Kritisch-exegetische Bemerkungen zur Schrift uber das alte Heilkunst

Author
Dihle, A.
Published in
Museum Helveticum
Year
1963
Subject
Language
Deutsch
Category
C9 Medicine
Archive number
7579

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Kritisch-exegetische Bemerkungen zur Schrift über die alte Heilkunst Autor(en): Dihle, Albrecht Vas Objekttyp: Article Q Zeitschrift: Museum Helveticum : schweizerische Zeitschrift für klassische Altertumswissenschaft = Revue suisse pour l'étude de l'antiquité Be \SO classique = Rivista svizzera di filologia classica Band (Jahr): 20 (1963) Heft 3 PDF erstellt am: 18.07.2014 Persistenter Link: http://dx.doi.org/10.5169/seals-18346 Nutzungsbedingungen Mit dem Zugriff auf den vorliegenden Inhalt gelten die Nutzungsbedingungen als akzeptiert. Die ETH-Bibliothek ist Anbieterin der digitalisierten Zeitschriften. Sie besitzt keine Urheberrechte an den Inhalten der Zeitschriften. Die Rechte liegen in der Regel bei den Herausgebern. Die angebotenen Dokumente stehen für nicht-kommerzielle Zwecke in Lehre und Forschung sowie für die private Nutzung frei zur Verfügung. Einzelne Dateien oder Ausdrucke aus diesem Angebot können zusammen mit diesen Nutzungshinweisen und unter deren Einhaltung weitergegeben werden. Das Veröffentlichen von Bildern in Print- und Online-Publikationen ist nur mit vorheriger Genehmigung der Rechteinhaber erlaubt. Die Speicherung von Teilen des elektronischen Angebots auf anderen Servern bedarf ebenfalls des schriftlichen Einverständnisses der Rechteinhaber. Haftungsausschluss Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr für Vollständigkeit oder Richtigkeit. Es wird keine Haftung übernommen für Schäden durch die Verwendung von Informationen aus diesem Online-Angebot oder durch das Fehlen von Informationen. Dies gilt auch für Inhalte Dritter, die über dieses Angebot zugänglich sind. Ein Dienst der ETH-Bibliothek ETH Zürich, Rämistrasse 101, 8092 Zürich, Schweiz, www.library.ethz.ch http://retro.seals.ch

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Kritisch-exegetische Bemerkungen zur Schrift über die alte Heilkunst Autor(en): Dihle, Albrecht Objekttyp: Article Zeitschrift: Museum Helveticum : schweizerische Zeitschrift für klassische Altertumswissenschaft = Revue suisse pour l'étude de l'antiquité classique = Rivista svizzera di filologia classica Band (Jahr): 20 (1963) Heft 3 PDF erstellt am: 18.07.2014 Persistenter Link: http://dx.doi.org/10.5169/seals-18346 Nutzungsbedingungen Mit dem Zugriff auf den vorliegenden Inhalt gelten die Nutzungsbedingungen als akzeptiert. Die ETH-Bibliothek ist Anbieterin der digitalisierten Zeitschriften. Sie besitzt keine Urheberrechte an den Inhalten der Zeitschriften. Die Rechte liegen in der Regel bei den Herausgebern. Die angebotenen Dokumente stehen für nicht-kommerzielle Zwecke in Lehre und Forschung sowie für die private Nutzung frei zur Verfügung. Einzelne Dateien oder Ausdrucke aus diesem Angebot können zusammen mit diesen Nutzungshinweisen und unter deren Einhaltung weitergegeben werden. Das Veröffentlichen von Bildern in Print- und Online-Publikationen ist nur mit vorheriger Genehmigung der Rechteinhaber erlaubt. Die Speicherung von Teilen des elektronischen Angebots auf anderen Servern bedarf ebenfalls des schriftlichen Einverständnisses der Rechteinhaber. Haftungsausschluss Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr für Vollständigkeit oder Richtigkeit. Es wird keine Haftung übernommen für Schäden durch die Verwendung von Informationen aus diesem Online-Angebot oder durch das Fehlen von Informationen. Dies gilt auch für Inhalte Dritter, die über dieses Angebot zugänglich sind. Ein Dienst der ETH-Bibliothek ETH Zürich, Rämistrasse 101, 8092 Zürich, Schweiz, www.library.ethz.ch http://retro.seals.ch

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Kritisch-exegetische Bemerkungen zur Schrift Uber die Alte Heilkunst Die hippokratische Schrift Uber die Alte Heilkunst ist seit dem Erscheinen der großen Hippokrates-Ausgabe Littrés nicht weniger als viermal ediert!, etliche Male übersetzt? und in einer Reihe gelehrter Beiträge kritisch-exegetisch behandelt worden’, Nichtsdestoweniger bietet sie der Konjekturalkritik noch, ähnlich wie andere Hippocratica, ein reiches Betatigungsfeld. 2 (p. 37, 6 Heiberg) «... wer das behauptet, ééprérnra xai ¿Eararáras.» Der Text ist in dieser Form in A und M iiberliefert, und die letzten Herausgeber bzw. Ubersetzer haben ihn beibehalten. «... befindet sich in einer vollkommenen Täuschung» (Diller) oder «on a vécu dans l’illusion et l’on continue d’y vivre» (Festugière). Der Übersetzung Festugières kônnte im griechischen Text die Kombination Aorist/Praesens, Aorist/Futur oder allenfalls Perfekt/Futur entsprechen, niemals jedoch die Verbindung des passiven Zustandsperfektes mit dem bei diesem Verbum praktisch gleichbedeutenden Praesens. Nun ist die Stelle leicht zu heilen. Da unser Hippokratiker Doppelausdrücke meistens mit te xaf und nicht mit einfachem xa bildet, wird in einer Verbalendung das re stecken, und zwar eher in E&anaräraı, weil die einfache Abtrennung éfaratä te anders als bei éyxdrytas eine sinnvolle Verbform übrig läßt. Das führt auf éfanatd te nai énndtyta als ursprünglichen Text. «Er täuscht (andere) und befindet sich selbst im Zustand der Täuschung.» Daraus wurde &&anaräraı xal Eönndrnrar. Diese Reihenfolge der Tempora erschien einem späteren Korrektor unangemessen, und er änderte durch einfachen Tausch in éémrärnra xal E£anarärau. Die Konjekturen ééanatd te 1 Hippocratis Opera ed. H. Kühlewein I (Lpz. 1894); Corp. Med. Graec. I 1 ed. I. L. Heiberg (Lpz. 1927); W. H. S. Jones, Philosophy and Medicine in Ancient Greece (Baltimore 1946); Hippocrate, L’ancienne médecine ed. A. J. Festugiére (Paris 1948). 2 Die Anm. 1 letztgenannten Ausgaben enthalten auch eine Ubersetzung des Traktats. Dari kommt jetzt die wertvolle Hippokrates-Ubersetzung von H. Diller (Hamburg 1962) 201 f . 8 Außer den bei Festugière p. XX XIV aufgeführten Arbeiten nenne ich nur noch H. Diller, Hermes 80 (1952) 385ff. und J. H. Kühn, System- und Methodenprobleme im Corpus Hippocraticum (Wiesbaden 1956). 4 Solche Umstellungen in Teilen der Uberlieferung gibt es auch sonst. 9 (p. 42, 1 Heiberg) lautet nach A ótav dé adtods xatdoyn xeıudv te uéyac xal dveuos éEdatne, nach M aber Stay de adrodc xatdoyn dveuds te péyas xai yeuuv. Die Lesart in M ist dadurch zustande gekommen, daB der unverständlich gewordene nautische Terminus ausgelassen wurde. Der übriggebliebene Ausdruck yeıudv te péyac xai àveuoc erschien mit Recht anstößig und wurde durch eine einfache Umstellung der beiden Substantive geglättet. Ahnliches gilt für

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ral &anatétoe (Diels) und éanardrai te nai étarar& (Schomack) befriedigen demgegeniiber nicht. | Unkenntnis des älteren Perfektgebrauchs, den auch uns erst Wackernagel verstehen gelehrt hat, ist nicht selten AnlaB zu Textverderbnissen gewesen. So steht bei Herodot 1, 29, 1 der Gen. absol. xateotoauuéror dé todtwv xai noocemixræuévov Kootoov Avôotot. Stein hat die Worte xai ... Avôotot getilgt, offenbar weil sie mehrere Anstöße bieten. Der Subjektswechsel im Gen. absol. soll uns nicht stören (vgl. Thuc. 4, 83, 1). Aber das Part.praes. im zweiten Glied ist sinnlos, da der Zusammenhang ausschließt, daß Kroisos noch mit den Eroberungen beschäftigt ist, und es auf die vollzogene Einverleibung der vorher genannten Territorien ankommt. Dazu ist noooerıxtaouaı ein typisch hellenistisches Dekompositum, das gegenüber qeooxtdoua: und Erıxtdouaı keinen Bedeutungsunterschied aufweist. Herodot kennt sonst nur die letzteren beiden, während noooezixtaouaı erst wieder bei Aristoteles (Rhet. 1367 b 14) auftaucht. Nun bildete das Ionische zu unserem Verbalstamm lediglich ein unredupliziertes Perfekt, étnuat, während das Attische stets ein redupliziertes xéxrmuœ zeigt. In die nachklassische Koine ist in diesem Fall nur die attische Form eingegangen, so daß einem späteren Herodot-Leser das an dieser Stelle vorauszusetzende zoocextmuérov dubios erscheinen konnte. Er änderte es in das paläographisch ähnliche, von einem hellenistischen Dekompositum abgeleitete ngooerıxtwu&vov, weil er keine klaren Vorstellungen mehr von der Funktion des alten Perfektes besaß. - Doch zurück zur Alten Heilkunst. 3 (37, 24): adr) % dvdyun intouey Enoinoev Enrndrai te ual eboedfva. Entóñvos A, edd. Enreiodas M. Die Lesart A bedeutet: «Die Not bewirkte, daB man sich auf die Suche nach der árztlichen Kunst begab und sie fand.» Eine andere Art der Punktualitát als die ingressive läBt der Begriff «suchen» schwerlich zu. M bietet dagegen: «Die Not bewirkte, daB man lange nach der Medizin suchte (und die Suche immer weiter fortsetzt) und sie auch fand.» Der Traktat betont an mehreren Stellen den allmählichen Erwerb der Heilkunst (& 0246 yodvq@) ebenso wie den ständigen, auch zukünftigen Fortgang der medizinischen Forschung. Außerdem hat M die lectio difficilior. Wer hätte wohl den hübsch parallel gebauten Ausdruck î7779Fvar/ edosdi vas mutwillig verändert ? Der umgekehrte Vorgang dagegen ist als bewußte oder unbewußte Egalisierung der Verbformen sehr wohl verständlich und wird durch das oft’ dv edoedn ... oör’ dv ¿Enr0n im vorhergehenden Satz ausgelöst worden sein. (Dort haben freilich die Aoriste wegen des Irrealis ihre Berechtigung.) An unserer Stelle sollte man jedenfalls der Lesart M folgen. 6 (39, 28) GAAd paveodic, óra» taita ngooaiowrtat, tapoébvovta: ... où ... HUYETOL A, Festug. GAM’ dvrixovs, dtav TodTo nomowoı, nagofövovraı xrA. M, Jones. 5 Unvertrautheit mit dem Perfekt dürfte auch hinter der Lesart M in cap. 13 (44, 18) stehen, wo magacxevdoacda: an die Stelle von napeoxevdodaı (so A) getreten ist. Die edd. haben mit Recht das Perfekt bevorzugt, obwohl auch der Aorist sinnvoll ist.

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Die Lesart des von den Herausgebern durchweg hôher bewerteten cod. A enthält ein Interpretament, und zwar in zweifacher Hinsicht. “Avtixove = pavepós wird bei Harpokration, Hesych und anderen Lexikographen erklärt. Es ist im älteren Attisch ebenso zu Hause wie in der poetischen Sprache und bei Thukydides. Es besteht also kein Anlaß, es dem Ionischen abzusprechen, selbst wenn es bisher bei Herodot und Hippokrates nicht nachgewiesen werden konnte. Aus nachkfassischer Zeit aber ist es nirgends zu belegen, so daß sein Auftreten als lexikalisches Lemma recht wohl begreiflich ist. Erklärt demnach das paveoös in A ein ursprüngliches ävrıxovs, so erläutert noooalgwvraı das unbestimmtere, aber für das Verständnis der Stelle völlig ausreichende rowowor. Der Wechsel vom Coni. aor. zum Coni. praes. braucht nicht zu befremden, denn beides ist in derartigen Iterativsätzen zulässig (Kühner-Gerth II 447ff.). 7 (40, 21ff.) té di) voûr’ &xelvov (sc. Heilkunst und Ernährungskunst) diapéosi GAN nÂéov TO te eldoc nai Ot. nowddtegor xal nAslovos noayuarins, doxn dé éxeivn 7) nodtEgOv yevouérn; té te M, Heiberg +d ye A, Festug. nA&ov del. Reinhold. Die Tilgung des Wortes zAéov, die Diller in der Übersetzung zu billigen scheint, fördert nicht. Abgesehen davon, daß sein nachträgliches Eindringen in den Text kaum zu erklären wäre, würde auf diese Weise die Unterscheidung zweier Unterschiede, die zwischen Heilkunst und Ernährungskunst nach Ansicht des Verfassers doch offenbar bestehen (re ... xai), verwischt werden. Wenn nämlich die Aussage «im Hinblick auf das e/doc» nicht irgendwie qualifiziert wäre, könnte man sie nicht dem noıxıAoregov xai x. x. gegenüberstellen, das ja gleichfalls eine Aussage über das elöog enthält. Demnach muß das xAgov eine durch den Acc. graec. to eldos explizierte Notiz zu dem roöro, d.h. der Heilkunst, enthalten, kann also nur adjektivisch-prädikativ zu diesem gehören, jedoch nicht adverbial gebraucht sein. Es bedeutet: «Worin unterscheidet sich dieses von jenem, wenn nicht darin, daß es zAgoy ist im Hinblick auf das eidoc, und daß ...» ITisiwv in der Bedeutung «umfangreicher, bedeutender» kommt zwar häufiger, aber keineswegs ausschließlich in attributiver Stellung vor. Bei Thukydides steht (8, 39) Asiova tov nAoöv noımodusvor, bei Platon (Criti. 114 D) tote nAdov dvépatog Ty TO yévos Ex yiis devrröusvov Tod ÖpeıydAnov®. Welche Bedeutung zAeíwv an vergleichbaren Stellen haben kann, zeigt etwa Plat. Resp. 435 D, wo ein Weg der Untersuchung uaxgotéoa xai nÂelwv ódds genannt wird. Es ist offenbar der (nach seiner räumlich-zeitlichen Ausdehnung) längere und auch der umständlichere Weg gemeint. Der Umweg, den das spartanische Flottenkontingent an der oben zitierten Thukydides-Stelle einschlägt, soll wohl gleichfalls eher als der umständlichere als der lediglich längere gekennzeichnet werden, sind doch die Zwischenstationen genannt. Normalerweise indessen: bezeichnet nAeiwv gerade die 6 Plat. Phaedr. 231 D dote nAelwov ¿dsc utd. kann man prädikativ (éAnic nel éorl) oder attributiv (rAelov éAnic dndeyer) auffassen. Vgl. auch Soph. Ai. 363 und O.C. 1139. Museum Helveticum

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rein quantitative, nicht die qualifizierte Steigerung der GrôBe oder Lange. Aristoteles etwa spricht (Meteor. 363 a 17) von einem uellwv xai nAeiwv àäveuoc: Hier bezeichnet fraglos usw» die Stärke des Windes, xle{wy die Quantität der bewegten Luft, wie denn Aristoteles auch an anderen Stellen häufig von zisiwy puyodtne, néov Vepuóv u. dgl. redet. Auch an unserer Stelle müßte xléov den größeren, gleichsam quantitativ meßbaren Umfang der Heilkunst als Gesamterscheinung gegenüber der Ernährungskunst bezeichnen, während noıxıAdregov xal nAslovos noayuarins auf die größere Differenziertheit und Kompliziertheit hinwiese. Aber wirkt nicht der ganze Ausdruck gekünstelt oder besser gequält? Soll man dem Verfasser diese etwas haarspalterische Differenzierung, der sich das Wort elóoc nicht recht fügen will, überhaupt zutrauen? Und ist es denkbar, daß xAéor und zAefovos in zwei wenn nicht gänzlich verschiedenen, so doch differenzierten Bedeutungen einander unmittelbar folgen? Schließlich ist die Form des Satzes nicht eben schön zu nennen. Das re der ersten Hälfte des Nachsatzes steht an verkehrter Stelle”: Dem xaé korrespondierend müßte es dem nA&ov folgen. Wenn in dem gesamten Doppelausdruck auf die verbale Explikation des Unterschiedes zwischen zwei dvapopaí ganz verzichtet wird, ist das xai örı der zweiten Hälfte störend und überflüssig. Die Härte des Ausdrucks insgesamt läßt sich dadurch mildern, daß man nach nA&ov ein ¿dv einschiebt, dessen Ausfall durch Haplographie hinreichend erklärt und das einem allenfalls auch möglichen éotiv vorzuziehen ist (stud. phil. Vogelbusch, Köln). Indessen beseitigt dieser wohl notwendige Eingriff nicht die vielen anderen Anstöße. Die einfachste Lösung ergibt sich dann, wenn man dt noıxıAregov xai mAelovog roayuatins als erklärende Randglosse zu xléor té ye eldoc auffaßt. Der Autor hatte gesagt, daß die Heilkunst umfangreicher sei, was ihr eldoc angehe. To ye eldoç in A wird also alte Überlieferung sein, denn dieser Zusatz war nötig, weil die Heilkunst zwar als Gesamterscheinung, nicht aber in ihrer praktischen Bedeutung, ihrem Anwendungsbereich oder ihrer räumlich-zeitlichen Ausdehnung «größer» ist als die Ernährungskunst. Das ye ist demnach als restriktiv-explikative Partikel unbedingt nötig. Diese Aussage «wenigstens was das eldos angeht» hat ein Glossator sehr verständnisvoll am Rande erläutert: örı nowddtegov xai nÂelovos noayuatins, womit ja genau der im eldog liegende Unterschied beschrieben ist. Diese Glosse wurde unter Hinzufiigung eines xa{ als zweites Glied der Aussage in den Text gezogen, und die Änderung td te elöos, die M bietet, beruht auf konsequenter Gláttung des erweiterten Textes, indem nämlich ein schönes re ... xat hergestellt wird. Durch die Hereinnahme der Randglosse wurde der letzte Teil der Bestimmung des Unterschiedes, der etwas über die Ernährungskunst aussagt, in seinem Gewicht beeinträchtigt und seine unmittelbare Beziehung zum Satzanfang verdunkelt. So erklärt sich wohl die Lesung dex? dé êxeiyn (statt éxelvov) % nedtegoy yevouém. 7 Es stünde auch dann an verkehrter Stelle, wenn gemeint sein sollte (örı) nAdov <éoti> to eldos <aÿtoÿ», was aber unwahrscheinlich ist.

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Man sollte also lesen: té dn) toûr’ &xelvov dapéoet GAN’ 1) nAgov (Eöv) tó ye eldog, doy? dè éxeivov 1) modtepov yevouérn. 9 (41, 20) Mérgov dé odre dorduoòv oöre orador GAdov, mods 6 ávapégwv sion To dxorPéc, oùx dv eboors GAN À too chpatos tiv alodnow. In dieser Form® haben alle neueren Herausgeber den Text hergestellt, indessen ist in A oúde agıduov oùte otaduòv à or, in M odds otabudr odds dor uov oddéva überliefert. Die Einsetzung von oùre ... odre, das nirgends überliefert ist, entspringt einer etwas stumpfen Kritik. Oó0é ... oöre in der Bedeutung «gewiß nicht ... und erst recht nicht» läßt sich mehrfach belegen (vgl. Denniston, Greek Particles? 510), unter anderem auch in einer hippokratischen Schrift: Epid. 7, 3 naÂuôc ... olos oddè dro doduov obte tnd delparos ... dv yeredein. OÙdéE ... 0868 ist noch häufiger (Kühner-Gerth II 294 mit schönen Xenophon-Parallelen zu unserer Stelle). In beiden Fällen stehen, anders als bei oöre ... odre, die aufgeführten Glieder nicht untereinander in einem notwendigen, etwa komplementären, Verhältnis zueinander, so daß ovdé ... odre die steigernde, od0é ... oddé die einfache Reihung beliebiger Glieder bezeichnet. Ob man sich an unserer Stelle für oddé ... oddé oder oddé ... odre entscheidet, hängt von der Interpretation und der Reihenfolge der Wörter oradudc und apıduöc ab. Sodann ist natürlich oddé ... odre sowohl gegenüber oddé ... odd als auch gegenüber obre ... oöre die lectio difficilior. Nach der Lesart von M kann oraduds eigentlich nur die bekannte und verbreitete Bedeutung «Gewicht» haben: «Weder ein Gewicht noch irgendein in Zahlen ausdrückbares Maß.» Nach A hingegen, das oraduov auf doıd ud» folgen läßt, kann für das erstere eigentlich nur die viel seltenere und erst nachklassisch verallgemeinerte Bedeutung «Maß, Maßstab» zugrundegelegt werden: «Weder ein Zahlenmaß noch irgendein anderer Maßstab». In älteren hippokratischen Schriften, z. B. in De aer., hat ota#udc¢ — von der Bedeutung «Station, Standort» natürlich abgesehen — stets, wie in der gesamten vorhellenistischen Literatur, die von der Waage hergeleitete Bedeutung «Gewicht». Die ersten Anzeichen einer Verallgemeinerung dieser Bedeutung zu «Maß(stab)» kann man einer Stelle bei Agatharchides (Phot. Bibl. 449 b 30) entnehmen: Die Ichthyophagen schmausen où xrp0s péroov xal oraduov, GAAd noûc Tv Éxdotov BosAnow xai xapıv. Im Corpus Hippocraticum? kommt diese Bedeutung in dem späten Traktat über die Unfruchtbarkeit vor (Littré t. 8), wo es c. 230 p. 449 heißt: erg dé puorros elvar mods Tic dvdownov thy ¿Ev ral thy ioxdv doéwr. Tovrov yap oúdels otabudc Eorıv, AAN ¿E «ri. Für die Schrift von der Alten 8 Aiodnow hat K. Deichgräber, Hermes 68 (1933) 358ff. an dieser Stelle in d:dBeow geandert, wogegen W. Müri, ebd. 71 (1936) 467 scharfen Einspruch erhob. 2 W. Miri hat in seiner Behandlung der MaB- und Proportionsvorstellungen bei Hippokrates, Gymnasium 57 (1950) 183ff., den Gebrauch von oraduós nicht berücksichtigt. 10 Vielleicht erklärt diese verallgemeinerte Bedeutung des Wortes oraduds auch eine etwas rätselhafte Stelle im 1. Clemensbrief (20, 10): dvéuwy oraduol xatà tov löLov xarodv thy Aertovoylav abraw angooxdnwe Erıteloöcıv. Vorher ist vom geregelten Wechsel der Jahreszeiten, nachher von der unerschöpflichen Wasserversorgung der Erde die Rede. Die dvéuwy

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Heilkunst kommt man, selbst wenn man Dillers durch Kiihn stark erschiitterte Spätdatierung akzeptiert", allenfalls in die Mitte des 4. Jahrhunderts, nicht aber in hellenistische Zeit. Man wird sich also scheuen, das Vorkommen des Wortes otaÿuds in der späten, allgemeineren — aber keineswegs allgemein akzeptierten!? — Bedeutung «Maß» anzusetzen. Geht man aber von der präzisen Bedeutung «Gewicht» aus, läßt sich die Lesart A folgendermaßen erklären: oòdé dorduov obre oraduov [äAAov] «Keine Maßzahl und schon gar nicht eine Gewichtsangabe». Der Zusatz stammt von einem Leser, dem 1. die Bedeutung von oddé ... odre nicht mehr geläufig war, und der 2. oraduds in der späten, verallgemeinerten Bedeutung verstand, weil es dem dor9uó» folgte und nicht voranging. Die Lesart von M paßt demgegenüber ohne Änderung zu der für die klassische Zeit anzusetzenden Bedeutung des Wortes. Sie ist indessen erheblich blasser als die korrigierte, d.h. um &Adov verkürzte Fassung von A. Ihre Entstehung läßt sich so erklären: Aus der ursprünglichen Form oùdë dev) usr odre orad ud» wurde durch die Egalisierung der Negationen zunächst odds doıdudv odds otadudr, was dann deshalb anstößig sein mußte, weil — die spezielle Bedeutung von oradud» vorausgesetzt — das Allgemeine dem Speziellen vorausging. Man vertauschte darum (s. 0. S. 135) die beiden Substantive, nicht ohne mit dem Zusatz ovdéva die allgemeine Bedeutung von ägıd uöv eigens noch einmal hervorzuheben. Kurz vor der eben behandelten Stelle steht der Satz (41, 17): roAAd dé xal dda xaxà, Eregoia pév THY And rAngooros, ody focor dé dewd, xal dro xEVHOLOG. pév om. A dè dua deva M xai ... xevdowog om. M. Der Satz ist auch ohne den nur in A enthaltenen Zusatz vollauf verstandlich, denn der Gegenbegriff zu xAñowous ist im vorhergehenden Satz, an den der unsere unmittelbar anschließt, mit dem Wort Ayuds ausdrücklich bezeichnet. Der Zusatz kann von einem Leser stammen, der sich den Inhalt mit einer Randnotiz verdeutlichte. Da man jedenfalls eine uév/0é-Gliederung der Aussage erwartet, wird man sich ohnehin lieber M als A anschließen. Indessen bereitet dann das ozaduol sind natürlich weder die «Standquartiere» noch die «Gewichte» der Winde. Sicher scheint die schon längst festgestellte Beziehung der Stelle zu Hiob 28, 24f.: aúroc ydo tiv dr ovgavov näcav époog | sidwc ta &v tH yh ndvra à Enoinoev, | davéuav otadudy Údaros te péroa. Der hebräische Text meint hier wirklich das Gewicht, das Gott dem Wind, und das (Hohl)maß, das er dem Wasser (des Meeres) bestimmt hat. Doch wird man diese Differenzierung späterhin der griechischen Version schwerlich entnommen haben, zeigt sie doch otadudc in der redensartlichen Verbindung mit uétoov (vgl. Agatharch. loc. cit.), die ebenso wie die mit dordudc (Sap. 11, 20; Sir. 42, 7) der Ausgangspunkt für die verallgemeinerte Bedeutung von otadudc «Maß, Maßstab» gewesen sein wird. Diese kommt bei den LXX noch öfters vor (Sir. 6, 15; 16, 25; 28, 25). Wenn also der 1. Clemensbrief die Hiob-Stelle zitiert, indem er nicht von ävsuoı, sondern von dv&uwv otaduoi redet, so meint er nicht die Winde schlechthin, sondern die nach Umfang und Stärke vom Schöpfer regulierten Winde, die ihre Aufgaben im Rahmen des kosmischen Geschehens zu erfüllen haben, auch wenn der Mensch das nicht durchschaut oder vorhersagen kann (dxoooxóxwc). 119.0. Anm. 3. 12 Die allgemeinere Bedeutung «Maß, Maßstab» ist in späterer Zeit keineswegs die einzige. In etwas genauerer Terminologie, wie bei Galen. De mens. 1 (p. 748 K.), bleibt oraduós das Gewicht im Gegensatz zu uéroov als (Raum-, Flächen- o. a.) Maß.

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dua Schwierigkeiten, das so, wie es M iiberliefert, keinen Sinn ergibt, jedoch kaum frei erfunden sein kann. Vielleicht sollte man ody fooov<a> de <xal) dua dewd lesen. 10 (42, 14) xal toùto did to ovup£oov oörws adtoiow Erd£avro M, Kühlewein 2. t. 0. T.0. o8twe adroi ovverd&avro A, Festug. Der Gegensatz, der diesen Teil des Kapitels beherrscht, liegt darin, daB die einen (von denen in den zitierten Worten die Rede ist) sich wegen des ovupégov bewußt dafür entschieden haben, eine bzw. zwei Mahlzeiten am Tage einzunehmen, während die anderen di’ dor 7 di’ EAAny ovyxveiny zu einer der beiden Gewohnheiten gekommen sind. Man sollte darum éwvtoiow Erd£avro lesen, «sie haben aus eigenem Entschluß sich darauf eingerichtet»; éavtq = sponte sua! mit dem Medium des Verbs verbunden gibt es bei Hippokrates auch sonst (Mochl. 36). Daß aus éwvtoiow ein adroioıw geworden ist, braucht angesichts des Durcheinanders ionischer, hyperionischer und attischer Formen in der Hippokrates- Überlieferung nicht zu befremden!*, noch weniger der Übergang avroiaw > adroicıy. 11 (43, 10) Ava tiva airimr A, edd. dia tivas rpopácias M. Da im Zusammenhang ausdrücklich von mehreren Gründen die Rede ist, sollte man M folgen. //oöpaoıs tritt im Sprachgebrauch unseres Autors zwar hinter aitin zurück, kommt aber durchaus noch vor. Eine terminologische Unterscheidung zwischen beiden wie bei Thukydides läßt sich nicht nachweisen", 11 (43, 22) Oláxeo Eni Tv avagiotwy yevopévov eionxa A, edd. ola neol tav dolotwy xtÀ. M. "Ent mit Gen. in der Bedeutung «über, bezüglich» ist zwar im Attischen und Ionischen zu belegen, aber ungleich seltener als xeof. Indessen sieht man nicht recht ein, was an unserer Stelle das verallgemeinernde eo zu suchen hat. «Ich behaupte, daß alle anderen Menschen, sofern sie bei voller Gesundheit zwei oder drei Tage nüchtern bleiben, das (raöra) leiden müssen, was (ofa) ich über die Leute gesagt habe, die ihr (gewohntes) Frühstück nicht zu sich nehmen.» Man könnte meinen, old zeg sei versehentlich aus ofa eo! zusammengeschrieben worden und die dann fehlende Präposition durch ¿mí ersetzt. Dann hätte M die bessere Lesart bewahrt, denn ügiorwv statt dvaglorwv ist ein harmloser mechanischer Schreib18 DaB éavr® = sponte sua aus dem Ionischen stammt, habe ich Glotta 29 (1960) 83ff, zu erweisen versucht. 14 Zur Verwechslung ionischer, hyperionischer und attischer Formen in der Hippokrates- Überlieferung vgl. etwa 46, 21 aúroios A avréoro: M oder 48, 3 gavt@ A éwutd M. 15 Eine terminologische Differenzierung zwischen aitin und roópacis, dem älteren Wort innerhalb der wissenschaftlichen Terminologie, läßt sich im Corpus Hippocraticum nicht eindeutig nachweisen. Hier scheint Thuc. 1, 23 originell zu sein. Vgl. K. Weidauer, Thukydides und die hippokratischen Schriften (Heidelberg 1954) 8ff. und K. Deichgräber, Quell. z. Gesch. d. Nat.Wiss. u. d. Med. 3 (1933) 1ff.

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fehler. Aber ist es wahrscheinlich, daß ausgerechnet das seltene ¿vé m. Gen. bei der Glättung des unverständlich gewordenen Textes eingefügt wurde? Es bleibt die Möglichkeit, daß xeof als Interlinearglosse das ungewöhnliche ézé erklären sollte und als zeg in den Text geriet. 13 (44, 24) Tatra ueraßaidvra (sc. Ernährungsumstellung) ody old» te un oöx dytéa yer&odaı (sc. der Patient), ÿ un uta. ueraßaAövra A, edd. petaBdddorvta M. Die Lesart des cod. M ist weit besser. Näherliegend ist natürlich der Gedanke: Ist die Ernährung erst einmal umgestellt (Aor.), muß der Patient auch gesunden (Aor.). Wäre dieses das ursprüngliche, könnte man den Übergang perafadóvra > ueraßdAAovra in einem Teil der Überlieferung kaum verstehen, denn der Inhalt bietet keinen Anlaß dazu, und eine einfache Verwechslung durativer und punktueller Ausdrucksformen ist der griechischen Vulgärsprache bis in die neueste Zeit hinein fremd. Die Lesart des cod. M bietet dagegen: Es kann nicht ausbleiben, daß der Patient im Verlaufe der Nahrungsumstellung (Praes.) gesund wird (Aor.). Diese originellere Fassung konnte sehr wohl unter dem Eindruck der Vorstellung vom üblichen Nacheinander der Therapie und des Heilungseffektes verändert werden. — In anderen Fällen, in denen gleichfalls eine Praesens- und eine Aoristform von À und M geboten werden, ist die Entscheidung schwieriger, z. B. 14 üpeA&eıw M dquogev A oder 16 ápedovuevov M ägapoduevor A. 14 (45, 10) doris dì tara oùx Endonenta 7) oxentôuevos oùx olde, nos dv Èri obtoc Sbvautd TL TÜV nard tov Ävdownov nadnudrwv sidévar; A tic dè tadta um) oxentôuevos oùx olde dé Exc dv odtos dúvarrO ti TA. M. Die Lesart von M ist in dieser Form unsinnig. Sie läßt sich am ehesten damit erklären, daß ihr Urheber das ihm unverständliche lange Satzgefüge mit der fragenden Apodosis durch die Änderung doris > tís und die Herstellung der geläufigen Wortfolge oöx olde [dé] önws < oùx olde rós zu vereinheitlichen trachtete. Diese gewaltsame «Verbesserung» setzt eine lange, unübersichtliche Protasis voraus und paßt zur leicht anakoluthischen Form der Apodosis, die sich in der Wiederaufnahme des doris durch obroc zeigt. Nun ist aber der Doppelausdruck doris dé tadta oùx énéonentat À oxentdopevoc ob olde kaum richtig. Gemeint ist doch offenbar: «Wer dieses (sc. die Fülle der Nahrungsarten) nicht beobachtet hat oder zwar beobachtet, aber nicht (im Sinne der Einsicht in die vielen dvvduetc) verstanden hat, wie sollte ...» Die Differenzierung zwischen émoxénroua und oxértoua: darf man schwerlich beseitigen, obgleich das erstere sonst nur in nachklassischer Zeit bezeugt ist. Es ist doch wohl im ersten Fall das bewußte Beobachten, im zweiten das bloße Wahrnehmen als Voraussetzung des (dann doch nicht vollzogenen) Verständnisses gemeint. Aber die Praesensform oxextôuevoc paßt nicht in den Zusammenhang. Oîda bezeichnet den Wissensbesitz, nicht den Wissenserwerb, und darum paßt ein Part. praes.

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«im Verlaufe der Betrachtung» schlechter als ein Part. aor. oder perf. Zxeyduevoc liegt an sich näher als éoxeuuévoc!$, doch dürfte die zweite Form hier vorzuziehen sein, weil ihre Umwandlung in ein Part. praes. mit der Unsicherheit des Perfektgebrauches im späten Griechisch zu erklären ist. Außerdem nimmt ein éoxeuuévos pointiert die finite Perfektform der ersten Satzhälfte wieder auf. 14 (45, 9) xai ai dvváutes dè ueydla te Exdorov xal oùdév 7) Ereon tH étéon éotxvia M Das 6é, das der cod. A ausläßt, alle neueren Editoren aber aufgenommen haben, abundiert. Dem olda uév des Kapitelanfangs entspricht erst das ori dé am nächsten Satzanfang. Nun wünschte man sich die hier angeführten Wörter in der Tat lieber mit dé als mit xaf dem Zusammenhang eingefügt. War bisher von den verschiedenartig zubereiteten Nahrungsmitteln die Rede, kommt nunmehr insofern etwas Neues, als auf die Verschiedenartigkeit der in ihnen enthaltenen Qualitäten (dvvauıes) verwiesen wird. Solch einen neuen Gesichtspunkt führt man aber besser mit dé als mit xaé ein, das dann allerdings hinter dem ai zu stehen hätte und ein einleitendes xa/ ausschlösse. Der Zustand der Überlieferung hindert uns daran, ein dé hier in den Text aufzunehmen. Der Urheber der Lesart von M hatte offenbar den Text von A vor Augen, in dem er ein überleitendes dé vermißte. Er vermerkte es entweder am Rande, von wo es später in den Text eindrang, oder fügte es, weil ihn sein Sprachgefühl bei den Feinheiten des Partikelgebrauchs schon im Stich ließ, an der überlieferten Stelle in den Text ein. 15 (47, 3) % dioloeı te abr@v nooceveyuelr TO Depuov xai oTovprôv 7) TO Feouov nai nAadapov 7) «TA. N dioloeı M ei dejoet A 7 diotosr edd. 7) un dolce Gomperz. Dieser nicht ganz übersichtliche Satz ist die Apodosis zu einem vorangestellten Bedingungssatz, in dem ausgeführt ist, daß es viele Stoffe gibt, die zwar alle warm sind, sonst aber ganz gegensätzliche Qualitäten besitzen. Es wäre hier sowohl eine betont affirmative als auch eine rhetorisch fragende Apodosis denkbar. Im zweiten Fall müßte man mit Gomperz ein ausgefallenes 4% postulieren. Setzt man dagegen einfach für das überlieferte 7) ein beteuerndes 7 ein, verstößt man gegen die im gesamten nachhomerischen Sprachgebrauch geltende Regel, nach der % nicht unmittelbar mit dem Verb, sondern mit einem Adjektiv oder Adverb zu verbinden ist, wenn auch oft nur in so lockerer Form wie 7 xai ndvv (Denniston? 279). Als affirmative Apodosis könnte dieser Satz mit 7) unv eingeleitet sein (vgl. Denniston? 350f.). Da die Fehler in der Überlieferung — besonders in A wird das deutlich — auf eine Verwirrung stiftende Folge von i-Lauten zurückgehen, ist der Ausfall eines 47 sowohl wie eines ur leicht zu erklären. 16 (47, 5) de u&v ydo M, Heiberg donee ydo A, Festugière. 16 Man denke etwa an die bei Herodot häufige Formel éxovoaç ola (1, 117, 6; 3, 40, 3; 3, 72, 1 u. a.).

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Das donee beruht auf einer Glättung des Textes, vorgenommen von einem Leser, dem die Partikelverbindung dc uév yde nicht mehr geläufig war. 16 (48, 2) xagaoxevaldpevoc adros wut yôyos A nagacxevdlwyr adros Ewvr® yöxos M. Es ist schwer, die Wahl zwischen den beiden Lesarten zu treffen. Durch das Medium ist bereits dasselbe, wenn auch weniger emphatisch, ausgedrückt wie durch die Formel avros éwvr@, die das Subjekt als Nutznießer und als Urheber der Handlung hervorhebt. Doch begegnet solcher Pleonasmus gerade im Corpus Hippocraticum (z. B. De morb. 1, 21; weitere Stellen Glotta 29 [1960] 89), weshalb man gegen das Medium grundsätzlich nichts einwenden kann. Die Unsicherheit im Medialgebrauch der Koine (vgl. Radermacher, N.T.-Grammatik? 146ff.) wirkt sich in der Ersetzung des Mediums durch das Aktiv ebenso aus wie umgekehrt, so daß von dort keine Hilfe zu erwarten ist. 16 (48, 5) ta dé dr xal noAd élo * Soot dy ... M, Heiberg, Festug. modi ueiGovoc * of yag ... A To de 61) xal Tode 61) ral xoÀd pélov* Soot Gy ... Kühlewein. Die Heilung der Stelle geht am besten von der Einleitung des konjunktivischen, verallgemeinernden Relativsatzes aus. Dieser Satz, einerlei ob mit of oder door eingeleitet, muß ein dv enthalten. Bei Kühner-Gerth (II 426) wird ganz zutreffend vermerkt, daß nur die Poesie die Freiheit des homerischen Sprachgebrauches bewahrt habe, an derartigen Stellen ein dv zu setzen oder wegzulassen. In unserer Schrift steht entsprechend unmittelbar vorher und nachher je ein korrekter, mit dv gebildeter Satz dieses Typus (47, 23 bzw. 48, 11). Kühner-Gerth notieren eine Reihe von Ausnahmen von dieser Regel aus Prosatexten, erklären sie aber alle als Überlieferungsfehler. Dabei ist den Verfassern aber offensichtlich eine Eigentümlichkeit nicht aufgefallen: Fast an all den zitierten Stellen ist das dv offenbar ausgefallen, weil unmittelbar neben ihm eine andere Partikel stand. Hdt. 4, 46, Isai. 2, 8 und Plat. Ale. I 134 E steht neben dem Platz des zu postulierenden dy ein ydo, in Isai. 3, 60 ein ev, in Hdt. 4, 66 ein 6717. Daß in nachklassischer Zeit der Gebrauch des dy an vielen Stellen unsicher wurde (vgl. Ep. Arist. ed. Wendland, Index s.v. dv) und die Partikel in verallgemeinerrden Relativsätzen verschwinden konnte (Radermacher? 177), ist bekannt!8. Besonders leicht verständlich aber erscheint es, daß dieser Verlust gerade dort eintreten konnte, wo das dv neben einer anderen Partikel stand. Auf unseren Fall angewendet heißt das, daß N 17 In Plat. Legg. 848 A ist das dv irrtümlicherweise zu & geworden, weil ein Abschreiber den Dativ nicht mehr verstanden hat ([év] éxdotoic), der aber nach Ausweis von 849 C stehen muß. In Plat. Legg. 737 B erklärt sich der Ausfall des dy aus der Struktur des Doppelsatzes (of ... xai ôoouc), in dem das dv vermutlich nur in einem der beiden Glieder stand und darum ausgelassen wurde, als das Sprachgefühl sein Vorhandensein nicht mehr verlangte. u Deb nolv bzw. noi 7 (vgl. 48, 9 oder 50, 22) mit dem Konjunktiv ohne dy konstruiert wird, widerspricht zwar attischer Norm und kennzeichnet die spate Sprache, kommt aber auch in älterer Zeit im Attischen und Ionischen gar nicht so selten vor.

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sowohl das dv aus M als auch das ydo aus A zum alten Uberlieferungsbestand gehören kann. Diese Annahme wird zur Gewißheit, wenn man bedenkt, daß die Ankündigung eines noch eindrucksvolleren letzten Beispiels (ra dè ... 040 uélw) nach einem explizierenden ydo (= enim) verlangt, mit dem der Gedanke fortgesetzt wird. Was die beiden von A und M gebotenen Möglichkeiten für das Relativpronomen angeht, so wird man 600: bevorzugen, einmal weil unser Autor es meist in vergleichbaren Sätzen anwendet, sodann weil ein pe(()fovos im vorangehenden kaum Sinn ergibt. Es bleibt die Frage, ob tà ... uélw oder ro ... uéCov zu lesen ist. Ein Plural ist an dieser Stelle kaum zu rechtfertigen, weil der Autor ja ein weiteres Beispiel aufführen will, auf das er sich dann überdies abschließend mit toùro (48, 9) bezieht. Diesem roöro könnte als erstes Wort sehr wohl ein zdöe entsprechen, das schon Kühlewein hergestellt hat. Allerdings zerstört das die für diesen Fall besonders gut passende Partikelverbindung dé 67. Nach den bei Denniston (2257) gesammelten Stellen kann ein hinzugesetztes 67 sowohl adversativem wie fortführendem dé besonderen Nachdruck verleihen. Letzteres trifft hier zu: Der Mechanismus der Kalte/Warme-Wirkung wird an einer Reihe von vier Beispielen erläutert (47, 22ff.). Die ersten beiden sind durch zoörTo pév ... Toöro dé gegliedert, das dritte mit 7) ei angeschlossen, das letzte mit dé 9% angeknüpft und als besonders gewichtig (7704 pélov) bezeichnet. Ich möchte nach allem als Lesung vorschlagen: 16 de di) xai noAd uébov* Boot yao dv ... 20 (51, 6ff.) léyovor dé ties intool xal oopiotai de oùx ein Övvarov into sidévai dotis un) older 6 Tı ¿oriv dvdowrocs, GAAd tovto del xatauadeiv tov uéloyta 608 Gc Beoansdoew tod: dvPodnove, telvet te adroioıw 6 Adyos és pihocogpinr, xaddeg ‘Eunedoxhénc 1) ¿Ador ol meoè pócios yeyodpaciv él àoyñs 6 tI éotiv dvdownoc ral Önws éyéveto nedtov nal dde» ovvendyn. Die von Reinhold vorgeschlagene Umstellung der Worte 6 te &otiv dvdownog ... ovvendyn an die Stelle nach doris un older, die die Tilgung des einen 6 ti éotiv ävôownos zur Folge hat, empfiehlt sich aus mehreren Gründen. Eine detaillierte Inhaltsangabe der naturphilosophisch-anthropologischen Theorien paßt viel besser an den Anfang des Satzes als in den Zusatz xadaneo EuxeôoxAénc xx. Diskussionspartner des Autors sind ja nicht die Naturphilosophen selbst, sondern Ärzte, die naturphilosophische Theoreme zur Grundlage ihrer Kunst machen. Erscheint im ersten Satz als Hauptsache das Programm jener naturphilosophisch orientierten Ärzte, so folgt im nächsten Abschnitt die Erläuterung dessen, was unser Autor unter einer ärztlichen Kenntnis des menschlichen Organismus versteht (nods ra Eodıöueva usf.). Der Einschub xadanep ... ovvendyn macht zudem syntaktische und inhaltliche Schwierigkeiten, die auch durch Dillers Streichung desof vor regi póctos nicht gänzlich behoben sind. Einmal bleibt nämlich unschön, wie yeyoapaoıv mit zwei Thema-

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angaben versehen ist: [Zepi póctos vorher und 6 ri êotir ... ouvendyn nachher. Dabei läßt sich kaum sagen, wohin 2 Goyñc zu ziehen sei. Außerdem aber ist dieses die einzige Stelle, an der in unserer Schrift ein Name fällt. Mußte der Autor wirklich auf Empedokles hinweisen? Das Niveau, auf dem die Diskussion geführt wird, ist so hoch und setzt eine generelle Kenntnis naturphilosophischer Theorien so selbstverständlich voraus, daß eine derartige einmalige namentliche Exemplifizierung seltsam erscheint. Mit den Worten telvet dé adtoioww 6 Adyoc Ec pidocoginy war für ein Lesepublikum, wie es der Autor vor Augen hat, alles Nötige gesagt. (Übrigens muß man hier unbedingt mit M ein dé lesen. Das re aus A ist unmöglich, weil der Satz eine Erklärung, keine bloße Addition zum Vorausgehenden enthält.) Nun ist xadáxeo ein typisches Einleitungswort einer Notiz, wie sie ein nachdenk- | licher Leser an den Rand setzt. In der Vulgata außerhalb von M und A fehlt der ganze Passus von dAAü todto bis &£ äoyñcs 8 tI éotiv Ävdownos, so daß sich hier etwa der Anschluß ergibt, den Reinhold vorgeschlagen hat. Es fehlt zwar damit auch authentisches Gut, aber der Ausfall erklärt sich doch am besten damit, daß hier Unklarheiten über den Textumfang bestanden, die ihrerseits auf das Eindringen einer anfangs gekennzeichneten oder erkennbaren Randglosse zurückgehen konnten. Diese Unklarheiten veranlaßten einen Abschreiber, den ganzen Passus wegzulassen. Die Randglosse lautete: xaddrep ’EunedoxAdns Y) ¿Años of ret púctos yeyodpaciw ¿él doxic. Sie sollte das teéves 6 Adyos ... Ec gtAocoginy erläutern. Entfernt man sie aus dem Text und akzeptiert unter dieser Voraussetzung die Reinholdsche Umstellung, ergibt sich ein ebenso eindeutiger wie vollständiger Zusammenhang. Zum Schluß noch eine exegetische Bemerkung. In cap. 20 (51, 12ff.) erklärt der Autor, daß das, was ein Sophist oder Arzt im Sinne philosophischer Prinzipienlehre über die Natur des Menschen sage oder schreibe, weniger zur ¿nou als zur yoapuer téxvy passe bzw. gehöre (nooonxeiv). Es ist immer wieder erörtert worden, was yoagix7 an dieser Stelle bedeute!?. Auszuscheiden hat die naheliegende Bedeutung «Literatur»", Das müßte ovyyoagixr) téyvn heißen. Toapuxós verweist in literartheoretischem Zusammenhang zunächst immer auf den Akt des Niederschreibens. Aristoteles’ Unterscheidung zwischen dywvioti und yoapixi) Agéic entspricht keineswegs nur einer Einteilung in «Rede» und «Lese-Literatur», obwohl es doch spätestens seit Isokrates eine aus der Beredsamkeit emanzipierte Literatur gibt und die Möglichkeit literarischer Selbstmitteilung auch theoretisch erfaßt ist. Aristoteles wendet die Unterscheidung zweier Sprach- oder Stilarten lediglich an auf die drei bekannten Genera der echten, d. h. zum Vortrag bestimmten Rede, auf das politische, gerichtliche und 19 Kühn S. 21f.; weitere Vorschläge werden bei Festugiére im Kommentar z. St. diskutiert. 20 So Jones in der Loeb-Übersetzung, die er aber in der Separatausgabe korrigiert hat.

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epideiktische (Rhet. 1413 b 5ff.), denkt also gar nicht an Literatur im Sinne nur schriftstellerischer Betätigung. Die praktische Gegebenheit, von der Aristoteles bei dieser theoretischen Differenzierung zweier Sprachformen ausgeht, kann man sich am besten an dem im 4. Jahrhundert aktuellen Streit um die Superiorität der Improvisation oder der schriftlichen Ausarbeitung einer zu haltenden Rede verdeutlichen. Alkidamas, der ein Anwalt der Improvisation ist, läßt im Sophistentraktat (29) seinen Gegner als Argument vorbringen, es sei doch unsinnig, die yoaginn Öövauıs ohne Not zu diskreditieren. Poaqrer divapus ist hier lediglich die Fähigkeit oder Möglichkeit, einen Text schriftlich zu fixieren. Daß sich bei einer schriftlichen Fixierung auch die Sprachform notwendigerweise gegenüber der mündlichen Improvisation ändern müsse, davon ist bei Alkidamas keine Rede. Nun geht aber Aristoteles über die bloße Konstatierung eines Unterschiedes zwischen mündlicher und schriftlicher Ag&ıs?! insofern hinaus, als er die yoaguxr als axoiBeotdtn, die dywriotiny als Önoxeırixwrdrn kennzeichnet, wobei das zweite Kriterium in zadntıen und 701% gegliedert ist. Zur Erläuterung des Terminus ünoxgırinds verweist Aristoteles auf den Schauspieler, der ähnliche Ausdrucksweisen bevorzugt. Die Aéétc yoagixy dient demnach der Erzielung höchstmöglicher Genauigkeit der Mitteilung ohne die dem mündlichen Vortrag vorbehaltene Möglichkeit einer direkten Beeinflussung des Zuhörers. Sie beschränkt sich auf die Beschreibung und verzichtet auf andere Möglichkeiten sprachlicher Vergegenwärtigung. Für letzteres kann Aristoteles in diesem Zusammenhang nicht das Wort ulunois verwenden, das bei ihm noch alle Arten künstlicher, beschreibender und nicht-beschreibender, Vergegenwärtigung in Sprache und bildender Kunst bezeichnen kann (Rhet. 1371 b 7; yoapı ist hier die Malkunst). Spätere peripatetische Literaturtheorie hat an dieser Stelle die ulunoıs als Kennzeichen gesprochener Rede (dydv) eingeführt, die dem nur zur Lektüre bestimmten Text (yeagy), z. B. dem Brief, nicht zukommt (Demetr. De eloc. 226). Damit aber bezeichnet yeaguxy über die äußere Konstatierung der schriftlichen Fixierung des Textes hinaus den beschreibenden Charakter einer Sprachform. So bedeutet es mehr als die bloße Feststellung, daß epideiktische Reden schriftlich abgefaßt und vorgelesen zu werden pflegen, wenn Aristoteles diese dritte Art der Beredsamkeit yoapıxordrn nennt. Die Genauigkeit der Beschreibung nimmt von der Volksrede über die Gerichtsrede zur Epideixis ständig zu (Rhet. 1414 a 8ff.). Es zeigt sich hier, daß Aristoteles’ Definition der A&&ıs yoagu die Bedeutung des Wortes yoaquxóc in einer ganz bestimmten Richtung festlegt. Zoapıxds heißt auch in späterer Zeit nie einfach «literarisch», sondern, von der Bedeutung «schriftlich» abgesehen, gern «beschreibend»?2. Diese Bedeutung berührt sich mit «male21 Toapıxds heißt natürlich nie «schriftlich» im Sinne von «geschrieben» — das wäre yoazırds —, sondern «zur Niederschrift gehörig, geeignet, auf das Schreiben bezüglich» o. à. 22 Die Bedeutungen «beschreibend» (vom Stil) und «zur Beschreibung geeignet, malerisch» (vom Gegenstand) gehen in der Sprache der nachklassischen Literaturtheorie fast ineinander über. Vgl. etwa Schol. T in Hom. £ 285; Luc. Alex. 3; Dion. Hal. Ad A mm. 4 p. 260 Us.-Rad.

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risch»*, was seinerseits natürlich unmittelbar von yodpeiv/malen, nicht von yodgew/schreiben hergeleitet ist. Ich wage nicht zu entscheiden, ob diese Assoziation «beschreibend/malerisch» bereits als Voraussetzung der aristotelischen Definition einer yoagixn Aé£ic zu gelten hat oder ob sie sich innerhalb einer literartheoretischen Terminologie ergeben mußte, die in wesentlichen Bestandteilen auf Aristoteles fußt. Als klar fixierbare Bedeutungen des Wortes yoapixds in voraristotelischer Zeit gibt es nur «schriftlich» und «zur Malerei gehörig» was genau dem alten Bedeutungsumfang des Verbums entspricht und mit zwei Tätigkeiten zusammenhängt, die in ältester Zeit schwerlich als verschiedenartig empfunden wurden. Eine dieser beiden Bedeutungen ist auch an unserer Stelle in der Schrift von der Alten Heilkunst einzusetzen. Versteht man yoaguwr) téyyn hier als und zuletzt Diller «Schreibkunst», wie es Pohlenz, Edelstein vorschlugen, so ergibt sich ein nicht eben naheliegender Gedankengang: Ausführungen über die Natur des Menschen, die von philosophischspekulativer Prinzipienlehre ausgehen, gehören oder passen (710007jxe tv) nicht zur Medizin, sondern zur Schreibkunst. Diese befremdliche Feststellung erhält nur einen Sinne, wenn man sie als Vergleich auffaßt: Wie zur Schreibkunst die Kennt- ‚nis der Buchstaben als der kleinsten Bestandteile gehört, so zur naturphilosophischen Aitiologie die Kenntnis der Elemente. Schreibkunst wäre also als Kunst der Zusammensetzung vergleichsweise hier eingeführt. Indessen weist aber auch nichts in diesem Satz auf einen Vergleich, und der Begriff oroıyeiov, der als . «Buchstabe» der Schreibkunst, als «Element» der Naturphilosophie angehört und darum das tertium comparationis verdeutlichen könnte, kommt im ganzen Zusammenhang nirgends vor. Bei allem Respekt vor dem Niveau allgemeiner naturphilosophischer Kenntnisse, das unser Autor bei seinen Lesern voraussetzt (vgl. o. 8. 146): So änigmatisch, wie er es hier tate, wäre die Übersetzung «Schreibkunst» richtig, drückt er sich nirgendwo in seiner Schrift aus. Im Gegenteil: Der Stil seiner Argumentation ist allenthalben von erfreulicher Nüchternheit und seine Ausdrucksweise so eindeutig, wie man es sich nur wünschen kann. Es bleibt also nur die Übersetzung «Malkunst», die zuletzt Festugiere und Kühn? vorgeschlagen haben. Festugière denkt dabei, geleitet von Empedokles B 23, an die Malerei als zusammensetzende Kunst. Wir müßten also ein ähnlich kompliziertes und nicht eigentlich ausgedrücktes Vergleichsschema annehmen wie bei der Übersetzung «Schreibkunst», denn der Maler setzt seine Bilder aus Farben oder Linien zusammen, nicht aus den von der Naturphilosophie erkannten Elementen. Selbst wenn man also den mit xadáxeo beginnenden Einschub im Text beläßt und damit einen ausdrücklichen Hinweis auf Empedokles ernst nimmt, läßt sich doch die yoaguxr téyyn wegen des zusammensetzenden Verfahrens der 23 «Malerisch» ist noch heute die neugriechische Bedeutung des Wortes. 24 M. Pohlenz, NGG 1937, 100 (anders Hermes 53 [1918] 420); L. Edelstein, IT. déowy und die Sammlung der hippokratischen Schriften (Berlin 1931) 114; H. Diller, Anm. z. Übers. d. St. 25 Siehe Anm. 19.

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Malkunst nicht mit Empedokles B 23 in Beziehung setzen. Von einem Vergleich ist an unserer Stelle eben überhaupt nicht die Rede. Kühn môchte in unserem Satz vor allem die nachdrückliche Diskriminierung der Naturphilosophie sehen und versteht deshalb yoagixn téyvn als Ausdruck für Täuschungskunst. Diese Deutung ist durch Platon inspiriert, der in der Tat die Malerei (und nur in dieser Bedeutung verwendet er ygagix) nicht selten als Beispiel einer Täuschungs- oder Illusionskunst?6 heranzieht, die Bilder von Abbildern herstellt. Es bleibt aber zu bedenken, daß Platon nirgends die Bedeutung des Wortes yoagixi von «Malerei» zu «Täuschungskunst» verallgemeinert, daß er vielmehr an allen einschlägigen Stellen ganz konkret die Malerei erwähnt, die ihm eben als Beispiel einer Täuschungskunst dient. Außerdem beruht solche Klassifizierung der Malerei bei Platon auf der ontologischen Prämisse, daß das wahre Sein intelligibel, das körperliche demzufolge schon abgeleitetes Sein sei, daß also alle darstellende oder mimetische Kunst Bilder von Abbildern herstellt. Kein Anzeichen weist darauf hin, daß unserem Autor, einem eingefleischten Empiristen, diese Prämisse zuzutrauen sei. Endlich richtet sich die Polemik unseres Autors, wie schon o. 8. 145 erwähnt, nicht gegen die naturphilosophische Spekulation selbst, sondern gegen die naturphilosophische Begründung der Heilkunst. Daß solche Theorien den Arzt nichts angehen, kann er demnach sehr wohl sagen, aber warum sollte er sie als Ausgeburten einer Schwindelkunst brandmarken ? Auch Kühn glaubt, seine Interpretation mit dem Hinweis auf Empedokles B 23 stützen zu können, wo die Malerei auch als Täuschungskunst entlarvt werde. Empedokles zieht in diesem Fragment den Vergleich zwischen den Farben (géouaxa), mit denen der Maler alle Dinge der irdischen und himmlischen Welt bilden kann, und den Erscheinungen der Natur, die ausnahmslos aus den vier Elementen bestehen. Der Maler ist also nicht mehr und nicht weniger Illusionist als die Natur selbst: In beiden Fällen lassen die Phänomene prima vista nicht die Bestandteile erkennen, aus denen sie zusammengesetzt sind. Am Schluß steht dann die Mahnung (v. 9ff.), man solle sich hinsichtlich der elementaren Zusammensetzung der Welt keiner Täuschung (óxárn) hingeben, nachdem man die wahre Struktur der Dinge kennengelernt habe (909 napa uödov dxodcas). Es kann also keine Rede davon sein, daß Empedokles gerade die Malerei als Täuschung verdammen will. Das Verfahren und das Ergebnis der Malerei dienen lediglich zur Veranschaulichung des Zwiespaltes, der zwischen der wahren Natur der Dinge und ihrer den Sinnen gegebenen Erscheinung besteht. Außerdem müßte, wenn Kühn recht hätte, unser Autor gerade umgekehrt operieren wie Empedokles. Er ordnete dann ja gerade die durch Beobachtung nicht faßbaren Prinzipien der Natur der Täuschung zu, während diese bei Empedokles das wahre Wesen der Welt ausmachen und die Erscheinungen trügen. Kühns Vorschlag führt also in Schwierigkeiten, die denen der anderen Interpreten nicht nachstehen. Kehren wir zum einfachen Wortverständnis der Stelle zurück, so läßt sich der 26 Vgl. Ast, Lexicon Platonicum s.v.

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Schluß nicht vermeiden, daß hier philosophische Prinzipienlehre als bedeutsam für die Malerei bezeichnet wird. Das ist erstaunlich, denn unser Autor wird klug genug gewesen sein, um sich zu vergegenwärtigen, daß es Malerei lange vor der Naturphilosophie gegeben hat, daß zur Anfertigung eines guten Bildes die Kenntnis philosophischer Kosmologie noch unnützer sein dürfte als zur Heilung einer Krankheit und daß die Malerei als téxvxy ebenso auf Beobachtung und Erfahrung gegründet ist wie die Medizin. Die Stelle ist nur verständlich, wenn dem Autor Meinungen bekannt waren, nach denen der Maler im Besitz naturphilosophischer Prinzipienkenntnisse sein müsse. ]'gapızn téyvn bedeutet demnach nicht die handwerkliche Praxis, sondern die in einem Lehrbuch niedergelegte Theorie derMalkunst. Seit dem späten 5. Jahrhundert gibt es bekanntlich auf zahllosen Gebieten derartige Lehrbücher, die den Titel réxvas führen?”. Die frühste Lehrschrift aus dem Bereich der bildenden Kunst stammt von dem Sikyonier Polyklet und enthielt eine Lehre der Proportionen des menschlichen Körpers, die dann an der Statue des Doryphoros exemplifiziert war (Plin. n. h. 34, 35; Gal. Plac. Hipp. et Plat. 5 p. 426 Mü.). Daß die polykletische Proportionenlehre nicht einfach aus Beobachtung und Erfahrung abgeleitet war, sondern Elemente einer Zahlenspekulation, und d.h. einer spekulativen Kosmologie, verwertete, ist eine oft ausgesprochene und angesichts nicht weniger Parallelen (Hippodamos’ Theorie der Stadtplanung u. a.) auch plausible Vermutung?8. Dabei kommt nicht viel darauf an, ob solche kosmologische Zahlenspekulation von Anfang an pythagoreisch zu nennen ist oder nicht. Auf dem Gebiete der Malerei stammt; die erste bezeugte Lehrschrift von Pamphilos von Amphipolis, der im frühen oder mittleren 4. Jahrhundert in Sikyon wirkte (Plin. n. h. 35, 36 u. ö.)2. Er soll nach Plinius’ Worten eine umfassende theoretische, insbesondere mathematische Ausbildung des angehenden Malers gefordert haben. Zwar gehört die Kenntnis der Mathematik bis zu einem gewissen Grade zur praktischen Beherrschung der gerade damals schon sehr vervollkommneten Perspektive*, Aber im Zusammenhang einer umfassenden wissenschaftlichen Ausbildung deutet doch die Mathematik auf kosmologisches Grundsatzwissen, das hier vom Maler erwartet wird. _ Auf eine téyvn yoapıxn, eine schriftlich niedergelegte Theorie der Malerei, wird sich der Verfasser der Schrift von der Alten Heilkunst beziehen. Hätte er nur die praktisch-handwerkliche Tradition im Auge gehabt, wäre es unverständlich, weshalb er die Bedeutsamkeit naturphilosophisch-anthropologischer Theorien für den Maler einräumt. Seine Worte erhalten einen guten Sinn, wenn sie auf Lehrschriften hinweisen, in denen die naturphilosophische Konzeption vom Wesen des Menschen zur Voraussetzung seiner rechten bildlichen Darstellung gemacht wurde. 27 Aristophanes verspottet in den Fröschen die Vorliebe seiner Zeit für das Lehrbuch (1109ff.). 28 Vol. W. Burkert, Weisheit und Wissenschaft (Nürnberg 1962) 267ff. mit weiterer Literatur. 29 Zur Datierung des Pamphilos vgl. G. Lippold, RE 18, 351f. 30 Dazu B. Schweitzer, Platon und die bildende Kunst der Griechen (Tübingen 1955).