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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)et Ode
In: Glotta, XXXIV - 1955 - p. 161 - 174
Sies wek
„Nore
HA.
\ ASS
797. KOLLER H., « Stoicheion»: Glotta 34 1955 161-174.
Sur les différents sens du mot ototyeiov dans la terminologie des
théoriciens grecs du langage et de la musique, en particulier chez le
péripatéticien Adrastos, Platon, Aristote et les Pythagoriciens.
(APh 26: 251)
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Author(s): Hermann Koller
Reviewed work(s):
Source: Glotta, 34. Bd., 3./4. H. (1955), pp. 161-174
Published by: Vandenhoeck & Ruprecht (GmbH & Co. KG)
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/40265692 .
Accessed: 26/03/2012 15:13
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)In der Beilage II zu ,Plato und die sogenannten Pythagoreer'
verweist Erich Frank auf ein System der Grammatik und Musik,
das uns der Peripatetiker Adrastos (bei Theo Smyrnaeus S. 49,
6 H, ebenda 81, 17 und 83, 4 und Chalcidius in Tim. Cap. 44 Wr.)
uberliefert hat. Es muB, wie Frank aus Platon uberzeugendbelegt,
die atteste sprachlich-musikalischeThéorie der Griechen sein. Der
groBartige Fund ist jedoch meines Wissens noch nie fur die Erhellung der Vorstufen der grammatisch-musikalischenThéorie der
Griechenausgewertet worden, woran der Entdecker vielleicht selber
etwas die Schuld trâgt, weil er in seinen Folgerungen eine falsche
Richtung einschlàgt. Er glaubt nâmlich, darin das ,atomistische
System der Musik' zu erkennen, obwohl, wie er selber zugibt, die
darin enthaltene Stoicheiojilehre nirgends ausdriicklich Demokrit
zugeschrieben wird. ,Wir diirfen es (se. das Buchstabengleichnis)
also demokriteisch nennen, obwohl es fiir Demokrit nicht ausschlieBUchbezeichnend sein mag.' Frank lâBt auch die Môglichkeit
offen, daB es sich um eine rationalistische Umdeutung einer àlteren
mystischen Lehre handle. Nur eine Interpretation des Adrestostextes und eine semasiologische Untersuchung des Stoicheionbegriffesùberhaupt,welche eine Auseinandersetzungmit den beiden
einschlâgigen Arbeiten, Diels' ,Elementum* und Lagercrantz'
,Elementum', mit sich einschlieBt, kann die Diskussion um das
Wesen des Stoicheion auf eine sichere Basis stellen. Beide genannten Aufsâtze nâmlich flihren die Problème nicht zu Ende,
vielmehr schlieBen sie einander vôllig aus, wie die folgende Darstellung zeigen wird. Fiir die Datierung des Ausgangstextes, des
vom PeripatetikerAdrastos zitierten musikalischenSystems, geniige
vorlàufig der kaum bezweifelbare allgemeine Ansatz Franks in der
zweiten Hâlfte des fiinften vorchristlichen Jahrhunderts. Da der
Text nur schwer zugânglich ist und Frank lediglich die ihn interessierendeSystematik hervorhebt, soil er hier vorgelegt und vorerst
ohne Beriicksichtigung der Autorfrage interpretiert werden:
Text [Theo Smyrnaeus S. 49, 6 H]. Zur leichteren Ûbersicht
werden die gliedernden Ausdrucke gesperrt:
xal
o de neQmarrjTixoç"AÔQrjoroç,
neql re aQfÀOvlaç
yvcoQipœTeQov
avfiqxovlaç dieÇicbv, tprjal* xad'âneQ tfjç êyyQafjifidrov<pcovfjçnal
Glotta XXXIV 3/4
Page 4
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)navxàç xov Xôyov ôhoo%eqfjftèv xal nqœxa fiéqrj xd xe qiquaxa xal
ave/taxa, xotixœv ôè ai ovXXafiai, atixat ô* èx yqa/t/jidxœv, xâ xe
yqdfi^axa cpœval nqœxai elai xal oxoi%eiœôeiç xal âôialqexoi xal
èXd%ioxai- xal yàq avviaxaxai ô Xôyoç èx nqœxœv yqajbt/idxœvxal
xal rjQiXoa^iévriç
eîç ëo%axaxavrtaâvakvexai - ovxœç xal xrjçè/zfjteXovç
xal
xà
xov
navxoç
ovaxtf(pcovfjç
Xeyô/Lteva
[àsXovçôkoa%€Qrj
pèv fiéçr]
xal nevxaxogda xal ôxxâ%0QÔam
xaika dé èaxiv èx
fAaxa, xexQâxoQÔa
ôiaaxrjfidxcov, xà ôè diaoxtffiaxa ex (pfîôyyœv, oîxiveç nâfov tpcovai
eîomQ&xai xal àôialqexoi xal oxoi%ei,(bdei<;, êÇ <hvtiqcoxcovowtoxaxai xo nâv (lêXoç xal elç â êo%axaàvaXvexai. ôiayêqovoi ôè àXXrjXœv
ol <p&6yyoixaïç xdaeaiv, ènel ol pèv avxœv ôij'ôxeqoi,ol ôè ftaqvxeqoi•
al ôè xdaeiç avxœv xaxâ xivaç Àéyovç eîolv âqxoqiofiévai.
Inmitten einer musikalischen Abhandlung iiber die Harmonie
und den Zusammenklang f iihrt Adrastos dièse Parallèle der Sprache
mit der Musik streng durch, und zwar nimmt er den Vergleich
aus den Verhâltnissen der griechischen Sprache: xaêdneq xfjc
èyyqa/À/Aaxov
qxovfjç. . . otixcoç xal xr\çêfi/neXavçxal tfqftoofievricqxovfjç.
Der Vergleich ergibt also folgendes schematisches Verhâltnis:
êyyqd/Â/Âaxoçycovrj
(artikulierter Sprachlaut)
qxovfj
ê/x/ieX^çxal rjqfjioopévr]
(musikal. Laut, Ton)
ôÀooxeqfjxal nqœxa /Ltéqrj
ôvofiaxa
qtffiaxa
avaxrifiaxa
(Verben) (Substantive)
nevxd%oqôa,
(xexqd%oqôa,
ôxx6%oqôa)
I
ovAÀafial
ôiaaxrniaxa
(Intervalle)
I
yqd/jt/iaxa =
<p&6yyoi =
qxoval nqœxac und
(pcovalnqœxai,
axoi%ei&ôeiç>
âôialqexoi,
âôialqexoi/ èXd%ioxoi
axoi%eiéôeiç
Gegeniiber der Sprachlautseite erhâlt der musikalische <p&6yyoç,
der Ton, noch einen Zusatz: ôiaqtéqovoi ôè àXhqXœvol <p&6yyoi
xaïç xdaeaiv [Spannungen], ènel olpèv avxœv ôgvxeqoi,ol ôè fiaqvxeqoi•
al ôè xdaeiç avxœv xaxd xivaç Myovç elaiv âcpœçia/xévai.
Die Parallelisierung wirkt derart imponierend geschlossen, da8
die Frage dabei kaum auf kommen kann, ob nun eigentlich dieses
System an der Sprache oder an der Musik entwickelt worden ist.
Adrastos aJlerdings, das ist keine Frage, scheint als selbstverstând-
Page 5
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)lich anzunehmen, dafi die Sprachtheorie vorausgegangen ist. Betrachten wir aber jede der beiden Reihen f Iir sich, so f àllt als erstes
auf der sprachlichen Seite auf, daB ovSfiaraund Qrjfmraunter sich
doch ganz andere Bedeutung haben, als die homogène Gegenseite1).
Wenn dann ferner von den ygàfifiara (was hier als Sprachlaut,
wie er durch die Buchstaben fixiert worden ist, verstanden werden
muB) ausgesagt wird, sie seien ycuvalâôiaigeroi,so gilt das doch nur
von Dauerlauten, nicht aber von den Explosiven etc. Nur bei
den Dauerlauten aber ist jeder Ausschnitt mit einem beliebigen
anderen Ausschnitt desselben Lautes identisch.
Genau entsprechend definiert Aristoteles in der Poetik 1456b
20 das Stoicheion der Lexis: axoi%eXov
jusvo$v êcrtivqxovrjâôialçeToç,
doch ist der Zusatz sehr bedeutsam: ov nâaa dé, âlX ef fjç néqrvxe
avv&erii ylyveo&ai qxovrj.
Darin kommt zum Ausdruck, daB es ,reihenbildend'ist, eben
nicht zufâlliges ârofiov Er fâhrt weiter: xai yàg
orrofyoç-bildend,
rœv drjqUovelalv àôiaiqexoi (pœvai, &v ovôe/ztavXéyœ otoi%eïqv.
cAuch die Tiere haben ,nicht weiter riickfuhrbare*Laute, die
ich aber nie und nimmer otoi%eïovnenne.' Es wird deutlich, wie
sehr der Stoicheionbegriffvon der Beschaffenheit der griechischen,
musikalischen Sprache gepràgt ist. Von der artikulierten und
- aroixsïovmelodisch gegliederten Sprache wird dieser q>vw(\
BegriflFgewonnen. Wenn Diels o. c. 33 dazu bemerkt: ,Dagegen
liegt es ihm noch fern, oxoiyzlov(Laut) von yçâpiia (Buchstabe)
in der uns jetzt gelàufigenund bereits im spâteren Altertum formulierten Weise auseinanderzuhalten',so ist das eine Verkennungdes
Sprachgebrauchesbei Aristoteles: Er spricht nur vom Sprachlaut,
ganz seiner Definition entsprechend.Nie verwendet er aber axoi%elov
fur yçâfifia,das ist vielmehr ein laienhafterMiBbrauchdes Grewâhrsmannes von Platon, im Philebos und Theaitet. (S. u. zur Stelle).
In der Lautlehre der friihen Musiktheorie, bei den nakatol des
1) Das wird uns noch viel deutlicher bewufît, wenn wir die aristotelische
Gliederung, Poetik 1456 b 20 ff. betrachten, wo man offensichtlich bis
zu ovXkafttj dieselbe aufsteigende Gliederung feststellen kann, wàhrend
ôvopa, Qfj/aaWortklassen bezeichnen, nrœcnç jedoch eine
ovvÔeofioç,âç&QoVy
akzidentelle Verânderung, welche nur das zuletzt genannte ôvo/xa betrifft,
Xôyoçaber den aus alien diesen Wortklassen gebildeten Satz bedeuten kann.
ovvôeo/Lioç,âç&Qov,ôvo/ia, Qfjfiagehôren also auf die dritte Stufe, Xâyoçauf
die vierte, wâhrend Ttrâoiç in der genetischen Reihe keinen Platz hat. Im
Adrastostext stehen ôvâ/xaraund $f\ixa.Taoffenbar einfach fur die unbedingt
nôtigen Satzteile; er we ist auf die ursprunglichste und einfachste Satzgliederung hin, welche nur dièse beiden Wortarten kannte.
Page 6
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Aristides Quintilianus (Buch II) ist ebenfalk nie von yQa/tfiara,
nur von axoiyzla = Sprachlauten die Rede.
Allé die genannten AnstôBe fallen nun auf der Gegenseite
des oben angefiihrten Schémas dahin. Der musikalische Ton, der
durch eine konstante Spannung (râaiç) erzeugt wird, ist tatsâchlich
âôcaigeroç, (pœvrjnocbrr),der nicht weiter zerlegbar ist und dessen
zeitlich begrenzten Ausschnitte unter sich vôllig gleichwertig sind.
Nur der musikalische Ton also genugt der ersten aristotelischen
oroi%elov-Definition, in Ileol rœv noaaxcoç Xeyofiévœv 1014a 26:
àôiaioérov
oxoi%bïovXéysrat, ef o$ avyxetvrai ngcbrov èvv7tâjQ%ovroç
tôj eïôei eîç ëreoov sîôoç, oïov cpcovfjçoroi%eïa, ê£ &v ovyxeircu rj
(pcowixai elç â ôiaioeïrai eo%ara, êxeïva ôè jurjxér*eîç âXkaç yœvàç
éréQaç rœ sïôei avrœv, âlXà xâv ÔKUQfjrairà [aoqio.ôpoeiôfj, olov
vôatoç to fÀOQiovvôcdq, àkX ov rrjç GvMaftfjc,- wird also die
(pœvfjgeteilt, ist sie immer noch die gleiche ycovrj,wie der Teil des
Wassers Wasser ist. Von hier aus ist auch der Aufstieg zum avarri/Âa
ohne Sprung môglich.
Frank hatte nun gesehen, daB dieses ganze System der Parallelisierung der Sprache mit der Musik iiberall dort schon vorausgesetzt
wird, wo Platon von den aroi%elaspricht. Vielleicht gestattet die
Interpretation auch dieser Stellen, die Frank lediglich um das Alter
der Théorie zu erweisen anfiihrt, einen tieferen Einblick in die
Werkstatt des theoretischen Denkens des f iinften vorchristlichen
Jahrhunderts. Am ausfiihrlichsten wird im Philebos
(17aff.)
davon gesprochen: Auf der Suche nach einer verbindenden Briicke
zwischen dem cbieiQovund dem tzeqclcoder zwischen âneiQovund ëv
gelangt Sokrates auf die Zahl. Er verdeutlicht seinem Unterredner Protarchos auf folgende Weise, wie das zu verstehen ist:
17b ycovrjjnèvfuiïv èori nov pia ôià rov arôfiaroç îovaa, nal âneiQOç
aS-uzÀtf&ei,nâvrœv re naï êxâarov. Er fâhrt fort: , Durch nichts
anderes sind wir nun in dieser Frage sachverstàndig, weder wenn
wir die unbegrenzte Anzahl von ihm (vom Laut) kennen, noch den
Einzelnen, àXX oxi noaa r9 sari nal ônoïa, rovro èan ro yga/jifiarixàv
ëxaarov noiovv rj/ucov.',Dadurch also, daB wir die Anzahl und Beschaffenheit der Sprachlaute kennen, sind wir wirkliche Grammatiker/ Und nun die Parallèle zur Musik: Km iir\v xal ro /iovaixàv
ô rvyxdvei noiovv, rovr9 ëan ravràv. ,Auch das, was uns zu Musikern
macht, ist dasselbe (Wissen).' cpcovrj
pév nov xal ro «ar9 êxeivrjvrtfv
êarl
êv
ré%vr\v
fila
avrf\.
An ihr unterscheiden wir fiaov (Tiefton), d|v (Hochton) und
als Drittes ôporovov (mittlere Stimmlage). 17c/d: 9AXX & <plfo,
Page 7
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)èneiôàv Mfyc rà biaarr\iiara ÔTioaaêarl rov oqu&iaovrfjç qxovfjç
ôÇvtrjTdçre néçi xal ^aQvrrjroç,xal ônoïa, xal roùç Sqovç rœv ôiaorrjfiàrœv, xal rà ex rovrœv ôaa ovGrrjfiara yéyovev, - 5 xariôôvreç
ol nQÔcr&ev
Ttagéôoaav f\iilv roïç êjcofiévoiç èxeivoiç xaXeïv aQpovcac,
ëv re xaïç xivr\oeaw aiï rov aœ/iatoç êreqa roiavra êvovra nâ&rjyiyvôfjteva, a ôyj Si9 aQifîfiœvfietQrjêévta ôeïv afi cpaai Qvêfiovç xal [xerqa
ênovofiâÇeiv, . . .
Obwohl eigentlich Platon flir dièse Dialogstelle nur ein Beiund nêqaç
spiel zur Ûberwindung des Abgrundes zwischen oœieiQov
und
wie
die
zu
behandelnde
nachher,
spâter
benôtigt,
Fortsetzung
zeigt, nur die ygàfifiaxaverwendet, gibt er uns hier ganz nebenbei,
fast ungewollt, den eigentlichen Zusammenhang.Auch Platon verweist deutlich darauf, daB er damit altère Lehre aufnimmt (ol
Auch hier findet sich, wie im ersten
nqooêevnaqéàoaav. . . a$ q>acn).
- ôiâorrifiadie
musikalische
gleiche
Aufteilung <pœvrj
Zeugnis,
die
hôchst
bezeichnend
musikalische
wobei
aber
avoTrjfta,
Sprache mit Hoch-, Tief- und
qxjùvrjder griechischen
ist. Noch
der Ausgangspunkt
Gleichton offenkundig
findet sich hier nicht die reinliche Scheidung in Sprachlaut und
musikalischen Ton (der unabhàngig von der Sprache ware) wie
dort1). Noch wichtiger aber ist, daB im àlteren Zeugnis auch
die rhythmische Struktur der Sprache mit ihrem kôrperlichen
Korrelat, den Gesten, als gleichberechtigt danebengestellt wird.
Platon bietet uns im Kratylos 424c den Beweis, daB auch die
Rhythmik in der alten Musiké genau gleich aufgegliedert war,
was im Philebos nur ganz knapp gestreift, wenngleich auch vorausroïç çivêpoïç rœv aroi%ei<ûv
gesetzt wird: &aneq ol èTtixeiQovvxeç
rœv avX'ka^(bv? xal ovrœç
ëneira
ôieikovro,
ràç
ôvvàfieiç
nqœrov
ènl
rovç QV&povç oxeipo/uevoi,nqôreQov ô9 ov. Hier
rjôr] ëQXovrai
- Qvfîftoç,wobei die
findet sich also die Reihe oroi%eïa- avXka$r\
oroiyela Sprachlaute, streng genommen nur die Vokale sind! denn
nur die Quantitât der Vokale spielt ja auf dieser Stufe eine entund (pœvr\gescheidende Rolle. Einzig bei ihnen kommen <p§6yyoç
sich
konnte
der
reine <p&6yyoç
meinsam vor. Nur vom Sprachvokal
ablôsen lassen. Darum spricht Platon in Philebos 17c/d von der
des Sprachvokalesund seinen ôiaortf/iaraund die rhythmische
<pœvfi
Théorie im Kratylos 424c spricht von den ôvvâpeiç,den Làngen
was hier nur Vokale meinen kann! Auch die spate
der aroi%ela>
musikalische Théorie bei Dionysios v. Halikarnass, de comp. verb.
!) Vgl. Sophistes253b.
Page 8
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)14, 72 zeigt das noch deutlich: 61 ôè TQi%fj
veipavreç ràç TtQwraç
re xal aroixsicodeiç rfjç (pœvrjçôwâpieiç yœvrjevxa fièv êxâXovv,
ôaa xal xaffî êavrà qxoveïracxal jÂ,e&9
êréQcovxal ëanv avr or eXfj.
In dieser nichtaristoxenischenEinteilung der Laute (es folgen
die
und die âyœva) sind also nur die (pœvrjévra,
noch die rjfiiqxova
Vokale, otoi%eï<iim eigentlichen Sinne1). Durch die neu beigezogenen platonischen Texte erweitert sich das am Adrastosreferat abgelesene Schema nun folgendermafien:
menschlicher
«
;
êyyQdjLtfÀaroç <pa>vri
Logos
ri-
?
êfijuekrjç xal
not/rj/Lta
riQfioafiêvYi q>œvrj
[aQ/jLovla]
I
ovarrjfAaxa
qvêfiôç [fiérgov, noéç
[Quarte,Quinte,
Oktave etc.]
I
b. Arist. Quint.]
oiaoTYjfiaxa
(Intervalle)
I
(p&oyyoi
oxoiyela
ovXXafiai
I
\
àvvâfxeiç
rœv oroi%el<ov
der Schrift,
Schriftbild
der Musik,
Klangbild
(Quantitât)
axoi%EÏa
I
der Rhythmik,
rhythm. Gestalt
1
1
QijfjiaI dvo/jia
ovkkaftai
yqàiniaxa
= <noi%tïa
'
des griechischen Wortes2)
Das âlteste metrische System grtindet ganz auf der Struktur des
Wortes, auf den von ihm analytisch ableitbaren natiirlichen
Zahlenverhâltnissen. So ergibt sich auch fur den Rhythmus, wie
1) Dazu gehôrt auch Aristides Quintilianus I 43/44. Eine Stelle in
Bekkers Anecdota 770 schlieûlich enthàlt die unbezahlbare Definition:
IleQl (noixeicov.noaaxâç rè aroixeïov Xèyovoiv 1) rd re àqf êavrœv
âQxofJieva yqdfifAara (also die eSelbstlauter', die Vokale), 2) rà è( êv
avyxeircu rà ocbjxara(Element im naturwissenschaftlichen Sinne).
') Die aristotelische Definition Poetik 1456 b 20 lâBt ja keinen Zweifel
menschliche
zu, daû nur die artikulierte, sinntragende
Sprache auf
aroixefa zuriickgefiihrt werden kann: xai yàg rœv ûrjQiœveîaiv âôuxlgeroi
qxoval,év oùôeplavXéymoroixeïov.
Page 9
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)f iir die musikalischeKomponente, eine naturliche, von unten nach
oben aufsteigende, homogène Reihe: Laut(lânge)- SilbenlângeRhythmus des Wortes.
Ûberall dort, wo wirklich im technischen Sinne von den
L au ten gesprochen wird, heiBen sie (pcovaioder <p&oyyoi
oder eben
nie
aber
besonders
schôn
im
auch
aroixeïa,
yQaftfiaxa.(So
phonetisch-rhythmischen Kapitel 88/89ff. des Aristides Quintilianus.)
Das ist nur fiir eine Zeit moglich, die noch aile drei Bereiche
des griechischen Wortes, Xéyoç,Qvê/wç,âg/iovia als Einheit umfaBte (vgl. Musikund Dichtung bei den Grieohen,Antrittsvorlesung,
NZZ 1953, Nr. 220/5/6, und Mimesis in der Antike, besonders
S. 210ff.), als eine Grammatikals Wissenschaft sich noch nicht aus
dem gemeinsamen Zusammenhangherausgelôst hatte. Wir ahnen
jetzt, wie jene Parallelisierungbei Adrastos môglich geworden ist.
Fiir Platon ist nur das Beispiel, das er aus der friiheren Musiké
der drei Kompobezieht, vor allem wegen der Zahlenhaftigkeit
nenten des griechischenWortes wichtig, weil durch sie das cbzeiQov
der sprachlichenLaute und musikalischen Tone und rhythmischen
Gestaltungen erfaBbar und beherrschbar wird (18b). Sein
Interesse gilt aber vor allem den ypd/^aara,denen er sich 18b 6
erneut zuwendet: Der Âgypter Theuth nun soil also das aneiQov
menschlicher Sprachlaute dadurch beherrschbar gemacht haben,
einmal als erstes die Vokale (rà ycovrjévra)
erkannt
daBer im cbzeiQov
habe, weiter die Laute, welche nicht tônen, aber Gerâuschenthalten,
die ebenfalls in einer bestimmten Anzahl vorkommen, als dritte
Gattung von ygâ^ara habe er die sogenannten àqxovaherausgehoben. (Damit ist die in Dionys. Hal. 14, 72 genannte Gliederung
als voraristoxenisch erwiesen.) Jedem Einzelnen aber und der
Gesamtheithabe er die Bezeichnungaroixe lov gegeben (Stoicheion
als Element, Buchstabe - und als ,Alphabet' - Anfangsgriinde).
Was Platon hier im gelâufigen und landlâufigen Sinne also mit
Buchstabe, ygd/ifia, bezeichnet, sind tatsâchlich die damit symbolisierten Laute, die durch die Bezeichnung aus der Fulle der
moglichen Laute herausgehoben werden (s. dazu S. 168 unten)1).
1) Aus dem Protreptikosdes Poseidoniosbei Cicero,Tusc. disp. 1 26, 62
geht ganzklarhervor,dafidie Erfîndertatdes Theutin derpythagoreischen
Kulturentstehungslehreihren festen Platz hatte: fEx hacne tibi terrena
mortalique^naturaet caduca concrets ea videtur, aut qui primus, quod
summae sapientiae Pythagorae visum est, omnibus rebus imposuit
nomina (vgl. den 'Namengeber'im Kratylos), aut qui dissipatos homines
congregavitet ad societatemvitae convocavit (Motivin 'Orpheusder Kultur-
Page 10
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Es geht auf keinen Fall, hier f tir gxoi%eïov
einfach ,Buchstabe'
einzusetzen. Die Griechen sind sich des Unterschiedes immer bewuBt geblieben, wenn sie auch der Einfachheit halber yQdfifiaxa
oft mit axoi%eïavertauschten. Das beweist eindeutig noch der
spate Sextus Empiricus, wenn er adv. math. I 9,9 sagt: xai ôrj
xai
xqi%œçXeyofiévovxov oxoi%eiov1. xov xe yçayo/tévov %aQaxxr\Qoç
xvnov [also ax. = Buchstabe]. 2. xai xfjç xovxov ôvvâfteœç (also der
bedeutete, zugrundeliegendeSprachlaut). 3. xai hi xov ôv6/u,axoç,
vvv r\ Çrjxrjoiç
TZQoayêxœ
pâXioxa tzsqI xfjç ôvvdfiscoç' avxrj yàq
xai xvqIooç axoi%elov nag9 avxoïç (se. den Grammatikern)
TtQooayoQevxai,der Laut namlich wird bei ihnen in eigentlicher
Bedeutung oxoi%eIov
genannt' (vgl. zu dieser Stelle Anm. 3 S. 171).
die
Schon
beiden Hauptzeugnisse, das Référât des Adrastos
und der platonische Philebos zeigen, da6 offenbar im Begriff des
axoi%elov die eigentliche Verbindung der drei Bereiche des
griechischen Wortes, Schriftbild, Klangbild und rhythmische
Gestalt zu suchen ist. Das oxoixeicoôeç
wird bei Adrastos f iir Sprachlaut und (p&oyyoQy
den musikalischen Ton, hervorgehoben; beide
sind stoicheionhaft,
untrennbar, homogen. Im Philebosreferat
bringer',M. i. d. A. S. 185), aut qui sonos vocis, qui infiniti videbantur, paucis litter arum not is termina vit (Theuth, Philebos 17 d, das
der menschlichenLaute wird durch die bestimmte, faftbareAnzahl
àneiQOv
der Buchstabenfixiert, beherrschbar),aut qui errantiumstellarum cursus,
praegressiones,institiones notavit?
Die Erwâhnung des Pythagoras beweist naturlich, wie in all diesen
Fallen, nur, dafi diese Thematik auf pythagoreischeLiteratur zuriickgeht.
Der obige Motivzusammenhangwird noch deutlicher in Ciceros De re
publica III 2, 3 ... et vehiculis tarditati, eademquecum accepissethomines
inconditis vocibus inchoatum quiddam et confusum sonantes, incidit has
etdistinxitin partis et ut signa quaedamsic verba rebusimpressithominesque antea dissociatos iucundissimo inter se sermonis vinculo conligavit.
A simili etiam mente vocis, qui videbantur infiniti, soni, paucis
notis inventis sunt omnes signati et expressi, quibus et conloquia
cum absentibus et indicia voluntatum et monumenta rerum prateritarum
tenerentur.Accessit eo numerus, res cum ad vitam necessaria,turn una
inmutabilis et aeterna; quae prima inpulit etiam, ut suspiceremusin
caelum nee frustrasiderummotus intueremurdinumerationibusquenoctium
ac die(rum)...
Gliederungder Sprachlaute, Bezeichnung durçh eine geringe Anzahl
Buchstaben,wodurchihre Unendlichkeit,ihr àneiQovauf ein néqaçreduziert
wurde,Entdeckung der Zahl als Grundlagedes Sprachtonesund ihre tÎT^ertragung auf das Weltall, die wissenschaftlicheEntdeckung der Pythagoreer
in der Akustik wird hier auf knappster Form im Mythos des Theuth
kondensiert.
Page 11
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)wird vorerst nur vom yçà/a/naals von einem aroi%elov
gesprochen,
wobei aber die Bedeutung von yqafi^a zwischen ,Buchstabe' und
,Sprachlaut' schwankt. Eindeutig ist in der alten Rhythmik
wiederum nur ,Sprachlaut* und zwar
(Kratylos 424c) aroi%eXov
Die
musikalischen ,Elemente' werden im
Vokal.
nQcbrrjqxovrj,
Philebos zwar nicht so genannt, wohl aber im selben gedanklichen
Zusammenhangdes Dialoges Theaitet, auf dessen innere Verwandtschaft mit Philebos 17a- d schon Frank hingewiesen hat. Dort
reXécoç
(206a) heiBt es nun ausdriicklich: *Evôè xi&aQiarov
/Lte/Ltaêrj'
xévcufjiœvàïlo ri fjv f\ ro rœ (pêoyyœ êxâarœ àvvao&ai ênaxo'^
Xov&eïv, nolaç x°Q^V^E"ir\
fy oroi%ela nâç âv ôfioXoyrjaeis
fiovaixfjç Xêyeo&ai.
wie sie jeder Saite zugeordnet sind, sind also die
Die (p&oyyoi,
Das Wort St. kann aber hier auf keinen Fall
Musik.
der
oxoi%eïa
heiBen ,die elementaren Anfangsgriinde', sondern, analog dem
vorausgegangenenPassus liber die ygâ^ara, ,Elementec: Nur wer
in diesem Falle also die qy&oyyoi,
die zahlenhaftigen aroi%Eïa,
richtig
der entsprechenden Saite zuordnen kann, ist wirklich ein rexvixoç
(rsXéœç fiefiadrjxévai);der Philebos 17c lâBt daran nicht den geâvrjvQéêrj
ringsten Zweifel aufkommen: navra yàg, ô'craréxvrjçê%6fÂeva
ncoTtorsôtà ravrrjç [se. rfjç ôôov] yaveçtà yêyove. Damit ist fur aile
drei Komponenten des griechischen Wortes, fiir Logos, Rhythmos
zu suchen, da ygd^a,
und Harmoniadas Grundlegendeim oroi%£Ïov
ausdriicklich
aroiyeXovgenannt werden. Doch was
ycovri,qy&oyyoç
nun
Stoicheion eigentlich? Wie hàngt dièse Wortform
heiBt
mit dem Verb aroi%etvbedeutungsmâBig zusammen? Denn daB
es davon abgeleitet sein muB, hat Diels eindriicklich gezeigt, das
fordert aber auch die primitivste Kenntnis der griechischen Wortbildung. Bekanntlich hat nun gerade dieser Begriff eine groBartige
Karriere gemacht. Die Bezeichnung scheint nicht aus der natiirzu sein, wie etwa Idea, Eidos oder andere
lichen SprachegeschafiFen
nattirliche Bildhaftigkeit strengen
deren
philosophische BegrifFe,
oft genug im Wege gestanden hat.
Denkens
abstrakten
Forderungen
auf im Attischen des fiinftén
unvermittelt
er
taucht
Vielmehr
Jahrhunderts, um bald einer der wichtigsten spekulativen BegrifiFe
zu werden. Welche semasiologischen Schwierigkeiten dieser Terminus einem eindringenderen Verstândnis bieten, zeigen Diels'
jElementum*und Lagercrantz' ,Elementum*. Die Resultate dieser
beiden Arbeiten sollen hier kurz zusammengefaBtund verglichen
werden. Die sprachlichen Voraussetzungen diskutiert Diels sehr
sorgfâltig. aroixsïovkann nur vom Verbum oroi%eïvaus verstanden
Page 12
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)werden, was ,schrittweise vorwârtsgehen,einen otoïxoç, eine Reihe
bilden' heiBen muB. Aus den Belegen und der Bildungsweise des
Substantivs ergibt sich eindeutig, daB der Terminus eine Bildung
griechischen theoretischen Denkens ist, die keinen eigentlichen
Riickhalt im auBerwissenschaftlichenSprachgebrauchfindet. Woran ist diese im Stoicheion fixierte Vorstellung aber entwickelt worden? Kann diese Frage befriedigend beantwortet
werden, so ist damit ein wichtiges Kapitel theoretischen Denkens
beleuchtet, da das Griechischeseine Terminologieals einzige europâische Sprache selber schaffen muBte, und damit eo ipso entweder
iiber den weiteren Vorstellungskreis, aus dem der wissenschaftliche Begriff erwachsen ist, Auskunft gibt, wie etwa im Fall der
Mimesis (vgl. Verf. Mimesis in der Antike) oder iiber den ganz
konkretenAnlaB,wenn eine Neubildungnachgewiesenwerdenkann.
Diels glaubt, in den platonischen Belegen eine Lôsung gefunden zu
haben: Die ycajLifjiaxa
sind oxoi%etagenannt worden, weil sie den
die
des
(rroïxoç, Reihe,
griechischen Alphabetes bilden. Dieser
Ansatz stellt aber eine neue Aufgabe: Allé Vorkommen von oxoi%elovmussen in einer sprachlich einwandfreien Weise irgendwie
auf ,Buchstabe' zurtickgeftihrtwerden kônnen. An den rein sprachlichen Ûberlegungen Diels ist gewiB nichts auszusetzen. Doch ist
die zweite Aufgabe nur teilweise gelôst. Hier aber weist Lagercrantz
in seiner spâteren Arbeit darauf hin, daB das griechische Alphabet
nicht als axoïxoç aufgefaBt wurde1). Mit Recht greift Lagercrantz
den Dielsschen Ansatz also an. Trotzdem bedeutet der Aufsatz
von Lagercrantz einen bedauerlichen Riickschritt. Unbekiimmert
um die sprachlichen Voraussetzungen des Begriffes postuliert er
einfach aus den extremsten vorkommenden Verwendungen eine
denkbare Grundbedeutung, die allenfalls alien Anwendungen
irgendwie gerecht wiirde, und sieht ihn in der sehr spat bezeugten
Bedeutung ,Grundlage£.An sich ware zwar die spate Bezeugung
kein Hindernis, diese Grundbedeutunganzunehmen. Diels hat aber
in seinem sprachlich einwandfreien
richtig erkannt, daB oxoi%elov
Verhâltnis zu oxotyoçgezeigt werden muB, was Lagercrantz ganz
vernachlassigt2).
x) o. c. S. 8 'Das Alphabet war der griechischen Anschauung nach kein
otoïxoç.9
a) S. '28: 'Es waren ganz unabhàngig voneinander (sic) zwei Begriffe
entstanden: aroixeïa r&v ndvrœv 'Grundstoffe, Grundbestandteile der Dinge
in der Physik', und aroixeîa rwv yga/ijudrcov'Grundformen der Schrift* in der
friihen Granunatik.' Diese AuBerung von Lagercrantz ist bezeichnend fur
Page 13
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Die Schwierigkeitdieses Ansatzes ist aber schlagartig behoben,
wenn wir die friihen griechischen Bezeugungen wirklich ernst
nehmen. Nicht die yga^piaxawaren eigentlich die oxoi%e%a,
sondern
die nQcbtatqxovalder Sprache und gleichzeitig die davon ablôsbaren
Diese Tone nun sind wirklich ,reihenbildend'. Sie bilden
<p&6yyoi.
den axolypçder Tonleiter, mit der regulârenAbfolge der biaaxr\iiaxa.
die Quarte, die Kombination
Wichtigstes biaaxr\iiaist die ovXXafirj,
der âg/iovia,
der zusammengehôrigenôiaaxrjfxaxa
ergab das crôaxrjfia
der jeweiligen Tonleiter. Daher kommt es, daB im Zeugnis des
Adrastos die aufsteigende Reihe der Tonseite wirklich homogen ist,
wâhrend die rein sprachliche und rhythmische Systematisierung
dazu parallel gebttdet wurde. Zwar ist mir kein ausdruckliches
Zeugnis bekannt, wonach die Tonreihe oxoï%oçbenannt worden
ware. Wohl aber diirfte uns der im Spatgriechischennoch bildlich
gebrauchte Ausdruck xavôvi axoixelv1) auf die richtige Spur
fuhren. Bekanntlich haben die Pythagoreer am xavœv, am Monochord, die Verhaltniszahlender einzelnen Tone bestimmt, indem sie
offenbar stufen- oder schrittweise die Saite verkiirzten, und dieses
Vorgehen nannten sie axoi%elvoder, wie der spàtgriechische Ausdruck noch bewahrt hat, xavovi axoi%elv. Der Antike ist ja die
musikalischeHerkunft der Stoicheia immer bewuBt geblieben, wie
Bekkers Anecdotalll, p. 1168 beweisen: ôxi ôè noirjxixov xivoç
âvÔQoçxal fjtovaixov r\ xœv oxoi%eia)v etigeoiç ?jv, orjfteïov xo
ndXai xoèç avxavç that ôtdaaxâXovç xal ftovoixfjç xal yQafjL[iaxixfjç, d)ç ô Eimofaç elaâyei èv AlÇl xal 'IooxQaxrjçôpolcoç èv xco negl
xf}ç àvxiôooecoç.
Auch was wir bei Gellius, Noctes Atticae XVI 18, 4 liber den
Gebrauch des Kanons erfahren, stimmt mit unserer Ableitung
iiberein: Kavovixr\ autem longitudines et altitudines vocis
emetitur. Longior mensura vocis qv&iâoç
dicitur, altior fxéXoç.
In der antiken Musiktheorie, genauer gesagt in der Akustik
muB also diese Entdeckung der oxoi%eïagemacht worden sein und
von da sich ausgebreitet haben. Das bezeugt unwiderleglich
einen vôlligen Mangel an Einsicht in griechische Wortbildung und Bedeutungsentwicklung, wie sie Diels in hervorragendem MaBe besessen hatte.
x) Paulus Ad Galat. 6,16: Saoi rcp navôvi roteq* aroix^aovat^ oder
Ad Phil. 3, 16: rcp a^rç) aroixeïv xavovi, Et. Basil.: Et nvaç eUgo/ievt$
naçadoûévri xavâvi xfjç eôoef}elaçoxoixovvxaç. Wir dûrfen sicher in diesen
hellenistischen Formulierungen auf weit âlteren Sprachgebrauch zuriickschlieôen, da offenbar die Metapher einst einen ganz konkreten Sachverhalt
meinte: das schrittweise Vorwârtsschreiten bei der Bestimmung der Tône
am Monochord.
Page 14
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)Aristoteles' Metaphysik 985, 23ff.: 9Ev ôè rovroiç xal nqo rovrœv
rœv iia$r\iiàx(ûv âipâ/nevoinqœroi ravra nqor\yayov xal êvrqayévreç
èv avroïç ràç rovrœv àq%àçrœv ovrœv âq%àç<$rftr\aaveïvai ndvrœv.
Ausdriicklich wird hier festgehalten, daB die Mathematiker vor
Demokrit der Ansicht waren, die Prinzipien der mathematischen
Gestalten seien auch die Prinzipien aller seienden Dinge iiberhaupt.
ènel ôè xovrœv ol aqi&fxol(pvaet nqœroi, èv ôè toïç aqi&fxotcêôôxovv
iiâXkov fj èv nvql
fteœqeïv ôfioicofiaxa nofâà roïç ofiai xal yiyvo/u,évoiç9
xal yfj xal vôari, on ro [xèv roiovôl tœv àQi'&ixcbv
nâ&oç oixaiocrovrj,
to ôè roiovôl ipvxti xai vovç, ëregov ôè xaiooç xal rœv àXXœvœç elnelv
ëxaarov ôfioiœç. Im Gegensatz zur friiheren d^^-Spekulation sahen
sie nicht in einem Grundstoff die Arche, sondern in den Zahlen
(vgl. dazu Mimesis der Zahl, in: M. i. d. Antike, S. 12); en ôè rœv
àqiiovixœv èv àoiê^olç ôoœvreç rà nâ&ri xal rovç Xoyovç, 'weiterhin,
da sie erkannten, da8 die Vorgànge und Verhâltnisse in den Tônen
auf Zahlen beruhten9, êneiôrj rà [ièv alla roïç oqvÙ[ioIqêyalvero xr\v
nâoav, oî ô9 aQi&fiolnâarjç rfjç tpvoeœçnqœroi . . *
<pvmvàq>œ[ÂOiœo&ai
fda die Zahlen aber in der ganzen Natur das Erste (Grundlegende)
sind9, rà rœv âoi&fiœv oroi%eïa rœv ôvrœv aroi%eïa nâvrœv sïvat
inêXapov enahmen sie an, daB die ,Grundlagen' jElemente* der Zahlen
auch die Elemente aller seienden Dinge seien, xal rov 8Xovovqavov
àqiioviav elvai xal oqi&[i6v,daB auch der ganze Himmel Harmonie
sei und Zahl9. (Es lieBe sich sogar denken, daB rà rœv âoi&fiœv
oroi%eïadie vier Grundzahlen der Tetraktys sind, welche die ganze
Zahlenreihe bilden1).)
Dieses aristotelische Zeugnis iiber die pythagoreische Stoicheionlehre ist deshalb von grôBter Bedeutung, weil es beweist, daB die
Pythagoreer tatsàchlich die friiheren Archévorstellungen mit
x) Dieser wohlbegrundetenAnsicht ist P. Kucharski in 'Etude sur la
doctrinepythagoriciennede la tétrade',Paris 1952,siehe vorallem S. 32, S. 46
Anm. 5, S. 47, S. 66: ,,En même temps, la tétractys étant productricedes trois
consonnances, est à la base de T'harmonie*musicale et par là même de
P'harmonie du monde9." - Franks Annahme, beim Adrastostext handle
es sich um eine 'atomistische' Musiktheorie,die Demokrit zum Urheber
hatte, ist sicherfalsch. Wie neuerdingsauch ArthurAhlvers, Zahl und Klang
bei Platon, Bern 1952, darlegt, stûtzt Frank seine Behauptunglediglichauf
den Titel eines demokritischen Werkes Ilegl êvêpcôvxai âQ/j,ovlr}ç~.
,,Die
Verwertimg der Demokrit-Fragmente15c-26a fur das, was Frank 'das
atomistischeSystem der Musik'nennt, ist willkûrlich"(S. 65). Unsere wortkundliche Untersuchungfûhrt von einer ganz anderen Seite zum gleichen
Ziel, wie Ahlvers mathematischeund musikalische Studien, zu einer Umwertung entscheidenderKapitel griechischerWissenschaft.
Page 15
Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)einem ganz neuen Gehalt erfiillten, die iq%alsind jetzt die Zahlen,
die oxoi%ela. Weiterhin ergibt sich daraus klar, daB es wirklich
die Pythagoreer (natiirlichdie ,sogenannten')waren, die, griindend
auf den Erkenntnissen der Akustik, dieselben Gesetzmâfiigkeiten und dieselbe Zahlenhaftigkeit aller seienden Dinge und des
ganzen Kosmos postulierten1). Wenn von nun an Spâtere liber
Archétheorienreferieren, gebrauchen sie unterschiedslos olqxvun(l
oxoi%eXov\Aristoteles' Metaph. 985b 4 Aevxmnoç ôè xal ô éxaXgoç
avxov Atj/â6xqixoç axoiyeXa ftèv to nkrJQeçxal xo xevov elvai (paoiv.
Das bedeutet nicht, Demokrit habe diese Prinzipien wirklich
oxoi%elovgenannt; denn Aristoteles, der ja in klar durchdachter
Weise die verschiedenen Verwendungen von oxoi%eXov
diskutiert,
xaXovowêvxev&ev,
sagt ausdrucklich: xal fisxatpecovxec ôè oxoi%eXov
ô âv êv Ôv xal fiixQov ênl noXXà fj XQVai^ov2)-I*1 dresem metaphorischen Sinne sprechen aile Spàteren oft von Stoicheion, wenn
sie Arche meinen. Es findet sich aber vor den von mir angefiihrten
Belegen, die in die zweite Hàlfte des f iinften Jahrhunderts hinaufreichen, nie, sondern lediglich in Referaten zur friiheren ArchéSpekulation8).
bei
Es eriibrigt sich, sàmtliche weiteren Belege von oxoi%eïov
nach
dem
neu
weil
sie
zu
Diels und Lagercrantz
diskutieren,
gel) Ein weiteres Zeugnis: Sextus Emp. adv. mathem. X 2, 8: ol êmarrjfiovéoraroi xœv (pvcnxwvoihco fieyà^v ôvvafiiv roïç àgift/ioïç ânéveifiav, œare
àq%àç xal axoi%eta xœv Ôkœvro&covçvo/itÇew.o$roi ôè eîoiv ol neql xàv
Methodisch sind solche Bemerkungen selbstverstandZàfiiov nvêayâçav.
lich nur so zu werten, dafi das, was dem Pythagoras persônlich zugeschrieben
wird, der Schule der Pythagoreer angehôrt.
2) Ebenso Aristoteles Phys. A 4, 187 a 26 von Empedokles: xà «aAot5fieva oxoixefaf oder De part. anim. B 1,646 a 13: râ>v xaAovfiévcov vtiô
nvcov axoix^lcovolov yrjç, àéçoç, tiôaxoç, tivqôç.
3) Obwohl also Aristoteles an verschiedenen Stellen seines Werkes ganz
klar die echte Tradition ausdrûckt und eine eingehende Interpretation
der platonischen Dialoge und des Adrastosreferates dasselbe lehrt, behauptet
Lagercrantz z.B. zu Metaphysik 1014 a 26 (vgl. oben S. 164): ,Den Erfordernissen der Zeit gemâfî pràgt Aristoteles den Ausdruck um und sagt
(pcovrjçoxoixeïa'; aber auch aile spàtere Tradition soil den Begriff falsch
verstanden haben: ,Im Altertum ist noch eine Differenz zwischen yqafifiaxa
und <sxoi%Eïa
aufgestellt worden. Der Aristoteleskonunentar des Ammonius
verstand unter jenen die Schrifbzeichen und unter diesen die Laute (Stelle
In Herm. 23, 20). Nicht weit von diesem Standpunkt befand sich Sextus
ïov nur fur den Laut gelten
der Empiriker, insofern er den Terminus oxoi%b
lassen wollte (Math. I, 99)'. Weil die modernen Philologen lange Zeit die
grôBte Mûhe hatten, den Laut von seinem Zeichen zu unterscheiden, muBte
das den Griechen also auch passiert sein!
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Voir dans le PDF(s’ouvre dans une nouvelle fenêtre)wonnenen Ansatz leicht einzuordnen sind. Sowohl die sekundare
Bedeutung ,Element' im physikalischen Sinne, als auch ,Grundlage' laBt sioh durch die Verbindung der ursprtinglichen,pythagoreischen Bedeutung ,Ton, Tonzahl, Zahl als Grundlage allés
Seienden' in der spâteren Arché-Spekulation verstehen, nachdem
einmal die Angleichung vollzogen worden war1).
Fur Stoicheion gilt, was ftir allé Termini der griechischen
Wissenschaft. Sie kônnen erst richtig verstanden werden, wenn
ihr Ansatzpunkt gefunden ist und sâmtliche Belege sich semasiologisch sauber einordnen lassen. Nur philologische Interpretation
der in Frage kommenden zusammenhângendenTexte aber erlaubt,
diesen Ansatzpunkt zu erkennen und die jeweilige Bedeutung zu
fixieren. Sprachwissenschaft und Philologie vereint, kônnen hier
einzig zum Ziele flihren (vgl. Verf., Mimesis in der Antike, S. 9ff.).
Dieses Ziel hoffb die vorliegende Arbeit ftir den zentralen
Begriff des Stoicheion erreicht zu haben.
Barcelona
Hermann Koller
'EykûkAioçflaiôeia
In der franzosischenForm encyclopédie hat dieser griechische
Begriff in der Neuzeit eine groBartige Geschichte erlebt. Seiner
Herkunft ist man sich immer bewuBt geblieben, wie die Grande
Encyclopédie selber beweist: Ce que les anciens appelaient encyclopédie (eyntixfaocnaiôsla), c'était l'ensemble des connaissances
générales que tout homme instruit devait posséder avant d'aborder
la vie pratique ou de se consacrer à une étude spéciale. Vorerst
habe man darunter Grammatik, Musik, Géométrie, Astronomie
und Gymnastik verstanden und im spâteren Altertum, nach Martianus Capella, die Fâcherzahl auf sieben erhôht. Dièse sieben
Artes libérales, Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Arithmetik,
Géométrie, Musik, Astronomie bïldeten im ganzen Mittelalter und
weit dartiber hinaus die Grundlagen jeder hôheren Bildung.
Ûber Vorstufen und Ansatz sowie die innere Entwicklung
dieses geistes- und kulturgeschichtlichgleichermaBenbedeutsamen
Begriffes besteht bei nàherem Zusehen jedoch sehr wenig Klarheit.
x) Weil die Zahl Grundlageailes Seiendenist, versteht sioh nun sehr
wohl, dafî der Pythagoreer Hippokrates von Chios (Zeitgenosse des
Theodorosvon Kyrene, vgl. Diels 1 42, 1) als Brster sein mathematisches
Werk mit 'Stoicheia9 betitelt hat.