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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Friedrich Oberkogler
HOREN, EIN INNERES SEHEN
ISBERKOGLERH
| Ar
Pythagoras und die Geheimnisse der Ober- und Untertonreihe
Im ersten Aufsatz wurde über das Leben und Wirken Hans Kaysers berichtet, dessen
wohl umfassendstes Werk „Lehrbuch der Harmonik“ dieser Aufsatzreihe zugrunde
liegt. Es ist das große Verdienst Hans Kaysers, der Gegenwart die Erkenntnisse
Pythagoras neu zugänglich gemacht zu haben. Das Fundament seiner Forschungen
bildet dabei die Lehre von der tönenden Weltenharmonie als einem schöpferischen
Weltenbauprinzip.
Wobei nochmals betont werden soll, daB
man diese Festlegung mit jedem bellebigen Ton vornehmen kann.
Unser c hat also den Index 1 erhalten.
Verdopple
ich,
verdreifache,
vervierfache, usw. ich nunmehr diese Schwingungszahl 1, dann resultiert daraus eine
Diese
pythagoreische
Grundidee ist
vor elwa 100 Jahren durch Albert von
Saitenteilung und der dadurch entste-
Thimus neu entdeckt worden, wurde
jedoch bis heute kaum von der Musiknämlich die Spitze des Lambdoma, den
theorie zur Kenntnis genommen. Sie
stellt rein zahlenmäßig einen Teilungskanon
dar,
welcher
eine
beliebige
Strecke „rational“ unterteilt. Da das
Schema ursprünglich in der Form des
griechischen Buchstaben L = Lambda
(A) dargestellt worden ist, nannte es
Thimus das „Lambdoma“. Seine Schenund
gleich
Saitenlänge
bestimmten
teilen dann die Saite in die Hälfte — 1:2
(1/2) —, dann erklingt die Ober-Oktav
des Tones der ursprünglichen Saitenlänge. Dritteln wir die Monochordsaite
1/1 und setzen den Steg an den Punkt
kel werden durch mathematisch streng
gesetzmäßige
hildet:
Zahlenverhältnisse
gehenden
Intervalle,
Zahlenwert
fand.
Setzen
wir
1/1, mit der Tonzahl einer
2:3, erhalten wir die Quinte. Verkiirzen
wir im Verhältnis 3:4, ergibt sich die
Quarte des urspriinglichen Ausgangstones.
wird, das Verhältnis 2:1
= 2/1 entsteht,
erklingt die
tones 1/1.
des
Unteroktav
Ausgangs-
Neben den zahlreichen Verwendungsspiegelt
doma also auch
uns
das
Lambganz bestimmte Intervallverhältnisse, wenn wir seine Zahlenproportionen als solche von Tonzahlen
auffassen. Soweit jene pylhagoreische
„Grundidee". Wir lassen sie vorerst als
historische
Gegebenheit
stehen
und
kehren zu unserem eigentlichen Thema
zurück, den harmonikalen Untersuchungen Hans Kaysers.
Das experimentell greifbare Fundament seiner Forschung bildet die sogenannte Obertonreihe, jene geheimnis-
Wir schen: am rechten Schenkel bleibt
Zähler
konstant,
der
Nenner
dagegen läuft von 1 bis oo. Beim linken
Schenkel ist es umgekehrt; der Zähler
schreitet
ins
Unendliche,
der
Nenner
bleibt konstant. Dabei ist festzuhalten,
daB diese Zahlenverhältnisse nur der
Übersicht
halber
in
Bruchform
geschrieben sind, in Wahrheit aber echte
Proportionen darstellen.
volle, in jedem Ton verborgene Harmonie, deren Vorhandensein im 17. Jahrhundert entdeckt wurde.
Jeder
Ton
bestimmte
weist
Anzahl
bekanntlich
von
eine
Schwingungen
auf, d. h. regelmäßige Bewegungen in
einer
bestimmten
Zeiteinheit.
Die
Schwingungszahl eines Tones bestimmt
dessen
Tonhöhe.
Kenne
ich
diese
Schwingungszahl, dann kann ich sämt-
Pythagoras gilt
als Entdecker des
Lambdoma. Es soll sagenhafte Eigenschaften besitzen und in den verschiedensten Bereichen, der Kunst, Philoliche anderen Töne zu ihm in bestimmte
sophie, der rellgiösen Symbolik und so
weiter, Anwendung gefunden haben. Die
Abbildung, die Rudolf Haase in seiner
„Geschichte des Pythagoreismus” bringt,
ist den „Opera omnia” des Boethius
entnommen und zeigt ein Lambdoma mit
Wir geben einem bestimmten Ton —
der Einfachheit halber sei es der Ton e —
spitzem Winkel. Thimus beruft sich auf
Beziehungen
setzen.
Durchführung
nimmt
maßen aus:
Die
sich
praktische
folgenderdie Schwingungszahl 1. Selbstverständlich könnten wir für unser Experiment
jeden beliebigen Ton dazu verwenden.
Wir haben uns für den, für unsere
Dur/Moll-Tonalität geltenden Grundton
Winkel von 60 Grad aufwelst, und damit
e entschlossen. Dieser Ton c welst in
einer
Sekunde
eine
ganz
bestimmte
stets ein gleichseitiges Dreieck ergibt, wo
Schwingungszahl (Frequenz) auf, die uns
Iamblichus,
dessen
immer man
Lambdoma
einen
seine Schenkelpaare durch
in, Ihrer effektiven Wertigkeit jedoch gar
interessieren
Angesichts. nicht
muß.
Wir
geben
seines erwähnten hoben Symbolgehaltes
vielmehr diesem bestimmten Ton c den
dürfte wohl die gleichseitige Dreiecks-' Index 1 und sind uns bewußt, daß sich
eine
form
Waagrechte
die
verbindet.
ursprüngliche
gewesen
sein.
Für unser Thema ist wichtig, daß die
Proportionen, die es aufweist, dieselben
sind,
die
Pythagoras
bei
chord-Untersuchungen,
seinen
Monohinsichtlich
der
12
3
4
5
6
7
cr”
d'(cd
e”
(fi s””
8
9
10
11
8
e”
12
( a’”)
(b””)
h”
ce’
13
14
15
16
,
Dasselbe Bild, in die Tiefe gespiegelt,
ergibt die linke Schenkelreihe. Wenn die
ursprüngliche
—Saitenliinge
verdoppelt
möglichkeiten
der
ganz bestimmte Tonfolge, die sich,. von
diesem c aus gemessen, folgendermaßen
ausnimmt:
hinter ihm eine ganz bestimmte Größenordnung seiner Schwingungszahl verbirgt.
Für uns jedoch gilt die Tatsache, daß
dieser Ton c in einer bestimmten Zeiteinheit eine (1) Schwingung vollzieht.
Hans Kaysers
weltenharmonikale
Perspektiven
Das jeweilige Bezugsverhältnis zum
deutlich erkennbar.
ist
Ausgangston
Wenn ich die Schwingungszahl 1 verdopple, ergibt das die Oklave meines
Grundtones e mit dem Index 2. Verdreifache ich die Schwinegungszahl, erhalte
ich einen Ton g, der um eine Quinte
über der eben entstandenen Oktav, bzw.
eine Duodezim über dem Ausgangston
liegt, mit Index 3. Die Vervierfachung
ergibt die nächst höhere Oktave des
Grundtones. Durch Index 5 gewinnen
wir die über der zweiten Oktav liegende
große Terz. Index 6 gibt mir die Oktav
des durch
Index 3 gewonnenen g, usw.
Die Indices sind theoretisch ad infinitum
fortzusetzen.
Die dadurch entstehende Tonfolge, die
wir bis zum Index 16 aufnotiert haben,
ist die Obertonreihe; jenes Naturphänomen, das immer auftritt, wenn
Materie
zum Tönen gebracht wird. Wo immer ein
Stoff mit einer bestimmten Tonhöhe
schwingt, tönt nicht allein sein elgentlicher Grundton, auf den er gestimmt Ist,
sondern mit ihm tönt ein theoretisch
unbegrenztes Universum von Obertönen
mit. Jeder erklingende Ton ist wirklich
eine Klangsäule, die ins Unendliche
reicht. Jeder erklingende Ton ist für sich
selbst ein Zusammenklang von Tönen,
eine Harmonte, die das Volumen, die
Sättigung und Klangfarbe des Tones
wesentlich beeinflußt.
Die Obertonrethe ist also ein harmonisches Phänomen; denn sie bedeutet
Zusammenklang,
Glelchzeitigkeit,
In
ihrer Struktur bietet sie uns aber noch
weitere,
bemerkenswerte
Eigenschaften.
Etwa ihre ,Quantelung* — ihr sprunghaftes Fortschreiten von einer Stufe zur
anderen.
Das
ist
keinesfalls
so
selbstverständlich. wie es aussehen mag.
Denn
die Zahlenreihe, mit der wir die
Töne
numeriert
haben,
sagt
diesbezüglich
nichts aus. In ihrem äußeren Ersche
i-
15
Die Kommende
Pagina 2
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)nungsbild ist sie zwar auch quantenhaft,
setzt bestimmte Größen, aber innerlich
muß sie doch als Kontinuum gedacht
werden. Denn zwischen den Größen 1
und 2, 2 und 3 usw. liegen ja unendlich
viele Zwischenstufen. Die Obertonreihe
aber zeigt sich in ihrer inneren Struktur
als echte, tatsächliche Quantelung, Zwischen ihrem ersten und zweiten Ton (der
Oktave des ersten) liegt kein Ton, der.
thr angehôrt. Der zweite, dem Grundton
zunächst benachbarte Ton ist die Oktave.
Mit dieser stufenweisen Entfaltung aber
tritt uns auf tönender Ebene ein Prinzip
entgegen, dem wir im Evolutionsgeschehen ebenfalls begegnen. Denn die
Entwicklung geht nicht immer als Kontinuum vor sich. Auch die Natur macht
„Sprünge“!
Die Quantelung führt uns gleichzeitig
an ein weiteres Phänomen heran: an die
Intervallierung der Obertonreihe. Kayser
bezeichnet sie als ihre „Seele“. Diese
Intervall-Folge läßt uns eine ganz bestimmte Struktur erkennen: ein stetiges
muß, sei hier im besonderen erwähnt,
wenn Kayser auch darauf nicht eingeht,
Für ihn kann diese Verengung der
Intervallschritte ein klingendes Spiegelbild der historischen Entwicklung sein,
indem sich jeweils ein bestimmtes Intervall zum Träger einer bestimmten Tonalitätsstruktur macht. Wir wissen aus
den Darstellungen Rudolf Steiners, daß
die Menschheit vor der atlantischen Zeit
in
Intervallen
musizierte,
die
größer
waren als eine Oktave. Die Empfindung
für das Oklav-Intervall tritt erst in der
Atlantis mit der Ich-Begabung ein, die
der Mensch damals erhielt.
Die Intervalle als Träger
der Tonalität
Diese, für uns nicht nachprüfbaren
Ergebnisse der Geistesforschung werden
Intervalischritte:
jedoch
gerade durch das Intervallphänomen der Obertonreihe einsehbar
Oktave (8)—Quinte (5)—Quarte (4)—große
Terz (3)—kleine Terz — schließlich eine
noch kleinere Terz, durch den Index 7
erzeugt. Da wir in unserer abendländischen Musik mit den Tönen der Indices
7,
11
und
13
den
sogenannten
und begreifbar. Die ersten uns erreichbaren materiellen Dokumente menschlichen Musizierens weisen uns auf pentatonische Tonfolgen. In ihnen ist die
Quinte das sirukturbildende Intervall.
Denn das pentatonische Melos ist eine, in
„ekmelischen“ Tönen
einen Oklavraum hineinprojizierte Quintenreihe.
In
der
vierten
nachatlantischen Kulturperiode, der griechischen
Antike, übernimmt die Quarte diese
Funktion, indem damals die zur Siebenstufigkeit erweiterte Tonfolge in zwei
Tetrachorden, also Quart-Räumen, erlebt
wurde.
Engerwerden
der
— nicht musizieren, wurden sie bei obenstehender Reihe
in Klammern gesetzt. Der vierte Oktavraum von c” zu c”” umfaßt dann die
Sekund-Intervalle mit all ihren verschiedenen Tonhöhen und Größenordnungen. Im 5. Oktavraum würden dann
sämtliche Prim-Größen in Erscheinung
treten. Damit erkennen wir, daß sich die
Tonreihe asymptotisch immer mehr dem
Grundton-Bereich
annähert,
ohne ihn
jemals wirklich zu erreichen.
Auch diese Verengung der Intervallschritte, das ,Abklingen* der Obertonreihe, wie es Hans Kayser nennt, ist ein
Phänomen, das uns auf den verschiedensten Ebenen der Natur, wie auch des
Lebens
selbst,
entgegentritt.
Hans
Kayser weist in diesem Zusammenhang
auf die Abnahme der Lichtausbreitung,
auf alle physikalischen Kraftäußerungen,
„welche nach dem ersten Anstoß durch
Luft, Reibung usw. gebremst werden“.
Er führt die „Planetendichten und ihre
Geschwindigkeiten“
an,
die
ebenfalls
einer „serialen
Abnahme“ gehorchen.
Auf biologischer Ebene wäre das Tierund Pflanzenreich zu erwähnen:
„Fast jede Pflanzenform gehorcht in
Gestalt und Wachstum einer quantenhaften harmonikalen
,Dichotomie'; bei
den
Tierformen
sehen
wir
dasselbe
hesonders in den Gesetzen des Zellenaufbaus
und
-wachstums
sowie
den
Chromosomenzahlen
und
Vererbungsregeln; beiden Bereichen gemeinsam ist
eine
ausgesprochene
eben
quantenhafte
,ruckweise',
Progression
d. i.
ihrer
Stammbäume, d. h. eine Entwicklung
von einfachsten Typen zu immer differenzirrteren, innerhalb welcher Gesamtlirie
sich
die
einzelnen
Prototypen
immer wieder ,erschépfend' d. h. abklingen, um neuen Platz zu machen.“
Im
subjektiv-menschlichen
Bereich
untersucht
Kayser
die
menschlichen
Willenshandlungen,
den
Verlauf
von
Krankheiten
und
anderes
mehr,
und
kommt auch hier zu dem Ergebnis eines
anfänglich
vehementen Einsetzens des
jeweiligen Elemenles und dessen allmähliches Abklingen.
Das Interesse, das der Musikhistoriker
an der Struktur dieser Reihe finden
16
Das
Mittelalter
vollzieht
dann
Wen
Schritt zur Terz, Sie ist in der Dur/MollTonalität das tragende Intervall, ja das
harmonische
Kriterium
schlechthin.
Unserem Jahrhundert schließlich war es
vorbehalten,
die
Terzen-Struktur
zu
überwinden
Oktavraum
und
der
gleichsam in
Obertonreihe
den 4.
einzutreten: in die Sekund-Struktur.
Die Reihenfolge, welche im musikgeschichtlichen Werden dic Intervalle als
steukturelle Träger der Tonalitäl bilden,
entspricht also genau jener, wie sie sich
in den verschiedenen Oktavräumen der
Obertonreihe
abzeichnet.
Dokumentarisch verfolgen und bezeugen läßt sich
dies, wie gesagt. nur bis zum 2. Oktavraum, also bis zum Quinten-Intervall,
Doch wissen wir, daß der Zeitpunkt, von
dem uns schriftliche Überlieferungen
erhalten sind, nicht der Beginn
der
Musik war. Auch vorher hat es bereits
Musik" gegeben. Die Tatsache nun, daß
sich in der von uns überschaubaren
Zeitenfolge der Raum des die Tonalität
tragenden Intervalls kontinuierlich verengt, läßt
den
Schluß zwingend erscheinen, daß in noch ferner zurückliegenden Zeiten wohl auch der erste
Oktavraum von der Menschheit erlebt
worden ist und die Okiave als der
kleinste
Abstand
zwischen
2
Tönen
empfunden wurde. Und jene Zeiträume,
die noch größere Intervalle als die Oktav
als unmittelbar benachbarl’ erlebten —
sie sprengten, bildiich gesprochen, das
Natur-Phiinomen der Oberlonreihe: das
bedeutet aber nichts anderes, als daß
diese Zeiträume pbysisch-irdisch nicht
mehr zu fassen sind, wenngleich sie sich
durchaus logisch den sichtbaren Zeugnissen voranstellen.
Doch nicht nur für die Vergangenheit
ist, die
Obertonreihe
diesbezüglich
ein
Richtungsweise
ent-
Spiegel. ‚Auch für die Zukunft können
wir
aus
ihr
eine
nehmen. Der 5, Oktavraum würde uns ja
das Hineinhören in das Prim-Intervall
bringen, also ein Hineinhören in den Ton
selbst. Rudolf Steiner hat von dieser
Zukunft ganz konkret gesprochen, in der.
einmal die Melodie im Ton vernommen
werden wird.
Allein nicht nur für den Musiker, auch
für
den
Mathematiker
mag
unser
Schema von Interesse sein. Denn es zeigt
uns eine durchaus nicht selbstverstindliche Tatsache: das Zusammenfallen von
Ordinal- und Kardinalzahlen. Mit reinen
Ordnungszahlen kann man bekanntlich
nicht rechnen. Und zu Beginn haben wir
ja nichts anderes getan, als die Reihe der
Obertóne einfach durchnumeriert. Nun
wäre es absurd, würden wir mit diesen
Zahlen unseres Kalendariums rechnen
wollen und den ersten zum zweilen Tag
addieren, um den dritten Tag zu erhalten.
Die
Ordinalzahlen dienen ja
lediglich dazu, eine Reihenfolge festzuhalten, die aus ganz anderen Umständen
heraus entstanden ist. Denken wir z. B.
an die verschiedenen Laufzeiten beim
Sport, die wir in eine bestimmte Reihung
bringen.
Auch
hier wäre
es
völlig
sinnlos, den ersten Läufer mit dem
zweiten zu addieren. um den dritten zu
erhalten. (Nach
R. Haase: „Die harmonikalen Wurzeln der Musik")
Merkwiirdigerweise
sind
derartige
Operationen
aber
in
unserem
Falle
möglich. Die Ordinalzahlen unserer Teiltöne sind rechnerisch durchaus brauchbar, d. h. sie können gleichzeitig als
Kardinalzahlen verwendet werden. Die
Proportion 3:5 entspricht tatsächlich der
großen
Sext
g'-e”,
6:8
(=3:4)
bildet
effektiv die Quart g”-c’” usw.
Man
sollte
diese
Dinge
nicht
als
selbstverständlich nehmen. Im Grunde
ist im Weltenzusammenhang gar nichts
selbstverstándlich. Und wir müßten das
Staunen über derartige Zusammenhänge,
das uns unser Intcllekt weitestgehend
verlieren ließ, wieder neu lernen. Die
Harmonik bietet dazu eine einzigartige
Möglichkeit.
Ein zwar bekanntes, aber wesentlichstes Phänomen der Obertonreihe ist die
Tatsache, daß sich durch den 3. und 5.
Teilton im Verein mit dem Grundton der
Dur-Dreiklang
manifestiert.
und
wir
diesen Zusammenklang daher als eine
Naturgegebenheit erkennen müssen. Das
Dur-Prinzip
tritt
jedoch
noch
stärker
in
Erscheinung, wenn
wir uns alle
16
Teiltóne
betrachten,
und
aus
ihnen sowohl die ekmelischen Töne als
auch
die
Oktavwiederholungen
der
ersten 6 Töne eliminieren. (Man nennt
diesen, die ersten 6 Teiltöne umfassenden Tonraum den ,Senarius". In der
abendländischen Musik wird nur mit
Tönen aus diesem Tonbereich und seinen
Multipeln musiziert). Diese Operation
ergäbe die Teiltöne: 1, 3, 5, 9, 15, 16.
Projizieren wir sie in einen Oktavraum
hinein, dann resultiert daraus die Tonfolge: c-d-e-8-h-c'. Das sind die Töne
des Tonika- und Dominant-Dreiklanges.
Dadurch sehen wir auch die Funktionsharmonik unserer Mehrstimmigkeit, soweit sie Dur betrifft, in der Obertonreihe
verankert.
Vergleichen wir abschließend die aus
den Teiltönen der Obertonreihe sich
ergebenden Proportionen mit jenen des
Pythagoras, die er am Monochord, bzw.
im Schema des Lambdoma fand, gewahren wir ihre völlige Gleichheit. Nur
eine Reziprozität der Brüche ist festzustellen, die sich jedoch notwendigerweise
aus der Tatsache ableitel, daß Pythagoras mit Saitenlängen, wir mit Frequenzen operierten. Die doppelte Frequenz (2/1) enistehi an der um die Hälfte
verkürzlen Saite (1/2),
Pagina 3
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Aber
diese
nicht
nur
Pythagoras
Proportionen-Lehre.
kannte
Durch
das
ganze abendländische Musikwerden zieht
sie sich hindurch, und im mittelalterlichen Orgelbau, ja im Instrumentenbau
überhaupt spielten die Gesetze der Obertonreihe eine tragende Rolle, obwohl
man damals von ihrer
in der Stoffeswelt
verankerten Realität noch nichis wußte.
Erst 1636 hal sie Mersenne als Nalurphänomen entdeckt, und 1702 erst wurde
durch Saveur der gesetzliche Aufbau der
Obertonreihe voll erkannt. Ein Beweis,.
wie man aus einem „höheren Bewußtsein“ heraus von Dingen wissen kann,
die vorerst nicht experimentell nachvollziehbar sind und doch eine Realität
bedeuten.
Das
Oberton-Phinomen
mit
seinem
tönenden Universum kann uns als Gleichnis eines demiurgischen Schöpfungsaktes
anmuten. Entfaltet sich die Fülle seiner
Harmanie doch aus dem einen Zeugerton. wobei jeder der entstehenden Töne
höher ist als sein Vorgänger. Werden wir
dabei nicht an den ägyptischen Gott
erinnert. der die Weit durch ein siebenfaches Lachen erschuf und jedesmal ein
Wesen hervorbrachte, das größer war als
er
selbst?
Und
welch
einzigarliger
Gleichklang zwischen der Welt des Geistes und
der Welt
der
Sinne:
beim
siebenten Lachen, so heißt es in der
Überlieferung,
erschrak
sonders.
dieser
Denn
Toth
ganz besiebente
Ton
erzeugie den Drachen, d. h. „die Erkenntnis der Grausamkeit der Welt"; das
Wissen also um „Gut“ und „Bös“. Es
entspricht dem erslen ekmelischen Ton
der Obertonreihe, der wohl noch in der
Antike, doch nicht mehr im christlichen
Abendland Verwendung fand.
So
kann
genden
die
Symbol
Obertonreihe zum
für
jeglichen
klin-
Schöpfungsakl werden. Denn jedes Kunstwerk
überragt seinen Schöpfer; geht in seiner
Fülle über ihn hinaus, mag es nun von
Götteroder
Menschenhand
gestaltet
sein.
Die Untertonreihe
Die Verankerung der Dur-Tonalität in
der Obertonreihe als Naturphänomen ist
nicht
wegzudiskutieren.
Leider haben
wir kein gleichwertiges Korrelat fiir eine
ebensolche Verwurzelung des Moll. Zwar
könnte man bei einer genügend langen
Erweiterung der Teiltonreihe auch jene
Ziel. Die Moll-Tonalität würde sich nämlich ebenso „von selbst“ ergeben, wenn
es eine Teiltonreihe gäbe, die sich als
getreues Spiegelbild der Obertonreihe
erweisen würde: als Untertonreihe. Nun
konnte man durch bestimmte Experimente zwar einzelne Untertöne in der
klingenden
Materie
nachweisen,
eine
geschlossene Reihe jedoch
analog der
Obertonreihe zu entdecken, war bisher
nicht möglich. Und es dürfte dies auch
kaum jemals der Fall sein. Wir haben
daher zur Kenntnis zu nehmen, daß es
eine
Untertonreihe
und
damit
eine
materielle Verankerung der Moll-Tonalität in der Stoffeswelt nicht gibt.
.
0=/00 ... Mae, sf, Ve
UNTERTONREIHE
#
e
2hc ig te”... ofl =
OBERTONREIHE
Deutlich ist die verdichtende, verengende Tendenz der oberen Reihe zu
erkennen, wie ja auch der Moll-Klang
etwas In-sich-Zusammenziehendes, deshalb für unser Ohr oft Schmerzvolles,
erleben läßt, während die untere Seite
als Dur-Reihe in die Ausweitung, Allumfassung strebt. Philosophisch hat Plato
dieses tönende Phänomen bereits in
seiner „Diairesis“
(Teilung der Idee).
gefaßt. Ihr liegt die Frage des Verhaltens
des Einen zum Vielen zugrunde, die
Frage nach dem Verhältnis der einzelnen
Ideen zu ihren sinnenhaften Abbildern.
Es geht also letztlich um die Frage: wie
verhält sich die Sinneswelt zur Seins-
Doch muB uns dies insofern nicht
beschweren, da wir die Obertonreihe in
einer durchaus zullissigen Art so ,interpolieren“
können,
daß
sie
uns
das
Spiegelbild ihrer eigenen Reihung ergibt.
Auch diese Interpolation liegt ja schon
im pythagoreischen Lambdoma. Denn die
linke Schenkelreihe. auf der wir die
Saitenlängen
verdoppelten,
verdreifachten
usw.
ergibt
ja
das
genaue
Spiegelbild der rechten: nämlich Unteroktav, Unterquint usw.
welt.
Plato
versucht
sie
durch
die
Methode der Teilung (Diairesis) zu beantworten. Hans Kayser führi dazu aus:
„Eine übergeordnete Idee wird in zwei
oder mehr Ideen geteilt, die einander
Diese Töne sind aber für unser Tonerlebnis genauso real wie die Obertöne,
Und auch akustisch unterscheidet sich
der
Ton
der
doppelten
Saitenlänge,
außer
durch
seine
unterschiedliche
Höhe, in nichts von jenem der halbverkürzten. Unser Ausgangston c 1/1 kann
ja selbst auch als Oberlon auftreten,
denn unter ihm liegen ja noch weitere
Tione, von denen er die Oklave, Quinte.
Terz usw. als Oberton bilden kann. In
diesem Sinne ist die Unterlonreihe, um
mit Hans Kayser zu sprechen, „eine
ausschließen und keiner weiteren Möglichkeit Raum geben. Nach demselben
Grundsatz werden nun diese Ideen unterteilt, und dieser Prozeß wird solange
fortgesetzt, bis man bei Ideen ungekommen ist, die keine Teilung mehr
zulassen
und
ihre
unmittelbaren
Abbilder in der Sinneswelt haben. So wird
etwa die Idee des Lebewesens fort und
fort gespalten, bis in einem der sich
immer
zahlreicher
verzweigenden
Strange die Ideen von Mann und Frau
erreicht sind, die im bunten Variantenspiet
der
Erscheinungen
dieser
Weit
widergespiegelt sind. Auf der untersten
Stufe
der
Ideenwelt
frifft
also
die
psycho-physische Realitiit; denn sie läßt
sich
seelisch
am
Monochord
ebenso
exakt beurteilen wie die Obertonreihe".
Wir gelangen somit zur Moll-Tonalität
mittels einer durchaus erlaubten, weil
erlebbaren
Spiegelungs-Operation
der
Obertonrcihe. Die physikalische NichtExistenz der Untertonreihe wird davon
nicht berührt.
Ober- und Untertonrcihe spiegelbildlich einander gegenübergestellt zeigen
uns. die interessante Gegensätzlichkeit
von
Divergenz
und
Konvergenz.
Die
Obertonreihe, mit ihrer Frequenz-Vervielfachung, strebt ins Grenzenlose, ins
unendlich Große, und ist somit divergent. Die Untertonreihe dagegen tendiert
zu einer Grenze, obwohl auch sie eine
unendliche Reihe ist, da sie den Grenzwert nie erreichen kann.
1A
Verstandeserkenntnis mit der Sinneswahrnehmung zusammen, es ist eine
Korrelation der beiden Welten gefunden,
die fiir den menschlichen Geist kontrollierbar ist. Wenn nun die Diuiresis nach
allen Richtungen und durch alle Stränge
lückenlos durchgeführt ist, so ist der
Bestand an Ideen vollständig aufgenommen und das Wesen einer jeden an
dem ihr zukommenden Platze genau
bestimmt."
Wer würde bel dieser Darstellung
nicht
an
das
berühmte
Gespräch
zwischen Goethe und Schiller über die
Urpflanze denken?
Plato hat diese Philosophie der Diairesis schematisch festgehalten:
Töne finden, die — herausgelöst und
künstlich nebcneinandergestellt — den
Moll-Klang ergeben würden. Durch diese
Methode ließe sich schließlich auch die
ganze moderne Zwölftonreihe aus der
Obertonreihe ableiten. Der SchluB aber,
daß somit auch sie ein Naturphänomen
sei,
ist
nicht
haltbar.
Denn
erstens
gewirnen wir solcherart die Moll-Tonalität
bzw. die Zwélftonreihe nur durch
cine Operation mit der Obertonreihe.
nicht durch sie selbst. Denn der DurKlang wird uns dargereicht als unmittelbare Entfaltung ihrer ersten Teiltöne.
Zweitens würden sich bereits die MollKlänge
nur aus
Teiltinen
gewinnen
lassen. die aus Vielfachen der Indices 7,
11 oder 13 stammen. Sie würden daher
nicht dem Senarius angehören. Da wir
diese
Teillóne
aber
auf
Grund
der
historischen Tatsachen für die abendländische Musik ausschließen
müssen,
können wir sie jetzt nicht zur Grundlage
der Moll-Tonalität heranziehen.
1/20!
1/38!
60/60
Das Begrenzende
1/00
Das
Inbegrenzte
00/1
Diese Operation ist also nicht anwendbar.
Doch
eine
andere
führt
Pagina 4
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Hans Kayser führt diese platonische
Diairesis für die Tonwelt lückenlos
durch und zeigt damit cindringlich auf,
wie dieses ganze Weltgebaude in Wahrreihe. Auf Moll bezogen, dürfen wir
heit durch-tônt ist.
Folgen wir seiner Operation Schritt
fiir Schritt. Zunächst gibt er dem pythagoreischen Lambdoma die unserer Methodik angemessenere Form des Koordinatensystems. Was im Lambdoma ein 60Grad-Winkel war, wird jetzt zu einem
rechten und nimmt damit die Form der
sagen, seine Wirkenskraft ist eine einstrahlende, zentripetale. Geisteswissenschaftlich gesehen ist dies eine ätherische Wirkenskraft. Sie kommt vom
„Umkreis“,
von
der
Peripherie, und
strahlt in die Verdichtung, zum Mittelpunkt, wie ihre „Konvergenz“ erkennen
läßt.
Jetzt
kann
uns
Natur äquidistant sind, perspektivisch, d.
h. in einer nach Art der geometrischen
Reihe eintretenden Verkürzung. Hier
könnten wir uns die Frage stellen, ob
diese Eigenschaft des Hörens wohl zu
allen Zeiten Geltung hatte? Oder ob das
Hören jener voratlantischen Menschheit,
die noch kein Oktav-Empfinden aufwies,
bewußt
auch
werden, warum wir die Untertonreihe in
der sinnlichen Natur nicht finden
Diairesis Platos an:
können. Sie gehört dem „Gegenraum"
an, der eben nicht sinnlich ist, aber als
ätherische Wirksamkeit doch real dem
Dingraum gegenübersteht.
Ua 3 Vi 4/s usw.
vielleicht damit zusammenhing, daB —
um
im
Bilde
unseres
Diagramms
zu
sprechen — die „geometrische Reihung“
gleichsam mitvollzogen wurde?
unserer
Moment
qualitative
Das
beiden Diagramm-Hälften darf keinesfalls übersehen werden. Die Tatsache, :
daß es die Zeugertonlinie ist, die diese
Das Dur dagegen, in der Obertonreihe
ist mehr als
manifestiert, hat ausstrahlende Tendenz. beiden Hälften scheidet,
Dur
empfundene
„hart“
Das
Symbol.
der
von
kt“,
„Mittelpun
Es wirkt vom
„männals
häufig
wird
hart)
=
(durús
den
in
e,
Peripheri
Materie hin zur
das weiche
usw.
kosmischen Umkreis zurück. Daher kann lich“ charakterisiert, während
Moll (mollis = weich) sehr oft mit der
Die Vervollständigung der Teilungsmög- auch die Obertonreihe und ihre Dur- weiblichen Empfindungswelt in Belichkeiten erzielt er durch Ausfüllung Tonalität ein Naturphänomen sein.
ziehung gesetzt wird. Wir haben also In
der von der waagrechten und senkrechIm Kern ihres Wesens zeigen uns diese unserem Diagramm eine männliche und
ten Schenkelreihe umgrenzten Fläche. beiden Kräfte jene Wirksamkeiten, die eine weibliche Hälfte, die durch die
Die Rechtfertigung dafür ergibt sich aus wir als Inkarnations- und Exkarnations- Zeugertonlinie verbunden werden. Es
der von uns bereits eingangs erwähnten dynamik bezeichnen. So „durchtönt“ das lohnt, diesem Phänomen nachzuspúren.
Tatsache, daß jeder beliebige Ton zur Dur und Moll alle Ebenen unseres Wir müssen uns nur die innere BewegBildung der Obertonreihe, und damit Lebens:
lichkeit bewahren, die Dinge einmal von
auch zur Spiegelung in der Untertonder Sicht der Saitenlängen, zum andereihe, verwendet werden kann, da ja Mathematisch:
renmal von jener der Frequenzen her zu
konvergent — divergent
jedem Ton eine Obertonreihe eigen ist.
betrachten,
vorhin
der
aus
Und sie erfließt weiter
Logisch:
Würden wir nämlich die Saitenlängen
getroffenen Feststellung. daß jeder Ton
Kontraktion — Expansion
als Ausgangspunkt nehmen, würde sich
der Obertonreihe gleichzeitig auch Teilsch:
"fs
ta
Y
Physiologi
ton einer Untertonreihe sein kann. Aus
Einatmen — Ausatmen
diesem Grunde können wir auch von
jedem Teilton unserer Koordinatenlinien Physikalisch:
Zentripetal — Zentrifugal
eine Oberton- bzw. Untertonreihe bilden.
isch:
Ton
Philosoph
erklingenden
real
den
für
was
Denn
Mikrokosmos — Makrokosmos
1/1 c gilt, gilt auch für den Ton 1/2 c —
wenn wir ihn als den real erklingenden Musikalisch:
Ausgangston wählen würden. Und es gilt
$
Moll — Dur
ebenso für 1/3 g, für 1/4 c, usw. Das Pythagoreisch:
heißt. wir können von jedem Ton der
Begrenzend — Unbegrenzt
von 1/1 c ausgehenden senkrechten
tlich:
ssenschaf
Geisteswi
_
Untertonreihe eine waagrecht verlau-
Inkarnation — Exkarnation
fende Obertonreihe bilden, analog unse-
Wenn der Mathematiker uns daher
Teilton-Koordinatenlinie. einwenden wird, daß die sich am Diagebenden
Diese Obertonreihen bilden aber gleich- gramm ergebenden Phänomene selbstzeitig zu den Teiltönen dieser horizon- verständliche Resultate seiner Anlage
talen Koordinatenlinie, wenn wir sie sind, so gilt dies nur im Hinblick auf die
Das reinen Zahlenwerte. Aber wir haben es
Untertonreihen.
lesen,
vertikal
rer
ersten,
von
1/1
c horizontal
ausnimmt sich schematisch wie folgt aus:
2/1c°
1/2c,
1/3f,, | 2/3f,
i/4c,, | 2/bc,
3/13!
3/2g
3/4g
y/ict'
4/20!
war
1/58,
1/506,,] 2/5as,, 3/Ses,
4/6f,
3766,
1/61,,51
2/6f,,
hier nicht mit einem absirakten Zahlen-
5/ie''
6/18"
5/4e
6/4g
5/2e'
5/3a
in
5/6a,
6/28"
6/30"
schema
ist ein
zu
tun
Es
bedeutsames
Moment der Kayserschen gg cs En
Bezug zwiden
sie
schen Zahl und Ton
= eindringlich aufjede Proae Zaklenwert,
portion unseres Diareigt.
gramms
klingt,
ist
scelisches ErEs treten also horizontal gelesen lauter Ton, Intervall und damit:
zwischen akustischer
Brücke
Diese
lebnis,
lauter
gelesen
vertikal
Obertonreihen,
tion und seelischer EmpfindungsUntertonreihen auf. Das ganze Feld wird Apperzep
meßbarer Quantität und
zwischen
welt,
zwei
in
e
Diagonal
dabei durch eine
EinzigarliHälften geteilt. Der Zahlenwert dieser psychischer Qualität ist etwas
Diagonale ist immer 1, wie jener unseres
Ausyangstones. Kayser nennt diese Diagonale daher die „Zeugertonlinic". Unschwer ist ihre Identität mit der Teilungslinie der platonischen Diairesis zu
erkennen, die der Philosoph als „das
Viele bezeichnet,
Quontituue sind alle Quotienten rechis
aberhalb der Zougertonlinie größer als 1,
Enke untorbaib kleiner als 1. Dadurch,
dat
wie
oes
im
Diesranun
mil
einer
Diver von Oberund Untertenons zn Sin haben, ergibt sich eine
ecermrtine
Verbetiung
von Jar und
Mt. Divikibngen. Dies festzuhalten ist
dle
ent
is, wei! Leer und Moll zwei
Vois
versettiedone
Welten
sind.
Wir
starben
chen
von
der
verenzenden.
verte gerade
18
Tesdenz
er
Untertonges der Harmonik.
In diesem Zusammenhang können wir
gleich auf ein weiteres „Metaphysikum“
hinweisen, das uns durch diese „Brücke“
bewußt werden kann. Wir hören die
Oktav-Zwischenräume immer als gleiche
Größe, ob wir die Oktav e-c', oder c'c“, oder c“—e” nehmen. Auch am
Tasteninstrument sind die Zwischenräume immer die gleichen, Auf unserem
Diagrammi ist dies jedoch keineswegs der
Fall. Die Oktavräume der Obertonreihe
weiten sich vielmehr: 1-2-4-8-16-32-64...
usw. Wir hóren in gleichen Abständen,
was in ungleichförmigen, den Gesetzen
einer geometrischen
Reihe
folgenden
Distanzen erzeugt wird. Das Ohr verhält
sich also reziprok zu unserem Auge.
Denn wir schauen Dinge. die in der
unsere
Wertung
des
Diagramms
umkehren: die Horizontale ergäbe die Unterton-Molisphiire, die Vertikale den DurOberton-Bereich. In den Saitenlängen
kommt mehr das räumliche Element zur
Sprache. Wie stellt sich das mämnliche
Prinzip in den Raum? Als das konzentrierende, individualisierende Prinzip. Im
Diagramm auf Saitenlängen aufgebaut,
würde das die Aliquotenreihe 1/1, 1/2,
1/3, ...... Moo = 0 ergeben, also MollDynamik. Konzentration ins Kleine, Spezielle: Ausschließlichkeit! Während die
„Moll-durchpulste“ weibliche Reihe 1/1,
2/1, 3/1...... oo/1 nach dem Unbegrenzten sich ausweitet, wie es der „universellen“, sich weitenden Seelenhaltung
des weiblichen Prinzipes entspricht. Dies
prägt sich bis in die räumliche Ausdehnung der Keimzellen aus. Denn die
männlichen Keimzellen sind von geringerer Größe als die weiblichen.
Gehen wir jedoch zum zeitlichen Element, zur Dynamik, müssen wir unser
Schema auf Frequenzen aufbauen, wie
dies vorhin geschah. Und da wird uns
das männliche Prinzip zu jener unermüdlich nach Transzendenz schweifenden BewuBtseinshaltung, während sich
das weibliche als das Bewährende, die
gewordenen Güter Behütende offenbart.
Dadurch kann uns bewußt werden,
wie die Entstehung eines Lebewesens
eigentlich nur aus einer Androgynität
heraus, einem Mànnlich-Welblich-Sein
zu erklären ist. Aus der ,Monas” 1/1,
dem gemeinsamen Zeugerton, der das
Dur/Moll noch in sich tragt. Jede Individualität, wie sie uns als Erdenpersönlichkeit entgegentritt. ist gefiigt aus zwei
Welten, die einst aus einer einheitlichen
Welt, dem Zeugerton 1/1, hervorgingen.
Aber wir fragen weiter: Haben wir mit
diesem Zeugerton auch den Urgrund
seines Wesens erfaBt? Mit dieser Frage
eröffnet sich uns ein weiteres Phänomen
unseres Diagramms, das uns tief In
transzendentale Bereiche führt. Wenn
wir nämlich daran gehen, alle auf dem
Diagramm identischen Töne zu verbinden, so machen wir eine überraschende Entdeckung. Gemeint sind
Töne, die in Hühenstufen und Charakter
völllg gleich sind; also nicht nur gleiche
Pagina 5
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Wertigkeit zeigen, sondern auch keine
Oktavreduzierungen (Oktavierung in die
Tiefe) oder Potenzierungen (Oktavierung
in die Héhe) aufweisen. Verbindet man
diese gleichen Töne, so liegen sie alle auf
einer Geraden. Kayser nennt diese Gewäre
vielleicht noch
nicht so überraschend, obwohl es keineswegs als so
Schôpfungsaktes,
das’
„Sich-Aussprechen“
der
Gotiheit
inden
verschiedensten Gestaltungen charakterisiert zu
finden. In unserem Diagramm fassen wir
durch „Maß“ und „Zahl“ und erleben als
„Klang“, was im BewuBtsein der Völker
einst als Brahma, Nirwana; Moira —
bzw. im Sinne des Zeugertones als Tao;
als Atman und als Demiurg lebendig
selbstverständlich
war.
raden
die „Gleichtonlinien“.
Das
angesehen
allein
werden
darf. Uberraschend aber ist, daß sich alle
Gleichtonlinien,
gegen
alle
und Lebensäthers verblieben. Er wäre
dann nicht der luziferischen Versuchung
verfallen.“ (R. Steiner: Bausteine zu
einer Erkenntnis des Mysteriums von
Golgatha).
Hans Kayser, den der Lichtklang der
„Gleichtonlinien“ tief bewegte, weist auf
Friedrich Rückert, der in seiner „Weisheit des Brahmanen“ diesem Erlebnis
dichterischen Ausdruck verlichen hat:
Und tiefe Mataphorik liegt darin, daß
jeder einzelne Ton unseres Diagramms
von seiner Gleichtonlinie getragen und
gchalten wird und alle diese Linien,
Erwartung,
nicht im Zeugerton 1/1 ¢ treffen, sondern
-— dahinter. Also im Zahlenwert: 0/0
„Wie
von
der
Sonne
gehen
viele
Strahlen erdenwärts, / So geht von Gott
ein
Strahl
in
jedes
Dinges
Herz, / An
diesem Strahle hängt das Ding mit Gott
zusammen,
/
Und
jedes
fühle
sich
dodurch von Gott entstanden. / Von Ding
1/0
2/0
3/0
4/0
5/0
16/0
7/0
.
0/
/
zu
u/0
|
7/1
2/1
9/1
bra
b? t
€ eae
ad’ i}
ft
6/
2 “3
n
1!
c!
geht
seitwärts
kein
solcher
verworrene
Streif-
An diesen Lichtern kannst du nie das
Ding erkennen: / Die dunkle Scheidewand wird stets von ihm dich trennen. /
An deinem Strahl mußt du vielmehr zu
Gott aufsteigen, / Und in das Ding hinab
in seinem Strahl dich neigen, / Dann
9/2x
o
Dinge
Strahl / Nur viel
lichter allzumal.
x
ta
0/2
2/0
siehest du das Ding wie's ist, nicht wie
a!
es scheint, / Wenn du es siehest mit dir
selbst in Gott vereint.
Y
c
en?
:
3
245
TK 2/5
0/5
(Vom Totenhügel, Spruch 9)
r*
;
i
|:
9/4
=|
a’
| Teiltondiagramm greifbare, bestätigende
8/5
9/5
- Hinweise. Auch dem Musiker erschließt
IV
0/4 || 1/4 | 2/4 | 3/
0/5
a | 5/4
La
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Cy ,
Cy
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1/5
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26
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5/7
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es wertvolle Erkenntnisse
Greift man z.
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Ca
6/2?
d
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N/A
9/8
2/7
d,,
Xs
3/7
d,
0/8
1/8
2/8
3/8
4/8
5/2
6/8
7%
Cr»
Cos
Ens
Cy
cy
Pai
h,
7
4
d
von der bereits Albert von Thimus
nachwies, daß sie den Gesetzen einer
Parabel gehorcht. Ober- und Unterton. reihen im Diagramm stellen sich also als
. Parabeln dar, deren einer Asl stels in
den
metaphysischen
Ursprung
0/0
mündet, während der zweite in den
N Nullwert der um eine Stufe höheren
i
j
0/9
1/9
2/9
9"
A “Dos,
4/9
y
‘Dy,
Y
„>
6/9
7/9
a,
f,
PE,
8/9
9
Yb,
x =: ekmelischer Ton aus dem Index 7
v = Erniedrigungsakzent. Der Ton ist enharmonisch, mit niedrigerer Freqenz gegenüber den anderen, gleichnamigen Teiltönen gestimmt.
Parabel von Tonwert “sc: Obertonreihe sc, 8/1”, Y/ıg', 8/2”
Die Äste münden in die Werte % und Ye
Tonleiterkreis: Mitielpunkt %sc
nf
In die Oktav projiziert: b—c—d—es—f—g—a—b
In der harmonikalen Symbolik ist das
der letzte Bezugspunkt aller Seinswerte.
gleich Sonnenstrahlen von
Das
Vielfalt der Erscheinungen durchtönen.
Denn
der
Mensch
selbst
ist
seiner
,Nichts"
—
das
in
Wahrheit
das
„All“ bedeutet, da es das .Unoffenbare“
darstellt, aus dem der androgyne Wesensgrund des Zeugertones
selbst ,emanierte”,
Der
Symbolwert
Zustand
„im
Busen
0/0
Gottes
dem
tiefsten
und letzten Gottesgrund ausgehend, die
Urveranlagung
nach
auf einen
eigenen
ist
der
Ton gestimmt, den er in der Harmonie
der Sphären zum Erklingen hätte brinvor
der
gen
sollen.
Index-Zahi sich verliert. Haben wir als
Ausgangspunkt den c-Wert 5/5 gewählt,
so weist dieser zweite Ast in den 0-Wert
des Index 6. Da es nun kein Zufall sein
kann, daß sich eine derartige Kurve
durch die Obertonreihe gestaltet, müssen
wir das Wesen der Parabel mit in die
Betrachtung
einbeziehen.
Die
Physik
kennt sie als jene Kurve, mittels der sich
vorwiegend dynamische Gesetze manifestieren. Jede Wurfbahn ist eine Parabel. Auch den Begriff der Beschleunlgung drückt
man
in
Parabeln aus.
Demnach müßte die Harmonie selbst ein
dynamisches Element in sich tragen. Das
mag überraschen. Denn mit dem Akkord
verbinden wir gewöhnlich die Vorstellung eines statischen Momentes, eines
Elementes der Schwere. Aus dieser Sicht
spricht auch Rudolf Steiner in seiner
Ton-Eurythmie von dem Akkord als dem
„Leichnam des Melodischen“. Tatsächlich
Zeichenerklarung:
Umkreis: Ye — Hub nes-—"/ 7a, 4/10, Met —V ag,
gewähllen c-Wert die Ober- bzw. Unterr
1/7
=
5/5 c — jeder Wert ist möglich --,
untersucht, wie sich von diesem
EX
È tonreihe aufbaut, erhält man eine Kurve,
À
duos
!
und
Zcugertonheraus, ciwa 4/4 ec,
T
0/7
Ca
B. auf der
linie einen c-Werl
|¡ oder
8/6 Y (Al4
y»
ae y
Doch
nicht
nur der philosophisch* mythologischen
Betrachtung bietet das
Wäre
ihm
dieses
reine
stockt der Fluß des Melos um so mehr, je:
gewichtiger die Akkordik ist, die sich an
den Melodie-Ton hängt. Denn das elgentlich Strömende, das dynamisch Bewegte
ist uns immer das Melos. Wie also ist es
zu verstehen, daß auch in der Harmonie
Dynantik, Bewegung walten soll?
In der Beantwortung dieser Frage
wäre zunächst auf jenes Kriterium zu.
Schöpfung“ (Goethe); der Zustand ehe
Goti sprach. Der Zeugerton indessen Ist
der Augenblick
des
„Fiat“, des:
„Es
„sein
werde!"
gehabt, den physischen Leib unsterblich
ist, daß wir es überhaupt nicht mehr
beachten: die Tatsache nämlich, daß es
thne
Harmonie keine Melodie geben
zu erhalten“. Der Mensch wäre — als
lebendiger Weltenton — „in den oberen
Regionen, in den Sphären des Klangkann. Auch das einstimmige Melos ist
stets von Harmonie durchdiungen. Hier
wird
restlos
deutlich,
daß
wir
den
Wieder
könnten
wir
in
zahllose
Mythen
und
Religionen
der
Völker
blicken,
um
diesen
Ur-Beginn
des
Durchdrungensein
Lebensäther nicht
Ätherleib
mit
Klangund
verloren gegangen,
hätte
die
Möglichkeit
verweisen, das uns so selbstverständlich
Pagina 6
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Harmonie-Begriff als solchen von der
Akkordlehre zu unterscheiden haben;
daß letztere tatsächlich nur einen speziellen Fall des harmonischen Elementes
darstellt. Die Harmonie, wie wir sie hier
verstehen. ist ein Übergeordnetes, ein
Geistig-Tünendes, das jedes Melos durchdringt. Man stelle sich die Anfangsthemen der IX. Symphonie Beethovens
und Bruckners gegenüber, vergleiche sie
‘ etwa mit Schuberts „Der Tod und das
Mädchen“ und dem Beginn von Mozarts
„Don Giovanni"-Ouverturc, Wie völlig
verschieden ist bei all diesen Werken die
meludische
Linie
des
Themas.
Aber
gemeinsam ist ihnen alien die d-MollHarmonie, und damit der Grundcharakter des seelischen Ausdrucks. Denn alle
diese Themen sind aus der d-MollSphäre heraus gestaltet. Das geistigtönende d-Moll hat sich in ihrer Melodik
realisier und individualisiert. Der Helfer
zu diesem InkarnalionsprozeB war der
Genius
des
Meisters,
der
das
Tönen
dieser
Harmonie
zu
erlauschen
vermochte und der melodischen Linie die
geistesgemäße Gestaltung gab. Die Harmonie, die das Melos durchtönt, ist ein
Sphärisch-Qualitatives,
eine
Ganzheit
geistig-tönender Intensitäten. Der Akkord
ist
ein
materielles
Abbild
dieser
sich
durchdringenden
Kräfte
der
in
der
Gleichzeiligkeit seines Zusammenklanges
die „Dauer“ widerspiegelt, in der die
Harmonie urständet, ohne jedoch die
Dynamik des von seinen Tönen getragenen Melos-Stromes zu verlieren. Ernst
Kurth hat dies in seiner „Musikpsychologie“ erspürt, wenn er von der „Spannungs-Energie“ des Akkordes spricht,
die eine potentielle Kraft bedeutet, und
die Dynamik des Melos als fließende,
kinetische Energie bezeichnet:
„Jeder Akkord ist eine neue Verteilung von Kräften. Denn das ist psychologisch das Wesentliche, daß sich ein
Spannungszustand aus einem Einzelton
über den
Klang ausgießt, dem er angehört.“
Diese Klangspannung aber ist nicht
berechenbar, meint Kurth, wir stoßen
damit an das „unnahbare Ganze“. Und'
dieses „unnahbare Ganze“ ist ja eben die
hinter jedem Melos wesende Harmonie.
die
das
„Widerstrebende
zusammenführt"
und
aus
dem.
„AuseinanderGehenden die schönste Fügung“ erstehen
läßt. Dieser Widerstreit im Einklang,
dieser Zusammenklang in der Vielheit
spiegelt sich auch im Akkord. Daraus
resultiert jedes „potentielle Spannungselement", das Dynamik und nicht Statik
bedeutet. „Von dieser Seite betrachtet,
erscheinen Akkorde als aufgespeicherte
und im Zusammenwirken verwandelte
Energien“, {E. Kurth a. a. O.) Nur als
Klang-Masse
erlebt,
bedeuten
sie
Schwere, Statik und werden zum Grab
jedes Melos.
Die curythmische Gebärde aber sieht
den Akkord in seiner potentiellen Energic und führt diese in kinetische,
Bende Dynamik des Melos über:
flie-
„Es wird eine gewisse Tendenz in
Ihrer Seele auftreten, die eigentlich das
„aufgestaute Dynamik“ des Akkordes in
eine effektive des Melos übergeführt. Die
„Tendenz in der Seele“ empfindet ganz
genau die dynamische Tendenz des
Akkordes.
Die für den Musiker jedoch interessanteste Gesetzmäßigkeit unseres Diagramms zeigt sich, wenn wir die Frage
nach der Tonleiter und ihrer Gestaltungsform stellen. Zwei Phänomene sind es
vor allem, die eine Tonfolge zu einer
echten Ton-Leiter machen: erstens muß
die Tonleiter immer ein geschlossenes
Ganzes sein. zweilens muß diese Geschlossenheil durch eine Stufenfolge, d.
h.
zumindest
durch
Ganztonschritte
(große Sekunden) zum Ausdruck kommen. Halbton-Schritte (kleine Sekunden)
sind nicht unbedingt erforderlich, denn
auch die 6stufige Ganztonfolge ist bereits
eine echie Leiter. Nicht aber gilt dies z.
fiir die pentatonische Tonfolge,
B.
da
hier ein Terzenschritt die Sekundfolge
unterbricht und damit die Geschlossenheit slért. Der Ganztonschritt ist, wie
Kayser formuliert, das „Elementarquantum" jeder Leiter und damil des Melos.
Beide Kriterien finden wir in unserem
Diagramm exakt in Erscheinung treten.
Wir können ihm nämlich nicht nur
Parabeln. sondern auch Kreise einzeichnen. Der Kreis ist — genmetrisch — die
geschlossensle. volikommenste Linie; die
schönste „Ganzheil“. Wenn wir von der
Zeugertonlinie aus Kreise ziehen, so daß
der
Mitlelpunkt
entweder
auf
einen
Tonwert der Zeugertonlinie fällt, oder
zwischen zwei benachbarten Tonwerten
auf ihr zu liegen kommt, so sehen wir.
daß die Peripherie dieser Kreise Tonwerte berührt, die in ihrer Gesamtheit
eine Tonleiter ergeben. Die Tonleitern
gestalten sich in unserem Diagramm zu
Kreisen: ein Phänomen, das selbst der
Mathematiker
in
Erstaunen
versetzt;
denn hier hören die Dinge auf. „selbstverständlich“ zu sein. Diese Gesetzlichkeit
entzicht
sich
der. Anlage”
des
Diagramms.
Die Wirksamkeit harmonikal-kosmischer Gesetzmäßigkeiten
Soweit das erste Phänomen: Geschlos-senheit der Tonleiler — als geometrisches Analogon: der Kreis im Diagramm.
Das zweite manifestiert sich in der
Tatsache, daß die überwiegende Anzahl
der sich durch die Kreisperipherien
bildenden Leitern mit ihrem Grundton
um einen Ganzlon tiefer liegt als der
Zeugerton des Diagramms. Da wir in
unserem Fall c als Zeugerlon wählten,
ergibt sich B-Dur als Tonalität bei der
überwiegenden
Anzahl der möglichen
Kreise. Ein kleinerer Teil von ihnen
stellt. sich als Erweilerung von B-Dur
dar, indem sie wichlige Zwischenglieder wie Leitióne, Dominante und Subdominante realisieren. In geringer Zahl
treten auch einige Mollskalen auf.
Immanenz der Tonleiter
der,
in
lich
die
organischer
im
Ton, nach
Entfaltung,
verschiedenen
allmäh-
Tonfolgen
erwuchsen, mit zu den Weistümern alten
Mysteriengutes zählen. Von den Mysterienstätten
strahlten die Impulse zu
jenen Melodie-Bildungen aus, die den
harmonikalen-kosmischen
Gesetzmäßigkeiten entsprachen. Und in unserer 5.
nachatlantischen
Kulturepoche
wurde
diese kosmische GesctzmiBigkeit schließlich
auch
als
Naturphänomen
in
der
Obertonreihe entdeckt.
In
der
Frage
einer
dem
klingenden
„Material“ selbst innewohnenden geistund naturgemäßen Ordnung hat die
Kaysersche
These
in
neuester
Zeit,
völlig
unabhängig
Konsonanztheorie
ibr.
von
Heinrich
durch
die
Husmanns
eine kaum zu widerlegende Bestätigung
erfahren.
Husmanns
gewissenhaftest
durchgeführten
Untersuchungen
des
menschlichen Gehörorgans haben ihn ein
sinnreiches Zusammenwirken von Oberund Kombinationstönen im menschlichen
Ohr erkennen lassen. Unter Kombinationston verstehen wir jenen Ton, der
durch das gleichzeitige Frklingen zweier
Töne entsteht, deren Frequenzen nicht
zu nahe beisammenliegen. Seine Schwingungszahl ist entweder gleich der Differenz der Schwingungszahlen der beiden
erzeugenden Töne, dann sprechen wir
von „Differenzton“, oder ihrer Summe:
„Summationston". Beide in einem Begriff
zusammengefaßt nennt man Kombina‘tionston.
Dieses Zusammenwirken von Oberund Kombinationstönen und die daraus
resultierenden Konsonanz- und Dissenanzerscheinungen im Gehörgang führten Husmann zu der Erkenntnis, daß das
Ohr zusätzlich für sich selbst subjektive
Obertöne ausbilden müsse und daß sich
diese nach der gleichen Gesetzmäßigkeit
entfalten würden wie die objektiven der
Obertonreihe.
Die
blieb,
Husmannsche
Konsonanztheorie
wie
vorauszusehen
war, nicht
unangefochten; doch konnte sie bis jetzt
nicht widerlegt werden. Mit ihrer Richtigkeit aber stehen wir vor der Tatsache,
daß die Gesetze der Obertonreihe nicht
nur in der Natur, in der Stofflichkeit der
Materie. sondern auch
im
Menschen
selbst verankert‘ sind. Und daß die
Heranbildung unserer Dur/Moll-Tonalität in keiner Weise Spekulation oder
Willkür
war, sondern
im strengsten
Sinne den menschlichen Gehör-Voraussetzungen entsprach. Halten wir diese
Argumente aber aufrecht, ergeben sich
daraus weittragende.Konsequenzen für die
Beurteilung
unserer heutigen abstrakttemperierien Atonglitàt. Für den Harmoniker muß diese atonale Zwólftonstruktur etwas der Nalurordnung wie
den physiologischeh Hörvoraussetzungen
Widersprechendes !sein. Sein Urteil über
die Atonalität steht daher a priori fest.
In seiner Schri
„Die harmonikalen
Wurzeln der Musik“ spricht es Rudolf
Haase auch in ganzer Schärfe aus:
„Bei solcher
Sachlage
ist
es
daher
nicht zu erhoffen, daß sich der hörende
Mensch an eine ¡intellektuell und seriell
Akkordmäßfiige, das
Harmonische verwandeln will in das Melodiöse, die den
gleichzeitigen Zusammenklang der Töne
verwandeln will in eine Aufeinander-
. Damit scheint für Kayser auch die
naturgemäße Verankerung des Ganztones bewiesen. „Nicht die Zeiten und
Völker
haben
künslliche
Tonleitern
konstruiert“, begegnet er diesbezüglichen
folge. Und Sie werden erst dann befriedigt sein, wenn Sie den Akkord
freilich auch an Straßenlärn gewöhnen,
Behauptungen
doch ist im Ernst von einer derartigen
aufgelöst haben, wenn Sie den Akkord
in das Melos übergeführt haben, wenn
Sie die drei Bewegungen für die drei
Töne hintereinander machen.“ (R. Steiner: Enrylhmie als sichtbarer Gesang)
Hier wird dem „Spannungszustand des
einzelnen Tones“ nachgegeben und die
20
gewisser Musikhistoriker,
„sondern sie haben sich —- bewußt oder
unbewußt — aus der naturgegebenen
harmonikalen
Tonentwicklung diejenigen Skalen ausgesucht, welche der Natur
dea
Tongesetzes
am
meislen
entsprachen.“
Wir
wir
total durchorganisierte Musik gewühnen
werde, wie es sich die Avantgardisten
immer wieder wünschen. Man kann sich
Gewöhnung
lichkeit
werden
diese
richtig
„bewußte
vermuten,
oder
wenn
unbewußte“
ja! wohl
nicht
die
Rede.
Gemeint sein Kann nur eine Gewöhnung
im .Sinne eines allmählichen Verstehenlernens der Vorgänge — und gerode die
ist wegen de?
prinzipiellen Unzugängdurch
die
Gehärsapperzeption
unmöglich.“
Schluß folgt)