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MucLER Cu., Kosmologische Formeln : Hermes XCVI 1968-1969 515-526. |
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Here the destruction of images opens the tenth
è Gmetpog xpóvos : paradoxalement, le concept d'un temps linéaire, infini,
yever,, and then follows disaster
for Rome. In A D 19 the statue of Janus falls, and
men begin to think of the
destruction of Rome, quoting an alleged Sibylline
which placed it at the end of
nine hundred years, There is clearly a connec
tion between these events and the
lines quoted above. In place, however, of the
is not clearly defined in length, the author
genuinely Sibylline yever,, which
of Dio's oracle has put the Roman
saeculum of one hundred years, declaring that
at the end of the nonum saeculum
Rome will be destroyed. It is unlikely that there
is any direct connection between Juvenal and Dio's oracle. But its existen
ce and people’s concern about
it prove that nona aetas agitur would readily
: be understood as a statement of the
deepest pessimism.
Belfast
in
M. J. McGann
Since the above study was submitted to this
journal, there has appeared
Arta Classirea To niwarsitatic Continent
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MucLeR Cn., Kosmolonische Formeln [chez Empédoc
le] ; cf. Philosopnie.
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Mucren CH. Kosmologische Formeln : Hermes XCVI 1968-1969 515-526. |
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est adnus sans discussion même par des penseurs qui, comme Empédocle et
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Platon, postulent par ailleurs le retour perpétuel des périodes cosmiques.
Le comparatif négatif expression de l'isonomie : l'idée qu'aucun moment
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du temps infini n'est supérieur ontologiquement aux autres moments apparaît
dejá chez les présocratiques, mais c'est Aristote qui lui donne une forme
systématique. 6 elg zéouos : cette formule par laquelle Platon et Aristote
entendaient marquer leur refus de la pluralité des mondes devient par la suite
une formule presque sacrée de la polémique anti-atomiste ; en la prétant aux
présocratiques, les doxographes projettent dans l'époque archaïque une problématique qui lui était inconnue.
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est admis sans discussion même par des penseurs qui, comme Empédocle et
Platon, postulent par ailleurs le retour perpétuel des périodes cosmiques.
Le comparatif négatif expression de l'isonomie : l'idée qu'aucun moment
du temps infini n'est supérieur ontologiquement aux autres moments apparait
déjà chez les présocratiques, mais c'est Aristote qui lui donne une forme
systématique. è elg xócuos : cette formule par laquelle Platon et Aristote
entendaient marquer leur refus de la pluralité des mondes devient par la suite
une formule presque sacrée de la polémique anti-atomiste ; en la prétant aux
présocratiques, les doxographes projettent dans l'époque archaïque une problématique qui lui était inconnue.
Ein in der griechischen Kosmologie häufiges Thema ist die Berufung auf die
Unendlichkeit der Zeit zur Rechtfertigung der Annahme, es müsse im Kosmos
ein Kräftespiel bestehen, sei es mechanischer, sei es teleologischer Natur, ohne
welches gewisse Erscheinungen längst erloschen wären. Auffällig ist dabei die
Feststellung, daß wir dieses Argument selbst bei den Verfechtern einer kreisförmigen Struktur der Zeitabfolge vorfinden, bei der wir erwarten müßten, daß
in einer gegebenen Weltperiode die einer beliebigen Erscheinung zugemessene
Zeitspanne einen endlichen maximalen Wert, nämlich die Dauer der Weltperiode selbst, nicht überschreiten darf. Diese Vertreter der ewigen Wiederkunft verfaliren mit der Zeit ohne die strenge Folgerichtigkeit, mit der etwa
Aristoteles den Raum behandelt. Hier wird der vom endlichen Kosmos erfüllte
Raum nicht etwa von einem aligemeinen, sich ıns Unendliche erstreckenden
Raum umspült, sondern der Raum selbst ist endlich, und seine Grenzen decken
sich mit denen des Kosmos!. Empedokles hingegen, der Denker, bei dem die
periodische Form der Zeit am deutlichsten hervortritt, bettet seine zweiphasige
große Weltperiode in einen linear und monodrom verlaufenden zeitlichen Fluß
ein, wenn er sagt, die unverbrüchliche gegenseitige Ablösung der Liebe und des
Hasses höre niemals auf*, oder wenn er feststellt, die beiden kosmischen
Kräfte beständen nicht mehr, wenn ihr Schwinden möglich wäre®.
Ähnlich fordert Platon auf verschiedenen Stufen seiner Entwicklung das
Fortbestehen cyklischer Wiedererstattungen, ohne welches die Welt im Stillstand erstarren würde. Schon im Phaidon erscheint ihm der geradlinige und
unumkehrbare Ablauf jedes Geschehens zwischen zwei Polen als ein Hinstreben
nach einem bewegungslosen Endzustand*. Wenn nur noch eine Vermengung
aller Dinge stattfände, fährt er fort, ohne den Ausgleich einer Trennung, so
1 Snow Gr: müde rérog BE xevdv obdE ygóvos torio Ela 705 Múpavod. De carlo 2794 11.
Zu der Frage cf. u. a W. RaïBe, Aristoteles und der Raum, Dissert Kiel 1965, S. 22 und
passim.
2 xxl 2207 Didocovra Btaurepès oldaue yes. Vors. 31 B 17, 6.
2 cite Yip iplcionvza Sraunepés, obuét’ av Foxv. Vors. 31 B 17, 31.
Gel và... eobetá nie ety À yéveots du 200 Erto uivav els Té watazveimes .. ., slot’ an
mivra Teheurüven To add 077 yx Sv ozoly,... nal nodose viyvéuevz. Phaidon 724, B
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6 &TELPOG XPÓVOG
Ein in der griechischen Kosmologie haufiges Thema ist die Berufung auf die
Unendlichkeit der Zeit zur Rechtfertigung der Annahme, es miisse im Kosmos
ein Kräftespiel bestehen, sei es mechanischer, sei es teleologischer Natur, ohne
welches gewisse Erscheinungen längst erloschen waren. Auffällig ist dabei die
Feststellung, da8 wir dieses Argument selbst bei den Verfechtern einer kreisförmigen Struktur der Zeitabfolge vorfinden, bei der wir erwarten müßten, daß
in einer gegebenen Weltperiode die einer beliebigen Erscheinung zugemessene
Zeitspanne einen endlichen maximalen Wert, nämlich die Dauer der Weltperiode selbst, nicht überschreiten darf. Diese Vertreter der ewigen Wiederkunft verfahren mit der Zeit ohne die strenge Folgerichtigkeit, mit der etwa
Aristoteles den Raum behandelt. Hier wird der vom endlichen Kosmos erfüllte
Raum nicht etwa von einem allgemeinen, sich ins Unendliche erstreckenden
Raum umspült, sondern der Raum selbst ist endlich, und seine Grenzen decken
sich mit denen des Kosmos!. Empedokles hingegen, der Denker, bei dem die
periodische Form der Zeit am deutlichsten hervortritt, bettet seine zweiphasige
große Weltperiode in einen linear und monodrom verlaufenden zeitlichen Fluß
ein, wenn er sagt, die unverbrüchliche gegenseitige Ablösung der Liebe und des
Hasses höre niemals auf?, oder wenn er feststellt, die beiden kosmischen
Kräfte bestánden nicht mehr, wenn ihr Schwinden möglich wáre?,
Ähnlich fordert Platon auf verschiedenen Stufen seiner Entwicklung das
Fortbestehen cyklischer Wiedererstattungen, ohne welches die Welt im Stillstand erstarren würde. Schon im Phaidon erscheint ihm der geradlinige und
unumkehrbare Ablauf jedes Geschehens zwischen zwei Polen als ein Hinstreben
nach einem bewegungslosen Endzustand*. Wenn nur noch eine Vermengung
aller Dinge stattfände, fährt er fort, ohne den Ausgleich einer Trennung, so
i
1 SHAov Sti oddè TÓTTOG oddè xevòv Odds ypóvos Eotiv ¿Lu Tod ovpavod. De caelo 279a IT.
Zu der Frage cf. u. a. W. RAIBLE, Aristoteles und der Raum, Dissert. Kiel 1965, S. 22 und
passim.
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2 xal tate’ ddAAckcoovta dLaurepts oddauà Añyel. Vors. 31B 17, 6.
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3 etre yap Ep0etpovto Sraprtepéc, odxér’ dv foav. Vors. 31B 17, 31.
tel ydo... ed0etd tig ely À Yeveoıg du Tod érépou puóvov sic TÓ xaTavrixpo . . ., 0L00’ Str
TAVTA TEMEUTOVTA TÒ KOTO oyqua av oyoly... xal madoatto yryvoueva. Phaidon 72 A, B.
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Hermes 96,5
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würde sich bald das anaxagoreische 6y00 ravra ypnuara einstellen!. Derselbe
ausweglose Stillstand ist die Aussicht, die im Phaidros dem Weltgebäude und
jeglichem Geschehen droht, es sei denn, daB die Forderung der Unerschaffenheit
und Unvergänglichkeit, das heißt der ewigen Dauer, des sich selbst Bewegenden
erfüllt ist? und im Theaitetos deutet Platon eine Homerstelle in dem Sinne,
daß die Errettung der göttlichen und menschlichen Geschicke vor Wirrnis und
Untergang, den Folgen des Stillstands und der Unbeweglichkeit, an die stetige
Dauer der Himmelsbewegung und des Kreislaufs der Sonne gebunden ist®. Die
immerwährende Erneuerung des Kosmos in seinem jetzigen Zustand und die
Vermeidung eines »Stillstands in der Gleichförmigkeit« sind auch eines der
Motive im Bauplan des Demiurgen im Timaios*. Wären im All nur die Kräfte
der &véyxn am Werk, so würde dieses in kurzer Zeit die Gestalt eines vierfach
geschichteten Gebildes annehmen, des rerp&ororyov, in welchem die Elemente
in getrennten Zonen übereinander lägen, und für immer in diesem Zustand
verharren. Wäre andererseits die durch die Umdrehung des Fixsternhimmels
bewirkte Einstrahlung die einzige im Kosmos herrschende Kraft, ohne Gegenwirkung der dvdyxn, so wäre die sich bald einstellende Folge ein das Weltinnere
erfüllendes homogenes Gemisch aus den die Elemente bestimmenden Polyedern und der damit verbundene Stillstand alles Geschehens®. Erst durch das
den ganzen Zeitlauf hindurch gewährleistete — dtaowlouewn sagt Platon —
Zusammenwirken von aveyxy, und Drehung des Himmelsgewölbes, des ‘Identitätskreises’, wird die Heterogenität im Weltinnern, und damit die Bewegung
und das Geschehen, stetig erneuert®.
An keiner der zitierten Stellen bezeichnet Platon den Ablauf der Zeit ausdrücklich als unendlich”. Seine Folgerungen fußen jedoch auf der stillschweigen1yäv el ovyxelvorto mdvra, Suuxpivouro dé wh, Tayd av TÒ Tod 'Avalayópov yeyovòs
ein, du0d ravra ypnuara, 72C.
2roöro Sé (sc. Tb adrd «dr xivobv) ot’ 5 drrórAvobar oöte ylyvecBor Suvaröv, À mavtTa
ze odpavòv mäodv ze yéveoiv cuumecodoay ative, vat uhnore atis Eyeuv bev xivnbévro
yevyoetat, Phaidros 245 D, E.
8 Loc uèv dv À reptpopà 7) xwovpévn ual 6 HAtog, révra Earı nal o~letat ta ev Beolg ze
nal &vOpdroug, el DE otaly tolto domep Sebdv, révra ypnuar’ dv Suapbapein zal yEvort’ av
Tb AeyOuevov vo dro rävra. Theaitetos 153 D.
4 nae 86 mote où ward yévy Staywprabdvta Exacta nenaurar Tic dt’ aAAHAWY Kıvnosws
xal popäc, Timaios 58 A.
5 el oraln mug ta TAVTA GOD yevópeva, “TA. Leges 10, 895 A.
8} zie dvapardrytos SiacmCouévy yEveoıg del thy del xlvnow tovTwy odaav Esouevmv TE
évOchexds rapeyerar. Timaios 58C.
7 Dies tut er nur mit Bezug auf die menschliche Geschichte, wie z. B. Resp. 499 C,
dv Tr drelow tH mapednrvOdte ypdven, cf. Ev ra TON yedve,, Leges 3, 711 D, wobei der
&metpog ypóvog sich über mehrere geschichtliche Perioden erstreckt. Demnach lagert Platon
seine Cyklen der Geschichte in den monodromen Ablauf des kosmischen Geschehens ein.
Über den periodischen Verlauf der Geschichte bei Platon cf. K. Garser, Platons ungeschriebene Lehre, Stuttgart 1963, S. 274
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den Voraussetzung der Unendlichkeit der linear fortschreitenden Zeit, wie wir
es aus den von ihm gebrauchten Ausdrücken orMvaı, teAcutav}, det, mavecban,
£wc und besonders Stac&eiv? ersehen.
Ausgesprochen wird das Wort in diesem Zusammenhang erst von Aristoteles. Daß für ihn, wie für Platon, der Zeitablauf sich nach Vergangenheit und
Zukunft ins Unendliche erstreckt, spricht er öfters aus. Das Weltall enthält und
umfängt, sagt er in De caelo, die unendliche Zeit®. Die Umdrehung des Himmels erleidet keinen Stillstand im Laufe der unendlichen Zeit. Wollte man dem
Entstehen der Elemente eine unendliche Dauer zubilligen, so müßte man, da ja
dann auch ihre Auflösung unendliche Zeit beanspruchen würde, annehmen, es
gäbe außerhalb der unendlichen Zeit noch eine unendliche Zeit®, was absurd ist.
Auf diese Unendlichkeit der Zeit beruft er sich, um, ähnlich wie Platon, das
notwendige Bestehen kosmischer Zweckeinrichtungen zu beweisen, ohne welche
gewisse Erscheinungen längst aufgehört hätten zu bestehen. Längst wären,
ohne die unabänderliche Regelmäßigkeit des Planetenreigens, die Planeten
auseinander gerückt in der unendlichen Zeit, die ihnen zur Verfügung steht;
die Beobachtung hat jedoch keine Veränderung in ihrem gegenseitigen Abstand festgestellt®. Längst auch hätten sich im Laufe der unendlichen Zeit die
Elemente im Streben nach dem ihrer Natur gemäßen Ort voneinander getrennt
und übereinander geschichtet ohne die gegenseitige Verwandlung ineinander,
der sie unterworfen sind’. Gelegentlich ersetzt Aristoteles in ähnlichem Zusammenhang die Formel &v t@ arelpw yodve durch das einfachere mada, das
dem oben gebrauchten ‘längst’ genau entspricht. Woher kommt es, fragt er in
seiner Abhandlung Über Werden und Vergehen, daß, wenn doch ständig Teile
der Wirklichkeit dahinschwinden, das endliche All nicht schon längst erschöpft und aufgebraucht® ist? Antwort: Dieser Schwund ist nur Schein, und
das Entschwundene taucht im Wandel der Elemente und im Wechsel der an
diese gebundenen Erscheinungen in anderer Form wieder auf.
Einen späten Nachklang der griechischen Berufung auf die Unendlichkeit
der Zeit zur Rechtfertigung kosmischer Strukturen sehen wir bei F. Nietzsche.
1 Dasselbe Zeitwort auch Resp. 10, 611 A, návra dv ely vehevrövra dOdvara.
? Stace. bezeichnet, Timaios 22 DE, das Überleben einzelner Bevölkerungsteile bei
den periodisch eintretenden Sintfluten.
36 räg oùpavèc . . Exwv nal mepiéyev Ev altes Tov Äreupov ypdvov, De caelo 283 b 26.
4 abrn à xvxropopta ... &mavotos oÖoau tov &rteipov ypóvov, ibid. 284
a 7.
5 Mote ouußnoeran Zw Tod drelpou ypóvou &AAov elvar Kretpov, ibid. 304b 31.
6 Yon yao &v Eyeyóver dudoraorg Thy &orpwv Ev TH drrelpw ypdven, TOD Ev Oärrov xivouLEvov Tod dé Boaddtepov. où patverat 3’ odBèv Eng Éyov roig Sinorhuacıv. De caelo 288b 10.
7 Std th éxcotov TV oopdrov els thy olxelav pepouévou ydpav év TH Arelpw xpôve où
dreoräor và copaura; alrıov dp robrou Bory à els XANAX perdBaore: el yhe ExnoTov Éuevev &v
TH abroö ydpa xal uh weTéBadrAcy Örd tod mAnotov, HSy av Steoryxeoav. De gen. et corr. 337a 8.
8 einep obv dei tt Tv Övrov dnépyetat, Bid th nor’ oùx AvnAmraı aa zal ppoödov Td
mäv, el ye renepaouévoy Tv &E ob ylverat Tv yiwvouévev Exaotov; ibid. 318a 16.
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Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)CHARLES MUGLER
Wenn vielleicht auch, wie KERENYI vermutet, die erste Intuition der ewigen
Wiederkunft am Felsen bei Surlej eine metaphysische Steigerung des bei Nietzsches Krankheit häufigen Gefühls des »schon einmal erlebt habens« ist, so
klingt doch der Satz, mit dem er seine spätere Beweisführung einleitet, wie eine
Prosa-Übertragung des empedokleischen ette yap êpbetpovro Stapmepéc, obxér’
av Hoov: »Die Welt der Kräfte erleidet keine Verminderung, denn sonst
wäre sie in der unendlichen Zeit schwach geworden und zugrunde gegangen«!,
Zugleich gelangt hier die aristotelische Formel &v 7@ arneipw ypdve wieder
ans Licht der Geschichte.
II
Der verneinte Comparativ zum Ausdruck der Isonomie
Die Berufung auf die Unendlichkeit der Zeit in diesem Zusammenhang
erweist sich bei näherer Betrachtung als Sonderfall eines viel umfassenderen
erkenntnistheoretischen Prinzips, das man als Indifferenz-Satz oder IsonomiePrinzip bezeichnen könnte. Der obigen Beispielen zugrunde liegende Gedanke
ist folgender. Die beobachteten Erscheinungen erlöschen voraussichtlich nach
einer endlichen Zeitspanne. Das Erlöschen kann jedoch nicht endgültig sein,
da kein Grund vorliegt zu der Annahme, daß ein Ablauf dieser Art nur einmal
stattfinde, daß das Zeitsegment seiner Dauer auf diese und keine andere Stelle
der unendlichen Zeitlinie falle, daß ausgerechnet wir, das heißt wenige Generationen, zu Zeugen eines einmaligen Geschehens berufen sind, und vor uns und
nach uns niemand mehr. Dieses Prinzip wird von den griechischen Denkern
nicht nur auf Zeitsegmente, sondern auch auf Zeitpunkte, auf den Augenblick,
angewandt. Ausdrücklich lehnt Parmenides die Bevorzugung des jetzt oder des
dann auf Kosten des früher oder später ab. Das Seiende, sagt er im 8. Fragment,
ist ungeboren und unvergänglich. Welcher Zwang auch hätte es dazu bewegen
können, später oder früher aus dem Nichts heraus zu entstehen?? Simplikios
paraphrasiert den Satz des Parmenides durch die Frage, weshalb denn das
Seiende gerade damals, und nicht früher oder später, seinen Ursprung genommen
haben soll®.
Gegen dieses Prinzip der ontologischen Gleichberechtigung, der Isonomie,
sämtlicher Augenblicke der unendlichen Zeit verstoßen in den Augen des
Aristoteles kosmologische Systeme, die die Welt in einem bestimmten Zeitpunkt beginnen lassen. Aristoteles, der die Äußerungen des Anaxagoras über
1 Werke, Gesamtausgabe, XII, p. 62; zitiert von Elisabeth FöÖRSTER-NIETZSCHE, Der
einsame Nietzsche, Leipzig 1914, p. 137.
2
zl 8° & ut zal ypéog dpoev
botepov À nopóodev, Tod undevög deEduevov, piv; Vors. 28B 8, 9.
3 xal dud th Oy Tore, BAAL Uh zal rpdtepov 9) Üorepov éyéveto; Phys. 78, 26.
Página 6
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)einen zeitlichen Anfang der Tätigkeit des Noöc, und damit des kosmischen
Geschehens, wörtlich nimmt!, meint, es widerspreche der Vorstellung eines
naturgemäßen Ablaufs anzunehmen, das All habe eine Ewigkeit lang in Ruhe
verharrt, um sich dann plötzlich in Bewegung zu setzen, ohne sich zu fragen,
warum dies kosmische Ereignis eher jetzt als früher eingetreten wäre.
Seinem allgemeinen Charakter entsprechend wird das Prinzip der Isonomie
von den griechischen Denkern auch auf den Raum und auf räumliche Gebilde
angewandt. Die von Aristoteles dem Anaximander, von Aëtios dem Parmenides
und Demokrit zugeschriebene Erklärung des unbewegten Verharrens der Erde
im Mittelpunkt des Kosmos beruht auf der Forderung der Gleichberechtigung
aller Himmelsrichtungen für einen von sämtlichen Gestirnen gleich weit entfernten Körper. Es stehe, so faßt Aristoteles den Gedankengang des Anaximander zusammen, einem solchen Körper nicht zu, sich eher nach oben als nach
unten oder seitwärts zu bewegen®, und bei Parmenides und Demokrit, meint
Aëtios, habe die Erde infolge ihrer zentralen Lage keinen Grund, eher hierhin
als dorthin zu drängen *. Durch die Isonomie erklärt Parmenides nicht nur, wie wir
sahen, die Unerschaffenheit des Seienden, sondern auch die Kugelgestalt des
Einen Seienden. Es bestehe für dieses, sagt er im 8. Fragment, kein Zwang,
eher hier als dort größer oder schwächer zu sein, und es sei daher von der Mitte
her überall gleich stark®. Es ist wohl eine Reminiszenz des parmenideischen
zj à Th, wenn Simplikios bei Erläuterung einer Stelle des Aristoteles, auf die wir
noch zurückkommen werden, fragt, nach welcher Richtung sich denn eine in
einer gleichgearteten Umwelt befindliche Masse bewegen soll, aufwärts oder
abwärts, und dann feststellt, es bestehe kein Grund, warum diese eher hierhin
als dorthin, uäXkov de À THSe, treiben soll®.
Die umfassendste Anwendung der Isonomie finden wir im älteren Atomismus. Durch die erkenntnistheoretische Auseinandersetzung seiner Begründer
mit dem Eleatismus gelangt dieses Prinzip hier zu einer kosmologischen Tragweite wie in keinem andern System weder vorher noch nachher. Auf Grund des
parmenideischen Satzes der Identität von Sein und Denken, — den sie sich auf
ihre Weise zu eigen machen, indem sie ihn dahin deuten, daß alles Denkbare zur
‘not yao éxeivoc, 60d mévtwv dvrwv xal Apegobvrwv tov Ärerpov ypóvov, xivnow
éurotfoot tov voöv xat Siaxpivat. Phys. 250b 25 (jetzt unter A 59 in die Doxographie des
Anaxagoras eingereiht von Diego Lanza, Anassagora, Florenz 1966, p. 114).
* 76 8 drerpov ypóvov hpeuelv (sc. mdvra), elta xivyO¥vat mote, robrou SE undeutav
elvar Siapopév, Str viv uäkAovh npórepov,...obxér QUOEMG Epyov. Phys. 252a 14.
3 wddAOv Lev yap odBËv Ava à dt À cig ta nihdyra pepeodar mpoofuer Td mi Tod éoov
IBpuuévoy zat polos zode tH toyata Eyov. De caelo 295
b 11.
* ox Eyovoav alrtav du’ Hv Sedpo LRO À Exeïoe Aéetev dv. 3, 15, 17.
’ geooóbey ioomakèc mévrp: Td yao obte ru peïbov | ote vi Barórepov nekévat yoedv Eorı
Th A Th. Vors. 28 B 8, 44f.
Snob eveyxOqoetar (sc. h BAG), rörepov &va À xt; polos yup 6 Öhog (sc. TÉTOc)
oixetog: oùdèv obv UXAAOV tijde À rijde. Simpl. Phys. 483, 12.
Página 7
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)CHARLES MUGLER
Wirklichkeit berufen ist!, — zwingen Leukippos und Demokrit zunächst das
physische Nichtsein, das heißt den zuvor als undenkbar abgelehnten leeren
Raum, in die Wirklichkeit. Der leere Raum ist ebenso denkbar wie der erfüllte,
daher habe, meinen sie, das Sein des erfüllten Raumes keinen größeren Anspruch auf Wirklichkeit als das Nichtsein des leeren, und beide hätten daher den
gleichen ursächlichen Anteil am Entstehen der Dinge?. Die Verteilung der
Wirklichkeit auf den erfüllten und den auf diese Weise neu errungenen leeren
Raum wird sodann demselben Prinzip unterworfen. Keine der geometrisch
möglichen Formen, die die Grenzflächen zwischen ‘leer’ und ‘voll’, das heißt
die Gestalten der Atome, annehmen, ist vom Denken bevorzugt. Die Zahl der
im Weltall vertretenen Atomformen ist daher unendlich groß®. In beiden
Fällen dient hier der negierte Comparativ mit disjunktivem # dem Ausdruck
der Isonomie. Es stellt sich die Frage, auf wen diese Prägung, oddév (unòèv)
gâdrkov...À..., eines der Hauptsätze des Atomismus zurückgeht. Im Zusammenhang mit Ausführungen über die von Demokrit behauptete ontologische
Gleichberechtigung von Sein und Nichtsein, Voll und Leer, »Nichts und
Ichts« (Drers) zitiert Plutarch* den Satz in der Form py gödhov 16 dev à zò
undev civar, wo das dem eigenwilligen Sprachgebrauch Demokrits angehörende
dev die Authentizität des Ausspruchs bezeugt. Bestätigt wird die Urheberschaft
Demokrits durch die Eindringlichkeit, mit der Simplikios® diese Formel
mehrmals im Zusammenhang mit dem Atomismus wiederholt. Nach allem,
was wir von der Physik Demokrits wissen — allerdings mehr aus den doxographischen Berichten als aus den Fragmenten —, ließen sich auch alle andern für sein System charakteristischen Sätze durch solche Formeln ausdrücken,
und es ist durchaus möglich, daß neben obigem d1& 76 umdev LÄANOV ToLODTOV
À rorodrov elvaı zur Begründung der unendlichen Vielfalt der Atomformen
ein Ord To undèv näAAAOV Tooodrov À Tocodrov elvaı zur Begründung der anderweitig für Demokrits Vorstellungswelt bezeugten unendlichen Größenskala der
Atome bestanden hat, sowie ein dem parmenideischen otre neilov oùre
Borórepov Tú 7 rj entsprechender Satz zur Begründung der unbegrenzten
Ausdehnung des Alls, etwa did 6 un uärhov TH À TH elvar to tod mavròs
répas, und schließlich ein Satz zur Rechtfertigung der von Demokrit behaupteten Isotropie des Raumes hinsichtlich der Bewegungsrichtungen der Atome,
etwa Sia To ph pännov Exeloe À Exeioe pépeobar td Krome.
* Da wir uns hier nur mit der sprachlichen Formulierung des Isonomieprinzips befassen,
verweisen wir für dessen erkenntnistheoretische Ableitung aus dem Eleatismus auf die einschlägigen Stellen bei ZELLER, GOMPERZ, NESTLE, BURNET, GUTHRIE und in den Werken
über den Atomismus von ScHMID, ALFIERI, BAILEY, etc. Cf. auch Ch. MUGLER, L’isonomie
des atomistes, R. de Philol. 30, 1956, 231/250.
? Eru dè obdèv u&Nov TO dv À Td Uh dv Öndpyeiv, zat atria bots elvaı tots yuvopevotc
&uow. Simplicius, Phys. 28, rz.
* av Ev abroig oynudtwv Änetpov td TAHO0g Sid Tb undèv UGAAOV TOLOUTOV Ÿ ToLODTOV
elvau. Simpl. Phys. 28, 9.
4 Vors. 68 B 156.
5 Cf. Phys. ed. Dies, p. 28.
Página 8
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Während wir uns bei diesen Wiederherstellungsversuchen im Hypothetischen bewegen, finden wir, wie zu erwarten, eine geschichtlich faBbare Tendenz zu einer stereotypen Gestaltung des Isonomieprinzips bei Aristoteles.
Neben der dem von Simplikios bezeugten oddév (uydév) u&XAov toLtodtov À
rotobrov Ähnlichen Formel undeutav diapopay, Ört vöv u&AAov à medtepov, Phys.
252 a 14, die wir schon oben anläßlich der Kritik an Anaxagoras erwähnten,
gebraucht Aristoteles, je nach dem Gebiet, für das er die Isonomie fordert, noch
zwei andere Prägungen:
(1) Beim Raum kleidet er diese Forderung in die Form der Frage, warum
denn ein Gegenstand oder eine Erscheinung diesen oder jenen Ort, diese oder
jene Richtung bevorzugen soll. Warum, fragt er im 3. Buch der Physik bei der
Widerlegung der unendlichen Ausdehnung des Raumes, soll sich das Leere
eher hier als dort befinden!, — eine Frage, die auf ähnliche Weise an Parmenides
B 8, 43/44 anklingt wie eine oben zitierte Stelle des Simplikios. Warum, fragt
er unter Anwendung desselben Schemas etwas weiter, soll sich ein unendlich
ausgedehnter Körper eher abwärts als aufwärts oder sonst in beliebiger Richtung?
bewegen ?
(2) Die Isonomie der Zeit drückt er durch den Satz aus, es gebe keinen Zeitpunkt oder keine Zeitspanne, die vor andern Augenblicken oder Abschnitten
den Vorrang hätten, eine naturgemäße Erscheinung sei so, daß sie entweder
immer stattfände oder gar nicht, und nicht so, daß sie zu Zeiten eintritt, zu
Zeiten aber nicht. Den von Demokrit unternommenen Erklärungsversuch der
Kometen aus der Konjunktion mehrerer Planeten?, die jener auf die Beobachtung gründet, man habe die Kometen sich in einzelne Sterne auflösen sehen,
weist er mit der Bemerkung zurück, diese Beobachtung müßte, um überzeugend
zu sein, immer, das heißt bei jedem Kometen, gemacht werden, und nicht dann,
aber nicht dann®. Mit denselben Worten gibt Aristoteles im Anschluß an die
oben zitierte Stelle Phys. 252 a ı4 seiner Überzeugung Ausdruck, ein Naturgeschehen müsse, wenn nicht wie bei Empedokles gesetzmäßige Proportionen
dem entgegentreten, einfach verlaufen und nicht einmal so und ein anderes Mal
anders®, und als Beispiel erwähnt er das Verhalten des Feuers, das ständig nach
oben strebe, seiner Natur gemäß, die ihm wicht erlaube, dies einmal zu tun und
ein anderes Mal nicht’. Ganz allgemein, sagt er im selben Kapitel der Physik, ist
die Bewegung etwas Immerwährendes; die Annahme, diese bestände zu einer
1 ct yap udAdov tod xevod Evrauße à évratO«; Phys. 203b 27.
2 rt yap UxAAOV ndr À Evo À Érovobv; Phys. 205a 14.
8 Cf. hierzu BoLL-BEzoLp, Sternglaube und Sterndeutung, S. 121 ff.
not yap (sc. Anuöxpıros) BpBar Starvouévav Töv xount&y dotéeag Tuvdg. Meteor.
343
b 26; cf. 342b 25.
3 tobro 8 oby été ev Eder ylyveodaı dtd 8° où, &AN dei. Meteor. 343b 27.
eN yap ardéic Eyer td pÜoer «ai ody Ste ev obrws STE 8’ HAWES... À Adyov Eyer Tb UY
arhoby. Phys. 252a 17.
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Zeit und zu einer andern nicht, käme einem künstlichen Gedankengebilde gleich!.
Der ‘natürliche’ Gedanke, auf Grund dessen Aristoteles alle diese künstlichen
Annahmen verurteilt, ist die Isonomie der Zeit, die keine bevorzugten, der Hervorbringung abwegigen Geschehens günstigen Momente kennt.
Man weiß, daß Aristoteles wie keiner seiner Vorgänger die philosophische
Fachsprache bereichert hat, indem er bestimmte und in seinem System immer
wiederkehrende Begriffe an bestimmte sprachliche Formulierungen band. Die
große Mehrzahl dieser Ausdrücke — ob es sich nun um semasiologische Festlegungen von Worten handelt, die mit schwankender Bedeutung schon vorher
in der philosophischen Literatur vorkamen, wie etwa ovota, oder um energische
syntaktische Bildungen, wie +5 ti Tv elvaı® — bezeichnet Begriffe, die von
Aristoteles selbst geschaffen wurden. Mit den oben zitierten Formeln hingegen,
où (uy) paAAov..H..., TL nov... H..., Ody OTE uev, ÔTÈ 8’ od, beruft
sich Aristoteles auf eine alte Denkregel, von der schon die Fragmente des
Parmenides Spuren aufweisen.
Il
6 els x6ouoc
Die Antinomie zwischen Pluralität der Welten und Einzigkeit des Kosmos
wurde erst akut, nachdem der Atomismus mit aller Schärfe und Deutlichkeit
der alten Lehre vom einen All seine Vorstellung einer Mehrzahl, sogar einer
unendlichen Mehrzahl, von gleichzeitig und unabhängig voneinander bestehenden Welten entgegengestellt und durch seine kosmologischen Sätze vom
Entstehen und Vergehen, von der begrenzten Lebensdauer jeder einzelnen Welt
der Verwechslung dieser räumlichen Pluralität mit der zeitlichen Pluralitat
einer periodisch vergehenden und neu entstehenden einzigen Welt — Spuren
dieser Verwechslung begegnen wir in der Doxographie — den Boden entzogen
hatte. Die Betonung der Pluralität seitens des Atomismus hatte zur Folge, daB
nun ihrerseits die Verfechter der Einzigkeit der Welt, die kosmologischen
‘Einheitshirten’, sich veranlaßt fühlten, mit größerer Energie für ihre These
einzutreten. In alter Zeit war diese stillschweigend vorausgesetzt oder mit der
Gelassenheit vorgetragen worden, die man bei selbstverständlichen Behauptungen zu wahren pflegt. Ohne jede Absicht einer besonderen Betonung stellt
Empedokles das Alleinsein seiner Welt fest: »Sphairos, der kugelförmige, über
die ringsum herrschende Einsamkeit von frohem Stolz? erfüllt «. Selbst das auch
kosmologisch deutbare Eins des Parmenides, vom Dichterphilosophen unter
1 Shov Go Loti aldtog xivnorc, GAN’ ody Std uèv Av dtd 8° ob: zat yao Bore TO obtw
dEyew TAdouatL weAAOV. Phys. 252a 3.
2 Cf. Ch. MUGLER, La proposition substantivée, Bulletin de la Soc. Ling. de Paris, 55,
1960, S. 32 —39.
3 Zpaïpos xuxAotephc govin mepinyé: yalov. 31 B 27 und 28; Übersetzung von H. Diers.
Página 10
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)anderm als &v, ouveyéc, B 8, 6, charakterisiert, wird im ersten Teil des Lehrgedichts mit sachlicher Ruhe dargestellt und im Metaphysischen verankert.
Vom Atomismus ab muß die Einzigkeit der Welt, die nicht mehr als selbstverständlich gelten kann, durch neue Argumente gestützt und die Gegenthese
der Vielheit widerlegt werden, eine Aufgabe, die um so schwieriger zu lösen
war, als Demokrit selbst an der höchsten Quelle, bei Parmenides, geschöpft
hatte, um seine neue kosmologische Sicht zu fundieren, selbst gegen den Meister.
Dadurch weicht die Abgeklärtheit bei der Behandlung des Problems einer
früher ungekannten polemischen Schärfe. Manchmal steigert sich der Ton zu
einer eigenartigen Emphase, zu einer Leidenschaftlichkeit, die an den Eifer
erinnert, mit dem in monotheistischen Religionen die Einzigkeit Gottes gelehrt
und bekannt wird, was sich nur dadurch erklären läßt, daß man im System
Demokrits über seinen rein wissenschaftlichen und erkenntnistheoretischen
Inhalt hinaus etwas moralisch Gefährliches und Verwerfliches sah. Worin
dieses Böse bestand, das Zeitgenossen und Spätere ablehnen zu müssen glaubten, können wir aus der Würdigung erschließen, die der Weltanschauung Demokritsim späten Altertum seitenschristlicherAutoren wieLactantius!zuteilwurde.
Auf einen ähnlichen Widerstand muß der Atomismus um die Wende des
4. Jahrhunderts gestoßen sein, — was zum Teil die Verschwörung des
Schweigens erklärt, über die sich Demokrit beklagt?. Das System barg in den
Augen der Zeitgenossen des Sokrates zuviel des Düsteren, gegen das sich der
naive Lebenswille sträubte. Es war schon schauerlich genug, daß hier das
einzelne menschliche Dasein durch die Abwesenheit jeglicher Transzendenz und
die Auflösung der Seele nach dem Tode von endgültiger Vernichtung bedroht
war und daß das organische Leben, und damit die menschliche Geschichte mit
allen ihren Errungenschaften, unaufhaltsam dem Erlöschen zustrebte. Daß
aber die Geschichte nicht einmal tote Spuren hinterlassen sollte, da ja ihr
Schauplatz, die Welt, selbst dem Untergang verfallen war, diese Vorstellung
überstieg die Grenzen des Ertragbaren. In der richtigen Erkenntnis, daß bei
Demokrit die Vernichtung unserer Welt mit der Lehre der Pluralität der Welten
eng zusammenhing, wandte man sich nun gegen letztere. Demokrit hatte geglaubt, sich den Luxus der Weltendämmerung leisten zu können, weil das
Schwinden der einzelnen Welten, und unter ihnen der unseren, durch das Entstehen neuer Welten kompensiert und damit die kosmologische Präsenz gerettet war. Wurde die Pluralität der Welten widerlegt, so schloß man, so
mußte unser Kosmos, der einzige, von ewigem Bestand sein, da ja die kosmologische Präsenz nicht gefährdet werden durfte.
Von dieser emphatischen Hervorhebung der Einzigkeit des Kosmos bietet
Platons Timaios mehrere Beispiele. Der Demiurg erschuf die Welt als ein
einziges sichtbares Lebewesen®, und im Anschluß an diese Stelle entwickelt
1 Cf. unter anderm Inst. div. 7, 7, 9.
2 Vors. 68 B 116.
36 Oeds... Cov Ev épardy . . ouvéornoe. Timaios 30D.
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Platon eine metaphysische und logische Begründung der povworg des Kosmos,
die mit der nachdriicklichen Feststellung schlieBt, dieser unser Himmel sei
einzig, allein in seiner Art; so ward er und so wird er immer sein!. Wie die
uóvwors physisch bewerkstelligt wird, zeigt uns Platon 32C—33 A. Damit keine
Gefahr bestehe, daB sich auBerhalb des von ihm in möglichster Vollkommenheit
aufgebauten Kosmos ein zweiter, oder mehrere andere, bilden könne, verwendet
der Demiurg die Gesamtheit der vorhandenen Elemente, alles was an Feuer,
Wasser, Luft und Erde zur Verfügung steht, auf den Aufbau dieses einen vollkommenen Weltwesens?.
Mit demselben Nachdruck behauptet auch Aristoteles die Einzigkeit seines
geschlossenen Universums. Wenn erwiesen werden kann, führt er in einem
stark an Timaios 32C—33A anklingenden Gedankengang in De caelo aus, daß
unsere Welt nicht nur aus einem Teil der vorhandenen Materie besteht, sondern
diese in ihrer Ganzheit enthält, so kann keine andere Welt außerhalb der unsrigen bestehen, und eine Pluralität der Welten ist unmöglich. Mit einer gewissen
Feierlichkeit beschließt er die hierauf folgende Beweisführung durch die Worte
veinzig und alleinbestehend und vollkommen ist dieser unser Himmel «*, wie er
auch zu Beginn des zweiten Buches von De caelo den Inhalt des ersten Buches
in den Worten zusammenfaßt »das All ist eins und ewig«®.
Infolge der Betonung der Einzigkeit der Welt bei Autoren, die sich dadurch
bewußt vom Atomismus absetzen wollten, erhielt die Formel 6 eig xöowog, die
sich dabei herauskristallisierte, einen fast sakralen Charakter. ‘O xéouoc eig got
beginnt Stobaios sein Zitat aus den Bakchen des Philolaos®. Die Stoiker verkündeten, nach Aëtios?, &vx xoouov. Die Formel 6 eig x6ouos war in der
Spätzeit so geläufig, daß sie den Doxographen auch dann in die Feder floß,
wenn, wie dies bei ihren Berichten über die voratomistische Philosophie der
Fall war, kein Grund vorlag, die Einzigkeit der Welt von den alten Denkern
besonders betonen zu lassen. Wenn Proklos im Timaioskommentar® bei einer
kurzen Darstellung des Systems des Philolaos die Einzigkeit der Welt unterstreicht, eig drotehettau x6ouoc, so ist dies durch die Betonung dieses Themas
durch Philolaos selbst gerechtfertigt. Wenn jedoch Diogenes Laërtios® und
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2 {va Gaov Ott udAtota Cov TÉheov . . ely, wpd SE TovTOLG Ev. 32 D, cf. 33 A.
3 ob ’ By eln Xoc (sc. obpavèc) ot’ Av evdeyorto yevéobar mActoug Sid Td THOM THY
SAY nepler\npévar Tobrov. De caelo 278b 6.
4 elc nat udvocg xat tédetog obvog Obpavdg Eorıv. ibid. 279a 10.
5 6 mag obpavèc . . . Zorıv els ual &iduoc, ibid. 283b 26.
6 Stob. Ecl. phys. 1, 15, 7; Vors. 44B 17; cf. die unechte Stelle öde 6 xéouoc ... Etc Ind
Evo . . . xuBepvouevoc, ibid. 1, 20, 2; Vors. 44B 21.
7 of uèv oöv dro THe Zroûc Eva xdopov &repyvavto, Aëtius V, 1.
8 In Tim., DienL I, 176, 27.
® nenepdvôar te Td THY zal Eva elvaı x6ouov. 9, 8; Vors. 22A 1,
Página 12
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)Aétios! die Formel des eig xóopog auf Heraklit und sein System anwenden, so
projizieren sie damit auf die Frühzeit des griechischen Denkens eine Problematik, die erst der Atomismus ins Leben rief.
Unter den erhaltenen Fragmenten der Vorsokratiker kommt die Formel des
eis xóopog an zwei Stellen vor, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Im
8. Fragment sagt Anaxagoras, die Dinge in der einzigen Welt seien nicht voneinander getrennt noch mit dem Beile voneinander abgehauen?. Den scheinbaren Widerspruch zwischen der hier behaupteten Einzigkeit der Welt und den
Anspielungen des 4. Fragments auf Menschen, die auch Sonne und Mond hätten
und alles andere wie bei uns, habe ich durch die Annahme eines homothetischen
Wachstums zu lösen versucht, dem der Kosmos des Anaxagoras durch das
stetige Umsichgreifen der Siéxprois unterworfen ist*. Das Hervorheben des
cic »6ou.og weist darauf hin, daß der Noüg von einem Zentrum her wirkt, daß
die von ihm gesteuerte Zersetzung des Undifferenzierten, des n&vra Ouod, nur
eine Welt hervorbringt und daß sich auch hierin? die Kosmologie des Anaxagoras von der des Atomismus unterscheidet.
Während die Authentizität der Formel év +6 évi xdoum im 8. Fragment des
Anaxagoras nicht bezweifelt werden kann, wirkt das eig Eva x60uov im 26.
Fragment des Empedokles in seiner Umgebung fremdartig. Bald, sagt der
Dichter, vereinigen sich die Elemente durch die Liebe eig Eva. x6ouov, bald
auch wieder streben sie einzeln auseinander durch die Feindschaft des Hasses,
bis sie wieder zum ‘All-Einen’ (DIELS) zusammenwachsend (sc. der Liebe)
unterliegen. In keiner der beiden Bedeutungen, ‘Welt’ und ‘Ordnung’, ist das
Wort xöouog hier am Platze. Die erstere Bedeutung scheidet aus, weil mit ihr
Empedokles in den Worten eig Eva x6ouov ganz unnötigerweise, wie wir sahen,
die Einzigkeit seines Universums betonen würde, und dies dazu noch ausschließlich für den Grenzzustand dieses Universums als Sphairos, während doch auch
der entgegengesetzte Grenzzustand, das vom Hasse bewirkte vierschichtige
Gebilde des rerp&ororyov, die Bezeichnung als eig xöonog beanspruchen könnte
und, um mit Empedokles zu sprechen, ebensoviel Grund hätte sich seiner
Einsamkeit zu erfreuen wie der Sphairos. Dazu kommen noch sprachgeschicht1 ‘Hoamderrog . . . Eva Tv xdopov. 2, I, 2; Vors. 22A 10.
2 ob nexapıoraı dAAHAWY TH Ev TH Evi ndoum OÙDE ATOXÉAOMTOL mekéxer KT).
3 Cf. Ch. Mucrer, Le probleme d’Anaxagore, R. des Et. Gr., 1956, S. 314— 376. Uber
andere Interpretationen dieser Stelle, namentlich durch die Auffassung xöouog = Weltordnung, cf. u.a. W. Kranz, Kosmos, Archiv für Begriffsgeschichte, 2, I, Bonn 1955;
W.K.C. Gvtarie, A. History of Greek Philosophy II, Cambridge 1965; Diego Lanza,
Anassagora, Florenz 1966.
4 Uber eine Auseinandersetzung des Anaxagoras mit dem Atomismus an andern Stellen
der Fragmente cf. Le pr. d’Anax. S. 318; 375 und passim.
5 rote pèv DiAdrmrı ovvepyduev’ eig Eva xdopov,
&Xhorte 8’ ad Sty” Exacta popobueva Neixeoc Éybet,
Vors. 31 B 26, v. 5—7.
elodxev Ev ouupbvra TÒ may brrevepde vévnrar.
Página 13
Ver en el PDF(se abre en una ventana nueva)liche Erwägungen. Empedokles benennt seine Welt ndvra, &ravrat, Tò rav?,
Yopaipog3, oùpavéct. Nirgends kommt bei ihm die Bezeichnung 6 x6ouoc5 für
das All vor.
Aber auch die zweite, durch Drers’ Übersetzung »zu einer gefügten Ordnung« empfohlene Bedeutung des Wortes xóogog ist schlecht vereinbar mit dem
Inhalt des 26. Fragments. Die von der Liebe zustande gebrachte Einheit ist die
den Sphairos ausfüllende homogene Mischung der vier Elemente untereinander
und mit dem Substratum der Liebe. Ein solches Gebilde kann nicht als Ordnung bezeichnet werden. Weit eher würde dieser Name auf den polar entgegengesetzten Grenzzustand am Ende der durch den HaB bestimmten Phase
des cyklischen Geschehens passen, wo die Elemente in Schichten übereinander
gelagert sind und daher als ‘geordnet’ erscheinen. Aus demselben Grunde scheint
mir das Wort xéouoc auch mit der Bedeutung eines »biologischen Organismus %
fiir den an dieser Stelle beschriebenen Zustand der Welt nicht zutreffend. Im
Gegensatz zu einem Organismus ist der Sphairos ungegliedert. Ihm fehlen nicht
nur Glieder im eigentlichen Sinne, Füße und Kniee’. Auch die Glieder im
übertragenen Sinne, die u&Xex und yuta der Elemente®, sind in diesem Zustand
der Welt als Sphairos aufgelöst und in der Mischung zerronnen, während sie im
rerpkororyov deutlich hervortreten.
Viel treffender ist der hier von Empedokles gemeinte kosmologische Prozeß
der Évootc, der Mischung der Elemente, im Vers 7 des 17. Fragments beschrieben, &AAote pév Dilörnrı ouvepyduev’ eig Ev &navta, der sich nur durch das
Versende von 26, 5 unterscheidet. Auch sonst bezeichnet ja Empedokles die
vollendete Mischung durch das einfache Neutrum év: toté uev yap Ev yvEnOy,
uôvov elvar Ex mAcévwv®. Es handelt sich daher wohl bei 26, 5 um einen den
oben zitierten Fallen ähnlichen Lapsus, bei dem an Stelle des empedokleischen
Versendes eig Ev &ravta die den Kommentatoren und Kopisten geläufige Formel eig va x6ouov substituiert wurde, was um so leichter geschehen konnte,
als diese sich metrisch ins Versende einfügt. Die Annahme, daß 26, 5 urspriinglich gleich 17, 7 war, darf uns nicht stéren. In Anlehnung an sein stilistisches Vorbild, Homer, scheut Empedokles vor Wiederholungen nicht zuriick.
Université de Nice
CHARLES MUGLER
1 Cf. B 6,1; 17, 7; 20, 2; 38, 4, etc.
2 Cf. B 13; 14; 17, 32; 39, 3, etc.
8 Cf. B 27, 4; 28, 2.
4 Cf. B 41.
5 Zur Bedeutungsgeschichte des Wortes xéouoc cf. u.a. W. Kranz, op. laud.; A. E.
TAYLOR, A Commentary on Plato's Timaeus, Oxford 1928, S. 65. 66.
5 Cf. HÖLSCHER, Weltzeiten und Lebenszyklus, Hermes 93, 1965, S.14; SOLMSEN, Love
and Strife in Empedocles’ Cosmology, Phronesis 10, 1965, 109 ff.
7 Vors. 31 B 29.
831 B 27a; 30; 31; 35.
® B 17, 1 und 17, 16; cf. 17, 9; 26, 8; 35, 5 etc.