist Juhons "literarische" Utopie, die er nach 1920 in der Heide bei Harburg in die Tat umsetzen wollte, Es bestehen Bauplüne tur Basiliken, Grabstatten, Kunst ZUR DISKUSSION Tendenzen und Charakteristika der amerikanischen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg lerwohnungen 48 Jahon meint wohl den romanischen Dom von Benevent in Campamen, der 1941 durch Bomben zerstort wurde! Die folgenden Ausführungen verstehen sich als gedrangici u dh vielen Punkten generalisiérender Überblick. Mit seinem synoptischei Anspruch zielt der vorliegende Beitrag ganz bewußt darauf ab, lediglich die entscheidenden Veränderungen und großen Entwicklungslinien herauszustellen. Zu diesem Zweck abstrahiert er von einer Vielzahl an Erkenntnissen, die im Lauf: langjähriger und eingehender Beschäftigung mit der modernen amerikanischen Literatur gewonnen wurden. Bei einem derartigen Abstraktionsgrad muß natürlich hingenommen werden, daß sich wohl zahreiche konkrete Beispiele anführen lassen, die nur schwerlich oder garnicht in das entworfene Gesamtbild eingeordnet werden können. So vie die Berechtigung dieser Gegenbeispiele unbestritten bleiben soll, se vermögen diese dennoch nicht, die Gültigkeit der verallgemeinernden Aussage in Frage zu stellen. Literatur ist cin viel zu differenziertes uid auch lebendiges Ausdrucksmedium des Menschen, als daß sie in Kitegorien zu pressen wäre, unter die sich sümtliche literarischen Zeugnisse subsumieren ließen. Zudem liegt dem hier gebotenen Überblick ene bestimmte methodische Absicht zugrunde: Er will cin Bezugssytem für die detaillierte Literaturanalyse geben, so daß die Einordnun einer punktuellen Erkenntnis in einen übergreifenden Verständnisäsammenhang möglich wild. Umgekehrt liefert die literarische Detaibetrachtung jene Voraussetzungen, ohne die kein Überblick gewonnenwerden kann, Wenn die Littraturdidaktik es als eine ihrer wesentlichen Aufgaben ansicht, aus der fülle des Materials paradigmatische Beispele auszuwählen, so mochty dieser Beitrag versuchen, ein Gitternetziur die Auswahl zur Verfüguig zu stellen. In diesem Sinne bilden der hilt aufgezeigte Überblick unddie im Beiheft enthaltene Untersuchung Randall Jarrell, "The Death of the Ball Turret Gunner' "* eine wecheseitige Ergänzung. * Paul G. Buchloh, "Rundall Jarrett, he Death of the Ball Turret Guns ba in: Hans Hunteld/Gottfried Schröder (Hgg.)Aspekte und Aufgaben der Literardidaktk in Hochschule und Schule (Kiel, me S. 41-56. (IPTS-Schriften Nr.5 / Beiheft zur LWU VI, 3) |

Página 10

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
24 Vel dazu bus Wolckens Nachwent zur deutschen Ausgabe Jahrmarkt der Hlervorbhebung von ati aati Pitelhet (Hamburg, 1997), 8 499 A «all he 25 Aldous Huxley hat in diesem Zusammenhang daran! wutmerksam gemacht, iger set nachhalt viel ausgehe, en Gescheh n Katharsıs, die von einem solchen "ganze als die, welche von "chemisch reiner” Dichtung ausgche. (Aldous Huxley, Tragedy >. st ) and the Whole Truth’, in: The Collected Works, Bd. 43 |London, 1957]. / New York, rept 1964). SA mt 26 Vgl John Bunyan, The Pilgrim's Progress (London recht deutticherkennen( “Pen and Pencil 27 Das last der ursprüngliche Arberpstitel noch Sketches al English Society”), der cine ahnliche Anlage signalisieri wie Thackertys The Book of Snobs 28 Erwin Laaths (Hg), Hemnch von Alesi Samiliche Werke, Bd, 2 (Munchen, 0.4), Archaische, pythagoreische und harmonikale Grundzüge in den Jugenddramen Hans Henny Jahnns 5. 825-NJ1 29 Vanity Fatr 4, Sov. Vel dazu HA. Talon, Iwo Essays on Uhackeray (Dijon, o D). S: 76 (Teil 11) MI Erwan Latas, Alert Sumiliche Werke, Bd 2,5 8301 Vi Dieses Kupitel vertolgt lechglich einen, allerdings wichtigen Aspekt der Gesami struktur und versucht, ibn ın seiner cewhenhatten Bedeutung zu erlassen 5. Die Kronung Richards HE — Die Tragödie des Bösen Y Vel Kathleen Tillotson, Novel, 5. 2401, und Britz Wolcken, "Nachwort. 5,402 DI bate Wolcken, "Nachwort, S 492 4 Dual) dieses Muster wesentliche Flemente der Krzahlkunst Thackerays wie 2 13. Raul ung oder Aussetzung einzelner notwendiger Liklarungen nubes acht lassen mul und Kehren wir mit der Untersuchung der Tragôdie, die zwischen 1916 und 1920 entstanden ist, aber erst ur zur Demonstration eines wichtipen Aspekts chenen kann, braucht nicht eigens betont zu werden Auch die parodisusche Verwendung solcher Muster ber Sterne Ausgangspunkt 1921 veröffentlicht wurde, zum unseres ersten Dramenkreises zurück, zum Pastor sollte nicht übschrecken. (Vgl. z.B. Laurence Sterne, Privtram Shandy |London, Ephraim Magnus. Die Spannung zwischen Leben und Tod, Kunst und 19651, 5. Leben, Schönheit und 347) HaBlichkeit, Auserwähltheit und Verworfensein, Qual und Freude bricht in diesem Drama ebenso unmittelbar auf wie in Jahnns erstem veröffentlichten Werk. Dem christlichen Glaubenssatz der Erlösung — und damit schließen wir eng an die letzten Ausführungen zum "Prolog" an, um sie relativierend ın ihrer ganzen Problematik aufzuzeigen — stellt Jahnn mit Harms in der Interpretation des Pastor Ephraim Magnus die Gewißheit der jungen Herzöge aus Richard III, gegenüber: die Gewißheit, daB im Symbol der Kunst und in der Liebe das Grauen vor dem Tod überwunden werde. Alle Knaben dieser Tragödie, die beiden Herzöge und der junge Euryalus, haben in ihrer Reinheit, in der Schönheit ihrer Gestalt, ähnlich den Marmorstatuen Michelangelos, am Göttlichen teil. Mit Recht nennt Harms-derartige Setzungen cine "absolute Ästhetik". Elisabeth sicht in der Schönheit des Knaben Euryalus, den sie begehrt, einen Abglanz ewiger Rhythmen: "Wie herrlich dumpf und dunkel muß es in dir sem, wo Blut den Umkreis halt mit warmen Schlägen, die den Rhythmus von den Sternen nahmen’, Richard hingegen weiß sich als gnadenlos Häßlicher verdammt, erkennt sich als "Schauplatz von Hand- 209 _+— bestimmt ist. Der König ist verdammt, im Ablauf der Geschicke den lungen”, als ein Werkzeug ohne Sinn, als Verworfener, der zum Bösen

Página 11

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
weiß, daß auch sein Jahnnscher Ideen ist: "An der Degeneration, dem Willen zur Zivilisa- Schicksal in all seinen Abliuten in bestimmten Gesetzmüßipkeiten ton, die im Gegensatz zur Kunst und zum Magischen auf jeder Stufe verankert ist. "Die Sterne wissen es, die Sterne! unvollkommen sein muß, scheitert die Schönheit dieser Welt!’ (310)*. negativen, verbrecherischen Part zu spielen, er Oh hatt ich me, niemals Auf diese das himmlische Gewölbe glanzen sehn!” (285)' Richard, die Manonettenfigur, der Verworfene, erkennt in der letz- Bemerkung Menkes entgegnet Müller: "Die Degeneration ist ein Faktor, den wir zu berücksichtigen haben. Wir setzen ihm ten Szene, daß er nicht in jener Gewißheit der beiden jungen Herzöge den Willen zur Regeneration entgegen; die Wissenschaft bemüht sich, aufgehoben ist, Fur ihn gibt es nicht die Sicherheit in der Kunst, in der die trefflichsten Methoden zur Hilfe auf diesem Wege auszuarbeiten””. Form, das Grauen des Todes zu überwinden. Den Orgelbauer Richard Hierauf entgegnet Menke, womit er seine Grundhaltung klar aus- Heussler aus Deutschland muß Richard wegschicken, denn dieser ist spricht. “Und diese Iundamentale Lüge glauben Sie?” Menke bezicht, Trager und Verkunder einer geordneten Schöpfun die die Gegensätze g, wie auch Jahan, um darauf mit aller Deutlichkeit hinzuweisen, im fol. der Welt durch die Kunst auflést und die Gewißheit "einer absoluten genden Asthetik” vermittelt, aus der sich Richard ausgeschlossen fühlen muß. wendet sich vielmehr gegen eine rationalistische und, wie sich Jahnn Die Widerspruchhehken des Dramas und der Gestalt Richards IH. lost sich nicht aut, Denn welche Instanz verstieß Richard in seine Ver ausdrückt, haptitizierte Wissenschaft und Zivilisation. *Wahrlich, die wortenheit der Haßhchkeit, und welche Instanz teilte den jungen Her- Geistes; aber es ist die bose Lust des Schündens und Störens in ihr, die zogen das vergleichbar milde Los, in ihrem Tode eine verpestete Lult des gewissenlosen Europa. Pflanzen, Tiere, Menschen keine antiwissenschaftliche und antirationale Haltung. Er Wissenschaft wire gut, bliebe sie nur cine Angelegenheit des guten Gewißheit ewigen "Bestandes zu finden, zw? werden in ihrem Namen Verschnittene, Zerstückte, Mißhandelte Was fur tolle Barbaren sind wir!” Kurz unterbrochen, fahrt Menke fort: "Um cin unbegreilliches Nützlichkeitsprinzip aufrechtzuerhalten, un- 6. Der Arzt, sem Weib, sein Sohn terwirft man Mensch, Tier und Landschaft unter dem Himmel einem Die Abkehr von cinci Joch, das ohne Aussicht furchtbar ist’ (311). rationalistischen Welt Menke hat die Schoplung als eine Einheit erkannt, die der Mensch, in Klarer und breiter, trotz Widerspruchen und Gegensätzlichkeiten, dem Drama Der Arai, sein Weib ‚sein Sohn der Chirurg Menke, zerstört, entsteht in diesem Drama aus dem Jahre 1920/21 em Teil emer Welt, indem er den Tod aufzuhalten versucht, Auch Menke und seine Frau die in der “Utopie” Ugrino Wirklichkeit hätte werden sollen. Zwei haben sich gegen das Schöpfungsprinzip, daß das Geborenwerden auch Welten begegnen sich in diesem Drama und bedingen die dramatische den Tod impliziert, vergangen: Menke hat seine Frau bei der Geburt Spannung, den verzweitlungsvollen Ausgang: Die rationalistische, entgottlichte Zivilisation steht einer unterpegangenen, in einzelnen Werken der “Gemies” aber weiterlebenden und neuzubegrundenden Welt einer allesumtassenden Kultur pepenüber. Dis Hauptgeschehen des Dramas vollzieht sich in den Bergen, wo sich der Arzı Menke, weit abgeschieden vom platten Leben des Flachlandes, mut den Seinen verschanzt hat, Der räumlichen Absonderung entspricht die Loslosung von allen zivilisatorischen Erkenntnissen und traditonellen Banden. Die beiden Welten, die rationalistische und die Aren ihres Sohnes durch die Kunst der Chirurgie gerettet. Aus dieser Versundigung gegen das von Jahnn intendierte Schöpfungsprinzip entsteht der Konflikt, die “tragische” Situation. Da Jahnn in diesem Drama den Kontlikt aut der Basis eines dem heutigen Weltbild entgegengesetzien entstehen laßt, hat Jahnn sich vollig aus der Tradition des abendländischen Theaters gelöst, denn bis hin zum Jahre 1922 versuchte kein Dichter, ein völlig neues Weltbild, gleichsam die Negation des alten Weltbildes, als Kristallisationskern für einen "tragischen" unausweichlichen Konflikt zu etablieren. harmonikale bzw. pythagoreische (um diese beiden Termini Jahnns als Da wir Menschen des 20. Jahrhunderts uns der rational-kausalen Andeutung des ganzen Problemkreises zu gebrauchen), die Welt des Heilkunst befleißigen, Geburt uns kaum noch Zuwachs und der Tod llachlandes und die der Berge (um aut die symbolische Bedeutung kaum noch Ausfall an Leben bedeuten, gelten uns im Bereich der rahinzuweisen), begegnen sich in der Person des Chirurgen Dr. Muller und der des Professors fur Chirurgie Menke, der ott das Sprachrohr gleich, In eben dem Grad, in dem die Qualitätsunterschiede der Mentionalen Kausalität alle Ursachen und Wirkungen einander qualitativ

Página 12

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
schen verblassen, das heißt, in welchem sie sich dem vom autonomen absolut gesetzte Lichesaullassung ab, die zwangslaufig an der anders Geist erzeugten rationalen Weltbild anpassen, wird tor sic auch die ra tionale Medizin anwendbar und schwindet das Wissen um den kingoll pearteten öffentlichen Sittlichkeit scheitern muß. Zwei mögliche Lebensanschauungen begegnen sich, von denen die eme etabliert, dic des Überzeulichen ins Zeitliche. Der Mensch hat cme wesentliche Komponente seines Menschseins verloren. — Auf dieser Ebene det Erkenntnis scheint Menke angelangt zu sein, als er den Tod voll Sinn betrachtet, unser “Pluschwerk” der Medizin aber als vollen "1 Ins” ansieht. In einem hymnisch gesteigerten Ausbruch sicht Menke den Menschen, lebend oder tot, umlaßt von gewaltigen Stemquadern, betauscht von donnernden Orgeln und Posaunen, umspielt vom bunten licht als geborgenen Teil im großen Strom der Schöplung: © Ich bin, ich bin, mich umschlingt ein Geist, der Geist des Stems, der cin Gent Got tes ist, ohne Gelehrsamkeit, ohne Weisheit, ohne Trostung und doch voll Trost und Pein” (315). Die Konsequenz aus dem neuen antirationalen Weltbild wurde m diesem Drama am strengsten gezogen. ‚In der Schlußszene prallen die beiden gegensätzlichen Betrachtungswepen von Leben und Welt aufeinander. Als sich dem Vater Ulrichs. dem Staatsanwalt, der nicht nur die Staats- und Vatertigur schlechthin ist®, sondern vielmehr der Vertreter der rationalıstischen andere nur ın den absolut setzenden jungen Menschen gelebt und ın ihrer Tragik erduldet wird. Wir verfolgen, wie die Lichesverbindung dreier Menschen entsteht: otenDamtee Leonhards Freund ist Leander. Beide sind Halbbruder, wie sich im Verlauf der Tragodie herausstellt, wurden beide fast zur gleichen Zen geboren. Wendelin, beider Jünglinge Halbschwester, wird von Leonhard gehebt, der wiederum sem Ebenbild Leander mit Wendelin zusammenbringt, um durch seinen geliebten Freund mit Wendelin vereint zu sein. Das Streben, zu dieser Liebestrinitat und -einheit zu gelangen, wird zum Teil durch den Umstand verwirrt, daß Wendelin kaum die beiden Freunde unterscheiden Um die Liebe zwischen den Halbbrudern und der Halbschwester zu rechtfertigen, die nie ein Problem des Inzests ist, sondern, ähnlich wie im platonischen Mythos, die Ruckkehr zur Ungespaltenheit andeutet, zitiert Jahnn Sitten der Herrschergeschlechter in Afrika (465), in Ägypten und die Geschwisterche des Mausolos (499). Um die absolute Liebe, die den Tod überwindet, Welt, die für den Staatsanwalt unbegreilichen Ungeheuerhchkeiten der tragischen, doch mit burgerlichen Maßstäben nicht zu messenden reinen Liebe eröffnen, beschuldigt er Menke der Anormalitat, Menke bekennt: "Ihr Sohn hat meinen Sohn geliebt, mein Sohn hat mein Weib gelebt, die eigene Mutter und dazu den Knaben. Ich habe Weib und kann. zu verherrlichen, beruten sich die Liebenden auf Hero und Leander, auf Engidu, den Freund Gilgameschs (474).* Die Verbindung der Liebenden wird durch Urbilder und Vorbilder gegen Angriffe des modernen Sıttenverlassung abgesichert und gleichzeitig in ıhrer Ungewohnlichken aus dem Alltäglichen ins "Ewige", Gottergleiche gchoben. “Sie sind beide makellos wie aus dem verschollenen Paradies. Sohn und Freund geliebt. Und Vater, Sohn und Freund vereinten sıch ın burchten Sie sich nicht. Bruder und Schwester sind nicht durch Gott einem Weib” (430). Daß hinter diesen, tur bürgerliche Ohren unvoneinander getrennt.” (482 1.) Und: “Die alten Götter erstanden an glaublichen Verirrungen das Ringen um die Existenz des Menschen, um die Unbegreitlichkeit der Gespaltenheit steht, kann der Staatsanwalt, der Liebe zwischen Bruder und Schwester ... Die frühen Menschen wußten es noch und hatten deshalb ein besseres Gesetz" (499). Als es der Bürger der rationalistischen Welt nicht verstehen. oflenbar wird, daß Wendelin von ıhrem Halbbruder Leander schwanger geworden ist, wird der Konflikt der beiden Welten, die des Vaters und der otfentliehen Moral und die der Kinder zum tödlichen Ausgang 7. Der gestohlene Gott — Die Frage nach der Identital vorangetrieben. Leonhard weil, daß in der modernen Welt die “Norm Agyptens” (533) nicht mehr gilt. Leander und Wendelin finden im 1924 wurde die Tragödie verofienthcht.” Sie vereint in sich ver schiedene zeitgenössische Motivzuge: Die Exposition erinnert an das Heimkehrerdrama’. Expressionistisches Aufbegehren klingt im Kamp! der Kinder gegen die Eltern und die Obrigkeit an. Dom, Orgel und Gruft beschützen die Todeshochzeit der Halbgeschwister im steinernen Sarg. Hinter dieser Motivkompilation spielt sich das Ringen um cine 213 BedEiS+tEn Steinsarg Ruhe vor der Welt, die ihrer Norm nachstellt. Diese geschwisterliche Hochzeit im Steinsarg mit all ihren Begleiterscheinungen kann man — im Theater angedeutet — als monströs bezeichnen, als wiedererweckte mythische Hochzeit gehorcht die Szene jedoch anderen Gesetzen. lotenkummer, Brautgemach, Geburtsraum und Grab scheinen, u. a.

Página 13

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
auch nach Schwabe”, cinen gemeinsamen mytluschen Nenner zu haben. Sicht man diesen — ner nur angedeuteten 8, Medea - Vollendung und Abschluß der Jugenddramen Hintergrund —, so rechttertipt er noch nicht das gesamte Werk, macht aber einen Angelpunkt des ge- Die Tragödie Medea, die 1925 aut Grund einer nicht erhaltenen ersamten Schaffens Jahnns verständlich. Der Steinsarg und die geschwisten Prosalassung in Versen geschrieben und 1926 veröffentlicht wursterliche Hochzeit sind nur augenschembche Absurditat, nicht aber de, gilt mit Recht als das dramatische Meisterwerk des jungen Hans Ausdruck einer wie auch immer gearteten Perversion, sondern Aufruf Henny Jahan. Die Tragödie stellt einen Abschluß der Jugenddramen uralter Mythen. Die archetypische Anschauung des Gesamtkomplexes char. und seine Ausdeutung als Wunschvorstellung der Ruckkehr ın den /wecı Meisterwerke stechen am Anfang und Ende der Kette der Uterus sind nicht zwangsläufig psychoanalytisch zu interpretieren. Der Dramen: der mit allen Konventionen brechende Pastor Ephraim Mag- Sarg, insbesondere das Steingrab, im ganzen Werk Jahnns vom Pastor nus, Funke zum Skandalon Jahnn, und die sich in die lange Rethe eu- Ephraun Magnus bis hin zur Nacht aus Bler, symbolisiert zum cinen die ropiuscher Medea-Dramen (Von Euripides, Seneca, Corneille, Fned- Ruckkebr in den bewahrenden, umschließenden, schutzenden Uterus rich Maximilian Klinger, Framery-Cherubini bis Grillparzer und nach (mundi), vergleichbar den Mythen der Agypter von Osiris bis hin zum Jahon: Robinson Jetfers, Anouilh, Mattias Braun) einfügende Medea Totenkult auf dem Elysius Campus (Aliscamps) in Arles, zum anderen gewährleistet das teste Grab (wie im Fluß ohne Ufer) das Ausscheiden des Menschen für eine gemessene Zeit aus dem Kreislauf der Schoplung. Jahnns, die den Anspruch erhebt, dem “Ursagenkomplex der Medea" näher gekommen zu sein als Euripides.'" Jahon müßte demzufolge, wenn sein Anspruch Berechtigung hat, über Euripides hinausgegangen sem, der, wie Karl Kerenyi feststellt, schon den unverstandenen my- Leonhard bleibt nach der hochzenlichen Bestattung als Grabwächter, der in den Steinsarg einen seiner Hoden legt, um die Liebes Pras in thologischen Hintergrund entmythologisiert hat! Aul einem vor- und außergriechischen Aphrodite-, Hera-, Mond-, und außerhalb der Zeit bestehen zu lassen, fur kurze Zeit ın der Welt. Sonnenkult “Ich habe meme Lust mit euch geteilt, zerschmitten mem Ich ın zwei Halften." (537) Diese rituelle Handlung wird so ernst genommen, Sohne: Sichen Knaben und sieben Madchen verbrachten cin Jahr om daß die Leonhard sie sich als Kinder Medeas und Jasons vor. Unsterblichkeit sollte ihnen schwort: “Ich schwore denn bei seinem Leib, ber meinem Leib, bei verliehen sein. Vierzehn Tage und Nächte lang wachst das Mondlicht Identitat der beiden Halbbruder verschwimmt. beruht im Umkreis des Medea-Mythos das Motiv der Heratempel zu Korinth in kuluschem Dienst, und die Korinther stellten meinem Los, bei seinem Los, bei seiner Geliebten, bei meiner Gieliebam Himmel. Ebenso lange nimmt es ab. Wenn die mythischen Wesen, ten, bei seinem Leichnam, bei meinem Leichnam, bei seiner Lust, bes deren kultische Stellvertreter die korinthischen Kinder waren, eben meiner Lust: Leander starb und Wendelin” (543). Im letzten Teil der diese Tage und Nachte meinten, war das Unmogliche möglich: Die Un- Handlung ist dann für die Umwelt der Personentausch vollzogen, Lesterblichen wurden nachher die Sterbenden. ander ist zu Leonhard geworden. Ebenso eng mit dieser Handlung, die das Werden und Vergehen dar- Ottensichtlich sind die Ähnlichkeit mit dem archaischen Mythos dei stellt, ist jene Handlung Medeens verbunden, die durch die Zerstük- Dioskuren und die Verwandischalt mit dem indogermanischen Sagenkung eines Menschen und Tieres und dem anschließenden Kochen mit kreis der Zwillingsbrüderschaft, in dem oft eine weibliche Gestalt (Hlezauberkräftigen Kräutern die Wiederbelebung des Hingeschlachteten lena) dem Bruderpaar zugesellt ist. erreicht. Es tst oftensichtlich, daß diese Vorstellung von Tod und Auferstehung der heraklitischen Anschauung entspricht, daß die Sonne Diese Berubrungspunkte können nun als bewußte Anlehnung an die jeden Abend sterbend im Meer versinkt, um am anderen Morgen neuindogermanische (bzw. griechische) Mythologie interpretiert werden. erstanden aufzugehen. Aus der engen Verquick ung mit der Darstellung Die Erkenntnis, eine Konstellation geschaffen zu haben, die verschiedenen mythologischen Systemen zugrunde hegt, macht die Halbgeschwister göttergleich, denn im Inzest vollziehen sie einen Schöpfungsakt nach, in dem die Götter alles Leben geschaffen haben." 215 des Gestirnkultes, der Analogie von Sterben und Auferstehen, wird die Gestalt der Medea schon vor der Zeit von Euripides gelöst. Das Wissen um die Zusammenhänge ging verloren, die kultischen Handlungen wurden nicht mehr verstanden; Medea erwuchs zu der widerspruchs216

Página 14

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
derum ist seinen Sohnen in homoerotischer Neigung verbunden; die vollen Gestalt von Mutter (in der man den Archetypus der Gioben Mutter, der Fruchtbaren Mutter sehen kann) und der Mordern threr beiden Sohne endlich überschreiten in ihren Beziehungen das gewohnte cigenen Kinder! Diese Andeutungen mögen genugen, um aul den Mali bruderlicher Zuneigung. Nun ist, worüber die Zusammenstellung mzestióser und homoerotischer Handlungen hinwegtäuschen könnte, Kern des Medea Mythologems hinzuweisen. Jahon geht nur in wenigen Bezichungen — wie mir scheint der Inzest nicht Selbstzweck, sondern hat, wie wir schon besonders aul einen deutlich beim Gestohlenen Got gesehen haben, Verweisungscharakter. voreuripideischen Kern zuruck. Inwieweit wir es mit bewußter Gestaltung oder má dem Auftsuchen archetypischer Vorstellungen im Schalfensproze zu tun haben, mag húr cine spezielle psychoanalytische oder telenpsychologische Untersuchung von Interesse sein; die Grundtatsache eines gestalteten Werks wird dadurch nicht geklärt. Wir zeigen ber nur einige Tatsachen aul, setzen einige Akzente, die den Gesamtkomplex des Werkes von Hans —-n— Jahon west in seinem Mede Aufsatz ausdrücklich darauf hin, daß der Inzest, insbesondere der Geschwisterinzest eme, wenn auch nur hypothetische Möglichkeit der Überwindung des Todes in sich birgt. — Gott und Gottn waren Zwillngskinder, dic schon im Mutterschoße mitem ander zeugten Der Gott erhtt das grausame Schicksal, getötet und zerstuckelt Henny Jabon in der Gesamtschau etwas erhellen mögen und die zuzu werden - der uberbetonte Untergang seines Daseins, und dennoch erstand gleich zu neuen Fragen führen können. Von zentraler Bedeutung im Medea-Drama Jahnns ist die Fatsache, er wieder, west ihm in seinen Nachkommen — em beinahe ralfiniert erdachtes Symbol tur hochste, darum gottlich gedachte Inzucht - cin Rächer geboren wurde Kaum cin Zweitel: in dieser blutigen Erzählung verbirgt sich eme wisdaß Jason durch die Zauberei Medeens in jungendhcher Blute steht, sernsehaltliche Parabel, die daß es nur cinen Weg gibt, die Existenz eines oder "während se selbst dem Gesetz des Alterns unterworfen ist. Jasons Liebe hat sich von Medea abgewendet, wahrend diese nach ihrem Mann burtals / willingskinder unterschredhichen Geschlechts und ihr Fortzeugen zum verlangt. Medea wirtt in ihrer Anklage Jason vor: "Seit dreimal funi Zwecke, daß ihre Nachkommen Zwillingsgeschwister zweierlei Geschlecht, Tagen hast du verlangt nicht, / gerufen mit cigener Stimme nicht, / und wie sie selbst durch den Mund eines Sklaven nicht” (588). Es ist im deutschen Familien, die Kaiser der Inkas, nahezu alle fruben Herrscherdynastien glaubavert Lebewesen hier aul biden bis in alle Hwigkeit zu garantieren: thre Getensovicl Sprachgebrauch nicht ublich, einen Zeitraum von ungefähr zwei Wochen in "dreimal funi Geschwisterche, "zweimal sieben Tage”, "vierzehn Tage” oder "zwei Wochen” sagen. Die vornehmen agypuschen Gotthiches mich zu bergen, daß sic diese jenscitige Potenz nicht er: stosen oder versamden lassen wollten. Tage autzuschiusseln. Man wurde entweder Daß bei der freien Gestaltung der Verse auch nicht der Die Annahme ist cin Gleichnis Sie schufen deshalb die Institution det Die tortdauernde Existenz eines bestimmten menschlichen Wesensinhältes wurde dadurch nicht herbeigeführt. '* Zwang des Metrums den Sinn bestimmt haben könnte, ist ottensichtlich. Jahon muß also diese außergewöhnliche Zeitangabe ganz bewußt in ıhrer zahlen- Nach diesem gleichnishäften Beispiel wurde sich das geschwisterliche symbolischen Bedeutung gesetzt haben. Wie wir schon gezeigt haben, Paar immer wieder selbst reproduzieren, um Unsterblichkeit zu erlanwußte Jahon von der zahlensymbolischen Bedeutung der Zahl Funt, gen. Wenn gleichzeitig, wie die Psychoanalytiker glauben, der Inzest die die der babylonischen Venus-Ischtar zugeordnet ist und allgemein als Ruckkehr in den Uterus symbolisiert, so stehen alle diese mythischen Geschlechissymbol gilt. Medea tedt zahlensymbohsch jenen Zeitraum Vananten und Auslegungen fur das Grundproblem, das Grauen vor der Liebesverweigerung in dreimal lint Tage cin, ihr Verlangen deutdem Tod und den Tod zu überwinden. In den Mythen um Osiris hängt lich hervorkehrend. In diesem Beispiel ist Jahan dem Ursagenkomplex dieses Motiv der Regression in den Uterus eng mit der Vorstellung der nahe gekommen, indem er namlıch Medea die peheiligte Zahl der Ve- Wiedergeburt zusammen, denn Osiris entsteigt, wie die Sonne am nus bewesellte, mat der jain voreuripideischer Tradition die Gestalt der Morgen dem Meer, wiedergeboren "Durch die Öffnung, deren Name iti auch in der Medea, wenn auch nicht so pondiert dieses Motiv, den Leib in den geschwisterlichen Kindern zu beherrschend, der Inzest in der viellältigsten Konstellation aul: Medea bewähren, mit dem schon im Pastor Ephraim Magnus aufgeklungenen verpont ist" (Plutarch) dem Tod bzw. der Unterwelt. Mithin korres- Medea einige Beruhrungspunkte hatte. Wie im Gestohlenen Got hebt nicht nur ihren Bruder, sie ist auch brea Söhnen mehr als nur mit mutterlicher Liebe herkömmlicher Vorstellung zugetan, Jason wie217 memeke Motiv, im Stein die Kontur des Leibes zu erhalten, um jenseits der personalen Identität in einem Teil der Person der Vernichtung zu trotzen.

Página 15

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
Y Die Schuler - Die pythagoreisthe Oberheteruny in des Ausemandersetzung mit dem Christentum Nach der Medea entstand vermutlich Ende 1925 das Fragment Die Schüler, eine historische Tragödie, in der Jahan von Rostock, der um 1400 das sudliche Querschulf der Manenkirche zu Danzig mit semer kuhnen Gewolbekonstruktion errichtete, in die CGcheimwissenschatt eingeweiht wird Diesen Jahnn von Rostock betrachtete Hans Henny Jahon als seinen ältesten bekannten Vorfahren. Die autobiogiaphi: schen Bezuge dieses Fragments gehen uber die Namensulentiet linus Das Fragment stellt nıcht nur unter dem Aspekt des Biographischen cm Bindeglied zum Perrudja dar; es klingen auch schon Motive an, die 1m Perrudja breiter ausgefúbrt werden. Jahon von Rostock erzahh Franz von Jever, daß er mit Pierdemilch aulgezogen worden sei und bei Tanten aul einem Gut seine Kındheit verbracht hätte Perrudjas Kindhen verlautt ın ähnlicher Weise. - Im - Perrudja wird die Kindheit des “Helden” durch das erste enttauschende Erlebnis abgeschlossen, in dem sich der junge Perrudja in grenzenloser Liebesberestschalt an cuca anderen Menschen, den Schlachterburschen Haakon wendet. In semen Gesprachen mt Walter Muschg berichtet Jahnn ausführlicher von seiner "Mitleidshiebe” und semen bat lebnissen im mecklenburgischen Butzow mit cinem verwandten, luni zehnjährigen Schlächterssohn. (Gespräche, 5. 43)" Im Zusammenhang mit der Überwindung des Christentums und dem Durchbruch der Wahrheit, die die “blutige und turchtbare € peschichteTM des Christentums hatte überwinden können (Gesprache, 5 27 ),erzahlt Jahnn von seiner Annahme, daß "viele seiner Vortahren, leider nicht alle, Bauhutten angehörten” (Gesprache, 5. 27). “Ach habe aus der Familienbibliothek einen Frühdruck in Klemlormat fur mich gerettet, er behandelt die Symbolik der chinesischen Schritt. ich habe auch cinen Siegelring gerettet, auf dem Symbole cingegraben sind, die miemand versteht (einen Knochen, ein umgekehrtes Bund em Drache). Ahnliche Zeichen findet man auf Giorgiones Bildern, Memlıngs großes Altarbild in der Danziger Marienkirche wımmelt von ihnen. Die heispiellose Danziger Gewölbekonstruktion des Jahnn von Rastack gehort hierher, noch vieles andere, der ganze Humanısmus. Dann kam die hatastrophe: Luther! Er grift die Kirche selber an, und dadurch gewann sie cinen Ruckhalt, den sie bereits verloren hatte”. (Gesprache, S. 271.) Im Fragment der historischen Tragodie Die Schuler wird nicht nur in Ansätzen von den Bauhuttengeheimmssen des ausgehenden Mattehal 219 ters gehandelt, es wird gleichzeitig durch die Namensparallele und die Annahme Hans Henny Jahnns, in dem Initianden Jahan von Rostock, der gleichsam mit der Plerdemilch das ursprüngliche Heidentum eıngesogen und cine intuitive Abneigung zum kirchlichen Christentum gefaßt hat, aut die biographische Parallele verwiesen: Hans Henny Jahon hat, um mu Jahnns eigenen Worten zu sprechen, schon durch seine Konstitution cine gewisse Pradisposition für pythagoreische Gedunkengange geerbt, er wird dann durch die Familientradition mit altem Pamilienerbe vertraut, das bis in die Geheimnisse mittelalterliche Baubutten zu reichen scheint. bapene Forschungen und Beobuchtungen (Vermessungen von Grundrissen mittelälterlicher Dome, Symbole aut Bildern [Memling]) weisen ihn auf den Weg seiner angenommenen Familientradition. Jahnn sieht sich als Fortführer und Bewahrer der Bauhüttengeheimnisse. Die Tragodie Die Schüler, der fragmentarische Abschluß der Dramenkette aus Jahnns Jugend, ist gleichsam die Schaltstelle in Jahnns diehterischem Werk. Unuberhorbar und noch deutlicher als in den Irühen Dramen wird aut pythagoreische Überlegungen hingewiesen. Später wird die Beziehung zur Harmonik im dichterischen Werk immer deutlicher hervortreten, um im Roman Fluß ohne Ufer, namentlich in der "Niederschrift des Gustav Anias Horn”, ihren exegetischen Höhepunkt zu erreichen. '® In der Tragodie Die Schüler begehrt der achtzehnjährige Jahnn von Rostock vom "cingeweihten” Meister Franz von Jever das Wissen um die Gesetze der Schöpfung, die in den Bauhütten aus alter Zeit tradiert worden sind und sich dann in esoterischen Gesellschaften, nach Jahnns Meinung, gegen den zerstorerischen Einfluß des Christentums behaupteten. "Um Euretwillen blieb ich in Danzig. Erlernen will ich das dunkle Wissen, der Schöpfung einiges Gesetz” (707). Nach emigen imtmtionsähnlichen Handlungen gibt Franz von Jever dem immer sturmischer fordernden Jahnn erste Andeutungen über die Gestalt der alten Wissenschaft: "Du weibt von Zahlen nichts, die heilig von glücklichen Figuren, von den Sternen nichts” (713). Diese Hinweise genugen, um darzustellen, daß es sich in diesem Fragment um die Konfrontation von pythagoreischem Wissen mit dem kirchlichen Christentum handelt. Jahon von Rostock, der schon von seiner Konstitution her "ganz voll des bessern Gottes’ ist, wird wohl, wie die Szene “Hundegasse" (714 ff.) beweist, später, nachdem er das Seitenschiff der Danziger Marienkirche eingewölbt hat, wegen seines Wissens um die harmonikalen Gesetze der Welt und wegen sei-

Página 16

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
beitenundIdeen”darstelen*. 2Diss,14006 2 RDamoemnanerbPrearcrhutdej.a?. MAunnmcebmrrheakrueucnnhutng,denAgypter,Jena,1921 RudigerWagner 4 JnusIMKzlVhateHcSbäw.nefCKhieDrTbgsOduBSkoHnicWnithlaserrkmeuh.EyilcsnwDdebopgrtyum’haicpuenraebduJtOlhuzWimJnwar1sd,ekcpnmdtiadu'got9inelrhahhmem®n"sfz2BitdauldorpPs!anAdc9GnevenuaßikysewhrgszronctmfkdselbiZrAnwsae,GhHdfzbecteuCszniahewirahfdlCshietgtuárzreVc—iong.lsfiahFGrsi,tmünv"sest.fSuceeigzorotnIühsEiynlset?gadpermunnAeS!g)äldnetaksQHbefiJmtmushRwäAlonradugvselpbltoihmnlnA:—fd”rKeiucasll1egttarJ7kA.hnibeduC,lKWemocgbieanspudrdheAgRylan1hineemcdptsumas9rrrnaoyghz,ces2hiiltSfrmvUcoÜaOzde9enMlihVtwpesAuwrbguGmciraodhFrJtelaügnkjil1cotmeblnszdnuet9rairphoctzgleedu2knrWimiGbtaKst9kehgbgperavslta.kinuhSe,nduambdtosriTeleandtcIhrspmWfeilbzhnJaitsüvctKmF,rröbuaäagsgeJhw"d.ihntolPsaönVyevirdgzn,klhbfasomedetdg,lruwmineSbt*WAz+dRhriJnwlasee1ccgbonBd,ithDrh9amcWeaszt4biHgl2u.nd,oh9ücefr.9utinnhdseaouttgmc-kihdJneSnaAFr,g"laoDtcdeehibunasoLb.avDmnselrıtcujsoidgcKeasthlDniEocheuvetzardnh,olnzNrelmsu2tFdtuplairp,e"zsbcßmBll)vnae"urrR“htwoaikvdlbzketAdi-gntcoe,rnsuel-rmt,-gnrhsdiaubsmdrVdDHtSbzDiGüVoHLSuaKeuMVwmtrcneaiecyuhthcrklsnlAgeeBthhslzciuracnerlhHHmGhnsfuKbHadbaeStsngmeoenuc,n,nlesrrrdHhks,cSeApmnKatmwChyfmerigeSyHatrenwV(ii2,phrGediuJsLnäJtaeUoaimeß7eXh,Sfranglthr1A"Pnsecih)yV“1nASarKg"h,/HunZ,dkmiZomrLEJlcMbeeu,agdDayhHsiDmmnebdrhw-taiosdtia,WeSrEdvbKnMioecDuttrdHA,,‘HexsAhpiÜnatreGdmrboHdADnypceeiMrhkrganlSsBzdatrnehducagiyt”ulesmkacb,rnMncedsmeHgLaJhKlics,eDngMaL’odhWRsngemruy‘iKlrteikPncnzIMaua,ohrdgheSm,ntMlu-odtSae“Diyh,vkEasPeRmntro4rpWd(auhDngdosM(br0u’ioay1ftBmselA9cuno,bMHgeadrvhHzsm5CbnE,c1oetIzrcvaSB9DlhnueEisdy12o,er7D(nvpd4ec9hctdAn4gkH,lNn6rshS1.,1HaPe4tke9du8pWrhu5Nm0Lieadnbdzn1k.grseAodh31rSasiumw,urdnka)etHcgnMshl,yd5r>ek.tgaud5s,n,tc.i"evIu12dhkJD4grHnaAs8t3o,iy9Wh2e.-nlv2dsa1cuJi54oeH,4l2DR,d1tnm)rrau3e.9h,sk7Sarltn!T.F[s5e(m,Jit1gahlms,42e9ibacrn3lo2t6Mhci,0n9ehPü1Msr)unate1d,l.iNyr,ekcngsb8riAtea.Nh5ru]lOsnaoeBdtJbmnjueoAstdbr,ueavntrcegSuPbltkhmnoedUucw.isadklh-ms

Página 17

Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)
Vgl. Kail herenyi, "Vorwort, 5.201 Hans Henny Jahon, "Die Sagen um Medea und ilu Leben”, Dramen 1,5 7361 Walter Muschg. Gesprache mu Hans Henny Jahnn (Frankturt/M_, 1967), 5 43. (im lolgenden Gesprache ) Rudiger Wagner, "Hans Henny Jahnn Roman Huf vine Ufer - Summa Harmon ca, Ss. Hall 7 Hans Henny Jahon, "Spatgotssche Umkehr”, S. 3081 IN 2 Bde, Koln, 1868 und 18760, 19 Hans Kayser, Orpheus, Porstam, 1926 20 Abgedruckt in: Rudiger Wagner, Der Orgetreformer Hany Henny Jahan, S AT, Anm 72 Vel Biblographie, Jochen Meyer, berserchmes der Schriften von und uber Hans Henny Jahan, Neuwied am Rien u Berlin, 1967. (Miunzer Reihe, Bd. 21) Berlin, 1929, Bd. 1.5 208 ltow aie Hans Richters, "Kurzer Bencht uber Ugrino-Mitghedersuyammenkuntt