Kosmologischen Formuln

Auteur
Mugler, C.
Publié dans
Hermes
Année
1968
Sujet
EMPEDOCLES
Langue
Deutsch
Catégorie
C11 Cosmologie
Numéro d'archive
1203

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Afficher le texte intégral13 pages

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\2aQas Miszellen Muster, 3 rose ai Serie, fuer, werk 72973 povzizai % ni LI , úl ‘ y - ~ , , cima Eros Ooxice: Rab Te vita: Pounz inabóporo. ‘D! ~ r , , # Fer MucLER Cu., Kosmologische Formeln : Hermes XCVI 1968-1969 515-526. | E Here the destruction of images opens the tenth è Gmetpog xpóvos : paradoxalement, le concept d'un temps linéaire, infini, yever,, and then follows disaster for Rome. In A D 19 the statue of Janus falls, and men begin to think of the destruction of Rome, quoting an alleged Sibylline which placed it at the end of nine hundred years, There is clearly a connec tion between these events and the lines quoted above. In place, however, of the is not clearly defined in length, the author genuinely Sibylline yever,, which of Dio's oracle has put the Roman saeculum of one hundred years, declaring that at the end of the nonum saeculum Rome will be destroyed. It is unlikely that there is any direct connection between Juvenal and Dio's oracle. But its existen ce and people’s concern about it prove that nona aetas agitur would readily : be understood as a statement of the deepest pessimism. Belfast in M. J. McGann Since the above study was submitted to this journal, there has appeared Arta Classirea To niwarsitatic Continent Dita os mms erlieepted who urate MucLeR Cn., Kosmolonische Formeln [chez Empédoc le] ; cf. Philosopnie. . C: ta CR avbownwy, 670 TA cercty Dav AGTERO RY/TY,< Mucren CH. Kosmologische Formeln : Hermes XCVI 1968-1969 515-526. | © ämeızcz yrbvez : paradoxalement, Je concept d'un temps linéaire, infini, Vena! citec The est adnus sans discussion même par des penseurs qui, comme Empédocle et o the Platon, postulent par ailleurs le retour perpétuel des périodes cosmiques. Le comparatif négatif expression de l'isonomie : l'idée qu'aucun moment v. In du temps infini n'est supérieur ontologiquement aux autres moments apparaît dejá chez les présocratiques, mais c'est Aristote qui lui donne une forme systématique. 6 elg zéouos : cette formule par laquelle Platon et Aristote entendaient marquer leur refus de la pluralité des mondes devient par la suite une formule presque sacrée de la polémique anti-atomiste ; en la prétant aux présocratiques, les doxographes projettent dans l'époque archaïque une problématique qui lui était inconnue. W563 ld be ed to ‘ this that il the est admis sans discussion même par des penseurs qui, comme Empédocle et Platon, postulent par ailleurs le retour perpétuel des périodes cosmiques. Le comparatif négatif expression de l'isonomie : l'idée qu'aucun moment du temps infini n'est supérieur ontologiquement aux autres moments apparait déjà chez les présocratiques, mais c'est Aristote qui lui donne une forme systématique. è elg xócuos : cette formule par laquelle Platon et Aristote entendaient marquer leur refus de la pluralité des mondes devient par la suite une formule presque sacrée de la polémique anti-atomiste ; en la prétant aux présocratiques, les doxographes projettent dans l'époque archaïque une problématique qui lui était inconnue. Ein in der griechischen Kosmologie häufiges Thema ist die Berufung auf die Unendlichkeit der Zeit zur Rechtfertigung der Annahme, es müsse im Kosmos ein Kräftespiel bestehen, sei es mechanischer, sei es teleologischer Natur, ohne welches gewisse Erscheinungen längst erloschen wären. Auffällig ist dabei die Feststellung, daß wir dieses Argument selbst bei den Verfechtern einer kreisförmigen Struktur der Zeitabfolge vorfinden, bei der wir erwarten müßten, daß in einer gegebenen Weltperiode die einer beliebigen Erscheinung zugemessene Zeitspanne einen endlichen maximalen Wert, nämlich die Dauer der Weltperiode selbst, nicht überschreiten darf. Diese Vertreter der ewigen Wiederkunft verfaliren mit der Zeit ohne die strenge Folgerichtigkeit, mit der etwa Aristoteles den Raum behandelt. Hier wird der vom endlichen Kosmos erfüllte Raum nicht etwa von einem aligemeinen, sich ıns Unendliche erstreckenden Raum umspült, sondern der Raum selbst ist endlich, und seine Grenzen decken sich mit denen des Kosmos!. Empedokles hingegen, der Denker, bei dem die periodische Form der Zeit am deutlichsten hervortritt, bettet seine zweiphasige große Weltperiode in einen linear und monodrom verlaufenden zeitlichen Fluß ein, wenn er sagt, die unverbrüchliche gegenseitige Ablösung der Liebe und des Hasses höre niemals auf*, oder wenn er feststellt, die beiden kosmischen Kräfte beständen nicht mehr, wenn ihr Schwinden möglich wäre®. Ähnlich fordert Platon auf verschiedenen Stufen seiner Entwicklung das Fortbestehen cyklischer Wiedererstattungen, ohne welches die Welt im Stillstand erstarren würde. Schon im Phaidon erscheint ihm der geradlinige und unumkehrbare Ablauf jedes Geschehens zwischen zwei Polen als ein Hinstreben nach einem bewegungslosen Endzustand*. Wenn nur noch eine Vermengung aller Dinge stattfände, fährt er fort, ohne den Ausgleich einer Trennung, so 1 Snow Gr: müde rérog BE xevdv obdE ygóvos torio Ela 705 Múpavod. De carlo 2794 11. Zu der Frage cf. u. a W. RaïBe, Aristoteles und der Raum, Dissert Kiel 1965, S. 22 und passim. 2 xxl 2207 Didocovra Btaurepès oldaue yes. Vors. 31 B 17, 6. 2 cite Yip iplcionvza Sraunepés, obuét’ av Foxv. Vors. 31 B 17, 31. Gel và... eobetá nie ety À yéveots du 200 Erto uivav els Té watazveimes .. ., slot’ an mivra Teheurüven To add 077 yx Sv ozoly,... nal nodose viyvéuevz. Phaidon 724, B

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AÉtOudRe 6 &TELPOG XPÓVOG Ein in der griechischen Kosmologie haufiges Thema ist die Berufung auf die Unendlichkeit der Zeit zur Rechtfertigung der Annahme, es miisse im Kosmos ein Kräftespiel bestehen, sei es mechanischer, sei es teleologischer Natur, ohne welches gewisse Erscheinungen längst erloschen waren. Auffällig ist dabei die Feststellung, da8 wir dieses Argument selbst bei den Verfechtern einer kreisförmigen Struktur der Zeitabfolge vorfinden, bei der wir erwarten müßten, daß in einer gegebenen Weltperiode die einer beliebigen Erscheinung zugemessene Zeitspanne einen endlichen maximalen Wert, nämlich die Dauer der Weltperiode selbst, nicht überschreiten darf. Diese Vertreter der ewigen Wiederkunft verfahren mit der Zeit ohne die strenge Folgerichtigkeit, mit der etwa Aristoteles den Raum behandelt. Hier wird der vom endlichen Kosmos erfüllte Raum nicht etwa von einem allgemeinen, sich ins Unendliche erstreckenden Raum umspült, sondern der Raum selbst ist endlich, und seine Grenzen decken sich mit denen des Kosmos!. Empedokles hingegen, der Denker, bei dem die periodische Form der Zeit am deutlichsten hervortritt, bettet seine zweiphasige große Weltperiode in einen linear und monodrom verlaufenden zeitlichen Fluß ein, wenn er sagt, die unverbrüchliche gegenseitige Ablösung der Liebe und des Hasses höre niemals auf?, oder wenn er feststellt, die beiden kosmischen Kräfte bestánden nicht mehr, wenn ihr Schwinden möglich wáre?, Ähnlich fordert Platon auf verschiedenen Stufen seiner Entwicklung das Fortbestehen cyklischer Wiedererstattungen, ohne welches die Welt im Stillstand erstarren würde. Schon im Phaidon erscheint ihm der geradlinige und unumkehrbare Ablauf jedes Geschehens zwischen zwei Polen als ein Hinstreben nach einem bewegungslosen Endzustand*. Wenn nur noch eine Vermengung aller Dinge stattfände, fährt er fort, ohne den Ausgleich einer Trennung, so i 1 SHAov Sti oddè TÓTTOG oddè xevòv Odds ypóvos Eotiv ¿Lu Tod ovpavod. De caelo 279a IT. Zu der Frage cf. u. a. W. RAIBLE, Aristoteles und der Raum, Dissert. Kiel 1965, S. 22 und passim. ; 2 xal tate’ ddAAckcoovta dLaurepts oddauà Añyel. Vors. 31B 17, 6. î 3 etre yap Ep0etpovto Sraprtepéc, odxér’ dv foav. Vors. 31B 17, 31. tel ydo... ed0etd tig ely À Yeveoıg du Tod érépou puóvov sic TÓ xaTavrixpo . . ., 0L00’ Str TAVTA TEMEUTOVTA TÒ KOTO oyqua av oyoly... xal madoatto yryvoueva. Phaidon 72 A, B. i Hermes 96,5

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CHARLES MUGLER würde sich bald das anaxagoreische 6y00 ravra ypnuara einstellen!. Derselbe ausweglose Stillstand ist die Aussicht, die im Phaidros dem Weltgebäude und jeglichem Geschehen droht, es sei denn, daB die Forderung der Unerschaffenheit und Unvergänglichkeit, das heißt der ewigen Dauer, des sich selbst Bewegenden erfüllt ist? und im Theaitetos deutet Platon eine Homerstelle in dem Sinne, daß die Errettung der göttlichen und menschlichen Geschicke vor Wirrnis und Untergang, den Folgen des Stillstands und der Unbeweglichkeit, an die stetige Dauer der Himmelsbewegung und des Kreislaufs der Sonne gebunden ist®. Die immerwährende Erneuerung des Kosmos in seinem jetzigen Zustand und die Vermeidung eines »Stillstands in der Gleichförmigkeit« sind auch eines der Motive im Bauplan des Demiurgen im Timaios*. Wären im All nur die Kräfte der &véyxn am Werk, so würde dieses in kurzer Zeit die Gestalt eines vierfach geschichteten Gebildes annehmen, des rerp&ororyov, in welchem die Elemente in getrennten Zonen übereinander lägen, und für immer in diesem Zustand verharren. Wäre andererseits die durch die Umdrehung des Fixsternhimmels bewirkte Einstrahlung die einzige im Kosmos herrschende Kraft, ohne Gegenwirkung der dvdyxn, so wäre die sich bald einstellende Folge ein das Weltinnere erfüllendes homogenes Gemisch aus den die Elemente bestimmenden Polyedern und der damit verbundene Stillstand alles Geschehens®. Erst durch das den ganzen Zeitlauf hindurch gewährleistete — dtaowlouewn sagt Platon — Zusammenwirken von aveyxy, und Drehung des Himmelsgewölbes, des ‘Identitätskreises’, wird die Heterogenität im Weltinnern, und damit die Bewegung und das Geschehen, stetig erneuert®. An keiner der zitierten Stellen bezeichnet Platon den Ablauf der Zeit ausdrücklich als unendlich”. Seine Folgerungen fußen jedoch auf der stillschweigen1yäv el ovyxelvorto mdvra, Suuxpivouro dé wh, Tayd av TÒ Tod 'Avalayópov yeyovòs ein, du0d ravra ypnuara, 72C. 2roöro Sé (sc. Tb adrd «dr xivobv) ot’ 5 drrórAvobar oöte ylyvecBor Suvaröv, À mavtTa ze odpavòv mäodv ze yéveoiv cuumecodoay ative, vat uhnore atis Eyeuv bev xivnbévro yevyoetat, Phaidros 245 D, E. 8 Loc uèv dv À reptpopà 7) xwovpévn ual 6 HAtog, révra Earı nal o~letat ta ev Beolg ze nal &vOpdroug, el DE otaly tolto domep Sebdv, révra ypnuar’ dv Suapbapein zal yEvort’ av Tb AeyOuevov vo dro rävra. Theaitetos 153 D. 4 nae 86 mote où ward yévy Staywprabdvta Exacta nenaurar Tic dt’ aAAHAWY Kıvnosws xal popäc, Timaios 58 A. 5 el oraln mug ta TAVTA GOD yevópeva, “TA. Leges 10, 895 A. 8} zie dvapardrytos SiacmCouévy yEveoıg del thy del xlvnow tovTwy odaav Esouevmv TE évOchexds rapeyerar. Timaios 58C. 7 Dies tut er nur mit Bezug auf die menschliche Geschichte, wie z. B. Resp. 499 C, dv Tr drelow tH mapednrvOdte ypdven, cf. Ev ra TON yedve,, Leges 3, 711 D, wobei der &metpog ypóvog sich über mehrere geschichtliche Perioden erstreckt. Demnach lagert Platon seine Cyklen der Geschichte in den monodromen Ablauf des kosmischen Geschehens ein. Über den periodischen Verlauf der Geschichte bei Platon cf. K. Garser, Platons ungeschriebene Lehre, Stuttgart 1963, S. 274

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engen 517 den Voraussetzung der Unendlichkeit der linear fortschreitenden Zeit, wie wir es aus den von ihm gebrauchten Ausdrücken orMvaı, teAcutav}, det, mavecban, £wc und besonders Stac&eiv? ersehen. Ausgesprochen wird das Wort in diesem Zusammenhang erst von Aristoteles. Daß für ihn, wie für Platon, der Zeitablauf sich nach Vergangenheit und Zukunft ins Unendliche erstreckt, spricht er öfters aus. Das Weltall enthält und umfängt, sagt er in De caelo, die unendliche Zeit®. Die Umdrehung des Himmels erleidet keinen Stillstand im Laufe der unendlichen Zeit. Wollte man dem Entstehen der Elemente eine unendliche Dauer zubilligen, so müßte man, da ja dann auch ihre Auflösung unendliche Zeit beanspruchen würde, annehmen, es gäbe außerhalb der unendlichen Zeit noch eine unendliche Zeit®, was absurd ist. Auf diese Unendlichkeit der Zeit beruft er sich, um, ähnlich wie Platon, das notwendige Bestehen kosmischer Zweckeinrichtungen zu beweisen, ohne welche gewisse Erscheinungen längst aufgehört hätten zu bestehen. Längst wären, ohne die unabänderliche Regelmäßigkeit des Planetenreigens, die Planeten auseinander gerückt in der unendlichen Zeit, die ihnen zur Verfügung steht; die Beobachtung hat jedoch keine Veränderung in ihrem gegenseitigen Abstand festgestellt®. Längst auch hätten sich im Laufe der unendlichen Zeit die Elemente im Streben nach dem ihrer Natur gemäßen Ort voneinander getrennt und übereinander geschichtet ohne die gegenseitige Verwandlung ineinander, der sie unterworfen sind’. Gelegentlich ersetzt Aristoteles in ähnlichem Zusammenhang die Formel &v t@ arelpw yodve durch das einfachere mada, das dem oben gebrauchten ‘längst’ genau entspricht. Woher kommt es, fragt er in seiner Abhandlung Über Werden und Vergehen, daß, wenn doch ständig Teile der Wirklichkeit dahinschwinden, das endliche All nicht schon längst erschöpft und aufgebraucht® ist? Antwort: Dieser Schwund ist nur Schein, und das Entschwundene taucht im Wandel der Elemente und im Wechsel der an diese gebundenen Erscheinungen in anderer Form wieder auf. Einen späten Nachklang der griechischen Berufung auf die Unendlichkeit der Zeit zur Rechtfertigung kosmischer Strukturen sehen wir bei F. Nietzsche. 1 Dasselbe Zeitwort auch Resp. 10, 611 A, návra dv ely vehevrövra dOdvara. ? Stace. bezeichnet, Timaios 22 DE, das Überleben einzelner Bevölkerungsteile bei den periodisch eintretenden Sintfluten. 36 räg oùpavèc . . Exwv nal mepiéyev Ev altes Tov Äreupov ypdvov, De caelo 283 b 26. 4 abrn à xvxropopta ... &mavotos oÖoau tov &rteipov ypóvov, ibid. 284 a 7. 5 Mote ouußnoeran Zw Tod drelpou ypóvou &AAov elvar Kretpov, ibid. 304b 31. 6 Yon yao &v Eyeyóver dudoraorg Thy &orpwv Ev TH drrelpw ypdven, TOD Ev Oärrov xivouLEvov Tod dé Boaddtepov. où patverat 3’ odBèv Eng Éyov roig Sinorhuacıv. De caelo 288b 10. 7 Std th éxcotov TV oopdrov els thy olxelav pepouévou ydpav év TH Arelpw xpôve où dreoräor và copaura; alrıov dp robrou Bory à els XANAX perdBaore: el yhe ExnoTov Éuevev &v TH abroö ydpa xal uh weTéBadrAcy Örd tod mAnotov, HSy av Steoryxeoav. De gen. et corr. 337a 8. 8 einep obv dei tt Tv Övrov dnépyetat, Bid th nor’ oùx AvnAmraı aa zal ppoödov Td mäv, el ye renepaouévoy Tv &E ob ylverat Tv yiwvouévev Exaotov; ibid. 318a 16.

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CHARLES MUGLER Wenn vielleicht auch, wie KERENYI vermutet, die erste Intuition der ewigen Wiederkunft am Felsen bei Surlej eine metaphysische Steigerung des bei Nietzsches Krankheit häufigen Gefühls des »schon einmal erlebt habens« ist, so klingt doch der Satz, mit dem er seine spätere Beweisführung einleitet, wie eine Prosa-Übertragung des empedokleischen ette yap êpbetpovro Stapmepéc, obxér’ av Hoov: »Die Welt der Kräfte erleidet keine Verminderung, denn sonst wäre sie in der unendlichen Zeit schwach geworden und zugrunde gegangen«!, Zugleich gelangt hier die aristotelische Formel &v 7@ arneipw ypdve wieder ans Licht der Geschichte. II Der verneinte Comparativ zum Ausdruck der Isonomie Die Berufung auf die Unendlichkeit der Zeit in diesem Zusammenhang erweist sich bei näherer Betrachtung als Sonderfall eines viel umfassenderen erkenntnistheoretischen Prinzips, das man als Indifferenz-Satz oder IsonomiePrinzip bezeichnen könnte. Der obigen Beispielen zugrunde liegende Gedanke ist folgender. Die beobachteten Erscheinungen erlöschen voraussichtlich nach einer endlichen Zeitspanne. Das Erlöschen kann jedoch nicht endgültig sein, da kein Grund vorliegt zu der Annahme, daß ein Ablauf dieser Art nur einmal stattfinde, daß das Zeitsegment seiner Dauer auf diese und keine andere Stelle der unendlichen Zeitlinie falle, daß ausgerechnet wir, das heißt wenige Generationen, zu Zeugen eines einmaligen Geschehens berufen sind, und vor uns und nach uns niemand mehr. Dieses Prinzip wird von den griechischen Denkern nicht nur auf Zeitsegmente, sondern auch auf Zeitpunkte, auf den Augenblick, angewandt. Ausdrücklich lehnt Parmenides die Bevorzugung des jetzt oder des dann auf Kosten des früher oder später ab. Das Seiende, sagt er im 8. Fragment, ist ungeboren und unvergänglich. Welcher Zwang auch hätte es dazu bewegen können, später oder früher aus dem Nichts heraus zu entstehen?? Simplikios paraphrasiert den Satz des Parmenides durch die Frage, weshalb denn das Seiende gerade damals, und nicht früher oder später, seinen Ursprung genommen haben soll®. Gegen dieses Prinzip der ontologischen Gleichberechtigung, der Isonomie, sämtlicher Augenblicke der unendlichen Zeit verstoßen in den Augen des Aristoteles kosmologische Systeme, die die Welt in einem bestimmten Zeitpunkt beginnen lassen. Aristoteles, der die Äußerungen des Anaxagoras über 1 Werke, Gesamtausgabe, XII, p. 62; zitiert von Elisabeth FöÖRSTER-NIETZSCHE, Der einsame Nietzsche, Leipzig 1914, p. 137. 2 zl 8° & ut zal ypéog dpoev botepov À nopóodev, Tod undevög deEduevov, piv; Vors. 28B 8, 9. 3 xal dud th Oy Tore, BAAL Uh zal rpdtepov 9) Üorepov éyéveto; Phys. 78, 26.

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einen zeitlichen Anfang der Tätigkeit des Noöc, und damit des kosmischen Geschehens, wörtlich nimmt!, meint, es widerspreche der Vorstellung eines naturgemäßen Ablaufs anzunehmen, das All habe eine Ewigkeit lang in Ruhe verharrt, um sich dann plötzlich in Bewegung zu setzen, ohne sich zu fragen, warum dies kosmische Ereignis eher jetzt als früher eingetreten wäre. Seinem allgemeinen Charakter entsprechend wird das Prinzip der Isonomie von den griechischen Denkern auch auf den Raum und auf räumliche Gebilde angewandt. Die von Aristoteles dem Anaximander, von Aëtios dem Parmenides und Demokrit zugeschriebene Erklärung des unbewegten Verharrens der Erde im Mittelpunkt des Kosmos beruht auf der Forderung der Gleichberechtigung aller Himmelsrichtungen für einen von sämtlichen Gestirnen gleich weit entfernten Körper. Es stehe, so faßt Aristoteles den Gedankengang des Anaximander zusammen, einem solchen Körper nicht zu, sich eher nach oben als nach unten oder seitwärts zu bewegen®, und bei Parmenides und Demokrit, meint Aëtios, habe die Erde infolge ihrer zentralen Lage keinen Grund, eher hierhin als dorthin zu drängen *. Durch die Isonomie erklärt Parmenides nicht nur, wie wir sahen, die Unerschaffenheit des Seienden, sondern auch die Kugelgestalt des Einen Seienden. Es bestehe für dieses, sagt er im 8. Fragment, kein Zwang, eher hier als dort größer oder schwächer zu sein, und es sei daher von der Mitte her überall gleich stark®. Es ist wohl eine Reminiszenz des parmenideischen zj à Th, wenn Simplikios bei Erläuterung einer Stelle des Aristoteles, auf die wir noch zurückkommen werden, fragt, nach welcher Richtung sich denn eine in einer gleichgearteten Umwelt befindliche Masse bewegen soll, aufwärts oder abwärts, und dann feststellt, es bestehe kein Grund, warum diese eher hierhin als dorthin, uäXkov de À THSe, treiben soll®. Die umfassendste Anwendung der Isonomie finden wir im älteren Atomismus. Durch die erkenntnistheoretische Auseinandersetzung seiner Begründer mit dem Eleatismus gelangt dieses Prinzip hier zu einer kosmologischen Tragweite wie in keinem andern System weder vorher noch nachher. Auf Grund des parmenideischen Satzes der Identität von Sein und Denken, — den sie sich auf ihre Weise zu eigen machen, indem sie ihn dahin deuten, daß alles Denkbare zur ‘not yao éxeivoc, 60d mévtwv dvrwv xal Apegobvrwv tov Ärerpov ypóvov, xivnow éurotfoot tov voöv xat Siaxpivat. Phys. 250b 25 (jetzt unter A 59 in die Doxographie des Anaxagoras eingereiht von Diego Lanza, Anassagora, Florenz 1966, p. 114). * 76 8 drerpov ypóvov hpeuelv (sc. mdvra), elta xivyO¥vat mote, robrou SE undeutav elvar Siapopév, Str viv uäkAovh npórepov,...obxér QUOEMG Epyov. Phys. 252a 14. 3 wddAOv Lev yap odBËv Ava à dt À cig ta nihdyra pepeodar mpoofuer Td mi Tod éoov IBpuuévoy zat polos zode tH toyata Eyov. De caelo 295 b 11. * ox Eyovoav alrtav du’ Hv Sedpo LRO À Exeïoe Aéetev dv. 3, 15, 17. ’ geooóbey ioomakèc mévrp: Td yao obte ru peïbov | ote vi Barórepov nekévat yoedv Eorı Th A Th. Vors. 28 B 8, 44f. Snob eveyxOqoetar (sc. h BAG), rörepov &va À xt; polos yup 6 Öhog (sc. TÉTOc) oixetog: oùdèv obv UXAAOV tijde À rijde. Simpl. Phys. 483, 12.

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CHARLES MUGLER Wirklichkeit berufen ist!, — zwingen Leukippos und Demokrit zunächst das physische Nichtsein, das heißt den zuvor als undenkbar abgelehnten leeren Raum, in die Wirklichkeit. Der leere Raum ist ebenso denkbar wie der erfüllte, daher habe, meinen sie, das Sein des erfüllten Raumes keinen größeren Anspruch auf Wirklichkeit als das Nichtsein des leeren, und beide hätten daher den gleichen ursächlichen Anteil am Entstehen der Dinge?. Die Verteilung der Wirklichkeit auf den erfüllten und den auf diese Weise neu errungenen leeren Raum wird sodann demselben Prinzip unterworfen. Keine der geometrisch möglichen Formen, die die Grenzflächen zwischen ‘leer’ und ‘voll’, das heißt die Gestalten der Atome, annehmen, ist vom Denken bevorzugt. Die Zahl der im Weltall vertretenen Atomformen ist daher unendlich groß®. In beiden Fällen dient hier der negierte Comparativ mit disjunktivem # dem Ausdruck der Isonomie. Es stellt sich die Frage, auf wen diese Prägung, oddév (unòèv) gâdrkov...À..., eines der Hauptsätze des Atomismus zurückgeht. Im Zusammenhang mit Ausführungen über die von Demokrit behauptete ontologische Gleichberechtigung von Sein und Nichtsein, Voll und Leer, »Nichts und Ichts« (Drers) zitiert Plutarch* den Satz in der Form py gödhov 16 dev à zò undev civar, wo das dem eigenwilligen Sprachgebrauch Demokrits angehörende dev die Authentizität des Ausspruchs bezeugt. Bestätigt wird die Urheberschaft Demokrits durch die Eindringlichkeit, mit der Simplikios® diese Formel mehrmals im Zusammenhang mit dem Atomismus wiederholt. Nach allem, was wir von der Physik Demokrits wissen — allerdings mehr aus den doxographischen Berichten als aus den Fragmenten —, ließen sich auch alle andern für sein System charakteristischen Sätze durch solche Formeln ausdrücken, und es ist durchaus möglich, daß neben obigem d1& 76 umdev LÄANOV ToLODTOV À rorodrov elvaı zur Begründung der unendlichen Vielfalt der Atomformen ein Ord To undèv näAAAOV Tooodrov À Tocodrov elvaı zur Begründung der anderweitig für Demokrits Vorstellungswelt bezeugten unendlichen Größenskala der Atome bestanden hat, sowie ein dem parmenideischen otre neilov oùre Borórepov Tú 7 rj entsprechender Satz zur Begründung der unbegrenzten Ausdehnung des Alls, etwa did 6 un uärhov TH À TH elvar to tod mavròs répas, und schließlich ein Satz zur Rechtfertigung der von Demokrit behaupteten Isotropie des Raumes hinsichtlich der Bewegungsrichtungen der Atome, etwa Sia To ph pännov Exeloe À Exeioe pépeobar td Krome. * Da wir uns hier nur mit der sprachlichen Formulierung des Isonomieprinzips befassen, verweisen wir für dessen erkenntnistheoretische Ableitung aus dem Eleatismus auf die einschlägigen Stellen bei ZELLER, GOMPERZ, NESTLE, BURNET, GUTHRIE und in den Werken über den Atomismus von ScHMID, ALFIERI, BAILEY, etc. Cf. auch Ch. MUGLER, L’isonomie des atomistes, R. de Philol. 30, 1956, 231/250. ? Eru dè obdèv u&Nov TO dv À Td Uh dv Öndpyeiv, zat atria bots elvaı tots yuvopevotc &uow. Simplicius, Phys. 28, rz. * av Ev abroig oynudtwv Änetpov td TAHO0g Sid Tb undèv UGAAOV TOLOUTOV Ÿ ToLODTOV elvau. Simpl. Phys. 28, 9. 4 Vors. 68 B 156. 5 Cf. Phys. ed. Dies, p. 28.

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Während wir uns bei diesen Wiederherstellungsversuchen im Hypothetischen bewegen, finden wir, wie zu erwarten, eine geschichtlich faBbare Tendenz zu einer stereotypen Gestaltung des Isonomieprinzips bei Aristoteles. Neben der dem von Simplikios bezeugten oddév (uydév) u&XAov toLtodtov À rotobrov Ähnlichen Formel undeutav diapopay, Ört vöv u&AAov à medtepov, Phys. 252 a 14, die wir schon oben anläßlich der Kritik an Anaxagoras erwähnten, gebraucht Aristoteles, je nach dem Gebiet, für das er die Isonomie fordert, noch zwei andere Prägungen: (1) Beim Raum kleidet er diese Forderung in die Form der Frage, warum denn ein Gegenstand oder eine Erscheinung diesen oder jenen Ort, diese oder jene Richtung bevorzugen soll. Warum, fragt er im 3. Buch der Physik bei der Widerlegung der unendlichen Ausdehnung des Raumes, soll sich das Leere eher hier als dort befinden!, — eine Frage, die auf ähnliche Weise an Parmenides B 8, 43/44 anklingt wie eine oben zitierte Stelle des Simplikios. Warum, fragt er unter Anwendung desselben Schemas etwas weiter, soll sich ein unendlich ausgedehnter Körper eher abwärts als aufwärts oder sonst in beliebiger Richtung? bewegen ? (2) Die Isonomie der Zeit drückt er durch den Satz aus, es gebe keinen Zeitpunkt oder keine Zeitspanne, die vor andern Augenblicken oder Abschnitten den Vorrang hätten, eine naturgemäße Erscheinung sei so, daß sie entweder immer stattfände oder gar nicht, und nicht so, daß sie zu Zeiten eintritt, zu Zeiten aber nicht. Den von Demokrit unternommenen Erklärungsversuch der Kometen aus der Konjunktion mehrerer Planeten?, die jener auf die Beobachtung gründet, man habe die Kometen sich in einzelne Sterne auflösen sehen, weist er mit der Bemerkung zurück, diese Beobachtung müßte, um überzeugend zu sein, immer, das heißt bei jedem Kometen, gemacht werden, und nicht dann, aber nicht dann®. Mit denselben Worten gibt Aristoteles im Anschluß an die oben zitierte Stelle Phys. 252 a ı4 seiner Überzeugung Ausdruck, ein Naturgeschehen müsse, wenn nicht wie bei Empedokles gesetzmäßige Proportionen dem entgegentreten, einfach verlaufen und nicht einmal so und ein anderes Mal anders®, und als Beispiel erwähnt er das Verhalten des Feuers, das ständig nach oben strebe, seiner Natur gemäß, die ihm wicht erlaube, dies einmal zu tun und ein anderes Mal nicht’. Ganz allgemein, sagt er im selben Kapitel der Physik, ist die Bewegung etwas Immerwährendes; die Annahme, diese bestände zu einer 1 ct yap udAdov tod xevod Evrauße à évratO«; Phys. 203b 27. 2 rt yap UxAAOV ndr À Evo À Érovobv; Phys. 205a 14. 8 Cf. hierzu BoLL-BEzoLp, Sternglaube und Sterndeutung, S. 121 ff. not yap (sc. Anuöxpıros) BpBar Starvouévav Töv xount&y dotéeag Tuvdg. Meteor. 343 b 26; cf. 342b 25. 3 tobro 8 oby été ev Eder ylyveodaı dtd 8° où, &AN dei. Meteor. 343b 27. eN yap ardéic Eyer td pÜoer «ai ody Ste ev obrws STE 8’ HAWES... À Adyov Eyer Tb UY arhoby. Phys. 252a 17. ? olov td rip ve poet péperat nal oby été uev bts 8’ ob. Phys. 252a 18,

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CHARLES MUGLER Zeit und zu einer andern nicht, käme einem künstlichen Gedankengebilde gleich!. Der ‘natürliche’ Gedanke, auf Grund dessen Aristoteles alle diese künstlichen Annahmen verurteilt, ist die Isonomie der Zeit, die keine bevorzugten, der Hervorbringung abwegigen Geschehens günstigen Momente kennt. Man weiß, daß Aristoteles wie keiner seiner Vorgänger die philosophische Fachsprache bereichert hat, indem er bestimmte und in seinem System immer wiederkehrende Begriffe an bestimmte sprachliche Formulierungen band. Die große Mehrzahl dieser Ausdrücke — ob es sich nun um semasiologische Festlegungen von Worten handelt, die mit schwankender Bedeutung schon vorher in der philosophischen Literatur vorkamen, wie etwa ovota, oder um energische syntaktische Bildungen, wie +5 ti Tv elvaı® — bezeichnet Begriffe, die von Aristoteles selbst geschaffen wurden. Mit den oben zitierten Formeln hingegen, où (uy) paAAov..H..., TL nov... H..., Ody OTE uev, ÔTÈ 8’ od, beruft sich Aristoteles auf eine alte Denkregel, von der schon die Fragmente des Parmenides Spuren aufweisen. Il 6 els x6ouoc Die Antinomie zwischen Pluralität der Welten und Einzigkeit des Kosmos wurde erst akut, nachdem der Atomismus mit aller Schärfe und Deutlichkeit der alten Lehre vom einen All seine Vorstellung einer Mehrzahl, sogar einer unendlichen Mehrzahl, von gleichzeitig und unabhängig voneinander bestehenden Welten entgegengestellt und durch seine kosmologischen Sätze vom Entstehen und Vergehen, von der begrenzten Lebensdauer jeder einzelnen Welt der Verwechslung dieser räumlichen Pluralität mit der zeitlichen Pluralitat einer periodisch vergehenden und neu entstehenden einzigen Welt — Spuren dieser Verwechslung begegnen wir in der Doxographie — den Boden entzogen hatte. Die Betonung der Pluralität seitens des Atomismus hatte zur Folge, daB nun ihrerseits die Verfechter der Einzigkeit der Welt, die kosmologischen ‘Einheitshirten’, sich veranlaßt fühlten, mit größerer Energie für ihre These einzutreten. In alter Zeit war diese stillschweigend vorausgesetzt oder mit der Gelassenheit vorgetragen worden, die man bei selbstverständlichen Behauptungen zu wahren pflegt. Ohne jede Absicht einer besonderen Betonung stellt Empedokles das Alleinsein seiner Welt fest: »Sphairos, der kugelförmige, über die ringsum herrschende Einsamkeit von frohem Stolz? erfüllt «. Selbst das auch kosmologisch deutbare Eins des Parmenides, vom Dichterphilosophen unter 1 Shov Go Loti aldtog xivnorc, GAN’ ody Std uèv Av dtd 8° ob: zat yao Bore TO obtw dEyew TAdouatL weAAOV. Phys. 252a 3. 2 Cf. Ch. MUGLER, La proposition substantivée, Bulletin de la Soc. Ling. de Paris, 55, 1960, S. 32 —39. 3 Zpaïpos xuxAotephc govin mepinyé: yalov. 31 B 27 und 28; Übersetzung von H. Diers.

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anderm als &v, ouveyéc, B 8, 6, charakterisiert, wird im ersten Teil des Lehrgedichts mit sachlicher Ruhe dargestellt und im Metaphysischen verankert. Vom Atomismus ab muß die Einzigkeit der Welt, die nicht mehr als selbstverständlich gelten kann, durch neue Argumente gestützt und die Gegenthese der Vielheit widerlegt werden, eine Aufgabe, die um so schwieriger zu lösen war, als Demokrit selbst an der höchsten Quelle, bei Parmenides, geschöpft hatte, um seine neue kosmologische Sicht zu fundieren, selbst gegen den Meister. Dadurch weicht die Abgeklärtheit bei der Behandlung des Problems einer früher ungekannten polemischen Schärfe. Manchmal steigert sich der Ton zu einer eigenartigen Emphase, zu einer Leidenschaftlichkeit, die an den Eifer erinnert, mit dem in monotheistischen Religionen die Einzigkeit Gottes gelehrt und bekannt wird, was sich nur dadurch erklären läßt, daß man im System Demokrits über seinen rein wissenschaftlichen und erkenntnistheoretischen Inhalt hinaus etwas moralisch Gefährliches und Verwerfliches sah. Worin dieses Böse bestand, das Zeitgenossen und Spätere ablehnen zu müssen glaubten, können wir aus der Würdigung erschließen, die der Weltanschauung Demokritsim späten Altertum seitenschristlicherAutoren wieLactantius!zuteilwurde. Auf einen ähnlichen Widerstand muß der Atomismus um die Wende des 4. Jahrhunderts gestoßen sein, — was zum Teil die Verschwörung des Schweigens erklärt, über die sich Demokrit beklagt?. Das System barg in den Augen der Zeitgenossen des Sokrates zuviel des Düsteren, gegen das sich der naive Lebenswille sträubte. Es war schon schauerlich genug, daß hier das einzelne menschliche Dasein durch die Abwesenheit jeglicher Transzendenz und die Auflösung der Seele nach dem Tode von endgültiger Vernichtung bedroht war und daß das organische Leben, und damit die menschliche Geschichte mit allen ihren Errungenschaften, unaufhaltsam dem Erlöschen zustrebte. Daß aber die Geschichte nicht einmal tote Spuren hinterlassen sollte, da ja ihr Schauplatz, die Welt, selbst dem Untergang verfallen war, diese Vorstellung überstieg die Grenzen des Ertragbaren. In der richtigen Erkenntnis, daß bei Demokrit die Vernichtung unserer Welt mit der Lehre der Pluralität der Welten eng zusammenhing, wandte man sich nun gegen letztere. Demokrit hatte geglaubt, sich den Luxus der Weltendämmerung leisten zu können, weil das Schwinden der einzelnen Welten, und unter ihnen der unseren, durch das Entstehen neuer Welten kompensiert und damit die kosmologische Präsenz gerettet war. Wurde die Pluralität der Welten widerlegt, so schloß man, so mußte unser Kosmos, der einzige, von ewigem Bestand sein, da ja die kosmologische Präsenz nicht gefährdet werden durfte. Von dieser emphatischen Hervorhebung der Einzigkeit des Kosmos bietet Platons Timaios mehrere Beispiele. Der Demiurg erschuf die Welt als ein einziges sichtbares Lebewesen®, und im Anschluß an diese Stelle entwickelt 1 Cf. unter anderm Inst. div. 7, 7, 9. 2 Vors. 68 B 116. 36 Oeds... Cov Ev épardy . . ouvéornoe. Timaios 30D.

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CHARLES MUGLER Platon eine metaphysische und logische Begründung der povworg des Kosmos, die mit der nachdriicklichen Feststellung schlieBt, dieser unser Himmel sei einzig, allein in seiner Art; so ward er und so wird er immer sein!. Wie die uóvwors physisch bewerkstelligt wird, zeigt uns Platon 32C—33 A. Damit keine Gefahr bestehe, daB sich auBerhalb des von ihm in möglichster Vollkommenheit aufgebauten Kosmos ein zweiter, oder mehrere andere, bilden könne, verwendet der Demiurg die Gesamtheit der vorhandenen Elemente, alles was an Feuer, Wasser, Luft und Erde zur Verfügung steht, auf den Aufbau dieses einen vollkommenen Weltwesens?. Mit demselben Nachdruck behauptet auch Aristoteles die Einzigkeit seines geschlossenen Universums. Wenn erwiesen werden kann, führt er in einem stark an Timaios 32C—33A anklingenden Gedankengang in De caelo aus, daß unsere Welt nicht nur aus einem Teil der vorhandenen Materie besteht, sondern diese in ihrer Ganzheit enthält, so kann keine andere Welt außerhalb der unsrigen bestehen, und eine Pluralität der Welten ist unmöglich. Mit einer gewissen Feierlichkeit beschließt er die hierauf folgende Beweisführung durch die Worte veinzig und alleinbestehend und vollkommen ist dieser unser Himmel «*, wie er auch zu Beginn des zweiten Buches von De caelo den Inhalt des ersten Buches in den Worten zusammenfaßt »das All ist eins und ewig«®. Infolge der Betonung der Einzigkeit der Welt bei Autoren, die sich dadurch bewußt vom Atomismus absetzen wollten, erhielt die Formel 6 eig xöowog, die sich dabei herauskristallisierte, einen fast sakralen Charakter. ‘O xéouoc eig got beginnt Stobaios sein Zitat aus den Bakchen des Philolaos®. Die Stoiker verkündeten, nach Aëtios?, &vx xoouov. Die Formel 6 eig x6ouos war in der Spätzeit so geläufig, daß sie den Doxographen auch dann in die Feder floß, wenn, wie dies bei ihren Berichten über die voratomistische Philosophie der Fall war, kein Grund vorlag, die Einzigkeit der Welt von den alten Denkern besonders betonen zu lassen. Wenn Proklos im Timaioskommentar® bei einer kurzen Darstellung des Systems des Philolaos die Einzigkeit der Welt unterstreicht, eig drotehettau x6ouoc, so ist dies durch die Betonung dieses Themas durch Philolaos selbst gerechtfertigt. Wenn jedoch Diogenes Laërtios® und 1 PER VU lg öde povoyevhs oùpavòs yeyovas Écruv ual Et’ ota. 31 B. FT a N 3 Al \ y 2 {va Gaov Ott udAtota Cov TÉheov . . ely, wpd SE TovTOLG Ev. 32 D, cf. 33 A. 3 ob ’ By eln Xoc (sc. obpavèc) ot’ Av evdeyorto yevéobar mActoug Sid Td THOM THY SAY nepler\npévar Tobrov. De caelo 278b 6. 4 elc nat udvocg xat tédetog obvog Obpavdg Eorıv. ibid. 279a 10. 5 6 mag obpavèc . . . Zorıv els ual &iduoc, ibid. 283b 26. 6 Stob. Ecl. phys. 1, 15, 7; Vors. 44B 17; cf. die unechte Stelle öde 6 xéouoc ... Etc Ind Evo . . . xuBepvouevoc, ibid. 1, 20, 2; Vors. 44B 21. 7 of uèv oöv dro THe Zroûc Eva xdopov &repyvavto, Aëtius V, 1. 8 In Tim., DienL I, 176, 27. ® nenepdvôar te Td THY zal Eva elvaı x6ouov. 9, 8; Vors. 22A 1,

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Aétios! die Formel des eig xóopog auf Heraklit und sein System anwenden, so projizieren sie damit auf die Frühzeit des griechischen Denkens eine Problematik, die erst der Atomismus ins Leben rief. Unter den erhaltenen Fragmenten der Vorsokratiker kommt die Formel des eis xóopog an zwei Stellen vor, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Im 8. Fragment sagt Anaxagoras, die Dinge in der einzigen Welt seien nicht voneinander getrennt noch mit dem Beile voneinander abgehauen?. Den scheinbaren Widerspruch zwischen der hier behaupteten Einzigkeit der Welt und den Anspielungen des 4. Fragments auf Menschen, die auch Sonne und Mond hätten und alles andere wie bei uns, habe ich durch die Annahme eines homothetischen Wachstums zu lösen versucht, dem der Kosmos des Anaxagoras durch das stetige Umsichgreifen der Siéxprois unterworfen ist*. Das Hervorheben des cic »6ou.og weist darauf hin, daß der Noüg von einem Zentrum her wirkt, daß die von ihm gesteuerte Zersetzung des Undifferenzierten, des n&vra Ouod, nur eine Welt hervorbringt und daß sich auch hierin? die Kosmologie des Anaxagoras von der des Atomismus unterscheidet. Während die Authentizität der Formel év +6 évi xdoum im 8. Fragment des Anaxagoras nicht bezweifelt werden kann, wirkt das eig Eva x60uov im 26. Fragment des Empedokles in seiner Umgebung fremdartig. Bald, sagt der Dichter, vereinigen sich die Elemente durch die Liebe eig Eva. x6ouov, bald auch wieder streben sie einzeln auseinander durch die Feindschaft des Hasses, bis sie wieder zum ‘All-Einen’ (DIELS) zusammenwachsend (sc. der Liebe) unterliegen. In keiner der beiden Bedeutungen, ‘Welt’ und ‘Ordnung’, ist das Wort xöouog hier am Platze. Die erstere Bedeutung scheidet aus, weil mit ihr Empedokles in den Worten eig Eva x6ouov ganz unnötigerweise, wie wir sahen, die Einzigkeit seines Universums betonen würde, und dies dazu noch ausschließlich für den Grenzzustand dieses Universums als Sphairos, während doch auch der entgegengesetzte Grenzzustand, das vom Hasse bewirkte vierschichtige Gebilde des rerp&ororyov, die Bezeichnung als eig xöonog beanspruchen könnte und, um mit Empedokles zu sprechen, ebensoviel Grund hätte sich seiner Einsamkeit zu erfreuen wie der Sphairos. Dazu kommen noch sprachgeschicht1 ‘Hoamderrog . . . Eva Tv xdopov. 2, I, 2; Vors. 22A 10. 2 ob nexapıoraı dAAHAWY TH Ev TH Evi ndoum OÙDE ATOXÉAOMTOL mekéxer KT). 3 Cf. Ch. Mucrer, Le probleme d’Anaxagore, R. des Et. Gr., 1956, S. 314— 376. Uber andere Interpretationen dieser Stelle, namentlich durch die Auffassung xöouog = Weltordnung, cf. u.a. W. Kranz, Kosmos, Archiv für Begriffsgeschichte, 2, I, Bonn 1955; W.K.C. Gvtarie, A. History of Greek Philosophy II, Cambridge 1965; Diego Lanza, Anassagora, Florenz 1966. 4 Uber eine Auseinandersetzung des Anaxagoras mit dem Atomismus an andern Stellen der Fragmente cf. Le pr. d’Anax. S. 318; 375 und passim. 5 rote pèv DiAdrmrı ovvepyduev’ eig Eva xdopov, &Xhorte 8’ ad Sty” Exacta popobueva Neixeoc Éybet, Vors. 31 B 26, v. 5—7. elodxev Ev ouupbvra TÒ may brrevepde vévnrar.

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liche Erwägungen. Empedokles benennt seine Welt ndvra, &ravrat, Tò rav?, Yopaipog3, oùpavéct. Nirgends kommt bei ihm die Bezeichnung 6 x6ouoc5 für das All vor. Aber auch die zweite, durch Drers’ Übersetzung »zu einer gefügten Ordnung« empfohlene Bedeutung des Wortes xóogog ist schlecht vereinbar mit dem Inhalt des 26. Fragments. Die von der Liebe zustande gebrachte Einheit ist die den Sphairos ausfüllende homogene Mischung der vier Elemente untereinander und mit dem Substratum der Liebe. Ein solches Gebilde kann nicht als Ordnung bezeichnet werden. Weit eher würde dieser Name auf den polar entgegengesetzten Grenzzustand am Ende der durch den HaB bestimmten Phase des cyklischen Geschehens passen, wo die Elemente in Schichten übereinander gelagert sind und daher als ‘geordnet’ erscheinen. Aus demselben Grunde scheint mir das Wort xéouoc auch mit der Bedeutung eines »biologischen Organismus % fiir den an dieser Stelle beschriebenen Zustand der Welt nicht zutreffend. Im Gegensatz zu einem Organismus ist der Sphairos ungegliedert. Ihm fehlen nicht nur Glieder im eigentlichen Sinne, Füße und Kniee’. Auch die Glieder im übertragenen Sinne, die u&Xex und yuta der Elemente®, sind in diesem Zustand der Welt als Sphairos aufgelöst und in der Mischung zerronnen, während sie im rerpkororyov deutlich hervortreten. Viel treffender ist der hier von Empedokles gemeinte kosmologische Prozeß der Évootc, der Mischung der Elemente, im Vers 7 des 17. Fragments beschrieben, &AAote pév Dilörnrı ouvepyduev’ eig Ev &navta, der sich nur durch das Versende von 26, 5 unterscheidet. Auch sonst bezeichnet ja Empedokles die vollendete Mischung durch das einfache Neutrum év: toté uev yap Ev yvEnOy, uôvov elvar Ex mAcévwv®. Es handelt sich daher wohl bei 26, 5 um einen den oben zitierten Fallen ähnlichen Lapsus, bei dem an Stelle des empedokleischen Versendes eig Ev &ravta die den Kommentatoren und Kopisten geläufige Formel eig va x6ouov substituiert wurde, was um so leichter geschehen konnte, als diese sich metrisch ins Versende einfügt. Die Annahme, daß 26, 5 urspriinglich gleich 17, 7 war, darf uns nicht stéren. In Anlehnung an sein stilistisches Vorbild, Homer, scheut Empedokles vor Wiederholungen nicht zuriick. Université de Nice CHARLES MUGLER 1 Cf. B 6,1; 17, 7; 20, 2; 38, 4, etc. 2 Cf. B 13; 14; 17, 32; 39, 3, etc. 8 Cf. B 27, 4; 28, 2. 4 Cf. B 41. 5 Zur Bedeutungsgeschichte des Wortes xéouoc cf. u.a. W. Kranz, op. laud.; A. E. TAYLOR, A Commentary on Plato's Timaeus, Oxford 1928, S. 65. 66. 5 Cf. HÖLSCHER, Weltzeiten und Lebenszyklus, Hermes 93, 1965, S.14; SOLMSEN, Love and Strife in Empedocles’ Cosmology, Phronesis 10, 1965, 109 ff. 7 Vors. 31 B 29. 831 B 27a; 30; 31; 35. ® B 17, 1 und 17, 16; cf. 17, 9; 26, 8; 35, 5 etc.