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Abhandlungen
Philo Pythagoricus
Die Gnosis Philos von Alexandrien im Spiegel der
hochmittelalterlichen Literatur
von
Hans Bayer (Saarbriicken)
Die Geisteswelt des Philo Judaeus' hat in der Geschichte der mittelalterlichen
Literatur keinen Platz. Philo ist hier nicht einmal ein Name. Dasselbe trifft im
Prinzip für die Häresieforschung zu. Dabei beruft sich der Verfasser des fingierten
Abälard-Heloise-Briefwechsels (= AbHeBr bzw. Pseudo-Abälard im folgenden) gar
auf den Philo Pythagoricus als großen Lehrer der Christenheit? Wie Thomas de
! Les œuvres de Philon d'Alexandrie (Ausg. R. ARNALDEZ u. a.), [961
ff. - De Vita Contemplativa
=Contempi), Ausg. F. DAUMAS / P. MIQUEL, Paris 1963. - Quod omnis probus liber sit (=Prob),
Ausg. M. PETIT, Paris 1974. - Deutsche Übertragung von L. COHN und I. HEINEMANN
(71962). Bibliographie 1937-1986 von R. Radice / D. T. Runia (1988).
Zur Gnosis Philos siehe die Artikel Philon (H. LEISEGANG) und Therapeutai (1. HEINE-
MANN) in PAULY-WISSOWA, Realencyklopádie der klassischen Altertumswissenschaft, 20/1
(1941) 1-50 bzw. V 2 (1934) 2321-2346. - J. DANIELOU, Philon d'Alexandrie, Paris 1958. - Siehe
auch E. R. GOODENOUGH, An Introduction to Philo Judaeus, Oxford 71962. - Ders., The Politics
of Philo Judacus. Practice and Theory, New Haven 1938 (Neudr. Hildesheim 1967). (Bibliographie
und Handschriften). - Coiloques Nationaux du Centre National de la Recherche Scientifique, Philon
d'Alexandrie, Lyon 11-15 Septembre 1966, Paris 1967. Hier bes. S. 169ff. (P. BOYANCE) zu den
engen Bezichungen zwischen Philos Werk und der Exegese griechischer Mythologie (vgl.
Gunthers von Pairis De oratione); S. 207{f. (P. BRAUCHAMP) zum vom Himmel regnenden
Manna als Symbol gnostisch gefaßter Weisheit und Seelennahrung (siehe weiter unten zur
Minnegrotte Gottfrieds von Straßburg); S. 361 ff. (A. GUILLAUMONT) zu Eusebius’ Deutung
der Therapeuten als friihchristliche Gemeinde von Alexandrien (ebenso Hieronymus, De viris
illustribus 11; Johannes Cassianus, {nstitutiones 2,5) und Philos Vorstellung einer geistigen Ehe.
H. A. WOLFSON, Philo. Foundations of Religious Philosophy, 2 Bde, Cambridge/Mass. 1948, Bd.
11, S. 94fF. zu den Priidikaten Gottes. Vel. Philos &xatovopitotov (WOLFSON: “unnamable”) und
Gunthers innominabilis (De oratione, ieiunio et elemosyna, MIGNE, PL 212, Sp. 101 T., bes.
137 1T.); Philos ¿ppñtov (“ineffable”) und Gunthers ineffabilis; Philos Begriff der Eigenschaflslosigkeit Gottes (¬og), erläutert am Beispiel der Eigenschaft „Weiß“, und Gunthers defectus
Proprietatis (vel. seine bekennerhafte Aussage: ego me nescire confiteor, d. h. er weiß es nicht,
welche Eigenschaft er Gott zuschreiben soll), erläutert am Beispiel albedo (homo albus); schließlich Philos Verwerfung einer menschenähnlichen Vorstellung Gottes (avOpwndpopyas) und
Gunthers Verwerfung der Anthropomorphitae, die Gott in forma hominis gestalten. Siehe schon
meinen Hinweis auf Gunthers Neuplatonismus in: Gunther von Pairis und Gottfried von
Straßburg, Miatdb 13 (1978) 140-183, bes. 171. Gunther und Gottfried sind nachweislich Phila-
Jünger mit gleich hervorragender Kenntnis des griechischen (!) Opus Philoneum.
? Schon Clemens von Alexandrien spricht sachgemäß vom Philo Pythagoricus. Sein „Philonismus“
tritt z. B. darin zutage, daß cr (wie im Prinzip die gesamte gnostisch-manichäische Tradition)
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fhito
Gresis
Pagina 2
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Hans Bayer
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Philo Pythagoricus
Lebensform, Brauchtum, Heiligtiimer usw. genau kennt, sondern an die jüdischen
Schriften von außen „wie an etwas Fremdes herantritt, dessen Gehalt er sich selbst
und andern erst erschließen muß“ (Leisegang). Philos Bibeltext ist der griechische
der Septuaginta. Vom AT kennt er genauer nur die Thora. Offenbar lernte er die
jüdische Religion erst während der Arbeit der (spiritualistischen) Auslegung ken-
Bretagne schöpft der Pseudo-Abälard in der Tat aus einer neuplatonisch-gnostischen Tradition, die sich bis in die Begriffswelt hinein von Philo (ca. 25 v. Chr. ~ 49
n. Chr.) über die Messalianer (Euchiten) und Priscillianer bis zum hochmittelalterlichen Katharismus verfolgen läßt.’ Der Autor der katharischen Propagandaschrift
De laude eremi (Pseudo-Eucherius), die Gottfrieds Minnegrotte-Allegorese
zugrunde liegt, aber auch wesentliche Formulierungen Eckharts enthält, stiitzt
nen, die zahlreiche Irrtümer und völlig unjüdische Auffassungen enthält.’ Das
alexandrinische Judentum läßt keinerlei Philo-Verehrung erkennen. Kein einziger
sich bei seiner Propagierung der Frei-Geist-Idee auf Philo, Origenes und Kassian.*
heidnischer Schriftsteller hat ihn zitiert. Die ältesten Kirchenväter, voran Clemens
von Alexandrien und Eusebius, deuteten seine gnostische Vorstellungswelt und
Philo ist nach wie vor ein Rätsel der abendländischen Geistes- und Kirchen-
Askese im Sinne der praeparatio evangelica und urchristlichen Lebensform
geschichte, aber auch der Judaistik. Wegen zahlloser Widersprüche und Ungereimtheiten wurde mit Recht bezweifelt, daß die im gnostischen Sinne propagandistisch-
251
perfecti und credentes unterscheidet, die Elite der „wahren Gnostiker* (= Christen!), die zur Gott-
Die in Prob und Contemp! geschilderten asketisch-kontemplativen Gemeinschaften (Essener, Therapeuten) haben das Mittelalter in besonderem Maße fasziniert.
Die asketische Lebensform der Essener, die der Pseudo-Abälard im Kontext einer
fontevristischen Vorstellungswelt anführt,” beinhaltet die Abtötung der Sinnlichkeit durch Enthaltsamkeit, ferner Abschließung von der Menge, Meditation, Ehelosigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit („essenischer Kommunismus“), schlieBlich Vollkommenheit als Endziel des asketischen Strebens. Mit ihren eigentümlichen Riten und Reigen erscheinen die Therapeuten als Vorläufer der klösterlich
schau fähig sind, und die sonstigen Gläuben. Siche E. de FAYE, Clément d’Alexandrie. Etude sur
gesinnten Messalianer, gnostici, die von den Zeitgenossen als „Choreuten“ und
tendenziösen Schriften Quod omnis probus liber sit (= prob) und De vita contemplativa (= contempl) aus Philos Feder stammen. In früheren Jahrhunderten wurden
gar der ganze Philo oder Großteile des Opus Philoneum als gnostische Fälschung
angesehen. Philo-Forscher wie I. Heinemann, H. Leisegang, E. Stein u. a. haben
aufgezeigt, daß der Gnostiker (so die überwiegende Einordnung) nicht in der jüdischen Gedankenwelt und Literatur lebt, ja nicht einmal jüdische Spiritualität,
les rapports du christianisme et de la philosophie grecque au If siècle, Paris 1906, 274ff.: „Le Gnostique“,
Der Abälard-Heloise-Briefwechsel {abgek.: AbHeBr bzw. Pseudo-Abälard ) wird zitiert nach der
Ausgabe von J. T. MUCKLE und T. P. MCLAUGHLIN (Mediaeval Studies) in den Jahrgängen
12 (1950): Historia Calamitatum; 15 (1953): Ep. I-IV; 17 (1955): Ep. V-VI; 18 (1956): Ep. VI. Ein
schwerwiegendes Versehen der Forschung: Ep. VII ist (außer der Einleitung) die kritische Replik
auf den gesamten fingierten (häretischen) Briefwechsel, wie in der Zeitschrift für Kirchengeschichte im einzelnen nachgewiesen wurde. Siehe ebd. 100 (1989) 3-32.
„Sonnenanbeter“ charakterisiert wurden.* Beide Elemente werden vom PseudoAbälard und (als persönliches Bekenntnis) von Gottfried angeführt. Der „sonnenanbetende“ Gnostiker wird als hoffärtiger Kater (= Katharer) in der Wartburgkriegdichtung persifiliert.?
Es spricht viel dafür, daß Prob und Contempi als ausgeprägt propagandistische
Schriften (vor Eusebius) durch gnostische bzw. manichäische Kreise des dritten
Jahrhunderts in der üblichen Weise auf der Basis genuin philonischer Diktion und
Vorstellungen sowie mittels Anknüpfung („Verzahnung“) an das vorhandene Opus
Diese Tradition wurde von der Hiresieforschung nicht wirklich gesehen. Siehe zur hochmittelalterlichen Gnosis A. DONDAINE in: Rivista di Storia della Chiesa in Italia 6 (1952) 47-78;
P. ALPHANDERY in: Revue d'Histoire et de Philosophie religieuse 7 (1927) 395-411; L. VARGA
Philoneum fingiert wurden. Ähnlich verfuhren noch die gnostischen Kabbalisten
in: Revue de l'histoire des religions 120 (1939) 175-193; H. SODERBERG, La Religion des Cathares,
Uppsala 1949, 311f., 25017. - A. BORST, Die Katharer, Stuttgart 1953, 1-58. Lediglich I. von
DÖLLINGER (Beiträge zur Sektengeschichte des Mittelalters, I, 1890, S. 34{E, SAff.) würdigt die
Rolle von Messalianern (Euchiten) und Priscillianern bei der Übermittlung gnostischen Gedan-
5 Siehe den Philo-Artikel von H. LEISEGANG (Anm. 1).
kengutes an den Katharismus.
Zu den Messsalianern siehe: A. M. BURG, Messatianische Schriften und Lehren um das Jahr 400,
€ Hierzu E. de FAYE (Anm. 2).
Diss. Freiburg im Br. 1942 (Masch.). - A. VOOBUS, History ofAsceticism in the Syrian Orient, 2
Bde., Louvain 1958-1960, I, S, 123-139. - E.A. DAVIDS, Das Bild vom Neuen Menschen. Ein Beitrag zum Verständnis des Corpus Macarianum, Salzburg-München 1968, 13-23. Zum Messalianismus im Spiegel der antiken Ketzerbestreiter, des AbHeBrund anderer hochmittelalterlicher Literatur siehe Hans BAYER, Abälard-Heloise-Briefwechsel und Conte du Graal in ihrer Zeit, in:
Zeitschrift für Kirchengeschichte 1989 (100) 3-32. - Zur historischen und philonischen Substanz
des Tristanromans von Thomas de Bretagne (Statuensaal) siehe ders., Antifeudalismus im Geiste
der Gnosis. Der Tristanroman des Thomas de Bretagne und das Haus Anjou-Plantagenet, in: Gesellschaftsgeschichte. Festschr. f. K. BOSL, hrsg. von F. SEIBT, München 1988, Bd. 1, S. 55-70.
* Hierzu Hans BAYER, Vita in deserto - Kassians Askese der Einöde und die mittelalterliche Frauenmystik, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 98 (1987) 1-27, bes. 2(f. - Zur Kassian-Schwärmerei
des 11./12. Jh. und ihrem Einfluß auf Robert von Arbrissel siehe die Beiträge in L'eremisismo in
occidente nei secoli XI e XH, Milano 1965.
Siehe meine Aufsätze über den AbHeBr und Thomas de Bretagne (Anm. 3 und 4); ferner: Hans
BAYER, religio vitae - Der Abälard-Heloise-Briefwechsel und die hochmittelalterliche Gnosis, in:
Romanistische Zeitschrift für Literaturgeschichte 13 (1989) 221-245.
? M. FRIEDLÄNDER, Die religiösen Bewegungen innerhalb des Judentums im Zeitalter Jesu, Berlin
1905, Neudr. 1974, S. 114fT. - A. HILGENFELD, Die Ketzergeschichte des Urchristentums, Leipzig
1884, 87-149. - A. GUILLAUMONT in: Colloques (Anm. 1) 361. - BAYER, religio vitae (Anm.
~
7). - Siehe insbesondere die Einleitung zu De vita contemplativa (Anm. |) und den Artikel Therapeutai von I. Heinemann (Anm. 1).
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Siehe Hans BAYER, Meister Klingsor und Heinrich von Ofterdingen, in: MlarJb 17 (1982) 157-192,
bes. 178 zu dem (elitären) Kater, der sich für so zart und edel hielt, daß er sich mit der aufgehenden Sonne vereinigen wollte, schließlich adch siner rehten (1) art ein Tier nahm, das Mäuse fing.
Zur Herleitung von ‘Ketzer’ aus ‘Kalter’ bzw. catharus siehe DÖLLINGER, Beiträge (Anm. 3) II,
S. 9, 293, 296. - J. DUVERNOY, Le cathurisme: La religion des cathares, Toulouse 1976, 303. Alanus ab Insulis, De fide catholica, MIGNE, PL 210, Sp. 366 (catharus aus catus).
Pagina 3
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)des Hochmittelalters, die im Unter
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Aus Platzgründen werden die andernorts angeführen Belege für die Verarbeitung
von Philo-Texten in dieser Literatur hier nicht mehr eigens angeführt, so Thomas’
_ Statuensaal (Philos Verwerfung der Kaiserbildnisse Alexandriens In Flaccum $ 3644), die „Choreuten“ der Minnegrotte als „Himmelsbürger“ (contempl $$ 11-13, ebr
$ 146-148), die Einzelheiten der Sonnenmetaphysik. Auch Chrétiens Unterscheidung von le graal und un graalim Anschluß an Philos Unterscheidung der Bezeichnungen Gottes (mit und ohne Artikel) bedarf keiner weiteren Erwähnung mehr,
desgleichen die theologische Substanz von De laude eremi als Grundlage von Gottfrieds Minnegrotte.”
Die , Unwegsamkeit“ der Pfade der Weisheit - Esoterik und Geistesadel
Mit Berufung auf die „hochheilige Gemeinschaft der Pythagoreer“ heißt es Prob
$ 2, „man solle nicht auf vielbegangenen Straßen einherschreiten“, sondern sich
über die „Meinungen der Masse“ erheben, der „Unreinen“ und „Uneingeweihten“, denen niemals wahre Bildung zuteil wurde. Diese vermögen „wegen der
Schwäche ihres seelischen Auges, das naturgemäß durch den strahlenden Glanz
geblendet wird, das intelligible Licht nicht zu sehen“ (§§ 3-5 - vel. Platons Höhlengleichnis). Nur „eine kleine Schar von Menschen“ betritt die „unwegsamen“
Pfade der Weisheit und Tugend, nämlich jene, die sich „echter Weisheit hingegeben haben und nur mit dem sittlich Guten Gemeinschaft suchen, unbekümmert um alles andere“ (De agricultura § 104).
Sowohl die Vorstellung der „Unwegsamkeit“ der Pfade der Weisheit und Gottschau als auch die elitäre Distanzierung von der Masse der Genußmenschen werden vom Pseudo-Abälard und von Gottfried in nahezu derselben Weise zum Ausdruck gebracht. Hei tugent, wie smal sint dine stege, / wie kumberlich sint dine wege!
ruft Gottfried im Tristan-Eingang aus, wobei er sich deutlich von jener „Welt“
distanziert, die keinerlei Beschwerlichkeit (swære) auf sich nehmen und nur in
vröuden schwimmen will. Der Weg zum Heil in der kontemplativen clúse, die niht
ufdie straze noch an dekein gevilde, weder an Straße noch Feld liegt, sondern in der
tiefsten Einsamkeit (in wüeste unde wilde), ist arbeitsam und herte (16761 ff.,
17071fF.).
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Dasselbe führt der Pseudo-Abälard in seiner Historia Calamitatum aus. Alleri
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Y Hierzu die Anm. 3, 4 und 7 angeführten Beiträge.
Pagina 4
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)dine et desertis= in wüeste unde wilde) gelebt hätten. Gemäß diesem Vorbild hätten
auch seine eigenen Schüler - civiles delicias (= vreuden) meidend und vitam duriorem (= swere) bereitwillig ertragend - am Ardusson (bei Troyes) Hütten gebaut,
(Unerwähnt bleibt, daß das Leben in diesen Hütten der Lebensform der Thera.
peuten Philos nachgezeichnet erscheint.) Es war dies die Urzelle des Paraklet,
Heloises Kloster, das wie Gottfrieds clúse non in plateis vel publicis locis liegt (TV,85
- vgl. Trist. 17076£.: niht uf die straze noch an dekein gevilde). Mittels der Brautmystik des Hohenliedes, die wie in der Minnegrotte mit der philonischen Sonnenmetaphysik verwoben wird, entwirft der Pseudo-Abälard das Bild der kontemplativ-asketischen Seele im Grab der Beschauung als Heloissa, d. i. deificata (vg),
gotinne).
Die Bemerkung, daB ein Verbannter (profugus) oder an der Welt Verzweifelnder
{desperatus) in diesem templum spirituale Atem holen könne (respirare), deckt sich
mit dem Lobpreis der habitatores deserti, der Eremiten in De laude eremi. Es sind
dies Menschen, die - den Stiirmen der Leidenschaft entflohen und noch kurzatmig
- in der mystisch-asketischen Klause Atem holen (Del. er., Sp. 211: spiritum anheli
resumant). Auch hier wird die „Unwegsamkeit“ eigens hervorgehoben (705:
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deserto et invio). Solcherart erscheinen diese katharische Propandaschrift, der
AbHeBr und der Tristan als ideologisch-begriffliche Einheit.
Philo lobpreist die „Verächter von Speise und Trank und selbst des Nôtigsten“,
die sich ~ wie die Liebenden in Gottfrieds chîse, aber auch die vitam duriorem ertra-
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mit allerlei Kissen, Decken und „königlichem Bettzeug“, »SO gut sie es vermochte“
(18139ff.). Sodann läßt sie Tristan rufen und gibt sich ihm hin. Gemäß Gottfrieds
kommentierenden Worten wiederholen die Liebenden den biblischen Sündenfali.!*
Philos Distanzierung von den Genußmenschen schließt die Ablehnung der
„meisten“ hellenischen Schriftsteller ein. Diese „vergeudeten ihre Bildung auf die
Abfassung von Komödien und wollüstigen Schandwerken in Poesie und
Prosa“
Die zuweilen obszéne Sprache Gottfrieds eignet also bereits dem Opus Philoneum. Gottfried
von Straßburg, Tristan und Isold (Ausg. Fr. RANKE), ‘1959.
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und geblümte Teppiche her, um den „starken Kitzel“ ihrer Unmäßigkeit „durch
Schatten eines (symbolischen) boumpgartens ein prächtiges Ruhebett herrichten,
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und „lässigere Lebensweise“ der Frauen nach. So richten sie kostbare Ruhebänke
wärtigt. Außerhalb der chîse, zurück in der höfischen Welt, läßt Isolde im kühlen
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höchsten geistigen Wonnen genießen. Da die Masse der Genußmenschen sich
dem „weichlichen Leben“ und „Schwelgen“ hingibt, „nennt man sie zwar glück-
Eben diese Kritik Philos an den Genußmenschen wird von Gottfried vergegenie
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genden discipuli des Pseudo-Abälard - mit dem „Erdboden“ begnügen, jedoch die
Erguß zum Nachlassen zu bringen“ (De somniis I $ 121).
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Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Philo Pythagoricus
und selbst das Kudrunlied. Allerdings übermittelte nicht nur Philo, sondern auch
Kosmologie - Naturgewalten und Schicksalsmächte als „unvermeidliche
Notwendigkeit“
Noch deutlicher als die platonische Kosmologie unterscheidet Philo das Reich
der Materie und seiner Eigengesetzlichkeit von jenem des Góttlichen. So läßt er
seinen Neffen Alexander die Frage erörtern, ob auch die destruktiven Naturgewal.
ten und verheerenden Seuchen Werkzeuge der göttlichen Vorsehung seien, so die
Stürme des Meeres, die die Seefahrer in Not bringen, oder heiße Winde und
Trockenheit, Hagel und Schnee, die die Früchte vernichten, oder plötzliche Erdbeben und Pest. Alexander schließt hier das Walten göttlicher Vorsehung aus. Die
Betroffenen „wurden durch ihre Schwere vom Unheil, wie es heißt, angezogen wie
das Eisen vom Magnetstein“ (De providentia TI $ 86-91).
| Mit Platons Timaios (30 a 3) und Theaitet (176 a) argumentierend, schreibt Philo
in seiner Gegenrede zwar Stürmen, Winden und heftigen Regengüssen einen
der Timaios-Kommentar des Chalcidius, der in Chartres eifrig studiert wurde,
Platos Vorstellung vom „kreisförmigen Umschwung der Welt“ und von den
„unabänderlichen Schicksalsgesetzen“.'” Philos Begriff der „unvermeidlichen
Notwendigkeit“ entspricht Gunthers necessitas inevitabilis als debitum naturae (De
or., 190). Der Scholasticus betont ausdrücklich, daß das debitum naturae eine der
Natur von Gott überlassene Gesetzmäßigkeit sei, weshalb man den Schöpfer nicht
um ein Eingreifen in die natürlichen Prozesse bitten solle, so im Falle von Hunm, Dürsten, Ermüden oder Sterben (ebd. 191). Auch der Pseudo-Abälard führt
Ep. 111 78 (in bezug auf den Tod) „alles Unvermeidiiche” (omne inevitabile) als der
zöttlichen Vorsehung entzogene Gegebenheit an. Diz ist geschehen, ez muoz nu sin:
{ erst tot der guote Riwalin, heißt es Trist. 1703f. Necessitas inevitabilis! Ebenso das
Nibelungenlied.
Die häretische, bislang unbeachtete Salzburger Historia Calamitatum setzt sich wie
der Autor des Tegernseer Antichristspiels kritisch mit Gerhohs Traktat úber die
vierte Nachtwache auseinander.” Der Verfasser desillusioniert hierbei Gerhohs
Nutzen für die Menschen zu; er räumt jedoch ein, daß Gott die ungehinderte Verwandlung der Elemente der Welt zuläßt, weil er ihre
„unvermeidliche
Notwendigk eit“ kenne. Die Naturgewalten seien daher nicht das Werk der
Darstellung Christi als Herrscher über die Naturgewalten (totus omnipotens imperator venti et maris) am Beispiel des Niedergangs der Stadt Salzburg. Als Barbarossa
göttlichen Vorsehung ($$ 99-100). „Gott ist überhaupt nicht der Urheber von
irgendetwas Schlechtem, sondern dies erzeugen die Änderungen der Elemente“.
Aus dieser Gesetzmäßigkeit „notwendiger Folge“ erkläre sich, daß unterschiedslos die Menschen an Pest erkrankten oder in Seenot gerieten ($ 102 - vgl. De aeternitate mundi).'*
Die hier zutage tretende dualistische Sicht der Welt als machina mundi," deren
katharische Propagierung der Waldenser Durandus von Osca zugunsten der göttlichen Befehlsgewalt zuriickweist,'* beherrscht das Werk Gunthers, Gottfrieds
18 Zu Platons Timaios,
naios, dem Philo in seiner Kosmologi
gie verpflichtet
i
ist, siehe:
ist,
si
Platons
misiert Ende des 12. Jh. der Waldes-Genosse Durandus von Osca in seinem waldensischen Liber
Antiheresis (Ausg. K.-V. SELGE 1967), 11,691, indem er mittels Bibeltexten geltend macht, daß
die Naturgewalten, Donner und Blitze, die Stürme des Meeres, die Dürren und die Nebel an den
Enden der Erde der göttlichen Befehlsgewalt unterstellt seien.
Y Philo, Gunther und Gottfried schöpfen gleichermaßen ihre fatalistische Kosmologic aus dem
Timaios. Hier ist in Kap. VIII nicht bloß von Gunthers „kreisförmigem Umschwung der Welt“,
der machina mundi die Rede, sondem auch von den „unabänderlichen Schicksalsgesetzen“.
Selbst die kosmologische wie psychologische Chaos-Terminologie des Tristanromans findet sich
im Timaios-Kommentar des Chalcidivs, z. B. die Vermischung von Liebe und Leid (mixtam ex
voluptate tristitiaque), seelische beworrenheit (GyAoc ‘Gewihl, Gewirr), blinder unsin (&Aoyoc
perturbatio, error u. a.), die Vorstellung eines an die Materie gefesselten Lebens, „dem bloBen
Me ponen = erl. von O. APELT, Leipzig ?1922, 54. - The Timaeusof Plato, n
Dial
-HIND, |
New York 1973, 115. - Platonis
Timaeus
imaeus iinterprete Chaicidio cum eius
eius-
Zufall preisgegeben“, „sich unstet allerseits hin und her bewegend“ (inordinata iactatio ‘das Hinund Hergeschleudert-Werden auf dem Meer [des Lebens} - vgl. Tristanroman und Kudrunlied).
„Die Bäume kommen aus der Natur der
d
Erde und nicht von Gott“, sagen die
i Katharer des
dienne des Cathares du Languedoc, 1969, 159. - J. DUVERNOY, Le Catharisme: La Religion des
;
Lis
M
oder: —
nn gar nic!
Zur katharischen Vorstellung der Ayle als matière chaotique" siehe R. NELLI, La Vie Quoti-
Cathares, 1976, 701. (Naturalismus). - Zu Chalcidius bzw. dem neuplatonischen hyle-Begriffsiche
schon J. R. O'DONNELL, The Meaning of Silva“ in the Commentary on the 'Timaeus’ ofPlato by
Cholcidius, in: Mediaeval Studies 7 (1945) 1-20; J. M. C. van WINDEN, Chalcidius on Matter,
Leiden 1959; F. P. HAGER, Die Materie und das Böse im antiken Platonismus, in: Mus. Helv. 19
(1962) 73-103; D. J. SCHULZ, Das Problem der Materie in Platons ‘Timaios' (Abh. zur Philos.,
Psych. u. Päd. 31), Bonn 1966. - Zu den (neuplatonischen) mittelalterlichen Platonici siehe auch
geht seinen Gang, bringt Kälte und Blumen und Kom hervor;
gegen machen“. E. LE ROY LADURIE, M
n Inquisitor 1294-1324, Frankfurt/M. 1983, S. 349.
3
1
ontallin. Ein Dorfvar dem
Zur katharischen Vorstellung
el
der machina mundialis siehe BORST,, Kat:
Katharer (Anm. 3) 148, 153. A. DONDAINE, La hiérarchie cathare en Italie, in: Archivum Fratrum Praedicatorum 19 (1949)
280-312, bes, 309. Der Ausdruck machina mundi, den der Dominikaner-Inquisitor Petrus Martyr
die bahnbrechende Darstellung in J. HIRSCHBERGER, Geschichte der Philosophie, Bd. 101963),
als Terminus der Katharer verwendet (Summa contra Patarenos [1235-38], in: Archivum Fratrum
Praedicatorum 17 (1947) 295-335), entstammt der mechanistischen Kosmologie des Lukrez (De
natura rerum, V 96). Diese ,dcistische* Vorstellung ist ihrerseits Pythagoras (ewiger Kreislauf
neLee Empedokles (mechanistisch gefaßter Umschwung des Kreises) und Platons Timaios
‘erp
" Schon das Konzil von Braga
'
in Portugal (561 n. . Chr.)
Chr. verwirft uls Gnosis
i der Priscillianer
iscilli
die Auffassung, daß Donner, Blitz, Stürme und Dürre Werke des Teufels seien (Enchiridion Symbolorum
Ausg. H. DENZINGER [Barcinone *' 1960] § 238). Gegen dieselbe dualistische Kosmologie polewozu beipflichtend H. Happ, Hyle. Studien zum aristotelischen Materie-Begrif (Berlin/New York
1971), S. 813f.
2€
Historia calamitatum ecclesiae Salzburgensis, MIGNE, PL 196, Sp. 1539-1552. - Gerhohi Praepositi
Reichersbergensis De quarta vigilia noctis, ed. E. SACKUR, MGH Ldl 3 (1897) 503-25. Zu dieser
Auseinandersetzung siehe schon Hans BAYER, lepra universalis - Neoplatonism (Catharism) and
Judaism ax Reflected in Twelfth and Thirteenth Century Literature, in: History of European Ideas 3
(1988) 281-303, hes, 287 ff.
Pagina 6
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)die miseri Salzburgenses bedrängte, sei niemand dagewesen, der in dieser „Not“ zu
den Bürgern gesagt hätte: „Seid getrost...; fürchtet euch nicht!" (wie Christus als
Gebieter über Wogen und Winde Matth 14,27). Wie die nör der Nibelungen, aber
auch die calamitas des Pseudo-Abälard und die anguisse des Tristanromans resultiert die calumitas der Salzburger aus einer fatalistisch gefaßten Folge von Verhängnissen, die Sittenlosigkeit und Verrat einschließt und (wie dort) jegliches Vertrauen
auf die äußere custodia (Schutz, wachsame Kontrolle - vgl. mhd, Auote; Thomas,
Trist. 1644: gaiter, 1747: garder) ad absurdum führt. Im Einklang mit der angeführten Philo-Stelle wird zudem die Auffassung verworfen, daB Seuchen Mittel eines
göttlichen Strafgerichts seien. Während Gerhoh die Vernichtung von Barbarossas
Heer vor Rom (1167) als Triumph Christi über den populus Antichristi deutet, wird
in der Historia calamitatum dieselbe Katastrophe platonisch-philonisch aus mit
„dringender Notwendigkeit“ sich voliziehenden „Folgen“ und „Nebenereignissen“
(Philo) erklärt, d. h. medizinisch-empirisch als Wirkung giftiger Dimpfe, der Pest
usw. (vgl. Lukrez VI 1090ff. über die Ursache der Krankheiten).?! Angesichts dieser
Desillusionierung des Glaubens an das unmittelbare Eingreifen Gottes in dic
Eigengesetzlichkeit einer dualistisch-fatalistisch gefaßten machina mundi - der
„fatalistische* Geist des Nibelungentiedes und Tristanromans - haben wir unter den
Pitagoricae litterae, die in der Salzburger Vita Eberhardi als Unterrichtslektüre des
bildsamen Zöglings lobend erwähnt werden, in erster Linie das Schrifttum des
Philo Pythagoricus zu verstehen2?
.
In Entsprechung hierzu wird in der fingierten Tegernseer Briefsammlung, die in
der ersten Lage das häretische Antichristspiel und Phönixgedicht enthält, implizit das
zeitgenössische Interesse an Philo zum Ausdruck gebracht. So bittet ein (naturgemäß anonymer) Absender den Abt Konrad (1126-55) um die Benützung des
Philo (Pez VI, 1, S. 379). Erhalten ist Clm 18481, von dem die Exemplare aus Schiift-
Jam (Cim 17133) und Benediktbeuern (Cim 4569) abhängig sind (MBKD IV,
736). Das Verfahren dieser „Werbung“ des „Fälschers“ für das (den fingierten Briefen immanente ,,Weltbild“ des) Corpus Philoneum gleicht demjenigen des PseudoAbälard, der die Kirchenväter in den Schriften der Pythagoreer und Stoiker Rat
suchen läßt (vgl. HC 186).
22 Die Menschen sterben wie Tiere. Als cadavera sind sie Regenwürmer und vom Meer angeschwemmte Heuschrecken.
Die Salzburger Historia, deren Handschrift (Benediktinerabtei Lambach, Cm!
CXXXVIII) in
jüngerer Zeil spurlos verschwand, wird nicht bloß von dem fatalistischen Geist des Nibelungen-
Hiedes beseelt, sie zeigt auch bemerkenswerte formale Parallelen zu diesem Werk
(2. B. das Homhautmotiv in bezug auf den korrupten Klerus, us ad Jaesionem... nullum telum
pertranseat - vgl.
NI [Ausg. K. BARTSCH / H. DE BOOR, *1957] Str. 100: des snídes in kein wafen
- Leviathan =
fintrachen). Die Historia ist durch und durch häretisch, z. T. sogar blasphemisch
(vgl. 1543 die
Darstellung Christi) und äußerst papstfeindlich.
Diese Salzburger Viten verdienten einmal eine genauere Analyse. Wie im Falle
der Tegernseer
Passio Sancti Quirini 2 ist hier Parodistisches zu beobachten. Z. B. erscheint
bemerkenswert, daB
der Orpheus-Vergleich des Kudrunliedes (VI. Aventiure) zusammen mit (lateinischen)
TristanFormulierungen in der Vita Sancti Eberhardi Archiepiscopi Salzburgensi
s (ed. W. WATTENBACH, MGH SS 11, Hannover 1854, S. 77-84) anzutreffen ist. Vel. Vita 79: modulationis
dulcedine - Kudr. Str. 377: süeze wise, ferner das Wortspiel mit sonare 78 und dienen
Trist. 47901T., die
mlat. Formulierung puericia indiscreta und Trist. 301: effiu kint / diu seiten
vo rbesihtic
sint, letzieres im Anschluß an die Pythagoras-Worte Ovid, Met. XV 204ff.
Dieselbe Stelle
259
Philo Pythagoricus
Mit feiner Ironie persifliert Gottfried den Glauben, daB die Naturgewalten gleichsam ,zitternd" (bibende) wie furchtsame Ministerialen Gott unterstellt seien (2410:
dienesthaft, ein feudalrechtlicher Terminus’). Pointiert wird die Seefahrt, das
sweben uf dem wilden se (7493), im Sinne einer chaotischen Bewegung der Elemente geschildert. In Entsprechung zu der angeführten Philo-Stelle und dem inordinata iactatio-Begriff des Timaios (= Hin- und Hergeworfen Werden) werfen die
wilden Wogen“ den Helden wilent her und wilent hin (15961), wilent ufund wilent
nider (2431), wa unde wa (7504), so daß er zielios mit seinem wiselosen (‘nicht
gelenkten, irre gehenden’) schiffelin dahintreibt. Hiermit wird Gott als Lenker der
Naturgewalten ausgeschlossen. Für das Böse, den übelen wec (vgl. 88121T., 8844 ff),
kann Gott nicht verantwortlich gemacht werden.
o
.
Wenn Gottfried also seinen Helden, der soeben den „wätenden Wogen“ Wut“ ist für Pythagoreer und Neuplatoniker böse, teuflisch, destruktiv - entronnen ist, mit den Worten begrüßen läßt: swaz so dich her gevüeret hat, / got oder
wazzer oder wint... (7613), so formuliert er hiermit wörtlich Philos Frage nach dem
Zusammenhang zwischen der Vorsehung (got) und den destruktiven Elementen
(wazzer, wint). Zugleich läßt die Frage: got oder wazzer oder wine. ..? das Pythagoras-Buch der Metamorphosen Ovids anklingen. Hier wird berichtet, der Philosoph habe die dualistische Scheidung von Gott und Welt gelehrt, quid natura,
docebat, quid deus bzw. quaefulmini esset origo,
luppiter an venti... tonarent
(Met. XV 68ff.), also got oder wint.
Allerdings wird diese Problematik schon in Thomas’ Roman thematisiert. Am
Schluß des Werkes machen der Sturm und die Windstille auf dem Meer sowie der
Haß bzw. die Rache der „anderen“ Isolde (vgl. 2595fT.) als Elemente einer chaotischen gottfernen machina mundi Tristans Versuche zunichte, sein Leben zu retten.
Wie die „Stürme“ der Leidenschaft, die chaotische Affektewelt, sind die Naturgewalten dämonisch-destruktiver Natur und dem Reich des Gôttlichen wesensfremd.
Noch die Lebermeerszene des Kudrunliedes macht deutlich, daß die Auffassung, die Wirkungen der Naturgewalten seien gotes werc ( 1135) bzw. gôttliche Vorsehung (1134: als ez got geböt), eine Selbsttäuschung ist. Die Menschen deuten das
Wirken der Elemente je nach ihrer Interessenlage. So ist Str. 1125 der gefährliche
Wind böse. In Str. 1130 sind es Gottes gute Winde (got wiirket manigiu were), die
materielles Glück in Aussicht stellen. In Str. 1132 ist die Windstille böse, da sie die
Schiffe im Lebermeer festhält. Danach ist der Wind wieder nützlich, also gotes
werc (1135). Als dann der Sturm tobt und die Schiffswánde zu bersten drohen, ist
nicht mehr von gotes werc die Rede, sondern ganz im Gegenteil davon, daß Gott
ichristspiel4 in der
h unmittelbar neben dem Tegernseer Antic
i
i auch im Tierstimmengedicht
erscheint
betreffenden Briefsammlung verarbeitet. Siehe hierzu Ilans BAYER, „Vita cum Phoenice complice” - Gottfried von Straßburg's .gotinne” Isolde, Chrétien's Fenice and Neo-Platonic Mysticism in
Alsace and Troyes, in: Orbis Litterarum 43 (1988) 20-31, bes. 24f.
Pagina 7
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)die Seeleute „vergessen“ habe (1 138).
Schließlich stellt sich heraus, daß der
„Wind
hier niemand schadet“ (1139). Solcherart
wird in begrifflicher Anlehnung an das
antikatharische Kapitel De pluvia er tempe
state des Liber Antiheresis (vgl, 11,70:
ad
vocem suam - als ez got gebôt, elevat
nebula ~ Daz genibele zôch sich
héher) jegli
ches
Bestreben ad absurdum geführt, die Natur
gewalten der Allmacht und Vorsehun
g
Gottes zu unterstellen.
Selbst der Magnetstein, der in Philo
s Dialog (prov II $ 90) die Unausweich
lichkeit des naturgegebenen Unheils verde
utlicht, wird vom Kudrun-Dichter angeführt. Wie bei Philo der Magnetstei
n Eisen anzieht, ohne daß eine ande
re (góttliche) Kraft dies verhindern könnte, ziehe
n magnöten die steine durch ihre Wirkung auf die Anker und Mastbeschl
äge die Schiffe in das vinster mer (Str.
1126). Es
ist dies die in der Salzburger Historia
Calamitatum angeführte naturwis
senscha
ftliche Erklärung!
imneur
Philo Pyihagoricus
Carmina Burana - gibt gemäß Oitos Geschichistheologie den Königen Heil, sondern Gott (Ps 144,10).
dia Consinnintpetions EE uf re aoe vy lest validi fluctus
r mer (tenebris), dem eine zufällige
Wolke
seinen Leitstern verhülit (premit
invida nubes) und die Richtung raubt,
schildert
Gunther in seinem Ligurinus (i 19311
.) Das Gleichnis verdeutlicht hier die
politische Situation des fiihrerlosen Reich
es, aber auch die Launen des Zufall
s als der
eigentliche Lenker des Weltg
eschehens. Wie im vorgenannt
en Schrifttum
erscheint die
Allmacht Gottes durch die Macht
des Schicksals als Gesetz des
Kosmos und blinde Kausalgesetzlichke
it ersetzt. In stoischer Weise
wird das Weltgesetz gleichsarn als ein Natur
gesetz begriffen, als eine dem
Göttlichen entzogene
Ursac
henreihe, Hierdurch wird die Freiheit
äußerste eingeengt. Die Schickunge
Sr
individuellen Lebensereignisse erhalten
den Charakter des Zufäll
Fortuna, Deus
oder ven
ie mon wird die sichere LE
De
irnn a
as
De mI
iqui
ie
verschiede
n Beute“ (= geraubte Reliq
uien) auf die v
ikers
Âgidi
usn
mit Anklängen an
à
jligkeit* des Abtes (Vision des
Klerikers
Agi
eg
itatum), günstige Windverhältnisse und daher
die Salzburger Historia Calamita
,
hitivende Laube
g in
Ú
eigener
gefahrlose Uberfahr
Traum),
der* schü
t Martins
(Ma
ttlichen
Schutzes
(Gunthers Deutungnea
). Dem
Martins Traum als Verheißung „götlli
:
widerspricht wiederum wie im Tristanroman
ja
i
die
pointierte
pointierte
Wildheit des Meeres,
i
:
Gefahren,
:
Winde“, oder Piraten,
1, »„deren jede
„grausiger
Sturm und |allzu heftige
1
Dennoch wird die „heilige
Beute“J als
ich“ schon die Reise gefährden könnte.
Martin
hinzeste‘
aes Geleit und „Friedenspfand“ des „heiliDen gen Lene * wei
le von
(dies gegen die unheiligen Piraten, die Martins Schiff nicht plündern,
hurtin,
Gott ,geziigelt* wurden). Die Bemerkung, daB die Piraten die Reliquien sc
"als La sie ihrer nicht würdig“, steht wiederum in ironischem Gegensatz zu dem
Kirchenräuber Abt Martin.
Mit dieser Persiflierung des Glaubens an eine göttliche et eh nr te
verknüpft Gunther die Desillusioniening der Tendenz der Mächtige: m...
tium und Imperium, die Gnade Gottes fürjegliche Untat zu Frs repi
des Willens (wie im Tristanroman) aufs
n des Fatums und der historischen
ie XXI), also got oder wazzer oder wint. Ahnlich pts
cient
n
Die Situation des Schiffers im vinste
261
Prozesse, ja
igen. Das „Würfelspiel des Schicksats“ (Lig. 1 239f.
: aleam ludere) ist in nichts von dem
Spiel der
Winde und Wellen zu unterschei
den, dem die Helden im Tristan und
Kudru
nlied
ausgesetzt
die Eroberung von Häfen und Schiffen (V1,70; XV11,99), die Bran
sind.
Sowohl in der (dualistischen) Teger
nseer Passio Sancti Quirini (2) als auch
im Ligurinus steht das Würfelspiel des Fatu
ms als Wirkursache am Anfang der
geschichtlichen Entwi
cklung, nicht eine göttliche Vorsehung,
in
kret die Tétung des Sohnes eines
der Passio sogar ganz konbayerischen Edien mit einem rochu
s bei einem
Wiirfelbrettspiel.? Auch im Ligurinus
ist die große politische Welt Schauplatz
des
„Würfelspiels des Schicksals“ (1239
) und der „Laune unbilligen Zufalls“
(casus
fari
iniqui), womi
t nichts weniger gemeint ist als
(Konrad). Welche Relativierung des „Plan
der Tod von Barbarossas Vorgi
inger
s providentieller Ordnung“, der in der
Vorlage, Ottos von Freising Chron
ik, das Fatum als Größe in der Zeit
seiner Eigenkraft beraubt! Nicht der „Kreislauf
irdischer Dinge“ (1 5: motus volubi
lis orbem), die
machina mundi mit ihrem Wechs
el von „Unbilden des Schicksals
“ und „heiteren
Losen* (Gunther) - mit gleicher
Tendenz die fatum- und Jortuna-St
rophen der
> Kudrun, hrsg. und erl. von E. MARTIN,
Halle/S 71902.
* Gunther von Pairis, Ligurinus, MIGNE,
PL 212, Sp. 327/f. - Ubersetzung von Th.
VULPINUS
Stra
,
Bburg 1889,
* Hierzu BAYER, Graf (Anm. 11) Il,
S,
453ff.
hrsg.
taaten, übers. von A. SCHMIDT,
i
" ESS ns D nL egpor Non fortuitis casibus, sed Dei
ee rra die metamorphose-artige Leip oa mr>
ee
= = sche Prozesse, die in den Tristanromanen, im Nibelungenlied und Moriz a von
W.
ich aber gisotet si / zem anderen Lii ; ke
a a wärtigt wird (Trist. 19005 ff.: ich viirhte,
geraten bin). Thomas (LeRoman de fanes
oe teres Mal in den Liebesbann einer IsoldeZwecke
een
en dea J. BEDIER, 1902) spricht. zum
, 503, A
7
ra
Siehe schon BA
ogi
+
es
bzw. sors mundana (vgl. Historia pet
ra deeXXIV
er cp RIANT,
we.
Gebrauch beider ra
den synonymenreguntur,
Genf 1877), Str. est fatum,
ian Dee. Cioni
—x
omnia
id
fegem,
siche n fr c. 177: text hanc
fortuna- ae dei
el naturam. Zur fatalistischen necessitas siehe ebd. 268/11. Diebzw.
sus an Prose
Mina Bu = sind im neuplatonischen Geist und Kreis Gunthers philonis
on Te
von einer
lator e cht auch in diesem Bereich (fortuna, fatum) gelücke,
auf das gta al > i a
über da glesine
a Es zeigt Gottfried in der Strophe
d. h. es schwankt, und hat cranke bs eta
pr de“ der Glücksgüter auf: ez wenker,
bauen kann, da es leicht IS Li ie
man auf das Glück nichtbzw,
“arme Bestand so daß
si das Glück als „etwas Schwankendes“ als „einen sehr schwankenden
Abrahamo $5 263-264).
Pagina 8
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)(XXI
C ,13, vel.
gi XX IV, XXV,125)
. In Gunthers Persiflage
sind die faubenden ung
Philo Pythagoricus
r Eckhart zum
lkeit) des Neuplatonikers Meiste
(ite
“
ere
„Le
n
che
tis
ske
h-a
;sc
mt.
kom
Ausdruck
ung wilder Pferde und der
Philo macht von der stoischen Metaphorik der Zügel
einer geordneten Affektend
Zusta
den
Meeresstille des Gemüts Gebrauch, wo er
tet die im Gleich-
). Die Leidenschaft zerrüt
welt erläutert (De agriculturael$5t.67-76
Sie ist cine Schlange, die sich in jede der Sinnesgewicht befindliche Affektew
k
in
Die Bemerkung daB
fe
ein gläubiger Chri
me,
andere:
Christveletwas
(XX1V,
dürfe
decki sich
UE.123: Nemo fidelisAubiger
igitur aliud,
credere de clp oder meinen ,
.
mit der Haltung der dogmatisch-militant gezeichneten Peck vo),
!
eg
Se
iz
EthosOS - apatheia und kon
ec est
di Sides . ... / Qiuisq
cclesia ,
uis est » qui credit alit
templative Kathar
sis als Selbsterl
{4 hune
er,
üsung
Gemäß
Hehe
au otsei
sineF'atoniinterni
sch-stoischen Grundhaltung lehrt Philo daß der
N,
fordert, Jamme Toten,
denen„schuldigen
n siewerd
klage, Schlagen an dile3Brust
als törichtTribut“
verworfen (De Abraha = hsi
druck (De
De or.,
or. Sp. 121, 191)
. Auch im AbHeBr
werden
mo
=
die üblichen Begräbni
ssitten
„rechzufolgen“ als ibn zu begraben (Ep. A gg Wunsch ist es, cher Abälard
Zorn und ersticke d
"
i
;
as Gebet mit Trä
a
Ne
neds Si
inevitabi (ez
bzw. necessitas
naturae
aa
muoz nu sin) >einhaltet
von Wate
Verwerfung
Philo die
beidebitum
wie als
e
Leb
ensn a pa
si
i
Hi
i reéme
bal und bejaht das
D
gleichsam als Seelenarzt (Th
verwirkl
icht
agen (=
Schicksa]
di
erapeut) die an dn
ilos,
3
ti
we
Na
zw.
vl
blinwahrnehmungen einschleicht, bestrebt, den Betroffenen „mit giftigem, unmerklichem Biß zu töten“ (ebd. 97). k (mit gleichem Sinngehalt) in Gunthers De
Während die Meeresmetaphori
(zusätzlich) den ethischen
oratione eine wichtige Rolle spielt, führt Gottfried haft
der Blansche„Tod“ bzw. die „Vergiftung“ durch die Liebesleidensc an, sodieingleich
sam eine
zene,
tranks
flur-Episode (1307: als ob sie wære tot), in derinLiebes
die „im
libes,
des
Just
die
auf
bezug
.
Vergiftung schildert, insbesondere 12240ff
wie ein SchlangenbiB. Über diesen
Herzen schwärt und uns innerlich tötet“,minneSiechen wird auch im sogenanndes
htung
Vernic
dämonischen Biß und die
in) geklagt.”
ten (katharischen) Schlußgedicht (zu Hartmanns Büchle
mit unerbittlichem Tod droht“,
Wie Philo der Schlange der Lust, die „der Seele
der Gesundie „Selbstbeherrschung und schützende Besonnenheit“ als „Mittel
philonider
in
ed
Gottfri
auch
dung und Lebenserhaltung“ gegenübersiellt, führtEnthaltsamkeit und Selbstz
ügedie
Seele“
schen Metaphorik des „Gartenbaus der
unde
geluste
scher
dämoni
sich
an,
Mittel
als
lung (sich enthaben, sich hüeten)
das Gottfried hier
gelange zu erwehren (17738ff.). Das zügelnde Ethos der maze,
sch-stoisches
als Kardinaltugend der „guten“ Frau anführt (18015 F.), ist philoni
Selbstkondieser
Zu
Ethos, als solches „Fundament der Seele“, wie Philo sagt. amica (amor
spiritasche
trolle (enkrateia, d. i. „Herrin über sich selbst“) als platoni
ed
Abschi
beim
)
Heloise
t
Pendan
His im Sinne des AbHeBr) gelangt Isolde (wie ihr
fwingen
zu
sich
und
bleiben
zu
n
vriundi
von Tristan (18597{f.), wo sie gelobt, seine
ns Klage), das nicht aus Hartmanns Feder
Yagi. im sag. Schlußgedicht (= 1645-1914 von Hartman
das zu dem BiB des Dämons in Bezichung
haft),
Leidensc
r
sexuelle
e
stammt, das unheil (Diimoni
die zerrütiete Affektewelt (kumber) des
auch
aber
gesetzt wird (mir bluotet noch diu wunde),erwartet (Hartma
nn von Aue, Die Klage - Das [zweite]
seeldelósen, der tróst nur von seiner gotinne
Berlin 1968, V. 1671 ff). Im Zweiten
ZUTT,
H.
von
hrsg.
ch,
Heldenbu
r
Ambrase
dem
aus
Büchlein
n) „Tod“ durch die Leidenschaft:
(
ethische
den
auf
bezug
in
orten
Büchlein heißt es mit Philo-W
bzw. reiten kann (50). Hierzu
heilen
i.
d.
neren,
niht
sie begrebet lebenden man } der sich als ich
Hans BAYER in: Sprachkunst XII (1981) 1-28. Das Zweite Büchlein
in den Inquisitionshandbüc
i
vd
Siche
BAYER, Gral (Anm. hem:
11) I, dy
XIX, 150
Da velit et non aliter,
”
’
è
wurde schon im 19. Ih. Gott-
(brillante ,Advokatenkünste“ der Argufried zugeschrieben, dies aus eher formalen GründenWortscha
tzes, Reimkunst u. a.).
des
en
lichkeit
Eigentüm
mentation [SCHONBACH],
anzutreffen, so der Vergleich mit
Aher auch andere Metaphern Gottfrieds sind bereits bei Philo
us$ 4. Die „Blindheit der Sinne, an der
der unechten Münze (12305: base conterfeit) in: De virtutib
weil sie kein dagegen schützendes
sind,
n
gestorbe
vorher
m
gleichsa
n
Lebzeite
viele noch bei
ds Blindheitsmetaphorik zugrunde
Gottfrie
s
einerseit
liegt
11),
$
(ebd.
Heilmittel finden konnten“
der Kluge des Zweiten Büchlein
ch
wörtli
eits
(blintheit, blinde liebe, blinder unsin), anderers man / der sich...
niht neren kan, also „bei Lebüber die Liebesleidenschaft, die begrebet lehenden
zeiten gleichsam vorher gestorben“ ist.
Pagina 9
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)(‘beherrschen, Zaum anlegen’
ime genese (‘am Leben blei
, Philos enkrateia-Metapher),
ben, selig werden’, Philos „Ge
durch daz er mir und
sundung und Lebenserhaltung“ als Frucht der „Sel
bstbeherrschung“ bzw. „Stetigk
eit“).?
Philos Bild der Weisheit und
Tugend als das Wachs der
(appayic ‘Siegel’, übertr. ‘Besiegelu
druck, Eingegrabenes’) kom
druck. Mit dem Satz: dirre
pel, Ab.
mt gleichfalls in Isoldes Absc
kus sol ein insigel sin (Trist.
eigene ethische Haltung eines
hiedsworten zum Aus-
18355) möchte sie Tristan
sieten sich enthaben „ einprägen“
Gottfried übernimmt wie der
gnostischen Seelenarztes,
Seele prägende Siege]
ng, Bekriftigung’; x0paxráp ‘Stem
ihre
, Die Selbstzüge-
Pseudo-Abälard gegenüber Helo
ise
die Rolle des
wo er seine edelen herzen mitte
ls Philos „Landwirtschafts
kunst der Seele“ belehrt. Dies
e besagt, daß wie alle „wertlos
en Wildgewiichse" die
Sinnenwelt zurückgeschn
itten und das Reisig des „wil
den Holzes gezähmt“ werden
muß (Quod deterius potiori
insidiari soleat$$ 110-111).
Die „Bäume der Affekte",
die
„hochgewachsen waren, um
verderbliche Frucht zu erze
ugen“, müssen bis auf den
„kleinsten Rest“ weggeschnitt
en und entfernt werden (De
agricultura $ 10; vel. 8 17:
prob §§ 69-70). Man kann
nicht Bilsensamen sien
und
dann erwarten, daB Rose
n
aufgehen, führt Gottfried aus.
„Wir müssen schneiden und
mähen, was wir gesät
haben“ (122351). Die minne
(als Baum der Affekte) brin
gt sonst nur verderbliche
Frucht hervor, unguot und unvr
uht unde unart (12243),
Nur auf dem Wege einer völl
igen Enthaltsamkeit sind nac
h Philo die „Wonnen“
einer geisterfüilten beschaul
ichen Seele zu erlangen. Gott
fried berücksichtigt
nicht bloß die Vorstellungs
welt des AbHeBr und der
katharischen Propagandaschrift De {aude eremi,
um das gnostisch gefaßte
diesseitige Heil in der chis
e in
wüeste unde wilde zu vergegen
wärtigen. Er stützt sich unmi
ttelbar auf Philos Deu-
$$ 43-47). Der locus amoenu
s der Minnegrotte erschein
t mit seiner paradiesischen
Welt und seinen vom „Gei
st“ (muot, platonische minn
e) lebenden Himmelsbiirgern dem nach Son
nenaufgang gepflanzten
nachgestaltet.% Als wörtlich
e
Tugenden (De somniis 1 §§
% Zu Philos katharoi, den ‘Rein
en’
4-5.
Lie in asketischer (eremitischer) wüeste unde= een:ar
]
-52); Jakobs Schlaf auf dem Stein 1
Mos
28,
s
pain de iste
Seele, die „sich nach der Höhe hebt
i
den urbildlichen und unkérperlichen
I
us
e
cul Tolle umglänzt wird“ (De somniisScI $ mn be à
x
tal
j
hlaf auf dem
Isolde beijiihrem kontemplativen
inne
Unter
von
Religiosen
ersten
der
Strahlenmystik
tische
A engiatonischcriprai
ee von Jakobs Schlaf auf dem Stein führt Philo den wm DE
tnis* an, der den Diirstenden an der Weisheit der göttlichen on ,
ae (ebd. §§ 4-6, 72-85). Wenn Gottfried den mystischen ss stea
die ,,
ei
i
der geisterfü Ilten tugendhaften Seele,
des Aufstiegs
pr
ed eae
j chise als durchlüter
erchlá aIs diu sunne (16740)
schildert, so
lehnt er ich rt
ai
templativen
iermit an Philos Sonnenmetaphysik an. Das o
iterü
ii (vgl. leukós “leuchtend, q rr a ieripregi
i
i
ä er das Präfix
äfix
“durch”
widmet.
Hier
erklärt
(diaÀ
halb man mit ‘durch und durch klar das
I
iper in
übera
a
aeens der „von den Sonnenstrahlen bei wolkenlosem un = ata
= it ausgehende Glanz“ (§§ 201-202). Wie im Opus Philoneum ist. so 1 _
bei Gottfried das Attribut des sonnenklaren Quells eitecile
iven Seelen erquickt, „die Selbstbeherrschung,
ceit
U
Sotalol als Fundamente des ganzen i pai iViens
i
i
ird die kontemplativ-asketi
)
LS
orne
enchise
Hedeutlich
br als „Zu fluchtsstätte
der Seele“
dargestellt, in
Gottfrieds
mystischer
Nuchtssti He
Mm
ie - wie der wunderbare Hirsch als mystisches Sinnbi
|
Conai sicher einlaufen kann“ (§§ 122-125; vg). Trist. 17308: al dargevioh er,
d. h. er rettete sich in die clüse, unde genas).
|
ande
(kontemplativen) asketischen Seele“ (§ 126), nn ae an E
von Gottfried breit aus-
(vel. cathari ‘Katharer’), d, i. Weis
contempl $$ 65-66 (Ther
apeuten) und prob §§
e
* iinventione $$ 137-140; vgl. die von Wolfram persiflierte Tausymbolik der Minnette); die „Reize“ und „Genüsse“ der göttlichen Weisheit, die wie in =
angeführt der „Duft“ der
Tugenden), die etymolog
ische Deutung des Gart
ens
De somniis II § 242 und die
N
265
"Zusammen mit Jakobs Schlaf auf dem Stein, nach Philo der nn c in
49-52 ~ Trist. 16836: gebalsem
ete minne) und der „beseligende Glanz“ der göttlichen
Sonne, d. i. die „in der Seele
aufleuchtende Tugend“
(vgl. 17067 diu sælige gleste,
die „beseligende“ Sonne der
dur
ch die vensterlin der
Minnegrotte strômenden
Eden als „froher Genuß“ ( vgl.
aean
Philo Pythagoricus
2,8)
paradiesischen Garten
(1 Mos
Enisprechungen seien hier
é
en und Besonnenen, siehe
* Zur Minnegrotte als „lecus
amoenus* siche schon F. €.
TUBACH in: Neophil. 43 (1959
R. GRUENTER in: Euphorion
) 37-42;
55 (1961) 341-404,
istische
Vorstellung des leiblichen „Grabes“, aus em di
n
le
ne Isolde in ihrerfossiure er rnrre alisoher
Flügelmoti \
i 169601ff. das
entflieht (vgl. $$ 139-140 und Trist.
ee
iritali: (AbHeBr), die Hochzeit der Liebenden
im
Askese). Der amor spiritalis
ut
ai
“oder
von Philo
i
i
i o in
in der Bemerkung zum Ausdruck gebr
wird
(Minnegrotte),
je irdische
irdi
und
Kinderseg
nicht die
(sexuelle) Verbindung von Mann
Mi
n Frau „guten
1
ui
hervorbringe,
i
vielmehr „solche Hochzeit,
it, die nicht Körper
; verbindet [vg].
od
nende Schwert zwischen
i
Tristan
i
und Isolde},
ide}, sondern mit wohlgewac
y
ui
int“ ($$ 200-2 01). Eben dieser Gedanke
lieg
llkommene Tugenden vereint“
palin Sexualität der Liebenden als mystische habitatores deserti zugrunde.
Pagina 10
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Wie Meister Eckhart verkniipft schon Philo mit der Besonnenheit des weltverachtenden Weisen den „Adel der Seele“, der ihm aufgrund der „in
seiner Natur
begründeten Freiheit“ eignet. „Die edien Seelen besitzen nämlich etwas Königliches. Ihren strahlenden Glanz lassen sie durch den Neid des Schicksals nicht
verdunkeln“ (prob §§ 123-126). Ebenso wie die edelen herzen Gotifrieds zweierlei
Adel
meinen, das veräußerlichte höfische Menschentum und den Adel jener Kontemplativen, die der Welt der civiles diliciae (vreuden) entsagt haben, scheidet
Philo
rre
das Heil des Nächsten eine Eucharistie-Analogie. Diese ist den
ea dae
Ser
stus in jedem Vollkomme
Die hier aufgezeigte
Lu.
|
.
lassen. Orientierung an der griechischen
erden
api
verhüllte
— ae
ic! er ae
en (Ambraser) Büchlein dochconovw
Gunthers De oratione und imderZweit
taative
t
Gebe
auf
n
seine
us
Scholastic
I De oratione bezeichnet theos
‘
ebia (De or., 108). Nach Cyril a =
als
Askese reduzierten Kultliani
on
arn
eter“, deren a
nten sich die messa schen „Sonnenanb
er
Lai
È
7
i
ig
(De
beis
theose
ist,
ar
greifb
id bHeBrund Tristan282).
i
Der Verfasser des Zweiten Buichie
dem
Pseudo-Abälard, ja dem Verfasser des Reinhart Fuchs als katharische antifeudalistische „Animal Farm“ verarbeitet wurde.
zurück: ezzet mich vnde lazet si genesen, d. i. am Leben (1942f.).
Philo zieht Scantecler den Tod der Knechtschaft vor. Wie
.
en Weisheitslehren (46f.: der mich
hisch
ademsastrichvonichdenzegriec
et
a
Kriechen).
en kunde / nách
Philo prob &
hypocrita-bzw. simulatio-Vorwurf bekennend aufsich zu nehmen,
den Hahn Scantecler sich als einziges Tier todesmutig opfern. Als Pinte, Scantecle
rs Frau, als
Suppenhuhn gekocht werden soll, um dem Fuchs (= Kardinallegat)
als Arznei zu
dienen (RF 1940f.), weist Scantecler dies mit den Worten des philonis
chen Weisen
Wie der Hahn bei
möglicherweise schon
bei (Pseudo-)Philo die trotzig-todesmutige Aufforderung
des „Weisen“ und
„Freien“ an den Tyrannen: ,,Brate, verbrenne mein Fleisch, trinke...
mein Blut!“
ist Scanteclers ,,ezzet mich!“, also mein Fleisch, als Bereitschaft
zum Blutopfer für
in
dung zur Alexandrininischen Geisttheologie, die
einer
b mos GrakBuch zeichnet,’ die Orientierung an
i Ru
:k.
Stia
t auchnneN
tion, So=„fleh
hischener >Tradiin
griecflieB
a eoireinefolgtn Quell
especi
le
ru
heiligem Mund
2
fried
. Letztere Vorstellung entspri
iden“ (lä
"nl een der von den Musen erleuchteten sinne, die die rede (Dichtung)
Diese Kontrastierung von Genußkultur und kontemplativer Askese bestimmt
die
Grundiendenz des Tristanromans. Unschwer lassen sich also in den edelen
herzen
Gottfrieds die „edlen Seelen (Herzen)“ von Philos Schrift über die
Freiheit des
Tugendhaften sehen, die edyevets Yuyaı (prob
$ 126; vgl. evyévera ‘edle Abkunfi,
Geburtsadel’ neben ‘Edelmut’, puy ‘Seele, Herz’). Es ist dies genau diejenige
pointiert propagandistische (wohl uncchte) Schrift, die wie De laude eremi die
libertas-
In genauer Entsprechung hierzu läßt Heinrich der Glichezäre (=
Gleisner oder
Heuchler = hypocrita oder Ketzer), der in seiner zynischen
Kritik des Ketzerbestreiters Heinrich von Albano nicht davor zurückschreckt, den antihäret
ischen
|
deutlichem Umriß bereits
eitslehren kommt in Gottfrieds
religio vitae pythagoreischer Ethik und Weish
.) unmißverständlich zum Aus489611
Bekenntnis zum „wahren Helicon“ (Trist.
eine gabe aus dem Weisheitsum
s
j
chter
an-Di
Trist
des
Die vlehe und bete
einem neuplatonisch gefaßten Tugendadel als „eigener Besitz der durch vollkommene Reinigungsmittel entsühnten Seele“ (De virtutibus $ 189).
genserkriege) diirfte diese (wohl einem jüngeren Teil angehöre
nde) Philo-Stelle
ihre Wirkung nicht verfehlt haben.
ds
=
ter
sehen, Ämtern sowie einer ästhetischen Kultur („schöne Gestalt“) gründet, von
24-25, Ein solcher Mann fürchtet nichts von dem, was „die Masse für übel hält“
(§
23), und den schrecklichsten Drohungen wird er offen mit den Worten
begegnen:
»Brate, verbrenne mein Fleisch, trinke dich voll an meinem dunkeln Blut!“
(§ 25;
vgl. § 22). Wie der Hahn so unerschrocken kämpfi, daß er bis zum
Tod ausharrt,
zieht der Weise mit der größten Freude den Tod der Knechtschaft vor
(§§ 131135). In der Zeit der Niedermetzelung des katharischen gallischen Hahns
(Albia
ti gleichzusetzen sel, da sich Chri
zestod Chris
ça mials Passio demnenKreu
er
immer wied darstelle.
, An-
„Wer edel auf sich nimmt, was ihn befällt, ist ein freier Mann,“ sagt
i
me
ng, r
rinus und
jogie
sieberN
ALigu
0 n des
g, dal das Martyri
assun
Au
der
n
ware
Ortl
n
harische
scharf den gesellschaftlichen Adel, der auf edler Abstammung, Reichtum
mentis-Idee der Freigeistbewegung glorifiziert und die auch von Thomas,
267
Philo Pyihagaricus
3
gelér
ee
i
ä lung des Unrechts“ . die „stück- und
als „Bemänte
gliedweise* Abschlachtung des
Gegners und der zestuckete man Morolt
nisse anzufertigen (vel.
Im Kontext der biblischen Vorschrift, keine
fit Gôtte
Philorbild
aus, daß das Gesetz es verdie Symbolik von Thomas’ Statuensaal),
DR
i he Myslii k der meen Religiosen von Untern über die neuplatonisc
die Geisttheotogie Kyrills von Alexandrien in: Grat(Anm. 11) tI, 510ff., bes
" nel Er
ONE
BIGN
4-5).:E.telle
(B fr.kles-S
S.>. 227Empedo
Bd. I,1dieser
iker (Ausg. H. DIELS 4 *1922), Bd.
a
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dem|
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5.
AKI
eh,
" ‚m;iritoFragmpian2 oe “in Bezichung.
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ee PAYER De il dich seelic machen” (KI. 1229)- Zu „meine und Verfasserschaft der Ambra|
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wer
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einer Ochsenhausener Handschrift (um
ninge Rolle
nec-Schwärmerei(se eine wichti
lo der Philo
Di = nebe: Liene ALTE
i
as
spielt.
kunst XII (1981) 1-28, bes. 22.
Pagina 11
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)biete, den Name
n Gottes
A
Wort des rechtschaffe
es
in
in
lei
leichtfer
tiger
$$
„denn das (bl
oß |
Gese
etz, seie
ein Eid, zuverlässig, ohne
‘
Wei
nen Mannes, meint das
Schwanken, ganz untrüglich
,
j der Wahrhej
glich,
in
’
.
;
eit verankert“ “ (D.
levi,
{
1-16, bes. 2). Noch schär
fer verwirft Philo das Schwören inLesujalibus
m alleresisi |
1-16
a als Frevel,
Micia
e
.
ja Gottlosigkeit
e
des Tristanroman
.
°
ers,
Sachhe“
e" seisej (spec Il
$
s bestätigen auf
daß der Eid „die
10). Indem sie
ie
vielfaltige Weis
Anrufung Gottes
mit
mit ihr
i en Got
e die Auff:
als Zeugen in zwe
ifelhafle,
tesanrufunge
n und Eidesform
elnIn
*
Philo Pythagoricus
269
sie es, die Philos Forderung der Verletzung eines unrechtmäßigen Gelôbnisses
erfüllen. Die Mordbuben ziehen das Meiden von Unrecht der Erfüllung ihres
Fides und mörderischen Auftrags vor.“
Genau dieselbe Haltung gegenüber dem unrechtmäßigen Eid wird in Gunthers
Historia Constantinopolitana veranschaulicht (Kap. VI). Nur wird Philos Sicht des
Eides mittels historischer exempla vergegenwärtigt, und zwar durch jene wenigen Kreuzfahrer, die sich darüber entsetzten (horrore perterriti), als Christen Raub,
Mord und Brand (sic!) an Christen (Zaras) verüben zu sollen, aus diesem Grund ihr
Gelöbnis brachen und nach Hause fuhren, während andere nur mit größter Mühe
(vix) den Papst dazu überreden konnten, sie von ihrem Gelöbnis zu entbinden,
trotz der in Aussicht gestellten Verübung von Untaten. In den Verhandlungen des
Kardinals Petrus von Kapua wiegt die Brechung des voturm crucis als „Sünde“ und
„Schande“ schwerer als die angebliche „Notwendigkeit“ (necessitas), „Christenblut
zu vergießen“. Die Veranschaulichung von Philos Sicht des Eides motiviert diese
Ausführungen Gunthers ebenso wie die entsprechenden exempla Gottfrieds.
Das gesamte Werk Gunthers wie der Tristanroman manifestieren eine deutliche
Anlehnung der beiden elsässischen meister (Erzieher) an die Weisheitslehren, die
Esoterik, ja politische Ethik Philos. So gehört Tristan zu jenen, die mit der „ungezähmten Wildheit von Tieren“ ihre Gegner „schlachten“ bzw. „zerhacken“,
„stück- und gliedweise, wie Köche es mit Fleisch tun“ (prob § 89). Tristans
„Schlachtopfer“, den zestucketen man Morolt (7140f.), setzt Gottfried analog
Philos Formulierung in der Weise zur Zerlegung von Wild in Beziehung, daß er in
eenAbie ou
prie
l miiezen Ker
pee
en! - vgl. die
nilo erorierte
n „unbesonne
nen Eide“, d.
r
i
= at
der Jagdepisode genau dieselben Worte gebraucht. Wie das houbet des zerlegten
Formulierung
Phi
lent
as o
los
en
h. das Veal
i
r
Eidsch
wurs
Unre
cht tut
“
,
Gottfried nahezu leh
„eine
Schuld
dea
zur and
ern
rbuchartig veranscha
uli
dabe
ien
fügt“
cht.
/
Dasselbe m oy
e
ilos
en
Hirsches wird das houbet des zestucketen Morolt als prisant (= ehrfürchtig dargebrachte Gabe) von Tristan zum Hof geschickt (3051f., 7120fF.). Wie der
zestuckete Hirsch wird der zestuckete Morolt, in driu stucke zerteilt, „wie Köche es
mit Fleisch tun“ (Philo), sodann zusammengelegt, „damit niemand etwas davon
verliere“ (vgl. auch 2947: diu stucke nam er elliu driu [= Hirsch] - 7147: diu stucke
#1 {soldes Anschlag auf das Leben Brangänes läßt die Sprachkunst von Thomas (und Gottfried)
deutlich werden, nämlich die epische Veranschaulichung philonisch-gnostischer Weltsicht und
Ethik mittels historischer exempla. Thomas läßt seine Bertrade-Gestalt (Isolde) die occulta machinationes (Ordericus Vitalis, Historia Ecclesiae IV 288) der ehebrecherischen Bertrade gegen PhiJips J. Sohn Ludwig (1081-1137) ausüben Bertrade versuchte mittels Versprechungen und
Belohnungen, den jungen Prinzen aus dem Wege zu schaffen. Dies mißlang in ähnlicher Weise
wie im Roman. Desgleichen wurde Bertrade verziehen. Zusammen mit der kritischen Tendenz
ist also die Thematisierung der Eidesproblematik schon die ideologisch motivierte Ergänzung
des Thomas. Hierzu mein Beitrag für die Bos!-Festschrift (Anm. 3).
Mit seiner epischen Maskerade historischer Personen und Handlungen konnte Thomas an die
Tradition der Chanson deges'e anknüpfen, in der die Lebensschicksale der Fulkonen (Grafen von
Anjou) stofllich verarbeitet wurden. Das Verfahren des Thomas ist aber auch mit dem „Versteckspiel“ der Troubadours (z. B. Bertran de Born, Bernart de Ventadom) identisch, die zur Zeit des
Thomas seriptor (um 1180) an den Höfen von Argentan (Normandie) und Chinon weilten und die
königlichen und fürstlichen Personen ihrer Umgebung und Zeit mittels „Verstecknamen“
(C. Appel), darunter der Name ‘Tristan’, bis zur Kenntlichkeit entstellten.
Pagina 12
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)meine ich elliu driv [= Morolt)).
Ähnlich die Entsprechung hins
ichtlich der Spal.
tung des Hirsches (2801f.)
und Morgans (5451f.). Wir
können also davon ausgehen, daß die edelen herzen
(darunter sicherlich auch auf Burg
Schweinhausen bei
Buchau die
Töchter Irenes von Byzanz) zuvo
nische Gedankengut übermittel
wird.
r im Unterricht bereits jenes philo
t erhielten, das im Tristan epis
Den Mächtigen, die Unrecht tun
ch veranschaulicht
werden nach
137-138). Es ist dies das Schi
cksal Morolts, aber auch
Cratin, die nach der Eroberun
g Troj
der höchas fiir ihre bôsheit
büßen müssen: man zinsete in
(war ihnen zuvor tributpflichtig
), mi gebent sie solt,
heißt es hier in bezug auf den
von Philo prophezeiten Rollenta
usch von Siegern
und Verlierern (97f.).*
Dieses Wirken einer daseinsi
mman
machina mundi, tritt auch
enten Strafgewalt, einer Gerec
im Ligurinus zutage, desgl
htigkeit übenden
eichen im Nibelungenlied.
Herrschaft gewaltsam abnötige
n (ertw
zugesteht (55), rächt sich
ingen) möchte, was man ihm
noch bitterer, ebenso die
mortreechen Kriemhild als
Vollstreckerin
immanenten Strafgewalt „vergolten
„Dienicht freiwillig
übermüete Hagens, die von
der
einer pythagoreisch gefaB
ten, daseins-
“ wird (2108).
Dic Frage, ob und inwieweit auch
der Nibelungenlied-Dichter phil
onische Vorstellungen berücksichtigt hat, beda
rf eigens einer genaueren Anal
yse.
In diesem
Zusammenhang ohne Schlußfo
lgerung eine Beobachtung:
Ebenso wie der
Jüdische Gnostiker - platonis
ierend - „Kampfeswut, die
sich vom Zorne leiten
läßt“, von „wahrer Tapferke
it“ als „Wissen“ und „Weishei
t“ unterscheidet, als
„mutige Gesinnun
g“ und „gemeinnützige Erte
ilung guter Ratschläge“ (De
virtutibus $$ 1-3), setzt der Ni-Dicht
er die Kampfeswut Hagens
(grimme) in Gegensatz
zur Besonnenheit und
zum rehten heldes muo
seinem suone-Ethos, seinen
t(2325) Dietrichs von Bern
. Mit
am Gemeinwohl orientierten
gen) und seiner unerschü
tterlichen Rechtlichkei
t entspric
den Weisheitslehren Philos,
Warnungen (Ratschläht Dietrich weitgehend
einschlieBlich seiner (bereits
beob
” Hierzu Hans BAYER, áne éreal
se ein
Philo Pyihagoricus
?
sche
271
;
BezieD
iuncvrowwe Herrat, seiner Verlobten (1381). Diese
en Empfindung erkennen läßt, enin
7 a niet deSar einerinerotisch
der zehnten Aventiure geschilderten ehe!
i
hung, die n
schroffstem
at zu der
Sexualität.
IL
und die Gesetze mißbrauchen,
Philo „ihre Feinde unbarmherzig
e Herren sein“, denen die Hoch
miitigen bej
ihrem feindseligen Angriff unte
rlegen sind und sich schlieBlic
h ausliefern (De
praemiis et poenis $$
verten Kriechen im Moriz von
;
achteten) platonivihe - Der ‘Moriz von
Cratin' und der ‘Ligurinus’ Gunthers
Pairis, in: MlatJb XVI (1981)
von
180-211, bes. I81f. Hier weite
re Belege aus dem Ligurinus.
Dieselbe Tendenz zeigt die Histo
ria Constantinopolitana. Was die
Griechen an bluthefleckten
Schätzen in Troja eroberten, ist
nun ein Raub der Franzosen (Galli
), führt Gunther Str. XVII]
aus, im Kontext des oben erläu
terte
n »launigen Spiels des Schic
ksals“, das „keine Furcht kennt
und unbcirrbar und frei (/iber
“
a), d. h. ohne Einwirkung
eines göttlichen Waltens, seine
läuft. Kein Wunder, daß die
Bahnen
Pointiert häretischen Strophen
der Histoira in den meisien
schriften fehlen!
Handkonnten sich aber auch die orthodox-kirchlich Sel pia on à
ion entziehen, die Philo au Di a
es nicht der Faszinat
e) Aristokratie ausübte. Seine Erk! oF DI
ca per te (vorwiegend weiblich
die ii n
Kunst der Exegese enthält bereits
sich ni ol und derDie
eatinl is
a.
De
PR
ische
allegor
hf
:
18 26-29). Die v
i
it der
ige Schönheauseindie übermäß
ieallegori
rata
r
p
Symbole
schen
Ss ch ze genden Gedanken sie faltet die
.
. füre die,
* Worte nackt ans Licht
die; Bedeutung der
der Ta anion; i sie und führt
are durch das
i
zu werden brauchen, um das Unsichtb
elche nur etwas erinnert
(11
PA
n
|
=
o
78).
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zu können“
Si
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Legi
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Gottfrie
tritt
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und
Exeget
te
a”pre
in
iniihnen
an
A . Minas otte hervor, um ihre meine Zu entsliezen (Trist,
* li
die js N ae win
wan Di hter cabane de aber auch etymolog.isierend
wie R pm ans
Ebenso
der Worte“ d. h. den ursprünglichen Wortkem
mei, ren eon
doloris
filius
i.
d.
,
aa rt Benjamins stirbt, ihren Sohn ‘Benoni’
des Schmerzes 4 enmi© psitem
“= ist uri Tristan Blanscheflurs „Sohn
die seine Empfängnis un
Hinweis auf die triure (Trauer, Leid),
i te (7rist. 199 ff).
Mutter) begleite
auf das DALs
hito dehnt die Namenssymbolik des filius doloris
„vermeinen, un E Fe si
ie en Herumgetriebenen“ aus. Diese
Bösem wie ,, =È AI
allerlei
wegen
dies
Wahrheit aber unglücklich“,
‚den n mm zu den Kinis: Tode unversöhnliche Zankerei, Haß, dersichmvon
(Deae sce mu
ist
Besitztu
kein
an iter vererbt, ein Besitztum, das
En wart gegeben (2011f.). Zugleich ecg elaine rsdeni
aa 9) Ebenso sieht Gottfried im Namen
‘Tristan’, wie trureclich ein mi an
denn schulde ligen und vulen niht, d, h.
i. und Lehen,
È tal
Di a
°rerbt“ (Trist.
'
5372ff.,Ci 5458).
i
¿
ie
Ki
itervererbten haz, un
cri „weiterve
aosdi;
i
hon Chrétien macht von Philos Bildsprache Gebrauch. In De il
Fi è Philo aus, daß „unzählige Mengen von Zuchtvieh bisweilen eo An
der weder Waffen enmn ne
halten Mae getriebenttelwerden,
mit sich führt m ydan nen
saith oder irgendein Abwehrmi
b, um damit Zeichen zu geben... -
Und
so
Seem tee {wie Ochsen, Rinder und Widder] ducken sich nieder wie Sklaven
Pagina 13
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Philo Pythagoricus
vor dem Herrn und führen aus, was ihnen befohlen wird“
($$ 84-87). Solcheran
habe Gott den Menschen über alles eingesetzt, was auf dem
Land, im Wasser und
mus XVI 1-6, XXV 9,13). Vel. die Moses-Episode mit derselben Form der Bestraispiele hierfür sind die Gestalt des am Gesetz Zweifelnden und seine Vernichin der Luft lebt, als sein Ebenbild (1 Mos 1,26), damit er „als Statthalt
er des ersten
und höchsten Königs die Zügel und das Steuer der Regieru
ng führe über alle irdischen Dinge und die Sorge für die Tier- und Pflanze
nwelt übernehme“ ($ 88).
Eben diese Sicht der gottgewollten und gegenüber Gott
verantworteten „Oberherrschafi des Menschen“ (§ 87) wird im Yvain in der Figur des sogenann
ten „verfung, die tendenzidse Aufwertung des Priestertums als Hüter der Gebote des
Herrn und Verkünder der Wahrheit (XIII 1), die Darstellung von Zeugung,
Schwangerschaft und Geburt wie im Cligés, aber auch in der Estoire als Gegebenheiten der göttlichen Schöpfungsordnung (XXII 3; XXIII 7-8; vel. Parz. 110,11fF.).
Amrams Absicht zu heiraten, Söhne zu zeugen und sein Volk zu vermehren, findet
ebenso Gefallen bei Gott (IX 7,9) wie die entsprechende Haltung in der Estoire, die
tierten Waldmenschen“ kritisch als das genaue Gegenteil gestaltet
. Wie die Mächtigen der Zeit beherrscht der als imago Dei deformis gezeichn
ete Hirte zwar seine
Herde; die Tiere tragen jedoch die wildesten Kämpfe aus,
ohne daß dies den
Hirten zu stören scheint.” Die tierhafte Mißgestaltung des
Hirten veranschaulicht
die „Körperfehler“, die nach Philo einem vollkommenen Hirten
(Priester) nichi zu
eigen sein dürfen, so Verstiimmelung, überschüssige Glieder,
Aussatz, Flechten,
Warzen usw. (De specialibus legibus 18$ 80-81). Es ist gewiß
nicht verfehlt, auch die
„unvollkommenen“, da im Luxus lebenden, untätigen (geistlic
hen) Fischerkönige
und Cundrie bzw. das HaBliche Fräulein mit diesen
mittels Philos Symbolik zu erklären.
ihren körperlichen Mängeln
Die kritische Auseinandersetzung mit den Philo-Jüngern beginnt
böses und lebensfeindliches Element der Natur (XIII 10). Wie in der Estoire wird
der Zehnt als Gebot Gottes begründet (XIV,3 - vgl. Walthers Zinsgroschenspruch
11.18-29 mit Anspielung auf die antifeudalistische Freiheitsideologie: Jriez leben).
Selbst der philonischen Verwerfung von Trauer und Wehklagen wird widersprochen (XXXIII 1-5), desgleichen der katharischen Verwerfung von Krieg und
Tötung (XXV,1fF).
Wolframs pointiert antikatharische Schilderung der überschwenglichen Mutterjedoch schon mit
1-2). Die Formulierung ihrer Dankeshymne schimmert in Herzeloydes Worten
ik Philus De
sichtlich durch (vgl. Stillate mamille mee bzw. quia preceptum est vobis lactare
. Chrétien nimmt mit der
[nicht in der biblischen Dankeshymne I Sam 2] und Parz. 110,23ff.). Der Gegensatz zu Blanscheflurs Mutterschaft als „Not“ (die katharische Wertung) wurde
bereits gesehen.”
vita contemplativa (Therapeuten, Sonnenkult) anklingen
Schilderung des Fenice-Verhörs auf Wilhelms Bericht über
die englischen Katharer {aus der Gascogne, Eleonores Erblanden) Bezug, zuvor
Thomas mit seiner
Gestaltung des Statuensuals.?®
Von seiten der Amtskirche diente offenbar der PseudoPhilo dem Zweck, die
Philo-Begeisterung in Stiften und samnungen einzudämmen.
Es handelt sich bei
diesem Werk, das in einer Reihe von Handschriften
schen Raums vorliegt (Benediktbeuren, Schiftl
des bayerisch-österreichiam, Tegernsee, Salzburg, Wien),
aufgrund zahlreicher Graecismen um die Übersetzung
oder die Arbeit eines griechischen Autors. Der
Mutter Samuels, an der sich die göttliche Seligpreisung der Mutterschaft erfüllt (L
das Ketzerverhör von
Oxford (c. 1161-1166). Der betreffende Text läßt in seiner Metaphor
eines griechischen Textes
Pseudo-Philo dürfte also im
byzantinischen Raum der Auseinandersetzung mit dem
Messalianismus und
Bogomilismus gedient haben. Wie Roberts de Boron Estoire
dou Graal enthält die
Schrift eine quasi-biblische (»para-biblique“) Schild
erung wesentlicher Sachverhalte des AT mit pointierter antikatharischer Tenden
z.
% Hieszu schon BAYER, Gral{Anm. 11) 1,2521. - Ders., Hartman
n von Aue. Die theologischen und
Verhältnis zu Gunther von Pairis, Kastellaun
1978 (= Beih. 15 zum MlıJb), S. 55f. Harımann verknüpf
t die Vorstellung Philos mit zcitkritischen
Elementen.
” Hierzu BAYER, lepra universalis (Anm. 20) 291-295,
* Ausführlich belegt in BAYER, Antifendalismus (Anm. 3) 10ff.
2 Pseudo-Philon, Les Antiguités Bibliques, 1. 1-11, ed. D. J. HARRIN
GTON/ J. CAZEAUX, Paris
1976.
Vermählung der Söhne Brons nach göttlicher Anweisung. Das Sterile (vgl. die Origenes-Verehrung und die beati steriles [geistlichen Eunuchen] des AbHeBr!) ist cin
gefühle Herzeloydes folgt großenteils der Zeichnung Annas im Pseudo-Philo, der
dem Bericht Wilhelms von Newburgh über die Synode und
historischen Grundlagen seiner Dichtung sowie sein
273
»
erts
Estoire dou Graal siehe ausführlich BAYER, Graf (Anm. 11) 1, passim. In bezug auf
fem Bunde Sid relevant sind die Moses-Episode {100fT., 273 ff.), die priesterliche Amtsgewalt
(SOfF.), das „alte Gesetz“ (531f.), der Zehnt (88), die Vermählung der Söhne Brons (52ff.). Wie
ganz allgemein in der antihäretischen Polemik und Literatur wird im Pseudo-Philo nahezu jede
gnostische (katharische) Vorstellung umgebogen und im orthodox-kirchlichen Sinne gedeutet.
Das Priestertum wird betont. Der Dekalog steht im Zentrum. Die Benjamiten wollten den Dekalog erforschen, um zu sehen, ob tatsächlich Gott oder Moses (aus eigenem Antrieb) seinen Inhalt
bestimmt habe. Dieses Element ist gegen die bogomilisch-katharische Verwerfung des Dekalogs
gerichtet. „Rien d'ésotérique“, , caractère pharisien“ (aufgrund der ausgeprägten „Kirchlichkeit ),
stellen die Herausgeber fest. Das Individuum ist Herr seines Schicksals, wenngleich alles von
Gott gelenkt wird. Die jüdische Messiasvorstellung fehlt, weshalb auch nicht an jüdische Gnostiker als Leserkreis gedacht werden kann. Dic Strafe Gottes für die Zweifler (Enteignung, Enránkung, Verbrennung, Biicherverbrennung - Der Tau des Berges löscht aus, was in den Büchern
steht; der Blitz vernichtet sie), XXVI,I als gúttliches anathema bezeichnet, läßt bereits die Ketzerverfolgung des Mittelalters erkennen. Umbiegungen neuplatonischer Vorstellungen sind auch
das cor aequale bzw. purum (vgl. Eckharts glichez gemüete) der Streiter Gottes (XXV,1 ff.), insbesondere die Konkretisierung des biblischen Mannas (des gnostischen silezen brótes der Weisheit) zum Nahrungsmittel neben Wasser (X,7; XIX,10). Kap. XX,8 wird das verfängliche Manna
durch die Früchte des Landes ersetzt. Eben dies ist das Verfahren der antihäretischen Propaganda von Roberts Estoire und der Queste del Saint Graal. Hierzu BAYER, Gra/(Anm. 11}1, 58ff,,
112fT., 350. und passim.
Pagina 14
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Schon Hartmann von Aue setzte sich mit der Philo-
(katharisch) erweckter Adelskreise kritisch ausein
nische Ethik in zweierlei Weise bereits im Erec
Schwärmerei neuplatonisch
ander. So kommt die Philowie Chrétiens „syrisches Laken“ im Cligés die Herkunft der Weisheitslehren signalisiert - zieht der Meister Umbriz die ,buntgestickten begrifflichen Ideen aus
Ehrsucht) und ihrer „Heilung“ (Wundensymbolik) durch
die enkrateia (Aiusche
eit in allen Lebensbereichen
Herzensreinheit’, vgl. prob $$ 84, 159f.; contempi
$ 34);
2. in der Allegorese von
Enites allegorischem Pferd. Dieses trägt die Heldin
auf ihrem (Lebens-)Weg so
sanft daher, als ob sie bei günstigstem Wind
auf der ruhigen See dahingleitete
(7791ff.). Enites Pferd symbolisiert also den Habitu
s der Leidenschaftslosigkeit
(apatheia), den die königlichen Damen des Schlos
ses Penefrec als „Seelenärztinnen (Therapeutriden - vgl. depanetw “freundlich
behandeln, heilen’ neben ‘sorgfältig bilden’) jungen adligen Mädchen in Form
einer neuplatonisch orientierten
humanistischen Bildung vermitteln.
Gunther erläutert dieses Ethos mittels derselben Metapho
rik in seinem Kanonissenbüchlein (De oratione), die philonische Haltung
des besonnenen ,Reitkiinstlers“, der seine Affektewelt dergestalt zügelt, daß
sie das Maß nicht überschreiteı
(wie im Falle des „Verliegens“ der Helden)
, und der seine Seele wie ein Steueragricultura $8 67-76). Allerdings ist nicht
Affektewelt, damit sie nicht esoterischer Selbstzweck ist, individualistischer Persönlichkeit
un class, der vira evangelica und dem Mitleid
naie re hintanstellt.
Lebewesen und Pflanzen auf ihr“ (De aeternitate mundi $ 4; vel. Er. 7589f.) Wie
Philos Athlet des Geistes - vgl. die boumwol-Füllung des Sattelkissens (7703), das
tät, Zom, Haß und
sinne ‘Selbstbeherrschung einschlieBlich MaBigk
zu übersehen, daß Hartmann die geordnete
275
zur Geltung: 1. in der Vergegenwärtigung einer zerriitteten Affektewelt (ungezügelte
Sexuali
mann den ersehnten Häfen zulenkt (De
Philo Pythagoricus
skult einer aristokratischen
(erbármde) und guten Werk für die
Auch Wolframs kiusche wird durch
die Mitder Welt“ ($ 208).
Die Schilderung von Enites Pferd deckt sich nahtlos mit Philos Psychologie. Die
Polarität (widerstrit) der strahlend weißen Hälfte, deren heller Glanz den Augen
unerträglich ist (vgl. Platons Höhlengleichnis), und der schwarzen Hälfte vergegenwärligt den Gegensatz der taghellen göttlichen Vernunft, der die vernunftlose finstere Sinnlichkeit entgegenwirkt (Legum allegoriae1 § 1; ITI $$ 251-253). Der
| „grasgrüne“ Strich, der die Sinnesorgane (Augen, Ohren, Nase, Maul, auch
Kruppe) einrahmt bzw. miteinander verbindet und zwischen swarz unde wiz (7308)
verlauft, symbolisiert die Sinnenlust, die nach Philo die Mittlerin zwischen
Geist und Sinnlichkeit ist, dasie beide zusammen zur Auffassung des Wahrnehmbaren führe.
Der Gnostiker sieht diesen Sachverhalt 1 Mos 2,45 von dem Satz allegorisiert, daß
Gott den Himmel und die Erde schuf und alles Griin und Gras des Feldes.
Ebenso wie das Gras die Nahrung des vernunftlosen Tieres bilde, stehe das Wahrnehmbare zu dem vernunftlosen Teil der Seele in Beziehung. „Sobald Gott begonnen hat, die Sinnlichkeit mit Wahrnehmungsgegenständen zu tränken, stellt sich
auch der Geist zur Bearbeitung solch fruchtbaren Bodens ein“ (155 21-25; 1155 7175). Genau dies deckt sich mit der eigentümlichen Zeichnung von Enites allegorischem Pferd: weißer Ring um schwarzes Ohr und schwarzer Ring um weißes Ohr,
Grasgrün an Wahrnehmungsorganen.*
Philo vergleicht den Verehrer der Weisheit,
der in seiner Bildungsarbeit (Artes
liberales) „Vieles und Verschiedenes aus Versc
hiedenem zu ein und demselben
zusammenfúgl und zusammenweb 1%, zu
einem „einzigen bunten Werk“
(ebenso der Pseudo-Abälard am Eingang von
Ep. VII mit Berufung auf den bebilderten Tempel der Bürger von Kroton, der Stadt
des Pythagoras), mit dem Weber
und seiner Kunst, da auch das „schöne Gewe
durch allweises Wissen vollendet wurde“ (De
der Enites Satteldecke schuf, ist ein solcher
be Gottes, diese unsere Welt,
somniis 1 §§ 203-208). Der Meister
Verehrer der Weisheit. Die auf der
Decke abgebildeten „Wunder der Welt“ entspr
echen Philos Definition von Kosmos als „das Ganze aus Himmel und
Sternen einschließlich der Erde und der
* Hans BAYER, bi den liuten ist sé guot - Die x „meine“
oe a Bildung und Erziehu
7791fT. in bezug auf Enites Pferd, das (als
ng) die Heldin so sanft auf ihrem (Leben
üfdem ebenwáge swebet, / só er den
“ BAYER, bi den liuten (Anm. 41) 28311.
31,2(f.) in Beziehung, dem Sohn Uris vom Stamm Juda als von Gott berufener Kunsthandwerker
der Stifishütte. Dabei erklärt er den Namen ‘Beseleel' als ‘im Schatten Gottes’. Der Name Umbriz
des Meisters, der Enites Sattel anfertigte, entspricht der latinisierten Form dieser Deutung (vgl.
lat. umbra ‘Schatten’). Siche oben den Namen ‘Tristan’ als etymologischer Kern von ‘Benoni’
(filius doloris mei). Der Name ‘Urjans’ von Wolframs Katharergestalt (BAYER, Gral [Anm. 11]
passim) dürfte also auf den „Sohn Uris* vom Stamm „Juda“ anspielen.
Text vor Augen. Die griechischen Handschriften waren natürlich eine vorzügliche Tarnung der
Vgl. Gunthers ern
Seefahrer ans Ende des geistigen Seelenaufstie
gelangen läßt): salubris aurae flatus aspirans - Erec
x cuiar= ug, der
“ Philo setzt seinen gelehrten Webkiinstler zu dem vom „Geist Gottes erfüllten“ Beseleel (2 Mos
“ Hartmann hatte also hier nicht bloB die Platonische Psychologie, sondern tatsächlich den Philodes ‘Erec’ Hartmanns von Aue ue, in:
i Eu
(1979} 272-285, bes. 2731., 278, - Ders., Gunther (Anm. 1) 168.
(De or., 127 in bezug auf das Schiff, das den
Hartmann war also über die Philo-Schwärmerei und neuplatonische Erweckungsbewegung bestens informiert. Mittels der Metaphorik der antihäretischen „Kräuterkammer“ des Epiphanios (Panarion [4. Jh. n. Chr.], d. i. ‘Arzneikasten’ mit
„Gegengiften“ zur Widerlegung der Gnostiker und Messalianer), der als „borniers-)Weg
wint ze wunsche hat / und im
gesumien neuplatonischen Geisteswelt; jedoch konnte die Unterrichtsarbeit selbst nicht verborgen gehalten werden. Es gab hier stets auch „falsche Hausgenossen“ (Thomas, Gottfried).
Mit der Reimresponsion gezieret - parrieret (Parz. 1,3(.= Er. 72901.) sowie der blanken und swarzen
varwe (Parz. 1,11 bzw. 13; vgl. Er. 7993 bzw. 7306) knüpft Wolfram an diesen £rec-Text an. Die
nsychologische Polarität (widerserit) Philos (Geist - Sinnlichkeit) erscheint jedoch im ParzivalEingang als religiös-ethischer zwivel, der miltels des Verbs sunarhen (= veriichtlich machen, infamis facere} als häretischer zwivel bzw, Glaubenskrise verdeutlicht wird.
Pagina 15
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)ter“ Feind des Origenes gilt, der wichtigsten Auctoritas des AbHeBr (auBer Philo),
setzt er sich schon in seiner X/age mit der katharischen Häresie auseinander. Hier .
ersetzt er - in gewisser Entsprechung zur Tendenz des Erec - den philonisch. _
gnostischen Therapeuten (Seelenarzt) von der Art des (Pseudo-)Abdlard im '
AbHeBr durch den göttlichen Seelenarzt, der aus seiner himmlischen Krauter- ‘
kammer die christlichen Tugenden der mitte, zuht, diemuot als einzig wirksame .
Arznei gegen die Krankheiten der Seele (Liebesleidenschaft) verordnet.”
Auch Walther von der Vogelweide läßt eine zwiespältige Haltung gegenüber '
den Philo-Jüngern und ihrem hocharistokratischen anehanc erkennen. Die enkrateia ist als „Herrschaft über die Zunge“ und Sinneswahrnehmungen die Grundlage
der pythagoreischen Geistesbildung, die lamblichos’ Darstellung der betreffenden
Lebensform enthält. In antikisierender Formkunst mahnt Walther 87,1ff. zur
® Zu Epiphanios' Panarıon siehe MIGNE, PG 41, Sp. 178; 42, Sp. 834, wo dieser „Arzneikasten“ die
antidota gegen die gnostici zur Geltung bringt. Im Zusammenhang mit Gottfried und Gunther
sowie der mittelalterlichen Gnosis sind als Vorstellungen der Messalianer besonders bemerkenswert die Idee der physischen Spürbarkeit der Gnude (bei Gunther und den Religiosen von Unterlinden ein „Fächeln“ des HI. Geistes), die stoische apatheia, die Vergottungsmystik, die Institution der syneisaktai bzw. geistigen Ehe (amar spiritalis im AbHeBr) u. a. Woher hat Hartmann alle
diese Kenntnisse? Er muß Gottfried und seine Unterrichtsarbeit gekannt haben.
Im Iwein spielt Hartmann gar auf die Lebensform der Therapeuten an. Der boumgarten V. 6430ff.,
der bereits sachgemäß als “a virtual Garden of Eden” (H. B. WILLSON, MLR 57, S, 222) gedeutet
wurde, erscheint mit seinen Bewohnern der Schilderung contempi
$$ 20, 38-39, 72 nachgezeichnet. Der boumgarten liegt wie die Parks der Therapeuten deutlich abseits. Die Lagerstatt des
betagten Ritters entspricht derjenigen der Göttin Juno in der Blütezeit Roms (vgl. AbHeBr Ep.
VI: Juno und ihre keusch lebenden Jungfraucn, letztere als Vorbilder des Mönchtums, aber auch
den templum funonis von Ciceros Rhetorica Lib. II 1-3, auf den der Pseudo-Abälard in seinem
Zeuxis-Vergleich von Ep. VII eingangs anspielt). Das Vorlesen heiliger Schriften als Aufgabe der
Jüngeren und die freundliche Reaktion der Älteren, sodann die Atusche tugent (= enkrateia) und
wise rede, der sommerliche Leinenrock (vgl. De somniis I §§ 216-218) und der rauhe Pelz im
Winter - all dies findet sich in Philos Schilderung der Therapeuten angeführt. Die „Tugendprobe” ist als platonischer ,,Beischlaf* von Mann und Frau messalianische (und katharische) Praxis, von Epiphanios im Kapitel über die Messaliani als promiscue sexus utriusque dormientes
berichtet, d. h. Männer und Frauen teilen während des Sommers (im /wein eigens betont!) in
weiträumigen Gehôfien das Nachtlager (PG 41, Sp. 759). Dasselbe wird von Robert von Arbrissel
und seinen ersien Anhängern in den Wäldern von Craon berichtet. Das völlig unpassende Wort
treesten V. 6586 persitliert demnach die katharische „Tröstung“ (Consofamentum). Vgl. auch V.
65761. die Bemerkungen über die sexuelle Askese (sich enthalten). In Chrétiens Yvain besitzt
diese Episode keine wirkliche Entsprechung.
Es werden folgende Textausgaben berücksichtigt: Zrec (Ausg. Th. CRAMER, 1975), Iwein (Ausg.
Th. CRAMER, 1974), Parzival (Ausg, G. WEBER, 1963).
Auch Jamblichos’ Vita des Pythagoras wurde als Quelle pythagoreischer Ethik herangezogen. Es
ist allerdings nicht zu übersehen, daß schon Chrétien dem neuplatonischen enkrateia-Ethos
poetisch Rechnung Irug, insofern er die destruktiven Folgen unbcherrschter Rede sowie des
„Strafens im Zorn“ (lamblichos, Pythagoras, $ 197) ausführlich vergegenwärtigte. Keu ist aufgrund seiner sprichwénlich „bösen Zunge“ sowie seiner „häßlichen Reden“, insbesondere auch
seiner brutalen Bestrafung von Jungfrau und Hofnarr „aus Zorn und Wut“ das genaue Gegenteil
der philonisch-pythagoreischen Idealitàt.
Wolfram bringt (wie zuvor Hartmann) den enkrateta-BegrifT auf vielfüllige Weise mit dem Wort
277
Philo Pythagoricus
i se nicht ohne
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sche, ichtnssymbolik (Non-Swinda ‘die Nicht-Raeine
tion
lehrhafte Funk der Epistula
de(swint) auf
mit mhd. swinhin.
a eaftiche weisntStif
n
hule
tssc
in oberdeutsche
demselben Inhalt auf den Tristan
In Strophe 81,7ff. spielt der Spruchdichter mitdesertum-Schwärmerei
als schönen‘
M
à
ie Vorlage der Minnegrotte an, um die
,= >perie e
, erglesten, wilde), a
he Satnaau(schin
si
e la
dasc
agan
Prop
in Pass nachweisbare
en
nisch
philo
der
von
oem stützt.“ In Strophe 80,347. macht Walther
sterirchlich-klö
vi weiter gefaßt ist als das kirc!
ch viel
bekanntlich
anngten
saia
on
O
aus
ch
deutli
ders
beson
e
pm burg [Anm. 28] 39 zu Parz. clp Alegre
a
re
vine
und kiuschehervor (vgl. BAYER, Grals
Parz.
365,12
f.).
Die Sc!
ymus (Sunt enim in mori
waldensischen Ethos im Passauer Anon
sich mit diesem kiusche-Ethos, das wic im Falle der waldendeckt
dem Rahmen fiel) icherw
offenbar aus
rer von der hieri dareise über die provenzalischen Katha
i
i
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Lee
derts)Mnre si
ung
drück
Unter
der
Nachition des 13. Jahrhunder
wurde.Inquis
icg,r
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1215,
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Later
serkri
sell E ibigsn
hen Literatur. Die Mystik strebte eher die Ausrottung
thos aus der episc
pb"Kiusche-Eihre
(klassische) Zügelung an.
ffektewelt als
a ae
hsel (Anm. 3) ISK. drc
R, Abálard-Heloise-Briefwec
n deu ausführlich BAYE
p
ius,
Gregor
des
rinsel
Kloste
701.) finden - wie aufs) der
% In De laude eremi (PL 50,n als
me
del,
ng
lieru
Formu
e
ffend
betre
die
Inzest
eines
t
Fruch
= =: des Knabeenwiirtigt - diejenigen, die in den Stürmen der Ice cl= =
ende: e isch. vergeg
ng im Hafen der (klösterlichen) modestia (711). Gottfried ges
erlilten Eisen inRettu
seiner chise (Minnegrotte) als kontemplativer Hafen der zuht.
gleiche Motiv
Pagina 16
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)(pythagoreischen) Vollkommenheits
zahl Sieben Gebrauch, der „heil
igen“ oder
„Vollendung bringenden Zahi“ (De
opificio mundi$ 89-90), der ewig jungf
räulichen
göttlichen Zahl, „die weder gebor
en wurde noch gebären wird“ (Leg
um
alleg
orige 13
15), um den von der katharischen
Phönix-Symbolik versinnbildlich
ten höhvertigen
wän der edelen herzen, der beati
steriles, und die Verfolgung ihres
Scholasticus ans
Licht zu zerren.#
Wie Roberts Estoire, aber auch die
Queste del Saint Graal oder der
Conte Chré.
tiens, läßt Wolframs Parzival aller
orts eine poetische Anpassung an
die Vorstel.
lungswelt der neuplatonischen Erwe
ckungsbewegung erkennen. Philo
s Schrift
liber die Therapeuten ( Contempl),
die zusammen mit dem Pseudo-Phi
lo
in einer
Reihe von oberdeutschen und öster
reichischen Handschriften des XL/X
I.
Jahrhunderts fragmentarisch vorliegt,
bekannt. Schon Chrétien gestaltete
war dem Parzival-Dichter dem
seine Gralsburgepisode, das proze
Inhalt nach
ssionsartige
Hereintragen des Grals und der blut
enden Lanze in den Saal sowie das
Mah! der
Gralsburgbewohner bei Einbruch
der Nacht, im Anschluß an Phil
os Schilderung
des Mahls und der „heiligen Nachtfeier
“ in der Schrift über die Therapeuten
(contempi $$ 81-83
). Dem Gral als Eucharistiesymb
heiligste Speise“, die Knaben aufeine
ol entspricht bei Philo die „hoc
(geistlichen) Gralsburgbewohner fürstlich
bzw. „ein König oder Graf oder
en die
wie „ein Legat, Kardinal oder ein Papst
Kaiser“, während die Therapeuten
den
mischten Wein der Gottesli
hm Tisch hereintragen. Allerdings speis
ebe“ bei ihrer „heiligen Nachtfei
bedeutsamer: Während der Vors
“
»UNgeer“ trinken. Noch
itzende der Therapeuten den Einfä
gorisch verhüllten Geheimnisse
des
Frage nach der Symbolik des (euch
Heils erklärt, wagt Parzival nich
ltigen die allet einmal, seine
aristischen) Grals zu stellen. Das
Gralsburgbewohner widerspricht hart
Therapeuten.”
Chretiens Gralsburgepisode schildert
bzw. kirchliche Situation, die in
ichen“
also kritisch eine zeitgenössische relig
iöse
allen Details der „heiligen Nach
peuten als urchristlicher Gott
esdi
Die distanziert-kritische Haltung
Verhalten der
dem Ethos und Streben der „urchristl
enst nachgezeichnet ersch
tfeier“ der Theraeint. Offenbar macht
Walthers zeigt sich nun darin,
daß der ideale „Hafen“ steerer
zühte außerhalb der wijeste unde
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deserti (De laude eremi) liegt,
ja der „Hafen der Zucht und Sitts
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sogenannte Laienfrimmigkeit, in:
ZfdPh 100 (1981) 47-86, - Zur
philonischen Siebenzahl in der
spätmittelalterlichen Mystik siehe
: Rudolf von Biberach, Die siben
sirassen zu got, Ausg.
M. SCHMITT, 1969,
248*ff.
Zum Einfluß von Gerhohs kitche
n-(papst-)kritischem Traktat über
die vierte Nachtwache (De
quarta vigilia noctis) auf
die Zeituniversalis (Anm. 20) und
und Kirchenkritik des Conte
ders., Abätard-Helolse-Briefwech
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279
Philo Pythagoricus
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3 Hierzu BAYER, Gra! (Anm. 11) 1, 368fT, bes. 371.
Pagina 17
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)Philo Pythagoricus
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Philonische Mystik und
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Im literatursoziologischen Resonanzraum der Klage und des Erec signalisiert
Wolfram aber auch seine Kenntnis der geistesgeschichtlichen Grundlagen der
neuplatonischen Erweckungsbewegung seiner Zeit. Was er Parz. 453,11ff. über
den hochgelehrten Halbjuden Flegetanis ausfuhrt, der vorchristlich Kunde vom
Sinne einer
Gral (als Quelle der Vollkommenheit und des Heils) besaß und imosoph
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dazu
schrieb,
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praeparatio evangelica bereits vom
wal, trifft genau auf den Philo
Judaeus bzw. Pythagoricus zu, dessen Naturlehre
(physiologia), wie Hartmann bezeugt, Lehrstoff hochadliger Stiftsschulen war.
Auch das gräzisierte Wort fisión sowie das Erlernen des griechischen Alphabets als
Voraussetzung der Lektiire von Flegetanis’ Bericht vom Gral weisen in diese
Richtung.
In Toledo fand 400 n. Chr. die erste (auch gewaltsame) Unterdrückung gnostischer
Strémungen innerhalb der Reichskirche statt. Die wesentlichen Inhalte der hochmittelalterlichen Gnosis wurden samt litterae, ja astrologia und mathesis, auf die
Wolfram in Form der astrologischen künste des Flegetanis anspielt, in Toledo verworfen (anathematisiert).’* Die hier verurteilten Anhänger Priscillians vertraten wie Philos Therapeuten und die klösterlich gesinnten gnostischen Messalianer
Syriens (als Vorläufer der Bogomilen und Katharer) - eine ,enthusiastische” Frömmigkeitshaliung, die auf späteren Konzilien und Synoden stets mit der manicháischen Gnosis identifiziert wurde. Auch orientierten sie sich an der kontemplativen
Askese der Wüstenväter.° Die kritische Bemerkung Leos des Großen, daß der priscillianische Glaube an die fatalis necessitas kein Urteil über Gut und Böse ermögliche, da das menschliche Handeln in der Macht der Sterne liege, beinhaltet nicht
bioß die oben erläuterte dualistische Kosmologie (necessitas inevitabilis) samt ihrer
Auswirkung auf die ethische Verantwortlichkeit des Menschen (vel. z.B. Blanscheflurs Liebesleidenschaft zu Riwalin als „Schicksal“; Thomas, Trist. 1488: amer
m’estuet, altnord. Saga, cap. 6, 10: forlpg), sondern stimmt auch mit Parz. 454,15f.
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fünfundzwanzigste Frau den Gralsstein als Unterpfand des Heils trägt. Jaspis und Saphir sind die
Steine in der Mauer des Himmiischen Jerusalem (0/9 21,18 bzw. 19; vgl. 11). Das parodistische
Element von Gunthers Tafel aus Byzanz besteht darin, daß das angebliche Unterpfand der securitas (Heil) des griechischen Kaisertums angesichts der Eroberung von Byzanz schmählich versagte und dazu noch selbst ein Opfer der Plünderung wurde (siehe oben Anm. 13). Gunthers
Parodie bestätigt also meine Deutung des /apsit exillis.
Auch der Kern des Parzival, die Lepra-Symbolik als Sinnbild der „Vergiflung“ der Kirche durch
die Konstantinische Schenkung (gemäß einer Vita Sylvestrí), wird von Gunther berücksichtigt,
Gemäß seiner ironischen Formulierung übertrug Konstantin dem „hi, Petrus“ (= Papst) die
dignitas regie sedis, die Würde des Kaisertums (Kap. XVI). Hiermit wird signalisiert, daß die
eingangs (Kap. 1) als Sachwalter des Christentums angeführten „armen Fischer“ (pauperes piscatores) - homines bruti im Vergleich mit der scientia Platonis (!) - von Konstantin durch die dort
(Kap. I) kritisch angeführte Auctoritas Augusti Cesaris (als Sachwalter des Christentums)
ersetzt wurden, also - in der epischen Symbolik Chrétiens und Wolframs zum Ausdruck
gebracht - durch den „reichen Fischerkönig“ (vgl. oben dignitas regie sedis "Würde der
Kénigsherrschaft’ neben pauperes piscatores).
# Siehe MANSI, Concilia III, col. 1004ff.: apocrypha quae damnata sunt.
35 Siehe E.-Ch. BABUT, Priscillien et le Priscillianisme, Paris 1909, 33, 54, 231 ff. - Enchiridion Symbolorum, hrsg. von H. DENZINGER, Barcinone *'1960, 16 (§ 35), 113 (5$ 239-240).
Pagina 18
Vedi nel PDF(si apre in una nuova finestra)überein (mit der sternen umbereise vart / ist gepüfel
menschliche Wesen mitbestimmt).*
aller menschlich an, d. h. ist alles
Während Flegetanis’ Schrift auf die antike Gnosis
zurückweist, führt Kyots Suche
nach dem kiuschen Gralsvolk von den Abstine
ntes bzw. Continentes (= Priscillianer) zu Toledo nach Anjou, wo Robert von
Arbrissel im Geiste des vorbenediktinischen Mönchtums, der kontemplativen Askese
der Wüstenväter und weltflüchtigen Essener, die seit Eusebius als frühe Christ
en gedeutet wurden, in praxi
die Wendung zur Urkirche (ecclesia primitiva)
vollzog.
Natürlich ist Wolfram kein Philo-Verehrer. Dem
Halbjuden Flegetanis wirft der
Parzival-Dichter sogar vor, daß er trotz seiner Gelehr
samkeit dem Götzendienst
anhänge. Auch eröffnen die heidnischen Weishe
itslehren (heidensch list) nach
Wolframs Auffassung nicht den Zugang zur
(christlichen) Gralswelt.
0+an6
È von
und
n Warthausen, den
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Gräfin von Stadion in Thann
Abtissi Maximiliana,
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zeigt links die
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Éd aci mas Plan des Stifisneubaus merri
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tifts, und zwar
(gemäß
nn Kanonissen (Stiftsdamen, Chorfrauen) des Inselklosters Buchau im —-i =
alter eine bedeutende Erziehungsanstalt = — ce qe ai ne TitleMer —
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S. 274 meine Ausführungen über Enites Pferd aus dem Aus in ei
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istischen Bildung). Das Deckengemälde von Andre
ischqe ar
x an
Mannaregen in der Wüste (vgl. S. 265) und die ee
Ältesten als Symbolik der ecclesia triumphans enthält (vgl. S. 280), läßt noch im 18. Jahrhuna=
literatursoziologischen Resonanzraum der hochmittelalterlichen ET
istigen und
(Mystik) erahnen, desgleichen das Selbstwertgefühl dieser „edlen Herzen“ (vgl. S. 264).
Foto: Hans Bayer
** Ep. 15, MIGNE, PL 54, Sp. 677f.: quidquid ab
homini
bus agitur, non est hominu
m, sed astrorum
insania. Wörtlich so Parz. 454,15f.. Siehe
auch Augustinus, De haeresibus, 18 70,
MIGNE, PL 42,