Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen

Autor
Fritz, K. von
Publicado en
Studium Generale
Año
1961
Tema
HISTORY
Idioma
Deutsch
Categoría
C1 General
Número de archivo
5438

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K «VON F Fritz: D Der Beginn universa Iwissen wi sch a ftlicher € Bestri ebunge ngenn un und de r Primat a der er G Grieche: en ilis des Gatten und d er8 Studi Generate dado Geen ~Jahrgang 14 dem 541 les keine Spur, auch nicht bei Sophisten und Skeptikern. ist, findet sich bei den Griechen bis auf Aristote Alle Bestrebungen sind auf Strukturerkenntnisse, das Verifizieren zwar in dem, was man als die wisnicht nur auf richtige Voraussagen gerichtet. Sofern die positivistische Auffassung der Wissenschaft richtig sein sollte, haben die alten Griechen zur eigentlichen Wissenschaft nur beigetragen, indem sie in Wirklichkeit etwas anderes suchten. Ferner spielt zeichnen kann, von sehr früher Zeit an eine sehr senschaftlichen Bestrebungen der alten Griechen bewird, durchaus in das Gebiet der „science“ fallen, große Rolle, aber kaum oder nur selten in der Form des Verifizierens auf Grund des Eintreffens vorausgesagter Ereignisse. Das zeigt zugleich, daß die oben angeführte Definition der Wissenschaft eine schr enge ist, Läßt man aber andere Formen des Verifizierens gelten, von denen einige übrigens, wie sich zeigen so öffner sich sogleich ein weites Feld von Problemen, von denen das Problem der möglichen Arten des Verifizierens in den Naturwissenschaften und den Geisteswissenschaften im üblichen Sinne — ich sage im üblichen Sinne, weil dieMathematik, die üblicherweise zu den Naturwissenschaften gerechnet wird, in Wirklichkeit eine Geisteswissenschaft ist, wenn auch ganz anderer Art als die übrigen Geisteswissenschaften — und der Abgrenzung dieser beiden Arten von Wissenschaften gegeneinander nicht das geringste ist. Dieses Feld auch nur abzustecken würde eine lange Abhandlung erfordern. Dasselbe gilt natürlich für den Versuch, andere Begriffsbestimmungen der Wissenschaft als diejenige durch das Verifizieren zu geben und zu prüfen?. eine Korrektur im einzelnen, sondern eine völlige als fiktive Hilfskonstruktionen sind?, währen siven Denkens sich weiter behelfen, also mit Fiktionen. Die einzige fiktionsfreie Behauptung in der Welt ist die des kritischen Positivismus. Jede nähere, eingehendere Behauptung über 2 Die positivistische Auffassung der Wissenschaften ist in 1 Vel. Acta Congressus Madvigiani, vol. II: Formation of d die the Mind. Kopenhagen 1958, und meine Rezension dieses Bandes in Götr. Gel.Anz., 213, S.4—34 (1959). ergibt, ist fikeiv. Insbesondere ist jedes weitere darauf gebaute System ‘wertlos, insofern es sich nur im Kreise der Hilfsmittel, Hilfsbegriffe und Instrumente des diskursiven Denkens bewegen kann.“ Im übrigen ist es natürlich der Zweck des Vaihinfür gerschen Werkes, den außerordentlichen Wert der Fiktionen die Erkenntnis, aber eben nur als im Endergebnis wieder auszuschaltende Hilfsmittel, zu erweisen. 3 Als eines von vielen möglichen, aber als besonders wichtiges Beispiel erwähne ich hier noch anhangsweise die Definition ersten der Wissenschaft, die W. Dilthey im zweiten Kapitel des Studium Generale (Berl.), 14. Jahrg. 38 das Seiende als solches, welche sich aus diesen Beobachtungen vielen verschiedenen Varianten aufgetreten, die nicht alle anist geführt werden können. Am konsequentesten durchgeführt sie vielleicht in Hans Vaihingers „Philosophie des Als Ob" (zuerst erschienen 1911, 4. Aufl. Leipzig 1920), hier allerdings in einer Form, die das Verifizieren nicht auf das Eintreffen vorausgesagrer Ereignisse beschränkt. Die positivistische Auffassung wird dort auf S. 115 (Kap. XVIII) in folgender „Für ihn (sc. den kritischen Positivismus) Weise beschrieben: existieren nur die beubachteren Koexistenzen und Successionen der Phacnomenc; an diese allein hält er sich. Jede Erklärung, welche weiterscht, kaan nur mit den Hilfsmitteln des diskur- Erneuerung der Grundlagen, wie es in der Geschichte der physikalischen Erforschung der Welt mehrfach der Fall gewesen ist, so können diese nicht mehr als Gegenstand eines Wissens im Sinne faktischer Erkenntnis gelten und bleibt diese letztere im Endergebnis eben auf das Zutreffen der Voraussagen selbst beschränkt. Dies ist denn auch die Meinung einer positivistischen Philosophie der Wissenschaft, der alle vermeintlichen Strukturerkenntnisse nichts Mehrzahl wohl nicht nur der Laien, sondern auch der Naturwissenschaftler, an die Möglichkeit wirklicher Strukturerkenntnisse glaubt. Es ist natürlich nicht möglich, den Versuch zu machen, an dieser Stelle einleitungsweise die Frage der Richtigkeit und der Bedeutung der erwähnten Definition der Wissenschaft zu lösen. Aber auf einige Dinge ist es notwendig, zur Klärung hinzuweisen. Von der positivistischen Auffassung des Wesens der Wissenschaft, wie sie soeben charakterisiert worden n und der Primat der Griechen K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebunge sus Madvigianus im Jahre 1953 in Kopenhagen viel stattgefunden hat, ist von dieser Vaterschaft sehr ionen die Rede gewesen!. Aber eben diese Diskuss Verhaben gezeigt, daß über das Wesen und die der sondienste dieser Vaterschaft ebenso wie über das Wesen dessen, was hier erzeugt worden sein soll, weder Übereinstimmung noch Klarheit herrschte, Selbst wenn man den Begriff der Wissenschaft nicht so weit die fac, wie es im Deutschen üblich ist, wo er auch sogenannten Geisteswissenschaften mitumfaßt, dern sich auf den engeren Begriff beschränkt, “ bedurch den angelsächsischen Terminus „science zeichnet wird, ergeben sich nicht unbeträchtliche Schwierigkeiten. Eine in angelsächsischen Ländern verbreitete und beliebte Definition der Wissenschaft ist die eines Wissenssystems, auf Grund dessen man Voraussagen machen kann, die eintreffen, bzw. eines Systems von Wissen, das eben durch das Eintreffen der Voraussagen verifiziert bzw. durch ihr Nichteintreffen kontrolliert und berichtigt wird. Aber auch hier ergeben sich nach den verschiedensten Richtungen hin Schwie- I nach Congresrigkeiten. Die ptolemaeische Astronomie konnte zutotalitä tär und despotisch oder demokratisch und freiheitlich , erfolgen soll, ob der „unve rmeid liche Fried e“ der Welt ® ein orientalischer oder ein abendländischer sein wird. tigung und einen Grad Gattin. Und wir zeu sten uns Söhne und Töchte r.“ Albrecht Götze in Mitteilunge n der vorder asiatisch-ägyprischen Gesellen Band, 2. Heft, S. 13, Leipzig 930. 1 In Staatsdokuwird di önigi ; 3 gelmäßig zusammen mit ihrem Garten gerea dühep“ und as unterh in ält selbst einen Briefwechsel mit der Königin von ten. in Vertrages mit A gypten beweist, x daß se ‘ower, cn tiene Siegel führte. Ein © solche Gleichberech ehelicher Innigkeit, wie er : a der angeführten Inschrift zum Ausdruck kommt, findet ma a sonst in jener Zeit nur in Darstellungen ägyprischer Kuns t und entsprechenden Inschriften. % Friedrich, Z im: Inevirable Peace. Harvard University Press Go. Joachim: künftige Gestirnstellungen mit einer sehr beträchtlichen Annäherung — und mehr als, wenn auch wesentlich größere, Annäherungen lassen sich mit keiner Methode erzielen — voraussagen. Trotzdem gelten ihre theoretischen Grundlagen nicht mehr als richtig. Darauf läßt sich antworten, das Wesen der Wissenschaft liege eben in der unaufhörlichen Korrektur der Grundlagen auf Grund einer immer genaueren Verification. Bedeutet dies jedoch nicht nur Tode vergöttlicht 2%, Entsprechend sind auch die sprec hend ist auch das c Verhä ltni s zwischen Elte rn Götter untereinander mehr oder weni ger gleich- und Kinde rn. Alle s in alle en m hand hand elt es sich um den berechtigt, mit nur milden und losen Über- un d Gegensatz zwischen Freiheit und Unfreiheit, zwiUnterordnungen. Kein Gott ist eifersüchtig und dul- schen Genossenschaft und Herrschaft, zwischen det keine anderà en G Ötter neben sich, geschweis: Föder alism us und Zentr alism asm us, zwischen Toleranz denn, daß er sich solcher Unduldsamkei t und Une und Intoleranz — eben jenen Gegensatz, d vertraglichkeit etwa gar auch noch rühmen würde. heute die ganze Mensc hheit spaltet, und zwar be Ganz im Gegen teil herrs cht auch hier ausge sprochene zeichnender Weise (von Europa au s geschen) oleranz; selbst Götter i.fremder7 ja feindlicher wiederum zwischen West und Ost. Stämme werde i n ï bereitwi ig aufgenommen. D In der | bisher igen Welt geschi i chte hat sich d GläubigeNi nicht Gottesknecht, ab sondern Gotte s. Konfl ikt zwisc hen Westl ichke it und Ostlichkeit sters breun . Einem Gott, der seine Schuldigkeit nicht nur auf lok alen, mehr oder weniger eng begrenzten » Kann man sogar die Freundschaft aufkündigen. Schau plätz en abgesp ielt. Heute Die Frau ist dem Mann mehr der zum ersten Mal o weniger gleich- umfaßt er die ga nze Erdob erflä berec che Derechtigt und h , und nicht im Harem eingesperr spalte t die t #, Ent- gesamte Mens chhe it in zwei grofe cinan der feindliche Hi esrlag mmdosd 28 „Es steht bi rlager.er. Heute geht also ein i fundamentaler Unterschied gel: es darum, ob die i ga zwischen tone eas it und orientalischer Menschheit östlich Auffas sung oder des westli König ch werden soll “ob , atürlich mit der verschi edenen Auffassung vom ihre auf die Dauer zwangs} äufige Vereinigung unter N N 8 einer Weltregierung, ong i 8 indog e 8 erman ischem1 Wesen zutief 2 st zu wider, und eb Harns pe oBermanische Staat mit seiner Beschränkung pn nr , ma “durc h die Sippe n- und später die Volksver. umlung s 2 „dem autokratischen System orientalisch en zegen er“. Alfons Nehri ng: Studien zur inde a en Kultur und Urheimar, in: tener Beiträge zur Kulpur geschi chee und Lingui stik, IV, S. ee en e ind thar the Hittite king was nor deified d ring hi begets e only became god’ when he died”: A. G. Gi er rok ins Anuthority and Law in the Ancient Orient ‘Supple. (ass) s al of the Ameri can Oriental Society Ne 17 cs) + Also genau wie später die ‚guten ‘ römischen % In dem grofse großenn Tex Text des Hethiter-Köni Ce 1250 v. Chr.) heißt es: „Und da nahm ni En de en bier, des Priest ers, die Puduhepas, auf G ae der schenkte die Gottheit die Liebe Son eit zur Ehe. Und wir hielten ehelic he Gemein chef, \ und der Primat der Griechen, Von KURT von FRITZ . - er Bestrebungen Der Begi. nn universalwissenschaftlich 1. A Gesellschaften weıten Weltkrieg, der unter dem Namen 5 assis -Philologischer und inwieweit dieie Gri Re: Griechen die i Vater der Wissenser se sin ‚ sollte man eigentlich wissen, was Wissennee Auf dem zweiten internationalen Kongreß un daß die i “ neue Art des Erkenntnisstreb ens zu einem rs großen Teil von Anfang an auf universale Erenntnis gerichtet gewesen ist. ber Wenn im einzelnen gezeigt werden soll, daß 7 . (Dr. phil, Dr. rer, pol. hb, c., Dr. rer. pol. b. c. Alexa nder tow, o. Professor für Wirtschafts- und an der Universitat Heidelberg (emerit Sozialw. iert} Heidelberg, Mënchho fstr. 26) rennen SAR PAWWZ, K. Jeu a ls \ N das Daß die alten Griechen di e n Ah d i e N n der modernen Wissenschaft seien, Ist eine he weit ee verbreitete und wohl auch richtige ae Ann À ahme. Jedenfalls ist kaum zu bezweifeln, ‚ zu der modernen Wissenschaft in ten ; und sechst en Jahrh under ts sv. v ne Chr. iny dasoe mensc ie hage eben nach Erkenntnis etwas Neues hineinpero me gewis sen Beziehung steht. Auch ist offenkundi

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Bestrebung 5en und der P mat der nirgendwo ni md ei Griec Y h n nd fiche nur systematisch, Denn weder das Systematische un a aennenissen ist, as niverselle a als solche sind neu, sondern auch reich gare w il a obwohl und in gewissem Sinn soteil chab hi be er Schaffung des eigentlich Neuen werden, tee nicht zu den Griechen gerechnet irgendwelche Elem ente Gen, früher frü demnachwei sich sich schon . noch ch von e lence eisen lassen. cd rid nach universaler Erkenntnis, d Ni Bi das Streben . a genden Bild sa:mmenhän »& A nachÔ einem zu ild der .Gesamtheit der Welt frü viel älter als die etwas wissen; an Griechen, von denen wir sich in seiner Theorie oat wae der Weltbild zu es : schaffe Nun ist Freilich © und Aspekte des Neuen aufweist, zu d schwierigen Wesensbestim mung des Gege nsta : des wie er sich bis zur Gegenwar t weiterentwickelt har ai, einen Beitrag liefern kö nnen. enrsfand entst a en ist und wie i er sich weit eren twic kelt hat, sondern si auch, indem sie die einzelne n Ele- K. von Fartz: Der Begin n un versalwissenschaftl che in s erweist sich also als notw endi g, ohne feste De inition der Wissenschaft zu begi nnen; und es erhebt ;sich natu:rgemäß die F rage, wie i es mögl g ich ich ist, j von fem Beginn einer Erscheinung und ihrer Entwick : u a ung zu rede n oder gar den Prim at der er Gri Griechen in: scheusammenh wna Hi nadouwei 7 sen, i wenn die i Er| m man di werden kann . Offe nbar nur inder nie gim zeit me dee umkehrt und zusieht, was denn in der Frühz an Griechen sich N eues an Erkenntnism etho at D Erkenntnisweisen gebildet habe, das mit oden und : man h en man nigfaltigen Unterneh; ehmungen, die cute eine feste Definition oder »x ohne haben, Wissenschaft nennt, in Ber dafür zu wid aber eine solche Untersuchung, thee ieee sha ‘ weil sie nicht von ei ‚’rorisches Interesse ha- Objekt ausgeht, ithe na hin genau vorbestimmten ben, indem sie zeigr egebe Bt wo und wie dieser Gegenstand BeSie haer leitung in die Geisteswi Buck 7 Bestimmung das edn auch ohne © om ussang des siebenten entliche Rolle, Es allem tel, deren sich die oger snd wichtige Mityon Staan, den lene Sprachgebrauch on Tobe esriffe, d.h voTkommen bestimmt, im ganzen Denkzus; Griechen vollständi i + ES ist au 2 . i ein Z icht 8 ischen Kolonisten der x siebten Jahrhunderts. achten bis schiedenen Völker wich schon eine SyPtern » weit voran den eh erklärungen der verschaftlichen Bewältigung der Welt werden sollte. ani fand sich in vieler auch insi ht hoch entw icke lt e Ma thematik, die später : wichti Zu einem der r wichtigsten Hiil fsmittel der wissen. B b Mm der Welt in mythologischer Form Bei einig en dieser Völker, allen, auch den A. ° n Völkern fanden sich m ancherlei ziemlich : te Spekulat ionen uüb er die Gesamtheit weit entwickel . . Bei diese am Rando en Ae 5ri finden si nd. Diese lebten nigfaltigkeit von Völkern esied he großen Mandie meisten eine weiter entwick, et war, von denen Me elte Kultur besaßen AUS die Griechen des ach kleinasiari land, sondern bei den erich! Griechischen Mutterdaß di e ersten ufall, a. Daß trotzde i Gri rhalb einer erstaunlich den inne kurzen Zeit sich mbetund . Pr Elementen etwas ganz New ws lesen alteren ne 7 s entwickelt hat,, liliegt nicht zulerzt an ihrer ganz besond j hh anz Desonderen histori torischen ntwickelt worei den Agyptern und Babyloniern entwi dem cle he Tee unerden hang one menschlichen, Tätigkeit den. 8 Be gedacht oder ein Zweis Verbindung in seiner Vollstindigkeit durch sie geregelt wird.“ Auch hier muß ich es mir versagen, alle Teile d de gier Definition d mi im einzelnen zu erörrer be damit mich und n, sehr wesentliche Best I estimmung, er, die am Anfang der Deânit anen est Definie B die Aussage, daß die ei Weenn steht, erwas näher einzugehen. m Situation’. Es daf sich bestimmte Arten vi in Begriffe vollk ommen bestiimmt seien, H bedeuten soll, daß jeweils vollständig bestimmt worden sein mi Anfänge des Neue . nu. ven ändere Begriff geschehen und führe letserding dies nen „nenomen, solche nicht vals docchfthebare vat naan oren Termin! oder von wide Be mathe yurteilenden auf einen zu Belehrenden beren renden oder verbreiteten Se kennenis und thr Verhälenis zu einer Auf g vom Wesen der Wissenschaft habe ich ies S. 32 hi ngewiesen. zitierten Rezension ei Streben nach Das . einer solche nach eben en natürlich in dieser Wei ° Au von Erkenntnis spielt, ohne dem Neuen, das bei den ont zu werden, oe auch et unter vom Aus: Wissenschaft a usgeschlosseneht,wirdprinzipiell von demm Begri Begriff der jedoch wichtig, 8, dadarauf uw sen, daß, wenn man die Behnition in dieser Weise verst: eht, verstehende Erkenntnis B H : wie em Sinne, in seiner Bedeutung Reine oder ein historisches Ereignis Verknüpfungen » da verstehende Erk, enntnis i dieser Ar piemals durch sprachliche oder andere Symbole und teren deutlic Schwieri et ertragen werden kann. h wird Inden che aùSehr in dem schr sorgfsdie lege. Bai a dur i Bapylonier qe . widersprachen einand Pr eas Yonei . . schen Methoden nand er zum Teil. nande Die r abmarimathe und . an de ve , ch illustriert, Theos (non 399) ds dar dene Bree mera ial . weit sich erke ten, angepaßt. Sie unterschieden, soi denen sie 1e didien ch im: Es wäre notwendig, mit ren der Erkeone- , Wa issenschaaft für ür die di Politik ii leisten isten | 114 Seiten al darauf verwendet si sind, genau zu bestiimmen, was Wissenschaft im G égensatzendet zu anderren A „schat . on ne nis e u im voraus he, stimmt werden aes i. beginnen, wenn S us a ist, ’ was bei. den Griechen seinen— Anfang genommen Ni ‘ nnen läßt, nicht zwischen exakten und —— CT dart 1 Vel. . gl. darüber ausführt icher auch Philosophi phia Naturalis 17, Naturals / a S. 377 #. (1954). 3 | LE a | À 4 EN hrgang 14 foar) Teilo und der Primat der Griechen 549 einer überbestimmten Definition erscheint, die ein Q Farrz:. Der Beginn universalwisseuschaftlicher Bestrebungen K-von approximativen Lösungen von Aufgaben, da auf Axiom vertrict®, Der Grund dafür ist wahrscheinlich herausnahmen und nach Belieben der Antwort ist in drei Dingen gelegen. Es ist dem Menschen zunächst natürlich, alles, was sich ‚von Form erhoben und beantwortet worden. Das Neue Die Frage nach dem Ursprung aller Dinge ist fast dem Inhalt, sondern der Form nach das Neue sei. um giiltig oder ausreichend zu sein, und was gegebenenfalls an Stelle des Verifizierens treten kann, wo dieses nicht möglich ist. In der universalen Spekulation des Thales zeigt sich das Neue in einer anderen Form. Der bekannteste Satz des Thales in dieser Hinsicht ist die Behauptung, daß der Ursprung aller Dinge das Wasser sei. Es ist zu fragen, was an dieser Behauptung, nicht auf, welchen Charakter das Verifizieren haben muß, im selben Augenblick tritt auch schon das Problem stimmte historische Situation, das Verifizieren. Aber für exakt hielt. So erscheint gleich am allerersten Anfang des Neuen, hervorgerufen durch eine be- Art wie Thales die Methode beniitzte, nicht mehr der, daß Euklid, der sich der Methode des Beweisens jedem einzelnen Gebiete die Approximarionen für durch Aufeinanderlegen nur noch in drei Fallen und hier mit séhr sorgfaltiger Unterbauung bedient, die das Gebiet, auf dem eine Aufgabe zur Anwendung kam, ausreichend waren. Die Griechen, die sich nie, wie manche andere Völker, gegen das Fremde ängstalles, lich abgeschlossen haben, sondern wißbegierig was von andern zu lernen war, aufzunehmen suchbiet et aa ro traditionellen Angischen Welterkläten, konnten dennoch die . mytholo . a rungen anderer Völker nicht wie diese selbst einfach mehr als einem Volk gläubig annehmen, da sie mit a . in Berührung kamen und die Welterklärungen verschiedener Völker einander widersprachen. Ähnlich mußten sie in Schwierigkeiten geraten, wenn sie von ern entwickelte matheA i d den Babylone anzuwenden Versuchten So waren sie gezwungen dem Ubernommenen gegenüber Kritik zu entwickeln 2. und nach festeren Grundlagen der Erkenntnis zu . suchen. festen Grundlage zeigt sich nun in charakteristischer Weise sogleich bei dem Ionier, mit dem man die Geschichte der griechischen Philosophie zu beginnen selbst bewegt, was wirkt und eine Macht auszuüben und so weit vom Anfang die Rede ist, stehen im wesentlichen auch göttliche Mächte am Anfang. Aber die göttlichen Mächte sehen bei den verschiedenen! scheint, nach Analogie seines eigenen Wesens, also pflegt, bei Thales (ca. 620 bis ca. 550 v. Chr.), aber als lebendig, zu betrachten. Daher wird die Welt mit Göttern und göttlichen Wesen aller Art bevölkert; am deutlichsten nicht in seinen die Welt als Ganzes betreffenden Theorien, sondern auf dem Gebiet der Mathematik, die fiir ihn fiir die Welterklärung im großen noch keine Rolle gespielt zu haben scheint. Es wird ihm nämlich die Beschäftigung mit einer Reihe von mathematischen Lehrsätzen zugeschrieben, Völkern verschieden aus, und es ist schwer, ein Kriterium dafür zu finden, welche Gestalt, wenn irgendine, die richtige ist. Auch bei Thales ist die Vorstellung von dem Wirken götlicher Mächte nicht verschwunden, wenn der Satz, daß alles voll von Göttern sei, den ihm die Überlieferung zuschreibti?, die er auch zu praktischen Zwecken, wie der Bestimmung der Höhe der Pyramiden oder der Bestimmung des Abstandes eines auf See befindlichen Schiffes von der Küste von zwei Punkten am Lande aus, verwendet haben soll. Aber von einem Lehrsatz, dem Lehrsatz nämlich, daß der Durchmesser den werden braucht. Aber wo er einen bestimmten und festen Anfang für alles braucht, da geht er nicht von etwas aus, das bei verschiedenen Völkern versehen muß, dem Wasser. 15 Diogenes Laertius, 1, 1, 27. 33° — . % Euclid, Elem. 1, def. 17; über das Problem selbst vel. ausführlicher Archiv für Begriffsgeschichte 4, S. 77 ff. sowie ibid. ZV, S. 58. und 68 #. Das zweite ist nicht so offenbar, aber, wie mir wie dem auch sei, das Interessante ist, daß dieser dabei der Methode des Aufeinanderlegens der beiden wirklich von ihm stammt, was nicht bezweifelt zu guten Überlieferung? gesagt, daß er ihn bewiesen habe. Gewisse Anzeichen führen darauf, daß er sich kann und im wesentlichen jeder in gleicher Weise Kreis in zwei gleiche Teile teile, wird in einer sehr Hälften bediente, die er dann wahrscheinlich durch weitere Betrachtungen zu stürzen versuchte". Aber — Satz von späteren Mathematikern nicht mehr als Visba Dr d enten vielmehr in der Form bewe betrs achtElem et wur de und daß er infolgevon grundlegender Bedeutung, nicht nur für scheint, Thales, sondern für vieles, das folgt. Bei den meisten älteren Welterklärungen ist der Anfang in eigentiimlicher Weise unbestimmt. Irgendwann entsteht etwas. So heißt es bei Hesiod: zuerst wurde 20 ff. 5 Plutarch, Septem Sap. Conv. 2, 147 A, p. 301, Wegehaupt. © Endem von Rhodos bei Proklos in Euclid, Elem. p. 352, : Er f. Friedlein. 14 . 7 Ibid, p. 157, 10f. , 4 Vel. Th. Heath, A History of Greek Mathematics 1, p.

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Chaos (was sondern salva aber, wie sich hier zeigt, keine Griechen Studium Generale venia math angeborene Eigenematicorum auch im Vergleich zu seine r Behandlung in neuesten Gebieten der Mathematik, wo die sich aus der Behandlung des Unen dlic hen erge benden Schwierigkeiten zwar durch besondere Rege ln und Kunstgriffe ausgeschaltet, aber nicht von innen her überwunden werden. Dieser griechische Finitismus ist tesimalrechnung, K.von Frivz: Der Beginn universalwis senschaflicher Bestrebungen und der Primat der das Chaos, dann die Erde, die zuglei ch eine Gottheit ist, und Eros, usw. Zudem ist in diesem Fall das Kluft) ein nicht ein unbestimmtes Durcheinander bedeutet, sondern einen Abgrund, eine ist, eigentümliches Mittelding zwischen einem Seienden gesagt. daß es von und einem Nichts. Woher das erste gekommen darf man nicht weiter fragen. Aber auch Ewigkeit her bestanden habe, wird nicht schaft der griechischen Seele gewes en, da er bei Hesiod fehlt, sond ern er hat sich als ein Aspekt des Strebens nach dem Exakten von Thales an entDas dritte ist, daß Thales für seine These Gründe angegeben zu haben scheint, wenn auch, was späte Bei seinen unmit re Schriftstell er darü ber im einze lnen zu berichten wissen, wahrscheinlich nur Erweiter ungen von Vermutungen des Aristoteles sind’, telbaren Nachfolgern jedenfalls kann an der Begründung allgemeiner Lehren und Schlü sse aus Beobachtungen kein Zwei fel sein; und bei der Ähnlichkeit der Fragestellungen ist es zum mindeste n sehr wahrt den Anfang gescheinlich, daß schon Thales dami macht hat, wenn auch das einzelne sich nicht mehr mit Siche rheit nach weis en lift. Anaximander von Mile: (ca. 61 — 0 ca. 545) hat bekanntlich das Wasser als Urgegebenh eit, aus der alles hervorgegangen ist, durch das Gzeigov ersetzt, was bei ihm sowo hl das in sich völli g Unbes timmte wie das Unen dlic he zu bede uten scheint. Das mag auf den ersten Blick als Abwei chung von dem bei Thale s beobachteten Fin itismus erscheinen, da ausdrücklich ein Unbestimmtes und Unendliche s als Urwe sen anges erzt wird. Aber ein wesentlicher Zug bleibt doch gewahrt: Das Apeiron ist immer und ewig;® man kann nicht frage n, was noch weiter davo r gewe sen sei. Auch werd en sich bei Anaximander noch weitere und sogar ersta unliche Z üge des | | À 12/13. “Vel. die Zusammenstellung der Überlieferung bei Diels/ Kranz, Vorsokratik er I, 11 gesagt, alles sei aus dem Wasser hervorgegangen, finden sich bei Anax iman der aus dem Apeiron. Nach Während von Thales nur überliefert ist, er habe einzugehen. Finitismus finden. Doch ist es n Stig, zuvor noch auf andere Aspekte seiner Welterklär ung * die Entstehung der , Welt“16 genauere Angaben über Von Thales wird freilich auch nicht ausdr ücklich berichtet, daß er gesag t habe, das Wasse r selbst als der Ursprung aller Dinge habe von Ewigk eit her bestanden: aber es scheint sich aus der Art seiner Erklärung zu ergeb en; und daß in dieser Zeit in dieser Hinsicht ein Umschwung im griech ischen Denken eingetreten ist, wird nicht nur dadurch bewiesen, daß von späte ren Philo sophe n" ausdr ücklich berichtet wird, sie hätten die Ewigkeit der Welt!? angenommen, sondern auch dadurch auf das schlagendste illustriert, daß der um die Mirte des fünften Jahrh underts, also zu der Zeit, als Thale s ein wurde ...“, sonalter Mann war, lebende Mythograph Pherekydes von Syros, seine mythische Weltgeschichte nicht mehr wie Hesiod anfängt: „Am Anfang dern: „Zeus und Chronos und Chthonie (die Erde) waren immer #*, Es mag vielleicht parad ox erscheinen, diese Neuer ung als Finit ismus zu bezeichnen, da ja durch sie die als immer seiend und gewesen aufgefaßten Gegeb enhei ten zu zeitli ch un endlichen gemacht werde n. Aber in Wirk lich keit verschwindet dadurch die Unbestimmtheit der zeitl ichen Unen dlichkeit, die darin gelegen ist, daß vor allem immer noch etwas, und sei es auch ein Nich ts oder ein Zwitter zwis chen Sein und Nicht s, davo r gewesen sein kann. Durch die Annahme, daß diese s Wasser, das wir sehen und kennen, immer so, wie es jetzt ist, sozusagen in ‘dagewesen ist, verliert d as Ganze seinen Unendlichkeitscharakter und bek,ommt man es die Hand. Dieser Finitismus, der sich hier sogle ich am Anfang geltend macht und den Spengler als einen Wesensz ug der griec hischen Seele erklärt hat, nimmt im Verlauf . der Entwi k cklung sehrmYverschiedene Formen rnen Infini- . an, spielt aber in der Folge zeit eine außerordentliche Rolle und kommt auch dari n zum Ausdruck, daß das Unendliche, wo es in der Mathematik vorkommt, von den Griec hen imme r mit einer vorbildlichen Saube rkeit behan delt word en ist, nicht nur, wie allgemein bekannt ist, im Vergleich zu seiner Behandlung in den Anfängen der mode 4 So schon Anaximander; vgl. unten p.551 ff. kid ander freilich unterschied das Apeiron von den „Welten“, die aus ihm auftau chen und wieder in es zurückvergänglich, aber das erstere wurde von ihm ausdrücklich als ewig bezeidinet. 1 Diog. Laert. I, 11, 6, 119. % Vel. vor allem Aristoteles, Physik II, 4, 203 b, 13 f. Daß A ristoteles hier nicht die ihm geläuf igen Ausdr ücke dyévnrov und d@pdagrov, sondern éféva rov und à vÓkedeov gebraucht, beweist wohl, d: iB er sich unmitt elbar a uf einen Text bezieht. Da es hier r nur indirekte Uberlic ferung gibt, ligt sich nicht mit unbed r Sicherh eit feststel le n, ob Anaximander für das, was „Welt“ im engeren Sinne nennen, die Bezeichnung véguvés oder Kosmo s gebraucht har. (Zur Frage vgl. die noch unveröffendl ichte Habilitationsschrift von J. Kerschensteiner über Kosmos.) Aber er den Sinn seiner Lehre kann kein Zweifel bestehen. = : hrgang 14 Zeo (1961) wörtlich zitierte Satz: „Woran ar ange rscheiden, die 7 P: Timat der n Grieche i P} 5 1 ter Menschen und menschenartigen | être: hehe pflegt. Denn ihre Buße pese > darin, ältesten iechi den gegensa griechischen p ï p ine, al Philosophen traditionell als i den Lehrbiichern der Geschichte der Ibst aufgeben. i n de in Weis eine Zwischenstellung zwische Lebendigem und nicht Lebendigem ein. das was > as Aber noch in einer anderen Hinsicht ist a Anaximander sagt, außerordentlich inter an een Zurückkchren und also zur Wiederherstelung der Gerechtigkeit nicht aur a ds se ezen, wieder in kämpfen begonnen und so die we re ne daß sie, die aus dem Mutterschoß es Alls ervan oe gegangen sind und als Gegensieze mn D i de denen dies ausgesagt wird, durchaus n ; , vie d göttlichen Wesen etwa Hesio s, als me ö endlich oder gar menschen” oder tergetalge ander Wesen gedacht. Auch ist ie Art, wie s Bue tun, völlig verschieden von derjenigen, In des on den. Auf der anderen See sind de Dingea schen oder menschenähnlichen Wesen susagen rar tiaw ddóvar „Gerechtigkeit geben ‚d ee & rechten Zustand durch Geben ner Pars ng mg 5 wiederherstellen und „Buße zahlen Te tewbhalichen Umgangssprache und der mense lichen Sphäre entnommen. Es wird also von den „Dingen“ etwas ausgesagt, was wir nur vi Men Anaximander selbst wie auch der folgenden Tat wicklung sehr viel darauf an, genau zu verst hen, 5 was er hier sagt. Die Ausdrücke dan on Es kommt aber fiir das Verständnis sowohl des er Bestre 5 nu Di d d ue str bunge universalw ssenschaftlich K. von Fritz: Der B eginn 51 aus dem ch m eferung!” habe sich einer indirekten Überliief chzuApeiron ï igen“, das wohl mit dem a setzen ee ist, ise cin » Kaltes und Heißes Erzeugendes en wie ‘ e die Erde umgebende Luft herumgewachs geschieden, daraus sei eine Flammensphäre um de ; a liche der Anfangg der i nde um einen B aum. Das seii der in der wir leben. Und dann “ x 0 | Wer sich der erstaunliiche wörtlı aus!® die Dinge ihre Entstehung haben, cabin mis: i en gemäß der À o n sie auch wieder vergeh u . . ° Entschädigung nd k it.1® Denn sie geben einander id «2 rT der anders geschrieben und die Dinge 0 Dieses xeinzig 5 Buße gemäß der Ordnung der Zeit. . tras me wörtlich erhaltene Fragment zeigt, daß I e: chen hat, als man aus den indirekten Bericht i was er sa:= a 1 ophie erkennen kann, die, : eine Philos weise ; die Terminologie und Betrachtungs in späteren Zeit umgesetzt haben. | . | 7 Vel, Diels/Kranz 1,12 A 10. " Me riechischon Text steht das Nemum Plucalis, also: . .". Char! „aus welden ee hervorggeht, in diese.. rigins of Greek Cosin seinem Buche „Anaxi and ff.)the hat © aus rk mander„166 u : mology" Nn Faß nie woraus die Dinge enn ziehen za mnebt EA zurückkehren, nicht das Apeiron en ; 5 sehen ae El mente. Das Apciron habe mt dem ne Untere sondern die un Aber damit wird wohl eine subelers Schot del ches ein geführt als Anaximander gemacht rae Twit: scheidung s Wort Elemente (orauxeta) nicht nur in dem nder nicht vor, sondern kann bei fe erst nie cher =, in, da es nachwe . überhaupt nit voren Fe. Deon kann man zwar in Sn else ZW: zen ib i len er in De Die ie ater die seiner dem samit Apeiron, aus ele Materie x Arı das schon | | checceter hats ferner da dE ge Aber Stoffarti daß dieses scheint. zu sein Weise belebt z 8 : 8, : : berte en NE art eine Scheidu ner i. in eidung zwicheidung lamitBue , eis a irgendei Ars am Anfang 5 das Wasser,> bald : steht, bei 1 Thales ht, Luft, s i un enes später die one “ j 1 72 tig beobachtet, scellung eine alle in irgendeine belebten Materie ausgegangen seien. Para ie ich walt bei thnen überall ein Stoffartig , en, ing einesie beden soll, as bedeuten ylozoi smusbereid t, was bezeichne Hylozoi das dem cher erwähnten Dinge beziehen, sondern ern ends gie Aber wie Kahn selbst hervorampf sind, Kampf mit ung 7de enniden. seine Interpretation richtig wire, as M Subjekt „sie“ in ja ausdrücklich bezeust, daf reien die Analogie, daß alles ie ge c Ta sh r vorSans aber einem antiken Leser Das wäre unmittelba auf die auf das „aus welchen “fallen als einem modernen. Ferner ist imander alles aus dem Apeikaum weniger schwergefal eit ma Schwierigker ließ. So ron . entstehen kei Derer Plural kannkann keine m n Satzierigkeit kan handelt, etma allgemeine je dahin zurückkehr fre. t. Der Plural das Apel . sich erstens um einen allg | thm alle in ER ihre Teileist,sil chen,- da Welten ne nz nach der als Potenz er und luralität Schwierigkeit machen, da ie k ron insofern eine P enthalten. ist. Ebe ;ander Buße, und nicht idem Dion e nsowenig nschließt, braucht gesagt wird, die Dinge zahlen ileen | ier keine “leicht genau gensätze, au | en fr mesweise werden Gen“ wie eh, entsteht, 8 m d Die Ge zum indo s denen die „Welt“ Laf ae wasser oder Lu: bezeichnet, nen als da | net, sondern als £ s Heife Mibe und das Kalte; und das läßt si ka bei äihm nicht mit den Namen von „ ergibt, ist die Beschreil si tragungsw ied die t hineinge undderBelebthei Stoffvon schen n Berracht ich erst moderne “aus Sines begangen werden gkeit begangen es keine Ungerechti Apeiron,weilDas Apeiron, gegen schrie ake all ie Gegensätze, aus denen 1 Da an, entstchen, einander, 8 1 können dafür Buße tun, und sein r, zunur miteinande de einander enone “aden each, fhören. Das aber wiederum kimpfen anfangen. Sie k ij Ap i ibt, ander nicht au überhauptbung. ‘Anaxim das indem sie augleich zu aufhören, Gegensätze zu sein, was in ensdes Ungeschiedenden Zustand sie nur, indem sie können Sonn ie inaufhöre s zurückkehren: ins tore was sein muß. dem,Aperen, gemäß sot 1 Wörtlich: © cigenwillig geformte Aus- 5 leicht ganz indem Ausdrücke griechischen Di grie 20 Die 2 A an erreicht sind das nicht Ziel kaum, man zu übersetzen. A den „Holzwes Gin dis al) im nändnis oder Umdeutung der Gr cache, ies : ‘ à s im wesentlich 4 n n Ausdrücke die griechische e; und entstamme zwar werangssprach sn dde einsetzt, dean rücke cetera, zahlen“ erung Ursprun direkten seinen Überlief abtun, g aller Dinge mit Anaximander „Buße K rücke N de j Seas ba ans Ha und claw dra: en synonym gebraucht. hai ‘and erechtig os coegebe

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K. von Frrrz: Der Beginn universal wissenschaflicher Bestr ebungen und der Primat der Griechen einem substantivierten Adje ktiv der wirken best Studium wirkenden Kraft emotionalen Vereicht am behkeit gefaßt wird, * Obwohl in der indirekten Überlieferung über Anaximan der öfter das Wort Kosmos vorkommt, scheint es doch, daß Anaximander für das, was wir in dem oben genauer bestimmten Sinn „Welt“ nennen würde n, den A usdruck obgavés gebraucht har. Vgl. die (noch unged ruckte) Habilirationsschrift von Jula Kerschensteiner über die Geschichte des Kosmosbegriffes in der Antike. —__ nis von Endlichkeit und Unendlic r, wie das Verhältmerkenswertesten daran ist wiede gehen der „Welt“? zu erklären. Viell Anaximander die Entstehung, das Werden und ebenheiten sucht gewendet werden können. Aus diesen so gefaßten Grundgeg des Buße Gebens, wenn auch in einer von der menschlichen verschiedenen Absc hattung, auf sie anser Ungeschiedenheit ihrer Aspe kte aber erscheinen die Urgegebenenheite n dem Mens chen noch so nahe, noch so verwandt, daß selbst solch e Begriffe wie die r diesem, bald unter jenem Aspe kt enthüllt. Eben in die- Qualitäten, die doch auch nicht ganz zufällig und auf Grund einer willkürl iche n „Übe rtragung“ und als ,Metaphern* denselben Nam en tragen. Vielmehr ist es für Anax iman der jewei ls offenbar mehr oder minder dasselbe, das sich bald mehr unte hat, oder endlich die physisch en und etwas von dem Charakter einer immt, aber insofern sie wirkt und affiziert, auch pekt der Qualität , die ja auch den Stof f als diesen bestimmten von anderen Stoffen vers chiedenen Stoff seine verschiedenen Aspe kte ause inandergelegt, wie etwa in seinen stofflichen Aspe kt des passiven Gegens tand es, den Aspe kt der auf den Menschen, aber auch auf andere Dinge, wirk enden Kraft, den Asum?! bezeichnet hat, tionalen Qual ität en nicht bezweifelt werden kann herge leite t ist, zeigt, daß die , und da nicht einzuPhys isch en Qual ität sehen ist, warum die antiken en des Heiß en und Kalten als Doxographen, die bei mit den emotionalen Thal Qual es ität und en, die mit den gleiAnax imen es von Wasser und Luft reden, chen Namen bezeichner werd nicht auch bei Anaximander von en, identisch betrachter stofflichen Urgege- wurd en; und wen n benheiten geredet haben sollten, sich auch nicht strikte beweisen wenn bei ihm selbst läßt, daß dies schon von auf solch Anax en die imander zurückgeht, Rede gewe sen war, so ist dies doch äußerst wahr scheinlich, da es höchst Was bei Anaximander in dies er Weis selt e sam durc wäre h die , wen n dies e Nichtunterscheidung der Neütra von Adjektiven bezeichn et wird, hat nun physischen und emot iona len Qual ität aber überhaupt die verschiedens en, deren Sputen Aspekte. Wen ren spater deut n lich nach zuwe isen sind, gerade bei in dem Bericht über die Entstehu ng der ihm, „Wel der t“ die aus Ding e wie mens chli che Wesen aneinandem Urgegensatz des Heißen und Kalten das Heiße der Buße tun läßt für ihre Unge rechtigkeit, nicht zu unmittelbar darauf mit der Fla mme gleichgese finden gewe tzt sen zu sein sollt e. werden scheint, welche die die Erde umge Dara bend us e Luft läßt sich nun auch der Grundcharakter der wie die Rinde einen Baum „umw ächst“, so scheint Weltauffassung des Anax iman der genauer bestim„das Heiße“ doch auch einen stoff lichen Aspekt men. Wie zu bei Thal es sind die Gestalt gewordenen haben oder geradezu etwas Stoff liches zu sein; und göttlichen Mächte, die bei verschiedenen Völkern ja man mag fragen, ob und wie weit „das Kalte“ eben- überall eben auch in vers chie denen Gestalten erscheifalls mit etwas Stofflichem wie etwa der Luft oder nen, verschwunden, Was am Anfang und auf dem der Erde gleichgeserzt werden kann , ohne Grun aus de der des Sein s ersch eint, ist etwas allen Menschen, unvollständigen Überlieferung eine ganz klare Ant- gleich welcher Herk unft , unmi ttelbar in gleicher wort auf diese Frage entnehmen zu können. Auf der Weise Erfa hrba res. Aber dies für alle Menschen in andern Seit e sind das Heiß e und das Kalte gewiß gleicher Weise Erfahrbare ist nicht analytisch in nicht inerte Materie, sondern ersc heinen in gewisser Weise als Kräfte, die aufeinan in der Darstelund miteinander im Kampfe liegen, wie aus den Einzelheiten .der Entstehung der Gest irne lung des Anaximander® , auf die hier nicht im einzelnen eingegan gen werd en kann , noch deutlicher hervorgeht. Sie sind aber auch nicht nur zugl eich etwas Stoffliches und Kräfte, sondern, wie ihre Bezeichnung unmittelbar besa gt, auch das, was wir etwa phys isch e Qual ität en nenn en können. Damit nicht genug. Die spätere Entwickl ung, vor allem der Lehre, daß Gleiches nur durch Gleiches erka nnt oder wahrgenommen werde®, die offe nbar von den emo# Die Substanti ierung von Adjektiven mit Hilfe des beStimmten Artikels trite bei den Griechen schon sehr früh auf, Sie ist in gewisser Weise, wenn auch noch nicht wie bei Anaxi mander in der Form des Neut rum Singularis, schon bei Home r und Hesiod vorge bilde r und, was uns seltsam ersch einen mag, im Griechischen älter als der generische Gebrauch des bestimmten Artikels mit Subst antiven („der Löwe“ nicht als Bezeich nung eines besti mmten Löwe n, sonde rn der Spezi es, wie in dem Satz: der Löwe ist ein Raubticr). Die einzelnen Phase n der Entwicklung dieses Sprac hgebrauchs können hier nicht erÖrtert werden (vgl. darüber B. Snell, Die Entdeckung des Geistes, 2. Aufl, 1948, S. 218). Der homerisch-hesio dische Sprachgebrauch hat es Anax iman der zweif ellos erleic htert oder überhaupt erst ermöglicht, solche Begriffe wie „das Unendliche “, „das Heiße“ etc. zu bilden . Aber daß diese Bildungen bei ihm, wie es schein t, zuers t auftr eten, ist doch wiederum offenbar dadurch bedingt, daß ihm die Grundgegebenheiten der Welt eben in einer Form ersch ienen Qualität in gewisser Weise unges , in denen Stoff, Kraft und chieden beieinander lagen. = Vgl, Diels/ Kranz, Vorsok ratike r 12 A 11, 4, B Vgl. darüber eingehender K. v. F ritz, Democritus’ Theor y of Vision in Science, Medicine and of Charles Singer, p. 88 ff., Oxfo History, Essays in Honour rd 1953. hrgang 14 A0 (1951) 2 universalwissenschaftlicher Bestrebungen und de r j Primat der Gri echen ITZ: Der Der Beginn K. von Fritz: u 553 : . Existen : ; ander auch ipoden anz von Antipo Anaxim é ieauf der uns entgegen geserzten das früher da . . darie besondere Art von Finitismus, die sich und ergibt. we Wiie aus Oberfläc che de der Erde lebten, 23so kann dies nurlativiert bedeuich daraus erhoben und . initismu er als dieser Finitism ' s in vi versucht m . . und en Stoff-Kraft-Qu f-Qualitäten WS an dere aus dem Kampf der zuerst entstan tr itei denen miteina nder und a us ihrer Wirkung aufeinander zu À i s t tedoch nan ders interess ant ist jedoch sei seine Ererkläre n. Beson a besonng der Lebewes klärung en un der der Entstehu Ents 8 ‘ ders Th hier wie der neue Prinzipien ders des des Menschen, weil treten. Daß ünd: der Theorie Blitz, und ee . eorologis islauf der Jahresze . iten, die met Kreis Winde. Donner und A Wolken, Regen, Winde, e, die ei En chune | ktur ir der leben, Welt, die Ents in der wir leben, Struktu ’ irklichen und denr scheinbaren Umlauf der oder in wirklich Standender Sonne 1im Gestirne, die Änderungen im Sta chend Anaximander worauf sie sich stützt o fd Iles bezogen ist, so da punkt,saut auf den aendliches Weiterf . ragen geben ben kann ; auf sie kein unendliche ee ach ieht??, te für ihn offenbar die Richtung sieht®’, bedeute bedeute ich im Raum ich unten nicht um, mehr eine absolute Richtun dern g im die Richie sich ins Unendliche fortsetzt , sondern die sich ins Unen te Rich di ch : R unkt zu, tung nach dem dem Mittelp die Ri tung na er D + ie Richtung von dem Mittelpu nkt t weg. | Das weg. obeni die Ri ilich bleibt B Hen Seiten. unendli.ch nach allen Apeiron freilid . itrelP jede jede in in i: ihm entstehende Welt Aber À I hat dafihren es inMitte bezug hat. opm Erde als ganzes als Säulens tumpf anhalt und die Erde a te Richtung nach i Beard iffe oben ten, daf er die oren»und desunten Erde rela für eben . erörtert à e wörtlich lite er erhalnicht i Wiederunter- : tene Fragme nt seiner chrift zeigt, wollte . N alt bis zum gegenwärtigen . noch in gewisser 50 nur das Werden en, er sondern auch 4 Augenblick erklären, ie di bestimm bis zum Weise die Zukunft : en ird das Ganze zu m Apeiron . So wir tauchen der. Welt iim dlichen System. . ielich in sich geschlossenen endli Y einem zeitlich in sich 8 iden Seiten umis i i f Dies endliche Systerm . ist nach i beiden Aber auch die schlossen von dem ewigen Apeiron. Apeiron : wird Unbestimmtheit i desdes Anfangs aus dem ch dieAp Annahme i e überwu Ui i in gewisser ie Annahm:ist nden Weise dur ; i n der wir leben, : : Diese Welt, in der w > der . Wiederh se olung: ieDi sich aus dem Apeiron iron erhoben und in das Apart nicht hat die einzige, ae M zurückkehren wird, sondern unzählige were ee he 5 Aber ihre Entsteh sind dahin ungen i zurückgekehrt ehrt”. daß . . änei einander, so daß m man immer sinc nd nicht abhängi g könnte: von was war davor? sondern ; jede weiter fragen könnte: llen anderen. Nur durch die 5 Snot eren. ist unabhän 7 gig von allen ist gewisserma; Wiederh n ist 8 olung der Weltwerdunge 8 . alle. + Ren die Ewigkeit der unendlichen Zeit ausgefül . bezug maufie i Zeit Zee die ist der Finitismus des ande Anaxim im Kk ie Stellung der Erde 1 Raum. der in bezug auf die wurde woh! auch ch der In den dei Versuch alten Mythen was d denn unter gemacht, die Frage ie Frag zu beantworten, ieß es dann wohl, die i i Indern hieß es der Erde ist. Bei den Elefanten, der Elefant auf Erde ruhe auf einem 7 i" x einer LotosLex ie Schildkr öte auf f ein ciner Schildkr öte, die ht, darf man . N ie, daß mit Schalen bedeckte Seetier die Theorie, daß m Schalen panzers zu Landtie ren g ewor_Ablegu ng des Schalenp i ° . id ien®, Interessanter jedo jedoch ist seine Theorie den seien”, 2 cine h ung der Menschen, den er durchun der Entsteh i n oder, Art Mutatio der, wie man früher sagte, lebendige generatiio o in heterog utero eneo von dem lebendig neige ärenden, der Familie der Ceraceen ang Junge gebärenden, M leus levis ung hörigen, sogenan glatten Hai oder galeus uführen sein, des Thales zurückz Daß er er: u im die Wasser Lebewesen durch ch generatio spontanea im Wa n gene 1 © Theorie ief, mag mag wie ähnliche spätere The entstehen ließ, then, | ebenso einfach auf ungen auer Beobachtung beruhen,re€ nach Lebew n zutage der Begründungin ItentstePhasen der Welten er dem Wasser in den frühen en! inräumte N rs wichtig en Platz cinr: hung einen besonde beso © ie Lebewesen zuerst im Wasser entstehen Un und auch die ; ilweise auf den Einfluß der der Theorien lief, mag teilwe ! die ersten i iter fragen, In Hesiods Theogonie nicht weiter i ume ruht, blume. Aber worauf die Lotosbl : je ist unter- Erde ein Abgrundd, den zu halb der Wurzel , n der hinunte rwürfe, durchfliegen ein Ambof, bof, den man hinun ürde?®. Am neun Tage und neun Nächte brauche . . iegt n derwii Tartaros das Wasser erstrecke sich bis in die anderen Ende des Abgrundes istliegt : , darfder man nicht Tartaros ist, darf m Aber was unter dem i berichtet i habe anles wird , erschwimm fragen. Noch von Tha e; i Erde auf dem Wasser asserï schwimme; genommen, daß die … hen die Frage zu ; und die modern mn en Erklärer suchen “ wesen sei, beantworten, ob Tha les| deris Meinun in ge die gUnendli i chkeit ),oderob . Richtung nach unten), (aber doch nur in der . R oder einen leeren Raum Wasser ruht, angenomer unterhalb des ous Mi N genau ist. len die Rede wäre, würde man a sich unter Steinen verie i chale abwerfen und sich Le. die indirekte Überlieferung rie eed + eeh wieweit nten etwas anderes, auf 7 ne de: m . das ” . be. Aber die antike Überlieferung gibt kei men habe. i Anaximander in dem z. T. vermutlich wörtlichen So ausdrücklich 27 dage$ B5; Antwort auf indirekten Überlieferung diese Fragen. Bei Ar ßFragment Diels!Kranz 12 B53 inin der de die ist diese diese Frage chende und gro gen ist von einem zylinderartigen Körper di Rede, 3 eine Umserzung Frage aauf uf eine überras he auf nichts, weilist in spätere Terminolo gie. artige derWeise artig gelöst. Mitte . . liegeDie undErde von ruhe allen Seiten gleichen % Vgl. Diels/Kranz 12 A23 5 f. N H stachligen Scha2 Diels/Kranz 12A 30. Wenn niche von sae Eee been der 1 i af Abstand habe. Da zugleich auch berichte t wird, d sie in À 9 und 15 und C. H. Kahn, a.a.0., gl. Diels/Kranz 12 % Hesiod, Theogonic 724/25.

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Hekataios von Milet™ für den enge ren Kreis des Menschlichen zu ergänzen unte rnom men, indem er einerseits ein genaueres Bild der von Menschen bewohn en K.von Frrrz: Der Beginn univer salwissenschaflicher Bestrebungen und der Primat der Griech abstammen ließ®. Die Begr ündu ng dieser Theorie lautet in der indirekten Oberliefer ung®, der Mensch müsse ursprünglich aus einer ande ren Tiergattung hervorgegangen sein, da die ande ren Lebewesen in nun für die Verbesserung dieser Karte des Anax iman der entn ahm Hekataios teilweise den gera de dama ls aufkommenden Küst enbe schr eibu ngen für die prak tischen Zwecke der Seefahrer. Das entsprechend e Material für das wesen waren. Das Material einen südlichen, Asie n, getei lt, dere n Bezeichnungen ihm schon durch ältere Überlieferun gen gegeben gezwei Kontinente, einen nördlich en, Europa, und da er die Erde selbst als Säul enst umpf ansah, aber zum Teil wohl auch im Anschluß an ältere orientalische Vorstellungen, als eine krei srunde Scheibe betrachtete. Er hatte scho n eine Art von Erdkarte zu zeichnen versucht" und die gesa mte Erdoberfläche ten Erdoberfläche, andererseits der schnell imstande seien, sich selbs Geschichte t zu erhalten, der der Menschen herauszuar Mens beite ch n aber versu einer chte, Dies hat länge ren, -Amm enwa rtung® (ôf zu neuen höchs t inter mais) bedürfe. Das ist in essan ten Prob lemen der »Wis~ diese r For mka um verst änd_ senschaftlichen“ Behandlung des lich, läßt sich aber wohl erk:ä Gegenstandes geren, wenn man cine führt. ande re Über lief erun g dazu nimm t, nach welcher Schon Anax iman der hatt e versucht, ein Bild von der Gesamtheit der Erdoberf läche zu geben, die er, von denen der erste Anaximander die ersten Mens chen ine ntwickelterem Zustand der Reife als die mensc hli chen Säuglinge von eine m fisch ähnli chen Wese n geboren werden ließ. Man muß dann wohl die zuerst angeführte Version als eine bis zur Verd unke lung gekürzte Wiedergabe der ursprünglichen Theo rie betrachten und diese in zwei Teile zerlegen, implizierte, daß größ ere Tier e nicht durch generatio spontanea, sondern durch Muta tion aus anderen Lebewesen zuerst entstehen, der zweite aber besagte, daß der Mens ch bei seine r erste n Entstehung durch Muta tion aus eine m Seeti er in reiferem Zustand geboren worden sein müss e, als dies bei den von Menschen geborenen Säuglingen der Fall ist, da er suchte er weitgehend durch eigene Reisen in Persien und Ägypten zu gewinnen? Dabei erga b sich jedoch das Problem der richt igen Anor dnun g der in den Beschreibungen gefundenen und selbs t besuchten Ortlichkeiten auf einer zweidimensio nalen Fläche, wofür reine Distanzbestimmungen, wie sie in den Was Anaximandmit er seiner BeschreibungderStruk tur und wir leben, im Großen unternom en He ar s be“Emmen, daß er zu der Zeit des tonischen Aufstandes (500 v. Chr.) ein Mana von sroß em Ansehen gewesen ist, Ein unmittelbarer Schüler des Anax imander kann er kaum mehr ge. Wesen sein, aber daß er an ihn ankni ipfee, ise offenbar und rd auch in der antik en Liter atur schon mehrfach bemer kt (el. Jacoby, FGrH 1 T 11/12 ), " Diels/Kranz 12 À 6. B Über die bezeusten, die mit Sicherheit zu erschließenden lichkeit auf geographischen Werkes zu Vermu Grund der Fragmente seines tenden Reisen des Hekatatr vgl. die ausgezeichneten Ausfü hrungen von F. Jacoby Pauly-Wissowa, Realenzyklopaed ie VIL, 2689 ff. _™ Die Lebenszeie des Hekataio s läßt sich nur darau Men sollten, voneinander getr ennt wurden. Ferner Küstenbeschreibungen enthalte n waren oder auf eige nen Reis en vorg enom men werden konnten, naturgemäß nicht ausreichten. Hier half sich Hekataios damit, daß er die {immer noch als kreisrund betra ende Inland der Entstehung aus einer Ceta cee ließe sich dann leicht daraus erklä ren, daß diese Tier e einen Beutel besitzen, in welc hen die Jung en noch längere Zeit nach ihrer Geburt wieder zurückzu kehren pflegen, bis sie fast ausgewachsen sind. Es handelt sich dann also bei der Theorie um die Lösung eines auf von der Küste entfernter lieg halten können) mit Hilfe einer freil ich unvo llkommenen, aber doch eine n bewu ßten Umbl ick erfordernden Beob acht ung. Auch das ist eine neue Form der Behandlung eines in gewisser Weise „wissenschaftlichen“ Problems. chtete) Erdoberfläche in vier Quadrant en einteilte, die in der West-Ost-Richtung durch das Mittelmeer, Hellespont und Schw arze s Meer sowi e den aus dem Kaukasus komm ende n Fluß Riom , der als mit dem in Verbin dun g steh end gedacht wurde, dlic in her nord Rich -sü tung durc h die Donau und den Nil, die ebenfalls aus dem Weltmeer kom sonst hilflos zugrunde gegangen wäre. Die Theorie der Entstehu ngsg esch icht e der Welt, in der men h atte, hat dann beschrieb er einzelne Teile der Erdo berfläche als geometrische Fig uren, Skythien als ein Quadrat, Klein- Grund einer umfassenderen Theorie über die Entstehung der Lebewesen entstandenen spezi ellen Problems (wie sich die ersten Mens chen , die noch keine Eltern oder "sonstige Wärter ihrer eigenen Art hatten, hatten er- % Pluta rch, Symp . VIII, 8, 4, 730 E. C. H. Kahn, a. a. O. P-70 bezweifelt die Anga be des Plutarch über die Abstamparole ape om sie für “le Censorin, in welchen nur von der Abstammung von einem fschähaliehen Wesen die Rede ise Aber gerade die Andabe über den glarten Hai erklä rt, wie Weiter unten gen 5 sonst schwe r verst ändli che Theorie des dns Auch nchmen die Ceraczen wirkl ich in gewisser Weise eine Mitte]. stellung zwischen Fischen und Säugetieren so daß, was Censorin über cin fischartiges Wese n sagt, nicht mir Kahn als Unsic herhe it da er, welche Ticrgattung Anaximan der im Sinn gehabr habe, gedeuter zu werden braucht, 3 Diel/Kranz 12 A 10. . ® Diels/Kranz 12 A 30. IS hıgang (1961) AT 555 oo asien und Nordafrika doch vels vollsändig, sels man von derr Griechen im de Primat ad der und 3 chaftli her Bestrebungen wissens:chaftlic Begtan universatwissens : Fritz: Der Beginn K ‚von : eftigen Protest erl hoben gegen der da si mige r der esErdober Struktu g lichen darüberlosgelös Netz fläche geschaffen Irclich gelegt werden. über N i . ht, wenn die überin ähnliches Problem entsteht, heit . Ein ähn zu bestimmen imstande sind, völlig von der tatseh Breitengraden geschaffen hat, dessen a uns Reus bedienen und durchan die zemen a ons n Hilfe wir i 1 die im Verhältnis zueinander Ben a Prades v. Chr. geschehen, wenn er ei gewesen ist, der zuerst das Netz von Lä ge „nd udoxos von Knidos in das letztere aller Wabrscheiniketoe Se notwendigen regelmäßigen Strukturen in | n win gen selbst finden lassen oder den Dingen vom! en schen um sie für die menschliche pen ais stimmbar zu machen, künstlich ae er werden müssen. Für die Topographie der Er obe fie it wie weit sich die für eine Erkenntnis von | ngen erstenmal in aller Deutlichkeit au trite, müssen glaubte, so ist das Problem, da me 3 Gru hert als Herodot auf I Unregelmäßigkeit der Formen undns an der zusammenhängenden Landflächen zunehmen bien der KE me nan de er der Tatsache ab, daß die racsichliche Get ; en Erde sich einer idealen geometri ren | on ce | andeutungsweise beibehalten har asien und Arabien als- Trapeze, und er afrika von Norden nach Süden in drei zonen cel) ein, die er wiederum durch cine “ree Trennungslinie in der Mitte in je an or eine östliche Hälfte teilte. Natür vw wedn durch diese Geometrisierung der Wirklichl ci eae Fite getan, wenn auch Hekataios sich nicht see Fan täuscht haben kann, daß seine geometri hen ren mit der Wirklichkeit nur sehr appre mat übereinstimmten und daß weder die ds m Klin r asiens geradlinig verliefen 2 eine vn bea Mittelmeer un e anne des Riom ins Schwarze Meer Ber Linie gerade oder gar genau in vern her ier ta is Ton tung verlief. Aber man braucht si mers promi sches Itinerar anzusehen, auf dem ganz langer dünner Schlauch aussie ht, wei die Ons bestimmungen rein nach Distanzen ren en n d die Straßen, an denen i arden, fast alle von Norden nach site verlaufen, um gewahr zu werden, einen,Mi . 5 Fi 4 ung Bes ür eine genauere mpi One er Hebataios aus seiner Geometrisierung der Erdoberfläche gezogen hae bes Jahehun Trotzdem hat etwas mehr als ein halbes dert nach der vermutlichen Enmstehung5 dre des Hekatatos 1 und Erdbeschreibung . satz. Nn 40 Vgl. darüber ausführlicher den ; in Foe. 37 ierten Aufn) IV, 101 ien); en und Arabie (Kle 38/39 39 Herod ien)s ot (Nordafrika). 1818. IV,IV, (Skych | gebrauch te Mi Is die den geo2, in vie viel stärkerem Maße als adäquat, in di Lies ie quat, . ischen fgepreßt en eiten geome aufgep graphischen Gegebenh Geg icht geleugnet 5 ata. Trotzdem kann nicht schen geleugn Schemata . i such mit untaug lichen Mitwerden, daß diesem Ver gische Sche te!%,DDa dee ordnen versu da Material,. das Hekataio. s Rss en sise in ein System : suchte, zu bringen im in dieser à Weise d ar das von 1 hm wesentlic ichenhen aus Sagen bestand, wd . erst recht inMittel dem Gegenstand ers sch ‘ont Vergangenheit systemati Grund der ae à der Wirklichkeit durch geo- lieferten Ereigniss sy e oor ae bea cht werden soldiese i ne n. Er machte sich lustig über zueinand in“lees Mittel dazu ist die historische metrische Schematis men. ie Erde1. sei cat rund als Jen. Das er grundlegende Mi die N „Ionier“, kataios, die i g i i e glaubten, die . Erde set i . Auch hier hat nun Hekataios, da ihm Ie sei’, und Chronolo gie. Au ie auf ei öpferscheibe hergestellt ise , fürfir die ältere 7 chronologische Zeugnisse ob sie auf einer Tp haben mit dem unmittel bare chronolog er scheint Reisen i nternom u n men zu Mittel 14 gei isen?”, i n i daß Verfiigun der Nil standen, g ein Zeit nicht zur gung ‘ hr betrachtücklichen Zwe ausdrückl ck nachzuweisen?, den Dingen bis zu cinem sehr . cht | cer stammen, . 1 en aus dem Weltm den Ding: antat, indem ss chaffen, À ; ; das ich d de Gewalt d und die :Donau ni er sich der | (in i Euro- lichen Grade en Aktitiven) Liste un d daß Kontisondern auf dem Land entspring 0. sel: : . en, üdlihen ückliegen den Teilen Li \ ihren weiter zur . isch die iel grigrößer ö pa viel ie beiden sei . als die südlichen. ; önige bediente, dranten systemati d s + Asien spartanischen un Könige der spar u up lichen ie ; nente oder angeblich . er Erdquadr : icht, : die it eines Kônigs mit durchschnittlich weit : 38 eine Ansicht, die w weniger Regierungszei durch Querver> Be Libyen zusamme ahm und . dann n”, durch . den ersten Blick lick ara er: erscheials vierzig sie uns auf Jahren paradox überliefe e n ist, D als s i e . uns tenisse e iin indungen d n dieses alle ann e für „überlief alle seine errten“ Ereigniss bindung © die für Herodot wı hen g einzu. so gut es gehen wollte,‚canz nen mag, à ein südlicher Vorgänge Kontinen r da aan t Asien eben gewe. chronolo ir heute : sen ist und er. also, wenn er das, was wir k ù hätte, ckannt 2 nennen, In i seiner 8; anzen Ausdehnungkorum, g i le Kaukasus, Karakor um, Hindu‘ etions ‘of the alles nördlichi vom Europa, zu kusch und Himalay pa, nicht a Brg elegene‘ Landinder . er bezeichn bezeichn end zu Asien gerechne t hätte. Nicht mindann zu der Bei es jedoch, j ist da daf Herodot, ner wo er kommt, die geoi änder im einzelnen kommt, die 8e von Skythien, KleinLei rensende de De ibung metrisier Bes reiDu i nen K. v. Fritz, Herodotus and che * Bergedarüber u « ir einzel #7 Vel. istori Assoch Philclogic E (1936). American Ph ha alN 38 Herodot IV, 42 #.

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K. von Farrz: Der B q sinen Künfig Sohne dann Und Damos dem die Rinder des G „ e 3 ee bd Primat der Griechen ein ganz neues Element in " DielsiKranz 13A 1-7. " Diels/Kranz 12 A 9. dfragen der Studium Generale Thedes wie auch Anax iman der die Ding e sich aus di Ur. gegebenheiten des Wassers un d des unbestim mten mmt Unendlichen hätten aus- oder abscheiden lassen, wobei nicht s darü ber gesa gt wird, ob diese Abscheidung bedeute, daß sie in i rgend einer Weise schon m den Urgegebenheiten enthalte n gewesen waren ° er wie sie sons t dara us herv orge hen konnten. Bei Fa mer ist diese Unbestimmtheit besonders geen , er sagte , es sei in dem Apeiron ein altes und Heißes Hervorbringe ndes entstanden‘s, sen, daß sowohl drücklich darauf hingewie un, ei führe hat. In der Überlieferun g wird überall aus. ute noch keine endgültige Lö habe n, ist es nich t gut, von Poutschritt oes ae schritt zu reden. Wichtig ist nur daß Anaximen ones es die Betracht Erkenntnis and nn wee ismerhoden hand elt, von denen viele a m es sich um Grun E de Luft, als Ursprung aller Dinge bezcichnere bezeichnet, daß Anaximen es an Stelle des be. stimmten Apeiron wieder einen bestimmten Se die Spekulationen des Anax iman der Weit erzu führen 7 enoe te den Gesc hich ten der Phil osop hie wird es ach als Rückschritt gegenüber Ana ximand n auch Für die Erforsch 7 ung der mens chli chen V gangenheit zu finde n, wen \ n auch zunä chst chst nur indidi rekt und noch undeutlich, ab, _ . Nach einer ganz ande ren Rich tung als Hekatai a Anaximenes von Mile t (ca. 58 — 520 0 y Chr) teln am untauglichen Objekt die richtige Einsich in fern en Gege zugrunde lag, daf eine gena nden anzu tref fen sein sollten, ke! ue Erkenntni d Fak. Kritik geübt: mit Rech tizität des verg t, da ange sich nen ohne Gesc hehe Auge ns nschein und seiner kau-. nicht a Prior i sagen läßt, was für Geschöpf salen und sonstigen Zusammenh e es ben änge ohne ei i ro- kann . Hier habe nologisches System der Art wie n die mode rnen Kritiker ver essen, er es zu we ec schahffen af fe den rum suchte, nich des t mögl Heka ich taio war. s nur | desh alb mi. solcher Sicherheit feststelle Dabei war de n kö sich He kataios des sagenhaf il di ten inzw Cha isch en in allen Ric rakters der hum gen rn vel ei ve „Übe rlie feru ng“ über die frühere Verund daß wir ebensowenig £5 angen! el t bis zu a priori sageJn eine n könn eine m gewiissen könn en, en ssen GIs ade durchaus was für oder ide Gesc höpf nee e es 2 auf rue Ee abejedoch durc ande ren Gest irnen geben h Ausschaltung des- how N en askann, : wie Heka atato tai s wiss i en a ne, was 5 Ri völli g aus der Sage die thr zugrunde uner forschten Gegenden ge er a h e e an könne. Daß trotzde:m, 2 Sich Fakten au wied auf das G anze geschen | diergeo winn e en zu: könnine,n: u und nd er or be bedidi der on Hekacaios zuerst erfu ente nden en Mirr el zu einer XaKten und systemat ehe isch 1 Beobachtung der er ische n Erke nntn is i der er histo histori risr aus Br schen Verg ange nhei t Wiedererzihlung abgeleiteten dem Gege nsta nd noch viel Psychologie, Wenn niger adäquat ware n als dieje iejen igen, diie er zur s emar pret a ischen und exakten Erfo rschung und Ergreens Sor Erdo berf läch e gebr auch t hatte, liegt an de" Verschiede hiedenheit der Bedi edin ; gung en historischer wd peysikalisch „Beo grap hisc her Erkenntnis, Die ie enhe it diese r Bedi ngun gen zeichnet sich ‘ so sogleich bei diesem ersten Versuch, neue Metho andern fünfzi ö zugeschrieben wurd en, so erkl ärte a nae Resultat der natii rlich en Neig ung der Mensche re übertreiben und sprach die Vermutung aus, c i 4. ten wohl in beiden Fall en zwar viele aber ve nu lich weniger als zwanzig gewesen sein’ W nn die Sage berichtete, Herakles habe gren von Ende der Welt im Westen geholt, 20 : ekat aios die Ver mut ung aus, das End 4 Welt werde wohl der Golf von ‘brakia an dee wise ss nördlichen Cred ean in, die eben den Alte i 2 geogrophischen Kenntnisse a e na eenden erschienen sei*?, Bei der Gesc hichte von dem Hell I hund Kerberos werde es sich wohl um ei sie als Hadeshund 2 fe Schlange gehandelt haben, an deren Bissen ele Menschen starben#, weshalb man sche à Kritik an der Sage à bezei zeichnet habe, was dann später wörtlich geno men worden sei, Bon ae A s das warr ein ei Versuch am untauglichen Obi at 2 urch dies e Art rati onal isti sche r Kritik das gl der Sage en pes 6 zerstôrt wurd e, ohne : dadurch \ pane l iche historische Fakt e n 1 zu gewi ' innen. « Und Und ; doch el der erste Vers uch eine r historischen Kritik Pare“ arf man auch zusä tzlich bemerken daß s gerade da Vers tand und Unte rsch eid idun g vermögen bewi esen 1 h at, wo er von einige n moder ernen en Kritikern Am schärfsten geta delt worden ist. Wah vn ew er seine rationalisti > da dte, o ene den allg emei nen mens chli chen Erfah vangengen wide wi rsprach ch und un sich eine ei leichte psyc psych holo ologi gi-othe ean fiir die Ents tehu ng eine r Wund er. on ahlung gebe n lief, » h hat er an den Berich rich ten ten über ii : tsame Tiere und menschenähnl iche Geschöpfe, die "" Jacoby, FGrH1 F 19. * Ibid. 1 F 26. # Ibid. 1 F 27. * Ibid. 13 A 5. 4 Hai loen 557 der Proportion % Die dem Pythagoras und dann wieder dem um dic Mitre des fünften Jahrhunderts lebenden Hippusos von Metapont in der Überlieferung zugeschriebenen Beobachtungen und Experimente mit Ton oder Musik erzeugenden Instrumenten oder sonstigen Gegenständen sind in neuerer Zeit vielfach als Erfindungen der antiken Überlieferung erklärt worden, weil sie akustisch unmöglich sind oder jedenfalls nicht die angeblich erzielten Resultate ergeben. Es ist jedoch in Kürze eine Publiwelcher kation von ©. Hertwig (München) zu erwarten, der Versuch gemacht werden wird zu zeigen, daß die antike Überlieferung zwar vielfach auf Mißverständnissen beruht, daß dnisse korrigiert, heraussich aber, wenn man x beachtenswerter Kern zustellt, daß ihr ein grunde liegen muß. den Grenzen der Intervalle. heißen bis in die spätesten Zeiten der griechischen Mathemati hinein Sgot, d. h. eigentlich „Grenzen“. Das ist nur aus der Herkunft der Proportionenlehre aus der Musiktheorie zu erkläzen, wo die Verhältnisse den Intervallen auf der Tonskala entsprechen und die Glieder der Proportion den Tönen als eigentlich „Abstand“ genannt und die Glieder ng wird vielfach das Verhältnis 3 In der ältesten Über im mathematischen Sinne start Aöyog auch dorma, d. h. Stöcke, die in irgendeinem bestimmten Längenverstellung erweitert werden, daß, wenn man drei ein rechtwinkliges Dreieck von einer gewissen Form entsteht, ohne daß dabei die absolute Größe des Dreiecks oder der es konstituierenden Seiten einen Unterschied macht. Das konnte leicht zu der Festreischen Lehrsatz zusammenhängende Kenntnis der Tatsache, daß, wenn man drei Stöcke oder gerade Strecken, deren Längen im Verhältnis von 3, 4 und 5 zueinander stehen, zu einem Dreieck zusammenfügt, Lehre die sachlich mit dem sogenannten pythagonach im allerersten Stadium der Entwicklung der zeugen lassen**, Dazu kam aller Wahrscheinlichkeit sich auch mit Hilfe anderer Instrumente, bei denen dieselben Zahlenkombinationen wiederkehren, erharmonisch klingende Tonkombinationen durch Saiten gleicher Art erzeugt werden, deren Längen in ganz einfachen Zahlenverhältnissen zueinander stehen und daß dieselben Töne und Tonkombinationen Beobachtung, daß bestimmte, für das Ohr besonders Wesen der Dinge“ überliefert ist. Wie einige der früher erwähnten Theorien der frühesten griechischen Philosophen ist auch dies seinem Ursprung nach eine gewaltige Verallgemeinerung auf Grund von zunächst auf ziemlich eng begrenztem Gebiete gemachten Beobachtungen. Sowohl die Überlieferung wie auch die älteste in der ersten Stufe der weiteren Ausbildung der Lehre verwendete Terminologie'? sprechen dafür, daß der erste Anstoß von der Musik ausgegangen ist, nämlich von der den hat, aber auch in der Form, „alle Dinge sind aus Zahlen zusammengesetzt“ oder „die Zahlen sind das in den Dingen selbst gefunden. Es handelt sich natürlich um die bekannte Lehre der Pythagoreer, die ihre lapidarste Formulierung in dem Satz, daß „alle Dinge Zahlen seien“ gefunzip hier in viel stärkerem Mafe, zunächst jedenfalls, Primat der Griechen K. von Fritz: Der Beg inn universalwissenschaflicher Bestrebungen und der Das Neue bei Anaximenes ist, daß er sich Gedanken darüber gemacht hat, wie aus der einen Urgegebenheit, die auch er voraussetzt, die Mannigfaltigkeit der verschiedenen Dinge habe hervorgehen können. Seine Antwort war, daß aus der Luft einerseits durch Während er aber dort nur bedeutet, was chronolo- Kondensation oder Verdichtung zunächst Wasser, dann Erde hervorgingen, andererseits durch Verdünnung das Feuer. Durch die Wirkung dieser sekundären Urgegebenheiten aufeinander seien dann die Dinge in ihrer Mannigfaltigkeit entstanden. Durch diese Erklärung wandelt sich zunächst der Begriff der „Archö“, des Urgrundes, der bei den Vorgängern des Anaximenes überall am Anfang steht. gisch am Anfang aller Dinge steht, aus dem alles hervorgegangen ist, und das alle Dinge umgibt, wird nun aus dieser „Arche“ etwas, das auch in der Gegenwart weiterhin allem zugrunde liegt. Denn auch Erde, Wasser, Nebel und Feuer sind nach Anaximenes dem Wesen nach Luft, nur in einem anderen Aggregatzustand. Hier ist also der Begriff der „Arch“ entstanden als eines allen Dingen immer und jederzeit zugrunde liegenden, der dann vor allem bei Aristoteles eine so beherrschende Rolle spielt. Auf der anderen Seite hat Anaximenes offenbar nicht das Bedürfnis empfunden, weiter zu erklären, was Verdichtung und Verdünnung bedeutet, ob es sich dabei, wie später Aristoteles angenommen hat, um eine Veränderung von Eigenschaften (Akzidenoder ob Verdichtung nur als ein näheres Zusammentien) handele, für die höchstens eine kausale, aber keine weitere strukturelle Erklärung notwendig ist, rücken von Teilchen, Verdünnung als deren weiteres Auseinanderrücken aufgefaßt werden könne. Diese Frage ist jedoch auf Grund ganz neuer Denkansätze, wie sich zeigen wird, sehr bald nach Anaximenes aufgetreten. Sie hat dann-zu Grundfragen nicht nur geführt. der Struktur der erkennbaren Außenwelt, sondern auch des menschlichen Erkenntnisvermögens selbst 3. folger allmählich enthüllende Problem, wie weit die Das sich bei den Versuchen topographischer Ortsbestimmungen auf der Erdoberfläche mit Hilfe geometrischer Figuren durch Hekataios und seine Nachfür die Möglichkeit menschlicher Erkenntnis notwendigen regelmäßigen Strukturen sich in den Dingen selbst finden lassen oder diesen, um sie für die menschliche Erkenntnis bestimmbar zu machen, künstlich auferlegt werden müssen, tritt gleichzeitig mit Hekataios in einer viel umfassenderen Form bei Pythagoras (ca. 570 bis ca. 840 v.Chr.) und den Pythagoreern auf. Doch wurde das Ordnungsprin-

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K.von Frirz: 7 Der Besinn i universalwissenschaßlicher Bei strebungen er hältnis zueinander stehen (vorausgesetzt, daß die Summe von je zweien von ihnen größer ist als de dritte), zusammenfügr, unabhingig von der ab : luten Länge der Stöcke, „ähnliche“, d.h gest ie gleiche Dreiecke, oder, wie man in der älteren z it sagte, immer „dasselbe Dreieck“, wenn auch in er schiedener Größe, entstehr. Endlich scheint die Be obachtung, daß die Umläufe der Gestirne und ihr Verhältnis zueinander bis zu einem gewiss en G de zahlenmäßig faßbar sind, bei der Ausbildun, "d : Lehre cine Rolle gespielr zu haben. Se Der älteste und primirivste Sinn der Lehre scheint also zu sein, daß in den Dinge n gewiss maffen Zahlenbündel stecken, durch deren Konntais man die Dinge zu fassen bekommen kann. Di es Zufassenbekommen aber hat offenbar — u d dies ist von grundlegender Wichtigkeit — einen do a ten, d.h. einen theoretischen und einen praktisch , Sinn. Das Zahlenbündel, woraus dann bei der f fe schreitenden Mathematisierung der Lehre das Ver. hälrnis der Zahlen zueinander im mathematisch en Sinn wird, heißt von sehr früh an Logos“ . Li os heißt Sprache oder Wort, und zwar in dem Sinn a8 dadurch eine Sache wesentlicher bezeic hner wird al durch einen bloßen Namen (övona), der ihr gese. en wird. Wenn also die in einem Ding stecke nden Zahlenbündel als X6yor bezeichnet werden, so wi d damit zum Ausdruck gebracht, daß auf diese Weis mehr iiber das durch diese Zahlenbiinde l bezeich. nete Ding mitgeteilt a ; wird,h als wenn1 e es nur mit it nem edel Fur aber kann die in ihm steckenden Zahlen kennt * era in beliebiger absoluter Größe herstellen und ebe so kann man „dieselben“ Töne und Tonkombina tionen in verschiedenen (Oktav)-Höhen, aber auch in vi . schiedener Klangfarbe und mir versch iedenen Insıru. menten erzeugen. Endlich ist die Kenntnis len, die in einem Dinge stecken, im der Zaheminenten Sin eine Erkenntnis, die sich ohne jeden einem Menschen auf einen ander Verlust von n übertragen nd daher unbeschränkt konservieren läßt Hie Is bei einer Spekulation, die von Anfang an auf die mathematische, bzw. die quantitative, Analyse der Welt gerichtet ist, liegen weit mehr noch als Á i den früher behandelten Philosophemen der früh schen sogenannten „Physiker“ Thales riechi. , “Anaximander und Anaximenes, die Anfänge einer akkumuli | baren und in gewisser Weise auf die prakti sche Be. wältigung der Dinge gerichteten Wissen sch ft im modernen Sinn. “im . Zunächst freilich wurden die so gegebenen A sätze in zwei 2 ausein \ anderstrebenden Rich ichtungen on weiterentwickelt: in der Richtung einer ungezüe i und oft ins Phantastische ausschweifenden Spekula. ï und der Primat der Griechen Jahrgang 14 Studium Generale Heft 10 (1961) tion und in der Richtung der mathematischen Präzi sierung. Pythagoras, von dem die ersten Anfä x der Lehre zweifellos ausgegangen waren, war iche nur ein Philosoph, sondern auch ein Mysti ker ı 4 ein religiöser Proportionenlehre Überzeugung, daß sich alles müsse in Zahlen fassen lassen, nun auch nach der Zahl der Tugend oder d 8 Gerechtigkeit, der Ehe oder ähnlicher Dinge gesucht sucht wurde: alles auf Grund der Forderung einer ,M thesis Universalis“ allerumfassendster Art Aber noch zu Beginn des vierten Jahrhunderts ab es einen pythagoreischen Philosophen Eurytos de die dem Menschen oder dem Pferde zugru nde |liegende ende Zahl dadurch zu ermitteln suchte daß er zusah, wie den erkennbaren Umrif eines Pferdes oder eines Menschen zusammenzusetzen. Auch die Entwicklung in der Richtung auf math matische Präzisierung muß schon sehr früh einge. setzt haben. Eine gewisse Mittelstellung zwischen ausschweifender Spekulation und mathe matische viele Steinchen man brauchte, um von den Polygonalzahlen und später auch von den körperlichen Zahlen (Pyramidalzahle n mit drei. eckiger Basis, mit quadratischer Basis usw., Kubik zahlen, ziegelförmige, altarförmige Zahlen und d: 5 ) ein. Während in der ältesten Zeit z.B. der Teek tys, der Summe der in der Form eines De geee n bea Te 2 on von eins bis vier, alle Arten von mystischen Bede ramkeicen zugeschrieben wurden und mit den Zah. peer an noch auf Jahrhunderte hinaus von „en Fythagoreern mathematisch unfruchtbare Spielereien getrieben wurden, sind aus der genaueren mathematischen Analyse dieser Zahlen die alle Reihen verschiedener Art darstellen, doch ‘schon i früher Zeit, wahrscheinlich seit der zweit en Hälfte des fünften Jahrhunderts, auch einige zahlentheore . tische noch heute interessante Ergebnisse abgele itet worden®, wenn auch erst Diophant viele Jahrh underte später die Lehre von den Polygonalz ahlen als Ganzes auf eine neue, im modernen Sinne wissenschaftliche, Basis gestellt hat. Die bedeutendste mathematische Prazisierung jedoch die pythagoreische Zahlenlehre zunächst der schon ganz früh einsetzenden Entwi ° hat in cklung der ‘9 Vel. darüber eee Becker driber ©. O. Be er in Quellen und Studien zur Geschichte der Mathematik Bd. Ul, S. 533 fond B 'L oun pn zerden, Mathematische Annalen CXX, S. 151 f. (1947—49). erst am regelmäßigen Fünfeck®!, aber darauf kommt es im gegenwärtigen Zusammenhang nicht an — zu der überraschenden Entdeckung, daß an scheinbar so einfachen Gebilden wie dem Quadrat und dem regelmäßigen Fünfeck das Verhältnis zwischen Seite auch aber sich läßt Es tion. Propor der zeichnung und Diagonale sich überhaupt nicht durch das VerZahn gleiche der le leicht zeigen, daß gleiche Multip hältnis zwischen zwei noch so großen ganzen Zahlen Auf len sich verhalten wie diese Zahlen selbst. ausdrücken läßt, d.h. zur Entdeckung der Inkomzeileicht sich läßt rum wiede he Tatsac Grund dieser mensurabilität, für die dann bald auch andere BeiMultidurch n Brüche gen, daß sich Verhältnisse von spiele gefunden wurden. tnisse plikation mit den Nennern leicht in Verhäl ents Darau ®. lassen? Wenn nun in dem gleichschenklig-rechtwinkligen deln umwan Zahlen von ganzen , Zahlen ganze das durch ‘zwei Seiten und die Diagonale für Dreieck, lehre wickelt sich die Proportionen wird, das Verhältnis der welche zusammen mit zahlentheoretischen Unter- eines Quadrates gebildet in ganzen Zahlen ausnicht sich er tzahzueinand Gestal der Seiten htung Betrac der von suchungen, die der „Logos“ sind, aber Zahlen en solche etisch läßt, arithm drücken der len ausgingen, den Hauptinhalt In durch welchen Dreiecke oder andere Dinge sich ausBücher VII—IX der Elemente Euklids bildet. lassen, dann hat das gleichihren allerersten Anfängen tat diese Entwicklung drücken und fassen Dreieck keinen „Logos“, wie alle klige daß -rechtwin ub, schenklig wahrscheinlich dem Glauben Vorsch st es auch sprachlich darin seinen Ausdruck findet, daß mit Hilfe von Zahlen, worunter zunäch und sittlicher Reformator. So ist ‘ Zeit die Leh > gefunden. Verschieden große ten, Dreiecke, deren Seiten sich wie 3, 4 und 5 verhal „Logos“. haben die gleiche Gestalt und den gleichen zur BeSo wird der Ausdruck 6 aûtròs Aóyos niche zu verwundern, daf, ausgehend von der if einem ziemlich beschränkten Felde gewonnene Präzisierung nahm dabei auf lange 559 ngen und der Primat der Griechen K.von Frirz: Der Beginn universalwissenschafllicher Bestrebu Dinge verstannaturgemäß natürliche, d.h. ganze Zahlen den wurden, bzw. durch Verhältnisse von ganzen n der Zahlen, faßbar seien, mit anderen Worte 8 : Lehre „Alles ist Zahl“. Der letzte Schritt zur Wissenschaft im modernen h Sinne wird aber auch hier getan durch den Versuc Zahlen der Verifikation. Daß man mit Hilfe von et, und Proportionen, wenn man sie richtig anwend sich rt bewäh kann, en erzeug e Gebild gleichartige Frage, überall. Aber um so mehr erhebt sich die stecken, welche Zahlen in Gebilden und Gestalten welche auf andere Weise vorgegeben werden, wie äßigen etwa im Quadrat, das wegen seiner regelm Form bei den Pythagoreern eine große Rolle spielte, dem durch oder im regelmäßigen Fünfeck, bzw. SchnittVerlängerung der Fünfeckseiten bis zu ihren punkten entstehenden Pentagramm, das den Pythagoreern als Erkennungszeichen diente. Das hätte man nun durch Ausmessen herauszufinden versuchen können, wobei sich freilich mit zunehmender Genauigkeit der Messung die Zahlen immer wieder verändern mußten. Das Bedeutsame ist jedoch, daß sich die Pythagoreer nicht wie ihre babylonischen Vorgänger, deren Mathematik im übrigen viel weiter fortgeschritten war als die Mathematik der Pythagoreer in der Mitte des fünften Jahrhunderts, mit Approximationen begnügten, sondern es exakt wissen wollten. Das führte — wahrscheinlich zu8° Das Prinzip der alten Pythagoreer, Brüche durch ganzzahlige Verhältnisse zu ersetzen, wird sehr schön illustriert durch eine Stelle in Platons Staat, VI, 525 D/E, wo es heißt: „Du weißt ja, wie diejenigen, die sich auf solche Dinge ver stehen, sich darüber lustig machen, wenn jemand in Gedanken die Einheit zerteilt, und das nicht gelten lasse und wenn du die Eins zerstückelst, dann werden sie sie ervielfacher!, indem sie sich vorschen, daß nicht die Einheit sich als etwas zeigt, das nicht eins ist, sondern viele Teile.“ das Verhältnis dieser Seiten zueinander im Griechimit schen als GAoyoz bezeichnet wird, was wir heute „irrational“ übersetzen, was aber ursprünglich „ohne Logos“, „ohne Verhältnis“ bedeutet. Damit scheint mit einem Male die pythagoreische Lehre, daß „alle widerlegt zu sein. So ist es kein Wunder, daß diese Dinge Zahlen sind“ ader alle Dinge durch Zahlen gefaßt, bestimmt, konstruiert werden können, Entdeckung zunächst als ein Schock empfunden wurde, was dann in der Legende seinen Ausdruck gefunden har, der Urheber der Entdeckung, Hippasos von Metapont, sei dafür, daß er dieses schreckliche Geheimnis aufgedeckt oder dafür, daß er es ausgeplaudert habe, von den Göttern bestraft worden, die ihn bei einer Seereise auf dem Meere Schiffbruch erleiden und im Meere umkommen licRen5?. Vom rein mathematischen Standpunkt aus ist dann freilich die durch die Entdeckung der Inkommensurabilicät entstandene Schwierigkeit erstaunlich schnell überwunden worden: durch eine Erfindung, deren Urheber unbekannt ist, die aber in gewisser Weise viel genialer ist, als die Entdeckung der Inkommensurabilität selbst, welche, wenn einmal das Bestreben nach Verifizieren und Exaktheit, das freilich erst bei den Griechen aufgekommen ist, sich durchgesetzt harte, nicht allzu schwer zu machen war. Wenn, wie sehr wahrscheinlich ist, die Entdeckung der Inkommensurabilität zuerst am regelmäßigen st Val. darüber À. ©. Fritz, The Discovery of Taeommensurability by Hippasos of Metapontum in Annals of Mathematics XLVI, p. 242 ff. (1954). se Vgl. Scholion in Euclid. Elem. X bei Euclidis opera ed. J. L. Heiberg, vol. V, 417, 11 #. und dazu die Bemerkungen der griebei H. Hasse und H. Scholz, Die Grundlagenkrisis 58 f., Berlin 1928. chischen Mathematik, 5.9, $. 35 £,5.

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zueinander stehen, wenn im selben Verhältni der Prozeß des gege zwei Größenpaare auch dann universalwissenschaftlicher Bestr ebungen und der Primat der Griechen so ist dies zweifellos K. von Frirz: Der Beg ‘nn Fünfeck gemacht worden is t, o ns ii, gen Abzi ehen s nie zum Stil lsta nd kommt aber ge. zeigt werden kann, daß er imm er bei beiden in der. selben Richtung gehen muß, wie das bei Fünfeck diagonal e und Fünf ecks eite der Fall ist wo di 2 genseitige Substraktion jewe ils imm er nur einen en. zigen Schritt in jeder Richtung geht, woraus sich ergibt, daß Seit e und Diag onale bei allen regelmäßigen Fünfecken zueinand er im selben Verhältni enpaare eina stehen. Aber auch in eini gen ande rn elementare : aber ‚für die Geom erri e grun dleg end wichtigen Fal len läßt sich auf Grund der neuen Definition 1 iche nachweisen, daß zwei Größ 1 re Basen, auch wenn das Verhältnis kein ratiost, da auf den ersten Blic k zu sehen ist, daß, nde pro. portiona l sind, wen n sie auch nicht in eine “ganz, zahligen Verhälenis zuei nand er stehen: so LB “der Sem, dat Rechtecke mit gleic her Hohe sich Verhalten à ae wi ibt 3 si 7 abei das a vom c S$: tandpunkt der au s der „eöpelinglichen Proportionsl ehre stammende ne vn de Basi s bvon der Basibfs « dreimal abgezogen n Kann, sich das Rech teck B von dem Rechteck Avan der auch cemuß drei eimal abzi : i ehen la ssen, und wen vensn k b ende ; Rest c sich fü nfm al von b abziehen läßt, sich auch das restliche Rechteck C fünf en t muf abziehen lassen und so fort, Freilich ungefähr auf folgende Weis e geschehen. Will man N n zwei vorg egeb enen Län gen ihr Verhältnis zu; Nan ir bestimmen, so zieh t man die klei nere von oa er größ größeren en so oft ab als al dies dies mögl möel; glichich ist. ; Bleii bt est, so zieht man diesen in gleici her Wei von ‘ der kleinere ere n S trecke ab, und we nn dan n ‘wie wied i er me ein ese anes se i n von dem zuvor gebl iebenen. Re » DIS einm al kein Rest E übri ebleibt, igble ; + Dann Dann ist st die di zaet augezogene Lange das größte gemeinsame er beiden Strecken. . Trä t man d i beiden Stre ck en ab, so sind nd die Anzah VS die sn lichen Aber A :agungendi die Verhältn tnis i e zahlent der beid ie i en . ‘in rege lmäß igen Fünf eck ist nun ohne weiteres a usx a aber auch nich i t schw er zy bewe isen, daf ai ittpunkte sein er sämt lich en Diag i onal gonaenlen in s Sinem Inneın wieder ein regelmäßiges Fünfeck bil‘ 4 we t sich ferner mit ganz einfachen, schon m die Mitte die fünf te n Jahr hund erts nachweis A l; gege Da £ bene enn math ma emat isch , sche n Mitt i eln beweisen, me daß daf die ae i renz ischen der Dia gona le und der Seite d es pe Prünglichen oder äuße ren Fünfecks gleich der one des Inneren Fünf ecks ist, j u ns n TermostOgie aus para doxe Resu ltat , daß zwei Größen ; . : die oya sind, also kein Verhältnis zuei nander haren, zueinander ım selb en Verhältnis stehen wie zwe andere Größen, die ebenfalls kein Verhältnis zueinander haben. 7 Das mag nun auf den erst en Blick als eine rein gische, durch den historischen Zufall der „sdande der Entd tdec ecku kun n: 8 der Inko mmen surabili abiliti tät erursachte, Schwieri gkei t ersc hein en, Aber es liegen m doch sens rhaf tere Pro ble me zugrunde. Z ume St tritt as Problem des Fini initi tismus, der den Innen a finiten assun g des Unendlichen, i n in einer i e neuen Gestalt auf. Im Falle de afi ü man een des an gegenseiti a bek gen omm Ab-t ziehens bzw. die Tats ache , da ß er infin it ist, mit dem agen und ganz fini ten Beweis in die Han d hj8 im regelmäßigen Fünf eck überhaupt, d. h. in iedem regelmäßigen Fünfeck, die Schnittpunkte aller lagonalen wiederum ein rege lmäßiges d Fünfeck bild en im verein n mit mi dem nur für den erste n Schritt zuGn führende Dinen aher , el ebenf alls völli ölli g finit en Beweis, i renz zwischen der Diagonale des äußeund die Diffe re zwischen der Seite des äuße 4 ren Fünfeck ecks undi gen Diagonale des inne ren Fünf ecks glei ch der Seite inneren Fünf ecks , ei ie Dia lag gonalen des inneren Fü niecks feckwie geder deei Tr mäßiges Fünfeck biilden, bis i ins U: nend lich i e ro £ e, setz ; t werreen den kann ann, , Dami Dami r t | ist j bewiesen, i n, d daßma man n bel (em Prozeß des Sege nscitigen Abziehens in die un m in ‘pumas an eine Stel le kom mt, wo kein: cnrs eibt. Dann gibt i es aber auch kein| (grö ßtes) sonen mes Maf, mit dem beide Strecken, die Seite und re lagonale, gemessen werden könnten, also > vee nul Von gan zen Zahl en, durch die das deAltnisa der beide n Stre ck en zueii nand er zum Ausck gebracht werden kônn te. Sie habe n also kei nen „Logos“, kein Verh äl tnis zueinander, im ur8 sprünglichen Sinne. Chr. dadurch erfo omn Die i Überwii ndung der durc h diese Entdeckung ent| h even mathemat isch en Schw a ieri gkei . . t ist, . all Me is we . ntie nach, schon in a er der zweiten Hil fe A un en Jahrhunderts v. ona len Verhältnissen let aes v6 Proportion, der aöró c Aöyo s, neu definiert ane indem man den Prozeß des gegenseitige n : ziehens, durch den bei rati “g welchen e gemeinsam.e Maß gefunden wird, aus pe ™ < a. ne dan n die Verh ältniszahlen ableiten me » selbstt zum Krit j erium N erho erhob b, Wenn zwei ante von Längen zuei nand er im selb en Verhältnis en, wie etwa 4:15, so wird auch der Prozeß des ; bei beiden Paaren jeweils ichtung gehen, bis er zum wird also festgestellt, daß - = el nd den K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschattlicher Bestrebungen u: ad der Pitmat der Griechen = ——— . _ 561 war, der Fall gewesen ist; har es im Altertum doch als dies bei der modernen Fluxions- und Infinitesimalrechnung für viele Jahrzehnte nach ihrer Erfindung und noch zu einer Zeit, als sie schon auf vielen Gebieten mit großem Erfolg angewendet worden babt worden ist, mit sehr viel größerer Exaktheit, verhalten wie die ihnen einbeschriebenen geradlinigen Gebilde. Obwohl diese Exhaustionsmethode von Eudoxos mit vorbildlicher Exaktheit unterbaut und gehanddaß auch die krummlinigen Gebilde sich zueinander Flächenstück (oder Körper) ren Fünfecks gleich der Diagonale des inneren Fünf- umgebende krummlinige daß die Differenz zwiecks und die Differenz zwischen der Seite des äuße- “immer dasselbe bleibt, und Gebilde und ren und der Diagonale des inneren gleich der Seite schen dem umgebenden krummlinigen kleiner gedes inneren ist. Im Falle der Rechtecke und ihrer dem ihm einbeschriebenen geradlinigen jede beliebig kleine vorgeBasen bekommt man den im übrigen völlig irre- macht werden kann als gezogen, gulären infiniten Verlauf der gegenseitigen Ab- gebene Größe. Daraus wird der Schluß ziehung dadurch in die Hand, daß sich an den ersten müssen, Schritten zeigen läßt, daß beim gegenseitigen Abziehen der Basen die Rechtecke immer mitgehen Wahrscheinlich weniger als ein halbes Jahrhundert später hat Eudoxos von Knidos (400—347 v. Chr.) die Definition: „denselben Logos haben (zueinander im selben Verhältnis stehen) Größenpaare, welche dieselbe gegenseitige Abziehung haben“, durch eine kompliziertere, aber letzterdings auf demselben Prinzip beruhende Definition ersetzt‘?, die es nicht Philosophen gegeben, die gegen sie auf Grund des schließlichen Überganges von der beliebig klein zu ßen zueinander im selben Verhältnis stehen, sondern 46 if. zig 1910). is Opera, ed. J. L. Heiberg, I, p. 4 f. (Leipmengesetzten, eine gewisse, ebenfalls in gewisser Weise ausgezeichnete Gestalt besitzenden Dreiecken. Aber die Entdeckung der Inkommensurabilität kann nicht mehr durch Ausmessen an durch irgendwelche mit denen die älteren Pythagoreer die Welt zu erfassen suchten, sieht es ja auf den ersten Blick so aus, als ob diese in den Dingen selbst gefunden würden: in den für das menschliche Gehör ausgezeichneten und von ihm unmittelbar aufgenommenen Tönen und Tonharmonien oder in den aus Stöcken zusam- Form. Bei den Zahlen und den Zahlverhältnissen, Wissenschaft, die von den Pythagoreern ausgegangen ist, erhebt sich dies Problem nun in einer doppelten auferlegt sind, in einer neuen Form auftritt. In der lyse der Welt eingehen, aus den „Dingen“ selbst stammen oder ihnen vom menschlichen Geist erst doch, daß an dieser Stelle auch die Frage, wie weit die Elemente, welche in eine ‚wissenschaftliche‘ Ana- Wichtiger als dieses speziellere Problem ist jewieder in neuen Formen auftreten. die berühmtesten Beweise des Eudoxos. Hier zeigt sich also das Problem der finiten Bewältigung des Unendlichen wiederum von einer neuen Seite, Dieses Problem wird auch im folgenden noch immer daß Archimedes gezwungen war, in einem Brief an Dositheos*® zu sagen, er wolle sich auf diese Kontroverse nicht weiter einlassen: es genüge ihm, wenn seine Beweise so exakt und so schlüssig seien, wie Schlüssigkeit oder Exaktheit Einspruch erhoben, so mehr annähern, gelten müsse, wegen mangelnder machenden Differenz, zu dem Schluß, daß daszwei oder mehr Paare von inkommensurablen Gröselbe Verhältnis auch für die krummlinig begrenzten Gebilde, denen sich die geradlinig begrenzten immer nur erlaubte, in einzelnen Fällen nachzuweisen, daß eine ganz allgemeine für inkommensurable Größen gültige Proportionslehre aufzubauen. Mit Hilfe dieser Proportionslehre und des sogenannten Lemmas des Archimedes, das aber in nur ganz leicht abweichender Form schon als Satz X, 1 in Euklids Elementen zu finden ist und zweifellos auf Eudoxos zurückgeht", hat dieser dann das in seinen ersten tastenden Anfängen wahrscheinlich schon auf Hippokrates von Chios (um oder kurz vor 400 v. Chr.) zurückgehende Exhaustionsverfahren ® zu großer reometrie auf eine ganz neue Basis gestellt, Dies Exaktheit ausgebildet und damit vor allem die Ste- Exhaustionsverfahren beruht darauf, daß krummlinig begrenzten Flächenstücken oder Körpern, deren Verhäftnis zueinander bestimmt werden soll, geradlinig begrenzte regelmäßige Flächenstücke oder Körper eingeschrieben werden, die sich durch Unterteilung und Vermehrung ihrer Seiten der Peripherie der krummlinig begrenzten Fläche (oder Körpers), der sie einbeschrieben sind, immer mehr annähern. Es wird dann bewiesen, daß das Verhältnis zwi- APXAT in der schen den geradlinig begrenzten Flächenstücken oder Körpern bei dem Prozeß der Annäherung an das 5 Vel. Enclidis Elem. V. def. 5. Vy), darüber genauer K. v. Fritz, antken Mathematik. In: Archiv für Begriffsy (1954), % Die heute gebräuchliche, zuerst von dem Mathematik IRe des 17. Jahrschen Methode als ten Abhandlung, 5. ausgeschöpft betrachrer zu ‘werden die ausgezeichneten Ausführungen

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K.von Fritz: Der der Primar .der Griechen Was so weit über die von den Pythagoreern auszeigt wurde, wirklich ein ganz universaler gewesen; so sehr, daß selbst die Gerechtigkeit, die Ehe, die versalis auftrat, ist ursprünglich, wie zu Anfang gesalis, die zunächst in der Form einer arithmetica unigegangene Entwicklung gesagt worden ist, bedary jedoch noch der Ergänzung nach zwei Seiten hin. Der Anspruch der pythagoreischen mathesis univer- Beginn universalwissenschaßlicher Bestrebungen und Strimateriellen Gegenstände, seien es Stöcke oder Seile oder Tintenstriche auf Papyrus, repräsentierten regelmäßigen Fünfecken gemacht werden. Denn der Prozeß des Ausmessens käme bald zu Ende und die im Innern immer von Neuem entstehenden Fünfecke würden bald unerkennbar, mit wie feinen einem chen sie auch gezeichnet werden mögen. Die Entdeckung konnte nur gemacht werden an einem idealen regelmäßigen Fünfeck, das es in der empirischen Welt nicht ‚gibt. Daraus ergibt sich sogleich die Frage, die auch von Philosophen der Folgezeit nach allen Seiten hin erörtert worden ist, was für Tierspezies und vieles andere dem Anspruch zahlenmäßiger Erfassung ihres Wesens unterworfen worden sind. Nun hat jedoch die Entdeckung der Inkommensurabilität gezeigt, daß nicht einmal das Verhältnis von Ausgedehntheiten im Raum sich überall zahlenmäßig erfassen läßt. Diese Schwierig- Heft 10 (1961) Jahrgung {4 : A Griechen K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der anderes als den Versuch, auch noch den Kreis, die „schönste“ krummlinige Figur auf das Quadrat, die Die Tatsache, daß dieser Versuch scheitern mußte, schönste gradlinige, zurückzuführen bzw. die beiden in eine eindeutige Beziehung zueinander zu setzen. lichkeit der Tatsache, daß er unternommen wurde, ist ebensowenig ein Einwand gegen die Geschichtwie die Entdeckung der Inkommensurabilität ein Einwand dagegen ist, daß die Pythagoreer zunächst glaubten, alles auf ganzzahlige Verhältnisse reduzieren zu können, wo ja ebenfalls erst der Versuch, dies konsequent durchzuführen, zu der neuen Entdeckung Anlaß gegeben hat. Das für die Geschichte der Wissenschaft bedeutsame daran ist aber, daß souniversalen, alle Dinge erfassenden Methode, vergleich nach dem Scheitern des ersten Versuches einer sucht worden ist, sie durch eine andere möglichst universale Methode zu ersetzen und zwar in der Weise, daß nach Möglichkeit alles auf zwei ganz einfache Prinzipien zurückgeführt wurde. Auch das hängt offensichtlich wieder mit dem Finitismus und dem Streben nach Präzision und vollstandiger Ubertragbarkeit von einem auf den andern Menschen zusammen, da sich die Dinge um so exakter fassen und um so leichter ohne Verlust übertragen lassen, auf je weniger und einfachere Prinzipien alles zurückgeführt werden kann. Von einer ganz andern Seite her wird das Wesentliche an dieser von Pythagoras und den ältesten Py- 5 Vel. dazu auch A. Szabd, Anfinge des euklidischen Axtomensystems. In: Archive for the History of Exact Science Studium Generale (Berl.), 14. Jahrg. I, p.82 ff. (1960). 5 63 : 9 Vgl. Diels/Kranz, Vorsokratiker 22 B 31. n Heraclitus. = Pattern in A Thought ai 81 Vel. dazu A. Fränkel, In: American Journal of Philology LIX, pp. 309 ff. (1938). | % Vgl, Acta Congressus Madvigiani II (Kopenhagen, 1958): The classical Pattern of modern Civilisation, p. 38. 3 Diels/Kranz, Vorsokratiker, 22 B1; vgl. auch 22 B 34. 39 ihre Divulgarisation zu verbieten; und auch fiir un- Rede, deren Inhalt nach geometrischer Methode bewiesen werden soll, wäre völlig unsinnig, da es ja gerade der Sinn des geometrischen Beweises ist, die Wahrheit des Satzes, die er beweisen soll, für jedermann völlig einleuchtend und daher ohne Verlust von Mensch zu Mensch übertragbar zu ‚machen. Wenn daher auf diese Weise gefährliche, die Überzeugung von der durchgängigen Erkennbarkeit der Welt als einer festen Ordnung erschütternde Erkenntnisse sich beweisen lassen, dann ist es sinavoll, Kußerung zu tun über eine Wahrheit, die, oder cine gen des Heraklir bilden wird), werden die Menschen niemals verstehen, weder bevor sie sie gehört haben, noch nachdem sie sie gehört haben.“ Eine solche „Die Wahrheit (die Rede, den Logos), die diese ist (nämlich, die den Inhalt der folgenden Ausführun- Wahrheit, die in dieser Rede enthalten ist oder zum Ausdruck kommt. Von diesem Logos heißt es dort? : —, sowohl das Wort oder die Rede als auch die dieser Logos bedeutet, — darin allerdings wiederum ganz ähnlich wie ursprünglich bei den Pythagoreern des Heraklits fängt ebenfalls mit dem Logos an, und die sich ein Fortschreiten auch philosophischen Denkens gar nicht anders denn als Annäherung an Wissenschaft im modernen Sinne oder wenigstens den Versuch dazu denken kann. In Wirklichkeit ist jedoch Heraklits Denken davon so weit wie nur irgend möglich entfernt. Der erste Satz des Werkes weit verbreitete moderne Art, die Dinge anzuschen, Rede ist, die sich aber der Form nach auf eine Art von stetigen Proportionen zurückführen lassen, wie etwa: der Affe verhält sich zum Menschen wie der Mensch zum Gott“. Daraus ist dann von T, B. L. Webster? der Schluß gezogen worden, durch die Verwendung dieser Form habe Heraklit unter dem Einfluß der Pythagoreer seinen Vergleichungen das Zwingende cines geometrischen Beweises geben Le. u wollen. Diese Annahme ist sehr charakteristisch für eine Heraklits, in welchen zwar nicht von Maßen die durch einen dem in gewisser Weise noch dadurch bestätigt wird, : thagoreern ausgehenden Entwicklung Pythagoreern daß die drei Konstruktionspostulate im ersten ‚Buch - Vergleich mit dem mit den älteren Heraklit wie Euklids sich eben auf Strecke, Gerade und Kreis be- gleichzeitigen Heraklit illustriert. Bei bei den Pythagoreern spielt die Harmonie eine ganz ziehen, diese also als Grundlage fiir alle Konstrukwesentliche Rolle. In einem Fragment gebraucht Heraklit das Wort adrès Aöyog ganz im Sinne von Proportion, im Sinne von gleichen Maßverhältnissen®. Endlich gibt es eine Anzahl von Fragmenten Tatsache, daß? Konstruktionen, die sich mit Lineal tionen der folgenden vier Bücher festlegen™. Eben diese Verbindung mit den Postulaten zeigt aber auch, worum es sich eigentlich handelt: gewiß nicht um die mehr oder minder willkürliche Beschränkung auf’zwei mechanische Konstruktionsmittel, Auch die und Zirkel durchtühren lassen, auf quadratische Gleichungen zurückgeführt werden können, wäh- Grades führen, kann keine Rolle gespieit haben, da sie noch unbekannt war. Vielmehr handelt es sich rend Konstruktionen, für die andere Konstruktionsmittel notwendig sind, auf Gleichungen höheren keit wurde durch die Erfindung der neuen, auf inkommensurable Größen anwendbaren Proportionswunden. Aber es ist schwerlich ein Zufall, daß gerade in der Zeit des Überganges die Probleme der lehre, ihre Vervollkommnung, und ihre Ausbildung zu einem universalen Instrument, allmählich über- Reich denn diese Gebilde angehören, die es in der Welt der „Wirklichkeit“ nicht gibt und die doch ihre von der Willkür des Menschen, der sie in gewisser Weise zur erkenntnismäßigen Bewältigung der „wirklichen Welt“ benützt, völlig unabhängige Eigengesetzlichkeit haben, wie sich auch darin zeigt, Würfelverdopplung, der Quadratur des Kreises, und der Beschränkung der mathematischen Konstruktion auf Lineal und Zirkel eine so große Rolle gespielt haben. zu erbringen versucht, daß die Überlieferung von Lineal auf einem Irrtum beruhen müsse, da gerade zu berauben, die mit Hilfe solcher Konstruktionen aus dieser frühen Zeit vor und gleichzeitig mit Platon sehr viele Konstruktionen bezeugt sind, welche sich anderer Mittel bedienen und sogar Platon selbst eine solche Konstruktion zugeschrieben wird. Aber damit ist die Natur des Problems verkannt. Natiirlich ist kein griechischer Mathematiker und ebensowenig Platon so töricht gewesen, andere Konstruktionen als diejenigen mit Lineal und Zirkel zu verbieten und sich damit der theoretischen Erkenntnis oder des praktischen Nutzens für gewisse Messungen zu gewinnen waren. Damit ist jedoch die Uberlieferung, daß Platon darauf drang, alle geometrischen Gebilde mit Zirkel und Lineal zu konstruieren, nicht aus der Welt geschafft, eine Überlieferung, die außer® A. D. Steele, „Über die Rolle von Zirkel und Lineal in der griechischen Mathemati k“ in Quellen und Studien zur Geschichte der Mathematik, Astronomie und Physik B (Studien) UT, 287 ff. Die Arbeit ist im übrigen mit vorbildlicher Sorgfalt durchgeführt und zeigt unter anderem, wie allmählich die Erkenntnis der eigentlichen Bedeutung der Beschränk ung der Konstruktionsmittel auf Lineal und Zirkel aufdimmert. Aber für die hier behandelte frühe Zeit ist das Problem nicht ganz in der richtigen Perspektive geschen. rückzuführen. Die gleichzeitige leidenschaftliche Bemühung um die Kresquadratur bedeutet dann nichts offenbar um den Versuch, nachdem es nicht gelungen war, alles auf ganzzahlige Verhältnisse zurückzuführen, herauszufinden, ob es nicht möglich sei, alles auf die beiden einfachsten Kurven, die damals auch vielfach die schönsten genannt wurden, zudaß die Entdeckung der Inkommensurabilität an diesen Dingen eine durchaus überraschende gewesen ist. Damit verbunden ist die nicht minder fundamentale Frage, in welchem Verhältnis denn nun das Reich dieser Gebilde zu der „wirklichen“ Welt steht, die wir mit ihrer Hilfe zu erfassen suchen. Diese allgemeine Frage kann auch die speziellere Form an- Hier darf man sich nun nicht daran stoßen, oder gar gut bezeugte Tatsachen für nichtexistent erklären, wenn manches an diesen Dingen vom modernen nehmen, ob der Raum, in welchem sich die „wirklichen“ Dinge bewegen, wenn es so etwas gibt, dem mathematischen Raum der von den ältesten Pytha- „phy- Standpunkt aus als abwegig oder gar als irrtümlich erscheint. So hat A. D. Steeles in einem an sich sehr interessanten und sorgfältigen Aufsatz den Beweis goreern bis zu Euklid und Archimedes ausgebildeten Geomerrie entspri cht, womit dann wieder die weitere, schon im Altertum viel diskutierte und in unserer Zeit wieder besonders aktuell gewordene Frage der Forderung der Beschränkung auf Zirkel und zusammenhängt, ob der Raum oder auch der in ansikalische* Raum ein Continuum oder ein Discon tinuum ist. Doch mag die weitere Erörterung dieser Frage zunächst zurückgestellt werden, bis sie derem Zusammenhang wieder auftauchen und von einer anderen Seite her eine neue Beleuchtung erfahren wird? an- Immerhin wird auch bis hierher schon sehr deutlich geworden sein, daß die frühgriechische Wissen schaft schon sehr bald, nachdem sie auf Grund des neuen Bedürfnisses nach Exaktheit und Verifizierung entstanden war, auf das Proble m gestoß en ist, was denn nun eigentlich in einer solchen exakten und verifizierten Erkenntnis erkannt wird und in welchem Verhäl tnis das so Erkann te zu der lebend igen Menschenwelt, in der wir eigentlich leben, steht, ein Problem, das, soviel ich sehen kann, in keiner Schärfe dern Kultur , solang e sie von den Griech en und ihren geistigen Nachfolgern unbeeinflußt geblieb en aufgetreten ist. ist, in dieser Form, jedenfalls nicht in dieser # Vgl. darüber unten 9.579 f,

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ungen und der Primat der e Griech en K. von N Frerz:: Der er B Beginn universalw I issenscha chaftlicher ide: T B 2 streb s Mensch . . . ? > ast Studinun Generale ist dabei offenkundig Popularphilosoph ie des 19. Jah thundeen5 ie ha ure n vor alle m in den östli östl iche n Staaten weiterlebt, als zum W esen einer „wisi sens chaftlichen Weltanschau für.. X ung“ gehörig betrachte worden ist Der erste Aus Vorstellungen zen den & imide eet viel originaler, doch —__ aan" ützl ice Erke nntn isse diese r Art ist es A nes seine philosophisc ) i hen Gedank ‚sie der Gemeinde d anken erst ıi i i Alter unter on ein solches Verbot vorzubeh Einf luß des Parm enides (ca, soi alten Sen e , wie eese vondurc denh a A 8 r.) entw Pythagoreern icke lt beric habe htet , so wi rd. läft Dage sich gen doch wäre es sinn- jer eit zeig los, die Verbreitung en”, daß Xenophanes zum Ader and E remise Heraklits ver- un minnen rod bieten zu wollen, en pie Tell sein er Gedanken unabhinyon selbst geschützt: da- 8 So bei dem au he aß niem groß en and, Alte der nich t auch im i Stande wäre en ahrschin emi ar aus der Betracht lich keit nach auch vor Pare ung der Welt zu ele aren muf. Da auf der ande en sieDe wird . rn Seite ein Was Hera klit von dem 8ewe Ziehung zwis ee i chen elph Xeno i phanes und Pa : sagt, daß er otte Adyar oöre grid ates beste + GAAG onuaiveı galt offe ht, wen n auch Parmenides nbar nach seiner Mei oo o pas Le Denker gewe nung auch von seiner eigenen Red sen ist, so behalten e “ee ee vi à Wen osophieh n dahe isto r rike Hera r klit in mit ei ihre nem r Fragment sagt®, Auff as4 5 ie ee habe Pythagor erhältnisses im wi i as keine Einsicht wenn hr sie auch den 5) BE ERFT, SO ist es ganz und gar Einf luß d en red, falsch, daraus menides über schätzt habe zu schli efen, n wie mög i en öfter pan gesch chen e auf Parist: also könne es Was in den wörtlich über bei Pythagor g as noch: keine Ansä lief tze erte z u n der Fragmenten der spa ken Werke des pythagoreischen eXen e oph Wisse a anes nscha an ft Phil gegeb osop en hischen Gedanhaben : sonst Wein hatteerakli eine solche Äuße varen t, läge sich nun rung nicht tun kö freilich in keiner Weis ree ichen mit den Vers genwenn auch Oor und diav uche oeio far n, mit spät er Hilf zur cha 8. a isku roden die rsiv Wirk en Denk lichkeit anz präzise ens werd en, so ise zu zu erfassen, wie sie in den beiden vo : ngehenden Kapite ln gesc hild ert wor den sind. sit Vi amehr handelt es sith vor allem um eine Kr: itik an n den anthropomoren : me Phe jen genen in den über lieferten als befindet — des Wesens der Welt . beue 5 do Mi alter s her die plôtzliche intuisve. Aenmenis es Wesens eine r Situation®, oder Men eden ung auf die Situa tion, in der sich der a . 7 Daf aß Pythagoras eine (xohv)-pertin habe, bezweifelt Herakl aklir it in n seine se m Fragm ent keines wegs. Aber es se ist für Ne ihn ihn ein ei Wisse i n 7 über Dinge i . Daraus ist sci ne ung nach keine Einsicht in das Wesentliche in . me Yinne n- wasimme r man von Heraklit halten ma g , ; ann kein : Zweife l sein, s e i , daß er r dden Anprüchen einer ,wissenschaflichen® Erkenntni s de den Ans D ruch e iner ganz ande IS gearte eten te Ein. SICT ich entnlaß für seine neue Erklärun ommen w ist: den A en ist; nur daß Thales sogleich daraus der Weltentsteh dem er den tums (RE). en Realenzyklopädie des klassischen Alrer- ” Für cine e eins schei eingeh ende egrün hed Beeri dune © y= Beg, en demnä ung vel. den nächst ächs er sche! nenden\ Artikel des Verfassers üb: er Xeenoph anes es in der cod und ‘Hom orale die eue in seinen Gedichten die Polemik ge L dergrun 1 pomorphen Gottesvorstellungen im Aen stehung genommen hat, während bei de ais % wie wenn er darauf hinweist5®, daß Xenoph 4, mit By dane andern Richtung hat gleichzeitig u oras und den älteren Pyth die sogenannte eleatische Philosophi e der Entwick. ung neuer Denk weise n, die auch in der Geschichte ven was wir moderne Wisse nschaft nennen ei i ero e ole spielen, einen Anstoß gegeben vas phe er zoe n „Ehil osoph ieges chich te gilt Xeno ; von Kolophon (ca. 570 bis 47 s parade der eleat ische n Philo sophi e: nd oa sum ch E K.- td Reinhar dı deinCa em e berüh Reinh ardt mtenat derh po seine m berti übera e oe |Buche hatten die Th shwarze und stumpfnasige Götter we Taker da: ? daraus undHa daß dieund Lsblauäugige, sie teden Schluß green 0blonde t ‚ daß die Löwen, we Bd e hin , mit dene n sie Götterbilder machen Rene “i on engestaltige machen wiirden, die indsgestaltige usw. Zugl . ei Zugle ich nah m e r auch Yom o G ethisn chen e Standpunkt aus an den überl ieferten n versucht har, daß X. enopha- Fritz, NOYE, NOEIN, and % Ibid. 22 B 40, . % Für die Bedeu tungs i g des Wortes voüs ı nd seiner Ableitungen vel Ke n their derivatives in Pre-S ocra tie 7 Philosophy. In: Class ical hilology XL, p. 223. (1945 ), da Reinh ardt, Pa rmeni des und die Geschiichte der grieischen Phil 059) ilosophie, i S. 89 ff, Bonn 1916 (2. Aufl. Frankfurt " Vgl, oben S. 549. ” Diels/Kranz 21 B 16, © Ibid, 21 B15. " Ibid, 21 B 11/12. Jahrgang 14 Heft 10 (1961) 565 aufs wie von ist hier also ht worden mittelbar wahrnehmbares, nur aus seinen die sich im Wirkungen zitierten Artikel, im einzelnen und zur Überlieferungsfrage vgl. den 39* in Fußn. zu ver77 Die beste, aber immer noch nicht ganz leicht sich in der stehende Formulierung des Arguments findet ne, Gorgia, pseudo-aristotelischen Schrift de Melisso, Xenopha verballhornte cap. 3, 977, 14 ff. Andere mehr oder minder Zur Interpretation Versionen bei Diels/Kranz 21 À 31 und 32. 67 daß das ments, in dem zu zeigen versucht wird, herallmächtige Wesen nicht aus einem Schwächeren gewesen sei, nicht mehr Macht gehabt haben. Es könne aber auch nicht aus einem Schwächeren hervorgegangen sein; denn woher hätte in dem Schwäes cheren die größere Stärke herkommen sollen, die dem Stärkeren hätte mitgeben müssen? Also sei das gehöchste Wesen nicht aus etwas anderem hervor gangen und mithin ewig. Das Bedeutsame für den hier zu betrachtenden Zusammenhang liegt in dem dritten Teil des Arguda es einem Stärkeren hervorgegangen sein. Denn ihm daalle Macht habe, könne auch das, was vor ren einem ihm gleichartigen noch aus einem Stärke noch aus einem Schwächeren hervorgegangen sein. Denn wäre es aus einem gleichartigen hervorgegangen, so hätte sich nichts geändert, wäre also auch nichts hervorgegangen, da nachher wie vorher ein (d. h. das), alles beherrschendes Wesen dagewesen aus wäre, Aus demselben Grunde könne es nicht aus durchdringt, lenkt und regiert, könne weder alles folgendermaßen: das höchste Wesen, welches erwa beweisen versuchte”. Das Argument lautet Gefünften Jahrhundert v. Chr. entwickelten, ein kt danke bedeutsam geworden, der einem nur indire das überlieferten Argument zu Grunde liegt, durch zu Xenophanes die Ewigkeit des höchsten Wesens ehmerkennbares Wirkendes von den sinnlich wahrn e unbaren Dingen, auf die es wirkt, auf das Klarst den terschieden. Diese Unterscheidung spielt dann in en in Ansätzen zu „wissenschaftlichen“ Untersuchung der folgenden Zeit eine sehr wichtige Rolle. Nach einer ganz anderen Richtung ist für die Ansätze zu „wissenschaftlichem“ Denken, und ist, sinnlich wahrnehmbare Dinge, Qualitäten nicht oder bewegende Kräfte alles noch eins sind und werden, nicht deutlich voneinander unterschieden unwird von Xenophanes ein mit den Sinnen nicht kern“, bei denen, wie zu zeigen versuc tnis gewiß nicht im Sinne einer zweifelhaften Erkenn e der Unzu verstehen. Wohl aber wird aufs Klarst durch terschied gemacht zwischen einem unmittelbar und einem sinnliche Wahrnehmung gegebenen Wissen enommeWissen, das auf Schlüssen aus dem Wahrg „Physinen beruht. Im Gegensatz zu den älteren festeste tiberzeugt war. Das „Deuchen“ der Existenz des von ihm erschlossenen Gottes Richtigkeit seiner Gottesvorstellung ebenso Pri mat der Griechen lwissenschaftlicher Bestrebungen und der K. vow: Fritz: Der Beginn universa lungen zudaß sie den Göttern alle Arten von Hand geschrieben hatten, die, wenn sie von Menschen benswert gelgangen würden, für schändlich und tadel ten würden. , durch Es ist jedoch nicht diese Kritik als solche der folgenden die er für das philosophische Denken ien dieses Zeit und vor allem für solche Ingredienz nte in das Denkens, die dann als wichtige Eleme en Zeit einge„wissenschaftliche“ Denken der neuer sondern durch gangen sind, bedeutsam geworden ist, Handeln überreiben die Gestalt im Zugewisse Vorstellungen und Prinzipien, die er hat. Er sammenhang mit dieser Kritik entwickelt der Überkommt von dieser Kritik aus zunächst zu zeugung, daß man Gott überhaupt nicht diirfe??; daß sein Wahrnehmen und oder Sinnesart eines sterblichen Wesens zusch den sei; haupt nicht an irgendwelche Organe gebun sieht, daß er vielmehr mit seinem ganzen Wesen ng auszuhört und versteht’ und, um eine Wirku Ort, an üben, sich auch nicht an einen bestimmten Zusamer alles durchbegeben dem die Wirkung statrfinden soll, zu dringt. Das für den hier zu untersuchenden braucht, sondern in sich verharrt, da reten rum nicht, was menhang Wichtige daran ist nun wiede gie aus darvom Standpunkt der christlichen Theolo h hier zum an bedeutsam zu sein scheint, daß nämlic a bedeutet deutschen erstenmal bei den Griechen die Einsicht aufzut Wort „Geist“ entsprechende Wort sveüp scheint, daß Gott „Geist“ ist. (Das dem liegt von der Vorursprünglich „Lufthauch“, geht also kommt aber stellung eines verdünnten Stoffes aus, er davon vielmehr in einem Fragment’, in dem bei Xenophanes nicht vor.) Das Bedeutsame und spricht, auf welche Weise Gott erkannt wird, von modas schon im Altertum und noch mehr worden dernen Erklärern vielfach mißverstanden jemand über ist. In diesem Fragment heißt es: wenn sage, so die Götter” auch noch so sehr zutreffendes Anschauwisse er es doch nicht aus unmittelbarer „Deuchens“. Daung, sondern nur auf Grund eines Ausdruck mit soll gewiß nicht ein Skeptizismus zum en is 176, gebracht werden, wie oft interpretiert word Denn die übrigen Fragmente lassen keinen Zweifel eit und darüber, daß Xenophanes von der Wahrh Ausgabe von 1936, 386 a/b. 2 Ibid., 21 B23. 72 Ibid, 21 B 14 und 21 B 25. H Ibid, 21 B 34. n“ spricht, statt 15 Daß Xenophanes hier von den „Götter nur eine, z. T. auch von dem einen Gott, an den er glaubt, ist ng an die tradidurch die dichterische Form bedingte Anpassu in den Fragmenten tionellen Vorstellungen, wie sie auch sonst Fußn. 67 erseiner Gedichte häufig vorkommt. Vgl. den in wähnten Artikel. von G. Ca70 Vel. dazu die ausgezeichneten Ausführungen Italiana, logero in dem Artikel Senofane in der Enciclopedia

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unternomsophie in von Sudiam Sieht man von Zenon von Elea und Melissos K. von Farrz: Der Beginn universalwissens chaftlich er Bestrebungen und der Primat der Griechen vorgegangen sein kann, weil dies nichts in sich haben konnte, aus dem ein Stärkeres hätte entstehen Samos ab, welche die parmenideische Philo andern Richtungen weiter zu entwickeln (1961 Jano Heft 10 0 (1961) 567 € De zeln aller Dinge“ oder wie wir zu sagen P * mn Elemente? angewendet wird, so is o à an den diesen die drei verschiedenen Aspel ee a sofern disse Lohr entgeg 8 leiches Gefühl Lehre mt*: 81: Da+ diese ii | entgegenkom vor allem auf die sinnliche Wahrnehmung fren un ch un d der er P Primat d der Griecher b aftlıcher Bi Destrebungen ersalw schaftlicher Lei B ezınn universalwissen RITZ: Der K. Vv von Fritz: n“ der Dinge Sichabscheide ‘€ i iden“ i; ata rie oki zu denken habe. Dann hat Fra e gestellt und dahin beanten “ mee di Pet daß sd Uree ebenheit der Luft zunächst Mer din Mi i Verdünnung einerseits Erde, 11. eit wurde, zu bestimmen, aus welcher Urgegebenh * Vgl. darüber Teil II in Heft ™ Parmenides hatte daraus, daß nur da s Seiende ist, weiter 8chlossen, das Seiende a es nichts außer ihm gibt, auch „Eines“ sein daß müsse, und daß, des keine Bewegung geben könne, ja eine Bewegung von einem Seienden in ein Nichtseiende gung s nicht stattfinden könne, da es das Nichtseiende nicht gibt, aber auch nicht in ein Seiendes, da ja das e ohnehin schon da ist. Die Philosophen der fol. Seiende schon da ist und sich, wenn es selbst als möglic h gedach Seiendes in das Seiende hin inbewegtc, t würde, daß sich ein nichts Ändern würde, da das Seiend genden Zeit, soweit sie nicht streng an der menides feschielten, haben sich alle dadurch mit Lehre des Parthm abzufinden gesucht, daß sie einen Aspekt seiner Lehre aufgaben, so Empedokles und Anaxagoras die absolut e Einheit und Einförm'gkeit des Seienden als Seiende s, den Rest dagegen beibehielten und zur Grundlage ihrer Welter klärung machten. % Vgl, darüber oben S. 556 ff. Ind ätte Nú Luft, : € . was den Prinö gesehen werden können, ur kalt, i i i Din Dinischwer, leicht, dicht, diinn, . . Lie wi ah Re emile man nicht unmittelbar walirnchmen, sondern nar an . Philia und Neikos, als . die Funktionen, welche en) fender im Weltgeschehen ee dene tes Eompedles ng des Empedcwe5 Grundprinzip der nnn ver er ON gehenden Elementen zu erklären, be en mischung von ist, Verden und Vergehen as Asen 3 und Ene welcher wreibender Kri, i den kle, die de pedo wegung verzen, Den as 5 spi ufg abe vi ond zer den zwei Wi Pr oden Weise, daß nach seiner Annahme we . . . . in . alle Ewigkeit se immer Owen ee Ver: einer die Liebe ne chang Fin gerion de einander zu Stande bringt, in deren anderer dagegen eine immer größere trennt, ennt so ; rioc een an nen Pee von einander nchmend en i Elemente zu der Haß de ige Trennuag Tom ständige Mischung aller ee ae yon Ende der anderen ihre vo 4 da | Mie an einander steht. Die Welten mann tiger en ben, der une vergehender Dinge ine =ren einer den bern and. \ entstchen aber jedesma Men ganges von dem einen zum Das Interessante an dieser pe culation vom Standpunkt der Entste ung e wissen: enna Denkmethoden aus ist nun, kenden Kräfte den Namen emotionaler Ki e tr : 1 un: und ihre gen, während ihre Grundfunktion, die Mischung ä rend Entmischung Wasser, ‚ Luft : un der der Elemente Erde,A i DI, scheint. Dieser zu seinsint she zu Feuer, durchaus eine ad sische doppelte Charakter der wir ve aide deo: tt, Demme standen wird. echt: Wort oroıxeiov, sp was später genau dem, zie nespricht unter Element vere ieml: ch ena 1 was Aberhaw worden. meme scheinlich ecbraucht Si von übertraecr ; Demokrit, Sina : diesem schr übertragenen Empedekles mir dem Ausdruck biböuara navıdg gemein! lich 8 Das Wort Element bzw. das griechische d von dem es eine lateinische Übersetzung ist un das ursp 5 dokles, wahrch Buchstabe bedeutet, ist erst später als Empedokles, wa Bu Demokrit, möglicherweise schon von Leukipp, 8 _ W. S Warme: in Honour of Char ch als emotionale Qualitäten die aber iederu aufKräfte ö können, ba Id als wirkende i f ä i edelen Aspekte d deutchiedenen i ee daß i diese Diese ehalten n werden können. i ö lich auseinanderg derschake Ha Eigentümlichkeit der älteren Philosophie ist auch bei beGradea i i zu einem gewissen pedok wn noch bis Empedokles „erkannt“ werde, also nur aufgesele wird, daß nur Gleiches ÀMedicine, Essays andes History and , History Science 5 Vision. . In In: Science, Visionin: of | Va Theory 7 he vel Gleichem Sie 1 Trockenes von von Warmem, 7Kaltes von Kaltem, N des Hasses Kälte die täten, wo die Wärme der Liebe, a i i usw. | nur voll empfunden werden, wo ihnen ein rockenem, Feuchtes Trock Feu von Feuchtem, was am leichi H testen zu verstehen ist bei den emotionalen Qu alivon Pam ier d das Wier an empedowenn ist dies in der dungen, Am deutlichsen den Sinnesempfin wahet, Le a i sin treten nun jedoch bei Empedokles weitere gen aie 1 teilwei ebenfalls an ,4ältere ie teilweise die zi ungens fen i Differenvier und diese weiterführen teilgi . a £ 7 neue Gedankengänge und Prore Talon de dann auch in der Philosophie der : Zak cine beherrschende Rolle spielen. Es Par den i von den le alten i daf die vane icsich früher gezeigt, h en en” angenommenen Urgegebenheiten bald „Pva Form won Stoffen wie Erde, Wasser, Fever und Luft, bald in der Form von physischen Quali nicht so schr vor allen Dingen, sodern in llen Bi zimenes werden sie damit zu Urgegebenheiten, die = hjdie dre nebst der Luft selbst als gleichberechtigte ins nebeneinander, die er 6Cdpata dita i i „Wurzeln Jeden“ oderals bei einesentschiedener es Ale Din gr en nennt. Noch + Ana” des X a, hanes widersprochen hätte. Daher setzte füllten i ns Parmenides und in gewisser Weise schon ü tillen Seins aus einem weniger er- Einpedokle nicht annehmen, da darin die Annahme k oder ienden nden oder vergehenden Seien: i ne fi jn ch Verdichtung und Verdünnung konnte ? en enden en zeitlih am Anfang steht, eine € als physische und als emotionale Qualifeinne vereinigt sind. nagesen aefie w kenden Kafe zene on , Cenc dem Vorbi nach alles durchwirkendes Prinzip angeserzt hat > as können. Dem liegt ganz offensichtlich der Gedan ke zugrunde, daf nichts aus nichts entstehen kann. In gewisser Weise war diese Vorste llung implici te schon bei den drei alten Naturphilosophen Thales, Anaximander und Anaximenes gegeben, wenn diese alle — im Gegensatz zu Hesiod, der zuerst das Chaos, an ven Nebel, andererseits das Feuer hervorvveangen ssien durch deren mannigfache Wirkungen didie uns u mi Fü der Dinge, ie ülle ein. i res om abel war unverschens aus der davon nu mehrVor erkennen kann, m ir seinen Wirkungen abgetrennt und se san Fe 5Fi ache n Versuch gemacht wird, sie in eine den Forderunge diesen Bemühunmen haben’s, so sind die Bemü hung en der Folgezeit zunächst vor allem darauf gerichtet, das Ergebnis des parmenideischen Denkens, daß nichts entstehen und nichts vergehen könne , mit dem Augen schei n in Einklang zu bringen, der uns von lauter entst ehenden und vergehenden Dingen umgeben zeigt. Dabei ist i die den Dingen allerzeit pew in eworden, Tr enheie entstanden sie nicht nur dem an als as UrUrpTinzip 4 aus sie letzterdings auch bestehen, hatte, Das neue ist nur, daß Xenophanes diesen Grundsatz nun auch ausspricht und in einem Argument verwendet. es sehr interessant zu sehen, wie bei gen die versc hiede nsten Eleme nte der vorparmenideischen Philosophie aufgenommen werde n und der wg Sehr interessant fiir den Gang er wieder nunnme m ind lichen“ pass ing i des „wissenschaft dann die Erde usw. entstehen ließ — angenommen harten, daß die Urgegebenheit, aus der alle andern Dinge entsta nden sind, sei dies nun das Wasser, das Apeiron oder die Luft, seit aller Ewigke it existiert des parmenideischen Denkens entspreche nde Welterklärung einzubauen, ne lee ne hun von Erde, Wasser und Feuer aus An dieser Stelle ist nun der in der antiken Philosophiegeschichte überall behauptete und erst von den neuer en gelege ntlich geleu gnete Verkn üpfun gspunkt zwischen Xenophanes und der von Parmenides von Elea inaugurierten sogenannten eleatischen Philosophie zu finden . Nur ist Parme nides allerd ings unvergleichlich viel radikaler. Xenophanes hatte gesagt, daß das Stärk ere nicht aus dem Schwä cheren hervorgegangen sein kann, weil das Schwä chere die Stärke nicht in sich haben kann, die es dem Stärkeren mitgeben könnte, woraus sich ergibt, daß erst recht nicht ein Etwas aus einem Nichts entstehen Die nächstliegende Erklä rung war dann wohl, allerdings im Gegensatz zu Parmenides selbst”, anzunehmen, daß es verschiedenartige „seie nde“ und also weder entstehende noch verge hende Gegeb enheiten gebe, und daß das Werden und Vergehen durch Mischung und Entmischung dieser Grundforme n des Seienden zu erklären sei. Diese r Weg der Erklä rung ist denn auch von Empe dokl es von Akrag as (ca. 490/485 bis ca. 430/25) und von Anaxa goras (ca. 500 bis ca. 430) von Klazomenae, der nach Angabe des Aristoteles älter war als Emped okles , aber seine philosophischen Werke später als dieser verfa ßt har, zu Thales, Anaximander und Anaximenes über die iker“ okles offeneingeschlagen worden. Dabei har Emped kundig an die Spekulationen der alten „Phys kann. Parmenides hämmert in imme r neuen Wendungen seinen Hörern oder Lesern den, Geda nken ein, daß aus einem Nichtseienden kein Seiendes her- APXH, d. h. den Ursprung der Welt, angek nüpft, vorgehen, aber umgekehrt auch kein Seien des stehen oder vergehen könne, daraus gewor den ist. Die Entwicklung dieser Speku latio nen war ja so vor Sich gegangen“, daß zunächst der Versuch gemacht zu behandelnden Probleme die Philosophie des Parund es ist interessant zu sehen, was unter dem Zwang des neuen Gedankens, daß kein Seiendes entseiende oder das Nichts, eben deshalb weil es Nichtseiend ist, schlechterdings nicht gibt. Es ist unmöglich, in dem Zusammenhang der hier die Welt, in der wir leben, mit ihrer Vielh eit von Dingen hervorgegangen sei, ohne daf dabei die Frage gestellt wurde, wie man sich denn dieses einem Nichtseienden, also kein Seien des zu Nichts oder zu nichte werden kann, weil es das Nichtmendides, die unter ande rem wohl auch mit den Sinn gehabt hat, die Menschen, die sich vor dem Nichts und vor den negativen Dingen fürchten, darüber aufzukläre n, daß nichts , das „ist“, aus dem. Sein herausfallen kann und daß, da es kein Nichts gibt, sondern alles sozusagen prall mit Sein gefüllt ist, es eigentlich auch nichts7 Negatives geben kann, im ein. . zelnen zu interpretieren ° und zu analysieren, was eine eigene umfangreiche Abhandlung erfordern würde, Es muß genügen, die ungeheuren Folgen zu : „> berrachten, die der Gedanke des Parmenides in der unmittelbar auf ihn folgenden Epoche für die Bemühungen um eine „wisse nschaflliche“ Erkenntnis \ en der Welt gehabt hat, wobei dann einige in diesem Zusammenhang wichtige Aspekte der parmenide. ee : ischen Philosophie ohnehin in ein helles Licht treten werden.

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K. von Fritz: Der Beginn univer salwiss enschaftlicher Bestrebungen mannigfaltige Weise hervor. Im Gegensatz zu dem Gott des Xenophanes, der vóou peeol zóvra xgadatver d. h. durch die Entscheidungen seine r Einsicht alles vollbringt, erscheinen sie als „blin de“ physische Krafte vor allem in Empedokles’ Erklärung der Entstehung der Lebewesen, wona ch bei dem Prozeß der Mischung oder Entmischung zuers t einzelne Glieder enstanden®, dann auch Lebew esen, in welch en die Glieder mannigfacher Lebewesen, wie wir sie kennen, in unharmonischer Weise mitei nander ver- Slnigt waren, Wesen mit dopp eltem Gesicht und der Primar der Griechen Studium General: des Physischen mit dem Emotionalen gewahrt, während zugleich — das wird sich für die folgende Entwicklung als sehr wichtig erweisen — die wirkenden Kräfte nach der physischen Seite hin auf ganz einfache rein kausale Wirkungen besc hränkt werden. Abgesehen von den bisher analysiert en Gedanken in denen sich Begriffe und Vorstellun gen, die in der modernen Wissenschaft eine grun dlegende Bedeutung haben, zum erstenmal mehr oder minder deutlich abzuzeichnen beginnen, ist die Philosophie des Empedokles noch in zwei anderen Richtungen für die Entwicklung „wissenschaftlichen“ Denkens bedeut oder doppelter Brust, kuhgestaltige Wese n mit menschlichem Kopf oder Gesicht oder Oberk örper, Mensam geworden. Das erste ist, schen mit Ochsenköpfen und ähnliche Ding daß bei Empee™ von dokles das Problem der menschlichen Erkenntn denen aber nur diejenigen, die harmo nisch zusam- und is dami t implizite naturgemäß auch der wisse mengefügt weren, sich erhalten und, wenn sie mit schaftlich nen Erkenntnis in einer Form auftritt, harmonierenden Fortpflanzungsorgane in der n versehen ishi waren, sich fortpflanzen konnten. sam dese Vorellnge auch sind, So doch wird, so selt5 ons Dis hierher noch nicht begeg der aus ve n bei den Nachfolgern des Hekat net war, rein ausalen Denkweise, wenn sie sich aios in dem mit des ersuch, Punkte auf der Erdoberfläche in ihrer Lage Vorstellung einer Entwicklung der Welt als Ganzem Dunander genau zu bestimmen oder bei den verknüpft, fast mit Notwendigkeit sich ergebende Pythagoreern bei ihren Versuchen, die den Din en Geda nke der Entst ehung „survival“, wenn nicht „of derthe Tierg atrun aus dem „runen fitte deund st" gen legefestz se doh ndenulege mathe of “tmm matis chen Seruk n®, die Frage the fi, d. h. der erhaltungs- und aufgeturen tretenrube war fortpflanzungs- ob und wie weit die hier der wissenschaftlichen Ana fahigen, vorweggenommen. lyse zugrunde liegenden Strukturen wirklich in den Dingen liegen oder ihnen vom Mens Auf der andern Seite erscheint die Liebe chen aufgelegr bei Empedokles doch auch als die emotionale Kraft, welche die Lebewesen dazu treibt, sich durch Fortpflanzun miteinander zu vereinigen, und sie wird ganz wie die menschliche Liebe in dichterischen Worten als sanft mild, freundlich, untadelig, herrlich usw. gepriesen®s, werden, um sie fiir ihn erkennbar zu machen oder eines Wirkenden aufgetreten war, das mit den wenn bei Xenophanes die Frage der Erkennbarkeit Sinnen nicht wahrgenommen werden, sonde rn nur mittelbar aus seinen Wirkungen erkannt werden kann ®, so war dabei doch immer die still während der Haß mit Beiwörtern wie schrec schweigende klich, und als sich von selbst verstehend gar nicht diskuverderblich, belegt wird®, obwohl er doch, als phy- tierte Voraussetzung beste hen geblieben, daß die unsische Kraft betrachtet, für die Weltentste hung nicht mittelbar wahrgenommen en Dinge in der Wahrnehweniger notwendig ist als die Liebe, da ja die Welt mung so gegeben sind, wie sie wirklich sind. Das sonst in dem Zustand der vollkommenen Mischun Prinzip, das Gleiches durch Gleic aller Elemente verharren würde und die hes erkannt werde Manis, das bei Empedokles in einer Form auftritt, die es als faltigkeit der Dinge und Lebewesen nicht entstehen äußerst wahrscheinlich erscheinen läßt daß es nicht könnte. Das zeigt von neuem, daß in der alten Zeit yon ihm zuerst aufge stellt worden ist "sondern älter die Bezeichnung emotionaler und ‚physi scher‘ Quali- ist, wurde dabei offen bar zunächst durchaus nicht als tâten mit denselben Worten wie warm und kalt Einschränkung der Erkennbarkeit der Dinge empkeine metaphorische Übertragung von einem Gebiet funden. Im Gegenteil: da dieselben Stoffe-Qualiauf ein anderes Gebier bedeutete, sondern diese tâten-Kräfte, welche die Welt wirklich als identisch empfunden wurde außer uns konstin. So bleibt tuieren, auch in uns sind, schien durch dieses Prinbei Empedokles trotz der Abtrennung der nicht un- zip die unmittelbare Erken ntnis dieser Dinge in der mittelbar sichtbaren, nur aus ihren Wirkungen erWahrnehmung garantiert, ohne daß kennbaren Kräfte von den stofflichen das Problem Dingen und der Empfindung oder des Bewußtseins als solches den mit ihnen immer noch als identi sch erscheinen- auftrat. Selbst die Philosophie des Parmenides den Qualitäten doch auf beiden Seite n die Identität deren Ergebnis, daß nichts entsteht und nichts vergeht, daß alles eins ist und daher auch ® Vgl. Diels/Kranz 31 B 57/58. keine Bewe“Vgl. Ibid. 31 B 59—61. ® Ibid. 31 B 35, 10. “" Ibidem 31 B 22, 6/7; B 272; B 109, 3. F7 Vgl. oben S, 554 ff, 55 Vgl. oben S. 561 ff. ” Vel. oben S. 565 ff. Jahrgang 14 Heft 10 (1961) K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen 569 gung stattfinden kann, dazu zwang, der wahren _ derte Wahrnehmung der Dinge, wie sie wirklich Wele (des unveränderlichen Seins) eine werdende sind, verbürge. Dadurch werden weiterreichende Folgerungen aus der Tatsache, daß die Wahrnehund vergehende Welt der bloßen 80&, des Meinens und Wähnens, gegenüberzustellen, hat bei einigen mung und Wahrnehmungsfähigkeit bei verschiedeseiner Nachfolger, wie eben Empedokles, so sehr nen Lebewesen verschieden ist, vermieden, obwohl ihre Welterklärung durch ihn beeinflußt worden ist, Empedokles andererseits darauf hinweist, daß eine daran doch nichts Wesentliches geändert. Ja, es ist Koordination der verschiedenen Wahrnehmungen Empedokles sogar gelungen, mit Hilfe dieses Prin- zu einer tieferen Erkenntnis der Welt als Ganzem zips die Erkenntnis der nicht mit den Sinnesorganen schwierig ist®, ganz abgesehen von der fundamentalen Täuschung, der fast alle Menschen unterliegen, wahrnehmbaren wirkenden Kräfte, die bei Xenophanes als ein von der Wahrnehmung ganz Ver- indem sie glauben, daß es ein wirkliches Werden und Vergehen gebe, während es doch nur Mischung schiedenes erschien, dieser wieder anzugleichen, indem er erklärte; „durch (sc. die in unseren Sinnes- und Entmischung gibt Aber schon zu Empedokles Lebzeiten sollten die organen vorhandene) Erde nehmen wir Erde wahr, Fragen, die hier angeschnitten sind, in einer viel durch Wasser Wasser, durch Äther Äther, durch radikaleren Form wieder auftauchen ®, Der zweite Feuer Feuer, durch Liebe Liebe und durch Haß bedeutsame Punkt ist — abgesehen von einer Fülle Haß“, wobei er sich jedoch durchaus bewußt ist, daß die Wahrnehmung mit Hilfe der Sinnesorgane von mehr oder minder wissenschaftlichen Erklärungen von Einzelphänomenen, die nichts Prinzipielles eine andere Art der Wahrnehmung ist, als die von haben und daher hier nicht interessieren — der Liebe und Haß, die er daher dem vöog zuschreibt®. Der eigentliche Anstoß zu dem Neuen kam von Versuch der Erklärung gewisser typischer Vorgänge einer anderen Seite: nämlich von der empirischen durch auf den ersten Blick weit entfernte ErscheiBeobachtung, daß die Wahrnehmung und Wahrneh- nungen, wobei die Vermutung naheliegt, daß das mungsfähigkeit bei verschiedenartigen Lebewesen zur Erklärung dienende Phänomen durch experiverschieden zu sein scheint. Das Beispiel, welches da- mentierende Wiederholung nachgeprüft wurde, obfür in der indirekten Überlieferung angeführt wohl dies nicht unmittelbar ausgesprochen wird wird?®?, das aber nicht das einzige gewesen zu sein oder überliefert ist. Das eindrucksvollste Beispiel dieser Art® ist die Erklärung des Ein- und Ausbraucht, ist dies, daß manche Lebewesen bei Tag atmens durch ein Zurücktreren des im Körper (in besser sehen, manche bei Nacht, Das wird daraus erklärt, daß diejenigen, die bei Tag besser sehen, den Lungen?) befindlichen Blutes nach unten, woverhältnismäßig wenig Feuer in ihren Sinnesorga- durch die Luft, da es keinen leeren Raum gibt, gezwungen wird, in den Raum einzuströmen, nen haben. Ist nun draußen viel Feuer (= Licht), so werden alle Feuerteilchen im Auge aktiviert und das Sehen ist nicht beeinträchtigt; ist dagegen draußen wenig Licht und trifft nicht alles Licht, das ins Auge kommt, auf Teilchen, die es wahrzunehmen vermögen, so ist die Wahrnehmung beeinträchtigt. Diejenigen Lebewesen dagegen, die viele Feuerteilchen im Auge haben, können auch das wenige Feuer oder Licht noch wahrnehmen, weil nichts davon der Wahrnehmung verlorengeht. Dagegen haben wieder diejenigen Lebewesen, die viel Feuer im Auge haben, zu wenig von den andern Elementen, so daß ihre Wahrnehmung bei Tage, wo von draußen soviel Licht, aber weniger von den andern Elementen ins Auge kommt, beeinträchtigt ist. Empedokles zieht daraus die Folgerung, daß eine möglichst gleichmäßige Mischung der Elemente in den Sinnesorganen am besten sei, d.h. eine möglichst unverän% Diels/Kranz 31 B 109. ™ Ibidem 31 B17, 21. Für eine genauere Analyse der Rolle des vóog bei Empedokles, die hier wegen Platzmangels nicht gegeben werden kann, vgl. die Fortsetzung des in Fußn. 65 zitierten Aufsatzes in Classical Philology XLI, pp. 13 ff. (1946). ®2 Diels/Kranz 31 A 86, 8/9; vgl. auch ibid. B 95. während sie, wenn das Blut wieder nach oben steigt, wieder zum Ausströmen gezwungen ist, Dies wird erläutert an dem Beispiel einer Klepsydra, die oben und unten geöffnet ist, in die aber, solange man die obere Offnung mit der Hand zuhält, wenn sie mit der unteren ins Wasser getaucht wird, kein Wasser eindringen kann, weil es von der Luft zurückgehalten wird, aber sofort eindringt, sobald man die Luft durch die obere Offnung entweichen läßt, während umgekehrt, wenn man nun wieder die obere Offnung zuhält und die Klepsydra teilweise aus dem Wasser zieht, das Wasser nicht aus ihr weicht, bis die Luft von oben oder unten Zutritt erhält und das Vacuum ausfüllen kann. Dabei ist interessant, daß abgesehen von dem sneziellen Phänomen des Aus- und Einatmens, welches die Beobachtung an oder das Experiment mit der Klepsvdra erklären soll, dieses Experiment auch zur Bestätieung der allgemeinen Voraussetzung, daf es keinen leeren Raum B Vel. Dicls/Kranz 31 B 2. % Ibidem B 8. % Vgl. unten S.573 ff. B Diels/Kranz 31 B 100.

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K. von Fritz: Der Beginn universalwissenscha Studium Generale Generate oder seine Experimente zu unterbauen, wie ja zu gleich er Zeit auch die von denselben parmenideischen Prinzi pien aus wie nommen, infolge wovon das Experiment ieren erst im dritte n Jahrh under t v. Chr. in einer für die Entwicklung der Wissenschaft bedeutsamen Weise wieder aufgenommen worden ist!01, Der von Empedokles Zeitgenossen Anaxa goras unternommene Versuch einer universalen und in gewissern Sinn wissenschaftlichen Naturerklärung ging e Richtung gefolgenden Zeit zunächst eine ander experimentelle Nachprüfung von Theor ien daraus ergebe n, ganz analo g zu dem Vorga ng, wie die Versuche, die pythagoreische Theorie der arith metica universalis an imme r neuen Gegen ständ en durchzuführen, durch die überraschende Entde ckung der Inkommensurabilität zum Umsturz der ursprünglichen Theorie gefüh rt haben . Tatsä chlic h hat dann freilich das griechische Denken in der unmit telbar worden wären, zweifellos ganz von selbst mente mit toner zeuge nden Instr ument en angestellt haben mug!0, Dabei liegt der Ton freili ch zunächst durchaus auf der Unterbauung, nicht auf der Nachprüfung der Theor ie durch das Exper iment . Doch hätte sich, wenn diese Ansätze weite r entwickelt wenig später Hippasos von Metapont filicher Bestrebungen und der Prima t der Griechen (der ein Nichts wäre, das es nach Parme nides nicht geben kann), gibt, dienen könnte. Hierher gehört auch die freilich, wenn Aristo teles, der sie berichter, die Meinung des Empedokles richtig verstanden hat, seltsame Erklärung?”, wieso es komme, daß die Erde sich nicht von ihrem Platze in der Mitte des Kosm os beweg e, aus der schnel len Kreisbewegung der Gestirne um sie herum : sie bleibe an ihrem Platze wie das Wasser in einem Gefäß, das im Kreis herumgewirbelt wird, in dem Gefäß an seiner Stelle bleibt, auch wenn das Gefäß oben und das Wasser unter ihm ist. Wenn das Experiment erklä ren sollte, waru m die Gestir ne nicht auf die Erde fallen, wäre es schr viel bemer kenswerter. Aber auch wenn, wie doch wahrsc heinlich ist?®, die Interpretation des Aristoteles zutreffend ist, ist die Verbindung weit auseinanderl iegender Erscheinungen zu einer Erklärung bemerkensw ert, Am eigent ümlich sten ist jedoch das dritte überlieferte Beispiel®®, weil hier die Theorie, die bestät igt werden soll, völlig richtig ist und die Beoba chtung, die zu ihrer Begründung dienen soll, am deutli chsten von allen berich teten Fällen Exper iment charakter hat, weil aber nach heutigen Kenntnissen ganz unerklarlich ist, wie das Experiment gelun gen sein soll. Hier lauter die Theorie, daß das Salzw asser des 409 Vel. oben S. 557. derjenige des Empedokles: nur hat Anaxa goras diese Prinzipien radikaler genommen und ist dadurch zu etwas abweichenden Resultaten gelangt!?2, das Gefäß mit richtig. Das Ex- Meere s „Süßw asser in sich enthal te“ und daß die Fische durch die Poren ihrer Haut nicht Salzwa sser, sondern Süßwasser in ihren Körper aufne hmen. Das letztere ist, wie gesagt, völlig periment aber lautet, daß, wenn man ein leeres aus Wachs bestehendes Gefäß ins Meer verse nke und nach 24 Stunden wieder herausziehe, Süßwasser gefüllt sein werde. Nun har man sich gerade in neuester Zeit aufs äußerste um die Erfindung einfac her Metho den, aus Meerw asser Süßwasser zu gewinnen, bemüht, bisher aber keinen Stoff gefunden, sei es Wachs oder einen ander en, aus dem man ein Gefäß herstellen könnt e, mit dem der bert Grosseteste and che Origins of Experimental York 1949, das schon im Vorwort leicht als unrichti g, um nicht zu sagen unwahr, nachzuweisende Angaben tber die Einschätzung dieser Arbeit durch andere Gelchrte enthält. von F. M. Cleve, The Philosophy of Anaxagoras, New Physical Theory of Anaxagoras in: The Philosophical Review LIX, p.31 ff. (1950). Zu warnen ist dagegen vor dem Buch sehr klaren und sorgfältigen Aufsatz von G. Vlastos, The Oxford 1953, und den interessanten Aufsatz von A. Koyré, Les origines de la science moderne, int Diogtne 1956, Nr. 18, p.2ff.). Daß sie auf dem Experiment basiert, unterscheidet die moderne Wissenschaft ganz wesentlich von der antiken, in der es darin nur zu Ansitzen gekommen ist. Aber das zitierte Buch von Crombie zeigt auch im einzelnen, daß die Entwicklung der modernen Experimentalwissenschaft ohne die in der Antike ausgebildete Methode der Gedankenkonstr uktionen nicht möglich gewesen wäre. Val. auch unten S. 580 u. Teil II, Heft 11. 1% Die Fragmente des Anaxagoras bieten der Interpre tation im einzelnen außerordentliche Schwierigkeiten. Auf diese hier genauer einzugehen, ist unmöglich. Ich verweise daher auf den Science, 101 Ansätze zu einer experimentiere nden Wissensc haft finden sich im Altertum außer bei Empedokles vor allem bei dem Peripatetiker Straton von Lampsakos (ca. 340 bis ca. 270 v. Chr), bei Archimedes (ca. 285 bis 212 v.Chr.) und bei Heron von Alexandria, der vermutlich in der Kaiserze it welebr hat, dessen Werk aber zum größten Teil eine Kompilation älterer Errungenschaften darstellt. Diese Ansätze sind im Alterzum jedoch nicht weiter entwicke lt worden. Als systemarische Kombination von gedanklicher Konstruktion und Beobach tung, die dann zu einer systematischen „Befragung“ der Natur unter speziellen auf Grund der Gedankenkonstr ukrior a hergestellten Bedingungen ausgebaut wurde, hat die experim entelle Wissenschaft am Ausgang des Mittelalters mit Robert Grosseteste einen yanz neuen Anfang genommen (vgl. A. C. Crombie, Rodurch ihn und Versuch ein im Sinne des Empedokles positives Ergebnis hätte, obwohl die Mögli chkei t der Existenz eines solche n Stoffe s nicht auf Grun d allgemeiner Gesetze geleugnet werden kann. Aber was immer es mit dem angeblichen oder wirklichen Experiment des Empedokles für eine Behandtnis haben mag, daran kann kein Zweifel sein, daß B 13, 295, zu seiner Zeit die ersten tastenden Versu che unternommen worde n sind, Theor ien zur Erklä rung von Phänomenen des Naturgeschehens durch Experi- ™ Dicls/Kranz 31 A 67 aus Aristoteles de caelo 13 ff. *6 Da bei Empedokles die Gostirne aus Feuer bestehen und das Feuer ein leichtes Element ist, konnte fiir Empedokles das Problem, warum die Gestirne nicht auf die Erde herunter fallen, kaum entstehen. ® Diel/Kranz 31 A 66. Jahrgang 14 Heft 10 (1961) 571 nun, wie Anaxagoras diesen NOYE in a seinem Welterklärungssystem verwendet, ist ganz Prinzipien, sondern nur eines. Dieses findet er in Um diesen einlinigen und einmaligen Proze I Bewegung zu setzen, braucht er nicht wie Empe 9 kles für seinen doppelten Prozeß zwei bewegende der unterscheidbar werden, unendlich weitere en. Verteilung der Ingredienzien in den Dingen ie Stoffe und Qualitäten für den Menschen yoneinanscheidbar voneinander waren?®®, und dann den rozeß der Entmischung, in dem durch verschiedene blems des unendlich Kleinen und des Problems der menschlichen Erkenntnis ist die Funktion, die Anaxagoras in seinem Versuch der Welterklärung dem NOYZ zugewiesen hat. Da es für Anaxagoras keinen Zustand der vollstandigen Entmischung ge so kann es für ihn auch nicht wie für Empedok es ein Hin- und Herpendeln der Weltentwicklung zwischen einem Zustand völliger Mischung und einem Zustand völliger Entmischung geben. Folglich is t er die Weltentstehung mit einem Zustand völliger Mischung beginnen, in welchem alle Dinge ununter- Primat der Gr echen de Primat und d der gi universalwissenschaftlicher B Bestrebungen Bezinn 5 K „von F Fritz:: Der Der Begi Wahrscheinlich weil auch die empedokleischen Le ae mente sich faktisch ineinander zu verwandein : tie nen, hat Anaxagoras die Theorie abgelehnt, Ri lies andere durch Mischung und Entmischung deser Dr die unwandelbaren Urelemente seien, wahren Prinzipien nichts wirklich entstehen oder verses en elemente entstehe. Da nach den parmenideis pen kann, aber dem Augenschein nach alles aus ; em ia entstehen kann, nahm Anaxagoras an, daß aes allem enthalten sein müsse!®. Daraus ergab sich eine ; Reihe von Folgerungen: 1. daß alle Dinge aus unendlich kleinen Teilen zusammengesetzt seın müssen da sonst nicht in dem kleinsten Teil eines Sraffes noch Teile aller andern enthalten sein können 2. die Unmöglichkeit eines Zustandes völliger Eee mischung, wie ihn Empedokles als Endergebnis ler einen der beiden einander abwechselnden We pero den angenommen harte!®; 3. daß jeder Stet pes nicht als das erscheint, was er ist, sondern on as, wovon er proportional am meisten in sich enthäl 3 . Dadurch erscheinen zwei Probleme, die auch anderas weitig aufgetreten waren, unter einem etwas neun uns bisher nur in der Form des Problems der won Aspekt: das Problem des unendlich Kleinen, außerordentlich interessant. NOYE bedeutet in der ältesten griechischen Sprache die Fähigkein, eine die Zu- Zeit mit Wörtern, die von dem Stamm ggev al geleikunft und des Planens. Dagegen wird Erkennen die sich unmittelbar in Handeln umsetzt, in fie Erkenntnis, allenfalls der Vorausschau in so tiefer in das Wesen der Welt einzudringen 3 s durch die bloße Wahrnehmung. Doch bleil t der NOYE bis zu Anaxagoras eine Fähigkeit der zeinen ras, die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen un Situation als Ganzes zu erkennen oder zu us schauen!®. Daraus wird in der ältesten griechis en Philosophie, also bei den Vorgängern des Anaxagolichen Teilung begegnet war, in der Form des Problems der Zusammengesetztheit von Dingen aus unendlich kleinen Teilchen!®’, und das Problem der Möglichkeit einer dem Gegenstand adäquacen Er kenntnis. Hier gilt auch für Anaxagoras noch, af — abgesehen von der auch von Empedokles ange nommenen Täuschung über das Werden und Nú gehen, die in Wirklichkeit nur wechselnde Mis un gen sind — im wesentlichen die Dinge (Stoffe un Eigenschaften, bzw. Stoffeigenschaften) ‚einfach, a das wahrgenommen werden, was sie wirklich sind. ter sind, bezeichnet. So sagt Xenophanes von seinem Gott, indem er beides verbindet, daß er vou pgeal A 108 Diels/Kranz 59 Bl: zat aéviwv ôuoÿ bóvrwv ovdev un Evönkov Av zòind ox érntos. di in Fußn. 65 u nd 91 zitierten zot Vgl. darüber genauerr die | Aufsätze. ne Vgl. Dicls/Kranz 59 B12: Hier scheint der Sate wat énoîa Epehhev Éceoda zal dxoia Tv, äooo. or bor ie \ Boa viv ton zei dxoia Écrut, da, wenn der ext der ne richtig ist, vor stóvra Òuaxóounoe vois kein weitere xa : he zu dem folgenden gezogen werden zu Hu 5 is ef na inn mad Aber dem Sinn zu bezichen. i das Ordnen aller Dinge muß er mindestens auch zu dem Vorangegangenen gehören, wo von dem Erkennen des NOYT die Rede zu sein. Er erkennt alles, das Gemischte ad A Ungemischte, wie es war, ist und sein wird!!®, Au a xavta xgadaiver (durch die Entscheidungserkennttis Aber da jeder Stoff nur als das wahrgenommen wird, was proportional am meisten in ihm vor an den ist, so ist die Adäquatheit der wahrnehmen. en eines NOY® alles lenkt). Bei Anaxagoras ist de Charakter des NOYE als Erkenntniskraft gewa. re Im Gegensatz zu allen andern Dingen mischt er sic mit nichts, Dennoch scheint er überall segenw arts Erkenntnis doch schon sehr wesentlich vermindert. Bedeutsamer noch für die Entwicklung gewisser Charakteristica und Folgen des wissenschaftlichen Denkens als diese beiden neuen Aspekte des Pro- Frage des Verhältnisses ierige schwierige i i außerordentlich 103 Die der Kräße-Qualitäten wie des Warmen und Kalten, Trocken d Feuchten, Hellen und Dunklen, ete, zu den toffen Fleisch Blut "Haare Nigel etc., die Viastes in dem fine kann hier nicht erörtert werden.jehand behandelt, eine, satz eingehend fsatz Deck ist ‘hrs Lösung fiir die oben gegebene Analyse der Grand: r prinzipien des anaxagoreischen Denkens nicht von wesen bee va Diels/Kranz 59 B 3. Es ist interessant, daf dre 1 it nicht von einem unendlich Kleinen goras in "Wirklichke spricht, sondern vielmehr sagt, es gebe unter dem Kleinen kein ein imme r noch i s Kleinen Kleinstes, sondern zu jedem noch so Kleineres. B 6. 108 Diels/Kranz 59 198 Ibidem 59B 12 am Ende. wr Vgl. darüber auch Teil II in Heft 11.

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auf Grund Studium Cheri ie Sa eben bu ngen und der 2 Primat fl der Griechen vollen Paradox: die wi und hat ihren Namen ale alle rue maßeeh Wesens oder einer | allumfassend I . hoffe kungen Schriitr für Schritt verfolgen zu könr “ en Wirken ciner mechanischen Kraft , ie an e nem i : n in diesem ann ma. Punkt einset : nsatz e k: zt, i i nm iese p | festlegen und in seinen Weite ren Fol g en und Wiri nach allumfassenden Zwecke ‚wecke fit sich, n, n, läßt überThaupt, gewiß nicht exakt und on 1si ? £w wenn nù E TKenn k tni tn| s selbs t ster Erkenntnisi. Aber i re Wik ing eene BB mechanische, Über die Unie kung Ie men Eat wicklung kann kaum ei fel sein Auch han ist das Prinzip der Einf ach FR vo ll ndigen Faßlichkeit und Ub bark er a le Erkenntnis . Das Dee Wirk gen en.eines der allmächtigen nn universalwissenschaftlicher Bestre Shae die Erken ge ennen ntnis iskea f i n den Lebew‚wese kraft esen n schei schei nt von lh armen‘ u jn ‚em Best nichts wesentohne dal date i noe S e t z t a u uch all in es wegun Beweeg: g, hek ie dabei van zeeMed a Rede ist. Ganz deutStelle des Gone de T naxagoras an die Un rschied. Wenn es von dem vane fan d Denne phanes nur mit einem Benz fundamen Gord p anes | eißt, daß er vóov poeol návra G eschehens sozusagen ‚gadalveı, so ist damit offenbar gemei nt, daß er an jeder S telle des ıseiner"Bei Einsicht Amesdie Dingge durch seine sei n bloßen Wiillen enkt, Be 4 res dagegen serzt der NOY E nur di de Entmischung und aber auch die zune hmen das an sch a ii D Sel in dem sich nichts unterscheiden äßt, an einer Stelle in eine : kreis ende Bewe: . ewe: gung 12 D ur ch die le F Fortsetzung dieser Bewegung . wirkt €1 den alteren 8:riechiu 5 Pre en hende weder e ntstehende lenoch noch verg cehen eee ede Form die Gor dur ddic Parmenid n eischatte he Lehr , sucht e entst a nd: die durch die me idei nesa ndeve adurch zu besei dem, 8 emäß se zwisSicher zwei Raum. ser Er Urge: Beg eben- - erfülltem Raum zukommen mußten, und sich, nachdem Leukipp die ersten Schritte zu sehen, in i der wir leben, in irgendeiner Weise darwie ite: Des zweiten Teils dieser Aufgabe doch di . aben lassen, die ihm als erfüllt em R Raum und als Zufül nichts en ciende alle die und nur die Eigenschaf „THÖTer Kaum gedacht werden kann. D eigentlich Set ergab sich ein doppeltes Problem: das à . hei heiten, dem leere: wahres Nichts et ar Semier ein und d dem gibt, Weise ; das es aber dennoch und gibt, wahren Seiend (8 von .ichts“ (8&v elenden, das er auch auch „ichts“ gag: i oddév) genannt hat,> und und das im leeren Raum nur als erfüllte R eeen zu dem 1 tersch:1 ed un Weise doch :gebe, iknäml ‘s ich ie als ie den den leere ande nin Bewi tigen, daß Schwierigkeit dad it er da der parmenidei schen erste Elem. ent der Idei i schenLehLehre ana und erklärte, dz i tende in. ne : seiende in Keiner Wei am, aber Lehr e der Einhe von der it de Se e Fane aber von oer waren, als sie verschied or ‘Eichel areegangen gehalten hatten, daß es das Nichts oder ra ioe Während Empedokles und A $Oreer. n. chung, durch welche die Dinge und die ver 5. enen Stoffe, aus denen sie zu beste h nen, ensche | 7 naxagoras nach dem nen, entstehen. Weit er Diese hat A Tend ende a auf Zurü Zeg |des drstot ds ückfüvole Aller Erschei est von die Rege allernzeinfa Enahfür und in auf chste esi i vonsinen NOY 0 mend A £ ner keine 1 Gebrau aßbare Pringemacht,ht, sonde ch dhgemac « rn FA Pien UN E ist noch viel ales weiter getrieben worden von | weitere nach sein mech anis chen n Prinz ipien aus à tomis Fi ten, d.h. : zunächst vor allem von Leudervon dem ' NOYErene e n Ube Urbew r egung abzune Pb und Demokrit, , dere je n Leh n ehre versuch denn . Da auch er auf die hat ich nach nach dem Zeugnis ntwicklung ra der Natu r Platons acon rwis sens nschaften einen viel 5 i c heftigste gewun| eren und längeren Einfluß ihre Vorgänger, mit ‘Ausnahe ee von ie Welt, so schien es Sokrates, durch n uß gehabt haben als a gut erkanntes Ziel| Junsiche und i, snntnis in Bewegung gesetzt wird, ne Reysie es : en i cure 8 gesetzten Ursachenkette, “aber gene fe en Um gnügt sich dieser NOYES "he en, 2tatt dessen beBewe gung Hs gegeee ben abe ue die Wek on Anstoß der be und überl äßt darauf ge Wel Gi , - dem Weiterwirken der Ab | tes Sokra nd sehr uerei treff chner end bezei har, life chnet I h aes deutlicher | erkennen hofd : at, n läßt ist um so pete Wirk | enden, seien es gle di | gesch ehen ist. Alle n ea e te m Anax Gnd iman . ten-Kräfte des deder, tedie male Qualitäten aft ‘ott des Xenophanes, oder Liebe und Haß bei Empedokles i sie den emotionalen und inte sprechen, die der Mensch in len N rien entselbst finder. Aber i die Wirkun s sie ausiiben, n, sind gen, zuneh > he.welche . ehmend ? Bei A. mechanisc rein - i. 5 naxagoras ist diiese Entwickendet in einem 8 t und ihr Ende angelang 1 ung an ihrem "Vel. Aristoteles, de anima A 2, 404b erhä sch Anassgoras auch diesem Zeugnis über das Vorden do ten hab C "2 Vel.e Dich/Kee ranz 59B 12. J af 2 shad= zu vermöge, “dee, des der Seele und dem Erkennenis gen der veredenen Lebewesen nicht ganz eind äußert zu haben. eindeutig und deutlich ge. T° Platon, Phaidon 97 Bf, aay den) K. vón Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebun gen und der Primac der Griechen 573 18 Vgl, Diels/Kranz 68 B 9. no Vel. ibid. 68 A 135, 65 f. A 135, 73 ff. und zur 10 Zum Folgenden vel. ibidem 68 Interpretation des schwierigen Textes die in Fußn. 81 zitierte Arbeit, p. 95 ff. den Atome abgeleitet werden konnte. Da es sich Farbempfindung daher auch nicht einfach aus der Gestalt der den farbigen Gegenstand konstituierenmit dem Sinnesorgan in Berührung kommen, die in den Körper eindringen, den scharf sauren aus gewinkelten und keilförmigen, die beim Eindringen eine zusammenzichende und gewaltsame Wirkung ausüben, den bitteren aus glatten gerundeten Atomen mit unregelmäßigen Rundungen und Ausbuchtungen, so daß die Atome sich glatt ineinanderfügen, weshalb der bittere Geschmack auch meistens den Eindruck von etwas Leimigem hervorrufe, usw. Die Farbenempfindung!?® dagegen bedurfte einer etwas andersartigen Erklärung, da hier die als farbig wahrgenommenen Gegenstände nicht unmittelbar den süßen Geschmack aus runden Atomen, die sanft die mikroskopische Gestalt der Dinge am unmittelbarsten gegenwärtig zu sein schien. So erklärte er offenbar von den Tastqualitäten aus, weil in ihnen also notwendig, diese aus ihren wirklichen Qualitäten nach Möglichkeit abzuleiten und dies zugleich zur Gewinnung eines tieferen Einblickes in die Struktur der Dinge zu benutzen. Es ist höchst interessant, wie Demokrit bei diesem Versuch verfahren ist. Er ging noch sonstige Sinnesqualitäten besitzen!!®, Es war sie an sich weder Geschmack noch Geruch noch Farbe tigt zu haben scheint. Da die Atome ihrem Wesen nach nichts waren als erfüllter Raum, so konnten Atomen solcher Art, daß sie sich ineinander verihrer Lösung getan hatte, dann vor allem Demokrit ‚aus zahnen und daher nicht leicht aus ihrer Lage gegenangenommen zu haben’! entfernt oder verschoben werden können. Wenn das wahrhaft Seiende aus erfülltem Raum einander Bei schweren flüssigen oder weichen Stoffen war anbestand und es daneben auch leeren Raum gab, zunehmen, daß die gerundeten und glatten Atome konnte das wahre Seiende in eine Vielheit von Stükdicht beieinander‘ lagen, während die Härte leichteken zerfallen, die durch leeren Raum voneinander Stoffe dadurch erklärt werden zu können schien, getrennt waren. Die Stücke selbst aber muften, ob ver daß hier die Atome durch hakenförmige Ausbuchgroß oder klein, absolut raumerfiillend sein, so daf fest miteinander verzahnt seien, was nicht auch nichts in sie eindringen konnte, das sie hatte tungen daß zwischen den durch diese Verzahnung weiter zerteilen können: daher unteilbar. Daraus hinderte, nden Atomgittern größere Zwischenräume ergibt sich ihre Natur und Bezeichnung als Atome, entstehe existieren konnten, woraus sich das geringere Gedie hier nicht eine facon de parler ist wie bei den wicht zu erklären schien, Auf diese Weise erschien Atomen der modernen Physik, sondern wirklich und als möglich, die der sinnlichen Wahrnehmung weim absoluten Sinne das meint, was sie besagt. Die es gen ihrer Feinheit nicht unmittelbar zugängliche weiteren Grundeigenschaften der Atome ergaben Struktur der Gegenstände ziemlich weitgesich ebenfalls unmittelbar aus ihrem Verhältnis zum innere hend zu bestimmen. Raum. Die erste ist die Gestalt, durch die sich der Schwieriger war die Erklärung der nun notwenerfüllte Raum von dem ihn umgebenden leeren abbetrachteten eigentlichen grenzt; das zweite ist die Lage des einzelnen Atoms digerweise als nur scheinbar „Sinnesqualitäten“ der Dinge aus ihrer atomaren oder erfüllten Raumstücks im leeren Raum, die Struktur, mit der sich vor allem Leukipps Nachfolger Demokrit von Abdera (ca. 465/60—ca. 370) beschäfspäter von Demokrit ıgonh'‘? genannt wurde und die wie die Richtungen im leeren Raum selbst als absolut betrachtet wird. Das dritte ist die Lage der Demokrit — auch die Schwere, die als proportional einzelnen Atome relativ zueinander. Damit sind die eigentlichen Grundeigenschaften der Atome, die sich unmittelbar aus dem Verhältnis von erfülltem und leerem Raum ergeben, erschöpft. Doch scheint — es ist nicht sicher, ob schon von Leukipp oder erst von dem Volumen des erfüllten Raumes und vielleicht in irgendeiner Weise mit diesem identisch betrachtet wurde, zu den Grundeigenschaften der Atome gerechnet worden zu sein. Alles übrige mußte aus diesen Grundeigenschaften abgeleitet werden. Dabei war die erste notwendige Annahme, daß die Atome klein genug sein mußten, sich Verwandeln der Dinge ineinander zu erklären. um das scheinbare Werden und Vergehen und das Das zweite war die Aufgabe, die wahre innere Struktur der Dinge aus ihren wahrnehmbaren Eigenschaften zu erschließen. Die erste Handhabe dazu scheinen die Härtegrade und das Gewicht der Stoffe gegeben zu haben!*”. Weichheit oder gar Flüssigkeit eines Stoffes schien leichte Verschiebbarkeit der Teilchen gegeneinander zu bedeuten, Härte dagegen das Gegenteil. So konnte man schließen, daß Stoffe der ersten Art aus abgerundeten Atomen mit glatter Oberfläche bestehen müßten, harte dagegen Te Ober die Frage der (von Epikım, wie es scheint, geleurneten) historischen Existenz des Leukipp und über den Beitrag des Leukipp und des Demokrit zu der Entwicklung des Atomismus vgl. K. v. Fritz, Philosophie und sprachlicher Ausdruck bei Demokrit, Platon und Aristoteles, S. 12 ff., New York 1938. id. 116 Über die Terminologie und ihre Bedeutung vgl. ur Vel. Diels/Kranz 68 À 135, 61/62 (aus Theophrast).

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der Griechen beim Sehen um die Wahrnehmung von entfernten Gegenständen handelt, war es ferner notwendig, zunächst in der Theorie eine Verbindung zwischen dem Sinnesorgan und dem wahrgenommenen Gegenstand herzustellen. Dies geschah durch die Annahme von éxoggoai oder Ausflüssen, die von allen Gegenständen nach allen Seiten hin ausgingen und so auch in unsere Sinnesorgane gelangen. Die Farbempfindungen werden dann nicht nur durch die Gestalt der Atome, aus denen diese Ausflüsse bestehen, sondern Studium Generale menen Gegenstände wird verfälscht. Die zweite Einschränkung ist neu und von viel grundlegenderer Bedeutung. Zwar werden im allgemeinen die Gesichtsempfindungen von Ausflüssen aus von dem wahrnehmenden Subjekt mehr oder minder entfernten Gegenständen erzeugt. Aber da die Empfindungen selbst immer nur durch direkte Berührung er- Ausflüsse, die, wie Demokrit glaubte, nicht nur von ihrem Inneren kam, schien geradlinige Poren in den Gegenständen vorauszusetzen, aus denen die Ausflüsse ungehindert hervorströmen können. Von der schwarzen Farbempfindung dagegen glaubte Demokrit, daß sie von Ausflüssen verursacht werde, die in langsamer unregelmäßiger Bewegung im Sinnesorgan antreffen und die deshalb von Gegenständen mit gekrümmten Poren, welche die Bewegung des Ausströmens hindern und verlangsamen, ausgegangen sein müßten. So glaubte Demokrit auch hier von der Natur der Empfindung (im wesentlichen als einer Art Tastqualitit) auf die Struktur der Gegenstände, durch welche die Empfindung letzterdings gänger dem voüg zuschrieb, der unmittelbar, gewissermaßen durch Intuition, tiefer in die Dinge einhüllt, bewundern mag. befindlichen Gegenständen ausgegangen sind, sondern sich im Körper des Mentung auf das Sinnesorgan in Bewegung gesetzt worden sind. Daß solches tatsächlich vorkommt, schien Demokrit durch die Träume bewiesen zu werden, deren Herkunft er sich auf eben diese Weise erklärte, Dadurch wird jedoch der Schluß von der Wahrnehmung auf die Struktur, ja bei der Gesichtswahrnehmung sogar auf die Existenz des wahrgenommenen Gegenstandesin jedem einzelnen Falle unsicher; und dies wird von Demokrit auch ganz allgemein ausgesprochen!®*; nur allgemein kann man aus den Wahrnehmungen auf die Struktur der sie verursachenden Gegenstände mit Sicherheit schließen, während im einzelnen Fall immer ein Element der Unsicherheit bleibt. Daß Demokrit sich damit abfindet und dies sogar selbst betont, zeigt deutlich, daß seine „Wissenschaft“ nicht primär nach der Voraussagbarkeit von Ereignissen strebt, noch sich an dieser orientiert, so daß etwa die bei dem Prozeß der Erforschung auftretenden Strukturen als bloße wird es von Atomen, die nicht dieser Wahrnehmungsart entsprechen, keinen Eindruck empfangen und die Gesamtwahrnehmung, wie auch der Schluß von dieser auf die Gesamtstruktur der wahrgenom12 Vgl. oben, S. 568 ff. 22 Vgl. Diels/Kranz 68 A 135, 69 f. und zur Interpretation den in Fußa. 91 zitierten Aufsatz, p. 28 ff. dringt als es der sinnlichen Wahrnehmung möglich ist. Das wird man vom modernen Standpunkt aus geneigt sein, für einen ziemlich primitiven Irrtum darüber, was in ihm selber bei seinen Überlegungen vor sich gegangen ist, zu halten. Aber wie immer es sich damit verhalten mag; gerade das teilweise Festhalten an älteren nicht mehr ganz adäquaten Vorstellungen zeigt nur um so deurlicher, welch unwerden kann. Aber auchüber die Art, wie nach Meinung des Demokrit die Erkenntnis der Strukturen zustande kommt, ist noch etwas zu sagen. Ich habe mich im Vorangehenden des Ausdrucks bedient, daß die Strukturen aus den Sinnesempfindungen erschlossen werden, Aber im Sinne des Demokrit ist dies nur insoweit F9 Vgl. Diels/Kranz 68B6—10. Diese Außerungen des Demokrit sind schon im Altertum vielfach als Ausdruck eines vollständigen Skeptizismus mißyerstanden worden. Wenn diese Interpretation richtig wäre, müßte Demokrit seine atomistische Lehre, die ja auf der Überzeugung beruht, daß man über die Struktur der Dinge etwas Definitives wissen kann, später aufgegeben haben. Eine solche ganz unwahrscheinliche Annahme ist jedoch überflüssig, da sich der Skeptizismus Demokrits offenbar nur auf die Sicherheit der Erkenntnis im jeweiligen einzelnen Fall bezieht, nicht auf die Möglichkeit, die Grundstruktur der Welt im ganzen zu erkennen. völlig exakten, festlegbaren, ohne Verlust übertragbaren Erkenntnis mit der Zurückdrängung des „Anthropomorphen“ im Sinne des Lebendigen, was sich im weiteren Verlauf fortsetzt bis zu seiner fast vollständigen Ausschaltung bei Demokrit. Überall endet diese Entwicklung paradoxerweise mit der schon früher formulierten Frage, wie weit die Elehar. Solange die Gegenstände der Erkenntnis durchweg als etwas Lebendiges oder dem Lebendigen nahe mente, welche in diese „wissenschaftliche* Analyse der Welt eingehen, aus den „Dingen“ selbst stambei Demokrit einen vorläufigen Abschluß gefunden Stehendes oder Analoges aufgefaßt wurden, konnte die Strukturerkenntnis als solche ankommt, die ihm scheint, wenn sie nicht im einzelnen Fall verifiziert Offenbar tritt hier ein Problem, das schon bei Gelegenheit der im Anschluß an Hekataios von Mile: sich entwickelnden geometrischen Geographie und geographischen Topographie und dann in weit umfassenderer Form bei den von Pythagoras und den Pythagoreern ausgehenden Versuchen der Entwicklung einer Mathesis Universalis aufgetreten war, in einer neuen und gewissermaßen akuteren Form in Erscheinung. Überall beginnt das Streben nach einer geheure Wandlung in bezug auf die Frage der adäquaten Erkennbarkeit der Dinge überhaupt seit den Anfängen „wissenschaftlicher“ Bestrebungen bei den Griechen zur Zeit des Thales innerhalb von kaum anderthalb Jahrhunderten stattgefunden und wirkenden Kräfte draußen in der Welt der Dinge, das Warme und Kalte, das Helle und Dunkle, das Leichte und Schwere, das Trockene und Feuchte, weder minder gesichert noch minder bedeutsam ernung und Bewegung hervorgerufen werden. Aber diese Beziehung ist nicht unbedingt umkehrbar!®?. Das Sinnesorgan kann z.B. durch Krankheit Veränderungen erlitten haben, so daß es nur Wahrnehmungen einer bestimmten Art machen kann. Dann sondern diese Erkenntnis im Anschluß an seine Vor- Fiktionen betrachtet werden könnten, welche, nach- Dabei machte Demokrit freilich eine außerordentlich wichtige doppelte Einschränkung. Der erste Teil dieser Einschränkung finder sich im wesentlichen mer von Atomen derselben Größe, Gestalt, Anordes dies teilweise — aber keineswegs ausschließlich, da auch die konstruktive Phantasie einen sehr wedie Frage der Erkennbarkeit der Dinge keine prinzipielle Schwierigkeit machen: die Qualitäten und verursacht wird, schließen zu können, bar der Meinung, daß dieselben Empfindungen imräumlichen Gestalteigenschaften über die Tastqualitäten, in denen diese Gestalteigenschaften am unmittelbarsten wahrgenommen zu werden scheinen, zu den übrigen Sinnesqualitäten und von diesen dann zurück zur atomaren Struktur der aus Atomen zusammengesetzten Dinge zu gelangen, ist im Grunde naiv, so sehr man die konstruktive Phantasie Demokrits, die sich bei diesem Versuch entdem die Voraussagbarkeit erreicht ist, wieder ausgeschaltet werden können, sondern daß es ihm auf schon bei Empedokles!*!. Zwar war Demokrit offensuch, von den dem wahren Seienden zukommenden sentlichen Anteil daran hatte — zweifellos war, schen selbst zusammengefunden haben und in Richder Oberfläche der Gegenstände ausging, sondern aus verstanden wird. Gerade die wörtlich erhaltenen Fragmente!® zeigen auf das deutlichste, daß Demokrit selbst die Art, wie er durch seine Analyse der Empfindungen als eine Art von gestalterfassenden Tastempfindungen zu den Strukturen der Dinge enden Urgegebenheiten des leeren und des erfüllten Raumes führt schlechterdings keine Brücke zu Empfindung, Wahrnehmung und Bewußtsein. Der Verwerden könnte, die nicht von außerhalb des wahr- Grade möglich, von der Empfindung auf die Strukwelche in schneller geradliniger Bewegung wie Pfeile auf das Auge auftreffen. Eine solche Bewegung der zutreffend, als „erschließen“ wörtlich im Sinne von eröffnen“, „offenbar machen“, „sichtbar machen“, 575 kam, nicht als logisches Folgern auffaßte, obwohl nehmenden Menschen die weiße Farbe, deren Anblick im hellen Lichte Griechenlands das Auge schmerzt, aus Ausflüssen, der Griechen K.von Farız: Der Beginn universalwissensciaftlicher Bestrebungen und der Primat zeugt werden können, so steht nichts im Wege, daß nicht im einzelnen Fall dieselbe Empfindung auch durch bewegte Atome oder Atomkombinate erzeugt auch aus dem Charakter der Bewegung, mit der sie auf das Sinnesorgan auftreffen, bestimmt. Dies machte es dann wiederum bis zu einem gewissen tur des Gegenstandes, von welchem die Ausflüsse ausgingen, Schlüsse zu ziehen. So erklärte Demokrit Jahrgang 14 Heft 10 (1361) wurden sowohl durch die Analogie als auch nach Analogie der entsprechenden Qualitäten und Kräfte im Menschen unmittelbar wahrgenommen, verstanden und erkannt. Freilich gab es auch in dieser Welt Täuschung und Irrtum. Aber dies Gebiet konnte man durch Erforschung der Ursachen von Täuschung und Irrtum einzugrenzen und auszuschalten versuchen. Mit der zunehmenden Einschränkung der „eigentlich seienden Dinge“ auf einige ganz wenige Urgegebenheiten wie die Elemente des Empedokles oder gar den leeren Raum und die Atome, die jedoch in Wirklichkeit gar keine Gegebenheiten, sondern das Ergebnis von Denkschematismen sind, nimmt die Frage der Erkennbarkeit der Dinge eine men oder ihnen vom menschlichen Geist erst auferlegt sind. Dabei ergibt sich jedoch ein sehr bedeutsamer Unterschied zwischen den von den Pythagoreern ausgegangenen Versuchen einer „wissenschaftlichen“ Bewältigung der Welt und denjenigen Demokrits. Bei den von den Pythagoreern ausgegangenen Versuchen hat sich trotz der ursprünglichen Identifzierung der Zahlen mit den Dingen ziemlich früh herausgestellt, daß das Reich der mathematischen Gegenstände nicht mit dem Reich der „Dinge“ identisch ist, obwohl die Erforschung und Erkenntnis des einen Reiches der Erkenntnis und praktischen Bewältigung des andern dienstbar gemacht werden kann. So ist die geometrische Erkenntnis schon ganz früh der Lösung praktischer Aufgaben in der Welt der „Dinge“, wie der Bestimmung des Abstandes eines Schiffes auf der See vom Lande!®5, der Anlage eines 1 km langen Tunnels durch einen Berg von beiden Seiten, wobei sich die beiden Bohrungen in der Mitte ganz andere Form an. Von den allein wirklich sei18 Val. dazu Diels/Kranz 68B11 und B 125 sowie zur Interpretation die in Fußn. 91 zitierte Arbeit, p.26 Æ. 25 Durch Thales mit Hilfe des zweiten Kongruenzsatzes nach Proklos in Euclidis Elem., p. 352, 14 ff. (aus Eudem von Rhodos).

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Studium Generale Hett 10(196) Jahrgang 14 Gassendi (1592—1655), der ganz an Epikur und Lucrez anknüpfte, Sein Grundgedanke ist jedoch ganz anders als der Demokrits, der von Parmenides Seinsphilosophie ausgegangen war und die Atome in den, das es doch in gewisser Weise gibt, gegenüber- 517 antiken Medizin entwickelt worden war, eine Erzu neuen Stoffen, die ganz andere Eigenschaften haben, als diejenigen Stofte, aus deren Verbindung sie hervorgegangen sind, zu erklären seien. Hier wendet sich Boyle mit Heftigkeit gegen eine gewisse Erklärungsweise, die nicht so sehr von Aristoteles ausgegangen als in sehr äußerlichem Anschluß an gewisse seiner Lehren und an gewisse Lehren der spät- K. von, Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen fangreiche Abhandlung erfordern wiirde™!. Aber ganz kann doch nicht darüber hinweggegangen werden, da sich daran das Verhältnis der antiken Wis- Metrodor von Chios und Nausiphanes'®, ist die Atomtheorie in ihrer demokriteischen Form zunächst senschaft zur modernen und die Art des Einflusses der ersteren auf die letztere besonders gut illustrieren ihrer Eigenschaft als ertüllter Raum als das eigentlich Seiende dem leeren Raum als einem Nichtseien- | | läßt. Der erste, der den Atomismus im wesentlichen in seiner demokriteischen Form erneuerte, war Pierre noch der theoretischen Forschung, sondern der Beruhigung des menschlichen Gemüts und der Überwindung und möglichst völligen Beseitigung der Furcht vor dem Unbekannten und Ungewissen diente, was wohl auch sonst nicht ganz selten die Funktion „wissenschaftlicher“ wie außerwissenschaflicher Welterklärung gewesen ist. Auch bei der Wiederbelebung des Atomismus im Zeitalter der Aufklärung war dies, vor allem, wie schon bei Epigestellt hatte, Demgegenüber ging Gassendi von der sehr viel spezielleren Überlegung aus, daß es nichts cultas deleteria des Glases erklärt worden sei, statt klärungsweise, nach welcher man die Wirkungen der Stoffe einfach aus ihrer Form, oder ihrer Fähigkeit eben diese Wirkungen hervorzubringen, zu erklären versuchte. Demgegenüber betonte Boyle mit Recht, daß damit gar nichts erklärt sei, und daß man die spezifischen Wirkungen der Stoffe aus allgemeineren Eigenschaften ableiten müsse, wenn etwas erklärt werden solle. Als Beispiel führte er an, daf sogar die schädliche Wirkung zerstoßenen Glases auf die menschlichen Eingeweide durch eine besondere fadadurch, daß die kleinen Splitter die Eingeweide auf rein mechanische Weise verletzen. Hier wird also noch sehr viel deutlicher als bei Gassendi, daß die Überlegungen, welche ursprünglich zur Entstehung Festes geben könne, wenn es nicht letzte Teilchen gäbe, die durch keine Gewalt auflösbar und daher völlig unabänderlich sind. Dies eben seien die Atome, die dann aber keine anderen Eigenschaften haben, als diejenigen, welche ihnen auch die antiken Atogar keine Rolle mehr spielten, und daß vielmehr der atomistischen Lehre Anlaß gegeben hatten, bei ihrer Wiedererweckung im siebzehnten Jahrhundert Abweichung von den ursprünglichen Atomisten liegt machte. das Bedürfnis, die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen auf allgemeine, einfache und deshalb nach Möglichkeit mechanische Gesetze zurückführen zu können, maßgebend gewesen ist. Es ist gewissermaßen das handgreifliche an den Atomen Demokrits, das sie für die Naturforscher der Zeit so anziehend misten zugeschrieben harren: Größe, Gestalt, absodie Veränderung in der Denkweise charakteristische lute und relative Lage im Raum, und Gewicht, Die wichtigste, aber auch grundlegend wichtige und für mal darin, daß sich im Mittelalter, vor allem unter ändert hat, wie, daß die Atome nicht ewig, sondern men. Die volle Bedeutung dieser Veränderung wird bei der nächsten Stufe der Entwicklung sofort sehr deutlich werden!?®, Was Gassendi sonst an der alten atomistischen Lehre mit ausdrücklichen Worten geals neue Wissenschaft aus der Alchemie entwickelte, theoretische Basis geben zu können, nach einer Lehre modernen Atomtheorie vgl. vor allem A. G. M. van Melsen, Atom — gestern und heute, Freiburg i. Br. 1957. Doch ist fir die ältere Zeit auch F. A. Langes „Geschichte des Materialismus“ wegen der Klarheit ihrer Formulierungen und Fragestellungen auch heute noch sehr wertvoll. He Vgl, darüber unten S, 578 ff. 11 Für eine eingehendere Darstellung der Entwicklung der von der nun schon und vor allem auch durch ihn selbst in starkem Mafe experimentell gewordene Chemie aus und von der Frage, wie die (chemischen) Verbindungen gewisser Stoffe mit anderen Stofien zum antiken Atomismus gewesen war. Boyle ging Gassendi der Hauptgrund der erneuten Zuwendung 1691), vor allem deshalb, weil bei ihm nun ganz deutlich hervortritt, was doch wohl auch schon bei den Atomen für die Naturerklärung machte, ohne | jede Bedeutung. Noch interessanter ist die Rezeption des demokriteischen Atomismus durch Robert Boyle (1626 bis hier also in dem Grund für die Annahme von Ato- Aristoteles®, eine neue von Demokrit wesentlich abweichende Theorie von kleinsten Teilchen, den sogenannten minima naturalia, gebildet hatte, und zweitens darin, daß die Chemie, die sich allmählich von Gott erschaffen, und ebenso ihre Bewegung nicht ewig, sondern ihnen von Gott mitgeteilt wordem Einfluß des Averroes und auf Grund einer nicht richtigen Interpretation gewisser Ausführungen des zwar, um den Ergebnissen ihrer Experimente eine den sei, ist offenbar eine Konzession an den Glauben der Kirche und für den Gebrauch, den Gassendi von völlig befriedigenden Ergebnissen gelangre. Diese Entwicklung im einzelnen zu verfolgen, ist hier natürlich nicht möglich, da dies eine eigene um- 188 Vgl, die Fragmente bei Diels!Kranz, Vorsokra tiker II, 70 u. 75. 8 Ich lasse hier die cigentümliche Atomtheor ie, die Platon im Timaois 53 Cf. entwickelt har, bei Seite, da diese zwar an sich sehr interessant ist, für die hier zu behandelnde historische Entwicklung jedoch keine Bedeutung besitzt. In Wirklichkeit lehnt Aristoteles überall die Existenz von Minima im Sinne der Minima-Lehre der mittelalter lichen Aristoteliker ab (vel. de caclo, 271b, 10 #.; de gen. et corr. 328a, 5/6; und vor allem die Ausführungen über das änetgov in der Physik III, 4—8, 202b, 30 ff). Doch bedürfen diese Zusammenhänge einer eingehenderen Erörterung, als sie hier gegeben werden kann. miteinander höhere Einheiten bilden, der einfachsten mechanischen Erklärung nur unmittelbare Nahwirkungen wie Druck, Stoß, Verhaftetsein, Mitziehen des durch Verhakung oder Verhaf- Concretionen aber ließ Boyle gemäß dem Prinzip bindungen und ihre Lösungen erklärt werden sollen. An Wirkungen der Atome und ihrer ersten lösen können, woraus dann eben die chemischen Verwelche dann wiederum mit anderen solchen höheren Einheiten in Verbindung treten oder sich aus solchen haktsein oder Einbuchtungen oder Häkchen Verschensein. Da dies aber allein zur Erklärung der chemischen Erscheinungen nicht ausreichte, setzte er darüber eine Lehre von den primae concretiones, den ersten Zusammenwachsungen von Atomen, die durch ihr Verspitz oder gerändelt oder mit Ausbuchtungen und/ scheidende Rolle: nämlich ihr rund oder eckig oder Atome schon bei Demokrit besessen hatten, eine ent- Bei der Verwendung der atomistischen Lehre z diesen Zwecken spielte für Boyle vor allem die unendliche Mannigfaltigkeit der Gestalt, welche die ste von kleinsten Teilchen verlangte, aber weder mit den kleinsten Teilchen der Averroistischen Lehre von den minima naturalia, noch mit den Atomen in der Form, in welcher sie bei Demokrit auftraten, zu Während jedoch der Atomismus der antiken Atomisten‘?, von einigen ganz geringfügigen Anderungen abgesehen, durchweg mit demjenigen Demokrits identisch geblieben ist, ist der moderne Atomismus zwar vor allem in seinen Anfängen sehr stark von Demokrit beeinflußt gewesen, aber nirgends vollständig mit ihm identisch. Der Grund hierfür ist zweifellos vor allem in zwei Dingen zu suchen: einkur und noch mehr bei Lukrez, in der Form der Befreiung von als beängstigend empfundenen religiösen Vorstellungen, zum Teil seine Funktion. jedoch weder der Bewältigung praktischer Aufgaben, gekommen, wo die auf ihr aufgebaute Welterklärung vor allem bei Epikur und den Epikureern zu Ehren K. von Frrrz: Der B inn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen mit ganz geringem Abstand trafen!®, der Lagebestimmung von Orten auf der Erdoberfläche, und später der Voraussage künftiger Gestirnstellungen am Himmel dienstbar gemacht worden. Für Demokrit dagegen waren der leere Raum, die Atome, die aus ihnen zusammengesetzten Strukturen und ihre Bewegungen, durchaus die Welt der wahren und eigentlichen Realität, auf deren Erkenntnis als solche es ankam. Umgekehrt hat die Atomtheorie bei Demokrit für die Bewältigung praktischer Aufgaben, auch wo er sich solchen gewidmet hat, entweder gar keine, oder nur eine eingebildete, oder im besten Falle, wie bei dem Versuch der Lösung gewisser stereometrischer Probleme nach dem „Cavalieri“- schen Prinzip nur , eine ganz indirekte Bedeutung gehabr!27, Um so interessanter ist es, daß die Atomtheorie eine ganz ungeheure Wirkung auf die Weiterentwicklung der „Wissenschaft“ gehabt hat, die sich in gewisser Weise noch bis in die Gegenwart fortserzt, wenn auch nicht ganz in der Weise, wie es einer oberflächlicheren, aber nicht nur bei Laien, sondern auch bei Physikern gelegentlich zu findenden Auffassung erscheinen mag. Nach einem Weiterleben bei einigen unmittelbaren Anhängern Demokrits, wie völlig im Zickzack verläuft und seine Länge fast das Doppelte #6 Der um 550 v.Chr. auf Samos entstandene Tunnel des Eupalinos, der zum großen Teil noch heute erhalten ist. Über die dabei aller Wahrscheinlichkeit nach verwendeten mathematischen Hilfsmittel vgl. B.L. van der Waerden, Les mathématiques appliquées dans l'antiquité in L'enseignement mathématique, in: Revue internationale 1955, p.43—47. Welche Bedeutung diese (übrigens sehr elementaren) geometrischen Mittel für die Lösung des praktischen Problems besaßen, kann man aus der Tatsache entnehmen, daß bei diesem gut 1 km langen Tunnel die seitliche Abweichung der beiden von entsegengesetzten Punkten ausgehenden Bohrungen in der Mitte weniger als 10 m betrug, während bei einer etwa 150 Jahre früher von dem israelitischen König Hiskia ebenfalls von zwei Seiten begonnenen Tunnelanlage in der Nähe von Jerusalem, deren Gesamtlänge nur 325 m betrug, trotz aller Anstrengun gen, die Richtung einzuhalten, die beiden Bohrungen sich in der Richtung so weit von einander entfernten, daß der Tunnel der geraden Entfernung zwischen den Endpunkten beträgt. 197 7 Damit soll natürlich in keiner Weise die Überlieferung bestritten werden, daß Demokrit auch an der Lösung praktischer wissenschaftlicher Probleme einen bedeutenden Anceil gehabt hat. Die konstruktive Phantasie, die in seinem Versuch, die atomare Struktur der Gegenstände zu eruieren, so glänzend hervortritt, mußte ihm natürlich auch bei der Lösung solcher Aufgaben zugute kommen. Aber wenn er, wie Vitruv berichtet, zuerst eine Theorie der Perspektive gegeben zu haben schein, so hat das mit der Atomtheorie nichts zu run. Ja, es sieht so aus, als ob seine Optik, wie die antike Optik überhaupt, mit Strahlen, die vom Auge zu den Dingen gehen, operiert hätte, während seine Theorie des Sehens als Gesichtsempfindung, wie gezeigt, zanz auf Ausflüssen, die von den Dingen ausgehen und in die Sinnesorgane gelangen, aufgebaut ist. Über den Versuch Demokrits, die Ethik mit der Atomlehre in Verbindung zu setzen bzw. sogar bis zu einem gewissen Grade auf ihr aufzubauen vgl. die in Fußn. 115 zitierte Schrift, S. 35 ff.

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tung Verbundenen und dgl., d. h. Wirkungen durch Beriihrung, gelten. Eben daraus aber ergaben sich sehr bald Schwierigkeiten, die teils zu einer vollständigen Ablehnung der Atomtheorie in ihrer demokriteischen Form und dem Versuch, sie durch andere Theorien zu ersetzen, teils zu ihrer tiefgreifenden Umbildung Anlaß gaben. Ein besonders leicht zu verstehendes Beispiel ergibt sich aus dem Phänomen der Elastizität. Schon die Stoßwirkungen der Atome aufeinander in der ursprünglichen Lehre Demokrits setzten die Elastizität der Atome stillschweigend voraus, ohne daß die Frage, was dies für das Wesen der Atome bedeute, damals gestellt worden ist. Nachdem jedoch festgestellt worden war, daß Elastizität ohne vorübergehende Zusammenpressung des elastischen Körpers nicht möglich ist, mußte entweder die Elastizität der Atome oder ihre absolute Starrheit, die bei Demokrit aus ihrer absoluten Raumerfüllung folgt und daher eine unabdingbare Grundeigenschaft der Atome ist, aufgegeben werden. Das letztere ist natürlich, wenn man die Atomtheorie nicht mehr auf parmenideische Gedankengänge basiert, möglich. Aber es ist klar, Stadium Generale nalen Indices in der .Kristallographie, legten den . ihrem Namen entsprechend unteilbar sind, daß sie in homogene Gruppen zerfallen, daf ihre Teilchen Gedanken nahe, daß die chemischen Elemente tat»Ladungen“ haben, ein Gedanke, welcher den ansichlich aus diskreten Teilchen bestehen, die sich leicht nicht unnütz darüber zu reflektieren, wie die „wissenschaftliche“ Philosophie der Griechen mit der fern liegen mußte, sondern vielleicht noch mehr Annahme von Grundgegebenheiten beginnt, welche zugleich Stoffe, Kräfte und Qualitäten sind und bald unter dem einen, bald unter dem andern Aspekt erscheinen. Dann war von Xenophanes an über Empedokles bis zu Anaxagoras das wirkende Prinzip immer mehr von den stofflichen Prinzipien, die ihren Charakter als Qualitäten beibehielten, abgetrennt und zugleich zunehmend auf rein mechanische Wirkungsweisen beschränkt worden. Endlich harte Demokrit diesen Wirkungsfaktor auf ein Minimum zu reduzieren versucht, indem er ihn auf die Übertragung von Bewegung von Massenteilchen auf andere Massenteilchen durch direkte Berührung beschränkte, Dieses Erklärungsprinzip war von den modernen Erneuerern des Atomismus, Gassendi und Boyle, im wesentlichen beibehalten worden, wenn auch der Ausgangspunkt ihrer Betrachtung ein an- Viel einschneidender war jedoch die Entdeckung der Gravitationsgesetze durch Newton (1642 bis Massenteilchen und ihre Akkumulationen gebunden 1726), da dieser zwar die Atome, die seit Boyle Verschiedenes waren und der Grund, warum sie an jene gebunden waren, im Dunkel blieb. Endlich wird mittelbare Berührung, durch Stoß, Druck und Zug (dies nur bei miteinander verhakten Atomen) auf einander wirken könnten, abging, und an ihre Stelle die Annahme von in die Ferne wirkenden Anziehungskräften stellte. Daraus ergab sich jedoch, vor allem, wenn es mit den sich aus der Elastizität ergebenden Problemen zusammengenommen wurde, sogleich die Frage, ob es denn überhaupt nötig sei, ausgedehnte, absolut raumerfüllende und starre Atome als Träger dieser Kräfte anzunehmen, da ein notwendiger Zusammenhang zwischen beidem nicht einzusehen war. So hat denn auch nicht sehr viel später G. Boscovié (1711—1787) die Atome durch erschienen, sie selbst aber etwas von diesen völlig von Boscovié und seinen Nachfolgern das Verhältnis Demokrit gegenüber umgekehrt, indem nun die raumerfüllenden „stofflichen“ Massenteilchen als überflüssig erscheinen und durch ausdehnungslose Kraftzentren oder — wie man, da dem Begriff der Kraft, der ursprünglich von dem Gefühl der Muskelkraft abgeleitet ist, auch etwas Anthropomorphes anhaftet, vielleicht besser sagen würde — durch räumlich lokalisierte Wirkzentren und Wirkquanten ersetzt werden. Unterdessen hatte jedoch infolge der stürmischen Fortschritte, welche die Chemie seit dem Ende des 18. Jahrhunderts gemacht hatte, eine neue Entwicklung eingesetzt, die dazu bestimmt war, dem Atomismus wieder eine ganz neue Richtung zu geben. ausdehnungslose Kraftzentren ersetzt, eine Lehre, die dann nicht nur auf Kant, sondern vor allem Die Entdeckung der chemischen Elemente und dann zuerst der sogenannten Atomgewichte, die ursprünglich nicht mehr bedeuteten als die konstanten Geauch auf eine ganze Serie von französischen Physiwichtsverhältnisse, in denen oder in deren Multiplen kern und an der Physik interessierten Mathematikern wie Laplace (1749—1827), Ampere (1775 bis die chemischen Elemente sich miteinander verbin- 1836), Cauchy (1789—1857) und Faraday (1791 bis 1867) bis zu Moigno (1804—1884), der allerdings mehr ein Popularisator als ein selbständiger For- 579 K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen scher gewesen ist, also auf ein gutes Jahrhundert hinaus, eine starke Wirkung ausgeübt hat. Es ist für die bessere Erkenntnis der historischen ebenso wie der in der Sache gelegenen Zusammenhänge vieldaß die Theorie sich damit, wenn auch äußerlich ' derer gewesen war als bei Demokrit. Dann hatte alles bis auf eine scheinbare Kleinigkeit dasselbe Newton das Wirkungsprinzip und sein körperliches geblieben zu sein scheint, in ihrem innersten Wesen raumerfüllendes Substrat wieder voneinander geverändert hat. schieden und zwar so, daß die Kräfte zwar an die weitgehend Anerkennung gefunden hatten, beibehielt und ihnen sogar die Eigenschaften der Undurchdringlichkeit und absoluten Härte beließ, aber von der Annahme, daß diese Teilchen nur durch un- Jahrgang 14 Heft 10 (1961) den, dann der Periodizität der Elemente, dann der sogenannten Isomerien in der organischen Chemie, endlich zusätzliche Entdeckungen auf andern Gebieten wie z. B, die Entdeckung des Gesetzes der ratiosozusagen als Einzelindividuen oder wohlgeordnete Kombinationen von Einzelindividuen miteinander verbinden. Aber die Ableitung einer Atomtheorie von diesen und ähnlichen Phänomenen machte zugleich eine fundamentale Abweichung von der demokriteischen Atomtheorie notwendig. Die Atome Demokrits hatten alle nur möglichen Gestalten gehabt; ja die Theorie ihrer Verbindungen zu größeren Einheiten hatte bei Demokrit wie bei seinen tiken Atomisten ganz fern lag, und wie gezeigt, durch das Fragezeichen, das ich hinter das Wort „raumerfüllend“ gesetzt habe. Nach einem Vortrag, den Erwin Schrödinger vor einigen Jahren gehalten hat, und in dem er Demokrit als Ahnherrn der Atomtheorie pries, stellte ich die Frage, ob denn nun wenigstens die Teilchen des Atoms wie Elektronen, Positronen, Neutronen und dgl. im Sinne Demoersten Nachfolgern unter den Modernen eben diese krits als raumerfüllend und daher starr und undurchdringlich betrachtet werden könnten, worauf die Antwort — wie mehr oder minder zu erwarten war — lautete: „nun ja, vielleicht, annähernd.“ Man könnte nicht deutlicher machen, daß das, was für Leukipp und Demokrit das Wichtigste und der Ausgangspunkt ihrer ganzen Lehre gewesen war, für den modernen Atomtheoretiker selbst als Frage ganz Periodizität, legte den Gedanken nahe, daß die uninteressant geworden ist. Variabilität der Gestalt der Atome zur Voraussetzung gehabt. Die neue Ableitung der Atomtheorie dagegen setzte voraus, daß die Atome in eine endliche, nicht einmal allzugroße, Anzahl von Gruppen von untereinander gleichartigen Atomen zerfalle. Ja das ganzzahlige oder annähernd ganzzahlige Verhältnis der Atomgewichte zueinander nebst ihrer Atome der verschiedenen Elemente selbst alle aus denselben Bausteinen zusammengesetzt seien, womit die Atome aufhörten, überhaupt Atome im demokriteischen Sinne, d. h. wirklich unteilbar, zu sein. Wichtiger noch ist, daß von einer Verbindung dieser Atome miteinander nach den Vorstellungen der demokriteischen oder Boyleschen Atommechanik, nach welcher die Atome durch wirkliche Häkchen, die sich miteinander verhaken, zusammenhängen, gar nicht mehr die Rede sein kann. Niemand wiirde es einfallen, das Symbol für Schwefelsäure H,SO: SL._ HO so aufzufassen, als ob hier wirklich ein Schwefelatom in der Mitte stünde, das mit den Sauerstoffatomen und den HO-Molekülen, die um es herum angeordnet sind, durch Verbindungsstricke verbunden ist. Wirkkräfte der verschiedensten Art spielen hier wieder eine beherrschende Rolle. Besonders interessant sind hierbei fiir die Frage der historischen Zusammenhänge der verschiedenen Phasen der Atomtheoric die Wirkkräfte, welche als „Ladungen“ der verschiedenen Komponenten des Atoms, des Atomkerns und der nach dem Bohrschen Atommodell es umkreisenden Elektronen bezeichnet werden. Denn diese „Ladungen“ sind im Gegensatz zu den sich kontinuierlich ausbreitenden Anziehungskräften Newtons selbst diskret, d. h. atomisiert, und erscheinen an gewisse raumerfiillende (?) Massenteilchen gebunden. Wie weit sich hier die moderne Atomtheorie von der antiken entfernt, wird aber nicht nur daran deutlich, daf die Atome nicht mehr In neuester Zeit ist dann die Atomtheorie immer komplizierter geworden: durch die Entdeckung immer neuer Teilchen des Atoms, wie der Mesonen der verschiedenen Arten, des Neutrinos etc., mit immer neuen Eigenschaften, durch die Feststellung der sogenannten Unbestimmtheitsrelation, die besagt, daß man nur entweder den Ort oder die Geschwindigkeit eines Teilchens in einem gegebenen Zeitpunkt exakt feststellen kann, aber nicht beides, vor allem aber dadurch, daß sich zur Erfassung gewisser Phänomene die Teilchentheorie überhaupt als ungenügend erwiesen hat und statt dessen mit der Annahme von „Wellen“ gerechnet werden muß, dies aber wiederum nicht so, daß die Wellen entweder als etwas von den Teilchen verschiedenes oder aber von ihnen gebildetes betrachter würden, sondern so, daß dasselbe Phänomen bald als Materieteilchen, bald als Wellenbewegung betrachtet wird und jeweils diejenige Betrachtungsweise gewählt wird, welche einen bestimmten Aspekt des Phänomens mathematisch am einfachsten zu erfassen erlaubt. Der Versuch auf diese Dinge noch genauer einzugehen, wiirde den Rahmen der vorliegenden Untersuchung sprengen. Er würde auch kaum viel nützen, da diese Dinge so sehr im Fluß sind, daß jeder derartige Versuch in Kurzem doch wieder als veraltet erscheinen würde. Doch ist es möglich, auch auf Grund des bisher Gesagten einige prinzipielle Betrachtungen anzustellen, die das Problem des Verhältnisses der antiken zur modernen Naturwissenschaft als Ganzes beleuchten und auch bei weiterer rapider Entwicklung der letzteren eine gewisse Gültigkeit behalten dürften. Sieht man sich die Ent39a

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Stndiun: Stien: Verdienst Dienste getan, freilich schon von Anfan g an auf des 17. Jahrhunderts. Dabei hat ihm der antike Atomismus, der dies selbst nicht getan hat, zunächst gute fassen, war zu einem sehr großen Teil das „das jede Veränderung durch örtliche Bewegung meint erklären zu müssen“, so ist das philosophische System Demokrits ein konsequent durchgeführtes mechanisches System, in welchem seltsamerweise sogar die Ethik auf die Gesetze örtlicher Bewegungen zurückzuführen versucht wird", Aber es besteht nicht das geringste Anzeichen dafür, daß Demokr it je den Versuch gemach t hätte, die Gesetze der Bewegung in mathematische Formeln zu fassen. Er ist überall auf reine Struktu rerkenn tnisse aus. Bewegungsgesetze in mathematische Formeln zu K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicheer Bestrebungen © 2 ima seche und der Primat der Griechen wicklung des modernen Atomismus von seinen ersten Anfängen bei Gassendi und Boyle bis zur Gegenwart an, so springt in die Augen, daß die Atome zunehmend alle die Eigenschaften, die bei Demokrit für sie wesentlich waren, verlieren, und schlieflich kaum mehr als die Funktion eines anschaulichen Vorstellungsgerüstes mehr haben, das es erleichtert, die Zusammenhänge zwischen den Phänomenen und die Geserze, die ihren Verlauf bestimmen, in mathematische Formeln zu fassen, die aber nötigenfalls gegen andere Vorstellungsmodelle ausgetauscht werden können, da es letzterdings auf diese mathematischen Formeln ankommt, Eben hierdurch steht die moderne physikalische Theorie einschließlich der modernen Atomtheorie dem antiken Pythagoreismus unvergleichlich viel näher als der Atomtheorie Demokrits, ja sogar der ursprünglichen Theorie des Pythagoreismus, als dieser nicht nur auf eine mathesis universalis, sondern auf eine arithmetica Kosten einiger seiner ursprünglich wesentlichen Elemente. Aber das hielt sich doch in sehr engen Grenzen. Darüber hinaus war der Atomismus des Demokrit mit seinen unendlichen Mannigfaltigkeiten der universalis gerichter war, da in der modernen Theorie die Annahme von diskreten Mannigfaltigkeiten Heft 10 (1961) Jahrgang 14 K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen 581 Welterklärung im Sinne der oben™® gegebenen De- . Opposition, ebenso wie eine wesentliche Eigenheit der pythagoreischen Philosophie und Wissenschaft finition heute völlig aufgegeben ist. Es gibt jedoch vielleicht noch ein anderes Element beleuchtet. wurde durch die völlig andersartige und, in Demokrits Philosophie, das — freilich ebenfalls wie die absprechenden Äußerungen des Heraklit in ganz veränderter Form — bis in die Gegenwart über Pythagoras zeigen, bewußt dazu in Opposition stehende Philosophie Heraklits. hinein gewirkt hat. Demokrit soll gesagt haben, er Philosophie des Leukipp und Demokrit, der nur der Welt, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen und in der wir uns im täglichen Leben bewegen. Dies gilt in sehr starkem Maße auch von der atomistischen Welt oder das „wirkliche“ Sein entweder total verschieden sind oder doch sehr stark abweichen von der Maße zu dem Ergebnis kommen, daß die „wirkliche“ bestimmen, woher sie kommt und wohin sie geht, sondern daß sie alle in größerem oder geringerem die Welt nicht nur zu „erklären“ versuchen und zu flußten Philosophien und Versuche einer mehr oder minder „wissenschaftlichen“ Welterklärung, daß sie Es ist charakteristisch für die Philosophie des Parmenides selbst, sowie für alle durch ihn beeinstirnkonstellationen, und endlich in einer für uns zöge es vor, eine einzige Ursache zu finden, als daß ihm der Reichtum des Perserkönigs zuteil würde!3®, Hier findet man also anscheinend in ausgeprägtester und intensivster Form jenes Kausaldenken, welches auch für moderne Naturwissenschaft so charakteristisch ist. Und doch ist es auch hier wieder nicht ganz dasselbe. Wenn Demokrit nach Ursachen fragt, so geht er, wie schon früher gezeigt wurde, primär auf Strukturerkenntnisse um ihrer selbst willen aus. Soweit sie eine praktische Bedeutung haben, liegt diese entweder in der Befreiung von Furcht vor dem Unerklärten, dabei in ganz kleinem Umfang der Vorherbestimmung künftiger Ereignisse wie von Getens!#1, Dagegen spielt das Machen von Dingen eine seltsamen Weise einer Begründung ethischen Verhalleere Raum und die Atome sowie deren Kombinationen wahrhaft „sind“, während alles andere erst von unseren Sinnen daraus gemacht wird, deren Erkenntnis daher eine dunkle und unechte ist’. später meistens interpretiert worden ist!!5, der Ausdie Mitte und in der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts der gesunde Menschenverstand der.sogenannten Sophisten. Auch der berühmte Satz des Protagoras (ca. 490 — ca. 420 v. Chr.)'4, der Mensch sei das Maß aller Dinge, ist ursprünglich nicht, wie Gegen diese ganze Art zu philosophieren und die Welt „wissenschaftlich“ zu erklären, revoltiert um Gegenstände — geometrische Gebilde, Musikinstruganz fern liegt, und das gilt für Demokrit nicht mindienen, Musik zu machen, dienen sie zugleich dem Zweck, die Weltordnung besser zu verstehen und oder „wissenschaftlichen“ Welterklärungen, nach dedruck einer subjektivistischen oder sensualistischen oder relativistischen Theorie im eigentlichen Sinne, sondern richter sich gegen alle jene philosophischen 40 Mt Vol. die Zeugnisse bei Diels/Kranz 80B 1. HS Platon im Thezetet 166 D im Zusammenhang einer ausführlichen Diskussion des Protagorcischen Satzes sucht zwar zu zeigen, daß sich, wenn man alle logischen Schlußfolgerungen aus dem Satz und seiner Begründung durch Protagoras zieht, der extremste Relativismus und Subjektivismus daraus ableiten lißt, gibt aber zu, daß Protagoras selbst diese Folgerungen nicht ausdrücklich gezogen hatte. aud: meinen Artikel über Protagoras M6 Vgl, im einz in Pauly-Wissowa, Realenzyklopädie XXIII, sp. 913 ff. p. 26 ff, (1946). Interpretation des Fragmentes vgl. Classical Philology XLI, 483 Vel. Dielsl Kranz, Vorsokeatiker 68 B 11. Zur genaueren da es für ihn eben kalt ist, so hat es erst recht keinen der friert, zu sagen: „aber es ist doch ganz warm“, freilich mit dem einzelnen Menschen, indem er sagte: wie es keinen Sinn hat, einem einzelnen Menschen, sich ihr anzupassen, Was der antiken Wissenschaft Studium Generale (Berl.), 14, Jahrg. H Vgl. Vieravins, de architectura VIT, prooem. 11. 341 Vel. die in Fußn. 136 zitierten Ausführungen. 40 Vgl, oben S. 574. 39 Vel. Diels/Kranz, Vorsokratiker, 68B 118. us Vgl. oben 9.580 und Fuên, 135. Mitte und zweiten Hälfte des 5, Jahrhunderts noch von einer anderen Seite her beleuchtet durch die im Verlauf derselben Epoche gegen sie auftretende senschaft* und „wissenschaftlichen“ Philosophie der der als für die Pythagoreer, ist das Bestreben, die Natur durch die Erkenntnis der ihr innewohnenden Geserze dem Willen des Menschen zu unterwerfen und seinen willkürlichen Zielen dienstbar zu machen. Doch wird von dieser Frage besser später ın einem anderen Zusammenhang ausführlicher zu reden sein. Zunächst wird die Eigenart der griechischen „Wisnen die Welt in Wirklichkeit ganz anders ist, als „die Menschen“ glauben, daß sie sei und als sie ihnen erscheintt#, Dabei argumentierte Protagoras dann hat es ein Ende. Sofern die Musikinstrumente dazu del oder anderen mathematischen Relationen, diese pythagoreische Wissenschaft. Zwar ermöglicht die Kenntnis der in den Dingen steckenden Zahlenbünmente u. dgl. — jederzeit herzustellen. Aber damit Machens, wie die dem Demokrit zugeschriebenen perspektivischen Theaterdekorationent#?, Ähnliches gilt mutatis mutandis, wie gezeigt, auch für die ganz geringe Rolle; und wo es eine Rolle spielt, sind die gemachten Dinge als statische Dinge das Ziel des us Mathematisierung der Naturwissenschaften durcha ursprünger rit die Viel- Grundelementen die aus unserer Alltagswelt stamgestaltigkeit der Erscheinungen aus der Wechse lwirkung von so wenig Grundelementwie en möglich zu versteh en. Das ist in der Tat der spring ende Punkt. Vielleicht könnte man hinzufügen, daß aus diesen stecke, insofern er immer versuchen werde, sage", daß in jedem Physiker erwas von Demok tümliche Weise. Van Melsen hat sehr recht, wenn lichen Eigenschaften verlor en haben. Dennoch ist es nicht ganz unrichtig zu sagen, daß Demokrits Atomismus noch bis in die Gegen wart hinein wirkt, Aber er tur dies auf eine sehr eigennisse der Elemente zueinander, rapid ihre Mathematisierung der modernen Physik und vor allem seit der Entdeckung der ganzzahligen Verhäl tnicht geeigne t. Das ist denn auch der Grund gewesen, weshalb die Atome mit der fortsc hreitenden Gestalt der Atome , die sich daher nicht mathem atischen Gesetzen unterwerfen ließen, für eine weitere eine zunehmende Rolle spielt, was bis zur Erwägung der Möglichkeit geht, daß sogar der physikalische Raum kein Kontinuum, sondern ein Diskontinuum sei. | Um so wichtiger ist es, die Frage zu stellen, ob und wie weit der antike Atomismus, sei es historisch, sei es sachlich, etwas mit dem modernen zu tun, oder ob er mit ihm eigentlich nur den Namen gemein hat. Um diese Frage beantworten zu können, muß man wieder bis zu den Anfangen des modernen Atomismus zurückgehen. Van Melsen in dem früher'®® zitierten Buch spricht die Meinung aus!*4, das Verdienst des antiken Atomismus fiir die Erneuerung der Naturwissenschaft im 17. Jahrhundert habe „in dem großen Nachdruck“ gelegen, „mit dem der Atomismus die quantitative Seite des Problems betonte“, und stellte dann die Frage, ob „das Suchen nach mechanistischen Erklärungen mit Hilfe der Mathematik“ das Primäre gewesen sei, woraus sich dann die Rückkehr zu Demokrit ergeben habe, oder ob konnte, weshalb auch die rein „mechanistis che“ gungen und ihre Wirkung aufeinander durch Druck, Stoß und Zug beschränkt wurde, nicht gelingen mende Vorstellung von raumerfüllenden, ihrer Durchdringung Widerstand leistenden Gegenständen nie ganz wird entfernt werden können. Die unsterb liche Wirkung Demokrits liegt dann offenbar darin, daß er — ausgehend freilich von ganz andersartige n Überlegungen — die Welt aus solchen Grundeleme numgekehrt die Rückkehr zu Demokrit zum Suchen nach mechanistischen Erklärungen Anlaß gegeben habe. Seine Antwort ist, daß eine Wechselwirkung stattgefunden habe. Dies alles ist, soweit es die historische Wirkung des Atomismus im 17. Jahrhundert betrifft, völlig richtig. Das Interessante daran ist ten abzuleiten versucht hatte, was jedoch, wenn die Erklärung nur auf solche Grundelemente, ihre Bewejedoch, daß es auf den antiken Atomismus selbst nicht zutrifft. Versteht man nach der Definition van Melsens* unter einem mechanischen System ein System, 3 Val, oben Fußn,. 131. 5 2.2.0, p.159, Fußn. 53. 58 24.0. p. 171. 206 Vgl. darüber genauer K. v. Fritz, Philosophie und sprachlicher Ausdruck bei Demokrit, Platon und Aristoteles, 3.30 ff., New York 1939, 7 2.2.0,, p. 260.

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Studium Generale Quadratrix. Charakteristischerweise har sich Hippias mit der Erfindung dieser Kurve von der Forderung, Heft 10 (1961) Jahrgang 14 583 München, München 22, Vererinärstr. 2) täglich geschieht, von der Wissenschaft eine Lösung der Welträtsel (the riddle of the universe) oder des „Rätsels des Lebens“ erwarten und sich bewußt sein, daß von einem solchen Standpunkt aus der Umkreis möglicher menschlicher Erkenntnis ungeheuer eingeengt wird. Doch auch von diesem Aspekt des Problems wird besser später in einem anderen Zusammenhang noch zu reden sein. dann nicht, wie es von der Masse der unkritischen . . Anhänger einer „wissenschaftlichen Weltanschauung die der Quatrix des Hippias von Elis. Nur darf man der Wissenschaft keine andere Funktion haben als S. Laurrer: Der Menschheitsgedanke des Hellenismus diesem Standpunkt aus nur vermeintlichen) Strukturerkenntnisse, zu welchen die Wissenschaft kommt, als reine Hilfskonstruktionen und Fiktionen angezu erzielenden Erkenntnis der „wirklichen“ Welt, schen und das eigentliche Ergebnis der Wissenschaft nur in der Voraussagbarkeit künftiger Ereignisse (einschließlich der Fähigkeit, solche Ereignisse unter gewissen Bedingungen selbst hervorzurufen) gesehen wird, durchaus nicht widersprüchlich und inkonsequent, da ja dann von einer durch die Wissenschaft wie sie die Sophisten bekämpft hatten, nicht die Rede ist und die dann übrig bleibenden Ergebnisse Der Menschheitsgedanke des Hellenismus (Dr. phil. Kurt v. Fritz, o. Professor für klassische Philologie an der Universität S. LAUFFER Die Idee der Zusammengehörigkeit aller Meninnerhalb des europäischen Denkens eine lange, nie merkwürdig früh in der Geschichte erscheint, hat schen, die in verschiedenen Kulturen und schon Von seiner Hilfe allerhand Mittel, sich im Leben, wie es uns gegeben ist, besser zurecht zu finden und Erfolg zu haben. Soweit sie, wie es ja der Fall gewesen ist, mit Anhängern konservativer Anschauungen in betrachtet worden sind, lag der Grund nicht so sehr in irgend einem offenen Widerspruch ihrer Lehren mit überkommenen Überzeugungen, sondern eben in der Fertigkeit und Wendigkeit ihres common sense, welcher den Konservativen der soliden Grundvéllig unterbrochene Tradition, Sie läßt sich erstmals im Zeitalter des Hellenismus deutlicher fassen, Kultureinheit eingingen, vielmehr einander weithin selbständig und unvermittelt gegenüberstanden. In politischer Hinsicht ist der Hellenismus mehr durch eine diffuse Vielfalt als durch Einheit gekennzeichnet, worüber seine Großräumigkeit im Vergleich zu der altgriechischen Poliswelt nicht hinwegtäuschen darf. Das Alexanderreich, in dem die gleichsam in seine natiirlichen Bestandteile, indem makedonische Monarchie, die verbiindeten griechischen Staaten und schließlich der gesamte Orient durch eine Art Personalunion unter Alexander vereinigt waren, hat faktisch nur ein Jahrzehnt bestanden. Die weltgeschichtliche Nachwirkung dieses Universalreichs wurde dadurch zwar keineswegs verringert, doch war für die politische Entwicklung der Folgezeit der frühe Tod Alexanders in Babylon am 13. Juni 323 v.Chr., mit dem die Auflösung begann, von ungleich größerer Bedeutung als vergleichsweise die Ermordung Caesars an den Iden des März. Der Orient verlor seine alte und stabile Ordnung, wie sie von den persischen Großkönigen geschaffen war, für immer; bis heure ist dieser Raum nie mehr politisch integriert worden. Er zerfiel sich in den Siedlungsgebieten von Anatolien bis zum Pandschab zahlreiche Nachfolgerstaaren unterschiedlicher Struktur etablierten, zwischen denen nur seltenfunde kennenlernen, um so mehr treten nicht nur ihre einheitlichen, durchgehenden Züge hervor, ten Friede, meist ein gespanntes Verhältnis oder Krieg herrschte. Auch die griechischen Polis- und 40° sondern ebenso die mannigfachen regionalen und lokalen Besonderheiten. Es zeigt sich immer mehr, daß die verschiedenen Elemente nur zum Teil eine besser wir die hellenistische Kultur durch neuere Forschungen, Ausgrabungen, Papyrus- und Inschrif- Die Dinge liegen jedoch nicht so einfach. Je dieser Zeit erscheint ohne weiteres verständlich. Die Welteroberung Alexanders und das Weltbürgertum der Stoa scheinen einen unmittelbaren Zusammenhang zu bilden. tischer Ideen und universalistischer Lehrsysteme in in jenen drei Jahrhunderten von Alexander dem lage, wie sie nur durch feste Traditionen gegeben werden kann, zu entbehren schien. Großen bis Augustus, deren Bedeutung für die Nachwelt nicht geringer, in mancher Hinsicht eher eréRer war als die des vorausgehenden klassischen Griechentums. Unter Hellenismus verstehen wir seit J. G. Droysen, dem Schüler Hegels und August Boeckhs, die große Epoche der griechischen Welt kultur als Folge des Alexanderzuges, durch den die Grenze Europas bis über den Indus vorgeschoben wurde’ (R. Grousset). Das Auftreten kosmopoli- Es ist jedoch für die Erkenntnis wichtiger, heute aber fast nirgends erkannter Zusammenhänge von großer Bedeutung, daß die Sophisten — im Gegensatz zu den „spekulativen“ Philosophen Platon und Aristoteles, deren Philosophie von den modernen Positivisten als Metaphysik bezeichnet und als „meaningless“ abgelehnt wird — gerade von den in den angelsächsischen Ländern sehr stark vertretenen Anhängern einer rein positivistischen Philosophie außerordentlich hoch geschätzt werden, obwohl die Vertreter dieser Philosophie durchaus wissenschaftsgläubig sind, die antiken Sophisten dagegen, wie gezeigt, auf Grund einer Philosophie des reinen common sense gerade gegen die Wissenschaft und „wissenschaftliche“ Philosophie ihrer Zeit revoltieren. Diese Haltung ist nun, sofern nur an der strikt positivistischen Interpretation der Wissenschaft150 konsequent festgehalten wird, so daß also alle (von 49 Vgl. Platon, Staar 492a—93a; Protagoras 333c; Menon 9le. Mit den jüngeren Sophisten wie Thrasymachos steht es natürlich anders. Aber das ist für das hier zu diskutiere nde Problem ohne Bedeutung. 150 Vgl. darüber oben S.547 und Fufn. 2. Verbindung im Sinne einer griechisch-orientalischen Konflikt gekommen, oder von diesen mit Mißtrauen Auch auf dem moralischen Gebiet sind die älteren Sophisten, wie ihnen gerade ihr Gegner Platon mehrfach beschneinigt hat!#, durchaus keine kühnen Neuerer gewesen, sondern haben im allgemeinen die überkommenen moralischen Anschauungen akzeptiert. Was sie Positives zu geben zu haben glaubten und zu geben versprachen, war im Grunde nichts als ein verbesserter erleuchteter common sense und mit mit ein Instrument geschaffen, welches für den praktischen Gebrauch, vor allem die Winkelteilung, außerordentlich nützlich war. Die Sophisten brauchten eben nicht „wissenschaftlich“ konsequent zu sein und konnten auch wieder alles gelten lassen, was zur praktischen Bewältigung des Lebens, wie wir es nun einmal leben, nützlich war, alles aus den Urgegebenheiten des Kreises und der Geraden abzuleiten, emanzipiert, zugleich aber da- K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen Sinn, den Menschen im allgemeinen zu sagen, die Welt sei ganz anders als sie ihnen vorkommt. Denn sie leben nun einmal in der Welt wie sie ihnen vorkommt und nicht in einer anderen Welt. Ganz analog ist offenbar der eigentliche Sinn der gewollt paradox formulierten Schrift des Gorgias# „Über die Natur oder das Nichtseiende“, in welcher er zu beweisen suchte: 1. daß nichts ist; 2. daß, wenn es etwas gäbe, wir es nicht erkennen könnten; 3. daß, wenn es für jemand erkennbar wäre, er diese Erkenntnis doch nicht mitteilen könnte. Die „Natur“, von der hier wie bei den Philosophen die Rede isr, steht in diesem Zusammenhang für die „eigentliche“ Wirklichkeit, wie sie die „wissenschaftlichen“ Philosophen zu erkennen versucht hatten, das ungewordene, unvergängliche, unveränderliche Seiende des Parmenides, die Homoiomerien des Anaxagoras, den leeren Raum und die Atome des Leukipp und Demokrit, lauter (untereinander verchiedene) „wahre“ Welten, die alle wirklicher sein sollten als die Welt, in welcher wir uns täglich bewegen. Eben dagegen richter sich die Kritik des Gorgias: diese „wahren Welten“ gibt es nicht, und wenn es sie gäbe, wären sie für uns nicht erkennbar, wenn aber jemand doch eine solche Erkenntnis haben sollte, könnte er sie nicht mitteilen, da wir nun einmal von Natur in der sinnlichen Welt eingeschlossen leben, in der wir uns im täglichen Leben bewegen: und — das ist der praktische Sinn des Ganzen — es wäre gescheiter, sich in dieser uns erkennbaren Welt zu orientieren und häuslich einzurichten, als über davon verschiedene „wahre Welten“ zu spekulieren, Mit dieser Auslegung steht auch das, was sonst über die (älteren) „Sophisten“ berichtet wird, in bester Übereinstimmung. Sehr interessant ist, daß Protagoras sich gegen die mathematische Definition der Tangente als einer Geraden, welche den Kreis in Gegenstände der Mathematik, die in der empirischen einem Punkte berührt, gewendet haben soll!®: eine Linie berühre einen Kreis immer in mehreren Punkten bzw. habe eine Strecke mit ihm gemeinsam. Damit wendet sich Protagoras gegen die „idealen“ Wirklichkeit ja tatsächlich nicht vorkommen, greift aber damit zugleich narürlich die Grundlagen der „wissenschaftlichen“ Bewältigung der Welt gerade auch im Sinne der modernen Naturwissenschaft an, die sich ja eben vor allem der mathematischen Hilfsmittel bedient. Es steht damit aber wiederum auch nicht im Widerspruch, wenn ein anderer Sophist, Hippias von Elis, selbst mathematische Entdeckungen oder Erfindungen gemacht hat, wie die berühmte Me Vgl. Diels/Kranz, Vorsokratiker 82B 3. 48 Vgl, ibidem 80 B7.

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K. Steinsuch: Zwölf Fragen zur Kybernetik [13] Bense, M.: Der funktionale Bewußtseinsbegriff (noch unveröffentlicht). [17] Hess, W.R.: Das Zwischenhirn. Basel: Benno Schwabe Verlag, 1954, [14] Frank, H.: Bewußtsein und Gedächtnis. Unveröffentlicht. [18] v. Holst, E.: Die experimentelle Erforschung tierischer Triebe. Umschau 1960, H. 18, S. 1—7. [15] Jaspers, K.: Allgemeine Psychopathologie. Berlin: Sprin- [19] Wiener, N.: Cybernetics. New York: J. Wiley & Sohn, 1948. [16] Frankl, V. E.: Die Tranquilizer und der ärztliche Kampf gegen die Angst. Universitas /5, H.3, S.275—282 [20] Rothschub, K.E.: Theorie des Organismus. München u. Berlin: Urban & Schwarzenberg, 1959. ger, 1920. (1960). STUDIUM GENERALE . Studium Generale Heft 11 1961 14. Jahrgang Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen. II Von KURT von FRITZ (Dr. Karl Steinbuch, o. Professor an der T.H. Karlsruhe, Direktor des Instituts für Nachrichtenverarbeitung und Nachrichtenübertragung, KarlsruhelBd., Kaiserstr. 12) 6. Auch die Philosophie des Sokrates, des Platon und des Aristoteles bedeutet in gewisser Weise eine Abwendung von der Richtung, welche der Hauptstrom der vorsokratischen Philosophie bis dahin genommen hatte. Diese Philosophen haben sogar, so groß der Unterschied vor allem zwischen Sokrates und Platon einerseits und den Sophisten andererseits auch ist, doch etwas mit diesen gemeinsam, insofern ihnen, ganz anders als der Mehrzahl der Vorsokratiker, der Mensch wieder im Mittelpunkt ihres Nachdenkens steht. Aber bevor die Frage eingehender erörtert Schritten zu weiteren wirklich oder vermeintlich ebenso gesicherten Erkenntnissen fort. Vielmehr wird die Spekulation der frühesten griechischen Denker gerade charakterisiert durch die riesigen Sprünge gewaltiger und gewaltsamster Verallgemeinerungen, bei denen nicht das logische Denken, sondern die konstruktive Phantasie die maßgebende Triebkraft gewesen ist. Die Korrektur dieser Verallgemeinerungen erfolgt dann unter Umständen gerade als natürliche Folge des energischen Bemühens, die Verallgemeinerung nun auch im einzelnen tatsächlich überall durchzusophen zu den vorsokratischen Philosophen einerführen. So waren die Pythagoreer auf Grund von immerhin ziemlich eingeschränkten Beobachtungen werden kann, in welchem Verhältnis diese Philoseits, den Sophisten andererseits stehen, ist es notan Musikinstrumenten, an gewissen ornamentalen wendig, in aller Kürze auf einen weiteren Aspekt der Entwicklung des „wissenschaftlichen“ Denkens Figuren, vor allem Dreiecken, und an den Beweguneinzugehen, der in gewisser Weise den sonst in vierung gelangt, alles sei Zahl, d. h. alles lasse sich durch lem gegensätzlichen Richtungen gemeinsam ist: die Entwicklung des logischen und dialektischen Denkens. hältnisse und also, da andere Zahlen nicht bekannt waren, durch Verhältnisse zwischen ganzen Zahlen, Es hatte sich zu Anfang gezeigt, daß die erste große Wendung, die man geradezu als den Beginn des „wissenschaftlichen“ Denkens bezeichnen kann, durch das in einer bestimmten historischen Situation spontan entstehende Bedürfnis nach festen, präzisen, ohne Verlust von einem Individuum auf ein anderes übertragbaren Erkenntnissen hervorgegangen ist. Daraus ergab sich der Zwang, mit ganz einfachen, für jedermann einsichtigen und faßbaren Dingen zu beginnen: mit Dingen, die überall vorgefunden und in einer ganz primitiven Weise „verifiziert“ werden können, wobei dieses Wort natürlich noch nicht die präzise Bedeutung hat, welche ihm moderne Wissenschaftstheorien zu geben versuchen. Aber nicht minder spontan und drängend als das Bedürfnis nach fester und faßbarer Erkenntnis war das Bedürfnis nach einer Gesamterkenntnis und einem Gesamtverständnis der Welt. Daher schreitet das Denken zunächst durchaus nicht konsequent von den wirklich oder vermeintlich ganz einfachen und sicheren ersten Gegebenheiten mit kleinen sorgfältig kontrollierten Studium Generale (Berl.), 14. Jahrg. gen der Gestirne, zu der gewaltigen VerallgemeineZahlenbündel oder dann genauer durch Zahlenverbestimmen und aussprechen. Dann wurde jedoch an so einfachen Figuren wie dem regelmäßigen Fünfeck und dem Quadrat die Entdeckung gemacht, daß sich hier nicht einmal das Verhältnis zwischen Seite und Diagonale, ein Grundverhältnis der Figuren, durch Verhältnisse zwischen noch so großen ganzen Zahlen exakt darstellen ließ. Bei dieser Entdeckung muß nun schon die Logik im engeren Sinne eine entscheidende Rolle gespielt haben. Die modernen Mathematikhistoriker streiten sich darüber, ob diese Entdeckung, die Entdeckung der Inkommensurabilität, zuerst am regelmäßigen Fünfeck oder zuerst am Quadrat gemacht worden sei. Die antike Überlieferung spricht für das Fünfeck, wenn sie auch nicht ganz eindeutig ist!51. Aber für das vorliegende Problem kommt auf die Frage der historischen Priorität nichts an. Wichtig ist nur, daß die Entdeckung für beide Figuren in die Mitte bzw. das dritte Viertel des fünften Jahrhunderts fallen muß, daß beide Entdeckungen einen Beweis vor11 Vel, darüber die in Fußn. 51 zitierte Abhandlung.

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Studium Generale lt aos K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen, II Jahrgang 14 603 aussetzen, und daß die Beweismethoden in beiden selbst. Verhielte sich nun die Lange der Diagonale Form, schon gut ein ‘halbes Jahrhundert früher, Fällen verschiedene gewesen sein müssen. zur Länge der Seite wie irgend zwei zueinander wenn nicht noch früher nachweisent55. - von allgemeineren Feststellungen machen, Die beiDas älteste faßbare Beispiel ist wohl ein freilich den Inkommensurabilitätsbeweise gehen von auch historisch schon vorgegebenen Lehrsätzen aus, von nicht wörtlich, sondern nur in indirekter Überlieterung erhaltener Beweis des Xenophanes für die denen der pythagoreische Lehrsatz vermutlich schon Ewigkeit seines einen Gottes, der zwar dem Xeno- durch ein aus mehreren Schritten bestehendes Be- : phanes von den modernen Philosophiegeschichtlern weisverfahren bewiesen worden war, wenn sich auch tast durchweg abgesprochen wird, der aber echt sein nicht mehr mit einiger Sicherheit feststellen läßt, wie muß, weil in ihm das Wort öholog in einem strikten dieses ausgesehen hat. Dagegen läßt sich über die Sinne gebraucht wird, in dem es später nicht mehr hauptsächlichen Sätze, von denen der Inkommen- Der Beweis am Fünfeck beruht auf der Beobachprime ganze Zahlen!®* d und s, so wäre auch das tung, daß die Diagonale des regelmäßigen Fünfecks im Innern des Fünfecks wieder ein Fünfeck bilden und der kühnen, alle Empirie überschreitenden Folgerung, daß dies folglich auch gelten müsse für immer neue, immer kleinere Fünfecke im Innern des jeweils Quadrat (d.h. die zweite Potenz). der Maßzahl der Diagonale d gleich dem doppelten Quadrat der nächsten inneren Fünfecks, obwohl diese Fünfecke an Potenz enthalten muß, müßte auch d selbst den Fak- Kleinheit längst jede Sichtbarkeit oder aktuelle Konstruierbarkeit unterschreiten. Auch daß die Differenz der Diagonale und Seite des äußeren Fünfecks gleich der Diagonale des inneren Fünfecks und die Differenz zwischen der äußeren Seite und der inneren Diagonale gleich der Seite des inneren Fünfecks ist, kann man zunächst nach Augenmaß vermuten und dann durch Nachmessen ungefähr verifizieren. Aber um zu einem gültigen Resultat in einer vom Standpunkt der ursprünglichen pythagoreischen Lehre aus so umstürzenden Entdeckung zu können, muß man es beweisen. Es ist nicht glaublich, daß das Resultat ohne gültigen Beweis angenommen worden wäre. tor 2 enthalten, also’eine gerade Zahl sein. Da nun s nach Voraussetzung keinen Faktor mit d gemeinsam Die mathematischen Sätze, welche man für diesen Beweis braucht, sind alle schon für Thales bezeugt; und zu Ende des fünften Jahrhunderts ist, wie sich zeigen wird, die schrittweise vorhergehende mathematische Beweistechnik schon so weit fortgeschritteni5?, daß die ersten Anfänge der Methode schon ein gutes Stück weiter zurückliegen müssen. Von dieser Seite her besteht also keinerlei Bedenken, die Entdeckung durch einen Beweis dieser Art schon dem in der Mitte des fünften Jahrhunderts lebenden Hippasos von Metapont zuzuschreiben. Der bezeugte, wenn auch nicht datierte, aber Maßzahl der Seite s, also d?=2s?, Also wäre d? durch zwei teilbar, also eine gerade Zahl. Da aber eine Quadratzahl jeden ihrer Faktoren in der zweiten haben soll, so kann es den Faktor 2 nicht enthalten, muß also eine ungerade Zahl sein. Wenn aber d?, wie sich ergeben hatte, eine gerade Zahl ist, muß !/ad eine ganze Zahl sein. Setzt man nun Y/rd=e, so muß e?=4/4 d? sein, und da d?=2s? ist, muß e=1/2 s? sein, woraus folgt, daß s?=2e? ist. Da nun e, wie gezeigt, eine ganze Zahl ist, muß s? eine gerade Zahl sein und folglich auch s. Es hatte sich aber auch ergeben, daß s eine ungerade Zahl ist. Es ergibt sich mithin unter der angenommenen Voraussetzung ein Widerspruch. Also muß die Voraussetzung, daß die beiden Strecken sich zueinander verhalten wie irgend zwei zueinander prime Zahlen, d.h. wie irgend zwei ganze Zahlen, unrichtig sein. Dieser Beweis für die Quadrardiagonale ist etwas komplizierter und erfordert etwas mehr Voraussetzungen als der Fünfecksbeweis. Doch bedeuter dies nicht, daß er nicht ebenfalls in der Mitte des fünften Jahrhunderts schon hätte geführt werden können. Denn nicht nur der pythagoreische Lehrsatz, sondern auch die zahlentheoretischen Erkenntnisse, welche er voraussetzt, wie daß das Verhältnis zweifellos ebenfalls sehr alte Beweis für die Inkommensurabilität von Seite und Diagonale des Quazwischen irgendwelchen ganzen Zahlen sich auf das Verhältnis zwischen zwei zueinander primen Zahlen zurückführen läßt oder daß jede in einer Quadrats ist anderer Natur. Es ist ein indirekter Beweis, dratzahl enthaltene Primzahl auch in der einfachen der an die Unterscheidung zwischen geraden und ungeraden Zahlen anknüpft, welche ihrerseits in der alten, wahrscheinlich von den Agyptern übernom- Zahl (der Wurzel der Quadratzahl, wie wir sagen würden) enthalten sein muß, usw. gehören in den Rahmen der ältesten pythagoreischen Mathematik. menen, Rechentechnik und von da her auch in der Aber auch wenn sich beweisen ließe, daß dieser voll alten pythagoreischen Zahlenphilosophie eine große Rolle spielte. Setzt man den in einem Appendix zum 10. Buch der Elemente Euklids überlieferten!®* Beweis der Kürze und besseren Verständlichkeit halber in eine etwas modernisierte Terminologie um und bedient sich dabei einiger Buchstabensymbole, so lautet er dem Sinn nach folgendermaßen: Nach dem Pythagoreischen Lehrsatz muß das Quadrat über der Diagonale des Quadrats doppelt so groß sein als das Quadrat über seiner Seite, d.h. das Quadrat 182 Vgl. unten $. 604. 153 Eyklid, Elemente X, Appendix 27 (Bd. IV, p. 408 f. der Ausgabe von Heiberg). ausgeführte Beweis einer etwas späteren Zeit angehören muß, würde dies keine wesentliche Bedeutung haben, da dadurch in keiner Weise die Möglichkeit des früheren Auftretens von indirekten Beweisen widerlegt würde. Tatsächlich lassen sich solche Beweise, wenn auch in wesentlich unkomplizierterer 15% Dieser Ausdruck gehört der ältesten Form des Beweises wohl noch nicht an. Aber daß sich das Verhältnis von zwei ganzen Zahlen, die gemeinsame Faktoren haben, durch „Kürzen“ dieser Faktoren auf ein Verhältnis von zwei ganzen Zahlen, die keine gemeinsamen Faktoren haben, also zueinander „prim“ sind, zurückführen läßt, gehört zu den ältesten Erkenntnissen der Pythagoreischen Proportionstheorie. An diesen drei Beweisen kann man nun eine Reihe vorkommt, und, was wichtiger ist, weil der Beweis surabilitätsbeweis am Fünfeck ausging, zum minin der vorliegenden Form nach den viel radikaleren Argumenten des Parmenides kaum mehr möglich gewesen ware55, Dieser Beweis lautet; Gott kann nicht geworden sein, weil er weder aus einem gleichartiwelche durch die Methode des Aufeinanderlegens, gen noch aus einem ungleichartigen Wesen hervorgegangen sein kann: nicht aus einem gleichartigen: denn dann wäre nichts hervorgegangen: es hätte vorher wie nachher das eine alles lenkende Wesen (dessen Existenz Xenophanes mit ähnlichen Gründen zu beweisen versuchte) gegeben. Aber er kann auch nicht aus einem ungleichartigen Wesen hervorgegangen sein. Denn entweder wäre dieses stärker gewesen als er. Dann muß es aber noch da sein. Denn wo sollte seine Stärke hingekommen sein? Auch muß es als das Stärkere das alles lenkende Wesen sein und es hat sich wieder nichts geändert. Oder er hatte aus einem schwächeren Wesen hervorgehen müssen. Aber das ist auch nicht möglich. Denn wo hätte das schwächere Wesen die Kraft oder Substanz hernehmen sollen, das alles lenkende, allgewaltige Wesen aus sich hervorgehen zu lassen? Obwohl dieser Beweis sozusagen drei Zweige hat gegenüber den zwei Zweigen des Beweises für die Inkommensurabilität der Quadratdiagonale, ist er doch viel einfacher, Vor allem setzt er nicht wie dieser besondere theoretische Kenntnisse und Vorbeweise voraus. Er geht vielmehr von allgemein bekannten und scheinbar völlig durchsichtigen Vorstellungen des Gleichartigen, des Stärkeren und des Schwächeren aus und versucht mit ihrer Hilfe zu zeigen, daß sich in der Sache liegende Unmöglichkeiten ergeben, wenn man eine andere Annahme macht als diejenige, welche er beweisen will. 155 Es ist das Verdienst von A. Szabó, in einer Reihe von Arbeiten, z. B. „Zum Verständnis der Eleaten“, Acta Antiqua Academiae Scient. Hungariae //, p. 243 ff. (1954) und „Anfänge des euklidischen Axiomensystems“, Archive for the History of the Exact Sciences J, p.38 ff. (1960), sowie anscheinend in einigen weiteren dort zitierten, mir nicht zugänglichen, Aufsätzen auf die Bedeurung des indirekten Beweises für die Anfinge einer auf Grund von „ersten Sätzen“ beweisenden Philosophie und Wissenschaft hingewiesen zu haben. 150 Vgl, darüber genauer den in Fußn. 67 angekündigten Artikel. desten mit großer Wahrscheinlichkeit sagen, daß sie zum größten Teil auf „erste* Sätze zurückgingen, deren sich, wenn auch in mathematisch verfeinerter Form, noch Euklid beim ersten Kongruenzsatz bedient, einsichtig gemacht worden waren!?”, Wiederum anders geht der indirekte Beweis für die Ewigkeit Gottes bei Xenophanes nicht von vorgegebenen Grundlagen aus, sondern legt sozusagen selbst eine solche. Ganz ähnlich steht es mit den „logischen“ Beweisen, mit denen Parmenides zu beweisen sucht, daß es außer dem einen Seienden nichts geben kann. Der Beweis des Xenophanes kehrt sogar bei ihm in leicht veränderter und verstärkter Form wieder. Auch die berühmten Beweise des Zenon, mit denen er zu beweisen versuchte, daß es keine Vielheit geben kann oder keine Bewegung, indem er die Unmöglichkeiten, welche sich aus der gegenteiligen Annahme ergeben, aufwies, gehören, obwohl ihrer Struktur nach von den Beweisen des Xenophanes und Parmenides etwas verschieden, im wesentlichen hierher?58, Es lassen sich also eine Reihe von Grundelementen unterscheiden. Das eine ist die Beschaffung von ersten gesicherten Grundlagen. Davon haben sich bis hierher — abgesehen von der direkten Beobachtung!ë® oder dem Experiment, die aber anderer Natur sind — zwei Formen aufweisen lassen: der „Beweis“ durch Deckung bei der Feststellung primärer Gleichheitsrelationen und der indirekte „Beweis“, Inwiefern hier von „Beweisen“ geredet wer167 Vgl, darüber eingehender Archiv für Begriffsgeschichte I, p. 76 ff, (1955). 158 Die ausführlichste Sammlung der Zeugnisse über diese Beweise be! H. D. P. Lee, Zeno of Elea, Cambridge 1936. 159 Die Widerlegung vorschneller Verallgemeinerungen brauchte natürlich nicht in allen Fällen mit Notwendigkeit durch Beweise der angeführten Art geschehen. So hat z. B. Herodot gewisse vorschnelle Verallgemeinerungen des Hekataios durch Erkundungen auf Reisen widerlegt, wobei er freilich selbst wieder auf Grund des Erkundeten eigene vorschnelle Verallgemeinerungen begangen hat. Wie weit sich auf Grund von Einzelbeobachtungen wirklich allgemeine Sätze aufstellen lassen, ist eine andere Frage, die an dieser Stelle noch nicht behandelt zu werden braucht.

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nn ioc den kann, obwohl es sich eigentlich um die Beschaffung der Grundlagen für Beweise im eigentlichen Sinne handelt, wird später in anderem Zusammenhang genauer zu erörtern sein. Das zweite ist der eigentliche Beweis, der auf Grund von solchen ersten Sätzen durch eine Kette von logischen Schlüssen zu weiteren Resultaten fortschreiter. Auch dies kann wieder in der Form des direkten und in der Form des indirekten Beweises geschehen. Der indirekte Beweis kann also in doppelter Form erscheinen: als eine der Arten, sich eines ersten und grundlegenden Satzes zu versichern und als Beweis im eigentlichen Sinne, der von schon vorgegebenen ersten Sätzen in mehreren logischen Schritten zu seinem Resultate fortschreitet. In dem ersten im Wortlaut oder nahezu im Wortlaut erhaltenen Beweis der griechischen Geomerrie, den Möndchenbeweisen des Hippokrates von Chios vom Ende des fünften Jahrhunderts, ist das aus diesen Elementen bestehende Verfahren schon nicht nur völlig durchgeführt, sondern wird auch mit vollem theoretischem Bewußtsein‘ von seinem Wesen gehandhabt!®®. Es heißt ausdrücklich, daß Hippokrates sich zuerst eine &oyh gemacht habe, einen festen Ausgangspunkt, und zwar in Form einer Verallgemeinerung des pythagoreischen Lehrsatzes, die diesen auf alle über der Hypotenuse und den Katheten eines rechtwinkligen Dreiecks errichteten ähnlichen Figuren ausdehnt, und die später von Eudoxos von Knidos mit Hilfe seines „Exhaustionsverfahrens“151 bewiesen worden ist. Sie muß zweifellos auch schon von Hippokrates, wenn nicht im späteren Sinne strikt bewiesen, so doch auf irgendeine, wahrscheinlich von der eudoxischen nur durch mangelnde Strenge abweichende Weise evident oder plausibel gemacht worden sein. Mit Hilfe dieses von ihm selbst aufgewiesenen Ausgangssatzes und andern von früheren Mathematikern gefundenen und bewiesenen Sätzen führt dann Hippokrates in einer großen Menge von einzelnen Schritten seine interessanten Méndchenbeweise durch, mit deren Hilfe er im weiteren Verlauf zu einer Quadratur des Kreises zu gelangen hoffte, was ihm freilich nicht gelungen ist und auch nicht gelingen konnte. Diese Methode des strengen Beweises auf Grund von ersten Sätzen hat sich dann trotz mancher Anderungen in den Fundamenten, von denen noch zu reden sein wird!#®, fort- Studium Generale gesetzt und ist bis auf den heutigen Tag die Methode der mathematischen Wissenschaft geblieben. Sie ist schon im Altertum als angewandte Mathematik ausgedehnt worden auf gewisse Gebiete der Naturwissenschaft im weitesten Sinne dieses Wortes, wie die Optik, die Mechanik und die Astronomie. Aber sie ist im Altertum in dieser Form doch im wesentlichen auf einen verhältnismäßig engen Kreis spezieller Wissenschaften beschränkt geblieben. Dies gilt jedoch nur für die systematisch von ersten grundlegenden Sätzen ausgehende und von da in einer lückenlosen Kette von logischen Schlüssen fortschreitende Wissenschaft. Sonst hat das logische Schließverfahren naturgemäß eine viel weitere und umfangreichere Rolle gespielt; und es ist für das volle Verständnis sowohl der Ursprünge als auch der weiteren Entwicklung notwendig, auch diese weiteren Zusammenhänge in den Kreis der Betrachtung zu ziehen. A. Szabé hat in einer der zitierten Arbeiten!# die verschiedenen Theorien über den Ursprung der logisch beweisenden Wissenschaft bei den Griechen aufgezählt und zu einer Entscheidung darüber zu kommen versucht, welche von diesen die richtige sei: die Theorie, daß sie aus der Diskutierfreude und Argumentierfreude der Griechen in den sich langsam demokratisierenden Städten, wo die politische Diskussion sich stürmisch entwickelte, hervorgegangen sei; die oben'& vertretene Theorie, daß das Bedürfnis, in einer verwirrend mannigfaltigen und kulturell überlegenen Umwelt, zu sicheren Erkenntnisgrundlagen zu gelangen, die entscheidende Rolle gespielt habe; oder endlich die Theorie, daß einzelne Philosophen den entscheidenden Anstoß dazu gegeben hätten. Aber in Wirklichkeit sind das gar keine Alternativen. Vielmehr ist offenkundig, daß alle drei Faktoren eine entscheidende Rolle gespielt haben. ~ | Der erste Anstoß ist offenbar von der speziellen Situation ausgegangen, in welcher sich die Griechen an der kleinasiatischen Küste befanden. Dort finder man zuerst die Tendenz, von ganz einfachen und faßbaren, jedem zugänglichen Dingen auszugehen, und in der Mathematik sich ganz einfacher grundlegender Sätze als exakt gültiger zu bemächtigen, wie dies eben von dem ältesten kleinasiatischen Philosophen, Thales, ausdrücklich bezeugt ist. Dort ist aus demselben Anlaß die Tendenz, von diesen ersten 150 Der vollstindige Text der Beweise bei F. Rudio, „Der Bericht des Simplicius über die Quadraturen des Antiphon und des Flippokrates“, Urkunden zur Geschichte der Mathematik faßbaren Dingen zu der Konstruktion einer umfassenden Welttheorie durch gewaltige Verallgemeineungen fortzuschreiten, am ausgeprägtesten. So ST Vel. darüber oben S.561 f. — Darüber, wie die àoxh bei Hippokrates ausgesehen haben mag, vgl. O. Becker im Archiv für Begriffsgeschichte IV, 218 ff. 468 Val. unten S. 607 ff. wenig dies ein historischer Zufall ist, so wenig ist im Altertum, Heft 1, Leipzig 1907. 9 Archive for the History of the Exact Sciences I, 38 ff. 14 Vgl. oben S. 548 ff. Jahrganı gl4 ‘Heft 11 (1961) X, von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen, II es wohl auch ein Zufall, daf die ersten Beispicle logischen Argumentierens aus Unteritalien stammen, wo schon fiir das Ende des sechsten Jahrhunderts lebhafte politische Parteikämpfe in den griechischen Gemeinden bezeugt sind und wo auch etwas später die Theorie der Redekunst ihren Ursprung genommen hat. Es ist vielleicht sogar bezeichnend, daß die gewaltige Verallgemeinerung der pythagoreischen Lehre „alles ist Zahl* nachweisbar noch von Pythagoras selbst stammen muß, der aus dem östlichen Mittelmeer nach Unteritalien ausgewandert ist, die Kunst des mathematischen Beweises aber, soweit sich erkennen läßt, zuerst in Unteritalien entwickelt worden ist. Es kann also kaum ein Zweifel daran bestehen, daß die beiden unter verschiedenen historischen Bedingungen entstandenen Elemente zusammengewirkt haben. Wie eng auch in Italien die historische Situation mit der Weiterbildung von Denkmethoden zusammenhängt, wird sogar durch einige Fragmente der Komödien des Epicharm unmittelbar vor Augen geführt, in denen die Vermengung von ganz persönlichen Disputen des Marktplatzes mit hochphilosophischen Argumentationen zur Erzielung von komischen Effekten benutzt wird'®. Endlich steht es mit der Annahme dieses doppelten Ursprungs des wissenschaftlichen Beweises aus zwei voneinander verschiedenen historischen Situationen in keiner Weise im Widerspruch, daf der entscheidende Schritt von bestimmten identifizierbaren Philosophen, auf der einen Seite Thales, auf der anderen Seite Xenophanes und Parmenides, gevan worden ist. Nur die von E. Frank aufgestellte Theorie!66, die eine Zeitlang weitgehende Beachtung und Annahme gefunden hatte, jetzt aber wohl kaum noch ernsthaft vertreten wird, daß die logische Beweismethode erst von Platon erfunden worden sei und alle Überlieferung, die dem zu widersprechen scheint, auf späterer Erfindung beruhe, ist ganz sicher und nachweislich unrichtig!#". 188 Vgl. vor allem die Fragmente Diels/Kranz 23 B 1/2. 168 Erich Frank, „Platon und die sogenannten Pythagoreer”, Halle 1923. 17 An dieser Stelle ist vielleicht eine kleine Richtigstellung erlaubt, A. Szabé erwähnt mich in dem Fun. 163 zitierten Aufsatz nächst E. Frank unter denjenigen, welche die Entstehung und Ausbildung einer von ersten Sätzen ausgehenden beweisenden Wissenschaft auf „die Philosophie“ zurückzuführen versuchen und sagt dann, ich wolle, anstatt von einer platonischen Reform der Mathematik zu sprechen, eher die angeblich bedeutende Rolle des Aristoteles in der theoretischen Grundlegung der Mathematik hervorheben. Das ist zwar dem reinen Wortlaut nach nicht unrichtig, trotzdem aber im Zusammenhang, in dem es steht, vollständig irreführend. Denn die unmittelbar vorher von Szobé erwähnte These Franks geht dahin, daß die antike Mathematik erst unter dem Einfluß Platons überhaupt zu einer beweisenden geworden sei, so daß der Anschein entstehen muß, ich hätte etwas Ähnliches von Aristoteles 605 Für die weitere Entwicklung ist nun aber auch das logische Folgern und Schließen, d.h. das Argumentieren, wie es im täglichen Leben, auf dem Marktplatz, in den regierenden oligarchischen Körperschaften und in den demokratischen Volksversammlungen üblich war, von großer Bedeutung gewesen. Dort geht man aber nicht von ersten Sätzen aus, deren man sich durch so komplizierte Manipulationen wie das Zur-Deckung-Bringen des Thales oder die indirekten Beweise des Xenophanes versichert hat, sondern man disputiert e concessis: d.h., man geht von etwas aus, von dem man glaubt, daß der oder diejenigen, welche man überzeugen oder überreden will, es für richtig halten oder jedenfalls aus subjektiven Gründen billigen, und sucht dann durch mehr oder minder korrekte Schlüsse zu zeigen, daß, wenn man jenes für richtig halte und billige, man auch das billigen müsse, was der Überredende den andern plausibel oder annehmbar machen will. Darauf beruht nach ihrer logischen Seite die sogenannte Kunst der Dialektik, wie sie auch von den Sophisten geübt wurde und die, wie schon ihr Name zeigt, eben eine Kunst des miteinander Durchdiskutierens ist. Daneben hat dann Gorgias, der ebenfalls zu den Sophisten gezählt wurde, eine Rhetorik ausgebildet, die sich zwar auch der Argumente bedient, besonderen Wert aber auf den unmittelbaren Appell an die Emotionen der Zuhörer legt. In der politischen Argumentation spielten natürlich damals nicht anders als heute Kombinationen von Appellen an die Emotionen und logischen Argumentationen eine große Rolle, wobei man sich in reichem Maße auch logischer Trugschlüsse bediente, unter welchen wiederum formal die Quaternio terminorum bei weitem an erster Stelle steht. In der politischen Argumentation müssen diese Trugschlüsse naturgemäß solcher Art sein, daß sie nicht auf den ersten Blick als solche erkennbar sind und zwar vor allem in der Art, daß ein Wort, welches der Zeitströmung entsprechend geeignet ist, bei einer angenommen. Das hat mir aber niemals einfallen können, da ich wohl der erste gewesen bin, der die Anfänge der , Wissenschaft“ mit der Situation der Griechen in Kleinasien im 6. und 5. Jahrhundert in Verbindung gebracht hat, und da ich in mehrfachen Untersuchungen (vgl. z. B. Philologus LXX XVII, p. 40 #. u. 136 ff., 1932) den Beweis zu erbringen versucht habe, daß die beweisende Mathematik viel älter ist als Platon. Was ich zu zeigen versucht habe, ist, daß Aristoteles eine Einteilung der Prinzipien oder ersten Sätze vorgenommen hat, welche dem Stand der Mathematik seiner Zeit entsprach, auf die spätere Mathematik jedoch nicht mehr paßte, woraus, da die Einteilung trotzdem auf lange Zeit hinaus allgemein akzeptiert wurde, Schwierigkeiten entstanden. Das halte ich auch heute noch im Wesenrlichen für richtig, wenn ich auch zugebe, daß der Zusammenhang ein komplizierter ist und noch einer genaueren Derailuntersuchung bedarf (vgl. auch unten Fußnote 177). — Über Platons Stellung zur Mathematik vgl. unten

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großen Majorität Gefühle der Zustimmung hervorzurufen, in den verschiedensten Bedeutungen gebraucht wird, um unter diesem Decknamen Zustimmung zu Vorschlägen zu finden, die sich als notwendige Folgerung aus dem Bestreben den durch das Wort bezeichnenden Zustand zu verwirklichen, ableiten lassen. So wird heuzutage das Wort Demokratie für so völlig verschiedene, ja z. T. geradezu entgegengesetzte, Staatsformen gebraucht, wie einen auf eine Teilung der Gewalten und ein inneres Gleichgewichtssystem basierten Rechtsstaat, für eine reine Mehrheitsherrschaft, und für die Diktatur einer Minderheit, die den Anspruch erhebt, besser zu wissen was dem Volke frommt, als das Volk selbst. So wurde im Athen des ausgehenden fünften Jahrhunderts, zu einer Zeit, als weithin eine unbestimmte Sehnsucht herrschte, aus der Verworrenheit der Gegenwart zu den gesunderen und gefestigteren Zuständen einer älteren Zeit zurückzukehren, der Ausdruck zóérgtos nodreia für die verschiedensten Verfassungsformen, darunter solche, die in Wirklichkeit niemals bestanden hatten, gebraucht, um daraus folgern zu können, daß diese oder jene politischen Neuerungen eingeführt werden müßten. Diese Art des Mißbrauchs logischen Schließens hat es natürlich zu allen Zeiten gegeben, in denen Politik mit Hilfe von Argumenten gemacht oder durch solche beeinflußt worden ist. Das Eigentiimliche der griechischen Entwicklung jedoch ist, daß diese aus der politischen Argumentation heraus entstandene Dialektik, die mit Aquivocationen und anderen logischen Trugschlüssen, darunter auch vor allem dem falschen Analogieschluß, arbeitet, sich auch auf andere Gebiete ausdehnt und schließlich den entscheidenden Anstoß zur Entstehung einer theoretischen Logik gegeben hat. Eine der seltsamsten Erscheinungen in diesem Prozeß ist in der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts die Entstehung einer dialektischen Streitkunst, der sogenannten Eristik, die als eine Art geistige Fechtkunst um ihrer selbst willen betrieben wurde. Hier wurde mit Trugschlüssen gearbeiter, die, im Gegensatz zu den in der politischen Argumentation gebrauchten, von jedermann sogleich an der völligen Paradoxie der Schlußfolgerung als solche erkennbar sind, wenn die Wirkung des Tricks natürlich auch in der Verblüffung des Partners gelegen ist, der zwar erkennt, daß ein Trugschluß vorliegen muß, aber nicht ohne weiteres durchschaut, worauf er beruht. Ein hübsches Beispiel dafür gibt Platon im Euthydem!8, wo die Virtuosen der eristischen Kunst, Dionysodor und Euthydem, dem jungen 108 Platon, Euthydem, 298d ff. Studium Generale Ktesippos beweisen, daß er seinen Vater geschlagen Jahrgang 14 deft 11 (1961) 2: Der Der Beginn Be i iversalwi: K. von Frirz: universalw! haftlicher Bestreb sende Wissenschaft von Zirkelbeweisen ausgehen eine streng beweisende Wissenschaft aufzubauen. weist, daß man auf diese Weise alles beliebige beweisen kann und also in Wirklichkeit nichts bewiesen wird. Was er demgegenüber betont, ist, daß jede Aristoteles auch nur kursorisch zu diskutieren, ist beweisende Wissenschaft von ersten, unvermittelten und unbewiesenen Sätzen ausgehen muß, die aber, auf welche Weise es möglich sei, von einfachen gesicherten Sätzen in gültigen Schlüssen fortschreitend auf das Spiel eingeht, beweist, daß die Skythen ihre eigenen Schädel von innen besehen und sogar aus ihnen trinken, nämlich die Schädel ihrer erTötung der Feinde legitim erworben, eben „ihre“ (ihnen eigenen) Schädel sind. Aber auch Sokrates selbst hat sich in seinen eigenen dialektischen Gesprächen mit jungen und älteren Leuten in reichlichem Maße der Aquivocationen und der vom streng logischen Standpunkt aus anfechtbaren Analogieschlüsse bedient, wenn auch in anderer Weise als die eristischen Kunstfechter und zu einem anderen Zweck, Das Wesen dieses Unterschieds zu diskutieren ist hier noch nicht der Orti®, Jedenfalls spielen die „dialektischen“ Schlüsse dieser Art in den Dialogen aller Sokratiker, vor allem 607 in der Analytica posteriora der Frage zugewendet, hat: nämlich seinen Hund, der, da er von einer Hündin Junge hat, Vater ist, und da er dem Ktesipp gehört, „sein“, also da er „sein“ und „Vater“ ist, „sein Vater“, worauf dann Sokrates, der schlagenen Feinde, die, da in ehrlichem Kampf durch und der Primat der Griechen. II Alle diese Aspekte des großartigen Werkes des im Rahmen der gegenwärtigen Untersuchung natürlich unmöglich. Es muß genügen, auf die für die Grundlegung einer streng beweisenden Wissenschaft wichtigsten Probleme so kurz wie möglich etwas näher einzugehen. Die ersten Kapitel des ersten Buches der Analytica posteriora beginnen sogleich mit dem fundamentalsten Problem!7: wir wissen etwas im vollsten und eigentlichsten Sinne, wenn wir nicht nur wissen, daß es sich so verhält, sondern auch, daß es sich nicht anders verhalten kann. Ein solches Wissen wird im allgemeinen durch einen Beweis erreicht, welcher auf Syllogismen beruht. Aber Syllogismen setzen Prämissen woraus. Muß aber jede Prämisse selbst wieder miisse, verwirft diese Theorie jedoch, indem er nachum als erste Sätze dienen zu können, nicht nur wahr, sondern auch einsichtig sein müssen, und zwar einsichtiger als das, was durch sie bewiesen wird. Daneben erscheint freilich noch der Begriff der äxeyaytı, was mit Induction übersetzt zu werden pflegt und von welcher gesagt wird, daß sie vom einzelnen zum allgemeinen, also wohl zu allgemeinen Sätzen führu®, Endlich sagt Aristoteles, daß es drei Arten von ersten Sätzen gibt: die Definitionen, durch welche das „Was“ eines Gegenstandes bestimmt wird, die Axiome, die allen oder mehreren Wissenschaften gemeinsam als Grundlage dienen und die grundlegende Relationen ausdrücken, und die dnoféoes, auch den frühen Dialogen Platons, eine sehr große Rolle; und in der ebenfalls von: einem Sokratesschüler, Eukleides von Megara, ausgehenden sogenannten Prämissen und kommt so zu einem regressus in infiwelche speziellen Wissenschaften angehören und die Existenz der einfachsten Gegenstände dieser Wissenbehaupten. Hierzu kann sogleich hinzugefügt wermegarischen Schule wurden die logischen Paradoxien besonders gepflegt. Das hat dann Aristoteles den Anstoß dazu gegeben, diese Dinge in einer Reihe erlaubt. Also ist es notwendig, mit ersten Sätzen zu beginnen, die zwar sicher wahr sind, aber selbst unbewiesen angenommen werden müssen. von Schriften systematisch zu untersuchen und den Versuch zu machen, Licht und Ordnung in das durch den ununterschiedenen Gebrauch von gültigen Schlüssen und von halben und ganzen Trugschlüssen entstandene Dunkel und Ordnung in die Verwirrung zu bringen. Da diese Verwirrung im dialektischen Gebrauch des logischen Schließens entstanden war, hat Aristoteles naturgemäß auch hiervon seinen Ausgangspunkt genommen. Die älteste hierher gehörige Schrift war zweifellos die Schrift zegt coqiotixdv !tyyov, die später als 10. Buch der Topik angegliedert wurde und in der er speziell die Trugschlüsse, beginnend mit den Trugschlüssen auf Grund von Äquivocationen, untersucht. Dann hat er dies in den übrigen Büchern der Topik zu einer umfassenden Kunst der Dialektik, d.h, einer Kunst, im dialektischen Streitgespräch den Gegner zu überwinden, entwickelt. Darauf folgte die Untersuchung und Feststellung der gültigen Schlußformen zur Unterscheidung von den nicht gültigen in der Analytica Priora, Erst ganz zum Sdhluft® hat er sich 160 Vel. darüber unten S.610 ff. . 10 Die von F. Solmsen in seinem Buch, „Die Entwicklung der aristotelischen Logik und Rhetorik“ (Neue Philologische Untersuchungen, Heft IV, 1929) aufgestellte These, daß die „Analytica Posteriora“ von Aristoteles früher verfaßt worden seien als die „Analytica Priora”, kann, wie ich glaube, mit Sicherheit als unrichtig erwiesen werden. Doch kann der Beweis naturgemäß nicht hier geführt werden. bewiesen werden, so braucht man hierzu weitere nitum, der niemals mit dem Beweisen anzufangen Hier erhebt sich also von neuem und im Zusammenhang einer systematischen Betrachtung dasselbe Problem, welches am allerersten Anfang des griechischen Strebens nach gesichertem Wissen an verschiedenen Stellen, wo ein Anfang neuer Erkenntnis gesucht wurde, sozusagen spontan aufgetreten war. Nun konnten bisher zwei Methoden, sich solcher erster Sätze zu versichern, aufgewiesen werden: auf einem ganz speziellen Gebiet, dem der Planimetrie, und auf diese beschränkt, der Nachweis der Inhaltsgleichheit von Flächenstücken mit Hilfe der Dedkungsmethode!?? und in ausgedehnterer Anwendung der indirekte Beweis!#, Dazu kann man aus späterer Zeit noch einen wahrscheinlich auf Exdoxos von Knidos (400-347 v.Chr.) zurückgehenden Versuch hinzufügent7, in der Geometrie (Planimetrie sowohl wie Stereometrie) mit Definitionen als ersten Sätzen auszukommen, durch welche ein geometrischer Gegenstand sozusagen erst konstituiert wird, so daß sie einer weiteren Begründung nicht bedürfen. Alle diese anderweitig nachweisbaren früheren Methoden, sich erste Sätze zu beschaffen, werden von Aristoteles nicht erwähnt. Dagegen erwähnt ert75 eine Theorie, nach welcher eine bewei- Tm Vgl. Aristoteles, Analytica Posteriora I, 71b, 9. 172 Vel. darüber oben $.549 ff. 173 Vgl. oben S. 602 f. ırı Vgl, Archiv für Begriffsgeschichte 7, 72 ff. u. 87 f. 175 Vgl. Analytica Posteriora, 72b 15 ff. schaften, wie z.B. der Einheit in der Arithmetik, den, daß die Axiome in den Elementen Euklids unter dem Namen xowat Evvouu (allgemeine Einsichten) auftreten (Beispiel: Gleiches zu Gleichem addiert gibt Gleiches), die dnodtoeıg unter dem Namen Postulate (atvhata)'?, wobei jedoch gewisse Schwierigkeiten auftreten, da sich auch speziell geometrische erste, d.h. unbewiesene Relationssätze als nötig erweisen, die dann mit den Existenzsätzen zusammen unter den Postulaten erscheinen. Was hat es nun mit alledem auf sich? Warum werden die früheren Methoden, sich erster Sätze zu vergewissern, von Aristoteles mit Ausnahme des Zirkelbeweises nicht erwähnt? Und wie verhalten sich die verschiedenen Versuche und Theorien zu modernen Begründungen einer streng beweisenden Wissenschaft? Daß die Deckungsmethode von Aristoteles nicht nur in den Analytica, sondern auch an Stellen der Metaphysik, wo von Gleichheit, Ähnlichkeit und +76 Vgl. Analytica Posteriora I, 81b, 1 ff. und Topica I, 12, 105a, 13 ff. 177 Szabó hat an sich recht, wenn er (Archive J, p.71 ff.) darauf aufmerksam macht, daß die von Aristoteles erwähnten Existenzsätze nicht derselben Art sind wie die Sätze, die bei Euklid unter den airhpäru oder Postulaten erscheinen. Der Zusammenhang ist aber auch etwa komplizierter als so, daß Euklid einfach die Einteilung des Aristoteles aus dessen Analytiea übernommen hätte. Ich habe schon früher darauf aufmerksam gemacht, daß er diese Schrift kaum gekannt haben kann. Trotzdem life sich, glaube ich, ein indirekter Einfluß erweisen. Aber das ist eine Spezialfrage, die hier nicht erörtert werden kann und auch für die hier zu diskutierenden Fragen nicht von wesentlicher Bedeutung ist.

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Kongruenz die Rede ist und also Anlaß gewesen wäre, sie zu erwähnen, völlig ignoriert wird, ist aller Wahrscheinlichkeit nach darauf zurückzuführen, daß sie in der Mathematik seiner Zeit durch die Definitionsmethode des Eudoxos ersetzt worden war!”®, Nicht minder interessant ist, daß Euklid sie wieder eingeführt hat, wahrscheinlich deshalb, weil die Definitionsmethode iiberbestimmte Definitionen notwendig macht, wie z.B. die bei Euklid noch erhaltene Definition des Durchmessers als einer geraden Linie, welche durch den Mittelpunkt des Kreises geht, durch seine Peripherie begrenzt wird und den Kreis in zwei gleiche Teile teilt. Der Durchmesser ist aber durch den ersten Teil der Definition schon vollständig bestimmt. Der zweite Teil ist also als Teil einer Definition illegitim und sollte als eigener Satz von ihr abgetrennt werden. Euklid hat jedoch die Anwendung der Deckungsmethode durch eine ganze Reihe von Vorbereitungen und zusätzlichen Betrachtungen sorgfältig zu unterbauen versucht. Was nun das Verhältnis der Modernen dazu angeht, so hat noch ein so bedeutender Mathematiker wie Ingrami® zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts Deckungsbetrachtungen, wiederum mit zusätzlichen Überlegungen und Unterbauungen, zum Ausgangspunkt der geomerrischen Gleichheitslehre gemacht. Dagegen hat Hilbert in seinen berühmten „Grundlagen der Geometrie“ den ersten Kongruenzsatz, bzw. einen Teil davon (da der Rest dann mit andern Methoden bewiesen werden kann), als Axiom aufgestellt. Die Gründe für diese Abweichungen lassen sich wohl eruieren und sind sehr interessant. Aristoteles stellt den Grundsatz auf, daß die ersten Sätze unmittelbar einsichtig oder „evident“ sein müssen. Um unmittelbar evident zu sein, müssen sie ganz einfach sein und einfacher, als was durch sie bewiesen wird. Der erste Kongruenzsatz ist jedoch keineswegs ganz "8 Auch Aristoteles zählt die Definitionen ausdrücklich zu den „ersten Sätzen“, die als Grundlage der Beweise dienen können. Es ist ein Mißverständnis Szabôs, wenn er (Archive J, p.42 u. Fun. 27) behauptet, Aristoteles habe die Annahme, Definitionen könnten als „erste Sätze“ zur Beweisgrundlage dienen, bekämpft (zur Interpretation der von Szabó mißverstandenen Stelle in Aristoteles Analytica Posteriora X vgl. Archiv für Begriffsgeschichte 7, p. 40/41, Fußn.52). Aber während Eudoxos offenbar geglaubt hatte, man könne, abgeschen von den allgemeinen für alle Wissenschaften gültigen Axiomen, in den speziellen Wissenschaften (wie der Geometrie) mit Definitionen auskommen, hat Aristoteles gesehen, daß man außer Definitionen auch noch Existenzsätze braucht; bei Euklid aber finden sich unter den speziell geometrischen Postulaten außerdem auch noch Relationssätze, also neben dem Existenzsatz, daß es zu jeder Strecke nach jeder Seite eine eindeutige Verlängerung gibt (daß eine solche existiert), auch noch das Relationspostular, daß alle rechten Winkel einander gleich sind. "9 Vgl. Ingrami, Elementi di geometria, Mailand 1904, Pp. 66. Studium Generale einfach, Auf der anderen Seite läßt er sich nicht mit Hilfe einfacherer selbstevidenter Sätze rein logisch beweisen, ist jedoch für den Aufbau der Geometrie ganz unentbehrlich. Das ist der Grund, weshalb Euklid es nicht gewagt hat, ihn einfach als Axiom oder (seiner Terminologie nach) als Postulat aufzustellen, sondern den Versuch gemacht hat, mit Hilfe der sorgfältig unterbauten Deckungsmethode zu ihm hinzuführen oder, man kann auch sagen, der Evidenz nachzuhelfen, Warum Thales ihn nicht als Axiom aufgestellt hat und warum er, wie sein Versuch zeigt, die Gleichheit der Segmente, in welche der Kreis durch den Durchmesser geteilt wird, zu beweisen, offenbar überhaupt keine Axiome oder Postulate aufgestellt hat, ist auch nicht schwer zu sehen. Für ihn in seiner Situation kam es ja darauf an, sich erster Sätze zu vergewissern. Sie einfach als selbstevident aufzustellen, wäre damit in Widerspruch gestanden. Daß Hilbert andererseits den ersten Kongruenzsatz zum Axiom erhoben hat, bedeutet keineswegs, daß für ihn die Evidenz des ersten Kongruenzsatzes so über allen Zweifel erhaben ist, daß er jeder weiteren Stütze entbehren kann, sondern ganz im Gegenteil, daß ihm und andern modernen Mathematikern der Evidenzbegriff überhaupt zweifelhaft geworden ist und noch viel mehr eine Jahrgang 14 K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen. II Heft 11 (1961) 609 der Wissenschaft ist trotz der Diskrepanzen nicht zu von der Seefahrt und Schiffslenkekunst hat, und der übersehen. Aber die Diskrepanzen selbst machen das * ungelöste Problem gerade in den Fundamenten der „ganz gesicherten“ wissenschaftlichen Erkenntnis offenbar. Über den indirekten Beweis braucht nicht viel gesagt zu werden. Soweit er dem Zweck dient, sich der beste Wagenlenker, der die beste Kenntnis vom Wagenlenken hat, dann wird in jeder Kunst der erster Sätze zu versichern, bedeuter er im Grunde auch nichts anderes als den Versuch, der Evidenz nachzuhelfen. Analysiert man ihn genauer, so kommt er auch nicht ohne verborgene unbewiesene, nur durch Selbstevidenz zu begründende Vorannahmen aus. Über die aristotelische Einstellung der ersten Sätze der Beste sein, der die beste Kenntnis davon besitzt. Hier bedarf es offenbar keiner hundert oder tausend Fälle — die im übrigen, wie gezeigt, gar keine Bedeutung hätten — sondern es genügen zwei Fille, um die allgemeine Wahrheit aufzuweisen, weil an ihnen das einsichtig wird, worauf es ankommt, nämlich der ursächliche Zusammenhang zwischen den Kenntnissen und dem „der beste sein“. Es kommt darauf an, die entscheidende oder bestimmende Urda ich an anderer Stelle ausführlich davon gehandelt sache aufzuweisen. Dann kann man das Gesetz aufstellen, nach dem etwas allgemein so oder so sein wird. Dazu genügen im allgemeinen wenige Fälle, je nachdem ob die bestimmende Ursache leichter oder schwerer zu isolieren ist. Damit knüpft sich eine Verbindung zwischen der habe!8° und diese Frage auch für das Hauptproblem aristotelischen éxaywyh und dem modernen Experivon untergeordneter Bedeutung ist. ment, obwohl dieses im Altertum nur eine geringe Rolle gespielt hat. Aber auch im Experiment kommt es wesentlich auf die Isolierung der bestimmenden in Definitionen, Axiome und ünodtosıs oder Postulate eingehender zu handeln, was beträchtlichen Raum erfordern würde, kann ich mir hier ersparen, Wichtig ist dagegen die Frage der éxaywyh. In den Logikbüchern einer langen und noch nicht lange Induktion eine große Rolle zu spielen und auch in neuesten Abhandlungen spukt er noch gelegentlich, Ursache einer Erscheinung an. Wenn sie gefunden ist, kann man sicher sein, daf, wo sie vorhanden ist und ungehindert wirken kann, immer dasselbe Ereignis eintreten wird, was eben das ermöglicht, was in der Evidenz, die auch noch weiterer Nachhilfen wie wenn auch seltener, herum. Nach diesem Begriff soll modernen Wissenschaft ein so großes Gewicht hat: derjenigen durch die halbempirische Deckungsmethode bedarf. Damit wird jedoch überhaupt zweifelhaft, ob das geometrische System, zu dessen Grundlagen der erste Kongruenzsatz gehört, gegenüber anderen möglichen Systemen in irgendeinem genau bestimmbaren Sinn einen objektiven Vorzug hat. Es wird daher oft gesagt, daß die Axiome „willkürlich“ festgelegt würden und nur gefordert, daß ihr System widerspruchsfrei sei. Das wäre nun daraus, daß etwas einige hundertmal oder tausenddie Voraussage kiinftiger Ereignisse, welche zugleich mal regelmäßig vorkommt, darauf geschlossen werden können, daß es immer vorkommen werde, und so der von Aristoteles für seine tmaywyh postulierte wiederum den antiken Mathematikern und Wissenschafttheoretikern ein Greuel gewesen, da sie ja alle, vorbeigezogen ist, so folgt daraus keineswegs, daß es immer der Fall sein wird, und wenn die Monarvergangenen Epoche pflegte der Begriff der vollständigen oder gelegentlich auch der unvollständigen von Thales über Aristoteles bis zu Euklid und darüber hinaus, auf völlig gesicherte objektive Erkenntnis ausgegangen sind. Aber auch die Theorie der chie am nächsten Morgen gestürzt wird, wird sie als das entscheidende Kriterium der Richtigkeit einer Theorie gilt. Darin liegt freilich, auch abgesehen von der durch das Problem der jeweils vollständigen Isolierung der Ursache gelegenen Unsicherheit, wie früher gezeigt worden ist!®, noch eine tiefliegende Schwierigkeit. Aber der Zusammenhang zwischen der antiken Theorie und der modernen Praxis der exakten Wissenschaft erweist sich auch hier als sehr eng: enger als der zwischen der modernen Praxis und der modernen Theorie von der vollständigen Induktion, die noch nie in irgendeiner künftig nicht mehr vorbeimarschieren. Ebenso wenn Wissenschaft von irgendeinem Nutzen gewesen ist. Willkürlichkeit der Axiome läßt sich kaum völlig aufrechterhalten. So soll Hilbert auf die Frage, 20 000 Jahre lang alle 45 Minuten Wasser gespeen hat, kann er doch morgen damit aufhören, wenn eine tektonische Veränderung im Erdinnern stattgefunden har. Die von Aristoteles gegebenen Beispiele für die éxaywyh sind aber keineswegs dieser Art. Freilich rewarum er nicht ein System aus gewissen ganz sinnlosen Axiomen aufzubauen versuche, geantwortet haben: „Davor bewahrt mich mein gesunder mathematischer Instinkt“, eine Antwort, welche mit der Übergang. vom Einzelnen zum Allgemeinen vollzogen werden. Wenn Aristoteles jedoch etwas derartiges im Sinne gehabt hätte, hätte er etwas sehr Törichtes gemeint. Denn wenn die Schloßwache tausendmal um sechs Uhr morgens an meinem Fenster der Old Faithful Geysir im Yellowstone Park Behauptung der Willkürlichkeit der Axiome in Widerspruch zu stehen scheint. Es bleibt also ein letzterdings ungelöstes Problem, das von antiken und modernen Theoretikern auf verschiedene Weise det er von nuyoudeiynora, was gewöhnlich mit „Beizu umgehen versucht worden ist. Der engste Zusamjenige der beste Kapitän ist, der die beste Kenntnis menhang zwischen den antiken und den modernen Versuchen der letzten Begründung streng beweisenspiele“ übersetzt wird und von Spo, was man mit „gleichartigen Fällen“ übersetzen kann. Aber ein Beispiel, das er gibr!®!, lautet folgendermaßen: wenn der480 Vgl, Archiv für Begriffsgeschichte I, 25 ff. WL Vel. Aristoteles, Topica I, 12, t05a, 13. 7. Doch das sich der (formal richtigen oder auch unrichtigen) Syllogismen bedienende argumentierende Denken kommt nicht nur in der Form einer von möglichst gesicherten „ersten“ Sätzen ausgehenden „Wissenschaft“ vor, sondern auch in der Form des Argumentierens e concessis; und auch in dieser Form hat es in der Philosophie eine bedeutende Rolle gespielt. Wie früher erwähnt, hatte der gesunde Menschenverstand der Sophisten des fünften Jahrhunderts v.Chr. gegen die seltsamen Theorien der „wissenschaftlichen“ Philosophen revoltiert, welche *82 Vgl. oben S. 547

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alle und zwar zunehmend zu dem Resultat gekommen waren, daf die „wahre Welt“ ganz anders sei als die Welt, in welcher wir uns in unserem täglichen Leben bewegen, wie ja auch die moderne Wissenschaft der Physik, soweit sie ihre Konstruktionen nicht positivistisch als Fiktionen erklärt, sondern an Strukturerkenntnisse glaubt, zu dem Resultat gelangt, daß die scheinbar so soliden raumerfüllenden Gegenstände, von denen wir umgeben sind, einschließlich unserer selbst und unserer Mitmenschen, in Wirklichkeit Wirbel von Atomen sind, welche weit voneinander entfernt sind und, wenn sie dicht aneinandergepreßt werden könnten, nur einen kleinen Bruchteil des Raumes einnehmen würden, welchen die aus ihnen bestehenden Gegenstände einzunehmen scheinen. Soweit das Bestreben der Sophisten auf Erkenntnis gerichtet ist, ist es auf eine Erhel- II Studium Generale Das Wort Emorúpn, welches bei den „wissenschaftlichen“ Philosophen vor Sokrates gar keine Rolle spielt!®®, bedeutet ursprünglich „ein Metier beherrschen“, „darüber stehen“, „das haben, was man im Englischen als den ‚know how‘ zu bezeichnen pflegt“, „sich auf eine Sache verstehen“. Daher wird es vor allem vom Künstler und vom Handwerker gebraucht. Wenn die Sophisten von ägerh reden, so meinen sie die Fähigkeit zu außergewöhnlichen Leistungen im Leben überhaupt, vor allem im politischen Leben, sowie die außergewöhnliche Leistung selbst, in welcher sich die Fähigkeit dazu aktualisiert. Um diese Fähigkeit zu erwerben, braucht man in der Demokratie des fünften Jahrhunderts, aber auch bis zu einem gewissen Grade in den von demokratischen Bewegungen bedrohten Oligarchien, den politischen „know how“, welchen die Sophisten zu lung der Welt des täglichen Lebens gerichtet, und lehren versprechen. Indem sie diesen „know how“ als zwar mit dem Ziel, sich darin zurechtzufinden, es émothun bezeichnen, dehnen sie also diesen Begriff auf die politische Sphäre aus. Inhaltlich kann man diese Art der &xuorhun als die Kunst der Menschenbehandlung im weitesten Sinne bezeichnen, wozu natürlich vor allem auch die Kunst gehört, die Teilnehmer an der Volksversammlung als politischer Redner und die Richterkollegien in Gerichtsverhandzu bewältigen, darin „Erfolg“ zu haben. Auch die Kunst des Disputierens e concessis, das schon vor ihnen in den oligarchisch regierten oder zur Demokratie übergehenden griechischen Gemeinden zu einem wichtigen politischen Faktor geworden war, wurde von ihnen um dieses praktischen Zweckes willen besonders gepflegt. In alledem hatte Sokrates nicht ganz wenig mit den Sophisten gemeinsam, so daß es nicht gar so verwunderlich ist, wenn er von vielen seiner Zeitgenossen und Mitbürger unter diese gerechnet wurde. Auch er hatte sich von den Spekulationen der „wissenschaftlichen“ Philosophen, die wir als die NaturPhilosophen zu bezeichnen pflegen, abgewendet, weil aus deren Spekulationen für das praktische Leben des Menschen wenig zu gewinnen sei. Er hat, wie wohl gesagt worden ist, nicht nur das dıröv yévos in die Philosophie eingeführt, sondern die Philosophie zu den Menschen zurückgeführt. Aber auch in der Methode bestehen gewisse, gerade weil sie an der Oberfläche liegen, nicht zu übersehende Ahnlichkeiten. Alle erhaltenen Sokratischen Dialoge der verschiedenen Sokratiker zeigen, daf? auch Sokrates sich in seinen dialektischen Gesprächen vielfach einer Art von Aquivocationen bedient haben muß; und Analogieschlüsse, die nach den Prinzipien einer strengen Wissenschaft nicht als streng beweisend anerkannt werden würden, spielen bei ihm erst recht eine außerordentlich große Rolle. Endlich scheint er ebenso wie die Mehrzahl der Sophisten die Meinung vertreten zu haben, daß dgeth durch êmorhun erworben werde oder jedenfalls weitgehend von dieser abhängig sei. Eben an dieser Stelle läßt sich nun aber auch der Unterschied zwischen beiden sehr deutlich machen. lungen, welche im demokratischen Athen auch politisch eine bedeutende Rolle spielten, für den eigenen Standpunkt zu gewinnen. Wenn Sokrates in bezug auf Politik von émothun redet, meint er etwas ganz anderes: den Sachverstand. Ihm und seinem Schüler und Bewunderer Platon war eben jene Fähigkeit, jener „know how“ 14 K, von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen. IT Jabigeng Heft 11 (1961) men oder sich einer Operation unterziehen miisse, Arzt, der allein beurteilen als der kenntnisreichste kann, ob die Medizin heilsam oder die Operation notwendig ist. Aber trotz dieser Überlegenheit des praktischen Psychologen, des Redners, des Propagandisten in der Fähigkeit, andere zu überreden, das, was er selbst oder was der Fachmann für richtig hält, zu tun, wird niemand, wo es sich um die eigene Gesundheit oder die eines Verwandten handelt, so weit gehen, die medizinische Behandlung als solche einem Propagandisten statt einem sachkundigen Arzt anzuvertrauen. Nur in der Politik scheinen die Menschen blindlings dem Propagandisten zu folgen — der freilich vorgeben muß, den richtigen Sachverstand zu besitzen —, ohne daß sie sich in derselben Weise sorgfältig vergewissern, ob er den nötigen Sachverstand auch besitzt, wie sie es bei einem Arzt oder bei einem Fechtmeister, einem Architekten oder einem Schiffskonstrukteur ohne Zweifel tun würden. An diesem Punkt setzte Sokrates ein. In der Demokratie war er als Antidemokrat verschrieen und machte sich bei den Demagogen verhaßt, indem er immer wieder die Frage stellte, ob es vernünftig sei, in den wichtigsten Angelegenheiten der Gemeinschaft den besten Rednern und Propagandisten zu folgen, statt zuerst zu fragen, ob sie denn sachlich auch etwas verstehen. Unter der Oligarchie der sogenannten dreißig Tyrannen machte er sich nicht weniger unbeliebt, indem er, als diese ein Terrordes gewiegten Politikers, unheimlich, welcher diesen regiment einrichteten und eine große Anzahl von Bürgern hinrichten ließen, überall herumging und fragte, ob derjenige ein guter Hirte sei, welcher die befähigt, die Menschen dazu zu bringen, dem zuzu- Zahl der Schafe vermindere — worauf ihn Kritias, stimmen, ihn in dem zu unterstützen, was er ihnen vorschlägt, ihnen suggeriert, ohne daß er selbst zu wissen braucht, und ganz gewiß, ohne daß die Mehrzahl der ihm Zustimmenden weiß, ob das, was er vorschlägt, für sie bzw. für die staatliche Gemeinschaft gut ist oder nicht. Unübertrefflich wird das Wesen und die Gefahr dieser Art von êmarhun — die von Sokrates und Platon nicht als solche anerkannt, sondern als bloße zoıßr, als bloße Routine bezeichnet wird — illustriert an jener Stelle von Platons Dialog Gorgias’, wo Gorgias stolz erklärt, er verstehe es, ohne eine Kenntnis der Heilkunde zu haben, viel besser einen Patienten davon zu überzeugen, daß er eine unangenehme Medizin einneh1% In den wörtlich zitierten Fragmenten kommen die Wörter émiotaoûa und Èmorhun bei den Vorsokratikern überhaupt charakteristischerweise nur bei dem nicht-wissenschaftlichen oder antiwisscnschaftlichen Heraklit vor und in zwei ethischen Fragmenten Demokrits (B 169 und 181), von denen das erste außerdem noch von zweifelhafter Echtheit ist. 14 Platon, Gorgias 456b ff. der Führer der Dreißig, kommen ließ und ihn mit grimmigem Humor verwarnte, er solle sich nur in acht nehmen, daß er die Zahl der Schafe nicht um seine eigene Person vermindere!®, Nur der baldige Sturz der Dreißig hat wohl verhindert, daß es tatsächlich dazu kam'®®. Aber unter der wiederhergestellten Demokratie wurde er angeklagt, daß er die Jugend verdürbe — offenbar vor allem dadurch, daß er ihnen den Glauben und den Respekt vor der Weisheit der Politiker nahm — und wurde hingerichtet. Er hatte aber nicht nur die Jugend gegen die Politiker skeptisch zu machen gesucht, was viele andere zu vielen Zeiten aus weniger einwandfreien Motiven 185 Vgl, Xenophon, Memorabilia I, 2, 32. 186 Daß Sokrates trotz seiner Widerspenstigkeit und seiner Kritik die Herrschaft der Dreißig überhaupt überlebte, hatte er zweifellos der Tatsache zu verdanken, daß einige seiner glühendsten Bewunderer, vor allem Platon, dem radikalsten der Dreißig, Kritias, sehr nahestanden bzw. mit ihm verwandt waren. Aber Kritias war nicht der Mann, sich auf schr lange Zeit durch solche Rücksichten von energischem Durchgreifen abhalten zu lassen. 611 auch getan haben, sondern er hatte auch ehrgeizige “junge Leute, die mit Leidenschaft sich an der Politik beteiligen wollten, um eine Rolle zu spielen, Macht auszuüben, sich Ruhm und Ansehen zu erwerben, darauf aufmerksam zu machen gesucht, daß es besser sei, sich zuerst Sachverstand zu erwerben, ehe sie versuchten, das Volk zu lenken und zu politischen Abenteuern zu veranlassen. Für Sokrates bedeutete Euothun also, im Gegensatz zu den Sophisten, nicht die Kunst, Menschen für sich zu gewinnen und „Erfolg“ im Leben zu haben, sondern den „Sachverstand“. Aber Sachverstand kann auch noch sehr Verschiedenes bedeuten. Die Demagogen und politischen Führer der Zeit des Peloponnesischen Krieges nach dem Tode des Perikles, darunter Alkibiades, der einmal unter dem starken Einfluß des Sokrates gestanden, sich dann aber seinem Umgang entzogen hatte, weil er ihn daran hinderte, seinem politischen Ehrgeiz die Zügel schießen zu lassen, hatten Athen zu gefährlichen Abenteuern verlockt, die dann zur Niederlage und Katastrophe des Jahres 405 v.Chr. führten. Aber frühere athenische politische Führer, wie Perikles und vor ihm Themistokles und Miltiades, hatten zwar auch eine kühne, aber doch eine umsichtigere Politik getrieben. Sie hatten zur Erhaltung der griechischen Freiheit bei der von den Persern drohenden Gefahr entscheidend beigetragen und dann Athen „groß“, ja neben und in gewisser Weise über Sparta hinaus, zur führenden Macht in Griechenland gemacht. Sie scheinen also, wenn man von der üblichen Beurteilung des Politikers ausgeht, nicht nur erfolgreiche Demagogen und Propagandisten gewesen zu sein, sondern auch den nötigen Sachverstand gehabt und von ihm den besten Gebrauch zum Nutzen ihres Gemeinwesens gemacht zu haben. Wir wissen nicht mit Sicherheit, welche Meinung der historische Sokrates von Perikles gehabt hat. Aber Platon greift ihn in seinem Dialog Gorgias ebenso wie den Themistokles heftig an!®; und man darf wohl sagen, daß, ob nun der historische Sokrates sich faktisch in ähnlicher Weise geäußert hat oder nicht, die Prinzipien des Sokrates nach dem Zeugnis anderer Sokratiker von denen, welche ihm Platon in diesem Zusammenhang zuschreibt, nicht ganz verschieden gewesen sein können. Glanz, Größe und Macht waren für Sokrates durchaus nicht mit dem, was für eine menschliche Gemeinschaft „gut“ Ist, identisch. Im Gegenteil: sie können eine korrumpierende Wirkung ausüben, ganz besonders, wenn ihr Erwerb nicht auf eine „gerechte“ Weise erfolgt ist: und Macht wird selten, wenn je, auf eine vom Standpunkte des strengen Rechthandelns aus ein17 Platon, Gorgias 515c ff.

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Studium Generale wandfreie Weise erworben. Wird aber Recht und nicht und fällt er in eine Krankheit, dann ist es, Gerechtigkeit zum Kriterion des „Wohles“ des einzelnen wie eines Gemeinwesens gemacht, und zwar wenn er nicht auch in einem höheren Sinne geheilt und wieder in Ordnung gebracht werden kann, besnicht nur hinsichtlich seines Zustandes im Innern, ser für ihn, von der Krankheit nicht wieder aufzustehen, also zu sterben, als nur rein körperlich von sondern auch hinsichtlich seines Verhaltens gegenüber anderen Staaten, dann können Manner, wie Themistokles und Perikles, welche mit List und Gewalt das unter Athens Führung zum Schutze gegen die Perser geschaffene Seebündnis in ein attisches Reich, eine àgxñ, eine Herrschaft, verwandelt hatten, nicht mehr als vorbildliche Politiker und Staatsmänner gelten, so grof ihr Erfolg vom Standpunkt der reinen Machtpolitik aus auch gewesen scin mochte. Indem nun aber das, was gemeinhin als politische Leistung und damit zugleich auch als Ergebnis des politischen Sachverstandes bewundert wird, von Soihr wieder zu genesen. Damit erhebt sich über der émothun im Sinne des Sachverstandes in bezug auf eine Tatigkeit, welche ein Gut im einfachen Sinne des Wortes, ein áahg &yadóv, zum Ziele hat, noch eine höhere émothpy, ein Wissen darum, was dem Menschen im eigentlichsten Sinne frommt. Das Wort ëmothyn aber, das, wie sich gezeigt hat, zunächst den know how im allerweitesten Sinne bezeichnet, dann aber durch Sokrates oder Platon oder beide einen ganz neuen und eigentiimlichen Sinn bekommt, bezeichnet bei Platon und von ihm an krates und von Platon, weil nicht dem wahren Wohl auch bei späteren antiken Schriftstellern vielfach der politischen Gemeinschaft dienend, nicht anerauch die Wissenschaften im modernen Sinne des Workannt wird, verändert sich naturgemäß auch der Begriff der &marthun oder des Sachverstandes. Auch tes, darunter auch die Mathematik als streng beweisende Wissenschaft, was vor Platon nicht der Fall darüber ist in Platons Gorgias Grundlegendes zu gewesen war. Diese Tatsache hat auf viele Interpreten Platons und auf. Historiker der antiken Wissenschaft einen solchen Eindruck gemacht, daß sie lesen!®, Wenn die Kunst des Arztes, des Architekten, des Trainers als &morhun anerkannt werden, die Kunst des Redners und des Propagandisten, obwohl sie in gewisser Weise doch auch einen know how und in diesem Sinne einen Sachverstand voraussetzen, dagegen nicht, so deshalb, weil die Tätigkeit des Arztes, des Architekten usw. eindeutig auf ein „Gut“ ausgerichtet sind, die Kunst des Propagandisten, der mit gleicher Virtuosität für das, was sich später als verderblich herausstellen wird, Propaganda machen kann und sehr oft macht, dagegen nicht, Er wird darin mit dem Koch im Gegensatz zum Diaetetiker verglichen, da der erstere nur dem Gaumen schmeicheln will ohne Rücksicht darauf, ob die Speisen, die er so schmackhaft zuzubereiten versteht, auch der Gesundheit zuträglich sind oder nicht. Die ëuoriun in den Künsten und Fertigkeiten ist also ein Sachverstand in einer Tätigkeit, welche auf ein „Gut“ gerichter ist. zu beweisen versuchten, die Mathematik sei überhaupt erst unter dem Einfluß Platons zu einer streng beweisenden Wissenschaft geworden!, Das läßt sich freilich als ganz unrichtig erweisen. Aber nicht um dieses negativen Ergebnisses willen ist es notwendig, sich ausführlicher mit dem sokratischen und platonischen êmorhun-Begrif zu beschäftigen und das wirkliche Verhältnis Platons zur Wissenschaft im modernen Sinne genauer festzustellen, sondern weil hier sehr viel tieferliegende Fragen aufden ist, kann nicht bezweifelt werden und wird, auch abgesehen von dem viel zitierten Spruch pnôeis &yewuérontoc etotrw, der über dem Eingang der platonischen Akademie gestanden haben soll, schon daoder, wie Aristoteles es später bezeichnet hat!®, ein ûrhöc &ya8óv: ein Gut im einfachen Sinne des Worim höchsten Sinne, als eines Wissens darum, was tes. Aber gegen Ende des Dialoges Gorgias 1° dem Menschen frommt, bei Sokrates kann man wohl die Erkenntnis bezeichnen, daß nichts anderes mehr die Grundlage des Wohles eines Menschen ist, als 185 Ibidem 462E ff, 289 Aristoteles, Nikomachische Ethik V, 1, 1129b, 5 ff 100 Platon, Gorgias 511d ff. der Mythos von einem Gericht im Jenseits am Ende von Platons Gorgias’ ist, wie Platon im Staat?®® indirekt selbst eingestanden hat, sicher nicht sokratisch — sondern weil derjenige, der Unrecht tut, nicht mit sich selbst in Ubereinstimmung bleiben kann. Die Stoiker, welche es liebten, das, was bei Sokrates lebendig und konkret war, in abstrakte Formeln umzusetzen, haben diese Grundbedingung der eödapovia das önoAoyountvos Civ genannt. Denselben Sinn hat es im Grunde, wenn Platon im Gorgias!™ den Sokrates sagen läßt, daß durch das Unrecht tun die Seele häßlich werde: nur daß die Disharmonie hier sozusagen so bezeichnet wird, wie sie sich von außen gesehen ansieht. Aber ob sich nun schon der historische Sokrates gelegentlich solcher allgemeinerer Formulierungen bedient hat oder ob erst seine Schüler den konkreten Inhalt seines Philosophierens in solchen abstrakten Formulierungen zu fassen versuchten, eine entscheidende Rolle haben sie in der Tätigkeit des Sokrates sicher nicht gespielt. Er selbst hat, wie viele gut verbürgte Ereignisse aus seinem Leben zeigen, nach diesen Prinzipien oder dieser Einsicht gelebt. Aber in seinen vielen Gesprächen mit anderen, scheint er sie nicht in abstrakto ausgesprochen zu haben. Vielmehr versuchte er, den andern jeweils in einer konkreten Situation zu einer konkreten Einsicht zu führen. Dabei konnte er, da hier immer e concessis — bewußten und unbewußten — arguhoch geachtet und auch gepflegt und gefördert wordurch bewiesen, daß Platon während seines zweiten dieses Gut nur für den ein wirkliches Gut ist, der in einem höheren Sinne in Ordnung ist. Ist er das gen irgendwelcher möglichen äußeren Folgen des Unrechttuns, sei es im Diesseits oder im Jenseits — richtete Geschichte von dem jungen Mann, der eben sizilischen Aufenthaltes dem seiner Philosophie sonst ganz fernstehenden großen Mathematiker Eudoxos von Knidos die stellvertretende Vorsteherschaft der Akademie übertragen hat. Als allgemeinsten konkreten Inhalt jenerèzuothgn sucht der platonische Sokrates zu zeigen, daß selbst niemals etwas Unrechtes zu tun, und zwar nicht westreng beweisende Wissenschaft von Platon sehr treten. Die Tatsache selbst, daß die Mathematik als Aber auch das ist nur eine erste Annäherung an zu lösen versucht, ist natiirlicherweise ein „Gut“ K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen. II mentiert wird, durchaus an traditionell vorgegebene Vorstellungen und Haltungen anknüpfen. Ein hübsches Beispiel dafür ist die von Xenophon'® bedas eigentliche Problem. Die Gesundheit, welche wiederherzustellen die Aufgabe des Arztes ist, die er mit Hilfe seiner éxoryun, seines Sachverstandes Jahrgang 14 ) Heft 11 (1961) 11 Vgl. vor allem E. Frank, Platon und die sogenannten Pythagoreer, Halle 1923, und F. Solmsen, „Platons Einfluß auf die Bildung der mathematischen Methode“ in: Quellen und Studien zur Geschichte der Mathematik 7, 3-33 (1929), und Die Antike 7, 175 ff. (1925). nach einer langen Fußreise in Athen angelangt ist und sich über die Strapazen der Reise und seine Ermiidung und Erschöpfung beklagt. Da fragt ihn Sokrates, ob er kein Gepäck dabei gehabt habe. — Doch. — Ob er das selber getragen habe? — Nein, sein Sklave. — Ob der auch so erschöpft sei und sich 613 facher Weise interessant. Die Geschichte hätte an dem Punkt, an welchem der junge Mann antwortet, sein Sklave habe das Gepäck getragen, auch anders weitergeführt werden können, nämlich mit: „Schämst du dich nicht, deinen armen Sklaven auch noch das Gepäck tragen zu lassen, wenn du schon ohne Gepäck von dem weiten Weg so erschöpft bist?“ Die Verschiedenheit in der Weiterführung des Gesprächs aber kann auch wieder verschiedene Gründe haben: zunächst einen sachlichen in der Verschiedenheit der faktischen Situation. Das Gespräch kann nicht so weitergeführt werden, wie es bei Xenophon tatsächlich weitergeführt wird, wenn der Sklave nicht faktisch die Anstrengung verhältnismäßig gut ausgehalten hat. Wäre er auf dem Weg liegen geblieben oder hätte er mit Peitschenhieben oder andern Zwangsmitteln weitergetrieben werden müssen, so wäre nur die zweite Alternative der Weiterführung möglich gewesen. Aber die Art der Weiterführung kann weitgehend auch durch die zu einer Zeit vorherrschenden Auffassungen und Haltungen bestimmt werden. Man wird wohl kaum fehlgehen, wenn man annimmt, daß in unserer Zeit die Neigung, den Sklaven zu bedauern, vorherrschend wäre und daher die Neigung, die Geschichte auf die zweite Art zu Ende zu führen, während zur Zeit des Sokrates, wo man nicht mit jeder Schwäche Mitleid hatte und der Meinung war, der Mensch solle erwas aushalten können, allgemein die Neigung zur ersten Version die vorherrschende war. Endlich — und das ist ebenfalls sehr wichtig — kann das Gespräch überhaupt nur in der Weise, in der es bei Xenophon berichtet ist, zu Ende geführt werden, weil der junge Mann in einer aristokratischen Tradition steht, in der es als selbstverständlich gilt, daß der Adlige und der Herr an. körperlicher Ausbildung und Selbstbeherrschung über dem Sklaven stehen muß — was durchaus nicht bei allen Aristokraten jeder Zeit der Fall gewesen ist. Auf dieser vorgegebenen Basis aber wird durch die Fragen des Sokrates dem jungen Mann offenbar, daß er nicht mit sich selbst, d. h. mit seinen ihm in Fleisch und Blut über die Strapazen der Reise beklage? — Nein. — übergegangenen aristokratischen Idealen, in Über- Nun, schämst du dich dann nicht, daß du, ein junger Mann aus vornehmen Geschlecht, weniger auseinstimmung bleiben kann, wenn er sich so verhält, halten kannst als dein Sklave? Hier handelt es sich nicht um Rechttun oder Unrechttun im engeren, im moralischen Sinn, sondern nur um das richtige Verhalten, wie es einem jungen Manne ansteht. Trotzdem ist die Geschichte in mehr182 Platon, Gorgias 523 A ff, 198 Platon, Staat 362 E ff., besonders 363 D/E. 14 Gorgias 511 A. 198 Xenophon, Memorabilia IIT, 13, 6. wie er sich verhalten har. Sokrates kann also, wenn er glaubt, dadurch seinen Unterredner auf den richtigen Punkt bringen zu können, durchaus an etwas anknüpfen, was in diesem auf Grund einer besonderen Tradition gegeben ist, wie er ja immer, da e concessis disputiert wird, an etwas anknüpfen muß, was in irgendeiner Weise in dem Gesprächspartner, wenn auch zunächst diesem selbst verborgen, vorhanden ist und von Sokrates angesprochen werden kann. Überhaupt ist

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es, wie an zahlreichen Beispielen gezeigt werden könnte, für Sokrates charakteristisch, daß er Traditionen nie ohne Not angreift, sondern sie überall da stehen läßt, wo sie ihm in bezug auf das Wesentliche, das recht oder unrecht Tun, indifferent zu sein scheinen, und an sie anknüpft,, wo sie ihm zur Erhellung der wesentlichen Frage nützlich zu sein scheinen. Aber er kann sich auch gegen traditionell allgemein als gültig angenommene Anschauungen wenden, wie eben in der Einschätzung des Staatsmannes, der im Sinne der außenpolitischen Machtgewinnung erfolgreich gewesen ist!%®, Hier erhebt sich nun aber die Frage, woran man denn anknüpfen, was man als Kriterium benützen kann, wenn nicht das, was im andern durch die Tradition, der er angehört und durch die er geformt worden ist, gegeben ist. Implicite ist damit offenbar auch die Frage der historischen oder kulturellen Relativität der ethischen „Werte“ gestellt. Auch bei dem Versuch, diese Frage zu beantworten, kann man wieder von einer Stelle des platonischen Gorgias ausgehen. Der platonische Sokrates macht dort!®? einen Unterschied zwischen dem, was die Menschen (wirklich) wollen oder wünschen und dem, was ihnen (gut) scheint (à Soxet attois), Wollen oder wünschen können in Wahrheit alle nur das, was gut für sie ist. Aber viele täuschen sich darüber, was gut für sie ist, Sie meinen, es sei gut für sie, mit welchen Mitteln auch immer Macht, Reichtum oder Herrschaft über ihre Mitmenschen zu erlangen, Absolute Macht zu haben, „tun zu können, was sie wollen“ scheint ihnen das erstrebenswerteste Ziel. Sokrates suchte sie durch seine Fragen zu der Einsicht zu bringen, daß „Macht“ durch Unrecht zu erlangen, selbst wenn sie sie bis zum Tode ungehindert ausüben können, nicht gut für sie ist. In diesen dialektischen Unterredungen bedient sich Sokrates, scheinbar wie die Sophisten und sogar wie die Eristiker, der Aquivokationen und der nicht ohne weiteres einleuchtenden Analogien. Nur ist sein Ziel ein anderes: nicht die (vielen) anderen für ein äußeferes Ziel zu gewinnen, wie bei den Sophisten, wo sie die politische Überredungskunst lehren wollen, noch, wie bei den Eristikern, mit der eristischen Fechtkunst als solcher zu brillieren, sondern den (einen) Gesprächspartner zu sich selbst zurückzuführen. Dabei ergibt sich dann, wenn man genauer zusieht, daß das, was, wenn man die Worte in dem Sinne nimmt, wie sie im täglichen Leben gebraucht werden, als Aquivokation erscheint, in einem tieferen Sinne vielleicht doch nicht einfach eine Aquivon und der Primat der Griechen. II Studium Generale Heft 41 (196: 615 kation ist und daß der „falschen“ Analogie doch ein tieferer Zusammenhang zugrunde liegt. Es muß genügen, dies an einem einzigen Beispiel zu erläutern, das sogleich auf das zentrale Problem Traditionen als für sich gut empfindet, wie etwa, Wort idéa in einem solchen Zusammenhang auf, Es pflegt ebenso wie das weitgehend damit syno- Sokrates in seinen dialektischen Gesprächen seine Gesprächspartner immer wieder dazu bringt, zuzudem Tod und den Schmerzen zu entgehen, oder zu nyme Wort eldos mit „Idee“ übersetzt zu werden. haben, was er zu einem angenehmen und lustvollen Leben braucht usw., nach welchem Kriterium kann denn dann überhaupt gefunden oder entschieden Beide Wörter sind von dem Verbum ièeiv = sehen abgeleitet. Aber sie bezeichnen etwas, das nicht mit den Augen gesehen wird, sondern auf das man sowerden, was jenes zugleich „Rechte“ und „Gute“ ist? zusagen mit seinen geistigen Augen blickt, dxoBiézet, Hier scheiden sich nun in gewisser Weise die Wege des Sokrates selbst und die seiner Schüler, der führen wird, das hier nun zu erörtern ist. Wenn geben, daß das „Rechte“ und das „Gerechte“ das „Gure“ (zò &yañév) sei, und daraus dann seine weiteren Folgerungen zieht, so liegt dem in der Regel die offenkundige Aquivokation zugrunde, daß mit dem „Guten“ sowohl dasjenige bezeichnet wird, was allgemein als gut anerkannt wird, d.h. was allgemeine Zustimmung finder, als auch dasjenige, was für denjenigen, der es tut, gur ist, und daß in den dialektischen Schlüssen bald die eine bald die andere Bedeutung gebraucht wird: also eine offenkundige quaternio terminorum, wenn die beiden Bedeutungen verschieden sind. Das aber scheint nach der Erfahrung des menschlichen Lebens ganz unzweifelhaft zu sein, da ja, das Rechte und Gute zu tun, wenn es den jeweils Mächtigen nicht gefällt, für den, der es tut, häufig die allerunangenehmsten und schmerzlichsten Folgen hat. Das braucht man gerade unserer Generation gewiß nicht erst an Beispielen vorzudemonstrieren. Aber auch den Zeitgenossen des Sokrates war diese Erfahrung nicht fremd. Umgekehrt kann aber auch kein Zweifel daran bestehen, daß Sokrates nicht nur theoretisch der Überzeugung war oder gar nur seinen Unterrednern die Überzeugung beizubringen versuchte, daß es für den Menschen trotz aller schweren Folgen — und völlig unabhängig von diesseitigen oder jenseitigen Belohnungen oder Strafen — gur sei, das „Rechte“ und „Gerechte“ zu tun, sondern daß er auch in seinem Leben gemäß dieser Überzeugung gehandelt har. Die Frage, ob Sokrates mit dieser Überzeugung recht gehabt habe und ob und wiewéit sich eine solche Überzeugung wider alle scheinbare oder wirkliche Lebenserfahrung überhaupt begründen oder rechtfertigen lasse, ohne mit auf offenkundige rellen Tradition allgemein für objektiv gut und beieinzelne Mensch unabhängig von allen speziellen geschrieben und er scheint es immer nicht nur mit an dem man sich orientiert, wenn man sich vergewissern will, ob etwas Einzelnes, etwa eine einzelne Handlung, Savov ist. Im Grunde ist es zunächst nur ein Wort, um etwas zu bezeichnen, das es in irgenddem Einzelnen, sondern auch mit dem einzelnen Fall einer Weise zu geben scheint, für das es aber noch zu tun gehabt zu haben. Wie in der von Xenophon erzählten Geschichte von dem durch seine Fufreise ermüdeten jungen Mann sucht Sokrates jeweils in der konkreten Situation durch seine Fragen und keinen Namen gibt. Immerhin ist es nicht ganz ohne Bedeutung, daß eidog in der vorplatonischen Sprache auch schon „Gestalt“ heißt. Es scheint sich also um erwas irgendwie Gestalthaftes zu handeln. Darüber geht es in diesem Dialog noch nicht hinaus. Sokratiker, einschließlich Platons. Sokrates hat nichts Folgerungen seinen Unterredner an den Punkt zu bringen, an dem ihm einsichtig werden muß, was zu handeln braucht, auch nur ganz einfach das „Richtige“ ist, und daß danach zu handeln auch für etwas in gewisser Weise Analoges zu geben scheint, ihn „gut“ ist. Sokrates Schüler dagegen haben sokratische Dialoge geschrieben, ein eigentümliches Mittelding zwischen der unmittelbaren lebendigen Tätigkeit des Sokrates und der dem Philosophen und Denker sonst natürlichen Mitteilungsform durch zusammenhängende Darlegung seiner Gedanken. Im lebendigen faktischen Dialog des Sokrates mit einem lebendigen Partner braucht die Frage, eine Beobachtung, die zuerst in den Dialogen Menon und Phaidon auftritt. Hier knüpft sich also ein eigentümliches Band zwischen der exaktesten Wisimmer um die letzten moralischen Entscheidungen was denn das letzte Kriterium in abstracto sei, nicht gestellt zu werden, wenn es Sokrates nur gelingt, den Partner an eine Stelle zu führen, wo ihm das oder ein für ihn gültiges Kriterium sichtbar wird. Im geschriebenen sokratischen Dialog ist der Gesprächspartner notwendig ein fiktiver. Sein Verfasser kann daher nie sicher sein, ob sein wirklicher Partner, nämlich der Leser seines Dialogs, so antworten würde, wie der fiktive Partner im Dialog, und dakann, eine Antwort darauf zu geben, stellt sich nun testen gegangen ist, ist Platon. Bei ihm tritt denn auch die Frage nach der émovipy in einer neuen der notwendig mit dem identisch zu sein braucht, was von den Angehörigen einer bestimmten kultu- Eine Lehre von den eiön und lötaı, etwas, das man Ideenlehre nennen kann, wird daraus erst, als die Beobachtung hinzukommt, daß es auf einem ganz anderen Gebiet, dem Gebiet der Mathematik, zu tun das „Rechte“ oder, da es sich durchaus nicht her auch nicht, ob er ihn wirklich an die entscheidende Stelle bringt. Daher wird die Frage, was das von neuem und in verschärfter Form die Frage, die schon vorher gestellte worden war: wenn das „Rechte“ oder ,Gerechte“, was nach der Meinung des Sokrates zugleich das an sich Gute und das für Göttern genehmen Dinge oder Handlungen eben den fallswürdig gehalten wird, noch mit dem, was der - Göttern genehm mache, taucht zum erstenmal das Aquivokationen gestiitzten Scheinargumenten zu operieren, wie Sokrates es nach dem Zeugnis der sokratischen Dialoge seiner Schüler getan zu haben scheint, soll hier vorläufig nicht aufgeworfen werden. Bevor überhaupt der Versuch gemacht werden den, welcher danach handelt, „Gute“ sein soll, we198 Vgl. oben S. 611. 197 Platon, Gorgias 466 D ff. Jahrgang Jat} K. vow Frirz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen, II Kriterium in abstracto sei, hier akut. Der Sokratiker aber, der sich mit der Beantwortung dieser Frage die größte Mühe gegeben und in ihr am wei- Form auf. In dem platonischen Dialog Euthyphron, wo das Sovov, das „Fromme“ oder besser, „das den Göttern Genehme“ erörtert wird und dann die Frage gestellt wird, was denn das den Göttern Genehme „selbst“ oder „an sich“ sei: das, was die vielen den senschaft in dem Sinne, in dem bisher von Wissenschaft die Rede gewesen ist, und dem, worauf es Platon als Sokratiker eigentlich ankommt, dem Wissen um das, was an sich und für den Menschen „gut“ ist, zwischen zwei Gebieten also, die den modernen „wissenschaftlich“ gesinnten Menschen soweit wie nur irgend möglich auseinanderzuliegen scheinen. Am deutlichsten wird das, worum es sich handelt, an einer Stelle des Phaidon ‘* gemacht, und zwar an dem Begriff des toov, der Gleichheit. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß es das Gleiche im strengen Sinne in der Welt der (sinnlichen) Erfahrung gar nicht gibt, da hier nur approximative Gleichheit vorkommt. Der Begriff oder die Vorstellung des Gleichen, an dem das approximative Gleiche gemessen und der Grad seiner Approximation bestimmt wird, scheint also nicht aus der Erfahrung stammen zu können, sondern seinen Ursprung woanders haben zu müssen; und zwar scheint es, da die Vorstellung davon ja nicht von einzelnen Menschen willkürlich geschaffen, sondern uns in irgendeiner Weise vorgegeben ist, und zwar als etwas, das wir gar nicht entbehren könnten, weil wir uns ohne es auch in der Welt der Erfahrung gar nicht orientieren könnten, seinen Ursprung in einem Reich haben zu müssen, 198 Platon, Euthyphron 6D ff. 19 Platon, Phaidon 74 A ff.

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Studium Generale das als ein von uns unabhängiges jenseits der sinnlichen Erfahrung gelegen ist und von dem das Reich verhindert die Einsicht in die Grundstruktur des Erkennens. der sinnlich gegebenen Welt mit seinen bloßen Was Platon mit seiner Behauptung, das é&yoDév oder die Idee des Guten sei die Grundvoraussetzung alles Seins und alles Erkennens, gemeint har, ist Approximationen daran, nur ein unvollkommenes Abbild zu sein scheint. Darin scheint es ganz analog mit dem „Rechten“, dem „Gerechten“ und dem „Guten“ zu stehen. Auch sie sind in der Erfahrung nicht oder nur in Approximationen gegeben. Und doch können wir nicht eine Stunde unseres wachen Daseins leben, ohne unaufhörlich mit diesen Begriffen und Vorstellungen zu tun zu haben und uns an ihnen zu orientieren. So konstituiert sich also für Platon jenes Reich der Ideen jenseits der zeitlich-räumlichen Welt des Werdens und Vergehens, ein Reich der Ideen, das dann später von den Ideen des Gleichen, des Rechten und des Guten auch auf Ideen von Dingen, wie die Idee des Menschen oder auch der Biene ausgedehnt wird. Doch braucht diese Erweiterung der Ideenlehre an dieser Stelle nicht diskutiert zu werden. Von zentraler Bedeutung für das Verständnis von Platons Philosophie ist dagegen die Stellung, die er der iSéa tot dyaBoù, der Idee des Guten, im Bereich der Ideen und im Aufbau der Welt? überhaupt angewiesen hat. Er nennt sie Exéxeuve tig oûoios: noch jenseits des Seins, dem Sein übergeordnet, und die Grundlage und Bedingung jeder Erkenntnis, aller émothpy. Das ist für die Angehörigen einer Zeit, in welcher das Schlagwort von der wertfreien Wissenschaft zum Dogma geworden ist, das ganz Unbegreifliche: ein Beispiel dafür, zu welchen phantastischen Spekulationen sich ein Philosoph, der sich von der Erfahrung entfernt, versteigen kann. In Wirklichkeit ist dies vielmehr ein Beispiel für rein zeitbedingte Irrtümer und Mißverständnisse, Die Forderung einer „wertfreien Wissenschaft“ stammt von Max Weber, und ın dem Sinne, in welchem sie ursprünglich gemeint war, ist sie völlig berechtigt. Sie richtete sich ursprünglich gegen die Gewohnheit der Soziologen und vieler Historiker seiner Zeit, alle Dinge von ihrem einseitigen ideologischen oder sogar Parteistandpunkt, dem konservativen, dem bürgerlichen, dem liberalen oder dem marxistischen usw. aus zu beurteilen und zu „werten“, Eine Befreiung der Darstellung der soziologischen und historischen Phänomene und ihrer kausalen Verknüpfungen von dieser Art von „Wertungen“ hat Max Weber mit vollem Recht gefordert. Wenn aber diese in ihrem ursprünglichen Sinn und in ihrer ursprünglichen Einschränkung voll und ganz berechtigte Forderung verabsolutiert und zum Dogma erhoben wird, wird sie zu einem fundamentalen Irrtum und 200 Platon, Staat 509 B. etwas völlig anderes und hat mit der Forderung Max Webers gar nichts zu tun, ja unterstützt sie eher, als daß sie damit in Widerspruch stünde, Obwohl Platon als Sokratesschüler von dem „Rechten“ und „Unrechten“ im ethischen Sinne ausgegangen ist, geht seine Behauptung an Allgemeinheit doch weit über dies Gebiet hinaus, Was damit primär gemeint ist, ist, daß es ein in irgendeinem Sinn bestimmbares oder feststellbares Sein und damit eine Erkenntnis erst geben kann, wo sich ein in irgendeiner Weise Gesetzmäfiges, Geordnetes, Gestaltetes aus dem Chaos der Eindrücke heraushebt. Das aber ist ganz buchstäblich wahr. Selbst wo die Meinung vertreten wird, daß alle Naturgesetze letzterdings nur statistische seien, wird eine Wissenschaft von der Natur erst möglich, wo sich geordnete Gesetzmäßigkeiten erfassen und dann in Formeln bzw. Gleichungen und dgl. zur Darstellung bringen lassen. Selbst die Experimente einer angeblich völlig wertfreien Psychologie, wie die berühmten Rattenexperimente, bei denen die unglückliche Ratte in ein Labyrinth gesetzt wird, in dem sie Futter riecht, aber nicht weiß, wie sie dazu gelangen kann, und wo nun ihr Verhalten beobachtet wird, würden keinerlei in irgendeiner Weise faßbares Resultat ergeben, wenn es nicht den einen als „guten“ ausgezeichneten Punkt gäbe, an dem das Furter ist und der dem Ganzen erst Sinn verleiht. In der Mathematik ist nicht nur der Beweis eindeutig „besser“, der streng nach den Gesetzen der Logik fortschreitet als derjenige, der davon abweicht und dadurch falsch oder fehlerhaft wird, sondern auch der elegantere Beweis, der das Ziel auf kürzerem Wege erreicht, ferner der Beweis, welcher einen Einblick in umfassende Strukturen eröffnet, besser als der Beweis, der unnötig viele Schritte braucht oder der nur ein engbegrenztes Teilresultat ergibt. Nirgends kann auch nur ein Schritt getan werden, ohne daß „gut“ und „schlecht“ eine dominierende Rolle spielen. Das ist schlechthin ein Grundgesetz aller Erkenntnis. Freilich kann hiergegen eingewendet werden, daß „gut“ und „schlecht“ hier einen ganz anderen Sinn haben als in der Ethik, und daß für das ethische Gebiet völlig andere Voraussetzungen gelten. Es wird sich sogleich zeigen, daß Platon sich dessen sehr wohl bewußt gewesen ist. Es besteht aber doch der eine sehr wichtige Zusammenhang, daß auf beiden Gebieten das Geordnete und das Gestaltete den Vorzug hat vor dem Ungeordneten, dem Chaoti- Jahrgang 4 K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen. II 617 - Heft 11 (196: schen, und vor dem Anarchischen. Das ist denn auch ‚licher eingeht, dem Timaios, ist freilich sehr eigenkann, daß die Mathematik erst unter dem Einfluß die platonische Atomtheorie bezeichnen kann. Sie Platons und der Akademie zu einer streng beweisenden Wissenschaft geworden wäre, Nicht minder wichtig ist es jedoch, daß die Mathematik die einzige Wissenschaft im modernen Sinne ist, die für besteht?t? in der Annahme, daß jedes der (vier) Elemente aus gleichartigen kleinsten Teilchen von bestimmter geometrischer Form besteht, die jedoch auch noch in kleinere Urteilchen zerspalten und dann wieihn eine solche Rolle spielt. An dieser Stelle stellt sich naturgemäß auch die Frage, was bei Platon in dem nun zur Erörterung der zusammengesetzt werden können, so daß, da diese Urteilchen bei dreien der Elemente die gleichen sind, die Elemente auch ineinander verwandelbar stehenden Stadium seiner Philosophie aus dem Begriff der émovhun geworden ist, der, wie sich gezeigt hatte, sowohl für die Sophisten wie für Sokrates so sind. Obwohl Platons Vorstellung von der Form dieser Urteilchen von derjenigen der modernen Atomtheorie ganz verschieden ist, ist doch gar nicht wichtig gewesen war. Es hatte sich gezeigt, daß das Wort ursprünglich den Sachverstand im weitesten Sinne bezeichnete und von den Sophisten vor allem auch auf den „know how“ in der Politik ausgedehnt worden war. Dann hatte wahrscheinlich der histozu übersehen, daß diese Atomtheorie mit ihrer Zu- — abgesehen von jener‘ früher erörterten Analogie, -tümlicher Art und entfernt sich, vor allem in ihrem welche bei der Entstehung der Ideenlehre eine ent- allgemeineren Rahmenwerk, weit von dem, was man scheidende Rolle gespielt hat — der Grund, weshalb heute in einem Lehrbuch oder einem System der Platon der Mathematik eine so große Bedeutung physikalischen Wissenschaft zu finden erwarten würde, Platon beginnt mit der Unterscheidung zwibeigemessen hat: sie ist eine nach strengen logischen Geserzmäßigkeiten fortschreitende und zugleich im schen einer ewigen, d.h. zeitlosen, Welt des reinen eminenten Sinne eine Strukturen aufhellende Wis- Seins und der Welt des Werdens und Vergehens, die senschaft. Deshalb wurde sie an der platonischen er von einem Demiurgen, d.h. einem Weltbildner, Akademie eifrig gepflegt. Ist man sich über diesen einem Gott, nach dem Vorbild der Welt des reinen Zusammenhang klar, so ergibt sich daraus aber auch Seins, d.h. der Welt der Ideen, geschaffen werden unmittelbar, daß die Mathematik für den primär läßt. Aber im Einzelaufbau dieser physikalischen an der Ethik interessierten Platon nur deshalb eine Welt kommt manches vor, was sich gewissen Grundso große Bedeutung erlangen konnte, weil sie ihm vorstellungen der modernen Physik in erstaunlicher als eine solche Wissenschaft schon vorlag — was sich Weise annähert. Dies im einzelnen aufzuweisen aber auf die mannigfaltigste Weise auch historisch würde eine eigene Abhandlung erfordern. So muß beweisen läßt — und daß gar keine Rede davon sein es genügen, die Theorie zu erwähnen, welche man als rische Sokrates und jedenfalls der Sokrates des ziemlich frühen platonischen Dialogs Gorgias die Bedeutung des Wortes eingeengt auf den Sachverstand in solchen Techniken, Künsten und Wissenschaften, die methodisch verfahren und deren Ziel als ein „Gur“ im einfachen Sinne bezeichnet werden kann?®!. Endlich ist es zur Bezeichnung des Wissens darum geworden, was für den Menschen letzterdings gut ist. Bei dem Platon der Dialoge der mittleren Periode seiner Entwicklung und damit der ausgebildeten Ideenlehre hat das Wort &xuorhun diese letztere Bedeutung beibehalten, nur daß nun die Idee des Guten als letzter Ursprung dieser Erkenntnis im Hintergrund erscheint. Es dient aber auch zur Bezeichnung der Mathematik. Dagegen gebrauchte Platon das Wort &nıornum nicht zur Bezeichnung derjenigen Art von Naturerkenntnis, welche wir heute als Physik bezeichnen würden. Die Darstellung des Aufbaues der physikalischen Welt in dem einzigen Dialog, in welchem Platon auf solche Fragen ausführ201 Vgl. oben S. 612. Studium Generale (Berl.), 14. Jahrg. weisung von gleichartigen Atomen an die verschiedenen Elemente und der Annahme, daß die Atome sich so teilen lassen, daß die Elemente unter gewissen Umständen ineinander verwandelt werden können, der modernen Atomtheorie, vor allem in ihren Anfängen?"®, sehr viel näher steht als die Atomtheorie Demokrits mit ihrer Annahme einer völlig ungeordneten Gestaltsverschiedenheit der Atome; und auch die Überlegungen, aus welchen Platons Atomtheorie hervorgegangen ist, haben mit den Erwägungen, die am Anfang der modernen Atomtheorie stehen, in vieler Hinsicht eine gewisse Ähnlichkeit. Um so interessanter ist es, daß Platon es auf das strengste vermeidet, dieses Theorien als émotipor oder als zu einer &mornun gehörig zu bezeichnen und vielmehr einerseits von eixöta, d.h. von Plausibilitäten oder Wahrscheinlichkeiten (im etymologischen Sinne des Wortes, nicht im Sinne eines Probabilitätskalküls), andererseits von bloßer 86£a oder Meinung redet#%4. Das scheint nun wiederum der modernen Auffassung völlig entgegengesetzt zu sein, welche die 202 Vgl. Platon, Timaios 53 C ff. 23 Vel. die oben $.678 ff, erörterte Phase der Entstehung der modernen Atomtheorie. 204 Platon, Timaios 28 A, 30B und passim.

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Physik als die exakteste Wissenschaft nächst der Mathematik betrachtet. Und doch ist die Kluft nicht so groß, wie es auf den ersten Blick erscheint. In gewisser Weise kann man sagen, daß das Wort sixés nichts anderes als das Wort „Hypothese“ im modernen Sinne des Wortes bezeichnet, nämlich eine Theorie, welche die bekannten Phänomene auf eine plausible Weise erklärt, die aber jederzeit, wenn sich zeigt, daß andere Phänomene ihr widersprechen, geändert oder einfach durch eine bessere ersetzt werden kann (während das antike Wort inSeatg sowohl bei Platon wie auch bei Aristoteles seiner Etymologie entsprechend vielmehr gerade die festen Grundlagen einer Wissenschaft bezeichnet)?, Sieht man die Dinge von dieser Seite aus an, so kann der moderne Naturwissenschaftler und Physiker, wenn er auch selbstverständlich der Meinung ist, daß seine Hypothesen den Phänomenen sehr viel mehr gerecht werden und daher sehr viel besser begründet sind als die Platons, der Grundauffassung Platons in dieser Hinsicht doch wohl weitgehend beistimmen. Unbegreiflich bleibt dagegen zunächst vom modernen Standpunkt aus, wie Platon die mathematische Erkenntnis oder Wissenschaft mit demselben Wort bezeichnen konnte wie die Erkenntnis des Guten, und zwar nicht nur in jenem umfassenden Sinne, in welchem das „Gute“ die Grundlage allen Seins und aller Erkenntnis genannt werden kann, sondern auch im Sinne des „moralisch“ oder „ethisch“ Guten und dessen, was für den Menschen gut ist oder ihm frommt. Scheint doch den Modernen die erste die sicherste und bestfundierte, die zweite die unsicherste und schwankendste aller Erkenntnisse, wenn man sie überhaupt als Erkenntnis gelten läßt, zu sein. Doch war sich, wie schon hervorgehoben worden ist, Platon des fundamentalen Unterschiedes der beiden Sphären durchaus bewußt und hat die meisten jener Eigentiimlichkeiten der „ethischen“ Sphäre, welche zu dem modernen „Wertrelativismus“ oder Relativismus in der Ethik Anlaß gegeben haben, selbst ausdrücklich hervorgehoben. Es ist deshalb notwendig, sich seine Theorie etwas näher anzuschen, ehe sie a limine verworfen wird. 205 Wenigstens ist dies der vorherrschende Gebrauch. Daneben erscheint das Wort allerdings auch da, wo um die Richtigkeit einer Theorie zu erproben, ein gewisser Satz als Ausgangspunkt genommen und von da aus weiter gefolgert wird, um zu sehen, ob dabei cin Selbstwiderspruch oder ein Widerspruch mit einer sonst gesicherten Tatsache herauskommt. Doch ist es an dieser Stelle nicht notwendig, die verschiedenen Bedeutungen zu untersuchen, welche das Wort txéfeous im Altertum annehmen kann. Es genügt, daß seine Bedeutung nicht mit dem des modernen Wortes Hypothese (in dem Sinn, wie schon Newton es gebrauchte, wenn er sagte hypotheses non fingo) identisch ist. — Vel. im übrigen O. Becker im Archiv für Begriffsgeschichte IV, p.210 ff. Studium: Generale Am Ende des sechsten Buches des Staates?" konstatiert Platon einen fundamentalen Unterschied zwischen den Methoden der Mathematiker und der Methode des Philosophen. Die Mathematiker, sagt er, gehen überall von bestimmten Grundlagen (6rodEsers) aus, hinter welche sie meinen, daß man nicht zurückgehen könne, und indem sie diese Grundlagen zum Prinzip und Anfang ihrer ganzen Wissenschaft machen, schreiten sie von ihnen aus zu dem, was sie sich als Ziel gesetzt haben und worauf es ihnen eigentlich ankommt. Von den Philosophen dagegen sagt er, daß sie vielmehr von den ôro®foeu zur wahren ägyh, zum wahren Ursprung, zurückgehen, d.h. offenbar zur Idee, Dabei ist es wichtig zu bemerken, daß Platon durchaus nicht der Meinung ist, daß die Mathematiker es so machen sollten wie die Philosophen, sondern vielmehr, daß sie als Mathematiker durchaus so verfahren müssen, wie sie verfahren, nur daß dem Philosophen als Philosophen eine andere Aufgabe gestellt ist, auch für die Mathematik. Dieser Unterschied der Merhoden ist also ein allgemeinerer als derjenige zwischen Mathematik als Wissenschaft und ethischer Erkenntnis, aber doch auch für den letzteren von grundlegender Bedeutung, insofern der platonische Philo‘soph vor allem Ethiker ist. Hinsichtlich des zweiten Unterschiedes wird die eine Seite desselben von Platon nicht ausdrücklich formuliert, aber doch durch die mathematischen Beispiele, die in mehreren Dialogen vorkommen, ausreichend deutlich gemacht. Die Sätze der Mathematiker bezeichnen immer strikt allgemein gültige Zusammenhänge, von denen es keine Ausnahme gibt, Dagegen wird von Platon vor allem im Staatsmann??? ausdrücklich hervorgehoben, daß die Regeln für menschliches Verhalten — und das ist ja das, was in der Ethik sowohl wie in der Rechtslehre formal den Lehrsätzen in der Mathematik entspricht — niemals absolut strikt allgemeingültig sein können, weil die möglichen Inzidentien des menschlichen Lebens zu mannigfaltig sind als daß sie sich durch Regeln, die notwendig allgemein sein müssen, weil sich das Individuelle überhaupt nicht sagen läßt, ganz adaequat erfassen ließen. Das dritte ist die von Platon immer wieder betonte Tatsache, daß im Gebiet des menschlichen Handelns das pauvópevov cyatov, das & doxsi adrois, das, was den Menschen nur (für sie selbst) gut scheint, aber nicht wirklich gut ist, eine so große Rolle spielt, und zwar deshalb, weil die reine Erkenntnis auf diesem Gebiet durch die Triebe und Begierden des Menschen (die EmBuystar) und das leidenschaftliche Aufwallen (den zon Platon, Staat 510 Cf. 07 Platon, Politikos 294 B/C. Jahrgang 14) K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen. II Hett 11 (1961 619 immer man es nennen will, ihren Ausgang nimmt, Suds) gehindert wird®6, Es ist nicht schwer zu sehen, daß aus allen drei Gründen die Erkenntnis - die in der Welt der Erfahrung als solcher gar nicht zu finden sind und die doch ganz unentbehrlich sind, des „Guten“ keine in Formeln mitteilbare, keine ohne Verlust von einem Menschen auf einen andern übertragbare Erkenntnis sein kann, wie die mathematische Erkenntnis es ist. Das ist der Grund, weshalb Sokrates niemals behauptet hat, etwas lehren zu können, sondern statt dessen im Theaetet für sich nur die maeeutische Kunst in Anspruch nimmt, dem andern zu helfen, das hervorzuholen, was er selbst in sich hat. Es ist ebenso der Grund, weshalb Platon Dialoge und keine Lehrbücher geschrieben hat, Das hat Platon selbst im siebten Brief auch geradezu ausgesprochen, was aber dann schon im Altertum dahin mißverstanden worden ist, als ob Platon an dieser Stelle eine besondere mystische Erkenntnis für sich in Anspruch nehme, weshalb dann wieder so viele moderne Kritiker aus eben diesem Grunde Platon den siebten Brief abgesprochen haben, indem sie (mit Recht) betonten, daß die Inanspruchnahme einer besonderen mystischen Erkenntnis nicht zu Platon passe, aber nicht gesehen haben, daß es sich um ganz und gar nichts Mystisches handelt, sondern um die alleralltäglichste Erfahrung, um dasselbe Phänomen, das der Grund dafür ist, daß die modernen Positivisten und Wertrelativisten die Méglichkeit irgendeiner objektiven Erkenntnis von absoluten Werten bestreiten?!. Nach alledem kann nicht der geringste Zweifel daran herrschen, daß Platon den fundamentalen Unterschied zwischen der mathematischen Erkenntnis und der Erkenntnis des Guten in allen seinen verschiedenen Aspekten auf das deutlichste gesehen und sich keinerlei Täuschung darüber hingegeben hat. Wenn Platon trotzdem die mathematische Erkenntnis und die Erkenntnis des „Guten“ mit demselben Wort Emoriun bezeichnet und beide zueinander in Beziehung setzt, so hat das einen doppelten Grund. Der erste ist jene Analogie, von deren Entdeckung sozusagen die Ideenlehre als Lehre ausgegangen ist: daß auf beiden Gebieten die Erkenntnis von Vorstellungen oder Gegebenheiten oder wie D ff. und Phaidros 28 Vel. vor allem Platon Staat, IV, 234 246 A ff. 209 Platon, Siebter Brief 341 C/D. 210 Was Platon sagt, teilt sich allerdings in zwei Teile; 1. die Feststellung, daf das, worauf es ankommt, sich nicht unmittelbar und direkt mirteilen lasse, was einfach richtig ist, und 2., daf es nach langem Umgang mit den Dingen wie ein Licht von einem Funken aufleuchte und von da an „sich selbst ernähre“, d. h. weiterleuchte. Dieser zweiter Teil der AuGerung ist schon im Altertum als mystische Erleuchtung mißverstanden worden. Aber wenn das plötzliche Aufleuchten einer Einsicht, die ja auch eine ethische sein kann, aber nicht zu sein braucht, und ihr „sich weiter Nähren“, d. h. ihr weiter Wachsen, einc mystische Erleuchtung sein muß, dann kann das nur besagen, daß die meisten nicht ganz stumpfen Menschen mystische Erleuchtungen haben. weil sie die Grundlage aller unterscheidenden Erkenntnis — und jede Erkenntnis ist eine unterscheidende und ordnende — bilden. Der zweite Grund ist, daß die mathematische Erkenntnis allgemein von einer Sicherheit und Unumstößlichkeit zu sein scheint und die Erkenntnis des Guten, wie das Beispiel des Sokrates zeigt, von einer freilich ganz andersartigen Sicherheit und Unumstößlichkeit sein kann, wie sie keiner andern Art der Erkenntnis außer diesen beiden eigen ist. Die daraus abgeleitete platonische Ideenlehre kann man natürlich als nicht ausreichend begriindete metaphysische Spekulation ablehnen. Kant hat die Gegebenheiten, von denen Platon dabei ausgegangen ist, bekanntlich ganz anders zu erklären versucht: die Sicherheit der Mathematik aus ihrem apriorischen Charakter, die Eigentiimlichkeiten der moralischen Erkenntnis aus den Postulaten der praktischen Vernunft. Aber die Probleme, welche die Gegebenheiten stellen, von deren Beobachtung Platon ausgegangen ist, bleiben bestehen, wenn sie auch heute zum großen Teil in Vergessenheit geraten sind oder von Theorien, die ihnen kaum gerecht werden, überdeckt werden. Als Resultat dieses kurzen Überblickes über die Philosophie des Sokrates und Platons läßt sich also folgendes festhalten. Es kann keine Rede davon sein, daß der erste Anstoß zur Entwicklung einer Wissenschaft im modernen Sinne von Platon ausgegangen wäre. Die entscheidenden Anfänge, auch einer streng beweisenden Mathematik, liegen beträchtlich weiter zurück, Wenn Platon der Mathematik eine besondere Bedeutung zugemessen und sie auch in der Akademie energisch zu fördern gesucht hat, so waren seine Gründe dafür ganz andere als diejenigen, welche für die hohe Schätzung der Mathematik in unserer Zeit maßgebend sind. Sie ist für ihn wichtig im Zusammenhang eines viel umfassenderen Erkenntnisproblems, das auch die Frage der Möglichkeit und des Wesens ethischer oder moralischer Erkenntnis mit umfaßt. Aus diesem Grund und nicht erwa, weil er die Grundlagen der Mathematik als beweisender Wissenschaft gelegt hätte, ist Platons Stellung zu dieser Wissenschaft und zur Wissenschaft überhaupt interessant. Aber das Wesen des Problems, das sich hier erhebt, wird sich noch deutlicher erfassen lassen, nachdem auch die Stellung des Aristoteles dazu in den Kreis der Betrachtung gezogen worden sein wird. 8. ’ Aristoteles hat eine ganz überragende Bedeutung für eine Art von Wissenschaften gehabt, die bisher

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noch kaum erwähnt worden sind, diejenigen Wissenschaften nämlich, welche man die darstellenden, beschreibenden und klassifizierenden nennen kann, wie die beschreibende und klassifizierende Zoologie und Botanik (wobei freilich nur die erste von ihm selbst, die letztere von seinem Schüler Theoprast ausgearbeitet worden ist), die vergleichende Rechts- und Gesetzesgeschichte, die vergleichende Geschichte politischer Institutionen, um nur das Wichtigste zu nennen. Diese Wissenschaften sind teils von Aristoteles erst begriindet, teils erst von ihm zum Rang einer Wissenschaft erhoben, teils über die schon vor ihm bestehenden Anfange hinaus gefördert worden. Dies im einzelnen darzustellen würde den Rahmen der vorliegenden Darstellung sprengen. Aber die genannten Wissenschaften haben eine gewisse Bedeutung fiir ein anderes Unternehmen des Aristoteles, auf das nachher einzugehen unerläßlich ist. Es hatte sich gezeigt, daß die „wissenschaftliche“ Erkenntnis im Sinne einer wirklich oder vermeintlich völlig gesicherten Erkenntnis, einer Erkenntnis jedenfalls, die ohne Verlust von einem Menschen auf den andern übertragen und daher uneingeschrankt konserviert und akkumuliert werden kann, sich immer mehr von jeder Art derjenigen Erkenntnis entfernt hatte, die dem Menschen im praktischen Leben, oder besser in seinem täglichen Tun und Lassen, zur Richtschnur dienen kann. Doch ist es vielleicht nicht unnütz, sich dies an einer kurzen Betrachtung der Bedeutung des Wortes „praktisch“ noch etwas zu verdeutlichen. Zu einer Zeit, in welcher sich ein beträchtlicher Teil des abendländischen Denkens in einer vermeintlichen, aber nicht wirklichen Nachfolge des Aristoteles in leeren Spekulationen verloren hatte, wurde zuerst die Schrift de dignitate et augmentis scientiarum (1607) und dann das „Novum Organum“ (1620) Lord Francis Bacons von manchen der erleuchtetsten Geister seiner Zeit als Anleitung zu einer praktisch niitzlichen Erkenntnis und Wissenschaft begrüßt. Aber noch mehr als zweihundert Jahre später preist Lord Macauley in einer langen und ausführlichen Rezension?! einer kurz vorher erschienenen neuen Biographie Bacons diesen auf das höchste dafür, daß er die unnütze und unpraktische Philosophie des Platon und des Aristoteles, die noch bis auf seine Zeit das Denken weithin beherrscht gehabt hatte, durch eine praktisch nützliche ersetzt habe. Es ist für die Klärung der Begriffe sehr förderlich, einen Augenblick bei der Frage zu verweilen, was hier unter praktisch, was unter Philosophie und was unter Wissenschaft verstanden * Zuerst veröffentlicht in der Juninummer der Edinbourgh Review von 1831, dann wieder abgedruckt als Nr. 16 in vielen Auflagen der Critical and Historial Essays v. Lord Macanley Studium Generale wird und wie sich die Auffassung Bacons (und Macauleys) zu der antiken und zur modernen Auffassung vom Wesen „wissenschaftlicher* Erkenntnis verhält. Schon in den allerersten Anfängen der „Wissenschaft“ im Sinne einer völlig gesicherten, exakten, und ohne Verlust übertragbaren Erkenntnis in der Antike hatte die Mathematik eine schr bedeutende Rolle gespielt. Dabei waren, wie die. Verwendung mathematischer Erkenntnisse zur Bestimmung der Höhe der Pyramiden oder des Abstandes eines Schiffes von der Küste vom Lande aus durch Thales zeigt, zweifellos auch „praktische“ Bedürfnisse bis zu einem gewissen Grade maßgebend gewesen, Dasselbe zeigt sich auf mehr indirekte Weise bei dem großen Tunnelbau des Expalinos auf Samos um die Mitte des sechsten Jahrhunderts v. Chr.2!2. Aber auch bei den Pythagoreern hat die Mathematik in der Musik, in der Ornamentik, wahrscheinlich in der von den Pythagoreern beeinflußten Architektur in Unteritalien, in der Astronomie etc, eine mehr oder minder praktische Rolle gespielt, und das hat sich dann in der mannigfaltigsten Weise fortgesetzt. Daneben wird jedoch die Mathematik in steigendem Maße „um ihrer selbst willen“ bzw. um nicht im selben Sinne „praktisch“ verwertbarer allgemeiner Einsichten und Strukturerkenntnisse willen gepflegt und dies so sehr, daß die angewandte Mathematik, soweit es sich um „niedere“, d. h. technische Künste handelt, neben dieser reinen Mathematik von Platon und anderen Philosophen mit ziemlicher Gering- Jahrgang 144 ‘Heft 11 (1963) K von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen. II sitzt. Zu „praktischen“ Zwecken jedoch, d.h. in diegeht in mancher Hinsicht in der von ihm eingeschlagenen Richtung noch über ihn hinaus. Hatte Bacon sich über die antiken Philosophen lustig daß gerade die „reine“ und nicht um solcher Zwecke willen betriebene Mathematik sich immer wieder gemacht, die den Menschen hatten lehren wollen, sem Falle, um materielle und finanzielle Unterstützung für ihre Wissenschaft zu erhalten, betonen sie, unerwarteter Weise gerade auch für die „nützlichen“ und „praktischen“ Wissenschaften als nützlich erwiesen hat und daß dieser Nutzen nicht entstanden wäre, wenn sie sich von vornherein auf die Erweiterung der angewandten Mathematik konzentriert hätten. Sie nehmen also im Vergleich zu den antiken Mathematikern ihrer eigenen Wissenschaft gegenüber eine eigentümlich zwiespältige Zwischenstellung ein, die bis zu einem ziemlich hohen Grade durch die Baconschen Tendenzen des modernen Geistes, der von der Wissenschaft „praktischen“ Nutzen erwartet und verlangt, bedingt ist. Was Bacon aber unter praktischem Nutzen verstand, wird am besten bezeichnet durch seine eigenen Worte: „usui et commodis hominum consulimus“. Was er meint, gehört offenbar zu seinem weit überwiegenden Teil in das Gebiet jener Künste, denen Sokrates und Platon eine Emoriun zugestanden?!3, weil sie dais Gyatd, Güter im gewöhnlichen Sinne des Wortes, zum Ziele und zum Resultat haben, zu einem geringen Teil vielleicht auch in den Bereich jener Fertigkeiten, die Platon nur als tepat betrachtet hatte. Die sokratische und platonische Frage, ob die Güter, welche durch diese wissenschaftlich unterbauten Künste und Fertigkeiten erschätzung behandelt wird. Demgegenüber hat Bacon zeugt werden, überhaupt und immer Güter sind oder nur für den, welcher den richtigen Gebrauch zwar in der ersten Auflage des Werkes de dignitate davon macht, und ob et augmentis noch die reine Mathematik unter die zu fördernden Wissenschaften gezählt, in der zweiten vermehrten Ausgabe etwa 20 Jahre später dagegen nur noch die angewandte Mathematik gelten lassen und die Mathematik als solche zur reinen Dienerin der Naturwissenschaften degradiert, weil nur die letzteren einen „Nutzen“ haben, die erstere ein unnützes reines Spiel des Geistes sei. Die Mehrzahl der modernen Mathematiker stimmt mit dieser Ansicht Bacons gewiß nicht überein. Aber es ist doch interessant, wie sich ihre Haltung gegenüber der des Altertums gewandelt hat. Die meisten von ihnen lieben ihre Wissenschaft, die „reine“ Mathematik, um ihrer selbst willen und sagen dies auch. Aber ihr Grund ist ein künstlerisches, äschetisches und intellektuelles Wohlgefallen an ihrem Tun und Treiben, vielleicht auch eine Freude an Strukturerkenntnissen, die aber für sie nicht mehr die Bedeutung eines Eindringens in die Erkenntnis einer ontologisch bedeutsamen Welt be#8 Vol. darüber oben S. 576. 621 es eine höhere Art der émothun gibt, welche lehrt, den richtigen Gebrauch von ihnen zu machen, wird dabei gar nicht gestellt. Charakteristisch für Bacon ist ferner, daß er den Naturwissenschaften im engeren Sinne nicht nur die Wissenschaft der Medizin, sondern auch die Rechtswissenschaft und das, was wir politische Wissenschaft nennen, an die Seite stellt und daß auch hier für ihn ausschließlich der praktische Nutzen: objektiv im Sinne des physischen Wohlbehagens und Komforts der Menschen, subjektiv der Erfüllung ihrer Wünsche, d.h. dessen, was, wie Platon sagen würde, Soxet aütoig, als Ziel und Kriterium erscheint. In allen diesen Hinsichten ist der moderne Geist, ohne sich, wenn man von den professionellen Historikern der Philosophie oder der Wissenschaften absieht, Bacons noch zu erinnern, in seiner Auffassung vom Wesen und Nutzen der Wissenschaften in außerordentlich hohem Maße von Bacon abhängig oder doch mit ihm in Übereinstimmung; ja, er ms Vel. oben S. 612 ff. die Schwierigkeiten und Entbehrungen, die das Leben mit sich bringt, mit Gleichmut zu ertragen, und es für eine würdigere Aufgabe der Philosophie erklärt, den Menschen durch nützliche Erfindungen zu einem bequemeren Leben zu verhelfen, so ist der moderne Positivismus mit seiner Lehre von der wertfreien Wissenschaft der Meinung, daß es zwar neben den Wissenschaften und Künsten, welche den Menschen materielle Güter und Instrumente zur Erfüllung ihrer Wünsche und der Verwirklichung ihrer Bestrebungen liefern, auch noch Wissenschaften gibt und geben muß, wie die Wirtschaftswissenschaft, die Sozialwissenschaft, die politischen Wissenschaften, welche auf Grund der Analyse vergangener Ereignisse und der sie bestimmenden Faktoren, die Menschen — oft unvollkommen genug — über die vermutlichen Folgen gewisser Handlungen, Entscheidungen oder Maßnahmen aufklären und so nach Möglichkeit verhindern, daß diese Maßnahmen oder Handlungen einen von dem beabsichtigten ganz verschiedenen oder gar ihm entgegengesetzten Erfolg haben. Aber die Möglichkeit einer Unterscheidung zwischen der Erfüllung der Bestrebungen der Menschen und dem was eigentlich für sie gut ist, der Unterscheidung also, um es griechisch auszudrücken, zwischen einem gaıvöusvov dyadöv und einem Övrws äyadöv, d.h. dem, was einem Menschen (für ihn selbst) gut scheint und dem, was wirklich für ihn gut ist (abgesehen von unmittelbaren materiellen Folgen wie etwa einer Medizin für seine Gesundheit), die Möglichkeit gar einer objektiven und in irgendeinem Sinne „wissenschaftlichen“ Erkenntnis in dieser Hinsicht, wird von dem modernen Positivismus völlig bestritten. Alles derartige gilt als „Metaphysik“ und deshalb für „meaningless“ oder bestenfalls als Gegenstand individueller unkontrollierbarer Überzeugung oder religiösen Glaubens, die wiederum nur psychologisch erklärbar, aber in keiner Weise objektiv begründbar sind. Aristoteles war darüber — nicht anders als Sokrates und Platon — anderer Meinung. Aber er setzte weder die Methode des Sokrates fort, der es immer mit dem Einzelnen zu tun hat und diesen durch seine Fragen an den Punkt hinzuführen sucht, an welchem er das Richtige und damit auch für ihn wirklich Gute gegenüber dem gawópevov éyaÿôv zu Gesicht bekommen muß, noch hat er die Ideenlehre seines Vorgängers und Lehrers Platon anerkannt. Er glaubte jedoch ein anderes Mittel gefunden zu haben, mit dessen Hilfe sich das wirklich Gute von

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dem nur scheinbar Guten unterscheiden ließe. Dieses Mittel ist die Teleologie. Die Geschichte des Verhältnisses der Modernen zu der Teleologie des Aristoteles und damit des modernen Antiteleologismus überhaupt ist die Geschichte eines, man kann fast sagen, tragikomischen Mißverständnisses. Aber um dies zu zeigen, ist es notwendig, zunächst ganz kurz zu bestimmen, was de Grundzüge des aristotelischen Teleologismus sind. Aristoteles geht hier von der ganz allgemeinen Beobachtung aus, daß jedes Lebewesen sich auf ein Telos hin entwickelt, d.h. auf eine ganz bestimmte, sozusagen fertige Gestalt, in der es dann längere Zeit weiterbesteht, bis es allmählich zu zerfallen beginnt und endlich stirbt und endgültig zerfällt: mit anderen Worten, daß ein Tannensamen, sofern er nicht zugrunde geht, sich zu einer ausgewachsenen Tanne, eine Tulpenzwiebel zur blühenden Tulpe, der menschliche Same zum Embryo, dann zum Säugling, zum Kind, endlich zum erwachsenen Menschen entwickelt, in welchem der Prozeß zunächst sein natürliches Ende oder seine Vollendung erreicht, und ferner, daß der Prozeß insofern vorausbestimmt ist, als aus dem Tannensamen eben entweder — wenn er zugrunde geht bzw. zerstört wird — gar nichts Gestaltetes oder aber eine Tanne und nichts anderes wird; und so in allen anderen Fällen der Entstehung und Entwicklung eines lebendigen We* sens. Diesen Prozeß hat Aristoteles in eine gewisse Analogie gesetzt zu der Entstehung eines künstlichen Gebildes durch die Hand des Menschen: nur mit dem großen, von Aristoteles selbst immer wieder hervorgehobenen und betonten fundamentalen Unterschied, daß bei dem künstlichen Gebilde die Ursache seiner Entstehung außer ihm liegt, nämlich in dem Menschen, welcher es formt, bildet oder „macht*, bei dem Lebewesen dagegen in irgendeiner Weise in diesem selbst gelegen zu sein scheint, Dabei kann dann Aristoteles allerdings sagen, daß das Lebewesen sich „von Natur“ (púoet) auf sein Telos hin entwickelt oder sogar, daß die Natur (pbaıs) die Ursache (&oyh ıyhoeos) des Wachstums und der Entwicklung des Lebewesens ist?!4. Aber obwohl mit dem zuletzt angeführten Wort die causa efficiens, die bewirkende Ursache bezeichnet wird, ist es doch ein großes Mißverständnis, daß die causa efficiens, wie sie hier erscheint, für Aristoteles dieselbe Bedeutung und Funktion im Gesamtzusammenhang seines Denkens hätte wie innerhalb der modernen Naturwissenschaft. #: Vel. z. B. eingehend Aristoteles, Physik B 8. und ibidem ©, 3, 25h, 50 bhp IT Studium Generale Ich habe schon früher darauf aufmerksam geld x von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat Jahrgang Heft 11 {1961} modernen Form des Kausaldenkens steht, die ganz der Gricchen. II 623 schrieben?!®, in welchem er psychologisch zu erklä.ren versucht, wie die Menschen auf einen so seltsamen und widerspruchsvollen Gedanken wie den macht?!5, daß das antike Kausaldenken zwar nicht ausschließlich, aber vornehmlich auf Strukturerkenntnisse, das moderne zwar nicht ausschließlich, unaristotelisch ist, bringt aber doch zugleich in dieses ein fremdes Element hinein. Das moderne Kausaldenken geht auf Ursachen aus, die sich isolieren aber vornehmlich auf die Voraussage von künftigen Ereignissen und im Zusammenhang damit auf das Hervorrufen und Bewirken von Ereignissen gerichtet ist, Das hatte sich darin gezeigt, daß Demokrit damit zufrieden war, festgestellt zu haben, welche Strukturen allgemein bei Gegenständen angenommen werden können, die uns als blendend weiß künstlich herbeigeführtes Zusammenwirken ein Prozeß in Gang gesetzt oder ein Stoff oder ein Gegenstand hergestellt werden kann. Gelingt dies, so glauben die modernen Biologen und Biochemiker zugleich den Vorgang restlos „erklärt“ zu haben; ja sie halher auszurotten. Dabei ist schon charakteristisch, daß diesen Namen verdient. Da haben sie denn von müsse und daher, da die Kausalität eine unbezweifelbare Tatsache sei, nicht existieren könne. Dabei erscheinen, aber weder in irgendeiner Weise den Versuch gemacht hat, mit Hilfe dieser Erkenntnis weiße Gegenstände herzustellen, noch auch nur der Meinung wahr, daß man auf Grund der allgemeinen Erkenntnis im einzelnen Fall mit, einiger Sicherheit annehmen könne, daß der als weiß erscheinende Gegenstand wirklich diese Struktur habe oder auch nur in Wirklichkeit vorhanden sei. Für Aristoteles kann man dasselbe an seiner Erklärung der Sonnenfinsternis zeigen. Er sagt?!%, man wisse, was eine Sonnenfinsternis ist, wenn man ihre Ursache kenne, nämlich, daß der Mond zwischen die Erde und dieSonne tritt und diese also durch jenen verdeckt wird. Hier ist die Ursache eindeutig die causa efficiens, die bewirkende Ursache. Aber worauf es Aristoteles ankommt, ist nicht, daß auf Grund dieser Erkenntnis das Ereignis voraussagbar wird — obwohl sich die antiken Astronomen mit zunehmendem Erfolg auch darum bemüht haben — sondern die Strukturerkenntnis, d.h. was für eine Konstellation dem Ereignis zugrunde liegt. Von der Erkenntnis dieser tiefliegenden Verschiedenheit antiken und modernen Denkens aus wird nun auch das Mißverständnis des Sinnes der aristotelischen Teleologie durch die Modernen verständlich. Bekanntlich hat 7. Driesch mit seiner vitalistischen Lehre die Teleologie des Aristoteles wieder zu beleben und zu Ehren zu bringen versucht, wenn auch mit Hilfe neuer Erkenntnisse und in einer modernisierten Form. Seine Experimente, mit denen er seine Lehre zu stützen versuchte, sind sehr lehrreich und interessant; und auch seine theoretische Philosophie, vor allem seine Ordnungslehre, enthält viel Fruchtbares und Interessantes, das heutzutage allzusehr in Vergessenheit geraten ist. Wenn er jedoch in der Entwicklung der Lebewesen außer den mechanischen, physischen und chemischen Ursachen auch noch die Entelechie als wirkende Ursache auftreten läßt, so bedeutet nicht nur dieses Wort bei und isoliert fassen lassen, so daß dann durch ihr ten dies für die einzige Art der „Erklärung“, die ihrem Standpunkt aus ganz recht, wenn sie, wie z.B. mit besonderem Nachdruck der Biologe Max Hartmann, den von Driesch eingeführten kleinen Dämon „Entelechie“ als einen Eindringling ablehnen, weil er sich gerade nicht fassen und nicht isolieren läßt und sich deshab auch weder zur künstlichen „Herstellung“ des lebendigen Gegenstandes noch zur „Erklärung“ seiner Entstehung verwenden läßt. Aber Aristoteles wäre auch nie auf den Gedanken gekommen, die Entelechie, oder vielmehr die púaus, die er gelegentlich als bewirkende Ursache des Entstehens und der Entwicklung der Lebewesen bezeichnet, als eine zusätzliche Ursache neben isolierbaren physikalischen und chemischen Ursachen einzuführen. Wenn er von der púots als &oyh zwvhoews der lebendigen Wachstumsprozesse spricht, so bedeutet dies für ihn nichts anderes®'” als die einfache Bezeichnung der Tatsache, daß dieser Prozeß im Gegensatz zu der Herstellung eines künstlichen Gegenstandes ohne menschlichen Eingriff von außen „von selbst“, „aus sich heraus“, vor sich geht, obwohl er wie dieser auf ein Telos hin gerichtet ist. Die Modernen haben daher auch völlig recht, wenn sie sagen, daß die aristotelische Bezeichnung der iors als doy) zevhoews nichts „erklärt“. Sie erklärt wirklich gar nichts, und schon ganz und gar nichts in dem Sinne, in welchem die endlich gelungene künstliche Herstellung des Chlorophylls Entstehung und Wesen dieses Stoffes erklärt. Der Irrtum der Modernen besteht nur in dem Glauben, daß sie etwas „erklären“ solle, während der Sinn des aristotelischen Naturbegriffs ebenso wie der seiner Teleologie in Wirklichkeit ein völlig anderer ist. Bevor jedoch der Sinn der aristotelischen Teleologie deutlich gemacht werden kann, ist es notwendig, zunächst noch ein zweites und tiefer liegendes modernes Mißverständnis zu beseitigen, das nicht unmittelbar den Sinn der aristotelischen Lehre, sonihm etwas ganz anderes als bei Aristoteles, sondern er beweist damit auch, daß er völlig im Banne der dern ihren Gegenstand betrifft. Nicolai Hartmann hat ein ganzes Buch über teleologisches Denken ge- 5 Vgl. oben $.574 und 581. 18 Vel. Aristoteles, Analytica Posteriora B, 8, p. 93a, 1 ff. #7 Ganz deutlich ist dies in dem in Fun. 214 zitierten Kapitel der aristorelischen Physik. der „teleologischen Welterklärung“ haben kommen können, um so diesen Gedanken von seiner Wurzel er von vornherein annimmt, daß es sich um eine Welt„erklärung“ handeln müsse?!. Er sucht dann zu zeigen, daß eine sozusagen von der Zukunft her wirkende „Finalität“ mit einer von der Vergangenheit her wirkenden Kausalität in Konflikt geraten scheint er die Kausalität als eine empirisch gegebene Tatsache anzusehen, während er in der „Finalität“ ein irrtümliches menschliches „Denkschema“ erblickt. Nur auf den Gedanken, daß die Teleologie eine Erfahrungstatsache sein könnte, kommt er nicht. Hier ist nun wirklich alles auf den Kopf gestellt. Die Teleologie im Sinne des Aristoteles, nämlich im Sinne der Feststellung, daß aus einem Hühnerei, wenn es nicht verfault oder gegessen, sondern ausgebrütet wird, ein Küken und dann ein Huhn, aus einem Kuckucksei ein Kuckuck, aus einem Entenei, auch wenn es von einem Huhn ausgebrütet wird, eine Ente und aus einer Eichel eine Eiche wird, ist eine der überwältigendsten Erfahrungstatsachen aus dem Gebiet des Lebendigen, die es gibt. Sie drängt sich jeden Tag von allen Seiten her auf. Dagegen liegt die Kausalität — abgesehen von den Fällen, wo der Mensch selbst etwas bewußt verursacht, indem er es in Bewegung setzt oder macht — gar nicht an der Oberfläche. Vielmehr müssen die Ursachen in den meisten Fällen mit großer Mühe gesucht werden und lassen sich gar nicht leicht entdecken. Also ist die Überzeugung, daß jedes Geschehen seine Ursache haben muf, etwas, was der Mensch nicht ohne weiteres in den Dingen vorfindet, sondern in sie hineinträgt. Dem entspricht auch die Theorie Kants, der auch ein Antiteleologe gewesen ist, daß die Kausalität ein reiner Verstandesbegriff a priori sei, somit aller Erfahrung vorangeht und diese erst möglich macht. Sofern nun die Theorie Kants richtig ist, und falls und soweit sie mit der Teleologie in Widerspruch tritt, muß sich diese allerdings als Illusion erweisen. Dies zu untersuchen, was nicht ohne erneute Untersuchung des Wesens der Kausalität geschehen könnte, würde eine umfangreiche Abhandlung erfordern. Das ist jedoch im 2:8 Nicolai Hartmann, Teleologisches Denken, Berlin 1951. 219 Charakteristisch ist auch, daß Hartmann seine Betrachtungen mit teleologischen Erklärungen der Art beginnt wie etwa der Antwort auf die Frage, warum jemand so viel habe leiden oder so früh habe sterben müssen. Aber, das hat mit aristotelischen Teleologie schlechterdings gar nichts zu tun.

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Griechen. II Handeln der 625 werden kann, sowie endlich ob und wie weit sie Jahrgang 14 Heft 11 (1961) K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen, If Lebens dienen kann. Auch hier liegt, wenngleich mit einer später zu erörterhden wichtigen Modifikation, bei Aristoteles die Vorstellung zugrunde, daß die Entwicklung des Menschen nicht nur allgemein auf den Typus des erwachsenen Menschen als ihr natür- Resultat??0, daß ‘der Mensch in außergewöhnlichem schied von der Pflanze oder auch dem Tier, deren Entwicklungsbedingungen vom Menschen untersucht werden, Subjekt und Objekt miteinander identisch sind, was die Untersuchung sehr erschwert; ferner — was damit zusammenhängt — daß die Bedingungen der Entwicklung bzw. der Annäherung an die mehr oder minder vollkommene Verwirklichung des Telos, beim Menschen nicht nur in äufeten Umständen, sondern zu einem grofen und in vieler Hinsicht entscheidenden Teil in ihm selber gelegen sind. Andere Unterschiede ergeben sich erst aus einer näheren Betrachtung der Wesenseigentümlichkeit des Menschen und ihres Unterschiedes von der Eigentümlichkeit anderer Lebewesen, Es ist nun natürlich nicht möglich, die inhaltlichen Resultate, zu denen Aristoteles bei seinen Untersuchungen dieser Art gekommen ist oder gekommen zu sein glaubte, hier im einzelnen auszubreiten, Das würde ein umfangreiches Buch erfordern. Vielmehr kommt es hier allein auf seine Methode an sowie auf die Beantwortung der Frage, ob sich auf diese dernen Definition wissenschaftliche Erkenntnis ge- Weise eine „objektive“ Erkenntnis in irgendeinem Sinne erzielen lasse und in welchem Verhältnis eine solche Erkenntnis zu dem, was nach irgendeiner monannt werden kann, stcht. Um diese Frage beantworten zu können, ist es jedoch notwendig, einige der wichtigsten inhaltlichen Resultate, zu denen Aristoteles gekommen zu sein glaubte, daraufhin zu untersuchen, woher sie stammen, wie sie begründet sind, ob und wie weit sie sich „verifizieren“ lassen, ob und inwieweit ihnen Exaktheit zugesprochen “2 Vgl. dic ersten Kapitel des ersten Buches von Aristoteles Politica. die in dem Menschen als Menschen, d.h. als Spezies, gelegenen Möglichkeiten bzw. Fähigkeiten ‚alle gleichmäßig zu entwickeln. Vielmehr können die in dem Menschen überhaupt gelegenen Möglichkeiten und Fähigkeiten nur in der Weise voll oder soweit wie möglich verwirklicht werden, daß verschiedene Menschen verschiedene Möglichkeiten so vollkommen wie möglich verwirklichen bzw. ausbilden, so daß die Gesamtheit der menschlichen Fähigkeiten erst in dem Zusammenwirken der Menschen miteinander zur Verwirklichung kommt. Dabei ist es ferner nicht so, daß jeder Mensch nach Belieben jede beliebige Fähigkeit (unter relativer Vernach Bes gung der Ausbildung anderer Fähigkeiten) ausbil en könnte. Es ist aber auch nicht so wie bei den Bienen, daß gewisse Bienen (etwa die Arbeiterbienen) über haupt nur gewisse Funktionen, andere (die Dro nen) nur gewisse andere Funktionen auszuüben im daß der Mensch als Individuum nicht im Stande ist, denen Richtungen von grundlegender Wichtigkeit sind. Das eine ist der Mangel des Menschen an odréquei, an Selbstgenügsamkeit, d.h. die Tatsache, aus zwei Faktoren, die beide wiederum in verschie- Menschen ergibt sich nach Meinung des Aristoteles Die Notwendigkeit des Zusammenlebens und Zusammenwirkens mit seinen Artgenossen für den dern ein Tier bleiben, ja in vieler Hinsicht tierischer als ein Tier sein würde. eigentlichen Sinne doch kein Mensch werden, sondie äußeren Bedingungen seiner physiologischen Entwicklung von außen gegeben würden — indem er etwa im ersten Stadium der Hilflosigkeit von Tieren ernährt und aufgezogen würde und dann fortführe mit diesen zu leben — er zwar die äußere Gestalt eines erwachsenen Menschen nach Ablauf der dazu erforderlichen Zeit annehmen, aber im Typus, erreichen kann: und zwar so, daß, wenn ihm Maß — „mehr als jede Biene“, wie Aristoteles sagı — auf das Zusammenleben und Zusammenwirken mit seinen Artgenossen angewiesen ist. Er ist so sehr ein G@ov xoAttuxdv, ein gesellschaftliches Lebewesen, daß er ohne das Zusammenleben mit seinen Artgenossen gar nicht zu einem Menschen werden, d. h. das Telos seiner Entwicklung nicht einmal im Sinne des am natürlichen Ende der Entwicklung stehenden Bei dem Versuch, die spezifischen Eigentümlichkeiten des Menschen im Verhältnis zu andern Lebewesen festzustellen, ergibt sich für Aristoteles das ohne Verlust übertragbar sind. liches Ende oder Telos, sondern auf eine „vollkom- Anarchie des menen Exemplars einer Pflanzenspezies zu ermögmene“ Ausprägung dieses Typus von Natur gerichtet sei, ein Telos jedoch, welches je nach der Ungunst oder Gunst der Bedingungen, unter welchem die Entwicklung sich vollzieht, in größerer oder geringerer Annäherung, nie jedoch absolut. vollständig erreicht wird. Wie nun der Gärtner versuchen wird, zu erkennen, welche Bedingungen verwirklicht sein müssen, um die Entstehung eines möglichst vollkomverme intli chen Erken nens — denn die Menschen glauben ja, das Schönere, Edlere als solche s usw. zu erkennen — so daß selbst die Möglichkei t einer in irgendeinem Sinne objektiven, gesch weige denn „wissenschaftlichen“ Erkenntnis von vornh erein ausgeschlossen werde n muß? Geht man nun von hier zunäc hst wieder zu dem Gebiet der Pflanzen zurück, so gibt es ja zum mindie aber doch gewis se mehr oder mind er objektive und übertragbare Kenntnisse und Erken ntnis se vermittelt. Sieht man dabei von der heute auch im eigentlicheren Sinne wissenschaftlich unterbauten Kunst, neue Varietäten zu züchten, ab, so ist die Gartenet, mögbaukunde im allgemeinen darauf ausge richt lichst „vollkommene“ Exemplar e von Pflanzen, Bäumen, Sträuchern, Blum en zu zücht en. Diese aber kann der Gärtner nicht „machen“ oder herstellen, wie man einen Apparat oder sonst ein künstliches Gebilde herstellen kann, sondern seine Kunst besteht darin, dafür zu sorgen, daß alle Bedi ngungen dafür vorhanden sind, daß sich die Pflanze zu ihrer vollkommenen Form entwickeln kann. Diese selbst Aristoteaber wird nicht wie bei eine m Kuns twer k oder sonst einem künstlichen Gegenstand von ihm entwo rfen, sondern entsteht dann als Resultat des Wach stumsProzesses von selbst , so daß doch auch das Telos im höheren Sinne in gewisser Weise von der „Natur“, so wie es Aristoteles bezeichnet, vorgegeb en zu sein scheint. Es war unerläßlich, dem Abschnitt über lichen, und diese Bedingungen dann zu realisieren, so wird es die Aufgabe des Philosophen sein, herauszufinden, welches die entsprechenden Bedingungen für den Menschen sind. Dabei ergeben sich sofort tiefgreifende Unterschiede: zunächst, daß beim Menschen im Unterdesten eine Gartenbaukunde, die freilich nicht unter die „Wissenschaften“ gerechnet zu werden pflegt, fühle, Geschmacksurteile: eine wilde Menschen weitgehend bestimmenden Ideologien, in der politischen Propaganda, eine ungeh eure Rolle spielt. Gibt es hier, wie die mode rnen Positivisten glauben, wirklich nur subjektive Meinu ngen, Gelichen, in den Zeitungen, in den das Menschen, im privaten nicht minder als im öffent- K. von Farrz: Der Beginn universalwissenschaft li cher Bestrebungen und der Primat der gegenwärtigen Zusammenhang durcha us nicht nötig. Denn sofern ein solche r Wider spruc h besteht , kann er nur die Auffa ssung der Teleol ogie als einer sozusagen von der Zukunft her den Prozeß besti mmenden Kausalität betreffen, niemals aber die Erfahrung eine Tatsache, daß les diese länger e Einlei tung voraus zuschi cken, um überhaupt den Zugang zum Verständnis seiner Teleologie wiede r freizu machen , der durch die modernen Vorurteile und Mißverständnisse für die Mehrzahl der modernen Betrachter vollständig verschüttet ist und es wird sich zeigen , daß das Beispi el der Gartenbaukunde für dieses Verständnis von wesentlicherer Bedeutung ist, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. selbst, daß aus einem Tannensamen, wenn überhaupt etwas, eben eine Tanne wird. Darauf allein aber kommt es für die folgen de Betrac htung an. Die Teleologie besteh t also primä r in der überwältigenden Erfahrungstatsache, daß aus einer Buchdiese Erecker, wenn überhaupt etwas, eine Buche, aus einem Sonnenblumensamen eine Sonnenblum e, aus einem Straußenei ein Strauß usw. wird, Aber fahrung hat noch eine andere Seite, welche für den hier zu betrac htende n Zusam menha ng von grundlegender Bedeutung ist. Aus einem Tanne nsamen Tanne sich wird, wenn überhaupt etwas, eine Tanne. Aber je nach den äußeren Umständen, unter denen der Same, der Trieb, der Schößling und dann die entwickelt, kann daraus eine voll ausgebildete, schöne, „vollkommene“ Tanne oder eine verkümmerte oder verkrüppelte Tanne werden. Hier werden nun freilic h in die Betrac htung eine Reihe von Begriffen eingeführt, die wegen ihres vagen und „subjektiven“ Charakters als etwas von jeder Wissenschaft, die diesen Name n verdient, strengstens Fernzu halten des gelten . Man kann zwar vielleicht, wenn man sich vorher darüb er einig geworden ist, wie eine schöne oder vollkommene Tanne aussehen soll, die in ihr zu findenden Proeine vollkom- Portionen bis zu einem gewissen Grade approximativ in mathematische Formeln bringen. Aber es gibt keinen logischen oder mathematischen Beweis , mit welchem man beweisen könnte, daß mene Tanne vollkommener ist als eine verkrü ppelte, Statistisch sind die verkrüppelten Tanne n wahrscheinlich unvergleichlich in der Überzahl gegenüber den vollkommen ausgeb ildete n: und waru m sollte jemand nicht, z. B. für die Anlage eines japanischen Gartens, eine verkrüppelte Tanne schöne r finden als eine „vollkommen ausgeb ildete “, „voll kommen schön proportionierte“? Hier scheint alles vage, unbestimmt, kontrovers, hier der „Subje ktivität“ Tür Trotzdem ist es nicht minder und Tor geöffnet: für den „wissenschaftlich“ Gesinnten ein wahrer Greuel. jeder Mensch, der nicht ganz stump f ist, durchaus weiß, wovon die Rede ist, wenn man von einer schönen, einer vollkommen ausgeb ildeten Tanne im Gegensatz zu einer verkrüppelten spricht , und die Die Teleologie durch dring t fast die gesamte Phieine von der andern durchaus zu unters cheiden ver- - losophie des Aristoteles mit Ausnahme der spezielsteht. Ebenso ist es offenbar, daß, im weitesten Sinn len und techni schen Schrif ten. über Logik und Ahnliches. Am wichtigste n jedoc h ist ihre Bedeu tung für eine Erkenntnis, die der Erhellung des menschlichen genommen, die Frage, was schön oder schöner, edler, vollkommener usw. ist, im täglichen Leben der

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stande sind. Vielmehr gibt es?®! unter den Menschen solche, die von Geburt oder frühester Jugend an die Anlage zur Ausbildung gewisser Fähigkeiten in außerordentlich viel stärkerem Maße als die Anlage zur Ausbildung anderer Fähigkeiten haben und nur in diesen Fähigkeiten den höchsten Grad ihrer Ausbildung und damit ihrer Vollendung, ihres Telos erreichen können, während andere die Anlage zur Ausbildung vieler verschiedener Fähigkeiten haben, aber in geringerem Maße, so daß sie in der Ausbildung keiner von ihnen leicht den höchsten Grad der Vollendung erreichen werden. Doch liegt in dieser Möglichkeit der Menschen, innerhalb eines gewissen Spielraums die eine oder die andere Fähigkeit oder auch mehrere bis zu einem beträchtlichen Grade gleichzeitig auszubilden, die Möglichkeit für eine menschliche Gemeinschaft, sich wechselnden Situationen, welche verschiedene Fähigkeiten erfordern, besser anzupassen. Will man dies alles vom Standpunkt der Telos-Philosophie aus auf eine Formel bringen, so kann man auch sagen, daß nur eine autarke menschliche Gemeinschaft das menschliche Telos als Ganzes verwirklichen kann — im Gegensatz zu einer Tanne, die ihr Telos im allgemeinen am besten verwirklichen wird, wenn sie frei für sich allein steht, während in einem Wald, wo viele Tannen nahe beieinander stehen, die meisten von ihnen unten verdorren und ihr volle Gestalt nicht verwirklichen können — der einzelne Mensch dagegen nur einzelne der im Menschen als solchen angelegten Tele voll zu verwirklichen im Stande ist. Das ist das eine. : Studium Generale von Aristoteles’ Vorgängern die pawópeva àyaté genannt worden sind, wird also auch bei Aristoteles eine große Rolle spielen, der zugleich die Ursache des Irrtums aufzuweisen und näher zu bezeichnen versuchen wird. Bei dieser Analyse des Menschen auf die ihm von Natur gegebenen Anlagen hin glaubt nun Aristoteles jedoch noch einen weiteren Faktor zu entdekken*%, der bis zu einem gewissen Grad mit den bisher beobachteten in Widerspruch zu stehen bzw. sie zu durchkreuzen scheint, der aber nichtsdestoweniger vorhanden und für die Erkenntnis des Wesens oder der Natur des Menschen von.grundlegender Bedeutung ist. Während der Mensch einerseits, wenn er außerhalb der menschlichen Gemeinschaft bleibt, sich hicht einmal zum wirklichen Menschen entwickeln kann und auf einer tieferen Stufe als selbst das Tier stehen bleibt, kann er andererseits, nachdem er durch das Zusammenleben, Zusammenwirken und die Auseinandersetzung mit seinen Mitmenschen über das, was recht und unrecht ist, hindurchgeganggen ist, oder während er durch dies hindurchgeht, in sich ein Göttliches, ein Setov, entwickeln, das ihn wiederum bis zu einem gewissen Grade über die menschliche Gemeinschaft erhebt und, abgesehen von den äußeren Lebensbedürfnissen, von ihr unabhängig macht. Im Gegensatz zu anderen Lebewesen, die jeweils nur auf ein Telos hin angelegt sind, das sie in größerer oder geringerer Approximation erreichen können, scheint der Mensch die Möglichkeit verschiedener Telosverwirklichungen zu haben. Aber in sich der Mensch von anderen Lebewesen durch den Besitz der Sprache unterscheidet und daß ihm die Sprache nicht nur zur Verstandigung über die Verteilung der Funktionen unter den Individuen bei der Erreichung des gemeinsamen Telos, sondern auch zur Auseinandersetzung daritber dient, was recht jedem einzelnen Fall hat die Frage nach dem besten Weg zur Verwirklichung eines menschlichen Telos zwei gleich wichtige Aspekte, den Aspekt der möglichsten Verwirklichung für das einzelne Individuum und den Aspekt seines Verhältnisses zu der menschlichen Gemeinschaft. Das nächste Problem ist naturgemäß die nähere und konkretere Bestimmung der Tele in bezug auf und und was unrecht ist. Darin liegt, daß der Mensch den einzelnen Menschen. Auch hier geht Aristoteles im Gegensatz zu anderen Lebewesen nicht nur wie die Tiere — im Gegensatz wiederum zu den Pflanzen — die günstigeren Bedingungen zur Erreichung wieder von einer grundlegenden Beobachtung aus? Es gibt zwei Arten von bewußten menschlichen Tätigkeiten: solche, die auf ein außer ihnen selbst gelegenes Telos gerichtet sind: d.h. alle Tätigkeiten, die auf das Herstellen eines Gegenstandes ausgerichtet sind; und solche, die ihr Telos in sich selbst haben, wie das Flötenspielen oder das Spazierengehen, Das zweite??? ist in der Tatsache beschlossen, daf seines Telos aufzusuchen, sondern sie sich sogar bis zu einem beträchtlichen Grade selbst zu schaffen imstande ist, dazu aber der Verständigung mit seinen Artgenossen bedarf, Diese Verständigung aber betrifft nicht nur die Bedingungen für die Erreichung des Telos, sondern auch die Erkenntnis des Telos Tätigkeiten, bei denen nicht am Ende etwas Vollendetes herauskommt, sondern die darin, daß sie bis selbst. Die Frage der Möglichkeit einer Tauschung über das Telos und der Irreführung durch das, was zum Ende vollzogen werden, in sich vollendet sind. Diese verschiedenen Tätigkeiten stehen wieder in = Vel, darüber vor allem Nikom. Ethik X, 5, p. 1175a, 223 Vgl. Politica I, 2, p. 1253a, 27 ff. und de part. animalium B, 10, p. 656a, 3 ff. % Vgl. das erste Buch der Nikomachischen Ethik. 30 ff. ser Vgl. darüber Aristoteles, Politica I, 2, p. 1253a, 9 ff. 14 K, yon Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen. IT Jahrgang Heft 11 (1961) einem gewissen Verhältnis zueinander. So hat die Tätigkeit des Werkzeug: oder Instrumentenmachers das fertige Werkzeug zum Telos. Aber das Werkzeug dient dem Handwerker zur Herstellung des Gegenstandes, der seinerseits das Telos einer Tätigkeit ist und erhält dadurch seinen Sinn. Alle Gegenstände, die Tele menschlicher Tätigkeiten sind, dienen aber letzterdings dem menschlichen Leben, das in gewisser Weise selbst eine Tätigkeit ist, die ihr Telos in sich hat, oder wie Aristoteles sagt, eine évéoyera. An der Spitze der Hierarchie der Tele also steht naturgemäß nicht ein Eoyov, ein Werk, ein Gegenstand, sondern eine Energeia. Und da auch hier wie überall in der lebendigen Welt das Telos einen doppelten Charakter hat: die Tanne schlechthin als Telos der Entwicklung des Tannensamens und die möglichst schöne und vollkommene Tanne, so ist auch hier das an der Spitze stehende Telos in gewissem Sinne einfach das Leben, im höheren Sinne aber das, was Aristoteles das ed Civ nennt: das „gute“, das vollkommene oder möglichst vollkommene Leben. Bei der Betrachtung dieser Hierarchie der Tele ergibt sich nun eine grundlegend wichtige Relation. Die untergeordneten Tele sind zwar jeweils das natürliche Ende, die Vollendung, des auf ihre Herstellung gerichteten Handelns, aber sie erhalten ihren Telos-Charakter jeweils durch das höhere Telos, dem sie dienen: Es hat keinen Sinn, mehr Werkzeug zur 627 sein scheinen mag, ist. Aristoteles zeigt®®5, wie die Geldwirtschaft, deren Einführung auf der einen Seite von großem Nutzen gewesen ist, weil sie den Austausch der von Menschen hergestellten Güter sowie ihrer Dienstleistungen erleichtert, auf der andern Seite doch zu einer Verfälschung des natürlichen Verhältnisses der Tele geführt hat. Weil das Geld in gewisser Weise für alle Güter steht, kann der Schein entstehen, als ob der Nutzen, den sein Besitz bringt, nicht wie bei allen anderen Gütern durch das Telos, dem es dient, beschränkt wäre, Dadurch wird das ganze Leben verfälscht. Um die Implikationen - dieser Beobachtung des Aristoteles ganz deutlich zu machen, ist es notwendig, auf seine Theorie der verschiedenen Tele der Menschen und ihren Zusammenhang noch etwas näher einzugehen. Aristoteles folgert daraus, daf der Teloscharakter der niederen Tele — und dazu gehören alle materiellen Güter — durch die übergeordneten Tele, d.h. letzterdings das eb Civ, bestimmt wird, durchaus nicht, daß alle materiellen Güter gleichmäßig unter allen Menschen verteilt sein sollten. Im Gegenteil. Da das Gesamttelos der menschlichen Gemeinschaft nur dadurch verwirklicht werden kann, daß verschiedene Menschen verschiedene Einzeltele vornehmlich verwirklichen, so ergibt sich von selbst, daß die materiellen Güter, die sie brauchen, sich nach diesen Tele richten müssen. Jeder braucht das, was ihm für die ihm angemessene die äveoyeıa nötig ist: der beste Flötenspieler die beste Schuster für ihre Tätigkeit brauchen, und es hat für den Schuster keinen Sinn, mehr Werkzeuge zu ha- Flöte, der Handwerker sein Handwerkszeug, der Gelehrte seine Bibliothek, aber auch derjenige, der von Natur zum Organisieren des Zusammenlebens einer Gemeinschaft, zum Planen, geeignet ist, den Herstellung von Schuhen herzustellen, als ben, als er für seine Arbeit und als notwendige Reserve braucht. Noch einsichtiger ist dies bei den unmittelbar zum Leben notwendigen Gegenständen, vor allem, wenn diese verderblich sind: in einer geschlossenen Naturalwirtschaft, etwa einer großen primitiven Gutsgemeinschaft, wo in bezug auf die einfachen Lebensbedürfnisse kein Austausch mit andern Gemeinschaften besteht, hat es keinen Sinn, mehr Brot herzustellen, als innerhalb der Gemeinschaft gebraucht wird. Aristoteles hat darauf aufmerksam gemacht, welche Bedeutung dies für die Gastfreundschaft in primitiver Naturalwirtschaft hat. Wenn die Produktion an Lebensmitteln reichlich ist und Überfluß herrscht, kann es keinen Geiz dem Fremdling gegenüber geben. Es hätte keinen Sinn, die Dinge aufzuheben und zu akkumulieren und man freut sich der Gegenwart des Fremden, der Abwechslung und Anregung in das einförmige Le. ben bringt. An dem Gegenbild dazu läßt sich aber auch zeigen, von wie grofer unmittelbarer Bedeutung das, was auf den ersten Blick eine Binsenwahrheit zu Einfluß und die Macht, die ihm für die Ausbildung und Anwendung der ihm von der Natur gegebenen Gabe notwendig ist?®%, An diesem letzten Beispiel zeigt sich zugleich, daß die órhös dyadó, die Güter im gewöhnlichen oder schlichten Sinne des Wortes, nicht notwendig materielle Güter zu sein brauchen. Es kann auch Macht und Einfluß sein. Überall aber gilt, wie Aristoteles zu zeigen versucht, das Gesetz, das diese dû Gyodé nur so weit wirklich Güter für denjenigen sind, der sie beistzt, als sie der Entfaltung und der Verwirklichung derjenigen êvégyeuar dienen, die dem Besitzer als Anlage von der Natur gegeben sind und in deren Entfaltung er sein natürliches Telos findet und zu der etdamovia, zu dem Glückszustand, gelangt, dessen er fähig ist, während er durch diese êvéoyerat zugleich auch der menschlichen Gemeinschaft dient. ff. 225 Vgl. darüber vor allem Politica I, 9, p- 1257b, 22 =s Vgl. Politica I, 3 über die Formen des Herrschens und Beherrschrwerdens.

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Aus der entgegengesetzten Möglichkeit ergibt sich zu einem großen Teil die Erklärung des Phänomens der Irreführung der Menschen durch das, was die Studium Generale erst dadurch, daß sie im Dienste höherer Tele stehen, zu wirklichen Tele werden, werden selbst zu Tele Sorge für die Notwendigkeiten des Lebens eine gröBere und längere Anspannung erfordert als lustvoll empfunden werden kann, so kann leicht die Vorstellung entstehen, als ob ein Leben, das aus nichts als Ruhe und Spiel oder Amiisement bestehe, ein besonders gliickliches und erstrebenswertes Leben sci; und die Erfahrung zeigt, daß dies ein auRerordentaus eigenen Recht gemacht: Besitz und Macht werlich verbreiteter Irrtum ist. Daß jedoch Aristoteles den nicht mehr um des höheren Zweckes willen, dem sie dienen können, sondern um ihrer selbst willen dürfnis einen gleichen Anspruch haben könnten, sondern auch im Verhältnis zu sich selbst, d.h. mehr recht hat, wenn er dies als Irrtum bezeichnet, kann in diesem Fall sogar in gewisser Weise objektiv verifiziert werden, insofern die Statistik zeigt, daß unter denjenigen, die zuviel haben und ein Leben des Müßiggangs führen, die Anzahl der Selbstmorde und der nervösen Erkrankungen wesentlich größer ist als selbst bei denjenigen, die zu wenig haben und sich über das zuträgliche Maß anstrengen müssen, haben wollen als dem einzelnen selbst zur Entfaltung seiner Anlagen und zur der Erreichung der ihm möglichen eödeınovia dienlich ist. Ferner ist dieses Mehrhabenwollen nicht nur die Ursache der größten Zahl der zerstörischen Konflikte zwischen Menschen, sondern das simple Mehrhaben, selbst wo es ohne Da der zur Verfügung stehende Raum es nicht erlaubt, auf den Inhalt der aristotelischen Teloslehre über die allerersten grundlegenden Beobachtungen hinaus einzugehen — obwohl das Interessanteste natürlich die Ausführungen im einzelnen sind — ist es nun an der Zeit, zu der Frage zurückgriechischen Philosophen pawógeva Gyatd, scheinbare Güter, nannten. Die untergeordneten Güter, die gesucht. Daraus entsteht das Grundübel, das Aristoteles die nheoveEta nennt??”, das Mehrhabenwollen, das wiederum zwei Aspekte hat: nicht nur den des Mehrhabenwollens als andere, die aus gleichem Besolche Konflikte besteht, ist nicht nur dem Besitzenden nicht mehr dienlich, sondern kann ihm sogar schädlich sein. Um dies zu sehen, ist es freilich nötig, noch eine andere, von Aristoteles ausführlich erörterte?2® Grundtatsache des menschlichen Lebens in den Kreis der Betrachtung zu ziehen. Wegen der ebenfalls naturgegegebenen Unvollkommenheit des Menschen ist es ihm nicht möglich, dauernd in voller Verwirklichung der ihm angemessenen &v&gysia oder évég“au zu leben. Vielmehr bedarf er periodisch der Entspannung, der dvaémovois, des Pausierens, das wiederum zwei Grundformen hat, die völlige Ruhe des Schlafens oder schlafähnlicher Zustände, und auf der andern Seite die zuıdız. das Spiel, die entspannte Tätigkeit oder ein Zustand zwischen auf ein Telos hin gerichteter Aktivität und Ruhe, wozu bis zu einem gewissen Grad auch das gerechnet werden kann, was wir als Amüsement zu bezeichnen pflegen. Da nun die Anspannung der ernsthaften auf ein Telos gerichteten Tätigkeit — was natürlich auch für diejenigen Tätigkeiten gilt, die ihr Telos in sich haben: auch der Vortrag eines Musikstückes erfordert diese Anspannung und ist auf ein Telos: eben die Vollendung des ganzen Stückes, gerichtet, obwohl am Ende kein materielles Eoyov übrigbleibt — da also eine solche Anspannung zur Ermüdung führt und danach Ruhe und die Entspannung des Spiels als lustvoll empfunden wird, da ferner die 27 Über die nAcoveBia vgl. vor allem Nik. Eth. V, 2, 1129a, 32 ff. 28 Vgl. darüber Nik. Eth. X, 6, p. 1176b, 9 ff. zukehren, ob und inwieweit hier von objektiver Erkenntnis oder gar von „wissenschaftlicher“ Erkenntnis die Rede sein könne. Hier trifft es sich glücklich, daß sich Aristoteles selbst in gewisser Weise zu dieser Frage geäußert hat, indem er betont??%, daß es gewisse Untersuchungen gebe, bei denen man nicht versuchen dürfe, absolut exakte Resultate zu erreichen (16 GugiBic ÈmEnret), sondern sich damit begnügen müsse, die Dinge im „Umriß* klarzulegen (cinq neguaßeiv)®, und daß er dies eben gerade in bezug auf diejenigen Betrachtungen sagt, von denen hier die Rede gewesen ist. Da sich nun gezeigt hat, daß das Neue, was die Griechen gebracht haben, das, was man die Anfänge der griechischen Wissenschaft nennen kann und-was dann in der modernen Wissenschaft in Fortenwicklung dieser griechischen Anfänge sich herausgebildet har, aus dem Bestreben nach Sicherheit, Exaktheit und restloser Übertragbarkeit von Erkenntnissen hervorgegangen ist, so scheint damit schon das (negative) Urteil über den wissenschaftlichen Charakter der aristotelischen Betrachtungen gesprochen zu sein. Trotzdem ist es der Mühe wert, sich genauer darüber zu informieren, was es denn mit diesem Verzicht auf Exaktheit und der Forderung des tung neguaBetv eigentlich für eine Bewandtnis hat. Zunächst bedeutet es ganz und gar nicht, daß man es 220 Vgl, Nik. Eth. I, 3 p. 1094b, 13 ff. 2 Vel. darüber außer der in der vorangehenden Fußn. zitierten Stelle auch Nik. Ech, II, 2, p. 11044, 1 #. und II, 7, p. 1107b, 14, wo auch davon die Rede ist, daß die äußere Umrißlinie später weiter ausgefülle werden kann. Jahrgang 14, Heft 11 (1961 K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen. II 629 in ethischen Fragen oder moralischen Entscheidungen nicht ganz genau zu nehmen brauche, wohl aber, daß sich für solche Entscheidungen keine allgemeinen Regeln festsetzen lassen, die in jedem Falle eindeutig zu bestimmen erlauben, welche Entscheidung wenn aber nicht genug Güter hergestellt oder herbei‘gebracht werden können, um alle die Bedürfnisse voll zu befriedigen, dann jedem im Verhältnis zu recht oder richtig ist: also dasselbe, was schon Pladienst“ um die Gemeinschaft ist. Dies stimmt fast vollständig mit dem Ideal der kommunistischen Theorie überein. Aber so redet Aristoteles nicht von den Dingen, obwohl man in seinen Ausführungen über die Gerechtigkeit als proportionale Gleichheit®3? und das Bedürfnis?3® als Grundlage allen Austausches von Gütern und Dienstleistungen Eleton in dieser Hinsicht gesagt hatte??!, Die Richtigkeit dieser Behauptung wird durch die historische Tatsache bewiesen, daß noch alle Versuche einer durchgeführten moralischen Kasuistik, die zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Kulturen unternommen worden sind, letzterdings im Lächerlichen geendet haben und gescheitert sind. Daraus läßt sich nun auch sofort verstehen, warum eine Wissenschaft dieser Art, sofern sie diesen Namen verdient, worauf noch zurückzukommen sein wird, nicht in derselben Weise verfahren kann wie die Mathematik oder die Naturwissenschaften. Jeder noch so einfache und elementare geometrische Satz läßt sich in jedem individuellen unter ihn fallenden Fall exakt und ohne Modifikation anwenden. Wenn also z. B. bewiesen ist, daß in einem Dreieck, welches zwei gleiche Winkel hat, auch die gegenüberliegenden Seiten gleich sind, so gilt dies für jedes beliebige Dreieck dieser Art und läßt sich, wenn ein solches zu Messungen verwendet wird, überall ohne Einschränkung anwenden. Dasselbe gilt im wesentlichen auch für naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Dagegen ist dies bei der Erkenntnis, daß es dem Menschen schädlich sei, ein Telos, das nur im Dienst eines übergeordneten Telos seinen Teloscharakter bekommt,. zum absoluten Telos zu machen, in der Praxis nicht in gleicher Weise der Fall, da der Übergang von der Verfolgung des Telos um eines übergeordneten Telos willen und seiner Verfolgung über das dadurch bestimmte Maß hinaus ein gleitender ist und sich die Grenze nicht mit Exaktheit feststellen läßt. Nur wo die Überschreitung eine extreme ist, läßt sie sich als Überschreitung leicht feststellen. Unendlich viel schwieriger und komplizierter aber wird das Problem, wo es sich nicht einfach um den Einzelnen und die Frage, bis zu welchem Umfang die Güter im gewöhnlichen Sinne ihm nützlich sind, handelt, sondern um die Verteilung dieser Güter unter den Mitgliedern einer menschlichen Gemeinschaft. Es ist nicht schwer zu sehen, daß aus der Hierarchie der Tele, wie Aristoteles sie annimmt, folgt, daß jeder nach Möglichkeit von den änküs üyadd soviel bekommen sollte, als ihm zur Ausübung der ihm angemessenen und daher sowohl der Entfaltung seiner Person wie auch der Gemeinschaft dienenden Tätigkeit notwendig ist und nicht mehr; seinem Bedürfnis, das zugleich auch, insofern er die ihm angemessene Tätigkeit voll ausübt, sein „Vermente eines solchen Denkens finden mag. Der Grund, warum Aristoteles nicht so redet, liegt darin, daß er von Anfang an andere Aspekte des menschlichen Lebens mit berücksichtigt. Wenn jeder Mensch genau wüßte, was für ihn als Individuum und im Zusammenwirken mit den anderen Mitgliedern einer Gemeinschaft wirklich gut ist, d.h. wenn er die Grenze genau kennte, bis zu welcher der Besitz an materiellen Gütern oder Macht od. dgl. für ihn gut ist, so gäbe es keinen Streit. Da aber die Menschen in ihrer ungeheuren Mehrzahl diese Grenzen nicht kennen und in ihrer Vorstellung die övrws dyaddk und die garvöueva &yadd unzertrennlich miteinander vermischt sind und zugleich miteinander im Streite liegen, wer sollte da imstande sein, selbst wenn ihm alle Macht dazu gegeben würde, die richtige Verteilung der &nkös éyata nach wirklichem Bedürfnis und Verdienst eines jeden vorzunehmen? Er müßte nicht nur selbst von jeder zheoveEta, von jedem Mehrhabenwollen, frei sein, sondern auch noch imstande sein, von jedem Menschen genau zu wissen, wieviel an seinem Streben aus wirklichem Bedürfnis im Sinne des ihm gemäßen Telos und was aus neovelia hervorgegangen ist. Wie Platon es in einem anderen Zusammenhang in seinem Dialog ,Politikos* ausgeführt hatte, müßte er so hoch wie ein Gott über seinen Mitmenschen stehen. Deshalb gibt es, wie Platon eben dort ausgeführt hatte, nur eine zweite oder zweitbeste „Fahrt“ (Öeúregos nAoüc), nämlich die Regelung durch Gesetze, die auf einfacheren Prinzipien beruhen und den einzelnen bis zu einem gewissen Grad in dem Genuß eines „legitim“ erworbenen Besitzes auch da schützen, wo Legitimität des Besitzes nicht durch sein wahres Bedürfnis, sondern durch Erbrecht, Vertragsrecht und ähnliches bestimmt wird. Es ergibt sich daraus, daß es unvermeidlich verschiedene Arten der Gerechtigkeit oder des „Gerechten“ und des „Richtigen“ gibt, wie ja auch wir zwischen der Gerechtigkeit, die der Richter zu repräsen232 Vgl. Nik. Eth. V, 6, p. 1131a, 10. #1 Vel. oben S. 618 f. #83 Vgl. ibidem p. 1133a, 26 ff.

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Studium Generale tieren und nach welcher er seine Entscheidungen zu treffen hat, und etwa der „sozialen Gerechtigkeit“ unterscheiden. In einem der wichtigsten Abschnitte seiner Nikomachischen Ethik?! versucht Aristoteles diese verschiedenen Arten der Gerechtigkeit und des nach vielfach Verkrüppelung des wesentlich Menschlichsten im Menschen zur Folge hat. Was Aristoteles angestrebt hat, ist also eine Er- Rechten zu unterscheiden, in ihrem Wesen zu be- Zeit als Daseinserhellung oder Daseinsorientierung stimmen, und zu zeigen, wie sie sich z. T. gegenseitig ergänzen, z. T. aber auch in einem gewissen Widerstreit miteinander stehen und wo jeweils im Interesse des Einzelnen wie der Gemeinschaft, in welcher er lebt, die Grenze ihrer Anwendung zu ziehen ist. Das Gebiet, mit dem es Aristoteles hier zu tun hat, ist offensichtlich zugleich das Gebiet, auf welchem jene Auseinandersetzung über das, was recht und unrecht ist, sich vollzieht, durch welche nach Ansicht des Aristoteles der Mensch erst zum Menschen wird. Auf Grund dieser Einsicht lassen sich Wesen, Zweck und Grenzen der von Aristoteles erstrebten Erkenntnis noch genauer bestimmen. Es ist nicht nur so, daß sich die Grenzen zwischen der Verfolgung eines untergeordneten Telos um des übergeordneten und seiner Verfolgung um seiner selbst willen, die Grenzen zwischen dem Streben nach garvöneva &yadd und üvrus yadá nicht durch sozusagen mechanische Anwendung allgemeiner Einsichten exakt bestimmen lassen, wie es bei der Anwendung mathematischer Sätze auf den speziellen Fall möglich ist, sondern es ist auch in der paradoxen Situation des Menschen gelegen, daß die Möglichkeiten, auf Grund allgemein anerkannter Sätze in jedem Fall exakt und eindeutig zu bestimmen, was recht ist, eben jene Auseinandersetzung über das, was recht und unrecht ist, zum Aufhören bringen müßte, die den Menschen zum Menschen macht, Auf der andern Seite ist der Mensch ganz ohne solche allgemeinen Einsichten, wie sie Aristoteles aus seinen teleologischen Betrachtungen zu gewinnen sucht, gerade in denjenigen Dingen direktions- und führerlos, die für sein Leben am wichtigsten sind. Wenn man es vom Standpunkt der gegenwärtigen Situation aus betrachtet, so kann man sagen, daß Aristoteles eine Erkenntnis zu gewinnen sucht, welche die Mitte hält zwischen der Werteanarchie oder besser der Anarchie der Tele, welche im Westen, soweit er positivistisch geworden ist, herrscht, und dem Wertedogmatismus des totalitären Ostens, der die Unfehlbarkeit der Partei hinsichtlich dessen, was recht und unrecht ist, zum Dogma erhebt und der nicht einen neuen Menschen schaffen, sondern den Menschen als Menschen vernichten würde, wenn ihm gelänge, was er anstrebt, was ihm aber nicht einmal in den eigenen Reihen der fanatischen Anhänger gelingt und niemals gelingen kann, obwohl schon das Streben dakenntnis, die dem nahe steht, was man in neuerer bezeichner hat, eine Erkenntnis, die es möglich macht, soweit als möglich die richtige Mitte zwischen Ordnung und Freiheit zu finden, Auch wo der Versuch gemacht wird, eine solche Erkenntnis in eine Art System zu bringen, was Aristoteles zweifellos getan hat, kann dieses System doch nicht analog einem System mathematischer oder naturwissenschaftlicher Erkenntnis wie ein Gebäude errichter werden, bei dem zuerst ein ganz festes Fundament gelegt und dann Stein um Stein darauf aufgebaut wird. Vielmehr wird hier allein die Methode angemessen sein, die Aristoteles selbst dafür angegeben hat: nämlich Umrißlinien zu zeichnen, und dann weitere Umrißlinien, welche die ersten teilweise im Innern weiter ausfüllen, teilweise aber auch überschneiden und durchkreuzen. Es ist evident, daß, wie dicht ein solches Netz von Umrißlinien auch schließlich werden mag, die Punkte, welche als Schnittpunkte zweier oder mehrerer Linien genau fixiert werden, immer unendlich viel kleiner an Zahl sein werden als diejenigen, welche innerhab der Linien liegen und nicht von ihnen berührt werden. Hier wird dann also das, was an sich „recht“ ist, nicht genau bezeichnet sein, sondern nur die nähere oder weitere Umgebung, innerhalb deren es liegt. Dies ist es auch, was Aristoteles damit meint, wenn er sagt, daß man in manchen Dingen nicht versuchen dürfe, die Genauigkeit weiter zu treiben als die Sache erlaubt. Eben dadurch wird auch die Mitte zwischen Ordnung und Freiheit erreicht, Fragt man nun, ob die Art der Erkenntnis, die Aristoteles hier erstrebt, eine „wissenschaftliche“ sei, so ist offenbar, daß dies von der Definition abhängt. Wenn Wissenschaft „exakte“ und ohne Verlust von einem Menschen auf einen andern übertragbare Erdaß es „das Gleiche“ in der Welt der Erfahrung gar det und zum Zweck der Mitteilung zu einem Gan- “ nicht gibt und daß wir doch ohne den Begriff des zen verbunden. Aber auch das von Dilthey nicht Gleichen oder die Vorstellung der „Gleichheit“ gar erwähnte Kriterium der Verifizierbarkeit fehlt nicht nicht auskommen können und daß von dem „Gudurchaus. Auf die sozusagen statistische Verifizier- ten“ und dem „Rechten“ ähnliches gilt. Aristoteles . barkeit der aristotelischen Behauptung, daß es eine schöpft seine Vorstellung von den Tele unmittelbar aus der Erfahrung. Aber selbst in bezug auf das den Menschen schädigende und selbst zerstörerische Wirkung habe, wenn der Mensch ein seiner Natur Telos in jenem allgemeineren Sinne, in welchem das nach untergeordnetes Telos zum obersten Telos Telos der Entwicklung eines Tannensamens irgendmacht, wurde schon hingewiesen. Aber auch daß eine (verkrüppelte oder schöne, vollkommen ausgeSokrates nach seinem eigenen Zeugnis ebenso wie bildete) Tanne ist, kann er dies doch nur, insofern nach dem Zeugnis aller, die in seiner Todesstunde die Gestalt einer Tanne überhaupt als organische Form in irgendeiner Weise aus dem Chaos der mögbei ihm waren, eddalkwv, heiter und glücklich, war, als er den Schierlingsbecher trank und es auch schon lichen Formen oder Gestalten als eine in irgendeiner vorher gewesen war, und daß Aristoteles von sich Weise ausgezeichnete sich abhebt. Ohne daß es besagen konnte, sein der Erkenntnis gewidmetes Le- wußt wird, ist also auch hier vorausgesetzt, was ben habe Bavuaortés twas fôovéc: erstaunliche Freu- Platon meint, wenn er sagt, daß die idéa tot äyatoü den oder Lustempfindungen, mit sich gebracht, ist sowohl allem Sein wie aller Erkenntnis vorausgehe, weil es ohne sie in dem Chaos der Formen keine ausgezeichneten Punkte gibt. eine Verifizierung, wenn auch einer sehr anderen Art als diejenige einer physikalischen Theorie durch das auf die Sekunde oder den Bruchteil einer Sekunde einer Voraussage entsprechende Eintreffen einer Sonnenfinsternis oder das Funktionieren einer Atlasrakete. Von hier aus läßt sich nun auch das Verhältnis der von Aristoteles erstrebten Erkenntnis zu der platonischen ëmorhun näher bestimmen. Aristoteles hat die platonische Ideenlehre und speziell seine Lehre von der löta tov &yadoù abgelehnt. Trotzdem kann man gewisse Beziehungen zwischen seiner Teleologie und der platonischen Ideenlehre finden. Ihr Ausgangspunkt ist freilich ein vollkommen verschiedener. Platon geht davon aus, daß in der Welt des Werdens und Vergehens, in welcher wir leben, nichts feststeht und deshalb auch keine sichere, allgemein gültige, unveränderliche Erkenntnis von dieser sich unaufhörlich ändernden Welt und den Dingen in ihr möglich ist. Er sucht daher eine unveränderliche, zeitlose Welt, von der es auch eine unveränderliche, ewig gültige Erkenntnis geben kann. Er findet solche Welten in der Welt der mathematischen Gegenstände und in der Welt der Ideen, von welcher die Welt teles auf Grund seiner teleologischen Betrachtungen zu erreichen bestrebt ist, zweifellos keine Wissenschaft. Legt man dagegen die früher zitierte®® Definition Diltheys zugrunde, so trifft sie auf die von Aristoteles erstrebte Erkenntnis vollständig zu. Denn wenn auch die Anwendung der hier gewonnenen Erkenntnisse auf die unendliche Fülle der Einzelfälle nicht wie bei der Mathematik absolut be- Welt. In ihr sucht er sich zu orientieren. Das ist auch. der Sinn seiner Teleologie. Aber obwohl Platon und Aristoteles in dieser Weise von ganz entgegengesetzten Punkten ausgestimmt ist, sondern hier vielfach keine dxgifeta möglich ist, so sind doch die Begriffe selbst vollständig %5 Vgl. oben Fußn. 3. 631 bestimmt, in ihren Verbindungen durchaus begrünkenntnis ist, dann ist die Erkenntnis, welche Aristo- 2 Vgl. das ganze 5. Buch der Nikomach. Ethik, p. 1129a, 1f. Jahrgang 14 Hett ri G96.) K+ VON Farrz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primat der Griechen, II des Werdens und Vergehens, in welcher wir leben, nur ein unvollkommenes Abbild ist. Für Aristoteles ist gerade die Welt des Werdens und Vergehens, in welcher wir leben, die wahrhaft wirkliche und reale hen, gibt es doch einen Punkt oder ein Gebiet, wo sie einander ganz nahe kommen. Platon war bei der Begründung seiner Ideenlehre, wo sie zuerst. als Lehre auftritt, von der Feststellung ausgegangen, Noch deutlicher wird dieser Zusammenhang an der Stelle, wo der eigentliche Sinn der aristotelischen Teleologie als eines Mittels, sich in der Welt zu orientieren, gelegen ist, Die vollkommene Tanne gibt es ebenso wie die Gleichheit nur in Approximation; und statistisch sind die ziemlich stark verkrüppelten Tannen, da die Tannen sehr viel in dichten Wäldern zusammenstehen, wo sie sich gegenseitig das Licht wegnehmen und sich nicht voll entfalten können, vermutlich bei weitem in der Überzahl. Trotzdem weiß jeder, was eine voll entwickelte schöne Tanne ist und daß dies etwas vor andern Tannen Ausgezeichnetes ist. Auch hier ragt in die Erfahrung etwas hinein, was in reiner Gestalt innerhalb der Erfahrung nicht zu finden und doch für die Orientierung innerhalb der Erfahrung ganz unentbehrlich ist. Denn an dem hier aufgewiesenen Zusammenhang ändert es durchaus nichts, wenn etwa innerhalb eines japanischen Gartens eine in gewisser Weise verkrüppelte Tanne schöner als eine gerade und unverkrüppelt gewachsene ist. Denn solche Ausnahmen gelten nur innerhalb eines größeren und spezifischen Zusammenhanges. Niemand wird wohl eine Tanne, die innerhalb eines dichten Tannenwaldes in ihrem unteren Teil verkrüppelt und verdorrt ist und nur oben einen grünen Wipfel hat, innerhalb eines japanischen Gartens schön finden. So illustriert das Beispiel nur, was auch von Platon ausdrücklich bemerkt worden ist: daß es nicht darauf ankomme, daß ein einzelnes Teilstück für sich die höchste Vollkommenheit besitze, sondern daß in dem größeren Zusammenhang, dem das einzelne angehört, alles harmonisch zusammenpasse.

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Studium Generale In einem noch weiteren und höheren Sinn gehért das Wort des Heraklit#3, daß die verborgene Harmonie stärker und besser sei als die offenbare, in Rede. Worin sich der aristotelische Begriff der Ethik von dem uns geläufigen der Moral unterscheidiesen Zusammenhang: ebenso die Tatsache, daß es ist jedenfalls charakteristisch, daß die wichtigste und umfangreichste der „ethischen“ Schriften des Aristoeine Gunst der Verhältnisse und äußeren Umstände und Bedingungen gibt, die nicht zur Erreichung der möglichst vollkommenen Form verhilft, sondern zur Verweichlichung führt und so die Erreichung des vollkommensten Telos verhindert. Vielleicht kann man sagen, daß Platon in seinem Staat gegen diese Einsicht verstoßen hat, indem er einen Idealstaat konstruierte, in dem Sokrates nicht hingerichtet worden wäre, aber dabei übersehen hat, daß in einem solchen Staat, in welchem jeder von Kindheit auf fast unausweichlich mit mehr oder minder sanfter Gewalt auf dem Weg der Tugend gehalten würde, ein Sokrates gar nicht hätte entstehen können. Dagegen hat Aristoteles dem Rechnung getragen, indem er Raum ließ für die Auseinandersetzung über das, was recht und unrecht ist, eine Auseinandersetzung, die nicht mehr möglich ist, wo das Rechte für jeden Fall von außen her definitiv festgelegt ist. Aber das ändert nichts daran, daß ohne ein auf eine, wenn auch nicht an der Oberfläche liegende, so doch von der Willkür des einzelnen unabhängige und bis zu einem gewissenGrad erkennbareHarmonie des Telos gerichtetes Erkenntnisstreben das menschliche Leben die Richtung verliert und chaotisch wird. An dieser Stelle erhebt sich jedoch noch ein weiteres und zentrales Problem. Die teleologisch ausgerichtere „Wissenschaft“ des Aristoteles kann nicht nach absoluter &xoiBera streben. Dadurch bleibt auch die Möglichkeit der Auseinandersetzung über das, was recht und unrecht ist, erhalten. Aber dieser unvermeidliche Mangel an éxgiBera und diese Freiheit der Auseinandersetzung in den speziellen Fragen bedeuter ganz und gar nicht, daß es bei der einzelnen Handlung oder Entscheidung des Menschen nicht so sehr darauf ankäme, ob er ein wenig mehr oder ein wenig weniger recht oder unrecht tut, Wo es sich um eine moralische oder um eine rechtliche Entscheidung handelt, soll sie vielmehr ohne Einschränkung recht und richtig sein. Damit ist nun eine Unterscheidung eingeführt worden, die bisher nicht gemacht worden ist, die aber von grundlegender Bedeutung ist. Die Schrift oder Schriften, aus denen das, was im Vorhergehenden über den Sinn der aristotelischen Teleologie und die Erkenntnis, die Aristoteles auf dem Grunde seiner Teleologie erstrebte, gesagt worden ist, zum weitaus größten Teil entnommen wurde, tragen alle den Titel Ethica, und vom Ethos ist in ihnen viel die 220 Val, Diels/Kranz. Varsokratiker 22B 54. det, kann hier nicht mehr erörtert werden. Aber das teles, die sogenannte Nikomachische Ethik, am Ende unmittelbar auf das erste Buch seiner Politica hinweist, und daß das meiste von dem, was Aristoteles im ersten Buch der Politica zu sagen hat, mit Dingen, die er in der Nikomachischen Ethik behandelt, im allerengsten Zusammenhang steht. Doch auch innerhalb der Nikomachischen Ethik werden, vor allem im ersten Buch, Dinge, die wir zur Ethik rechnen, unmittelbar neben Dingen, die wir zur Rechtslehre, und neben Dingen, die wir zur Soziologie, zur politischen Wissenschaft und selbst zur Wirtschaftswissenschaft rechnen würden, behandelt, Dies ist vom Standpunkt des Aristoteles aus ganz berechtigt, da es sich auf allen diesen Gebieten um richtiges oder unrichtiges menschliches Handeln handelt und da alle diese Gebiete von den menschlichen Tele und ihrer nicht von den Wünschen oder Meinungen der Menschen bestimmten, sondern objektiv feststellbaren Rangordnung her erhellt werden. Aber Jahrgang 14 ett ti ige, K- von Frrrz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Primac der Griechen. TI den andern iibertragbaren Erkenntnissen: und zwar dung getroffen werden: muß, in Verbindung zu set- - sowohl zu praktischen Zwecken wie auch vor allem zen. Das Mittel hierzu ist nach Platons Meinung die zur Gesamtorientierung in der Welt. Aus dem StreDialektik, sei es nun, daß sie sich in einem Einzelnen ben nach dem Exakten und Gesicherten erklärt sich vollzieht, wie es bei Sokrates der Fall gewesen sein der bei den Griechen von Anfang an so stark in mag, als er 24 Stunden auf einem Fleck nachden- Erscheinung tretende Finitismus und die Tendenz kend stehen blieb, oder in der dialektischen Ausein- zur Entanthropomorphisierung der Welterklärung, andersetzung im wirklichen Gespräch, wie Sokrates die von Anfang an vorhanden ist, aber erst bei Dees mit anderen zu führen pflegte. Ob und wieweit mokrit und den Atomisten ihren Höhepunkt erdies gültig ist oder vielmehr die Meinung des alten reicht. Das Streben nach Gesamtorientierung in der Cato und anderer??? richtig ist, daß der rechtschaf- Welt führt zu Anfang zu gewaltigen Verallgemeisie mit dem konkreten Fall, für den die Entscheifene Mensch ohne viel Nachdenken wisse, was nerungen auf zunächst sehr schmaler Grundlage, die jeweils „das rechte“ sei, soll hier nicht erörtert werden. Im einen wie im andern Falle aber ist es nicht aber immer sogleich wieder nachgeprüft werden, was dann vielfach zu neuen und unerwarteten Erkenntnissen Anlaß gegeben har. eine Erkenntnis, die sich wie ein mathematischer Satz allgemein formulieren und ohne Verlust von einem Menschen auf den andern übertragen läßt. Obwohl in Platons Sinn eine &xıottum, ein „Wissen“, und obwohl sie im einzelnen von großer Festigkeit und Sicherheit sein kann, ist sie doch auch im Sinne Staatsmannes darüber, wie weit, mit welchen Mitder Wissenschaftsdefinition Diltheys keine Wissenschaft, da sie in keiner Weise in ein System, auch nicht in ein offenes, gebracht werden kann. Trotzdem ist es wohl kaum richtig, ihr darum auch den Charakter der Erkenntnis als solchen abzutreten. Die von Aristoteles erstrebte Wissenschaft auf teleologischer Grundlage nimmt als systematische Daseinserhellung eine Zwischenstellung zwischen dieser nichtwissenschaftlichen Erkenntnis und der wissenteln und in welcher Form in einem Staatswesen schaftlichen Erkenntnis im engeren Sinne, die auf „recht“ bedeutet etwas anderes bei einer im engeren Sinne moralischen Entscheidung oder bei einem richterlichen Spruch, die selbst wieder verschiedener Natur sind, als „richtig“ bei der Entscheidung eines unter gegebenen Bedingungen Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit oder einer der verschiedenen Arten proportionaler politischer Gleichheit zu verwirklichen sind. Die Grenze, innerhalb deren das „rechte“ oder „richtige“ eingeschlossen und bestimmt werden kann, sind in den beiden ersten Fällen sehr viel enger, und die Forderung, es exakt zu verwirklichen, daher sehr viel schärfer als im dritten Fall. Die an den Tele des Menschen orientierte Methode des Aristoteles, die er auf alle die genannten Gebiete anwendet, ist jedoch überall nur imstande anzugeben, innerhalb welchen engeren oder weiteren Umkreisen das „rechte“ und das „richtige“ liegt, nicht jedoch, es in der ganz konkreten Situation exakt zu bezeichnen, Sie bedarf daher der Ergänzung, Diese Ergänzung aber kann, wie schon Platon im Staatsmann, im siebenten Brief und an anderen Stellen ausgesprochen hatte und Aristoteles in der Nikomachischen Ethik indirekt bestätigt hat, nicht wieder in einer Wissenschaft bestehen, die sich in allgemeinen Sätzen formulieren und schriftlich ein für allemal fixieren läßt. Sie kann nach Platons Meinung nur gefunden werden in dem Versuch, sich an der iôéa tod &vadoü direkt zu orientieren und 633 In der zweiten, aber auch noch sehr frühen Phase dieser Entwicklung steht vor allem das Bestreben im Vordergrund, die Lücke zwischen den ganz einfachen Feststellungen, von denen die Welterklärung ausgeht, und ihrem Endpunkt, d.h, dem Versuch einer Erklärung der Welt als ganzer, auszufüllen. Hier wurde schon früh, z. T, unterstützt, z. T. aber auch beeinträchtigt, durch das in den Oligarchien und Demokratien des Westens schnell an Bedeutung gewinnende politische Argumentieren, eine Technik, des logisch fortschreitenden Beweisens entwickelt, dem Fundament einfacher und exakter Sätze ein wenn auch die theoretische Untersuchung der Gesetze des logischen Denkens erst viel späteren Datums ist. Von Anfang an spielt ferner das Verifizieren vermuteter Erkenntnisse oder Einsichten eine schr große Rolle, Dabei werden verschiedene Arten Gebäude errichtet, ein. des Verifizierens erprobt und teilweise als ungenü9, Es bleibt noch übrig, so kurz als möglich das Resulrar dieser Untersuchung zusammenzufassen. Das Neue, das die Griechen in die Geschichte des menschlichen Strebens nach Erkenntnis hineingebracht haben, ist aus einer ganz besonderen historischen Situation hervorgegangen, die ihnen innerhalb einer kulturell überlegenen Umgebung mit einander in einer verwirrenden Weise widersprechenden Traditionen eine Neuorientierung zur Notwendigkeit machte. Aus dieser Situation ergab sich ein dringendes Bediirfnis nach festen, gesicherten, jedermann begreiflichen und ohne Verlust von einem Menschen auf 237 Platons Zeitgenosse Theopomp von Chios hat (vgl. F. Jacoby, Fragmente der griechischen Historiker 115 F 275) Platon heftig angegriffen, weil er durch seine unaufhörlichen Fragen, was das rechte sei, das natürliche Gefühl für das, was recht ist, nur unsicher mache, „als ob nicht jeder anständige Mensch wüßte, was recht und gut ist“! Es ist aber vielleicht charakteristisch, daß Theopomp ebenso wie Cato sehr geneigt war, die anständigen Menschen mit den Konservativen zu identifizieren (vgl. darüber auch Antike und Abendland IV, p. 47 É£.). Studium Generale (Berl.), 14, Jahrg. gend wieder fallen gelassen und durch andere, teilweise auch durch reine Axiomatik ersetzt. Auch das Experiment spielt schon früh dabei eine Rolle, hat aber im Altertum nie auch nur entfernt die Bedeutung gewonnen, die es in der modernen Naturwissenschaft hat. Vor allem ist die Spezialisierung des Verifizierens auf die Verifizierung durch das Eintreffen vorausgesagter ktinfliger Ereignisse dem Altertum ganz fremd, wenn diese Art des Verifizierens selbst auch keineswegs ganz unbekannt ist. Darin kommt ein tiefliegender Unterschied zwischen antiker und moderner Wissenschaft zum Ausdruck. Zwar sind alle von den alten Griechen ausgebildeten Methoden der wissenschaftlichen Erkenntnis von den Modernen übernommen worden und hat die antike Wissenschaft bei dem Wiedererwachen der Wissenschaft im Abendlande in der zweiten Hälfte des sechzehnten und im siebzehnten Jahrhundert einen so entscheidenden Einfluß ausgeübt, daß die Entwicklung der modernen Wissenschaft ohne diesen entscheidenden Anstoß gar nicht zu denken ist. Doch war in der modernen Wissenschaft

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von Anfang an das Streben in viel höherem Grade auf das Erzeugen von Stoffen und Gegenständen, später von Apparaten und Maschinen ausgerichtet, während dies alles in der antiken Wissenschaft eine verhältnismäßig ganz untergeordnete Rolle spielt, da diese vor allem auf Strukturerkenntnisse um ihrer selbst willen gerichtet ist. Damit hängt es auch zusammen, daß in der modernen Wissenschaft immer mehr die reine Kausalerklärung zur Herrschaft gelangt ist; und zwar so sehr, daß weithin bewußt oder unbewußt das Prinzip beherrschend geworden ist, daß nur eine Kausalerklärung die Bezeichnung „Erklärung“ verdiene, Bei dem antiken Streben nach Erkenntnis der Struktur der Welt ist schon ganz früh die Frage aufgetreten, wie weit die mit Hilfe der wissenschaftlichen Analyse der Erscheinungen entdeckten Strukturen wirklich den Dingen selber anhaften oder ihnen vielleicht erst durch den menschlichen Geist oder das menschliche Erkenntnisvermögen auferlegt oder aufgeprägt werden. Diese Frage wurde von der modernen Erkenntnistheorie in noch sehr viel radikalerer Form gestellt. Ein so großer Physiker wie L. Boltzmann hat darauf geantwortet, der beste Beweis für die Richtigkeit der von der theoretischen Physik gewonnenen Erkenntnisse sei, daß die Maschinen, die auf Grund der von dieser Wissenschaft entdeckten Gesetze gebaut sind, gehen. Aber das gilt nur für die Gesetze, soweit sie in mathematische Formeln fixiert sind, Die Strukturvorstellungen, mit deren Hilfe diese Formeln gefunden worden sind, haben sich immer wieder geändert und widersprechen einander zum großen Teil. Sie können daher nicht als durch das Funktionieren der Maschinen bewiesen gelten. Die positivistische Interpretation der Wissenschaft scheint, so betrachtet, recht zu behalten. Dann aber ergib sich ein ganz paradoxes Resultat. Gerade das, was die Griechen seit dem Ende des siebten Jahrhunderts v.Chr. durch die von ihnen ausgebildete Erkenntnismethode zu erreichen und auf eine ganz neue und feste Basis zu stellen versucht hatten, eine wirklich exakte und gesicherte Einsicht in die Gesamtstruktur der Welt, wird durch diese Methode nicht erreicht. Wozu sie statt dessen schließlich geführt hat, was aber zu Anfang nur ein Nebenanliegen und ganz und gar nicht das Hauptanliegen ihrer Schöpfer gewesen war, das ist die Fähigkeit, auf gewissen Gebieten künftige Ereignisse vorauszusagen bzw. vor allem künftige Ereignisse zu bewirken; mit andern Worten: das von ihren Schöpfern weder erstrebte noch vorausgesehene Ergebnis ist das, was man die zunehmende Beherrschung der Natur durch den Menschen nennen kann. Alles, was darüber hinausgeht, scheint, wie es von den konsequen- Studium Generale testen Positivisten auch aufs deutlichste ausgesprochen wird, nur in Hilfsfiktionen zu bestehen, die über ihren Funktionswert hinaus keinen eigenen Wahrheitswert besitzen. Aber nun kann man doch die Frage stellen, ob die positivistische Interpretation der Wissenschaft die einzige mögliche ist. Gerade die größten modernen Physiker wie Max Planck und Werner Heisenberg haben sich nie ganz der positivistischen Interpretation der modernen Wissenschaft verschrieben, son- Jahrgang 14 Heft 11 (1961) Antimetaphysiker und Positivisten meist nicht ausgesprochen wird. Rein menschlich genommen kann gar kein Zweifel daran sein, daß die Mehrzahl der Mathematiker ihre Wissenschaft um ihrer selbst willen liebt, d.h. um der ihren Erkenntnissen als Erkenntnissen von verborgenen Ordnungen innewohnenden Schönheit willen und nicht wegen der Dienste, welche sie einer Maschinen und Raketen produzierenden angewandten Wissenschaft zu leisten im Stande ist, was Bacon allein als Sinn der dern daran festgehalten, daß die moderne Wissenschaft auch zu wirklichen Strukturerkenntnissen Mathematik hatte wollen gelten lassen?*°. Nicht sehr viel anders steht es mit nicht ganz wenigen gerade führe, obwohl niemand besser als sie weiß, daß die der führenden Physiker. Das zeigt, daß uneingeanschaulichen Strukturvorstellungen, mit denen der moderne Physiker arbeiter, nicht verbindlich sind, sondern austauschbar, so daß sie ganz bewußt danach ausgewählt werden können, ob sie sich bequem in mathematische Formeln fassen lassen. Denn wenn auch die anschaulichen Strukturvorstellungen, mit deren Hilfe die mathematischen Formeln gefunden werden, nicht letzthin verbindlich, sondern weithin austauschbar sind, so haben doch die mathematischen Formeln selbst Strukturcharakre8, r Ja, die durch sie bezeichneten Strukturen sind „so miteinander verknüpft, daß man eigentlich an keiner Stelle mehr Änderungen vornehmen kann, ohne alle Zusammenhänge in Frage zu stellen“®%, Es ist auch sehr charakteristisch, daß Heisenberg auf diese Feststellung einen Vergleich mit der arabischen Bandornamentik folgen läßt, „bei der“, wie er sagt, „man kein einzelnes Blatt verändern könnte, ohne den Zusammenhang des Ganzen zu stören“. Hiermit gelangt man aus dem Bereich der Fiktionen einerseits, der bloßen Voraussage und Bewirkung künftiger Ereignisse zu praktischen Zwecken niederer Ordnung andererseits doch wieder in ein Bereich von Strukturerkenntnissen, in dem der Begriff der inhärenten Ordnung eine beherrschende Rolle spielt und, wie die Illustration durch das Beispiel von der Bandornamenten zeigt, selbst der Begriff der Schönheit nicht ganz ferne steht. Das hat aber eine ganz grundlegende Bedeutung, wenn es auch aus Furcht vor dem Verdammungsurteil der “3 Vgl. hierzu und zum Folgenden vor allem auch den ausgezeichneten Aufsatz von O. Becker „Die Aktualität des pythagoreischen Gedankens“ in „Die Gegenwart der Griechen im neueren Denken“, Festschrift für Hans-Georg Gadamer (Tibingen 1960), S. 7—30, der mir ganz wesentliche Einsichten zu enthalten scheint. Freilich unterscheidet auch er leider nicht deutlich zwischen dem, was heute (zum großen Teil mit Recht) als falsche Teleologie bekämpft zu werden pflegt, und der Teleologie des Aristoteles, die fälschlicherweise als damit identisch betrachtet wird. 29 W. Heisenberg in Naturwissenschaften 45, S. 243 (1958), zitiert von ©. Becker 2.2.0. S. 17, 635 K. von Fritz: Der Beginn universalwissenschaftlicher Bestrebungen und der Prima: der Griechen. II standen oder nur von wenigen eingestanden, doch eine geheime Beziehung zwischen der modernen Mathematik und dem besteht, was die Marhematik den antiken Pythagoreern und Platon bedeutet hatte: einer Wissenschaft von offenen oder verborgenen Strukturen und Ordnungen, die Schönheit besitzen”. Die Frage freilich, wie weit diese Ordnungen in Wirklichkeit unserem „Geiste“ oder unserem Erkenntnisvermögen innewohnende Ordnungsgesetze sind, die den Dingen unbewußt von uns auferlegt werden, um sie für uns erkennbar zu machen, oder den Dingen selbst unabhängig von unserem Erkenntnisvermögen zu eigen sind, ist eine erkenntnistheoretische Frage, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Aber auch im ersten Falle ist diese Ordnung doch immer noch insofern eine „objektive“ Ordnung als sie — auch als eine unserem Erkenntnisvermögen innewohnende Ordnung — nicht von uns geschaffen ist, noch willkürlich von uns verändert werden, sondern nur von uns entdeckt werden kann, und insofern als ihre Ordnungsstruktur nicht in ihren feineren Details für uns von Anfang durchsichtig ist, sondern erst Schritt für Schritt durch bewußtes Bemühen von uns erhellt werden muß, Sieht man sich nun diese beiden möglichen Interpretationen des Wesens der modernen Wissenschaft auf ihr Verhältnis zueinander und zu der Entwicklung der „exakten“ Wissenschaft bei den Griechen an, so enthüllt sich ein weiteres Paradox. Es hatte sich gezeigt, daß die Entwicklung des Neuen, das die Griechen zuerst geschaffen haben und das sich dann in die moderne Wissenschaft hinein fortgesetzt hat, vor allem auch ein Prozeß der Entanthropomorphisierung gewesen ist; und dies, d.h. der völlig entanthropomorphisierte Charakter der modernen Wissenschaft, wird auch heute noch als einer ihrer größten Vorzüge gegenüber anderen und frü0 Vgl. oben S. 620 f. 2 Vgl. oben $. 616. heren Bemühungen um Erkenntnis der Welt betont. Aber ob nun die Kausalität eine Form des (menschlichen) Verstandes a priori ist oder nicht, die Uberzeugung von der absoluten Gültigkeit des Kausalgeserzes ist gewiß nicht aus der Erfahrung gewonnen. Die Bedeutung dieses Gesetzes für den Menschen hängt unzweifelhaft mit seinem Wesen als homo faber zusammen. Als ein Dinge machender und herstellender braucht der Mensch die Kausalirät, weil er nur mit ihrer Hilfe etwas machen oder herstellen (aber auch nur durch Kausalerkenntnisse künftige Ereignisse voraussagen) kann, Damit ist es völlig in Übereinstimmung, daß das reine Kausaldenken eben in dem Maße vorherrschend geworden ist, als der Mensch sich auf das Machen und Herstellen von Dingen und das Bewirken von Ereignissen verlegt hat. Darin liegt jedoch ein sehr kräfttiges anthropomorphes Element trotz aller Entanthropomorphisierung der unbelebten Natur. Denn das Herstellen und Machen ist jeweils auf etwas gerichtet, was der Mensch als ihm nützlich betrachtet (im Sinne des sokratischen dnhös &yatbv). Umgekehrt richter sich das Streben nach reinen Strukturerkenntnissen unvermeidlich, wenn auch häufig unbewußt und uneingestanden, nach dem „Schönen“, das der platonischen idéu tot dyadoü verwandt ist, aus. Das bedeutet natürlich keineswegs, daß die Entanthropomorphisierung der Analyse der anorganischen Natur unberechtigt wäre oder gar rückgängig gemacht werden sollte. Es zeigt nur, daß der Mensch nicht über seinen Schatten springen kann; und es erlaubt, gewisse Verbindungslinien zu denjenigen Arten von Erkenntnis aufzuweisen, um welche sich Platon und Aristoteles bemüht haben. Denn es zeigt von Neuem, daß ohne eine ganz primäre Orientierung an „Werten“, um diesen nicht sehr glücklichen modernen Ausdruck an Stelle der sehr viel besseren antiken zu gebrauchen, als an ausgezeichneten Punkten die Welt ein Chaos bleibt und eine Erkenntnis irgendeiner Art unmöglich ist; und es ist nicht schwer zu sehen, daß die auf das Machen und Herstellen wie auf die Voraussage künftiger Ereignisse gerichtete positivistische Wissenschaft zu den untergeordneten Tele des Aristoteles, die auf geordnete Strukturen ausgerichtete Wissenschaft zu den höheren Tele des Aristoteles in einer gewissen Beziehung steht. Damit wird nun auch doch eine Brücke geschlagen von der scheinbar völlig entmenschlichten Welt der modernen Wissenschaft zu jener Erkenntnis der menschlichen Welt, um die sich Sokrates, Platon und Aristoteles bemüht haben. Reaktionen gegen den Versuch, mit Hilfe der zunächst noch neuen „wissenschaftlichen“ Methode die „wirkliche“ Struktur der Welt zu erkennen, eine

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Studium Generale sich in neuerer Zeit in die Disziplinen der philoso- K. Büchwer; Humanum und humanitas in der römischen Welt Struktur, die ganz anders ist als das, was wir vor ter der Welt, in der wir uns unmittelbar bewegen, neuten Nachprüfung zu geben. Jedenfalls wird sich ständnissen beruhen, und damit Anlaß zu einer erist, zu zeigen, daß zum mindesten einige scheinbar sehr gewichtige moderne Einwände gegen die Grundauffassungen des Aristoteles auf Mißvervorrufen. Doch genügt es schon, wenn es gelungen Kreisen eine fast dogmatische Geltung erlangt haben, mannigfachen und heftigen Widerstand herwelcher entgegengesetzte Auffassungen in weiten in diesem Zusammenhang solcher Formeln bedient. Wenn also im Vorhergehenden der Versuch gemacht worden ist, die Grundanschauung des Aristoteles in dieser Hinsicht zu rechtfertigen und zu verteidigen, so wird dies zweifellos in einer Zeit, in men Platz haben können, und sich selbst des öfteren war, daß in dienender Form auch mathematische Formeln in diesen Disziplinen durchaus ihren legitimatik und der reinen Naturwissenschaften unterscheiden müsse, obwohl er sich durchaus bewußt und warum sich die Methode dieser Wissenschaften mit Notwendigkeit von der Methode der Mathezu zeigen versucht, wie weit, in welcher Hinsicht, Augen sehen, hat es von sehr früh an gegeben: frei- .phischen Ethik, der Sozialwissenschaft, der politilich Reaktionen sehr verschiedener Art. Heraklit™® schen Wissenschaft und der Wirtschaftswissenschaft stellte der analysierenden und beweisenden Methode aufgespalten hat. Während vor allem jedoch die drei die Intuition gegenüber, verachtete aber nicht min- zuletzt genannten Disziplinen dazu neigen, sich so der als die „wissenschaftlichen“ Denker die Ein- sehr als möglich naturwissenschaftlichen Methoden sicht, welche die Menge der gewöhnlichen Men- anzunähern, weil diese allein als wahrhaft wissenschen zu haben glaubt. Die Sophisten verwarfen schaftlich gelten, sich aber eben damit der höchsten jeden Versuch, eine wahre oder wirkliche Welt hin- Orientierungsprinzipien berauben, hat Aristoteles vielen der enthusiastischsten Anhänger der positivizu konstruieren und wollten der Orientierung in eben dieser uns unmittelbar zugänglichen Welt dienen, blieben aber an der Oberfläche, Sokrates und Platon haben versucht, die Orientierung in der Welt, in der wir handeln und Entscheidungen treffen müssen, tiefer zu begründen; und die erschrekkenden Möglichkeiten, welche die neuesten Resultate der auf das Machen und Herstellen gerichteten Wissenschaft eröffner haben, haben vielleicht auch stisch orientierten Wissenschaft die Augen darüber geöffnet, daß Sokrates und Platon nicht ganz unrecht hatten, wenn sie nicht aufhörten, darauf hinzuweisen, daß wichtiger als der Besitz von Gütern und Instrumenten der Macht, für den Menschen eine Erkenntnis sei, die ihn dazu befähigt und veranlaßt, von solchen Gütern und Instrumenten den richtigen Gebrauch zu machen. Aber erst Aristoteles hat den Versuch gemacht, senschaftlichen Bemühungen der Griechen nicht nur auf teleologischer Grundlage eine systematische Wissenschaft der Daseinserhellung und Lebensorienticrung aufzubauen, die mit der Wissenschaft im engesenschaftlicher Erkenntnis es geben könne, etwas = beizutragen vermag. eigentlich sei oder welche verschiedenen Arten wisauch zur Klärung der Frage, was Wissenschaft ein historisches Kuriositätsinteresse hat, sondern kaum leugnen lassen, daß die Geschichte der wisren Sinne auch methodisch manches gemeinsam har, in dem innersten Wesen ihrer Methode sich aber doch grundlegend von ihr unterscheidet. In dieser Wissenschaft ist bei ihm noch weitgehend, wenn auch nicht vollständig, ununterschieden vereinigt, was Humanum un SRAD at humanitas in der römischen Welt GENRE HWV (Dr. phil. Kurt v. Fritz, o. Professor für klassische Philologie an der Universität München, München 22, Veterinärstr. 2) 342 Vol. oben S. 563 f. IN. Von wendig mitgegeben ist, ohne Einfluß auf diese Begriffe bleiben können, sofern sie sich nicht als absolut und starr-dogmatisch verstehen, sondern die Elastizität des echten Begriffes behalten. Theoretisch ist es sogar denkbar, daß im Raum des Gedächtmung der Wörter humanum und humanitas notauf das allgemein Menschliche, die mit einer Bestim- K. BÜCHNER Von der humanitas in der römischen Welt zu sprechen ist nicht nur eine antiquarische Bemühung, die auf die Begriffe wie Humanität, Humanismus, weil diese Begriffe inzwischen längst ihre losgelöste das Humane keinen Einfluß mehr haben könnte, gewonnen haben. Vielmehr wird keine Besinnung Entwicklung genommen und ein eigenes Schicksal