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Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)WAERDEN B.L. VAN DER, Die vier Wissenschaften der
Pythagoreer in Rheinisch-westfälische Akademie der Wissenschaften
Vorträge No. 268: Opladen Westdeutscher Verlag 1977 46p. : 7-16.
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3
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Dic vier Wissenschaften der Pythagoreer
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456°
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pa
C2
Von Bartel Leendert van der Waerden, Zürich
Einleitung
Neulich passierte es mir, als ich einen Vortrag über die Pythagoreer
hielt, daß nach dem Vortrag einer der Hörer mir sagte: „Ihr Vortrag
über Pythagoras war so interessant!“ Ich möchi£ daher betonen, daß
ich nicht über Pythagoras sprechen werde, sondern nur über die Pythagoreer. Von Pyıhagoras als Forscher im Gebiete der exakten Wissenschaften weiß ich gar nichts, und ich möchte Ihnen keine Märchen
erzählen. Pythagoras ist für mich, wie für seine Zeitgenossen, vor allem
ein religiöser Prophet, ein Ermahner zu einer sittlichen, frommen
Lebenshaltung und der Gründer einer religiösen Gemeinschaft: eben
der Bruderschaft der Pythagoreer.
Pythagoras und die Pythagoreer glaubten an die Seclenwanderung
und an die Unsterblichkeit der Seele. Unsere Aufgabe auf dieser Erde
ist, die Seele durch reines Leben zu läutern, sie von irdischen Schlacken
zu befreien und sie so auf ihren Aufstieg in den Himmel nach dem Tode
vorzubereiten. Wenn dieser Aufstieg nicht gelingt, so ist die Secle verdammt, den Kreislauf der Wiedergeburten von neuem zu durchlaufen,
womöglich nicht als Mensch, sondern als stummer Fisch oder als Schwein.
Die Pythagoreer lebten in Süditalien so zwischen 520 und 450 vor
Chr. in einer Art Klostergemeinschaft, mit gemeinsamem Besitz und
gemeinsamen Mahlzeiten. Unter ihnen gab es eine Gruppe, die sich
Mathematikoi nannten. Sie waren nach Aristoteles die ersten. die sich
mit den mathematischen Wissenschaften befaBten und diese weiter entwickelten. Vier Wissenschaften oder „Mathemata“ haben sie entwickelt:
Arithmetik, Geometrie,
Harmonik, Astronomie.
Wie kam es, daß gerade in dieser religiösen Gemeinschaft die mathematischen Wissenschaften so intensiv betrieben wurden? Was haben
Religion und Mathematik miteinander zu tun? Für uns fası nichts.
aber für die Pythagoreer sehr viel!
Pagina 2
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Erstens: Nach der Ansicht der Phythagoreer waren die Sterne Götter.
Die Astronomie ist also gleichzeitig Theologie.
Zweitens: Die Pythagoreer glaubten, daß die Planetengötter unser
Schicksal entscheidend beeinflussen. Sie glaubten an Voraussagen, insbesondere astrologische Prognosen. Dieser Glaube war für sie ein zusätzliches Motiv, die Bewegungen der Planeten zu erforschen. Die Astro-
9
Die vier Wissenschaften der Pythagoreer
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A
D
logic braucht die Astronomie als Hilfswissenschaft, und die Astronomie
braucht wiederum die Mathematik.
Drittens: Der Weltenschöpfer hat die Welt, wie die Pythagoreer meinten, nach Zahlen geordnet und nach einem geometrischen Muster. Wer
also Zahlentheorie und Geometrie betreibt, nähert sich im Geiste dem
göttlichen Schöpfer. Dies ist vielleicht der tiefste Grund, warum die
gläubigen Pythagoreer soviel Wert auf die Mathematik legten.
Auch die Musik spielte im Leben der Pythagoreer eine wichtige Rolle.
Durch Musik konnte man, wie sie meinten, die Leidenschaften besänftigen und den Geist ins Gleichgewicht bringen. Die Musik war nach
ihrer Überzeugung göttlichen Ursprungs: Die irdische Musik war nur
eine Imitation der göttlichen Musik: der Harmonie der Sphären.
Die Pythagoreer wußten, daß die symphonen Zusammenklänge der
Musik durch einfache Zahlenverhältnisse bestimmt sind: die Oktave
durch das Verhältnis 2:1, die Quinte durch 3:2, die Quarte durch 4:3.
Auch das war ein Grund für sie, die Arithmetik zu studieren, insbesondere die Lehre von den Zahlenverhältnissen.
Manche religiösen Lehren wurden- von den Pythagoreern geheim
gehalten, aber die mathematischen Wissenschaften waren nicht geheim.
Wir kennen ihre Musiktheorie aus einem ausführlichen Bericht des
Astronomen Ptolemaios. Wir wissen genau, wie sie den Satz von der
Winkelsumme im. Dreieck bewiesen haben, wie sie das Verhältnis der
Diagonale eines Quadrates zur Seite durch Zahlenverhältnisse immer
besser angenähert haben, und vieles mehr.
B
C
Da BC und
Dee
k. Ziche durch A eine Geradee DE parallellell zu BC.BC. Da
ein Dreiec
PA
ABC an
i C
ABC
gleich
DAB
Winkel
der
also
DE peraitel dod,“sind die Wechselwinkel gleich,
BAC hinzu. Also werden die drei
und EAC gleich ACB. Füge beiderseits den Winkelbilden,
gleich der Summe der drei
Winkel
Winkel bei:A, die zusammen zwei rechte der Pythagoreer.
Winkel des Dreiecks sein. So ist der Beweis
Die pythagoreischen Mathematiker lebten rund hundert Jahre vor
Eudemos: Dieser hatte keinen mündlichen Kontakt mit ihnen. Auch die
ganze Form des Beweises, in dem Winkel mit je 3 Buchstaben bezeichnet
werden, deutet auf eine schriftliche Überlieferung hin. Eudemos hatte
also ein Buch vor sich: ein Lehrbuch der Elementargeometrie aus der
Ich verBuches nennt Eudemos nicht.
.- ra des Autors dieses
gar nicht kannte. Eudemos war, wie wir aus
le der Pythagoreer.
mute, daß er den Namen
seinen Fragmenten wissen, immer sehr daran interessiert, wer zuerst ein
e.
Theorem oder einen Beweis gefunden hat. Das Buch, aus dem er schöpftt:
war offenbar nur als Sammelwerk der pythagoreischen Schule bekann
es trug keinen Autorennamen.
|
eine logisch aufgebaute, schriftlich niedergelegte Elementargeometrie
vergehabt. Ihr Beweis des Satzes von der Winkelsumme ist übrigens
schieden von dem Beweis, den man bei Euklid findet.
Geometrie
Fangen wir mit der Geometrie an, weil wir davon am meisten wissen.
Eudemos, ein Schüler des Aristoteles, hat nämlich eine „Geschichte der
Geometrie‘ geschrieben. Diese ist verloren, aber Proklos hat in seinem
Euklidkommentar bedeutende Fragmente aus der Schrift des Eudemos
erhalten. Eines von diesen Fragmenten ist der Beweis des Satzes, daß die
Summe der Winkel in einem Dreieck gleich zwei rechten Winkeln ist.
|
h
Der Beweis, den Eudemos hier wiedergegeben hat, ist streng logisc
orcer
Pythag
aufgebaut, im Stil der Elemente von Euklid. Also haben die
eibt,
Eine weitere Erfindung, die Eudemos den Pythagoreern zuschrForm
hsten
einfac
der
In
n‘.
Fläche
ist die sogenannte ,,Anlegung von
lautet das Problem so: Gegeben eine Strecke a und eine Fläche F, z. B.
als Rechtdic Fläche eines Dreiecks oder Vierecks. Man soll diese Fläche der
Basis a
eck an die Strecke a anlegen, d. h., man soll ein Rechteckist.auf- Dann
gibt
konstruieren, das flachengleich der gegebenen Fläche F t oder Exzeß
.
Defck
mit
es noch zwei schwierigere Flächenanlegungen
oreerTM.
Alle diese sind nach Eudemos „Erfindungen der Muse der Pythag
Pagina 3
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Bartel Leendert van der Waerden
Die einfache Flachenanlegung ohne Defekt oder ExzeB wird bei
Euklid am Ende des ersten Buches der ,,Elemente* behandelt und die
von Blasinstrumenten tatsachlichtnissosevorfürt hinzu. daß die Erbauersten
aus
gchen. So also konnten dic älte Pythagoreer ihre Zahlenverhal
.
.
>
«iba
Anlegungen mit Exzef oder Defekt im zweiten Buch. Aus diesem und
aus anderen bekannten Fakten kann man schlieBen, daB der letzte Teil
des ersten Buches von den Pythagoreern stammt und ebenso das ganze
a
zweite Buch der „Elemente“.
Ein Scholion, das heißt eine Randbemerkung beim vierten Buch der
Ei
Elemente, besagt, daß alle Theoreme dieses Buches von den Pythagoreern
si
n
en die Griechen eine
Zusammenklang verse tand
igen
einz
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eine
im Ohr zu
e gewonnen haben.
solchen Zweiklang, bei dem die beiden Ton
, hat
Mathematiko)Qua
g der ersteve,derQuin
Uberlieferun
s. nach der Zus
E itinpascsym
re
un
te
phonen ammenklangen Okta
: verschmelzen.
den drei
und die
zwei weitere hinzugefügt, nämlich die Doppeloktave (4:1) |
gebenen Kreis konstruiert. Bei der Konstruktion des Fünfecks wird die
Flächenanlegung mit Exzeß benutzt. Das zweite und vierte Buch hängen
s Experimente
Musiker Laso
men mit dem
ocnhatundsam
henden
Bronzescheiben gemacht, um diese ZahlenVase
also logisch miteinander zusammen.
Im Archive for History of Science, Band 9, hat Erwin Neuenschwander
die logischen Beziehungen zwischen den ersten vier Büchern der .,Ele-
Dicke 3/, des ersten war, und erhie
gefunden wurden. In diesem vierten Buch werden das reguläre Dreieck.
Viereck, Fünfeck, Sechseck, Zehneck und Fünfzehneck in einem gemente‘ von Euklid untersucht und nachgewiesen, daß nicht nur das
zweite und vierte Buch, sondern auch der größte Teil des dritten Buches
den Pythagoreern zugeschrieben werden müssen. Das dritte Buch handelt vom Kreis und von den Winkeln und Sehnen im Kreis. Die wichtigsten Beweismittel im dritten Buch sind erstens der ‚Satz des Pythagoras“, der bei Euklid ziemlich am Ende des ersten Buches steht, und
die Sätze des zweiten Buches.
uinte (3:1).
mit töne
n ‚bronzenen Diskus durch
verhältnisse zu verifizieren. Er mbracdanhten eine
einen zweiten Diskus, desen
Anschlagen zum Tönen, nah
lt so die Konsonanz der Quarte, un
ähnlich für die Quinte und Oktave.
|
.
ration, so um 450 vor Chr.
Die „Mathematikoi“ der nächstenfikaGene
tion der Zahlenverhälnisse der
waren mit dieser empirischen Verit zufrieden. Sie stellten cine axtosymphonen Zusammenklänge nich
tnisse
matische Theorie auf, in der bewiesen wird, daB die Zahlenverhäl
Harmonik des Prole
matische Theorieagorauseerder— also
aie kennen dieseemaiaxio
e
nym
ano
wieder
os gingen die Pyth
ammenklange
i
so sein müssen.
Euklid
maios. Nach Ptol
Bewcis an
Pythagoreer - von drei Voraussetzungen ans, die sie ohne
“ Ich komme nun zu der Harmonik, zur Musiktheorie der Pythagoreer,
und zwar gleich hohen Tönen
1) Den Tönen entsprechen Zahlen, en
aber verschiedene Zahlen. |
gleiche Zahlen, ungleich hohen Tön
gen entsprechen Zahlenpaare, diet
2) Den symphonen Zusammenkläniges
ein vielfaches oder ein. überteil Verhältnis haben. Was heiß
In dieser Weise kann man große, logisch zusammenhängende Teile
des .Geometrie-Lehrbuches
der
Pythagoreer
rekonstruieren.
kannte dieses Lehrbuch und hat es ausgiebig benutzt.
Harmonik
on
und ich frage: Wie kamen sie dazu, der Oktave das Verhältnis 2:1 zuzuordnen, der Quinte das Verhältnis 3:2 und der Quarte 4:3?
‘Ursprünglich haben die Pythagoreer diese Verhältnisse wahrscheinlich aus der Erfahrung entnommen. Wenn man eine gespannte Saite
die Spitze stellten, nämlich:
eine
ältnis wie n zu 1. won
ältnis ist ein Verhältn
En „vielfaches‘‘ Verh
wie
s
ltni
erhä
Ein „überteiliges““ Verh is ist ein V
?
ganze Zahl ist.
(n + 1) zu n, wobei der Überschu | ein Teiler von
n ist.
erhält man wieder den Zweiklang der Oktave. Diese Erfahrungstatden symphonen Losana
Die Pythagoreer postulierten nun, daBaltn
n.
ige Verh isse entsprechen ms
klängen vielfache oder überteildaß
die symphonen Zusammen ange
Sie begriindeten das dadurch,
isse die
die schénsten und die vielfachen und überteiligen Verhältn
sachen stehen bei Aristoteles in den „Musikproblemen“, und Aristoteles
einfachsten sind.
zum Tönen bringt und dann auf die Hälfte verkürzt, so wird der Ton
eine Oktave höher. Verkürzt man die Saite auf ?/, oder auf °/, ihrer
Länge, so wird der’Ton eine Quinte oder Quarte höher. Ebenso: Macht
man eine Flöte halb so lang wie eine andere sonst gleich gebaute, so
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Die dritte Grundvoraussetzung der Pythagorcer lautete:
3} Der Oktave, der schönsten Konsonanz, die dem Gleichkl
ane am
nächsten kommt, entspricht das Verhältnis 2 zu 1, das der Gleichheit
am nächsten kommt.
In diesen drei Axiomen der Musiktheorie ist jede Berufu
ng auf die
Erfahrung sorglaluig vermieden. Der Autor dieser Axiome, ein
anonymer
Pythagoreer, beruft sich nur auf die Schönheit der Zusammenklän e
und die Einfachheit von Zahlenverhältnissen. Die Zahlen, von denen er
spricht, sind nicht etwa Frequenzen von Schwingungen oder Längen
von Saiten, sondern reine Zahlen. Die Pythagoreer meinten, der Kos
mos sei nach Zahlen geordnet und alles Seiende sei durch Nachalenin
der Zahlen. Jeder musikalische Zusammenklang ist für sie die hörkare
Verwirklichung eines Zahlenverhältnisses; daher muß
die Schönheit
des Zusammenklanges in irgendeiner mysteriösen Weise durch
die
Schönheit und Einfachheit des Zahlenverhältnisses bedingt
sein.
Aus den drei eben formulierten Axiomen wird nun rein logisch
bewiesen, daß der Oktave, Quinte und Quarte die
Verhältnisse 2:1.
3:2
und 4:3 zugeordnet sein müssen. Der Beweis ist bei Ptolemaios nr
skizziert. In meinem demnächst erscheinenden Buch
wird der Beweis vollständig ausgeführt werden.
Ñ
„Die Pvthagoreer**
=
Die Musiktheorie der anonymen Pythagoreer war also
eine logisch
aufgebaute axiomatische Wissenschaft. Am Anfang standen praizis
formulierte Axiome;; d daraus wurde alles andere rein
logisch he
LA -.
E S
wie in der Geometrie.
i
i
ió
13
ständlich auseinanderzusetzen. So erzählt er denn in einer unterhaltsamen Art über Dreieckszahlen, Quadratzahlen, Rechteckszahlen und
Kubikzahlen, über vielfache und überteilige Verhältnisse, über Primzahlen und vollkommene Zahlen, erläutert durch viele Beispiele, aber
immer ohne Beweise. Er kannte sein Publikum: Er wußte, daß seine
Leser wohl in das Mysterium der Zahlen eingeweiht werden wollten, daß
aber nüchterne Beweise ihnen zu langweilig wären. Außerdem würde
viel von dem geheimnisvollen Zauber der Zahlenlehre beim Beweis verloren gehen.
Ganz anders ist der Stil der arithmetischen Bücher 7, 8 und 9 der
„Elemente“. Diese sind streng wissenschaftlich. Vom Mysterium ist
nichts mehr übrig, die Worte „göttlich“ und „wunderbar“ kommen
3
nicht vor, alles wird genau bewiesen.
Euklid lebte, macht er
nach
erte
Obwohl Nikomachos vier Jahrhund
einen viel primitiveren Eindruck. Er steht bestimmt der Zahlenmystik
der ältesten Pythagoreer viel näher. Ich stelle mir vor, daß Pythagoras,
der Prophet, seine Weisheit in geheimnisvolle Orakelsprüche kleidete,
und daB die Mathematikoi unter den Pythagoreern erst später die Zahlenlchre zu einer exakten Wissenschaft mit strengen Beweisen gemacht
haben. Nikomachos aber knüpft wieder an die ältere Zahlenmysuk an.
Exakte Beweise finden wir vor allem im Buch 7 der „Elemente“. Dieses
Buch enthält einen bewundernswerten, streng logischen Aufbau der
Lehre von den ganzen Zahlen. Es fängt an mit dem „Euklidischen Algorithmus“ zur Bestimmung des größten gemeinsamen Teilers zweier
Zahlen. Darauf fuBend, wird eine Lehre von den Zahlenverhältnissen
entwickelt. Es wird bewiesen, daß ab gleich ba ist. Dann kommen Sätze
über die Teilbarkeit von ganzen Zahlen.
Viel mangelhafter ist der logische Aufbau des darauffolgenden Buches
8. Das Buch enthält unvollständige Beweise, unnötige Wiederholungen,
Arithmetik + *
sogar Fehlschlüsse.
In der Zahlentheorie der Pythagoreer können wir zwei Richtu
ngen unterscheiden: die populäre und die wissenschaftliche Arithmetik.
Die wissenschaftliche Arithmetik ist in den zahlentheore
tischen Büchern 7, 8 und 9
der „Elemente“ von Euklid dargestellt. Unsere Hauptquelle
populäre Arithmetik ist die „Arithmetische Einführung“
or rman Dieser neupythagoreische Autor lebte
für die
des Nikomachos
im ersten oder zweiten
Jm rhundert nach Chr., aber er hat sehr viele altpyt
hagoreische Lehren
r uns erhalten. Der Zweck seiner sehr populä
ren Einführung ist,
wunderbaren und göttlichen Eigenschaften
der Zahlen für jeden
die
pesi
In der Musiktheorie des Pythagoreers Archytas von Tarent (der mit
Platon befreundet war) werden Sätze aus dem Buch 8 als bekannt
vorausgesetzt. Wahrscheinlich ist das ganze Buch 8 in der Schule des
Archytas entstanden. Nun werden aber im achten Buch Sätze aus dem
siebenten Buch wörtlich zitiert. Das siebente Buch muß also zur Zeit
des Archytas, um 400 vor Chr., schon vorhanden gewesen sein. Sehr
wahrscheinlich ist es im Kreis derselben anonymen Pythagoreer entstanden, denen wir auch den axiomatischen Aufbau der Geometrie und
der Harmonielchre verdanken. Sie waren es, die nach Aristoteles als
erste die vier Wissenschaften systematisch begründeten.
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Astronomie
E
Ich komme
eur
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nun zur
vierten
Wisssenschait: der Astronomie. Die
pi mid ca pythagoreischen Astronomie ist schwieriger als de de
Rek
pipe issenschaften, weil wir nicht so viele gute Zeugnisse habe È
Ein wichtiges Zeugnis steht bei Geminos in der „Einfül
Phänomene“. Es lautet:
in di
iin
à A net námlich der gesamten Astronomie die Annahme zu Grunde
dal ie me der Mond und die fiinf Planeten sich erstens mit gleichmi iger
Gesc windigkeit, zweitens in kreisförmigen Bahnen und dritte
wee
Die
in span des Weltalls entgegengesetzten Richtung be.
.
Pythagoreer waren die ersten, welche an derartige Unte
si ungen herantraten und fiir die Sonne, den Mond und die fù
P a Srelformige und gleichmäßige Bewegungen annahmen Konn
ren |sten fiir a gen ichen und ewigen Himmelskörper nicht cine
nregelmäßigkeit annehmen, ’ vermögege welcher
w
'
sich diesel
dala pacs na langsamer bewegen, bald gar stillstehen sen, ns
Ser aay tlic A ei den fünf Planeten von ‚stationär werden‘ spricht
richLa selbst bei einem gebildeten und gesetzten Menschen Ta
seinem
vor
Gange cine derarúee pp
zen.
werden
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nca der Bewegung nicht
die Menschen n didie Bedürfnisse
ürfni
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pe he Häufig Ursache zu langsamerer oder schnellerer Bewegung; a
ne
unverganglichen Beschaffenheit der Gestirne ist zu schnelleren
ra pr Bewegung keinerlei Ursache denkbar. Aus diesem Grun
de ste cenSie die Frage in dieser Form, wie sich wohl bei Annahme kreislöruge Ù nes Inne gp die Himmelserscheinungen erklàren
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Isagoge,
und
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Manitius, S. 11.
anne uen Fe gie 1 = Hypothese, die für te
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sagen Es +egriindet. Die Himmelskörper sind göttlich und ewig, so
pu panda am na Können sie sich nicht unregelmäßig la
enschein lehrt, daB sie sich bald schnell
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nppewegen, bad gar stillstehen, so kann das nur ch ne
en versuchen, durch Annahmen üb
ichmäßige” Kırei
ungen die Erscheinungen zu erklären in „are
in
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mel pieLee
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He theologisch begriindet!
ischung von
fissenschaft und Religion.
Em bs am die Pythagoreer ihr Programm durchgeführt? Welche
aben sie zur Erklärung der scheinbar unregelmäßigen
|
15
ter Zeuge ist Platon.
enommen? Unser wichr tigs
Planetenbewegungen ang
mos
es ,.De Staat“ wirdbalderlenKos
Schluß des Dialogeste
In einem Mythos am ach
sich
tel
Wir
teln darg llt. Die die Nord-Süd-Achse,in
als cine Spindel mitSpindetl Wir
herum. Die Spindernel nisttäglich dreht. Die acht
der Mitte um dieganze Himmel
mit allen Ste Fixsternsphäre. Diese
um die sich der en Planetens
ren und die
Wirtel sind die neb ton sagt, inephä
isse Spielrgeschachtelt wie gewtell
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Sphären sind, wie Plan muß sich das nde
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ch «so vors en: Jed
zeugschachteln. Ma zwei Oberflächen,wahdiersceinheienli
andere konvex,
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den konzentrischenEpiKugzykelfel.läcSohenwenbew
und zwischen diesenem bei
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Kreis, einem
der Planet auf ein kletikineern Kom
des. Piaton selbst
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so tlich aus. aber sein Text ist in Ubereinstimmung
drückt sich nicht ung
mit dieser Erklär .
Kreis, der auf einem
Epizykel ist ein Kleiner Aufk
Was ist ein Epizykel? Ein
os, reis). Der groEpißeher das Wort epi-kykldies
großen Kreis aufsitztdie{daErd
Bewegung den
und nimmt bei umer den
Kreis dreht sich umem drehtesich
eigenen Mittclder Epizykel
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punkt und nimmt des Mythos imng„StdenaatPla
muß man sich die SacheIm Sphärenmodell Epizykel bewegt sich“ zwi
schen je zwei konzen
wohl so vorstellen: Derum die Erde herum, und der
zykel trägt den
trischen Kugelflächenes einfache Modell kann man inEpider
Tat die Erdies
Planeten. Durch Mon
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der Sonne und der untereSaturn istenes Mer
scheinungen des des,ären
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. Bei Mars, Jupiter t.und
und Venus recht gut erkl
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riger, wie Platon im „Timai, os‘
hos, sitzt je eine
so erzählt Platon im Myt
Auf jedem Sternenkreis. Jed
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e dieser Sirenen gibh.t-eeinenwoheinlge
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von sich, und diese Töne bilden einAns
pielung auf die Sphärenharmonie
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eine deutliche farbenreich geschilderte Weltbild
Tonleiter. Dies istDas
Platon so
der Pythagoreer. nocvon
der Pythaist nämlich, wie ich h näher erläutern werde, das Weltbild
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„Timaios“ zugrunde.
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Timaio
der Notwendigkei netenbahntonenimist dies
elbe wie im Mythos der Politeia,
Anordnung der Pla
ige Erde.
Weltalls sitzt, unbeweengliundch,diedieFixkugsteclirneérmmit
In der Mitte desege
gleichUm sie herum bew n sich die Planet
nämlich so:
Pagina 6
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)mäßigen Kreisbewegungen. Dic Fixsterne haben nur ihre tägliche Be.
wegung. Jeder Planet aber hat zwei Bewegungen: eine tägliche völlig
gleichmäßige Drehung um die Nord-Süd-Achse, die allen Himmelskörpern gemeinsam ist, und eine entgegengesetzte langsamere Bewegung
der einzelnen Planeten, jeder in seiner eigenen Kreisbahn. Diese Kreis-
C.R.: NTM 16 1979,1 128 Schreiber.
Les Pythagoriciens ont nettement contribué à l'élaboration des
quatre sciences mathématiques que sont l’arithmétique, la géométrie,
l’« harmonique » et l'astronomie. Van der Waerden cherche à expliquer
la cohérence de leur système qui accordait autant d’importance aux
sciences qu'aux questions religieuses. Les positions de l’auteur sont
soumises à discussion dans les pages qui suivent (17-24).
Diskussion
bahnen liegen schief zur Ebene des Äquators. Sie liegen alle sieben
ungefähr in der Ebene der Ekliptik, aber sie können etwas davon abweichen.
Soweit ich das Weltbild des ,,Timaios** bisher beschrieben habe, reicht
es aus, um die mittleren Bewegungen der sieben Planeten zu erklären.
Man braucht aber einen zusätzlichen Mechanismus, wenn man z.B.
erklären will, warum Venus einmal links von der Sonne als Abendstern
erscheint und dann wieder rechts von der Sonne als Morgenstern. Das
hat Platon sehr wohl gewußt. Der Hauptredner des Dialoges, der Pythagoreer Timaios, sagt nämlich selbst, daß Venus und Merkur abwechselnd
die Sonne überholen und von ihr überholt werden.
Zur Erklärung dieser Erscheinung hat die Dialogperson Timaios eine
Theorie, die er aber nur in ganz dunklen Worten andeutet. Er sagt, daß
die Kreise von Venus und Merkur „einen der Sonne entgegengesetzten
Bewegungsantrieb (enantion dynamin) erhalten haben“. Einige antike
Erklärer deuten das so: Die Sonne und Venus und Merkur haben je eine
Epizykelbewegung, wobei die Epizykel von Venus und Merkur sich nach
links drehen, der Epizykel der Sonne aber nach rechts. Diese Deutung
AMRSEKTSGI
Herr Hirzebruch: Bitte, schildern Sie das Verfahren zur
Berechnung von //2.
wunderbares Verfahren. Es ist ein
orithmus zur Bestimmung des
orithmus wie der euklidische Alg
Herr van der Waerden: Dass ist ein
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ADLNCLR,
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angenäherten
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n die beiden nEin2hei+ tenl und
‘ Jetzt addiere.t ma
erhält 3. Das
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|
= 1 3 7 17 usw.
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von 3:2 ist schon 5ad
Diagonale. Das Verhwieältdernissen
krecht 2+3= unc an=e co
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nomy, Band 5 (1974).
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2. Man fährt fort: > = | = 15; |
Näherung für die Wurzel aus
|
= 17 usw.
en erfülZahlen s und d, die die Bedings ung
i
zwe
er
So erhält man imm
1, minus 1,
Es scheint mir ganz klar, daß das. astronomische System, das den
Dialogen .,,Politeia“ und ,,Timaios'* zugrunde liegt, den Pythagoreern
plus 1, minus ars haroreer
ergibt astronomisch einen guten Sinn, und sie ist mit dem Platontext in
Übereinstimmung. Ich habe das näher ausgeführt in einem Aufsatz „The
Earliest Form of the Epicycle Theory“ im Journal for History of Astros abwechselnd plu
1,
len: d ist gleich 25° plus-oder minu
Theorem 10 des
bewiesen, wobei sie das wie
Proklos uns
eben erwähnten Arbeit im Journal for History of Astronomy auseinanderanBaches der Elemente von Euklid benutzten,
gesetzt. Taylor, der hervorragende englische Kommentator des ,, Timaimitteilt.
zu verdanken ist. Die Argumente, die dafür sprechen, habe ich in der
os' meint ebenfalls, daB dieser Dialog in allen Hauptsachen auf den
Gedanken der Pythagoreer beruht. Die antiken Kommentatoren waren
derselben Meinung, und Platon selbst deutet es dadurch an, daß er seine
Kosmologie dem Pythagoreer Timaios in den Mund legt.
Dazu kommen noch einige spätantike Zeugnisse, die die Erfindung der
Epizykel und Exzenter den Pythagoreern zuschreiben.
Damit bin ich am Ende meiner Beschreibung der vier Wissenschaften
der Pythagoreer angelangt.
n
die
Py
auch sagen, daß es sich um einen,
Herr Hirzebruch: Heute könnten wir Gleichung handelt.
bruch zur Lösung der Pellschen
Ketten
Kannten die Pythagoreer auc
es für y3?
eratur, zum Beispiel, entsprechend
Gibt es in der alien Lit
:
h andere Kettenbruchentwicklungen
kehrung
Um
die
ist
Es
en:
sag
ber
lie
de
wür
Ich
n:
rde
Wae
der
Herr van
thmus.
des euklidischen Algori
Pagina 7
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Die Pythagorcer bildeten, um imme
r höhere Zahlen zu bekomn
sas d und d’ = 2s
d. So erhält man aus s und d zwei
Wenn Sie aber den euklidischen Algor
ithmus auf
Die griechischen Musiker haben aber auch die Téne gleichzeitig
erklingen lassen. Haufig kam es vor, daB die Begleitung einer Melodie
ser.
Zahlen, die eine bessere Näherung ergeben.
eine Oktave höher erfolgte als die Melodie selbst. In der Definition des
ST
s’ und d' anw
Begriffs ,,symphoner Zusammenklang“, wie sie, glaube ich, bei Ptolemaios
d
dann erhalten Sie s und d. Der Algorithmus der Seite
n- und Di ir el
steht, wird verlangt, daB die Téne sich, wenn man sie gleichzcitig
ertönen läßt, im Ohr zu einem einzigen Klang vereinigen.
Es gibt diese Unterscheidung zwischen symphonem und emmelischem
Zusammenklang. Die symphonen Zusammenklange beziehen sich nach
Definition hauptsächlich auf das gleichzeitige Erklingen - man kann sie
aber auch nacheinander erklingen lassen -, während der Begriff ,,emmelisch“ vor allem auf Töne angewendet wurde, die nacheinander erklangen.
zahlen ist also eine Umkehrung des euklidischen Algo
rithmus Und‘a i
cukiidische Algorithmus wurde nach meiner Theo
rie von den > sha.
gorcern erfunden, denn das ganze 7. Buch stammt von
den Pytha oreem.
Beide Algorithmen sind groBartige pythagoreische Erfi
ndungen 5
o
-
Herr
J
Niemöller: Mein Interesse kom
m t von der Seite
i
der Musiktheorie:
ber der von Ihnen genannte Ausdruck ,,sy
mphoner metia“
a pia au E me daß ein simultaner
Zusammenklang sti
ser
entstand
dann auch spàter noch. Sie
Antike keine Mehrstimmigkeit gab.
wi
j
i
Herr Cl. Müller: 1. Bilden die Pythagoreer in der Geschichte der
Kultur die erste Schule des Denkens, die den Grundgedanken der exakwien Ja, daß es in der
|
|
ten Naturwissenschaften so klar herausgestellt hat?
Bund der
den
die
2. Was weiß man über das Leben der Männer,
‚auch später im Mittelalter wird conso
nanti
a immer auf aufeinanderin Cap Töne bezogen, die im
Intervallschritt eben konsonant
oder
En
t
One
hintereinander zupfen, um die
Abstände im Verhältnis
eS
n, son
wollte :nur deshalb darau
a
f hinweisen , weil
weil
a
di
en a soweit man ihr folgen darf, natürlich
m
ittelalter bis zu Johannes Kepler geht,
die
ganze
hagoee
womit wieder die Zusammen-
Fia mit den späteren quadrivialen Wisse
nschaften erwiesen sind
Das a also auch für einzelne Fachdiszip
linen, wie für
die MusikwissenE NEperg so etwa von der
Akustik her, wo Zahlen eine
c
ae
e
.
:
s
|
A
.
o e spielen, aber auch von der
Philosophie seit der Antike
ar ae geht das vielleicht bis heute
agenforschung von Hans Kaise
r,
musikali
sammenhänge mit
stehen,
&
H
hin zur harmonikalen Grundwo eben auch kosmologische
Zu;
:
usikalischen Phänomenen im Zusammenhang
a pendant lion Die
dcp habe
si
|
ige
.
n beides betrachtet, sowohl
Zusammenklingen als auch
i
Erklingen. ‘ Eine Aufeinanderfolge erhäält man das aufei
zum Beis
Beisp
piel
,
wont
auf dem
verkürzt,»
Herr van der Waerden: Die erste Frage war, ob die Pythagorcer als erste
die exakten Wissenschaften in dieser Breite aufgebaut haben. Das bejaht
Aristoteles ausdrücklich. Er sagt: Die in Italien, die sogenannten Pythagoreer, waren die ersten, die sich mit Mathemata befaßt und diese
Wissenschaften weitergebracht haben. Das steht im Text.
1:2 zu
die Töne den Zahlen entspreche
as Zahlenproportionen sind
ch
Pythagoreer gebildet haben?
TE sind. Man kann
gegenüber dem Monochor
d nur zwei
messen, so daß also auch nicht
Nur ist daran eine Korrektur anzubringen. Aristoteles hat, als er diesen Text schrieb, nicht so sehr an die Geometrie, sondern in erster Linie
an die Arithmetik, an die Harmonik und an die Astronomie gedacht;
denn er sagt ausdrücklich einen Satz später, daß in diesen Wissenschaften
die Zahlen das erste seien. Und das stimmt für die Geometrie nicht, Für
siToaAmEnt)»eE
r waren,
die ersten
die Geometrie stimmt auch nicht, daß die Pythagoree
auf
Antwort
die
war
Das
schon Thales hat gute Geometrie betrieben.
die erste Frage.
Entschuldigen Sie, wie lautete die zweite Frage?
Herr Cl. Müller: Ich würde gern etwas mehr über die Lebensbedingungen dieses Kreises wissen, was es für Männer waren und wie sie
Ryce
gelebt haben.
Monochord einen Ton spielt und dann die Sait
e auf dieHalle
wie
wi
es
Pythagoras
e
nach
der
Überlief
Wahrscheinlich ist diese Überlieferung richtig. PT
S SPAS, dal
19
lsaerio
Herr van der Waerden: Es gab zwei Gruppen von Pythagoreern, die
akusmatikoi und die mathematikoi. Die akusmatikoi legten hauptsächlich den Nachdruck auf die akusmata, das heißt auf das Gchörte. Das,
Pagina 8
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)was
P
was
Pythagor
as gelchri hatte, y wurde mosli
glichst
ä
unverändert
weiterüberliefert. Es war gewissermaßen das heilige Wort. Daran durhe kei
Jota geändert werden. Einer der Kommentatoren sagt: Wer am meisten
akusmata auswendig gelernt hat, galt am höchsten. Diese Lehre wurde
zu einem großen Teil als religiöse Lehre geheimgehalten.
i
> Dagegen haben die mathematikoi zwar auch
er respektiert, sie trieben aber
Si
ielten ihre
Dann gab es ein groBes Schisma. . Dabei
Dabei wurde
der schon
genannt
1 „Ppasos vom Pythagoreer-Orden ausgeschlossen und ist dann, wie dic
' = e ee zur Strafe für seine Indiskretion oder
für die Offen
Geheimnissen mit ei nem Schiff
i untergegangen. Die
ie Götter
Götter
rn Fo os
|
Was weiß mann über
über
|ihr Leben?
?
M Man
mere
iB
ziemli
F al a Traktate darüber, wie sich die Me
‘erhalteni
haben.
weiß
ziemlich
viel
über
i
daB diese
di
aber doch
im
Grunde
wie
wie d die
-
genommen
ae zum Beispiel ihren Familienbesitz in den
maf-
Orden einbringen, enn sie hatten einen gemeinsamen Besitz. Das führte
natürlich
mu großen ‚Schwierigkeiten, da die Eltern es nicht gern
sahen, wenn
[aci der Sohn seinen Familienbesitz in den Orden einkrschte,
”.nifatten auch cinen groBen politischen Einfluß. Es
gab Gemein
-
pa De Pythagoreern in allen süditalienis
i
chen Städten, so in Krooa
cus, in Tarent usw. Sie hielten alle miteinander zusari
men
nt en einen großen Einfluß auf das politische
Leben der Städte.
Poth
nat sogar zweimal zu Revolten geführt; man hat sich gegen
die
venp Als sie einmal in Kroton
im Vereinshaus verom stri. wurde dieses von ihren Feinden angezi
indet, wobei sehr
mind
a: cet
ge
sind.
Die anderen
haben
sich
re sind nach Tarent gegangen und andere nach
mel si ee Die Klostergemeinschaft hôrte auf
ae
dann
Theben
zu existieren, aber
a
aben sie doch ihre Lebensgemeinschaft weitergeführt.
Sie
en aber keinen politischen Einfluß mehr.
nligana
went
c
metrie problematisch ist?
Herr van der Waerden: Man muß verschiedene Gruppen von Pythagoreern unterscheiden, und zwar muß man nicht nur Akusmatiker und
Mathematiker in Betracht ziehen, sondern auch diejenigen, die Metaphysik betrieben und nachgedacht haben über den ersten Ursprung der
|
ye.
Dinge.
DBceMtA
selbst, vielleicht auch von der Gruppe, die unter religiösen Gesichtspunkten Metaphysik betrieb und über den Ursprung aller Dinge nach-
Der Ausspruch „Alles ist Zahl‘ stammt vielleicht von Pythagoras
dachte, während die mathematikoi mehr daran interessiert waren, logisch
ur>
die mathematischen Wissenschaften aufzubauen.
RPEO
<ARNdOSIRseEH,p,
\;
Herr Peschl: Hat Pythagoras irgendwelche Kontakte mit dem Orient.
mit Ägypten oder Babylon gehabt?
e
Man kann annehmen, | daß sie sich
h
Pr nern nicht immer genau an diese hohen Pipmies
a
chalten
e
haben,
wendung des pythagoreischen Grundsatzes „Alles ist Zahl“ aul die Geodie religiöse Lehre von
daneben auch Mathematik und
mathemataa nicht
ni
gehei
j m. Das haben ihnen
i
i
die
anderen
g von
VA+S]
21
Diskussion
nach ist die griechische Geometrie
andere
Disziplinen
von
geprägt worden. Hängt dies vielleicht damit zusammen, daß “die An.
den
Pyth
Herr van der Waerden: Das ist eine sehr umstrittene Sache. Die Überlieferung sagt, daß Pythagoras nach Ägypten gereist ist, sich dort in alle
Mysterien hat einweihen lassen und alle religiösen Lehren gierig aufgenommen hat. Er ging dann nach Babylon, wo er von den dortigen
Magiern in der Astronomie, Arithmetik usw. unterwiesen wurde.
Er soll übrigen auch schon in Ägypten exakte Wissenschaften gelernt
haben. Es gibt Gelehrte, die kein Wort von diesen Legenden glauben.
Ich gehöre nicht dazu. Ich meine, daß in diesen Legenden zwar einige
sachliche Fehler nachzuweisen sind, daß aber dennoch ein Einfluß vom
Orient her, insbesondere von Babylon, nicht geleugnet werden kann.
Herr Dörrie: Ich danke Ihnen .sehr dafür, daß Sie das Nebeneinander
und das Miteinander in der pythagoreischen Bewegung hervorgehoben
haben, nämlich auf der einen Seite etwas religiös Lebensreformerisches
und auf der anderen Seite sicher Ansätze zur exakten Wissenschaft.
Herrn Cl. Müller würde ich erwidern, daß dort sicher ein Ansatz
zur exakten Mathematik gefunden wurde, aber man ist nur zufällig
darauf gestoßen, so wie Kolumbus auf Amerika. Man suchte eigentlich
etwas anderes. Man hat sicher die Ganzheitlichkeit eines Weltbildes und
darin eingeschlossen des Überweltlichen gesucht. Man hat sich, was
heute kein Gelehrter wagen würde, mit Ansätzen zufricdengegeben und
das Weitere, wie Sie es vorhin angedeutet haben, späterer Untersuchung
überlassen.
Pagina 9
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)22
enz zu
Herr Dörrie: Ich habe dies nur anführen wollen, um dieenTend
. Sie
haben
gezog
sich
illustrieren, daß die Pythagoreer sehr vieles an
verdaß
so
mußten ja darauf zielen, das gesamte Wissen zu vertreten,
Ich môchte aber bei einer Skizzicrung dicser pythagoreischen Bewegung noch mehr dies unterstreichen, daß die Pythagoreer alles mögliche
denen die Zeit
mutlich nicht wenige mathematische Entdeckungen, an
hineingezogen
ie
lopäd
damals reich war, in die pythagoreische Enzyk
eiten oder
bestr
worden sind, was wir nicht immer von den Quellen her
Wissen, das in Griechenland und vermutlich auch im Orient erreichbar
war, an sich zogen. Dafür ist ein Beispiel dieses: Sicher kannten dic
Pythagoreer von den fünf regelmäßigen Körpern drei, und zwar die drei
einfachen.
|
23
Ñ
beweisen können. Dafür sollte das Gesagte nur ein Beispiel sein.
Herr van der Waerden: Zu den Archytas-Fragmenten möchte ich noch
Wahrend der Zeit, über die Sie uns berichtet haben, ist vermutlich
von er der Zwüliflächer und der Zwanzigflächer hinzugefunden
En
‘singeführt word en, daß es weitere
als diese
füni
und
der wichtige Beweis
i
i
etwas bemerken.
Archytas
Die Information über Archytas und die Musiktheoriedievon
der
Echth
stammt nicht aus den Fragmenten von Archytas. Über Informatioeit
über
n
, Die
Fragmente von Archytas habe ich gar kein Urteil
maios, und zwar aus
Ptole
von
mt
die Musiktheorie von Archytas stam
Zahlenverhaltnisse
die
der Harmonik von Ptolemaios. Ptolemaios gibt hat.
von drei Tonleitern wieder, die Archytas berechnetFragmente gar nichts
Das hat also mit der Echtheit der ethischen
zu tun, sondern stammt aus einer fachmathematischen, das heißt musik-
È Das haben sich die Pythagoreer sogleich zu eigen gemacht, und es
ist alsbald eine Uberlieferung entstanden, als wenn alles dieses Aion im
pythagoreischen Kreise erörtert worden wäre. Man muß also vielleicht
doch etwas miBtrauisch gegen globale Zuordnungen sein. Freilich haben
wir kaum die Môglichkeit, den Pythagoreern in der Mitte des 5. Jahrhunderts ein bestimmtes Diktum abzusprechen. Die Uberlieferungen
sind dazu zu ungeniigend.
°
Fachkollegen die Schriften, die unter dem Namen dee dona ir
Ich möchte nun noch dies erwähnen, daß wohl die
i
theoretischen Quelle.
rem von
AuBerdem gibt es bei Boethius ein mathematisches Theo
gibt es einen
laufen, nicht der vor-platonischen Antike, sondern vermutlich dem
1. Jahrhundert, vielleicht sogar dem 2. Jahrhundert nach Christus zu
ordnen wiirden.
j
Da müßte man, glaube ich, die Frage nach der Möglichkeit spät
Fälschung sehr. sorgfältig prüfen; denn daran hängt es ja nun, ‘ob das
8. Buch des Euklid von Archytas abhángt oder etwa eine Harmonik des
Archytas aus dem 8, Buch abgeleitet sein-kónnte. Diese kleine Unsicherheit wollte ich zu bedenken geben.
Herr van der Waerden: Ich danke sehr für dieses Votum. Die Gesichtspunkte, die Sie hervorgehoben haben, sind sicher sehr richtig.
| Hinsichtlich der regelmäßigen Körper muß ich jedoch etwas berich-
Pagers
ebimgp
ne
. tigen. Die Pythagoreer haben drei dieser Körper gekannt, während die
beiden anderen erst von Theaitetos sind. Aber es sind nicht die drei einfachsten. Das Merkwürdige ist, daß sie das Tetraeder, den Würfel und
das Dodekaeder gekannt haben, nicht aber das Oktaeder.
Das Oktaeder, das mühelos zu konstruieren ist, hatten die Pythagoreer nicht. Neulich ist als Erklärung von einem amerikanischen Autor
vorgeschlagen worden, sie hätten gar nicht danach gesucht, alle regelmäßigen Körper zu konstruieren. Das sei nicht ihre Problemstellung
gewesen.
DABOSnPEiaTNygeE
rem
Archytas, das samt Beweis überliefert ist. Für das Theo
d, aber Archytas
Eukli
des
ganz anderen Beweis in der „sectio canonis‘‘
tas brauchte diesen
hat den Satz anders bewiesen als Euklid. Archy
Musiktheorie
zahlentheoretischen Satz in seiner Musiktheorie.vonDiese
der Echtheit der
müssen wir Archytas zuschreiben, unabhängig
Fragmente.
von Pontos :
schon Herakleides
Herr Schmitz: Soweit mir bekannt ist, hat
zentrische System vertreten. War
etwa um das Jahr 300 v. Chr. das helio
diese Tatsache den Pythagoreern nicht bekannt?
chen System von
Herr van der Waerden: Die Frage nach dem astronomis
neuesten Buch von
Herakleides von Pontos ist sehr umstritten. In dem
wird eine Interpretation
Neugebauer über die Geschichte der Astronomtzievon
Salzer cine andere.
vertreten, in einem neu erschienenen Aufsa e vertr
Die Sache
Ich habe in meinen Arbeiten wieder eine andertieren eten.
kann.
ist so schwierig, daß ich darüber jetzt nicht disku
Herr Hamm: Inwieweit haben sich die pythagoreischen Mathematiker
um die Philosophie gekümmert?
Pagina 10
Bekijk in PDF(opent in een nieuw venster)Herr van der Waerden: Ich will einmal drei traditionelle Teile der Philo.
sophie unterscheiden: Erkenntnistheorie, Ethik und Metaphysik.
Eine Erkenntnistheorie haben die pythagoreischen Mathematiker
gchabt. Sie haben nicht nur einzelne Wissenschaften entwickelt, sondern sie haben auch die Zusammenhange zwischen beiden Wissenschaften
untersucht, Sie haben die Frage nach der Methode und dem Objekt der
Wissenschaft gestellt. Sie haben also richtige erkenntnistheoretische
Untersuchungen angestellt. Dariiber habe ich eine Arbeit geschrieben,
die „Erkenntnistheorie der Pythagoreer“ heißt und in dem einzigen Band
der Zeitschrift Rete, der erschien, veröffentlicht wurde.
Metaphysik haben die Pythagoreer, insbesondere Philolaos, sehr
intensiv betrieben, aber diese Metaphysiker haben nach der Meinung
von Aristoteles sehr viel Unsinn gemacht. Hier bin auch ich ganz der
Meinung von Aristoteles, denn was Philolaos macht, ist zum größten Teil
Unsinn.
Diese Gruppe von Pythagoreern, die schlechte Metaphysik gemacht
haben, möchte ich sehr deutlich unterscheiden von den Pythagoreern,
die gute Wissenschaft betrieben haben.
Was die Ethik betrifft, so kann ich sagen, daß es eine ausgedehnte
Literatur gibt, die aber mit den exakten Wissenschaften wenig zu tun