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NE MAMAN A .
Mass — Gewicht — Zahl
Von Felix Heinimann, Basel
In griechischer Dichtung und Philosophie begegnet seit dem 5. Jahrhundert in scheinbar recht verschiedenen Zusammenhängen die Gruppe der drei
Begriffe Mass, Gewicht und Zahl, und sie erscheint später auch in der lateinischen Literatur, von der späten Republik bis ins ausgehende Altertum, in wechselnder Abfolge und Funktion. Sie hat gelegentlich, im einen oder andern
Sinnzusammenhang, die Aufmerksamkeit der Forschung gefunden!. Doch
fehlt, soweit ich sehe, eine Gesamtbehandlung. Das mag diesen Versuch rechtfertigen, ihre Herkunft und ihren ursprünglichen Sinn zu klären und, wenn
möglich, Verbindungslinien zur späteren Verwendung aufzuzeigen.
Die frühesten Zeugnisse der Trias finden sich nicht in praxisnahen Anweisungen zum Gebrauch verfeinerter Messmethoden, sondern stehen in kulturgeschichtlichem und in politisch-moralischem Zusammenhang. Im Rahmen einer
sophistischen Kulturentstehungslehre, die die Schaffung der Techne zu einem
entscheidenden Schritt der Menschheitsgeschichte erklärte?, scheint nach der
Mitte des 5. Jahrhunderts die Einführung der Masse, der Gewichte und der
Zahl hervorgehoben worden zu sein. In mythischer Einkleidung wurde sie
Palamedes zugeschrieben, der damals zum Erfinder geistiger und technischer
Errungenschaften aufstieg’. Noch der äschyleische Prometheus führt unter den
Gaben, die er der Menschheit brachte, zwischen der Astronomie und der
Schrift nur die Zahl an (459f.), nicht die Masse und Gewichte, und es scheint,
dass bei Aischylos auch Palamedes sich dieser beiden Erfindungen noch nicht
rúhmte!,
1 A. J. Festugière, Hippocrate De l'ancienne médecine (Paris 1948) 41 Anm. 41, E. Genzmer,
Pondere numero mensura, Rev. internat. des droits de l'Antiquité 1 (1952) 469-494, E. Des
Places, Un emprunt de la ‘Sagesse’
aux ‘Lois’
de Platon?, Biblica 40 (1959) 1016f. W. Beierwaltes,
Augustins
Interpretation
von Sapientia 11, 21, Rev. des études augustiniennes 15 (1969) 51-
61. Zum allgemeinen Gedanken R, Harder, Eigenart der Griechen (Freiburg Br. 1962) 185f.
2 Vgl. Mus. Helv. 18 (1961) 108f. L. Edelstein, The Idea of Progress in Classical Antiquity
(Baltimore 1967) 21ff. J. Kube, T&xvn und áperh (Berlin 1969) 48fT, E. R. Dodds, The Ancient
Concept of Progress (Oxford 1973).
w A. Kleingünther, [patos eúperic, Philologus Suppl. 26, 1 (1933) 28. 78ff. E. Wüst, Palamedes, RE 18 (1942) 2505-09. Später schrieb Aristoxenos (bei D. L. 8, 14 = fr. 24 W.) die Einführung der Masse und Gewichte dem Pythagoras zu, aus dem ihm eigenen Bestreben, dessen
Lehre zu rationalisieren und praktisch brauchbare Einrichtungen auf ihn zurückzuführen.
» Vel. zu Aesch. Prom. 457ff. Dodds (oben Anm. 2) 5ff. Fr. trag. adesp. 470 N. wird seit
Wachsmuth und Wilamowitz (Kl. Schr. 1, 200) mit guten Gründen dem äschyleischen Patamedes zugewiesen (= Aesch. fr. 303b Mette). Vgl. F. Stoessl, Wien. Stud. 79 (1966) 94 Anm. 5.
Pagina 2
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Die ganze Trias nehmen erst Sophokles und Gorgias fir Palamedes in
Anspruch. Bei Sophokles - ob im ‘Nauplios’ oder im ‘Palamedes’, ist unbestimmt — zählt Nauplios vornehmlich die kriegstechnischen Neuerungen und
astronomischen Entdeckungen seines Sohnes auf. Ausserdem erwähnt er
otaSpav ápi9óv Kai Herpwv ebphpata (Soph. fr. 399, 2 N. = 432, 2 P.), wobei
die Zahlen, wenn der Vers an der richtigen Stelle überliefert ist, vor allem als
Grundlage der taktischen Heeresgliederung und der an den Gestirnen abgelesenen Zeiteinteilung erscheinen. Ob die Erfindung der Messwerkzeuge und
Gewichte in einer alteren Form der Sage mit der Einführung des sogenannten
Pheidonischen Mass- und Münzsystems in Zusammenhang gebracht war, muss
offen bleiben®,
185
Mass - Gewicht - Zahl
Felix Heinimann
,
Bei Sophokles ist die betonte Zusammenfassung der drei Hilfsmittel kaum
zu trennen von einem Bestreben, das gleichzeitig auf verschiedenen Gebieten
des Handwerks, der Künste und Wissenschaften fassbar wird und das darauf
zielt, in allen technischen Verfahren Exaktheit (GxpíBera) zu verlangen und zu
lehren’. Sie zu erreichen, sind Messen, Wägen und Zählen die zuverlässigsten
Methoden. Hinter dieser neuen Hochschätzung der Zahl steht kaum pythagoreischer Glaube. Der Zusammenhang, in dem sie begegnet, weist eher auf
das Zweckmässigkeitsdenken der Sophisten, das in ihr ein sicheres Mittel sah
Aufgaben technisch erfolgreich zu lösen. Was im 6. Jahrhundert einzelne wie
Anaximander mit seinem geometrischen Weltentwurf und seiner Erdkarte
Eupalinos mit dem Bau des Wasserleitungstunnels auf Samos begonnen und
erreicht hatten®, das wurde jetzt auf neue Gebiete angewendet und begründet.
Es genügt, die Schrift des Iktinos über den Parthenon, die geometrischen Stadtanlagen des Hippodamos oder den Kanon Polyklets zu nennen?. Doch suchte
Nach der Erwähnung der Zahl V. 4 fanden die nörpa und otaSpù kaum mehr Platz. - Für
Eupolis (fr. 351 K.) war Palamedes als kluger Erfinder bereits sprichwörtlich.
$ Der Vers unterbricht den Zusammenhang in schwer erträglicher Weise. Es ist jedoch kaum zu
bezweifeln, dass er aus derselben Rhesis stammt, auch wenn keine der von Pearson erdrterten
Umstellungen voll befriedigt.
sige Exaktheit zu sichern: in Medizin, Taktik, Politik, Ökonomie. Das sei zunächst an einigen Beispielen aus der Fachliteratur der Zeit belegt.
Deutlich ist das Eindringen exakt quantitierenden Denkens in der frühen
Medizin!°: Ihre Krankheitsbeschreibungen und ihre Prognosen stellen die Periodizität malariaartiger Wechselfieber fest und postulieren auch für andere
Krankheiten einen regelmässigen, in Zahlen fixierbaren und deshalb voraussagbaren Verlauf!!. Der Chirurg schreibt im Lehrbuch die Zeiten vor, zu denen
der Verband zu wechseln ist, und nennt prognostisch die voraussichtliche Heilungsdauer!?, Wenn der Verfasser der Schrift De aere aquis locis mit einem
Experiment zu beweisen sucht, dass Wasser durch Gefrieren an Volumen verliere, begnügt er sich nicht mit blosser Schätzung, sondern rät, vorher und
nachher mit dem Hohlmass genau nachzumessen??.
Die knidische Schule geht in dieser Richtung noch weiter!*. Sie spaltet die
einzelnen Krankheiten in Unterarten auf, von denen sie je eine bestimmte
Anzahl kanonisch festlegt: 7 Gallen-, 12 Blasen-, 4 Nierenkrankheiten usw.!5 In
der Therapie schreibt sie die Länge des täglichen Spaziergangs des Rekonvalesjenach Krankheit und Umständen wechselnd, ebenso die
zenten in Stadien vor,
Anzahl der Tage, während deren eine bestimmte Behandlung anzuwenden, zu
steigern oder auszusetzen ist!9. Auch die genaue Dosis der verschiedenen Zutae
10 Vgl. L. Bourgey. Observation et experience chez les médecins de la collection hippocratiqu
hématique de la premiére
(Thése Paris 1953) 201 Anm. 3; Ch. Lich haeler, Le logos
ques IX (Genf 1963) 109-135; zu den Anfängen des
que, Etudes hipp
clinique hipp
quantifizierenden Verfahrens R. H. Shryock, Isis 52 (1961) 216ff.
dass
11 Vgl. besonders Hipp. Progn. 15f,, ferner knidisch: Morb, I 15f. mit der Einschränkung,
eine zeitlich genaue Prognose unmöglich sei wegen der individuell Verschiedenheit der
Patienten und Umstände. Ebenso geben die knidischen Schriften Morb. I} und Ill. Aff. und
Int. zahlenmässig bestimmte Voraussagen über den Krankheitsverlauf. Umgekehrt schränkt
auch Progn. 20 die Genauigkeit ein. Vgl. Bourgey a.0. 201f,
12 Hipp. Fract. 5.6.7.8 u. 6.
6 Kleingünther (oben Anm. 3) 24. 28.
7 Das dafür gebrauchte Kennwort äxpiBñç mit scinen Ableitungen ist vor der Mitte des 5. Ih.
unsicher bezeugt. D. Kurz, Axpifera. Das Ideal der Exaktheit bei den Griechen bis Aristoteles
(Diss. Tübingen 1970) hat seine Herkunft aus dem Bereich des Handwerks wahrscheinlich
gemacht und S. 62f. bündig erwiesen, dass {liupersis fr. 5 Allen aus sprachlichen Gründen
nicht vor dem 5. Jh. verfasst sein kann. Auch der Wortlaut von Heraklit VS 22 B 101a gehört
wohl Polybios. Dann bleibt als ältester Beleg Aesch. Prom. 328.
8 Vgl. W, Burkert, Weisheit und Wissenschaft (Nürnberg 1962) 395f. W. K. C, Guthrie, History
of Greek Philosophy \ (Cambridge 1962) 219.
man nun auch in jenen lebenswichtigen Künsten, die damals Vertreter der
neuen Bildung zu lehren sich anheischig machten, den Erfolg durch zahlenmäs-
°
9 H. Diels, Antike Technik? (Leipzig 1920) 15-19 hat Polyklets Buch und den daraus erhaltenen
Saw. TO eb mapa puxpôv dd rol Gp Spev yiveraı zutreffend als Bekenntnis zur Math
tisierung der Kunst verstanden. Der Zusammenhang, in dem Philo, Mech. 4, 2 (50, 5-13
Thev.) ihn anführı, schliesst die Deutung von napa pixpòv als "beinahe" ‘bis auf einen kleinen
Rest’ schlechthin aus.
13 Hipp. Aer. 8, 8f. (CMG I 1, 2, 42, 15-22).
gründlichen
14 Vel. nach J. liberg, SBLeipz. 76 (1924) 3 und J. Lonie, CIQ 59 ( 1965) 1-30 jetzt die
Untersuchungen von J. Jouanna, Hippocrate. Pour une archéologie de l'école de Cnide (Paris
1974) und von H. Grensemann, Knidische Medizin | (Berlin 1975).
15 Zu der von Hipp. Acur. 3 (1, 110, 7-13 Kw. = G
Test. 10) b
d
knidi-
9, 1. 121f. =
schen roAvaxıöin tüv vobowv gibt Galen im Kommentar ad loc. (CMG dVmit
der EinteiGrensemann Test. 12b) die genauen Zahlangaben. Sie decken sich weitgehen
52-54. Vel.
lung und Zählung in der knidischen Schrift Hipp. Int. c. 10-12. 14-17. 35-38.
Jouanna 16ff., Grensemann 71f.
Steigerung der
16 Soz.B. Hipp. Int. 12 (7, 196-198 L.) und 17 (7, 208 L.): Peripatos mit taglicher
(7, 186/8
Anforderungen. Andere zeitlich geregelte Behandlungsvorschriften: Hipp. Int. 9 44
(7, 276
Kollation).
neuer
Grund
auf
Text
kritischem
mit
214
Jouanna
=
L.
226
(7,
23
L.).
hlung
Stundenzä
zur
vgl.
L.);
7,238
(27:
pac
técoepas
Exi
Angabe
die
sogar
Einmal
im 5. und 4. Jh. V. Langholf, Hermes 101 (1973) 38211.
Pagina 3
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)ten für diätetische Speisen und Getränke und für Medikamente wird festgelegt,
die Wissenschaften der Zahl beherrschen müsse (Rep. 7, 525b). Denn seine
nach dem Grundsatz pétpov Sè xpi Exáctov sivar!”.
Dieses Verfahren genauer Massangabe hat in der Medizin keine alte Tradition. Sein Anfang, der mit der neugewonnenen Überzeugung vom Wert
zahlenmässiger Exaktheit und mit neuen, präziseren Messinstrumenten zusammenhängt, lässt sich ziemlich genau datieren. Der Knidier Ktesias bezeugt,
dass
noch in der Generation vor ihm kein Arzt gewagt habe, Helleborus zu verordnen, weil es dafür keine genaue Dosierung gab; jetzt, d.h. im ausgehend
en 5.
Jahrhundert, gelte die Behandlung als gefahrlos (Oreibas. Coll. med. 8,8CMG
VI 2, 261 = FGrHist 688 F 68): éni tod ¿uod natpdc Kai tod Èuod rännov
iatpôç obdeic ¿didov ÉAAËBopov- où yap Arioravıo nv kpúctv adtoù Kai tó
HETPOV Kai tov otaSpev órócov xpñ d1öövaı ... vov de Sokei àopañéota
tov
etva1!*. Dazu stimmt, dass in der knidischen Schrift De internis affectionibu
s,
die von einem Zeitgenossen des Ktesias verfasst ist, Nieswurz
wirklich verschrieben wird, mit der genauen Anweisung, fünf Obolen abzuwägen
(48: 7,
286 L.)'?,
Aus den Worten des Ktesias spricht das Bewusstsein einer Generation
, die
vom Wert zahlenmässig exakter Verfahren überzeugt ist und
in diesen eine
Bedingung des Erfolgs sieht. Ausgebildet wurde dieses Methodenb
jedoch kaum in der Medizin; denn hier führte die Erfahrung früh
ewusstsein
zur Einsicht,
dass das Ideal allgemein gültiger, in Zahlen bestimmbarer Genauigke
it angesichts der individuellen Verschiedenheit der Patienten und der Umstände
nicht
erreichbar ist?°, Ziel und Methode sind denn auch in andern der oben
genannten Lehrgebiete ebenso klar zu erkennen.
Die neue Bedeutung der Taktik, die Sophisten zu lehren verhiessen,
daraus hervor, dass man damals Palamedes zu ihrem Erfinder, Homer
Lehrer erklärte?!, Für Platon war es schon selbstverstandlich,
geht
zu ihrem
dass der Taktiker
17 Hipp. Int. 20 (7, 216 L.). Weitere Beispiele genauer Quantitätsangaben: Int.
23 (7, 226 L. =
Zeit beschrankt
sich übrigens, im Unterschied zu der späteren, meist auf wenige Ingredienzien in
einfachen
Mass- und Gewichtsverhältnissen.
18 Vgl. Grensemann (oben Anm. 14) 196. Sinn für Zahlen will Ktesias sogar bei
Tieren festgestellt haben (FGrHist 688 F 34): Von den Rindern, die in Susa die Wasserschöpfr
äder trieben,
hörte jedes von sich aus auf, wenn es seine vorgeschriebenen 100 Trachten im Tag hinter
sich
Jouanna 214-216). 26 (7, 234). 31 (7, 248) u.ö. Die Medizin hippokratischer
hatte, und weigerte sich, auch nur eine einzige mehr zu leisten.
19 Jouanna (oben Anm. 14) 512f. datiert Int. auf Grund des Verhältnisses zu
andern Schriften
des Corpus Hippocraticum etwa auf die Jahre 400-390, In der ebenfalls
knidischen Schrift
Morb, II 12-75, die Jouanna und Grensemann einer etwas früheren Stufe
zuweisen, wird
Nieswurz zwar ebenfalls verschrieben, aber nur einmal mit einer
— zudem unbestimmteren Mengenangabe: 48 (7, 74 L.) 600v toloı svai Saxtboroiv par, vel. zu c.
48 Jouanna 46971.
20 Vgl. unten S, 192.
21 Zu Palamedes ausser den im Text genannten Stellen: Aesch, fr. 182 N,
= 304 Mette (Gliederung des Heeres durch Unterführer); dazu die Kritik Platons Rep. 7, 522d.
Homer als Lehrer
lebensfördernder Künste, u.a. der Taktik: Aristoph. Ran. 1034-36, Sophisten als
Taktiklehrer:
Mus. Helv. 18 (1961) 109 Anm. 19,
187
Kunst legt die Grösse von Truppenkörpern und -aufstellungen so fest, dass sie
möglichst vielfach und leicht teilbar sind. Deshalb verlangt Xenophon (Eq.
mag. 2, 2-6) für die Reiterei eine gerade Zahl von Zehnerschaften, und später
bezeugt Asklepiodot (Tact. 2, 7), «die meisten Taktiker» hatten die Hoplitenphalanx auf 16384 Mann angesetzt, weil diese Zah! durch wiederholte Dichotomie bis auf Eins herunter teilbar sei. Der Gedanke, der beiden Vorschriften
zugrunde liegt, dürfte aus den ältesten Lehrbüchern sophistischer Zeit stammen. Auf seine Herkunft aus der Theorie, nicht aus der militärischen Praxis
weist der Umstand, dass Xenophon derartige Zahlenangaben zur Heeresgliederung nicht im Tatsachenbericht der Anabasis macht, sondern in seinen lehrhaften Schriften, im Hipparchicus, der Kyrupädie, auch im ‘Spartanerstaal’, wo
Lykurg seine Idealgemeinschaft nach rationalen Zweckmässigkeitserwägungen
für Krieg und Frieden aufbaut. Immerhin verbindet sich bei Xenophon Theorie
und Praxis, während man sich die ältesten Handbücher kaum abstrakt genug
vorstellen kann. Der Spott erfahrener Truppenführer über die Theoretiker, die
im Ernstfall versagen, ist denn auch von Laches bis zu Hannibal gleich geblieben??,
Die Staatstheorie kennt ähnliche Grundsätze: Hippodamos baut seinen
Musterstaat durchwegs auf der Dreizahl auf??, und Platon teilt in den ‘Gesetzen’ das Gebiet der neu zu gründenden Stadt in 5040 Ackerlose, weil diese
Summe durch alle Divisoren von eins bis zehn teilbar ist (5, 737e. 738 a.
746 de)*4.
_
Die Beispiele liessen sich vermehren. Doch gestatten die angefùhrten Ausserungen aus der Medizin und ausgewählten andern Gebieten den Schluss,
dass generell zahlenmässig bestimmte Exaktheit erstrebt und begründet wurde,
weil man in ihr das Mittel sah, den Zufall auszuschalten und das technische Ziel
sicher zu erreichen. Der dafùr geltende Grundsatz liesse sich in die Worte
fassen, mit denen später Plutarch, frühhellenistische Gedanken fortführend,
sich gegen die Macht der Tyche auf das Verfahren der Handwerke und Kiinste
beruft (De fort. 99 BC): kavöcı Kai ota9yuoig Kai pérpors Kai dpiSpoic ravta105 xpóvrtax, iva pndapod tó eiKfj Kai wc ÉTUYXE toic Epyorg Eyyevqjtar.
Das führt wieder zu der uns beschäftigenden Trias. Ihr ältester Beleg
neben Sophokles findet sich in Gorgias’ Apologie des Palamedes. Dieser zählt
unter den Wohltaten, durch die er das Leben der Menschen aus seiner früheren
Hilflosigkeit herausgeführt und für alle Lagen ausgerüstet habe, zuerst die
22 Plat. Lach. 183c-184c. Cic. De or. 2, 75f. Zu Aeneas Tacticus E. Schwartz, RE 1 (1893) 1020.
Zu den frühesten Lehrbüchern allgemein M. Fuhrmann, Das systematische Lehrbuch (Göta
tingen 1960) 129.
23 Hippodamos bei Aristot. Pol. 2, 1267 b 30-1268 a 14 = VS 39 A I. Zur Dreigliederung H.
Usener, Ki. Schr. 2, 272ff.
24 Zur Praxis der historischen Städtegründungen vgl. H. Schafer, Historia 10 (1961) 292-317,
Pagina 4
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Heeresglliec
iederung und| die geschriebenen Gesetze auf
Tei
ng TÉXVN für Krieg und Frieden (Plat. Prot. 322b)-, dann die Suit
he
— die beiden
fasse, Gewichte und die Zahl (Palam. 30): pétpa te Kai cradua ovvadda” a
sien cara ee púlaxa?", Die Gewichte Hohl.
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Mittel,
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Handelsverkehr friedlich
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zu regeln,
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lankónnte aus dieser Zweckbesti mmung
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findet sich eine ähnliche Trias in dem
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das Athen die abhängigen Bundesglglieder
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ren zZ und Münzsystem verpflichtete (SIG? Nr. om Toni
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di; i are TS... Jn xpi rar vopficpaciv toig
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aa siden ygie Kai pérporg
Kai ota9poig ... In dieser
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die solonische Münz- und Gewich
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Anders als in der aus der politischen und ökonomisch
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setzungen des menschlichen Zusammenlebens gerühmt.
i gleiche Funktion
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em sie un dritten Stelle, an der die Trias in via
le. ren
gegnet, in
der Mahnrede, mit der lokaste in den ‘Phoenis
sen’ des Euripides
25 eisen NER sprechen die parallelen Personifika
tionen púlaxa und ayyelouz
da nnhaing
|
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en Polyptoton ovvallayiv ... dtadAayas zerstört; vgl.
olyptot
=
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yptoton im älteren Griechisch
(Göttingen
a, werden diese Erfindungen in der unter
ee par
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er
ieser Musterrede hat J. Vahlen, Ges. Schriften 1, 148ff,
£
ret er,
o
(ed.
R.
W.
Thomson,
Xen. Cyr. 8, 2,21 sogar alle drei Verfahren verwendet:
VTEG ...
’
npüypara
she = 423 datiert. Die Verfügung ist persifliert
pra
145) ermit gewichtigen
aecl gezogen. Die Trias bleibt später unbestritiener Teil der Erfindungen d
es, z.B. Greg. Naz. Or. 4, 107 (PG 35, 644), Athan. C. gentes 18 (ed
à
27 ia
Fürdi
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,
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Alkidamas’ Namen überlieferten
rn À: ua gegen Palamedes
$ 22 (Radermacher. Artium scriptores S.
rt
B.
:
1966) 11ff. und Stel-
Exount (sc.
Ö
éxeidav
tov &probvrov
in Aristoph. Av. 1040f. XxpñoSai N
wei adroig érporo: Kai otaSpoiot Kai ynpiapacı ... Das letzte Wort ist
ichtliches anpoodöxntov und nicht mit Wilamowitz und Ehrenberg,
a
Wa
ophanes? (Oxford 1951) 157 Anm. 10; 327f. in vouiouaoi zu ändern. YThe P.np
è ignora bei Andoc. 1, 83.
ne
acoby zu FGrHist 324 F 34; zur Sache H. A. C
Schriften z. Münzkunde u. Archäologie (Basel 1975)
Pata Se RCE U = ES
189
(528-585).
die verfeindeten Brüder Eteokles und Polyneikes zu versöhnen sucht
s, nicht
Eteokle
Sohn
ihren
Iokaste
In deren erstem Teil (528-547) beschwört
Gleichder
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Grunds
den
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sonder
folgen,
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seinem Ehrgeiz und
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Herrsch
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Bruder
berechtigung (icórnc) anzuerkennen und seinem
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dass
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lichem Wechsel zu überlas
n und Staaten,
beruhende Gerechtigkeit, das einigende Band zwischen Freunde
iligdauerhaft sei?°, während sich der Mächtigere die Feindschaft des BenachtekzeuMesswer
den
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Mensch
den
jene
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Zudem
0).
(536-54
ten zuziehe
um ihre Ansprüche
gen, den Gewichten und der Zahl die Mittel gegeben,dvSpa@n
orot Kai pepn
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(S41f.
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e auch in der
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otaSpav / ioornc Etabe KapiSpdv Sidptoe
(543-545).
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Nachge
Natur ein auf gegenseitigem
gen des
Langst hat man gesehen, dass diese Argumentation mit derjeni
hsGespräc
seinen
s’
‘Gorgia
im
der
ist,
dt
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platonischen Sokrates nahe
n versucht,
partner Kallikles vom Recht des Stärkeren zur icòtng zu bekehre
indem er sich auf die ‘Weisen’ beruft, nach deren Lehre auch denn Kosmos
(508a):
Freundschaft, Ordnung und Gerechtigkeit beherrschen und erhalte
oıg
av9pwre
dv
Kai
Seoic
gv
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BAAG ABANVEV ge Sti à loöıng À yeopetp
Zur
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yeoperp
doxeiv:
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ueya Sbvaraı
ixn icdErläuterung des hier unvermittelt auftauchenden Begriffs der yeopetp
gGerechti
der
Arten
zweier
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Scheidu
Platons
auf
Scholien
die
n
tn¢ verweise
otaSpa
Kai
ion
pérpo
(i
eine
die
keit (iobrnc) in den ‘Gesetzen’ (6, 757bc):
chend
kai &ptSu&) teilt allen gleichviel zu, die andere, die wahre, jedem entspre
und geseinen Fähigkeiten und Verdiensten. Neuere haben das übernommen
gglaubt, Platon meine schon im ‘Gorgias’ die zweite, proportionale Gerechti
sonstigen
keit?!, Träfe das zu, dann würde Platon hier, abweichend von seiner
ohne ihn
Art der Dialogführung, einen bisher unbekannten Begriff verwenden,
irgendwie zu erläutern??. Dazu kommt, dass Sokrates der nAsove&ia des Kalli481 A und 484 B bewährte povipov, das schon
30 Eur. Phoen. 538 ist das nur von Plut. Frat. am. handschri
ften und der übrigen Zitate vorzuzicEuripides
der
vopmov
dem
Valckenaer erwog,
td ávicov hy orúoxs ... OLG yap 16
hen. Vgl. Aristot. Pol. 5, 1301 b 26ff. xavraxob yap 1a yap
Ex TÖv tOLODTOV RoAtoov (nrodvres ataciélouoiv und 1302 a Aff. oddepia póvios
Tewv ... buwc 58 dogarectépa Kai áotaciacros pahAov y ônpokpatia tig Sdryapxziac,
ferner 1307 a 14ff.
es (Leipzig 1907) 277 Anm. 5; M. Pohlenz, Aus Platos
3 — SoR. Hirzel, Themis, Dike und Verwandt
F. Dümmier, Kl. Schriften | (Leipzig 1901)
Werdezeit (Berlin 1913) 154 Anm. l, währendzwar
auf «einen sociologischen Traktat» eines
538f.
Phoen.
Eur.
Iokaste
der
Rede
dic
160ff,
aber die verwandte Äusserung im Gorhrte,
zurückfü
n
Sophiste
sten
beeinflus
cisch
pythagor
s Hirzel und Pohlenz: G. Grossmann.
durchweg
fast
folgen
Neuern
Die
gias nicht heranzog.
Krieges (Diss. Basel 1950) 50ff.; H.
esischen
Peloponn
des
Zeit
der
aus
rter
Politische Schlagwö
1959 Nr. 6, 70 Anm. 71; 75; J.
Heidelb.
Abh.
es,
Aristotel
und
Platon
J. Kramer, Arete bei
in: fsonomia (Berlin 1964)
Schmidt
G.
E.
NAL:
1962)
en
Kerschensteiner, Kosmos (Münch
122: Guthrie, History of Greek Philosophy 3 (Cambridge 1969) 151 mit
32 Darauf wies schon Pohlenz a.O., dann besonders Dodds im Gorgias-Kommentar (Oxford
Pagina 5
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)kles — ebenso wie [okaste derjenigen des Eteokles - keine modifizierte Gleichheit entgegenhalten kann. Zudem bezeichnet icov, zumal in der Mathematik
aufdie Sokrates verweist, das quantitativ Gleiche schlechthin??; eine durch den
Zusatz yewpetpixh eingeschränkte ioôtnc ist dort nicht belegt und kaum denkbar’‘. Im vorliegenden Zusammenhang könnte demnach yewpetpixh die
Gleichheit nur als absolute, streng mathematisch bestimmte präzisieren?®. So
fasste offenbar Aristides, Or. 46 (II 168, 20ff. und 269, 6ff. Dind.), die Stelle auf,
als er sich auf sie berief, um die von Platon angegriffenen Staatsmänner Athens
zu rechtfertigen. Doch wird man erwägen müssen, ob das missverständliche
Beiwort nicht überhaupt eine spätere, unplatonische Zutat ist. Mit seiner Tilgung verschwindet zugleich der stilistische Anstoss der aufdringlichen Wiederholung yempetpixi (a 6) - yewpetpiac (a 7-8). Die Tatsache, dass der Zusatz
schon im 2. Jh. n. Chr. im Text stand (Pap. Oxyr. 454; dann bei Iambl. Protr. p.
90, 12 Pist. und Greg. Naz. 1, 568 A PG), beweist nur, dass er zu jenen frühen
Interpolationen gehört, an denen der Platontext nicht arm ist?6.
Der Gedanke, der der Argumentation im ‘Gorgias’ und in den ‘Phoenissen’ zugrunde liegt, ist auch schon von Aristophanes in den ‘Wolken’ beniitzt.
Strepsiades begriindet damit seine Weigerung, einem Gläubiger den geschuldeten Zins zu bezahlen: Es widerspreche dem in der Natur herrschenden Prinzip der Gleichheit, wenn das Kapital sich durch Zins mehre (1292-1295)>?:
KGTa TAS
adrn pév (sc. y Sékatta), & Kaxddapov, ObdEV yiyveraı
Enteic rofjoar tàpybpiov nAËov TO Dov;
1959) 339 ad loc. G. Vlastos in /sonomia (Berlin 1964) 27 Anm. 7 erörtert die Schwierigkeit,
ohne zu einer überzeugenden Lösung zu gelangen.
33 Ch. Mugler, Dict. histor. de la terminologie géométrique des Grecs | (Paris 1958) 233 s.v.
ioèrnç; K. v. Fritz, Arch. f. Begriffsgeschichte 4 (1959) 44ff. 68-71 = Grundbegriffe d. Geschichte der antiken Wissenschaft (Berlin 1970) 469ff. 495-97.
34 Weder Plat. Leg. 6, 757bc noch Isoc. 7, 21 verwenden
bei der Scheidung
der zwei Arten von
isörng die Bezeichnung yewpetpixh. Bei Aristoteles ist das Gegenstück zur äpı9unrıcn
loöıng die proportionale Verteilung î rat’ &Eiav iadtye (Pol. 5, 1302 a 7) oder —in mathematischer Terminologie - i yempetpixh ávadoyia (EN 5, 1131 b 12f.). Von zwei avakoyiaı
spricht auch Plut. Quaest. conv. 8, 719 C, von drei (mit Einschluss der ápuovixh) das im Text
erwähnte Scholion zu Plat. Gorg. 508a. Dieselben drei Proportionen erwähnt Philon öfter:
Opif. 107ff., Decal. 21, Spec. leg. 2, 200, daneben auch à dt" dvadoyiac loöıng (Quis rer. div.
145. 153, vgl. Cherub. 105), nie jedoch yewuetpixi icòtng. Erst Olympiodor übernimmt im
Gorgias-Kommentar ad loc. die Terminologie seines Platontextes.
35 So Burkert (oben Anm. 8) 69 Anm. 156, der die Gorgiasstelle am klarsten und förderlichsten
lle
der perpnticn
neben Aoytotixy (= Apı9untich) und otarıcn steht; ähnlich wird Leg. 7, 817e und 819ce die
Geometrie als nerpnricn beschrieben.
36 Vgl. zu Gorg. 510a P. Von der Mühll, Philologus 93 (1939) 490; zur gesamten Frage G. Jachmann, Der Platontext, NGG 1941, 7.
37 Vgl. Grossmann (oben Anm. 31) 55f.
Nicht nur der Grundgedanke, auch die Form des abschliessenden Beweises ist
hier derjenigen des Euripides bemerkenswert ähnlich: dem mit Elta ... pév
zusammengefassten Naturgesetz wird mit où Sè — dies auch im ‘Gorgias’ a.0.das Fehlverhalten des Gesprächspartners gegeniibergestellt”®.
Es muss demnach spätestens im Archidamischen Krieg in Athen ein Stück
moralisch-politischer Protreptik Eindruck gemacht haben, das sich mit dem
Hinweis auf die Naturordnung gegen Machtstreben (nAcovetia) wandte und
dazu mahnte, sich mit gleichem Recht zufrieden zu geben. Diese Lehre auf pythagoreische Einflüsse zurückzuführen, besteht kein Anlass??, Eher wird man
an die Verwendung naturphilosophischer Gedanken durch einen Sophisten
denken. In diese Richtung weist die nur in der euripideischen Fassung bewahrte Dreiheit der exakten Normen, die die Dinge kommensurabel machen
und so den Ausgleich ermöglichen. Dass sie zum ursprünglichen Bestand des
Lehrstücks gehört, darf man der angeführten Stelle der ‘Gesetze’ (6, 757 bc)
entnehmen, der einzigen, an der die Trias bei Platon in substantivischer Form
erscheint, und in der gleichen Folge wie in den Zeugnissen des 5. J ahrhunderts,
wiewohl durchgehend singularisch. Mit der Scheidung von zwei Arten gerechter Zuteilung, die hier zum erstenmal bei Platon explizit ausgesprochen ist*
(etwa gleichzeitig bei Isoc. 7, 21f. und Xenoph. Cyr. 2, 2, 18, alle drei Äusserungen innerhalb der zehn Jahre zwischen 358 und 348 verfasst)*!, scheint Platon
sich der alten, zur Bestimmung zahlenmässiger Genauigkeit solennen Formel
zu erinnern, wie in den ‘Gesetzen’ auch sonst Erinnerungen an weit zurückliegende sophistische Gedanken aufklingen“?.
Emppeóviov TOV rorauòv rAsiov, ob Se
behandelt, Vgl. Plat. Charm. 165e-166ab, wo à yewperpich texvn
191
Dass diese Formel im grösseren Zusammenhang der technischen éxpipera
zuhause ist, zeigt nicht nur die Palamedes-Tradition. Auch in Aristophanes’
“Fröschen’ steht hinter der bühnenwirksamen Szene, in der der Streit zwischen
Aischylos und Euripides um die tragische Kunst mit Messstab und Waage
entschieden werden soll, die Lehre, dass in einer wirklichen teyvn das Richtige
nur mit präzisen Instrumenten gültig bestimmt werden kann“,
38 Auf cin analoges Argument in der ‘Trugrede’ Soph. Ai. 669-677 hat H. Fuchs, Augustin und
der antike Friedensgedanke (Berlin 1926) 110 Anm. 1 hingewiesen. Wiewohl das Stichwort
ioörng dort keinen Raum hat, ist der protreptische Beweis nahe verwandt, und er schliesst
ebenfalls adversativ, mit hei SÈ ...
39 Pythagoreisches vermutete Dümmler a.O. (oben Anm. 31); dagegen Fuchs a.O. 109f., Burkert (oben Anm. 8) 68f.
der
40 Noch Rep. 8, 558c verwirft Platon demokratische Gleichheit, ohne ihr eine andere Art
Barker, Greek Politiloórns gegenüberzustellen; zu Unrecht verweisen Adam ad loc. und E.mit
Anm. | dazu auf
cal Theory (London 1918, hier nach dem Neudruck 1960 zitiert) 161
Gorg. 508a.
g
41 Vorgebildet ist der Gedanke bei Thuc. 2, 37, 1: Gleichheit vor dem Gesetz und Bevorzugun
des
der Tüchtigsten sind die sich ergänzenden Formen der Gerechtigkeit im Ideal-Athen
Epitaphios.
42 Vgl. cıwa Leg. 4, 716c (Homo-mensura-Satz).
43 Aristoph. Ran. 797-802. 1365ff. M. Pohlenz, Hermes 53 (1918) 415 Anm. 1: Th. Gelzer, Mus.
Pagina 6
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Am reinsten ist dieser Grundsatz in der
Mass - Gewicht - Zahl
Vor dem Hintergrund dieser im 5. Jahrhundert fassbaren Lehre wird die
Nennung der Trias bei Xenophon und beim frühen Platon verstandlich**. Sie
unterscheidet sich formal von den ältern Anführungen darin, dass anstelle der
nominalen Reihe pétpov — otaSpov — dp19uòg entweder der verbale Ausdruck
perpeiv — iotdvar — &piSpeiv oder — mit weitergehender Abstraktion — die
Substantivierung perpntich (bzw. yeopetpuch) - orar — GpiSpytixy (bzw.
hippokratischen Schrift De vetere
medicina ausgesprochen (9, p. 41, 19-22 CMG
I 1): dei yap pétpov tıvöc otoxa0a0daı. HÉTPOV Se odS£ otadóv ODE dpI9pdv
odséva, npög è àvapépov
eion tó axpifés, odk dv ebporg GAA’ A tod
sójatos tiv aioSnow"*, Es liegt in
der oben S. 186 erwähnten Sonderstellung der
Medizin begriindet, wenn der
Diatetiker seine Kunst von dem Bereich abheben
muss, in dem exakte Messverfahren anwendbar sind. Aber eben dadurch, dass er das
tut und dass er dabei
die drei Normen der quantitativen Methode erwähnt,
macht er deutlich, dass er
Xoyiotixi)) getreten ist. Sachlich stehen Euthyphr. 7 bc und Alcib. I 126 cd der
durch Euripides und Gorgias bezeugten Auffassung am nächsten: Die drei
die Forderung, eine Techne miisse exakt sein, kennt und grundsät
Massstäbe dienen als unparteiische Kriterien, um Streit zu schlichten. Platon
führt die sophistische Lehre allerdings hier (wie auch Charm. 165 b-166 b) nur
deshalb an, um von ihr die andersartige Norm des sittlichen Verhaltens abzuheben. Zu dem ihm vorgegebenen Ideal der exakten Wissenschaft und der dazu
dienenden Trias steht er in ähnlichem Verhältnis wie die hippokratischen Diätetiker. Gewiss lag es näher, die Methoden des Zählens und Messens in der
Medizin anzuwenden als in der Ethik. Doch ist der Versuch, auch diese zur
Techne zu machen, gegen den sich Platon an den angeführten Stellen wendet,
nach dem Ausweis des ‘Protagoras’ (356 b-357 b) anscheinend ebenfalls schon
zlich anerkennt*5. Nicht anders urteilt der Verfasser der wohl
etwas jüngeren Schrift De
victuts, Als Ideal erstrebt er die genaue, zahlenmässige
Bestimmung des Verháltnisses von Nahrungsmenge und kérperlicher Betätigu
ng; doch sieht er ein
dass dieses Ziel wegen der von Mensch zu Mensch bestehe
nden Unterschiede
nicht erreichbar ist (1, 2, 3 Joly = 6, 470 L.): ei pèv
yap hv ebpetdv ... mpdc
éxaotov pÜotv citov pérpov Kai nóvov dpi9pòc
GÜHHETPOG ..., Ebpyto dv
byıein toiow dv3ponorow äkpıßac. viv dé ...
roùro &Sovatov ebpeivt,
Helv. 13 (1956) 85. Zur
eeBühnenwirk
ee
samkeit der Szene Ed. Fraenkel,
en [os
44 So nach cod. M. während A umstellt odSè &p:9uòv obre (sic)
zu
Ari:
Beobachtungen zu Aristovorplatonisch*0,
Von der Sonderstellung einer andern Techne, der Mantik, geht Xenophon
Mem. 1, I, 9 aus: Sokrates rat, man solle sich nur in jenen Fragen an Seher
wenden, die man nicht selbst mit Záhlen, Messen oder Wägen eindeutig entscheiden kónne, d.h. dort, wo die technische Erkenntnis im strengen Sinne
versagt°!, Als Gegenbeispiele, wo die exakten Verfahren anwendbar sind, hat er
oraduóv &Akov. Für M spricht
die bei Gorgias, Soph., Eur. und Plat. Leg. übereinst
immende Folge, in der &pi9pd¢ nach
dem Gesetz der wachsenden Glieder am Schluss steht. Anders
gestalten den Text A. Dihle
Mus. Helv. 20 (1963) 139f. und K. v. Fritz, Wien.
Stud. 79 (1966) 172ff. - péxpov fassen dic
Interpreten prädikativ. Doch ist die Weglassung der ersten Negation
vor einfachem oder
doppeltem oùôé (nicht vor dem seltenen od8é ... obte) bei
Eur., Aristoph. und in ionischer
Prosa (Adı.) gut bezeugt (Stellen bei Denniston, Greek Particles? 194).
findet sich seit Hdt. 9, 109, 3 und Aristophanes (zuerst
&\\ i nach Negation
vorher ($ 7) die Kiinste des Baumeisters, des Schmieds, des Bauern, des Herr-
Eq. 779f., vgl. Neil ad loc., Schwyzerschers, des Okonomen und des Heerführers genannt. Es ist kaum Zufall, dass
Debrunner, Griech. Grammatik 2, 578, Denniston? 24-27), dazu in ältern Schriften
Hippocraticum: Morb. sacr. 10, 10 Grensem. (= 6,380 L.), De
arte
des Corpus
tO ye elöog; vgl. H. Kühlewein, Observationes de usu particularu
cratis nomine circumferuntur (Diss. Göttingen 1870) 44f.
m in libris qui vulgo Hippo-
Pleonastisches &AXOS in Verbindung
mit der Negation vor &AX’ ñ scheint dagegen erst im 4. Ih. aufgekom
men zu sein; Denniston
Text ausgeschriebenen Stelle ist Hipp.
pera is n 186 mit Anm. 17) zu vergleichen, zum Ganzen
4 wa
= Be
der Kommentar von Festugière
nnPERS 80 (1952) 398ff. = KI. Schriften zur antiken Medizin
46 R. Joly, Recherches sur le traité ps.-hippocratique Du Régime
Einleitung zu seiner Ausgabe (Paris 1967) XIV-XVI verteidigt
Ansatz um 400 gegen die Herabdatierung durch J aeger.
RE 18 (1949) 1328f., der Hippokratiker folge Vier. 3,
(Berlin 1973)
68 der J ahreseinteilung des Eudoxos und
fig wird man die Schrift zweifelnd in den Beginn des
. auch
Hipp.
Fract.
7(2,57,3-6 Kw.) und zur
ist
(Berlin 1966) 225 widerlegt. Vorizu-
4. Jh. datieren, solange die von Joly
auf den Stil ausgedehnt sind.
griechischen Arzten, Gymnasium 57 tae 183-20i. ins mass
ga
i
i
vorbehalten bleibt, in dem kein genaues Messen móglich ist, so teilt Xenophon
die Technai offensichtlich nach demselben Gesichtspunkt cin, den der Hippokratiker auf die Medizin anwendet. Anders scheidet Platon im ‘Philebos’
55cff.5?: Auf der untersten Stufe der auf Empirie und Zielen angewiesenen
stochastischen Künste stehen neben der Medizin Instrumentalmusik, Ackerbau, Steuermannskunst und Strategie, auf der nächsthöheren die Baukunst,
weil sie genaue Messwerkzeuge verwendet; es folgt die Trias der angewandten,
dann die der reinen Zahlwissenschaften; zuoberst steht die auf das Sein gerich48 Die Stellen bei Festugière a.O. (oben Anm. 1). Nachzutragen sind Plat. Prot. 356a-357b und
den von Fredrich vertretenen
müsse deshalb nach 370 geschrieben haben
(so noch Grensemann [oben Anm. 14] 8),
4 nr pe en nicht
TAIE
(Paris 1961) 203ff. und in der
Die These von A. Rehm, Parapegma
durch F. Lasserre, Die Fragmente des Eudoxos von Knidos
die Medizin darunter nicht erwáhnt ist. Denn wenn der Mantik der Bereich
6(CMG 1 1, 13, 3f.), in Ver.
med auch c. 7 (CMG1 1, 40, 21f.): ti dh tour’ ¿xeivov Sugépe
AA A [nAéov del. Reinhold]
=a pu keine Belege vor Platon. - Zum Anfang der
im
193
eivaenluenr
u
Xen. Cyr. 8, 2, 21. Festugière hat, ohne die Zeugnisse des 5. Jh. heranzuziehen, den vorplatonischen Ursprung der Lehre weffend erschlossen.
49 Die einzige Ausnahme, Plat. Leg. 6, 757be, ist oben $.189 und S. 191 besprochen.
50 Vgl.O. Gigon, Phyllobolia für P. Von der Mühll (Basel 1946) 149.
51 Dazu O. Gigon, Kommentar zum ersten Buch von Xenaphons Memorabilien (Basel 1953) 13f.
Zur Sonderstellung der Mantik meine Bemerkungen Mus. Helv. 18 (1961) 1281.
$2 Vgl. dazu Diller (oben Anm. 45), Krämer (oben Anm. 31) 225f. und Kurz (oben Anm. 7) 108110 mit weiterer Literatur.
Pagina 7
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Felix Heinimann
tete Dialektik. Platon hat die Scheidung zwischen den unexakten und den mit
Zahl und Mass arbeitenden Künsten offenbar übernommen, er differenziert
mische Recht mit Hilfe griechischer Begriffsdihäresen und Definitionen zur ars
wurde.
Folgenreicher war die Verwendung der Trias in der Sapientia Salomonis.
aber weiter und stuft die Künste nach ihrem zunehmenden Gehalt an Mathematik und der dementsprechend höheren Eignung zur Seinserkenntnis.
Nach Platon verlieren sich die Spuren der Trias vorerst: auch bei Aristoteles scheint sie zu fehlen. Sie begegnet erst wieder in der späthellenistischen
Literatur und dort in so verschiedenen Zusammenhängen, dass beim Fehlen
aller Zwischenglieder der gemeinsame Ursprung nur vermutet werden kann.
Deren Verfasser stellt (11, 20) mit dem Satz ¿Ma nüvra pétp@ kai dpiSpo Kai
otaSu@ diétakac der vorher erwähnten Möglichkeit, die Gott gehabt hätte, die
Feinde seines Volkes durch neugeschaffene Ungeheuer zu vernichten oder
durch einen einzigen Hauch niederzuwerfen, die bestehende Schöpfungsordnung gegenüber, die auch zur Bestrafung der Feinde ausreicht, ohne dass
analogistischen Lehre folgt*?. Man wird daraus schliessen dürfen, dass in der
Wunder nötig wären°®. In der Umgebung dieser Stelle erscheinen verschiedene
Begriffe aus griechischer Kosmologie, wie hellenistische Philosophie auch sonst
die Schrift gefärbt hat, die wohl im 1. Jh. v. Chr. ohne hebräische Vorlage verfasst wurde’: 7, 17 ist von der obotacic KOopon Kai Evepyeia otoiyeiwv die
Rede, 11, 17 von der Schöpfung ¿8 duopgpov dAnç; der Schöpfer heisst Texvirng
(13, 1), auch die Weisheit texvitic (7, 21; 8, 6)°8. Hier ist auch die Trias von 11,
20 einzuordnen. Sie erscheint jedenfalls sonst nirgends im Alten Testament?9,
Wo dieses Masse und Gewichte erwähnt, sind konkrete Messwerkzeuge ge-
Terminologie der griechischen Wissenschaft die Trias, losgelést von ihrem urmeint, nie die abstrakte Zahl; sie sind zudem nie zur Dreiheit zusammengefasst.
sprünglichen Sinn, lebendig blieb. Sie kehrt im gleichen grammatischen Zuund sie gehören — anders als in der griechischen Trias der ‘Sapientia’ — meist zu
kultischen Bauvorschriften oder zum Gebot, im Handel rechtes Mass und Gewicht zu brauchen99. Wie die Trias erst beim Umsetzen ins Griechische eindringt, zeigt die Septuagintafassung von Hiob 28, 25f., in der die Reihe Gewicht
— Mass — Gesetz des hebräischen Textes mit otaSpov — pétpa — npigunoev
wiedergegeben wird®!. Ähnlich verfahren Philon, Somn. 2, 193ff., und ihm
folgend Clemens, Protr. 69, 2, wenn sie, das mosaische Verbot, falsches Gewicht
Einerseits verwendet die lateinische Wissenschaftssprache in der Grammatik und in der Jurisprudenz die drei Kriterien, um mit ihrer Hilfe Begriffe zu
bestimmen. Varro erklart das Fehlen des Plurals mancher Nomina damit, dass
sie Dinge bezeichnen, quae sub mensuram ac pondera potius quam sub numerum
succedunt (L. L. 9, 66). Varro entnahm diese Begründung offenbar dem griechischen Grammatiker, dem er im betreffenden Abschnitt seiner Verteidigung der
sammenhang bei Charisius wieder. Allerdings ordnet dieser unter die singularia tantum in den kompilierten Kapiteln 1, 15 und 1, 17 unzutreffend jene
Begriffe ein, quae ad pondus numerum mensuramque rediguntur (GL 1, 93,9=
Barw. 118, 16f., ähnlich GL 1, 141, 22f. = Barw. 179, 2f.: cum pondere numero
mensuraque constent), während er 1, 12 (GL 1, 34, 22f. = Barw. 38, 13f.) richtig
scheidet: quae mensura constant, arida dumtaxat, quae numerari non possunt,
semper singularia sunt*4.
Im rémischen Recht dient die von Charisius 1, 17 verwendete triadische
Bestimmung dazu, den Bereich jener Güter abzugrenzen, die als Darlehen
56 So wird der merkwürdig eingeschoben wirkende Satz zu verstehen sein, Vgl. die Kommentare
zur Stelle von P. Heinisch, Exeget. Handbuch zum AT 24 (Münster/W. 1912) und von J.
Fichtner, Handbuch zum AT, hg. von O. Eissfeldt, II 6 (Tübingen 1938).
|
(mutuum) gegeben werden können. Seit Gaius ist die Formel bezeugt mutui
57 Vgl. zur Originalsprache und zur Datierung ausser den genannten Kommentaren Schmiddatio proprie in his rebus contingit, quae res pondere numero mensura constant
Suihlin, Gesch. d. griech. Literatur 118 (München 1920) 561ff_, B. M. Metzger, An Introduction
to the Apocrypha (New York 1957) 67ff., L. Rost, Einleitung in die alttestamentlichen Apo-
(Inst. 3, 90, der Anfang ergänzt nach lustin. Inst. 3, 14 pr.). Ebenfalls von Gaius
kryphen und Pseudepigraphen (Heidelberg 1971) 41ff. Zu den griechischen Ingredienzien
Überweg-Praechter, Grundriss d. Gesch. d. Philosophie 1? (Berlin 1926) 570, Metzger 2.0. 7375, J. M. Reese, Hellenistic Influence on the Book of Wisdom and its Consequences, Analecta
und dann von Späteren wird derselbe Relativsatz auch zur Definition anderer
Rechtsgeschäfte gebraucht55. Es ist kaum ein Zufall, dass seine Form und
besonders die Abfolge der drei Kriterien bei Charisius und bei den Juristen
übereinstimmen. In beiden Fällen liegt offenbar dieselbe griechische Formel
zugrunde. Ihre lateinische Fassung ist eines der Zeugnisse dafür, dass das rö-
Biblica 41 (Rom 1970).
58 Dazu W. Theiler, Demiurgos, RAC 3 (1955) 704f.
59 Genzmer (oben Anm. 1) 478, Des Places (oben Anm. 1) 1016f.
53 H. Dahimann, Varro und die hellenistische Sprachtheorie (Berlin 1932) 70. H. J. Mette,
Parateresis (Halle 1952) 23ff. Selbst D. Fehling, Giotta 36 (1957) 97 ancrkennt
Walther, Pondus dispensatio dispositio (Diss, Bern 1941) 47f. Doch ist auch Les. 40, 12 und
Hiob 28, 25f., an den einzigen mit Sap. 11, 20 vergleichbaren Stellen, nur von Messen und
in seiner kritischen
Analyse für diesen Abschnitt eine griechische Quelle.
54 Dieselbe Erklärung des Singulars gibt noch J. Wackernagel, Vorlesungen über Syntax 1,
Wägen die Rede.
88
nach O. Riemann, Etudes sur la langue et la grammaire de Tite-Live? (Paris 1885) 48,
55 Das Genauere bei Genzmer (oben Anm. 1) 471ff. Weitere Belege aus Gaius sowie aus
Papinian, Paulus und Ulpian im ThLL 8, 759, 82ff.
|
60 Vgl. G. Kittel, Theol. Wörterbuch z. NT
4 (Stuttgart 1942) 635. Auf das hebräische Denken
wollten die Trias zurückführen E. Wechssler, Hellas im Evangelium (Berlin 1936) 207f. und M.
6
|
;
|
|
Griechisch geprägt ist auch Test. XII Patr. Napht. 2, 3 otaSp® yap Kai pétpe Kai Kavövı
räca i Ktiaw; éyéveto. Die abweichende hebräische Fassung enthält nichts mit der Trias
Vergleichbares. Zu den Gräzismen dieser Schrift J. Becker, Untersuchungen 2. Entstehungsgeschichte d. Testamente d. zwölf Patriarchen (Leiden 1970) 221f. - 4. Esra 4, 36f. quoniam in
Pagina 8
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Felix Heinimann: Mass - Gewicht ~ Zahl
und Mass zu verwenden (Deut. 25, 13-15), allegorisierend, Gott zu Gewicht,
Mass und Zahl des Alls erklären, im Anschluss an Plat. Leg. 4, 71 6c.
In der ‘Sapientia’ ist die Trias nicht zu trennen von der Auffassung des
Schôpfergottes als texvirng. Sie bezeichnet die exakten technischen Normen,
nach denen dieser den Kosmos zur Vollkommenheit fügte®?. Die naheliegende
Vermutung, dass dabei Timaios-Exegese einwirkte, lässt sich, soweit ich sehe,
nicht bestätigen. Wohl ist aus Plutarch, Quaest. conv. 8, 2, 720 B (ëBobAet’ obv
(sc. 6 9eög) ... Koounoa: Ayo Kai perpo Kai àp19p® Tv pooiv) deutlich, dass
sich an die Stelle des Paares eideoi te kai àpiSpois (Tim. 53 b) leicht eine Dreiheit schob; aber das Glied ota9uò fehlt auch hier, wie es dem ‘Timaios’ fremd
ist, wo der Demiurg den Kosmos aus den geometrischen Formen der Elemente
mit Hilfe der reinen Mathematik schafft, die höher steht als die Verfahren der
menschlichen Technik. So bleibt unentschieden, ob die Trias dem alexandrinischen Verfasser der ‘Sapientia’ aus kosmologischer oder aus technischer hellenistischer Literatur vertraut war.
Wie dieses griechische Einsprengsel, ohne als solches erkannt zu werden, in
der Folge auf Augustin wirkte, ist mehrfach untersucht worden‘. Augustin
fand in der von ihm oft zitierten Reihe mensura - numerus — pondus die biblische Bestätigung für vergleichbare neuplatonische Triaden, die seiner Theologie die philosophische Grundlage gaben, und zog sie besonders zum Verständnis der Trinität bei, die er im Schöpfungsakt und in der Schöpfungsordnung aufwies®4. Der Bildung des Westens wurde die Trias zudem durch Cassiodor (Inst. 2, praef. 3; 2, 4, 1) und durch Isidor (Etym. 3, 4, 1) vermittelt. Beide
führen Sap. 11, 20 zum Beweis des hohen Wertes der Arithmetik an und benützen den Bibelvers dazu, diese zu empfehlen. So konnten sich später, im Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit, Poetik und Kunsttheorie ebenso wie
Zahlensymbolik und dann die entstehenden exakten Wissenschaften gleichermassen auf ein Schriftzeugnis berufen, in dem letztlich griechisches technisches
Denken fortlebt®.
statera ponderavit saeculum et mensura mensuravit tempora et numero numeravit tempora ist
vermutlich von Sap. 11, 20 bestimmt.
62 Anders Genzmer und Des Places (oben Anm. 1) sowie Reese (oben Anm. 57) 74f,, der im
Anschluss an Genzmer einen Gemeinplatz der Rechtssprache vermutet.
63 W. J. Roche, Measure, Number and Weight in Saint Augustine, The New Scholasticism 15
(1941) 350ff, (mir nicht zugänglich); Beierwaltes (oben Anm. 1) mit weiterer Literatur.
64 Vgl. W. Theiler, Porphyrios und Augustin (Halle 1933) 34.
65 Vel. E. R. Curtius, Europäische Literatur u. latein, Mitielalter* (Bern 1963) 491 ff.
IN
ANSELM
MARE
ETA AS