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(S3XE2UaNp5S1KQ-cUN4rEeT87o)
stehung einer übergeordneten einheitlichen Schôpferkrai \ql
die auf der einen Seite im Stofflichen in musikalischen Knytnmen ge
staltet, auf der anderen Seite aber ein Bild dieses Geschehens im Materiellen des Ohres aufbaut, das nun durch seine Verwandtschaft hiermit
in Resonanz kommen kann mit allem Musikalischen, das von der Materie losgelöst ist.
Zum Abschluf noch etwas über die Art und Weise, wie der Abbau
der Stoffe vor sich geht. Er erfolgt bei Kohlenhydraten, Fetten und
Eiweißstoffen gleichartig, nachdem sie in die „aktivierte Essigsäure“
überführt worden sind, so daß der Organismus nur für den Abbau der
letzteren zu sorgen hat. Auch hier handelt es sich um ein KreislaufGeschehen, das nach seinem Entdecker Krebs-Zyklus (ZitronensäureZyklus) genannt wird (Abb. 5). Wiederum treten neun Stufen auf, die
in der Pflanzenwelt als Säuren weit verbreitet sind, dort allerdings als
Zwischenstufen für den Aufbau. Wir sehen, daß der Mensch Wesentliches seiner Umwelt in sich trägt, ohne sich dessen bewußt zu werden. Die Leber bringt es fertig, Kohlendioxyd und Wasser bei diesem Zyklus
frei zu setzen, ohne daß weitere Stoffe übrig werden; denn das Endprodukt, die Oxalessigsäure, verbindet sich wieder mit der „aktivierten
Essigsäure“ und es entsteht wieder Zitronensäure, der Neuanfang des
Zyklus.
| Wir sind am Ende dieser Betrachtungen angekommen, die im Rahmen
der Vorbereitungen des Verfassers für den Chemie-Unterricht der 11.
Abb.5
Cifronensäure — CiyKlus ,
n AKbivierle Essigsäure”
“e,
Citronensáure
lso-Cifronensaure
ee
ee
Apfelsä ure
|
| und 12. Klasse entstanden sind. Selbstverstándlich besteht nicht die
- Meinung, daß dieser Inhalt in ähnlicher Form an den Schüler herangebracht werden könnte. Aber es ist förderlich für eine Unterrichtsepoche, wenn der Lehrer über Gesichtspunkte verfügt, aus denen heraus
er mit einer gewissen Souveränität seinen Unterricht gestalten kann.
Er ist dann in der Lage, je nach der gegebenen Situation, auf dieses oder
jenes Teilgebiet zuriickzugreifen, das ihm aus einer solchen Zusammenschau leichter zugänglich ist. Denn der Schüler der Oberstufe erwartet,
daß ihm der Lehrer auf Fragen so zu antworten vermag, daß für ihn
tiefere Hintergründe sichtbar werden, selbst wenn er in diese noch nicht
ganz einzudringen vermag.
Rainer Dilloo
LITERATUR:
Rudolf Steiner: ! „Entsprechungen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos“, 8. Vortrag. - ? „Landwirtschaftlicher Kurs“, 3. Vortrag.
Cio
PYTHAGOREISCHE ZAHLENTRIADEN
Pädagogische Gestaltung einer mathematischen Unterrichtsepoche
im neunten Schuljahr einer Waldorfschule, 1. Teil
Schon gegen Ende des Mathematikunterrichtes eines 7. Schuljahres
soll eine Epoche dazu verwendet werden, den Schülern den pythagoreischen Lehrsatz nahezubringen. Am besten wird man sich dabei
eines oder mehrerer der zahlreichen Zerlegungsbeweise bedienen, also
noch im Geometrischen verbleiben. Das 13. Kapitel meines Pythagorasbuches liefert dafür neben dem, was von Rudolf Steiner stammt, genügend Anregung und Stoff für den Hauptufterrichtsiehrer, auch wenn
er kein Fachlehrer ist. Der Unterrichtsstoff des 8. Schuljahrs kann dazu
verwendet werden, das sogenannte ägyptische Dreieck, wie es auf den
ersten Seiten meines 9. Kapitels dargestellt ist, zu behandeln. Im
9. Schuljahr, wenn der Hauptunterricht in der Mathematik den Händen eines Fachlehrers anvertraut wird, besitzen die Schüler die nötige
Reife, den eventuellen Nutzen aus den beiden vorhergehenden Schul-
Oxalbernsfeinsäure
Fumarsäure
Kefoglufarsäure —
> Bernsfeinsdure
324
jahren zu ziehen.
Zwei Erntewagen sind erforderlich: der erste fährt die pythagoreischen Zahlentriaden in die Scheuer, der zweite hat sich mit neu entdeckten Zahlen, die man irrationale Zahlen nennt, beladen und
Page 2
View in PDF(opens in a new window)shwankt unter ihrer Last bedenklich hin und her. Hier, wo der junge
Mensch im Alter zwischen 14 und 15 Jahren steht und die Geschlechtsreife hinter sich gebracht hat, ist die Angabe des Lehrplans der Freien
Waldorfschulen streng zu beachten: ,,Die voll erwachte Denkkraft und
Urteilsfähigkeit des jungen Menschen fordert Nahrung und Betitigungsmöglichkeit in Aufgaben, die durch die Anwendung von Vernunft und Logik zu lösen sind.“ Wehe dem Lehrer, der dieses Gebot
nicht beachtet, indem er vor der Klasse als Dozierender steht, alles
oder fast alles selbst vorträgt und die Schüler nicht zum Denken, sondern bloß zum Nachdenken erzieht! Diese Gefahr besteht besonders
für denjenigen Unterrichter, der in sein Fachgebiet besonders tief eingedrungen ist. Er wird bald dahin geraten, nur für den begabteren
Teil der Klasse verständlich zu werden und über die Köpfe des Restes
hinweg zu dozieren, der daraufhin einfach abschaltet. Es kann sich also
nur darum handeln, daß der Unterrichtende soweit wie möglich zurücktritt und das meiste die Schüler selber finden läßt, wobei er darauf
achten muß, daß nicht immer dieselben Schüler sich zum Wort melden.
Ein hervorragendes Beispiel eines schlechten Lehrers war — Johannes
Keppler. Als er, erst 22jährig, seinen Dienst an der evangelischen
Stiftsschule im Österreichischen Graz antrat, liefen ihm schon nach
einem Jahr Unterricht die Schüler davon, so daß er an Stelle des
Mathematikunterrichts auf andere Fächer ausweichen mußte. Er setzte
bei seinen Schülern zuviel voraus und glaubte, bei ihnen die gleiche
geistige Beweglichkeit und Aufnahmefähigkeit, die gleiche Begeisterung für seinen Lehrgegenstand annehmen zu können. Er war sich
dessen auch bewußt und redete von seiner übermächtigen „cupiditas
speculandi“. Es falle ihm immer etwas zu sagen ein, ehe es möglich
ist zu überlegen, ob das auch passe. Ein Lehrer dieser Art eignete sich
nur für hervorragende Schüler. An einer Waldorfschule wäre er wahrscheinlich gescheitert. Wenn im folgenden Unterrichtsanregungen gegeben werden, seien sie von dem Lehrer nur im Geiste einer recht verstandenen Pädagogik entgegengenommen.
Im 10. Schuljahr, wenn die Logarithmenrechnung fällig ist, geht
man mit Vorteil von der Reihe aus:
æ
2!
2
2
2¢
25
Im 9. Schuljahr kehre man gleichsam den Spieß um und betrachte die
Reihe
0?
326
12
22
32
42
52
d.h. die Aufeinanderfolge der Quadratzahlen. Solche Zahlen können
als Flächenzahlefi über den Längenzahlen 0, 1, 2,3,4,5,..... verwendet werden. Von Interesse ist, wie diese Flächenzahlen wachsen. Das
sieht man sofort, indem man die Unterschieds- oder Differenzenreihe
bilder:
Quadratzahlen
Unterschiedsreihe
9
7
5
3
1
ssa
or...
2
16
9
4
1
0
Bei den Schülern erzeugt es große Überraschung, daß die Unterschiedsreihe in Gestalt der Reihe ungerader Zahlen vor ihnen steht.
Schon dem Pythagoreer war bekannt, daß die Reihe der Quadratzahlen
einfach durch Addition der aufeinanderfolgenden ungeraden Zahlen
gebildet wird. Als Augenmensch wollte er es auch sichtbar vor sich haben
und brachte die Reihe der Quadratzahlen und ihre Unterschiedsreihe in
eine bedeutsame geometrische Figur (siehe unten).
Am oberen und linken seitlichen Rande gewahrt man als Wiedergabe
der Längenzahlen die natürliche Zahlenreihe 0, 1, 2, 3, 4, Bas È deren
Quadrate nicht nebeneinander, sondern ineinander gezeichnet sind und
zu den Flächenzahlen 0, 1, 4, 9, 16, 25,..... fiihren; letztere sind nicht
sichtbar gemacht, wohl aber die Zahlen 1, 3, 5,7, 9,..... als Flächenzahlen von saumartig umeinander gelegten flächig breiten rechten Winkeln gleicher Schenkellinge. Das kleinste Eckquadrat von der Länge
1 hat auch die Flächenzahl 1. Das nächste
Eckquadrat von der
Länge 2 hat die Fláchenzahl 4. Es entsteht,
indem sich um das
kleinste Eckquadrat ein
flächenhafter Saum von
der Flächenzahl 3 herumlegt: 4—1 = 3. Um
dieses legt sich wieder
ein flächenhafter Sum
von der Flächenzahl 5
cd
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View in PDF(opens in a new window)dritte Eckquadrat von der Fläche 9, usw. Das obige Reihen
breiten
. Diendengleichungera
h erklärt
unddiezugleic
verbildlicht
damit geometrisch
den
man Gnomone und zu ihnen gehöre
Säume nannte
Zahlen Gnomonzahlen oder Gnomotes; Gnomon heißt in wörtlicheo
Benrteiler.
Übersetzung Erkenner,nzahl
en sind jedoch zugleich auch Quadratzahlen
| Manche der Gnomo
Ihre Streifen sind durch Schräffierung
in der Figur 9 = 3* und 25 = 5°.Fortse
tzung der Figur würden solde
besonders hervorgehoben. Bei
Gnomon-Quadratzahlen immer wieder auftreten, die ungeraden Quachend. Die
dratzahlen 49 = 7%, 81 = 9, 121 = 115... veranschauliigen
Unter-
Frage entsteht, von welchen Quadratzahlen sie den jeweil
schied bilden. Sie beantwortet sich durch ein näheres Eingehen auf die
beiden in der Figur hervorgehobenen Gnomonstreifen:
1) Der erste von ihnen verdeutlicht die Rechenbeziehung
st 4=9= 7,
n ORNE VRML ES Quadraten ist
n Dreiecks. Nun hat 3? = 9 die
also die Gesetzmäßigkeit des ägyptunische
i
d
und
bei den ungleichen „Hälften“ 4 d 5,
3* = 9 der Viateradied. in dem zweiten hervorgehobenen Streifei n,
: lbe Gesetz4 waltet
2) Dasse
der die Rechenbeziehung 13° — 122 = 25 = 5? verbildlicht. Denn
st = 25 hat die beiden ungleichen Hälften 12 und 13, und von deren
Quadraten ist 5* = 25 der Unterschied.
nächste, nicht mehr sichtbare Streifen idieser Art wi:re 49 = 7°.
3) Der
us
:
Da die beiden Hälften von 49 die Zahlen 24 und 25 sind, muß gelten
25% — 24! = 72.
= 15,
Will man von irgendeiner ungeraden Quadratzahl, etwasie225
feststellen, von welchen beiden anderen Quadratzahlen den Unter
schied bildet, so suche man von 225 die beiden ungleichen Hälften 112
und 113 auf, und man gewinnt die richtige Bezichung:
È en un; re beid
ih
en
ut
la
so
l,
Quadratzah
113? — 112? = 15°
Ist allgemein n° eine ungerade
gleichen Hälften
Quad «hi
e nd tI
2
328
2
i
und man erhält dieBeziehung:
.ist.
7..
,5,
1,3
=
n
ei
wob
nt,
=
)
E
—
+
2
2
24 1 2
2— 1 3
triaden
r eine Fülle vonefüZahhrtlenwer
mon-Quadratfigu
So quillt aus der Gno
den:
ang
ks
iec
Dre
en
sch
pti
ägy
des
n
ige
jen
der
n
vo
die
hervor,
z=
5? —
4?
st = 132 — 12°
7e = 25? — 24°
gt = 41° — 40°
112 = 61% — 60°
dern auchTriade, son
ht bloß dietunershabte en.
stehen, obhtenic
ge mußmitentde
Die Fragen
dur
Das ist ch ent
den m rec n Winkel zu
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en Dreiecmek rdielanEigggeent
zum ägyptin sch
dreiecke nnim maGegnensso atz
eckter un
str
oder, we eine praktisagschenedarErzf,eugdeungManeingeles,recimhten Winkels immer undamit für werden, unterscheiden sich doch Hypotenuse und lange
geeigneter zu um die gleiche Lange 1 voneinander:
Kathete immer
unsS$wOn
07
12
2
2
te pytha-heu
h
noc
n
ma
nt
nen
gen
obi
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e
wi
n
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tri
len
Zah
Solche len. Sie sind beileibe nicht die einzig méglichen. Wenn bei
Zah
goreische
bilden, gilt..dieAns aucderh voFonrmallderen
e solche Triader 9,1
spielsweise 3,che4n,unalsd 5o ein
5.. h dadurch nicht
10 ode iec2,1
von 6, 8, lig
ihren Vielfasprechenden rec
sic cke wird
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ink eneDre
ihnen ent te; der soebenhtw
rdreie
das minhdesnicht behoben. MafesntgekastennlltdieMaVerngvieellfaderchuParngen als abgeleitete
dadurc Gegensatz zur Grundtriade, aus der sie alle hervorgehen,
Triaden im Die obengenannten Triaden sind nämlich sämtlich Grundbezeichnen.
Page 4
View in PDF(opens in a new window)triaden und daran erkennbar, daß ihre drei Zahlen keinen gemeinsamen
Faktor aufweisen.
Die Figur enthielt bisher als durch Schraffierung ausgezeichnete Gnomonquadratzahlen nur die Quatrate 9 und 25 der ungeraden Zahlen
aber nicht die Quadrate gerader Zahlen wie 4 = 22, 16 = 42, 36 = 6?,. Ñ
Aber das liegt keineswegs an der Figur als solcher, sondern vielmehr an
ihrer
eingeschränkten -#** Betrachtungsweise. Man
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Schraffierung hervorgeà
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hin alle Quadratzahlen
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in Gestalt von Gnomox
2) | LL’
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Pi
nen, die ungeraden in
2)
le
ö
#
einfacher Breite, die ge-
= orf ttt tte TER
raden
7 SEA ¿2 gf y A Pd sf e Fi pe 2° È a ut 2° 3)
in
doppelter
Breite:
| Ist mit den doppelt so breiten Gnomonen etwas gewonnen? Die letzte
Figur weist vier derselben auf, von denen die drei ersten bei näherer
Priifung nichts Neues liefern, nämlich
1+
3=
7+
9=16=4%=
4=2=
2%— 0° Selbstverständlichkeit
5°— 32 erste alte Grundtriade
17 + 19 = 36 = 6? = 10°— 8? erste alte abgeleitete Triade
Wohl aber ergibt der vierte Doppelstreifen eine neue Grundtr
iade:
31 + 33 = 64 = 8!
= 17?
— 152
Der Weiteren Auswertung der fortgesetzt gedachten doppelstreifigen
Figur sind nun keine Schranken gesetzt. Wie weit da der Lehrer gehen
will, muß ihm je nach der vorliegenden Reife seiner Schülerschaft überlassen bleiben. Auch hier könnte man es für den Falln = 2,4,6,8.....
zu einer in Buchstaben ausgedrückten Formel bringen, die dann lauten
330
Man könnte so fortfahren und es mit lauter schraffierten nebeneinanderliegenden Gnomonen von dreifacher Breite versuchen. Aber das
mag der Fachmathematiker nicht mit der Klasse, sondern für sich pro|
bieren.
Zum Abschluß werde die gleiche Untersuchung, welche den Quadratzahlen zuteil wurde, auch mit den Kubikzahlen vorgenommen. Mit
ihnen ist ein modernes Problem angeklungen, das die Betrachtungen
abschließen kann. Man stelle genauso wie bei den Quadratzahlen die
Reihe der Kubikzahlen vor die Schüler:
1
8
27
64
125
216
343
512
TAI un
Wie bei den Quadratzahlen bilde man deren Unterschiedsreihe:
7
19
37
61
91
127
169
217 was en
Nach Art der ineinander geschobenen Gnomonquadrate miifte man
ineinandergeschobene Gnomonwiirfel bilden und versuchen, ob es solche
Wiirfelpaare gibt, bei denen der Unterschied zweier Kubikzahlen wieder eine Kubikzahl sein kann. Der im 17. Jahrhundert lebende französische Mathematiker Fermat behauptete, daf es solche ausgezeichneten
Gnomonwiirfel nicht gebe. Den Beweis fiir diesen Tatbestand vermochte er nicht zu erbringen. Seit dem nennt man denselben den Fermatschen Unmöglichkeitssatz oder das Fermatsche Problem. Der Darmstädter Mathematiker Wolfskehl suchte der Wissenschaft einen Dienst
zu leisten, indern er eine Summe von 100 000 Mark für denjenigen stiftete, welcher das Fermatsche Problem beweise. Der Preis wurde i. J.
1907 ausgesetzt und sollte i. J. 2007 erlöschen. Natürlich ist heute durch
doppelte Geldentwertung nichts mehr davon vorhanden. Die Folgen
dieser Preisaussetzung waren fürchterlich. Nicht so sehr traten die
eigentlichen Mathematiker als Bewerber mit Lösungen hervor, sondern
Ingenieure, Pastoren, Lehrer, Gymnasiasten, Studierende, Bankiers,
Offiziere usw. Alle diese Beweise mußten gedruckt erscheinen und waren
natürlich im Selbstverlag veröffentlicht. Ihre Zahl hatte bald die Tausend überschritten. Manche Bewerber haben sogar mit Klagen auf
die Auszahlung „ihrer“ 100 000 Mark gedroht. Belehrungen über die
Falschheit des Gedankenganges seitens einer eingesetzten Kommission,
der auch der bekannte Professor Lietzmann angehörte, wurden mit
Hohn zurückgewiesen oder mit überlegenem Lächeln oder Zeichen des
Page 5
View in PDF(opens in a new window)Weltschmerzes entgegengenommen. Ganz selten zeigte jemand Einsicht
„in die Unzulánglichkeit seiner Bemühungen. Einer dieser weißen Raben
schrieb an Lietzmann:
Nicht zähl’ ich zu den geistig Starren,
zu jenen unbedingten Narren -.
Ich hab’s gewagt, ich geb’s verloren;
zu andrem ist man noch geboren -,
und sie verzeihen einem Toren.
Das Fermatsche Problem in seiner Allgemeinheit ist noch heute unbewiesen.
Ernst Bindel
BIOGRAPHIEN IM 7. UND 8. SCHULJAHR
Rudolf Steiner hatte fiir das ausgehende siebente und fiir das achte
Schuljahr den Rat gegeben, den Kindern Biographien zu erzählen. In
diesem Alter beginnt auf der einen Seite die Pubertät: das kindliche
Seelenleben fangt an, in schwere Erschiitterungen zu kommen, das Verhältnis zu Vater und Mutter unterliegt starken Schwankungen, immer
mehr gerät das Kind in Gegensatz zur Welt der Erwachsenen und empfindet seine persönliche Eigenartigkeit und Einsamkeit. Hin und wieder taucht die Frage nach dem Sinn des Lebens auf. All das ist vielleicht
noch gar nicht klar bewußt, aber es rumort im Empfinden und Lebensgefühl der Kinder dieses Alters. - Auf der anderen Seite erleben sie noch
immer Zeiten sonniger Unbekiimmertheit und gnadenvoller Vertrauensseligkeit und Zukunftshoffnung. Noch empfangen sie von geliebter
Autoritat Gebotenes ohne Skeptizismus. Schon melden sich Ideale und
Ziele und ein leises Erahnen der eigenen Individualität und Aufgabe.
Es ist die Zeit, in der der junge Johann Gottlieb Fichte in alle Bücher
das Motto schrieb: „Und wenn geborsten die Welt zusammenbricht,
werden den Furchtlosen selbst die Trümmer noch tragen!“ (Das ist schon
die Stimme des gleichen Geistes, der durch die „Reden an die Deutsche
Nation“ tönt.)
Hier kann es nun kaum eine bessere Hilfe geben, als richtig gewählte
Biographien, die, vom Lehrer innerlich warm und in deutlichen Bildern
durchlebt, dem Kinde erzählt werden. Aber richtig gewählt müssen die
Biographien sein. Sie müssen Menschen zeigen, die mit ihrem Schicksal