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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)SCMH.MICDPT,
Redaktion: Professor Dr. H. Potoni& und Oberlehrer Dr. F. Koerber
in Grofs-Lichterfelde-West bei Berlin.
C2
Verlag von Gustav Fischer in Jena.
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Nene Folge IY. Band;
der ganzen Reihe XX. Band. Sonntag, den 26. November 1905.
Abonnement: Man abonnicrt bei allen Buchhandlungen
und Postanstalten, wie bei der Expedition.
Der
Halbjahrspreis ist M. 4.—.
15 Pig. extra.
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qutianmte
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Die
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so
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rößeren Aufträgen entsprechender Rabatt, Beilagen nach
bercinkunft.
Inseratenannahme durch die Verlagshandlung.
Die Saiten-Harmonie des Pythagoras.
{Nachdruck verboten.)
Von Prof. Max C. P. Schmidt in Berlin.
Bekanntlich haben die alten Griechen nichts
von Elastizität gewußt.
Der Ausdruck ist,
wenn auch mit Hilfe eines griechischen Wortstammes, so doch mit lateinischer Ableitung und
Endung gebildet und ebenso modern wie der damit
bezeichnete Begriff. Die Griechen haben also auch
keinen Maßstab für die Stärke der Elastizität erfinden können. Ebensowenig kannten die Alten
unsere Schwingungszahlen. Wohl haben sie
den Begriff der Schwingungen oder „Schläge“, wie
sie sagten, erfaßt und auch die Höhe und Tiefe
Pr
Inserate:
Nr. 48.
der Töne von der wachsenden und fallenden Menge
der Schwingungen abgeleitet.
Aber ein Mittel,
diese Schwingungen sichtbar und zählbar zu machen,
ist im Altertum nicht entdeckt worden. Was aber die
Griechen messen konnten und gemessen haben, das
sind die Saitenlängen, wie wir cs der Kürze
halber nennen wollen.
Wir denken dabei aber sowohl an die Länge gleichstarker und gleichgespannter Saiten, wie auch an die Höhe von schwingenden Luftsáulen in Flöten oder ähnlichen Instrumenten. Die Entdeckung, daß solche Größen,
wenn sie die einfachsten Tonintervalle ergeben,
im Verhältnis der einfachsten ganzen Zahlen stehen,
wird dem Pythagoras von Samos zugeschrieben.
Wie ist er darauf gekommen
’?
I Vorbemerkungen.
Die überlieferten
griechischen Stellen sind oft zitiert, aber nie kritisiert worden. Man ist über gewisse gelegentlich
hingeworfene oder einzelnes herausgreifende Notizen
nicht fortgekommen. So lohnt sich eine zusammenhängende Besprechung. Aber sie trifft selbst bei
Philologen auf mangelhafte Vorbereitung, weil eben
die Einzelheiten der überlieferten Texte noch wenig
durchgearbeitet sind. Um also all den Mißverständnissen der Leser vorzubeugen, wie sie der Schreiber
dieser Zeilen selber durchgemacht hat, dazu schickt
er einige Bemerkungen voraus. Setzte er nämlich in
die deutsche Übersetzung griechischer Stellen urisere
moderne Nomenklatur, so würden sich ohne Zweifel
philologische Leser über seine willkürliche Deutung
empören. Brächte er dagegen die echte griechische
Ausdrucksweise ohne jede orientierende Erklärung,
so würden sich ohne Zweifel akustische Leser von
dem unklaren Wuste abwenden. — 1. Das Wo:t
Harmonie heißt im Griechischen nicht das, was
es heute heißt. Die Frage, ob die Griechen überhaupt mehrstimmige Musik, also eine moderne
Pagina 2
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)- Harmonie :gékannt haben, ist’ noch Immer nicht. wohlklingende Harmonie; noch
be
etwa gar cine
nnt ‘Symphonisch “die: & A
A
‘ erledigt, Aber:Etwas
wie einen. Kammerton haben *. stimmte Kunstforti, Max.
wie Terz oder Quarte - ©
Sie :stellten diese feste, immer gleiche . harmonischen Intervalle/®
“sie gehiabt.'
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Tonhöhe freilich nicht mit-Stimmgabeln fest.-Auch * Eine Abart:.davon heißt- diaphonisch; nämlich das. :
diese Erle, Wie sic. eine solche Konstanz’
der Intervall‘ der; Oktave:*‘ Asymphonisch, d. h. un-z. B:
Schwingungen erreicht haben, ist noch offen. Aber symphonisch heifen disharmonische Intervalle,
daß sie sie besaßen, ist sicher. Von dieser Tonhöhe aus, die irgend einer ihrer Tönc ein für allemal besaß, ‘stimmten sie in festen Intervallen ihre
Tonrejhen, sowohl die Tonleitern, wie die Tondie Sekunde. — "4. Die Alten unterschieden zwei
Arten von Gewichten: Schwergewichte (fden)
und Zuggewichte (ólxal). Der Unterschied trifft
die Sprache, nicht die Sache, trifft den zufälligen .
geschléchter. Das war also die Aufgabe jedes
Leierspielers, ehe er sein Spiel begann. Und dieses
Zweck der Verwendung, nicht die stetige Art der
Stimmen heißt „barmozein“, in wörtlicher Über-
Schwere feststellen: man legt sic auf (Meßgewichte
Wirkung. Mit jenen will man Lasten wägen, ‚eine
setzung „passend fügen“. Harmonie ist also die ' onxsuata). Mit diesen will man Spannung schaffen,
„passende Fügung“ der Töne, d. h. die richtige
eine Richtung herstellen: man hängt sie auf
(Hangegewichte ébaprnnara).
Jene werden geStimmung des Instruments.
Bekanntlich
dachte man im Altertum an cine sogenannte
. Harmonie def Sphären. Es war ein Glück, daß
die Götter den Griechen die Fähigkeit, diese 7
bis 8 abgestimmten Töne einer griechischen Normaltonleiter zu hören, versagt hatten. Diese himmlische Harmonie könnte unmöglich himmlisch ge-klungen haben. Sie hätte einen Klang gegeben,
wie wenn man mit beiden Händen auf dem Klavier
die Tasten einer Oktave gleichzeitig niederdrückt.
Man wird begreifen, zu welchen Irrtümern der
kommen muß, der die richtige Bedeutung des
Wortes „Harmonie“ verfehlt. Man wird nun aber
auch verstehen, was in unserer Überschrift das
Wort Saiten-Harmonie bedeutet. Pythagoras hat
zahlenmäßig, zwar nicht die Tonhöhe — dazu
hatte.
er Schwingungszahlen nötig gehabt -—, wohl
aber das richtige Intervallverhältnis, wo nicht aller,
so doch der wichtigsten Töne festgestellt. —
: 2. Das Wort Tetrachord bedeutet ein Ding
mit 4 Saiten; denn „Chorde“ heißt „Saite“.. Dieses
Ding ist entweder ein wirkliches Instrument, also
gegenüber der üblichen siebensaitigen Leier der
Alten eine einfache, ältere vierseitige; oder es ist
nur ein Komplex von Saiten .oder Tönen, die im
"Unterricht zusammengefaßt werden, wie unsere
_, ‚eingestrichenen oder zweigestrichenen Töne. Tat““sächlich scheint nur das letztere zu sein, fingiert
aber ist von den Alten auch das erstere.
Sie
nahmen an, daß Heptachord und Oktachord aus
zwei älteren Tetrachorden durch Vereinigung entstanden seien. Hatten die beiden Tetrachorde zu‘ | sammen nur 7 Saiten, also den mittelsten Ton gemeinsam, z. B..cdef und fgah, so hießen sie
> „verbunden“ und ergaben dasHeptachord. Hatten
‘die beiden Tetrachorde 8 Saiten, z.B.
cd ef und
a hc, so hießen sie „getrennt“ und bildeten das
Oktachord. So gestalteten die Griechen theozugeschriebenen Verhältniszahlen der Intervalle,
Er war auch als Klarinettenbläser bekannt. Einer
der jüngsten Pythagoreerist Nikomachos (+ 140).
Seine Schrift heißt „Handbuch der Harmonie“, ist
uns erhalten, benutzt gute und alte Quellen und
bietet für die Entdeckung des Pythagoras‘ die
Hauptstelle (Kap. 6). Diese ist von noch jüngeren
Autoren wie
Gaudentios und Jamblichos
so
gut wie
ausgeschrieben worden.
Zu diesen
Griechen kommen römische Quellen: Censorinus .
(+ 238) in seiner Schrift „Der Geburtstag“ (Kap. 10)
und Boétius (f+ 525) ii seinem „Musikalischen
Unterricht“ (Buch 1:11). Beide bieten etwas mehr
als Nikomachos,. müssen. also in Betracht gezogen
werden.
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I. Überlieferungen: Wir geben eine möglichst wörtliche Übersetzung der Berichte und
setzen bei den wichtigen Stellen, die-in der Besprechung (II) vorkommen, orientierende Buchstaben in Klammern, um nachher. bequem zitieren
zu können. — Nikomachos: „Daß Quarte und
Quinte und ihre Vereinigung, die Oktave, endlich
auch das zwischen beiden Tetrachorden [vgl.I 2]
liegende Tonintervall das eben genannte zahlen-
Historisch hat sie sich sichermäßige Verhältnis haben, ist durch ein bestimmtes,
dich,anders entwickelt. Es hat schwerlich je tetravonPythagorgsbeghaghtstesVerfahrenejchergestellt.
Der ging einma
pazieren, in gespanntem
lich in der Praxis des l.eierunterrichts die 4 Saiten
der linken Hand von den 4 der rechten Hand und
hat daraus in der Theorie der Musik ein veraltetes
Instrument von 4 Saiten rekonstruiert. — 3. Wie
Harmonie, ist auch Symphonie Etwas anderes,
„als was wir so nennen. Es bedeutet weder einc
Nachdenken darüber, ob man nicht für das Gehör
eine feste und untrügliche instrumentale Hilfe ersinnen könne, wie sie das Auge an Zirkel, Lineal
und Diopter, wie sie der Tastsinn an der Wage
und Erfindung der Maße habe (A). Da kam er
durch eine Art von göttlicher Fügung (B) an einer
retisch die Sache.
asiigt
braucht auf der Wage, bei Kauf und Verkauf;
diese an einer Schnur, beim Bau von Wänden und
Wegen. Jene heben eine Last bis zum Gleichgewicht, diese strecken eine Schnur in die Lotrichtung. Jene werden auf den Kaufwagen, diese
bei den Setzwagen und Bleiloten verwendet. Im
Grunde sind beide Sorten dasselbe, aber Ausdrucksweise und Gebrauchsweise scheidet sie. Ihre Verwechselung aber hat Unheil. angerichtet. — 5. Was
endlich die Schriftsteller betrifft, so hat Pythagoras(—584/504) selber nichts geschrieben. Doch
kennt bereits Philolaos (V. Jahrh.), der älteste
pythagoreische Schriftsteller, die dem Pythagoras
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72%. *Quarte und Quinte aber empfand er als asym| phonisch, wenn man: es für sich betrachte, sah
Wirbel. Mit Hilfe dieser Änleitung un
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Richtschnur dehriteer dann die Versucheauf mannig-:
. Oktave, Quinte:und.Quarte: Das Intervall zwischeh
PAIretiaOnrCt ‘aber in ihm die zweckmäßige Ergänzung “des
größeren, unter ihnen (C). In der freudigen Uberzeugung “fun, die Gottheit führe seinen Plan zu
- gutem Ende (D), lief er in die Schmiede und entdeckte durch mannigfaltige Versuche, daß die Verschiedenheit des Klanges der Körpermasse der
Hammer entspreche (E), aber weder der Kraft der
hämmernden Personen, noch den Formen der benutzten Hämmer, noch endlich der allmählichen
Umgestaltung des getriebenen Eisens. Er wählte
also sorgfältig Schwergewichte(!} aus und nahm
ganz gleiche Wägungen der Hammer vor (F).
Daun ging er heim. Dort nahm er einen diagonal
(G) laufenden Pflock, den er in den Wänden (!)
befestigte, und zwar einen einzigen, damit nicht
auch daraus eine Differenz sich herausstelle oder
auch nur eine Abweichung sich vermuten lasse,
wenn man etwa gesonderte Pföcke nehme, knüpfte
daran 4 Saiten von gleichem Stoff und gleicher
Länge (H), gleich dick und gleich gedreht, eine
neben die andere, und band am unteren Ende ein
Zuggewicht (J) an. Die Längen der Saiten machte
er völlig gleich (!), dann schlug er je 2 abwechselnd
an und fand die oben genannten Symphonien, jede
bei einem anderen Paar, Denn die vom größten
Hängegewicht gestreckte Saite stand nach seiner
Beobachtung zu der vom kleinsten Gewicht gestreckten im Verhältnis der Oktave; sie war aber
von 12 Gewichtseinheiten gespannt, die andere von
6, Also erwies er das Verhältnis 2:1 als das der
Oktave, wie es die Schwergewichte (K) selber vermuten ließen. -Die größte Saite ferner zur zweitkleinsten (L) — sie hatte 8 Gewichtseinheiten —
erwies er als im Intervall der Quinte stehend,
woher er deren Verhältnis als 3:2 [= 12:8] bestimmte, entsprechend den Zuggewichten (J). Die.
selbe Saite wieder zur nächstschweren, die also
‚größer als die übrigen war (L) und 9 Gewichts-einheiten hatte, bildete das Intervall der Quarte,
‘ entsprechend den Schwergewichten (K). Und dieses
“stellte sich deutlich als das Verhältnis 4:3 [= 12:9]
- . heraus. Diese Saite ihrerseits bildete zur kleinsten
(L) das Verhältnis 9:6'oder 3:2, die zweitkleinste
zur kleinsten das Verhältnis 8:6 oder 4:3, zur
ößten das Verhältnis 12:8 oder 3:2 (M). Die
Differenz also zwischen Quinte und Quarte wurde
als das Verhältnis 9:8 erwiesen. Andererseits erwies sich die Oktave als verbundene [vgl. I 2] Zusammenstellung von Quinte und Quarte, d. h. als
das Verhältnis 12:8:6, oder aber umgekehrt als
Zusammenstellung von Quarte und Quinte, d. h.
als :das Verhältnis 12:9:6. Nachdem er nun Hand
und Ohr an den Hängegewichten
(J) geübt und
die entsprechenden
Verhältnisse sicher gestellt
è
A
val
dat};
wichten (N);-auf'dié entsprechende: Umdrehung
faltige Instrumente aus, geschlägene Becken; Klari: :-netten, Pfeifen, Monochorde, Harfen und ähnliche‘
(O) und fand: überall das Zahlenverhältnisvoll: _
bestätigt.
Nun -benannte er Höchstton [so bezeichnete er in der Tat den tiefsten Ton] den, der
die Zahl 6 erhielt (P), Mittelton den mit der Zahl 8,
Nebenmittelton den mit der Zahl 9, Endton den
mit der Zahl 12. Dann füllte er nach dem diatonischen Geschlecht die Zwischenintervalle mit
entsprechenden Tönen aus (Q) und organisierte
so nach den Verhältnissen 1:2, 2:3, 3:4, 8:9 die
achtsaitige Leier.“ — Censorinus weiß nichts
von der Schmiede und den Hämmern, sondern
erzählt, Pythagoras spannte gleich dicke (Z) und
gleich lange Saiten durch verschiedene Gewichte
und entdeckte durch Ausprobieren jene Verhältnisse. Dann habe er dasselbe an Klarinetten erprobt. „Er schaffte sich 4 Klarinetten gleicher
Stärke, aber ungleicher Länge, z. B. von 6, 8, 9, 12
Finger Länge“ (R). Censorinus schließt die Darstellung mit dem Satze: „Doch besteht zwischen
Saiten und Klarinetten der Unterschied, daß
diese durch Zunahme der Länge sich
iene
durch
Vermehrung
des
vertiefen,
angefügten
Gewichts sich erhöhen" (S) —
Boëtius erzählt die Geschichte von der Schmiede, läßt
den glücklichen und gewissenhaften Pythagoras
„zufällig“ (/orte) 5 Hämmer finden (T) und die
Gesellen einmal mit den Hämmern tauschen (U).
Seine Versuche aber läßt er ihn zuhause so
anstellen: „Bald hängt er gleiche Gewichte (V)
an die Saiten und prüft mit dem Gehör ihre Töne,
bald gewann er durch die verschiedensten Versuche mit verschieden langen Rohrpfeifen (W)
absolut sichere Resultate. Oft goß er auch nach
bestimmtem Verhältnis Nóselchen mit Wasser von
gleichem Gewichte (X) in Gefäße, oft auch schlug va, i Ji
er die Gefäße selber, die von verschiedenem Gewichte waren (Y).
Dann endlich ging er daran,
.
Länge und Dicke (Z) von Saiten zu messen, und
erfand so seinen Kanon [gemeint ist das Monochord].*
:
NI. Untersuchung: 1. Einige Stellen sind
unklar ausgedrückt oder unsicher überliefert. Daß,
das asymphonische Intervall (C) die notwendige Ergänzung bilde, kapn sich wohl nur darauf beziehen, daß es zur Quarte gefügt die Quinte ergebe, z. B. c—f (Quarte), dazu f—g (jenes C), ergibt c—g (Quinte). Der Pythagoreer sucht eben
in allem Vollkommenheit, Maß und Ordnung. Ihn
stört in dieser Welt göttlicher Vollendung das
Asymphonische. So sucht er es durch den genannten Satz gleichsam zu entschuldigen und hebt
dessen Zweckdienlichkeit hervor.
Anders liegt
Pagina 4
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)nn
a.
Naturwissensaba
LPO
=
zu verstehen. -- Dieser Mangel des Ausdruckes
kommt.yon: der plötzlichen Unterschiebung
, der
Schwetpéwichte (K) an Stelle. der Zuggewichte (J),
22
1
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“sett”
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der. Fall: bei: den. gleichen: Wagungen (F),: Was. fus.
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sie. neben de Schwergewictitén
(1) sollen, ist nicht.
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den ‘Ton uftj:
hóchstens“eine
bildet, sondern
‚auch “ihre Form “und «die Dicke: _
ihrer Wände; ist klar: Die Dicke ‘der. Saiten ‘aber
wichten, die. bisher bloß spannten, zu wägen anfangen will. Hier steckt eine ganz dunkle Ahnung
vom Begriff der Elastizität und erzeugt eine noch
dunklere Redewendung.
Ebenso unklar ist der
diagonale Pflock (G). Da er mehrere Wände, es
ergibt ohne Berücksichtigung ihres‘ Querschaitts.
war. — 2. Alle diese Unklarheiten finden sich in
der ersten Hälfte der Beschreibung, die von dem
Gewichtsverfahren handelt. Sie alle betreffen die
Sache selber, d. h. die Ausführung des Verfahrens.
Das ist vollkommen begreiflich. Denn die ganze
Geschichte ist Konstruktion, weil sie sachlich unmöglich ist. Daß schlagende Schmiedehämmer
von bestimmter Körpermasse (E) in dieser Weise
akustisch meßbare Töne geben, ist ein „Märchen“.
Daß hängende Gewichte aufSaiten in dieser Weise
wirken, ist geradezu falsch, da die Töne höchstens
„den Quadratwurzeln der spannenden Kräfte proortional“ sein können. Der Glaube an die göttiche Fügung (B), das planmäßige Vorgehen des
Forschers (A), der Gedanke an eine die Intentionen
des Denkers fördernde Vorsehung (C), das sind
die üblichen Requisiten, mit denen die fromme
Legende arbeitet, wenn sie Menschen zu Propheten
stempelt. Die Folgezeit setzt die Mythenbildung
fort. Immer: planmäßiger und folgerechter wird
des Meisters Verfahren, als arbeite er nach einem
systematischen Lehrplan; immer seltsamer und
absichtsvoller wird die göttliche Hilfe, als sei der
Pythagoreismus ihr weltbeglückendes Lieblingskind. So findet denn der Weise ein paar Jahrhunderte später „zufällig" 5 genau abgestimmte
Hämmer (T); damit aber nicht die Kraft der
Hämmernden den Meister irreführe, läßt er sie
die Hämmer tauschen (U). Das erfand eine Zeit,
Tassi
Quart vertiefen, ‘Daß:
Nikomachos spürt eben, daß er plötzlich mit Ge:
man an eine schräg von Wand zu Wand laufende
Stange denken.
Bei der erstaunlichen Kleinheit
griechischer Zimmer, die wir kleine Kammern
oder Zellen nennen würden, ist die Sache ganz
plausibel. Unklar ist auch der Ausdruck von der
gleichen Länge der Saiten (H), da unmittelbar
danach (!) ausdrücklich versichert wird, daß die
Saiten völlig gleichlang gemacht werden. Ebenso
unklar spricht der Autor im folgenden immer
von größten und kleinsten Saiten (L), statt die
daranhängenden Gewichte zu meinen. Auch war
die Wiederholung des Quintenintervalls (M) nicht
nötig, da es wenige Zeilen vorher besprochen
+
E. der Gefäße "ällein..nicht den;Ton
die nun im folgenden lustig durcheinanderwirbeln.
folgt ja der Plural (1), in Anspruch nimmt, so mag
ss
=:
auch nicht das geforderte Resultat. Hier hat die
Phantasie gearbeitet. Ihre Fiktionen wuchern wie
netn
die Schlinggewächse des Urwaldes.
— 3: Es bleibt
der zweite Teil des Nikomachischen Berichts
übrig. Hier ist das Verfahren selber im ganzen
klar und richtig. Aber der Bericht.macht zwei
Sprünge, die der Autor nicht überbrücken kann.
Die eine Lücke klafft da, wo er das Experiment
der Saitenlängen aus dem der Gewichte ableiten
will (N). Weil eben die Gewichte bloße Erfindung
sind, so weiß der phantasievolle Verfasser zwar
zu sagen, daß, aber nicht wie der Weise diese
Übertragungen gemacht habe.
..
Die zweite Lücke
klafft da, wo er von den 4 Tönen des Pythagoras
auf die 8 Töne der Leier überspringt (Q).
Auch
hier fehlt es sichtlich an einer Überlieferung, deren
Mangel durch die Redensart „er füllte aus und
organisierte so“ verhüllt wird. — 4. Was übrig
bleibt, ist zweierlei: Erstens entdeckte Pythagoras
die Zahlverhältnisse der Oktave, Quinte und Quarte.
Zweitens probierte er diese Verhältnisse an Becken,
Klarinetten, Pfeifen, Monochorden, Harfen „und
ähnlichem“ durch (O). Wie ist das zu denken?
Zunächst sind die Becken zu streichen, so gut wie
die Hämmer und Gefäße es waren.
Der Ausdruck „und ähnlichem“ kann nur auf andere Formen von Harfen gehen, als diejenigen sind, die
der vom Autor benutzte Ausdruck (rp{ywyoy) bezeichnet. Wir kennen solcher Formen und Namen
noch mehrere. Die Klarinetten und Pfeifen bestätigt der Bericht des Censorinus (R) und des
Boétius (W), .wenn jener auch wieder. durch
eine kindliche Bemerkung zu den spannenden
Gewichten (S) zurückzuleiten sucht. Es: bleiben also übrig Klarinetten -und Pfeifen, Mono:
chorde. und Harfen.
Nun verhalten: sich ‘die,
Harfen zu den Monocliòrden genau wie die Pleifen- —
(es sind die bekannien Hirtenpfeifen. gemeint: *
ovgryyes) zu den. Klarinetten: (sie nennt ‘man meistens ungenau Flöten: adkof); Syringen:und
Harfen haben für jeden Ton eine besondere Saite und eine besondere Röhre.
Monochòrde
und
Klarinetten haben nur eine einzige Saite oder .
Röhre, deren verschiedene Verkürzung - die. :verschiedenen Töne ergibt.
Nun haben. wir. bérelts
den Pythagoras, als den Kenner und Beobachter
der ägyptischen‘ Harfen kennen gelernt!) Geht
man von diesen aus, so ergibt sich die Überlieferung als auf den Kopf gestellt. Die Reihenfolge
ist also die umgekehrte: Harfen, Monochorde,
Syringen, Klarinetten. Es kann wohl sein, daß
der Meister des Dreiecks bloß an dreieckigen
ff
') Jahrgang 1905, Nr. 14, 8. 209
pEnNdDetrue.
Pagina 5
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)sN. F.- | ; Nr. .
:
>
dis
+
“Harfen maß und seine: Resultate an Monochorden
kontrollierte, : da8-dann' Philolaos [vgl. 15], den -
¢
-2u einer ‘14
Pythagoras dufch seideh. Lehrer Thales
LI
die Überlieferung «als Klarinettisten nennt, . die
Reise nach dem NillandeiverantaBt worden sein. Zu: 2.572.
entsprechendgi: Messung an den Syringen
Klarinetten "förtsetzte und bestätigte.
Griechen bei den-Ffemden auffallen mußten, ge=:
und
IV. Methode der Untersuchung. Die
beiden Elemente unserer Betrachtung sind Tradition und Kombination.
ı. Die Tradition ist
im vorliegenden Falle ebenso an sich spät wie in
sich widersprechend. Siemimmt ferner an Einzelheiten ganz auffallend zu, je jünger sie ‘ist. Das
macht um so mehr stutzig, als ja Pythagoras keine
Schrift hinterlassen hat. An dieser Tradition hat
also die Sage mehr Anteil, als die Geschichte.
Sie ist mehr phantastisch als historisch. Sie fordert also eine Kritik nicht bloß heraus, sie erfordert sie vielmehr, um das Brauchbare daraus überhaupt erst zu gewinnen. — 2. Die Kombination
muß sie kontrollieren und korrigieren. Im allgemeinen ist nun jede Kombination unsicher und
subjektiv. Hier aber setzt sie sich aus zwei heterogenen Bestandteilen zusammen.
Sie ist teils
physikalisch, teils historisch.
Nur diese ist subjektiv. Jene aber ist völlig objektiv, da sie durch
die Gesetze der Natur bestimmt wird. So wenig
ein Weiser beobachten konnte, daß in Samos die
Sonne des Nachts scheine, aber der Mond bei
Tage, so wenig konnte er seine Saitenharmonie
an schlagenden Hämmern oder hängenden Gewichten entdecken.
So bleibt also an unseren
Kombinationen nur der historische Teil bis zu
einem gewissen Grade unsicher. Dieser aber be:
schränkt sich auf die eine Behauptung, daß Pythagoras von den Harfen ausgegangen sei. Wer weiß
eine glaublichere Kombination?!)
V. Resultat der Untersuchung. Pythagoras verbrachte die ersten Jahrzehnte seines
l.ebens in seiner Geburtsstadt Samos zu einer
Zeit, wo die Fürsten der Insel mit den Königen
von Ägypten in lebhaften Verkehr standen. So
) Der philologische Verfasser wire für private Beurteilung seitens. der Herren Physiker und Matlicmatiker dankbar.
Adresse: Berlin W, Rankestr. 29.
Kleinere Mitteilungen.
Jan Ingen-housz. — Im Arkadenhofe der
Wiener Universitat fand anlaBlich der Tagung des
IL. Internationalen botanischen Kongresses im Juni
1905 die feierliche Enthüllung der Denkmäler
zweier hervorragender Männer des 18. Jahrhunderts,
des Botanikers Nicolaus Jacquin und des
Pfanzenphysiologen und Arztes Jan Ingenhousz statt. Die Festreden in dem großen Festsaal hielten die derzeitigen Vertreter der botanischen Wissenschaft an der Alma mater Rudolphina
Vindobonensis, für N. Jacquin Prof. Dr. R. von
Wettstein und für Jan Ingen-housz Hofr. Prof.
Dr. J. Wiesner. Prof, v. Wettstein hob in
-
hörten die ägyptischen .Harfen, die abweichend, _ ©
von den gleichsaitigen Leiern der Griechen ver-:.~ ~ r >.
schieden lange Saiten' hatten,
Die Literatur ‘bestatigt durch zahlreiche Stellen die wachsende
Bekanntschaft der Griechen mit solchen ungleichsaitigen Instrumenten gerade während des Jahrhunderts des Pythagoras. Einem für Maßverhältnisse von Natur veranlagten Auge, wie es das
Auge des Mannes gewesen sein muß, der das
Verhältnis der Hypotenuse zu den Katheten feststellte, müssen diese verschieden langen Saiten
aufgefallen sein. Ihnen verdankte er den Namen
der Hypotenuse, d. h. der ,aufgespannten” Saite,
wie auch den des Höchsttones (E) oder der
Hypate, d. h. der „am weitesten hinaufgespannten“
Saite. So muß er auch beobachtet haben, daß
von der verschiedenen Länge der Saiten die verschiedene Höhe der Töne abhange. So mag er
sich wiederholt von spielkundigen Leuten die
übliche Harmonie, d. h. die richtige Stimmung
an Harfen [vgl. 11], haben herstellen lassen, um
durch Messung der Saiten für jenes Abhängigkeitsverhältnis den zahlenmäßigen Ausdruck zu finden,
Die Unsicherheit solcher Beobachtungen ist ihm
durch kleine Differenzen zum Bewußtsein gekommen.
Das Ungefähre der Resultate muß aber
natürlich innerhalb so enger Grenzen sich gehalten
haben, daß er auf den
Gedanken kam, an einer
einzigen Saite die gefundenen Maße zu kontrollieren.
So erfand er das Monochord und stellte
an ihm die Verhältniszahlen der Oktave, Quinte
und Quarte fest: ‘Was er entdeckte, hat dann
er selbst oder einer seiner Nachfolger, z. B. der
Philosoph und Klarinettist Philolaos, an Syringen
und Klarinetten bestätigt gefunden. So verdanken
wir ägyptischen Instrumenten die älteste akustische .
Anregung, einem griechischen Weisen aber das "
älteste akustische
Ex oriente. lux, ex
esetz.
occidente lex.
seiner Rede hervor, daß. ein Zeitpunkt, in dem .
sich in Wien Botaniker der ganzen Erde zu gemeinsamer Arbeit zusammenfinden, besonders geeignet ist, die Enthüllung
eines Denkmals . zu
feiern, das in gewissem
inne ein’ Symbol. der '
Unabhängigkeit der geistigen Entwicklung def
Menschen von natipnalen und politischen Grenzen
ist. Die Männer, von welchen ein Denkmal enthüllt wurde, waren insgesamt in Holland geboren
und fanden in
Österreich eine zweite Heimat.