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geachtet die efes "Gefhlärkhrelßer.‘Griedjens
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brig gebliebenen. wahrfheiniih nur menige
Refte alter Ucberlleferungen erhalten worden find; fo
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tele body fetbft biefe-oieftigen Weberbteibfel oft unfithes |
ter und miberfpredender =
id bin, um es zu ere
us Mären
Pagina 2
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch,
Eláren, warum die erffen Keime griechifcher Weisheit fih
unter dem fehönen Himmel Goniens, und nicht in dem
viel áltern griechifchen Mutterlande entwicelten? warum
eben diefe jungen Keime, da fie faum ausgebrod)en waren,
aus dem Schoofe des mútterlid)en "Bodens ausgeriffen,
und nicht in bas nâbere Griechenland, fondern in das ente
ferntere Stafien verpflanzt wurden? warum fie endlic)
aud) hier nicht daurende Wurzel faßten, fondern er im
ficinigten unfruchtbaren Attifa mächtig zu treiben anfiens
gen, und einen Stamm Bervorbrachten, deffen Zeige
in der Folge fid über alle Theile der Erde verbreiteten,*
und beffen Eöftlichfte Früchte nod) jezo von den aufgeflära
teften Völkern und meifefien Menfchen genoffen werden?
Wenn wir etwa fechzehn hundert Jahre über den
Anfang unferer Zeitrechnung hinauffteigen; fo finden wir
das eigentliche Griechenland von mehrern Wölferfchaften
befegt, die eben fo wild, als die fie umgebende Natur
waren, die ohne Gefeze, ohne daurende häusliche und
bürgerliche Verbindung, ohne alle die Künfte des Fries
dens, die das feben des Menfchen verfchönern, gleich
andern veifenden Thieren in unermeßlichen Wäldern here
umirrten, und unter einander in beftántigen Kriegen,
wie in nie aufódrenden Gefahren lebten, von fremden
Menfchenräubern weagefibre zu werden *),
Syn Dies
fem fürdjtertichen Zuftande war Griechenland, als einige
Menfcyenalter nad) einander Chentheurer aus Aegypten,
Ph
9) Diefe Schilderung roiled nicht nur durd) das folgende,
fondern auch durd) manche alte Ueberlieferungen beftás
tigt, die Goguer (Part. 1, Liv, I, p, 59, Ed, la gto
a Paris 1758.) gefamiet hat.
Pagina 3
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Phönicien und Phrygien in Attifa,
Biotien und dem
Peloponnes ans Sand traten, und die in diefen Gegenden
Herumpiehenden Horden entweder ausrotteten, und vere
jagten *), oder aud mit Gewalt unterjod)ten und mie
fid) vereinigten.
Gemeiniglit glaubt man,
Sremdlinge aus Afien und Africa,
daß die
die fid) in Griechens
land niederließen, den urfprünglichen Bewohnern deffel«
ben alle Künfte und Kenntniffe der Wölfer, aus melden
fie abftammeten, mitgetheilt haben; allein diefer Gedanfe
als er gefhichtwidrig if.
ift eben fo unwahrfheinlih,
Alten Ueberlieferungen zufolge, wurden die Flüchtlinge
entweder durd) die Surdyr vor den Strafen ausgeübter
VBerbrechen, oder aud) durd) madtige Gegenparteyen
aus ihrem Vaferlande vertrieben, und Hatten alfo nice
Zeit genug, fit Sabre lang zur Gründung neuer Pflanz«
ftábre vorzubereiten,
und alles das gufammengubringen,
was ¿ur Gewinnung oder Bezähmung von Barbaren,.
und zum vortheilhaften Anbau von Wildniffen unentbebre
lid) war,
Sie trafen ferner in den $ändern, mobin mehr
der Zufall fie verfdrlug, als ihre eigene Wahl fie führte,
Menfchen an,
die einen deffo unbezwinglichern Haf gee
gen Fremde Hatten, weil fie häufig von Menfchendieben
überfallen und beraubf worden waren; und diefe feindfee
ligen Gefinnungen. muften die erffern durch neue Gewalte”
thatigfeiten vermehren, ohne melche fie fid) weber Bea
baupten, nod) die freyen Momaden aus ihren Wohnpld«
gen vertreiben, nod) diefe an eine ftere ihnen Außerft vers
A
~
Bafte
°) Man febe den gelehrten Verfaffer des Buchs
de l' Etat& du
fort des anciennes colonies p,9,&64,
Part,
II, p. 59, Paufan, IX,
Aud) Goguet,
Pagina 4
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Bud),
Bafite $ebensart gewöhnen fonnten,
endlich feftgefeit,
Nachdem fie fich
und burd) die Vorzüge ihrer Waffen
und Küftungen furchtbar gemacht harten, blieben fie vod)
immer nod) von zahlreidien unbezwungenen Erammen
y
umringt, die fie zwar in angefündigten oder vorhergefe-
Benen Kämpfen überwinden, deren Nachftellungen und
plözlichen Ueberfällen fie aber doch nid:t ausweichen fonns
ten, und unterhielten hingegen mit den fándern, aus des
nen fie ausgegangen waren, gar feine Verbindung, fons
dern wurden von ihren chemaligen Sandsleuten eben forodl,
als andere geplündert und weggefdleppr, Wein man
alle diefe Beobachtungen zufanımennimmt; fo muß man
nothwendig febließen, daß die erften Gründer von Colo:
nien in Griechenland felbft mehr vermilderten,, als fie zur
Bezähmung zügellofer Barbaren beytragen fonnten, und
daß fie den legtern außer ihren Göttern und gottesdienft«
lichen Gebräuchen,, außer den erften Anfängen des Ader
baues, und der damals nod) gatız unbrauchbaren Schrift,
endlid) außer einer gewiffen Anzahl von Wörtern wenig
oder gar nichts von bildenden Kennniffen und Gertigfeis
ten überliefert haben +),
Diefe
®) Ueber die älteften Rilfer Griechenlandes, tele die
Aeguptier, Phonicier u. f. 10. antrafen, Gade ich wee
der felbft, nod) in andern etreas fo wahrfheinfiches ges
funden, als was Herr Hofrath Heyne in einem Anhange
fagt,
welchen er
feiner erften Abhandinng über die
Epochen des Saftor hinzugefügt bat (Vid, Nov, Com.
went, Societ, Reg. Scient; Goetting. I p.89.)
Bevor
id) diefen Auffaz las, Batte ich alle, oder bod) die
- wichtigften Stellen alter Gefchichtfchreiber über die ur:
fpriingliden Bewohner Grichenlandes gefam/ct,
Pagina 5
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Diefe Bernerfungen werden durch das Gemälde
Beflátigt, mas uns Bhufydides vom Zuftande des alten
A 3
Gries
id) fonnte daher eine defto genanere Vergleidung gtois
fhen den Vermutbungen meines Freundes, und den
Zeugnifien der Griechen anitellen, Bey diefer Verglei
hung fand ih,
das die eritern durch die leztern volle
fommen beftarigt werden. Kerr Hofrat Heyne nimmt
an, dab Vorderafien und Griechenland durch voiedere
holte Einwanderung von Nationen, die zwifchen dem
fhivarsen und Easpifhen Meere hervorgefommen, bes
vóltert worden feyen; daß man in Griechenland wenigs
ficus jme verfdicdene Völkerfchaften, nämlid Thra:
cif) Phryaifhe und Pelasgifhe, unterfheiden müffe,
die vielleicht aus
denfelbigen Gegenden ausgegangen,
aber zu verfchiedenen ci:
ten cingcwandert feyen, und eben deswegen in der Folge
ftets in Anfebung der Sprache und Sitten verfhieden
geblieben. Daf endlid) aus einem von diefen Stämnien
oder aus beyden zugleih, unter dem Oeufalion und
deffen Sohn Hellen, ein neuer Stanım der Hellenen
entjianden, die man, weil fie fi vor den übrigen durch
höhere Grade von Cultur merklich erhoben, nachher als
von ihnen aanzlic) verfchieden angefehen babe. Aus dem
gemejnfhafelichen Urfprunge nun der alteften Berwohs
ner Grichentandes und Vorderafiens müffe man fchlies
Gen (mas man auch nach dem Homer behaupten müffe,)
dap die Sprachen aller diefer Vóltce bey allen Abel:
dungen von Mundarten dod) immer febr viele Aehn>
+ lichkeiten und Verwandfchaft gehabt hätten,
und mit einander verwandt,
Die widtigiten Stellen, wodurd diefe Gaze beiviefen
werden, fteben im Strabo,
der vorzüglich dem Sefa:
täus und Ephorus folgte. Man fehe ©. 338. 39. 494.
95. 608. 720-22. 857:59. 909. 975:77. Edit,
Almelov.
SHiemit vergleiche man Serodot I. 57. IL 50,
52. und VII. 94. 95. und Dionys I. 6-25. Ant. Rom.
Merfmirdig ift es, dañ Hefaraus, Ephorus und Heros
dot die Pelasger, Leleger und Karier fters Barbaren
Pagina 6
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch.
Griechenlandes feit der Ankunft der fremden Cofonien
bis auf den trojanifdjen Krieg macht,
Die verfchiedenen
Theile des jezigen Hellas, fagt diefer große Gefchicht
fveiber, waren vormals niche fefte Wohnfize von Vit
Fern, die beftändig denfelbigen väterlichen Boden bauten,
und fic) innerhalb ihrer Grangen hielten, fondern fie mae
ren vielmehr von unfteren Etämmen befezt, die oft entweder
mit Gewalt aus ihren Befizungen verdrängt wurden, oder
fie aud) ben den geringften Untaffen frenwiflig verließen,
weil fie das, was zur nothdürftigen Erhaltung des febens
gehört, allenthalben
zu finden hoften.
Solche Cin. und
Ausmanderungen gefihahen in den fruchtbarften fändern, in
Böorien,
Theffatiensund dem Peloponnes,
ausgenommen, am häufigfien.
Arfadien
Man faete nicht, weil
es zu ungewiß mar, ob man erndten, und die Srüdte
feines Sleifes genießen würde.
Aud) verftand man die
Kunft nod) nicht, fid) durd) die Erbauung fefter Pláze
;
gegen
nennen, und daf der fegtere die Sprache der Pelasger,
die nod) zu feiner Zeit übrig waren, von der der Griechen
fo gänzlich verfhieden fand, daß er die evftere eine bar.
barifhe Sprache nannte, und der festern entgegen feste.
Mad) dem Strabo hingegen traf man in der Sprache
der Sarier, die fid) Brüder der Lydier und Myfier
nannten, und mit den Lelegern fehr verwandt waren,
viele griedhifihe Worter an, und er glaubte, daß die
Karier nur deswegen vom Homer mit dem Beynahmen
PBoeßaeoBavos belegt worden, weil fie eine unans
genehme von der Griedhifhen verfchiedene Ausfprache
gebabt hätten.
Das Seugnif des Serodots über die
Sprache der Pelagger it die einzige Schtvierigkeit gegen
den Urfpeung der Hellenen aus dem Wolfe der Pelasger,
welchen diefer Gefhichtfhreiber doch nicht zu läugnen —
fheint. VII, 95.
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)gegen feindliche Ueberfálle zu fhüzen, und eben fo wenig
dachte man Daran, fic gegenfeitig durch Bindniffe zu
ftärfen, oder einen fichern Handel zu Waffer und zu
Sande zu errichten. Die Küften wurden fo oft von freme
den Seeráubern befucht, dag man gezwungen war, fid)
in bas Snnere des éandes Hineingusiehen, und auch bier
nod) beftändig Waffen zu tragen, um flets zum Srreite
gerüftet, und zur Gegenmebr bereit zu feyn.
Griechens
land blico daher (fo ‘chlicfe Thufydides) bis auf die Bei.
ten des trojanifchen Krieges zu fhwad, zu arm und zu
gefpalten, als daf es große gemeinfdaftliche Unternebe
mungen hatte ausführen fonnen *),
Eine Folge der gemaltfamen Cinbriide und Mie
berlaffungen auslandifdyer Notren, vielleicht auch der ends
fofen innern Kriege, war diefe, daß ein grofier Theil der
urfprünglihen Stomaben Grisdentandes feine Heimath
gänzlich verließ, und fich fomobi über Stalien, als über
Afien von Troas bis nad) Cilicien herunter, und auch
über viele griechifche Sufeln ergoß **). Unter diefen zahlreichen Schwärmern hob fich das fleine Häuflein, was
fich in Kreta feftfezte, zuerft die Eingebohrnen diefer Jue
fel begmang, und fic) nachher mit Doriern und andern
Barbaren vermifchte***), vor allen übrigen hervor, und
trug befonders durd) den Muth und die Weisheit des
- ¿wenten Minos, diefes großen Vorldufers des {yfurg,
44
der
“ Thucyd, 1, 2-12,¢,
9%) Hiertiber (efe man vorzüglich Strabo VII, 496, 97. XII,
855. 857. 58. XIII, 909.
‘
#**) Vid, Diod, V, 393-95. Strab, p, 728-732, G
207. Heyne hon. =
‘ame
Pagina 8
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Bud).
ber ohngefähr ein halbes Sabrhundert
vor dem trojanifdien
Kriege lebte, mehr zur Sicherheit, Nube und Macht
bes alten Öriechen!andes bey, als alle fo febr gepriefene
Gremblinge bis dahin gerban hatten *).
Diefer auferordentliche Mann, der mehr ais die vergôtterten Helden
der Griechen übermenfchliche Werehrung verdiente, fame
fete die bis dahin zerfiveuten Bewohner von Kreta nicht
nur in Städte, fondern er fbuf fie auch burch feine Ges
fege , die in der Folge cine Haupturfache der eritaunliden
Größe von Sparta und Athen wurden *),
in tapfere
unmiderftehliche Krieger und in Beherrfdyer des Meers
um.
Errächte an den Rariern und Phöniciern, die fic)
allmälich der Kyfladen bemächtige harten, alle das Un»
redt, mas fie an feinen und feines Volfs Vorfahren
verübt hatten, jagte fie von den Snfeln ans fefte Sand,
fegte denen, die zurück geblieben, Tribut auf, und faue
Berte das Meer, wo nicht von allen, doc) von dem
größten Theile der räuberifchen Barbaren, die fid) bis
dahin von dem Unglück anderer Menfchen genährt, und
Sdhiffare, Handlung und allen Fortgang zur Aufklärung
zurüc gehalten harten.
Won diefer Zeit an wagten fid)
auch die europäifhen Griechen auf bas Meer, und fiene
gen an Handlung zu treiben: fie erbauten neue Städte
auf Erdengen, oder an den Ufern der See, und umgas
ben fie mit Seftungswerfen.
Cie legten fid) mit größe»
rem Eifer als vormals auf den Ackerbau, und nahmen
in wenigen Menfchenaltern fo fehr an Wohlhabenheit
und
‚Bevölferung zu, daß fie mit einer Slotte von zmwölfhundert
*) Vid, Script. modo cit, Thucyd. I, 4.
36) 6, dic erfie Beylage, am Ende des Abfchnitee.
Pagina 9
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)dert Schiffen nad) Afien überfegen, und Troja belagern
fonnten: bie erfte Unternehmung, ju welcher fid) alle
griechifche Staaten, aber mehr aus Furdit vor der tibers
legenen Macht des Agamemnon, als aus freyer Wahl
vereinigten *).
So fehr fic) aber aud) Griechenland in dem lez.
ten Sahrhunderte vor dem trojanifchen Kriege aufgeriche
tet hatte; fo weit war es noch von derjenigen Cultur ente
fernt, die aus einem fichern Genuffe der bürgerlichen Frey»
Heit, und einem langwierigen Befize von Kiinfien, Fünfte
Mod)
lichen Handwerkern und Wiffenfihaften entitehe.
gu und nad) den trojanifchen Zeiten gewannen die Gries
chen mehr durd) Seeräubereyen als durch Handlung, und
die erftern waren eine fo ebrenvolle Befdaftigung, baf
felbft Könige und Hauprer von ‘BWolfern fie trieben, und
Fremdlinge ohne Beleidigung gefragt wurden, ob fie
Grenbeuter waren? Die Schiffe der Griechen, die nad)
Alien zogen, maren meiftens offene Kahne, und fo uns
bedenten®,
daß die größten nur Hundert und zwanzig
Mann faffen,
und ohne Mühe aufs Sand gezogen mer:
ben Eonnten.
ie hatten wahrjceinlich nod) Feine Anker,
und Feine andere als beweglihe Maffbaume,
wenn man fie nicht brauchte, aushob.
die man,
Einzelne Könige
und Helden befahen zwar Foflbare Waffen und Hausges
râthe, und fiinfiliche Arbeiten aus edlen Metallen; allein
diefe hatten fie entweder von Œidoniern gefauft, oder
von frengebigen afiatifchen Gaftireunden erhalten, oder
aud) durd) ‚glüclichen Naub gufammengetracht.
Sm
Zeitalter Homers, oe
Sabhrhunderte nad dem
*) Thucyd, I, 9.
tros
Pagina 10
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfies Bud.
trojanifeien Kriege,” waren in Grichenfand nur noch
wenige Städte, und felbft die anfehnlichften unter dicfen
waren mehr regellofe Haufen armfetiger Hütten, in denen
man eben fo wenig Epuren der Baufunft oder Sáulen»
ordunngen entdeckte, als man Statuen aus Erz und hare
ten Steinen, oder die Bearbeitung von Marmor
>
fanute *).
Während und nad) dem frojanifchen Kriege ver
[obren bie Griechen zwar ihre größten Helden, und einen
großen Theil der Schiffe, die fie nad) Afien hintibergetras
gen hatten; aflein bie übrig gebliebenen Krieger Fehrten
aud) mit unermeflidjer Beute yuri, waren mit mele
vern reichen Völkern an der ganzen Küfte von Afien hera
unter, und mit den Ausflüffen des Nil befannt geworden, und wahrfceinlic) alfo würde das enrepäifche Gries
chenfanb von feiner erfien gemeinfchafrlidien Unternehe
mung in einem fremden ErdrHeil eben die Vortheile erhal»
ten Haben, welche die Kreuzzüge bem woftlichen Europa
verfdaften, wenn nicht die lange Entfernung, und die
Frücffehr der Griechen, die Troja zerftört Hatten, allente
halben Swictrad)t und Meurcreyen ermecft hätten, ble
mabifcheintid) meiftens daher entffanben, daß man fid)
an den Familien und Gütern der Abmefenden vergriffen,
oder ihre Vorrechte
zu fepindfern gefucht Baste, Diefe innern
Unruhen und Empsrungen endigten fid) felten anders, als
mit der gänzlichen Vertilgung, oder auch der Flucht der
:
fhrode
*) Man fehe Goguet Part, IL, 150 p. €: Heyne in com.
ment, fuper veterum cbore, eburncisque fignis p.96101. in Comment, Nov, Soc, Goett, Tom, I, Pauf,
Pagina 11
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)f&hmwächern Partey,
die im legtern Salle ein neues Va:
terfand fudjen, und mit ihrem beften Blute erfäufen
Es ftanden aber nicht bloß Bürger gegen Dir.
mufie.
ger, fondern Stämme gegen Stämme auf,
Ganze
Bilferfchaften wurden aus ihren Wohnfizen vertrieben,
und über die ruhigen Bewohner anderer Sander bergemore
fen, die folche bis zur Versweifelung gebrachte Anfimme
linge entweder unter fih aufnehmen und ihre Gúter mit
ihnen teilen, oder ihnen auch Plaz machen muften *).
Gleich im erften Jahrhunderte, alfo nad) dem trojanie
[den Kriege taufebten alte Theile von Griechenfand, wenn
man Arfadien und WAstifa ausnimmt, ihre bisherigen Bee
fisc: gleicyfam gegen einander aus, und diefe mit blutigen
Le
Sie
*) Die berühmteften Wanderungen waren,
aus Theffalien in das Land,
die der Biotier
welche fie ihren Nah:
men gaben, und welches vorher Kadmeis hieß: mod)
mehr aber, die der Herakliden in den Peloponnes, die
zwanzig Sabre fpäter, und achtzig Sabre nad) dem tro:
janifdyen Kriege erfolgte. Thuc, I. 12. Die wichtige
fien Stellen über die dren Hauveftamme der Griechen,
die Aeolier, Dorier und Sonier, und über die großen
Wirkungen der Rückkehr der Serafliden fiehen beym .
Strabo (VII, 513. 14. 587:89. IX. 654. Siche qu
Herod. I, 56. & 145. VIL 24. und Pouf. VIL 1,
der
aber vom Strabo in einigen Duncten abweiht).
Der
Stammvater der Hellenen war, übereinftinmmenden de:
fieferungen nad), Denkalion, oder vielleicht deffen Sohn
Hellen,
der in Debía, in Theffalien, zwifchen dem
Peneus und Aeforus Gerrfdte. Dicfer übergab feinem
alteften Sohn, dem Aeolus, feine Herrfchaft; und
die übrigen fhidte er ans, um felbft Befizungen auf
zufüchen. Kuthus heirathete eine Tochter des Erechteug, und fein Sohn Gen gab den Bewohnern von Attifa
den Nahmen der Jonier.
Unter dem lester nahm
Attifa
Pagina 12
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch.
Siegen und Niederlagen begleitete Verfezungen von Vol.
fern, fdilugen felbft den Sandern, die ant menigften lit.
ten, fo tiefe Wunden, dak fie mehrere Seugungen bin.
Aber
durch bluteren und ihren Wachsthum binderten.
eben biefe verheerenden Umredljungen von Staaten Batten
auch die glüctiche Wirfung,
da viele Taufende von
Griehen. die nirgends snterfommen fonnten, fid) nad)
Alien wandten, unddie Grinder blühender Städte fowobl
auf den Sufefn als auf dem fefien Sande wurden *),
Kaum aber hatte das zerrüttete Griedyenland an.
gefangen, fid) ein wenig zu erholen, und die verlobrnen
Kräfte wieder zu famien, als es unter das Jody von
Tpyrannen, oder von unumfchränften Beherrfchern fiel,
die meittens ihre Mitbürger als ihre Feinde und Eclaven,
und die Güter derfelben als ihr Cigenthum und Beute an»
faben,
Attifa oder Sonien fo fehr an Bevölkerung zu,
daß
man Eoloniften in den Peloponnes fhidte, welche die
Gegend einnahmen, die von Pelasgern bewohnt, und
Aegiale genannt wurde, nadjher aber den Nabmen
Adhaja erhielt. — Cin anderer Gohn des Hellen,
Achaus, gieng nad) Sparta, in weldien damals ein
Golf dolifen Urfprungs wohnte, roclchem er den Nahe
men der Aer gab. Ein dritter Sohn, Dorus, vers
famíete die Barbaren um den Darnaf, und errichtete
vier Städte, oder vielmehr Fleden, welche man nachher
das dorifhe Tetrapolis nannte. Von Bier aus thaten
die Serafliden mit den Doriern ihren Einfall in den Peo
foponnes, vertrieben die Udder, die wiederum die os
nier oder die arhenienfifchen Coloniften ausjugen. Diefe
leztern febrten Hälfios in ihr Mutccrfand zurück, und
giengen mit vielen andern Griechen nach Afien, wo fie
eben fo viele Pflangftadre anfegren, als fie,in per alten
Aegiale gehabt Garten.
*) Thuc, I, 12:18,
Pagina 13
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)faben, die aber auch eben deswegen als die fcheuflichfien
Weil diefe Frenheiterduber
Miffecbater gebafit wurden,
nicht ifomobl für das Wohl der Srädte, die fie fic) ‘unter:
worfen hatten, als für thre und ihrer Familie Sicherheit
forgten;
fo wagten fie
feine große ruhmvolle Unternefmung, modurd) fie felbft aus ihren Wohnfizen hacen
eutfernet, oder aud) ihre Unterchanen gegen fie batten
bewafnet werden Einen.
Sie (hmwädjten die Bricchen
durd) eine entfräftende Nube; und eben diefe Unthärigs |
feit hielt das Emporfireden und die Fortgdnge der aries
ifen Staaten eben fo febe, als die vorhergegange.ien
wilden Befehdungen auf *).
Sparta war unter allen alt. griedifchen Staaten
der elnglge, der felt ben Zeiten feines großen Gefesgebers
feine Srenbeit unverlezt bewahrte, und aud) der erfte, der
eine überwiegende Macht und Anfehen zu erhalten ans
fieng **). Diefe erhabene Tochter Syfurgs {ud zwar eine
Zeitlang durd) die hartnäcfige Befriegung, nod) mehr aber
burd) die gänzliche Vermiftung von Meffene, den Haß
des übrigen Griechenlandes auf fid) ***); allein diefer
Haß
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®) Ib, 13.. 17.C. 870 mavrasgo
Neovov KATEIKETO,
MATE Kon Povegoy under
nude, Karo MONS TE ATOAUOTEGA
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**) Thuc. L 18.
À Siehe Paul. IV, 5621, ce Man warf ihnen Salfhheit,
Hevefh fade, Unverföhnlichkeit und Graufamfeitin ihrer
Nace vor: man Flagte fie an, daß fie unter allen Gries
den zuertt den Sieg nicht durch Tapferkeit, fondern
durch Bejtehungen zu dg gefucht hätten.
febe bef. c. 5, & 17%
Pagina 14
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfies Bud.
Saf verfhwand bald, und gieng in allgemeine Ehrfurdht
über, als fie ihren mächtigen Arm, den fie durch befidne
dige Uebung geftärft hatte, über ihre [cidenden Echwes
fern ausfirecfte, und die Häupter der Ungeheuer zer
fblug, von denen fie waren unterdrücft worden +),
Sparta reinigte mit der edelften Uneigennigigfeit nicht
fange vor dem perfifchen Einfalle das ganze dienende Gries
chenland von Tyrannen, und erwarb fi daburd) ein fo
allgemeines Sutranen, daß fie als die Schuggöttiun der
griechifchen Frenbeit angefeden, und beym Einfall der
Derfer einmäthig jur Führerinn der verbundenen griechie
fehen Golfer ermáble wurde +2), Ungeachtet aber fafex
démon am früheffen vor allen ihren Schweftern voraus
fief, und ihre Sirten und Verfaffung ein halbes Sabre
taufend ungefränft behauptete; fo Eonnte fie ded) immer
mehr die Hinderniffe von Auffiárung wegrdumen, als
felbit unmittelbar etwas dazu betragen. Denn eben die
Gefege Syfurgs, die alle edfe Metalie, alle Werke des
ausländifchen Sleifies und fupus, und alle Fünftliche
erfjeuge aus ihrem Gebiete verbannten, eben diefe
madjten es unmöglich, daß Rünfte und Wiffenfchaften
in ihrem Schooße gebobren, oder von ihr gendbrt und
vervollfomme, andern übergeben werden fonnten,
Die Atbenienfer rühmten fic) nicht nur das altefte
erbgebobrne Volk in Griechenland zu feyn, fondern fie
gaben fic auch für die Erfinder des Acferbaues, und für
die erften Befizer von Mpfterien aus, wodurch alle übris
ge Völker aus bem Zuftande der roheften Wildpeit, in
felt
#) Thucyd, I. 18. Herad, I. 69,
#3) Thuc, ), e, Her, I, 151
Pagina 15
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)fefte durch Gefese geordnete bürgerliche Gefelifchaften was
ven hinüber geführt worden. So erdichtet aber, oder wee
nigitens unberiefen diefe Ausfprücye waren; fo gewiß ift
es, dai die Arhenienfer unter den Griedhen zuerft und
zwar nicht lange nac) dem trojanifdyen Kriege Ge:
fnmeide aus Gold und foltbare Gewänder trugen *),
und daf fie auch quer? die Gewohnheit verließen, felbft
in Sricdensyeiten fers bewafnet zu feyn, Diefe frühere
Verfeinerung und Milderung ihrer Sitten hatten fie wer
der ihrem vorzüglichen Handel, nod) ihrer vortrefliden
Staarsverfaffung, nod) endlich ihrem befonbern Fteiße
und Mure, fondern der Unfeuchtbarfeit ihres Sandes zit
banfen, das für Krieger, die fid) neue Size mit det
Schwerte erfedyten mußten, gar nichts cinladendes hatte.
Sie blieben, während daß die übrigen Völker Griechen:
landes entweder sertrefen odet gerfivent wurden, in einer
ungeftörten nährenden Rue, und mit andern Stämmen
unvermifet **).
Sie rückten zwar durd) mehrere Ver:
mandlungen von Regievungsformen, die fie durchgiengen,
immer mehr und mehr der alles belebenden Srenheit ente
gegen ***); allein fie wurden doch aud) bis auf die Sel»
ten des Solon von den Hauptern der Ariftofratie fo graufam gemisbandelt, daß fie vor Armuth und Gdywache
nidjts
*) Thuc. I. 6.
ex) Thucyd, 1.2.6.
_
‘
© BEY Arriéa wiede det geröhnlihen Redming nad) 1016
Sabre von fiedenzehn Köntgen und dreyzehn beftandigen
Nechonten beherricht. (Meurf, de reg. Ath. 111, 16.)
Auf diefe folgten im erften Jahre der fiebenten Olpm:
piade zehnjährine Archonten: und endlid) ¿wey und fies
benzin Sabre fpâter (Ol. 24, 1.) foldje, die alle Jahre
abrocchfeltem. (de Arch, e, 4,9.)
Pagina 16
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfes Bud.
nichts großes entwerfen und ausführen fonnten, und in
einem Zeitraum von fed)s Jahrhunderten nicht einen ein:
zigen merfwürdigen Krieg führten, denjenigen ausgenom:
men, in welchem Kodrus fiel.
Themiftofles war der
erfte Schöpfer ihrer Gahiffare und Handlung, in mele
hen beyden fie noch Furz vor den perfifden Kriegen von
den Bewohnern der Éleinen ufel Aegina übertroffen wurden. Unter fofchen Umftanden alfo ftanden in dem dürfs
tigen und bedrängten Athen, fowobl als im Friegerifchen
Sparta der Entftehung und Ausbildung
von Künften
und Wiffenfchaften unibermindliche Hinderniffe entgegen.
Von feiner Stadt in Griechentand ließ es fid) fo
fehr, als von Korinth erwarten, daß fie die Aufflärerinn
der übrigen Büifer hätte werden müffen. Cie war zwar
eine der jüngern Städfe, und zu den trojanifd)en Men
nod) von den Königen in Mpfene abhängig, allein fie
murde in den drey folgenden Syahrhunderten fo biühend,
daß fie vom Homer
den Beynahmen der Reichen erhielt*),
Durd) ihre vortheilhafte Lage wurde fie nicht nur der
Mittelpunct des Handels, melden die Griechen in und
außer dem Peloponnes mit einander führten, fondern aud)
eines beträchtlichen Theils des aftatifhen Handels, der
durch ihre Häfen nad) den weffliden und nordlichen Gee
Die Korinthier fol:
genden Europens getrichen wurde,
[en ferner im erften Sabre der neunzehnten Olympiade,
die erften großen bemwafneten Schiffe, in welchen drey
Reihen von Auderbänfen über einander errichtet waren,
erbaut = und vierzig Jahre (pater den von ihnen ges
grin:
*) Man febe Strabo VIII. 580. 581,
<#) Thue, 1.1.3.
Pagina 17
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)gründeten RorÉpreern die erfte Seefihlacht geliefert haben,
Sn diefer Stadt (chien fic alfo alles zu vereinigen, was
das folummernde Genie erweden, und große Gedan. —
fen und Erfindungen veranlaffen fonnte.
Allein wenn
man bie fabelhafte Erfindung der Mablerey, oder vielmehr
Zeidhenfunft*),
ausnimme;
vielweniger Wiffenfchaft,
fo ift feine einzige Kunft,
in diefer Mutter der alt: griechifchen Handelsfläbte entftanden, fondern fie find ihr
‘alle von Afien aus in einem nicht geringen Grabe von
Bollfommenbeit überliefert worden.
Strabo**) fage
daher auch nicht, daß Mahleren, D'aftif, und andere Rúnfte
in Korinth entbecft, fondern nur, daf fie in diefer Stade
und in Sifpon erweitert worden, und nadiber in ihnen
immer gebführ hätten.
Diefe Unfruchtbarkeit des Gei.
ftes der Korinthier ift allerdings eine eben fo rärhfelhafte
als merfroürbige Erfcheinung; allein fie Éommt mir dod)
immer weniger fewer zu erflären vor, als eine andere,
daß fid) ndmlid) unter ifnen, felbft in den Zeiten der
Srepbeit, niemals große Redner ausgebildet haben, oder
dau.
1) Plin. XXXV.3,
De pidturaeinitiis incerta, nec infituti operis quacftio eft; — -Graeci autem alii
Sicyone, alii apud Corinthios reportam:
omnes
umbra hominis lineis circcumduGis «e, — Inventsm
lincarem dicunt a Philoele Acgyptio, vel Clesnthe
Corinthio,
Primi exercuere Ardices Corinthius, &
Telephanes Sicyonius, fine ullo etismnum colore: —
Primusinvenit eas colorare — feted abantiurs Corinthius dec.
-
*
**) Strabo VIII. 586.
pause yae ue evravda
noes ey Diuvovi neendy yerDiunrs Kas FAASINMy
KES TADOS Y TOUTE
npseeyioe.
Pagina 18
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Eıfied Buch.
dautende Schufen von Weltweifen errichtet worden. —
Wenn man die Gründe auffud)t, werum die Beherrfdjee
rinn gmeper Meere, -und die einzige Befizerinn des grita
ifen Handels, in welchem fie in Europa lange
gar Feine Nebenduhleriun hatte, dennod Kiinfie und wife
fhaftlihe Kenntniffe nicht felbft erfunden, fondern
von den viel jüngern afiatifhen Stäbten, unter denen
eine jede die Vortheile des Handels mit vielen andern
theilen mußte, empfangan babe; fo ¡ft es leicht, aufden
Gedanken zu fommen, daß vielleicht eine harte Regie
rung die glücklichen Wirkungen ves Handels und des
Daraus entftehenden Wohlftandes gure gehalten babe.
Bey einer genauern Prüfung aber findet man bald, daß
diefe Bermutfung ganz unbaltbar fey, denn erfilid) muß
es einem jeden beyfallen, daß cine Staatsverfaffung, mele
che die Entftegung von Künften gehindert Batte, gewiß
aud) Handel und Schiffart würde gehindert oder zernich«
tet haben. Ferner lebrt die Gefchichte, daß Rorinth*)
nad) der Kúdtfebr der Herakliden obngefábe viertehalb
Hundert Jahre von einer Dynaftie von Königen regiert
wurde, die fede milde herrfchten, und mie in allen bri,
gen aft = griechifchen Staaten fehr eingefchränft, und mehr
Heerführer, Richter und weife Narhgeber, als unum.
fchränfte Despoten waren.
Diefe Familie war die der
Bafchiaden, reld)e von den Bezwingern des Peloponnes
eingefegt worden war,
und von dem vierten Könige ihrer
Stammes den Nahmen empfing.
Jn der Folge Hore
zwar die Förigliche Würde in diefem Gefhlehteauf; af
fein das leztere behielt dod) immer die hödyite Gewalt,
#) 11, Diod, 635, xo,
Pagina 19
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)und mählte aus ihrem Mittel jährliche Prytanen, welche
die Stelle des Königs vertraten, und an der pige der
übrigen Bafchtaden die öffentlichen Angelegenheiten bee
forgten.
Die Regierung diefer Prytanen, die neunzig
Sabre dauerte, muß fehr fanft gemelen.fepn, weil die
Rorinthier und übrigen Griedsen die Derrfchaft der Kypa
feliden, weldye dle Bakdiaden verjagten, in Wergleis
hung mit dem Ariftofratifchen Negimente der {estern als
Harte Tyrannen verabfcheueren.
Gelbft diefe Kypfeliden,
die fid) ohngefähr vier und fiebenzig Fabre auf dem Throne
erhielten“), waren, gleichden Pififtratiden in Arhen, oder
den erffen Rónigen in Sprafus und Agrigent,
niche
foro! Bebrider als Wohlthäter des Volfs, das fie
nad ihrem Willen leiteten. Wenn fie aber aud) um ihe
ver eigenen Sicherheit willen einige der ihnen angedichtes
ten Gewaltthatigfeiten wirflid) verúbe hätten; fo würde
man fie defimegen nicht für Feinde und Zerftöhrer von
Künften und Wiffenfitaften Halten fónnen,
Wielmehr
muß man aus dem Ehrennahmen des Weifen, den
Periander erhielt, und aus einer Stelle des Ariftoteles**)
fchließen, daß fie Gönner und Belohner von Künftlern
und Didtern waren, und dal fie ihre Schäze dazu an:
mendeten, große Werke zu errigyten, die ıhren Kuhm
3 2
und
*) Von Olymp. 30. bis 49. I. Arift, V. 12, de Civit,
e») de Civ. V. 11.
Kar To ere mou
TES ALXOMEVES, TUgavyinov. — Hogzdesyuo de
vers OTE Tlueceysdes cts e AsyuRTov, “as TE
avadnpare TY Kupeñid:lov,
xs re OAuu-
TE î omodouyois UTO
y TW error, 67-7]
Toy Tees ZA MOY E0Y% Morvngaresd.
Pagina 20
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfted Bud.
und Größe der Nachwelt verfündigen fonnten, — Sollte
es fic) endlich aud) bewelfen laffen (was man gewif nie.
mals wird darthun Fénnen) daß die drey KRypfeliden
Künfte und Künftler eben fo fehr verfolgt, als fie nad)
den übertriebenen Schilderungen der griechifchen Tyrans
nenhaffer ihre Mitbürger gemißhandelt und beraubt has
ben; fo würde man gar den Grund angeben fénnen,
marum unter foldjen Würerichen die Rünffe zugleich mit
der Freyheit entweder entflohen oder geftorben feyn;
aber
man voúrde nod) nicht die Frage beantwortet haben,
warum fie nicht vor diefen Zeiten der‘ Unterdrüdung, in
dem nod) ungefhrwächten Korinth entftanden feyen? Die
Herrfaft der Kypfeliden fälle viele Jahre hinter die bite
henden Zeiten der Schiffart und des Handels der Korine
thier, und viel (pater, als biefe zuerft in Griechenland
Kriegsfehiffe erbauten, und der mächtigften unter ihren
Pflanzftädten -ein Seetreffen lieferten.
Da nun die
Nichteneftehung der Künfte in Korinth bey dem vorause
gefezten großen Wohlftande diefer Stadt, weder in der
Grundverfaffung derfelben, noch in irgend einem andern
gebenfbaren Hinderniffe gefuché werben Fann; fo muß
man nothwendig annehmen, daß ihre Handlung und
GSchiffare niche fo ale, und ihr Neichthum nicht fo groß
gemefen fer, als einige fpätere Schriftfteller geglaubt, oder
einige Ausleger aus ihren unbeftimmten Zeugniffen ges
fdloffen haben. ch) gebe gerne zu, daß Korinth zu
Homers Zeiten, der ohngefähr hundert Sabre vor dem
Anfange der Olympiade iebte, in Vergleihung mit den
übrigen Städten des alten Griechentandes reid) genannt
werden fonnte; allein wenn fie fo mächtig gemefen ware,
als fie fede Menfchenalser nachher wurde, fo würbe fie
wahr
Pagina 21
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)wahrfeheinlich, gleid) ben afiatifdjen Griechen Factoreyen
und Pflangórter in Aegnpten, an der Küfte von Afien und
am féroarzen Meere angelegt, oder auch felbft nad) Star
lien und in die Ynfeln, die zroifchen Gicilien und Gries
henland liegen, ihre Kofonien früher bingefhidt haben.
Unter den legtern war Feiner vor der zehnten Olympiade
gegründet, und fie mad)ten zufammengenommen faum
den zwanzigften Thell von denen aus, welche Milet allein
ausgefandt hatte. Die Korinthier magten aud) nie fo
melfe Neifen, als wir gewiß wiffen, daß die afiatifhen
Griechen nad) den Phoniciern und Karthaginienfern uns
ternommen haben; ja fie waren nicht einmal die erftern
Erfinder der Cilbermünze, die ohngefähr vierzig Jahre
vor dem Anfange der Oipmpiaben von einem Argiver
Phidon auf der Gnfel Drigina zuerft gefchlagen feyn foll *).
Wie unbedeutend der Neichtfum und Handel von Kos
rinth, und wie groß zugleich die Armuth des übrigen
Griechenlandes, bis an die fünf und fiebenzigfte Olym«,
piade gewefen fey, erhellt aus folgenden Nachrichten und
Erzählungen der bewäbrteften Gefdichtfchreiber **). Vor
der Regierung des Ipdifchen Königs Gyges fanden fic in,
Delphi weder filberne nod) goldene Schäge; fondern alle
Gefdenfe, die man bis dahin dem Apoll gebeiligt hatte,
toaren von Erz, und beftanden nicht einmal in Statüen,
3 3
#) Heyne Comment, fec,
p.49.
fone
de Caftoris Epochis Tom. Il,
Goguet vermuthete,
aber ohne allen Grund,
daß man ¿rar früher filberne Münzen gekannt Hätte,
daf aber Phidon ihnen zuerft eine bequeme Form gege:
ben babe, und defivegen für den Erfinder derfelben in
Griedenfand gehalten worden fey. |
q
**) Theopomp, ap, Athenaeum VI,
4. p. 231, 32. Her,
Pagina 22
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Eres Bud.
fonbern in Dreyfüßen.
Gyges, Kröfus und die ficilias
nifchen Könige Gelo und Hlero, waren die erften, die
den Tempel zu Delphi mit goldenen und filbernen Runftwerfen fchmicten.
och zu den Zeiten des fegten Iydie
(chen Königes war Griechenland fo leer an edlen Metal
len, daf die Spartaner, die den Apoll zu Ambftà übers
golden wollten, nicht fo viel Gotd, als dazi erfordert
tourde, in ben reichften griechifchen Stdoten auftreiben
fonnten, fondern gesungen wurden nach Gardes zu (his
cfen und es einzuhandeln *),
Viele Oinmpiaden nachher war der große König
von Sprafus, Siero, lange in Berlegenbeit, wo er tas
Gold befommen möchte, aus welchem er eine Siegess
gottinn und einen Dreyfuß,
die er nad Delphi fhiden
wollte, verfertigen laffen Fönnte, bis er es endlich
in Roe
tinth bey einem einzigen reichen Manne fand, der aber
auf diefen Schaz viele Jahre gefamlet, und ibn bey
Kleinen Summen zufammengefauft batte. — Die Folge»
zungen, die aus diefen Factis fließen, find fo auffallend,
und drängen fid) einem jeden fo ganz von felbft und ohne
alle Anfirengung auf, daß ich niche nórbig zu haben
glaube, meine Sefer aufmerffam darauf
zu machen, wie
dürftig das ganze Griechenland, und feibft das wegen fet»
nes Reidehums und Handels fo fehr berühmte Korinth
war, da es den Spartanern gar nidt, und dem Hiero
hur mit der duferften Mühe einige Pfund Goldes vera
féaffen Éonnten :
und mie wenig es qu verwundern fey,
daß
©) Serodet erzähle die Sache mit einigen andern ms
ftanden, als Theopomp.
Bu den Hauptfactis aber
ftimmen bende gufammen,
Pagina 23
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)daß Künfte und Wiffenfchafter., die Immer nur Töchter,
oder ungertrenniidie Gefdbrtinnen des Ueberfluffes und
der Pract find, fid) in einem der alt -griechifd;en Staa«
ten bis auf die funfzigfte,
oder gar bis auf die
fiebenzigfie Olympiade gezeige: haben **), = Et
nachdem die Griechen die Perfer bey. Marathon und:
Piatàa, und die Karthaginienfer in Gicilien überwunden,
nachdem die Phofenfer den Apoll zu Delphi, und Alerans
der und feine Nachfolger die veihen Bölfer in Ufien und
Africa geplündert Hatten, erft-denn wurden Gold und Sil.
ber in Griechenland gemein,
uud diefe merfwirdigen
Begebenheiten brachten aud) außerordentliche Wirkungen
hervor, von. denen. ich au ihrer Zeit umftändlicher reden
werde.
©So.natürlid es einem jeden: nach ben angeführten
Gründen fcheinen muß, daß im alten Griechenlande wee
der Künfte nod) Wiffenfdyaften vor ben oben angegebes
nen Zeitpuncten entftanden; eben fonatürlich wares, daß
fie von den afiatifchen. Griechen früher- erfunden und vera
vollfommt murden:. ble ¿mente wichtige Unterfudung,
au der ich jezo fortgebe!Die afiatifchen Griechen theilten fic in eben-fo viele
Stämme als die Curopaifdyen ab, und maren alfo
entweder aus dolifden oder jonifdjen. oder barifchen
Städten entfprungen.
Unter diefen Famen die Acolier,
die von Theffalien ausgegangen waren, am früheften in
Mfien an **),
befezten zuerft die den Hellespont begrins
B 4
genden
#) Siehe die ziweyte. Denfage am Ende-des. Aéfdjnitts.
9%) Man fehe Strabo XU. 872. 73 Her. l.ıgı:45. Die
Aeolier brachen vier Menfenalter vor den Sottiern
auf, famen aber erft unter dem dritten. Führer, und
Pagina 24
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch,
genden Sander, unb zogen fi nachher tiefer in diejenigen
Gegenden herunter, die von ihnen den Mabmen Aeolis
Sie erbauten auf dem feften Lande zwölf
empfingen,
Städte *), welche man die alten in Bergleihung mit
denen nannte, bie nachher auf Tenedos und fesbos ere
richtet wurden **),
Niche
zur Zeit der Nückehr der Serafliden in Afien an. —
Ucber die älteften Wanderungen der Griechen find die beften
SoAriftftetler mit einander nicht cinia. Thufydides fage
ohne Einfhränkung, dag alle Pflanzftädte der Gries
hen in Afien erft nad) dem trojanifchen Kriege geariin:
det worden wären. (1. 12.) Strabo hingegen nenne meb:
tere Sufeln und Derter, felbjt in Pamppilien und Cte
licien, die von Argivern oder auch von den Seraffiden
vor den trojanifchen Zeiten befezt worden. (Man fehe
VII 858. 59.
XIV. 483.990. 902.)
Das leztere bes
Bauptet er ansdriteflid) von Kos und Salifarnaf. Pans
fanias endlich (VII. 2.) giebt def Zug der Sonier nad)
Afien für den älteften unter allen aus: ziveen ausges
nommen, in deren'eriterm Solaus, ein Bruder Sohn
„des Herkules, die Thespienfer und Arhenienfer nad)
Sardinien geführt, und in deren giventem Theras von
Theben die Lafedàmonier und Minyer, welche Pelasgus
aus £emnos vertrieben hatte, nad) der Iufel Kallithe
gebrad)t, die nachher den Nabmen Thera erhalten
Babe. — Unftreitig aber find mehrere Städte in Lucien,
Pamphilien und Cilicien glei) nad) den trojanifdhen
Zeiten von Griechen erbaut worden, die vor Troja ge:
fochten harten, und an die eben genannten Küften von
Aficn verlagen wurden. Man fehe Serab, XIV» 984.
#) Her. 1149: 151,
Diefe Städte waren Rima, Laviffa,
Neon Teihos, Tenos, Killa, Notion, Aigiroefa, Pis
tana,
Agra,
Morina, Grynia, Smorna, welche
fezrere ihnen aber abcenommen wurde.
8%) Lozbos allein hatte funf Stadıe. Diefe murden die jtins
gan aerannr, weil die Acolicr vom feften Lande an die
Snel, und nich" von ven Snfeln aufs fefte Lande ges
gangen waren, Her, tbe
Pagina 25
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Niche lange nad) der Nieverlaffung der A-olier in
Afien, gingen Neleus und andere Söhne des Kodrus,
die fic) wegen der Erbfolge nicht vereinigen Eonnten *),
mit den Goniern, welche die Achder verjagt harten, und
einem großen Haufen von Chentheurcen aus allen übris
gen Gegenden von Griechenland nad) Afien,
mo fie eis
nen anfehnlicyen Strich Landes wegnabmen,
und ¿mólf
Städte entweder mit Gewalt eroberten, oder auch von
Sie erfoblugen die Einwohner,
neuem errichteten. **).
die fie vorfanden, ein Gemifche von Sydiern, Kretern,
Pelasgern, Sclegern und Rariern, und theilten nicht nue
ihre Befigungen, fondern aud) ihre Weiber und Töchter
als Beute unter fie aus ***).
Bald
Bs
2) Man fehe Pauf, VII 1-3, Strab, XIV. 938.
®*) Her, I. 145, & Script. mod, cit.
Scrodot glaubt, fie
hätten grodlf Städte errichtet, oder befezt, weil die Vos
nier vormals in Peloponnes eben fo viele inne gehabt
Hatten. Bon den gswdlf Städten der jonifchen Griechen
lagen dren, nämlich Mile, die mitternächtlichfte unter
allen, Mins und Priene in Rarien:
feds in Lydien:
nämlich) Ephefus, Rolophon, Lebedus, Teos, Klazos
mene und Phofda, zu denen Herodor nod) Eryihta auf
der von Lydien herauslaufenden Halbinfel, und die bey.
den gegen über liegenden fhônen Enlande, Chios und
Samos, rechnet. Zu diefen zwölf urfpränglid, jonijhen
Städten fam in der Folge nod Smyrna hinzu, wel:
Hes die Kolophonier eroberten, und mit Soniern
befesten.
_
à
599) Man fehe Herodot, Strabo und Paufanias an den an:
geführten Orten. Der erfiere merkt noch an, daÿ die fari:
féen Weiber fic) duch einen Eid verpflichteten, nies
mals mit den Männern, die fih ibuen aufgedrungen
Hatten, gu fpeifen, oder fie bey ihrem Nahmen zu
tufen,
Pagina 26
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Ered Buch.
Bald nad) biefer glücklichen Unternehmung der jos
nifchen Griechen, machten fid) die Dorifchen aus dem Pes
loponnes gleichfalls auf).
Sie bemädhtigten fic) der
fddnen Snfel Los und Rhodus **), und gingen dare
auf ing fefte Sand über,
wo fie épnbus und Salitarneÿ
anfegten,
Alte diefe griechifthen Pflansflädte führten unter fic)
eben die Regierungsform ein, die zur Zeit ihrer Grüns
dung im ganzen Mutterlende allgemein war. Giemähl«
ten nämlich aus den Sefchlechtern ihrer Führer entweder
einen, ober wenn diefer ihrer und ihrer Familien. mehr
rere waren, ‚mehrere Könige ***), die aber nichts wenie
ger
tufen, und da diefer Schwur der Mutter nod) von
den fpâtern Töchtern zu feiner Zeit gehalten worden
fey.
:
*) xiv. Strab. 965.
#*) Der dorifhen Städte twaren eigentlich fechs: orey auf
NRhodus, Londus, Salybus und Ramitas: eine auf
Sos, die mit dicfer Snfel gleiden Nahmen hatte: und
endlid) Knidus und HalifarnaB, welche feztere fie aber
von ihren gemeinfchaftlichen Feften und Zufammenkünf:
ten ausgefchloffen, weil fie einen uralten gettesdienft{is
chen Gebrauch verlegt hatte. Herod. I. 144.
#x®) Herod. 1.147. Paul. VIE 1:3. der die erften Stifter
ber jonifhen Städte, und die Familien, aus welder
nachher Könige gewählt wurden, faft alle nennt, Ferner
Strato XIV. 938 und Vell, Paterc. I. 1-9. Die Famis
fic des Androklus, des Grinders von Ephefus, und
eines rechtmäßigen obus des Kodrus genoß nod) fans
ge nachher, da die Eonigliche Gervalt abgefhaft war,
außerordentliche Chrenbeseugungen vor ihren übrigen
Mitbúrgern.
Alle Perfonen aus diefem Gefchlechte
Batten bey öffentlihen Sufammenfünften den Vorfiz: |
ferner das Recht,
Purpur und einen Königsftab zu:
tras
Pagina 27
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)ger als unumfchränft, und mie in den Heldenzeiten ibero
Haupt nur die erften Feldherren, Richter und Opferpries
fter ihres Volfs waren *),
Ungeachtet ferner alle Gries
den, die aus demfelben Gramme entiprungen waren,
gemeinfchaftliche Getter, Tempel, Felle, Opfer und
gemiffe Derter hatten **), an denen fie fid; zu qeroufen
Zeiten verfamleten; fo machten Dod) weder die jouitren
nod) borifchen nod) äolifchen Etädte jemals, wie die Ras
tier und £pcier thaten, einen Bund aus, durdy welchen
fie in einen einzigen mächtigen Staafsförper mären ver:
einige worden. Cie wählten aud) niemals BVerfamlungse
plage, an welchen fie entweder beftändige Abgeordnete
aus allen Städten unterhalten, oder wohin fie wenige
ftens zu gewiffen Seiten Abgefandten gefchickt hätten, um
fic) über Angelegenheiten des ganzen Bundes zu berathe
fiblagen.
Bon den äfteften Zeiten an führten daher
Städte, die gleidyen Urfprungs waren, mit einander
Krieg, obie daß ihre übrigen Schweftern folche Streitige
feiten zu fehlichten gefucht, oder die Eámpfenden Par:
thenen
/
tragen, und befagen endlid) das ausfhliegende Pete:
fterchum der clenfinifdhen Ceres. — Sehr unredt alfo
fagte Gogner CP. ML. p. 412.) daß die jonifchen Städte
in Afien eine republicanifhe Staatsverfaffung angenommen Hatten, weiß ein folches Regiment zur Zeit iGeer
Erbauung im eigentlihen Griechenlande allgemein ges
worden fey.
Diefer vortreflidye Gelehrte macht hier eis
;
nen Anadronism von wenigftens fünfbundert Jahren.
©) Ariftoretes
fehildert fic fo:
UL de Civ.
to.
Kueses de nov ras TE KATA TrodEpoy nyepovics,
uoti Tov Jucimy,
F
TETOS,
oe un ÎeguTIvoI.
TOS DOS EXQIOV.
Ot) Her, I, 144, 148,
veti 1005
Pagina 28
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erffes Buch.
tbepen
ihre Waffen niederzulegen gezwungen hätten,
Eben fo wenig fan man einzelnen Srâbten,
wenn fie
von Barbaren überfallen wurden, zu Hülfe, um einen
gemeinfchaftlichen Feind mit gemeinfchaftlichen Kräften
zurüdzufclagen.
Wenn endlid) auc) der größte Theil
von Städten, die zu elnerley Nahmen gehörten, in eine
zelnen Fällen gemeinfchaftliche Entfchliefungen faßte; fo
fonnte dod) eine oder einige fic) ganz abfondern, ohne
fic) der geringfien Untreue oder Verrätherey (quidig zu
machen *).
Diefe áltefte Verfaffung der griechifchen Städte
wurde, ungewiß in weichen Zeitältern, wahrfeheinlid)aber zroifchen dem Zeitalter des Homer, und dem Ans
fange der Olympiaden nicht wenig verändert.
Die Ed:
niglide Gewalt wurde abgefhaft, und es entftanden
allenthalben Ariftofratien **), die bald wiederum entwes
der in Despotien, oder aud) in eine nod) härtere Dligarchie úbergingen ***), Durch die legtere vorgúglid) murs
den alle afiatifd)- griechifhe Städte gendthigt, fic felbft:
unumfehränfte Herren unter dem Nahmen der Aefymnes
ten zu wählen, und diefen entweder auf Seitlebens, oder
aud) auf gewiffe Jahre die bôchfte Gewalt zu übergeben,
i
#) Diefe Säze werden durch mehrere Facta,
Diefe
die id) in der
Folge anführen werde, beftárigt. Man fehe unterdefjen
De 1° état & du fort des Colonies dec, p. 228. 29,
€*) Dergleichen waren in Bolopbon, Arift, de Civ, IV, 4. in
Ephefus: Strab, I. c. in Phofda, deren verjagte Eins
- wohner fie, wie befanne ift, in Marfeille wieder ere
neuerten. = ©
ss) Dies wiffen toit aus dem Befpiele von Milet, und
dem Beugniffe des Ariftoreles. Strabo XIII. 917, 18.
Arift, de Civ, Lil, 11.
Pagina 29
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Diefe Aefymneten nennt Ariftoteles Wahldespoten, und
er unterfcheidet fie von Tyrannen nicht durch eine befchränf:
tere Macht, fondern allein dadurd), daß jene nicht mit
roiderrechtlicher Gewalt, fondern gefezmáfig und mit dem
guten Willen ihrer Micbürger, die fid) ihnen untermore *
fen hatten, Berrften, und daß fie fich felbft durch den
bewafneten Arm ihrer Unterthanen, nicht aber nach Art der
Tyvannen, durd) Wachen und Hotten von Ausländern zu
fhüzen fuchten*). Solde WAefymneten feinen im Seite
+ alter ber fieben Weifen in allen großen Städten regiert
zu haben; wenigftens trug Pittafus und rabrícheintid)
auch Kleobulus **) diefen Nahmen; und eben diefe Mans
. ner gaben allem Bermutben nad) den meiften Städten
ihre vorige Negierungsform, cine gemäßigte Ariftofratie,
wieder.
5
Unter der fanften Regierung min, deren die grie.
Hifchen Kolonien in den erften Jahrhunderten nad) ihrer
Gründung in Ufien genoffen,
und deren mohlthäs |
tige Einflüffe weder durd) innere Unruhen, nod) durd)
auswärtige Kriege geftórt wurden, nahmen Bevölferung
und Wohlftand in unglaublid) fdnell fteigenden Graden
gu. Nicht aber bloß Srenbeit und Nube, fondern auch
die größere Sructharfeit des Bodens, den fie bebauten,
und die Schönheit und Milde des Himmels, unter mele
them fie wohnten, und mit welchem Herodot Fein andes
res Klima auf der ihm befannten Erde zu vergleichen
roufte ***), am melften aber ihre glückliche Sage, waren
die
*) Arift, UL 10. 11,
be.
2%) Canviv, Sap. inter Opp. Plut, Ed. Reifkii T. VI. p. 563.
80%) Her, 1.142.149. Die Aeolier hatten ein frudthareres Erd:
reid), als die Sonier, aber ein weniger [ones Klima.
Pagina 30
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Bowie
Erfes Bud.
die UrfahM, daß fie bald die Staaten des europäifchen
Haft alle
Griechenlandes fehr weit hinter fid) ließen.
griechifche Städte, fomobi auf dem feften Lande Afiens,
als auf den Snfeln, waren unmittelbar an der Eee ers
baue, und haften die ficherften und geráumigften Häfen
vor, und die reichften blühendften Sander, fydien, Phrygien und Kappadocien, hinter fih*). Von diefen erhiels
ten die jonifchen, dovifdjen und dolifchen Griechen nicht
nur mehrere Handwerfer, Manufacrıren und die Ane
finge verfiebener Künfte, die ihren europäifchen Brite
dern unbefannt waren, und ihnen felhft unter andern Um:
finden nod) fange unbefannt geblieben wären, fondern
fie wurden auch, weil fie das ganze Geftade des Meers,
bie Mündungen der Ströme, und alle übrige Ans:und
Eingänge befezt harten, die einzigen ausfchtieñenden Abs
nehmer der natürlichen und fúnfilidien Producte diefer
finder, und die einzigen Zuführer aller Waaren,
die
diefe brauchten, und denen fie nad) ihrem Belieben Preife
|
fegen fonnren.
Eme faft nothwendige Folge aller diefer Vortheile
mar der Eifer, mit melchem die griechifchen Dflangitante
fic) gleich nach ihrer Entftehung auf Handel und Schifs
fart legten. Man Fann zwar die Gefthichte von beyden
nicht mehr vollftändig befchreiben, noch aud) genau die
Stuffen anzeigen, die fie in einer jeden Stadt erreicht
haben; aber fo viel láRe fich im Allgemeinen fagen, daß
die Gonier, deren sage allerdings günftiger, als die der
übrigen afiati(dyen riechen war **), früher und weiter
+.
gefchife
*) ©. unten die dritte Peylage.
##) Es läßt fi) fein anderer Grund als Mangel einer vor
theilhaften Lage augeben, warum die Griechen, die
Pagina 31
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)gefchift und gehandelt haben, als die Dorier oder Aeo:
lier ®), und daß unter den Soniern fid) wiederum die
Beroohner von Milet, Kolophon, Samos und Phofia
vor allen übrigen durch ihre Thatigfeit und ihren Elba
nen unternehmenden Geift ausgezeichnet Haben,
Die
Milefier erbauten an den Küften des mittelänbifhen und
fhwarzen Meers fünf und fiebenzig, oder gar adıtzig
Pflanzftädte **), und fie waren es and) vorzüglich, die,
wo nicht früher, dod unter dem Dfammetidjus ***) feften
>
Zuß
fid) in Lucien, Pamphilien und Cilicien niedergelaffen
Hatten, niemals zu einer fo ausgebreiteren Handlung,
und Bis auf die Zeiten der Römer aud) nicht zu einer
folgen Cuftue gelangt find, als ihre Brüder melon
die fic) in Ravien und Lydien gefezt Hatten.
Die er:
ftern waren mit lauter armen und räußerifchen Völkern
umgeben, mit denen fie öfter Eviegen mußten,
alsfie
mit ihnen Handeln fonuten.
9) Unter den dorifchen Griechen thaten fih die Nhodier,
und unter den dolifhen die Bewohner von Lesbos, bes
fonders von Mitylene am meifien fervor,
Beral.
Heyne Comment. de Caft, Epochis p, 42 & 58.) Als
fein beyder_igte Sdhiffare und Neidthúmer waren doch
viel geringer, als der Handel und Wohlftand der gros
fen jonifhen Städte.
Die Stadt Nhodus, die lange
nad) dem Zeitalter der ficben Weifen erbaut wurde;
XIV. 965, Strab.) hatte erfî das Glick, der Hauptfiz
der griehifhen Handlung, Weltwweisheit und Deredto
famfeit zu werden, als Athen und die afiatifhen Städte
den größten Shei ihres ehemaligen Glanges verlohren
hatten.
Hievon werde id) zu feiner Zeit umftändlicher
veden.
©) Das erfte fagt Senec, ad Helviam I, 6.;
bas andere
Plinius V, 29.
WOH) Seither als die Negierung des Pfammetichus fann man
eine daurende Befannt[daft der afiacifehen Griechen mir
Pagina 32
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Bud).
Fuß in Aegypten faßten,
die ferner den übrigen afiatie
fren Griechen ben Eingang in dieses Sand dfneten, und
unter dem eben genanuten Könige fomobl als unter bem
Amafis die einzige Handelejtade Aequprens,
andere Sactorepen errichteten *).
und viele
.
RKolophon wurde nod)
vor dem Gyges, der im erjten Fabre ver fünf und ywans
zigften Olympiade faro, fo reid), Daß die begüterten
Bürger den bey weitem größern Theil ihrer Einwohner
ausmathten**), Die Samier fchiften querft nad) Spa:
nien, und diefen abmten bald vie Phofáer nad), von
welchen feztern Herodot noch fagt, daß fie unter den Grice
chen zuerft lange, oder geräumige zu weiten Seereifen
gefhichte Rauffarthenfchiffe gebaut batten ***),
Go natürlich es war, Daß die vortheilhafte Lage
der griechifch- afiatifchen, befondersder jonifdren Erädte, —
Handlung und Schiffare veranlaßten; eben fo narürtid
folgten auf bende Vermehrung von Reichthiimern und
Kräften. und Erfindung oder Vervollfommung non
Handwerfern, Manufacturen,
fdaften.
Künften und Wiffene
Die Mache und Tapferfeit von Milet und
Rolo»
den Aegnptiern wohl nicht anfezen,
Die Sonier und
Karier, die dem Pfammerihus nachher fo große Dienfte
leifteten, und fo foniglid) von ihm belohnt wurden,
ftiegen nicht vorfeslidy, fondern durd) Morh gezwungen,
ans ägpptifche Ufer aus; fie raubten und plünderten
Hier, wie anderswo, und waren, wie aus der Erzahs
lung des Serodore erhellt, den Aegyptiern eine ganz
neue Erfcheinung.
#) 152:54:178. Il.
#) Arift, de Civ. IV. 4,
49) Her. IV. 152. Man fehe Heynii Comment, fee, de Caft,
Epochis p. 61, it, Her, I, 163,
Pagina 33
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Kolophon waren fo groß, daß fie zu Sprüchwörtern Une
laß gaben *), die nod) fange nach der Serfióbrung oder
dem Verfall bender Städte fortbauerten. Die Mitefier
behaupteten ihre ¡Srenbeir und Unabhängigkeit während
eines Zeitraums von anderthalb Sabrbunderten gegen
die Angriffe der mächrigften Ipbifchen Könige; und unges
achtet **) oft viele Sabre hinter einander ihre Felder vers
wiiftet, ihre Srudhtbäume adgehauen, und ihre Heerden
teggetrieben wurden , fo blieben
- fie doc) unbeswingbar,
weil ihre Stadt die Königinn des Meers war, und durch
ihren Handel fic leicht alles Nothwendige verfchaffte,
und allen Schaden wieder erfeste, Kolophon entrif den
Aeolieen das fhône Smyrna, und wehrte fic) eine Zeit»
lang gegen den Indifchen Gyges; allein fie unterlag ende
lid), wie Smyrna und Priene diefem Könige oder feia
nem groebten Nachfolger, von welcher Zerftöhrung or
eben diefe Städte, Œmyrna ausgenommen **), fic)
bald müffen erboblt haben, Rrófus mar der erfte, der
dle-afiatifhen Griechen alle tiberwaltigte +), und das
ganze Vorderafien bis an den Halys beerrfchte ++),
j
Bon
#) Man fee über die Milefier Athen, XIL 523. Ariftoph.
Plut. 1002 xcsActs For’ yoo AKA NATIA,
und über die Rolophonier XIV. .953. Sırab. Die Reue
teren der Kolophonier war fo.berühmt und tapfer, da
fie affenthalten, wo fie fid) zeigte, den Sica entfchied
20 8 (fest Strabo hinzu) «o ray worgomıev exdeJava Tay Aeyerav, ov KoroQowe evrebirev,
Pe Le Teros erireQn BeBocioy ro rexyuari.
.
an) Smıyena blieb nad) der Zerftorung dued) die Lydier
. 14.
19.
A, hundert Jahre wüfte, Strab, XIV, 956.
44) Strab, XIV, 1068,
Pagina 34
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfte8 Buch,
Bon den Manufacturen, welche ble afiatifchen
- Griechen mit der allmäligen Erweiterung ihres Handels
entweder erfunden oder vervollfommt haben, fehmweige id),
da wir zu wenig umftändliche Nachrichten von ihnen has
ben, und das, was uns :davon in alten Schriftftellern
aufbehalten iff, von Goguet vollftändig ift gefamlet wore
den. Von dem Fortgange der Kunft aber will id) die
merfwürdigften Data, die fic) im Herodot, Pliniusund
Paufanias finden, Eurz zufammen faffen, theils um gue
Erklärung des Urfprunas der Wiffenfchaften vorjuberei»
ten,
theils um die Bewunderer der afiatifhen und africanifchen Nationen zu überzeugen,
wie wenig die afiatie
{cen Griechen den auf ihr höhers Alterchum fo ftolzen
Barbaren, und wie viel hingegen das europäifche Gries
henland feinen Pflanzftädten zu verdanfen hatte, wiena«
fürlich es endlich fey, daß einige Rünfte glei) nad) der
fiebenzigften, andere nad) der achtzigften, und nod) ans
dere nach der neunzigften Oinmpiade in Gicilien und
Athen den höchften Grad ihrer Bortreflichkeit erftiegen,
Die afiatifhen, vorzüglich aber die jonifchen Gries
chen erfchufen die fhönen Künfte entweder aus mehr oder
weniger plumpen Handwerfen, ober fie zogen fie auch |
ohne alle Mufter und Vorbilder aus ihrem eigenen, durch
alle Arten günftiger Einflüffe befruchteten, Genie hervor.
Das erfte fann man von der Mufif, der Plaftif, der
Kuni Metalle zu verarbeiten: das ardere von der
y Baufunft
Sculptue in Marmor, von der Mablereund
von den {y=
Mufif
behaupten. Da die Griechen ihre
diern und Phrygiein erhalten haben, ift febon oben bes
merft worden; daß fie aber auch) eben diefe phrygifche
und {ydifdye Mufié veredelt haben, müßte man, wenn
Pagina 35
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)es aud) nicht durdy
ältere
Ueberlieferungen beftätige
würde *), allein aus der großen Zahl nicht nur in ihrem
Zeitalter, fondern aud) in allen nächftfolgenden Fahre
hunderten bemunderter Dichter fchließen, die unter den
Regierungen der Leyden fezten Idifchen Könige, oder
aud) Fury vorher und nachher fangen.
Die Plaftif ere
fanden die Griechen eben fo wenig als die Mufif, und
es ift zuverläffigfalfch, was Plinius fagt, daß Nboefus
und Theodor von Samos die erften Bildner gewefen feyen,
ungeachtet id) ihm gerne zugebe, daß man Werke aus
Thon fchon fange vor der Vertreibung der Bartiaden aus
Korinth im Baterlande des Pythagoras gearbeitet habe**),
Die eben genannten Meifter lebten zu einer Zeit, wo
viel fhmerere Künfte fon fehr ausgebilder waren, und
alfo eine der feichteften und einfachften nicht erft entdecke
werden Éonnte. Die erften roben Bildnereyen empfingen
die Griechen enfroeber von den Flüchtlingen aus Afien und
Aegypten , die fid) unter ihnen niederliefen, oder fie fans
ben fie aud) bey ihrer Ankunft in Afien unter den Spdiern
und Phrugiern vor. Cie abmten alfo anfangs nach,
Boblten aber ihre Worgänger bald ein, wie man zwar
wicht aus der Vergleihung der Werke diefer Volfer, die
fhon zu Plinii Zeiten untergegangen waren, aber dod)
daraus abnehmen Fann, daß die Gefchichte die Nahmen
berühmter griechifcher Plaften aufgezeichnet, und binges
gen das Andenfen von feinem einzigen &ydifchen oder Phry«
gifchen Künftler erhalten hat.
Nod) entfcheidender tafe
es fid) bartfun, daß die afiatifen Griechen nice nur
Ca
#) Plin, VIL 86,
#4) XXXV, 12,
ihre
Pagina 36
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfes Buch,
ihre nächften Nachharen, fondern auch die Phonicier in
fúniifidien Arbeiten aus Erz und edlen Metallen fehr weit |
übertroffen haben.
Die beyden lesten Ipdifchen Könige
Tiefen bie Fofibaren Gefthenfe, die fie aus einer Mifchung
: yon Andadrt und Eitelfeit.dem Apoll zu Delphi fchicéten,
nicht von ihren eigenen Unterthanen, nicht von Phóni.
ciern, fondern von geicchifchen Meiftern verfertigen, unge»
achter fie fonft die afiatifchen Griechen mit unverföhnlicyer
Zeindfehaft verfolgten. Cin prächtiges filbernes Gefchirr,
was Alyattes verehrte, und eine eiferne Unterfchaale, die
Herodot zu den fehenswiirdigen Kleinodien des griechifchen
Gottes rechnete, waren von einem Chicr Glaufus verfere
tigt, der, wie Herodot fagt, unter allen Eterblichen die
SKunft, das Cifen zu lôten, guerft erfunden hatte *),
Ein anderer filberner Krater, von einem ungebeuren
Umfange, das fchénfte Gefchent, was Rrófus nad Dele
phi aefchidt hatte, war,
wie die Diener des Apoll vere
fidjerten, ein Werf des Gamier Theodorus, und Heros
dot qlanbte ihnen, weil es ein auferordentliches Kunffa
{iù gemefen fey **),
Der joulfcre Gefchichrfchreiber
alfo, der die beften Arbeiten in diefer Art fowol in Aee
gupten als Phönicien und in Vorderafien gefehen hatte,
fand felbit in der ungemébnlihen Kunfî, die aus dem Gee
fente des Krsfus bervorleuchtete, einen Grund, warum
. das lejtere von feinem audern als einem griechifchen
Künftter Bervibren Fônne ***),
Eben dieser Theodor
war der Arbeiter des berühmten Ringes des Tprannen
Poly»
*) L 2.
3) 1, sl
Pagina 37
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Polyfrates, der nod) zu Augufts und Mini Zeiten mit
den fehönften ähnlichen Sunfiwerfen um den Vorzugfirice). = Salfedlidy aber werden er und Khoekus für die
erften Dlaften und Arbeiter in Erz ausgegeben **). Viel
glaublicher ift es, daß fie in Bildungen aus Thon, und
in Statilen aus Erz alle vorhergehenden Künftter fo fehr
verdunfelt haben,
Ddafi man von ihnen die Epoche der
fhönen Runft anfing ***),
Miche bloß von den Griechen veredelte, fondern
felbft erfundene und ihnen ganz eigenthimlide Künyie,
fcheinen die Seulptur in Marmor, die fbône Baufunft
und Mahlerey gewefen zu feyn.
Die beyden erftern fteia
gen bis an den Anfang oder gar bis über die Otympiae
den hinauf,
dle Sculprur in Marmor wurde zuerft in
Chios erfunden, bald nachher aber aud) in andern Sina
A
Ca
‘
felta
#) Paufan, VII. 140. 639. Plim, XXXVII 1,
#5) Plin, XXXV, 12, & Paufan, 1, e,
$62) Daf man lange vor dem Rhoefus und Theoder finftlide
Arbeiten aus Erz verferriger Habe, faßt fih am univis
derfprehlichften aus den beyden Thalamis beweifen,
die Myron, König in Sitvon, kurz nad) der dvey und
dregßigften Olympiade nach Olympia gefchenft hatte,
und wovon der eine in dorifcher,
der andere in jouts
fer Manier verfertigt war. (Panfan.
VI, 19, p 497.)
Gleid) nad) dem Nboefus und Theodor aber muß die
Gun, Erz und edfe Metafle zu bearbeiten, mit fihnelz
len Schritten fortgesangen und vollendet worden feya,
Dern die Werke,
die zwifchen der ficbenzigiten und
achtzigften Olympiade von Onafas (Pauf. VIE. 42, ©
687. p.) und andern Künftleen, Befonders für die Rós
nige und Städte in Gicilten; verfertige x
bes
Haupteten ftets den Muhm der hüchıtenVortveflichkei
3d) werde unten, wo es nöthig feyn wird, auf diefe
Bemerkung wieder aufmer fam machen.
Pagina 38
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfte Bud).
fein und Städten getrieben; und Dipónus und Sénllis
aus Kreta waren die erften, die um die funfzigfte Diyma
piade ihre Kunft aud) im eigentlichen Griechenland zeige
ten, und befonders für Sifyon mehrere Bildfaulen von
Hhngefähr ein halbes Fabrbuns
Göttern machten *).
bert fpäter blühten Bupalus und Anthermus aus Chios,
und fillten die berühmteften griechifchen Städte in Afien,
und Europa mit ihren Werfen an.
ie arbeiteten fo
vortreflih,
Daß ihre aus parifhen Marmor verfertigre
Statiien noch im Zeitalter des Auguft vorzüglich gefchägt,
und von diefem erften Beherefcher der Rómer neben den
größten Meifterftúcien aus den beften Zeiten der Kunft,
i
aufgeftelle wurden **),
Bon gleidjem ober noch Hiherm Alter, als die
Seulptur, war die Banfunft in Kleinafien, welche
die Griechen weder von den fydiern, noch Phóniciern,
nod) Aegnptiern gelernt hatten nod) lernen Fonnten.
Une
ter diefen eben genannten Bôlfern bauten die Yegyptier
am Fühnften und dauerhafteften, und eben daher braudyte
Rambyfes, als er Sufa und Efbatana verfchönern molla
te,
nicht phönicifche,
fondern dgnptifhe Baumeifter ;
allein unter allen Denfmälern Aegyptens trifft man nicht
die geringfte Spur von griechifchen Säulenordnungen,
griechifcher Einfall,
Regelmagigfeit und
ESchönpeit
an ***), Wenn aber auch die Ardhiteftur der Aegnptier
vollfommner, oder der Griechifhen ähnlicher gemefen
rare, als man nad) ihren Reften, und den úbercinftim=
menden
x) Plin, XXXVI. 4.
**) Plin, I. c. c. 6, und Paul. IV, 30. 355.
***) Gogu. IE 127, u. f. ©.
Pagina 39
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)menden Urtheiten der Kenner glauben fann; fo wilde
man doch die Gonfer und Dorier für die Erfinder der ihe
rigen halten múffen, weil das, mas die Baufunft der
leztern von der erftern unterfcheidet, lange vorher befannt
und eingeführt war, ehe bende Völker mit einander in cie
Die Säulenordnungen
nige Verbindung Famen *).
find fo alt, daß man bie Zeit, mann fie zuerft gebraucht
worden,
und ihre Entdecer in Griechenland nicht mehr
angeben fornte,
Später erfand man die Kunft,
den
Marmor aud) zur Verzierung der Böden, Dächer und
Erft unter den
Wände, großer Gebäude anzuwenden,
Negieruagen des Alyattes von sydien, und des Kyaraz
res von Medien lehrte Byzas von Raros die Gricchen,
Marmorblöde in Biegelplatten zu zerlegen: eine Cutdes
ung, die den Zeitgenoffen diefes Mannes fo wichtig
febien, daß fie feinen Nahmen durd) Ehrenfänfen
und Fre
fehriften zu verewigen fuchten **),
Uncer alten Künften
aber ift die Mableren diejenige, über deren Erfinder und
Alterthum die größten und fleipigiten Forfcher unter den
Griechen am wenigften mit elnander einig waren, und
über
C 4
#) Die Lydier waren gewiß nicht die Lebrer der Griechen in
der Baukunfl,
Das reihe und nppige Sardes, das
erft nad)
den trojanifhen
Zeiten erkaut war
(Strab,
Xin, 928.) beftand nod) unter der Negiernng
des Dac
tins Dyffaspis größtentheils aus Häufern, die aus
Leim
und Rohr gufammengefest waren,
und die wenigen,
die man ans gebacfencu Steinen aufgef
ten dod) nod) Srrohdader.
-
uel ab,
ührt hatte,
als. ¿ur Zeit ihrer Eroberung
Bu Sonier von ungefähr Feuer ausfam
.
**) V. 10, 308. Paufan,
Eben daher brannte dicfe
Pagina 40
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch.
über welche Minius die widerfprechendften Nachrichten,
wie die enfgegengefezteften slrtheile aufgezeichnet bat *).
Man wufte nicht, ob die erften Mahler Aegyptier oder
{ndier, oder afiatifhe oder europäifche Griechen gemefen
wären; und doc) erzählte man mit der genaueften Uma
flandlichfeit die verfchiedenen Stuffen der Vullfommenheit,
melche diefe Kunft in Griechenland durcigegangen mar.
Man nannte die Nabmen derjenigen, die zuerft nur die
Umriffe von Körpern gezeichnet,
die nachher eine einzige
Sarbe gebraud)t, die noch fpäter bende Gefchlechter untere
fchieden, die Ausdruck in Gefichter und Bewegungen
der Gliedmaßen gelegt, und endlich Sicht und Schatten
in ihre Gemälde bineingebracht hatten **), Wenn man
bie Zeugniffe des Plinius nicht ganz vermirft, fo fcheinen
die erften Anfänger der Mableren, in fo ferne fie von Seis
chenfunft unterfchieden if, den Griechen eigerthümlic),
und nicht weit von denen der Baufunft und Eculptur in
Marmor entfernt, aber ihre Fortgänge viel fangfamer,
als die der übrigen Künfte gemefen zu feyn.
Denn Pas
náus, ein Bruder des Phidias, war der erfte, ber zu cis
ner Zeit, als die Baufunft und Sculptur ihrer größten
Höhe nahe gefommen waren, Perfonen nad) bem $eben,
oder Dortráte fchilberte,
Unglaublid) iff es,
was Dili.
nius
*) VII 56. XXXV. 3. 8,9.
#+) Chen diefe Nachrichten beweifen tvenigffens, daß, wenn
aud) die affarifthen Griechen die eigentlihe Mahlerey
von irgend einem andern Volke erhalten haben, fie doch
eben diefe Kumnjt in einer folhen UnvollEommenbeit em:
pfangen haben müffen, daf die efenden Dinfeleyen,
- dergleichen die . Griedien zuevt nadabmeten,
nice
einmal den Üahmen von Kunfiwerken verdienten.
Pagina 41
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)nius mit geoßer Zuverficht erzähle, daß Randaules, Kós
nig in tpdien, ein Gemälde des Bulardy mit Golde aufs
gewogen habe *).
i
=
Dafi nun in fo reichen, blühenden und mächtigen
- Stadten, als die griechifchen Colonien in Afien waren,
folde Männer,
halten muß,
als wofür man die fogenannten Weiferr
in dem Seitalter,
in meldem fie wirflicy
lebten, entftanden, ift meinem Urtheil nat meniger ju
vermundern , als daf fie fic) niche viel eher gezeigt haben.
Wenn man von den griechifchen Weifen fid) eine ridja
tige Vortiellung machen will;
fo muß man fie fid) als
Männer denfen, die mit großen Anlagen des Geiftes
und Herzens eine durch vieljährige Erfahrung reif gee
mordene Klugheit, und alle nüzliche Kenntniffe der das
maligen Zeit vereinigten, die eben diefer auferordentlidjen
angebobrnen und erworbenen Vorzüge wegen, „in den
wichrigften Angelegenheiten um Math gefragt, zu den
größten öffentlichen Gefchäften gebraucht, und entweder
zu Gefandten, oder Heerführern, oder Gefezgebern, oder
Höuptern von Staaten erwählt wurden, die endlich ihre
Mitbürger nicht bloß durch Beilfame Nathfchlage und Ans
ordnungen, ‘fondern auch durch faßliche Gedichte, und furze
Eräftige Sprache zu beffern fuchten, und die nun um dies
fer mannigfaltigen Verdienfie willen von der Danfbare
feit und Ehrfurcht ihrer Zeitgenoffen den Ebrenmamen
der Weifen empfingen.
Es
Mena
*) Quid? quod in confeffo perinde eft, Bularchit pi&oris tabulam, in qua erat Magnetum praelium, a Candaule rege Lydiae Heraclidarum novilimo,
Mycfilus vocitatus ch, repenfam auro: tanta jam di.
guatio piGurae erat,
Pagina 42
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfles Buch.
Wenn aud) nicht alle oder der größte Theil ber
griechifchen Weifen Dichter waren, mie neuere Gefchichtfhreiber berichten *),
fo muß man fie dod) gewiß ohne
Ausnahme für große Staatsmänner erfennen,
zu deren
Nedhtfchaffenheit, Muth und Klugheit man in den gee
fabvlidhften Zeitläuften, und am meiften alsdann feine Zu»
flucht nahm,
wenn zerrüttete und aus elnander gefallene
Städte wieder herzuftellen, und in Ordnung zu bringen
toaren.
Um diefes zu bemeifen, hat man nicht einmal
nöthig, fic) auf die Ureheile der größten Schriftfteller des
Aterthums zu berufen,
in meldien die griedhifchen Mela
fen Haupter von Staaten, oder Eluge vorherfehende Gee
fesges
*) Benn man dem Diogenes und Athenäns trauen wollte
fo hätten außer dem Sofon alle übrige Weifen, Thales,
Pittafus (I. 79. Ath. X. 7. 427.p) Dias (Diog. I,
85.) Periander (ib, y7.f. Athen, XIV. 8.) Kleobulus
(S. 89.) und Chifon CS. 68.) Gedichte meiftens in eles
gifhen Versarten binterlaffen, und den Pittafus würde
man fogar für den erften profaifh policifhen Schrift
fteller halten miiffen.
auch an fi iff,
Go wenig unglaublid es aber
daß die Nbrigen Meifen gleich dem
Solon gefungen haben; fo fehr zweifle ich doc, dag
fie, den arhenienfifhen Gefesgeber ausgenommen, ihre
Weder
Mitbürger durch Gedichte unterrichtet haben,
Plato noch Ariftoteles nod) irgend ein anderer alter
Schriftfteller vor dem Plutarch führte Verfe der bris
gen griechifhen Weifen, und auch diefer ein Werk des
Thales mit großer Lingewißheit an. Sn den Fragmens
ten des Dias, die beym Diogenes ffeben, finder fich
Fein jonifcher Dialekt, und der Snbalt der Elegien dies
feg Mannes, in welden er die Glückfeligkeit Soniens
sesriefen haben foll, reitet mit dem Math deffelben,
den ich gleich) nachher aus dem Serodot erzählen
werde,
Pagina 43
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)feggebende Männer genannt werden *); fordern man
fann von einem jeden, der den Weifen zugezählt wurde,
Tharen und Facta anführen, die von ihrem Eifer für
das Belle ihres Vaterlandes, und ihrer Erfabrenbeit in
öffentlichen Gefchäften zeugen.
Pittafus, Solon, Kleos
bulus und Periander waren entweder Gefezgeber, oder
Heerführer, oder Vorfteher und Beherrfcher ihrer Baterfiddte **). Chiton bekleidete das Amt eines Ephorus in
Sparta, und wurde wegen feiner Vorherfehungsfraft,
oder feines politifhen Weißagungsgeijtes bewundert ***),
Dom Thales und Bias wiffen wir zwar nicht, ob fie dfs
fentlicye Würden getragen haben; aber von benden ift es
gewiß, das fie Ratbgeber von Völkern und Königen
waren,
*) Cic. de Or. 111. 34. fed ut ad Graecos referam oratio.
nem — feptem fniffe dicuntur uno tempore, qui fae
pientes & haberentur & vocarentur,
Hi omnes,
practer Milefium Thalem, civitatibus fuls praefuerunt, Dicacarch. ap. Diog. I. go. 6 de AmeiaeVos ere copes.
(Ueber diefes Wort werde id mid)
in der Folge erklären) ere PiñeroPes now au
TES yeyovercts, cuveres de TIVOS ueti vomoderines,
Diutarh vom Solon:
(Opp. I. 319. Ed, Reisk,)
QidosoQiees de Te Img paria To roro,
OTE? 0 FASO TAY Tore TOPwY nYaracevr
und im Leben des Themiffofles (ib. p. 440.) von eis
nem Dinefipbilus,
mit dem der grichifite Held
Umganz gehabt Babe:
=
—
-—
Tay naraneıny coPiav,
goce de deworntee ro
Artınyv KI decesnesoy cues, smirndeuna we
Tompuere.
“*) Arift, de Civ, HI,
10,
Diog. I. 74.
fup. cit,
o
***) Diog,1. 68, 71,
Herod. I, 59. VII. 239
Strab, I,
Pagina 44
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)(Gifted Sud.
waren, Der leztere hielt den Rrófus von einem Sees
friege wider die griechifchen Snfelbewohner zurück, und
that bey ben Einbrüchen der Perfer den Soniern den
Vorfeblag, den Herodot alsfehr weife pries, ihre Städte
in Afien zu verlaffen, und nad Eardinien zu ziehen *).
fange vorher hatte Thales die Gonier zu bewegen gefuchf,
in einen großen Bund zufammen zu treten, und in Teos,
das ohngefähr von allen jonifchen Städten gleich weit ente
fernt fey, einen gemeinfchaftlichen Rath zu verfamten **),
Eben diefer Weife begleitete den Kröfus auf feinem Zuge
wider die Perfer, und führte das Iydifche Heer crocfenen
Fußes durch den Halys, den er abgeleitet hatte ***).
Go
*) I. 27. 170.
*#) 1,170. Her,
+
x
3%) Aus diefem Facto fann man die Nadrid)t eines Un:
genannten beym Divgenes (I. 25.) widerlegen:
daß
Shales die Milefier von der Verbindung mit dem Kros
fus abgezogen, und zu einem Bündnife mit dem Kys
rus bewege habe. Mifet war allerdings die einzige jos
nifhe Stadt, die fid) zum Sovus vor feinem Siege
siber den Rrôfus (lug; allein Thales ann die Urfache
diefes Enrfehlaffes nicht geivefen fon, weil er fic) fonft
fhwerfichin das Heer des Iydifchen Königes wiirde gervagt
haben. (Her, I, 75. & 169.) Aus diefer lezten Nachricht,
wie aus den im Terte angeführten Zeugniffen des Hes
todet, faun man ferner beweifen, daß, wenn Thales
auch ein von Efrentlihen Gefchaften entferntes Leben ges
führt hätte, ex fid) doch feinen Mitbürgern und Zeitges
noffen nicht ganz eutzegen, nod) and der Betrachtung
der Natur allein gemidmet habe, wie Heraklides er
gablte. A. 25. Diog.) Diefer Soriftfteller wurde auf
feine Meinung tvabrfheintid durd) das Mébrhen geleis
fic) fon im Plato findet (Theaet, p, gr. Ed,
ret, toas
Bal.) dag nomi:9 Thales vor gar zu aufmerfamer Bes
fhaunng
Pagina 45
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Soentfernt es aud) von den Sitten und Gewohnz
heiten unferer Zeit ift, bof Degierer und Ordner ganzer
Staaten neben Did)tern die einzigen und erften Bolfss
‘fee
féanung des Himmels nicht das gefehen habe, was ihm
vor den Super lag, und eben daher in eine Grube ges
fallen, und von einer barbarifhen Selavinn ausnelacht
worden fey;
oder er fchorfte fie auch. aus einer Stelle
des Arijtoreles, wo es heißt, daß man den Thales,
Anaragoras und andre zivar für weiße, aber nicht für
Eluge Männer halte,
indem fie bey allen den bewuns
dernswirdigen göttlichen Kenneniffen, die fie befeffen,
dennod) nicht ihre eigene Vortheile verftanden, und fio
um menfobliche Guter bekümmert hatten (VI, 7. Ethic,)
Diefen beruhmeen Schriftitelleen folgte allem Vermus
then nad) Cicero, wenn er ben Thales ans der Zapf
der Meifen, die Häupter ihrer Baterftädte gewefen
wären, gleichlam heraus hob.
3d) mub hier noch einer Stelle des Wato Erwähnung
thun, in welder ev allen übrigen alten Schriftftellern
widerfprid)t, oder zu widerfprechen fheint.
Er fage
námtid) (p.'345. in Hipp. maj. Ed. Bafil.) baÿ alfe,
oder dod) die meijten Männer, die wegen ihrer eis»
heit berühme gewefen, von Thales, Bias und Pirtakus
an bis auf den Anaraaoras herunter fid) von öffentlichen
Gefchaften enthalten härten.
Wenn Dlaro diefes in
allem Ernfte behauptete, fo fann man ihn eben fo gue
verfichrlich eines Serthums befchuldigen,
als wenn er
im erften Suche feiner Gefeze den Epimenides nur
zehn Sabre ver dem erften Einfalle der Derfer, alfo im
Anfange der fiebenziglien Olympiade nad) Athen fome
men läge.
Allein man muß annehmen,
Bier wie an vielen andern Stellen,
daß Dato
ivo er den Sofra:
tes mit den Sopbiften vedend einführt,
oft nur defiwer
gen den erften von der Wahrheit abmeiden,
und aus
feinem eigenen Charakter heraus treten läßt,
wm die
Tegrern dejto mehr in Verlegenbeit zu fegen.
Sndem
er diefe Whfiche zu erreichen fut, nimmt ev fic) feto
nicht genug vor, Widerfprüchen-in Act,
Denn in chen
dera
Pagina 46
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Gıfted Buch,
en, die nur
nd
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er
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fe
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al
ff
au
fo
n,
re
wa
fefrer
r den ıhrigen ähnliche Zeitalter Fannten,
ihr eigenes, ode
*),
gewefen ift, daß man jemals durd) {olde Sprüche dere
álteften WeifenumGridence
welchem ev die
peu Gefpràzulde,müfinfig
ht,
chenlandes zeigen, endaßUntfieerfdenuchfelernbenmac
ic, feyen,
unä
Sophitten zu den Biund des Sokrates diehnlMeynung
träge er durdiech Kunft des Sophiften viel alter fey, als
vor: ftdaßglaubten, und daß fie von undenklichen Zeiten
fie felb
geblüht babe.entgegDieen,fe Des
ta und Sparta
Ber in Krefieb
tracksung eben fo wenundig |
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fhn
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wahr, als diefe.
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he) demBerfaffer des Gaf derfieben
nes (im erften Buc rrius Phateveus CAp- Stab in Se26rm8.,)
Weifen.4,5.vo) mSofDeivimedes
47+ ib.)Luundud Sts obfeäuptsem(p.fapienp- 44 h vom Yufoning (p.
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betveifenwic, htunderd weMünnhemavern lohes nenauc.h fanMan fann abe
und
es fic glaube id), diejenigen noch am erften für altd De
r
doc), ten, die wir vom Plan, Ariftoteles un
Get iuhals Phalereus angeführt finden. Diefe find odeallre
metr cinfaltis find Beftepen meiftens unt aus geziwneyeSchrn ift:
febr Wertern, da Hingegen viele bey den ubri
drey nglicher und weirläuftiger find. Wenn man
frellern Eü
diefe
Pagina 47
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)dergleichen die der griechifhen Meifen find, den Nabmen
von Weifen habe verdienen Fönnen; fo vollfommen anges
meffen war der Unrerricht der griecyifchen Weijen den
Bediirfniffen ihrer Beitgenoffen, und nicht weniger würs
dig der Thaten, die fie gethan, der Würden, die fie bee
Eleidet, und des Ebrentitels, den fie erhalten haben. Die
griecbifhen Weifen lebten in Staaten, in welchen nie.
nod angehohrnen
mand weder durd) Erbredt,
Vorfahren er.
beffern
von
größere
durd)
Adel, nod) auch
worbene Reidthümer zum Heer- oder Bolfsfúbrer erhoe
ben wurde,
fendern in weldyen man nur allein durch
überwiegende Geiftesfrafte, erhabene Tugenden, und
bervorftechende Verdienffe zu den höchften Ebrenftellen
binauforingen, und es als eine Regel ohne Ausnahme ane
feben Eonnte, daf diejenigen, die mit dem frepen Wil.
fen des Volfs an der Spize deffelben ffanden, diefer ihe
rer Stelle aud) allemal durd die Größe ihres Geiftes
und Herzens werth waren.
Wenn man alfo zu einem
fol.
o
diefe wwahrfheinlich nicht erdichtete Sprüche der griechis
féen Weifen dazu genust bat, daB man die wahre Des
fhaffenheit des Unterrichts der älteften Zeit, und der
Lehren der größten Staorsmánner hat Eennen lernen;
"fo glaube id) niche,
daß man fonft noch beträchtliche
Bortheile daraus ziehen fónne,
1
Gie find alle zu une
beftimme und ju allgemein, oder auch zu vielen Nip»
deutungen und unridtigen Anwendungen ausgefezt,
als dag man fie als beilfame Xebensregeln empfehlen
der brauchen Ébnnte. Diefe Unbejtinmtheit, oder Viel:
dentigfeit, oder felbft auch Unvichtigkeit derfelben fiel
Thon mebrern (harffinnigen Weltweilen des Alterrdumg
auf, und einige diefer Sprüche wurden daher auch als
falfche Bemerkungen oder ivrefibrende Nathfchläge ber
ftritten. (Man febe den 2Ariftot, I, €.)
Pagina 48
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch, '
foldyen Anfehen gelangt, dergleichen bie griechifchen Weis
“fen erhielten, fo muffe man feinen Mitbúrgern mebr als
andere gedient, ben Menfchen mehr als andere betrad)=
tet, und über den Werth oder Unwerth von Dingen,
und die guten oder fehlimmen Folgen von Handlungen
häufiger als andere nachgedacht haben.
Die griechifchen
MWeifen waren daher auch in ihrem Zeitalter am meiften
geficft, weniger erfahrne und geübte Menfchen zu uns
terrichten, und nicht bloß am meiften gefchicft, fondern
fie muffen aud) vor allen andern geneigt dazu feyn. Denn
man magannehmen, baf uneigennizige Vaterlandsliebe,
oder Ehrgeiz und Rubmbegierde, oder irgend eine andere
felbfträchtige Seidenfchaft, fie angetrieben habe, fid) als
Gefesgeber, Magiftrarsperfonen, und Heerführer um ihre
Mitbürger verdient zu machen; fo mufte fie eben diefer
Patriotismus, eben diefe Rubmfude und Eigennüzigfeit
aud) antreiben, ihre vorziiglichen Renntniffe dazu anzue
wenden, entweder um ihren Beltgenoffen eine defto grö«
© fiere Ehrfurcht gegen fidy felbft einzuflößen, oder fie aud)
gu beffern und glücklichen Menfchen zu machen. — Gre
Sebten Eonnten aber nicht in feinen fharfjinnigen BemerEungen über das geheime Spiel menfchlicher £eibenfhaften, und die verborgenen Triebfedern menfihlicher Hands
fungen beftehn, indem die Menfchen damals noch niche
fo fúnfiliche, verwidelte und gufammengefe;te Mafdyinen
waren, als fie in fpätern Zeiten wurden, und Diejenigen,
denen man nuzen wollte,
fanden
batten;
dergleichen
fie muffen
nicht einmal vers
vielmehr Turze
bimbige
Sprüde,, einfältige Erfahrumgsfäze, frâfrige Ermafe
mungen zur Tugend, und nachbrücklidhe Warnungen vor
dem Safter feyn, die fich von dem gemeinfter Verftande
fajjen,
Pagina 49
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)faffen, und bem fémächften Gebächtniffe einprägen lies
Gen, die endlid) ihr Gewicht eben fomohl oder nod) mebe
dem Anfehen der Perfonen, von denen fie herrührten, als
ihrem Snbalte zu verdanfen hatten,
Sole Sprüche nun, waren nidjt bloß den griee
chifden Weifen, und ihrem Zeitalter, und nicht den
Griechen allein eigenthimlich, fondern fanden fid) aud)
unter andern Völkern unter ähnlicyen Umftänden. Es
ift feeylich nur fofratifher Scherz, wenn Plato *) feia
fich in
nen Sefrer fagen läßt, daf die älteften Sophiften
Völker
diefe
daß
Kreta und Sparta gefunden hätten,
alle übrige griedifche Staaten an Weisheit wie an fels
besübungen überträffen, daß fie aber Die erftere verftede
ten, um feinen Verdacht, oder nachtheilige Aufmerf
famfeit gegen fid) zu erregen; allein es it auch wiederum
reine, und mit den Ausfagen aller übrigen Schrifrftelfer
beftátigte Wahrheit, wenn Sokrates Hingufest, daß Pere
fonen bepderley Gefthledts in Œparta von ihrer erffen
Kindheit darinn gelibt würden, furse und Fräftige Ante
morten zu geben, und daß daher aud) der gemeinfte
Spartaner , der am wenigiten zu verfprechen fcheine, dod)
immer ein gefährlicher Feind fey, der einen jeden ane
dern Griechen , der fi an ihn machen wolle, durd die.
Zwifchen diefen
treffendften Einfälle zu Boden werfe.
auf welche fie
er,
Spartan
der
n
Cinfalle
und
en
Antwort
den Sprite
zwifchen
einen fo großen Werth festen, und
chen der griecifchen Weifen, fand Plato fibon eine große
Aehnlichfeit, und diefe AebnlidyFeit war nicht erdichtet,
wenn
#) In Prot, p, 295+
Pagina 50
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erffes Bud.
toenn er nicht fowobl die wisigen Spottreden der erffern,
und ihre beißenden Repartien, fondern vielmehr diejente
gen Apophthegmen im Sinne Batte,
die man als
Grundfäze ächtee Spartaner, und als Denfmäler der
Weisheit der Vorfahren den Nachkommen überlieferte *),
Solde Sprüche wurden von Männern, die den gried)ie
fhen Weifen ähnlich waren, in ähnlichen Abfichten aus»
gefprochen, und brachten aud) dbnlide Wirfungen
hervor.
Gleid) nad) dem Zeitalter der grieifdhen Weifen
folgte Hipparch, der áltefte und weifefte unter den S6b=
nen des Pififivatus, den Zußftapfen, welche die erftern
ihm vorgezeichnet haften **). Nachdem er nimlid) die
Gedichte des Homers nach Athen gebracht, und Rapfos
biften beftellt hatte, tveldje fie fingen muften, nachdem
er ferner den Anafreon und Simonides als göttliche feb
rer durch die alänzendften Belohnungen nad) Athen gezos
gen, und mit ihrer Hilfe die Einwohner der Stade ges
Hildet hatte; fo fuchte er aud) die noch rohen Sanbleute gu
beffern und aufzuflären. Er ließ daher, an den difentlte
chen Plájen und Straßen der Stadt, Gaulen oder Here
men errichten, und diefen Hermen im elegifchen Sitben«
maaße abgefaßte Sittenfprüche eingraben, damit fie von
den Sanbleuten, wenn fie zur Stade fämen, gelefen,
und
®) Dies erhellt aus der großen Menge von Apophthegs
men, die Plutard, oder cin dem Plutard) gleichzeitie ‘
ger Schriftitelier nod) zufammen bringen fonnte.
Diefe
fpartanifchen Don Mots und Einfälle find aber eben fo
wenig alle alt und ddt,
als diejenigen,
griebifhen Weifen zusignet,
°°) sgasa Ds 234
dis man den
Pagina 51
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)und von biefen wiederum ihren Hausgenoffen und Mad)»
baren mitgetheilt würden, Plato far uns mehrere dere
felben aufbebalten, die ganz im Geifte der Weifen ges
dacht und ausgedrückt find +),
Was unter den Griechen die Weifen waren, bag
waren uater den Römern die Cioudier, Ecävela’s,
Geipionen, Meteller, befonders Caro und Morimus,
Diefe fafiten, eben wie die erftern, ihre wichtigen Erfabe
tungen, und die darüber angeftellten Berradrtungen in
Eurzen allgemeinen. Sägen zufammen, die ganze Jahre
Hunderte nadber nicht nur der Jugend eingeprägt, fone
dern auch vor dem Volfeund im Senar als die Stimmen
der Weisheit
und Tugend angeführt wurden ++). Der Cenfor
Cato mar unter allen Römern an foldjen Eprücyen, wie ars
wisigen Einfällen und Gegenantworten am reichiien, und
er war andi der erfte, der Sende aus dem Altesthum fame
fete.
Wenn man die Ueberbieihfef der alt. rémifchert
Weisheit, die im Cicero, Plinius und Waferius Marie
mus gerfirene find, auffuchen molite; fo würde man ges
wißeben fo viele, unt aud) eben fo vortrifliche Genans
Een finden, als den griethifchen Weifen gugerignet werden,
D 2
Wenn
%) sesyedixaie Peovov. — est de ray mom
Toy xo AA ev wAANıS ¿euois TOAAG nou
nara emıysysaneva. ess de nous dn veto em
Tu sesenaun cow. ev © Meyer pyquo To à im
Taeg. un Pidov eLamara. InEexs.lc,
#9) Man fehe Val, Maxim. VIT. 2 & Cicer. de Amir. c. 2,
Multa eins (Catonis) & in fenatu $ in foro vel pro.
vila prudenter, vel ada conftanter, vel sefponfa
acute ferebantur,
Pagina 52
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Exftes Bud).
Wenn id) nicht glaubte, daß die bisher angeführs
ten Benfpiele binreichten, den rechten Gefidjtspunct zu
beftimmen, aus weldem man die Sprüd)e der griedi»
foen Weifen anfehen muß; fo würde id mid) nod) auf
die falomonifchen Sprúd)e, und andere ähnliche Werke
morgenländifcher Nationen berufen.
Allein was ich ges
fagt habe, iff fdjon genug, um zu beweifen, daß Furze
faßliche Sprüche gleidyfam die Erfilinge
des Madhdenfens,
und des Beobachtungsgeiftes unter ganzen Völkern, und
die Vorläufer wiffenfchaftlicher Renneniffe find *).
Viel eigenehümlicher als die Sprüche felbft, fcheine
bie Art gewefen zu feyn, wie die griechifchen Weifen fie
zu erhalten, und auszubreiten fuchten. ie heiligten fie
námlid) dem Apoll zu Delphi, und ließen fie in den Vore
böfen, und an den Eingängen feines Tempels eingra«
ben **), to fie noch bis auf die Zeiten des Paufanias
gelefen wurden. Allein auch bierinn Batten die griechifchen
Weifen in ihrem Waterlande fomobi ihre Vorgänger als
Nachfolger,
und auch unter andern Völkern trift man
ähnliche DBenfpiele und Gewohnheiten an,
Unter den
Griechen legte man fon von ben alteften Zeiten nicht
nur Denfmáler merfwirdiger Begebenheiten und großer
Thas
*) Die meiften alten Sprid)wórter in allen Spraden rife
ren von Männern her,
die den griechifchen Meifen
ábnlid) waren, und wurden erft Spridmwirter, nache
dem man die Nabmen ihrer Urhebcr vergeffen hatte.
Saft eine jede Gegend, ein jedes Dorf, ja eine jede
Familie erhate gewiffe Sprüche von Männern, die in
ihrem Leben, megen ihrer befondern Klugheit und viele
jährigen Erfahrung, berühmt waren.
**) Plat, in Protag, p. 295, und Paul, X, 24. c, 857. po
Pagina 53
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Thaten,
nidjt blog Gefese und Verträge von Staaten,
fondern aud) wichtige Werke, Beebachtung und Erfins
dungen in bem Tempel irgend einer Gottheit nieder, theils aus andächriger Danfbarfeit gegen die Gstter, von wele
den man alle guten Gaben ableitete, theils aber aud)
um nüzlichen Werfen und Entdecfungen ein größeres Ans
feben, eine längere Dauer und ausgebreitetere Nüzlichkeit,
wie dem Erfinder defto fchneflern und größern Nuhm zu
verfihaffen,
Alle diefe Swecfe, befonders aber den leztern
fonnte man vor der Gewohnheit, Meifterftücke der Kunft
und des Genies den bey Olympia oder an andern Spies
len verfamleten Griechen vorzulegen, auf feine fiderere Art
erreichen, als indem man fid) mit allem, was man ers
halten, oder befannt gemacht wünfchte, an ben Tempel
irgend einer weißagenden, oder heilenden Gottheit wandte,
nach welchem täglich aus allen Theilen von Griedyenland,
und felbft aus fremben Sindern, ‚ganze Schaaren von
Pilgrimmen zufammen floffen, die fic) alle Seltenheiten
und Merfmardigfeiten der heiligen Derter zeigen und ers
fláren tießen.
Aus einer, oder einigen, oder allen von
mir angegebenen Urfachen beiligte Palamedes die von ihm
erfundenen Würfel der Fortuna zu Argos, und ein gee
miffer Alerander ein Pfalterion, mas er verfertigt hatte,
und für fein vortreflichftes Werk hielt, der Diana zu
Ephefus*).
Eben biefer Göttin widmete nachher
Seraflit fein Werk über die Natur der Dinge,
fo wie
alle Genefende, die ihre Gefundbeit bem Aesculap fu.
dig zu feyn glaubten, die Gotterfije deffelben mit Täfel:
chen anfüllten, auf melden die Heilmittel angeseigt ra»
*) Pauf.Il,20, Athen. IV, 29,c, p.183,
Pagina 54
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Exftes Bu.
ren, wodurd) fie von ihren Krankheiten und Uebeln was
ren befreyt worden ®).
Unter den Ausländern tibergab
Hanno, wenigftens
einer grieifden Sagenach, feine Era
zäblung von der Umfchiffung von Africa den Prieftern
tes Saturn in feiner Warerftadt **), und in Rom tief
Decimus Brutus Verfe feines Freundes Accius in alle
von ihm errichtete Tempel und Monumente eingraben ***),
Auch unter den Arabern des fechften und fiebenten Fahre
Hunderts rourben diejenigen Gebichte,
bie den größten
Deyfall des Volfs und der Gefhmaesrichter empfangen
hatten, mit goldenen Buchftaben auf Seide gemalt, und
im Tempel zu Mecca aufgehängt +).
Sntem alfo die griechifchen Weifen ihre Denks
fprüche nad Delphi fwicten, folgten fie bloß einer alten
Eitte, die auch noch lange nad) ihnen gebräuchlich blieb;
und indem ihre Gedanken über dem Eingange des Teme
pels des Apollo eingegraben wurden, erhielten fie eine
Ehre, die vielen vor ihnen, und auch nach ihnen, fomobl unter
den Griechen als andern Nationen aus ähnlichen Urjachen
ergeigt wurde, oder erzeigt worden war. Eben diefe unter den
Orieden mehr als unter andern Völkern allgemeine Gee
mobnbeit, große Werfe, Erfindungen und Denfmáler
merfwürdiger Handlungen und Begebenheiten den Gite
tern zu widmen, mar-der Grund, warum die Priefter in
den älteften Zeiten faft die einzigen Bewahrer und Befiger
#) Strab. VIII, 575. & ib, Cafaub,
#*) Men fehe Holft, Notae ad Porph, vit, Pyth, p 98,
Ed
Rom.
298) Cicer. pro Archlac. IJ, Val. Maxim, VII, 14,
+) p. 7. Richardfon's Differtation on the litterature, Lane
guages and Manners of Eaftern Nations,
Pagina 55
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)zer nüzlicher Renntniffe, und der älteften Befchichte und
Ueberlieferungen waren, und warum die berühmteften
“Gitterfize fo fleißig von den erften Weltweifen, Aergten
und Gefchichefchreibern befucht murder. © Pythagoras
wandte fid) alfenthalben an die Priefter und Priefterinnen,
daß der famifche Welt
und fetft Ariftorenus erzählte,
weile einer Priefferinn zu Delphi vieles zu danfen hätte *).
Herodot empfieng gleidjfalls viele alte Sagen, beforders
über die Gefidte der Gorter und Religion in Dodona
und andern geweihten Plägen,
und Sippofrates fol
einen großen Theil feiner Wiffenfhaft aus den Heilmite
tein gefchöpft haben, die er im Tempel des Aesculap zu
Kos vorfand **),
Eben fo merfwirdig als die Sprüche der Weifen,
iff der Gefchhmad an Ratbfeln und Griphen, mit deren |
Erfindung und Auflöfung fid) unter den griedifchen Belo
fen ***) vorzüglid Bias, Kleobulus und deffen Tochter
Kleobulina oder Eumetis, und unter den ältern Dichtern
Sappho, Achilohus, Gimonides und Theognis befhäftige zu haben feinen.
Mad) den Ueberbleibfeln zu ure
thellen, die am meiften das Gepráge des Alterthums
an fid) ragen, und von den angeführten Echriftftellern
dafür ausgegeben werden, waren die Käthfel, modurd
die Weifen Griechenlandes fid) geoßen Ruhm erwarben,
entweder unbeflimmte Fragen, die auf mannigfaltig
richtig fheinende, aber nur auf eine einzige treffende Art
|
4
Beant.
_
©) Die Stelle verde id) unten mit mehrern andern anführen,
es) XIV, 972.
99%) Athen, X. 15. bis ans Ende des Buds.
Diog. I,
69. Au& conv, Sap, inter Oper, Plut, VI, 569, u. f.
Pagina 56
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch,
beantroortet werben fonnten,
ober es waren aud) Bee
freibungen, die beym erften Anblide auf gar feinen
mirflien Gegenftand, bey näherer Unterfuchung abet
auf viele Gegenftände' anwendbar fdjienen, aber doch ima
mer etwas unerflärtes übrig behielten, bis man auf die
Sache fiel, die gemennt, und deren Merfmale auf eine
Man
vermirrende Art angegeben worden waren *),
in freund«
Graudhte fie nicht bloß an Gaftmälern “*), oder
foaftliden und feftlichen Zufammentúnften, als Mittel
der
#) Die Erklärung eines Näthfels vom Kleard) beym Athendus (I, c. p. 498) iff viel zu enge,
Griphen,
und paßt nur auf
wie man fie zu feinen Zeiten hatte,
und
brauchte. yesPos (fagte et) meoßAnun ess maısıKov, Meosanrınov TE die Cyryncews éugew TH
davor Fo reoBAnSev, TINS n EIN
AB Kove
esenpevov. Die meijten Näthfel, die Diogenes und
der Verfaffer des Gaftmals der fieben Weifen anfühs
ren, fcheinen alt zu fepn, und ftimmen mit denen
überein,
die thenáus S. 451 und 453. ane
führt.
Sd)
fege
OEARIOTATOS
yesPevew
nur
fury
folgende
Worte
per:
BESS AoysKos YerDos, Kas TS Te
Qurews CIKELOTATOS,
TI mavres E
exisceperos Ödwoxouev; nou Ts Tauro Bde
HK TAVTANE}
KAI TECOS TETOUS,
sv Bediw Kos Em Yns,
Th TAUTOY
Koes ev Sorarrys
u. fi 1.
| #) Sleard urtheilte febr richtig, tvenn er beym Athenáus
(©. 457.) fagte: Tav ye:Pav i Cyrnois 8x Ao.
Tee PihocoPias ess Kets è Fadeso THY TIS
mroudeies codes És ev veros emogvro.
itrte aber gewiß, wenn er Bingufezte:
Et
meo [3mA-
Ac) Yag FAQ TES TOTES, EX WTTEE cs vuy eeu
Pagina 57
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)ber Unterhaltung, und als Ermecfer der FroplichEeit,
fondern die weifeften und vornehmiten Perfonen, feibft
Könige legten fie fich einander vor, um geqenjeitig ihren
Stharffinn auf die Probe zu ftellen. Eine glücdtiche Aufe
löfung berfelben murde für ein fiheres Merfmal von
Weisheit gehalten, und überdem noch. wie es fibeint, in
den meiften Fallen durd) anfebnliche Gefdrenfe und Preife
beloßnt, fo wie aud) wiederum das Befenntniß, borges
legte Griphen nicht entratbfeln zu fónnen, aufer dem
Befenntniffe in einem Kampfe tes Genies überwunden
zu feyn, faft immer eine beträchtliche Gelübuße, oder
So reifte eine Róniginn
andere Strafe nach fic) 309.
um die Weisheit
hinauf,
Serufalem
aus Arabien nad)
des Röniges Salomo, beffen Nubm durch alle unliegende
Sie
Sander erfcholfen war, auf die Probe zu fegn.
legte ihm allerley Marbfel vor, und als der ifraelitifhe
König diefe glücklich aufgelöft hatte, ließ fie eine Menge
von Roftbarfeiten,
mwobrfdeintid als den Preis der bes
tune
5
TOYTES HAANAKS, TiS TOY AQeodioscessxeov ouve
duacpov, n 715 4 mois 1x vs noises 4 TIS cone
pouorares. Die Aufgabe und Auflfung von Rath
feln wurde erft fpäter unter die Deluffigungen der Ta:
fel aufgenommen.
-Man belohnte den glicéliden Na:
ther durd) Kränze, oder lauten Depfalfs
der ungfüd:
fiche Hingegen mußte einen Becher reinen ungemifchten
Weins austeinfen (Clearch. ap, Ath.
ec.) —
Biel
fonderbarer it cs, daß drey famifche Siungfrauen an
den Seften des Adonis vorgelegte Griphen in Werfen
aufibften.
Die Beyfpiele, die Achendus anführt, be:
weifen, daB diefe Fefte des Adonis in Samos ausge
faffener, als die Bacchanalien unter den Römern iva:
ven. (451. ©.)
Pagina 58
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)twundernswürdigen Fähigkeit des großen Nathers, zus
Außer den Griechen, Aeanptiern, Arabern,
Sfracticen (deinen auch die älteften Skythen Käthfel für
Probierfteine von Weisheit gehalten zu haben.
Denn
als Darius Hyftaspes auf feinem unglüclichen Zuge wis
der fie den dufierfien Mangel an $ebensmitteln zu leiden
anfieng; fhiekten fie ihm einen Vogel, einen Frofdy,
eine Maus und ein Bund von Pfellen, mit der Mache
richt, daß die Perfer, wenn fie weife wären, die Bes
deutung diefer Gegenftände erratben möchten. Der Rós
nig felbft glaubte darinn ein Befenntnig zu finden, daß
die Sfyrhen fic) unterwerfen wollten, allein Gobrias,
der weifefte unter den Derfern, fegte den Sinn ber Feinde
ganz anders aus. Er überzeugte ben Darius, baß die
Sfythen ibm drobten, daß er famt feinem Heere ihren :
Pfeilen nicht entweichen würde, menn er nicht wie ein
Grofd im Waffer (dwimmen, oder wie eine Maus ficy
in die Erde verfriedjen, oder wie ein Vogel durch die Luft
fliegen Fönnte **),
So fehr aber auch biefe Gleihfôrmigfeit des Ure
theils fo vieler Bôlfer,
die zwar der wiffenfdjaftlicjen
Ausbildung nicht gleih nahe, aber doch (chon alle weit
von der Gedanfenlofigfeit wilder Nationen entfernt was
ten, die nicht nad) Grundfäzen, fondern nad) augens
blidlidien Cinfallen und gegenwärtigen Œinbrücen Hane
dein, fo fehr diefe nun aud zu bemeifen fdeint, daß der
Hang zu Rathfeln unter folhen Umftänden, in melden
die Griechen fg im Zeitalter der fieben Weifen fanden,
¥) 1%. d. Könige 10 Cap.
**) Herod, IV. 31,
Pagina 59
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)dem Menfchen ganz natürlich fenn müffe; fo wentg weig
ich mir ihn doch auf eine befriedigende Are zu erflären,
Die Erfindung und Aufisfing von Rátbfeln feze alfere
dings allemal einen gemiffen Grad von Scharffinn vore
aus,
von dem man es fit leicyt vorftellen faun,
wie
man ihn in Zeiten, wo man Geiftesfrafte, und ihre Un:
zeigen richtig zu fetsàzen nod) garnicht gemohne war, über
alles Maaf beinundern Fonnte; aber fewer gu begreifen
Bleibt es doch immer, wie man den Grad der Fähigkeit
ober Unfähigkeit, leichte und Flare Sachen zu verdunfeln,
und vorfezlic) verdunfelte aufzuklären, als einen Maas»
ftab der Weisheit und des wahren Genies annehmen
Fonnte, Die Erfahrung, fcheint es, mufte die Men.
fhen bald lehren, daß die Fertigfeit Machel zu finden
und aufsufelieGen,
mehr die Wirkung einer gemiffen
Uebung, alb einer ungewöhnlichen Vortreflid)feit der
Verftandesfräfte fey, und daß daher mitrelmáfiige und
ferbft [hlechte Köpfe es in diefem Puncte ungleid) größern
fehr weit zuvortfun Eönnen +),
Schon unter den Griechen waren mehrere Schrift.
feller, melche die Rarbfel der griechifchen Weifen und
anderer alten Wolfer mit der Epradje der alten Did)»
ter, ihren Bildern und Allegorien und mit ben Symbofen des Pythagoras für einerley oder doc) fehr genau dere
mande hielten **),
Allein diefe verwechfelten Dinge,
die
#) Lacherlid) wäre es, wenn man hieraus den Schluß ziehen
wollte,
daß meiner Meynung nac) nur mittelmäßige
Köpfe fehr glüclih, und alle Männer von Genie'un:
glücklich in der Erfindung oder Auflöfung von Räthfeln
feyen.
#*) p. 451. 52. Athen, Le,
Pagina 60
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Cites Buch.
die wefentlich verfchieden find.
ter von Volfern,
Alle Völker und Did:
deren Sprachen nod) arm, oder nod)
wicht genug ausgebildet find, drücken häufig Gegenftände
mit den Wörtern oder durch die Eigenfchaften anderer
aus: das heißt, fie reden in Bildern, Ofeidiniffen und
Allegovien.
Allein fie thun diefes niche in der Abfiche,
um fid) vorfezlich unverftändlich zu machen, und die Ges
dutd oder die Gabe Gebeimniffe aufzufchließen in ihren
Sórern oder fefern zu prüfen, fondern entweder weil fie
für das, was fie fagen wollen, Feine eigentlid)e Aus:
drilcfe finden, oder doch durd) eigentliche Wörter nicht fo
ftaré und Fraftvoll ausdriden Fónnen, als fie gerne mód)s
ten.
Die DRarbfelerfinder hingegen unter den Weifen
widelten das, was fie febr gut deutlich hätten fagen fone
nen, in eine Menge täufchender Decker oder Knoten ein,
von denen fie minfehten, daß fie eines jeden Scyarfjinn
unauflöslich bleiben möchten.
Der Gefhmadan Rathfeln verlohr fich nicht gleich
mit dem Zeitalter der fieben Weifen,
fondern nahm
vielmehr zu.
Allein er befam eine ganz andere Niche
tung, als et urfprünglich gehabt batte.
—Unfiatt da fie
ehemals eine wirflide Befhäftigung der ernfibafteften
und weifeften Manner gewefen waren, wurden fie in der
Folge bloße Ergözung, von der man aber fagen fann,
daß ihr Fein Volf allgemeiner, länger und in einem hoe
bern Grade nad)gebangen habe, als die Griechen.
Es
waren nad) Klearchs Rechnung *) fieben Arten,
mit
denen man nid)t nur an Gaftmalern,
fondern an Ses
flen,
*) p.448. « 16, Athen.
Pagina 61
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)ften, und fogar auf Grabfriften fpielte.
Die größten
Dichter fangen Râtbfel, und viele Schriftfteller +),
des
ren Nahmen man beym Arhenäus nachlefen fann, seid.
neten ihre Gefhichte auf.
Zu den Zeiten diefes Same
feré aber waren fie {don verfd)munden, und hatten
Tifchreden Pla; gemacht, die weniger Anftrengung ere
forderten , aber der fhaamlofen Berderbniß und Ausge
laffenheit der Sitten angemeffener waren.
Wenn nun foldye Männer, dic fic) mie die qriedyie
fehen Weifen durch RKenneniffe, Verdienfie, und befor:
ders durd) Staatsfunft fo fehr von ihren Zeitgenoffen
unterfchieden, unter einem jeden andern Volfe mit dem
Titel der Weifen wären beebrt worden; fo -würde man
Feine Urfache haben, bierinn etwas fremdes oder fonderba=
res gu fuchen. Sn Griechenland aber war diefes um deffo
weniger zu verwundern, indem das Wort Weife unter
den Griechen fowohl vor als lange nad) bem Zeitalter der
Männer, die diefen Ehrennahmen erhielten, bey weis
tem nicht fo viel fagend war, als er jezo unter uns ift,
und aud) (pater unter den Griechen wurde.
Weife war
mit gefchicét und erfahren völlig gleichbedeutend, und man
nannte baber nicht nur alle gute Dichter und Riinftler,
fonbern auch alle gefchicfte Handwerker, und felbft erfapre
ne Schiffer und fandleute weife Männer **).
Unter feis
nem:
*) Athen. Le,
2°) Ueber die Bedeutung der Wörter coos, coPisys, DiNocoPos,
und deren Veränderungen, ferner über
die Veranlaffungen zur Benennung der fieben Weifen,
über ihre Zahl, Gaftmäler, und das Anfehen des Giafte
mals der fieben Weifen, febe man die Fünfte Beylagy
die-man am Ende diefes Buchs finden wird,
Pagina 62
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch,
nem Volfe alfo ¡ft es weniger auffallend als unter den
Griechen, daß verebrungemwürdige Däupter oder Ratha
geber und Lehrer von Staaten vorjugsmeife fo genannt
wurden.
Um aber das Natürliche biefer Erfcheinung nod)
mehr zu begreifen, darf man nur die Gejchichte anderer
Nationen in ähnlichen Zeitpuncten, uid befouders vie der
Römer zu Mathe ziehen.
Dieje Erdbezwinger waren
toährend des zweyten punifchen Krieges, noch mehr aber
zroifchen dem Schluffe deffelben, und dem Unfange des
dritten, in einer Sage, die von der Sage der griedsifchen
Städte in Afien im Zeitalter der Weijen nicht fehr vers
(chieden war.
Die Sitten ner Romer waren nämlich
nod) foft ganz unverdorben,
und die ächten römifchen
Tugenden nicht nur ungefbwädt, fondern aud in der
höchften Spannung, die fie unter dem erhabenften Wolfe
ber Erde jemals erreicht haben.
Mäßigfeit, Ent
Haltfamfeit, gewiffenhafte Nedlid:feit, und Einfalt in
Wohnungen, Gerdthe, Epeifen, und Ergóyungen mae
ten nod) ganz gemeine Tugenden; und Würde des Reichs,
und die Majeftät des römifden Nabmens, nicht aber
perderblicher Ehrgeiz und Geminnfucht feiteten die Vater
des Volfs in ihren Enrfartefungen, und trieben ihre
Heerführer und fegionen unwideriteblich über alle Gefahe
ren und Feinde bin.
Ungeachter man mit reiten Nas
tionen gekriegt hatte, und batd nachber eben diefe und nod)
andere reichere Völker und Rômge übermand; fo wurde
doch die unermeflide Beute, Die man gewann, nicht
einigen rduberifdyen Feldherren, und ihren gierigen Nots
ten zu Theil,
fondern wie anverrraure Heitigthimer in
die Sdpazfammer des Staats geliefert,
Die größten
Hele
Pagina 63
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Helden, die die Nepublif bereichert hatten, und ihre Far
milien, tearen entweder wirflid) arm, oder doch nur
tooblbabend, und das Vermögen, was fie befaßen, mar
nicht durch Gewaltthatigfeiten und Diebereyen, fondern
durch Fleiß und Sparfamfeit errungen, Sn diefem
Zeitalter nun,
auf welchem der Freund und Verehrer
menfchlicher BortreflichFeiten mit berounderndem Erftaus
nen vermeilt, erhoben fic) Männer, dle in einem langen
zum Dienfte des Vaterlandes in allen Arten von Aems
tern und Gefdaften hingebrad)ten £eben die nüzlichften
Erfahrungen fluger Hausvater, meifer Senatoren und
gliilicyer FeldHerven gefamlet hatten, und mit der Rechte
fHaffenbeit guter Bürger eine genaue Kenntnif der vatere
ländifchen Rechte, Religion, Gefchichte, und alles deffen
verbanden,
was damals
nur miffensmirdig mar *),
Dergleichen waren ©. Aelius, M. Manilius, der ältere
Graffus, T. Coruncanius, M, Cato, Cac, Metellus,
M, fepidus, Marimus, Pauilus, und andere, deren
Nahmen man im Cicero findet **),
Diefe Haupter bes’
Volks, weit entferne, den lezten Theil ihres febens in ele
nec unrübmliden geniegenden Mufe binzubringen, ree
gierten durch ihre Klugheit und Anfeben den Staat, und
erlaubten einem jeden, daß er fie entweder zu Haufe,
!
oder
#) Equidem faepe audivi (fagt Craffus bepm Cicero III. de
orat,) de patre & de focero meo, noftros quoque
homines, qui excellere fapientiae gloria vellent,
omnia quae quidem tum haec civitas noffet, folitos
effe compleéti, — Ueber den Marimus und Cato
tverde ich gleich nachher Stellen anführen.
#¥) Man febe Cis, de Sen, 17. <, de Amic, 2, & 5, de oras,
Pagina 64
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)>. 1 Erfte8 Bud,
oder auf dem Goro, wo fie defimegen zu gemiffen Zeiten,
fpazieren giengen,
zu Karhe ziehen fonnte
*),
Man
frug fie nicht nur über zweifs'hafte Nechtsfälle,
fondern
auch über häusliche Angelesenheiten;
über die Verheis
rathung von Kindern, den Kauf oder Verfauf von Haus
fera oder Gütern, und über die befte Art feine Nedfer zu
bauen und zu benuzen.
ie waren fters mit Haufen
der edelften Jinglinge umgeben, die man nicht blof in
der Mbfid)t zu ihnen führte, um von ihnen zu Nechtsges
tebrten und Nebnern gebildet zu werden, fordern um |
durch ir Benfpiel zu guten Bürgern, durd ihre Ere
fabrung, $ehren und Anfeben zu meifen und tugenbhaf:
ten Männern, und durd ihre Handlungen zu großen
Thaten ermeeft und gereizt zu werden **).
Auf diefe
Uma
Ure bitdere fic) der Cenfor Kato in dem verfrauten
gange mit bem I. Marimus, dem Erretter Roms, der
ben Hannibal ermübdete, und feine Heftigfeit zuerft brad),
der feinen Zeitgeneffen chen fo fehr an Renntnif des
Staats und des Aiterthums, als an feldherrifchen Tua
genden, Stärke der Seele und Erhabenheit des Geiftes
über die abergläubijhen Worurtheile feines
Volts
über«
—
#) ©. die vicrte Beylage,
welde am Ende des Abfchnitts
angehängt tirò,
ex) Cic. de feneét, c.Q.
Quid enim eft jucundiús fe.
neÑtute, ftipsta ftudiis juventutis? Anne eas qui* dem vires feneétuti relinguemur, ut adolefcentulos
doceat, inftituat, ad omne officii munusinftruat 2 quo
quidem opere quid poteft effe praeclarius? Mihi
vero Cn, & P. Scipiones, & avi tui duo, L. Aemilius $e
P. Africanus comitatu nobilium juvenum fortunati
videbantur,
Pagina 65
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)f So wie Cato bas Mufter des Marimus
übertra*).
ftets vor Augen gehabt, und zu erreichen gefucht hatte;
fo wurden er wiederum und die benden Scipionen Beye .
foiele für andere, und biefe drey außerordentliche Máne
cher
ner muß man vielleicht für die legten £ebrer römif
,
Tugenden, oder wie die Schriftfteller diefes Volfs ‘agen
e
nbifh
auslä
sömifcher Künfte halten, die bald durch
Alle
Kenntniffe und Wiffenfchaften verdrange wurden.
diefe
#) de Sen, 4.
Ego (fagt der ältere Cato) Q. Maximum,
cum, qui Tarentum recepit, adolefcens ita dilexd
fenem, ut sequalem,
erat enim in illo viro comi
tate condita gravitas: nec feneétus mores mutaverat, — Cumque eo quartum confule adolefcentulus
miles profectus fum ad Capuam, quintoque anno
poft ad Tarentum quacftor: — — — hic & bella
gerebat, ut adolefcens, cum plane grandis effet: &
Hannibalem juveniliter exfultantem patientia fua molliebat: — — — Nec vero in armis pracftantior,
quam in toga: — — — augurque cum effet, dicere
aufus eft, optimis aufpiciis ea geri, quae pro rele
ublicae falute gererentur:
quae contra rempublicam ferrentur, contra aufpicia ferri.
Multa in eo
viro praeclara cognovi: fed nihil eft admirabilius,
quam quomodo ille mortem M. filii tulit, clari viri
& confularis, eft in manibus laudatio: quam cum
legimus, quem philofophum non contemnimus? Nec
vero ille in luce modo, atque in oculis civium
magnus; fed intus, domique praeftantior,
Qui fermo? quae praccepta? quanta notitia antiquitatis?
quae fcientia juris augurii? multae etiam, ut in ho»
mine Romano, litterae,
Omnia memoria tenebat,
non domeftica folum, fed etiam externa bella: cujus
fermone ita tum cupide frucbar, quafi jam divinarem jid,
quod evenit,
difcerem, neminem,
illo exflindo, fore,
unde
Pagina 66
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)+ Erftes Bud.
diefe großen Romer nun, die gleich den griechifchen Weir
fen in ihrem blühenden und reiferem Alter dem Staate
in Srieden wie im Kriege gebienet hatten, und als Greife
nod) durd) ihre meifen Nathfchläge ihren Mitbürgern und
durch ihre Ermahnungen und Benfpiele der Jugend nz
lich zu werden fuchten, erhielten vom ganzen Volfe, was
fie anbetete, oder aud) fürchtend verehrte, den Mahmen
der Weifen *), und man muß aus diefem Detragen der
Romer und der Griechen fließen, daß alle Volfer in
ähnlichen Fallen eben fo gehandelt haben, oder dod) Hane
dein würden,
Wenn
®) Cic. de Amic, 22,
Sunt ifta, Laeli, nec enim melior
vir fuit Africano quisquam, nec clarior, fed exiftimare debes,
omnium oculos in te effe conjeétos:
unum te /apientem & appellant & exiftimant, Tri.
buebatur hoc modo M. Catoni. Scimus L, Atilium
apud patres noftros appellatum effe fapientem, Sed
uterque alio quodam modo: Atilius, quia prudens
effe in jure civili putabatur: Cato, quia multarum
serum ufum habebat, — Propterea quafi cognomen
jam habebat in fene&ute fapientis, — Undc. 5. Nos
autem ea; quae funt in ufu, vitaque communi, non
ea, quae finguntur, aut optantur, fpectare debemus.
Nunquam ego dicam, C, Fabricium, M.Curium, T,
Coruncanium, quos fapientes noftri majores judica.
bant, ad iftorum normam fuiffe fapientes. Endlid
€, 17, de feneét, Apex autem fencétutis eft AuÉtoritas.
Quanta fuit in L, Caecilio Metello? quanta in
Atilio Calatino? in quem illud elogium unicum: plusimae confentiunt gentes, populi primarium fuiffe
virum,
Notum eft totum carmen, incifum in fepul.
ero, Jure igitur gravis, cujus de laudibus omnium
effet fama confentiens. Quem virumP. Craffum, nuper
’ pontificem maximum, quem poftea M, Lepidum eodem facerdotio praeditum vidimus? Quid de Paulo
aut Africano loquar? aut ut jam ante de Maximo?
Pagina 67
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Wenn die griehifchen Weifen allein um ihrer
Sprache und Gedichte willen ihren Ehrennamen erhalten
Hatten; fo würden fie diefen Titel wahrfcheinlich mit den
Sefrdicjtern haben theilen müffen, die in oder Furs nad)
ihrem Zeitalter lebten, und unter weldjen außer deny
Solon, Aefop, Mimnermus, Theognis, Pbhofylives
und Simonides die berühmteften waren, Die ernfthafs
ten Gedichte diefer fogenannten Gnomifer haben mit den
Spriichen der Weifen fomobl in Anfehung ihres Aus
druds, als ihres Ynhalts eine auffallende Aebnlichkeit.
Gore Sprache unterfcheidet fid) von fhlichter Profe faft
ganz allein durch den abgemeffenen Numerus *) und iff
durchgehends fo einfaltig, Funfilos und Belle,
E 2
daß fie
¿2 - andy
*) Yeh finde im Athendus über den Rythmus der alten Gnos
mifer eine Stelle, die id, entweder nicht verftche, oder
die and mehrere Unvichtigteiten enthält,
Diefer
Schriftfteller fheint nämlich zu behaupten, daß Homer
deßtwegen nachläffiger in der Beobachtung des Gylbene
maafes, und im Versbau gemefen fey, weil feine Gee
dichte gefungen worden, und daß hingegen Solon und
andere Lehrdichter mehr für die Nichtigkeit der Bersart
geforgt Hatten, weil fie ihre Elegien nicht zum Sin:
gen, und für mufikalifhe Snftrumente anegearbeitet
Hatten,
Beyde Behauptungen find eben fo fonderbar,
als es falff it, daß die Werke der alten Gnomiker
nicht gefungen worden find. Plato bezeugt im Anfange
feines Timäus, dag man die Gedichte des Golon und
anderer Gnomifer in Athen, an gewiffen Geften abges
fungen habe, und Athendus felbfE evzahlt, daß fogar
die Gefeze des Charondas in Athen vormals an Gaftmálern waren gefungen worden (XIV. 3.619.)
Die
Morte des leztern Schriftftellers,
die mich zu Diefen
Bemerkungen veranlaft haben, fteben im 14 Bude im
adjten Capitel und lauten fo: ors de EOS THY 8OSan
Pagina 68
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch,
aud) einem unausgebildeten Verftande Feine Schwierig:
feiten machen fonnte, Shr inhalt befteht entweder in
allgemeinen Klagen über die Bosheit und das Elend der
Menfchen*), über die Kürze und Zlüchrigfelt des menfch.
lichen febens, über die Sreudenlofigfeit des Alters, und
über die Schande und Bitterfeit der Armuth **), oder
in Erhebung des Reichthums, befonders deffen, der auf
eine gerechte Art erworben worden ***), oder in allges
meinen unbeftimmten Empfehlungen von Tugenden, vor¿lglid) derjenigen, die in jenen Zeiten am nüzlichften und
nothwendigften waren, der Eintracht, Tapferfeit, Was
terlandsliebe, Mäßigkeit, der Vorfiht in der Wahl
von Freunden, und der Treue in Sreundfchaften, Eiden
und
any oxewrare Öenewro of ergyyasos, dnAoy de
eE Opece, 05 die To peperoromueras Treacy
ÉLUTE THY Tomos aPeovrisi TES TOAARS 0ME=
Pañss mous sixgs, nai Anyuess, eri de
pessess. ZevoDavys de nots ZoXoy noes Deoyyss,
mos Dour dns, eri de TMegiardeos o Kogs91os
ENEYELOZOLOS, Ke THY Moov of Mn FLOTA YOY=
TES TOS TO TOMporo perodiay, enzroveci TES
SONES Tos ae pois Koes Th Tes TOV ergo,
Hoi CKOTEII,
0705 AUTUY pnders ameQodos
eso punte Auyagos,
punte perggos.
Cicero
urtheilte von den Verfen des Kenophanes und Parme:
nides, was den Wohllaut derfelben betrift, vichtiger Ac,
Quaeft. IV, 23,
Parmenides, Xenophanes minus bo.
nis quanquam verfibus, fed tamen illis verfibus inerepant corum arrogantiam ke,
*) Theng. 65. 90.
**) Theog. 6. 21. 649. Y.
685) 1113, 1152, id,
Pagina 69
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)und Verträgen *), oder enblid) in frommen Betrachs
tungen über die Macht und den Einfluß der Götter: daß
nämlich alles Stück und Unglic, alle Weisheit und Tue
gend von den unfterblichen Göttern berfomme und ab.
hänge, daß fromme und tugendhafte Menfchen von ihnen
geliebt, undboshafte und gottlofe unfehlbar, wenn gleid
bisweilen (pat, geftraft werden **), Diefe und ähnliche Allgemeindrter machen den Hauptvorwurf der Lehre
gedichte des arhenienfifchen Gefesgebers, wie feiner Seite
genoffen, und unmittelbaren Nachfolger aus; und man
fónnte daber faft aus der Gleichförmigfeit des Vortrags
und der Gedanken fehließen, daß fie ohngefähr in folchen
Zeiten und für folde Menfchen gefchrieben worden, in
und von welchen die Denffprüche der griechifdjen Weifen
berwundert wurden ***),
1
E 3
Bor
#) V. 30. 480. 1183.
**) 140. 50. £65.:70. 589. Theog,
vor) Sich trete völlig dem Urtheile des
Herren Hofrath Heyne
bey (Vid. praef. ad Glandorfii Edit. carm. aur, p, 23.)
nad) welder die Gnomen des Theognis, fo wie wir
fie jezo haben, nicht ein einziges, unverftümmeltes und
‚unverfälfchtes Lehrgedicht, fondern vielmehr eine Sam:
lung von Sprüchen diefes und anderer Dichter find,
in weldje Trinf:und Liebeslieder von mebrern Verfafs
fern eingef@oben worden. Nur mit diefer Vermuchung
allein fann ‚man den Mangel des Zufammenhanges,
die häufigen Wiederhohlungen, und die nicht feltenen
Widerfprüche der Ueberbleibfel des Theognis erklären. —
Das Fromm vederixoy,
das den Nahmen des
Photylides führt, Halte ich mit Scaligern für ein fh:
nes Gedicht,
das aber unftreitig einen Chriften zum
Berfaffer Hatte.
Die Empfehlungen der Jungfrauschaft
und der Mildchätigfeit.
gegen Arme,
ferner die Mar:
nungen
Pagina 70
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch,
Bot allen andern aber verdienen die Fabeln des
Aefop Aufmerffamfeit, den das griechifdye Alterthum als
einen weifen Mann bewunderte, den viele Schriftfteller
unter die griechifen Weifen fegten, deffen Erzählungen
Gofrates wenige Tage vor feinem Tode in Berfe brachte,
und Plato allein in feiner Republic dulbete, aus welcher
er die Werke des Homer, Sefiod und anderer berühme«
ten Dichter verbannt batte, den aber ein elender Mind
nad) unjuverlaffigen Sagen als einen häßlichen
Doffenreißer gefhilbere bat *).
Gelehrten Sefern brauche
man nicht mehr zu beweifen, fondern man darf fie nur
daran erinnern, daß Aefop nicht der erfte Erfinder der
Didbtungsart war, die vonigm den Namen erhielt: daß
fon vor ihm Hefiodus, Ardifod)us und mehrere andere
den Xefopifchen ähnliche Fabeln erzählt hatten: daß ferner
bie Aefopifchen Fabeln von ihrem Verfaffer weder in Verfe
“gebracht nod) aufgefehrieben, fondern münblid vorgefras
gen, und auch durd) bloße mündliche Ueberlieferungen erhalten worden: daß Sofrates, Demetrius Phalereus
und andere berühmte Männer und Schriftfteller unter
den Griechen ihnen ein dichterifches Gewand umgeworfen
und
nungen gegen magifche Bücher und gegen Unkeufchheit,
endlich die Erwähnung einer göttlichen Offenbabrung
vetrathen alle einen Dichter, der mit hriftlihen Relic
gionsbegriffen angefüllt war.
#) Eben diefe Schriftfteller, die den Aefop als einen Poffenreifer befchrieben, dachten nicht daran, daß er ein
Freund und Gefandter des Krofis war, und daß die
Griedjen ihn für einen fo gottwnhlgefälligen Mann
hielten, daß fie glaubten:
Apoll habe die Hinrichtung
feines Lieblings, an den Delphiern durch fhivere Stras
fen geahndet. Man fede Herod, Il, 134,
Pagina 71
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)und fie gefamfet haben: daß endlich nur der Flelnfie Theil
der griechifchen Sabeln, die den Namen des Aefop tragen,
vom Aefop herrühren, und die meiften, fpätern namens
lofen, mehr oder weniger glüdlichen Nad)a9mern des
Phrpgiers zugeeignet werden müffen?
Eine natürliche Folge diefer ausgemachten Vorders
faze it diefe: daß, wenn man die Natur und den Sed?
der Aefopifdher Erzähfung beurtheifen oder beftimmen will,
man folche Fabeln, die von den älteften Schriftftellern,
einem Ariftophanes, Æenopbon und Ariftoteles anges
führe werden , und von denen es alfo am wahrfcheinlich«
ften iff, daß fie ct und unverfälfche find, zu Muftern
wählen, und mit ähnlichen Ueberbleibfeln alter Dichter
vergleichen müffe.
Mad) folhen, allem Vermuthen nad), meder une
tergefhobenen, nod) verdorbenen Reften zu urtheilen,
waren bie Fabeln des Aefop, und feiner Vorgánger und
Zeitgenoffen erdichtete Erzählungen menfchenäßnlicher Nee
den, Handlungen und Begebenheiten, von Thieren, wodurd
ihre Erfinder weder müffige Hörer und Sefer allein ergós
gen, nod) aud) bloß im allgemeinen unterrichten und befe
fern wollten, fondern
in welchen fie Handlungen und Be
gebenheiten der Thiere als Mufter der Nachahmung, oder
als Benfpiele der Warnung aufftellten, um die Ente
fchlieBungen eines ganzen verfamleten Volks in einzelnen
wichtigen Fallen und Angelegenheiten dadurd) zu leiten,
und ihre Mitbürger entweder zu geriffen Entwürfen auf
¿umuntern, oder fie auch vor übereilten Schritten und
Unternehmungen zu bewahren. Go erzählte Steficherus
den jt op
die Fabel vom Pferde und Hirfhe, um
fie gegen die Tyranuey des Dhalaris zu warnen, und
" Yefo.
Pagina 72
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfte8 Bud.
Aefopus ben Samiern die Gefchichte des Fuchfes,
um
fie von einer ungerechten Verurtheilung eines reich gemors
denen Demagogen zurück zu halten*). Aefop und Sree
fichorus waren daher nicht bloße Märchenerzäßfer,
fore
dern Rathgeber von Staaten und öffentliche Wolksredner **), die,
wie Menenius Agrippa auf dem heiligen
Berge gethan haben foll ***), ihre Zeitgenoffen durch
Gabeln ermabnten oder abriethen,
und auf die wichtige
fen Gefchäfte und Angelegenheiten einen mächtigen Ein»
fluB hatten.
Wenn aber Fabeln die Wirkungen Gervorbringen
follten, weswegen ihre erften Erfinder fie erzählten, fo
muften fie, wie die Sprüche der Weifen, und die Werfe
der älteften $ehrdichter ernfthaft,
faft ohne allen
Schmuck,
fury, und dennod) deutlich feyn, weil Fünftlide Verzierungen die Zuhörer zwar ergôgt, aber ihre
Aufmerffamfeit von dem Sinne auf die CinÉteibung ge:
leitet — und die geringfte Dunfelbeit und Berwirrung
fie fangfamen,
im Denfen ungeübten Menfchen uns
verftändlich gemacht hätte.
Die erzählten Begebenheiten
muften wahrfcheinlih, die Reden und Handlungen der
Toiere, ihren Charafteren enefprechend, die Anwendung
leicht,
9) Rhet, Arift, II, 20,
**) Aicoros (fast Ariftoteles am angeführten Orte) de
ev
Louw
dure
dnuayoyo,
xesvopevo
Tee Javars, en x. 7. À.
#*®) II, 32. Liv.
Sch halte es nicht für untvabrfdeintid,
daß diefer Romer den Plebs durch eine Fabel nach Rom
zurück gebracht habe.
Sich ziweifle aber, ob der Inhalt
derfelben fo befchaffen war, als Livius ihn angibr.
Pagina 73
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)feicht, und die Sebre fich felbft darbietend, und aus der
Erzählung natürlidy.ausfließend feyn.
Alle diefe Merk:
male findet man in den áltefien Fabeln der Griechen fowohl als anderer Vólfer, und nad) ihnen Éann man in
manchen einzelnen Fallen, über das Alter und Anfehen
von Gedichten diefer Art,
einen ziemlid) zuverläffigen
Ausfprud) thun.
Merkmürdig it es, daß Aefop, und auch die ere
ften Fabeldichter anderer Mationen, ihre Zeitgeneffen
allein oder dod; vorsüglid) durd) Handlungen und Beges
benbeiten von Thieren, nicht aber durd) die Benfpiele
und Mufter von Göttern oder von Helden , oder endlich
von erdichteren und allegorifd)en Perfonen zu belehren,
und zu warnen gefucht, haben.
Dies fcheint um defto
fonderbarer, da wundervolle Erzählungen von den Tha:
ten und Schicffalen unfterblicher oder vergótterter Natu.
ren, und Maährchen von allerley Are, in Griechenland,
und auch unter andern Nationen, entweder älter, oder
doch eben fo altwaren, als die Fabel im Aefopifchen Ge:
fama.
Alle Forfher, welche die Gefchichte diefer
Didtungsart unterfud)ten, bemübten fic), die Gründe
zu
finden,
warum man fo allgemein diefer Art Iehrreicher
Erzählungen, vor allen übrigen Gattungen, den Vorzug
gegeben babe.
Ein jeder gab eine andre Urfache diefer
Erfdyeinung an, und glaubte daber die wahre endedt zu
haben,
Allein Feiner bat fie da gefucht, mo fie allein ge.
funden werden fonnte, nämlich in der Denfungsart der
Menfchen, die zuerft durch Fabeln unterrichtet wurden.
Die älteften Fabeldichter lebten in folchen Seital»
fern, in welchen der größte Theil eines Volks wenig gebilder,
über die Thiere des Feldes wenig erbaben,
zugleich)
Pagina 74
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Bud.
zugleich mit den außerorbentlichen Gertigfeiten und Kin.
ffen derfelben auf das vertraulichfte befannt war: in tele
dem alfo auch der robe Dienfd) , der die todte Natur bes
febfe, und (elbff die göttliche vermenfchlichte, leicht bars
auf verfallen Eonnte,
Thieren,
deren Werke ihm eben
fo unnachahmtid) als unbegreiflich waren, menfchenähn.
lide Eprade, und Vernunft zuzutrauen. Der Glaube
an vernünftig redende und bandelnde Thiere war vormals,
und it nod) izo allen Wilden und Barbaren, und felbft
mebrern halbeuftivirten Völfern gemein”), und die Ein.
theilüng der empfindenden Erdbewohner in vernünftige
und unvernúnftige wurde und wird nicht eher gemadjt
und angenommen, als bis der Menfd) fid) ange in
Städte zurückgezogen,
und durd) Künfte, Handwerte,
und Wiffenfchaften über die Thiere, deren angebohrne
Ge(dicflichEeiten er immer weniger und weniger beobad)=
tet, zuerheben angefangen hat, Die älteften Sabelerzäbfer waren daher nidje burdgebends Erdichter, wenn fie
Thiere auf eine menfdendbnlide Art reden und handeln
ließen, fondern fie folgten einer berrfdenden Meynung,
die fid) wahrfcheinfich zu Aefops Zeiten nod) nicht ganz
verloren Batte, und úbertrafen ihre Seitgenoffen nur
darinn, daß fie diefe Meynung zum beften ihrer Mite
búrger nugten,
Sie erfanden einzelne Begebenheiten,
Handlungen und Neben von Thieren und Göttern, die
aber bende mit den gemeinen Begrifen ihres Zeitalters
übereinffimmen muften, Wären die Menfehen nicht zu
einer gewiffen Zeit überzeugt gewefen,
daß die Thiere
nad) Art der Menfdjen rebeten und Handelten;
fo würde
*) Siehe meine phil, Schriften 3ter Theil S. 78.
Pagina 75
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)die Aefopifche Fabel felbft als Erdidjtung unwahrfchein.
lid) gewefen, und als foldye verworfen worden feyn.
Bon Feiner andern Art von Erzählungen, fie mag
früber oder fpäter ats die Aefopifche Fabel erfunden more
den fepn,
Fonnte man fid) fo große Wirkungen, als
von derlegtern, verfprechen.
Die Abendthener erdichteter Perfonen würden gar Fein Anfehen erhalten, und fei
nen Cindrudf gemacht haben, weil man fie von der ere
fen Jugend an von Ammen und alten Frauen in Mabrs
hen gebôrt Harte.
Die Schieffale der Götter waren
meiftens
fo fehr außer der Orbnung der Mas
tur, und ihre Handlungen fo wenig mufterhaft, daß
die einen felten lehrreidy feyn, und die andern faft nie
mals zur Nadabmung empfohlen werden fonnten.
Wahre Gefhichte gab es gar nicht, oder fie war äußerft
eingefchtänft.
hoben,
Große Helden waren faft zu Göttern er.
und ihre Thaten der Mythologie eingemebt oder
angebängt.
Was man aber aud) nod) von zuverläffigen
Ueberlieferungen aus vorhergehenden Zeitaltern befaß, war
fo unbedeutend, daß man aus ihnen nur felten Benfpiele
hernehmen fonnte, die auf gegenwärtige Fälle gepaßt
hätten. Die Handlungen und Begebenheiten von Thieren boten daher ben reichften und ficlidften Stof zum
faßlichen anziehenden Unterricht für folche Menfchen dar,
dergleichen diejenigen waren,
mit welchen Hefiodus,
Archilodyus, und felbft aud) nod) Aefop lebten.
'
Bon Feiner Seite ift die Aefopifche Fabel den
Sprüchen der Weifen und Gedichten der Gnomifer fo
ähnlich, als von diefer, daß ihr Wirfungsfreis und ihre
Nüzlicykeit eben fo fehr, oder and) mebt begränzt waren,
als der erftern ihre,
Madydem unter den Griechen
Welt:
Pagina 76
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Gaffes Bud.
Weltweisheit, Beredfaméeit, Gefchidjte und drama.
tifche Didhtfunft entftanden; ließen die aufgeflártern und
durch Dichter und Redner vermóbnten VolFsverfamfungen fid) niche mehr durch foldhe fhmuclofe Erzählungen
befriedigen, als modurd) Gtefichorus und Aefop ihre
Zeitgenoffen geleitet hatten.
Die Aefopifdye Fabel fanf
in die Claffe von Mährchen, oder doc) — von erzählen.
den Gedichten herab, von denen man mehr Unterhaltung
und Ergözung als Unterricht erwartete, und die man
gang für Erdichtungen hielt, weil man nid)t mehr an
Sprache und Vernunft der Thiere glaubte.
Unter den
Griechen machte fid) daher nad) dem Aefop Fein einziger
Fabeldichter berühmt, ungeachtet noch viele einzelne Fa»
bein ausgearbeitet wurden. Jn biefen trat man oft aus
den urfprünglien Granzen diefer Dichtungsare heraus,
weil man nicht mehr diefelbigen Swede hatte, melde
ihre erften Erfinder zu erreichen fid) vorfesten,
Man
belegte Fictionen aus der Mythologie, luftige Erzählun.
gen von Begebenheiten aus bem gemeinen $eben, ja
felbft folche, in denen leblofe oder allegorifche Wefen re».
dend und handelnd eingeführt wurden, mit bem Namen
Aefopifcher Fabeln, und glaubte, daß fie in der Manier
tes PHrygifden Volfslebrers erdichtet waren. Phadrus
erfuhr zuerft, daf feine andre Dicyfungsart mehr an ge.
wiffe Zeitalter gebunden fe, als die Aefopifche Fabel,
und daß fie unter aufgeflärten Völkern weder den; Mugen
ftifte, noch den Ruhm verfhaffe, den Aefop geftiftet
Denn ungeadtet der Freygelaffene
und erlangt hatte.
des Augufts gewiß anmuchiger erzählte, und eine fehönere
Sprache redete, als derjenige, welchem er nacheiferte;
fa war doch) der Benfall, den er erhielt, fo geringe und
Pagina 77
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)fo fury daurend,
daß Seneca die Aefopifdye Fabel als
eine Dichtungsart anfah, in welder die Romer fic) noch
gar nicht verfucht hätten *).
So febr aber alle bisher gefamlete Züge des
Zeitalters der fieben Weifen zu einem einzigen harmoni«
fen Gemälde zufammen ftimmen; eben fo febr fcheine
ihnen die große Zahl von Trinf-und Siebestiedern zu wlderfprechen, an welchen Fein anderes Zeitalter fo frudht:
bar war, als dasjenige, in weldjem bie Griedhifdyen
Entweder zugleich, oder
Weifen lebten und ftarben.
aud) kurz vor und nad) ihnen fangen Ulfman, Alfäus,
Sappho, Anakreon und Foyfus, deren Werke fo ausge:
faffen und üppig waren,
daß fie fo gar einen niche fehr >
frengen Sittenrichter, der zur Zeit ber höchften Nude
lofigfeit der Römer handelte und fchrieb, anftößig mur»
Nicht aber bloß die ebengenannten Dichter,
den *)
die
#) Conf, ad Polyb, c. 27. Non audeo te usque co perducere, ut fabellas quoque & Acfopeos logos, intentatum remanis ingeniis opus, folita tibi venuftate
conneétas,
Difficile eft quidem, ut ad baec hilariora ftudia tam vebementer perculfus animus, tam
cito poflit accedere. - Die lezten Morte zeigen, daß
man and) damals die Aefopifhe Fabel mehr für eine
ergozende, als ernfihaft unterrichtende Arbeit oder
Lectüre hielt.
9%) Quis — non intelligit, — quid homines dotifimi
& fummi poetae de fe ipfis & carminibus edant &
cantibus? fortis vir in (ua republica cognitus, quae
de juvenum amore feribit Alcaeus? Nam Anacreontis quidem tota poefis eft amatoria,
Maxime vero
omnium flagraffe amore Rheginum Ibycum, apparet
ex feriptis,
Atque horum omnium libidinofos effe
amores videmus,
Sragmente Uefer Dichter finder
man beym Athendus X. 8. 430. XIIL 8, 601,
Pagina 78
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Bud.
die fit ganz der Venus und bem Bacchus gewidmet
hatten, und die als eifrige Diener diefer Götter berüchtige
waren, fondern aud) die größten unter den Gnomifern,
Solon, Mimnermus, Theognis, Simonides und Gte:
fihorus priefen mit entyicfender Begeifterung die Freus
den der Siebe und des eins, und munterten zu ihrem
Genuffe auf *). Dies zahlreiche Chor von Dichtern,
deren Stimmen fid) alle zu £obgefängen auf die gröbften
und
Heftighen
finnlidjen
Vergnúgungen
vereinigten,
feine einen Hang zur Ueppigfeit und Schwelgerey zu
verrathen, von dem man faum begreifen fann, mie er
fid) mit der Einfalt der Sitten und Denfart zufammen
finden Eonufe, die aus den Sprüchen und Räthfeln der
Weifen und aus den Gedichten der alten Gnomifer ber:
i
vorleuchtet.
Um diefe dem erften Anfeben einander entgegens
gefeften Œrfeinungen zu erfláren, muß man erftlid)
bemerken, daß nicht immer Ueppigfeit in Schriften,
Verdorbenheit der Sitten in ihren Berfaffern, oder des
ch will mid) nicht darauf
ren Zeitgenoffen beweift.
Benfpiel manches einwens
dies
gegen
man
berufen (weil
den Fönnte) daß eben der weife König,
der fein Voll
durd) feine Sprüche belebrte, auch der Verfaffer des
hohen Siedes fey; allein gewiß ift es dod), daß Archiloe
dus, der früher lebte, als man die Anfänger der Ver:
dorbenbeit der Griechen mit einiger WahrfcheinfichFeit
annehmen Fann, fo unfittlidy und verfübrerifd in feinen
Gedichten war,
daß diefe deswegen aus Sparta auge
gemore
#) Simonid, ap. Ath, XII, 1, Mimner. XII, 7, 8,
XIII, 8. 601.
Stefich,
Pagina 79
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)geworfen wurden *). Wir wiffen ferner, daß unter den
Rômern, felbft in den Zeiten, wo ihre Mäßigkeit
und
Reinigfeit der Sitten, ihrer Tapferkeit und Baterlandsliebe gleich fam, die älteften Saturninifche und Feecen.
ninifhe Gefange im Hodften Grade mutbwillig und une
aüctig waren **), Unter den Griechen fowoh! als Ni:
mern fchergten ferner die größten und ernfibafteften Staats»
männer, Deerfübrer, Beberrfher und Weltweife, de
ren Seben und Charafter meifiens ganz untadelid) waren, |
in ben leichtfertigften Gedichten, deren anziehendfter
Reis ihnen eben ihre Ungüchtigfeit zu feyn {chien ***),
Die großen Namen diefer Männer findet man
beym Plinius und Apulejus, die fid) mit ihren Bey:
fpielen rechtfertigen, und deren Keufchheit eben fo mufterhaft, als ihre Schriften mutbwillig waren +).
Jm
alten
*) Athen. VI. 3.
2%) gp. de Satyrica Poefi & Satira Rom, II.
I, p. 177.
&
feq.
“ss, Scimus (fagt Plinius, indem ev von feinen Hendekafpllaben redet, VI, 14.) alioquin bujus opusculi illam
effe veriffimam legem, quam Catullus expreffit,
Nam caftum effe decet pium poëtam
Ipfum, verficulos nihil neceffe eft:
Qui tunc denique habent falem & leporem, fi funt
molliculi & parum pudici,
$ — — Apul. 310.
11,
Ed.
Colvii & Plin.
Epift. — — coepi reputare,
VII
4,
maximos oratores hoc
ftudii genus, & in obleétationibus habuiffe & in
laude pofuiffe, Intendi animum, contraque opinionem meam, poft longam defuetudinem, perquam
exiguo
temporis momento id ipfum,
quod me ad
fcribendum follicitaverat, his verfibus exoravi.
Quum libros Galli legerem, quibus ille parenti
Aufus de Cicerone dare eft palmamque decusque,
Pagina 80
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Estes Buch.
alten Griedenfande fann man aus Unfitelichfeie von
Sohriften um dejto weniger auf Ruchlofigfeit des Charafs
ters, oder Ausartung der Sitten fließen, da der Henuf
finnficyer Freuden an mand)en Feften und feftlidyen Zufam«
menfünften einen Theil des Götterdienftes ausmad)te.
Es war alfo niche Wiberfprud oder Unbeftändigfeit,
wenn Solon, Mimnermus, Simonides und andere,
die in ihren ernfthaften Gedichten alle Gefchtechter und
Alter zur Tugend zu erwecken fuchten, in frölichern Ges
fängen gleid) Stinglingen fpielten; und eben fo wenig
fann man fchlecjtweg behaupten, daß der Verfall der
Gitten unter den Afiatifhen Griechen eben fo groß, als
die Ausgelaffenheit ihrer Dichter gewefen feyn müffe.
Ungeachtet aber die jezo mitgetheilten Berrac)tuns
gen viele Schwierigkeiten in der Beantwortung einer Frage,
die anfangs unauflöslich fdeint, auféláren, und ang
dem Wege räumen, fo werden fie doch diejenigen, welche
die Zügellofigkeit eines Alfman,
Anafreon und Gbyfus
nur aus ihren Sragmenten fennen, noch nicht ganz bes
friedigen.
Sch bemerfe daher ferner, daß gerade die
fblimme
Lafcivum iuveni lufum Ciceronis, & illo
Speétandum ingenio quo feria condidit, & quo
Humanis falibus, multo varioque lepore
Magnorum| oftendit mentes gaudere virorum,
‘Nam queritur,
quod
-
~
fraude
male
fruftatus
amantem
Paucula coenato fibi debita fua via Tiro
Tempore noëturno fubtraxerit. His ego leétis
Cur poft hacc, inquam, noftros celamus amores
?
Nullumque in medium timidi damus? atque
Tironisque dolos, Tironis noffe fugaces
Blanditias, & furta novas addentia flammas2
Pagina 81
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra){Hlimmften unter den alten Wein -und Siebesbidtern der
Griechen, entweder in einer Stadt gebohren wurden,
welche man die erfte Berfübrerin und Verderberin der
Griedifen Städte nennen Fann, oder daß fie auch an
dem Hofe des reichften, glüclichften und ausfchmweifend«
ften Tyrannen des PolyFrates lebten, und daß fie endlid)
etwas fpäter als die Griechifchen Belfen, und zwar in
folhen Zeiten blühten, wo Weichlichfeit, Schwelgerey
und alle Arten unnatürlicher Lifte das Ufiatifche Griechen
land wie Fluthen überfhrernmeten, und allenthalben die
fürtectihffen Verheerungen anrichteten,
Diefe Sittenverderbniß ging von den sydiern aus,
die unter ihren lesten Königen,
befonders unter dem
KRıöfus, das reichfte,, aber auch bald nachher das nichtg«
würbigfte und üppigfte unter allen Afiatifchen Völkern
wurden. Sie waren nicht nur die erften Erfinder der
weidlidften und föftlichften Kleider und Tapeten, fone
dern aud) der wohlriechendften Salben, der fecferhaftes
fen Gerichte und der fchmelzendften Snftrumente *),
Sie pflanzten zuerft Paradiefe oder fchattenreiche Garten,
in deren Fühlenden Gängen und molliftigen Einfiedeleyen
fie Erfrifchung und Rube zum lebbaftern und ungeftörtern
Genuß der feinften finnliden Vergnúgungen fuchten.
Sie entdeckten zuerft das Gebeimnif, aud) Mädchen zu
verfchneiden, um fie gu Hüterinnen ihrer Weiber und
Benfäläferinnen, und zur Berridtung anderer Gefchäfte
zu
®) Athen, XII, 3. XIV, 9, 634. XV. 12. 690. exes dice
Benros ems nduraSese ci Nudos, xo vo rag Avaxpsovti Adora as, ansa avi Te HT
Pagina 82
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Bud.
gu gebrauchen, die fonft männlichen Ber(dinittenen aufe
getragen wurden, Als die Einwohner von Gardes fid)
gegen den Kyrus, der ihrer gefdhont hatte, empörten, und
Diefer fie in feinem Grimme vernichten wollte; gab Kröfus
aus Siebe zu feinen Unterthanen dem erzürnten Sieger
den Kath, den Lydiern, und befonders ben Bürgern der
übermüthigen Hauptftadt, ftate des Sebens ihre Manne
lichfeit und alle Tugenden zu nehmen,
Perfern fürchterlich werden Fönnten”).
wodurd) fie ben
Auf diefen Vor
flag des Kröfus unterfagte Kyrus den Sybiern auf ewig
den Gebraud) der Waffen und friegerifche Uebungen: er
fehrieb ihnen eine Kieiderordnung vor, mobdurd) fie in
yoeibifche Komöbdianten verwandelt wurden, und befahl
ihnen, ihre Kinder beyderley Gefchlechts in allen Kúnften
der Unzucht und Verführung zu unterrichten. Die Volla
glebung diefer Verordnung brachte nad) der Bemerfung
des Herodot in den Sitten und der febensart der Lydier
eine gänzliche Veränderung hervor. Zur Zeit diefes Gee
fhichtfchreibers war es fchon eine ganz allgemeine Gee
mohnheit, daß die Tochter der Sndier mit ihren Reizen
mwucherten, und den Genuß derfelben an den meiftbieten»
den verfauften, um fid) durd) dies fhändliche Gewerbe
._
einen Brautídaz zu fammien **),
Diefe entfezliche Sittenverderbniß der fpbier vere
breitete fic) fchon in den fezten Zeiten ihres Neichs, nod)
mehr aber unter den Derfifdjen Konigen über die Gries
ifen,
befonders die Fonifdjen Städte,
die daher
aud) im Europäifchen Griechenland eben fo übel berüch.
tigt,
‘ %) Her, I,
Pagina 83
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)tige, als die {ydier wurden *). Kolophon war die erffe
Ungliidlide, die feit ihrer Zinsbarfeit und genauern Vera
bindung mit den Sydiern **) ihre alte einfache mäßige
Sebensart verließ, und mit einer Art von Wurh fid) in
ausländifche Schwelgerey und Ueppigfeit ftirgte, Mehr
als taufend ihrer Bürger prangten an öffentlichen Deta
tern mit purpurnen Gewandern, die man bisher nur zum
Schmud und unter die Kleinodien von Kénigen geredje
net hatte, und die damals nod) mit Silber aufgerogen
wurden,
Weil fie glaubten, daß für die feligen Bea
wobner von Kolophon Fein Augenblick {eer vom Genuß,
und unausgefülle mit den ausgefuchteften Verguigunger
feyn müffe; fo machten fie paOefez, bas noch bis auf
die
+) Athen, XII, 525. 526. @eoPeasos dev ro Tee
Adovns, nos dy ou res Teves Pnos dice Tv Urrege
Bonn Ts Tees, ETS Kets VUY 3] QUIN Togo
dior ueeve.
es) Athen. ib. KoAoDwvios 9 as Ducs Dudaeyoss
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es TeuQay ekanerdav meos Audes Qidsay nose
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surges
Pagina 84
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Bud.
die Zeiten des Athendus fortdauerte, und das mehr als
irgend etwas anders den wahnfinnigen Taumel verräth,
der fie ergriffen hatte, daß Tänzerinnen, Sängerinnen,
und andere Diener und Künftlerinnen öffentlicher Ergó:
dungen aus dem Schaze des Volks fo reichlich belohnt
toerben follten, daß fie verpflichtet wären, vom frühen
Morgen bis an den einbrechenden Abend für die Unterihrer Wohlehater zu arbeiten. Aus diefem Kreife
haltung
unmittelbar auf einander folgender Serfireuungen des
Tages traten fie, ohne fic) auszuruben, in einen andern
Wirbel nächtlicher Freuden über, von denen fie fid) nicht .
eher trenneten, als bis fie durd) Ginnlofigfeit und Erfôpfung dazu gezwungen rurden, Das $eben biefer
Schweiger war faft nichts als ein beftändiger Kauf,
oder Erholung vom Ranfd)e, und es follen viele unter
ifnen gewefen feyn, die niemals weder die aufgehende
nod) die-untergehende Sonne gefehen Hatten.
Diefe rafende Ergözungsfucht und Prachtliebe fam
von Kolophon zuerft zu den Milefiern, dann zu
ben Ephefiern, und endlich zu den übrigen Jonifthen
Stätten *), Am fpäteften fcheint fie die Fnfeln erreiche
gu haben. Nachdem aber Polyfrates fic) der Herefchaft
über Samos bemädjtigt, fid viele Eylande und Städte,
felbft am feften Sande unterworfen, und große Schäge,
gefammler hatte, fuf er Samos in ein ¿rentes Gardes
um **), Er verfammlete nicht nur die größten Künftler,
die foftbarften Seltenbeiten und Cigenthimlichfeiten aller
Sander an feinem Hofe und auf feiner Snfel, und
fhmücdke
®) 523. 25. Athen,
**) XII, Athen, c, 9,10, p. 540. 41,
Pagina 85
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)fémiüdte nicht bloß die Stade mit den peddhtighten Were
fen aus; fondern er fdjlaferte aud) die Gamier durd
unaufhörliche Seite, Schmäufe und eine fic) faft nie vers
lierende Trunfenbeit ein: er legte nad) Garbifthen Mus
ftern Derter oder Plaze an, wo man alle Bergnügungen,
die die flebe nur gewähren Fann, ohne Mühe fand, und
ohne Vorwurf und Gefeze genießen durfte: endlich flößte
er dem ganzen übrigen Griechenfande eben den Hang zur
Sdhwelgerey und Ueppigfeit ein, wodurd) er feine Mite
bürger entfräftet hatte.
Diefe ungeheure Sittenverderbniß brachte faft in
allen Städtendiefelbigen Wirfungen hervor *). Grangene
Tofe und felbft urd) den Genuß gereiste Begierden erzeugten
Berfwendung: auf Verfdwendung folgte Armuth und
peinigendes Unvermögen, ben unerfättlichen Durft nad)
Vergnigungen befriedigen zu Eönnen.
Aus Armurh
entftanden Hang zu Neuerungen, Raubfuche und Kühn
heit zu den größten Frevelthaten, und aus diefen endlich
entweder Tyranneyen oder Aufrubre, in weldjen die Reichen
und der Pobel fi wechfelsweife verjugen, oder mit une
menfhliher Graufamfeit aufrieben **).
Biehifche
33
Scheel:
©) Sch werde diefe Bemerkung in der Folge bey vielen an:
dern Staaten wiederholen müffen. Nuper, fagte Li:
vius Cin praef.) von den Römern, divitiae avaritiam
& abundantes voluptates defiderium,
per luxum atque libidinem, pereundi, perdendique omnia
invexere,
#*) Herod, V. 28.30,
Athen, 523. 26,
Sn Milet lief
der Pobel die Kinder der Seidjen von Ochfen zertve:
ten,
und als die Haupter der Ariftofratie wiederum
die Oberhand erhielten,
verbrannten fie ire Feinde
famt Meibern und Sindern. Athen, 524.
Pagina 86
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Bud.
Schwelgerey, und entnervende Weidhlihfeit tödteten In
den Afiatifdhen Griechen alle öffentlichen Tugenden,
machten ihre fhwachen Bemühungen zur Wiedergewin«
nung der Frepheit vergeblich, und würden wahrfcheinlich
aud) den fernern Fortgang von Künften und Wiffenfchaften gehindert haber, wenn diefer auch nidjt durch den
Derfifchen Despotismus wären verjagt ober erftift
worden,
eae Sree
Erffe
Pagina 87
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfte Benlage.
iefe Bemerkung,
daß Einrichtungen des Minos
der Grund des nachherigen Rubms und Ueber»
gewichts der Griechen über die Perfer wurden, Fann nies
manden fonderbar fcheinen, der fid) befinnen will, daß
Minos zuerft die Grmnaftif zu einer Vorúbung des
Krieges und zu einer Ausbilverin ftarfer und gewandter
Krieger machte, daß Lyfurg die Kretifchen $eibesübun«
gen nad) Sparta hinüber brachte und vermebrte *), daß
eben diefe Seibesübungen der fafebámonier eine ganze
Zeitlang eine unbeftrittene Ucberlegenbeit über alle andere
Griechen im Kriege verfchaften **),. und daß fie endlich
von Sparta aus fid) allmablid) auch über die übrigen
Griechifchen Staaten verbreitete, und die Bürger derfelben eben fo fehr, als Freyheitstiebe und Kiugheit, zu
Siegern über die Barbaren bey Marathon und Platáa,
und in den Gefilden Afiens gemacht habe.
Die meiften Arten Griechifher Wertfämpfe waren
viel älter, als die eigentlichen feierlichen Spiele, und
Batten anfangs auch nicht biefelbigen Abfichten, die fie in
der Folge erhielten. Die erftern fteigen bis über die
Trojanifchen Zeiten, und vielleicht bis über das Zeitalter
des Minos hinauf, der durd) fie mabrftheintid zur Cine
führung feiner Disciplin veranlaße murde ***), an ftatt
daß die älteften der lestern,
die Oipmpifen,
S 4
vom
Sphie
*) Man fehe bey Ariftox. ap, Athen, XIV, 7. 630.
#*) De Civ, VIII, 4. Arift.
wav) Freret in Meinoires
de l’Acad, des Anfeript,
Pagina 88
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Cris Bud,
Sphitus hundert und adhe Fabre vor bem Anfange der
Olympiaden, und 884 Fabre vor Chrifti Geburt geftife
tet wurben *).
Alle Wettkämpfe waren urfprünglid
mehr funftlofe Ergözungen an öffentlichen Zufammen.
fünften, oder gottesdienftlihe Handlungen, die man
verftorbenen Helden zu Ehren an ihren Gräbern vornahm,
als Eriegerifche Seibesùbungen, die forgfältige Borbereis
kung erfordert, und dem Körper Stärfe, Behens
bigfeit und Dauerhaftigkeit gegeben Hatten. Man mufite
fange nad) der Stiftung der Olympifchen Spiele nichts
von ftärfenden«Salben und Neiben, nid)ts von der Ent
blößung des Seibes, nicht einmal von der Befränzung
der Sieger mit Delzweigen **), Die Sparfaner waren
die erften, welche auf ben Befehl des {yfurg bey ihren
Eriegerifchen Uebungen fid) falbeten, und alle Hinderliche
Bedekungen abwarfen; und ihrem Benfpiele zu Folge
magfe es ein Megarenfer zuerft gang nact in den Oipme.
Dies fehien gen
pifden Spielen wettzulaufen ***),
Griechen anfangs lächerlich), allein man gewöhnte fid)
bald daran, und fahe den Mugen diefer Neuerung ein $).
Faft zwei) Hundert Jahre nad) der Stiftung der Olympifchen Spiele war das Saufen die einzige Hebung, in
welcher man fid) zu zeigen pflegte tt); und erft im Une
fange der achtzehnten Olympiade führten green Spartaner
das
*) Man fehe Strabo VIII, 544-48.
9.16. 24. VI. 18.
*s) Thuc. I. 6. Strab. 1. c.
Paul, V, 4, 7, 8.
®%*) ib, & Meurfius de Arch. Athen. I, 4-6,
+) Plato de rep, V.330. Ed, Maffey.
$1) Man fehe Meurfius, Ic, bef. aber Paul. V. 8., ivo
man die Zeit und Ordnung der Kämpfe, die ‚allmählich
Hinzufamen, am richtigften angegeben findet.
Pagina 89
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)bas Pentathlon und Ringen ein, in welchen Seibesibune :
gen fie aud) den Preis erhielten.
Die Safedämonier alfo
waren es,
welc)e die beftigften aus Kreta empfangenen
geibesübungen den übrigen Griechen mittheilten, und fie
waren eg aud), die fie am längften beybehieften, da fie
in ben übrigen Griedifchen Staaten auszufterben ans
fiengen *),
Wenn man die Urfaden auffucht, warum bie
Gymnaftif mehrere Jahrhunderte den Kretern, und
nachher den Spartanern eigenthümlich geblieben (en;
fo
findet man fie in den Gefeggebungen des Ninos und
fyfurg,
die von denen aller übrigen GStiechifchen
Staaten himmelweit verfdieben waren,
Minos bildete
(und eben das that nachher fyfurg,) die Rreter in Krie
ger um, bie Feine andere ihrer würdige Runft, als die
des Streits, und im Frieden Feine andere eble Berdäftigung, als Jagd und Seibesübungen fannten, die ferner ~
ihre Felder von unterjocten Sclaven bearbeiten ließen È
und Aderbau und Handwerfe hingegen als freyen
nern [himpflich anfaben **),
Mans
Beyde Volfer Hatten alfo
gu allen Arten von Seibesibungen überflüffig Mufe, und
mutden ven ihrer erften Jugend dazu angehalten.
Sn
den übrigen Griecifcen Staaten Hingegen waren alle
Bürger dem Aderbau und Handiverfen ergeben, und
bey diefen Fonnten daher die Kretifchen und Spartani:
(chen Seibesiibungen nicht eher Eingang finden ,
als bis
Gpmnafia zu erbauen und zu
unterhalten, und bis eine beträchtliche Anzahl
von Mite
fie reich genug wurden,
ds
bite
*) Athen, I. (up, cit,
®*) Arift. de Civ, 11, 8. Plat, de Leg, IV.
init, Ps 539:
Pagina 90
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Cres Buh.
búrgern fo begittert war, baf fie felbft bie Gymnafia
oder von ihren Kindern befudyen laffen
befuhen,
fonnten, ohne fic) und ihre Familie einer befchwere
lichen Dürftigfeit ausjufeyen, — don lange vor
den Perfifhen Kriegen merfte man es, daß die Pas
läftra die Œrnabrerin der Tapferkeit fey, und Polyfrae
tes ließ daher alle Gymnafien als Feinde feiner Herrfcjaft
zerftöhren *).
Vivente Beylage.
Oigo dies Nefultat meiner Unterfuchungen Fönnen vore
piiglich ameen Œirimürfe gemadé werden: erfflid) aus den
bewundernsmirdigen Werfen des Dädalus, wie Diodor fie
befchrieben hat **), und dann aus den Gefchenfen, welche
die Rypfeliden dem Jupiter zu Olympia widmeten, und
unter welchen vorziiglic) der Kaften des Ropfelus merfDie einen fomobl, als die andern fdjeinen
würdig ift.
cin höheres Alterthum und größere Fortgdnge der Kunft
im eigentlichen Griechenlande zu beweifen, als id) angee
nommen habe.
Was die Werfe des Dadalus bertift, fo berufe
1d) mich auf die vortrefflichen Goguetifdjen Bemerfungen
Uber disfen griechifchen Bildhauer, in welchen jener auf
eine unmiberieglidye Ure barthut, daß alle die großen
Denkmäler, die man dem lejtern zugefchrieben habe, ere
dichtet fepn ©).
Ungeachtet id) es für eine fehr fühne
Ber
*) Athen, XIII 602.
#*) IV. 319. ti. f.
se) Il, 207.
Pagina 91
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Vermuthung des Paufanias halte, daß man alle hölzerne
Statiien lange vor dem Dädalus Dädala genannt, und
baÿ alfo der erftere feinen Mamen von den feztern, nicht
die (ejtern von ihm empfangen haben *); fo wollte id)
diefe Vermuthung dod) nod) viel eher vertheidigen,
als
glauben, daß dieroben Statüen, die man gu den Zeiten
diefes Schriftftellers für Arbeiten des Dadalus ausgab,
und die er felbft auch dafür hielt, von der Hand diefes al:
ten Künftlerd gemefen feyen **). Man darf nur bedenken,
daß Dädalus nahe an funfzehn hundert Fabre vor dem
Paufanias lebte, und daß die Werfe, dle man ihm ¿ue
eignete, faft alle von Holz waren, um fid) zu überzeugen,
daß fie eben fo wenig von ihm berrübren fonnten, als
die Stattien ád)t waren, die man vom Refrops ***) oder
den Töchtern des Danaus +) gebeiligt, oder aud aus
Slium herübergebracht glaubte. Wie wenig man fic) auf
die Meberlieferungen und Angaben der Griechen bey Denke
malern und Perfonen aus einem hohen Alterthume verlafe
fen fonne,
erhellt unter andern daraus,
daß man den
Sfyllis und Dipoenus, die um die so Olympiade bah:
ten tt), und den Beard)us von Rbegium, der die bron«
gene Statüe des Jupiters in Sparta, deren Theile mit
Nägeln zufammengeheftet
waren, verfertigt hatte tit), für
Schüler des Dädalus bielt. Wollte aber jemand alle die
Uebers
# IX, 3.
**) Gr nennt
fie
I, 27, p, 63, IL 44 p. 121, Bef.
DIL 37. 198.
74) Plin, XXXVI, 4,
+11) IL 32,187.
S, IM. 17, p.257. Pauf.
Pagina 92
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfies Buch,
Ueberbleibjel vergefner Rünfiler, - die man im groenten
Jahehunderte nach Chrifti Geburt als Werfe des Dá:
dalus verehrte, biefem Zeitgenofjen des Minos mirflid)
gueignen, fo würde man daraus nichts für die frühen
Gortgdnge der, fehönen Kunft in Griechenland fdpliefen
Fónnen. Sie waren námlid) ohne alle Ausnahme höchft
unvollentet, und für bas Auge der Kenner beleidigend *),
und es fand fid) darunter eine Venus aus weichem Steine,
die nicht einmal Füße, fondern ftatt deren einen unförm»
lichen loc hatte **), Man Fönnte aus diefer Nachricht
die gewöhnliche Mennung, die für mid immer etwas
unwahrfcheinliches gehabt bat, bezweifeln: daß fon
Davalus die Phönicifhen und Xegyptifchen Mufter, die zu
jeinev Zeit nicht felten in Griechenland feyn Fonnten, über:
troffen, und feinen Bildfäulen geben und Bewegung ge:
geben babe.
Gelbft die Statúe des Apoll zu AmpÉlá,
die man, glaube ich, nicht älter als die funfzigfte Olympiade machen fann, war, Mund, Hände und Füße
ausgenommen, weiter nichts, als eine eberne Säule ***),
Der Kaften des Kypfelus, deffen Befchreibung
beym Paufanias +) Herr Hofrath Heyne vortrefflidh ere
láutert bat, verdient in der Griedifhen Kunftgefchichte
die größte Aufmerffamfeit. Diefer Kaften war aus Ces
dernbolz verfertigt, und mit Basreliefs und Figuren aus
Eifenbein und Gold auf allen Seiten gefhmüdt.
Um
das hohe Alrertgum deffelben zu beweifen, darf man fich
nicht
*) Pauf, II, 4. p. 141.
**) IX, 40. 793.
#ws) III, 19.257. Paul.
4) Y. 17e 419. 1 f.
Pagina 93
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)nicht auf die allgemeine Sage berufen: daß Kypfelus
gleid) nad) feiner Geburt vor feinen Nachftellern darinn
verftedt worden; aud) nidjt auf die Vermuthung des
Paufanias, daß der Korinthifche Dichter Cumelus, der
nad) Grerets Meynung um den Anfang der Olympiaden
febte, der Verfaffer der Snfchriften fey , modurd) die Bedeutung mehrerer Figuren beffimmt wurde, aud) endlid)
nicht darauf, daß der Künftler zu den Zeiten des Pan»
faniag gänzlich unbefannt war. Das hohe Aterthum
diefes Werfs wird durch die Charaktere oder Buchftaben,
die darauf vorfamen, und die felbft dem Paufanias oft
unfeferlich waren, und durch die furchenmäßige Schrift une
tolderfprechlic) bargetban.
Bende Mennungen über die Zeit, wann der Kaften
verfertigt worden, faffen fic) vertheidigen: fomobl die,
welche ihn über die Geburt des Kypfelus hinaus, als die,
tvelche ihn in die Negierung diefes Königs, oder feiner
beyden Nachfolger fest.
Sür die erftere fann man die
Ucherlieferyng der Priefter in Olympia, das Urtheil des
Paufanias, und vorzüglich den Grund anführen: daß,
wenn die Kypfeliden dies Werk hätten verfertigen laffen,
fie alsbann wahrfcheinlid) dem Künftler befoblen haben
würden, ihre eigene Samiliengefchichte darauf vorsue
ftellen. Die Verfechter der ¿reyten Meynung Fönnen fic
vorzüglich auf die Stelle des Ariftoteles *) berufen, more
inn er von den gebeiligten Denfmälern redet, an welche
die Kypfeliden die Schäze der Korinthier verfhmoendet
Batten, und zu welchen der Griechifche Weltweife allem
Bermutben
nad) aud)
diefe
foftbare Rifle vechnete.
Swen.
*) V.11, de Civ,
Pagina 94
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfied Bud.
Qweytens Fönnfe man auch diefes erinnern, bag die Kifte
des Kypfelus ein zu prachtiges Gerath für eine nice ,
berrfäyende Familie gewefen fey, Wenn man die Griine
be für bende Mepnungen unpartheyifd) gegen einander abs
wiegt;
fo fann man faum anders als der erftern feinen
Die Stelle des Ariftoteles fcheint hier
Benfall geben,
nid)t anwendbar zu fepn, da der Kaften des Kypfelus,
fo prächtig er aud) war, fdjwerlid) als ein Werk anges
feben werden fonnte, das zur Erfchöpfung der Korinthier
vieles beygetragen habe. Und gegen den zweyten Grund.
kann man mit Herrn Hofrach Heyne einwenden, daß alle
alte und vornehme Gefchlechter Schäze hatten, aus mele
hen fie die Gaftfreunde befdyenften, und morinn fie die
Gefchenfe von Gaftfreunden nicberlegten, und daß alfo
ber Raften des Kypfelus vermurhlid) auch ein Kleinod
eines folchen Samilienfchages gewefen fey.
Man mag
aber beytreten, melcher Meynung man will; fo wird man
immer gefteben müffen, daß die Frage, wann dies Runft.
merf verfertige worden? viel weniger wichtig fey, als
wo es, und ob es im alten Griechenfande, oder in Kor rinth fel6 gemacht worden? ch halte es für ganz una
glaublid), daß ein foldjes Stick, als der Kaften des
Kypfetus war, vor, oder während der Regierung der
Kypieliden, von einem eingebobrnen, und felbft von ei.
nem ausländifchen Rúnfiler in-Rorinth, oder dem eigents
lichen Griechenlande ausgearbeitet worden. Wenn dies
gefcheben ware; fo würde man den Mamen des Künftlees nicht gánglid) in Olympia vergeffen, und gewiß
aud) Vorftellurigen aus der Korinthifchen Gefhichte und
Fabel darauf erblickt haben, movon man feine Spur auf
bem ganzen Kaften fab, ein Umftand, der fchon dem Pane
fanias
Pagina 95
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)fanias fehr auffiel. Hiezu fommt noch, daß, wenn man
dies alte Monument in Griechenland felbft vor oder unter
der Regierung der Kypfeliden verfertige annimmt, man
alsbenn wider alle Gefchichte, große, und nod) dazu
gang vergeffene Kúnfiler vor den erften Künftlern anne)»
men muß, die aus Afien nac) Griechenland, und zwar
alle {pater Éamen,
als der Kaften in Olympia gemacht
feyn Éann.
Eine mir fehr annehmlid) fcheinende Ver,
‘muthung alfo über den Kaften des Kypfelus wäre diefe:
daß er, wie alle Arbeiten aus Eifenbein oder Gold und
Silber im Homerifchen Zeitalter, und die Fofibaren Thas
lami, dle Myron König von Sikyon *) nad) Olympia
gefchenft hatte **), aus Afien nad) Griechenland, in die
Familie der Vorfahren des Kypfelus gekommen fey, und
daß man eben daher von dem Namen des Künftlers
nichts mehr gewußt, und aud) nichts aus der Gee
fdjidjte von Korinth oder der Kypfelidven darauf ers
Blicke habe,
©
Man Fann wider diefe Bermutbung einwenden,
baf zu eben der Zeit, da die vom Kypfelus nad) Olympia gefchenfte golbne Stathe des Supiters ***) gemadjt
worden, auch der Kaften verfertigt fepn fonne. Allein
erftlich tft fid) nicht beweifen, daß diefe Statüe in Gries
Genland gearbeitet worden, und giveptens iff es febr uns
gewiß, ob Kupfelus je ein Bild aus. gedlegenem Golde
nad) Oipmpla gefchenft babe, : Man erinnere fic) hier
an die Seltenheit des Goldes in Griechenland und Kos
tinto
**) VI, 19. p. 497. Paul,
“xt) Strab, VI, 542.
Pagina 96
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Bud.
tineh nod) zu ben Seiten des Königs Kröfus und Siero:
und rufe fi die Zeugniffe der Alten ins Gedächtniß ¿ue
nic, inwelden Gorgias als der erfte genannt wird, der
eine gediegene goldene Statüe in Griechenland verfertigen |
laffen *), und man wird, glaube id), die Sage, vom
goldenen Jupiter des Kypfelus beym Strabo, nicht mehr
für gegründet halten, — Aud) die Denfmáler der pp»
feliben alfo, fo viel uns davon befannt ift, ftoßen meine
Behauptung nicht um, daß vor der funfzigften Diyme
piade Feine berühmte eingebobrne Künftler im alten Gries
entand geblühet Haben,
Dritte Denlage.
Bon den Schäzen der alten Könige Phrygiens, une
Sydiens find alle Fabeln, und von der Fruchtbarfeit die.
fer Sander, wie der fie von Often begrängenden Reiche,
find alle Gefhicht und Erdbefchreiber voll **),
Wenn
man aber die wundervollen und glänzenden Schilderungen
der Reichthümer Ipdifcher und Phrngifcher Beherrfcher
lieft; fo muß man erftlic) bedenfen, daß fie Ueberliefe.
rungen von Griechen, und gwar aus folden Beltaltern
find, mo es leicht war, die leztern an Koftbarkeiten und
edlen Metallen zu übertreffen.
Man muß ferner nid)
vergeffen, daß in diefen Ueberlicferungen nicht Wohlhabenheit
#) Athen, XI, c, ult. 505. Pauf, VI. 494. Plin, XXXII, 4
Cicer, de Or. III, 32.
#3) Man fehe Her. I. 93. V. 101. Strabo im ganzen zwalf:
ten Buche, ferner XIII, 928. XIV. 999.
Pagina 97
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)benoit ganzer Belfer,
fondern nur Schäze einzelner
Könige oder mächtiger Privarperfonen und Donafien gee
priefen werden,
Soldyen Häuptern von Bólfern, oder
alten edlen Oefthlechrern, war es febr leicht, große und
den Oried)en ungeheuer fcheinende d'âge ju fammien,
wenn fie-auch gleich jährlich an edlen Metallen nod) roenis
ger als die épbifchen Könige, aus goldreichen liffen oder
aus Bergwerfen heraus gebracht hätten *). Sie erbiela
ten alles, was fie für fich und Ihre Familien brauchten,
entweder durch Gefchenfe,
oder auch durch die Arbeit
von Sclaven Sie befoldeten ferner, wie aud) noch jezo
die Afiatifchen Despoten, ihre Bediente durd) natürliche
oder fünftliche Producte, die in Vorrarhshäufern aufber
wahre wurden, und wenn fie, mas nur felren gefchehen
fonnte, etwas einfaufen wollten, was weder von ihren
Knedten, nod) von Unterthanen . die ıhmen zollen mus
ften,
verfertige oder angeboten wurde;
fo taufcten fie
diefes wiederum meiftens gegen Gaben oder Waaren ihres
fandes ein.
Könige alfo, oder ihnen an Mache gleich
fommende Haupter von Familien hatten faft gar Feine
Gelegenheit, edle Metalle auszugeben, und alles, was
davon in ihre Hände fam,, häufte fid) fo lange auf, bis
irgend ein Foftbarer Krieg die lange gejammlete Schäze
vergebrte, oder ein glücklicher Eroberer fie mit ftarfer
Zauft wegnahm, und unter feine Krieger vertheilte.
Kröfus war reicher, als alle feine Vorgänger, die
wegen ihrer Schäze berühmt geworden waren, Allein
\
\
€) Strab, 1, e, & Her, V. 49.
dies
Pagina 98
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erffes Buch.
dies war gar nicht zu bermundern, da er fid) die ganze
Küfte von Vorderafien unrerwarf, und alle Hanvdelse
Seine ganze Echazfammer aber
frädte ausplúnderte,
wurde, wie die Reichthimer aller übrigen Voter Ufteus,
die Phónicier ausgenommen, eine "Beute des Derfifchen
Kyrus, deffen Naub Dunius nicht zu hoch anfehlage *),
wenn es wahr iit, was Herodot von einem einzelnen Cine
wofner in Phrygien ergáplt, der zwentaufend Talente
Gilbers und vier Millionen Perfifcyer Goldftiicke befeffen,
und dem Serves angeboten haben foll.
Mehrere Sehrififtetter haben den Neichihum der
Sydier und Phrngler aus einem uralten einträglichen Hans
del abgeleitet, den diefe Völfer geführt haben follen **),
Wenn man diefen bemeifen will; fo beruft man fit) vors
züglich auf das Zeugniß des Kaftor beym Eufebius, der
die sydier als des erfte, und die Phrugier als das fünfte
Meerbeherefihende Bol nennt ***),
Wahrfcheinlich folge
gen Ennceflns +) fowobl, als Paufanias +) dem Kae
ftor beym Œufebins, wenn fie einen König von Phrogien,
Midas, für den erften Erfinder des Anfers ausgaben,
Allein id) halte den Kajtor für einen der nachläffigften A
unmifs
£) Jam Cyrus deviéta
Afla
pondo XXXIV.
millia inve.
nerat, proeter vafa aurea, aurumque factum, de
in eo folia ac platsnum vitemque: Qua viétoria are
gento quingenta miliia talentorum reportavit,
de
craterem Semiramidis, cujus pondus quindecim tae
lenta colligebat,
Lib, XXXIII, 3,
oF) Man fehe bef, Gognet,
IV 3
SEE) Man fehe Cafaub. Comment. in Polyb p, 192-94,
Ed. Gronov, Heyne I, e, I, p. 80, Ue pi
Pagina 99
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)unwiffendfien Zeitrechner unter den Griechen, und fein
Fragment für den unglaubwúrbigiten Het griechifcher
Ehronofogie, der faum einen fo gründlichen und gelebrten
Uusieger, als Herr Nofrath Heyne ift, verdiente. Dies
fer Raftor nennt
in feinem Verzeichniffe fiebenzebn Vötfer,
die eine Zeitlang wenigftens in einem gemiffen Theil des
mittelländifhen Meers mächtig gewefen feyn follen, und
unter diefen find wenigfteng fünf oder fechs, von denen
man mit der größten Zuverficht behaupten Fann, daft fie
niemals den Ruhm berühinter Seefahrer verdient haben,
Dergleichen find Die fndier und Phrngier, wie ich aleich
geigen werde, ferner dic Pelasger, von denen die alten
Säriftftelfer bloß diefes fagen, daß fie weir und breit
Berumgezogen feyn, und nur allein Dionys von Halifars
naf bezeugt *), daß fie fic) auf der See Anfehen ermors
ben hätten: nad) diefen die Uegnptier **) und Thracier,
und endlich die fafedámonier — Eben diefer Echrifte
fteller macht ferner die läcerlichften Verfezungen und
gibt die Sdiffart faft Feines Volfs zur rechten Beit,
fondern alle entweder zu früh oder zu fat an. Go follen
die Sydter, Pelasger, Ihracier, Rbodier, Dhrogier
und Ryprier früher als die Phönicier, die Milefier vor
den Rariern, und die fafedamonier vor den Aegnneter
die See befahren und beherrfcht haben.
Endiicy übergebt
er mehrere berühmte und auf dem Meere weit herrfchende
Völker, wie die Kreter und Korinthier, und widerfpriche
in Anfehung der Dauer, EN und Schiffart, die
2
%) 1,18. Ant, Rom,
av) Man fehe Her, 1,179
Pagina 100
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch,
“er für jede Stadt oder Nation beftimme, ben ficherften
Gefchidtfchreibern.
Der gelehree Kommentar meine8
Sreundes iff daher aud) fatt durchgehends eine fhllfd wee
gende AnFlagedes rvâumenden Griechen.
Dak die {ydier und Phrygier niemals, wenigftens
nicht innerhalb des Zeitraums der Ueberlieferung und
Gejchichte, Éübne Schiffer, unternehmende Handelsleufe,
und Beherefcher des Meers waren, laßt fido nicht bloß
durch das Stillfäymeigen der älteften Echriftfteller, fone
dern auch nod) durd) andere überzeugende Facta bemeifen,
Maren dieje Wöifer jemals dem Handel und der Schifs
fare ergeben gemwefen; fo miirden fie nie zugegeben haben,
Daf-vor den trojanifen Zeiten die Pelasger, Scleger,
Kreter und Karier, und nad) diefem Seitpuncre die Gries
chifchen Kolonien der ganzen Küfte, die vor ihren Sane
dern ausgeftrecft war, eingenommen bâtten *).
Man
trift ferner in den beften Schriftitelleen gar feine Spur
von Factorerenen oder Niederlagen, oder Cofonien an,
welche Die Phrngier oder Syrier des Handels wegen gee
grinder und ausyrfande Hatten,
Ohne folhe Colonien
aber, deren Mitglieder die Vortheile reicher, aber vere
nachlaffigter Sander nuzten, oder aud) die barbarifchen
Eirmohner derfelben unterhielten und cultivirren, um fie
gu Werkzeugen ihres Gewerbes und Hundels brauchen zu
fon:
9) Sd finde in den Alten nur einen einzigen Ort ermähne,
bey deffen Erbauung man um die Erlaubniß eines Lydia
fájen Konigs nachgefude bat, und diefer ift Abvousg,
Strabo XIII. 883.
Alle übrige Pflanzftädte wurden
ohne die Bervilligung, aber aud) ohne Widerfezung der
Lovifhen
angelegt,
Könige
weggenommen,
oder
gang
Pagina 101
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)fónnen, war und blieb @xhiffart in den äfteften Zeiten
mehr Rauberey, als eintrdgticher dauerhafter Handel,
und man fann daher aus dem Picidafeyn
der erftert
jiemlich ficher auf das Mid:tdafenn des lestern (chtiefien,
4
Wenn jemanden bey Dieter Beobachtung die Ane
funft des Pelops aus Phrngien oder Indien *), oder aud)
die Abfunft der Etruscer cher Tnrrbener aus Indien, dee
ren mehrere Schriftfteller qedenfen,
**) , einfallen follten;
der bedenfe,
dafi die Phrngier und Indier,
lops mit nad) dem Peloponnes brachte,
welche Pes
ein flüchriger
Haufe war, der mit Gewalt aus feinem Barerlande aus»
geworfen wurde, und in der Folge gar Feine Verbindung
mit feinen $andsfeuten unterhielt;
und taf die Auswane
derung der $hdier nach Gralien mit folchen Umftänden
erzähle wird, die fie ganz unglaublich machen, mefwes
gen aud) die fcharfinnigiten Alterrhumsforfcher an ihrer
Wirklichkeit gezmeifelt, oder fie gänzlich abgeleugner bas
ben **),
Wollte aber jemand das Anjehen des Heros
bot, oder vielmehr der Spdier, denen er nacheriábite,
nicht permerfen; fo fann man felbft aus der Gefchidte
der Ipdifchen Auswanderung, wie fie von dem eben gee
nannten Schriftfteller voraetragen wird, mehrere Bes
weife wider den Handel und die Schiffart diefes Volks
bernehmen.
Nachdem die Einwohner von Indien, (fo
lautete die Gage) unter ihrem smepten Könige Atys, eine
63
*) Pauf. V. 1, 376.'p.
mR) e: 1.94.
io:
Hund
Athen. XIV, 5. 624. p.
Strabo V, 335,
Vell. Lt,
Tac, Annals
À
®#*) Vid, Heyne in Comment, fuper Caftoris Epochis
p.
Ste
quemque ibi laudat Freret T; XVIII, Hift, de PAcae
démie des Infer, p, 94. et fq.
Pagina 102
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Eified Buch.
Hungecsroth von22 Jahren anggeftanden hatte,
(cine
Noth, die das ganze Volf aufgerieben haben müfte,) fo
verlieh die Hälfte der Einwohner ihr Vaterland, ging
neh Smyrna,
baute oder verichafte ih Echiffe,
fam endlich nach vielen Srrungen in Umbrien an.
und
Wären die Sydier cia Hanzelndes Volk gewefen, würden fie
denn wohl fo fange von Hungersnoth haben gedrückt wers
den fónnen und gezrumngen worden fenn, in einer fo gros
Gen Zahl auszumandern?
Würden fie denn modi fo
fange und aufs Gerarhemohl berumgefchift, und neue
Wohnfize aufgefucht Haben?
Wie wenig die Sndier die Vortheile des Handels
einzufehen, oder fic ¿ugueignen getrachtet haben;
erbelle
aus dem Betragen der Könige, aus dem Gtamme der
Mermiaden, denen gan: Troas unterworfen war. Aud)
diefe fuchten fih niemals von den Griehifchen Städten,
deren mädhtigfte fie befriegten,
oder zerftörten,
unab»
bânaig zu machen, oder den Handel, der den leztern als
fein Kräfte zum Widerftande gab, zu gerffôren, oder fie
auch durch eine Seemacht vom Deere, mie durch ihre
Heere von der Sandfeite einzufchließen,
Kröfus" batte.
einmal den Gedanfen, eine Flotte zu erbauen, um auch
die Griechen auf den Gnfeln zu bezwingen; allein cr ließ
biefen Gedanfen fogleich wieder fahren, da Bias ihn
durch eine Erdichtung fühlen lie, Daß er den Ynfula»
nern zurSee eben fo wenig, als die Griedjen ihm zu
Sande gemachfen feyn würden.
Wenn aber gleidy die Phrngier und Sydier niemals
Handlung zur Eee getrieben, fondernin ben alteften ei.
ten von den Phöniciern, in fpátern von ben Ufiatifehen
Griechen alles, was fie brauchten, erhalten, und ihnen
wieder.
Pagina 103
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)wiederum, mos fie enthebren Fonnten,
fo ift es dod) unläugbar,
verfauft haben;
dak fie lange ver ven Griechen
eine geriffe Eultur erreicit , und dak die Pflanzjrädte in
Alien es ihrer Befannefdrait mit diefen Lólfera zum
Theil zu verdanken haben, dah fie in Künften und Wife
fchenfchaften fhneller, ais die Griechiferen Staaten
in Eus
ropa forrgerückt find.
Die Erfindung der Gold: und
Gilbermiingen, die man den Sydern zufchrieb, die erfte
Einführung von Gafthöfen und manderley Spielen ¿um
Seitvertreib *), die frühe Drachrliebe und Sittenverderbs
nif, von der ich im Terre grreder habe, verrarhen alle
ein Vote, das vor den Griedhiiden Barbaren, die nad)
Afien Eamen, und felbit vor denen, die diefe austrieben,
febr vieles voraus hatte. Bon ibnen und den Phryaiern
empfingen die Afiatifhen Griedyen nidt nur mufifahfhe
Snftrumente und gerifje Arten der Mufif **),
aud) Manufacruren
fonder
befonders die Kunit Wolle qu fare
ben, die nachher
in Mitet fofehr vervollfomme wurde ***),
nid)t weniger die Runit, Erz zu fnmelzen und zu verars
beiten +) und vielleicht die erften Anfänger der Mables
ren tt), und der Bergwerfsfunft, weiche leztere fie aber *
auch aus Kolchis +++) oder von den Phéniciern, die auf
Thafos Goldbergwerke angelegt und bearbeitet Hatten, era
G 4
halten
®) Her, I. 94.
#*) Plin. VI. 56,
#8) Ibid,
+) Aes conflare & temperare, Ariftoteles Lydum Scy~
them monftraffe,
Thcophraftus Delum Phrygem
+
putat,
4) Ari, ib,
411) Plin XXXUI Cap, 3.
Pagina 104
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch.
halten haben fónmen *).
Wie weit die Phrygier und
Sndier es vor der höhern Cultur der Griechen, befonders
in der Bearbeitung von Merallen gebrarbt Hatten, laßt
fic) nicht bloß aus den allgemeinen, und oft verbächtigen
Zeugniffen des Dlinius, fondern aud) aus den Werfen
bemeifen, die man noch qu Herodots Zeiten in Delphi
zeigte **). Dad) diefem Water der Gefchichte war Mi:
das, König in Phrygien, der erfte Barbar oder Ausläns
Er heiligte
der, der den Upoll zu Delphi befchenfte.
ihm einen Thron, auf weldhem er Gericht zu halten
pflegte, und der nach Herodots Urtheil der Arbeit me
gen febensmilrdig mar.
Ungeachtet diefer Schriftfteler
über die Materie diefes Föniglichen Sizes niches binzufest;
fo muß man doch annehmen, daf er aus Erz, oder gar
Mod) freys
nod) aus einem edlern Merall verfertigt war.
gebiger bezeigte fi gegen diefelbige Gortheit Gyges, Rós
Diefer witmete ihr nämlich aufer einer
nig in fydien.
Geldes nod) fechs goldene Trinfgefchirre,
Summe
großen
die dreyfig Talente fd)wer, und wahrfcheinfich im Sande
felbft gemacht waren, weil Herodor fonft nicht vergeffen
haben würde, den Namen des Gricchifhen Künftlers ane
äugeigen.
Vielleicht Fomme es manchen niche unmabrfcein:
lid) vor, Daß man bey der Auffuchung der erfien Anz
finge von Künften und fúnfilidjen Handwerfen noc) tics
fer
#)
Her, VI, 46. 47.
nius in
Unwabricheinlich {ft es,
was Pli
dem fon mehrmalen angeführten Capitel,
in welchem er fid) felbit widerfprichte, meldet, daß
en Kadmus Goldbergwerke in Griechenland créfnet
Pagina 105
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)fer in Afien gurüd gehen, und fie von den Ufern des Tie
—Ailein diefer
gris und Euphrach herauf holen finne,
VBermuthung Faun man erfilid) das Zeugniß und Urtheil
des Strabo entgegen fesen, nad) melchem zu den Zeiten
des Homer die Griedyen von den Volfern des innern Afiens,
gar nichts, oder febr wenig wuften; weil, menn man fie
gekannt hätte, Homer die Affyrier, Meder, Babylonier
eben fomobl, als der Größe von Theben, und der Kids
thümer der Phönicier würde ermábne haben, Man kann
ferner eben diefe Vermuthung aud) durch die fpaiere Gee
fchichte der angrenzenden oder Herefchenden Vó:Ecr widers
legen. Denn mare die Cultur von Ninive oder Babylon
aus zu den Phrogiern und éydiern fortgerddt; fo würden
fie doc) auch die daswifchen liegenden Nationen haben bes
rühren müûffen. Allein die Rappadocier und Armenier,
mweld)e in der Folge den Medern dienten,
waren felbft
noch zu des Darius Hystafpes Zeiten der Viehzucht ergee
ben,
und wegen ihrer zahllofen Heerden berühmt *).
Aud) die Meder waren der langen Verbindung,
ble fie
mábrend einer Knechtichaft von 500 Jahren mit den Afs
foriern unterhalten hatten, ungeachtet, ‘zu den Seiten der
Grenbeit, doch nod) fo wenig gebildet, daß fie nur in.
Dörfern wohnten, Feine ordentliche Magifirateperfonen,
oder fefte Gefese hatten, fondern alle Streitigkeiten ente
meder durch die Waffen ausmachten, oder aud) durd)
frenmillig gewählte Schiedsrichter beylegen ließen.
Uns
ter folchen Schiedsrichtern erwarb fich einer mit Namen
Dejofes durd) Kiugheit und Unparthenlichfeit, anfangs
>
9) Her. Y. 49,
Pagina 106
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfies Bud.
nur in feinem Dorfe, baid aber unter allen übrigen
Stämmen der Meder ein fo allgemeines Sutranen, daß
fie ibn cinftimenig zu ihrem Rônige erwählten.
Ermurde
daher zu den Zeiten des Gyges der Stifter des Medifchen
Meids und der Erbaner von Efbarana, der erften Mes
bifdjen Stadt, Das Medifde Reich war alfo weit jüine
ger cis das Pheygifche und Spdifihe; und Pracht und
als in der
Ueppigfeit entftanden im erftern auch viel (pater
legtan*). Man fiehe aber dod) aus der ganzen Befefti
gung und Ausfbmüdung der Königsttadt **) des Dejos
fes, aus bem Pompe feines Hofes, und aus dem dess
potifhen Ceremoniel, was er einführte, daft diefer erfte
Behercfcher dee Meder einen anbera üppigen Hof fi
Gein Nadfotger Phraots
gum Mufler gemábir batte.
Enfel Kyarares, der
fein
und
tes bezwang die Perfer,
aber während feiner vierzigjährigen Regierung 28 Sabre
den Sten ginsbar war, eroberte und zerftörte Mis
nive ***), und rourde der Schöpfer der Kriegsdifeiplin $),
indem er Reuteren, Fußvolf und Bogenfchien, die vote
ber ofine alle Drönung unter einander gemifcht gemefen
waren, von einander fonderte. Aud) führte er mit dent
Aipattes, einem Water des Kröfus, einen hartnäcfigen
Krieg, der endlich nicht durd) das vorzügliche Gtücf oder
die Tapferkeit einer der benden Parrbenen, fondern durch)
Aberglauben geendigt wurde, Bende Heere fowoh! das
Sydifche als das Medifche wurden durch eine Gonnenfine
fterniß,
die Thales vorher gefagt atte, in ein folhes
Score,
*) Her, I. 95. 96.
**)
229) 6163. v. Ch. Geb.
Pagina 107
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Sehrecfen gefezet,
daß alle Gemüther fid) zum Frieden
neigten, der auch bald gefchloffen und durd; die VermáB»"
fung einer {ydifdyen Königs Tochter, mit dem Miedifchen
Aftyages befefliger wurde. Jm 35 Jahre der Negierung
des Urenfols besDejofes, wurde fomobl das Medifche
und Babylonifche Neich, melches lesteve fic) noch immer
gegen die Meder gehalten hatte, als das Sndifche vom
Kyrus übern Haufen geworfen *), und fame den Gries
cifen Städten auf dem feften Sande in Afien in die
ungeheure Perfifche Despotie vereinigt, die fid) bis aufden Lerres nod) immer vergrößerte,
und in Anfehung
ihres Umfangs und der Zahl von Völfern, die fie in fid)
fafite, alle Altern Mfiatifhen Reiche ohne Vergleidung
übertraf.
Ehen diefe Sieger Afiens waren vor und zu den
Zeiten des Ryrus eben fo febe Barbaren, als die Meder
es qu den Zeiten des Dejofes waren.
Das ganze Pere
fifche Wolf beftand aus zwölf Stämmen, unter denen nue
einige das Feld baueten, der größere Theil aber von der
Jagd oder Viehzucht, und mabrfbeintidh auch von Haube
lebte.
Sie fleiveren fic) durchgehende in Tbierfelle,
fannten weder Dehlbäume noch Weinftöde, nod) andere
edle Früchte und Gewadhfe, und waren aud), wie felbft
'
aus dem Kunftgriffe erhellt, womit Kyrus fie zur Ems
pörung wider die Meder aufbradte, mit allen Vergnù:
gungen und Dequemlichfeiten ausgebildeter Nationen
gánglid) unbefanne **), — Da alfo Jurus, Künfte und
fünftliche Handwerker nicht einmal von den Affyriern zu
5%) Her. 1, 71. & 2350
Pagina 108
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfted Bud.
den Mebern, vor dem Untergange der erftern, und
‘pon beyden wiederum bis auf den Umflurs von Ninive
und Babylon nicht zu den Perfern übergiengen, fo ift es
noch viel unmwahrfcheinficher,
daß fie durd) einen gang
unbeareifliden Œprung vom innern Ufien ber zu den
Dérogicen und {ydiern gefgmmen fenn follten.
Aus der langrolerigen Barbarey und Armuth aller
ter großen Völker, die den Afforiern und Babyloniern
am nadjften lagen, ferner aug der Unmöglichkeit, eine
Nation ohne Haupt und Gefeze, wie die Medifche mar,
wieder zum Geborfam zu bringen, endlich aus den unmie
derftehlichen Einfällen der Sfythen, und aus den fdnela
len Eroberungen des Kyrus fehließe ih, was Goguet
fon mit andern Gründen vortrefflich gezeigt bat”), daß
die Schilderungen faft aller alten Schriftfteller von den
Neihrhämern,
der Pracht und ben Kunftwerfen der
Etádie Ninive und Babylon auf das unverfcämtefte
übertrieben find.
Dierte Beylage.
Meminersnt illi S. Aelium, M. vero Manilium
nos etiam vidimus transverío ambulantem foro;
quod erat infigne, eum, qui id faceret, facere
civibus omnibus confilii fui copiam: ad quos
olim et ita ambulantes & in folio fedentes domi
fic adibatur, non folum ut de jure civili ad cos,
verum etiam de filia collocanda, de fundo
emen-
*) Prem, Part, Liv. IL ch, E,
Pagina 109
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)emendo,
de agro colendo, de omni denique
aut officio aut negotio referretur,
Haec fuit
P. Craffi illius veteris, haec T. Coruncanii,
haec proavi generi mei, Scipionis, prudentif.
| fimi hominis fapientia,
qui omnes pontifices
maximi fuerunt, ut ad eos de omnibus divinis
atque humanis rcbus ceferrerur: iidemque
et in tenam, & apud populum, & in caulis amicorum
& domi & militise confilium tuum fidemque
preeitabant.
Quid enim M. Catoni, practer
hanc politiffirnan: doctrinam transmarinam arque
adventitiam, defuit? num quia jus civile didicerat, caufas non dicebat? aut quia poterat dicere,
juris fcientiam negligebat? At utroque in genere & labor. vit & praeliitit
Num propter
banc ex privatorum negotiis colledtam gratiani
tardior in republica capeffenda fuit? nemo apud
populum fortior, nemo melior tenator: idem
f.cile optimus imperator: denique nihil in hac
civitate temporibus illis feiri ditcive potuit,
quod ille non cum inveltigarit, & Icierit, tum
etiam con{cripterit *);
In hoc viro(M Porcio
Catone) tanta vis animi ingeniique, ut quocunque loco natus effet, fortunam fibi facturus
videretur,
Nulla ars neque privatae, neque
publicae rei gerendae, ei defuit. | Urbanas rufticasque res poriter callebat.
Ad fummos ho»
nores alios icientia juris, alios eloquentia, alios
gloria militaris provexit,
Huic verlatile ingenium
de Or, 111,33. Man höre den Livius L, 39. cap. 40.
Pagina 110
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erffes Bud),
nium fic pariter ad omnia fuit, ‘ut natum ad id
unum diceres, quedcumque ageret.
In bello
maou fortiffimus, multisque inlignibus clarus
puguis, idem pofeaquam ad magnos honores.
pervenit fuimmus imperator: idem in pace, fi
jus confuleres, peritiffimus, fi caufa oranda effet, eloquentiffimus, Nec is tantum, cujus
lingua vivo eo viguerit, monumentum eloquentic nullum exflet: vivit imo, vigetque eloquentia ejus, facrata fcriptis omnis generis. —
In parfimonia, in patientia laboris periculique
ferrei prope corporis animique, quem ne feneGus quidem, quac folvit omnia, fregerit, Qui
fextum et o&ogefimum annum agens caufam
dixerit, ipfe pro fe oraverit, {cripferitque,
nonagefimo anno Servium Galbam ad populi adduxerit judicium.
Ueber die Befchäftigungen feines
Alters {aft Cicero ibn fo reden *): Septimus mihi
Origenum liber in manibus: omnia antiquitatis
monuments colligo: caufarum illufrium, quascunque defendi, nunc quam maxime conficio
orationes: jus augurum, pontificum, civile
trado: multum etiam Graecis litteris utort
Pythagorcorumque more exercendse memoriae
gratia, quid quoque dic dixerim, audierim,
egerim, commenioro vefperi
Hae funt exercitationes ingenii, haec curricula mentis: in his
defudans atque elaborans corporis vires, non
magnopere defidero; adium amicisi venio in
lena%) De Senedd, c I,
Pagina 111
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)fenatum frequens: ultroque affero res diu mul.
tumque cogitatas; Casque tueor animi non cor=
poris virıbus.
Der Grietnycren Sitreratur war Cato
bis in fein hohes Alter gar nicht gewogen, mie nicht nur
aus der Entfernung des Karneades und feiner Gefibra
ten, als gefährlicher Scywäzer aus Nom, bifannt if,
fodera aud) aus folgendem Fragmente diefes großen
Monnes erbelit, das id) mit einigen Anmerfungen des
Pinius Herreyen will, weil es beweifet,
Kenniniffe temes Zeralters,
fatite *).
fil,
mie febr er alle
felbft die Medtcin, ums
Dicam de iftis Graecis fuo laco Marce
quid Achenis exquifitum habeam, et quod
bonum fit corum literas infpicere, non perdi.
fcere. Vincam nequiffimum et ındocile genus illo»
rum: et hoc puta vatem dixifle: quandocunque
ifta gens luas lirteras dabit, omnia corrumpet:
tum etiam magis, fi medicos fuos huc mittets
jurarunt inter fe barbaros necare omnes medi.
cina. Sed hoc iptum mercede faciunt; ut fides
iis fit, facile dilperdant. Nos quoque dictitant barbaros, et Ipurcias nos quam alios opicos,
appellutione foedant: interdixi tibi de Medicis — Arque hic Cato (fagt Plinius) DCV anno
urbis noftrae obiit, — — Jubjicit enim qua medicinaet lè et conjugem usque ad longam fenectutem perduxerit , iis ipfis icilicet, quae nunc nos
tratamus.
Profiteturque effe commentarium
fibi, quo medeatur filio, fervis familiaribus,
quem nos per genera uius fui differimus,
Fünfte
#) Lib, XXIX,
Pagina 112
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfted Bud,
Fünfte Beylage,
De urfprüngliche Bedeutung des Morts coPos will
ich nur mit einigen Stellen erläutern.
Dtenneft
du nicht,
(fagt Sofrates zum Thrages)*), diejenigen Weife, die
in dem Gefchäfte oder der Funft erfahren find, worauf
fie fich geleat haben? — ¿lud niche lange nachher fährt
er fort; Dash was für einer Are von Weisheit bift ou
begierig, vielleicht nad) der, wodurd) die Menfchen
Schiffe regieren? — Wem, fagt Sofrates zum Prota.
goras **), gibft dir den Mammen eines Weifen? oder mele
den nennft du fo? — Wie das Wort felbft zelgt, ante
wortet Protagoras, Toy rw coLey exisnuove, einen
jeden, der näzliche Kenntniffe befigt. — Man Fann alfo,
ermiebert Gofrates, Mablern und Dilobauern diefen
Namen geben? — Und erft hier fängt Protagoras an,
feine gegebene Erklärung vom Weifen einzufchränfen, —
Weisheit, fagt Ariftoteles ***), fehreibt man denen zu,
die in den Künften vorzüglich groß und gefchict find, und
man nennt alfo Perdi, Asdeoyor coPov, na) Modus
uderrov, avdesav ro zoo. Er führt die merfwürdige
Stelle Homers an, wo der Did;ter vom Margites fagt:
roy der” agenamrngs Oso Seoav
gr ceuTned
ed arms Ts copo.
Gn
*) P, 239. Op. Ed, Bal, Gr,
**) in Prot. p. 284,
0%) Ethic, V, 7.
Pagina 113
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Sn einer alten Snfrift wurde aud) Dnatas' meife
genannt ©):
MONAT per LAA TOPE Tomuoro {of
ro) Ovara
Egyov, ev Asyıyrov tene mode mov,
-
Qu diefen Zeugniffen, die ich leicht vervielfaltigen Fônnter
feze ich nur nod) eins aus dem Athendus hinzu,
in mele
chem diefer Schrififteller bemerft, daß man in den dites
flen Zeiten vorzúglid) Tonfünftler, die faft alle zugleich
Dichter waren,
mit dem Chrennamen der Weifen bee
P
legt habe **),
yn den álteften Seiten waren Sophift und Weifer
(coQisxs ug) coPos) völlig gleid) bedeutend.
Herodot
braudet den Ausorut Sophift, wenn er fagt, daß alle
Rünfiler und gefchictte erfahrne Männer, und unter
diefen aud) Solon, fid) an dem Hofe des Kréfus vera
fammlet hätten.
An einem andern Orte nennt er den
Pythagoras einen der vornehniflen Sophiften Griechen
fandes ***).
in Grita
fßfrates erzähle, daß Solon fic)
chenfand zuerft den Mahmen eines Weijen oder Sophie
fen gegeben babe +). = Aefbplus nannte Mufifvere
ftändige fo:
er av coins nada mogumomy Aur
ap. Athen. XIV 8. Rratinus gab dem Homer und Hee
fiodus tt), und Plato fogar dem Jupiter eben diefen Mac
men
=
#) Paul, V. 21, Po 445:
PE) XIV. 8.
we)
IV.
À) wee ayriduoetss il, p. 412, Ed, Beatty
+4) Ap, Diog, 1, 12.
Pagina 114
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfes Buch,
Eben deswegen legten fid) die alten Sophiften
diefen Titel bey, und dies wirft ihnen Sofrates faft in
allen Gefprächen des Platovor.
Einer der berühmteften
war Hippias, und von diefem heifites beym Paufanias **),
daß
er von den Griechen der Weife genannt fey, Thrafymas
Aus, gleichfallsein Sophift, erbielt folgende Grabfehrift:
Tsroua Ir ew ada.
cav, in «Apo xs
8
cay
ares yarında. i de rexyn cop oh
Endlich, erhellt ans vielen Stellen des Lenophon, Plato,
und Ariftophanes,
daß aud) Prodifus,
Protagoras
und Gorgias den Beynamen der Weifen erhalten und
geführt haben.
Wenn daher Plutard) behauptet, daß die alten
MWeifen Griechenlandes,
und unter diefen and Golon,
andere in ihrer Weisheit unterrichtet, daf ihre Weisheit
vorzüglich in Staatsfunde, und in der Wiffenfchafe
Menfchen zu regieren beftanden, und daß endlich ein ges
wiffer Mnefiphilus, der Lehrer des Themiftofles, biefe
Weisheit vom Solon als eine Sefte empfangen hätte;
fo hat er fomohl den Sfofrates als Cicero auf feiner
Seite t).
Allein Plutard Hat wiederum nicht nur
das
*) in Min, p, 509.
RK) V. 25. p. 443:
***) ap, Athen, XIV. 20, p. 454.
+) Plot. in vit. Them. I, p. 441, Ed. Reisk, peAdoy ay
LY TIS TLOTEXO TOS CID
AS Toy ®epusondeo TH
Pesce (CAC yevec Sots RE A BTE enrogos
ovros, are Toy Quomoy HANTEVT&Y AL TA
AG Tuy xo AB eva coPutv, Booty
dengraza
TONITHKIV> HOY OLASHCIOV OwvETIV, EBS TH deupuce
TETONA
Pagina 115
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)das ausdricflidhe Seugnif bes Sfofrates, fondern aud
alle vorher von mir angeführte Stellen der Alten gegen
fich, wenn er fagt, daß man erft diejenigen Männer mic
dem Mamen der Sophiften zu belegen angefangen habe,
die neben der Staatsfunft aud) nod) in der gerichtlichen
Berebfamfeic Unterricht gegeben, und fic von der Vera
waltung öffentlicher Gefchäfte allein auf die Verfertigung
fchôner Neden Hingewande Hatten. Die Griechifchen
Weifen wurden eben fowohl coPsses, als die Sophiften
teife Männer genannt,
Mit beyden Ausdrücen gingen Im Zeitalter des
Sofrates und feiner erften Nachfolger große und zwar
entgegengefegte Veränderungen vor.
Der Name Soa
pbift wurde durch ben Stolz, die Habfuche und verderbe
ÿ 2
lichen
geromuevs vou dieowfovtos Gomee cugeoi ex
Asadoyns amo ZoAwvos.
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OR TUTO di-
HOLVIKCIS MIERVTES TEXVOIS, Kor PETAYAYOVTEC
omo TOY Textewy THY AOHNOIW ETS TES AoyES,
coPızaı mesonyopsugnoav. Moc, weer avridorews
Il, 412, gxey emsye Toy meoyovwy gras ene.
RAN Tes pev xahgueres coPisas eJouuxoy,
yo TES cuvovTas euros eCyAgy Tes de cuno=
Gavras wreisov Hana œriss evopifov Ence:
peyisoy de rerunesov. Sodwvee fey Yap Toy Treo
Tov ray TOM TOY AuBovree tu» ETwvupecey rav
Ty, meosutyy nkiwoov THs wrodews Ewes. = |
Cic. de Orat, 111,28.
Dicunt igitur nunc quidem illi,
qui exlparticula parva urbis ac loci, nomen habent,
et peripatetici philofopbi, aut Academici nominantur;
olim autem,
propter eximiam rerum: maximerum
fcientiam, a Graecis politici pbilofophi appellatip
univerfarum rerumpublicarum nomine vocabantur,
Pagina 116
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Bud.
lichen SeGren der Männer, die ibn führten, am meiffen
aber durch den Tadel des Sofrates und Plato fe verhaßt,
und
dafi er fich in einen Schimpfnamen verwandelte,
dog fo gar viele der vornehmften und aufgeflärteften
Griechen fid) feheneten, etwas zu fehreiben, weil fie,
Der
fürbteten, für Sopbiften gehalten zu werden *),
Name Weifer (coPos) Hingegen wurde dadurd), daß
Gofrates, den die Porbia für den Weifeften unter den
Griechen erflärt hatte, ihn ablehnte, und Weisheit für
eine VollfommenBeit erklärte, die man nicht dem Men»
fhen, fondern nur der Goftheit zueignen fonne **), fo
febr erhoben, daß Feiner in der Folge fidy mehr unter»
ftand, fic) felbft diefen Titel benzulegen ***), oder von
feinen Zeitgenoffen anzunehmen, Plato +) feblof wider
den Sprachgebraud) feiner Zeit alle Kúnfiler, Hands
werfer, und Berridter nüzlicher Gefchäfte des bürgers
lichen Sebens von der Zahl der Weifen und den Anfprite
en auf Weisheit aus,
und fejte die legfere in ein
unveränderfiches Beffreben fid) von aller Sinnlichfeit und
Anhänglichfeit an die Materie losjumadjen,
und feine
böcjfte Gtückfeligfeit in der beftändigen Anfchauung emi.
'
PA
ger
o
#) Plat, p.207. Xenoph, in Kuyayerinw. c 13,
$*) Plat. in Apol.Soc, p, 8. in Phacd, p, 214.
$98) Den Epicur ausgenommen, vou meldem Cicero fagt:
qui fe anus, quad feiam, fapientem profiteri fit aufus. Nam Metrodorum non putant ipfum profeffum:
fed cum appellaretur ab Epicuro, tantuin beneficium
repudiare noluiffe. Cicero dachte nicht an die Sophie
fien, und man muß daher nad) bem EBorte unus,
pot Socratem hinzufezen, wenn feine Behauptung
richtig fenn foll, De fin, IL, 3,
$) In Protag, p, 82, $3, in Epinom, p, 635. 636,
Pagina 117
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)ger Wahrheiten, oder des ftets Gleichen und Unmandele
baren, und in der Acpntichwerdung undMiederberelnia
gung mit Gort zu finden, Zu den Zeiten des Ariftoteles
Batte das Wort in der Sprade des Volks, und in der
DBiicherfprache eine ganz verfchiedene Bedeutung), Jn
der erften nannte man den Phidias, Polpfletus und ans
dere nod) immer weife Künftter; in der andern hingegen
feste man [don meife und Fluge Männer einander entges
gen, und nannte nur diejenigen Weife, die fic) role Thar
les und Anaragoras mit ben fehmerften und über den ges
meinen Menfdyenverftand am meiften erhabnen Kennts
niffen befchäftigen. Avittoteles unterfdyied baber acre
von cuvecis, Deovnsus, exssnyn und rexvi, und erklärte
die erftere als eine QBiffenfhaft der wiflenswirdigften
Dinge, eri 4 ooDics 251 Koes EMISHLY HOLL VES TOY Ti
prororoy rn Qura.
Gelbjt die Regicrungs-und Ge
fesgebungefunft fchienen ihm nicht zur Weisheit zu gebde
ren, fondern nur verfdricdcne Zweige der Klugheit (Peovygis)qu fepn **).
Mit diefen Begriffen angefüllt fpras
den Difaarch und andere den Männern, die in den lee
fen Zeiten allein und vorzugsweife den Ehrennamen
der Weifen empfangen Batten, ben Titel der Weifen ab,
und hielten fie bloß für Éluge und flaatseundige Perfo«
nen,
die ihre und ihres Waterlandes Wortheil que vere
ftanden und eifrig befördert hätten **),
D 3
Es
#) VI7, Ethic,
xi) Ib,
i
M%%) Dicac. ap, Diog, T.'40, Cie, de mie, e, 2,
qui feptem appellentur, cos qui ifta fubtilius quacrunt, in numero fapientum nen habent,
Pagina 118
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erfies Bud.
Es ¡ft eine ganz allgemeine Meynung, daß Pytha+
niche
goras fid) zuerft in Griechenland aus Befcheidenheit
einen Weifen, fondern einen Siebbaber der Weisheit ges
Cicero *), Diogenes **) und andere bas
nannt babe,
ben diefes dem Heraflides Pontifus, oder auch folchen
Sdriftftellern nacherzáble, die aus diefem Schüler des
Allein gleichwie
Plato und Ariftoteles gefhöpft Hatten,
Heraklides die ganze Phitofophie des Plato auf den Py:
(und dies wird in der Folge
thagoras übertrug,
umffändlicher dargethan werden,) fo eignete er ihm aud)
in dem Mährchen, worin er ihn zum Erfinder des Na=
einen dem Plato oder deffen
mens Philofoph machte,
Sehrer eigenthümlichen Gedanken zu, wie einem jeden,
aus folgenden Gründen einleuchten wird,
glaube ih,
Hätte nämlich fhon Pythagoras ftatt des zu flolgen Titels,
Meifer, oder Sophift, den Namen eines Liebhabers der
Weisheit angenommen, fo würden fchwerlid) die Sophie
ften und andere große und berühmte Männer das Herz
zu nennen.
gehabt haben, fid) felbft noch immerfort Weife
Auch Herodot nennt den Pythagoras ***) nicht einen
Philofophen, fondern einen coPssyy, und Son von Chios
coer }). Im Zeitalter des Sofrates gab es außer den
Sophiften nod) TOMTIHOI, QHTOGES, MUI pario, y
pesto, Duomo, oder oi Toy mereces Pecvrisas, ab
TO METEWOX, TO
OMIUOVIE, To Sex Cyravtes vote
QeovriGovres, aber unter allen dirien Lehrern, entweder
nüglicher, oder blendender, oder felbft fchädlicher Kennt»
niffe
#) Tufo, Quach, V, 3e
E 112
+) Ap. Diog. L 1200
Pagina 119
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)niffe fanden fid) gar Feine, die fid) DiAcooPes genannt
bitten. Dies Mort forme ferner in feinem Fragment
der älteften phifofophifchen Dieter, aud nicht in den
Brucftüen des Heraflit und Demofrit, und nicht eine
mal, fo viel ich weiß, im Herodor vor,
Sezterer brauche
nur einmal den Ausbruf PsrocoPew *) an der Stelle,
wo er den Kröfus gum Solon fagen läßt: daß der Diubm
der Weisheit des leztern, und der Reifen,
die er zur
Erwerbung und Erweiterung nüzlicher Renntniffe unters
nommen habe, aud zu ifm gefommen fey **).
Aus
allen diefen Sactis und Stellen der Alten muß man follie»
Ben, daß Sofrates, der den Titel eines Weifen für zu
erhaben hielt, als daß Menfdyen ihn fragen dürften, der
den Namen Sophift lächerlich und verhaßt machte,
der
fic) aud) nicht zu den Naturforfchern oder Puros red)
nen wollte, weil er ihre Unterfuchungen (Ta uerewec)
verabfcheuete, und nur sees Toy avd eos ces diede
yero***),
daß diefer alfo der erfte gewefen fey, der
fid) einen Siebbaber der Weisheit zu nennen angefangen
babe, Siemit ftimme nicht nur Plato überein, indem
er ibn am Ende feines Phaedrus “agen läßt +): ro Mev
TOPov w Codec Koden, Epos VE far YO eıyaı does, Koes
Sew oven TELETEN. To dE 1 PiroooGev „N TA TOETOY,
H&AÂoY TE
exes:
ŒVŒUTO KO
APUOTTO
KHL EMMENESECOS
fondern auch die Bemerfung,
PidoroPos und DrAorcPia erft
94
in
den
daß die Wörter
Schriften
der
Shi:
LEO
**) ws DidoreDeay Ty WoAAHY Sewers Eweney ee:
Anavdas.
«**) Xenoph, Mem, I. 1,
Pagina 120
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch.
Siler des Sofrates und ihrer Zeitgenoffen häufig vor.
E nmen, und aus diefen bald in die allgemeine Bolfs«
forache übergegangen find,
Die Bedeutung derfelben
blieb aber noch fange unbeftimmt. Sfofrates veritand uns
ter der Philojepbie die Kunft glücklich zu leben, und ans
dere durd) Klugheit, Beredfamfeit und Kechrfchaffenheit
glücklich zumachen *),
Plato ift fehr unbeftändig im Gea
brauche des Worts Philofophiee
Bald nimmt er es für
Begierde nad) nüzlichen Renntnifen (DrropeIm), bald
Thränft er es faft ganz allein auf das Studium der Orde
fen'obce ein, und bald ift es ifm wiederum mit Yvwcıs,
exe nun und sois einerley,
Gein Zuhörer und gmeys
tee Nachfolger Eenofrates war der erfte, der den Aude
dru Philofophie genau beftimmte, oder doc) ihren Um:
fang, ihre Theile, und die Kenntniffe angab, weldyefie
in fic) faffen folle **),
Nachdem id) jego die Gefhichte einiger der vide
tigften Wörter der griechifchen Eprad)e vorgetragen babe;
fo forme ich zum gmebten Puncte, den id) in diefer Bey:
Tage zu erläutern verfprach: nämlich sur Prüfung dee
übrigen Sagen von der Veranlaffung der Benennung der
Gries
*) Paneg. IL 142.
Toure ourelevee,
PidoroQiav ron 4 mare
Hou CUYKCETETHEVADE,
HO
Tees TE TAS moss ques emcideuce, “os Fees
WAANAES ergauve Kei TOY CURDCEewY TES TE de
anadıer, nos ras eb oceans Yıyvoneias dies
Ae, nes ros per QuAufacgar, Tas de noeAws
eveyrew ediduter, 71 TONS FO) — mm m
ETIANTEV.
84), Man fee Sextum adverf, Mathem, VII, 16,
Pagina 121
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Weber ben äfteften Zuffand von Griehenfand. rox
Vers
nun Feine andre
Griedifhen Weifen. Ungsachtet
muthung und Erzählung file fo wahrfeheinfid), und mit
der Gefihichte anderer Volfer für fo übereinfkimmend
halte, als diejenige ift, die ich im Tertemitgeiheiit babe,
und die durch das Urtheil des Cicero beftätige wird *);
fo fann ich doc) auch niche verbeblen, daß die Mennung
des Giofrates nicht vieles vor fic) babe,
Dirfer Redner
fagt, in der oben angeführten Stelle, daß Solon der erfte
in Athen gewefen fey, der fid) einen Weifen genannt habe,
und fagt es auf eine foldje Art, daß man fieht: er Habe
noch andere im Sinne gehabt, die vor dem Solon eben
Dicfen Namen angenommen Hatten, — Sefer, die mit der
Denfungsart der Griechen und anderer freyen VWélfer
nicht bekannt find, werden geneigt feyn, die Nachricht
des Ffofrates bloß deBwegen als falfch zu verwerfen, weil
fie befürchten, daß, wenn ihre Wahrheit zugegeben würde,
die Weifen Griechenfandes fid) eines unverzeiblichen
Srolzes fhuldig gemacht hätten. Allein eben diefe Sefer
fann man auch bald auf eine unmiderfprechliche Are über
geugen, daß die Griechifdjen Weifen, wenn fie fid) auch
felbft diefen Titel bengelegt Hatten, gar nichts ungewshns
liches gethan, und fich felbft bloß Gerechtigfeit haben mie:
derfahren laffen, Man u wie Tacitus**) vortreff5
lich
#) De Fin, II. 3.
Septem autem illi, non fuo, fed poe
pulorum fuffragio omnium nominati funt, *
##) In vit. Agr. I,
At plerique fuam ipfi vitam (er redet
von den alten Romern) narrare,
fiduciam potius
morum, quam arrogantiam erbitrati funt, nec id
Rutilio Sczuro citra fidem, aut obtredstioni fuit,
adeo virtutes fisdem temporibus optime acftimastur,
quibus facillime gignuutur,
Pagina 122
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch.
lid) bemerft, niemals mit größerer Zuverfiht von feinen
eigenen Tugenden, als in folchen Seitaltern, wo manam
meiften befizt und ausübt, und nirgend (fann man hinzufezen)
rühmte man feine und feiner Freunde Vollfommenbelten
und Verdienfte mit einer größern Srcomútbigfeit, alsin
foldjen Staaten, in weldyen man die Fehler und Berbres
chen feiner Feinde am dreifteften tadeln fonnte und durfte,
Die furchtfame Befcheidenheit,
die fic felbft entweder
gar nicht, oder nur mit Erröthen lobt, mar den freyen
Griechen und Rômern eine eben fo unbekannte Tugend,
als die fhlichterne fehonende Bebutfamfeit im Tadel von
Widerfachern; und fie erhielten bende erft, nachdem fie
faft alle übrige Tugenden mit ihrer Frenheit eingebiBe
Batten.
Die republicanifchen Römer fchrieben nicht nur
ihr eignes geben, fondern fie hielten aud) ihren nächften
Verwandten nad) ihrem Tode fobreden, in melchen die
Tugenden und Thaten der Verftorbenen und Vorfabren
mit aller Macht der Beredfamfeit gefchildert wurden,
MWenn fie fic) dem verfamleten Volfe alg Mitwerber
um
Hohe Würden darftellten; fo waren fie von den ebrmirdig:
ften Männern begleitet, die fie den Wählenden empfahlen, und fie felbft fuchten das Bolf zu überzeugen, daß
fie mehr als irgend andere zur Führung des Amts, mel:
hes fie fuchten,, fähig feneno
Sie mochten endlich fid)
felbft vertbelbigen, oder andere anflagen; fo machte ale
femal ein nachbrüdiidhes febbaftes Gemälde ihrer eigenen
Vorzüge und Verdienfte einen großen Theil der Neben
aus, womit fie fic) entiweder felbft vom Verderben errets
ten, oder andere niederfchlagen wollten. Esift alfo Un.
wiffenheit, und Mangel von Kenntniß der Sitten freyer
ein je:
Nationen, wenn man den Öriechen und Nómern
Pagina 123
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)des Selbfiloh, das unbefcheiden fcheint, zur ftraflichen
Eitelkeit, und jeden Tadel, der jezo übertrieben heftig
feon würde, zur bäurifchen Grobbeit anredynee.
Sc)
führe Feine Rémifche BWeyipicle an, weil diefe Hier zur
Ungeit angebracht
fenn würden, und ich es ju einer andern
Zeit in einer Abhandlung über den Charakter des Cicero
und feiner Schriften zu thun gedenfe, in welcher ich mit
reuvoller Ebrerbietung dem Schatten diefes großen Mane
nes öffentlich das Unrecht abbitten werde, welches ich ibim
mit einer unbefonnenen Uebereilung in einer meiner uns
reifen Arbeiten zugefügt habe.
Wenn man alfo auch mit bem Sfofrates annähme,
daß die Griecifchen Weifen fic) felbft fo genannt hätten;
fo würde daraus weiter nichts folgen, als daß fie ihre Le.
berfegenheit in Menfchenfenntniß und Gtaarsflugheie
über ihre Zeitgenoffen gefühlt, und ohne Prablerey durd)
einen felbfigemabiten Bennamen geäußert Hatten, fo wie
die Römifchen Helden durd) die Beynamen des; Großen,
des Glüdlihen, des Afrifaneré, des Numidifersu.
fw.
ihre Thaten ausdriidten.
Was Sfofrates vom Solon
berichtet, das thaten nachher Lenophanes, Seraflid und
Empedofles, ohne daß man diefe Manner einer iibermae
filgen Schasung ihres eigenen Werths befchuldigt, oder
einen gefährlichen Neid auf fie geworfen hatte; und aud
die Eophiften würden ungeffért in dem DBefize des Nae
mens weifer Männer geblieben feyn, wenn fie nidt durch
ihr Seben und ihre $ehren den Spott und Unwillen des
Sofrates und feiner Schüler auf (id) gezogen hätten,
Eenophanes, das Haupt der Eleatifchen Weltwelfen, und der bitterfte Tabler des Homer, Hefiod und
ande:
Pagina 124
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch.
anderer alten Weifen, fagt beym Athendus von fich felbft:
Wenn jemand auc) im $aufe, und in allen andern Arten
von Kämpfen bey Olympia Sieger geworden,
und als
Sieger den Vorfiz in allen Spielen, prächtige Gefchens
fe, und beftändigen Unterhaft von feiner Waterftadt em:
pfangen hätte; fo würde er doc) bas nicht werth feyn,
was ich werth bin.
Denn meine Weisheit ijt nüzlicher
und vortrefflicher,
ale die Stärfe von Männern und
Pferden: und irrig wird die legtere der erften vorgezogen,
Denn wenn fic) auch gute Ringer oder Balger oder Lars
fer, oder Führer und Seiter von Pferden und Wägen, in
einer Stadt finden; fo ift fie defiwegen nicht beffer geords
net oder vermaltet*). — Nod ftärfer und naddridii:
her fprad) Heraflid von feinen Kenntniffen und Vorzúe
gen,
Er geftand**), daß er zwar in feiner Jugend una
wiffend gemefen fey, Daß er aver
in feinen reifern Gabren
alles, und zwar durd) fic) fetbft ohne fremde Hilfe und”
Unterricht erkannt hatte.
Er verficherte fogar,
daß
ee
8) Pag. 37. Pocf, phil, Steph, Sd) will nur einige Verfe
abfreiben:
AANE per
=
— —
—
TS
—
—
Taura y «rouvre Mayo
ewuns
yea
Avdeav nd imzev iueren copian
ANN zum puedo TETO vopideras,
Bre
an cav alias were Eyw.
Evy
Iuaser.
Tico zewew emp Tas eyadys’ coins.
##) Ej, Frag, apud Diog, IX, 5,
Pagina 125
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)er allein alles wiffe,
feyen *).
und daß alle übrige unmiffend
|
So fühn nun der Ephefifche Weltweife fein eiges
nes fob verfündigte; fo freymiithig und entfcheidend war
er in feinen Ausfprüden über andere,
Vielwifferey
(fagte er) nüzt zu nichts, weil fie fonft bem Hefiodus und
Hekatäus würde geholfen haben,
Wahre Weisheit be
fiehe darinn, denjenigen Schacffinn zu befigen, der jemans
den in allen Sagen und Umfkäuden leite,
und ¿um Bes
ften führe **),
Nod) befrembender als alles, was ich bisher ans
geführe habe,
wird für die meitten Sefer der Sobgefang
feyn, den Empedofies auf fic felbit anftimmt.
Freue
euch (tief er in dichrerifcher Bejeifterung aus) ***), freut
uch, ihr Bürger von Ayrigont, daß ich mit heiligen
Snfuln und Kränzen ummunden unter euh, nicht als
rin fferblicher Mann, fondern gleich einem unfterblichen
Gotte Derummandle.
Mic, verehren Männer und Weis
ber, wenn id) in fremde Städte einziehe:
jebentaufende,
und fragen mich,
mir folgen
bald über die Wege,
î
48) Apud Proel, in Tim. p. 106.
Savrov esdevees Meyoyv,
CEVETFISFIMOVAS
die
sjeaxAeros ravre
Tavras Tes WAASS
EFVCEs.
**) Go müffen, glaube id,
verffanden werden,
folgende Worte des Serafile
die Diutard mißverftanden hat:
ewes ya fy Te cope,
emsacSees Pop, _
aires os xulBegvncos zarte dx severe.
Aus
diefen lezten Worten hat Diutard ein ro Peover
,
Omas nuBegvercs To Te cuuravnaæŸ riecenderrer
beransgebracht. de lf,
& Of, VAI, Pr 502, Ed, Reis,
es) Ap, Diog, VIII, 62,
Pagina 126
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Bud,
die zu ihrem Gíícte führen, und bald ziehen fie mich über
die Zukunft oder über die Heilung von Kranfheiten zu
Hart. — Der Agrigentinifhe Dichter hielt fick felbft
für einen Bundertháter, oder wollte menigftens dafür
angefehen feyn,
Denn in einem andern Fragment gibt
er einem Sreunde von fi folgende Berfprechungen *).
Von mir, fagtier, foilff du die Mittel erfahren, mos
‚durch du Kranfbeiten zu vertreiben,
Alter zurüickzuhalten vermagft:
und das traurige
aber aud nur dir allein
vertraue ich diefe Geheimniffe an,
Won mir follit bu
hören, wie du verheerende Winde bezähmen, und wenn
du willft, in ihr Sager oder in ihren Geburtsort zurück
führen finneft. Sc) will dich lehren , wie du Ungemita
ter in Heitern Gonnenfcjein, ober diefen in jenes verfeh=
ren, wie du aus Dürre Regen hervorbringen, oder auf
Slutben trodene Witterung folgen laffen, wie du endlich
die abgefchiedene Seelen verfiorbener Menfden aus dem
Neiche der Schatten wiederum hervorrufen finneft, Dios
genes und andere,
die die großen Männer des Alters
thumsnach der Oeufungsart ihres Zeitalters beurtheilten,
marfen dem Empedofles unertráglid)en Stolz vor; allein
Gertus **) dadjte anders, und glaubte, baf nur unwife
fende Grammatifer unverfhâmtes Selbftlob in den Vere
fen diefes Weltweifen finden Fónnten,
Apollonius pries
den Empedofles glúcfiid), daß er fic) burc das Gute,
was er von fic felbft gefagt, unter feinen Zeitgenoffen
Feine Feinde und Neider zugezogen habe***),
Da
) Ap. Diog, VIII, 59.
#*) adv. Math. 1. 302,
##*) VII, 7, Philoitr, in vit, Apoll,
Pagina 127
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Da alfo Eenophanes, Seraflit und Empedofles
fo faut von ihrer Weisheit redeten, - und noch fpäter die
Sopdiften fid) ungefdyeut Weife nannten, und vom gane
gen Griechenlande bis auf eine gewiffe Zeit dafür erfanne
wurden; fo Éann man es nicht als ganz unwahrfcheinlich
verwerfen, daß die leztern ben ältern Griedjifchen Wei
fen nachgeabmet, und aud) Sofon und deffen Zeltgenof=
fen fic) felbft den Titel der Weifen beygelegt Haben.
Alle übrige Erzählungen über die Beranlaffung der
Benennung der Griehifchen Weifen, welche Diogenes
und deffen Ausfeger *) am volljtändigften gefammiet baz
ben, find weniger glaubwürdig, und mit den Sitten der
alten Zeit weniger übereinftimmend, oder auch mehr mit
Sabeln vermifcht, als diejenige, die ich angenommen
habe, und die id) gleich nad) diefer für die mabrfcheine
lichfte halte. Die befanntefte und gemöhnlichfte Sage
ift folgende: daß Sonifche Júnglinge von Mitefifchen Sia
fern einen Nezzug gefauft, und unter den Fifcyen einen
goldenen oder ehernen Drenfuß **), von meldjem es une
gewiß if, ob esein Trinfgefdite oder ein Gefäß, worinn
man Wein und Waffer zu mifchen pflegte, oder endlich
ein Tifd) gewefen fen ***), gefunden hätten.
Ueber
diefen unerwarteten Fund fey unter Käufern und Vers
faufern ein Streit entftanden, der vom Apoll zu Delphi
endlid) dahin entfcfieden worden,
daß der Dreyfus wee
der
*) I, 28:33.
##) Das eritere fagt Diogenes I, c.
Exe, Il, 552,
das andere Diodor
®**) Man fee Athen, IL, 2, 10, Über die Bedeutung des Born
TEITOJES,
Pagina 128
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Bud.
ber ben einen noch den andern zufomme, fondern dem
Meifeften unter den riechen überreicht werden folle,
Diefem Ausfpruch zufolge babe man ibn dem Thales ans
geboten, der ihn aber abgelehnt, und einem andern bes
rühmten Zeitgenoffen sugefdicét babe,
Der zwryte Ems
pfänger fey aber eben fo befdjeiden gemefen als Thales,
und babe das Gefchenf einem dritten überliefert, von dent
es aber aus gleichen Bewegungsgründen einem bierten
und fo weiter herumzefandt worden, bis es endlid)
an den Solon gefommen, der es endlid dem Gotte
zu Delphi gebeiligt babe, — Andern Ueberlieferuns
gen oder Erdichtungen nad) *), binterlief ein gemiffer
Arfadier, VBatyllus, ein Trinfgefhire, mit dem Bes
feol, daß es dem Weifeften der Griechen gefchenfe
würde; oder Kröfus foll einen goldenen Becher als einen
Preis der Weisheit; oder die Argiver, einen Dreyfuß,
als einen Preis der Tugend, ausgefezt haben. Diefe
widerfprechenden Nachrichten ftimmen weder in Anfehung
der Männer, die diefe Gefchenfe zuerft empfangen, nod)
auch derer, die fie behalten haben follen, mit einander
überein. — Die Zeit, mann durd) die eine oder die ans
dre biefer Beranlaffungen mebrern berühmten Männern,
fowobl im Ufiatifiben als Europäifcen Griechenland,
der Mame von Weifen gegeben worden, foll in bas fie»
ben und funfzigfte Jahr des Thales, und in das finfa
Hundert ein und achtgigite vor Chrifti Geburt fallen **),
Sé
*) Diog. I, c.
##) Marmor, Arund, Booch, XXIX, Dice Datum ift fale,
weil die Halfte der fieben Meifen in der fieben und
fuafsigiten Dlyınpiade nicht mehr lebre,
Pagina 129
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Sd) trage Fein Bedenken,
alle jejt furs erzählte
Mährchen von einem wunderbar gefundenen Dreyfus,
der vom Apoll dem Weifeften in Griecbentand juge:
fproden worden, oder von Preifen der Weisheit und Eux
gend, die von einzelnen Derfonen oder Srddten hiurertaffen
und ausgefejt fenn follen, als ganz unglaublich zu vermera
fen.
Die Pyehia Fonnte wohl einzelne Männer für die
Weifeften unter den Griechen erfiáren;
allein fie Fonnte
nicht einen Fund dem Weiteften zuerfennen, ohne entroe:
der unfinnig zu fepn, oder etwas zu beftimmen, was
nicht gut beftimme werden konnte, nämlich wie und von
melchen, und nad) mas für Merkmalen die bôchfte Tu
gend und Weisheit gepriife und gerichtet werven follte?
Eben diefe Schwierigkeit findet auc) bey den übrigen Sa:
gen ffatt.
Denn faum ift es gedenfbar, daf es einzel.
nen Perfonen und Etádten auch nur jemals einfallen
fonnte, dem Weifeften und Tugendhafteften einen Preis
guquerfennen, ohne Riditer oder Oefeze,
nach welchen
die Werteifernden gerichtet werden follten, zu beftellen und
vorzufchreiben.
Hiezu fommt nod) diefes, daß weder
Plato, der die Griechifhen Weifen fo oft nennt, nod)
Serodof,
der einen jeden (einen-einzigen ausgenommen)
mebrmalen namentlich anführe, und manche Abentheuer
und Wunder vortrágt, die den Erzählungen von den
fieben Weifen, befonders der von dem gefundenen Dre.
fuße febr ähnlich find, und ihn, wie es fbeint, noth»
wendig datan erinnern mußten, nicht das geringfte von
den Begebenheiten anführen, wodurd) die Griechifdyen
Beifen ihren Ehrennamen erhalten haben follen.
Heumann glaubte,
daß die Griemifhen Weifen
als Dichter um Preife gefiritten, und auch als die beften
Pagina 130
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch,
Dichter ihrer Zeit, die ¡fre Pitbubler oft in dichteri«
fdjen Wertfämpfen befiegt, den Stumen der Weifen ver.
dient hätten.
Allein erfilich ift es zweifelhaft, ob afle
Weife wirflid) Dichter waren, und um ausgefezte Preife
tettgeeifert haben,
und zwentens ¡ft es eine durchaus
roiffeührfiche und falfche Vorausfezung, daft ihre dittes
rifchen Berdienfte nad) dem Urtheile der Griechen vor
denen aller übrigen fo hervorfledjend gemefen fenen, daß
man ihnen defivegen den Namen der Weifen gegeben
Babe.
Bielmebr fieht man aus der ardern Zahl von
Sragmenten einer Gappho, eines Alfaus, Anafreon,
Gimonides, und anderer, die obngefàfr um diejelbige
Zeit lebten, und aus den qréfern £vbiprüden, die ihnen
bengelegt werden, baf eben diefe Sanger und Sangerins
nen, die man niemals vorjugsweife Weife genannt hat,
für vortrefflichere Dichter, als die Griedifayen Weifen,
gehalten worden find.
Viel glücklicher würde Heumann, meinem Be
biinfen nad), gerathen haben, wenn er die poetifche
Werrkimpfe, die in den dlteflen Zeiten an Seften oder
an den Gräbern gehalten, und an welchen demjenigen,
aud)
der das fob ber Gottheit oder des Helden am beften befungen
hatte, Preife zuerfannt wurden **), für die Weranlaffung
aller Mährchen über den Urfprung der Benennung der
Meifen gehalten hätte.
Weil man nämlich in foldyen
Bichterifcehen Wertfampfen meiftens den Sieger mit einem
Drenfuße belobnte; fo erdichtete man,
daß auch ein gee
fundenes, oder bincerloffenes dreyfüßigtes Gefirr oder
Gefaf
#) Hefiod. Op & Dies, V. 652. u. f, Athen, II, 10, Aud,
Conv. Sap, VI, 583, apud Plut,
Pagina 131
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Gefäß oder Tif für den Weifelten der Griechen ausge
fest worden fey, ohne darauf Acht zu geben, Daß der
vorzüglid-fte unter mebrern Dichtern, und das befte uns
ter verfchiedenen Diciterifchen Werfen, viel eher erfanne
werben fönne , als der Weifefte und Tugendpaftefte cines
ganzen Bolfs.
Die Zahl der Griechifchen Weifen war, wie es
fcheint, weder in ihren eigenen Zeitalter, noch auch eis
nige Zeitalter nachher, beftimmt.
Herodor fibre war
die Namen aller Weifen an, den einzigen Rleobolus
ausgenommen, allein er fagt nirgends, daß man fie auf
eine gemiffe Zahl eingefhränft Habe.
Plato und deffen
Freund Eudorus waren allem Vermuthen nach die erften,
welde von fieben Weifen Griechenfandes *) redetens
allein bende gaben wiederum die Namen berfelben niche
auf einerley Art an,
indem Plato den Myfon ftaté des
Periander, und Eudorus eben denfelben an die Stelle des
Kieobulus fegte. Die Zählung diefer beyden Weltweiferr
bat zwar auf die fegt alle übrigen verdrängt; allein fie
wurde in Griechenland dod) nié fo allgemein angenom«
men, daß man nicht von ihnen, fomwobl in Anfegung.
der Zahl, als der Namen der Griehifhen Weifen, abe gegangen wäre.
Mad) dem Ditáard) **) gab es nur
vier Männer, die chne Widerrede und Ausnahıne vom
ganzen Griedenlande für Weife anerfannt worden: näme
(1d) Thales, Bias, Pittafus und Solon: außer diefen
nannte er aber noch fechs andere, aus welchen einigediefe,
andere jene ausgeboben hätten, um die Zahl fieben voll
2
® Plat, in Prot.!p. 295. und Œudorus apud Diog, 1,30
#*) I, 40, 41, apud Diog,
Pagina 132
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch,
gu machen.
Sermipp hingegen führt fechszehn Männer
an, aus welchen die fieben Griechifdyen Weifen auf eine
ga} verfihledene Weife von verjdhiedenen Echriftfiellern
Samprias, ein Bruder des Plus
gewählt worden *).
tard), glaubte, daß ihrer urfprünglich nur fünf gemefen
fenen, und tag Cleobulus und Prriander fid) gieihfam
Dios
mit Gewalt in ihre Zahl cingedrángr hätten **),
genes bezeugt ferner 4), daß zu der Damals faft allge»
mein angenommenen Zahl der fieben Weifen von einigen
noch dren, von andern vier Binzugefezt wurden, und nad)
ibm nahm Porphyr nicht fieben, fondern neun Griechifche
Weifen an.
Zu den Zeiten des Paufanias wufte man
givar nur von fieben; aber man redynete, rider das Une
des Plato, den Periander, und einen $esbifchen
fehen
Tprannen darunter +). Aus diefen abweichenden Zeuge
niffen alter Schriftfteller fann man,
glaube id),
mit
Recht Schließen, daß Plato und Cudorus in ihren Une
gaben der Zahl und Namen der Griehifcyen Weifen
mehr ¡fren eigenen Vermurdungen, als zuverläffigen
Nachrichten, oder alten Urberlicferungen folgten, und
- baf daher die nadfolgenden Gefdhichtfihreiber ans Grüns
den, die mir unbefannt find, fich für berechtigt hielten,
von den Entfcheidungen diefer Weltweifen absuiveidyen,
Niche Älter und auch niche iibereinftimmender,
als die Zeugniffe über die Zahl und Namen der Weifen,
find vie Sagen von ihren Sufammenfinften, Gaftındz
fern
#) 1. 42. Diog.
#*) Vit, Op, Plut, $14. 760 Te es T8 ev AeAQois
Pagina 133
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)fern und Tiffreden, Plato if, wo nicht der erfte, doc)
gewiß der ältefte-unter allen Geiechifchen Schriftffellern,
deren Werfe zu uns gefommen find, und die von den
Zufammenfünften der fieben Weifen *) reden.
Er
ele
in
Weifen
Oriechifchen
fcbeint zu behaupten, daß die
ner folchen Zufammenfunft den Entfdiluf gefafie harten,
ihre Eprüche, als Me Erftlinge der Griechifben Weiss
beit, dem Apo zu Delphi zu weihen. Pato beftimmte
aber nieder die Sit, nod) den Ort, wann und wo fie fid)
verfammlet haben follten.
Beyre wurden in fpitern Zeiten auf eine ganz vere
fchiedene Art angegeben.
Archerimus von Srrafus be:
Hauprete, baf die Griechifihen Werten bev.n Kopfelus
gufammengefommen wären, unter deffen Regierung der
größere Theil der Griebifhen Weifen wahrfcheintic) nod)
nicht einmal gebohren war**). Auvere liefen die Gricchie
fen Weifen fi entweder in Delphi, oder an bem Hofe
des Kedfus, oder
in Korineh beym Periander, oder eudlic)
in Myfale, in Afien verfammlen ***),
Jn fparern
Zeiten ließ man fie aud) Gaftmrdler feyern, die wiederum
E
auf
2
*) In Prot. p. 295. Ferav nv es Occrys © piAnoues,
woes Tirromos o pusruAyvosos, ets Bias © mein.
veus, noes ZaAwv o nuerecos, nou KAeoBeXos
0 Audios , xs Musa 6 NAVEVS, Kos ¿Bdomos ev
TOUTOIS EAEYETO Aaxedoesprovsos XsAoy. — — ¿ros
Kes own EuveNSoytes, amuexnv Tas cores
avederav rw Azroadoy eis Tav vewv ev AsAQois
youarres ravra & dy meevres vureri. Tvads
TEMUTOY Koes
Pandev ayar,
**) Diop I. 40, n
#**) Diog, l, e,
Pagina 134
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Erftes Buch,
auf eine ganz abweichende Art gefchifbert werden,
El.
nige befchreiben fie als fröhliche Echmdufe, in weichen
man fid) den Freuden des Weins ohne Zurückhaltung
überlaffen *), ardere Hingegen als feyerliche Gafimäler,
in denen Weisheit und Eenft geherricht,
und Scherze
und Muthw iffer verbanne Hatten **),
Die Zufamenfünfte der fieben Weifen find zwar
nicht unwaßrfcheintich,
Zeitrehnung***);
und fireiten auch niche mit der
allein es gibt andere Gründe,
wegen man fie für erdichter halten muß.
wef-
Herodot redet
von dem Zufammenfaufe aller wegen ihrer Rennmiffe
oder Gefchicklichfeiten berühmten Griechen am Hofe des
Krsfus; er erzählt, daß Thales fic) im Heere diefes
Königs, und Bias an feinem Hofe gefunden, daf bende
den bey Mpfale verfanimleten Griechen vortreffliche Wore
fcblage gegeben Hatten;
er Bandett enblid umftándlid)
vom Periander und feiner Verbindung mit dem Thrafy«
Bulus; allein nirgends erwähnt er einer Sufammenfunfé
der Griechifen Weifen, fo viele Veranlaffungen er aud)
Batte, eine fo merfroürdige Begebenbeit aufzuzeichnen.
Dies
#) Athen 3 p. 463. e7oevro de noes di Etre rage
pevos coer un Qorinces oidos. readers
que O emos nets Ty Ta yugos dusdumev Quow
6 DsoDeasos sv Tw wees MEÔNS.
#6) Vid. aut. Conv. fept. Sap,
urn) Pitrifus wurde in der given und brepfigften, Periander
im erften Sabre der 29ten, Thales in der 35 oder 38
Olympiade gebohren,
Golon gab in der 46 Olympiade
feine Gefeze. Die Zeitrechnung der übrigen ¡ft unge:
tif, wir mwiffen aber dod), daß fie Zeitgenoffen ber ers
fern waren.
Pagina 135
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)> Dies redende Srilffchweigen des Herodot würde allein
fébon das Zeugnip des Plaro überwiegen, wenn man
aud daran nicht einmal denfen mollte, Daß eine folche
verabredete Zutammenfunfe der Weifen Griechenlandes
eine viel genauere Verbindung groifchen entfernten Státe
ten, mehr Mufe, und wichtigere Bewegunasgründe bora
auefegt,
als
man
annchmen
oder
vermuthen
Wahriheintich hat die Nachricht des Heredc:
,-
Fann,
daß alle
Künftter und erfahrne Männer den Krófus hefuche hate
fen, ¿ue Erdichtung einer Zufammenfunft der fieben
Weifen Antas gegeben,
Eine foldye Zufammenfunft sft aber, meinem
Urtheile nad), immer weniger unmabrfteanhih, als ein
Gafimal in dem Gefhmade, in welchem ein unbofanne
ter Sahriftiteller, den man fälfchlid, für den Plutardy qee
Balten, eins gefchrieben bat.
Dielem Schrififtsler nach
foílte man glauben, als wenn die Weifen nur in dee
Abficht zufammengefpeifet hätten, um fido auf einmal alte
ihre Sprite,
Rachfel und Gefinnungen mitzutheilen
und vorzulegen.
Golde Gaftmäler,
an welchen man
mehr jufammendadte, als zufammenaß, find ein offen»
barer Widerfprucy mit den Sitten der alten Zeit, in wel
cher alle Schmäufe, gottesdienftlide Handlungen, und
zu Ehren der Götter angeftellt, oder doch mit gottesbienffs
lichen Gebräuden, mit Opfern, Befránzungen, fröhlis
chen Gefangen, und felbft mie Spielen und Naufd) bee
gleitet waren *),
Diefen feftlihen Schmäufen,
S 4
an
mele
*) Man fehe Athenáns
IL 2. V. 3.192. X. 7. 427 XL
3. 462. p. und die Defbrcibungen der älteften ve
die hier vorkommen,
Pagina 136
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Er(teds Buch.”
welchen felbft die weifeften Männer rierhen, fic) von der
bedächtlichen Nüchternheit eben fo weit zu entfernen, als
vor der finnlofen Trunfenbeir in acht zu nehmen,
mas
ten die freundfchaftlichen Zufammenfünfte,
an melden
man glücliche Begebenheiten der Familie, oder der
Häupter von Familien feyerte, im Zeitalter des Sofrae
tes noch fehr ahrlıh), mie die Gaftmaler des Plato und
Ecnophon beweifen.
erftere,
Plato war in feinen Sefezen der
der wider die wilden Schmäufe,
Felten zu Ehren der Götter fenerte,
die man an
und wider die Bes
raufchungen, womit fie begleitet waren, eiferte, und er
und Menedemus führten zuerft die mäßigen Gaftmaler
cin, an welchen man mehr für den Geift,
als
für den Gaumen forgte,
und fich über ernft:
Hafte und wiffen(chafttiche Gegenftande unterhieit *),
Diefe philofophifren Gaftmaler wurden in der Folge in
allen Geften allgemein, und dauerten mehrere Sabrbuns
derte nach Chrifti Geburt fort.
Die berühmteften Belt
weifen verordneten, daß.dergleichen nad) ihrem Tode vonihren Verebrern zur Erneuerung ihres Andenfens achale
ten werden follten; und mehrere fezten anfebnlide Vers mächtniffe zu diefer Abfiht aus,
Man fieht aber aus
dem Athendus, daß diefe Gaftmäler fid) in Anfehung
der Mäßigfeit eben fo fehr von denen der erften Stifter
entfernten, als die fpaten Nadfommen der großen Welt»
weifen Griechenlandes den Häuptern ihrer Schulen un:
dbntid) waren **),
%) Athen, X, q. ps 419. Diog, ll, 133, 140. 141
Pagina 137
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Mide bloß aus der jezo angeführten groben Bes
feidigung des Coftume, defen fid) der Verfaffir des
Gaftnals der fieben Weifen fbuldig gemacht har, {liebe
ih,
Daß diefer Verfaffer nid:e Piutarch fenn fónne,
(denn man fónnte leicht aus diefera großen Weltweifen
und Gefibtfbreiber Fehler anführen, die eben fo groß,
und vielleicht nod) größer find,
als derjenige,
den fein
fatfcher Mamentráger begangen hat,) fondern id) gritve
mein Urtheil nod) auf folgende Bemerfungen, die mir
entfcheidend zu feyn fcheinens 1) Sit die Schreibare zwar
nicht fchleche, cder unrein;
allein fie hat dod) nice die
Fille, das Bhihende, den Neichebum an glücflichen
Bildern und Gleidhniffen, nicht die häufigen Anfprelune
gen und Anführungen auf, und von den grófiten Dichtern
feines Volfs, welche die Sprache des Piurard einem
jeden vertrauten $efer und Kenner diefes vortrefflie
den Sohrifrftellers fo fenntlid) maden
felbft aus der Verwirrung,
2) Erhelle
oder gefmaciofen Uns
ordnung diefes Auffazes, daß Diutard) die unförmlichen
Theile diefes unausgearbeiteten Ganzen weder gebildet
noch geftellet babe.
Alle Anekdoten, Sprüche, Rärhfel
und Gedanfen, die in fpäten Zeiten den Griechifchen
Weifen zugeeignet wurden, find mit fo weniger Voricht
gefammlet und geprüft,
und mit fo weniger Deurtheis
lungsfraft über einander bergemorfen, daß ein jeder vers
+ nünftiger Menfch fühlen muß,
daß man niemals folde
Gafimálec und Tifchreden gebalten Babe, oder daß dies
jenigen, die fie gehalten hätten, mit allen ihrem Scheine
und Rufe von Weisheit die lächerfichften Pedanten und
die verächtlihften Thoren gervefen feyen,
o wenig aber
Plutard) fähig war, weife Männer auf eine folche unge5
teimte
Pagina 138
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Eres Bud.
reimte Art reben und denfen zu laffen, als bie Weifen
Griechenlands im Gaftmale des Ungenanntentoun; eben
fo wenig war er, glaube ih, fähig, die Sitten der ale
ten Zeit fo fehr zu dergeffen und zu beleidigen, daß er
die Kleobelina oder Eumetis, eine Tochter des Meobulus,
zu einer Tifhgenoffinn der fieben Weifen,
oder zu einer
Theitnehmerinn ihres Gaftmalsgemacht hatte*), Wollte
san aber aud) diefes dem Plutard) zutrauen; fo würde
dod) vierten dies unmiderleglich bleiben, daß der wahre
Plutarch die Eumetis nicht für eine Tochter des Sindifchen
Kleobulus, fondern für eine Corintherin hielt**), End»
lid) und fünftens muß auch diefes gerechten Berdacht ges
gen bie Aechtheit des Gaftmals erregen, daß der Vere
faffer des leztern nie des ss ermäbnt, über welches Plus
tard) eine ganze Abhandlung geichrieben bat, und daß
miederura Plutarch in diefer feiner Abhandlung nicht ein
Wort von ber angebliden Zufammenfunft der Griedhis
fhen Weifen beym Perlander fagt, und den lesfern fonar,
famt bem Kleobulus, aus der abl der Oriechifhen Weis
fen ausfüließt.
*) 584.85.
*¥) VIL 578. wees 78 es TE ev AsAQois,