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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)zse weten „RG
Ueber die Oclave des Pythagoras.
Ein ergänzender Nachtrag zum Beschluss der Sammlung der zerstreuten
Aufsätze der neuen Aristoxener ®)
D. Rationen, welche Pythagoras der Weise vor
mehr «denn zweitausend Jahren unter den Griechen zuerst
gelehrt, und die durch seine Schule die Grundlage einer
bis in unsere Zeil fort bestehenden „Theorie der Musik”
geworden sind, waren in ihrem Ursprunge das Ergebniss
eines sehr einfachen Versuches, den der Erfinder, der Sage
nach fast zufällig, an einer gespannten Saite gemachthätte.**) —
Die Entdeckung war, eben um ihrer Einfachheit willen,
höchst merk würdig: man begreift die Trunkenheit der Freude,
«die den Erfinder darüber ergriffen haben soll: man begreift,
wie der Weise darin ein grosses Geheimniss der
Weltordnung erkannt, und seinen Anhängern damit den
inzigen und untrüglichen Canon aller Musik überliefert
zu haben glauben konnte.
Ein Beweis für die Genauigkeit der entdeckten
Zahlen -Verhältnisse wurde unter seinen Anhängern niemals
gelordert;
die Frage nach einem solchen würde ihnen ein
Frevel gedünkt haben: hatte ja „der Meister” die Octave
in «ter Hälfte der Saite, die Oninte in ?/,, die
Qnarte in
*) Der neuen Aristoxener zerstreute Anfsätze über das Frrige der
musikalischen Arithmetik und das Eille ihrer Temperatnr-Rechnungen, Gesammelt and mit einer historisch-kritischen Binleiinne als Vorrede beransgegrben von R. G. Kiesewetter. Leipzig
bei Breitkopfund Härtel 1816 in 39.68 8. mit 8 Steindrucklafeln.
*") Ich übergehe an diesem Orte die durchaus fahelhaftlen Versionen der alten Scribenten über diese Eutldeckung.
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)°/, der Saitenlänge vernommen! diess war gemug um keinen
Zweifel aufkommen zu lassen,
Dennoch, wenn man das Schwierige sehr genauer Messungen und die Zartheit des Wesens (er Klänge erwog,
war darum nicht minder das Bedenken noch möglich: ob
nicht jene Saitenlängen dem wahren Tone nur nahe liegende, (das Gehör nothdürftig befriedigende) Klänge hervorgebracht haben könnten, und der walre Punkt auf der
Saite (um ein sehr \Weniges vielleicht) tieler oder höher
hätte angegeben werden müssen
?
Und so war es; — eine Abweichung von der völliren Reinheit an der Quinte (und an der Quarte
als deren Umkehrung) mochte unter den Nachfolgern an ımanchen Orten auch wohl schon wahrgenommen worden, jedoch
unbeachtet geblieben seyn, weil man es nicht über sich vermochte, wegen eines Minimum, das System (den Canon)
zu stören, In einer sehr späten Folgezeit, nicht früher
als im AVI. Jahrhunderte christlicher Zeitrechnung, wurde
der Irrthum. der in der Annahme der Rationen
2:3 und 3:4 wirklich unterlaufen war — nicht auf
dem Wege eines Fxperimeuts, oder mit Hilfe des prüfenden
Ohres, sondern auf dem Were ‚der Arithmetik, auf den
allein und ausschliessend die Pythagoräer von jeher angewiesen waren — bestätliget gelunden. EinCyelus von zwölf
Ouinten sollte in deren letzter eine Oectave bringen:
rhg2dhahes he fistreish gast.
bi. [rc
Nun zeigte es sich aber, dass zwölf Quinten nach der
Ration 2:3 zusammen addirt, die erwartete Octave nicht
unbedeutend überstiegen. Der Irrtum in der Ration
2.3 war damit ausser Zweifel gesetzt, und der
Ueberschuss der zwölf Quinten in dem Betrage von 547
ausgewiesen: um dieses Verhältwiss war die letzte Quinte
(eigentlich der gesammte Ueberschuss von zwölf Quinten) erösser, als die erwartete Octave.
Dieser Ueberschuss*), den sie das ditonische
oder pythagoräische Comma nannten, sollte nın, da
*) Beiläufig '/, eines ganzen Toncs,
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)sie das
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ererbte System darum nicht platterdings aufgeben
wollten, durch Vertheilung auf sämmtliche Quinten
in der Art ausgeglichen werden, dass jeder Quinte ein
verhältnissmässiges Quottheilchen entzogen, dagegen den
zu matten (uarten (als Umkehrungen der Quiute) ein verhältnissmässiges Quottheilchen zugelegt werden müsse. —
Dieses Verfahren nannte die Schule die Temperatur,
welche zwar in der Schule nur aritlimetisch (dureh Correctur der bis dahin fehlerhaften Zahlen) bewerkstelliget
wurde, jedoch
allerdings,
zum
Heil der Musik, an
den
Tönen selbstvon dem ausübenden Musiker, nach
Vorschrift der Schule ausgeführt werden müsse.*) Diese
Temperatur, mit Rücksicht auf die notwendige Altera*) Grgen die despotische Zumuthung, sein Instrument so zu stimmen, oder in der Ausübung so zu behandeln, dass allen Quinten Etwas (%) abgezogen werde, um jenes (ilealische)
comma ditonicum
in
der darunter
liegenden
Region
dureh
Abzügeın
den kleinsten Parcellen aufzuzehren,
inusslte der
praktische Musiker sich von
jeher verwahrt
welches Olır vermag solche Minimen
zu fassen, zu
haben:
messen und nach Willkühr hervorzubringen
!! Und ıoclı bedrofit
ihn die
Schule mit argen Missklängen, ja wit der
Unmörlichkrit jemals zu einer reinen Harmonıe zu gelaneen,
wenn er es unterlassen würde, dem einen Ton» so und so
viel
12"
des commatis
ditoniei
zu
entziehen,
rinem
andern so und so viel 12"! zuzulegen! — Was komnle
der Künstler jemals anderes thun,
als seinem
guten Gehör
folgen? Er kennt und erzeugt keine andere als reine
(wahre) Quinten. Zwölf seiner Quinten würden im Cyclus
unmittelbar in
mithin
der Octave des Grundtones ausgegangen seyn,
kein Residuum übrig gelassen haben; ein rumınwe dite=
niezen also gibt es für ihn nicht! Und indem seine Oninten
rein sind, mussten auch alle seine Töne durch die ganze
Octave schon rein seyn, um zu ihrem reinen Gränztone zu gelangen, und esmuss bei
ihm jeder Tonalsreine Quinte
eines andern Tones dienen köunen, ohne eine Alleration zu benöthigen, oder — auch nur zu erlauben! —
Die willkührliche (nach dem Gesetz der Schule sorar erbotene)
Temperirung ist also in der wirklichen Musik ein
absolutes Unding: sie ist gar nicht deukbar, da das zu
temperirende Objekt mangelt,
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)tion der Quinten, durch alle Tonintervalle zu berechnen,
gab für ein paar Jahrhunderte Mathematikern und Aritlimenkern vollauf genug zu schaffen. Die Quarten (als Umkehrungen der Quinten) waren damit zugleich von selbst in Ordnung gebracht, oder mussten sich mit der Stelle (der Zahl),
die ihnen zufiel, zufrieden geben, Letzteres mussten sich auch
die (später unter den Alexandrinern hinzugekommenen) Rationen der pythagoräischen Schule
(4:5 und 5:6 für die kleine und grosse Terz) gefallen
lassen,
$. 2. Nachdem an unzähligen Orten die verschiedensten
Temperaturen aus verschiedenen Ansichten
versucht und (arithmetisch) ausgeführt worden waren, kam
man endlich im XVII, Jahrhundert auf die einleuchtendste,
durch gleiche Annäherung aller Intervalle mit
der wirklichen Praktik noch am besten im Einklang stehende
Temperatur,
welche
man
die
gleichsehwebende
nennt. Sie theilt die zwölf Halbtöne, welche in einer
Öctave enthalten sind, zwischen dem Grundton un seiner Octave, in der Art ein, dass sämmitliche Töne (Halbtöne)}
gleich gross werden, (wie vermuthlich auch schon Aristoxenus sich sie gedacht), und der dreizehnte auf dem
Punkt der Saitenhälfte das System einer neuen Octave
eröffnet, Diese T'heilung wird (arithmetisch) durch die sogenannte stäte geometrische Progression erlangt. In
dieser Gestalt nennt man sie die vollkommen gleichschwebende Temperatur, {in Deutschland gewöhnlich
die Marpurgische), zum Unterschiede von einer sogenannten
ungleich schwebenden, (als deren Coriphäe bier Kirnberger genannt wird), welche letztere — indem sie zwar jene
Theilung im Wesentlichen gelten lässt, sich vorbehält, einige
Intervalle nach einer audern Weise zu Iemperiren,
oder — auch gar nicht zu temperiren,*)
*) Die Bedenken gegen die halben oder ungleich schwebenden Temperaturen erörtert Marpurg in seinem „Anfangsgründe der Hıcoretischen Musik” (XL. Cap. Leipzig 1757.) 9. 2.5.06.8. 17 u 1.
Wenn nach den Lehrsätzen der älteren Temperisten jeder Ten
der ganzen Tonreihe als Qninte eines andern gedacht werden
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Diese schwebenden Temperaturen konnten, (wie alle
sonstige Temperaturen) in den Schulen nicht anders, als in
nicht zu fassenden übergrossen Zahlen ausgwlrückt,
auch selbst auf dem Monochord nicht dargestellt werden:
sie waren lür die Praktiker ohne Wichtigkeit, ohne Nutzen.
Irgend ein tüchtiger und wohlwollend gesinnter Anhänger der
vollkommen gleich schwebenden Tremperatur hatte indessen
(wann und wo ist uns nicht bekannt) zum Besten jener Classe
von Musikern, welche sich der Instrumente mit Bünden
bedienen, (wie die Laute, Guitarre, Mandoline, Violen verschiedener Gattung, u. d, gl.) eine Theilung erfunden,
welche in ihrer Wesenheit mit der vollkommen
gleichschwebenden Temperatur übereinkommt,
wie diese, aul dem Gesetze der stäten geometrischen
Progression beruht, hierzu aber sich der Zahl 18 bedient, indem jeder aulsteigend folgende Ton (Halbton, Bund)
um Y« der jedesmaligen Saitenlänge verkürzt,
genan einen teinperirten halben Ton gegen den vorherigen
höher tönt, und mit dem dreizehnten Ton (dem zwöllten
Bund) ebenfalls genau auf den Punkt der halben Saitenlänge triflt. So hatte man wenigstens ein richtiges, dem Verstande, dem Gesicht und zugleich dem Ohre fassliches Bild
der vollkommen gleichsechwebenden Temperatur.*)
muss, sa gibt es nirgends mehr einen Ton, der die Temperatur
(durch Entziehung eines Theiles seiner Substanz) nicht zu erleiden hätte, and die
einziger consequente Temperatur
ist die vollkommen gleich schwebende. Freilich
nuss
daun eine Tonteiter der andern vollkommen (mathematisch) arleish
werden. In unsrer hentigen Musik,
in welcher wir von jedem
Tone ein Diagramm bilden, und alle chromatische wie diatonisch»
Tonleitern ausüben, sind wir schon lang zu diesem Punkte der
Vollkommenheit (oder Unvollkommenheit) der
Musik gelangt,
und an die Charakteristik der verschiedenen Tonteitern kann man nur noch etwa in der Orchestermusik im
Ernst glauben, in welcher aber nicht sowohl die Tanleiter als
der verschiedenen Instrumenten in gewissen Tönen eigene Klang
*
einen Unterschied kann wahrnehmen lassen.
Das teelmische
Verfahren,
wodurch
die Instienmentenmacher
diese Theilung bewerkstelligen, habe ich in einem kleinen Ar-
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)und die Künstler, welche ein Instrument mit Bünden behandelten, konuten davon guten Gebrauch machen,
$. 3). Gegen die Richtigkeit der Oktave in der
Seitenhälfte (1:2) ist (unseres Wissens) bisher nirzends ein Zweilel erhoben worden, es war aber auch
hisher noch nirgends ein Beweis für deren Richtigkeit gegeben: denn, dass selbst die grossen Rechmungsmeister, welche die schwebenden Temperaturen erdacht, die
ÖOctave genau in der Hälfte der Saite, auf die Autorität Pythagoras und aller seiner Nachfolger, wie ein Dagma
angenommen hatten, setzt schon ein Blick auf ihr Schema
ausser Zweifel. War aber doch schon ein Mal an zwei
Rationen (2:3 und 3:4) ein Irrthhum entdeckt worden,
so war diess immer ein hedenklicher Umstand, an und für
sich hinreichend, die Richtigkeit der dritten (eigentlich der ersten), (1:2) wenigstens zu verdächtigen,
Die alte Schule freilich hatte kein Mittel, diese Ration
auf dem gewohnten arithmetischen Wege zu untersuchen, weil sie auf diesem nur zu Verdopplungen (1:2,
2:4, 4:8, 8:16, 16:32 u, s. f.) gelangt sein würde, — —
In anderer \Veise war indess, auch auf arithmetischem Wege,
eine Prüfung der Ration 1:2 noch möglich, wenn solche
nicht in der gewohnten Art durch Addition der Verhältnisse, sondern unmittelbar an einer der schon ansgemittelten Temperaturen vorgenommen würde, am fürlfichsten an der vollkommen eleichschwebenden
Temperatur, weiche die Töne nicht in den hergehrachten Verhältuissen des alten Monochords, auch nicht nach
Angabe der älteren Temperatur-Tafeln an einander reiht,
sondern dieselben in einer gleichlörmigen veaelzlichen Progression und darnach berichtigten Verhältnissen auf einander folgen lässt, Kine solche Berechnung,
mathematisch begründet, und aut die gleichschwebende Temperatur durch 1/,
Tonstufen
angewendet,
arithmetisch durch alle
ausgeführt, erhielt ich vor einiger Zeit
aus der Hand meines gelehrten Freundes, des Herrn Haupttikel der zu Mainz erscheinenden Cäcilia (XXVT Band 1877,
Heft 103) beschrieben.
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)manns Krieger, worin er beweist, dass — cben in Folge der (nach Aristoxenischem Begrifl auch praktisch allein
richtiren) Progression zwöll gleich grosse gedachter Töne
— der zwölfte die Mitte der Saite
(die Oktave) nicht vollkommen erreicht: es mangelt ein Bruchtheilchen zwar nur, das aber — (wie Hr. H.
K. sich ausdrückt), ‚.wie klein es an und für sich sein mag,
in der Ausübung dem fein gebildeten Ohre schon fühlbar
sein dürfte.“ Seither bin ich benachrichtiget worden, dass
anderwärts Liebhaber solcher Untersuchungen, Männer,
die in dieser Gattunz von Rechnungen durch ihre Kunst
geübt
sind,
(bei
Prüfung der Kirnbergerschen
ungleich
schwebenden Temperatur) zu dem gleichen Resultate gelangt seien: dass die Oktave in der Ration 1:2 nicht
ganz richtig ausgedrückt sei.
$. 4. Als Anhängern der Lehre Aristoxenws, welcher sogar erklärt, dass weder die Symphonie, noch
die nach der Symphonie gestimmten Intervalle
durch irgend eine arithmetische Zahl ausgedrückt werden können, — schon lang misstrauisch gegen die Resultate von Reehnuugen, die niemals aus
einem tüchtigen Experiment hervorgegangen
waren, in Sachen, welche doch ganz allein vor das Forum des Ohres gehören — lag es uns jetzt allzu nah’
selbst ein Experiment zu versuchen.
Ein solches konnte nach unserer Meinung, mit Zuverlässigkeit, wieder nur mit dem für dergleichen Messungen
überall gebräuchlichen Monochord vorgenommen werden,
jedoch mit Anwendung einer bedeutend verlängerten
Probesaite, da das gewöhnliche Meonochord die (auch
nach unserer Vermuthung sehr geringe) Differenz dem Auge
wie dem Ohre kaum deutlich genug zeigen würde. *).
*) Künstliche Vorrichtungen, Uhrwerke, Maschinen, wie solche
in physikalischen Cabinetten je zuweilen vorgewiesen werden,
womit man dem wissbegierigen Liebhaber eine Naturerscheinung mechanisch nachgeahmt
versinnlichen will, sind
häufig blos interessante Spielwerke,, so wenig zu ernsten
tersuchungen
als zu einem
Beweis einer Naturnoth-
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Den ersten Versuch, noch ganz roh unternommen,
inachten wir in einem gigantischen Massstabe, mit einer gespannten Saite von zwei Klafter Länge, und wir fanden — die Oktave beträchlieh über der Mitte! Dieser
Versuch, den sich Jedermann ohne einen mühesamen Apparat gleich selbst wiederholen kann, hätte für immer hingereicht zum Beweis, dass die Oktave nichtin der Hälfte
der Saite liext; allein dieser Versuch entbehrt den hesten
Theil seines Werthes, so lang nicht zuileich nachgewiesen wird, in
welchem Verhältniss die Oktave die
Mitte der Saite übersteigt.
Um in dieser Beziehung das Experiment zu vervollständigen, bauten wir ein vollkommenes Monochord,
mit zwei Metall-Saiten und dazu gehöriger Scala,
Dieses unser Probe-Monuchord hat eine Sailenläuge
von 6 Schul (Eine Klafter) oder 72 Zoll gewöhnliches
Wiener-Mass.
Die Untertheilung für unsere Zwecke eingerichtet,
weicht nur in folgendem ab: Der Schuh an dem ProbeMonocherd ist in Viertel getheilt, das Viertel (gleichsam das Zollmass) zerfällt in 24 Theile, dort als grössere Linien betrachtet, deren 96 auf deu geometrischen
Schul kommen; — da hingegen nach gewöhnlicher technischer Messung der (gleich lange) Schuh, in 12 Zoll getheilt, den Zoll zu 12 Linien gerechnet, 144 Linien gibt.
Die ganze Länge des Probe-Monochords enthält
dem zufolge 576 grosse Linien, welche 864 technische
Linien nach gewöhnlicher Messung geben. *)
wendigkeit anwendbar, indem sie, vermöge des ılaran
angebrachten Mechanismus, die Erscheinung genau so darslellen müssen, wie der Erfinder sich dieselbe gedacht, uud wie
er sie zum Beweis seines Lehrsatzes (oder seiner Ilypotliese)
dargestellt haben wollte. Aus dieser Ursache konnten wir bei
unserer Untersuchung die sogenannte Sirene nicht berücksiehtigen, deren Massstab auch viel zu winzig wäre, um so
kleine Unterschiede keunbar zu machen,
*) Das grössere Theilungsmass unser» Probe-Monochords
anf welchem
jede
seiner
„grossen Linien“
Parcellen sichtlich untergetheilt werden
in
sechs
kunnte,
gewährt
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)am gm
Der Ton, welchen wir auf diesem Monochord in
der Mitte der Saitenläuge fanden, mochte einem weniger zarten Ohre bei oberflächlichem Hinhören, zur Noth
für die Octave gelten; unser empfindlicheres, für solche
Prüfungen auch mehr geübtes Ohr konnte deren Mangelhaftigkeit nicht überhören; wir mussten mil unserm
Stege über die 36° hiuausrücken, und fanden die
reine (unverkennbare) Oktave um 3 (den vierten
Theil eines geometr. Zolles) höher.
Und diess ist die wirkliche Differenz,
von der gewöhnlich in der Mitte der Saite geglaubten Octave,
bis zu dem Punkte der wahren, d, i. vollkommen reinen Oktave: sie beträgt also "/ua. der Saitenlänge
vom Grundtion bis zur Mitte Um dieses Yıraı
war die alte Oktave zu kurz geschätzt und müsste, so
ausgeübt, zu Liel geklungen haben, Den Abgang hat unsre obere, zunächst zum Klauge vorbehaltene Saitenhälfte, von dem Ihrigen, mit Abtretung von 37° (1/,') ergäuzen müssen. Es versteht sich, dass, wenn sie ihrerseits zum Klaus die Reihe trillt, sie sich für die erlittene Verkürzung in demselben Verhältnisse wieder an
dem noch freien obern Saitenthbeil schadlos halten, und,
wenn sie eine Oktave zu liefern hat, auch den ihr gebührenden Zuschuss eben von daher holen wird. ”)
nıs den Vortheil, selbst die Linie mit Leichtigkeit bis in
Punkte (12 auf die Linie gerechnet) aufzulüsen;z es ist nänlich die Parvelle gleich 3 Linien oder Y/, Zoll, — deren
zwei gleich 67 oder Ya’; deren drei gleich 9 oder Y,5 deren vier gleich
127” oder 1 ganzen Zoll gewöhnlicher technischer Rechnung.
?) Mau sage nicht, dass die (anscheinend geringe) Differenz (ein
Zu Wenig von 3” an 435°) von dem Ohre kaum vernommen werden könnes wir haben uns, bei wiederholten Versuchen,
in Anwesenheit verschiedener Musikliebliaber und theils bewährter Kenner, überzengt: dass dieselben Personen, die anfünglich
nicht abgeneigt waren, die Vctave in der Saitenhällte
schon für genügend anzunehmen — wenn man sie unmittelbar darauf die gereinigie Octave hören liess — den
Unlterschied sehr wohl erkannten,
und an dieser jenes
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)8. 5. Vcherraschl durch dies Resultat, welchem zufolge
die ganze Saitenläuge in zwei ungleiche Theile, nämlich in 435 und 429 zerfällt, mithin die wahre Oktave bedentend genug über der Mitte (d. i. über der Hälfte) zum
Vorschein kommt, könnte vielleicht irgend einer unsrer Leser, den unser Versuch in seiner von jeher gehezgten Meinung auf eine missfällige Weise gestört, uns den Einwurf
machen, dass eine so empfindliche Mangelhaftigkeit
der Oktave, wenn sie wirklich bestände, in der Ausübung
der Musik vorlängst hätte bemerkt werden müssen, wovon doch nirgends etwas zu vernehmen gekommen sei.
Diese Folgerung wäre aber so unrichtig als es die Vorausselzung ist, auf der sie beruhte: Die Oktave, die wir
durch unser Experiment gezeigt, ist die Oktave der Natur;
die Oklave, welche das Ohr verlangt; dieselbe, welche
die lebende Musik zu allen Zeiten gekannt und
gebraucht hat. Dass die Theorie sie nicht gekannt, erklärt sich daraus, dass diese sich niemals von den aus der
alten Sel ule hergebrachten Axiomen loszusagen, nie zur
Beleuchtang ihrer Lehrsätze ein Experiment zu
versuchen gewagt hat. *) Zum Glück für die Kunst
besondere Wohlgefallen
fanden,
welches
vollkommen weine Verhältnisse der Seele immer
gewähren
*) Es ist merkwürdig, wie viele der Gelelrten, die sich im XVII.
Jahrhundert im Fach der musikalischen Theorie hervor
gethan haben, (unter mehreren ein Rameau, Roussean, Matlieson,
Fux, Marpurg, Kiroberger u. m. a.) in ihrer Zeit zugleich als
praktische Musiker, als Vorsteher von Gapellen, ja selbst
als geschätzte Tonsetzer und Tonlehrer ausgezeichnet waren.
Man sollte meinen, es hätten dieselben ala Angehörige dieser Categorien all dasjenige unmöglich für wahr halten können, was sıe als
Theoretiker lehrten, Allein, man vergesse nicht, dass die Theorie
von jeber als eine gesonderte, für sich bestehende, von der
musikalischeu Kunst unahhängige mathematische
Wissenschaft betrachtet worden war. Was jene” grossen
Männer auch von praktischen Kenntnissen immer besassen und
ihren praktischen Schülern, in Wort und That wie im Beispiel,
getrenlich mittheilten , — so wie sie in die
Theorie eintraten,
musste Alles auf die Lehrsüätze der alten Pythaxoräer
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)$. 5. Ueberrascht dureh dies Resultat, welchen zufolge
die ganze Saitenlänge in zwei ungleiche Theile, nämlich iu 435 und 429 zerfällt, mithin die wahre Oktave
bedeutend genug über der Mitte (4. i. über der Hälfte) zum
Vorschein kommt, könnte vielleicht irgend einer unsrer Leser, den unser Versuch in seiner von jeher gehegten Meinung auf eine misslällige Weise gestört, uns den Einwur
f
machen, dass eine so empfindliche Mangelhaftigkeit
der Oktave, wenn sie wirklich bestände, in der Ausübu
ng
der Musik vorlängst hätte bemerkt
werde
n
müssen, wovon doch nirgends etwas zu vernehmen gekommen
sei.
Diese Folgerung wäre aber so unrichtig als es die Verausselzung ist, auf der sie beruhte: Die Oktave, die wir
durch unser Experiment gezeigt, ist die Oktave der Natur;
die Oktave, welche das Ohr verlangt; dieselbe, welche
die lebende Musik zu allen Zeiten gekann
t
und
gebraucht hat. Dass die Theorie sie nicht gekannt
, erklärt sich daraus, dass diese sich niemals von den aus
der
alten Schule hergebrachten Axiomen loszusagen,
nie zur
Beleuchtung ihrer Lehrsätze ein Experiment zu
versuchen gewagt hat. *) Zum Glück für die Kunst
besondere Wohlgefalten
fanden, welches
voll
konmen veine Verhältnisse der Seele immer
rewähren.
*) Es ist merkwürdig, wie viele der Gelehrten, die sich im XVIIL,
Jahrhundert im Fach der musikalischen Theorie hervor
getlian haben, (unter mehreren ein Namenu, Roussea
n, Malheson,
Fux, Marpue
g,
Kirnber
ger
u.
ın.
a.)
in
ihrer
Zeit
zugleic
h als
praktische Musiker, als Vorsteher von Capelle
n, ja selbst
als geschätzte Tonsetzer und Tonlehrer ausgezeichnet waren.
Man sollte meinen, es hätten dieselben als Angehörige dieser Categorien all dasjenige unmöglich für wahr halten können, was sie als
Theoretiker lehrien. Allein, man vergesse Bicht, dass die
Theorie
von jeber als eine gesonderte, für sich bestehende,
von der
musikalischen Kunst unabh
ängig
e
mathe
matis
che
Wissenschaft betrachtet worden war. Was Jeue
grossen
Männer auch
von
praktis
chen
Kenntni
ssen
immer
besassen und
ihren praktischen Schülern, in Wort und That
wie im Beispiel,
getreulich mittheilten,, — so wie sie in die T
heorie
musste Alles auf die Lehrsätze der alten
eiutraten,
p ythagoräer
Page 12
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)waren alle ausübenden Musiker, als solche, (gelehrt oder
ungelehrt) de facto-Aristoxener, die sich ganz von ihrem richtigen musikalischen Sinne leiten liessen, unbeirrt von einer durchaus unpraktischen Theorie: Die
Oktave des Sängers kann immer nur eine reine gewesen
sein; — die Blasinstrumente (Holz wie Blech) gaben
immer ihre Oktave nach dem Naturgesetze, auf welchen
die so genannten Naturtöne beruhen; der Kimstler auf
seinem Bogeninstrumente folgte immer seinem scharf
geübten Ohre und seiner eben so zuverlässigen Hand; —
die Orzel konnte nie anders, als nach der reiusten Consonanz gestimmt werden, indem der Stimmer (in dessen Instruction allein das Vorurtheil der Temperatur noch
gilt) durch ein noch unerforschtes Naturgesetz gezwungen wird, mit seinem vermeinten Temperiren einzuhalten,
sobald jene Klangruhe eintritt, welche ihm
den
erreichten Punkt der Reinheit unab weislich aufbezugen werden, wie sehr auch die eigene Praktik diesen
widersprach. So konnte die Schule von dieser so wenig, als
diese von jener einigen Nutzen ziehen; Forschungen, oder kluge
Benützung von Entdeckungen oder Fortschritten in
der Musik, waren nicht in entlerntesten die Aufgabe der
Canonik. Da lese ich z.B. (schr zufällig in Sorge’s Anweisung
zur Rationat-Rechnung 1729) wie eine nicht unbekannte Thatsache
angezeigt:
dass man schon
Monochorde von acht Fusa
Länge gehabt habe! Wie war es möglich, auf einem solchen
Coloss nicht alsbald die gewiss schon stark auffallende
VUeberschreitung der Octave wohrzunehmen
?? — Die
Sache ist erklärbar: Jene Monocordes- wonstres waren eben nur
Schaustücke, oder sie waren für den Gebrauch einer zahlreichen
Schule, zur Darstellung des Systemes der mathematischen Klanglehre auf der Staffelecioderan der Wand, keineswers
zu Forschungen oder auch nur zu Beweisen bestimnit;
ja es ist alanblich, dass der Professor, wenn er (bei zufälliger Berührung) über jene schlechte
Octave erschrack,
gleich
bereit war, die wissfällige Erscheinung irgend einem unterlaufenen Fehler, in der Eistheilung der Scala, dem Schwinden des
Holzes u.d, gl. (vielleicht selbst der Ungehenerlichkeit des Werkes) zuzuschreiben: Er würde cher sein eigenes Gehör
verleumdet,
als den
Schülern
oder dem
Famnulus
Zweilel an dem Canon erlaubt haben,
einen
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)waren alle ausübenden Musiker, als solche, (gelehrt oder
ungelehrt) de [acto-Aristoxener, die sich ganz von ihrem richligen musikalischen Sinne leiten liessen, unbeirrt von einer durchaus unpraktischen Theorie: Die
Oktave des Sängers kann immer nur eine reine gewesen
sein: — die Blasinstrumente (Holz wie Blech) gaben
immer
ihre Oktave
nach dem
Naturgesetze,
auf welchen
die so genannten Naturtöne beruhen; der Künstler auf
seinem Bogeninstrumente folgte immer seinem scharf
geübten Ohre und seiner eben so zuverlässigen Hand; —
die Orgel könnte nie anders, als uach der reinsten Consonanz gestimmt werden, indem der Stimmer (in dessen Instruction allein das Vorurtheil der Temperatur noch
gilt) dureh ein noch unerforschtes Naturgesetz gezwungen wird, mil seinem vermeinten Temperiren einzuhalten, sobald jene Klangruhe eintritt, welche ihm den
erreichten Punkt der Reinheit unabweislich aufbezogen werden, wie sehr auch die eigene Praktik diesen
widersprach. So konnte dieSchnle von dieser so wenig, als
diese von jener einigen Nulzen ziehen; Forschungen, oder kluge
Benützung von Entdeckungen oder Fortschritten in
der Musik, waren nicht im entferntesten die Aufgabe der
Canonik. Da lese ich z.B. (schr zufällig in Sorge’s Anweisung
zur Rational-Rechnung 1729) wie eine nicht unbekannte Thatsache
angezeigt: dass man schon Monochorde von acht Fuss
Länge gehabt habe! Wie war es möglich, auf einem solchen
Coloss nicht alsbald die gewiss schon stark auffallende
Ueberschreitung der Octave wahrzunehmen
?? — Die
Sache ist erklärbar: Jene Monoeordes- wonstres waren eben nur
Schauslücke, oder sie waren für den Gebrauch einer zahlreichen
Schule, zur Darstellung des Systemes der mathematischen Klanglehre auf der Staffeleioderan der Wand, keineswegs
zu
Forschungen oder auch nur zu Beweisen bestimnit;
ja es ist glanblich, dass der Professor, wenn er (bei zufälliger Berührung) über jene schlechte Octave erschrack, gleich
bereit war, die missfällige Erscheinung irgend einem unterlaufenen Fehler, in der kintheilung der Scala, dem Schwinden des
Holzes u.d. gl. (vielleicht selbst der Ungeheuerlichkeil des \erkes) zuzuschreiben: Er würde eher sein eigenes Gehör
verleumdet, als den Schülern oder dem Famulus einen
Zweifel an dem Canon erlaubt haben,
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)dringt; unsere Klavierinstrumente, auf deren fest gebundenen Ton der Spielende zwar nicht (wie «der Virtuose
auf dem Boreninstrument) durch den Willen einwirken kann,
sind durch die Controlle der Consonanzen, mithin
rein gestimmt, (keineswegs, wie die Anhänger der alten
Schule uns gern überreden möchten), temperirt. *)
Zu keiner Zeit sind in den Orchestern die Instrumente
init dem Masstabe gestimmt worden: Der Musiker auf seiner
Bank durfte es immer ignoriren, dass — nach dem Ausspruch
der Schule — seine Oktave in der Mitte seiner Saite zu stehen kommen solle, Ist unser Experiment auf eine richtige
Grundlage gebaut und gehörig abgeführt, so hat es in der
Musik nirgends eine zu tiefe Oktave gegeben;
*) Die
Instrumente mit festen Bünden, Laute, Guitarre,
Zitbier u, dd. gl. verdienen Kaum noch in (dieser Reihe genannt zu
werden; sie waren unter den gebildeteren Alnsikern niemals in
sonderlicher Achtung gestanden; die Schwierigkeit, auf denselben
eine reine Stimmung zu erlangen und zu halten, hat schon hang
deren Verfall und endlich deren Ausschliessung aus den ernsteren
Iasteumenten-Vereinen zur Folge gehabt.
Urbrirens sind es eben diese Instrumente, deren Dilettanten
immer noch am ehesten den Manselan der Octave, besonders
in den höheren Bünden,
überhören konnten, weil dureh
das
Niederdrücken hinter dem Bunde die Saite stärker
angespanut und dadurch höher tönend wird, wodurch jener bei
so geringer Saitenlänge in der That fast unmerkliche Mangel sich
ungefähr (oder beinah’) ausgeglichen haben konnte. — Vielleicht
ist eben dieses stärkere Niederdrücken der Probesaite
hinter dem Stege,
bei dem gewöhnlichen Monochord
(gewöhnlich von 2 Fuss Länge) die Ursache, aus welcher der
Mangel an der Octave selbst ven gelehrteren Musikern, oder von
den Pliysikern, die sich vielleicht je zuweilen dieses Werkzeuges
bedienten, unbemerkt oder — unbeachtet geblieben seyn kan.
Wir betienen uns, um diesem bei Versuchen mit dem Monochurd immer bedenklichen Vebelstande vorzubeugen, statt. des
vewöhnulichen, eines hiefür eigens
künstlich angelertigten
Steges, welcher den (sonst zu dämpfenden) untern Theil der
Probeseile, gegen den obern Theil, ohne die Gefahr einer Anspannung des einen wie des andern, genau abschliesst , und wobei die untere Saitenlänge selbst zur Coulrolle der oberen benützt werden Kata,
Page 15
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)überall würde sie, auf den Massstab gebracht, (wie hier)
‚die halbe Saitenlänge überragt haben: Wir sind gar nicht
zemeint, mit unserm Experiment etwas Neues in
der Musik (oder gar zur Besserung der Musik)
entdeckt zu haben.
8.6. Bis herau haben wir mit Absicht nur von der
Öctave gesprochen, welche richtig zu stellen unsere nächste und eigentliche Aufgabe war; allein eine Folgerung,
welche wir notlwendig aus unsern Experiment ziehen
müssen, ist die: dass
— in demselben Verhältnisse, als wir
für die in der Musik ausgeübte Octave einen etwas höheren Punkt auf der Saitenlänge ausgemittelthaben — auch die in der Octave enthaltenen Töne,
vom Grundione aufsteigend his zu dieser Oktave,
an ihrem Orte, je nach der ihnen von der Natur angewiesenen Progression (um ein Geringes, doch darum nicht
minder gewiss) höher ausgeübt worden sein mussten,
um ohne widrige Lücke sich an den folgenden Ton anzuschliessen, nnd so stulenweise bis zu der sogenannten empfindlicehen Note (note sensible) zu gelangen, welche zu der
neuen Oktave hinüber führt, Die Unterschiede sind aber
so gering und von so zarter Natur, dass alle Werkzeuge
mit welchen eine Messung derselben versucht werden
könnte,
viel
zu massiv und läuschend sein würden, und
dass wir also die Schätzung derselben entweder überall
aufgeben oler -— der Mathemathik überlassen müssen.
$. 7. Wem wir
aber eine Oktave, welche, wie
unsere oben geschätzte, die halbe Saitenlänge eben so
wohl, als jede bisher davon gangbare Vorstellung (nicht unbedeutend) übersteigt, nur auf dem Wege des Experiments, und zwar nur mit einem Monochord von ungewöhnlichem Massstabe zu Tag bringen konnten, so
wird darum hoffentlich Niemand auf den Gedauken gerathen, es könne wohl die Erscheinung selbst eben durch
die
arösse des Massstabes verursacht worden seyn:
die Vergrösserung des Massstabes konnte nur dazu dienen,
die Sinneswahrnehmung deutlicher zumachen
und ein bis dahin kaum vermuthetes Verhältniss zur Ge-
Page 16
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)wissheit zu
>
leistete uns
lür
erheben.
Unser grosses Monochord
seine Bestimmung nur
denselben Dienst,
den anderwärts das Mikroskop leiste. Die vergleichenden Tongrössen der musikalischen Intervalle, unabhängig von dem Massstabe, müssen überall dieselben
sein, an der Bassgeige wie an der Violine — in den grossen Orgelregistern wie am Flageolet: Quinten und Octaven, die in unsern Musikschulen (bezeichnend genug) vollkommen cousonirende Intervalle genannt werden, (die
Symphonien Aristoxens) fordert und verträgt ein zärles
musikalisches Ohr überall nur im Zustande der
vollkonmensten Reinheit: die
Oktave zumal,
ein
verjüngter Gleichklang, muss mit ihrem Grundtone,
wie eine natürliche Ausströmung aus diesem, in einem untremnbaren Tonstrahle zusammenfliesen; jede Beimischung
einer, auch nur schillernden Farbe trübt diesen 'Tonstrahl
und beleidirt den empfindlichen Sinn.
Nut bedenke man, in welchem Grade der Vebelklang
in der Fortsetzung mehrerer über einander gesetzten Ocraven (diese als Saitenhälften gedacht) anwachsen müste, da jede folgende Octave, um die Reinheit zu erhalten, nieht nur den Zuschuss (über die Saitenhälfte) zu der vorhergegangenen von ihrem eigenen Material leisten, sondern auch die sie treflende eigene Steigerung von einer künftigen entlehnen muss. Wie olırenzerreissend wäre bei der nothwendigen Divergenz der
Octaven das Fortepiano (mit 7 bis 8 Octaven), wenn
nicht der Stimmer, seinem geübten Obre nothgedrungenfolgend, bei der Controlle der Consonanzen
durch die ganze Reihe der Tasten gleich nachgeholfen
hätte,
8. 8. Dass die Anhänger des pythagoräischen
Canon s — die ältesten wie die zunächst gefolgten, die neueren wie unsere neuesten — sich zu keiner Zeit bis
zu Experimenten herabgelassen haben, ist (leider) nur allzu gewiss!
Hätten sie jemals, anstalt zu rechnen, experimentirt: hätten sie z, B, nur vier reine Quinten (nämlich
Page 17
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)wahre Gelhör-Quinten) übereinander lönen lassen, so konnten sie sich überzeugen, dass vier solche Quiuten keinen
Uchberschuss erzeugen, und sie hätten schliessen müssen,
dass
die zwölfte noch so rein gewesen sein sollte, wie
die erste,
Wiederholten sie das Experiment mit ihren
2/, Quinien, so würde ihnen schon die zweite, die dritte
und vierte, eine stufenweise zunehmende Abweichung
von der (wahren) Reinheit gezeigt haben, und die Falschheit ilrer (sa benannten) „mathematisch reinen“
Quinte war faktisch wie arithmetisch erwiesen. *)
Hätten sie ein ähnliches Experiment, bei verhältnissmässie vergrössertem AMassstabe, mit einer rein (nach dem
Gehör) gestimmten Octave unternommen , so würde
ihnen schon diese eine allein eineu merklichen Ueberschuss über ihre geglaubte „mathematisch rei.
ne“ Octave gezeigt haben und die Ungenauigkeit
der Hation 1:2 war ausser Zweifel gesetzt.
Nach solchen Exu arimenten hätten schon Pythagoras nächste Nach}
wer — wenn es ihnen im Ernst um
die Wahrheit zu fera war — sich gleich auf die Brust
schlagen, und ausrufe,. müssen: Amicus Pythagoras,
sed magisamira eritas!
Freilich gab es dann für die Musica. Nichts mehr zu
rechnen, und unsere Encyclopädie wäre schon lang un ein
interessantes Lehrgebäiile ärmer,
$.9. Aus allem Bisherigen möge der musikalische Leser
endlich schliessen, was es mit den gepriesenen Rationen für eine Bewandtniss habe, und wir lasseu ihn selbst
folgern: was vollends von deren vorgeblicher Tempe*) Die stufenweise zunehmende Abweichung der
12 Quinten und
12 Quarten (wie anch die sogar noch auflallenderen Fehler der
grossen und Kleinen Terzen in den Raliovnen 4:5 und 5:6) habe
ich in den Kithographirten Tafeln zu meiner Abhandlung: „Ueber
Tonmessungen und Temperaturen” (in der oben erwähnten Samımlung,
vorher in
der Cäcilia 18932, Heft 83) gruphisch
gewessen dargestelll; zu einem Experiment (oder vielmehr
zum unmittelbaren Beweis) konnte aber unsern
heutigen Canonikern gleich die erste beste Violine wit ihren
drei Quinten dienen!
Page 18
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)ratur zn halten ist. *%) Es wird dem Leser hier auch geschichtlich die Entwicklung jenes arithmetisch erkünstelten
stattlichen Lehrgebäudes klar geworden sein, und
er wird begriflen haben: wie es
möglich geworden, (lass
die, unter dem Namen der mathematischen Klanglehre ausgebildete und bis in unsere Zeit beharrlich weplegte Doetrine selbst die hehre Mathematik (!), ihre
gelreuesle Anhängerin und Gehiltin — nit Aufgaben,
die immer sehon im Problem verfehlt waren —
von je her jrre geführt hat, und — hiuwieder
von ihr irre geführt
worden ist. **)
$ 10. Wir endlich kommen auf allen Wegen immer
wieder auf den Hauptlehrsatz der alten Harmoniker und ihres grossen
Meisters Aristoxenus zurück:
dass wir in der Musik einzig und allein
dem
(«us der Hand des Schöpfers harmanisch gegliudert hervorgegangenen) Gehör-Örgane — dem
Sir zu vertrauen, von der Natur angewiescot sid, der Stifterin und allein zuverläseigen K,ehrerin der Harmonie.
Wien, im Januar 1848.
“Schr terffend sagt
Eximenes (Dei vrigine e dell»
regule rrr.,
kom 177%, in dem Capitel: Che fu Musica nn ha correlazivune
eotZa Matzmatica)! „Da ein nach den Raätionen der Theorie gestinmtes Clavier zum Spiel und Gesang ganz unbrauchbar seyn
würde, ist es nicht eine Thorkeit (sie) zu glauben, es habe die
Natur die Musik in gewissen Verhältnissen gestiftet, welche sie
uns zu verderben zwÄnge so oft wir singen oder spielen wollen 9”
"*) Ob und wie weit ihreirrihbümer nachmals in die
moderne
Physik und Akustik übergangen, und vielleicht auch diesen
Boctrinen eine Revision
ibrer Grundlagen Nuth thäle,
diess hegt ansser dem Gesichiskreise des Arisloxeners,
der
A
bier nur wit der Musik im engeren Sinne zu Lhun gehabt.
DES
PrmasomaAs
Mechitharisten - Buehdeuckerei